Marie Therese Erzherzogin von Braganza

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Marie Therese von Braganza, ca. 1889

Wir gedenken des Todestages von

Maria Theresia Immakulata Ferdinanda Eulalia Leopoldina Adelheid Elisabeth Karoline Michaela Raphaela Gabriele Franziska von Assisi et de Paula de Gonzaga Agnes Sophia Bartolomea ab Angelis de Braganza Infantin von Portugal oder in portugiesisch Donna Maria Teresa da Imaculada Conçeiäo Fernanda Eulália Leopoldina Adelaide Isabel Carolina Micaela Rafaela Gabriela Francisca de Aissis e de Paula Gonzaga Inés Sofia Bartolomea dos Anjos de Bragança Infantin von Portugal

bekannt als

Erzherzogin Marie Therese

Sie wurde am 24.8.1855 in Kleinheubach geboren.

Einige Historiker schreiben über sie auch als Erzherzogin Maria Theresia oder Maria Theresa. Sie selbst unterschrieb aber als Marie Therese (Beweis am Ende des Berichts).

Foto: Wikimedia/Commons König Michael von Portugal
Foto: Wikimedia/Commons Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg

Ihr Vater war König Miquel I von Portugal (*26.12.1802, †14.11.1866). Ihre Mutter Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (*3.4.1831, †16.12.1909).

Marie Therese wuchs bereits im Exil in Deutschland auf. Ihr Vater starb 1866, ohne je wieder an die Macht zu gelangen.

Ihr Bruder Miquel (*19.9.1853, †11.10.1927) ehelichte die schöne Tochter von Helene „Néné“ von Thurn und Taxis, eine Schwester von Kaiserin Elisabeth, Elisabeth (*28.5.1860), welche aber nach 4jähriger Ehe und nach der Geburt des 3ten Kindes 20jährig am 7.2.1881 verstarb.

Sie genoss eine höhere Mädchenausbildung im Sacré-Coeur in Paris, welche sie auch abgeschlossen hatte. Als 17jährige kam sie zur Familie zurück nach Deutschland.

Foto: geneall.net Elisabeth und Michael von Braganza
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Franz Karl

Erzherzog Karl Ludwig, bereits 2facher Witwer, fuhr höchstpersönlich nach Kleinheubach, um bei ihrer Mutter vorstellig zu werden.

Diese ließ ihre Tochter in den Salon bitten. Marie Therese möge sich umziehen, hoher Besuch erwarte sie und bevor sie mit dem Bruder des österreichischen Kaisers in den Garten spazieren ging, möge sie bitte ein schönes Kleid anziehen.

Marie Therese tat wie ihr geheißen.

Was bei diesem Spaziergang besprochen wurde, ist nicht überliefert, es ist nur bekannt, dass Erzherzog Karl Ludwig obgleich Feuer und Flamme ob der Schönen war und sie bat seine Frau zu werden. Marie Therese willigte ein.

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin), Fotos: Wikimedia/Commons

Mit knapp 18 Jahren trat die Prinzessin am 23.7.1873 auf Schloss Heubach vor den Traualtar und gab dem knapp 40jährigen(*) Witwer Erzherzog Karl Ludwig ihre Hand.

Dieser brachte 4 Halbwaisen mit in die Ehe: den 10jährigen Erzherzog Franz Ferdinand, den 8jährigen Erzherzog Otto (seinen Lieblingssohn), den 4jährigen Erzherzog Ferdinand Karl und die 3jährige Erzherzogin Margarete Sophie.

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Fotografie von Ludwig Angerer, 1860
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl
Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth mit Rudolf und Gisela
Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Victor
Das einzige gemeinsame existierende Familienfoto mit Kaiserin Elisabeth!
Foto: Schloss-Artstetten.at
Foto: albertmilde.com
Villa Wartholz, 1877

14 Tage später fand auf Schloss Schönbrunn im Beisein von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph ein großer Empfang für das Brautpaar statt.

Anwesend waren die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister der Kaiserin, der Flügeladjutant des Kaisers und die gesamte Familie, so dass – nun mehr Erzherzogin Marie Therese – standesgemäß in der Familie Willkommen geheißen wurde.

Wohnhaft wurde das Paar mit den Kindern im angekauften Palais Favoriten in Wien Wieden, welches er sich von Heinrich von Ferstel umbauen ließ.

In den Sommermonaten zog man in die Villa Wartholz in Reichenau an der Rax, welches sich Karl Ludwig ebenfalls vom selben Architekt bauen ließ.

Später wohnte die Familie im Sommer auch gerne im Schloss Artstetten.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth von Schönfeld
Foto: Wikimedia/Commons
Gräfin Marie Festetics

Elisabeth Gräfin von Festetics von Tolna (*30.6.1832, †12.3.1904) verheiratete Gräfin von Schönfeld wurde durch Gräfin von Goeß die Obersthofmeisterin von Marie Therese.

Elisabeth war die Schwester der Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics, welche bei Kaiserin Elisabeth anstellig war.

Das Erzherzogspaar wurde von Kaiser Franz Joseph häufig ins Ausland entsandt, um an seiner Statt an allerhand Pflichten teilzunehmen.

Marie Therese galt nicht nur als die Schönste der drei Frauen von Karl Ludwig, sondern auch als die Klügste, Gewinnbringendste und durch ihr liebreizendes Wesen, als äußerst freundlich und zuvorkommend. Wo sie hinkam, wurde sie von den Menschen wohlwollend angenommen und umringt.

Karl Ludwig war oft sehr eifersüchtig und beobachtete seine Frau mit voller Skepsis, wusste er doch, dass er viel älter war als sie. Doch zu Eifersucht bestand keine Sorge.

Marie Therese liebte ihren Mann aus vollem Herzen und nie hätte sie sich zu einer außerehelichen Affäre hinreißen lassen.

Wie – aus sicheren Quellen und absolut nicht üblich zu dieser Zeit – auch Karl Ludwig nicht fremd ging und sich außerehelich vergnügte. Die beiden genügten und liebten sich gleicher Maßen.

Foto: Wikimedia/Commons Zar Alexander III mit seiner Familie

So reisten die beiden auch nach Moskau um an der Krönung von Zar Alexander III teilzunehmen.

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth ca. 1866

Erzherzogin Marie Therese zog alle Blicke auf sich. Sie galt als byzantinische Prinzessin und war eine außerordentliche Schönheit und von hoher Gestalt.

Man konnte sogar beinahe sagen, sie machte Kaiserin Elisabeth Konkurrenz, die sie allerdings nicht als solche ansah. Sie schätzte ihre Schwägerin sehr, hatte sie doch Ruhe vor den lästigen Staatspflichten und konnte ihren Reisen und Reittätigkeiten zu dieser Zeit nachgehen. Es wurde nicht nur ihre Toilette und ihre Kleider, sondern auch der prachtvolle Schmuck bewundert, was im Zarenreich wirklich etwas zu bedeuten hatte. Normalerweise war es genau umgekehrt. Erzherzog Karl Ludwig ließ sich vor der Fahrt nicht lumpen und kleidete seine Frau ordentlich ein.

Durch ihr charmantes Äußeres, ihr kluges Auftreten und ihre witzige Art lag ihr aber nicht nur Russland alsbald zur Füßen, sondern die gesamte adelige Welt.

Kaiserin Elisabeth war sehr zufrieden mit dem was ihr zu Ohren kam.

Auch Kaiser Franz Joseph schätzte seine schöne und kluge Schwägerin sehr, musste aber alsbald merken, dass sie ihren eigenen Kopf durchsetze und für ihre Familie Himmel und Hölle in Bewegung setzte, wenn es darum ging, diese zu beschützen oder wenn ihr etwas am Herzen lag.

Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen, schätzte er sie Zeit seines Lebens. Dies ging so gar so weit, dass man die beiden später verkuppeln wollte. Doch dazu später mehr.

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Erzherzogin Marie Therese

Als Mutter ging sie in ihrer Rolle ebenso auf, wie als Repräsentantin am Staatsbankett.

Erzherzog Franz Ferdinand (*18.2.1863) war ein äußerst stilles und zurückgezogenes Kind, zu dem sehr eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder Otto (*21.4.1865), da dieser der Lieblingssohn seines Vaters war.

Mit beinahe strengem Blick beobachtete er, wenn sich seine Stiefmutter Marie Therese mit seiner kleinen Schwester Margarete Sophie (*13.5.1870) beschäftigte, da er ganz besonders an ihr hing. Sie war sein ganzer Halt und seine große Liebe innerhalb seiner Geschwister. Zeit ihres Lebens waren die beiden sehr verbunden, es traf ihn deshalb besonders hart, als sie so jung sterben musste, aber dazu später mehr.

Ferdinand Karl (*27.12.1868) fiel zwischen seinen Brüdern mehr oder weniger nicht auf. Er war der Dritte im Bunde und der jüngste Sohn.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata 2. Ehefrau und Karl Ludwig
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Maria Annunziata

Mit Geduld und großer Hingabe sorgte die junge Frau, die kaum 8 Jahre älter war, als ihr ältester Stiefsohn Franzi (Ferdinand), dass die Kinder sie annahmen und liebten. Das sie alle 4 begraben sollte, war ein ungeheures Schicksal, dass sie kaum ertrug.

Die Geschichten dazu erzähle ich im einzelnen.

Nur ihre eigenen Kinder sollten sie überleben.

Schon kurze Zeit nach der Hochzeit nannten die Kinder sie „Mama“ und dies sollte bis zum Tode aller Kinder so bleiben.

Die Liebe war so groß, dass sie keinen Unterschied zu ihren eigenen Kindern machte, die dem Paar Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Marie Therese geboren wurden.

Maria Annunziata kam am 13.7.1876 in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax zur Welt. Sie wurde nach der zweiten Ehefrau und der Mutter der vier Halbwaisen benannt.

Maria Annunziata von Neapel-Sizilien „Ciolla“ (*24.3.1843, †4.5.1871) starb an Lungentuberkulose und hatte diese sowohl Erzherzog Franz Ferdinand, als auch Erzherzog Ferdinand Karl vererbt. Vermutlich auch Margarete Sophie, doch genaueres ist hierzu nicht bekannt.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie

Am 7.7.1878 kam ebenfalls in der Villa Wartholz Tochter Elisabeth Amalie Eugenia zur Welt. Elisabeth wurde von Kaiserin Elisabeth getauft, wurde allerdings von Erzherzogin Christine vertreten.

Foto: Wikimedia/Commons Margarete von Sachsen, Karl Ludwigs 1. Ehefrau, Namenspatronin von Tochter Margarete Sophie

Bevor ich zu den Kindern und dem Rest der Geschichte komme, möchte ich noch kurz die erste Ehefrau erwähnen, damit diese auch ihren Abschluss findet.

Margarete von Sachsen (*25.5.1840, †15.9.1858), Cousine von Elisabeth, Franz Joseph und eben von Karl Ludwig wurde von Erzherzogin Sophie zur Ehefrau bestimmt.

Sie starb nach kaum 2jähriger Ehe 18jährig an Typhus. Die Ehe blieb kinderlos. Tochter Margarete Sophie bekam den Namen der 1. Ehefrau.

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Erzherzogin Marie Therese und Erzherzog Karl Ludwig

Als bei Erzherzog Franz Ferdinand die Lungentuberkulose ausbrach und er sich deshalb auf halber Weltreise befand, schrieb sie ihm unentwegt Briefe, um ihn aufzuheitern.

Leider geschah hier ein großes Unglück. In Kairo besuchte ihn die gesamte Familie um den Kranken aufzuheitern.

Karl Ludwig trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan. Der Jordan war aber schon zu dieser Zeit enorm verschmutzt, so dass sich Karl Ludwig schwer vergiftete.

Sofort veranlasste man die Heimfahrt und Marie Therese kümmerte sich rührend um den Schwerkranken. Doch kaum zu Hause, war er schon so geschwächt, dass es kaum noch Hoffnung gab.

Am 18.5.1896 starb Erzherzog Karl Ludwig. Er hinterließ ihr ein immenses Vermögen, allerdings verhielt sich der Wiener Hof absonderlich.

Doch darauf möchte ich später in der Geschichte zurückkommen.

Erzherzog Franz Ferdinand

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Sophie von Hohenberg

Franzi, wie er Zeit seines Lebens von seiner Mama genannt wurde, hatte sich verliebt.

Leider war diese Liebe verboten und so musste diese lange Zeit verheimlicht werden.

Nur wenige Personen wussten Bescheid; u.a. waren eingeweiht Kaiserin Elisabeth, mit der sich Franz Ferdinand außerordentlich gut verstand, seine Schwester Margarete und natürlich Mama Marie Therese.

Die gesamte Geschichte zu Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg kann hier nachgelesen werden.

Ab 1899 half sie ihrem Sohn bei ihrem Schwager Kaiser Franz Joseph zu intervenieren, dass dieser seine große Liebe Sophie von Chotek heiraten dürfe.

Schon zuvor hatte sich Kaiserin Elisabeth dafür eingesetzt, doch diese starb bevor sie etwas erreichen konnte.

Also war Marie Therese auf sich allein gestellt.

Und obwohl Kaiser Franz Joseph von einer morganatischen (unstandesgemäß) Ehe nichts wissen wollte, gab sie sich nicht geschlagen.

Als der Affront aufkam und Erzherzog Franz Ferdinand Sophie im Kloster entdeckte, hielt er eine beeindruckende Rede vor seinem Onkel. Zwar gab dieser nicht nach, doch Franz Ferdinand unterschrieb die Verzichtserklärung, die ihm dieser vorlegte. Diese besagte, dass er zwar Thronfolger blieb, aber Sophie keine Kaiserin werden dürfe und die Kinder den Namen der Mutter tragen müssten und keine Thronfolger werden würden. Franz Ferdinand hatte gesiegt.

Die Hochzeit fand am 1.7.1900 statt.

Kaiser Franz Joseph verbot an der Hochzeit des Sohnes teilzunehmen und verhängte eine lächerliche Staatstrauer einer nebensächlichen Tante.

Fürstin Josephine von Hohenzollern (*21.10.1813, †19.6.1900) war verstorben. 4(!) Tage später wurde eine 12tägige Hoftrauer angeordnet. So hatte der Wiener Hof die Ausrede nicht teilnehmen „zu dürfen“.

Marie Therese und die Stiefschwestern hielten sich jedoch nicht an dieses Verbot. Von Sophies Seite waren ihre Geschwister mit Ehepartnern anwesend.

Jetzt lernte Kaiser Franz Joseph den Sturkopf seiner Schwägerin kennen und noch viele solcher Einsätze sollten folgen.

8 Tage nach der Hochzeit schrieb Erzherzog Franz Ferdinand an seine Stiefmutter folgenden Brief:

Liebste Mama!

Endlich bißl in Ruhe gekommen nach Beantwortung zahlloser Telegramme – Briefe nach Einrichtung unserer Wohnung und Auspackung aller Sachen von Sophie ist es mir Erstes Dir einige Zeilen zu schreiben und Dir in meinem und Sophies Namen auch noch schriftlich von ganzem Herzen zu danken für all die unbeschreibliche Güte und Liebe die Du uns in Reichstadt bewiesen hast! 

Wir sind Dir bis an unser Lebens-Ende dankbar für Alles was Du für uns gethan hast für die zahllosen Beweise Deines goldenen mütterlichen Herzens. 

Ich fühle mich wie neugeboren. Sie schwärmt von Dir und redet nur Deiner Güte und Liebe. Ich habe vollkommen in meinem Inneren das Gefühl daß wir beide bis zu unserem LebensEnde unbeschreiblich glücklich sein werden. 

Gute liebe Mama, Du hast das Richtige getroffen, daß Du mir so geholfen hast! 

Der liebe Gott zu dem ich täglich 2mal in der Capelle mit Soph bete lohne Dir gute Mama Alles was Du für uns gethan. 

Ich umarme Dich und Die Schwestern küsse Dir die Hände und bin ewig

Dein

dankbarster Dich innigst liebender Sohn Franzi. 

9.Juli 1900 (1)

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Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Marie Therese liebte nicht nur ihren Franzi und Soph, wie Sophie liebevoll genannt wurde, sondern auch ihre Enkelkinder, die eigentlich ihre Sitefenkelkinder waren, wenn wir es genau betrachten würden.

Doch dieses Wort stand Marie Therese nie im Weg und deshalb sollte es auch hier nicht im Wege stehen.

Franz Ferdinand und Sophie wurden 3 wunderschöne Kinder geboren, die auf so tragische Weise zu Waisen wurden.

Das Unglück von Sarajevo traf Marie Therese und die Kinder hart.

Doch Zeit ihres Lebens hielt sie den Kontakt zu ihren Enkeln.

  • Sophie (*24.7.1901, †27.10.1990) geboren, war 13 Jahre alt
  • Maximilian (*29.9.1902, †8.1.1962) geboren, 12 Jahre alt
  • Ernst (*27.5.1904, †5.3.1954) geboren, 10 Jahre alt

Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Erzherzog Otto

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Maria Josepha

Dem Zweiten dem sie bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe half, war Erzherzog Otto, als er an Syphilis erkrankte und von der Familie schon lange verstoßen war.

Ottos „Bolla“ oder auch „der Schöne“ Lebensweg war dem eines Dandys.

Er genoss Dirnen, Alkohol, Tänzerinnerinnen und hatte mehrere uneheliche Kinder.

Seine Ehe mit Maria Josepha Prinzessin von Sachsen (*31.5.1867, †28.5.1944) war eine einzige Farce. Lediglich zwei Söhne wurden geboren.

Erstgeborener Karl (*17.8.1887, †1.4.1922) ging in die Weltgeschichte ein. Er wurde zu

Kaiser Karl I.

Bei der Geburt von Karl kam es beinahe zu einem Drama.

Maria Josepha überlebte die Geburt beinahe nicht, so dass sogar ein Priester für die Sterbesakramente gerufen wurde.

Otto vollkommen hilflos in dieser Situation verständigte seine Mutter und diese eilte zu der Sterbenden und half nicht nur ihrem Sohn mit dem Baby, sondern setzte sich an ihr Bett, betete mit ihr und spendete tröstende Worte. Tag und Nacht wachte sie bei ihrer Schwiegertochter, die sich so nach und nach von der Strapaz erholte.

Trotzdem war dies für Otto kein Schuss vor den Bug.

Kaum war Maria Josepha genesen, genoss er schon wieder seine außerehelichen Affären und ließ seine „Nonne“ wie er Maria Josepha nannte, mit dem Baby allein.

Marie Therese hielt trotzdem all die Jahre zu ihm.

Selbst als sich das Verhältnis zu Franzi zusehends verschlechterte, da plötzlich Otto ins Weltgeschehen des Thronerben blickte, als Franz Ferdinand erkrankte.

Franz voller Eifersucht und Hass auf Otto, der ihm den Thron nicht gönnte und Otto voller Sorge und Angst, der den gar nicht wollte.

Als sich dann noch Franzi in Sophie verliebte, war es ausgerechnet Otto, der sich gegen Franz wandte.

Dies war das Ende der ansonsten guten Beziehung der Brüder. Auch wenn sich Marie Therese immer wieder einmischte und vermittelte, eine brüderliche Freundschaft konnte sie nicht mehr erwirken.

Ab 1900 war Ottos Syphilis offenkundig und sichtbar, weshalb man ihn zu Kuren ins Ausland schickte, doch die Lupusherde im Gesicht waren hier bereits so fortgeschritten und nicht mehr heilbar, dass er sich auf sein Schloss in Schönau an der Triesting zurückzog.

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Dr. Viktor Eisenmenger
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Erzherzog Otto „Bolla“

Seine letzte Geliebte, Opernsängerin Luise Robinson (*8.1.1884, †1934) mit der er ebenfalls zwei uneheliche Kinder hatte und seine Mutter blieben bei ihm.

Letztere pflegte ihn so aufopferungsvoll, dass sich Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) um die Erzherzogin schwere Sorgen machte.

Zuerst fiel Otto die Nase ab, so dass er eine Nasenprothese brauchte, um besser atmen zu können.

Als es im Schloss Schönau nicht mehr ging und die Fahrt für Marie Therese zu anstrengend wurde, wurde in Wien Währing eine Villa angemietet.

In der Anton Frank-Gasse 20 wurde Otto heimlich untergebracht und so konnten die beiden Frauen dafür Sorgen, dass sie Tag und Nacht bei ihm sein konnten. Mit Otto ging es immer mehr bergab.

Als er kaum noch atmen konnte, musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden. Dabei wurde ihm eine Kanüle in den Hals geschoben. Das Sprechen fiel ihm unglaublich schwer, er konnte nur noch sitzen, weshalb er aus dem Bett gehoben und in einen Lehnstuhl gesetzt wurde.

So musste er Tag und Nacht verharren. Sobald der Kopf nach vorne sackte, drohte der Patient zu ersticken, weshalb sich Marie Therese und Louise abwechselten und die Tage und Nächte bei Otto verblieben und ihm den Kopf immer wieder gerade rückten.

Otto wurde gewaschen, gefüttert, gewickelt. Und das mit nicht einmal 40 Jahren. Seine Lupusherde waren nun überall am ganzen Körper ausgebrochen, der ganze Raum stank nach Wundbrand.

Marie Therese war so erschöpft, dass sich Dr. Eisenmenger schwere Sorgen um sie machte und ein Verbot aussprach sich weiter um Otto zu kümmern. Doch davon wollte sie nichts hören.

Sobald Otto drohte zu ersticken, wurde der Arzt gerufen und das Röhrchen wurde entfernt und ausgewechselt.

Eines Tages war der Erstickungsanfall so heftig, dass Dr. Eisenmenger zu spät kam.

Erzherzog Otto starb am 1.11.1906 im Beisein von Marie Therese – als einzige der Familie Habsburg. Er war gerade einmal 41 Jahre alt.

Erzherzog Ferdinand Karl

Auch ihrem dritten Sohn Erzherzog Ferdinand Karl (*27.12.1868, †10.3.1915) half sie seine große Liebe zur bürgerlichen Hofratstochter Berta Czuber (*5.12.1879, †5.7.1979) durchzusetzen.

Doch hier versagten alle kläglich. Kaiser Franz Joseph blieb stur.

Die Konsequenzen waren für niemanden absehbar.

Ausgerechnet Erzherzog Franz Ferdinand widersetzte sich dieser Beziehung.

Kennengelernt hatten sich die beiden auf dem Technikerball und schon bald entstand eine Liason, denn Berta war eine ausgesprochene Schönheit und unglaublich gebildet.

Ihr Vater war Mathematikprofessor an der Technischen Universität.

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Berta Czuber
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Ferdinand Karl

Ferdinand Karl fiel weder als Thronfolger ins Gewicht, noch sonst irgendwie auf.

Sein Status im Habsburg Haus war:
er war anwesend.

Ansonsten hatte er einen militärischen Rang, hatte einige Repräsentationsaufgaben und sonst nichts zu tun.

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Maria de la Mercedes

Pläne zur Hochzeit gab es für den 32jährigen erst, als der Junggeselle partout alles ablehnte, was ihm vorgestellt wurde.

So z.B. die spanische Infantin Maria de la Mercedes (*11.9.1880, †17.10.1904), Tochter von Königin Maria Cristina (*21.7.1858, †6.2.1929) und König Alphons XII (*28.11.1857, †25.11.1885).

Königin Maria Christina war immerhin eine Habsburgerin und saß alleine auf dem spanischen Thron, da ihr Mann schon lange an Tuberkulose verstorben war. Doch Ferdinand Karl weigerte sich hartnäckig.

Franz Ferdinand fürchtete schwere Imageschäden fürs Kaiserhaus und schrieb an seinen Onkel einen Brief, in dem er die Beziehung untersagen wollte:

„Ich fürchte immer bei Ferdinand einen Coup de tête(**) und das wäre schrecklich, denn diese Czuber ist eine abgefeimte Canaille.“ (2)

Gerade Franz Ferdinand solle es besser Wissen.

Seine Sophie wurde am Hof geschnitten wo es ging.
Doch er stellte sich quer, wollte nichts hören und nichts sehen.

Hilfesuchend wand sich Ferdinand Karl an seine Mama.

Immer lauter und bösartiger wurden die Stimmen gegen Berta, von der im Kaiserhaus über ein unstetes Leben berichtet wurde.

Ferdinand Karl gab zu Recht nichts auf dieses gemeine Getratschte, kannte er den Wiener Hof nur zu gut.

Es hatte seine Tante Sisi aus dem Hause getrieben, die Zeit ihres Lebens vor dem Adel floh, da sie als „Landadel“ und nicht „gut genug für den Kaiser war“ (der Unterschied zur Erblinie „in“ und „von“ Bayern kann hier nachgelesen werden).

Auch hier intervenierte wieder einmal Mama Marie Therese. Doch je älter ihr Schwager wurde, desto verknöcherter und sturer wurde er.

Einzig zwischen Ferdinand Karl und Franzi konnte sie vermitteln und eine Versöhnung erreichen.

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Berta und Ferdinand Burg

Aus Trotz und Kummer fuhr das schwerverliebte Paar in die Schweiz nach Chur, wo sie am 15.8.1909 heimlich heirateten.

Danach ging das Paar auf Reisen. Ferdinand Karls Tenor lautete: Wenn sein Onkel von der Ehe mit der gebildeten und hübschen Hofratstochter erfahren wird, wird er klein beigeben.

Doch der Tenor blieb aus.

Die Rechnung wurde ohne dem Onkel gemacht.

Kaiser Franz Joseph war es gewohnt als erste Instanz zu gelten und nicht übergangen zu werden.

Als er von der heimlichen Hochzeit zwei Jahre später erfuhr, tobte er.

Den eigenmächtigen Schritt musste Ferdinand Karl teuer bezahlen.

Er wurde aus der Familie ausgeschlossen. Rang und Titel musste er abgeben, das Goldene Vlies verlangte sein Onkel zurück, aus den Jahrbüchern wurde er getilgt.

Lediglich eine jährliche Apanage stand ihm zu. Des Weiteren wurde Ferdinand Karl gebeten nie wieder nach Österreich zurückzukehren.

Die einzige die wieder einmal zu ihrem Sohn und weiterhin Kontakt hielt war seine Mama.

Das Paar Ferdinand und Berta Burg ließ sich in München und Meran nieder, wo sie die beiden immer wieder besuchte. Leider wurde Ferdinand Karl alsbaldig schwer krank. Die Lungenkrankheit seiner Mutter brach auch bei ihm aus.

Als sein Bruder und seine Schwägerin in Sarajevo erschossen wurden, intervenierte sie beim Kaiser und dieser erlaubte für die Begräbnisfeierlichkeit eine Rückkehr des Verbannten.


Ferdinand Karl war kaum noch wiederzuerkennen.
Er zählte erst 46 Jahre, sah aber aus wie ein Greis.

Er konnte sich kaum auf den Beinen halten, so dünn und ausgezehrt war er. Als es mit ihm zu Ende ging, rief Berta Marie Therese und diese eilte nach München und pflegte wieder einmal ihren Sohn bis zum Tode aufopferungsvoll und voller Liebe.

Im Beisein seiner geliebten Berta und seiner Mutter starb er friedlich am 10.3.1915 46jährig.

Marie Therese sorgte für die Überfahrt nach Obermais nach Meran, wo er in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Jahre später sollte Berta ihm folgen.

Erzherzogin Margarete Sophie

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Albrecht Herzog von Württemberg
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Erzherzogin Margarete Sophie

Und auch ihr viertes Stiefkind Margarete Sophie beerdigte sie.

Margarete Sophie (*13.51870, †24.8.1902) wurde zuerst Äbtissin im Damenstift Prag, bevor sie sich zur Hochzeit mit Albrecht Herzog von Württemberg (*23.12.1865, †31.10.1939) entschloss.

Doch noch vor der Verlobung wurde Margarete Sophie schwer krank. Leider ist nicht herauszufinden, an welcher Krankheit sie litt.

Mama Marie Therese eilte auch an dieses Krankenbett und pflegte ihre Tochter bis sie wieder gesund war. Es dauerte monatelang.

Am 24.1.1893 konnte im Beisein von Kaiser Franz Joseph in der Hofkapelle der Hofburg Wien die Hochzeit gefeiert werden.

7 Kinder wurde dem Paar geboren, bevor sie am 24.8.1902 in Gmunden 32jährig starb. Leider ist auch hier nicht überliefert an was Margarete starb.

Franz Ferdinand war untröstlich seine geliebte Schwester zu verlieren.

Marie Therese hatte im Laufe der Zeit zwischen 1902 und 1914 alle ihre Stiefkinder begraben und trotzdem ihren Glauben nicht verloren.

Nun blieben ihr nur noch ihre Enkelkinder und ihre beiden eigenen Töchter.

Erzherzogin Maria Annunziata „Miana“

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Erzherzogin Maria Annunziata und Siegfried Herzog in Bayern
Verlobung in Possenhofen

Maria Annunziata wurde eine äußerst enge Vertraute von Kaiser Franz Joseph.

Sie verlobte sich mit Siegfried in Bayern (*10.7.1876, †12.3.1956) einem Sohn von Max Emanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893), einem Bruder von Kaiserin Elisabeth.

Doch Siegfried zeigte auf der Verlobungsfahrt nach England ein absonderliches Verhalten, so dass Maria Annunziata noch während der Fahrt ihren Onkel bat die Verlobung wieder auflösen zu dürfen.

Siegfried war 1899 vom Pferd gefallen und zeigte seit dem schwere Auffälligkeiten.

Er schrie, zog sich in der Öffentlichkeit aus, pinkelte in die Kajüte oder aufs Essen, onanierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit, auch in der Öffentlichkeit und bot generell einen traurigen Anblick, obwohl er ein sehr hübscher Mann war.

Kaiser Franz Joseph gewährte die Bitte und so wurde diese gelöst und Maria Annunziata kam zurück.

Sie verlobte sich nie mehr, obwohl sie als sehr große Schönheit galt.

Sie wurde die Erste Dame am Wiener Hof, eine schwierige Aufgabe, die schon ihre Mutter übernommen hatte, als diese noch verheiratet war.

Maria Annunziata war es auch, die Karl und Prinzessin Zita von Bourbon Parma (*9.5.1892, †14.3.1989) verkuppelte.

Maria Annunziata und Kaiser Franz Joseph standen sich so nahe, dass er sie sogar ins Vertrauen über die Mayerling Affäre zog.

Sie nahm die Geschichte mit ins Grab.

Erzherzogin Maria Annunziata starb am 7.4.1961 in Vaduz und ruht in Vaduz bei ihrer Schwester.

Erzherzogin Elisabeth Amalie

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie und Alois von und zu Liechtenstein

Elisabeth Amalie Eugenia ehelichte Alois von und zu Prinz Liechtenstein, dem sie in jede Garnison nachfolgte.

Sie war eine Autonärrin und sammelte diese. Insgesamt 8 Kinder wurde dem Paar geboren.

Sie begleitete ihren Mann zu den Garnisonen und ging gerne Jagen. 1909 erbte ihr Mann das schloss Ullersdorf in Mähren, wo sich die Familie niederließ.

1923 verzichtete Alois auf den Thron in Liechtenstein und übergab diesen an seinen Sohn Franz Josef. Im 2. Weltkrieg holte dieser seine betagten Eltern nach Liechtenstein.

Elisabeth von und zu Liechtenstein starb am 13.3.1960 81jährig in Vaduz.

Foto: SHB
Kaiser Franz Joseph 

Erzherzogin Marie Therese war von Anbeginn nach Kaiserin Elisabeth die Erste Dame am Wiener Hof.

Als Kronprinz Rudolf, der seine Tante sehr verehrte und liebte, Kronprinzessin Stephanie ehelichte, wurde Marie Therese von dieser abgelöst.

Als sich Rudolf umbrachte, fiel die Aufgabe wieder Marie Therese zu, denn eine Witwe konnte und durfte nicht Erste Dame des Landes sein.

Als ihr Mann Erzherzog Karl Ludwig starb benahm sich der Wiener Hof absonderlich.

Zuerst umwarb man sie nach Rudolfs Tod als zukünftige Kaiserin und kroch ihr beinahe in den Allerwertesten, da nach Kaiser Franz Joseph Erzherzog Karl Ludwig als Thronfolger feststand.

Als dieser 1896 starb war es mit den Plänen „Kaiserin Marie Therese“ vorbei und die Höflichkeit des Hofes hatte ein Ende.

Die Aufgabe der Ersten Dame fiel nun Erzherzogin Maria Josepha zu. Sie war die Ehefrau von Erzherzog Otto „Bolla“ und Mutter von Karl, obwohl als Thronfolger Franz Ferdinand feststand.

Nun kamen die Pläne der Heiratsvermittler auf dem Plan.

Da sich Kaiser Franz Joseph und seine Schwägerin Marie Therese außerordentlich gut verstanden und sich beide sehr schätzten, wollte man, dass die beiden sich verheiraten.

Dies hätte auch den Mittel zum Zweck gehabt, dass Franz Ferdinand „quasi“ der Sohn von Kaiser Franz Joseph werden konnte und als „Kronprinz“ anerkannt werden könnte.

Doch Marie Therese lehnte diese Pläne ab.

Als 1906 Erzherzog Otto starb war auch die Zeit für Erzherzogin Maria Josepha als Erste Dame des Hauses vorbei und Tochter und Vertraute von Kaiser Franz Joseph Erzherzogin Maria Annunziata trat an diese Stelle.

Diese verschaffte nicht nur wieder das hohe Ansehen für ihre Mutter zurück, sondern hielt auch wie üblich den ersten Teetisch.

Jede Erste Dame des Hofes hatte nicht nur beim Hofball den Circle zu leiten, sondern auch den Ersten Teetisch über.

Da Kaiserin Elisabeth diese Aufgabe zuwider war, überließ sie mit Freude diese Aufgabe Marie Therese, nach deren Tod übernahm dies natürlich zuerst Maria Josepha, danach bis zum Monarchie Ende Maria Annunziata.

Marie Therese war eine Befürworterin des Roten Kreuzes, welches sie tatkräftig mit Spenden und persönlichen Besuchen unterstütze.

Ihre eigene Tochter Maria Annunziata arbeitete bei Erzherzogin Maria Josefa im Palais Augarten und widmete sich den Kranken und Verwundeten. Um nicht erkannt zu werden, haben viele Erzherzoginnen „bürgerliche Namen“ gewählt.

Foto: collections.nlm.nih.gov
Marie Therese als Schwester Michaela

Marie Therese wählte den Namen „Schwester Michaela“ (dieser Name findet sich in ihrem Taufnamen weit hinten).

Sie meldete sich im Vereins-Reservespital Nr. 2 in der Hegelgasse Wien 1. Sie arbeitete als Oberkrankenschwester und half bei Operationen mit.

Sie ließ keinen Dienst aus, war stets freundlich und pflegte aufopferungsvoll und voller Hingabe und trug immer ihre Schwesterntracht.

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Maria Antonia von Portugal

Aber nicht nur in Wien versah sie ihren Dienst, sie ging auch direkt an die Front.

Vor allen die schwer gefürchteten Isonzofronten hatten es ihr angetan. Sie benutzte die Straßen, die unter schweren Beschüssen standen, sammelte Verwundete auf und verlor nie den Mut, waren die Verletzungen – vor allem Kopfverletzungen noch so grausam und schwer.

Zahlreiche Auszeichnungen bezeugen ihre Kriegseinsätze, doch auf diese legte sie keinen Wert.

Bevor Kaiser Franz Joseph entschlief war sie in Österreich zurück, um auch hier bei der Familie zu sein.

Sie begleitete ihren Schwager auf seinem letzten Weg, der hier nachgelesen werden kann.

Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Sie sah wie ihr Enkel Kaiser Karl und ihre Nichte Zita den Thron übernahmen.

Ihre Schwester Maria Antonia Infantin von Portugal (*28.11.1862, †14.5.1959) war immerhin die Mutter von Zita und somit war Marie Therese ihre Tante.

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Marie Therese als Witwe

Als das Ende der Monarchie eingeläutet wurde, befand sich „Schwester Michaela“ an der Südfront um im Lazarett zu helfen.

Sie hörte von Karls Debakel in Österreich und wollte nach Wien, um ihren Enkel zu helfen.

In Deutschland kam sie nicht weiter, da man ihr vorwarf, den Bündnispartner Deutschland nicht wertzuschätzen.

Erzherzogin Marie Therese musste Beweise antreten, dass sie in Deutschland geboren wurde und ihre Mutter eine Deutsche Adelige war.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Unter diesen schwierigen Umständen gar nicht so einfach. Als sie Deutschland verlassen durfte, war ihr Enkel und Zita mit den Kindern bereits über alle Berge.

Sie ging nach Wien zurück, wo sie in einer kleinen 3 Zimmer Wohnung lebte. Ihr gesamtes Personal musste sie entlassen das Palais war im Begriff verkauft zu werden. Die einst so reiche Marie Therese besaß kaum noch etwas. Doch auch jetzt beklagte sie sich nicht.

Am 3.4.1919 verkündete die Republik Österreich das Adelsaufhebungsgesetz.

Daraufhin verließen Erzherzogin Marie Therese und ihre Tochter Erzherzogin Maria Annunziata Österreich in Richtung Schweiz.

Dort erfuhren sie, dass auch Karl und Zita in der Schweiz angekommen waren.

Nun versuchte Kaiser Karl seine Restaurationsversuche, die allerdings allesamt scheiterten.

Nun zog man sich aber den Unmut der Schweiz zu, die sich verraten fühlte und die gesamte Familie auswies.

Maria Annunziata zog zu ihrer Schwester nach Liechtenstein, Maria Josepha, die Mutter von Karl ging nach Deutschland zurück.

Einzig Marie Therese durfte bleiben.

Sie behielt die Kinder von Zita bei sich, um ihnen ein sicheres Leben zu geben.

Aus Madeira erhielt sie Post und erfuhr, dass das Paar in Funchal gelandet war.

Foto: Wikimedia/Commons
Robert von Habsburg

Als Robert (*8.2.1915, †7.2.1996) an einer schweren Blinddarmentzündung erkrankte, verständigte Marie Therese Zita.

Diese durfte auf Bitten und Drängen bei den Behörden von Marie Therese für 14 Tage das Land Schweiz unter polizeilicher Bewachung wieder betreten.

Als der Kranke noch nicht geheilt war, musste Zita ohne ihrem Kind das Land wieder verlassen.

Diesmal fuhr Marie Therese mit, um Zita eine Stütze zu sein.

Erst am 2.3.1922 konnte Robert mit Gräfin Kerssenbrook, die bei ihm geblieben war, nach Madeira nachkommen.

Doch auch auf Funchal ging alles schief, was nur schief gehen konnte und so musste sie auch ihren Enkel alsbaldig begraben.

Foto: Wikimedia/Commons
alle Kinder von Karl und Zita

Während es in der Hauptstadt warm und sonnig war, wurden Zita, Karl und die Kinder, welche zu diesem Zeitpunkt bereits geboren waren,

  • Otto von Habsburg (*20.11.1912, †4,7.2011), Österreichs letzter Kronprinz
  • Adelheid (*3.1.1914, †2.10.1971)
  • Robert (*8.2.1915, 7.2.1996)
  • Felix (*31.5.1916, †6.9.2011)
  • Carl Ludwig (*10.3.1918, †11.12.2007)
  • Rudolph (*5.9.1919, †15.5.2010)
  • Charlotte (*1.3.1921, †23.7.1989)

in einem zugigen Haus ohne Licht, Heizung und Wasser nur im Erdgeschoss auf dem „Monte“ untergebracht.

Die eigene Bevölkerung mied im Winter diesen Berg.

Die Dienerschaft, die das Kaiserpaar ebenfalls begleitet hatte, schlug die Hände über den Kopf zusammen, ob des schlechten Zustandes dieses Hauses. Ein Diener fasste sich ein Herz und warnte Marie Therese vor dem Haus, die jedoch bei Karl auf taube Ohren schlug.

Da die Familie kein Geld mehr besaß und sich das Hotel nicht mehr leisten konnte, war man auf die Almosen und Hilfe des Volkes angewiesen. Das Haus wurde dem Paar zur Verfügung gestellt. Das Schicksal schlug unbarmherzig zu.

Kaiser Karl verkühlte sich und konnte sich in dem zugigen, von Schimmel belasteten Haus nicht erholen.

Wieder war es Marie Therese die Tag und Nacht am Krankenlager des Kranken saß, der von Fieber geschüttelt wurde und dem es immer schlechter ging.

Er bat seine mittlerweile wieder schwangere Frau Zita zu sich und bat sie bei König Alfonso XIII in Spanien um Hilfe anzusuchen. Außerdem musste sie ihm versprechen, alles mögliche zu versuchen, das Kaiserreich zurückzuerobern.

Noch am selben Tag starb Kaiser Karl im Beisein seiner Großmutter 34jährig am 1.4.1922.

Nun machte sich Marie Therese also mit der hochschwangeren Zita auf den beschwerlichen Weg von Portugal nach Spanien.

Königin Maria Cristina, eine Großcousine von Kaiser Franz Joseph und ihr Sohn König Alfonso XIII (*17.5.1886, †28.2.1941) nahmen sie im El Pardo Palast in Madrid bereitwillig auf.

Hier brachte Zita ihr letztes Kind Elisabeth Charlotte (*31.5.1922, †6.1.1993) zur Welt.

Während die Familie in Spanien blieb, hieß es für Marie Therese Abschied zu nehmen.

Sie wollte zu ihrer Tochter Maria Annunziata nach Österreich zurück, die zwischenzeitig wieder aus Liechtenstein zurück war.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese im Alter

Das genaue Datum des Übertritts ist nicht bekannt, allerdings half ihr Polizeipräsident Schober nach Wien zurück.

Weder Marie Therese, noch ihre Tochter Maria Annunziata mussten auf ihren Titel „Erzherzogin“ verzichten. Sie stellten für die Republik Österreich keine Gefahr dar.

Zur großen Überraschung konnte ihre Familie das Palais Erzherzog Carl Ludwig (er)halten, weshalb Maria Annunziata und Marie Therese zurückkehren konnten. Sogar vom Personal kamen einige zurück und halfen der mittlerweile betagten Dame im Haushalt.

Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor und Maria José in Bayern

Durch ihre Tätigkeit beim Roten Kreuz gingen viele Ärzte im Palais Ein und Aus.

Auch der „Adel“ von Wien kam ins Palais und Marie Therese stieg quasi wieder zur Ersten Dame der Gesellschaft auf.

Ihre Sommermonate verbrachte sie mit ihrer Schwester Maria José Herzogin in Bayern (*19.3.1857, †11.3.1943) in Gastein, welche den Bruder von Kaiserin Elisabeth Karl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) geheiratet hatte.

1938 erlebte sie noch wie ihre beiden geliebten Enkel Max und Ernst von Hohenberg ins Konzentrationslager Dachau gebracht wurden.

Die von Hohenbergs waren die Kinder von Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie. Während Max auf Intervention seiner Frau nach einem halben Jahr frei kam, musste Ernst 5 Jahre verschiedene Konzentrationslager erdulden.

1944 erlebte sie noch die Freilassung und konnte – Ernst einigermaßen gesund – wieder in die Arme schließen.

Vom Glanz und Gloria der Habsburg-Zeit, der Wiener Hofbälle, Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph, das tragische Ende ihres Neffen Rudolf, bis hin zum Fall der Monarchie, 4 Kinder und einen Enkel begrub sie, Entbehrungen und viel Leid ertrug Marie Therese mit Würde und Stolz, Haltung und viel Eleganz.

Kein Klagen kam je über ihre Lippen. Sie war durch und durch eine Dame und durch und durch die gute Seele des Hauses Habsburg, das ihr viel zu verdanken hatte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Wandnische, Erzherzogin Marie Therese, Kapuzinergruft

Erzherzogin Marie Therese erlebte das Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr.

Sie starb am 12.2.1944 88jährig im Beisein ihrer Töchter Erzherzogin Maria Annunziata, Prinzessin Elisabeth Amalie von und zu Liechtenstein, Max und Ernst Hohenberg in ihrem Palais Erzherzog Carl Ludwig.

Der Nazi-Reichsstatthalter und Gauleiter von Wien Baldur von Schirach hätte ihr beinahe das ordentliche Begräbnis in der Kapuzinergruft verweigert.

Ihr Schwiegersohn Alois von und zu Liechtenstein erwirkte die Erlaubnis und so konnte sie mit allen Ehren einer Erzherzogin ihre letzte Ruhestätte in der Kapuzinergruft antreten. Sie ruht heute in einer Wandnische.

– Petra – 

Foto: Wikimedia/Commons
Unterschrift von Erzherzogin Marie Therese

Fußnoten: 

(*) In jedem (!) historischen Buch ist zu lesen, dass Erzherzog Karl Ludwig, bei der Hochzeit 44 Jahre alt war. Dies stimmt ob seines Geburtsdatums nicht. Er stand ganz knapp vor seinem 40. Geburtstag. 

(**) Coup de tête – aus einer Laune heraus; eine Entscheidung betreffend


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra
Stammbaum: Petra
Fotorechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, collections.nlm.nih.gov, planet-wissen.com, albertmilde.com, ÖNB, schloss-artstetten.at, geneall.net


Literatur Hinweise:

1 – S. 38
Norbert Nemec
Marie Therese von Braganza
Der gute Geist im Hause Habsburg
Editions Praesens, 1. Auflage, 2000 (nur antiquarisch erhältlich)

2 – S. 88
Diana Carmen Albu-Lisson
„….denn…[sie]…ist eine abgefeimte Canaille…“
Kral-Verlag, 2013, 1. Auflage

Sabine Fellner, Katrin Unterreiner 
Morphium, Cannabis und Cocain 
Amalthea Verlag, 2008, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Gabriele Praschl-Bichler 
Kinderjahre Kaiser Karls – Aus unveröffentlichten Tagebüchern seines Großvaters
Amalthea Verlag, 2014, 1. Auflage 

 

Der grausame Tod von Herzogin Sophie d’Alençon

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Sophie
d‘ Alençon

Vorwort: 

Wo ihr Biograph aufhörte, fange ich an zu erzählen. Ihr Leben ist beinahe so tragisch, wie das von ihrer berühmten Schwester Kaiserin Elisabeth. Ich habe mich eine Zeit lang mit Sophie beschäftigt und muss sagen, dass sie Zeit ihres Lebens eine todunglückliche Frau war. Von König Ludwig verschmäht, musste sie einen ungeliebten Mann auf ihrer Seite ertragen, der sie wie Besitz behandelte. Als sie ausbrechen wollte, steckte man sie in die Psychiatrie, kaum erholte sie sich von diesen Strapazen, starb sie qualvoll im Feuer. 

Als ich ihren Tod beleuchtete, fand ich erschütternde Schicksale.

Doch Sophie ging mit Frieden im Gesicht in den Tod.

So zumindest wird dies von Augenzeugen berichtet die dem Feuertod entkommen konnten. 

Um sie von den vielen Sophies zu unterscheiden hatte man im 20.(!) Jahrhundert damit begonnen das Charlotte anzuhängen.

Doch sie wurde Zeit ihres Lebens niemals Sophie Charlotte gerufen.

Ich bleibe daher bei ihrem Namen „Sophie“. 

Triggerwarnung! Was ihr hier lesen werdet, wird drastisch sein.
Die Bilder die ich euch zeige sind einzigartig, weshalb sie mit extra großem Logo geschützt wurden.

Ich habe mich 2018 auf den Weg nach Paris und Dreux gemacht, um den Tod von Herzogin Sophie d’Alençon zu erzählen.

Sophie Herzogin in Bayern – Kurzbiographie

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Wir gedenken heute an Sophie Charlotte Auguste Herzogin in Bayern. Sie wurde am 22.2.1847 im Herzog Max Palais in München geboren.

Ihr Vater war Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888). Ihre Mutter war Ludovika Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892).

Sophie war das neunte Kind des Paares und somit Kaiserin Elisabeths jüngste Schwester und die Cousine von Kaiser Franz Joseph.

Sie wuchs ebenso unbeschwert in München, als auch in Possenhofen auf, wie all ihre Geschwister.

Ludovika legte nicht den größten Wert auf Bildung, eher auf eine gute Verbindung. Sie hatte bereits eine Kaiserin und eine Königin vermittelt.

Ihr Bestreben nach „einer guten Partie“ stand weit über dem Glück ihrer Kinder.

Sophie lehnte allerdings einige Brautwerber ab. Unter ihnen soll auch Erzherzog Ludwig Victor (*15.5.1842, †18.1.1919), der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, gewesen sein. Seine Biografie kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commons
offizielles Verlobungsfoto
Foto: Wikimedia/Commons
Edgar Hanfstaengel
Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig II

Da sie eine Freundschaft zu König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886), der gleichzeitig ihr Cousin 2. Grades war, unterhielt, verlobten sich die beiden im Jänner 1867.

Während eines Fototermines, „als Verlobte Ludwigs“ verliebte sie sich in den unstandesgemäßen Edgar Hanfstaengel (*15.7.1842, †28.5.1910), welcher der Sohn des Fotografen war.

König Ludwig selbst den Frauen nicht zugetan, erkannte, dass nur eine Freundschaft einer Ehe nicht förderlich wäre und löste kurzerhand die Verlobung im Oktober 1867 wieder auf. Auch deshalb, da Ludwig 2x den Hochzeitstermin verschob und Herzog Max ein Machtwort sprach.

Um die Schmach der gelösten Verlobung nicht lange ertragen zu müssen, suchte Ludovika fieberhaft nach einem neuen Kandidaten. Sie fand ihn im Enkel des letzten französischen Königs und arrangierte ein Treffen am sächsischen Königshof.

Ferdinand Philippe Marie Herzog d‘Alençon (*12.7.1844, †29.6.1910) war begeistert von der überaus hübschen Sophie und hielt alsbaldig um ihre Hand an.

Am 28.9.1868 fand in einem Saal in Possenhofen die Vermählung statt.

Sophies Ja-Wort glich einem

„Ja, von mir aus.“

Die Ehe begann von Seiten Sophies mit Gleichgültigkeit.

Trotzdem gebar sie zwei Kinder. Tochter Louise Victoire (*19.7.1869, †4.2.1952) kam in England zur Welt, Sohn Philippe Emanuel (*18.1.1872, †1.2.1931) in Meran. Vor allem Louise war ihrer Mutter sehr zugetan. 

Die Familie hatte keinen festen Wohnsitz und so reiste diese durch halb Europa: London, Wien, Paris, Meran, München waren nur einige der Wohnorte.

Foto: Wikimedia/Commons
Richard von Krafft-Ebing

Während der Zeit in München musste sie sich von einer schweren Krankheit erholen und verliebte sich dabei in ihren Allgemeinmediziner Dr. Franz Glaser. Die Affäre ging soweit, dass Sophie sich scheiden lassen wollte.

Ein absoluter Skandal zu jener Zeit.

Foto: Wikimedia/Commons
Privatsanatorium Maria Grün

Ferdinand war so entsetzt, dass er seinen Schwager Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) (Bruder von Sophie und Elisabeth) um Hilfe bat und seine Frau wegen

„sexueller Abartigkeit“

in die Nervenheilanstalt Maria Grün in Graz einliefern ließ.

Dort fiel sie dem weltberühmten, aber auch berüchtigten Psychiater Richard von Krafft-Ebing in die Hände. Seine Methoden könnten nicht grausamer gewesen sein. Eiswasser-Behandlungen waren noch die harmlosen Therapien, die er seinen Patientinnen zu Teil werden ließ. 

Während dieser Zeit wandte sich auch ihre Schwester Kaiserin Elisabeth ab. Diese verfasste garstige Gedichte über ihre Schwester.

7 Monate später war Sophies Wille gebrochen.

Die Scheidungspläne hatte sie aufgegeben und so durfte sie das Sanatorium verlassen. Abgemagert und seelisch gebrochen traf sie 1888 Kaiserin Elisabeth und ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie wieder, die „vom blühenden Leben Tante Sophies“ schrieb, sowie „von Eintracht“ zwischen Ferdinand und ihrer Tante.

Man kann davon ausgehen, dass Erzherzogin Marie Valérie weder eine Ahnung hatte, was Sophie mitmachen musste, noch, dass diese jemals wieder öffentlich über ihre Ehe gesprochen hätte.

Foto: jourfixe-muenchen-ev.com
eine abgemagerte und gebrochene Herzogin Sophie

Das Paar ließ sich nun endgültig in Paris nieder.

Sophie wandte sie sich ihrer Gläubigkeit zu.

Sie trat 1880 sogar einem „Dritten Orden der Dominikanerinnen“ bei und nannte sich dort „Schwester Marie Madeleine.“

Der „Dritte Orden“ war eine Gruppe von Laien, die kein Gelübde abzulegen brauchten und sich die meiste Zeit außerhalb ihres Ordens aufhielten. Aufgabe dieser Orden war es, sich um die Armen der Stadt zu kümmern. Kaiser Franz Joseph blieb wirklich nichts erspart, denn die Schwester seiner Frau, half jetzt den Clochards (Obdachlose) der Stadt oder half „gefallenen Frauen“ (Dirnen mit Kindern oder ledige Frauen mit Kindern).

Sophie legte auf den Titel „Herzogin d’Alençon“ kaum noch Wert und wollte mit „Tochter des heiligen Dominikus“ angesprochen werden. 

Am 4.10.1895 machte sie ihr Testament, in welchem sie die Bedingungen ihrer Beerdigung festlegte.

Sie wünschte sich ein Begräbnis ohne Schmuck, ohne Musik und ohne Blumen.

Sie wollte in ihrem weißen Ordensgewand beerdigt werden.

Ihre Haare sollten verbrannt werden.(*)

Nur, wenn ihr „vielgeliebter Gatte“ eine Erinnerung für sich wünschte, sollte man ein wenig davon abschneiden.

Sollte Ferdinand nach ihr Sterben, wünschte sie, dass „ihr Schutzengel im Leben“ neben ihr bestattet werden möge. Ob sie dies wirklich so meinte oder nur schrieb, da sie wusste, es würde ihr sowieso nichts anderes übrig bleiben, wird für immer ihr Geheimnis bleiben.

(Anmerkung Petra: Haare galten damals als das Sexsymbol der Frau. Es gab zu jener Zeit keine Frau die ihre Haare kurz trug. Die Frauen zur Zeit Kaiserin Elisabeths hatten alle knielange oder fersenlange Haare, da diese nie in ihrem Leben geschnitten, und wenn nur für „Spliss“-Schneiden, wurden.)

Doch der Wunsch, dass ihre Haare verbrannt werden sollen, löst heute noch ein Erschaudern in mir aus. 

Wir nähern uns somit dem tragischen Ende von Herzogin Sophie d‘Alençon am 4.5.1897.

!Achtung Triggerwarung!
Nur weiterlesen, wenn man gute Nerven hat und nicht schwanger ist! Kindssterben im Feuer!

Bazar de la Charité

Foto: Chapelle Bazar de la Charité
Theaterkulisse

Seit Jahren fand in Paris der Bazar de la Charité statt.

Da jedoch die Weltausstellung geplant wurde, musste dieser an seinem angestammten Standort im Palais de l’Industrie weichen.

Der Platz wurde in der Rue Jean Goujon gefunden. Auf diesem Grundstück baute man ein 80 Meter langes und 30 Meter breites Gebäude aus Holz.

Um das Innere besonders schön zu gestalten, wurde eine alte Theaterkulisse, welche Paris im 15. Jahrhundert darstellen sollte, aufgebaut.

Diese bestand allerdings aus Pappdeckeln und vielen Leinwänden, welche mit Ölfarben bemalt waren.

Ein Unding, wenn man es aus heutiger Sicht betrachtet. Als Dach diente ein altes Segeltuch, der Boden wurde mit Fichtenholz gebaut. Alles in allem eine Verkettung von brennbaren Stoffen.

Das Gebäude verfügte über 5 Ausgänge und 2 große Türen, welche direkt auf die Straße hinausgingen.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Eines der großen Highlights dieses Bazars war eine kleine, mit Wasserstoff gefüllte Montgolfière (Heißluftballon), welche im Raum schwebte (siehe Foto oben).

Ein weiteres Großereignis war der Kinematograph der Brüder Lumière. Dieser zeigte die ersten Filmaufnahmen. Eine der größten Errungenschaften dieser Zeit. Noch nie zuvor hat man „bewegte Bilder“ gesehen.

Hätten die Brüder gewusst, was auf sie zukommt, hätten sie ihr Gerät wohl nie dort aufgestellt. Das Unglück brach mit diesem Apparat aus.

Am 4.5.1897 nahm das Unglück seinen Lauf.

Ein Helfer des Filmvorführers verschüttete beim Befüllen einer Lampe Ether, welches in Kontakt mit einer Lampe kam, die noch nicht abgekühlt war.

Das Feuer brannte schnell, heiß und breitete sich innerhalb von Sekunden aus.

Foto: Wikimedia/Commons
zeitgenössische Darstellung des Feuers

Herzog Ferdinand d‘Alençon befand sich mit Sophie im Bazar, löste sich aber von ihr, da er an einem Stand einen Bekannten gesehen hatte.

Während er sich unterhielt, ging Sophie weiter.
Ein Fehler, der ihr das Leben kostete. 

Das Feuer breitete sich rasend schnell aus und das Schreien der Menschen war bis weit nach draußen zu hören. Als Ferdinand realisierte, dass es brannte, wollte er zu Sophie.

Doch die Massen, die nach draußen drängten, das Feuer, die Hitze und der beißende Rauch machten ein Zurück unmöglich.

Während Ferdinand hinausgedrängt wurde, ging Sophie immer mehr in das Feuer hinein.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp

Gemeinsam mit Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp (*28.2.1867, †4.5.1897) versuchte Sophie so vielen Frauen und Kindern wie möglich aus dem Feuer zu helfen.

Während draußen die Menschen zum Helfen zum Bazar de la Charité eilten, um Verletzte zu bergen, Frauen und Kinder durch die Türen und Fenster zu zerren und in die Krankenhäuser zu bringen, lief ein aufgeregter Ferdinand auf und ab und hoffte, dass seine Frau aus einer der Türen heraustrat.

Foto: Meisterdrucke.at

Mittlerweile konnte man den Brand quer durch die ganze Stadt sehen.

Foto: Chapelle Bazar de la Charité

Als Ferdinand nach Hause ging, welches sich nur wenige Schritte vom Bazar de la Charité befand, ist er schnell dort.

Mittlerweile haben sich Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) (Schwester von Kaiserin Elisabeth und Sophie), Gräfin Mathilde von Trani (*30.9.1843, †18.6.1925) (ebenfalls eine Schwester) bei den d‘Alençons eingefunden.

Beide lebten zu dieser Zeit in Paris.

Ferdinand war sichtlich im Schock, konnte kaum Atmen und war schwer verletzt.

Er trug Brandwunden im Gesicht und Kopf, sein Haar und Bart waren versengt. 

Draußen tobte das Feuer und die Bemühungen es einzudämmen.

Die Schreie der Opfer gellten durch die einbrechende Nacht.

Ca. 1500 Menschen befanden sich in den Räumlichkeiten des Bazars. Hauptsächlich Frauen und Kinder.

Bis heute ist nicht ganz klar, wie viele Opfer es tatsächlich gab.

Die Zahl schwankt zwischen 126 – 140 Personen.

Hauptsächliche Opfer waren Frauen und Kinder, zum Teil sehr jung.

Bitte beachtet, dass die Bazar de la Charité nicht öffentlich zugänglich ist. Mir wurde der Zugang exklusiv gewährt und dafür bin ich sehr dankbar. Was ich euch hier zeigen darf, ist somit einmalig!

Traurige Tafeln mit den Namen und Alter der Opfer in der Chapelle Bazar de la Charité (nicht öffentlich zugänglich!).

Herzogin Sophies Gedenktafel befindet sich links in der Kapelle:

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Am nächsten Tag sind Helfer aus jeder Schicht, Polizei und Rettungshelfer mit Fackeln vor Ort eingetroffen, um die verkohlten Leichen und vielleicht doch noch Überlebende zu bergen.

Ich möchte mir weder den Gestank, noch die gespenstische Atmosphäre vorstellen, die geherrscht haben muss.

Verkohlte Leichenteile überall. Zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. 

Die Chapelle Bazar de la Charité hat einige Gegenstände gesammelt, die gefunden wurden. Die Puppe ist das traurige Überbleibsel eines verlorenen Kinderlebens.

Während Ferdinand Sophie suchte, kam es zu den ersten polizeilichen Einvernahmen.

Diese sind zum Teil wirr und zum Teil völlig wertlos.

Man muss sich die Angst, die Panik, dazu das Schreien, die Hitze und den Gestank vorstellen.

Der beißende Rauch nahm nicht nur die Sicht, sondern legte sich auch auf die Lunge. Wer sollte hier einen klaren Kopf bewahren, um danach korrekte Aussagen zu tätigen?

Eine Aussage jedoch ist herzzerreißend.
Ob es sich wirklich so zugetragen hat oder nur eine Legende ist, dürft ihr selbst wählen.
Ich für meinen Teil glaube bis zu einem gewissen Punkt, dass Sophie die Situation wahr genommen hat, um ihren traurigen Leben ein Ende zu setzen.

Mathilde d’Anlau erzählte, dass sie in den Wirren Herzogin Sophie getroffen habe, die mit anderen auf Kopfhöhe einige Bretter aus der Wand gerissen hatte, um dort Kinder und deren Mütter in Sicherheit zu bringen.

Eine andere Dame berichtete, dass Sophie auf sie gedrückt wurde. Ihr Gesicht sei ängstlich aber völlig ruhig gewesen. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, sich zu retten, in dem sie durch eine der Türen hätte fliehen können.

Eine weitere Augenzeugin berichtete, dass Sophie vor der Menschenmasse Angst hatte und zurückwich. Sie sei wieder Richtung Feuer gelaufen.

Wieder Madame d’Anlau war es, die später Sophie noch einmal gesehen haben will, als diese bereits vom Feuer umringt war.

Sie sei dabei friedlich gewesen.

Sie soll dabei nach dem Feuer gegriffen und irgendwas gemurmelt haben was sich wie

„la feu“ (Feuer)

anhörte. Danach warf Mathilde mit ihrer Gürtelschnalle ein Fenster ein und konnte sich so retten.

Sophie sah sie nie wieder.

Egal wer von dem Feuer berichtete und wie wirr manche Aussagen auch waren.

Alle waren sich einig, dass Sophie eine Gotterhabenheit ausstrahlte und so viele Kinder und Frauen rettete, während sie gemeinsam mit Valerie den Tod fand.

Auf der Kupel der Chapelle Bazar de la Charité sind Sophie und Valerie abgebildet, wie sie nach der Hand Marias greifen.

„Aufgefahren in den Himmel“

Am 8.5.1897 fand ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Brandes in der Notre Dame de Paris statt.

Mitglieder der königlichen Familie, Frankreichs Präsident und viele Angehörige nahmen an dem Gedenkgottesdienstes teil.

Kaiserin Elisabeth schickte eine Krone aus weißen Lilien und weißen Rosen.
Diese ließ sie mit den Farben der bayrischen und österreichischen Fahnen umschlingen.

Das berühmteste Opfer dieser Katastrophe war Herzogin Sophie, gefolgt von Victomesse Valerie. Sie hinterließ drei Kleinkinder.

Als die Chapelle Bazar de la Charité errichtet wird, baut man in den hinteren Gängen Gedenkmonumente für die Opfer.

Geht man den Gang entlang, wird man stummer Zeuge so sinnlos verlorener Leben (nicht öffentlich zugänglich!). Es nimmt einem bis heute den Atem und ich war unglaublich ergriffen von dieser Katastrophe.

In der Krypta der Kirche werden bis heute Kerzen angezündet. Auch ich habe eine Kerze angezündet.

Das schönste Gedenkmonument ist aber für mich jenes von Herzogin Sophie d’Alençon. 

Dreux – St. Louis Chapelle und Musee de la Historie

Wir verlassen nun die Chapelle de la Charité und wenden uns der Grabstätte von Sophie zu.

Sie ruht neben ihrem Mann Ferdinand und umringt von ihrer Enkelin, ihrer Schwiegertochter und ihrem Sohn in der St. Louis Chapelle in Dreux (öffentlich zugänglich!).

Ihr Begräbnis fand im Stillen statt, jedoch ließ Ferdinand eine Grabplatte gestalten, die an seine wunderschöne Frau mit Haaren erinnern sollte.

Nur Sophies Schädel wurde gefunden.

Ob die beigelegten Knochen wirklich ihre sind, ist wissenschaftlich nicht belegt. Ihr Schädel wurde anhand ihrer Zähne als solcher anerkannt.

Ihre Grabplatte wurde allerdings 2x gestaltet.

Die erste Gestaltung (1904) ließ Herzog Ferdinand das Blut in den Adern gefrieren. Nach seiner Meinung war Sophie zu drastisch in ihrer Todesqual dargestellt. Er ließ die Grabplatte entfernen und gab eine neue in Auftrag.

Da die Grabplatte aber viel zu wertvoll war, ließ man sie ins Musee de la Historie in Dreux (öffentlich zugänglich) bringen.

Video: mythoskaiserielisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Wer die Chapelle St. Louis in Dreux besucht, wird die lieblichere Grabplatte von Sophie sehen.

In Dreux erzählt man sich, dass Sophie manchmal zu hören sei und weine, da sie ewig ihren Gatten Ferdinand anzusehen habe.

Er selbst hat es so gewählt. Wer sich die Statue ansieht, wird eindeutig die Haare erkennen, die Ferdinand extra herausarbeiten ließ. Ein kleines Vermächtnis dessen, was Sophie partout nicht wollte.

Vielleicht hört man sie auch deshalb weinen.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Bevor ich diesen Bericht abschließe, möchte ich euch noch das Grab am Pere Lachaise Friedhof jener Personen zeigen, die nicht mehr identifiziert werden konnten.

Es dient gleichzeitig aus als Denkmal. 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Grab „nicht identifizierter Leichen“ am Pere Lachaise Friedhof, Paris
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Grab „nicht identifizierter Leichen“ am Pere Lachaise Friedhof, Paris

Nachsatz:
So interessant die Recherchen zu diesem Beitrag waren, so beklemmend waren sie auch.

Ich habe 2018 an zwei Tagen vor Ort die Recherchen gemacht. Nachgehallt hat die Geschichte über Monate.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Sterbebild

Und auch 2021 lässt mich das traurige Schicksal von Sophie nicht los. Als auf Ebay eine deutsche Zeitung zu ersteigern war, welche über den Brand berichtete, habe ich den Zuschlag erhalten.

Ich möchte sie euch natürlich nicht vorenthalten. Die Zeitung ist Original vom Mai 1897! (Die Bilder sind natürlich mit Logo gesichert!)


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Chapelle Bazar de la Charité, Jourfixe-muenchen-ev.com, Meisterdrucke.at, Joseph Albert via Wikimedia/Commons
Videorechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Je remercie tout particulièrement le personnel de la Chapelle Bazar de la Charité. 


Literatur Hinweise:

L’incendie du Bazar de la Charité (in französisch)
Dominique Paoli (Geschenk des Hauses)
Eigenverlag Bazar de la Charité

Christian Sepp (HC-Ausgabe) (nur noch antiquarisch erhältlich)
Sophie Charlotte: Sisis leidenschaftliche Schwester
August Dreesbach Verlag, 1. Auflage 2014

Bernhard Graf
Sisis Geschwister (Bildband)
Allitera Verlag//edition monacensia, 1. Auflage 2017

Erika Bestenreiner
Sisi und ihre Geschwister
Piper Verlag, 1. Auflage 2002

Martha Schad
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth 1878–1899
Piper Verlag, 7. Auflage 2013


Erzherzogin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha von Österreich

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie Friedericke

Wie viel der Kitsch „Sissi“ uns jedes Jahr rund um Weihnachten von der Wahrheit trennt, zeigt am allerbesten die abstruse Geschichte rund um die Tochter Sophie.

Auch wenn viele die Filme mögen, so sind sie leider nur ein 50er Jahre Traum, der die Leute nach den Kriegswirren zum Ablenken einlud. Und nichts war einfacher, als ein zuckersüßes Mädel, die „gute alte Zeit“ in Form der Kaiserzeit, die damals noch gar nicht so lange her war.

Was machte es da schon aus, dass an Sissi nichts stimmte? Weder die dümmliche Angelszene, noch die Zeit Abfolge, noch die Mode (Kaiserin Elisabeth lief nicht im schulterfreien Kleid tagsüber durch Schloss Schönbrunn oder durch die Hofburg), noch der Name.

Elisabeth hieß nun mal niemals Sissi.

Ihr Kosename war immer nur Sisi. Und niemals hätte sie das gemeine Volk mit Kaiserin Sisi anreden dürfen.

Eine Unart, die sich bis heute durchzieht ist die schreckliche Schreibweise von Sissi. Egal ob auf sämtlichen Social Media Seiten, in historischen Büchern (auch namhafte Historiker selbst), auf Souvenirs, auf Bonbons und sämtlichen Zeug das sich verkaufen lässt.

Auch das Spanische Hofzeremoniell gab es nicht in der Art, wie es der Film vermuten lässt. Mein Beitrag dazu kann hier nachgelesen werden.

Ich versuche seit Jahren dem Film-Kitsch entgegenzuwirken und zeige die reale Welt unserer Kaiserin.

Beginnen wir auch hier mit der kleinen Erzherzogin Sophie, die in Sissi den komplett falschen Namen

„Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria“

erhalten hat.

Bis auf den ersten Vornamen, stimmt nichts an dem kleinen Filmbaby. Nicht einmal ihre Geschichte an sich.

Aber beginnen wir wie immer von vorne und mit der realen Geschichte:

Die einzige wahre Pflicht von Kaiserin Elisabeth war es, so rasch als möglich Nachwuchs zu bekommen.

Vorzugsweise Buben, damit die Thronfolge gesichert sein konnte. Der Beitrag zur Elisabeth als Mutter kann hier nachgelesen werden. 

Nach den strapaziösen Hochzeitsfeierlichkeiten (der Bericht kann hier nachgelesen werden), den Flitterwochen und der Reise nach Böhmen und Mähren, stellte Erzherzogin Sophie als baldigst die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft bei ihrer noch sehr jungen Schwiegertochter fest.

Sie schrieb eilig an ihren abwesenden Sohn:

„Auch glaube ich, dass Elisabeth sich nicht zu sehr mit ihren Papageien abgeben sollte, da zumal in den ersten Monaten man sich so leicht an den Tieren verschaut, die Kinder Ähnlichkeit mit ihnen erhalten. Sie sollte lieber sich im Spiegel und Dich anschauen. Dieses Verschauen lass ich mir gefallen.“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie

Sophie setzte sich durch, die Papageien mussten die Räumlichkeiten verlassen. Elisabeth war aufs äußerste betrübt.

Sophie nahm darauf wenig Rücksicht und hielt die junge Frau an, sich in der Öffentlichkeit mit dem Bauch zu zeigen.

Das Volk solle die stolze schwangere Kaiserin sehen.

Elisabeth wollte fliehen, sie weinte beinahe Tag und Nacht. 

Selbst die Geburt ist seitens Sophie dokumentiert. Sie schrieb in ihr Tagebuch:

„Sisi hielt die Hand meines Sohnes zwischen den ihren und küßte sie einmal mit ihrer lebhaften und respektvollen Zärtlichkeit; das war so rührend und machte ihn weinen; er küßte sie ohne Unterlaß, tröstete sie und klagte mit ihr und schaute mich bei jeder Wehe an, um zu sehen, ob ich damit zufrieden war. ….. Endlich nach einigen guten und langen Wehen kam der Kopf und gleich danach war das Kind geboren.“ (2)

Obwohl Ludovika zur Geburt „eingeladen“ wurde, ließ sie den Vortritt ihrer verehrten Schwester.

Kaiserin Elisabeth wurde nach Schloss Laxenburg gebracht, wo die Geburt auf Hochtouren vorbereitet wurde. 

Am 5.3.1855 um 3.00 Uhr nachts kam schließlich die kleine Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha Erzherzogin von Österreich zur Welt.

Ihr Name ist nicht wie so oft, ein Alleingang von Erzherzogin Sophie, sondern ein durchaus übliches Handeln bei den kaiserlichen und königlichen Familien. So wurde immer der Name der Großmutter weitergegeben, erst im weiteren Verlauf die eigentlichen „neuen“ Namen.

Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Sophie und die kleine Gisela

Doch auch gleich nach der Geburt gab es wieder Streit.

Sophie wollte sich um die kleine Erzherzogin selbst kümmern. Sie bestand darauf, dass das Kinderzimmer in ihren Wohntrakt verlegt wurde. Elisabeth musste sich anmelden, um ihre Tochter besuchen zu dürfen.

Eigenartig ist, dass Sophie Elisabeth verbat ihren Säugling zu stillen, immerhin stillte sie selbst ihren Franzi. Etwas, dass zu dieser Zeit im Hochadel kaum jemand tat.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie Friedericke

Elisabeth wurde quasi das Kind entrissen, was eine große Bestürzung bei ihr auslöste. Sie beschwerte sich lautstark bei Franz Joseph. Es half aber leider nichts.

Die kleine Erzherzogin verblieb in der Obhut ihrer Großmutter, die diese wie einen Kelch herumreichte und allen Besuchern des Schlosses zeigte.

Permanent war um das kleine Mädchen irgendwer herum. Es ist verwunderlich, denn als Franz Joseph noch „Franzi“ war, wurde er von Sophie richtiggehend abgeschottet und teilweise sogar versperrt.

Nach der Geburt von Gisella(*), stellte sich Elisabeth quer. Sie verlangte die Kinder umgehend zurück. Sie sollten in die Radetzky-Räume verlegt werden.
(Anmerkung Petra: Erzherzogin Gisella wurde erst mit der ihrer Hochzeit zu Gisela)

In einem langen Brief erklärte Franz Joseph seiner Mutter die Gründe. Im Prinzip ging es Elisabeth nur um die Wintermonate. Im Sommer verbrachte man die Zeit in Laxenburg, während Sophie in Schönbrunn war. Franz Joseph setzte sich gegen seine Mutter durch. Sophie und Gisella zogen in die gewünschten Räume.

Sophie galt als glückliches, lebhaftes Mädchen, das gerne gluckste und ihre Zehen in den Mund steckte, wie Kaiser Franz Joseph amüsiert an seine Mutter schrieb. Als sie zu Laufen begann, erkundigte sie gerne das Schloss. 

1857 beging Kaiserin Elisabeth einen fatalen Fehler, den sie Zeit ihres Lebens bereuen sollte.

Sie entschied sich bei der geplanten Ungarnreise die Kinder mitzunehmen. Erzherzogin Sophie zeterte, Kaiserin Elisabeth setzte sich jedoch durch.

Am 4. Mai 1857 fuhr die kaiserliche Familie nach Ofen, wo vor allem Elisabeth huldvoll empfangen wurde.

Die Menschen lagen ihr zu Füßen. Sie spürte sofort eine Verbundenheit mit diesen überaus freundlichen Menschen. Sie verliebte sich augenblicklich in Land und Leute.

Doch der Schein trügte. Gisella bekam Fieber und Durchfall. Sophie erkrankte ebenso. Dr. Seeburger diagnostizierte „Zahnen“ und tat die Beschwerden ab; er befand Elisabeth als „hysterisch“. Wie fatal diese Fehlentscheidung war, stellte sich bald heraus.

Es ist nicht überliefert ob Sophie an der Ruhr oder an Typhus litt, jedoch erkrankte sie so schwer, dass sie nichts mehr behalten konnte. Ihr Körper magerte ab, sie wand sich vor Schmerzen und Erschöpfung.

Am 29.5.1857 verlor die kleine Sophie den Kampf und starb in den Armen ihrer gramgebeugten Mutter. Sie wurde nur 2 Jahre alt. 

Foto: Wikimedia/Commons 
Lithographie Josef Kriehuber
Dieses Bild hing über dem Bett von Kaiserin Elisabeth. Es zeigt im Bild die kleine Erzherzogin Sophie, im Arm hält Kaiserin Elisabeth Kronprinz Rudolf, daneben stehend Erzherzogin Gisela.

Elisabeth überwand den Tod der kleinen Sophie nie. Wie sehr sich Kaiser Franz Joseph mit der Kleinen verbunden fühlt, zeigte erst der Tod von Kaiserin Elisabeth. Diesen Schmerz hielt Marie Valérie in ihrem Tagebuch fest.

20. – 22.September 1898 „Mit Papas Gutheissung wird Mamas Toilettenzimmer in der Villa Hermes mit all den gewohnten Sachen hergerichtet… Erinnerungen tauchen auf – längst vergangenes Weh – auch an das baby, das ihr vor mehr als 40 Jahren vorangegangen, nach denen Papa jetzt fragt, die er aufbewahrt wissen und doch nicht sehen will Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich ihn vom „baby“ sprechen hörte…“ (3)

Erzherzogin Sophie machte Elisabeth schwere Vorwürfe. Es wird mit ein Grund gewesen sein, warum sie den Kampf gegen Sophie in der Erziehung von Gisella und Rudolf abgab.

Die Kinder übersiedelten wieder zu Erzherzogin Sophie. Zu Gisella und Rudolf hatte Elisabeth Zeit ihres Lebens ein sehr angespanntes und distanziertes Verhältnis.

Erzherzogin Sophie Friedericke ruht in der Kapuzinergruft. Bei der letzten Renovierung wurden die sterblichen Überreste von Sophie, gemeinsam mit anderen Kindern, in einem Mauerabteil beigesetzt.

Eine gemeinsame Grabplatte erinnert an die toten Kinder. Wer genau liest, wird auch den Namen von Maria Anna entdecken. Sie war die Schwester von Kaiser Franz Joseph. Der Beitrag zu ihr, kann hier nachgelesen werden. 

Am 31.5.1894 besuchte Kaiser Franz Joseph die Plitvicer Seen in Kroatien. Er genehmigte durch seine Unterschrift, dass entlang der Seen ein Weg nach dem Namen seiner Tochter Maria Dorothea benannt werden darf. Noch heute heißt der Weg schlicht „Dorothea Weg“.

– Petra – 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 
Stammbaum: Petra


Literatur Hinweise:

1 – S. 233
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie Die starke Frau am Wiener Hof
Amalthea Verlag, 1. Ausgabe, 2016

2 – S 19
Martha Schad
Kaiserin Elisabeth und ihrer Töchter
Piper Verlag, Ausgabe 1999, TB Ausgabe


3 – S 313/4
Erzherzogin Marie Valérie
Martha Schad als Herausgeberin
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth
Piper Verlag, 7. Auflage, 2013


Hofdame Marie Gräfin von Festetics

Foto: Wikimedia/Commons

Sie war eine der intimsten und engsten Vertrauten von Kaiserin Elisabeth:
Hofdame Marie Gräfin von Festetics.

Antal Festetics Foto: APA/Andreas Friess/ORF

Mária Theresia Festetics, Gräfin von Tolna wurde am 20.10.1839 in Tolna, Ungarn geboren. Ihre Eltern waren Sándor Vilibald Teodor Festetics, Graf von Tolna (*14.1.1805, †26.4.1877) und Maria Josefa Walburga Adelheid Baronin von Boxberg (*7.5.1810, †8.2.1892). Sie war das 8te Kind, von insgesamt 10 Kindern.

Das Adelsgeschlecht hatte eine lange Tradition und eine sehr große Geschichte. Leider starb der Zweig von Marie Festetics mit ihrer Nichte Elisabeth 1909 aus. Die Kleine wurde kein Jahr alt. Ein Großneffe von Marie ist der bekannte Wildbiologe und ORF Star Antal Festetics (*12.6.1937).

Maria (genannt Marie) ist die ersten Jahre in Tolna aufgewachsen. Die Familie lebte gerne nach ihrem „Titel“, allerdings hatte sie kaum Ahnung von Geldangelegenheiten, weshalb das Gut in Tolna aufgegeben werden musste. Sie zogen mit den Kindern nach Söjtör. Marie wuchs sehr liebevoll auf und hatte Zeit ihres Lebens ein enges Verhältnis zu ihren Eltern und Geschwistern. Die Familie wurde von vielen Schicksalsschlägen getroffen. Als Mutter Josefa am 8.2.1892 starb, lebte von ihren 10 Kindern nur noch Marie Festetics, welche durch ihre Verpflichtung bei Hof weder heiraten, noch Kinder bekommen durfte.

Marie bekam Privatunterricht und wurde früh in ungarisch, deutsch, englisch und französisch unterrichtet. Weiters lernte sie Handarbeit, Klavier und Gesang. Sie war außerordentlich wissbegierig, las Zeitungen und Bücher, war an Geschichte interessiert, ging gerne ins Theater, Konzerte und in diverse Ausstellungen in Museen. 

Ferenc Deák, Lithographie Josef Kriehuber 1830, Foto: Wikimedia/Commons

Zu den engsten Freunden der Familie zählten Ferenc Deák (*17.10.1803, †28.1.1876) und später Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890), die sie beide sehr prägten. Sowohl Deák als auch Gyula Andrássy nahmen später eine große und wichtige Rolle im Kaiserhaus, sowie in Kaiserin Elisabeths Leben ein.

Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszua-Horka, Foto: Wikimedia/Commons

Graf Andrássy hatte in Maries Leben einen großen Stellenwert. Er war es, der Marie Kaiserin Elisabeth als Hofdame vorschlug. Schon alleine deswegen, weil er eine Verbündete im Kaiserhaus haben wollte und er von der Loyalität Maries überzeugt war.

Marie übernahm die Stelle von Maria Helene Sophie von Thurn und Taxis (*16.5.1836, †13.11.1901), welche am 15.5.1871 Wolfgang Kinsky von Wchnitz und Tettau (*19.7.1836, †14.12.1885) heiratete und somit aus dem Hofdienst ausschied. 

Erzherzogin Klothilde von Sachsen-Coburg, Foto: Wikimedia/Commons

Die erste Aufzeichnung die man über die Bestellung zur Hofdame am Wiener Hof zu Kaiserin Elisabeth findet, ist vom 3.7.1871. An diesem Tag erfuhr Marie, dass Kaiserin Elisabeth Prinzessin Maria Dorothea Amalie von Österreich (*14.6.1867 Alcsút, †6.4.1934 Alscút) bat, Marie freizugeben, da sie eine neue Hofdame brauchen würde. Amalie war die Tochter von Erzherzogin Marie Adelheid Amalie Clothilde von Sachsen-Coburg (*8.7.1849 Neuilly-sur-Seine, †3.6.1927 Alcsút). Marie wurde Angst und Bang, denn ihr gefiel das sehr ruhige Leben bei ihrer Herrin Erzherzogin Klothilde.

Graf Andrássy jedoch besuchte am 4.7.1871 Marie und bat sie eindringlich Kaiserin Elisabeth nicht im Stich zu lassen. Am 21.8.1871 wurde Marie Festetics bei Kaiserin Elisabeth anstellig, bis sie ihren Dienst aufnahm, verging aber noch eine ganze Weile, da sich Kaiserin Elisabeth in Meran aufhielt.

Gräfin Marie Festetics Foto: Wikimedia/Commons

Am 21.12.1871 wurde sie also schließlich persönlich bei Kaiserin Elisabeth vorstellig. Sie notierte: Die Kaiserin stand in einem blauen Kleid in der Mitte des Zimmers, eine große Dogge neben ihr. Die Kaiserin lächelte, der Hund kam auf mich zu, beschnupperte mich und wedelte er mit dem Schweife. … Sie reichte mir freundlich die Hand und sagte: „Ihnen tut es leid um die Erzherzogin, nicht wahr? Ich weiß, Sie wollten nicht zu mir kommen. Das ist nicht besonders schmeichelhaft für mich, aber natürlich, weil ich höre, daß die Familie Sie sehr lieb gewonnen hat“. …… Danach kam sie auf Andrássy zu sprechen. „Andrássy sagte mir, daß Sie ehrlich und wahrhaft sind. Bitte verhalten Sie sich mir gegenüber auch so. Wenn Sie etwas sagen wollen, tun Sie das direkt. Wenn Sie etwas wissen wollen, fragen Sie mich, niemals jemand anderen. Wenn über mich schlecht geredet wird, das ist eine Gewohnheit im Hause, dann glauben Sie es nicht. Freunden Sie sich vorerst mit niemanden an, Sie können Ida vollkommen vertrauen. Duzen Sie sie aber nicht. Sie ist keine Hofdame und ich will nicht, daß sie mit den Damen intim wird.

Marie Festetics und Ida Ferenczy Foto: Wikimedia/Commons

Vielleicht thun sie es nur aus Neugier, aber mit Ihnen ist es anders. Durch Andrássy kenn ich Ihren Charakter. Am 27. fahren wir ab, ich nehme Sie mit. Bis dahin können Sie bei Ihrer Erzherzogin bleiben.“ (1)

Ab diesem Zeitpunkt beginnt das Tagebuch, dass seit 2014 veröffentlicht ist. Marie Festetics war eine ausgezeichnete Beobachterin und durch ihr Tagebuch bekommt man einen sehr guten Einblick in das Kaiserhaus und in das Leben von Kaiserin Elisabeth. Aber nicht nur die Kaiserin, auch das gesamte Umfeld wird beschrieben. 

Schon bald war Marie von ihrer Majestät begeistert. Sie schrieb am 17.1.1872 in ihr Tagebuch: „Es war ein Hofball. Der Kaiser war auch dort. Er sieht mich recht freundlich an, grüßt mich so flüchtig, und nie habe ich noch ein freundliches Wort von ihm gehört. Sie war so schön, daß ich das Gefühl hatte, eine Fee stünde vor mir. Als ich wieder hinaus kam, fragten mich die Suiten, was die Kaiserin an hätte? Ich wußte es nicht, so sehr hat mich das, was über Ihr war, das Hoheitsvolle, Liebliche, Feenhafte, der Ausdruck der verkörperten Majestät, gefangen genommen.“ (2)

Einzig mit Mary Throckmorton, genannt Minny (*1832, †11.12.1919) verstand sie sich überhaupt nicht. Minny war eine gefürchtete Intrigantin und gleichzeitig das Kindermädchen von Marie Valerie. So sehr Elisabeth Klatsch und Tratsch hasste, so sehr hielt sie aber an Minny fest. Marie Valerie wurde von ihr verzogen und verwöhnt, so dass sie bei der Kaiserin gut dastand. Marie war das ein Gräuel. Sie schrieb am 2.1.1872: „Gräßlich allein bin ich! Throckmorton und ich passen nicht zusammen. Die weiß gar nichts zu reden als fort von dem, was alles geschehen und nicht geschehen sollte und die Lily und die Helene und die Ludwiga gesagt und erzählt! Ich bin den Tratsch gar nicht gewöhnt. … Ich will auch nichts voraus wissen, nicht voreingenommen sein, es bleibt doch von jedem Geschichterl etwas kleben!“ (3)

Dies war gleich in der Anfangsphase von Marie im Dienste der Kaiserin. Aber auch später wurden Marie und Minny keine „Freundinnen“.

Marie Festetics stellte sich als Glücksfall für Kaiserin Elisabeth heraus. Nicht nur, dass sie mit Marie nur ungarisch sprach, so hatte sie in ihr eine treue Freundin und Begleiterin gefunden. Egal wohin Kaiserin Elisabeth fuhr und wer sie umgab: Marie Festetics und Ida Ferenczy waren stets an ihrer Seite.

Die einzigen Bezugspersonen die Marie blieben waren Ida und Kaiserin Elisabeth. Erzherzogin Sophie hasste alles was mit Ungarn zu tun hatte. Sie schnitt Marie aufs Gröbste, auch deren Hofdamen und der gesamte Anhang wollten mit ihr nichts zu tun haben. Doch auch Kaiserin Elisabeth wachte über ihre beiden Lieblingsdamen. Sie verhinderte aus Eifersucht, dass Gräfin Marie Festetics heiraten konnte. 

Fürst Nikolai Dolgorukow, Foto: Wikimedia/Commons

Schon im Jahr 1871 – noch im Dienste bei Erzherzogin Klothilde – lernte sie 32jährig in Franzensbad den gutaussehenden Flügeladjutanten von Zar Alexander II kennen: Fürst Nikolai Dolgorucky (*1840, †1913). Er machte Gräfin Festetics auffallend den Hof, doch die beiden trennten sich ohne ein weiteres Wort.

Im Zuge der Weltausstellung in Wien und bereits im Dienst am Wiener Hofe, begegnete Marie dem hübschen Russen noch einmal. Sie notierte: „Er hatte die Keckheit, von Franzensbad zu sprechen: „Ah, Madame welch ein Glück, Sie wiederzusehen, noch einmal bei Nacht! Welche Gelegenheit! Ich habe bis jezt noch nicht Ihre Bekanntschaft gemacht. Aber nein! Ich kenne Sie von einer Kur vor einigen Jahren, ich kenne Sie zur Gänze! Ihre Seele, jeden Ausdruck Ihrer Augen, jede Linie Ihres Körpers, ich kenne Ihr Lächeln, den Ausdruck Ihres Mundes, endlich alles, alles von Ihnen! Nicht die geringste Ihrer Bewegungen ist mir entgangen. Sagen sie nicht, daß Sie nicht bemerkt haben. Aber ja! Ich weiß, daß Sie verärgert sind!“ So und noch unglaublicher ging es fort! Kein Wort hatte ich noch gesagt, alle Leute glaubten, wir seien alte Bekannte und wollten nicht heran.“ (3a)

Graf Alexander Carl Stürler, Foto: Wikimedia/Commons

Schließlich lernten sich die beiden bei den Festivitäten zu der Weltausstellung näher kennen und Maries Herz entflammte. Der gemeinsame Freund Alexander Carl Graf Stürler (*9.5.1825, †3.6.1901) erzählte Marie die Lebensgeschichte des armen Fürsten, welcher sich mit einem Oberst duellieren musste, daraufhin seinen Adelstitel verlor und in den Kaukasus geschickt wurde. Dort musste er bis zum Krieg ausharren, diente in jenem und bekam den Georgsorden für besondere Verdienste. Daraufhin wurde er von Zar Alexander II begnadigt, erhielt seinen Titel zurück und wurde sein Flügeladjutant. Weiters wusste Graf Stürler folgendes: „Denken sie gutes über diesen armen Jungen, Gräfin. Er denkt an sie seit Franzensbad und Sie haben ihn sehr berührt. Er liebt Sie seither. Ich werde ihm sagen, daß ich eine Thräne in Ihren Augen gesehen habe.“ Ja, ich hatte eine Thräne im Auge gehabt. (3b) 

Marie erzählte Kaiserin Elisabeth davon, die gar nicht begeistert war: „Sich mit ihm zu amüsieren, erlaube ich, aber nicht lieben, noch weniger ihn zu heiraten! Das dürfen Sie nicht! Es wäre auch nicht schicklich, mich wegen eines fremden Mannes zu verlaßen, ich erlaube es Ihnen ausdrücklich nicht!“ Wie sah sie mich an! „Sie sollten nicht einmal hinhören, wenn er anfängt über so etwas zu reden.“ (3c)

Nikolai wusste das Marie mit sich haderte. Marie notierte das gesagte Wort vom Fürst in ihr Tagebuch: „Für noch weniger würde man nach Sibiren kommen. Darf ich offen sprechen, Madame? Sie bewundern die Kaiserin sehr, ich verstehe, daß Sie bleiben wollen. Sie erscheint wie ein Engel, mit diesem Ausdruck, dieser außergewöhnlichen Schönheit. Sie lieben Sie sehr, Madame, ich habe es deutlich gesehen. Für einen anderen wäre das ein Glück. so ein schönes Gefühl, das Sie vielleicht gar nicht zu würdigen weiß in dieser Größe, dieser völligen „Selbstverleugnung“. Mir wurde siedenheiß. Hat er recht? „Denken Sie darüber nach, Madame, denken Sie darüber nach, ich beschwöre Sie!“ 

Kurz vor einem Diner traf sie Kaiserin Elisabeth, die sie den ganzen Tag noch nicht gesehen hatte. Dabei fiel nur ein einziger Satz, den Kaiserin Elisabeth ihr sagte: „Sie dürfen nicht!“ (3d)

Am 7.6.1873 versuchte es Nikolai noch einmal. Er wagte Gräfin Festetics seine Liebe zu gestehen und bat sie eindringlich Kaiserin Elisabeth zu verlassen und mit ihm nach Russland zu gehen. Ihr werde an nichts fehlen, versprach er und er würde sie glücklich machen. Marie haderte schwer mit sich. Am 9.6.1873 reiste Zar Alexander II ab, mit samt Graf Stürler und Fürst Dolgorukow. Zum Entsetzen Maries sahen sich die beiden am Morgen noch einmal: „Sagen sie mir etwas Gutes, Madame! …. Daß Sie sich mir verschließen, bedeutet mir viel Schmerz!“ (3e) Nikolai verbeugte sich, gab Gräfin Festetics einen Handkuss und ließ diese verstört zurück. Sie haderte mich sich, wusste nicht so Recht, ob die Entscheidung rechtens war. Dennoch hatte sie sich für die Kaiserin entschieden. 

Paul Almássy, Foto: von-gans.net

Karoly Kerkápoly, Foto: Wikimedia/Commons

Da Marie eine Schönheit war, blieb Fürst Nikolai nicht der einzige glühende Verehrer. Unter ihnen war auch Graf „Mucky“ Mikos (näheres leider nicht bekannt) und der alternde Politiker Paul Almássy (*1818, †1883). Doch keiner unter ihnen wurde Marie Festetics noch einmal so gefährlich wie Nikolai; mit einer Ausnahme: Karoly Kerkápoly (*13.5.1824, †31.12.1891), Anwalt und Politiker

Bereits im Dezember 1873 lernte sie Karoly kennen. Durch Graf Andrássy lernte sie fast jeden Politiker in Ungarn kennen. Noch immer haderte sie wegen ihrem „schönen Russen“, wie sie ihn in ihrem Tagebuch nannte. 

Am 6.2.1874 notierte sie: „Stefanie Wickenburg erschien, als Brautwerber nochmals für Mucki Mikos, der von Mexiko zurück, behauptet, er kann mich nicht vergeßen! Wenn ich „Sie“ verlaßen könnte, hätte ich doch meinen interessanten Russen geheirathet! Konnte ich mich in den stillen Tagen, meinem Söjtör, zu diesem Opfer nicht entschließen, warum jezt? Wo „Sie“ mich braucht, kaum ein Tag vergeht, wo Sie es nicht sagt? Alles könnt ich aufgeben, nur „Sie“ nicht….“ (3f) 

Am 9.4.1874 gestand Karoly Kerkápoly ihr die Liebe: „Kerkapoly war da, das gibt mir zu denken, denn er sagte mir schlicht und einfach, daß er mich liebt. Ich erschrack darüber so sehr, daß er es merkte. Ich sah, es that ihm weh. Ich las einst ein Buch, da stand so etwas drin: Ein älterer Mann, der in späten Jahren den Traum der Jugend träumt. Wie leid thut er mir! Er sagte mir, als er mich das erste Mal in Szölöske bei Andrássy sah, wußte er, daß sein Schicksal vor ihm stünde. Er bat mich gar, nicht desperate zu sein! Mich begegnet zu haben sei Glück genug für ihn. Es bleibe, wie es ist, er lebe davon! Zu was das, frage ich das Schicksal?? (3g) 

Jahrelang sollte Karoly nicht aufgeben. Doch es endete genauso traurig, wie bei Nikolai, den Marie Zeit ihres Lebens nicht vergessen konnte. Marie blieb im Dienste der Kaiserin. Karoly wurde nach seiner Politikerkarriere ein sehr reicher Weinbauer, blieb aber unverheiratet und kinderlos. 

Immer wieder haderte Marie mit ihrem Schicksal. Sie liebte Kinder über alles, ihre Familie starb mehr und mehr aus. Niemand schien übrig zu bleiben, der den Namen weitergeben konnte. Sie war oft allein und blieb an ihren Gedanken hängen. Doch „wenn Ihr sonnenheller Blick auf mich fällt, kömmt mir vor, es wäre das Schwerste leicht zu tragen.“ (3h)

Marie zog sich, wenn sie nicht gerade gebraucht wurde, zurück und schrieb ihr Tagebuch. Marie Valerie war oft bang, dass dieses Tagebuch in falsche Hände geriet, denn egal über wen, Marie schrieb es auf. Insgesamt 10 Bücher und 2000 Seiten schrieb sie von 1871 – 1884. Danach geht das Tagebuch erst ab 1904 weiter. Ob die Bücher tatsächlich 1884 aufhörten oder absichtlich „vernichtet“ oder bis heute „versteckt“ wurden (werden), ist nicht überliefert. Leider fehlt daher auch die Beobachtung zu Kronprinz Rudolfs Tod. Erst 1906 schrieb Marie einen Eintrag in ihr Tagebuch: „Der Kronprinzen Wundergarten! Wie ein Bouquet auf blauer Fluth gewiegt liegt es in Sonnenlicht. Und Er? In des Lebens voller Blüthe von eigner Hand geknickt, schläft neben seiner gemordeten Mutter seinen ewigen Schlaf.“ (4)

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Foto: Marie Gräfiin Festetics, Wikimedia/Commons

Marie Festetics war in ihrem Denken der Zeit weit voraus. Sie schrieb die Tagebücher, um der Nachwelt zu beweisen, wie wunderbar Kaiserin Elisabeth war, wissend, dass der tratschende Wiener Hof kein gutes Haar an ihr lassen würde. Doch bei all ihrer Loyalität und innigen Freundschaft, manchmal kann man auch leise Kritik lesen. Die Kaiserin sei oft schwermütig, in Gedanken versunken, ohne Aufgabe, ohne Lebensinhalt. Die eine Aufgabe, die sie hätte, die wolle sie nicht und was anderes findet sie nicht. Solche Passagen findet man des Öfteren. Marie war also sehr wohl bewusst, dass sich Kaiserin Elisabeth zu Tode langweilte und sich genau deswegen in ihre Wahnvorstellungen flüchtete. Alles was Elisabeth anpackte wurde mit großer Manie betrieben: Reiten, Wandern, Reisen oder die Kindeserziehung von Marie Valerie.

Irma, Gräfin Szátary von Sztára und Nagy-Mihály Foto: Wikimedia/Commons

Egal wohin Elisabeth fuhr, Marie fuhr mit. Meran, Gödöllö, Triest, Paris, Budapest, Sassetot, Irland, England, Korfu und Mittelasien. In den frühen 90er Jahren schaffte Marie die vielen Reisen und stundenlangen Fußmärsche der Kaiserin nicht mehr.

Marie und Ida verblieben deshalb ab 1894 im Innendienst, während Irma, Gräfin Szátary von Sztára und Nagy-Mihály (*10.7.1864, †3.9.1940) mit Kaiserin Elisabeth auf Reisen ging. Zu diesem Zeitpunkt ließ Elisabeth niemand anderen mehr an sich ran, als Marie Valerie und Irma bzw. Marie. Zwischen 1894 und 1898 hatte Kaiserin Elisabeth nur noch 2 Hofdamen. Immer wenn Elisabeth vor Ort war, vertrat Marie Irma, bzw. übernahm deren Aufgaben.

Kaiserin Elisabeth im Milleniumskleid für die 1000 Jahr Feier in Ungarn 1896, Foto: Wikimedia/Commons

Marie vertrat Irma, während ihres Urlaubes und begleitete Kaiserin Elisabeth zu den Milleniumsfeierlichkeiten nach Ungarn, welche im Mai/Juni 1896 stattfanden. Dies war der letzte öffentliche Auftritt von Kaiserin Elisabeth.

Marie und Kaiserin Elisabeth sahen sich zum letzten Mal im Juli 1898 in Bad Ischl. Während sich Elisabeth mit Irma Richtung Bad Nauheim zur Kur und die Schweiz aufmachte, zog sich Marie nach Söjtör zurück. Sie kaufte nach und nach die Ländereien der Festetics zurück.

Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth empfangen den ungarischen Reichsrat 1896. Heliogravure nach Gemälde, mit Originalunterschrift des Künstlers Benczúr Gyula Foto: ÖNB Wien

Der Tod der Kaiserin traf sie sehr schwer. Marie Valerie nahm ihr im November 1898 das Versprechen ab, die Tagebücher testamentarisch zu hinterlassen. Erzherzogin Marie Valerie konnte Marie Festetics nie leiden. Sie machte sie für das oft falsche Handeln ihrer Mutter verantwortlich.

Als die Kaiserin gestorben war, mussten Ida und sie sofort ihre Wiener Wohnungen in der Hofburg räumen. Ihre jahrelangen Hetzer hatten endlich ihren Triumpf. Marie hatte vorgesorgt und sich in der Reisnerstrasse, im 3. Wiener Gemeindebezirk eine Wohnung gekauft. Ida zog in die Nachbarwohnung ein. 

Die Trauer war grenzenlos, doch Marie verfiel weder in Depressionen, noch in Schwermut. Um sich an die Zeiten mit Kaiserin Elisabeth zu erinnern, fuhr sie an jene Orte, an denen sie glücklich war. Sie besuchte auch Ida häufig in Budapest, diese hatte dort ein Kaiserin Elisabeth Museum eröffnet. 

Ab 1906 ist zu lesen, dass sie insgeheim Irma für den Tod Elisabeths verantwortlich machte.

Als der 1. Weltkrieg ausbrach und sie den Untergang des Kaiserreichs mit ansehen musste, wurde die bereits 79jährige Gräfin krank. Aber auch privat musste sie herbe Rückschläge einstecken. Sie selbst, die sich jahrelang für ihre Familie aufgeopfert hatte und mit ihrem Geld ihren alten Besitz zurückerlangte, wurde 1920 von ihrem Besitz enteignet. Dieses Land wurde unter den mittellosen Bauern aufgeteilt. Nur einen Bruchteil des gekauften Landes konnte sie ihrem Neffen Karl hinterlassen; als dieser starb und die Witwe das Land ebenfalls 1943 verlor, musste dies Marie zum Glück nicht mehr miterleben.

Marie Gräfin von Festetics starb am 16. April 1923 in Sjötör. Mit ihrem Tod starb ihr Zweig der Familie Festetics aus.

~ Petra ~


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra
Bildrechte: Österreichische Nationalbibliothek, Wikimedia/Commons, APA/Andreas Friess/ORF, sternenkaiserin.com – Maria José, von-gans.net


Literatur Hinweise:

1 – S 46, 2 – S 49,  3 – S. 48, 3a – S. 159, 3b – S. 162, 3c – 161, 3d – S. 163, 3e – S. 166, 3f – S. 167/8, 3g – S. 168, 3h – S. 170, 4 – S 286

Gudula Walterskirchen, Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics
Residenz Verlag, 3. Auflage, 2014


Herzogin Sophie in Bayern

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Sophie Herzogin in Bayern

Wir gedenken des Todestages von Sophie Maria Friederike Auguste Leopoldine Alexandrine Ernestine Albertine Elisabeth Prinzessin von Sachsen wurde am 15.3.1845 in Dresden geboren.

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König Johann von Sachsen
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Königin Amalie von Sachsen

Ihr Vater war Johann Nepomuk Maria Joseph Anton Xaver Vincenz Aloys Franz de Paula Stanislaus Bernhard Paul Felix Damasus König von Sachsen, bekannt als König Johann I. von Sachsen (*12.12.1801, †29.10.1873).  

Ihre Mutter war Amalie Auguste Prinzessin von Bayern (*13.11.1801, †8.11.1877)

Amalie Auguste wiederum eine Schwester von Herzogin Ludovika und Erzherzogin Sophie war.

Diese war somit die Tante von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph, weshalb Sophie die Cousine der beiden war.

Die Ehe von Johann und Amalie war äußerst glücklich. Dem Paar wurden 9 Kinder geboren, Sophie war das jüngste Kind und die letzte Tochter. 

Als Carl Theodor „Gackel“ Herzog in Bayern (*9.8.1839, †30.11.1909) verheiratet werden sollte, fiel die Wahl von Mutter Ludovika (*30.8.1808, †26.1.1892) wieder einmal aus Eigensucht auf Titel und Ehre auf eine Hohenzollern-Prinzessin.

Therese von Württemberg sollte die Braut von Carl Theodor werden, doch diesmal stellte sich ihr Mann Herzog Max (*4.12.1808, †15.11.1888) eigenhändig quer.

Er schrieb einen erbosten Brief an den Erzieher von Gackel und bat ihn, diese Brautfahrt zu unterbinden. Niemals würde er diese Verbindung gutheißen.

Ludovika musste sich geschlagen geben.

Nun fiel von seitens Carl Theodor die Wahl auf die jüngste sehr schöne Tochter von Johann König von Sachsen und die Schwester von Ludovika Königin Amalie von Sachsen.

Max war hochzufrieden mit der Wahl und gab sein Einverständnis.

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie und Carl Theodor in Bayern

Die Hochzeit fand am 11.2.1865 in der Kapelle des Schlosses in Dresden statt. Der sechsjährige Kronprinz Rudolf war ganz unglücklich, da sich niemand um den Buben kümmerte.

Carl Theodor hatte nur Augen für seine schöne Braut, Néné zog sich permanent um (wie er sich klagend in seinen Briefen äußerte), Mama habe sowieso keine Zeit und Sophie sitze da, ließe sich frisieren, redete ununterbrochen mit dem Angerer (Anmerkung Petra: Fotograf) und ihm (Anmerkung Petra: Rudolf) sei schon ganz schwindelig. Noch 4 ganze Tage müsse er es hier aushalten, zum Glück habe er den Argus (Anmerkung Petra: Hund von Carl Theodor). (1)

Am Abend fand ein großes Festdinner statt, an welchem das berühmte Sternenkleid von Kaiserin Elisabeth und Néné seinen Auftritt hatte.

Der Beitrag zum Sternenkleid kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commmons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter 1867

Sophie von Sachsen war in der Familie äußerst beliebt. Sie war eine lebensfrohe Person, die gern musizierte und dem halbverlassenen Schloss Possenhofen wieder Leben einhauchte.

Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Herzogin in Bayern, verh. von Urach

Kaiserin Elisabeth mochte sie Zeit ihres Lebens von all ihren Schwägerinnen am allerliebsten.

Sophie schrieb gerne Briefe an ihren Vater und beschrieb dabei das Leben in Possenhofen.

Gackel und Sophie musizierten für ihr Leben gerne abends stundenlang, während ihnen Ludovika und die verbliebenen Kinder, der Besuch und sogar die Bediensteten zuhörten. 

Am 24.12.1865 krönte, mit der Geburt der kleinen Tochter Amalie Maria Herzogin in Bayern († 26. Mai 1912), die große Liebe der Eltern.

Doch die Geburt der Tochter war so schwer, dass sich Sophie nicht richtig um ihre kleine Tochter kümmern konnte.

Sie kränkelte permanent, erholte sich nicht mehr richtig.

Ihre Gesundheit schwächelte von diesem Tag an permanent vor sich her.

Carl Theodor machte sich große Sorgen um seine junge, hübsche Frau. 

Am 22.2.1867 wurde die kleine Schwester von Kaiserin Elisabeth, Sophie 20 Jahre alt.

Zu diesem Zeitpunkt war Sophie (*23.2.1847, †4.5.1897) schon mit König Ludwig II (*25.8.1845,†13.6.1886) verlobt. Dieser wiederum wollte seiner Verlobten ein richtiges Fest ausrichten und ließ einen großen und feudalen Hofball veranstalten.

Foto: zeno.org
König Ludwig und Sophie Herzogin in Bayern
als Verlobungspaar

Sophie nahm bei der Veranstaltungen teil und zog sich beim Familiendinner eine Erkältung zu, welche sich rasend schnell zu einer Kehlkopfentzündung ausbreitete.

Einige Tage später schrieb Gackel mehrere besorgniserregende Depeschen an seinen Schwiegervater König Johann von Sachsen: 

„Der gestern eingetretene Kärfteverfall dauert fort, Bewusstsein schwindet, Fieber stärker, Halserscheinungen zwar besser, aber Hoffnung leider gering, Carl“  7.3. 

„Die Krankheitserscheinungen höchst ungüstig. Das Ende bevorstehend. 9.3./8.10 Uhr“ 

„Eben schied der gute Engel von hinnen“ 9.3./9.30 Uhr (1)

Sophie Herzogin in Bayern starb am 9.3.1867 21jährig um 9.30 Uhr im Beisein ihres Mannes und ihrer Schwiegermutter Ludovica.


Ihr 22. Geburtstag wäre am 15.3. gewesen.
Für Carl Theodor, der selbst 22 Jahre alt war und Vater eines 22 Monate alten Kindes war, brach die Welt zusammen.

Wie sollte es nun weitergehen? 

Sophie erhielt von ihrem Verlobten folgenden Brief den sie ihrem Bruder Carl Theodor zeigte: 

„…. Grause Dich nur recht inmitten der grässlichen Leichendüfte, umgeben von einer weinenden Familie, ich fühle mich recht behaglich in meiner schönen Wohnung und schreibe den Inhalt an den guten Gackel, quetsche ihn recht aus, ob er mich noch lieb hat, und versichere ihm meine treue Freundschaft zu Ihm und meine innige Teilnahme an seinem tiefen Schmerz… (2)

In seinem tiefen Schmerz erfuhr er von seinem König, Freund, Vertrauten und Cousin 2. Grades nichts als Hohn. Der Verlobte seiner Schwester spottete über die geliebte Tote.

Die tiefe und innige Freundschaft der beiden zerbrach an jenem Tag und konnte seitens Carl Theodor nie wieder gekittet werden. 

Zu allem Überfluss fanden Sophie und Gackel noch eine beigelegte Zeichnung von Ludwig.

Diese zeigte einen frischen Grabhügel, die einen gekrönten Totenkopf mit einem Kreuz über den Knochen und einem daneben liegenden Schädel zeigte. 

Gackel war außer sich und fühlte sich weder in seiner Trauer ernst genommen, noch hatte Ludwig Respekt vor seiner toten Frau.

Wer aber nun glaubt, dass es ein einmaliger Ausrutscher seitens Ludwigs war, irrt. Mehrerer solcher Briefe folgten, die weiterhin nicht viel einfühlsamer waren.

Aber nicht nur Carl Theodor war entsetzt über Ludwig. Auch Sophie zweifelte mittlerweile ob dieser Briefe immer mehr ob er tatsächlich der Mann ihres Lebens werden sollte.

Drei Tage später, war die Leichenfeier in der Tegernseer Gruft, Ludwig schrieb folgende Zeilen an Sophie, welche diese wieder an Gackel weiterleitete:

Rechte gute Tage, meine liebe Elsa (Anmerkung Petra: Ludwig nannte Sophie nach Wagners Oper Lohengrin Elsa; Sophie hatte eine ausgeprägte Opernstimme und konnte Opernpartien singen), wie geht es Dir? Die Seele Sophieens darf uns recht dankbar dafür sein, dass Wir so entsetzlich lange Zeit ihr zu Liebe in einer wahren Kellerluft gebetete haben. Herrlich war Mozarts berühmtes Requiem, das ich eigens bestellt hatte. O‘ schreibe bald dem theuren Freunde. Was sagte Gackel gestern? 1000 (auf Geldsack) herzliche Grüsse. (3)

Sophie Herzogin in Bayern ruht in der Wittelsbacher Gruft in Tegernsee, welche nicht öffentlich zugänglich ist.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, zeno.org


Literatur Hinweise: 

1 – S 78, 2 – S 78, 3 – 78
Bernhard Graf 
Sisis Geschwister 
Allitera Verlag, 2017 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Christian Sepp 
Sophie Charlotte: Sisis leidenschaftliche Schwester 
August Dreesbach Verlag, 2017 

Hofdame Lily Gräfin von Hunyady

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Caroline Gräfin von Hunyady, ca 1860/1, Madeira Foto: Wikimedia/Commons

Eine der früheren Hofdamen, Freundin und Vertrauten von Kaiserin Elisabeth war Caroline Gräfin Hunyady von Kéthely, genannt Lily. Sie wurde am 26.12.1836 in Wien geboren. 

Henriette Prinzessin von Liechtenstein Foto: geni.com

Josef Graf von Hunyady Foto: Wikimedia/Commons

Ihr Vater József János Nepomuk Antal Zsigmond Graf Hunyady von Kéthely, genannt Josef Graf von Hunyady ( *13.1.1801, † 9.3.1869) war der erste ungarische Obersthofmeister am österreichischen Kaiserhof. 

Josef ehelichte am 1.10.1825 Henriette Prinzessin von Liechtenstein, welche die Tochter des österreichischen Feldmarschalls Johann I. Josef von Liechtenstein war.

Am 22.7.1827 kam Imre Joachim Ferenc Graf Hunyady von Kéthely zur Welt († 8.6.1902). Er war somit Carolines älterer und einziger Bruder. 

Lily wurde Hofdame, als Kaiserin Elisabeth auf den österreichischen Kaiserhof kam. Leider gibt es keine Quellen, die das innige Verhältnis der beiden Frauen näher beschreiben könnte. Brigitte Hamann schreibt in ihrer berühmten Biografie, dass das Verhältnis zu Lily sehr innig war. Dies führte zu bösartigen Gerüchten und Eifersucht unter den anderen Hofdamen. Elisabeth und Lily wurde sogar eine lesbische Beziehung angedichtet. 

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Kaiserin Elisabeth, Helene von Thurn und Taxis, Lily Hunyady und Mathilde Windischgrätz, Foto: Wikimedia/Commons ca. 1860/1 Madeira

Lily und ihr Bruder Imre, sowie Maria Helene Sophie von Thurn und Taxis (*Anmerkung unten) (*16.5.1836, †13.11.1901) und Mathilde Windischgrätz begleiteten 1860 die Kaiserin auf Madeira, wo man sich teilweise zu Tode langweilte. Außer Leierkasten- sowie Kartenspiele und ewig lange Spaziergänge fand auf Madeira nichts statt. Kaiserin Elisabeth ließ sich extra Papageien, Hunde (aus Großbritannien) und andere Tiere importieren damit die Langeweile eingedämmt wurde.

Ein Foto ging in Wien wie ein Lauffeuer herum. Es zeigt Kaiserin Elisabeth mit der Mandoline, Helene hält einen kleinen Hund, Lily steht im Hintergrund und sieht alle an, Mathilde hält einen Tubus in der Hand. Alle sind mit Matrosenhemden und -hüten gekleidet. Dieses Foto war ein Skandal. Nicht nur, weil man in Wien dachte, Kaiserin Elisabeth sei dem Tode nahe, sondern auch, weil sie auf dem Foto glücklicher und gesünder aussah, als jemals zuvor in Wien. 

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Imre, Graf von Hunyady Foto: Wikimedia/Commons

Imre Graf von Hunyady war als erster ungarischer Lehrer mit auf der Reise, hat sich aber unglücklicherweise während dieses Aufenthaltes in Elisabeth verliebt, was prompt seinen sofortigen Abzug von Madeira zum Auftrag hatte.

Lily und Imre waren auf alle Fälle der Grundstein für die große Liebe von Kaiserin Elisabeth zu Ungarn. Zurück in Wien begang Lily einen der größten Fehler im Leben einer Hofdame: sie verliebte sich in Otto Wilhelm Graf von Walterskirchen (*19.6.1833, † 16.11.1912), welcher als Diplomat arbeitete. Da das Protokoll den sofortigen Ausschluss aus dem Hofdienst vorsah, wurde sie sofort nach ihrer Hochzeit entlassen.

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Lily und Imre in Madeira 1860/1, Foto: Wikimedia/Commons 

Danach gibt es unterschiedliche Aussagen der Biografen. Bei Gudula Walterskirchen heißt es, dass sich die beiden nie wieder sahen und sich auch sonst Kaiserin Elisabeth nicht mehr um ihre einstige engste Vertraute kümmerte.

Otto sei verarmt gewesen, da ihm als Letztgeborener kein eigener Besitz mehr zustand. Das Paar lebte nur von den Einkünften die Otto als Diplomat einnahm. Diese Karriere verlief aber alles andere als steil, er musste oft sehr lange auf seine Botschafterposten warten.

Brigitte Hamann jedoch schrieb, dass sich die beiden auch noch nach der Heirat immer wieder trafen, da Lily nun zum österreichischen Adel gehörte, obwohl sie Ungarin war. Angeblich schrieb Kaiserin Elisabeth auch immer noch Briefe an Lily . Da aber weder Tagebuchaufzeichnungen erhalten sind (ob jemals eines geführt wurde, ist nicht bekannt), noch die Briefe, kann diese Aussage nicht weiterverfolgt werden. Auch über das weitere Leben von Gräfin von Walterskirchen ist nichts bekannt.

Lily Gräfin von Walterskirchen starb am 28.2.1907 in Wien.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra
Fotorechte: Wikimedia/Commons, geni.com


Literatur Hinweise:

Anmerkung Marie: (*) Maria Helene Sophie von Thurn und Taxis wird in der Literatur immer nur „Helene von Thurn und Taxis“ genannt. Es führt daher oftmals zur Verwirrung und viele glauben hier „Néné – also Helene Herzogin in Bayern, verheiratete Helene von Thurn und Taxis  vor sich zu haben. 

Gudula Walterskirchen
„Der Franzi war ein wenig unartig“ Hofdamen der Habsburger erzählen

Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen


Die bayrische Erblinie

Ludovika Prinzessin von Bayern und Max Herzog in Bayern –
die beiden bekanntesten Vertreter dieser Erblinie

Foto: Wikimedia/Commons
Ludovika Herzogin in Bayern
geb. Prinzessin von Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Max Herzog in Bayern

Das kleine Wörtchen „in“ und „von“ Bayern, bereitet vielen Menschen immer wieder Kopfzerbrechen.

Wo war der Unterschied?

Ich habe mich bemüht, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen: 

Wer sich mit Kaiserin Elisabeth beschäftigt, wird immer wieder die Bezeichnung „in“ und „von“ Bayern lesen.

In den meisten Büchern ist das weder ausreichend, noch so erklärt, dass man versteht, worum es ursprünglich ging.

Begonnen hat alles mit Johann Karl Pfalzgraf von Birkenfeld-Gelnhausen (*17.10.1638, †21.2.1704), welcher im Jahr 1685 Sophie Amalie Gräfin von Pfalz-Zweibrücken (15.12.1646, †20.11.1695) ehelichte.

Nach Sophies Tod im Jahr 1695, schloss Johann Karl die morganatische Ehe (unstandesgemäße Hochzeit; Erben hatten keinen Anspruch) mit Esther-Maria von Witzleben (*28.7.1665, †1725).

Johann Karls und Esthers Ehe war sehr glücklich. Das Paar bekam 5 Kinder.

Mit seinem Bruder Christian schloss er darauf hin einen Vertrag, um die Erbfolge zu bestimmen.

Pfalzgraf Johann Karl versuchte bei seinem Bruder seine Ehefrau als Reichsgräfin erheben zu lassen und den zuvor geschlossenen Vertrag bezüglich der morganatischen Ehe für nichtig erklären zu lassen, welches aber durch Johann Karls frühen Tod scheiterte.

Esther klagte beim Reichshofrat und wollte die Anerkennung die ihr und ihren Kindern zustand einzufordern.

1715 wurde deshalb die Erblinie „in“ Bayern gegründet.

Der zweite Sohn aus der Ehe mit Esther und Johann Karl war Johann von Pfalz-Gelnhausen (*24.5.1698, †10.2.1780). Er trug nun mehr den Titel

„Johann von Pfalz-Gelnhausen in Bayern“

Im Jahr 1743 ehelichte dieser Sophie Charlotte von Salm-Dhaum (*29.8.1719, †19.3.1770). Das Paar bekam 8 Kinder. 

Das vierte Kind aus dieser Verbindung war Wilhelm in Bayern  (*10.11.1752, †8.1.1837).

Wilhelm war der einzig lebende Verwandte des (sehr viel späteren) Kurfürsten und ersten Königs von Bayern Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, †13.10.1825), weshalb die beiden den „Ansbacher Hausvertrag“ abschlossen.

Dieser beinhaltete die Einhalt und Unteilbarkeit der Länder der Wittelsbacher.

Am 16.2.1799 wurde Wilhelm von Maximilian Joseph der Titel „Herzog in Bayern“ verliehen. 1803 bekam dieser das Herzogtum Berg und wurde Statthalter. 

Foto: genee.org
Maria Anna Pfalzgräfin von Birkenfeld-Zweibrücken

In diesem Vertrag wurde die Annäherung der Wittelsbacher Linie beschlossen und die Linie „in“ und „von“ Bayern sollten wieder einheitlich mit „königliche Hoheit“ angesprochen werden. Die geborenen Kinder durften sich „Prinz und Prinzessin“ nennen.

Herzog Wilhelm ehelichte Maria Anna Pfalzgräfin von Birkenfeld-Zweibrücken (*18.7.1753, †4.2.1827) und bekam mit ihr 4 Kinder.

Das dritte Kind aus dieser Verbindung, war niemand geringer als Pius August Herzog in Bayern (*1.8.1768, †3.8.1837).

Diesem wenden wir uns jetzt zu.

Pius ehelichte Amalie Luise Prinzessin von Arenberg (*10.4.1789, †4.4.1823).

Das Paar bekam nur ein einziges Kind.
Aber das reichte aus, um die Linie „in“ Bayern weltberühmt zu machen.

Es war niemand geringerer als Maximilian Joseph Herzog in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888), den alle Welt nur als „Herzog Max“ kennt.

Max musste auf Geheiß die Tochter von König Maximilian I. Joseph von Bayern Ludovika Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892) ehelichen.

Doch da König Maximilian I. Joseph völlig unerwartet am 13.10.1825 starb und Ludovikas (Halb)Bruder König Ludwig I (*25.8.1786, 29.2.1886) den Thron übernahm, musste die Verlobung durch das einsetzende Trauerjahr auf das Jahr 1827 verschoben werden.

Erst zu Weihnachten 1827 gab das ungleiche (und unglückliche) Paar die Verlobung bekannt.

Alles was Herzog Wilhelm (Max Großvater) und König Maximilian I. Joseph mühsam aufgebaut hatten, machte Ludwig mit dem Dekret am 7.8.1828 zunichte.

Über sein Staatsministerium ließ der König Herzog Max folgende Mitteilung zukommen:

„Bey Gelegenheit der Verehelichung Unseres vielgeliebten Vetters, des Herrn Herzog Maximilian in Bayern, Hoheit, mit Unserer Prinzessin Schwester Königliche Hoheit wollen Wir, daß bey Abfassung der Ehepakten die dem Herrn Herzog gebührende Titular streng einzuhalten, daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört, gebraucht werde.“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika, Herzog Ludwig „Louis“, Herzogin Helene „Néné“ und die kleine Herzogin Elisabeth „Sisi“ (im Kinderwagen)

Durch die unliebsame Hochzeit wurde sie in eine „in“ Bayern degradiert. Louise hatte Zeit ihres Lebens schwer damit zu kämpfen.

Titel und Ehre war in der Welt der Adeligen damals alles. Je höher der Titel, desto höher der Stand in der Adelsgesellschaft und das Ansehen.

Trotz der unliebsamen Ehe bekamen die beiden 10 Kinder, wobei 8 das Erwachsenenalter erreichten. Der Beitrag zu Herzog Max kann hier nachgelesen werden. Der Beitrag zu Herzogin Ludovika kann hier nachgelesen werden.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Unter den Kinder waren so berühmte Namen wie: Kaiserin Elisabeth, Königin Marie von Neapel, Mathilde Gräfin von Trani, Helene Erbprinzessin von Thurn und Taxis (Néné), Carl Theodor Herzogi in Bayern (Gackel), Max Emanuel Herzog in Bayern (Mapperl) und Sophie Herzogin d’Alençon.

Herzog Pius August und Herzogin Amalie Luise waren natürlich die Großeltern der soeben Genannten.

Durch das Dekret von Louises Bruder Ludwig, hatte nun die bayrische Erblinie wieder einen schweren Stand im königlichen Haus.

Die Linie „in“ Bayern, auch Links genealogische Linie genannt, hatte kein Recht auf die Thronfolge und wurde – seit dem 7.8.1828 – nicht (mehr) mit „königlicher Hoheit“ angesprochen.

Louise, Max und die Kinder wurden mit „Hoheit“ oder „Herzog/in“ angesprochen.

Der ewige Mythos einer

Prinzessin Elisabeth

ist ebenso falsch, wie vieles andere, was sich rund um Elisabeth rankt.
Leider fallen bis heute sämtliche Historiker/innen auf diesen „Prinzessinentitel“ herein.
In jedem (!) historischen Buch (egal ob alt oder neu) ist von der geborenen

Prinzessin Elisabeth

zu lesen.

Wahrscheinlich nahm (und nimmt) man immer an, dass ein Kaiser eine Prinzessin heiraten müsse. Dennoch ist das Dekret nicht von der Hand zu weisen und kein offenes Geheimnis.

Auch ihre Geschwister waren keine Prinzen oder Prinzessinnen. Auch hier durften sich die Kinder „nur“ Herzog“ oder Herzogin“ nennen.

Das war im Grunde der Hauptgrund für Herzogin Ludovikas beinahe akribischen Eifer, aus jedem Mädchen „eine Königin“ machen zu wollen. Nach der Heirat ihrer Elisabeth, die Kaiserin wurde, war ihr jeder weitere Adelsstand zuminder. Als Sophie keine Königin wurde, brach eine Welt für sie zusammen. Helene wurde „nur“ Erbprinzessin. Mathilde Gräfin. Zumindest konnte Marie den Titel Königin holen, dafür war Ludovika sogar die Ehe mit einem hässlichen, kleinen Italiener Recht. Dass Marie beinahe in Ohnmacht fiel, als sie König Francesco von Neapel das erste Mal erblickte, störte die titelwahnsinnige Mutter dabei nicht.

Herzogin Ludovika war nur eines wichtig in ihrem Leben:
Titel, Adelsstand und Ansehen

Völlig abstrus wird es, wenn in historischen Büchern von „Prinzessin Nene“ oder „Prinz Carl Theodor“ berichtet wird. Zum einen war Nene französisch und schrieb sich Néné und zum anderen war sie nie eine Prinzessin. Auch Carl Theodor war nie Prinz. Fehlt nur noch, dass einmal jemand Prinz Gackel oder Prinz Mapperl (Max Emanuel) schreibt. Die Titel der genannten Herrschaften waren:

Helene Herzogin in Bayern später
Helene Erbprinzessin von Thurn und Taxis
Carl Theodor Herzog in Bayern
Max Emanuel Herzog in Bayern

Zuerst wurde immer der Vorname oder die Vornamen genannt, dann der Adelstitel und danach die Herkunft.

Der adelige Nachname zB Wittelsbach oder Habsburg wurde so gut wie nie verwendet; manchmal war auch so gut wie nicht bekannt.

Nur bei Kaiser, Kaiserin, König und Königin standen die Titel vor dem Vornamen und dem Herkunftsland

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.

Kaiser Franz Joseph von Österreich
Kaiserin Elisabeth von Österreich
Queen Victoria von England
Queen Elizabeth I von England
Queen Mary Stuart von Schottland
König Ludwig II von Bayern
König Maximilian I. Joseph von Bayern

Bei Doppeltitel wurde immer der höhere Rang zuerst geschrieben:

Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn
Kaiserin Elisabeth von Österreich,
Königin von Ungarn

Ab 1845 wendete sich das Blatt für die Erblinie „in“ Bayern noch einmal.

König Ludwig I. erlaubte nun den königlichen Titel „königliche Hoheit“, weshalb Herzog Max, Herzogin Ludovika und sämtliche Kinder ab sofort mit (zB)

„königliche Hoheit Herzogin Elisabeth“

angesprochen werden durften; nicht aber mit Prinz oder Prinzessin.

8 Jahre später verlobte sich übrigens ein schüchternes 15jähriges Mädchen mit dem Kaiser von Österreich und sollte ob ihrer Herkunft Zeit ihres Lebes groß verspottet werden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth, ca. 14jährig
das allererste offizielle Foto

Anders als in Österreich, hat es das Adelsaufhebungsgesetz nie gegeben, weshalb sich die Erblinie „in“ Bayern bis heute „königliche Hoheit“ nennen und ansprechen lassen darf.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth

Nur für eine kam die Änderung 1845 zu spät.

Zeit ihres Lebens wurde sie für ihre Herkunft, ihren Titel und ihren bayrischen Dialekt verspottet: Kaiserin Elisabeth

Der Wiener Hof konnte mit ihrer „minderen und bäuerlichen“ Herkunft und weil sie eben keine geborene

Prinzessin

war, nichts anfangen und tratschte vor und hinter ihrem Rücken. Elisabeth dankte es ihnen mit Flucht und eisigem Schweigen.

Petra –


Mein besonderer Dank geht an:
Historiker Alfons Schweiggert

Er brachte mir das Prinzessinnen-Geschreibsel der Autoren näher. Er erklärte mir, warum Kaiserin Elisabeth immer nur vor ihrer Ehe Herzogin war.
Herr Schweiggert ist Autor zahlreicher Bücher über König Ludwig II, die Witteslbacher-Familie usw.
Vielen lieben Dank für die Hilfe und die Erklärungen und die Email-Freundschaft.

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, genee.org, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra  


Literatur Hinweise:

9 – S.28
Bernhard Graf
Sisis Vater Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Allitera Verlag//edition monadensia, 2. Auflage 2017

Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern Sisis wilder Vater
Volk Verlag

Max Spindler 
Handbuch der bayerischen Geschichte 
Verlag C.H.Beck


Herzogin Ludovika in Bayern

ludovika
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Wer die „Sissi“ Filme kennt, wird natürlich auch Herzogin Ludovika, dargestellt von Magda Schneider (Mutter von Romy Schneider) verehren.

Die gütige liebende Mutter, die ihrer Tochter Helene versucht beizustehen, als sich der Kaiser für die „Liesl von Possenhofen“ entscheidet.

So wenig die Filme sonst mit der Realität zu tun haben, hier haben sie in einem Punkt eines gemeinsam:

Ludovika war eine liebende Mutter. Wenn auch nicht so fürsorglich, wie von Magda dargestellt; die selbst im realen Leben keine Mutter war. Aber das sei nur eine Randnotiz. Hier geht es schließlich nur um Kaiserin Elisabeths Leben.

Ludovikas Vater war König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, bekannt als König Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, †13.10.1825). Er ehelichte am 30.9.1785 Auguste Wilhelmine Prinzessin von Hessen-Darmstadt (*14.4.1765, †30.3.1796). Mit ihr bekam er 5 Kinder.

Foto: Wikimedia/Commons
König Maximilian I von Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Auguste Wilhelmine und 2 Kinder

Durch politische Unruhen durchs Land getrieben und geschwächt durch die Geburten, starb Auguste Wilhelmine schließlich in Rohrbach 31jährig am 30.3.1796 an Lungentuberkulose.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Max der Verzweiflung nahe, da er nicht nur mit 4 Kindern alleine dastand, sondern auch um seine geliebte Frau trauerte, lernte im Exil in Ansbach Prinzessin Karoline von Baden (*13.7.1776, †13.11.1841) kennen und lieben.

Foto: Wikimedia/Commons
König Maximilian Joseph I
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Karoline

Allerdings war er bereits 41 Jahre alt, als er die junge Prinzessin kennenlernte.

Er bat deren Mutter Amalie von Hessen-Darmstadt (*20.6.1754, †21.7.1832) in einem rührenden Brief und die Hand der schönen Tochter.

Karoline war anfangs nicht sonderlich begeistert, stimmte einer Hochzeit – wohl weil die Mutter sie überredet hatte – allerdings zu.

Sie war erst 21 Jahre alt, als sie am 9.3.1797 die Ehe mit Maximilian einging.

Was folgte, ist beispielslos in der Welt der Könige und Kaiser. Die Ehe wurde außerordenlich glüklich und harmonisch. Keiner konnte und wollte ohne dem anderen sein.

Karoline und Max bekamen 8 Kinder, wovon 2 Zwillingspärchen waren.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Foto: Wikimedia/Commons
Luise (Ludovika), Sophie und Maria Anna

Ludovika Wilhelmine wurde am 30.8.1808 auf Schloss Nymphenburg geboren. In der Familie wurde sie liebevoll „Luise“ oder „Louise“ genannt.

Ihre älteren Geschwister waren die Zwillinge Elisabeth und Amalie Auguste und die Zwillinge Maria Anna und Sophie Friedericke. Sie wurde Erzherzogin Sophie – die Mutter von Kaiser Franz Joseph.

Nach Ludovika erblickte nur noch Nesthäkchen Maximiliane Josepha (*21.7.1810, †4.2.1821) das Licht der Welt.

Die beiden Brüder überlebten das Kindheitsalter leider nicht. Der erste Sohn starb gleich bei der Geburt, Maximilian starb mit 3 Jahren.

Foto: samot/shutterstock.com
Schloss Nymphenburg in München

Louise wuchs in Schloss Nymphenburg sehr liebevoll auf. Ihre Eltern waren fürsorglich, die sich gut um die Kinderschar kümmerte. Ein seltenes Familienidyll in jener Zeit – vor allem für Königshäuser.

Königin Karoline wurde Zeit ihres Lebens von ihren Kindern sehr verehrt und geliebt. Wie sehr die Eltern vergöttert wurden, bezeugen Liebesbriefe der Kinder an die Eltern, die in Wien am Wiener Kongress (1814/15) ihre Pflicht taten. 8 Monate waren sie von zu Hause weg.

Die 9jährige Sophie schrieb verzweifelt:

„Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (1)

Die Kinder hatten lustige Kosenamen für sich – vor allem Sophie wurde damit reich beschenkt:

Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer, Ludovika wurde zu „Louise“ und Nesthäkchen Maximiliane Josepha wurde von allen nur „Ni“ gerufen. 

Foto: Wikimedia/Commons
Die Innschrift des Grabreliefs von Prinzessin Maximiliane Josepha Caroline von Bayern: „Innigst geliebt und heftigst beweint“

Die kleine Ni war generell der erklärte Liebling der Familie, aber am meisten von ihrer Mutter. Während Max seine Kinder Sophie und Anna Maria am meisten liebte.

Ni war Zeit ihres Lebens immer kränklich gewesen. Als sie aber am 4.2.1821 im 11ten Lebensjahr an Schleimfieber verstarb, brach für die Familie eine Welt zusammen. Karoline trauerte lange und tief.

Auch die Kinderschar musste diesen Verlust erst verarbeiten. Sophie nagte Zeit ihres Lebens am Verlust ihrer Schwester. Wie tief der Schock über den viel zu frühen Tod gewesen sein muss, zeigt das Grabrelief der kleinen Ni.

Trotz allem mussten Ludovika und ihre Geschwister schon sehr früh (ab dem 4. Lebensjahr) am Hofleben teilnehmen; sie mussten das Hofzeremoniell lernen, ins Theater gehen und Pflichten des höfischen Lebens erlernen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Herzog Max

Luise wurde in Französisch (Hofsprache), Deutsch, Literatur, Geschichte und Geographie unterrichtet. Die Kinder durften im Schlossgarten toben und auch allerlei Streiche oder Unsinn machen. Die Liebe zur Freiheit und Ungezwungenheit war es, welche Ludovika auch ihren Kindern weitergeben sollte.

Schon als 7jähriger wurde Herzog Maximilian in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888) einer Königstochter von König Maximilian I. Bayern versprochen. Dies aus mehreren Gründen. Zum einen wollten sein Großvater Wilhem Herzog in Bayern (*10.11.1752, †8.1.1837) und der König sich der Erblinie „in“ und „von“ Bayern wieder annähern und den 1799 vereinten Pakt, dass auch die „in“-Linie geborene Prinzen und Prinzessinen waren, verhärten. Zum anderen, wurde durch gemeine Intrigen eines Ministers des Königs das Verhältnis zum Herzog sehr getrübt. Die Erblinie „in“ Bayern kann hier nachgelesen werden.

Da Max, durch zerrüttete Familienverhältnisse und den Tod seiner geliebten Mutter, bei König Maximilian und seiner Familie aufwuchs, kannten sich Ludovika und die gesamte Kinderschar aus der Kindheit.

Besonders Louise und Max waren sich sehr zugetan, wie einige Briefe aus der Kindheit beweisen.

„Ich möchte, Du wärest auch hier und könntest mit uns spielen. Adieu lieber Max, es freut sich herzlich Dich wiederzusehen Deine Cousine Louise“. (2)

Manchmal sandte Max ihr lustige Stücke oder heitere Briefe oder anderweitige Dinge, die Louise sehr erheiterten:

„Dein Ballett, lieber Max, für welches ich Dir recht sehr danke, hat mich sehr lachen machen, und wenn Du wieder kommen kannst, so werde ich es aufführen.“ (3)

Als 15jährige schrieb sie ihm:

„Nun lebe wohl, theurer Schawawi, und vergesse nicht Deine Louise!“ (4)

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Ludovika „Louise“, ca. 6jährig
Zeichnung: Ferdinand von Piloty II

Versprochen wurde Max die Königstochter Maximiliane „Ni“, welche aber 11jährig verstarb. Als 1825 die beiden Herren beschlossen, dass nun Ludovika nachzurücken habe, fielen die beiden aus allen Wolken.

So sehr sie sich aus Kindertagen liebten und schätzen, an eine Heirat dachten sie gewiss nicht. Beide hatten andere Partner erwählt. Max hatte sich leider unstandesgemäß in eine Bürgerliche verliebt und Louise verliebte sich in einen portugiesischen Prinzen. Der Beitrag zu Herzog Max kann hier nachgelesen werden.

Foto: geneall.net
König Michael I. von Portugal „Don Miguel“
Ludovika verliebte sich in Miguel Maria do Patrocínio João Carlos Francisco de Assis Xavier de Paula Pedro de Alcântara António Rafael Gabriel Joaquim José Gonzaga Evaristo de Bragança e Bourbon, kurz Don Miguel oder schlicht und ergreifend Prinz Michael (*26.10.1802, †14.11.1866). 

Von 1828 - 1834 regierte er das Land Portugal als König, weshalb sein Titel danach König Miquel oder König Michael war. 

Ihn hatte sie als junges Mädchen bei ihrer Schwester Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, 28.5.1872) in Wien kennengelernt. Der Beitrag zu Sophie kann hier nachgelesen werden.

Es war Liebe auf den ersten Blick und Dom Miquel hiel um die Hand der schönen Prinzessin an.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.

Doch durch politische Querelen lehnte König Maximilian diese Verbindung ab. Zeit ihres Lebens verzieh Louise ihrem Vater dies nie.

Doch bevor noch mit Max Verlobung gefeiert werden konnte, musste die Familie einen herben Verlust hinnehmen. König Maximilian I. Joseph starb am 13.10.1825.

Nun rückte ihr (Halb)Bruder Ludwig I. als König nach (*25.8.1786, †29.2.1868). Selbstverständlich hielt Don Miquel nochmals um die Hand der Schwester an, doch auch Ludwig lehnte die Verbindung ab.

Louise weinte sich ab nun beinahe täglich in den Schlaf, auch wenn ihr Max versicherte sie zu lieben. Die Verbindung wollten in Wirklichkeit beide nicht.

Nach dem Trauerjahr fand im Dezember 1827 die Verlobung statt.

König Ludwig I. schenkte den beiden das stattliche und bekannte Bild seines Hofmalers Joseph Karl Stielers, welches jahrelang in sämtlichen Adelskreisen für große Spekulationen sorgte:

„Stieler hat sie [Ludovika] mit dem Bräutigam gemalt […]. Die hohe schlanke Gestalt in weißem ausgeschnittenen Kleide steht in landschaftlicher Umgebung. Das edle Oval ist dem Beschauer zugekehrt, und die zaghaft blickenden Augen schweifen in unbestimmte Fernen. Dicht gesteckte dunkle Locken decken die Schläfe, und eine reiche Haarkrone liegt um das Haupt. Ihre Hand ruht in der des stattlichen Bräutigams. Es ist ein schönes, vornehmes Paar. Von weitem schimmern der Tegernsee und das breite, helle väterliche Schloß, wo sie am 9.September 1828 beide zwanzigjährig vor dem Altare standen. Die Braut, ein fertiges Weib, reif und ohne Illusion in die Welt schauend, Herzog Max ein Jüngling, der das Leben noch nicht genossen, der es aber kennenlernen wollte und gewiß keine Lust hatte, so früh gebunden zu sein.“ (5)

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Verlobungsbild Prinzessin Ludovika und Herzog Max, 1828 – dahinter Schloss Tegernsee
Bild: Joseph Karl Stieler

Es kein Zetern und kein Wehklagen:

am 9.9.1828 wurde in der Schlosskapelle St. Quirinus der Bund der Ehe geschlossen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Hochzeit Max und Ludovika, 1828
Bild: Lithographie Franz Xaver Nachtmann

Als der Brautstrauß geworfen wurde, soll Ludovika den Ausspruch

„Dieser Ehe und allem, was daraus hervorgeht, soll der Segen Gottes fehlen bis ans Ende“ (6)

der wie ein Fluch klang, gesagt haben. Ob dies jedoch stimmt, sei dahingestellt.

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Gräfin Marie von Larisch

Er könnte in weiterer Folge ein gestreutes Gerücht der gekränkten und verstoßenen Marie Gräfin von Larisch (*24.2.1858, 4.7.1940)sein, welche sich in ihren beiden Büchern nach der Verbannung (wegen Kronprinz Rudolfs Tod) an ihrer Familie bitter gerächt hatte.

Obwohl sie dabei ihre Großmutter in Verruf brachte, nahm dies Gräfin Larisch wieder einmal billigend in Kauf.

Die Hochzeitsnacht wurde für Max zu einer peinlichen Farce und – wenn man es ganz genau betrachtet – wusste Louise nicht, wie die Rache eines Mannes aussehen konnte.

Als die Nacht der Nächte so weit war, zog sich Louise auf den hintersten Winkel des Bettes zurück und fiel völlig erschöpft in einen tiefen Schlaf. Sie hoffte natürlich, dass ihr Ehemann dies genauso tun würde, wie sie selbst.

Doch Max hatte natürlich andere Pläne. Als er in das gemeinsame Zimmer kam, wachte Louise erschrocken auf, hüpfte aus dem Bett und stieß Max in einen zufällig offenen Schrank.

Völlig panisch versperrte sie den Schrank und legte sich wieder zu Bett. Den polternden Max hörte sie nicht oder wollte ihn nicht hören. So verblieb dieser die ganze Nacht in diesem Schrank und schwor sich, seiner Frau schon zu zeigen, was es bedeuten würde, verheiratet zu sein.

Tatsache war allerdings, dass Louise todunglücklich war.

Max fand Louise hausbacken und langweilig. Louise ihren Mann zu umtriebig.

Trotzdem bekam das Paar 10 Kinder, wovon 8 Kinder das Erwachsenen Alter erlebten.

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Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Die Ehe verlief Zeit ihres Lebens unglücklich, das Paar sah sich kaum. Erst im Alter und bei der goldenen Hochzeit versöhnte sich das Ehepaar.

Marie von Redwitz (*9.12.1856, †11.4.1933), Hofdame der Tochter von Carl Theodor, Herzogin Amalie von Urach (*24.12.1865, †26.5.1912) schrieb dazu in ihrer Hofchronik 1888:

„Einmal nur erwähnte die alte Hoheit, die ihn besuchte, sie finde ihn nicht gut aussehend, und daß er auch am Tage bei geschlossenen Läden bei Licht säße, mache ihr einen traurigen Eindruck. Er behauptete, in seinen Zimmern (den Hochparterreräumen des Palais) würde es doch nie recht hell. Die Hofdamen haben den „alten Herrn“, wie er meist genannt wurde, seit zehn Jahren nicht gesehen, selbst die Dienerschaft, die nicht speziell in seinen Diensten stand, kannte ihn nicht. Er verließ das Haus und seine Zimmer nie mehr.“ (7)

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Herzog Max und Herzogin Ludovika, 50. Hochzeitstag

Die erste Zeit reiste das Paar viel und zog schließlich in das bombastische Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße in München. 1834 kaufte Herzog Max schließlich das Sommerschloss Possenhofen, von allen nur liebevoll „Possi“ genannt und gab damit den Kindern und Ludovika ein zu Hause, dass diese sehr liebten.

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Schloss Possenhofen
heute Eigentumswohnungen und nicht betretbar
Possi und Ludovika wurden zum Lebensmittelpunkt der Kinder. Herzogin Ludovika hielt nichts vom strengen Hofzeremoniell und ließ die Kinder zu Hause von Hauslehrern unterrichten. 
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Schloss Possenhofen, Aquarell Franz Xaver Nachtmann, 1839

Wichtigste Stütze als Freund und Erzieher der Kinder war ihr dabei Baron Carl von Wulffen, den sie später zu ihrem Obersthofmeister machte.

Der Unterricht wurde auch oft in die Natur verlegt, denn der große Garten, der See und die umliegenden Wälder luden zum Toben, Reiten und Schwimmen ein.

Auch wenn es sich nicht ziemte, aber die Kinder lernten alle Schwimmen. Vor allem Kaiserin Elisabeth sollte dies ihr Leben lang beibehalten.

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Herzog Max-Palais, München

Ludovika liebte lange Spaziergänge, den Wald, die Tiere und so ging sie mit den Kindern stundenlang spazieren und brachte ihnen die Natur näher.

Sie sprach mit den Kindern hauptsächlich deutsch, was auch nicht dem strengen Hofzeremionell entgegenkam, da man am Hof französisch sprach. Und so lernten die Kinder bayrischen Dialekt, was man später Kaiserin Elisabeth am Wiener Hof Übel nehmen sollte.

Generell war Louise ein Mensch, der andere Menschen nur schwer an sich ran ließ und sich lieber in der Natur aufhielt.

Außer den Familienmitgliedern waren ihr fremde Menschen verhasst. Menschengetümmel und vor allem das Angestarrt werden, war ihr ein Gräuel. Ein Umstand, den sie vor allem an Elisabeth weitergeben sollte.

Dass ausgerechnet diese Kaiserin von Österreich werden würde, war natürlich nicht vorauszuahnen.

Possi wurde für die Kinder der Inbegriff von Freiheit, von Liebe und von Heimat. Alle Kinder kamen immer gerne nach Possenhofen zurück und hatten Zeit ihres Lebens schweres Heimweh. Keiner von den Kindern konnte die Freiheit so derartig bewahren, wie sie es als Kinder genossen haben.

Ludovika selbst ging in ihrer Aufgabe als Mutter voll auf. Sie legte Wert darauf, die Kinder selbst zu erziehen und beschäftigte sich viel mit ihnen.

Auch zu ihren zahlreichen Enkelkindern hatte „Großmama“ ein äußerst gutes Verhältnis.

Marie von Redwitz schrieb folgendes in ihr Tagebuch, als sie 1888 die alte Dame kennenlernte:

„Ich war erstaunt über die Erscheinung, und die einst schöne und große Frau kam mir mit der gebeugten Gestalt ihrer einundachtzig Jahre um den verwelkten Zügen wie ein Spitalweibchen vor. Das noch dicke melierte Haar war um den Kopf gelegt, und da sie keine Haarnadeln ertrug, mit einem schwarzen Filetnetz gehalten. Das grüne schlafrockartige Kleid hatte auffallendes gelbes Muster. Sie sprach mich liebenswürdig an, mit schwachem Lächeln auf den Lippen und den gesenkten Augen der getrübten Sehkraft.“ (8)

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Um Ludovika jedoch näher kennenzulernen, müsste man sich mit ihren Briefen beschäftigen. Sie schrieb an alle ihre Lieben und hielt auch bis ins hohe Alter mit allen Schwestern und Brüdern engen Kontakt. Als ihre Augen immer schlechter wurden, ließ sie ihre jüngste Tochter Sophie ihre Korrespondenz erledigen. 

Einen Teil hat Historiker Christian Sepp in seiner Ludovika Biografie verarbeitet. Nun kamen die „Erinnerungen an Großmama“ in Form des Tagebuchs von Amelie von Urach dran. Hier geht es um die Hinterlassenschaft des Autors Richard Sexau, welcher das Tagebuch der Herzogin von Urach veröffentlichen wollte.

Amelie war, wie bereits erwähnt, die Tochter von Carl Theodor in Bayern, Louises geliebte Enkelin und die beste Freundin von Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, 6.9.1924), der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth.

Sexau starb vor seiner Veröffentlichung und so haben Historiker/innen seit jeher Quellen aus diesen handschriftlichen Werken Sexaus und Amelie von Urach in ihren Wittelsbacher und Habsburger Büchern verwendet.

Christian Sepp machte daraus nach seiner umfangreichen und sehr teuren Ludovika Biografie ein eigenes kleines Büchlein.

Eine Passage, ist mir dabei ins Auge gesprungen, die wieder eine devote Herzogin zeigen würde, allerdings einen völlig agressiven und überforderten Herzog Max.

Vor ab möchte ich noch erwähnen, dass Christian Sepp zwischen Original und Abschrift unterscheidet. Also einmal Sexaus Notizen und einmal zwischen der Abschrift von Amelies Tagebuch.

Nachfolgende Passage ist allerdings in keinem weiterem Buch erwähnt. Weder in den Herzog Max Biografien von Bernhard Graf und Alfons Schweiggert, noch in der Hofchronik von Marie von Redwitz. Amelie von Urach wurde diese Geschichte angeblich von Baron von Wulffen erzählt. Karl von Wulffen, war Louises Obersthofmeister und „intimster“ Freund. Es wurde den beiden sogar ein Verhältnis nachgesagt, da er sich um alles im Haushalt kümmerte, weil Max nie oder kaum zu Hause war. Es ist also gut möglich, dass diese Geschichte, ein Hirngespinst von Baron von Wulffen war.

Auch wenn Herzog Max ein cholerischer Mensch war und aufprausend dazu, so hätte diese Passage schon in anderen Wittelsbacher und/oder Habsburger Büchern auftauchen müssen, wenn auch nur der Funke Wahrheit dran wäre – zumindest ist dies meine Meinung und nicht nur in diesem – für mich doch recht unbedeuteten Büchlein über ein Tagebuch einer Enkelin der Herzogin.

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Herzogin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853

VIII. HERZOGIN ELISABETH IN BAYERN ALS VERLOBTE DES KAISERS VON ÖSTERREICH

Abschrift, S. 17:
Tante Sisi war eben noch ein halbes Kind; muss aber doch eine kindliche Neigung für den Kaiser empfunden haben; als er einmal von München abreiste, weinte sie so, dass sie im Gesicht ganz verschwollen war.

Original Heft 2, S. 29:
T[ante] Sisi war eben noch ein halbes Kind; muss aber doch eine Art kindlicher Neigung für den Kaiser empfunden haben, denn (dies eine Erzählung B[aron] Wulffens), als er einmal von München abreiste, weinte sie so, daß sie, im Gesicht ganz verschwollen war. Nun wollte aber Großpapa, daß sie, mit den im anderen Zimmer befindlichen Herren des Kaisers rede, T[ante] Sisi wollte sich denselben nicht mit verweinten Augen zeigen; dies erregte Großpapas Zorn so sehr, daß er sie am Hals packte. Großmama stand ganz unglücklich daneben.“ (9)

Auch wenn die alte Patriarchin ihre Sprösslinge als Kinder gut im Griff hatte, so war sie Zeit ihres Lebens mit ihnen als Erwachsene überfordert. Vor allem mit den Mädchen, die sie alle (bis auf Néné/Helene) unglücklich verheiratete.

Als Sophie im heiratsfähigen Alter war, war ihre ältere Schwester Elisabeth bereits seit Jahren Kaiserin von Österreich. Ludovika hielt engen Kontakt mit Erzherzogin Sophie, die ihre Schwester und gleichzeitig die Mutter von Kaiser Franz Joseph war. 

Und genau hier unterscheidet sich auch wieder die Filmvorlage Ludovika von Magda Schneider zur realen Herzogin.

Zeit ihres Lebens vermitteltete Louise nicht zwischen Elisabeth und Erzherzogin Sophie.

Im Gegenteil. Immer wieder schrieb Ludovika traurige und devote Briefe nach Wien, um sich bei ihrer Schwester zu entschuldigen:

„…wenn man nur erkennte, was Du Alles thust, wie gut Du es mit anderen meinst! Gott, gebe, daß es noch einmal anders wird.“ (10)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ludwig Victor
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Sophie

Damit kritisierte sie Elisabeths ablehnende Haltung gegenüber Erzherzogin Sophie. Ludovika zeigte sich deren ganzes Leben dankbar, dass sie die junge unerfahrene Elisabeth in Obhut genommen hatte.

Doch so sehr ihre Kinder sie liebten, in einem kannte Louise kein Pardon. In den Heiratsabsichten ihrer Kinder.

Vor allem die Töchter mussten alle standesgemäß verheiratet werden und hier stand der Adel, Titel und das Ansehen, weit über dem der Liebe oder der Sympathie.

Obwohl sie selbst nicht aus Liebe verheiratet wurde und ihren geliebten Prinzessinnenstand aufgeben musste, war ihr das Glück ihrer Töchter egal. Bis auf ihre Tochter Helene (*4.4.1834, 16.5.1890) in Bayern, wurde keine in ihrer Ehe glücklich. Einige von ihnen endeten sogar im absoluten Desaster.

Als – um auf Sophie (*22.2.1847, †4.5.1897) zurückzukommen – nun die jüngste, schöne Tochter zu verheiraten war, wurde noch einmal der Wiener Hof zur Brautschau herangenommen.

Erzherzog Ludwig Victor (*15.5.1842, †18.1.1919) der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, sollte der Ehemann werden. Doch Sophie lehnte entrüstet ab. Die Biographie von Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“ kann hier nachgelesen werden.

Und wieder schrieb Ludovika an Sophie:
…“es hat mir viele Thränen gekostet, ein solcher Schwiegersohn wäre ein Glück für mich gewesen. Aber Gott meine es mit Dir, Du viel geprüfte Schwester, gut, wenn nicht auch noch die kapriziöse Sophie in die Wiener Hofburg einzöge. Vielleicht hätte Sophie, trotz ihrer gewiß guten Eigenschaften, Deiner Erwartung nicht in Allem entsprochen, und der liebe Gott führt Dir eine verzüglichere zu, die Dich und Deinen guten Ludwig recht glücklich macht, wie Ihr beide es verdient.! Gott gebe Dir einen heiteren, ruhigen, friedlichen Lebensabend und reichen Ersatz für so viele stille Opfer, die Dein armes Herz hat bringen müssen…. und Deinem Ludwig eine schöne Zukunft.“ (11)

Foto: zeno.org
König Ludwig und Sophie Herzogin in Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Ferdinand d’Orléans, duc d’Alençon

Sophies Leben verlief sehr tragisch. Sie ging als „Kurzzeitverlobte“ von König Ludwig II von Bayern (25.8.1845, †13.6.1886) in die Geschichte ein.

Ludwig und Sophie waren vom 22.1.1867 bis zum 7.10.1867 verlobt.

Danach ehelichte sie am 28.9.1868 relativ gleichgültig Herzog Ferdinand von Alençon (12.7.1844, †29.6.1910), mit dem sie 2 Kinder bekam.

Der Bericht zu Sophie d’Alençon kann hier gelesen werden.

Foto: Wikipedia/Commons
Sophie von Sachsen
Foto: Hauptstaatsarchiv Stuttgart/Archiv der Herzöge von Urach
Amelie von Urach, 1891

Ein Verlust traf Ludovika und ihren Lieblingssohn Carl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, 30.11.1909) mit voller Wucht. Noch dazu, da die kleine Amelie gerade einmal im 2ten Lebensjahr war.

Sophie von Sachsen verkühlte sich auf der großen Verlobungsfeier zwischen Herzogin Sophie und König Ludwig II so schlimm, dass sie 22jährig am 9.3.1867 verstarb.

Ein Verlust, den die Familie kaum verkraftete. Der Bericht über Sophie von Sachsen kann hier nachgelesen werden. 

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Carl Theodor mit Maria José

Erst am 29.4.1874 heiratete Carl Theodor erneut.

Um sich doch noch mit dem portugiesischen Haus zu vereinen (Miguel war allerdings bereits seit 1866 verstorben), verheiratete sie ihren Sohn Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) in zweiter Ehe mit Miguels Tochter Maria Josepha (Maria José) von Portugal (*19.3.1857, †11.3.1943). 

Die Ehe der beiden wurde sehr glücklich. Carl Theodor wurde ein berühmter Augenarzt und Mara José schenkte ihm noch fünf weitere Kinder, wobei einige von ihnen sehr berühmt wurden.

Die Familie lebte zum Teil in Meran und München und Possenhofen, so dass die Kinder ebenso frei und unbeschwert aufwuchsen konnten. Maria José arbeitete zudem in der Augenklinik ihres Mannes als „Sekretärin“ mit. Da er auch die arme Bevölkerung – zum Teil kostenlos – behandelte, wurde er sowohl in Südtirol, als auch in Bayern tief verehrt. Carl Theodor in Bayern war das Familienoberhaupt, da sein Bruder Ludwig „Louis“ auf seine Rechte verzichtete.

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Henriette Freifrau von Wallersee mit Tochter Marie

Der erstgeborene Sohn Ludwig „Louis“ (*21.6.1831, 6.11.1920) verliebte sich morganatisch (unstandesgemäß) in Henriette Mendel (*31.7.1833, 12.11.1891). Da sie eine Schauspielerin war, war an Hochzeit nicht zu denken.

Doch Louis, von jeher störrisch und eher der Eigenbrötler in der Familie, dachte nicht daran, sich an die steife Adelsgesetze jener Zeit zu halten.

Er lebte eine Zeit lang „in wilder Ehe“ mit Henriette, was ihm sogar den Kontaktabbruch zu seiner Familie einbrachte. Diese brachte sogar unehelich zwei Kinder auf die Welt, wobei der zweitgeborene Sohn nach 3 Monaten verstarb.

Nach der Geburt des Sohnes heiratete er jedoch doch noch Henriette und verzichtete auf Titel und Ehre. Durch ihre liebevolle und besonnene Art, schlich sich Henriette Mendel, die in den Freifrau-Stand einer „Wallersee“ erhoben wurde, in die Familie und wurde eine ganz besondere Intima von Kaiserin Elisabeth. Bis zu ihrem Krebstod verstanden sich die beiden ausgezeichnet.

Gerade ihre Tochter Marie war Elisabeths Lieblingsnichte. Dass diese dann als Marie von Larisch in die Weltgeschichte rund um den Selbstmordskandal um Kronprinz Rudolf eingehen würde und danach von Elisabeth vom Hofe verstoßen wurde, steht leider auf einem vollkommen anderen Blatt.

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Herzogin Marie Sophie
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Mathilde

Die beiden anderen Töchter Marie Sophie (*4.10.1841, †19.1.25) und Mathilde „Spatz“(*30.9.1843, †18.6.1925) verheiratete sie ebenso unglücklich, wie zuvor schon Elisabeth.

Marie Sophie wurde nach Neapel verheiratet, wo ein äußerst kleiner und hässlicher König auf sie wartete, bei dessen Anblick Marie beinahe in Ohnmacht fiel. Das Unglück nahm seinen Lauf.

Marie Sophie gebar ein uneheliches Kind, von dem man bis heute nicht weiß, wo es nach der Geburt verblieben ist.

Da der König selbst eine Vorhautverengung hatte, konnte die Ehe 10 Jahre lang nicht vollzogen werden. Erst nach dieser Zeit ließ sich König Francesco II operieren und dem Paar wurde eine Tochter geboren, welche allerdings 4 Monate später wieder verstarb. Weitere Kinder gebar Marie nicht mehr.

Mathilde wurde mit seinem Bruder Ludwig von Trani verheiratet. Die zuerst aus Liebe geschlossene Heirat ging gründlich schief, als Louis anfing fremd zu gehen und massiv zu trinken.

Mathilde verließ ihren Mann, blieb ihm in weiterer Folge trotzdem treu. Immer wenn er Probleme hatte, war sie zur Stelle. Die gemeinsame Tochter erzog sie selbst, ihren Vater kannte diese so gut wie gar nicht.

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Helene und Max von Thurn und Taxis
mit 2 ihrer 4 Kinder

Am glücklichsten wurde von den Töchtern noch Helene „Néné in Bayern (*4.4.1834, 16.5.1890).

Néné war die Lieblingsschwester von Elisabeth und obwohl diese von Franz Joseph abgelehnt wurde, schadete dies dem Verhältnis zueinander nicht.

Zuerst verfiel Néné in tiefe Depressionen, jedoch lud Herzog Max Maximilian Anton von Thurn und Taxis (*28.9.1831, 26.6.1867) zur Jagd ein.

Der Erbprinz sah die etwas herb wirkende Helene und verliebte sich in sie. Obwohl die Thurn und Taxis unermesslich reich waren, galten sie „unter“ dem Stand für die Herzogsfamilie. Kaiserin Elisabeth legte bei König Ludwig I. ein gutes Wort für ihre Schwester ein und so durfte diese Maximilian Anton heiraten. Das Paar wurde unglaublich glücklich. 4 Kinder wurden dem Paar geboren. Doch das Glück weilte nur kurz. Am 26.6.1867 starb Maximilian Anton an einer Lungenlähmung und Néné musste noch viele Schicksalsschläge bis zu ihrem Krebstod hinnehmen.

Traurig war auch das Schicksal des jüngsten Kindes Max Emanuel „Mapperl“ (*7.12.1849, 12.6.1893). Er verliebte sich in Amalie Prinzessin von Sachsen-Coburg und Gotha (*23.10.1848, 6.5.1894), welche aber schon Leopold Prinz von Bayern (*9.2.1846, 28.9.1930) versprochen war.

Foto: Wikimedia/Commons
Max Emmanuel und Amelie Herzog/in in Bayern
Hochzeitsfoto

Auch hier half wieder Kaiserin Elisabeth. Sie lud mit Hilfe ihrer Hofdame Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, 17.4.1923) Prinz Leopold zu sich auf Schloss Gödöllö ein, auf dem „zufällig“ auch ihre Tochter Erzherzogin Gisella (*12.7.1856, 27.7.1932) anwesend war. Einer Kaisertochter konnte Leopold die Hand nicht verwehren und so war der Weg für Mapperl frei.

3 Kinder bekam das glückliche Paar, doch Mapperl starb völlig überraschend am 12.6.1893 an einer Magenblutung in Feldafing. Herzogin Amalie war so bestürzt über den Tod, dass sie ein gebrochenes Herz hatte.

Als ihr Sohn Siegfried (*10.7.1876, 12.3.1952) an Scharlach erkrankte, hielt sie keine Schutzmaßnahmen ein und pflegte ihren Sohn.

Die Folgen waren verherrend. Siegfried wurde zwar gesund, doch Amalie starb kurz nach ihrem geliebten Mapperl.

Blickt man auf Louises angeblichen Hochzeitsfluch zurück, könnte man beinahe meinen, dass er wahr geworden ist. So er auch ausgesprochen wurde.

Eine weitere Liebe von Ludovika waren Hunde. Besonders weiße Spitze hatten es ihr angetan, die sie wie Kinder behandelte.

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Foto: Wikimedia/Commons
Hezogin Ludovika mit Spitz Lupa, ca. 1890

Diese durften somit auch alles, was Kinder durften und bekamen auch ihren Platz bei Tisch, was so manchen Gast das Würgen vor dem Essen hervorbrachte.

Grund dafür waren die Flöhe, die von den Hunden auf die Teller sprangen und so auf dem Essen landeten. Die Teller wurden zwar entfernt, allerdings nicht die Hunde, was zum Teil ein Spießrutenlauf in die Küche und zurück zum Gast wurde.

Eines der Lieblingsfotos von Herzogin Ludovika war jenes, an dem einige ihrer Kinder rund um sie standen.

Oftmals wird fälscherlicherweise Mathilde (stehend) mit Kaiserin Elisabeth verwechselt.

Direkt unter dem Bild habe ich geschrieben, wer tatsächlich aller zu sehen ist.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika Inmitten ihrer Lieben: (v.l.n.r.) Sophie, Mathilde „Spatz“(stehend), Carl Theodor „Gackel“ und Max Emanuel „Mapperl“

Während der großen Trauer um Sophie von Sachsen, kam auch Erzherzogin Sophie nach Possenhofen.

Der Tod ihres geliebten Sohnes Ferdinand Maximilian (Kaiser Max von Mexiko) (*6.7.1832, †19.6.1867) traf die alte Erzherzogin sehr. 

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ferdinand Maximilian, Kaiser Maximilian I von Mexiko

Und so war Ludovika immer der Ruhepol der Familie. Wer Schutz, Trost oder Heimweh hatte, war jederzeit bei Ludovika willkommen.

Auch Kaiserin Elisabeth weilte sehr gerne bei ihrer Mutter in Possi, belegte aber das gesamte „Kaiserin Elisabeth Hotel“ in Feldafing, da ihre Gefolgschaft für das kleine Schloss zu groß war.

Kaiserin Elisabeth war zufällig in Feldafing anwesend, als am 13.6.1886 König Ludwig vis á vis im Starnberger See ums Leben kam. Zeit ihres Lebens ging Elisabeth von Mord aus.

Zum 80. Geburtstag der alten Dame kamen alle Kinder und Enkelkinder von fern und nah, um den großen Ehrentag mit ihr zu feiern. Nur Herzog Max erscheint zum Geburtstag nicht. Der alte Herr hatte einen Schlaganfall erlitten, sein Gesundheitszustand ließ keine Reise nach Possenhofen zu. 

Kaiserin Elisabeth schrieb ein rührendes Gedicht für ihre Mutter zum 80. Geburtstag, welches allerdings erst weit nach dem Ableben aller beteiligten Personen an die Öffentlichkeit kam:

Ich bitte Gott, Er möge gnädig senden
Dir manchen Sommer noch, wie du ihn liebst, 
Wo Frische dir die Sonnenstrahlen spenden
Und Stunden du im Buchenhain verbliebst. 
Nachts aber soll der Mond sein Antlitz wenden
Dir zu, wie Du entzückt mir jüngst beschriebst. 
Wem die Natur so lieblich weiss zu blühen, 
Vor dem wird lange noch das Alter fliehen! (12)
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Am 24.1.1892 erkrankte Ludovika jedoch schwer. Eine Lungenentzündung schwächte die alte Dame, sie war mittlerweile knapp 84 Jahre alt, so sehr, dass sie am 25.1. das Bett nicht mehr verlassen konnte. Sofort wurde die gesamte Familie benachrichtigt.

Sophie war die erste bei ihr, da sie gerade in München weilte, Erzherzog Ludwig Victor und sogar der Sohn von Miguel, Miguel II. von Bragança, Albert Thurn und Thaxis (Enkelsohn/Helene), Carl Theodor, Maria Josè und alle anderen eilten herbei.

Nur Kaiserin Elisabeth ließ sich entschuldigen: Marie Valérie kränkelte und war hochschwanger. Die Kaiserin halb hysterisch vor Angst um die Tochter, fuhr deswegen nicht nach München.

Marie von Redwitz schrieb:

„Der Morgen des 25. verlief ruhig, die Kranke stand sogar auf, weil es ihr schrecklich war, im Bette zu sein, das ihr immer wie ein Sarg vorkam. Alle Töchter wurden telegraphisch berufen und kamen, bis auf die Kaiserin, die Erzhogin Valérie in diesem Moment nicht verlassen konnte.
Herzog Carl geht es sehr nahe, erregt und ängstlich war er mit der Herzogin beständig bei der Leidenen. Die Ärzte gingen ein und aus.
Nach aufgehobener Tafel blieben wir alle in den Nebenräumen, schauten auch selbst wieder zur Kranken hinein, die schlummernd und ruhig atmend dalag, und der man die letzte Ölung erteilt. Wie sehr hat sie sich vor dem Tode gefürchtet, und wie unbemerkt ist er ihr genaht. Um vier Uhr morgens hat sie den letzten Atemzug getan, und sie lag nun wie eine Schlummernde auf der Chaiselongue friedlich und unverändert. Ihre immer noch dichten Flechten hingen herab, und man ließ sie im Schlafrock, in dem sie gestorben.“ (13) 

Ludovika Herzogin in Bayern starb am 26.1.1892 83jährig im Herzog Max-Palais. Sie ruht in der Familiengruft im Kloster Tegernsee.

Petra –


Rechtliche Hinweise:

Text Petra
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, geneall.net, samot/shutterstock.com, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Hauptstaatsarchiv Stuttgart/Archiv der Herzöge von Urach,


Literatur Hinweise:

1 – S. 35
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

2 – S. 37/8, 3 – S.38, 4 – S.38, 6 – S. 40
Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern: Sisis wilder Vater
Volk Verlag München, 1. Auflage 2016

5 – S. 30
Bernhard Graf
Sisis Vater
Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Allitera Verlag//edition monadensia, 2. Auflage 2017

7 – S. 21, 8 – S. 13/14, 13 – S. 136 
Marie von Redwitz
Hofchronik 1888 – 1921
Kulturpolitik, München 1924

9 – S. 125
Christian Sepp
Erinnerungen an Großmama
Aufzeichnungen der Amelie von Urach über Herzogin Ludovika in Bayern
Allitera Verlag, 1. Auflage 2021

10 – S. 133, 11 – S. 416, 12 – S. 432
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen,
Amalthea, 1992, 11. Ausgabe


Herzog Max in Bayern

Foto: Wikimedia/Commons
Max Herzog in Bayern bei seiner liebsten Beschäftigung: dem Zitherspiel
dahinter Schloss Aichach, heute bekannt als „Sisi-Schloss“

Bis heute ist der Mythos Herzog Max in Bayern lebendig.

Gustav Knuth stellte ihn nur leider allzu prachtvoll und liebevoll in den berühmten Sissi-Filmen mit Romy Schneider dar. Ein Mythos, der so gar nichts mit dem „echten“ Max zu tun hatte, der im realen Leben aufbrausend, cholerisch und auch mal handgreiflich werden konnte.

Aber was stimmt schon an den Sissi-Filmen? Nichts. Und im Laufe der Zeit, wird das dem aufmerksamen Leser auch bewusst werden.

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Pius August Herzog in Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Luise Prinzenssin von Arenberg
Bild: unbekannter Maler

Maximilian Joseph in Bayern wurde am 4.12.1808 um 1.00 Uhr morgens in Bamberg geboren.

Sein Vater war Pius August Herzog in Bayern (*1.8.1768, †3.8.1837). Seine Mutter Amalie Luise Prinzessin von Arenberg (*10.4.1789, †4.4.1823).

Max entstammte der Linie „in“ Bayern. Wie dieser Titel zustande kam, kann hier nachgelesen werden. 

Bereits am selben Tag um 15.00 Uhr wurde im Beisein des Königs, welcher gleichzeitig der Taufpate des Kleinen war, die Heilige Taufe abgehalten. Maximilian Joseph sollte wie sein Großonkel heißen.

Herzog Wilhelm (*10.11.1752, †8.1.1837) zum einen Max Großvater, zum anderen König Maximilian I. Josephs (*27.5.1756,†13.10.1825) Schwager schrieb diesem freudig:

„Zu meiner unbeschreiblichen Freude ist meiner Frau Schwiegertochter Liebden soeben nach ein Uhr diesen Morgen von einem gesunden und wohlgestalteten Prinzen glücklich entbunden worden, welcher auch nach der gnädigen Zusage Eurer Königlichen Majestät Höchstihren Namen in der Heiligen Taufe erhalten wird.“ (1)

Seine Eltern waren ein sehr unglückliches Paar. Pius neigte zu cholerischen Anfällen und fing sehr gerne Schlägereien an. Zu dem hielt er so gar nichts von Kindererziehung.

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Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: Petra (noch für Sternenkaiserin)
Foto: Wikimedia/Commons
König Maximilian I von Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Wilhelm Herzog in Bayern

Obwohl sich Herzog Wilhelm und König Maximilian I. Joseph große Sorgen um den Buben machten, ließen sie ihn bei seinen Eltern, denn Amalie Louise liebte Max abgöttisch und er sie.

Leider wuchs aber Max in einem sehr toxischen Haushalt auf und vielleicht war sein Erwachsenenleben eine Flucht aus all dem, was er selbst als Kind erleben musste.

Immerhin gab es im 19. Jahrhundert keine psychologische Therapie und keinerlei Psychiater, die Traumen jeglicher Art behandeln hätten können.

Da sich Pius um seinen Sohn nicht kümmerte, schickte Großvater Wilhelm Kammerrat Otto, welcher aus Erfurt stammte und Max Hofmeister und militärischer Erzieher werden sollte.

Das einzige Problem an dieser Tatsache war allerdings, dass der kleine Mann erst 6 Jahre alt war und ab nun gedrillt wurde.

Wie auch schon später bei Kronprinz Rudolf, kam Max sehr nach seiner Mutter Louise. Er war hochsensibel, war zwar aufgeweckt, aber nicht belastbar. Und so wurden die militärischen Erziehungsmaßnahmen des Erziehers zur Qual.

Die Lerneinheiten gingen den ganzen Tag, bis spät abends. Wenn dem Erzieher etwas nicht passte, wurde die extrem karge Freizeit gesperrt und der Bub fiel völlig erschöpft ins Bett, nur um gegen 4.00 Uhr oder 5.00 Uhr früh mit militärischen Ton wieder geweckt zu werden, um mindestens eine Stunde zu Exzerieren oder Stramm zu stehen.

Ich wiederhole noch einmal: Max war 6 Jahre alt!

Exzerzieren hieß, bei jedem Wind und Wetter vor dem Schloss Auf und Ab zu marschieren. In militärischer Kleidung oder im Pyjama – je nach dem wie es dem Erzieher gerade passte.

Hofmeister Otto trakierte Max bis aufs Blut und Amalie Louise konnte nichts tun. Sie weinte sich oft stundenlang in den Schlaf, tröstete ihren Sohn so gut es ging und stritt mit Pius bis aufs Blut. Es half alles nichts.

Erst als Amalie Louise schwer krank wurde, erfuhr König Maximilian von dem militärischen Drill an dem mittlerweilen 9jährigen Buben. Herzog Wilhelm entließ auf Geheiß des Königs den Hofmeister mit sofortiger Wirkung.

Um Max aus diesem schrecklichen Umfeld zu bringen, kümmerte sich ab sofort deshalb sein Großonkel König Maximilian I. Joseph von Bayern um dessen Erziehung.

Seine Mutter übergab ihn deshalb ganz in dessen Obhut und konnte ihren Sohn erst nach fast drei Jahren – im Jahr 1820 – besuchen.

Nach dem zweiten Besuch, 1823, starb seine Mutter 34jährig.

Max in tiefer Trauer um seine geliebte Mutter, erhielt am 19.4.1823 einen sehr ungerührten Brief seines Vaters:

„Lieber Max!
Ich danke dir herzlich für Deinen Brief. Auch ich war sehr betroffen, als ich den Tod deiner Mutter erfuhr, ohngeachtet man schon lange ihrer Auflösung entgegensah. Vorzüglich Dich muß ihr Tod sehr nahe gegangen seyn; indem sie Dich so zärtlich liebte. Auch ich nehme den lebhaftesten Antheil an deinem Schmerz. Lebe wohl, lieber Max, sich verbleibe stets, Dein dich treu liebender Vater Pius.“ (2)

Sein Vater Pius zog sich daraufhin in sein Privatleben zurück und überließ den Buben dem König. Danach ist es ein bisschen wie im Märchen von Ebenezer Scrooge in „Ein Weihnachtsmärchen von Charles Dickens“ (A christmas carol). August Pius wurde zum Eremit und Wohltäter. Er starb 51jährig 1837.

Sein Charakter machte eine Wendung von 100 Grad und gibt den Historiker/innen ein vollkommenes Rätsel auf.

Doch er erhielt auch sehr rührende und beileidsbekundende Briefe. König Maximilian I. Joseph schrieb ihm aus tiefstem Herzen, auch sein Großvater Herzog Wilhelm wusste wie es seinem Enkel ging.

Eine Prinzessin tat sich ganz besonders hervor.

Schon seit Kindheitstagen waren die beiden sehr innig und verstanden sich ausgezeichnet. Sie schrieben sich viele Briefe und standen sich nah.

Es war niemand geringerer als

Ludovika Prinzessin von Bayern

Die 11jährige Cousine schrieb folgenden Brief:

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Ludovika „Louise“, ca. 6jährig
Zeichnung: Ferdinand von Piloty II

„Ich möchte, Du wärest auch hier und könntest mit uns spielen. Adieu lieber Max, es freut sich herzlich Dich wiederzusehen Deine Cousine Louise“. (3)

Manchmal sandte Max ihr lustige Stücke oder heitere Briefe oder anderweitige Dinge, die Louise sehr erheiterten:

„Dein Ballett, lieber Max, für welches ich Dir recht sehr danke, hat mich sehr lachen machen, und wenn Du wieder kommen kannst, so werde ich es aufführen.“ (4)

Als 15jährige schrieb sie ihm:

„Nun lebe wohl, theurer Schawawi, und vergesse nicht Deine Louise!“ (5)

Nach dem Ableben seiner Mutter erhielt er also nun am 12.4.1823 diesen rührenden Brief seiner geliebten Cousine.

„Mein liebes gutes Vetterchen!
Wie sehr ich an Deinem Kummer Theil genommen habe, kannst Du wohl glauben, denn Du weisst ja, wie sehr ich Dich liebe! Carl hat an den Papa geschrieben, dass er Dich besucht hat und recht wohl gefunden, was mich recht freut. Es thut mir aber gar zu leid, dass wir alle so weit von Dir entfernt sind und Du in diesem traurigen Augenblick so ganz verlassen bist […]. Nun lebe wohl, mein guter Max, und vergesse nicht
Deine dich innig liebende Louise“ (6)

Am 20.1.1824 wurde Max von König Maximilian I. Joseph im Cheveaulegers-Regiment „König“ zum Leutnant befördert und am 12.3.d.J. zum Oberst-Inhaber des 9. Linien Infanterie-Regiments.

Da Max das Reiten über alles liebte, war ihm diese Beförderung ganz Recht. Er hatte sämtliche Freiheiten über das Regiment, konnte Reiten wann immer er wollte und konnte sich frei in der Öffentlichkeit bewegen. Genau was Max immer wollte.

In Landshut und München besuchte er Vorlesungen für die Studienvorrichtungen für Geographie, Chemie, Deutsche Literatur, Kirchengeschichte, Geschichte, Länder- und Völkerkunde, Physik und Malerei, sowie deutsches Bundesrecht.

Foto: bamberger-onlinezeitung.de
der junge Herzog Max mit seiner geliebten Zither

Max war unglaublich klug und wißbegierig, nur hatte er nicht genügend Ausdauer und Sitzfleisch, so dass er die Studien zwar begann, aber nicht regelmäßig besuchte. Welches er tatsächlich abschloss, ist bei den Historikern umstritten.

Foto: abebooks.com
Schloss Tegernsee, 1830
Lithographie: B. Buchner

In den Ferien hielt er sich immer gerne auf Schloss Tegernsee, auf Schloss Banz und in Nymphenburg auf, wo er natürlich mit seinen Cousinen Sophie, Ludovika, Elisabeth, Amalie Auguste usw. aufwuchs.

Noch im selben Jahr und mit Hilfe seines Großvaters Wilhelm, begann der Prachtbau des Palais Max in der Ludwigstraße in München.

Er liebte es fröhliche Feste zu feiern und sich dem Volke unterzumischen.

Am 4.12.1826 jedoch war Schluss mit lustig. Max wurde Volljährig und sein Onkel ließ ihn in die Kammer der Reichsräte eintreten.

Ab sofort nahm er an den Sitzungen teil und vermittelte zwischen dem Königshaus und der Abgeordnetenkammer.

Foto: steutzger.biz
Schloss Banz, 1850
Stahlstich

Da er ein schöner junger Mann war, war es für ihn durchaus keine Seltenheit, dass er nicht „alleine“ nach Hause kam. Dies entsprach auch den verkehrten Ansichten des 19. Jahrhunderts.

Ein Prinz aus gutem Hause, durfte sich mit einem Mädchen aus dem Volke so lange vergnügen, so lange es nicht „ernst“ wurde.

Im Adel und Hochadel jener Zeit wurde streng zwischen „Ehe“ und „Lust“ unterschieden.

Während sich die Männer sämtlichen außerehelichen Vergnügungen mit Schauspielerinnen, Ballettmädchen, Prostituierten oder Töchtern von Postmeistern usw. hingeben durften, mussten die Damen aus gutem Hause jungfräulich und rein bleiben.

Wurde danach die Ehe mit einer Dame aus dem Adel beschlossen, galt dies als

„vernünftige Ordnung der Sittlichkeit“ (7)

Schon als Max 7 Jahre alt war, hatten sein Großonkel König Maximilian I. Joseph und sein Großvater Herzog Wilhelm beschlossen, dass Max einmal eine Prinzessin aus Maximilians Königshaus ehelichen würde.

Zuerst fiel die Wahl auf Maximiliane „Ni“ Josepha Karoline Prinzessin von Bayern (*27.1.1810, †4.2.1821), doch diese verstarb 11jährig an Thyphus.

Diese Verheiratung wäre aus mehreren Gründen zustande gekommen.

Zum einen wollten die beiden, dass sich die Erblinie „in“ Bayern und „von“ Bayern wieder näher kommt und eine Anerkennung im Adel erfährt. Wer mehr über die Erblinie erfahren möchte, liest hier weiter.

Zu diesem Zeitpunkt galt Max noch als Prinz.

Zum anderen wollten Wilhelm und Maximilian ihre eigene Beziehung verbessern, hatte diese ein Minister, der sehr über den bayrischen Herzog husste und schimpfte – das Verhältnis zueinander getrübt.

Als Maximiliane „Ni“ starb, fiel „dummerweise“ die Wahl auf die nächst jüngste Königstochter und diese war ausgerechnet

Ludovika genannt Louise

Obwohl sich die beiden aus Kindertagen kannten und auch sehr zugetan waren, an Heirat dachten sie wohl nie.

Sowohl Max, als auch Louise hatten völlig andere Interessen entwickelt und auch „andere“ Partien im Auge. Ihre Biografie kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.
Bild: Joseph Karl Stieler

Herzog Max hatte sich leider „unstandesgemäß“ in eine Bürgerstochter verliebt und Louise in Don Miquel von Bragança (*26.10.1802, †14.11.1866). Die beiden fielen also aus allen Wolken, als sie erfuhren, dass sie verheiratet werden sollten.

Bevor jedoch noch Verlobung gefeiert werden konnte, mussten Max und Louise einen herben Schicksalsschlag verarbeiten. Der geliebte Großonkel bzw. Vater König Maximilian I. Joseph starb am 13.10.1825.

Nun rückte für Herzog Max der wenig beliebte Großcousin Ludwig I. (*25.8.1786, †29.2.1868) als König nach. Ein herber Rückschlag für Max, wie sich später noch zeigen sollte.

Durch das einsetzende Trauerjahr wurde erst im Dezember 1827 die Verlobung bekanntgegeben.

König Ludwig I. schenkte den beiden das stattliche und bekannte Bild seines Hofmalers Joseph Karl Stielers, welches jahrelang in sämtlichen Adelskreisen für große Spekulationen sorgte:

„Stieler hat sie [Ludovika] mit dem Bräutigam gemalt […]. Die hohe schlanke Gestalt in weißem ausgeschnittenen Kleide steht in landschaftlicher Umgebung. Das edle Oval ist dem Beschauer zugekehrt, und die zaghaft blickenden Augen schweifen in unbestimmte Fernen. Dicht gesteckte dunkle Locken decken die Schläfe, und eine reiche Haarkrone liegt um das Haupt. Ihre Hand ruht in der des stattlichen Bräutigams. Es ist ein schönes, vornehmes Paar. Von weitem schimmern der Tegernsee und das breite, helle väterliche Schloß, wo sie am 9.September 1828 beide zwanzigjährig vor dem Altare standen. Die Braut, ein fertiges Weib, reif und ohne Illusion in die Welt schauend, Herzog Max ein Jüngling, der das Leben noch nicht genossen, der es aber kennenlernen wollte und gewiß keine Lust hatte, so früh gebunden zu sein.“ (8)

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Verlobungsbild Prinzessin Ludovika und Herzog Max, 1828 – dahinter Schloss Tegernsee
Bild: Joseph Karl Stieler

Bevor das unglückliche Paar noch zum Traualtar schritt, degradierte Ludwig Max und machte damit etwas zunichte, was sein Vater und Herzog Wilhelm versuchten jahrelang aufzubauen und 1799 von den beiden geändert wurde. Ab diesem Zeitpunkt durfte sich die Linie „in Bayern“ nämlich ebenfalls „Prinz“ und „Prinzessin“ nennen.

Bis zum 7.8.1828 durfte sich Herzog Max in Bayern „königlicher Prinz“ nennen. Ab diesem Datum, verordnete König Ludwig I über sein Staatsministerium und ließ Herzog Max folgende Mitteilung zukommen:

„Bey Gelegenheit der Verehelichung Unseres vielgeliebten Vetters, des Herrn Herzog Maximilian in Bayern, Hoheit, mit Unserer Prinzessin Schwester Königliche Hoheit wollen Wir, daß bey Abfassung der Ehepakten die dem Herrn Herzog gebührende Titular streng einzuhalten, daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört, gebraucht werde.“ (9)

Damit wurde auch Ludwigs Schwester von der Prinzessin zur Herzogin degradiert. Etwas, was ihr Zeit ihres Lebens schwer zu schaffen machte und sie nie verzieh.

Erst 1848 durfte sich Max wieder „königliche Hoheit“ nennen, etwas was für seine Tochter Elisabeth allerdings zu spät kam. Sie wurde durch ihre Erbfolge nie bei Hofe anerkannt.

Hiermit ist aber auch eindeutig bewiesen, dass Herzogin Elisabeth und all ihre Geschwister niemals unter dem Titel Prinzessin oder Prinz geboren wurden. Leider steht das in beinah allen Büchern falsch und wurde falsch überliefert.

Der Titel „Prinzessin Elisabeth“ kam dadurch zustande, dass die Schreiber bei Hofe „annahmen“, dass ein Kaiser eine Prinzessin heiratete. Dies war aber durch die Erblinie Elisabeths falsch.

Leider konnten dies erst die Historiker der Wittelsbach-Linie aufklären. Bis dahin sind aber so viele Bücher, Serien und Filme mit „Prinzessin Elisabeth“ erschienen, dass sich dieser Titel einprägte.

Noch heute verwenden Historiker/innen diesen Titel, obwohl mittlerweile belegt ist, dass Kaiserin Elisabeth niemals als Prinzessin geboren wurde.

Bevor nun das Paar zum Ehepaar wurde, schrieb Max seiner Verlobten anscheinend ununterbrochen Briefe. Während er sich bemühte, dem Ganzen positiv entgegenzugehen, wurden Louises Briefe immer wortkarger und weniger.

So lautete einer ihrer letzten Briefe vor der Hochzeit an ihn:

„Gewiss werde ich, wie es Dir versprochen habe, alles aufsuchen, meine Briefe zu verlängern, wenn es aber dennoch nicht gelingt, so nehme es mir nicht übel. Denke zuweilen an Dich, herzlich liebende Louise“ (10)

Am 9.9.1828 fand nun die Hochzeit in der St. Quirius Kirche im Schloss Tegernsee statt.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Hochzeit Max und Ludovika, 1828
Bild: Lithographie Franz Xaver Nachtmann

Die Hochzeitsnacht wurde für Max zu einer peinlichen Farce und – wenn man es ganz genau betrachtet – wusste Louise nicht, wie die Rache eines Mannes aussehen konnte.

Als die Nacht der Nächte so weit war, zog sich Louise auf den hintersten Winkel des Bettes zurück und fiel völlig erschöpft in einen tiefen Schlaf. Sie hoffte natürlich, dass ihr Ehemann dies genauso tun würde, wie sie selbst.

Doch Max hatte natürlich andere Pläne. Als er in das gemeinsame Zimmer kam, wachte Louise erschrocken auf, hüpfte aus dem Bett und stieß Max in einen zufällig offenen Schrank.

Völlig panisch versperrte sie den Schrank und legte sich wieder zu Bett. Den polternden Max hörte sie nicht oder wollte ihn nicht hören. So verblieb dieser die ganze Nacht in diesem Schrank und schwor sich, seiner Frau schon zu zeigen, was es bedeuten würde, verheiratet zu sein.

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin), Fotos: Wikimedia/Commons

10 Kinder wurden dem Paar geboren, wovon 8 Kinder erwachsen und zum Teil sehr berühmt wurden. 2 Buben starben; einer kurz nach der Geburt, der andere 2 Monate nach seiner Geburt.

Doch Max genoss sein Leben wie früher auch. Für ihn hatte sich nichts geändert. Frau und Kinder? Interessierten ihn im Wesentlichen nicht. Louise musste sich um alles kümmern.

Obwohl diese immer wieder hoffte, dass sich ihr Ehemann nun an sie und die Kinder binden werde, war er schneller wieder dahin, als sie bis „zwei zählen konnte“.

Nach der nichtstattfindenden Hochzeitsnacht und am Tage darauf, weinte Louise beinahe ununterbrochen. Ab diesem Zeitpunkt ließ sie zwar ihren Gemahl gerne zu sich, aber im Zimmer war ihre frühere Erzieherin Gräfin Rottenham. Max beschwerte sich, dass es keine Intimität gäbe und soll gesagt haben:

„Ich schätze sie gewiß sehr. Aber schließlich habe ich sie doch nicht mitgeheiratet.“ (11)

Was für die eine zur Qual wurde, wurde für den anderen zu einem gefestigten Charakter.

Als Herzog Wilhelm merkte, dass sein Enkel seine Ehe und alles damit Verbundene sehr ernst nahm und gereift schien, vermachte er ihm sein Vermögen.

Er entmündigte seinen Sohn Herzog Pius (Max Vater) 1834 und ließ diesen für Geisteskrank erklären.

Max war nun das Oberhaupt der „Herzöge in Bayern“ und würde nach Wilhelms Tod ein immenses Vermögen erben. Doch auch jetzt schon war Max unglaublich reich.

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max Palais, München

Gewohnt hat die Familie im Palais Max in München.

Bereits seit 1828 besaß Herzog Max die Münchner Residenz, welche er Mithilfe seines Onkels bauen ließ.

So eine Residenz hatte München bis dahin noch nicht gesehen.

Leo von Klenzes setzte den Prachtbau um; es galt bis zu seinem Abriss 1937 als das schönste Palais Münchens und war bis über die Grenzen hinaus bekannt.

Das Palais wurde 1833 noch um eine kleine Zirkusarena erweitert. Diese Zirkusarena wurde der Grundstein für Kaiserin Elisabeths Reitleidenschaft.

Fotogalerie des Herzogs Max Palais im Detail – noch nie gezeigte Aufnahmen!

Herzog Max sollte einst über sein Palais selbst schreiben:

Vergeßt in meiner Halle, 
Was euch das Herz betrübt; 
Vergeßt der Leiden alle, 
Die euch das Leben gibt. 
Denkt nur an Freud und Wonne, 
Versenkt den Gram im Wein, 
Der perlt aus der Tonne, 
Gereift im Sonnenschein. (12)

Doch bei 8 Kindern, die herumtoben und spielen wollten, wurde auch das sehr große Max Palais bald zu klein, vor allem, da alle die Natur liebten. Max war so gut wie nie zu Hause und die Kinder liebten es an der frischen Luft zu toben. Dies war in München weder möglich, noch hatten die Herzogskinder die Freiheiten dies zu tun.

Obwohl Max über große Erbschaften nach dem Tod seines Großvaters Wilhelm verfügte, zB sein über alles geliebtes Schloss Banz, einige Schlösser in Frankreich, welche er aber verkaufte und Louise verfügte über Schloss Tegernsee und Schloss Biederstein, wurde Schloss Possenhofen 1834 gekauft und zum Aufenthaltsort der Kinder.

Possi, wie es in der Familie liebevoll genannt wurde, war zum Lebensmittelpunkt aller geworden. Sogar für den cholerisch geltenden Max, sofern er einmal zu Hause war.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Possenhofen
heute Eigentumswohnungen und nicht betretbar

Obwohl Possenhofen weitaus weniger feudal und auch kaum vom Adel wahrgenommen wurde, war es für die Familie „ein Geschenk“. Die Einrichtung blieb „einfach“ und in die Ausstattung wurde kaum investiert.

Foto: Kaiserin Elisabeth Museum, Possenhofen via Merkur.de
Schloss Possenhofen – Wohnsalon

Eigenartiger Weise stritten sich aber Louise und Max in „Possi“ weniger, als in dem großen, feudalen und „prinzgerechten“ Palais, dass keinem Prinzen und auch keinem länderbesitzenden Herzog gehörte. Es war einfach ein Palais eines reichen Mannes, der diesen stolz zur Schau stellte.

Die Kinder lernten in Possenhofen nicht nur in der Natur zu toben, sondern auch fischen, jagen, reiten, schwimmen (sehr ungewöhnlich für den Adel der damaligen Zeit) und wandern. Louise und Max legten beide darauf Wert, dass die Kinder viel in der Natur ihre Zeit verbrachten.

Seine Kinderschar ging ihm zwar (meist) auf die Nerven und wirklich viel unternahm er mit ihnen nicht, aber mit den Mädchen unternahm er lange Bergtouren, denn es war ihm wichtig, dass die Mädchen „ordentlich Gehen lernten.“ Mit den Söhnen ging er richtig Bergsteigen und das über Stunden und Tage.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com
Schloss Unterwittelsbach bei Aichach
Heute „Sisi Schloss“ Aichach

Am 31.10.1838 kaufte sich Max das kleine Schloss Unterwittelsbach bei Aichach, das heute auf den wohlklingenden Namen „Sisi Schloss“ hört, allerdings gar nichts mit Sisi zu tun hatte.

Es ist umstritten ob sie jemals dort war oder nicht.

Es diente Max als Rückzugs-, Ruhe- und Jagdschlösserl, welches einen kleinen See hatte. Der Garten ist bis heute nicht wieder erschlossen und völlig verwildert.

Sämtliche Einrichtung ist verschwunden und es finden alljährlich Ausstellungen statt, die sich fast immer gleichen, nur anders heißen. 2017 besuchte ich die Herzog Max-Ausstellung und gleichzeitig war auch Elisabeths Hochzeitsschmuck ausgestellt.

Es gibt ein sehr idylisches Bild von Otto Flad, 1841. Darauf ist Herzog Max in einem Kahn zu sehen, während Herzogin Ludovika mit einem Kleinkind, welches natürlich Sisi sein soll, aus dem Schlösschen tritt.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Schloss Aichach
Herzog Max im Kahn, Ludovika und „Sisi“ im Eingangsbereich im Schloss, 1841
Bild: Otto Flad

Am 14.11.1839 wurde vom Aichacher Pfarrer überliefert, dass Herzog Max mit Herzogin und dem 7jährigen Ludwig im Schlösschen angekommen sei.

Der Stadtarchivar Karl Christl von Aichach hat sich natürlich eine wunderbare Idylle zurecht gelegt. Er sah die kleine Sisi Blumen pflücken und ihrer Mama bringen, Max im Kahn fahren, die Buben am nahen Weiher fischen usw. Es klang ein bisschen wie aus dem Sissi Film und nicht nach dem echten Leben.

Auch wenn man wenig bis gar nichts über die Kindheit von Kaiserin Elisabeth weiß, es gibt keinerlei Aufzeichnungen, dass sie jemals vor Ort gewesen sei.

Weder von ihr selbst, noch von Ludovika, noch von Max.

Johannes Thiele schrieb in seiner Elisabeth Biografie "Sisi, das Leben der Kaiserin Elisabeth", dass diese als Kind in Aichach mit Vater Max durch die Gasthäuser zog, als dieser Zither spielte. Dabei warfen ihr die Männer Geldstücke zu. Später soll Elisabeth voller Stolz diese Geldstücke, die sie ein Leben lang bei sich trug, ihren Hofdamen gezeigt und behauptet haben, dass das ihr einziges ehrliches verdientes Geld gewesen sei. 

Aber ob das alles wahr ist? Es klingt so gar nicht nach Herzog Max. Aber wer weiß das heute schon alles so genau?

1843 gründete Herzog Max die berühmte „Artus“-Runde, welche sich wöchentlich im Erdgeschoss im „Grünen Salon mit den goldenen Flügelthüren“ im Palais in München traf.

Die Gesellschaft bestand aus Künstlern und zum Teil nicht adeliger Personen. Um dem Ganzen Platz zu machen, schloss er den Zirkus, der ihm keinen Spa0 mehr machte.

Um 7.00 Uhr abends wurden die geladenen Gäste mit der Kutsche abgeholt. Zuerst gab es beleuchtete Stereoskopbilder (eine Art Diashow) und Fotografien seiner prachtvollen Reisen, danach ein üppiges Mal. Zum Schluss Zigarren und Zithermusik. Das ganze wurde abgerundet mit ernsten und lustigen Gesprächen in ausdrücklicher Herrenrunde. Den Abschluss bildete, bevor die Herrschaften wieder mit der Kutsche nach Hause gebracht wurden, Champagner.

Max war ein freiheitsdenkender Mensch. Alle höfischen Konventionen und Zwänge gingen ihm auf die Nerven. König Ludwig I. sah dieses freie Denken und Leben ohne Konventionen nicht gern, konnte aber nichts dagegen tun. Aus heutiger Sicht muss bei Ludwig auch sehr viel Eifersucht mitgewirkt haben; gerade wenn man sich seine Lola-Montez Affäre ansieht. Während Ludwig daran scheiterte und sein Königreich verlor, regte sich bei Max niemand über zwei uneheliche Kinder auf.

Dass deshalb Ludwig I. trotzdem oder gerade deswegen Herzog Max, nach der Thronübernahme zum Oberstinhabers des 3. Cheveaulegers-Regiments machte, zeigte, dass er dem Herzog Max ein bisschen Hofleben einimpfen wollte.

Doch auch hier zeigte Max wieder einmal seinen außergewöhnlichen Humor: Er ließ Sonntag Mittag das Regiment zur Inspektion vor dem Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße aufmarschieren.

Dadurch fühlten sich die Anrainer und Kirchenväter dieser Straße sehr gestört. Als die Beschwerden beim König eintrafen, wollte Max seinen Dienst quittieren, doch das ließ dieser nicht zu.

Und so verlieh er dem Schwager

1845 den Titel „königliche Hoheit“

und erhob die Familie in den Adelsstand. Dies galt (gilt noch immer) von nun auch für alle Nachkommen der Linie „in“ Bayern.

Vielleicht regte sich bei Ludwig so etwas wie ein schlechtes Gewissen. Hatte er ja immerhin 1828 dafür gesorgt, dass man ihm den königlichen und Prinzen-Titel aberkannte.

Genauso wie bei Kaiser Franz Joseph gab es auch bei Max so einige Gerüchte über uneheliche Kinder. Die Affären von Kaiser Franz Joseph können hier nachgelesen werden.

Zwei Töchter sind allerdings bekannt, auch wenn deren Namen, Geburtsdaten und Aussehen völlig unbekannt sind!

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Marie von Neapel

Auch wenn manchmal Fotos in Social Media von angeblich unehelichen Kindern von Max auftauchen, natürlich ohne Hinweis auf Urheberrechte, so kann mit Sicherheit der beiden absolut vertrauenswürdigen Historiker Alfons Schweiggert und Dr. Bernhard Graf ausgegangen werden, dass keine Namen und Daten zu den Töchtern und keine Fotos bekannt sind.

Das einzige was bekannt ist, ist, dass Herzog Max die Töchter sehr geliebt hat und diese von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr zu sich beim Mittagessen gehabt habe. Dabei durfte ihn niemand stören.

Die ehelichen Töchter dürften diese beiden gekannt haben, denn Tochter Marie (*4.10.1841,19.1.1925) führte die beiden an das Totenlager ihres Vaters. Mehr ist zu den beiden nicht bekannt!

Ebenso geht man davon aus, dass Max der Vater von Max Kolb, der 1829 geboren wurde, war. Max Kolb wurde ein berühmter Gartenarchitekt und seine Tochter Annette Kolb wurde eine berühmte deutsche Schriftstellerin (†1967).

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max, ca. 1850

Sieht man sich die Biografie von Max Kolb an, könnte es tatsächlich stimmen. Geboren wurde er am 28.10.1829. Ein Jahr zuvor wurde Herzog Max mit Louise quasi zwangsverheiratet. Die Mutter von Max Kolb, war Juliana Lorz. Diese war eine Zofe von Königin Therese von Bayern, der Ehefrau von Ludwig I. Möglich wäre es also allemal.

Aufgewachsen ist Max eigenartigerweise auf Schloss Possenhofen und wurde später dann in ein Internat geschickt, dessen Kosten die Wittelsbacher übernommen hatten. Seine ganze Karriere beruhte weiters auf dem Rücken der Wittelsbacher, die immer schützend eine Hand über ihn hielten.

Der Zweite, der eventuell in Frage käme, wäre Maximilian II, also der Sohn von Ludwig und Therese. Maximilian wurde am 28.11.1811 geboren, wäre also 18 Jahre alt gewesen, als er mit Juliana, der Zofe seiner Mutter das Verhältnis gehabt hatte.

Der Herzog galt als ein geübter Zither Spieler. Die Zither war damals das „Lumpeninstrument“ und erst Max war es, der dieses Musikinstrument in die höfischen Kreise einführte.

Foto: Lara Müller, Stadtarchiv Bamberg
Herzog Max (der Dritte von Links) in Herrenrunde vor Schloss Banz
Zitherspieler ist Unbekannt

Deshalb wurde er von allen „Zither-Maxl“ genannt.

Herzog Max widmete seinem Lieblingsinstrument sogar ein Gedicht:

Meine Zither

Das Liebste auf der weiten Welt
Ist mir der trauten Zither Spiel, 
Ich schätz' es mehr als alles Geld
Und kostest's auch der Mühe viel. 

Bin froh und guten Mutes ich, 
So freut sie sich mit ihrem Herrn
Und fühl' ich trüb und traurig mich, 
So teilt sie meinen Kummer gern. 

Drum ist mir wohl bei ihr allein, 
Weil sie, die einz'ge, mich versteht, 
Ich lass' die Menschen Menschen sein 
Und spiel auf ihr früh bis spät. 

Die Menschen treiben auch ein Spiel, 
Doch ist's ein andres Instrument, 
Sie spielen auf dem Menschen viel, 
Der ihre Falschheit noch nicht kennt. (13) 
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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max im fortschreitendem Alter

Seine freie Denkweise war beim Volk sehr beliebt. Er galt als Volksnah und gab viel auf bürgerliche Volksstücke und Kartenspiel.

Zu seinen besten Freunden zählten oft normale Bürger, wie Kaufleute, Postmeister oder Wirtsleute. Max schrieb Horrorgeschichten, las viel Literatur und dichtete boshafte Gedichte auf die Gesellschaft.

Er liebte das Reiten, das Theater und generell alles was mit Vergnügen zu tun hatte. An seine väterlichen Pflichten dachte er dabei sehr wenig, bis gar nicht. Einzig seine Tochter Sisi stand ihm am Nächsten.

Wie ähnlich sie ihm war, sollte der Wiener Hof, in den Elisabeth als Kaiserin einheiraten sollte, bald erfahren. Gerade im Alter entwickelte Elisabeth fast eine manische Passion, die sehr ihrem Vater ähnelte. Ihr reiterliches Können kann hier nachgelesen werden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiserin Elisabeth auf ihrem Lieblingspferd Merry Andrews
Foto nach dem Stahlstich von John Charlton, 1879
Die Pferdeleidenschaft hatte Elisabeth von ihrem Vater geerbt.

Als seine Tochter Königin Marie von Neapel ein uneheliches Kind gebar, war es Max, der seine Frau Ludovika zur Räson brachte, in dem er sagte, dass dies in den besten Familien vorkäme.

Doch so gelassen reagierte er nicht immer. Er konnte ein ziemlicher Despot sein. Seine Wutausbrüche waren berüchtigt. War ihm der Trubel zu viel oder merkte er, dass er nicht im Mittelpunkt war, schrie er herum und sei es nur, weil ihn ein Hühnerauge drückte.

Absolut nicht gelassen reagierte er, als König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886) mehrfach die Verlobung mit seiner Tochter Sophie (*23.2.1847, †4.5.1897) verschob. Der traurige Beitrag zu Sophie Herzogin d’Alençon kann hier nachgelesen werden.

Um nicht weiter die Schmach seiner Tochter etragen zu müssen, stellte er dem König ein Ultimatum. Laut Christian Sepp, Biograph von Sophie Charlotte, ist das Schreiben nicht erhalten geblieben, ließe sich aber aus einem Brief von Ludovika an Königin Marie (Ludwigs Mutter) herstellen.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig und Sophie Herzogin in Bayern
Verlobungsfoto

Laut diesem Schreiben, dürfte Max Ludwig um die Einhaltung seines Eheversprechens und der Hochzeit im November 1867 gebeten haben, andernfalls, sollte diesem das nicht möglich sein, um die Bekanntgabe, dass die Verlobung aufgelöst sei, die Familie habe niemals beabsichtig, die Tochter aufzudrängen.

Wer sich je mit König Ludwig II beschäftigt hat, kann sich ungefähr vorstellen, dass dieser getobt haben muss, als er dies las.

Zumindest sah er dies als Anlass alles Max in die Schuhe zu schieben.

Er selbst wollte sowieso nicht heiraten, ansonsten hätte er die Hochzeit nicht schon zweimal verschoben, dennoch habe ein Untertan mit dem König so nicht zu sprechen. So sein Tenor.

An Sophie schrieb er einen lapidaren Brief, dass der grausame Vater sie auseinander reißen würde. Nach 259 Tagen war somit die Verlobung gelöst und Sophie fiel in Ohnmacht.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Herzog Max Helm

Max war aber nicht nur für seine unkonventionelle Art unter dem Volk bekannt und für seine Passion an Theater, Zirkus und Pferden. Er liebte auch das Reisen.

Die längste und berühmteste Reise die Max mit kleinem Gefolge unternahm, war sicherlich die Reise ins „Heilige Land“, das heutige Israel.

Begleitet wurde er u.a. vom Maler Heinrich von Mayr (*22.2.1806, †5.4.1871), der diese in Wort und Bildern festhielt.

Die Route führte ihn von München, Venedig, Korfu, Patras, Athen, Alexandria und Kairo, schließlich nach Jerusalem.

Nach 8 Monaten kam er zurück.

Als Mitbringsel hatte er 4 schwarze Sklaven mit dabei, die er am Sklavenmarkt freikaufte. Da die Münchner Gesellschaft bis dahin noch keine schwarzen Bürger gesehen hatte, waren diese Menschen eine Sensation.

Foto: Mauritius Images/Alamy/Volgi
Herzog Max auf seiner Orientreise
Bild: Heinrich von Mayr

Die Männer verblieben Zeit ihres Lebens im Dienste der Familie.

Vieles von Max seinen Reisen ist heute in Schloss Banz zu besichtigen.

Das alles hatte zur Folge, dass Max und Ludovika sich nie wirklich annäherten. Erst im Alter und bei der goldenen Hochzeit (50 Jahre Ehe) söhnten sich die beiden aus.

Am Ende seines Lebens verriet er, dass er Ludovika nur ehelichte, da er sich vor seinem Großvater fürchtete.

Trotzdem und gerade deshalb blieben ihm die Kinder und die zahlreichen Enkelkinder fremd.

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max und Herzogin Ludovika, anlässlich der goldenen Hochzeit

Max Herzog in Bayern starb nach zwei Schlaganfällen am 15.11.1888.

Der Tod des Patriarchen wurde sehr unterschiedlich aufgenommen.

Kaiser Franz Joseph und Kronprinz Rudolf, sowie alle Kinder und Enkel nahmen an der Bestattung teil.

Nur eine fehlte: Kaiserin Elisabeth. Sie weilte auf Korfu und sagte

„aus gesundheitlichen Gründen“

ab.

– Petra –

Foto: Bernhard Graf – Merkur.de
Herzog Max Emanuel zeigt die Familiengruft und steht vor Herzog Max Sarkophag
Dokumention Bernhard Graf – Herzog Max


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Bernhard Graf – Merkur.de, Mauritius Images/Alamy/Volgi, Kaiserin Elisabeth Museum, Possenhofen via Merkur.de, steutzger.biz, abebooks.com, bamberger-onlinezeitung.de, stadtarchiv-münchen.de, Bildarchiv des Bayrischen Landesamts für Denkmalpflege, München, Lara Müller – Stadtarchiv Bamberg


Literatur Hinweise:

1 – S.25, 2 – S. 32/33, 3 – S. 37/8, 4 – S.38, 5 – S.38, 7 – S.39, 11 – S. 42, 13 – S. 209
Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern: Sisis wilder Vater
Volk Verlag München, 1. Auflage 2016

6 – S. 24, 8 – S. 30, 9 – S. 28, 10 – S. 27, 12 – S. 40
Bernhard Graf
Sisis Vater
Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Allitera Verlag//edition monadensia, 2. Auflage 2017

Christian Sepp
Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester
August Dreesbach Verlag, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

Hermann von Witzleben
Herzöge in Bayern
Prestel Verlag München, 1976 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Marie von Redwitz
Hofchronik
Kulturpolitik München, 1924 (nur noch antiquarisch erhältlich)