Website-Icon Mythos Kaiserin Elisabeth

Eine glückliche Kindheit?

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth als ca. 14jährige,
1. bekannte Fotografie
Bild: Alois Löcherer

Sisi, Elise, Liesl, Lisel, Beta, Sethy, Sissy, Rose vom Bayernland, durch die Filme auch Sissi.

Viele Namen, eigenartige bis schreckliche Schreibweisen von Sisi und noch mehr Anekdoten ranken sich um Kaiserin Elisabeth.

Doch nur eine Schreibweise wurde wirklich bekannt und auch nur mit einer unterschrieb sie ihre private (!) Korrespondenz:

Sisi

Ihr Kosename war nur ihren engsten Vertrauten vorbehalten.

Niemand sonst hätte es gewagt die Kaiserin mit „Sisi“ anzusprechen.

Die Etikette am Wiener Hof war äußerst streng und unbedingt einzuhalten. Wer sich mit dem Spanischen Hofzeremoniell bzw. der Hofetikette auseinander setzen möchte, ist hier richtig.

Zu ihrem Mythos hat Romy Schneider viel in der Sissi-Trilogie beigetragen.

Dass Kaiserin Elisabeth einmal so berühmt wird, verdankt sie im Prinzip dieser „Herz-Schmerz-Trilogie“.

Dass die Darstellerin der Filme ebenso zerbrach, wie das Original, kann man beinahe schon „Schicksalsbehaftet“ nennen. Romy Schneider sagte einst über die Rolle, dass sie in ihrem Leben wie Grießbrei an ihr pappen würde.

Ich glaube, dass ihr Kaiserin Elisabeth Recht gegeben hätte. Nur das es bei ihr keine Rolle war, sondern tatsächlich ihr Leben.

Aber wer war diese Frau, die uns noch heute so fasziniert und beinahe täglich in den Social Media Kanälen zu immer eigenartigeren Fotowettbewerben antreibt?

Wer war diese Frau, von dem jede/r Dritte meint…


Das junge schüchterne sechzehnjährige Mädchen, von dem heute alle Welt denkt, es in- und auswendig zu kennen.
… (1)

Wer war diese Frau, dass man ihr Konterfei auf Seifen, Bierkrüge, Kochhandschuhe, Schokoladen oder Radiergummi (usw.) pappt?

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiserin Elisabeth Wachsfigur Madame Tussauds, Wien
Wer war diese Frau, die man ins Madame Tussauds Museum mit einem grässlichen grauen vorhangartigen Ding das sich Sternenkleid nennen soll (ohne Sterne), entsetzlich frisierter Perücke und einer jung dargestellten Sisi einen Anker auf die Schulter tätowiert, den sie nachweislich erst mit knapp 51 Jahren in Marseille (1888) machen ließ, stellte?

Ich versuche die Spuren dieser uns in dieser Zeit immer noch bewegenden Frau zu finden, nachzugehen und zu erzählen.

Aber wie immer beginnt jede Reise mit einem Anfang:

Schon während oder nach kurz nach der Geburt von Elisabeth gehen die Bücher der Historiker/innen weit auseinander.

Die einen schreiben, Herzog Max sei schon während der Geburt von Elisabeth wieder über alle Berge gewesen, die Anderen sagen, er fuhr erst einen Monat später in den Orient.

Was ist wahr?
Was ist Legende?
Was ist Film?
Was ist erfunden?
Woher kommt dieser enorme Mythos?
Auch ich werde das alles nicht aufdecken können.
Aber ich werde mich bemühen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika
Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max in Bayern

Elisabeth wurde am 24.12.1837 um 22.43 Uhr in ein Herzogshaus geboren.

Ihre Mutter Ludovika, genannt Louise (*30.8.1808, 26.1.1892) wurde als Prinzessin von Bayern geboren und mit Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, 15.11.1888) vermählt.

Der Beitrag von Louise kann hier und von Max hier gelesen werden.

Sie war das vierte Kind von insgesamt 10 Kindern, wobei 8 das Erwachsenenalter erreichten. Der zweite Sohn Wilhelm starb 2 Monate nach der Geburt, weshalb Sisi im Prinzip an dritter Stelle stand.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Louise hatte in ihrem Boudoir im Beisein ihrer Mutter Ex-Königin Caroline von Bayern (*13.7.1776, 13.11.1841), ihrer Obersthofmeisterin Auguste Gräfin von Rottenhan (*/unbekannt), ihrer (Halb)Schwester Auguste von Leuchtenberg (*21.6.1788, 13.5.1851) sowie deren Tochter Eugénie Erbprinzessin von Hohenzollern-Hechingen (*22.12.1808, 1.9.1847) die kleine Wittelsbacherin am Weihnachtsabend, den 24.12.1837 um exakt 22.43 Uhr entbunden.

Zwei Hofdamen hielten sich in den Nebenräumen von Herzogin Ludovikas Privatgemächern auf.

Sehr zum Unwohlsein der Herzogin, kamen in ihr Boudoir (Badezimmer) drei königliche Würdenträger, um die Ankunft der Herzogin zu bezeugen. Anders als früher im französischen Haus und noch immer im englischen Haus üblich, musste zumindest Ludovika vor den fremden Herren keine öffentliche Geburt abhalten.

Foto: Bildarchiv des Bayrischen Landesamts für Denkmalpflege, München
Badezimmer von Herzogin Ludovika
(ohne Badewanne)

Dennoch war natürlich Louise nicht im herzeigbaren Zustand, als sie im Morgenmantel über dem Nachthemd, mit zerzausten Haaren und blass auf ihrer Chaiselongue ruhte.

Die Herren Sebastian Freiherr von Schrenck (*28.9.1774, 16.5.1848) (Staatsminister der Justiz), Ludwig Ritter von Wiesinger (Staatsminister des Inneren) (*/unbekannt) und Friedrich Freiherr von Gise (*17.3.1783, 4.10.1860) (Staatsminister des königlichen Hauses) traten vor die erschöpfte Mutter, um die neue Wittelsbacherin in dem Geburtenbuch einzutragen.

Ein Staatsakt und gleichzeitig eine Beglaubigung, dass es sich hierbei um Mutter und Tochter handelte. So konnte ausgeschlossen werden, dass eine fremde Mutter oder ein fremdes Kind als „Wittelsbach“ untergeschoben wurde.

Königin Marie Antoinette in Frankreich musste noch eine „öffentliche Geburt“ ertragen. D.h. Staatsdiener, Hofdamen, Hebamme, Arzt und Adelige am Versailler Hof durften beim Gebären zusehen. Marie Antoinette hatte sich in weiterer Folge erfolgreich gewehrt.

Am britischen Hof wurde weiterhin „öffentlich“, jedoch mit einer Leinwand zwischen Beinen und Oberkörper entbunden. Die Staatsdiener, Hofdamen standen auf der „nicht familiären Seite“ (also der Oberkörper zugewandten Leinwand) und alle anderen auf der „familiären Seite“ (also der mit den offenen Beinen zugewandten Leinwand).

Diese Peinlichkeit wurde mittlerweile dem gebärenden Haus Wittelsbach erspart.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.

Eine andere jedoch nicht:

Durch das Dekret ihres Halbbruders König Ludwig I (*25.8.1786, 29.2.1886), welches Max kurz vor der Hochzeit erhielt und ihm damit der Titel „königliche Hoheit“ aberkannt wurde, wurde Prinzessin Louise bei der Hochzeit zur Herzogin dekradiert.

Ludwig machte damit etwas zunichte, was sein Vater König Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, 13.10.1825) und Herzog Wilhelm (*10.10.1752, 8.1.1837) jahrelang versuchten aufzubauen.

1799 ändeten die beiden die Erblinie „in Bayern“ und „von Bayern“ so um, dass sich beide Wittelsbacher-Linien „Prinz“ und „Prinzessin“ nennen durften. Mit dem Dekret vom 7.8.1828 war dies schlagartig dahin. Die Erblinie „in“ und „von“ Bayern kann hier nachgelesen werden.

Später sollte genau dieses „in“ Bayern Elisabeth mächtige Probleme bereiten. Was ihr widerfahren ist, würde man heute Mobbing nennen.

Bis zum 7.8.1828 durfte sich Herzog Max in Bayern „königlicher Prinz“ nennen. Ab diesem Datum, verordnete König Ludwig I über sein Staatsministerium und ließ Herzog Max folgende Mitteilung zukommen:

„Bey Gelegenheit der Verehelichung Unseres vielgeliebten Vetters, des Herrn Herzog Maximilian in Bayern, Hoheit, mit Unserer Prinzessin Schwester Königliche Hoheit wollen Wir, daß bey Abfassung der Ehepakten die dem Herrn Herzog gebührende Titular streng einzuhalten, daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört, gebraucht werde.“ (2)

Nach dieser ungeliebten Hochzeit wurde Ludovika nicht mehr wie früher mit „königliche Hoheit“ angesprochen, sondern mit „Herzogin“ oder „Hoheit“

Louise haderte Zeit ihres Lebens mit ihrer Titel-Degradierung.

Demnach war der Titel des neuen Familienmitgliedes

Herzogin in Bayern

Später wurde genau dieses „in Bayern“ Elisabeths größter Feind und lebenslanges Hindernis. Durch diese „Adelstitel-Barriere“ – wie man das schon nennen kann – wurde sie am Wiener Hof nie anerkannt.

Am 26.12.1837 wurde das kleine Mädchen auf die Namen

Elisabeth Amalie Eugenie

in der Stiftskirche St. Kajetan, Theatinerkirche in München getauft.

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Amalie Auguste von Sachsen
Bild: Joseph Stieler, 1823
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Elisabeth von Preussen

Die Paten waren die engen Vertrauten von Louise Elisabeth Kronprinzessin von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873), welche 3 Jahre später Königin werden sollte.

Die zweite Patin war die Zwillingsschwester von Elisabeth, Amalie Auguste Prinzessin von Sachsen (*13.11.1801, †8.11.1877), welche am 9.8.1854 Königin wurde.

Und dank Dr. Martina Winkelhofer und ihrem Buch „Sisis Weg“ ist nun auch endlich bekannt, woher Eugenie stammt. Sie war die Nichte der Patinnen und der Mutter der Neugeborenen, Eugenie Erbprinzessin Hohenzollern-Hechingen, welche unter dem Namen Eugenie Herzogin von Leuchtenberg geboren wurde.

Der Name ist nicht, wie von mir vermutet, nach dem verstorbenen Eugené de Beauharnais (*3.9.1871, †21.2.1824), später Herzog von Leuchtenberg abgeleitet, welcher der vielgeliebte und -beweinte verstorbene Ehemann und Vater von Auguste Amalia von Leuchtenberg und Eugenie war, welche beide bei der Geburt der kleinen Elisabeth anwesend waren (wie weiter oben im Text erzählt).

Prinzessin oder Herzogin – welcher Titel stimmte?

Doch warum schreibe ich so konsequent „Herzogin“, wenn alle anderen immer das Wort „Prinzessin“ oder bei den Brüdern von Elisabeth das Wort „Prinz“ voransetzen.

Auch wenn das Wort „Prinzessin“ und „Prinz“ so hübsch klingen; die herzoglichen Kinder waren nie Prinzessinnen oder Prinzen.

Das Dekret vom 7.8.1828, also einen Monat vor der Hochzeit von Prinzessin Ludovika und Herzog Max, besagte eindeutig, dass sich Max nicht mehr „Prinz“ nennen durfte.

Dies implizierte sich auch auf seine Nachkommen, da sie sowohl seinen Namen, als auch seinen Titel erbten.

…daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört (2)

Anmerkung Petra: nochmaliger Ausschnitt aus obigen Dekret

Warum im Prinzip in beinahe jeder Biografie über Kaiserin Elisabeth (ob alt oder neu ist dabei völlig ohne Belang) von „Prinzessin Elisabeth“ die Rede ist, ist mir nicht erklärbar.

Die Mär der Prinzessin wurde natürlich auch in der Film-Triologie „Sissi“ aufgegriffen und zieht sich durch bis zur gleichnamigen Zeichentrickserie, wo unsere dunkelhaarige Kaiserin, sogar blond gezeichnet ist.

Aber nicht nur die Historiker/innen und Filmregisseure/innen dieser Welt haben diese Mär verbreitet, sondern auch die Hofzeremonienmeister jener Zeit.

Vielleicht kommt dieses „Prinzessin“ auch von daher, da viele Historiker/innen die Einträge von damals als Recherchevorbild nehmen. Oft wird aber nur von einem zum anderen abgeschrieben und so verbreitet sich das natürlich weiter und weiter und weiter…

Eine mögliche Erklärung liefert wahrscheinlich der bayrische Volksmund selbst.

Diese betitelten die herzoglichen Töchter (und zwar nur die Töchter) gerne als „Prinzessin“. Und da später Kaiser Franz Joseph gar keine Herzogin heiraten hätte dürfen (nicht standesgemäß), wurde Elisabeth, wie sie zur Kaiserin wurde, anscheinend zur Prinzessin.

Sieht man sich in späteren Jahren seine strikte Ablehnung bei unstandesgemäßen Hochzeiten an, ist es hier wohl am meisten erstaunlich, dass Kaiser Franz Joseph bei sich selbst wohl die größte Ausnahme machte, seine Verwandten aber gerne ins Unglück rennen ließ.

Anders der militante, elitäre und versnobbte Wiener Adel oder Wiener Hof, der Elisabeth so sehr zum Verhängnis werden sollte. Das Spanische Hofzeremoniell – Hofetikette kann hier nachgelesen werden.

Foto: APA, Sisi Museum Hofburg
Kinderschuhe von Herzogin Elisabeth
mit herzoglichen Wappen

Eine geborene „Herzogin in Bayern“, ja gar ein „Landmädel“ wie sie auch genannt wurde, auf dem kaiserlichen Thron war für die Adeligen jener Zeit ein ungeheures Ausmaß an Abscheulichkeit.

Diese militante Einstellung und Ablehnung, sollte Elisabeth ihr ganzes weiteres Leben zu spüren bekommen. Mit einer der Gründe, warum ihr das Leben als Kaiserin so extrem schwer fiel.

Nach strenger Etikette hätte der Kaiserin-Titel nur einer königlichen Prinzessin (kaiserlich geborene Prinzessinnen gab es nicht) weitergegeben werden dürfen. Hätte also nach dem Hofzeremoniell Kaiser Franz Joseph eine königliche Tochter geheiratet, wäre diese eine geborene Prinzessin gewesen.

So aber galt seine Hochzeit als unstandesgemäß. Da er aber zuvor alle anderen Vorschläge seiner Mutter ablehnte, diese aber auch seine Herzensdame Erzherzogin Elisabeth (*17.1.1831, †14.2.1903), wurde Sophie auf ihre eigene Familie aufmerksam. Der Rest wurde zur Weltgeschichte… (Kaiser Franz Joseph und seine Frauen bis zur Schratt kann hier nachgelesen werden.)

Bereits in der allerersten Biographie die es von Kaiserin Elisabeth gab, wurde sie als „Prinzessin“ betitelt. Diese hatte Kaiser Franz Joseph persönlich in Auftrag gegeben. Sie diente als Erinnerungsschrift und wurde nur am Wiener Hof und den engsten Verwandten zugetragen.

„Auf Schloss Possenhofen erblickte Elisabeth Amalia Eugenia am 24. Dezember 1837 das Licht der Welt. Schon sehr früh zeigte die kleine Prinzessin Elisabeth ein lebhaftes Interesse für die Natur und die Vorgänge derselben, eine Neigung, die von ihren fürstlichen Eltern mit liebevoller Freude genährt und gefördert wurde.“ (4)

1905 hieß es “ ….;

„Prinzeß Elisabeth, als zweites Töchterchen und hochwillkommenes Christkind eingekehrt am 24. Dezember 1837 in München beim glücklichen Elternpaare…“ (5) 

Im Kinderbuch von Sigrid Laube „Sisi, das Kind der Sonne“ liest sich das folgendermaßen:

„Hört, ihr Freunde, was geschehen, an der schönen Isar Strand, hört…“ Die Stimme des Bänkelsängers klang dünn und brüchig durch die Nacht. Der Winter war in diesem Jahr schon früh mit bissiger Kälte über München hergefallen und hatte die Stadt in einen klirrenden Mantel gehüllt. Vor dem Mund des Sängers bildeten sich im Takt des Liedes kleine Wolken, sie zögerten kurz und lösten sich dann in einer eisigen Luft auf. … „Weihnachten ist, da ist das Theater geschlossen, sogar das Café Chantant im Palais Max. Aber wenns wahr ist, sorgt der Allmächtige dort gerade für höchsten Nachwuchs, prinzlichen sozusagen.“ „Oder prinzesslichen, wies der Herrgott halt will“, fügte er hinzu. (6) 

Um es zu vervollständigen, müsste ich hier ca. 25 – 30 Bücher zitieren, was ich mir – ihr verzeiht mir hoffentlich – erspare.

Allerdings möchte ich euch noch ein Zitat aus einem Kinderbuch vorstellen. Geschrieben wurde es von der Historikerin Gabriele Praschl-Bichler:

„Vite! Vite! Les enfants! Viiite!“ („Rasch! Rasch, Kinder! Raaasch!“) Eine Gouvernante treibt die ihr schutzbefohlenen Mädchen zum rascheren Gehen an. Dabei spricht die Erzieherin mit den Kindern französisch, weil das damals alle feinen und gebildeten Leute taten. Vor dem Palast des Herzogs Max in Bayern herrscht reges Leben. Das Einfahrtstor steht weit geöffnet, Bedienstete strömen auf die Straße. Lieferanten, Künstler und andere bunte Gestalten bevölkern den Platz vor dem Gebäude. „Die Herzogin ist wirklich zu bemitleiden! Eben hat sie ein Mädchen geboren und schon ist ihr Mann wieder davon! Ein rechter Zugvogel ist der gute Herzog halt…pardon, wenn man das so sagen darf! Es heißt, dass er sich in Griechenland aufhält, um dort…“ …. Ganz nebenbei, wie heißt das Mädchen eigentlich? „Die kleine Tochter des Herzogs.“ „Man hat sie Elisabeth genannt.“ (7)

Anmerkung Petra: Hier wird das Wort Prinzessin zum ersten Mal nicht erwähnt

Ab 1845 wurde Herzog Max in Bayern die Anrede „königliche Hoheit“ von König Ludwig I. gewährt.

Jetzt sah die Sachlage schon anders aus. Elisabeth wurde nun zur „königlichen Hoheit“, nicht aber zur Prinzessin. Wenn man bedenkt, dass sie 8 Jahre später heiratete, kam für sie diese Ehre zu spät.

Die Anfänge von Herzogin Elisabeth

Der 24.12.1837 war ein Sonntag, weshalb sie von sich selbst immer behauptete, sie sei ein Sonntagskind. Zu dem hatte sie bei der Geburt schon einen Zahn – was damals als Glückssymbol galt.

Ein glückliches Leben wurde der jungen Herzogin immer vorausgesagt. Wie oft hat Sisi wohl davon geträumt?

Aufgewachsen ist die kleine Herzogin zwischen der Ludwigstraße 8 in München und dem idyllischen Schloss Possenhofen am Starnberger See, welches beides schon in der Familie war, als Elisabeth zur Welt kam.

1828 wurde das imposante Palais Herzog Max fertig, welches als das schönste und der prächtigste Bau seiner Zeit galt. 1834 wurde „Possi“ angeschafft, um den Kindern auch frische Luft, einen Ort zum Spielen, Reiten, Jagen, Schwimmen, Fischen und Wandern zu ermöglichen.

Sisi wuchs also zunächst mit Bruder Ludwig „Louis“ (*21.6.1831, †6.11.1920) und Schwester Helene „Néné“ (*4.4.1834, †16.5.1890) auf. Ihr Lieblingsbruder Carl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, 30.11.1909) sollte direkt nach ihr geboren werden.

Die Geschwister Marie (*4.10.1841, 19.1925), Mathilde „Spatz“ (*30.9.1843, 18.6.1925), Sophie (*23.2.1847, 4.5.1897) und Nesthäckchen Maximilian Emanuel „Mapperl“ (*7.12.1849, 12.6.1893) folgten nach.

Ihre größte Liebe wurde jene zu den Pferden, auch wenn Tierschutz und Verhätschelung nicht im Vordergrund war, wie man es heute kennt. Mein großer Beitrag „eine Kaiserin zu Pferde“ kann hier nachgelesen werden.

Bis zu ihrem (ca.) 6ten Lebensjahr besaß ihr Vater im hinteren Teil des riesigen Palais eine Zirkusmanege, wo er als Zirkusdirektor auftrat und seine Kinder als Kunstreiter auftreten ließ.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bild im Privatbesitz, deshalb mit extra großem Logo – der Besitzer möchte nicht genannt werden
Kaiserin Elisabeth auf ihrem Dressurpferd Avolo
Bild: Wilhelm Richter, 1876

Elisabeth sollte 45 Jahre lang auf dem Pferd sitzen. Das Kunstreiten wurde in dieser Zeit ebenfalls perfektioniert und trainiert.

1841, als Sisi also 3 Jahre alt war, hatte die Familie einen Todesfall zu beklagen, den diese wirklich schwer nahm.

Ihr Diener „Osman“, welcher am 17.5.1841 um 1.00 Uhr mittags an „Abzehrung“ verstarb, wurde von Herzog Max auf seiner Orientreise vom Sklavenmarkt freigekauft.

5 Schwarzafrikaner brachte er damals von der Reise mit, welche alle in der Frauenkirche in München getauft wurden und im Dienste des Herzogs standen. Osman, ein „Mohr aus Abessinien“ (so steht es im Sterbebuch) wurde auf den Namen Theodor getauft.

Elisabeth war dadurch schon sehr früh an Schwarzafrikaner in ihrer Umgebung gewöhnt und der Umgang mit ihnen war für sie ganz normal. Sie behandelte diese Menschen auch sehr höflich und zuvorkommend, wie es in der Biografie von Martina Winkelhofer heißt.

Etwas, was bisher auch noch nie in dieser Form zu lesen war. Gerade bei Rustimo stach immer ins Auge, dass Elisabeth es gewesen sein soll, die ihn vom Hof vertrieben habe. Doch Frau Winkelhofer fand heraus, dass sie sich auch später noch um ihn kümmerte.

Osman/Theodor wurde nur 17 Jahre alt.

Was für die kleine Sisi, Néné, Louis und Gackel also völlig normal war, war für die bayrische Gesellschaft naturgemäß ein Schock.

Foto: geschichtewiki.wien.gv.at
Angelo Soliman

Schwarze Menschen in München, waren damals so gut wie noch nie gesehen worden und wenn dann traten diese im Zirkus als „Absonderlichkeiten“ auf.

In Wien lebten im 18. Jahrhundert ca. 200 Schwarzafrikaner, der bekannteste unter ihnen war naturgemäß Angelo Soliman, da er nach seinem Tod ausgestopft wurde. Seine Geschichte kann hier nachgelesen werden: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Angelo_Soliman

Es wird immer wieder davon berichtet, dass Elisabeth ein Wildfang gewesen sei.

Sie konnte nicht stillsitzen, tat sich mit dem Lernen schwer und am liebsten beschäftigte sie sich in der Natur.

Die Eltern und deren Probleme

Am 31.10.1838 kaufte sich Max das kleine Schloss Unterwittelsbach bei Aichach, das heute auf den wohlklingenden Namen „Sisi Schloss“ hört, allerdings gar nichts mit Sisi zu tun hatte.

Es ist umstritten ob sie jemals dort war oder nicht.

Es diente Max als Rückzugs-, Ruhe- und Jagdschlösserl, welches einen kleinen See hatte.

Der Garten ist bis heute nicht wieder erschlossen und völlig verwildert. Die gesamte Einrichtung ist verschwunden.

Selbstverständlich kommt auch dieser Ort nicht ohne „Mythos“ aus, weshalb das ganze „Sisi Schloss Aichach“ auf ein Bild, eine Erzählung des Dorfpfarrers von 1839 und eine Vermutung des Stadtarchivars aufgebaut wird.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Schloss Aichach
Herzog Max im Kahn, Ludovika und „Sisi“ im Eingangsbereich im Schloss, 1841
Bild: Otto Flad

Auf dem Bild von Otto Flad von 1841 ist Herzog Max in einem Kahn zu sehen, während Herzogin Ludovika mit einem Kleinkind, welches natürlich Sisi sein soll, aus dem Schlösschen tritt.

Am 14.11.1839 wurde vom Aichacher Pfarrer überliefert, dass Herzog Max mit der Herzogin und dem 7jährigen Ludwig im Schlösschen angekommen sei.

Der Stadtarchivar Karl Christl von Aichach hat sich natürlich eine wunderbare Idylle zurecht gelegt. Er sah die kleine Sisi Blumen pflücken und ihrer Mama bringen, Max im Kahn fahren, die Buben am nahen Weiher fischen usw.
Es klang ein bisschen wie aus dem Sissi Film und nicht nach dem echten Leben.

Auch wenn man wenig bis gar nichts über die Kindheit von Kaiserin Elisabeth weiß,

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika mit ihren Kindern
Herzog Ludwig, Herzogin Helene und die kleine Herzogin Elisabeth (im Kinderwagen)

es gibt keinerlei Aufzeichnungen, dass sie jemals vor Ort gewesen sei.

Weder von ihr selbst, noch von Ludovika, noch von Max.

Johannes Thiele schrieb in seiner Elisabeth Biografie „Sisi, das Leben der Kaiserin Elisabeth“, dass diese als Kind in Aichach mit Vater Max durch die Gasthäuser zog, als dieser Zither spielte. Dabei warfen ihr die Männeer Geldstürcke zu.

Später soll Elisabeth voller Stolz diese Geldstücke, die sie ein Leben lang bei sich getragen haben soll, ihren Hofdamen gezeigt und behauptet haben, dass das ihr einziges ehrliches verdientes Geld gewesen sei.

Immer mehr wird deutlich, dass Elisabeths Kindheit nicht die von Glück beseelte Kindheit war, die man ihr permanent unterjubeln möchte.

Sisi wurde erst als Erwachsene Sisi genannt, als Kind rief man sie in ihrer Familie ausdrücklich

Elise

Auch der angeblich gute Kontakt zum Vater ist eine erfundene Geschichte der Filme. Dies habe ich schon bei Herzog Max hervorgeholt, dass er sich um seine Kinder nicht kümmerte, nicht kümmern wollte und diese auch nicht in sein Leben passten.

Wie nahe Elisabeth allerdings ihrem Vater im Charakter war, sollte sich erst später herausstellen.

Kam er von seinen vielen Reisen zurück, bevorzugte er z.B. – wie Elisabeth – einen privaten Eingang, um nicht gesehen zu werden. Weder von seinen Kindern, noch von seiner Frau, noch von sonst wem.

Diese Vorliebe nutzte auch Kaiserin Elisabeth Zeit ihres Lebens.

Ihre Gouvernante fragte Elise einmal, ob sie ihren Vater schon begrüßt und gesehen habe, als dieser nach einer längeren Reise wieder heimgekehrt war. Die Antwort:

„Nein, aber ich habe ihn pfeifen gehört.“ (8)

Und dies sagte im Prinzip alles über die Beziehung „Vater-Tochter“ oder „Vater-Kinder“ alles aus.

Wollten die Kinder bzw. Louise ihren Vater bzw. Mann sehen, mussten sie sich bei dessen Diener anmelden!

Obwohl Ludovika die Patriachin im Haus war und alles zusammenhielt, ging sie in ihrer Mutterrolle auf.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie
Bild: Franz Schrotzberg, 1858

Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, 28.5.1872) (der Beitrag zur Erzherzogin ist hier), die selbst einen Mann (der Beitrag zu Erzherzog Franz Karl (*7.12.1802, 8.3.1878) ist hier) zur Seite hatte, der sich nie um die Kinder kümmerte, bemerkte die Ablehnung an ihrem Schwager sofort. Besorgt schrieb sie an ihre Schwester:

„…, dass er sich überhaupt nicht mit seinem wunderbaren Schatz beschäfigt, sei ein Beweis seiner übermäßigen Leichtfertigkeit und zeige, dass sein Herz kaum spricht.“ (9)

Herzog Karl Theodor „Gackel“ sagte später über seinen Vater:

„Dieser sei der „personifizierte Egoismus“ gewesen.“ (10)

Egal wie man die ganze Ehe auch betrachten möchte, gesund war sie auf keinen Fall, auch wenn sie 10 Kinder, 8 davon lebend, hervorgebracht hat.

Wunderbar auf einen Punkt bringt das wieder einmal Martina Winkelhofer in ihrem Buch „Sisis Weg“:

„Ein Gemeinplatz in der Kaiserin-Elisabeth-Forschung besagt, dass die schwierige Ehe ihrer Eltern ein prägendes Element in Elisabeths Biografie darstellt. Die Ehe von Max und Ludovika gilt als Paradebeispiel einer gescheiterten Ehe, mit entsprechenden Folgen für die gemeinsamen Kinder. So wurden von späteren Biografen Elisabeths Kindheitserfahrungen – mit einem nicht nur mental abwesenden Vater – oft zur Erklärung ihres Verhaltens als Erwachsene herangezogen. Eine derlei einfache Argumentation ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Schließlich kann man diese herzogliche Ehe des 19. Jahrhunderts nicht aus der Perspektive des 20. und 21. Jahrhunderts beurteilen, wo man zumindest in der westlichen Welt die Liebe als Voraussetzung einer geglückten Ehe betrachtet. (11)

Diese Meinung vertrete ich auch. Gerade auf Facebook rate ich meinen durchaus weiblichen Followerinnen immer, dass sie – vor allem beim unendlichen oft sehr emotionalen Thema „Elisabeth als Mutter“ (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) die Erfahrungen nicht mit dem „Heute“ zu vergleichen. Das 19. und 21. Jahrhundert sind 2 Paar Schuhe die es auseinander zu halten gilt. Auch beim Thema „Mutter sein“.

Herzogin Ludovika war eine seltene Ausnahme, dass sie sich als Muttertier gab. Zum einen war Königin Caroline eine liebevolle Mutter, die sich nicht nur der fünf Halbwaisen annahm, sondern auch ihren acht eigenen Kindern, zum anderen hatte Ludovika keinen öffentlichen Stellenwert (mehr).

Ihre Zeit als Prinzessin war vorbei und Herzog Max bevorzugte ab seinem 29. Lebensjahr keine öffentlichen Empfänge, sondern illustre Herrenabende, weshalb es auch keine Bälle mehr im Herzog-Max-Palais gab.

Was blieb Louise also? Genau. Ihre Kinder. Und zwar einzig und alleine ihre Kinder.

Foto: Wikimedia/Commons
Elise, Gackel und Bummerl
also Herzogin Elisabeth, Herzog Karl Theodor und Hund Bummerl

Es ist wieder Martina Winkelhofer die Elisabeths Kindheitserfahrungen in deren Ehe transportiert und erklärt:

„Auf Elisabeth dürfte die Ehe ihrer Eltern und die ständige Abwesenheit des Vaters jedoch keine sehr prägende Wirkung entfaltet haben – denn königliche Kinder sahen damals ihre Väter in der Regel selten, und so gut wie keine arrangierte Ehe in königlichen Kreisen zeichnete sich durch große Intimität oder viele gemeinsam verbrachte Stunden aus. Stärke – im Sinne einer prägenden Erfahrung für die spätere österreichische Kaiserin – fiel wohl ins Gewicht, was man „das Phänomen weiblicher Ohnmacht“ nennenkann: Frauen, deren Wünsche und Ziele nicht mit dem gängigen weiblichen Rollenbild harmonierten, mussten in der damaligen Gesellschaft vielfach ihre Machtlosigkeit erkennen. Viele von ihnen resignierten gegenüber der männlichen Übermacht, und nicht wenige entwickelten unbewusst Strategien, um sich ungewollten Situationen entziehen zu können. Und diese Strategien hießen zumeist: Rückzug, innere Emigration und, besonders häufig, Flucht in Krankheit.“ (12)

Eine glückliche Kindheit?

Als Elise 9 Jahre alt war, holte Herzogin Ludovika Luise Baronin Wulffen-Hundt (*/unbekannt) ins Haus, die ihre liebe Not mit dieser hatte.

Wulffen beschrieb Elisabeth als

zart und überempfindlich. (13)

Sie wollte eher ihren Leidenschaften nachgehen, als dem Lernen. Reiten, Gedichte schreiben, stundenlang im See schwimmen und sich dem Müßiggang hinggeben.

Schwimmen war etwas, was der Adel der damaligen Zeit normalerweise nicht konnte. Angeblich soll Herzog Max darauf bestanden haben, dass seine Kinder schwimmen konnten. Ob dies der Wahrheit entspricht, wenn man sich sein Interesse an den Kindern durchliest?

Néné war das hausbackene Kind: brav am Nähen und Sticken, immer bei der Mutter und nie bei den übrigen Kindern.

Elise hingegen tobte mit ihrem Lieblingsbruder Gackel und Louis.

Doch wie frei und glücklich wurde sie tatsächlich erzogen?

Foto: Peter Bierl Buch- & Kunstantiquariat
Schloss „Possi“ Possenhofen

Gab es „Freiheit“ im Hause eines Wittelsbachers überhaupt?

In vielen Büchern kann man von den Historikern/innen den Vergleich zwischen der Erziehung von Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth lesen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Erzherzog Franz(i)
Kaiser Franz Joseph als Jugendlicher

Dieser Vergleich hinkt meiner Meinung nach. Erzherzog Franzi, wie er als Jugendlicher genannt wurde, wurde schon mit dem Ziel ihn als Thronerben heranzuziehen, geboren. Sein Status war bei der Geburt schon „von Gottes Gnaden“ (der Beitrag bis zum Thron kann hier nachgelesen werden).

Viel zu diesem „glücklichen Kindheitsmythos“ hat laut Martina Winkelhofer der Erstbiograph Conte Corti beigetragen.

Von seinem Buch, schreiben bis heute sämtliche Historiker/innen ab.

Er selbst hatte noch mit Zeitzeugen gesprochen bzw. Zugang zu Unterlagen, die heute verschlossen, verschollen, verbrannt oder gar durch die Weltkriege vernichtet wurden.

Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, 6.9.1924), Elisabeths geliebte Tochter, die der Wiener Hof bösartig „die Einzige“ nannte, wollte nach dem Tod eine Biografie über ihre Mutter schreiben.

Um historische Belege über ihre Kindheit zu sammeln, schrieb sie die beiden ehemaligen Vertrauten ihrer Jugend an, welche noch lebten:

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Valerie

Gegen 1900 findet man in den Unterlagen von Conte Corti (*2.4.1886, 17.9.1953) jene 2 Briefe der beiden betagten Damen an die Tochter Marie Valérie:

„Sie sei der Liebling vom gesamten Haus gewesen, hätte sich mit allen Geschwistern ausgezeichnet verstanden, sei gütig zu der armen Bevölkerung gewesen und habe diesen die Eier der Perlhühner gebracht, außerdem wäre ihr Liebreiz formvollendet gewesen, sie sei gütig und hilfsbereit gegenüber Jedermann gewesen.“

Zurecht ist Frau Winkelhofer skeptisch, ich wäre das auch. Hätten tatsächlich zwei (sehr) alte Damen die Unwahrheit an die geliebte Tochter der ermordeten Kaiserin geschrieben?

Ich verneine dies entschieden!
Wer sagt jemals etwas Schlechtes über Tote?

Doch ich habe noch eine Quelle aufgetan, die weit vor Conte Corti geschrieben wurde:

Erinnerungsblätter, 1903

Foto: pressreader.com
Zeichnungen von Elise in ihrem Notizbuch
eine Geburtstags-Glückwunschkarte von Elise an Gackel

„…
Schon sehr früh zeigte die kleine Prinzessin Elisabeth ein lebhaftes Interesse für Natur und die Vorgänge derselben, eine Neigung die von ihren fürstlichen Eltern mit liebevoller Freude genährt und gefördert wurde. Der weitausgedehnte Park und die Wälder der Umgebung waren die ersten Tummelplätze des sich in der anmutigsten Weise körperlich wie geistig entwickelnden Fürstenkindes, in dessen empfängliche Seele die Gottesnatur des Lebens allererste Eindrücke einprägte. So wurde Prinzessin Elise eine glühende Bewunderin der Natur und blieb dies auch für alle Zeiten. Daß sie, zu einer reizenden Mädchenknospe erblüht, in ihrem ganzen Wesen jene ausgezeichneten Eigenschaften des Herzens und der Seele vereinigte, welche so tausendfach an unserer Kaiserin gepriesen wurden, ist begreiflich, da ihre Eltern mit zarter Aufmerksamkeit und unermüdlicher Fürsorge die Erziehung Elisens leiteten und überwachten. Bereits nach zurückgelegtem fünften Lebensjahre wurde mit dem Unterrichte begonnen. Ein ausgezeichnetes Talent verriet die Prinzessin für die Naturkunde, Erdbeschreibung, für das Zeichnen, Malen und das Klavierspiel. In den späten Jahren wurde den körperlichen Übungen ein gewichtiger Platz im Erziehungsprogramm eingeräumt.
Bei der zahlreichen Familie des volkstümlichen Herzogs Max in Bayern waren die kleine Prinzessin Lisel und ihr ältester Bruder, der schlanke großgewachsene Ludwig die bevorzugten Lieblinge der Eltern. Beide unterschieden sich durch die Lebhaftigkeit, ihren gesunden Humor und ihr tiefes Gemüt von den anderen Geschwistern. Die kleine Lisel erheiterte durch ihre Scherze den Vater, von ihrer Mutter aber wurde sie vollends verhätschelt.
Viel Vergnügen fand die Prinzessin in allerlei körperlichen Sport. Sie saß elegant und sicher zu Pferde, lenkte bei Ausfahrten ihr Gespann fast immer selbst, war eine kühne Schwimmerin und Fechterin. Ihr schlichtes und allzeit freundliches und kindlich frohes Wesen hatte ihr längst die Herzen der Bayern gewonnen. Die Bevölkerung nannte sie „Lisel“. In den traulichen Worten bekundete sich die herzliche Zuneigung der Bevölkerung das innige Verhältnis zwischen Volk und Fürstenhaus.
Als die Prinzessin gerade das fünfzehnte Jahr vollendet hatte, schilderte sie ein deutscher Schriftsteller in folgender Weise: „Prinzessin Elisabeth ist hoch, schlank, leicht und anmutig, ihr Wesen graziös, belebt, bestimmt, das tiefblaue Auge voll träumerischen Glanzes, die schönen Züge, aus denen das dichte, braune Haar in vollen Wellen zurückgestrichen ist, reiz- und ausdrucksvoll und mit rosigem Teint überzogen, der Eindruck im ganzen: milder Ernst und zarte Weiblichkeit.“ (14)

Anmerkungen Petra:
Hier sieht man, dass schon 1903 gelogen wurde, dass sich die Balken biegen. Zum einen war der Lieblingssohn von Ludovika nicht Ludwig, sondern Karl Theodor „Gackel“ und zum anderen diese Familienidylle gab es einfach nicht.

Ich erinnere nur noch einmal daran, dass diese Erinnerungsblätter Kaiser Franz Joseph in Auftrag gab!

Weiters liest man hier die schreibweise „Lisel“, welche in der Korrespondenz nie vorkommt.

1905 hieß es ebenso schwülstig:

„…
Behütet, geleitet vom hochsinnigen Vater, dem für alles Gute und Schöne begeisterten Fürsten, wuchs Elisabeth zur Freude aller, die sie kannten, heran. Frühzeitig äußerte sich ihre Vorliebe zu den Wundern der Natur. Weitaus den größten Teil der wettergünstigen Tage verbrachte die Prinzessin im Schloßpark und in den umliegenden Buchen- und Nadelwäldern, sich erfreuend am Blau des Himmels, dem Gesang der Vögel, dem geheimnisvollen Rauschen des Forstes.
Kaum war das fünfte Lebensjahr überschritten, kam des Lebens Ernst für die kleine Sissy. Für die Zukunft galt es zu lernen, wie solches seit jeher Bayerns Fürstentöchtern oblag. Aufmerksam, fleißig und von eminenter Auffassungsgabe, machte Elisabeth ihren Eltern und Lehrern Freude. Ihre Lieblingsgegenstände hießen Naturwissenschaften, Geographie, Zeichnen und Musik. Eine echte Vater-Tochter!
Später trat das Reiten hinzu. Kaiserin Elisabeth galt als die beste Reiterin der Gegenwart. Man muß sie nur gesehen haben, auf der feurigen, braunen „Helena“ oder dem stählernen „Coral Nimph“ in edlem eifer dahinjagend.
Die „Rose vom Bayerland“ nannte man Elisabeth. Und sie war es auch.“ (15)

Anmerkungen Petra:
Danach folgte wieder obige Beschreibung der Gestalt und der blauen Augen. Autor Kleinschmied musste also Zugang zu den Erinnerungsblättern von 1903 gehabt haben. Warum in weiterer Folge nicht auch Conte Corti?

Hier kann man das erste Mal den Namen „Sissy“ lesen. Diese Schreibweise krampft mich persönlich jedesmal aufs Neue zusammen. In keiner Korrespondenz findet sich diese Schreibweise. Wie also der Autor selbst auf die Idee kam, Elisabeth „Sissy“ zu schreiben, ist mir unbegreiflich.

Auch hier könnt ihr lesen, dass vom Familienidyll einher gegangen wurde. „Eine echte Vater-Tochter“ – weil sie reiten konnte. Das konnte im Prinzip jedes adelige Mädchen. Die eine besser, die andere schlechter. Aber wer einen „von“, „zu“ oder „in“ Titel in seinem Namen trug, lernte Reiten. Das gehörte zum guten Ton.

Auch wenn ich meiner Lieblingshistorikerin Martina Winkelhofer jetzt widerspreche, aber ich glaube, es rührt nicht nur von Conte Corti allein, dass er annahm, Elisabeth habe eine blühende Kindheit und einen tollen Vater gehabt.

Alleine diese schwülstigen Zeilen zeigen, dass ihm diese Schriften zugänglich waren. Ich musste auch tief graben, um sie zu finden. Conte Corti war weitaus näher in seiner Zeit dran, als ich. Er begann in den 1920er Jahren mit seiner Forschung. 1934 erschien seine Elisabeth-Biografie. Zuvor hatte er Kaiser Maximilian und Kaiserin Charlotte von Mexiko biografiert.

Ich befürchte, dass sehr viel von Kaiser Franz Joseph vorgegeben wurde. Die Erinnerungsblätter 1903 sind immerhin in seinem Auftrag entstanden und er gab sie vor der Veröffentlichung frei.

Dass der Hauptmann den Schriftsteller nicht näher benennt, der Elise 15jährig erblickte, ist schade, aber zumindest liegt uns diese Beschreibung der Schönheit vor.

Ich fand auch zwei unterschiedliche Aussagen von Ludovika. Als ihre Tochter 2 Jahre alt war, lobte sie die Kleine für ihre Schönheit, zum anderen machte sie sich, als diese 14jährig war, große Sorgen um Elise, da sie sie nicht hübsch befand. 

In einem Brief an ihre Nichte Theódelinde Gräfin von Württemberg (*13.4.1814, 1.4.1854) schrieb Herzogin Ludovika am 24.8.1839:

„Elise wird sehr hübsch, und sie ist so ein gutes Kind“ (16)

Foto: Wikimedia/Commons König Georg von Sachsen

Herzogin Ludovika an ihre Schwester Königin Auguste von Sachsen:

„Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich als ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre [Prinz Georg, wohl der zweite Sohn des sächsischen Königs Johann], wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen… hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug“. (17)

Übergangslos wurde aus Elise Sisi.

Beide Namen wurden ab jetzt verwendet, um über Elisabeth zu schreiben.

Je älter sie als Kind wurde, desto stiller wurde sie. Man kann definitiv sagen, dass sie die einsamen Momente suchte. Schon früh reifte die Melancholie in Elisabeth heran, welche in ihren späteren Jahren zu schweren Depressionen führen sollte.

Diese Art des Charakters, erbte sie von ihrer Mutter. Sie hatte Scheu vor Menschen, vor allem vor Fremden. Doch diese Momente waren selten in München, weshalb sie sich am liebsten in Possenhofen aufhielt.

Das Herzog Max Palais in München war nur für die Wintermonate, da Schloss Possenhofen nicht beheizbar war.

Kaum in Possi, lief Sisi beinahe jeden Tag ohne Schuhe durch den Schlosspark.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth als 15jährige
Bild: Franz von Schrotzberg, 1853

Contenance und Etikette, Politik und Weltherrschaft, was kümmerte es die kleine Elisabeth und ihre Geschwister? Der königliche Hof nahm keine Notiz von ihr. Die Briefe, die Ludovika mit ihrer Schwester Sophie im fernen Wien schrieb, waren nicht von Interesse.

Frei, ungezwungen, neugierig und lebenslustig, so beschrieb man die junge Sisi in der Literatur, und ich persönlich glaube, dass sie das auch war. Neugierig und reiselustig sollte sie beibehalten bzw. noch hinzukommen.

Fast ein Bauernmädel. Auf alle Fälle ein Landmädel.

Ihre beste Freundin wurde Irene (*24.9.1839, †21.8.1892), die Tochter des Nachbarn Hermann Franz Joseph Carl Graf von Paumgarten (*19.7.1806, †11.1.1846).

Foto. Wikimedia/Commons
eigenhändige Zeichnung von Herzogin Elisabeth
1847

Gackel, Irene, David (Bruder von Irene) und Sisi wurden zu einer Einheit.

Gemeinsam erkundete man die Wälder, den Starnberger See, kletterte auf Bäume und verbrachte viel Zeit – mit Nichtstun.

Ludovika hatte ihre liebe Not, die Kinderschar zum Lernen zu bewegen.

Kam der Vater zu „Besuch“, holte er die Kinder aus dem Unterricht, tobte mit ihnen im Schnee, ging Schwimmen oder stibitzte das Obst von den Bäumen. Bekam Max aber nicht die Aufmerksamkeit seiner Kinder die er wollte, wurde er cholerisch und tobte richtiggehend.

Im Jahre 1843 trafen sich Erzherzog Franz und die junge Sisi das erste Mal. Franzi war 13 Jahre, Elisabeth 5 Jahre alt. Franz schrieb in sein Tagebuch:

2.9.1843
Um 7 Uhr fuhren wir von München weg und kamen um viertel auf zehn in Possenhofen an. Wir fanden dort Herzog Max und alle seine Kinder bis auf Louis, welcher in der Schweiz ist. Wir frühstückten mit der Tante Louise, der Helene, der Elise und dem sehr netten aber fast verzogenen Kakl. Um 10 Uhr ging wir in die dumpfe Kapelle, um die Messe zu hören, wo mir übel wurde, so daß man mich aus der Kapelle zu einem offenen Fenster tragen mußte, wo mir wieder gut wurde; darauf legte ich mich auf das Bett. Um 12 Uhr fischte ich und Graf Bombelles mit dem Herzog, wobey wir 20 Birschlinge und Weißfische fingen.“ (18)

Anmerkung Petra: Graf Bombelles war der Erzieher von Erzherzog Karl Ludwig

Doch schon bald zeigte sich auch die Etikette der Verwandtschaft.

Foto: Wikimedia/Commons
Die Geschwister von Elisabeth auf der Veranda des Schlosses Possenhofen, von links:
Sophie, Max Emanuel „Mapperl“, Karl Theodor „Gackel“, Helene „Néné“, Ludwig „Louis“, 1831-1920), Mathilde „Spatz“ und Marie
Bild: Joseph Karl Stieler, 1855

1848 machte Ludovika mit den Kindern Gackel, Néné und Sisi einen längeren Ausflug, der nach Tirol an den Aachensee führte. Von dort fuhren sie nach Jenbach, um am 10.6.1848 in Innsbruck einzutreffen. In der Hauschronik liest man dazu folgendes:

„Um 9 Uhr Abends langte auf Besuch die Schwester Ihrer k.H. der Erzherzogin Sophie die Gemahlin des Herzogs Maximilian von Baiern I.k.H. die Prinzessin Louise mit Ihrem Sohne Prinz Carl und 2 Prinzessinnen Töchter Helene und Elisabeth und Suite hier an, und wurde an der Burgstiege von Ihrer Familie begrüßt. In Ihrem Gefolge befindet sich Ihr Hofmarschall Baron v. Freyberg. Die Frau Herzog wurde im Damenstifts-Gebäude einlogiert.“ (19)

Am 19.6.1848 findet sich folgender Eintrag:

„Heute ist S.k.H. Prinz Karl von Baiern, und dann später I.k.H. die Herzogin Louise von Baiern mit Sohn und 2 Töchtern k.H. nach München abgereist.“ (20)

In dieser Zeit musste Sisi sicherlich still sitzen und bei Tisch ordentlich essen.

Franz war zu diesem Zeitpunkt knapp 18 Jahre alt, Sisi knapp 11 Jahre.

In der Literatur liest man immer von „die 13jährige“, doch Elisabeth ist am 24.12.1837 auf die Welt gekommen. Sie kann also im Juni 1848 nicht 13 Jahre alt gewesen sein. Außerdem war Kaiser Franz Joseph um 7 Jahre älter als seine geliebte „Engels-Sisi“.

Ebenso liest man häufig „Kaiser Franz Joseph und Elisabeth trafen erstmals 1853 in Ischl aufeinander“. Auch das ist nicht korrekt. Das erste Aufeinandertreffen war 1843. 1848 folgte das nächste Treffen. Erzherzog Franz befand sich mit seiner Familie in Innsbruck, da in Wien eine heftige Revolution stattfand.

In vielerlei Hinsicht konnten die Zwei in Innsbruck nichts miteinander anfangen.

Sisi war noch ein Kind, Erzherzog Franz (Anmerkung Petra: er wurde erst mit dem Titel „Kaiser“ zu Franz Joseph) musste sich mit der politischen Lage beschäftigen.

Ein Umstand, den er vielleicht in späteren Jahren tief bereut hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig 15jährig
Bild: Anton Einsle, 1848

Elisabeth, scheu und sehr schüchtern, freundete sich mit dem knapp 15jährigen Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, †19.5.1896) an.

Sie tobten durch die Hofburg Innsbruck, heckten Streiche aus und ärgerten mit Sicherheit Erzherzogin Sophie. Die beiden waren sich so zugetan, dass sie sich eine zeitlang Briefe schrieben.

Sogar kleinere Geschenke wurden ausgetauscht.

Erzherzogin Sophie beschrieb ihre kleine Nichte damals wie folgt:

„Elise ist ohne schön zu sein – ein gar anziehend – liebes freundliches Wesen – ihr warmer treuer Blick und ihr Lächeln sind unwiderstehlich; ist ist so sanft-weiblich und über ihre Jahre vernünftig.“ (20a)

Da Karl Ludwig schon nach dem Treffen in Possenhofen von seiner kleinen Cousine schwärmte, ließ Kaiser Franz Joseph eine Holzbüste von Elise anfertigen. Diese schenkte er seinem Bruder.

Es gilt in der Elisabeth-Forschung am Wahrscheinlichsten, dass Erzherzog Karl Ludwig persönlich die Büste an seine Schwägerin übergab. Bekannt ist jedenfalls, dass Elisabeth sehr stolz auf diese war und sie in der Hermesvilla verwahrt hat. Dort wurde sie auch gefunden.

Doch das Interesse von Sisi für Karl Ludwig ebbte ab, nach dem ihre Mutter sie immer und immer wieder an ihn erinnerte und sich ihn als Heiratskandidat vorstellen konnte.

1850 besuchte Elisabeth gemeinsam mit ihrem Bruder Ludwig, ihrer Schwester Néné und ihrer Mutter Ludovika das beschauliche Dörfchen Oberammergau.

Doch die Zeiten, wo Elise nur spielen durfte, war relativ bald vorbei. Der Ernst des Lebens zog ins herzogliche Haus und Elisabeth lernte zu Konversieren, sich am Bankett zu bewegen und Theestunden zu geben.

Damals erachtete man Spielzeug noch nicht als pädagogisch wertvoll, weshalb z.B. die Puppenküche der Kinder nur 1x in der Woche im Palais aufgebaut wurde. Am Sonntag nach dem Mittagessen durften die Geschwister miteinander mit der kleinen Küche „kochen“.

Später lernte Elisabeth anhand von kleinen Freunden, die alle vorher ausgesucht und den Adelstest bestehen mussten, „Theestunden“ zu geben. Zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags wurde Tee und Kuchen serviert, als sie erwachsen wurde, war es Likör.

Auch das Briefe schreiben lernte Elisabeth.

Es war unerlässlich ordentliche Konversation zu betreiben und das ging nur über Briefe. Dabei wurde der kleinen Herzogin gelernt, ihren Tag einzuteilen, wann welcher Brief wichtig und welcher noch warten durfte.

Elise lernte sich über Süßigkeiten, Geschenke jeder Art und Portraits zu bedanken.

Da ihr als Frau andere Nachrichten nicht zugänglich waren, waren Briefe die einzige Möglichkeit irgendetwas aus ihrer Umgebung und den Verwandten zu erfahren.

Betätigte man keine Korrespondenz, fiel man aus dem Adressbuch und dem Leben des Adressaten. Das konnte fatale Folgen haben.

Foto: Dorotheum.com
Verschiedene Korrespondenz von Kaiserin Elisabeth

Wie Ludovika, die jeden Vormittag ihre Korrespondenz erledigte, schrieb auch Elisabeth sehr viele Briefe an ihre Verwandtschaft, ihre Gouvernanten, ihre beste Freundin Irene, mit der sie Zeit ihres Lebens in Verbindung blieb, ihren Ehemann Franz Joseph, ihre Vorleserin Ida und natürlich ihre Kinder nicht zu vergessen. Einige der Briefe sind erhalten; leider sind diese nicht öffentlich zugänglich. Die meisten von ihnen sind jedoch verbrannt worden.

Ihre Freundin Irene Gräfin von Paumgarten war es im Übrigen, die Elisabeth und Néné englisch beibrachte. Ihre Mutter war eine englische Adelige. Des Weiteren hatte Elise eine englische Nurse, welche ihr die Sprache beibrachte. Eine Sprache, die man zur damaligen Zeit kaum sprach. Englisch war damals keine Weltsprache.

Aus den Teestunden wurden zu späterer Zeit Tanzstunden. Hier wurde gesichert, dass die Herzogin tanzen lernte. Ein unabdingbarer Bestandteil des Banketts der Wittelsbacher.

Einzig für die Handarbeit konnte sich Sisi nicht erwärmen. Das Sticken war nicht ihre Sache. Das lange Stillsitzen konnte sie nicht leiden und so wurde ihr diese Arbeit verhasst.

Am 24.12.1852 galt die Erziehung von Herzogin Elisabeth als abgeschlossen. Nun hieß es:

sie zu verheiraten.

Am 19.3.1853 wurde Elisabeth gefirmt.

Die Firmung stellte normalerweise einen Wendepunkt im Leben einer jungen adeligen Frau dar.

Es zeigte der Adelswelt „ich bin bereit“.

Genau was ihr denkt, soll es heißen:

die Mädchen hatten ihre Periode bekommen und waren bereit für den Heiratsmarkt

Mit der Firmung wurde das Bankett für die jungen Mädchen geöffnet: sie wurden offiziell auf Bälle geladen, um die Herren anzuziehen, die Eltern „verhandelten“ derweil um die Beziehungen zwischen den Söhnen und den Töchtern. Je besser eine Partie, desto aussichtsreicher die Hochzeit.

Ich schreibe deshalb „normalerweise“, da Elisabeth gefirmt wurde, ohne ihre Periode bekommen zu haben.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth als Braut

Louise war so erpicht darauf, ihre Kleine zu verheiraten, dass sie sie auf den Heiratsmarkt schickte, ohne, dass sie „empfangbar“ war.

Dies stellte später in Ischl die Verlobung vor außergewöhnliche Herausforderungen, denn nur eine empfängnisbereite Dame durfte heiraten.

Die rühmliche Ausnahme stellte wieder einmal die Aussicht auf die Heiratspartie dar.

Ist ein König oder Kaiser auf die Tochter aufmerksam geworden, ohne, dass diese bereits „bereit“ war, wurde trotzdem verhandelt, bis die Periode einsetzte.

Dies nannte man in der Fachsprache

„zähe Verhandlungen“.

Im übrigen fand dies bei Schwester Marie ebenfalls so statt (sie musste den wenig attraktiven Francesco von Neapel (*16.1.1836, 27.12.1894) ehelichen), bei Stephanie von Belgien (*21.5.1864, 23.8.1945) (sie ehelichte in weiterer Folge Kronprinz Rudolf (*21.8.1858, 30.1.1889)) und Prinzessin Charlotte von Belgien (*7.4.1840, 19.1.1927) (welche Erzherzog Max (*6.7.1832, 19.6.1867) ehelichte).

All diese Mädchen wurden vor ihren Perioden, durch die aussichtsreiche Ehe mit einem König, einem Kronprinzen und einem Erzherzog, früher verlobt, mussten aber bis zur Periode mit der Hochzeit noch warten.

Über der Firmung lag also nicht nur der Schatten, dass Elise noch nicht „bereit“ war, so warf sie ein trauriger Vorfall seelisch komplett aus der Bahn.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
So sah sich Elisabeth am Schreibtisch sitzen
Eigenhändige Skizze, 1854
aus ihrem Skizzenbuch
Mit freundlicher Genehmigung k.u.k.Museum Bad Egart

Sie wurde das erste Mal mit dem düsteren Tod konfrontiert.

Ihr langjähriger Spielkamerade David Graf von Paumgartner (*31.1.1838) starb am 20.3.1853 15jährig nach einer Lungenentzündung.

Sisi verfiel in ihre erste tiefe Trauer. Der Tod Davids belastete die 15jährige stark.

Klammheimlich führte sie ein Tagebuch, in welches sie folgendes Gedicht an schrieb:

Du bist so jung gestorben
Und gingst so rein zur Ruh'; 
Ach, wär', mit dir gestorben,
Im Himmel ich wie du. (21)

Von nun an sollte der Tod ihr ständiger Begleiter werden.

Die ersten Wehklagen Richtung Tod waren verfasst, als sich die 15jährige erstmals verliebte.

Am herzoglichen Hof begegnete sie dem jungen, sehr hübschen Richard Graf von Schwarzenberg. Die beiden verliebten sich ineinander und trafen sich heimlich am Tor, wo ihr Richard ein Bild von sich gibt.

Sie schrieb:

Oh, ihr dunkelbraunen Augen, 
Lang hab ich euch angesehn,
Und nun will mir euer Bildnis
Nicht mehr aus dem Herzen gehen... (22)

Doch Ludovika kam den beiden auf die Schliche.

Sie beschlagnahmte sein Bild und verbat Elisabeth jegliche Kontaktaufnahme.

Der junge Mann sei der jungen Herzogin nicht würdig hieß es.

Zur Sicherheit lässt sie Richard aus dem Offiziers-Hofdienst versetzen. Ein schwerer Fehler von Ludovika, wie sich später noch herausstellen sollte.

Sisi verfällt in Wehklagen:

Du frische junge Liebe,
So blühend wie der Mai, 
Nun ist der Herbst gekommen
Und alles ist vorbei. 

Und nun ist er mir so ferne
Und ich seh ihn gar nie. 
Ach, ich wollt zu ihm wohl gerne, 
Wüßt' ich nur, wohin und wie. (23)

Richard kam nie mehr wieder ins Haus der Herzogs. Er wurde in der Armee krank, kehrte ins Elternhaus zurück und starb. Als die 15jährige davon erfuhr, war sie außer sich vor Trauer.

Sie schrieb:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen –
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (24)

Doch mit 15 Jahren ist das Leben noch nicht Trist genug, dass man einem einzigen die Treue schwört und so verliebte sie sich erneut.

Um jetzt nicht noch einmal Gefahr zu laufen, von ihrer Mutter erwischt zu werden, hielt sie den Namen geheim.

Bis heute ist es niemanden gelungen, den Namen des Grafen aus der Nachbarschaft ausfindig zu machen.

Zu lang hab' ich gewendet
Mein Aug' aufs Antlitz dein, 
Und nun bin ich geblendet
Von seiner Schönheit Schein. (25)

Sisi schläft und isst nichts. Ihre Gedanken kreisen nur noch um „ihn“.

Wenn der erste Sonnenstrahl
Mich des Morgens grüßt, 
Frage ich ihn jedesmal, 
Ob er dich geküßt. 

Um den goldenen Mondenschein
Bitt ich jede Nacht, 
Daß von mir er insgeheim
Dir viel Liebes sagt. (26)

Doch der Angehimmelte wollte von Elisabeth nichts wissen. Als sie es merkte, wehklagte sie wieder:

Denn ach, ich kann ja nimmer hoffen 
Daß liebend je Du Dich mir neigst. 
Die harte Wahrheit sah ich offen
's ist Freundlichkeit nur, was Du zeigst. (27)
Foto: Sisi Museum
„Polterabendkleid“
Herzogin Elisabeth

Mittlerweile ist Ludovika für Elisabeth auf Brautschau.

Um geeignete Heiratskandidaten zu finden, lässt sie ihre Tochter fotografieren.

Es ist die erste und einzige Fotografie von Elisabeth, die sie unverheiratet zeigt (Titelbild dieses Artikels).

Ebenfalls 1853 schickte Ludovika sie nach Dresden, zu ihrer Schwester Königin Amalie Auguste von Sachsen. Wie schon weiter oben erwähnt, befand ihre eigene Mutter die Tochter als „nicht hübsch“.

Elisabeth kam ohne Bräutigam von Dresden zurück. Ludovika war verzweifelt.

Doch im August sollte sich das Blatt für die junge Herzogin wenden.

Nicht nur, dass aus dem pausbäckigen Teenager ein schöner Schwan wurde, plötzlich streckte Kaiser Franz Joseph die Fühler nach ihr aus. Er verliebte sich auf den ersten Blick.

„Die liebe Kleine ahnte nichts von dem großen Eindruck, den sie auf Franzi gemacht hatte“ (28)

schrieb Erzherzogin Sophie am 19.8.1853 an Königin Marie von Sachsen (*14.4.1818, 9.1.1907).

Eine Verlobung (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) stand ins Haus und mit ihr nahm das ganze Drama seinen Lauf.

~ Petra ~

Foto: Hickl
Herzogin Elisabeth als Verlobte, mit Miniaturbild mit Kaiser Franz Joseph

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Bildrechte: Wikimedia/Commons, Sisi Museum Hofburg, pressreader, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, k.u.k. Museum Bad Egart, Peter Biel Antiquariat, APA, Hickl
, Dorotheum.com, geschichtewiki.wien.gv.at, jourfixe-muenchen-ev.com, Österreichische Nationalbibliothek, Kaiserin Elisabeth Museum Possenhofen via Merkur.de, Bildarchiv des Bayrischen Landesamtes für Denkmalpflege für München, Albertina.at, filmlocations-bayern.de/W.Boehm, Heritage Image via Getty Images/Heritage Image,


Ich möchte mich ausdrücklich bei Historiker Alfons Schweiggert bedanken, der mir das Wirr-Warr der Adelstitel und das Thema „Herzogin Elisabeth“ und nicht „Prinzessin Elisabeth“ näher brachte.


Literatur Hinweise:

1 – S.13, 8 – S.47, 9 – S.47, 10 – S.47, 11 – S.49, 12 – S.55, 16 – S.60, 20a – S.87, 28 – S.98
Martina Winkelhofer
Sisis Weg
Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeth erste Jahre am Wiener Hof
Piper Verlag, 1. Auflage 2021

4 – S.10, 14 – S.10/11
Hauptmann Robert Rostock
Erinnerungsblätter an Weiland Ihre Majestät Kaiserin und Königin Elisabeth
k.u.k. Hofbuchdruckerei A. Haase, Prag (nicht erhältlich)

5 – S.6, 15 – 6/7
Othmar Kleinschmied
Kaiserin Elisabeth
Druck und Verlag des kathol. Preßvereines, 1905 (nicht erhältlich)

6 – S.20-22
Sigrid Laube
Sisi, das Kind der Sonne
Jungbrunnen, 1. Ausgabe, 2004 (nur noch antiquarisch erhältlich)

19 – S.15, 27 – S.7/8
Gabriele Praschl-Bichler
Elisabeth Kaiserin von Österreich genannt Sisi
Amalthea, 1. Ausgabe, 2003 (nur noch antiquarisch erhältlich)

12 – S.23
Johannes Thiele
Elisabeth Ihr Leben. Ihre Seele. Ihre Welt (Bildband)
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2011

18 – S.23, 20 – S.15
Hans Rödlhammer
Elisabeth Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn
Verlag Kulturverein Schloss Ebelsberg, 1. Auflage, 1983 (nur noch antiquarisch erhältlich)

2 – S.24, 21 – S.25, 22 – S.25, 26 – S.26
E.C. Conte Corti
Elisabeth von Österreich Tragik einer Unpolitischen
Heyne Sachbücher, 15. Auflage, 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

11 – S.53, 12 – S.53/54, 23 – S.54, 24 – S.54, 25 – S.54/55
Johannes Thiele
Elisabeth Das Buch ihres Lebens
List Verlag, 1. Auflage, 1996 (nur noch antiquarisch erhältlich)

17 – S.18
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper TB, 8. Auflage, 2017

Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1835-1839
Münchner Staatsbibliothek

Michaela und Karl Vocelka
Sisi. Leben und Legende einer Kaiserin
C.H.Beck, 1. Auflage 2014

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