Verlobung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 4)

Elisabeth Herzogin in Bayern als Verlobte
dahinter der Starnbergersee
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht?

Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen.

Das die Sissi Filme an den Haaren herbeigezogen sind, erwähne ich beinahe in jedem Beitrag.

Dass aber gerade die Kennenlernszene und alles weitere bis zur Verlobung, nichts als der reine Kitsch und eine hübsche Mär ist, um den von krisengebeutelten Land ein bisschen Idylle einzuhauchen, möchte ich heute gerne erzählen.

Denn leider sind die Filme bis heute zu viel in den Köpfen der – vor allem Frauenwelt – verankert, die diese glauben und für die volle Realität halten.

Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag Seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene Herzogin in Bayern

Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene „Néné“ Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890).

Kürzlich hat ein Ludovika Biograph gemeint herausgefunden zu haben, dass die Geschichte mit Néné gar nicht stimme. Es soll immer schon Elisabeth gewesen sein, die für Franz Joseph bestimmt gewesen sei und alle Historiker würden sich irren. Ähhh….

Ich vermag mir den Seitenhieb nicht verwehren, dass auch Historiker irren können, oft genug habe ich dies in meinen Beiträgen schon bewiesen und auch jetzt muss ich wieder etwas richtigstellen.

Manches Mal wird über das Ziel hinaus geschossen und Papier ist bekanntlich geduldig und so mancher Lektor leider nicht imstande das Gelesene zu verbessern.

Denn schon Egon C. Conte Corti (+2.4.1866, 17.9.1953) hat 1934 die Story in seiner sehr gut recherchierten Biographie „Elisabeth, eine seltsame Frau“, welche damals noch mit lebenden Augenzeugen gespickt war, aufgegriffen und erzählt.

Er bekam als Einziger Einsicht in mitterweile längst verschwundene, verbrannte oder absichtlich zerstörte Unterlagen und so stützen sich Historiker aus aller Welt bis heute auf seine Bücher.

Vor Conte Cortis Biographie gab es kleinere Bücher oder Broschüren welche im Auftrag von Kaiser Franz Joseph direkt nach dem Tode seiner geliebten „Engels-Sisi“ nur intern für seine Familie und als Erinnerung für die Offiziere veröffentlicht wurden.

Tief vergraben in so mancher Bibliothek kann man sie finden und ich habe sie gefunden. Auch hierin ist zu lesen, dass nicht Elisabeth die erste Wahl war, sondern Néné Kaiserin werden sollte.

Foto: Wikimedia/Commons
Sidonie Prinzessin von Sachsen

Doch dem Kaiser gefiel sie nicht, wie zuvor schon die arme Sidonie von Sachsen (*16.8.1834, 1.3.1862), die als Jungfrau sterben musste, weil sie Franz Joseph nicht schön genug war.

Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers. 

Der Bericht zu Franz Josef und seine Frauen kann hier nachgelesen werden. Natürlich war Helene in Bayern nicht die schönste Tochter von Ludovika, dies kann auf den Bildern von ihr sogar heute noch gesehen werden. In vielen Biografien ist sogar zu lesen, dass sie wie eine Bauernmagd ausgesehen hat, sie geschielt habe und generell grobschlächtig war.

Auf Seite 434 der Ludovika Biografie listet der Autor Fehler von Autoren auf, die in weiterer Folge auch von anderen Historikern übernommen wurden.

Nun gut, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, denn er selbst schreibt, dass die Verlobung am 19.8.1853 stattgefunden habe.

Ich finde es generell schade, wenn ein Historiker, andere verheizt und er selbst greift immer wieder Autorin Praschl-Bichler an, nimmt sich aber nun heraus, diese in seinem Ludovika-Buch immer und immer wieder zu zitieren. In seinem Kapitel „4 Tage in August“ geht es nur darum, Hamann, Conte Corti, Haslinger, Praschl-Bichler, Graf usw. mit seiner These, dass Helene nie für Franz Joseph vorgesehen war, anzugreifen.

Mir liegt das Buch der Grazer Universitätsbiblithek vor und zu Recht bin ich wohl die Erste, die das Buch in Händen hält, denn es ist völlig ungebraucht und ungelesen. Mittlerweile ist das Buch auch nicht mehr erhältlich am Markt. Manches regelt sich von allein.

Nun aber zurück zur Verlobung und zu den Historikern, denen ich nahezu ungeschaut vertraue und die heißen nun einmal: Graf, Schweiggert, Hamann (auch wenn sie Fehler gemacht hat), Conte Corti und Unterweger (noch vor ihrem Luzi-Wuzi Desaster).

Sophie suchte also fieberhaft in ihren eigenen Reihen eine geeignete Braut und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war.

„Die Mutter hat ihn ganz in der Hand, er wird ihr völlig gehorchen. Wer weiß, wie lange noch. Jetzt wird er vielleicht ohne Widerspruch die Braut annehmen, die sie, Sophie, für ihn ausgesucht hat. Schon längst hat sie mit ihrer Schwester in München den Plan besprochen, deren älteste Tochter Néné mit ihrem Sohne Franz Joseph zu vermählen. Das Projekt einer Verbindung mit der schönen und klugen Tochter des Palatins Joseph von Ungarn findet nicht ihrer Billigung.“ (1a) (Anmerkung Petra: gemeint war Erzherzogin Elisabeth Franziska; die Geschichte dazu, könnte ihr hier nachlesen).

Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth, in der Familie liebevoll „Sisi“ genannt mit, welche ihr gerade schwere Sorgen bereitete.

Sie hatte sich unstandesgemäß in Richard Graf von Schwarzenberg verliebt, welcher ihr den Kopf gehörig verdreht hatte.

Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Elisabeths Umfeld entfernt. Er wurde zum Militär geschickt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später.

Elisabeth war untröstlich.

Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen -
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (1)
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Elisabeth als 14jährige; das Erste bekannte Foto von ihr

Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie.

Zeit ihres Lebens sollte sie ihren Jugendfreund, der nie näher deklariert wurde, vergessen.

Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte.

Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, 19.5.1896) die Wunden heilen könne.

Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus.

Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Elisabeth ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab. 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Ludovika Königin von Preußen und Firmpatin Elisabeths

Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Ischl.

Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester.

Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter,

Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura (= in Abwesenheit) Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie).

Sie folgte am 13.8.1853 nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Victor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.

Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an.

Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen.

Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen.

Das Unglück nahm seinen Lauf.

Foto: Wikimedia/Commons
Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum

Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten.

Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht.

Sophie schrieb ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen:

„Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“  (2)

Néné wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in

Foto(montage): W. Hain
Souvenir des Verlobungspaares (Der Kaiser wurde größer gemacht).

Sisi.

Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Elisabeth verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest: 

„In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3) 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte
Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853
Elisabeth ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.

Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch:

„Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)

Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern.

Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte

Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah.

Herzogin Elisabeth trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi.

Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern.

Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu:

„Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)

Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Elisabeth bat, wussten alle im Raum Bescheid.

Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.

Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Elisabeth nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde.

Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser

„sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)

Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz:

„Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.

Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Herzogin Elisabeth verlobt hatte. 

Der kleine Ort war außer Rand und Band.

Foto: Wikimedia/Commons
Siriuskogel

Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E.

Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren.

Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Herzogin Elisabeth war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schrieb sie:

„Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)

Ludovika notierte:

„Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)

Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes
Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes

Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ.

Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten.

Elisabeth war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.

Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.

Foto: Wikimedia/Commons
Karl Ludwig Graf von Grünne

Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte.

So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar.

Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.

Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute ein Museum).

Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.

In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen.

So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiservilla

Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen.

Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn.

Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.

Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.

Elisabeth wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet.

Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org

Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben.

Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at

Elisabeth verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete. Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.

Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch:

„Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.

Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Elisabeth auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt:

„Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10) 

Foto: fuenfseenland.de
Das junge Paar

Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Sisis Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen.

Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen.

Sie ließ Sisi Eisenpräperate zukommen, die diese einzunehmen hatte. Diese jedoch färbten die Zähne unweigerlich schwarz. 

Elisabeth litt darauf hin ein Leben lang unter ihren schlechten Zähnen, weshalb sie den Mund beim sprechen nie ganz aufmachte und niemals lächelte. 

Weiters wurde an Elisabeth herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus.

Sie musste stundenlang Modell stehen, ihr war langweilig und sie wurde unruhig. Der teure Schmuck, der aus Wien eintraf, wurde in die Schublade verstaut, einzig der Papagei von Kaiser Franz Joseph, der ihr nach Bayern geschickt wurde, bereitete ihr Freude.

Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:

Lebet wohl, ihr stillen Räume,
Lebe wohl, du altes Schloß,
Und ihr ersten Liebesträume,
ruht so sanft in Seesschoß.
Lebet wohl, ihr kahlen Bäume,
Und ihr Sträucher, klein und groß,
Treibt ihr wieder frische Keime,
Bin ich weit von diesem Schoß. (12)

Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte 1,5 Tage.

Bei einem dieser Besuche, überreichte ihm Sisi ihr Verlobungsgeschenk. Stolz und hoch zu Roß, im Hintergrund Schloss Possenhofen,

die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer.

60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valerie übergab. 

Foto: dorotheum.com
Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert.
Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty

Beim selben Besuch, brachte Kaiser Franz Joseph mitten im Winter ein Bukett aus weißen Rosen mit – ein ungeheurer Aufwand für die damalige Zeit!

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel,

Elisabeths Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen.

Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877):

„Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13) Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung. 

Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Elisabeths Schmuck und Aussehen.

Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten. 

In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet. 

Als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte ganz Wien. Die Geschichte zur Hochzeit, kann hier nachgelesen werden. 

Petra –


Rechtliche Hinweise:

Text: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, dorotheum.com, fuenfseenland.de, anno.onb.ac.at, oocities.org, Peter Füssl, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra , W. Hain,


Literatur Hinweise: 

1a – S 23
E.C.Conte Corti
Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heyne Verlag, 15. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

1 – S 30, 2 – S 31, 3 – 4 – S 32, 5 – S 34, 6 – 7 – S 35, 8 – S 38, 9 – S 37, 11 – S 47, 12 – S 48, 13 – S 52 
Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992

10 – S 153 
Ingrid Haslinger 
Erzherzogin Sophie Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 1. Auflage, 2016 


Ein Gedanke zu „Verlobung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 4)

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