Marie Therese Erzherzogin von Braganza

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Marie Therese von Braganza, ca. 1889

Wir gedenken des Todestages von

Maria Theresia Immakulata Ferdinanda Eulalia Leopoldina Adelheid Elisabeth Karoline Michaela Raphaela Gabriele Franziska von Assisi et de Paula de Gonzaga Agnes Sophia Bartolomea ab Angelis de Braganza Infantin von Portugal oder in portugiesisch Donna Maria Teresa da Imaculada Conçeiäo Fernanda Eulália Leopoldina Adelaide Isabel Carolina Micaela Rafaela Gabriela Francisca de Aissis e de Paula Gonzaga Inés Sofia Bartolomea dos Anjos de Bragança Infantin von Portugal

bekannt als

Erzherzogin Marie Therese

Sie wurde am 24.8.1855 in Kleinheubach geboren.

Einige Historiker schreiben über sie auch als Erzherzogin Maria Theresia oder Maria Theresa. Sie selbst unterschrieb aber als Marie Therese (Beweis am Ende des Berichts).

Foto: Wikimedia/Commons König Michael von Portugal
Foto: Wikimedia/Commons Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg

Ihr Vater war König Miquel I von Portugal (*26.12.1802, †14.11.1866). Ihre Mutter Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (*3.4.1831, †16.12.1909).

Marie Therese wuchs bereits im Exil in Deutschland auf. Ihr Vater starb 1866, ohne je wieder an die Macht zu gelangen.

Ihr Bruder Miquel (*19.9.1853, †11.10.1927) ehelichte die schöne Tochter von Helene „Néné“ von Thurn und Taxis, eine Schwester von Kaiserin Elisabeth, Elisabeth (*28.5.1860), welche aber nach 4jähriger Ehe und nach der Geburt des 3ten Kindes 20jährig am 7.2.1881 verstarb.

Sie genoss eine höhere Mädchenausbildung im Sacré-Coeur in Paris, welche sie auch abgeschlossen hatte. Als 17jährige kam sie zur Familie zurück nach Deutschland.

Foto: geneall.net Elisabeth und Michael von Braganza
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Franz Karl

Erzherzog Karl Ludwig, bereits 2facher Witwer, fuhr höchstpersönlich nach Kleinheubach, um bei ihrer Mutter vorstellig zu werden.

Diese ließ ihre Tochter in den Salon bitten. Marie Therese möge sich umziehen, hoher Besuch erwarte sie und bevor sie mit dem Bruder des österreichischen Kaisers in den Garten spazieren ging, möge sie bitte ein schönes Kleid anziehen.

Marie Therese tat wie ihr geheißen.

Was bei diesem Spaziergang besprochen wurde, ist nicht überliefert, es ist nur bekannt, dass Erzherzog Karl Ludwig obgleich Feuer und Flamme ob der Schönen war und sie bat seine Frau zu werden. Marie Therese willigte ein.

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin), Fotos: Wikimedia/Commons

Mit knapp 18 Jahren trat die Prinzessin am 23.7.1873 auf Schloss Heubach vor den Traualtar und gab dem knapp 40jährigen(*) Witwer Erzherzog Karl Ludwig ihre Hand.

Dieser brachte 4 Halbwaisen mit in die Ehe: den 10jährigen Erzherzog Franz Ferdinand, den 8jährigen Erzherzog Otto (seinen Lieblingssohn), den 4jährigen Erzherzog Ferdinand Karl und die 3jährige Erzherzogin Margarete Sophie.

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Fotografie von Ludwig Angerer, 1860
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl
Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth mit Rudolf und Gisela
Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Victor
Das einzige gemeinsame existierende Familienfoto mit Kaiserin Elisabeth!
Foto: Schloss-Artstetten.at
Foto: albertmilde.com
Villa Wartholz, 1877

14 Tage später fand auf Schloss Schönbrunn im Beisein von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph ein großer Empfang für das Brautpaar statt.

Anwesend waren die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister der Kaiserin, der Flügeladjutant des Kaisers und die gesamte Familie, so dass – nun mehr Erzherzogin Marie Therese – standesgemäß in der Familie Willkommen geheißen wurde.

Wohnhaft wurde das Paar mit den Kindern im angekauften Palais Favoriten in Wien Wieden, welches er sich von Heinrich von Ferstel umbauen ließ.

In den Sommermonaten zog man in die Villa Wartholz in Reichenau an der Rax, welches sich Karl Ludwig ebenfalls vom selben Architekt bauen ließ.

Später wohnte die Familie im Sommer auch gerne im Schloss Artstetten.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth von Schönfeld
Foto: Wikimedia/Commons
Gräfin Marie Festetics

Elisabeth Gräfin von Festetics von Tolna (*30.6.1832, †12.3.1904) verheiratete Gräfin von Schönfeld wurde durch Gräfin von Goeß die Obersthofmeisterin von Marie Therese.

Elisabeth war die Schwester der Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics, welche bei Kaiserin Elisabeth anstellig war.

Das Erzherzogspaar wurde von Kaiser Franz Joseph häufig ins Ausland entsandt, um an seiner Statt an allerhand Pflichten teilzunehmen.

Marie Therese galt nicht nur als die Schönste der drei Frauen von Karl Ludwig, sondern auch als die Klügste, Gewinnbringendste und durch ihr liebreizendes Wesen, als äußerst freundlich und zuvorkommend. Wo sie hinkam, wurde sie von den Menschen wohlwollend angenommen und umringt.

Karl Ludwig war oft sehr eifersüchtig und beobachtete seine Frau mit voller Skepsis, wusste er doch, dass er viel älter war als sie. Doch zu Eifersucht bestand keine Sorge.

Marie Therese liebte ihren Mann aus vollem Herzen und nie hätte sie sich zu einer außerehelichen Affäre hinreißen lassen.

Wie – aus sicheren Quellen und absolut nicht üblich zu dieser Zeit – auch Karl Ludwig nicht fremd ging und sich außerehelich vergnügte. Die beiden genügten und liebten sich gleicher Maßen.

Foto: Wikimedia/Commons Zar Alexander III mit seiner Familie

So reisten die beiden auch nach Moskau um an der Krönung von Zar Alexander III teilzunehmen.

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth ca. 1866

Erzherzogin Marie Therese zog alle Blicke auf sich. Sie galt als byzantinische Prinzessin und war eine außerordentliche Schönheit und von hoher Gestalt.

Man konnte sogar beinahe sagen, sie machte Kaiserin Elisabeth Konkurrenz, die sie allerdings nicht als solche ansah. Sie schätzte ihre Schwägerin sehr, hatte sie doch Ruhe vor den lästigen Staatspflichten und konnte ihren Reisen und Reittätigkeiten zu dieser Zeit nachgehen. Es wurde nicht nur ihre Toilette und ihre Kleider, sondern auch der prachtvolle Schmuck bewundert, was im Zarenreich wirklich etwas zu bedeuten hatte. Normalerweise war es genau umgekehrt. Erzherzog Karl Ludwig ließ sich vor der Fahrt nicht lumpen und kleidete seine Frau ordentlich ein.

Durch ihr charmantes Äußeres, ihr kluges Auftreten und ihre witzige Art lag ihr aber nicht nur Russland alsbald zur Füßen, sondern die gesamte adelige Welt.

Kaiserin Elisabeth war sehr zufrieden mit dem was ihr zu Ohren kam.

Auch Kaiser Franz Joseph schätzte seine schöne und kluge Schwägerin sehr, musste aber alsbald merken, dass sie ihren eigenen Kopf durchsetze und für ihre Familie Himmel und Hölle in Bewegung setzte, wenn es darum ging, diese zu beschützen oder wenn ihr etwas am Herzen lag.

Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen, schätzte er sie Zeit seines Lebens. Dies ging so gar so weit, dass man die beiden später verkuppeln wollte. Doch dazu später mehr.

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Erzherzogin Marie Therese

Als Mutter ging sie in ihrer Rolle ebenso auf, wie als Repräsentantin am Staatsbankett.

Erzherzog Franz Ferdinand (*18.2.1863) war ein äußerst stilles und zurückgezogenes Kind, zu dem sehr eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder Otto (*21.4.1865), da dieser der Lieblingssohn seines Vaters war.

Mit beinahe strengem Blick beobachtete er, wenn sich seine Stiefmutter Marie Therese mit seiner kleinen Schwester Margarete Sophie (*13.5.1870) beschäftigte, da er ganz besonders an ihr hing. Sie war sein ganzer Halt und seine große Liebe innerhalb seiner Geschwister. Zeit ihres Lebens waren die beiden sehr verbunden, es traf ihn deshalb besonders hart, als sie so jung sterben musste, aber dazu später mehr.

Ferdinand Karl (*27.12.1868) fiel zwischen seinen Brüdern mehr oder weniger nicht auf. Er war der Dritte im Bunde und der jüngste Sohn.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata 2. Ehefrau und Karl Ludwig
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Maria Annunziata

Mit Geduld und großer Hingabe sorgte die junge Frau, die kaum 8 Jahre älter war, als ihr ältester Stiefsohn Franzi (Ferdinand), dass die Kinder sie annahmen und liebten. Das sie alle 4 begraben sollte, war ein ungeheures Schicksal, dass sie kaum ertrug.

Die Geschichten dazu erzähle ich im einzelnen.

Nur ihre eigenen Kinder sollten sie überleben.

Schon kurze Zeit nach der Hochzeit nannten die Kinder sie „Mama“ und dies sollte bis zum Tode aller Kinder so bleiben.

Die Liebe war so groß, dass sie keinen Unterschied zu ihren eigenen Kindern machte, die dem Paar Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Marie Therese geboren wurden.

Maria Annunziata kam am 13.7.1876 in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax zur Welt. Sie wurde nach der zweiten Ehefrau und der Mutter der vier Halbwaisen benannt.

Maria Annunziata von Neapel-Sizilien „Ciolla“ (*24.3.1843, †4.5.1871) starb an Lungentuberkulose und hatte diese sowohl Erzherzog Franz Ferdinand, als auch Erzherzog Ferdinand Karl vererbt. Vermutlich auch Margarete Sophie, doch genaueres ist hierzu nicht bekannt.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie

Am 7.7.1878 kam ebenfalls in der Villa Wartholz Tochter Elisabeth Amalie Eugenia zur Welt. Elisabeth wurde von Kaiserin Elisabeth getauft, wurde allerdings von Erzherzogin Christine vertreten.

Foto: Wikimedia/Commons Margarete von Sachsen, Karl Ludwigs 1. Ehefrau, Namenspatronin von Tochter Margarete Sophie

Bevor ich zu den Kindern und dem Rest der Geschichte komme, möchte ich noch kurz die erste Ehefrau erwähnen, damit diese auch ihren Abschluss findet.

Margarete von Sachsen (*25.5.1840, †15.9.1858), Cousine von Elisabeth, Franz Joseph und eben von Karl Ludwig wurde von Erzherzogin Sophie zur Ehefrau bestimmt.

Sie starb nach kaum 2jähriger Ehe 18jährig an Typhus. Die Ehe blieb kinderlos. Tochter Margarete Sophie bekam den Namen der 1. Ehefrau.

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Erzherzogin Marie Therese und Erzherzog Karl Ludwig

Als bei Erzherzog Franz Ferdinand die Lungentuberkulose ausbrach und er sich deshalb auf halber Weltreise befand, schrieb sie ihm unentwegt Briefe, um ihn aufzuheitern.

Leider geschah hier ein großes Unglück. In Kairo besuchte ihn die gesamte Familie um den Kranken aufzuheitern.

Karl Ludwig trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan. Der Jordan war aber schon zu dieser Zeit enorm verschmutzt, so dass sich Karl Ludwig schwer vergiftete.

Sofort veranlasste man die Heimfahrt und Marie Therese kümmerte sich rührend um den Schwerkranken. Doch kaum zu Hause, war er schon so geschwächt, dass es kaum noch Hoffnung gab.

Am 18.5.1896 starb Erzherzog Karl Ludwig. Er hinterließ ihr ein immenses Vermögen, allerdings verhielt sich der Wiener Hof absonderlich.

Doch darauf möchte ich später in der Geschichte zurückkommen.

Erzherzog Franz Ferdinand

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Sophie von Hohenberg

Franzi, wie er Zeit seines Lebens von seiner Mama genannt wurde, hatte sich verliebt.

Leider war diese Liebe verboten und so musste diese lange Zeit verheimlicht werden.

Nur wenige Personen wussten Bescheid; u.a. waren eingeweiht Kaiserin Elisabeth, mit der sich Franz Ferdinand außerordentlich gut verstand, seine Schwester Margarete und natürlich Mama Marie Therese.

Die gesamte Geschichte zu Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg kann hier nachgelesen werden.

Ab 1899 half sie ihrem Sohn bei ihrem Schwager Kaiser Franz Joseph zu intervenieren, dass dieser seine große Liebe Sophie von Chotek heiraten dürfe.

Schon zuvor hatte sich Kaiserin Elisabeth dafür eingesetzt, doch diese starb bevor sie etwas erreichen konnte.

Also war Marie Therese auf sich allein gestellt.

Und obwohl Kaiser Franz Joseph von einer morganatischen (unstandesgemäß) Ehe nichts wissen wollte, gab sie sich nicht geschlagen.

Als der Affront aufkam und Erzherzog Franz Ferdinand Sophie im Kloster entdeckte, hielt er eine beeindruckende Rede vor seinem Onkel. Zwar gab dieser nicht nach, doch Franz Ferdinand unterschrieb die Verzichtserklärung, die ihm dieser vorlegte. Diese besagte, dass er zwar Thronfolger blieb, aber Sophie keine Kaiserin werden dürfe und die Kinder den Namen der Mutter tragen müssten und keine Thronfolger werden würden. Franz Ferdinand hatte gesiegt.

Die Hochzeit fand am 1.7.1900 statt.

Kaiser Franz Joseph verbot an der Hochzeit des Sohnes teilzunehmen und verhängte eine lächerliche Staatstrauer einer nebensächlichen Tante.

Fürstin Josephine von Hohenzollern (*21.10.1813, †19.6.1900) war verstorben. 4(!) Tage später wurde eine 12tägige Hoftrauer angeordnet. So hatte der Wiener Hof die Ausrede nicht teilnehmen „zu dürfen“.

Marie Therese und die Stiefschwestern hielten sich jedoch nicht an dieses Verbot. Von Sophies Seite waren ihre Geschwister mit Ehepartnern anwesend.

Jetzt lernte Kaiser Franz Joseph den Sturkopf seiner Schwägerin kennen und noch viele solcher Einsätze sollten folgen.

8 Tage nach der Hochzeit schrieb Erzherzog Franz Ferdinand an seine Stiefmutter folgenden Brief:

Liebste Mama!

Endlich bißl in Ruhe gekommen nach Beantwortung zahlloser Telegramme – Briefe nach Einrichtung unserer Wohnung und Auspackung aller Sachen von Sophie ist es mir Erstes Dir einige Zeilen zu schreiben und Dir in meinem und Sophies Namen auch noch schriftlich von ganzem Herzen zu danken für all die unbeschreibliche Güte und Liebe die Du uns in Reichstadt bewiesen hast! 

Wir sind Dir bis an unser Lebens-Ende dankbar für Alles was Du für uns gethan hast für die zahllosen Beweise Deines goldenen mütterlichen Herzens. 

Ich fühle mich wie neugeboren. Sie schwärmt von Dir und redet nur Deiner Güte und Liebe. Ich habe vollkommen in meinem Inneren das Gefühl daß wir beide bis zu unserem LebensEnde unbeschreiblich glücklich sein werden. 

Gute liebe Mama, Du hast das Richtige getroffen, daß Du mir so geholfen hast! 

Der liebe Gott zu dem ich täglich 2mal in der Capelle mit Soph bete lohne Dir gute Mama Alles was Du für uns gethan. 

Ich umarme Dich und Die Schwestern küsse Dir die Hände und bin ewig

Dein

dankbarster Dich innigst liebender Sohn Franzi. 

9.Juli 1900 (1)

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Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Marie Therese liebte nicht nur ihren Franzi und Soph, wie Sophie liebevoll genannt wurde, sondern auch ihre Enkelkinder, die eigentlich ihre Sitefenkelkinder waren, wenn wir es genau betrachten würden.

Doch dieses Wort stand Marie Therese nie im Weg und deshalb sollte es auch hier nicht im Wege stehen.

Franz Ferdinand und Sophie wurden 3 wunderschöne Kinder geboren, die auf so tragische Weise zu Waisen wurden.

Das Unglück von Sarajevo traf Marie Therese und die Kinder hart.

Doch Zeit ihres Lebens hielt sie den Kontakt zu ihren Enkeln.

  • Sophie (*24.7.1901, †27.10.1990) geboren, war 13 Jahre alt
  • Maximilian (*29.9.1902, †8.1.1962) geboren, 12 Jahre alt
  • Ernst (*27.5.1904, †5.3.1954) geboren, 10 Jahre alt

Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Erzherzog Otto

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Maria Josepha

Dem Zweiten dem sie bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe half, war Erzherzog Otto, als er an Syphilis erkrankte und von der Familie schon lange verstoßen war.

Ottos „Bolla“ oder auch „der Schöne“ Lebensweg war dem eines Dandys.

Er genoss Dirnen, Alkohol, Tänzerinnerinnen und hatte mehrere uneheliche Kinder.

Seine Ehe mit Maria Josepha Prinzessin von Sachsen (*31.5.1867, †28.5.1944) war eine einzige Farce. Lediglich zwei Söhne wurden geboren.

Erstgeborener Karl (*17.8.1887, †1.4.1922) ging in die Weltgeschichte ein. Er wurde zu

Kaiser Karl I.

Bei der Geburt von Karl kam es beinahe zu einem Drama.

Maria Josepha überlebte die Geburt beinahe nicht, so dass sogar ein Priester für die Sterbesakramente gerufen wurde.

Otto vollkommen hilflos in dieser Situation verständigte seine Mutter und diese eilte zu der Sterbenden und half nicht nur ihrem Sohn mit dem Baby, sondern setzte sich an ihr Bett, betete mit ihr und spendete tröstende Worte. Tag und Nacht wachte sie bei ihrer Schwiegertochter, die sich so nach und nach von der Strapaz erholte.

Trotzdem war dies für Otto kein Schuss vor den Bug.

Kaum war Maria Josepha genesen, genoss er schon wieder seine außerehelichen Affären und ließ seine „Nonne“ wie er Maria Josepha nannte, mit dem Baby allein.

Marie Therese hielt trotzdem all die Jahre zu ihm.

Selbst als sich das Verhältnis zu Franzi zusehends verschlechterte, da plötzlich Otto ins Weltgeschehen des Thronerben blickte, als Franz Ferdinand erkrankte.

Franz voller Eifersucht und Hass auf Otto, der ihm den Thron nicht gönnte und Otto voller Sorge und Angst, der den gar nicht wollte.

Als sich dann noch Franzi in Sophie verliebte, war es ausgerechnet Otto, der sich gegen Franz wandte.

Dies war das Ende der ansonsten guten Beziehung der Brüder. Auch wenn sich Marie Therese immer wieder einmischte und vermittelte, eine brüderliche Freundschaft konnte sie nicht mehr erwirken.

Ab 1900 war Ottos Syphilis offenkundig und sichtbar, weshalb man ihn zu Kuren ins Ausland schickte, doch die Lupusherde im Gesicht waren hier bereits so fortgeschritten und nicht mehr heilbar, dass er sich auf sein Schloss in Schönau an der Triesting zurückzog.

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Dr. Viktor Eisenmenger
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Erzherzog Otto „Bolla“

Seine letzte Geliebte, Opernsängerin Luise Robinson (*8.1.1884, †1934) mit der er ebenfalls zwei uneheliche Kinder hatte und seine Mutter blieben bei ihm.

Letztere pflegte ihn so aufopferungsvoll, dass sich Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) um die Erzherzogin schwere Sorgen machte.

Zuerst fiel Otto die Nase ab, so dass er eine Nasenprothese brauchte, um besser atmen zu können.

Als es im Schloss Schönau nicht mehr ging und die Fahrt für Marie Therese zu anstrengend wurde, wurde in Wien Währing eine Villa angemietet.

In der Anton Frank-Gasse 20 wurde Otto heimlich untergebracht und so konnten die beiden Frauen dafür Sorgen, dass sie Tag und Nacht bei ihm sein konnten. Mit Otto ging es immer mehr bergab.

Als er kaum noch atmen konnte, musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden. Dabei wurde ihm eine Kanüle in den Hals geschoben. Das Sprechen fiel ihm unglaublich schwer, er konnte nur noch sitzen, weshalb er aus dem Bett gehoben und in einen Lehnstuhl gesetzt wurde.

So musste er Tag und Nacht verharren. Sobald der Kopf nach vorne sackte, drohte der Patient zu ersticken, weshalb sich Marie Therese und Louise abwechselten und die Tage und Nächte bei Otto verblieben und ihm den Kopf immer wieder gerade rückten.

Otto wurde gewaschen, gefüttert, gewickelt. Und das mit nicht einmal 40 Jahren. Seine Lupusherde waren nun überall am ganzen Körper ausgebrochen, der ganze Raum stank nach Wundbrand.

Marie Therese war so erschöpft, dass sich Dr. Eisenmenger schwere Sorgen um sie machte und ein Verbot aussprach sich weiter um Otto zu kümmern. Doch davon wollte sie nichts hören.

Sobald Otto drohte zu ersticken, wurde der Arzt gerufen und das Röhrchen wurde entfernt und ausgewechselt.

Eines Tages war der Erstickungsanfall so heftig, dass Dr. Eisenmenger zu spät kam.

Erzherzog Otto starb am 1.11.1906 im Beisein von Marie Therese – als einzige der Familie Habsburg. Er war gerade einmal 41 Jahre alt.

Erzherzog Ferdinand Karl

Auch ihrem dritten Sohn Erzherzog Ferdinand Karl (*27.12.1868, †10.3.1915) half sie seine große Liebe zur bürgerlichen Hofratstochter Berta Czuber (*5.12.1879, †5.7.1979) durchzusetzen.

Doch hier versagten alle kläglich. Kaiser Franz Joseph blieb stur.

Die Konsequenzen waren für niemanden absehbar.

Ausgerechnet Erzherzog Franz Ferdinand widersetzte sich dieser Beziehung.

Kennengelernt hatten sich die beiden auf dem Technikerball und schon bald entstand eine Liason, denn Berta war eine ausgesprochene Schönheit und unglaublich gebildet.

Ihr Vater war Mathematikprofessor an der Technischen Universität.

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Berta Czuber
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Ferdinand Karl

Ferdinand Karl fiel weder als Thronfolger ins Gewicht, noch sonst irgendwie auf.

Sein Status im Habsburg Haus war:
er war anwesend.

Ansonsten hatte er einen militärischen Rang, hatte einige Repräsentationsaufgaben und sonst nichts zu tun.

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Maria de la Mercedes

Pläne zur Hochzeit gab es für den 32jährigen erst, als der Junggeselle partout alles ablehnte, was ihm vorgestellt wurde.

So z.B. die spanische Infantin Maria de la Mercedes (*11.9.1880, †17.10.1904), Tochter von Königin Maria Cristina (*21.7.1858, †6.2.1929) und König Alphons XII (*28.11.1857, †25.11.1885).

Königin Maria Christina war immerhin eine Habsburgerin und saß alleine auf dem spanischen Thron, da ihr Mann schon lange an Tuberkulose verstorben war. Doch Ferdinand Karl weigerte sich hartnäckig.

Franz Ferdinand fürchtete schwere Imageschäden fürs Kaiserhaus und schrieb an seinen Onkel einen Brief, in dem er die Beziehung untersagen wollte:

„Ich fürchte immer bei Ferdinand einen Coup de tête(**) und das wäre schrecklich, denn diese Czuber ist eine abgefeimte Canaille.“ (2)

Gerade Franz Ferdinand solle es besser Wissen.

Seine Sophie wurde am Hof geschnitten wo es ging.
Doch er stellte sich quer, wollte nichts hören und nichts sehen.

Hilfesuchend wand sich Ferdinand Karl an seine Mama.

Immer lauter und bösartiger wurden die Stimmen gegen Berta, von der im Kaiserhaus über ein unstetes Leben berichtet wurde.

Ferdinand Karl gab zu Recht nichts auf dieses gemeine Getratschte, kannte er den Wiener Hof nur zu gut.

Es hatte seine Tante Sisi aus dem Hause getrieben, die Zeit ihres Lebens vor dem Adel floh, da sie als „Landadel“ und nicht „gut genug für den Kaiser war“ (der Unterschied zur Erblinie „in“ und „von“ Bayern kann hier nachgelesen werden).

Auch hier intervenierte wieder einmal Mama Marie Therese. Doch je älter ihr Schwager wurde, desto verknöcherter und sturer wurde er.

Einzig zwischen Ferdinand Karl und Franzi konnte sie vermitteln und eine Versöhnung erreichen.

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Berta und Ferdinand Burg

Aus Trotz und Kummer fuhr das schwerverliebte Paar in die Schweiz nach Chur, wo sie am 15.8.1909 heimlich heirateten.

Danach ging das Paar auf Reisen. Ferdinand Karls Tenor lautete: Wenn sein Onkel von der Ehe mit der gebildeten und hübschen Hofratstochter erfahren wird, wird er klein beigeben.

Doch der Tenor blieb aus.

Die Rechnung wurde ohne dem Onkel gemacht.

Kaiser Franz Joseph war es gewohnt als erste Instanz zu gelten und nicht übergangen zu werden.

Als er von der heimlichen Hochzeit zwei Jahre später erfuhr, tobte er.

Den eigenmächtigen Schritt musste Ferdinand Karl teuer bezahlen.

Er wurde aus der Familie ausgeschlossen. Rang und Titel musste er abgeben, das Goldene Vlies verlangte sein Onkel zurück, aus den Jahrbüchern wurde er getilgt.

Lediglich eine jährliche Apanage stand ihm zu. Des Weiteren wurde Ferdinand Karl gebeten nie wieder nach Österreich zurückzukehren.

Die einzige die wieder einmal zu ihrem Sohn und weiterhin Kontakt hielt war seine Mama.

Das Paar Ferdinand und Berta Burg ließ sich in München und Meran nieder, wo sie die beiden immer wieder besuchte. Leider wurde Ferdinand Karl alsbaldig schwer krank. Die Lungenkrankheit seiner Mutter brach auch bei ihm aus.

Als sein Bruder und seine Schwägerin in Sarajevo erschossen wurden, intervenierte sie beim Kaiser und dieser erlaubte für die Begräbnisfeierlichkeit eine Rückkehr des Verbannten.


Ferdinand Karl war kaum noch wiederzuerkennen.
Er zählte erst 46 Jahre, sah aber aus wie ein Greis.

Er konnte sich kaum auf den Beinen halten, so dünn und ausgezehrt war er. Als es mit ihm zu Ende ging, rief Berta Marie Therese und diese eilte nach München und pflegte wieder einmal ihren Sohn bis zum Tode aufopferungsvoll und voller Liebe.

Im Beisein seiner geliebten Berta und seiner Mutter starb er friedlich am 10.3.1915 46jährig.

Marie Therese sorgte für die Überfahrt nach Obermais nach Meran, wo er in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Jahre später sollte Berta ihm folgen.

Erzherzogin Margarete Sophie

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Albrecht Herzog von Württemberg
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Erzherzogin Margarete Sophie

Und auch ihr viertes Stiefkind Margarete Sophie beerdigte sie.

Margarete Sophie (*13.51870, †24.8.1902) wurde zuerst Äbtissin im Damenstift Prag, bevor sie sich zur Hochzeit mit Albrecht Herzog von Württemberg (*23.12.1865, †31.10.1939) entschloss.

Doch noch vor der Verlobung wurde Margarete Sophie schwer krank. Leider ist nicht herauszufinden, an welcher Krankheit sie litt.

Mama Marie Therese eilte auch an dieses Krankenbett und pflegte ihre Tochter bis sie wieder gesund war. Es dauerte monatelang.

Am 24.1.1893 konnte im Beisein von Kaiser Franz Joseph in der Hofkapelle der Hofburg Wien die Hochzeit gefeiert werden.

7 Kinder wurde dem Paar geboren, bevor sie am 24.8.1902 in Gmunden 32jährig starb. Leider ist auch hier nicht überliefert an was Margarete starb.

Franz Ferdinand war untröstlich seine geliebte Schwester zu verlieren.

Marie Therese hatte im Laufe der Zeit zwischen 1902 und 1914 alle ihre Stiefkinder begraben und trotzdem ihren Glauben nicht verloren.

Nun blieben ihr nur noch ihre Enkelkinder und ihre beiden eigenen Töchter.

Erzherzogin Maria Annunziata „Miana“

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Erzherzogin Maria Annunziata und Siegfried Herzog in Bayern
Verlobung in Possenhofen

Maria Annunziata wurde eine äußerst enge Vertraute von Kaiser Franz Joseph.

Sie verlobte sich mit Siegfried in Bayern (*10.7.1876, †12.3.1956) einem Sohn von Max Emanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893), einem Bruder von Kaiserin Elisabeth.

Doch Siegfried zeigte auf der Verlobungsfahrt nach England ein absonderliches Verhalten, so dass Maria Annunziata noch während der Fahrt ihren Onkel bat die Verlobung wieder auflösen zu dürfen.

Siegfried war 1899 vom Pferd gefallen und zeigte seit dem schwere Auffälligkeiten.

Er schrie, zog sich in der Öffentlichkeit aus, pinkelte in die Kajüte oder aufs Essen, onanierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit, auch in der Öffentlichkeit und bot generell einen traurigen Anblick, obwohl er ein sehr hübscher Mann war.

Kaiser Franz Joseph gewährte die Bitte und so wurde diese gelöst und Maria Annunziata kam zurück.

Sie verlobte sich nie mehr, obwohl sie als sehr große Schönheit galt.

Sie wurde die Erste Dame am Wiener Hof, eine schwierige Aufgabe, die schon ihre Mutter übernommen hatte, als diese noch verheiratet war.

Maria Annunziata war es auch, die Karl und Prinzessin Zita von Bourbon Parma (*9.5.1892, †14.3.1989) verkuppelte.

Maria Annunziata und Kaiser Franz Joseph standen sich so nahe, dass er sie sogar ins Vertrauen über die Mayerling Affäre zog.

Sie nahm die Geschichte mit ins Grab.

Erzherzogin Maria Annunziata starb am 7.4.1961 in Vaduz und ruht in Vaduz bei ihrer Schwester.

Erzherzogin Elisabeth Amalie

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie und Alois von und zu Liechtenstein

Elisabeth Amalie Eugenia ehelichte Alois von und zu Prinz Liechtenstein, dem sie in jede Garnison nachfolgte.

Sie war eine Autonärrin und sammelte diese. Insgesamt 8 Kinder wurde dem Paar geboren.

Sie begleitete ihren Mann zu den Garnisonen und ging gerne Jagen. 1909 erbte ihr Mann das schloss Ullersdorf in Mähren, wo sich die Familie niederließ.

1923 verzichtete Alois auf den Thron in Liechtenstein und übergab diesen an seinen Sohn Franz Josef. Im 2. Weltkrieg holte dieser seine betagten Eltern nach Liechtenstein.

Elisabeth von und zu Liechtenstein starb am 13.3.1960 81jährig in Vaduz.

Foto: SHB
Kaiser Franz Joseph 

Erzherzogin Marie Therese war von Anbeginn nach Kaiserin Elisabeth die Erste Dame am Wiener Hof.

Als Kronprinz Rudolf, der seine Tante sehr verehrte und liebte, Kronprinzessin Stephanie ehelichte, wurde Marie Therese von dieser abgelöst.

Als sich Rudolf umbrachte, fiel die Aufgabe wieder Marie Therese zu, denn eine Witwe konnte und durfte nicht Erste Dame des Landes sein.

Als ihr Mann Erzherzog Karl Ludwig starb benahm sich der Wiener Hof absonderlich.

Zuerst umwarb man sie nach Rudolfs Tod als zukünftige Kaiserin und kroch ihr beinahe in den Allerwertesten, da nach Kaiser Franz Joseph Erzherzog Karl Ludwig als Thronfolger feststand.

Als dieser 1896 starb war es mit den Plänen „Kaiserin Marie Therese“ vorbei und die Höflichkeit des Hofes hatte ein Ende.

Die Aufgabe der Ersten Dame fiel nun Erzherzogin Maria Josepha zu. Sie war die Ehefrau von Erzherzog Otto „Bolla“ und Mutter von Karl, obwohl als Thronfolger Franz Ferdinand feststand.

Nun kamen die Pläne der Heiratsvermittler auf dem Plan.

Da sich Kaiser Franz Joseph und seine Schwägerin Marie Therese außerordentlich gut verstanden und sich beide sehr schätzten, wollte man, dass die beiden sich verheiraten.

Dies hätte auch den Mittel zum Zweck gehabt, dass Franz Ferdinand „quasi“ der Sohn von Kaiser Franz Joseph werden konnte und als „Kronprinz“ anerkannt werden könnte.

Doch Marie Therese lehnte diese Pläne ab.

Als 1906 Erzherzog Otto starb war auch die Zeit für Erzherzogin Maria Josepha als Erste Dame des Hauses vorbei und Tochter und Vertraute von Kaiser Franz Joseph Erzherzogin Maria Annunziata trat an diese Stelle.

Diese verschaffte nicht nur wieder das hohe Ansehen für ihre Mutter zurück, sondern hielt auch wie üblich den ersten Teetisch.

Jede Erste Dame des Hofes hatte nicht nur beim Hofball den Circle zu leiten, sondern auch den Ersten Teetisch über.

Da Kaiserin Elisabeth diese Aufgabe zuwider war, überließ sie mit Freude diese Aufgabe Marie Therese, nach deren Tod übernahm dies natürlich zuerst Maria Josepha, danach bis zum Monarchie Ende Maria Annunziata.

Marie Therese war eine Befürworterin des Roten Kreuzes, welches sie tatkräftig mit Spenden und persönlichen Besuchen unterstütze.

Ihre eigene Tochter Maria Annunziata arbeitete bei Erzherzogin Maria Josefa im Palais Augarten und widmete sich den Kranken und Verwundeten. Um nicht erkannt zu werden, haben viele Erzherzoginnen „bürgerliche Namen“ gewählt.

Foto: collections.nlm.nih.gov
Marie Therese als Schwester Michaela

Marie Therese wählte den Namen „Schwester Michaela“ (dieser Name findet sich in ihrem Taufnamen weit hinten).

Sie meldete sich im Vereins-Reservespital Nr. 2 in der Hegelgasse Wien 1. Sie arbeitete als Oberkrankenschwester und half bei Operationen mit.

Sie ließ keinen Dienst aus, war stets freundlich und pflegte aufopferungsvoll und voller Hingabe und trug immer ihre Schwesterntracht.

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Maria Antonia von Portugal

Aber nicht nur in Wien versah sie ihren Dienst, sie ging auch direkt an die Front.

Vor allen die schwer gefürchteten Isonzofronten hatten es ihr angetan. Sie benutzte die Straßen, die unter schweren Beschüssen standen, sammelte Verwundete auf und verlor nie den Mut, waren die Verletzungen – vor allem Kopfverletzungen noch so grausam und schwer.

Zahlreiche Auszeichnungen bezeugen ihre Kriegseinsätze, doch auf diese legte sie keinen Wert.

Bevor Kaiser Franz Joseph entschlief war sie in Österreich zurück, um auch hier bei der Familie zu sein.

Sie begleitete ihren Schwager auf seinem letzten Weg, der hier nachgelesen werden kann.

Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Sie sah wie ihr Enkel Kaiser Karl und ihre Nichte Zita den Thron übernahmen.

Ihre Schwester Maria Antonia Infantin von Portugal (*28.11.1862, †14.5.1959) war immerhin die Mutter von Zita und somit war Marie Therese ihre Tante.

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Marie Therese als Witwe

Als das Ende der Monarchie eingeläutet wurde, befand sich „Schwester Michaela“ an der Südfront um im Lazarett zu helfen.

Sie hörte von Karls Debakel in Österreich und wollte nach Wien, um ihren Enkel zu helfen.

In Deutschland kam sie nicht weiter, da man ihr vorwarf, den Bündnispartner Deutschland nicht wertzuschätzen.

Erzherzogin Marie Therese musste Beweise antreten, dass sie in Deutschland geboren wurde und ihre Mutter eine Deutsche Adelige war.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Unter diesen schwierigen Umständen gar nicht so einfach. Als sie Deutschland verlassen durfte, war ihr Enkel und Zita mit den Kindern bereits über alle Berge.

Sie ging nach Wien zurück, wo sie in einer kleinen 3 Zimmer Wohnung lebte. Ihr gesamtes Personal musste sie entlassen das Palais war im Begriff verkauft zu werden. Die einst so reiche Marie Therese besaß kaum noch etwas. Doch auch jetzt beklagte sie sich nicht.

Am 3.4.1919 verkündete die Republik Österreich das Adelsaufhebungsgesetz.

Daraufhin verließen Erzherzogin Marie Therese und ihre Tochter Erzherzogin Maria Annunziata Österreich in Richtung Schweiz.

Dort erfuhren sie, dass auch Karl und Zita in der Schweiz angekommen waren.

Nun versuchte Kaiser Karl seine Restaurationsversuche, die allerdings allesamt scheiterten.

Nun zog man sich aber den Unmut der Schweiz zu, die sich verraten fühlte und die gesamte Familie auswies.

Maria Annunziata zog zu ihrer Schwester nach Liechtenstein, Maria Josepha, die Mutter von Karl ging nach Deutschland zurück.

Einzig Marie Therese durfte bleiben.

Sie behielt die Kinder von Zita bei sich, um ihnen ein sicheres Leben zu geben.

Aus Madeira erhielt sie Post und erfuhr, dass das Paar in Funchal gelandet war.

Foto: Wikimedia/Commons
Robert von Habsburg

Als Robert (*8.2.1915, †7.2.1996) an einer schweren Blinddarmentzündung erkrankte, verständigte Marie Therese Zita.

Diese durfte auf Bitten und Drängen bei den Behörden von Marie Therese für 14 Tage das Land Schweiz unter polizeilicher Bewachung wieder betreten.

Als der Kranke noch nicht geheilt war, musste Zita ohne ihrem Kind das Land wieder verlassen.

Diesmal fuhr Marie Therese mit, um Zita eine Stütze zu sein.

Erst am 2.3.1922 konnte Robert mit Gräfin Kerssenbrook, die bei ihm geblieben war, nach Madeira nachkommen.

Doch auch auf Funchal ging alles schief, was nur schief gehen konnte und so musste sie auch ihren Enkel alsbaldig begraben.

Foto: Wikimedia/Commons
alle Kinder von Karl und Zita

Während es in der Hauptstadt warm und sonnig war, wurden Zita, Karl und die Kinder, welche zu diesem Zeitpunkt bereits geboren waren,

  • Otto von Habsburg (*20.11.1912, †4,7.2011), Österreichs letzter Kronprinz
  • Adelheid (*3.1.1914, †2.10.1971)
  • Robert (*8.2.1915, 7.2.1996)
  • Felix (*31.5.1916, †6.9.2011)
  • Carl Ludwig (*10.3.1918, †11.12.2007)
  • Rudolph (*5.9.1919, †15.5.2010)
  • Charlotte (*1.3.1921, †23.7.1989)

in einem zugigen Haus ohne Licht, Heizung und Wasser nur im Erdgeschoss auf dem „Monte“ untergebracht.

Die eigene Bevölkerung mied im Winter diesen Berg.

Die Dienerschaft, die das Kaiserpaar ebenfalls begleitet hatte, schlug die Hände über den Kopf zusammen, ob des schlechten Zustandes dieses Hauses. Ein Diener fasste sich ein Herz und warnte Marie Therese vor dem Haus, die jedoch bei Karl auf taube Ohren schlug.

Da die Familie kein Geld mehr besaß und sich das Hotel nicht mehr leisten konnte, war man auf die Almosen und Hilfe des Volkes angewiesen. Das Haus wurde dem Paar zur Verfügung gestellt. Das Schicksal schlug unbarmherzig zu.

Kaiser Karl verkühlte sich und konnte sich in dem zugigen, von Schimmel belasteten Haus nicht erholen.

Wieder war es Marie Therese die Tag und Nacht am Krankenlager des Kranken saß, der von Fieber geschüttelt wurde und dem es immer schlechter ging.

Er bat seine mittlerweile wieder schwangere Frau Zita zu sich und bat sie bei König Alfonso XIII in Spanien um Hilfe anzusuchen. Außerdem musste sie ihm versprechen, alles mögliche zu versuchen, das Kaiserreich zurückzuerobern.

Noch am selben Tag starb Kaiser Karl im Beisein seiner Großmutter 34jährig am 1.4.1922.

Nun machte sich Marie Therese also mit der hochschwangeren Zita auf den beschwerlichen Weg von Portugal nach Spanien.

Königin Maria Cristina, eine Großcousine von Kaiser Franz Joseph und ihr Sohn König Alfonso XIII (*17.5.1886, †28.2.1941) nahmen sie im El Pardo Palast in Madrid bereitwillig auf.

Hier brachte Zita ihr letztes Kind Elisabeth Charlotte (*31.5.1922, †6.1.1993) zur Welt.

Während die Familie in Spanien blieb, hieß es für Marie Therese Abschied zu nehmen.

Sie wollte zu ihrer Tochter Maria Annunziata nach Österreich zurück, die zwischenzeitig wieder aus Liechtenstein zurück war.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese im Alter

Das genaue Datum des Übertritts ist nicht bekannt, allerdings half ihr Polizeipräsident Schober nach Wien zurück.

Weder Marie Therese, noch ihre Tochter Maria Annunziata mussten auf ihren Titel „Erzherzogin“ verzichten. Sie stellten für die Republik Österreich keine Gefahr dar.

Zur großen Überraschung konnte ihre Familie das Palais Erzherzog Carl Ludwig (er)halten, weshalb Maria Annunziata und Marie Therese zurückkehren konnten. Sogar vom Personal kamen einige zurück und halfen der mittlerweile betagten Dame im Haushalt.

Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor und Maria José in Bayern

Durch ihre Tätigkeit beim Roten Kreuz gingen viele Ärzte im Palais Ein und Aus.

Auch der „Adel“ von Wien kam ins Palais und Marie Therese stieg quasi wieder zur Ersten Dame der Gesellschaft auf.

Ihre Sommermonate verbrachte sie mit ihrer Schwester Maria José Herzogin in Bayern (*19.3.1857, †11.3.1943) in Gastein, welche den Bruder von Kaiserin Elisabeth Karl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) geheiratet hatte.

1938 erlebte sie noch wie ihre beiden geliebten Enkel Max und Ernst von Hohenberg ins Konzentrationslager Dachau gebracht wurden.

Die von Hohenbergs waren die Kinder von Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie. Während Max auf Intervention seiner Frau nach einem halben Jahr frei kam, musste Ernst 5 Jahre verschiedene Konzentrationslager erdulden.

1944 erlebte sie noch die Freilassung und konnte – Ernst einigermaßen gesund – wieder in die Arme schließen.

Vom Glanz und Gloria der Habsburg-Zeit, der Wiener Hofbälle, Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph, das tragische Ende ihres Neffen Rudolf, bis hin zum Fall der Monarchie, 4 Kinder und einen Enkel begrub sie, Entbehrungen und viel Leid ertrug Marie Therese mit Würde und Stolz, Haltung und viel Eleganz.

Kein Klagen kam je über ihre Lippen. Sie war durch und durch eine Dame und durch und durch die gute Seele des Hauses Habsburg, das ihr viel zu verdanken hatte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Wandnische, Erzherzogin Marie Therese, Kapuzinergruft

Erzherzogin Marie Therese erlebte das Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr.

Sie starb am 12.2.1944 88jährig im Beisein ihrer Töchter Erzherzogin Maria Annunziata, Prinzessin Elisabeth Amalie von und zu Liechtenstein, Max und Ernst Hohenberg in ihrem Palais Erzherzog Carl Ludwig.

Der Nazi-Reichsstatthalter und Gauleiter von Wien Baldur von Schirach hätte ihr beinahe das ordentliche Begräbnis in der Kapuzinergruft verweigert.

Ihr Schwiegersohn Alois von und zu Liechtenstein erwirkte die Erlaubnis und so konnte sie mit allen Ehren einer Erzherzogin ihre letzte Ruhestätte in der Kapuzinergruft antreten. Sie ruht heute in einer Wandnische.

– Petra – 

Foto: Wikimedia/Commons
Unterschrift von Erzherzogin Marie Therese

Fußnoten: 

(*) In jedem (!) historischen Buch ist zu lesen, dass Erzherzog Karl Ludwig, bei der Hochzeit 44 Jahre alt war. Dies stimmt ob seines Geburtsdatums nicht. Er stand ganz knapp vor seinem 40. Geburtstag. 

(**) Coup de tête – aus einer Laune heraus; eine Entscheidung betreffend


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra
Stammbaum: Petra
Fotorechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, collections.nlm.nih.gov, planet-wissen.com, albertmilde.com, ÖNB, schloss-artstetten.at, geneall.net


Literatur Hinweise:

1 – S. 38
Norbert Nemec
Marie Therese von Braganza
Der gute Geist im Hause Habsburg
Editions Praesens, 1. Auflage, 2000 (nur antiquarisch erhältlich)

2 – S. 88
Diana Carmen Albu-Lisson
„….denn…[sie]…ist eine abgefeimte Canaille…“
Kral-Verlag, 2013, 1. Auflage

Sabine Fellner, Katrin Unterreiner 
Morphium, Cannabis und Cocain 
Amalthea Verlag, 2008, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Gabriele Praschl-Bichler 
Kinderjahre Kaiser Karls – Aus unveröffentlichten Tagebüchern seines Großvaters
Amalthea Verlag, 2014, 1. Auflage 

 

Der grausame Tod von Herzogin Sophie d’Alençon

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Sophie
d‘ Alençon

Vorwort: 

Wo ihr Biograph aufhörte, fange ich an zu erzählen. Ihr Leben ist beinahe so tragisch, wie das von ihrer berühmten Schwester Kaiserin Elisabeth. Ich habe mich eine Zeit lang mit Sophie beschäftigt und muss sagen, dass sie Zeit ihres Lebens eine todunglückliche Frau war. Von König Ludwig verschmäht, musste sie einen ungeliebten Mann auf ihrer Seite ertragen, der sie wie Besitz behandelte. Als sie ausbrechen wollte, steckte man sie in die Psychiatrie, kaum erholte sie sich von diesen Strapazen, starb sie qualvoll im Feuer. 

Als ich ihren Tod beleuchtete, fand ich erschütternde Schicksale.

Doch Sophie ging mit Frieden im Gesicht in den Tod.

So zumindest wird dies von Augenzeugen berichtet die dem Feuertod entkommen konnten. 

Um sie von den vielen Sophies zu unterscheiden hatte man im 20.(!) Jahrhundert damit begonnen das Charlotte anzuhängen.

Doch sie wurde Zeit ihres Lebens niemals Sophie Charlotte gerufen.

Ich bleibe daher bei ihrem Namen „Sophie“. 

Triggerwarnung! Was ihr hier lesen werdet, wird drastisch sein.
Die Bilder die ich euch zeige sind einzigartig, weshalb sie mit extra großem Logo geschützt wurden.

Ich habe mich 2018 auf den Weg nach Paris und Dreux gemacht, um den Tod von Herzogin Sophie d’Alençon zu erzählen.

Sophie Herzogin in Bayern – Kurzbiographie

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Sophie Charlotte Auguste Herzogin in Bayern wurde am 22.2.1847 im Herzog Max Palais in München geboren.

Ihr Vater war Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888). Ihre Mutter war Ludovika Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892).

Sophie war das neunte Kind des Paares und somit Kaiserin Elisabeths jüngste Schwester und die Cousine von Kaiser Franz Joseph.

Sie wuchs ebenso unbeschwert in München, als auch in Possenhofen auf, wie all ihre Geschwister.

Ludovika legte nicht den größten Wert auf Bildung, eher auf eine gute Verbindung. Sie hatte bereits eine Kaiserin und eine Königin vermittelt.

Ihr Bestreben nach „einer guten Partie“ stand weit über dem Glück ihrer Kinder.

Sophie lehnte allerdings einige Brautwerber ab. Unter ihnen soll auch Erzherzog Ludwig Victor (*15.5.1842, †18.1.1919), der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, gewesen sein. Seine Biografie kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commons
offizielles Verlobungsfoto
Foto: Wikimedia/Commons
Edgar Hanfstaengel
Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig II

Da sie eine Freundschaft zu König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886), der gleichzeitig ihr Cousin 2. Grades war, unterhielt, verlobten sich die beiden im Jänner 1867.

Während eines Fototermines, „als Verlobte Ludwigs“ verliebte sie sich in den unstandesgemäßen Edgar Hanfstaengel (*15.7.1842, †28.5.1910), welcher der Sohn des Fotografen war.

König Ludwig selbst den Frauen nicht zugetan, erkannte, dass nur eine Freundschaft einer Ehe nicht förderlich wäre und löste kurzerhand die Verlobung im Oktober 1867 wieder auf. Auch deshalb, da Ludwig 2x den Hochzeitstermin verschob und Herzog Max ein Machtwort sprach.

Um die Schmach der gelösten Verlobung nicht lange ertragen zu müssen, suchte Ludovika fieberhaft nach einem neuen Kandidaten. Sie fand ihn im Enkel des letzten französischen Königs und arrangierte ein Treffen am sächsischen Königshof.

Ferdinand Philippe Marie Herzog d‘Alençon (*12.7.1844, †29.6.1910) war begeistert von der überaus hübschen Sophie und hielt alsbaldig um ihre Hand an.

Am 28.9.1868 fand in einem Saal in Possenhofen die Vermählung statt.

Sophies Ja-Wort glich einem

„Ja, von mir aus.“

Die Ehe begann von Seiten Sophies mit Gleichgültigkeit.

Trotzdem gebar sie zwei Kinder. Tochter Louise Victoire (*19.7.1869, †4.2.1952) kam in England zur Welt, Sohn Philippe Emanuel (*18.1.1872, †1.2.1931) in Meran. Vor allem Louise war ihrer Mutter sehr zugetan. 

Die Familie hatte keinen festen Wohnsitz und so reiste diese durch halb Europa: London, Wien, Paris, Meran, München waren nur einige der Wohnorte.

Foto: Wikimedia/Commons
Richard von Krafft-Ebing

Während der Zeit in München musste sie sich von einer schweren Krankheit erholen und verliebte sich dabei in ihren Allgemeinmediziner Dr. Franz Glaser. Die Affäre ging soweit, dass Sophie sich scheiden lassen wollte.

Ein absoluter Skandal zu jener Zeit.

Foto: Wikimedia/Commons
Privatsanatorium Maria Grün

Ferdinand war so entsetzt, dass er seinen Schwager Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) (Bruder von Sophie und Elisabeth) um Hilfe bat und seine Frau wegen

„sexueller Abartigkeit“

in die Nervenheilanstalt Maria Grün in Graz einliefern ließ.

Dort fiel sie dem weltberühmten, aber auch berüchtigten Psychiater Richard von Krafft-Ebing in die Hände. Seine Methoden könnten nicht grausamer gewesen sein. Eiswasser-Behandlungen waren noch die harmlosen Therapien, die er seinen Patientinnen zu Teil werden ließ. 

Während dieser Zeit wandte sich auch ihre Schwester Kaiserin Elisabeth ab. Diese verfasste garstige Gedichte über ihre Schwester.

7 Monate später war Sophies Wille gebrochen.

Die Scheidungspläne hatte sie aufgegeben und so durfte sie das Sanatorium verlassen. Abgemagert und seelisch gebrochen traf sie 1888 Kaiserin Elisabeth und ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie wieder, die „vom blühenden Leben Tante Sophies“ schrieb, sowie „von Eintracht“ zwischen Ferdinand und ihrer Tante.

Man kann davon ausgehen, dass Erzherzogin Marie Valérie weder eine Ahnung hatte, was Sophie mitmachen musste, noch, dass diese jemals wieder öffentlich über ihre Ehe gesprochen hätte.

Foto: jourfixe-muenchen-ev.com
eine abgemagerte und gebrochene Herzogin Sophie

Das Paar ließ sich nun endgültig in Paris nieder.

Sophie wandte sie sich ihrer Gläubigkeit zu.

Sie trat 1880 sogar einem „Dritten Orden der Dominikanerinnen“ bei und nannte sich dort „Schwester Marie Madeleine.“

Der „Dritte Orden“ war eine Gruppe von Laien, die kein Gelübde abzulegen brauchten und sich die meiste Zeit außerhalb ihres Ordens aufhielten. Aufgabe dieser Orden war es, sich um die Armen der Stadt zu kümmern. Kaiser Franz Joseph blieb wirklich nichts erspart, denn die Schwester seiner Frau, half jetzt den Clochards (Obdachlose) der Stadt oder half „gefallenen Frauen“ (Dirnen mit Kindern oder ledige Frauen mit Kindern).

Sophie legte auf den Titel „Herzogin d’Alençon“ kaum noch Wert und wollte mit „Tochter des heiligen Dominikus“ angesprochen werden. 

Am 4.10.1895 machte sie ihr Testament, in welchem sie die Bedingungen ihrer Beerdigung festlegte.

Sie wünschte sich ein Begräbnis ohne Schmuck, ohne Musik und ohne Blumen.

Sie wollte in ihrem weißen Ordensgewand beerdigt werden.

Ihre Haare sollten verbrannt werden.(*)

Nur, wenn ihr „vielgeliebter Gatte“ eine Erinnerung für sich wünschte, sollte man ein wenig davon abschneiden.

Sollte Ferdinand nach ihr Sterben, wünschte sie, dass „ihr Schutzengel im Leben“ neben ihr bestattet werden möge. Ob sie dies wirklich so meinte oder nur schrieb, da sie wusste, es würde ihr sowieso nichts anderes übrig bleiben, wird für immer ihr Geheimnis bleiben.

(Anmerkung Petra: Haare galten damals als das Sexsymbol der Frau. Es gab zu jener Zeit keine Frau die ihre Haare kurz trug. Die Frauen zur Zeit Kaiserin Elisabeths hatten alle knielange oder fersenlange Haare, da diese nie in ihrem Leben geschnitten, und wenn nur für „Spliss“-Schneiden, wurden.)

Doch der Wunsch, dass ihre Haare verbrannt werden sollen, löst heute noch ein Erschaudern in mir aus. 

Wir nähern uns somit dem tragischen Ende von Herzogin Sophie d‘Alençon am 4.5.1897.

!Achtung Triggerwarung!
Nur weiterlesen, wenn man gute Nerven hat und nicht schwanger ist! Kindssterben im Feuer!

Bazar de la Charité

Foto: Chapelle Bazar de la Charité
Theaterkulisse

Seit Jahren fand in Paris der Bazar de la Charité statt.

Da jedoch die Weltausstellung geplant wurde, musste dieser an seinem angestammten Standort im Palais de l’Industrie weichen.

Der Platz wurde in der Rue Jean Goujon gefunden. Auf diesem Grundstück baute man ein 80 Meter langes und 30 Meter breites Gebäude aus Holz.

Um das Innere besonders schön zu gestalten, wurde eine alte Theaterkulisse, welche Paris im 15. Jahrhundert darstellen sollte, aufgebaut.

Diese bestand allerdings aus Pappdeckeln und vielen Leinwänden, welche mit Ölfarben bemalt waren.

Ein Unding, wenn man es aus heutiger Sicht betrachtet. Als Dach diente ein altes Segeltuch, der Boden wurde mit Fichtenholz gebaut. Alles in allem eine Verkettung von brennbaren Stoffen.

Das Gebäude verfügte über 5 Ausgänge und 2 große Türen, welche direkt auf die Straße hinausgingen.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Eines der großen Highlights dieses Bazars war eine kleine, mit Wasserstoff gefüllte Montgolfière (Heißluftballon), welche im Raum schwebte (siehe Foto oben).

Ein weiteres Großereignis war der Kinematograph der Brüder Lumière. Dieser zeigte die ersten Filmaufnahmen. Eine der größten Errungenschaften dieser Zeit. Noch nie zuvor hat man „bewegte Bilder“ gesehen.

Hätten die Brüder gewusst, was auf sie zukommt, hätten sie ihr Gerät wohl nie dort aufgestellt. Das Unglück brach mit diesem Apparat aus.

Am 4.5.1897 nahm das Unglück seinen Lauf.

Ein Helfer des Filmvorführers verschüttete beim Befüllen einer Lampe Ether, welches in Kontakt mit einer Lampe kam, die noch nicht abgekühlt war.

Das Feuer brannte schnell, heiß und breitete sich innerhalb von Sekunden aus.

Foto: Wikimedia/Commons
zeitgenössische Darstellung des Feuers

Herzog Ferdinand d‘Alençon befand sich mit Sophie im Bazar, löste sich aber von ihr, da er an einem Stand einen Bekannten gesehen hatte.

Während er sich unterhielt, ging Sophie weiter.
Ein Fehler, der ihr das Leben kostete. 

Das Feuer breitete sich rasend schnell aus und das Schreien der Menschen war bis weit nach draußen zu hören. Als Ferdinand realisierte, dass es brannte, wollte er zu Sophie.

Doch die Massen, die nach draußen drängten, das Feuer, die Hitze und der beißende Rauch machten ein Zurück unmöglich.

Während Ferdinand hinausgedrängt wurde, ging Sophie immer mehr in das Feuer hinein.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp

Gemeinsam mit Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp (*28.2.1867, †4.5.1897) versuchte Sophie so vielen Frauen und Kindern wie möglich aus dem Feuer zu helfen.

Während draußen die Menschen zum Helfen zum Bazar de la Charité eilten, um Verletzte zu bergen, Frauen und Kinder durch die Türen und Fenster zu zerren und in die Krankenhäuser zu bringen, lief ein aufgeregter Ferdinand auf und ab und hoffte, dass seine Frau aus einer der Türen heraustrat.

Foto: Meisterdrucke.at

Mittlerweile konnte man den Brand quer durch die ganze Stadt sehen.

Foto: Chapelle Bazar de la Charité

Als Ferdinand nach Hause ging, welches sich nur wenige Schritte vom Bazar de la Charité befand, ist er schnell dort.

Mittlerweile haben sich Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) (Schwester von Kaiserin Elisabeth und Sophie), Gräfin Mathilde von Trani (*30.9.1843, †18.6.1925) (ebenfalls eine Schwester) bei den d‘Alençons eingefunden.

Beide lebten zu dieser Zeit in Paris.

Ferdinand war sichtlich im Schock, konnte kaum Atmen und war schwer verletzt.

Er trug Brandwunden im Gesicht und Kopf, sein Haar und Bart waren versengt. 

Draußen tobte das Feuer und die Bemühungen es einzudämmen.

Die Schreie der Opfer gellten durch die einbrechende Nacht.

Ca. 1500 Menschen befanden sich in den Räumlichkeiten des Bazars. Hauptsächlich Frauen und Kinder.

Bis heute ist nicht ganz klar, wie viele Opfer es tatsächlich gab.

Die Zahl schwankt zwischen 126 – 140 Personen.

Hauptsächliche Opfer waren Frauen und Kinder, zum Teil sehr jung.

Bitte beachtet, dass die Bazar de la Charité nicht öffentlich zugänglich ist. Mir wurde der Zugang exklusiv gewährt und dafür bin ich sehr dankbar. Was ich euch hier zeigen darf, ist somit einmalig!

Traurige Tafeln mit den Namen und Alter der Opfer in der Chapelle Bazar de la Charité (nicht öffentlich zugänglich!).

Herzogin Sophies Gedenktafel befindet sich links in der Kapelle:

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Am nächsten Tag sind Helfer aus jeder Schicht, Polizei und Rettungshelfer mit Fackeln vor Ort eingetroffen, um die verkohlten Leichen und vielleicht doch noch Überlebende zu bergen.

Ich möchte mir weder den Gestank, noch die gespenstische Atmosphäre vorstellen, die geherrscht haben muss.

Verkohlte Leichenteile überall. Zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. 

Die Chapelle Bazar de la Charité hat einige Gegenstände gesammelt, die gefunden wurden. Die Puppe ist das traurige Überbleibsel eines verlorenen Kinderlebens.

Während Ferdinand Sophie suchte, kam es zu den ersten polizeilichen Einvernahmen.

Diese sind zum Teil wirr und zum Teil völlig wertlos.

Man muss sich die Angst, die Panik, dazu das Schreien, die Hitze und den Gestank vorstellen.

Der beißende Rauch nahm nicht nur die Sicht, sondern legte sich auch auf die Lunge. Wer sollte hier einen klaren Kopf bewahren, um danach korrekte Aussagen zu tätigen?

Eine Aussage jedoch ist herzzerreißend.
Ob es sich wirklich so zugetragen hat oder nur eine Legende ist, dürft ihr selbst wählen.
Ich für meinen Teil glaube bis zu einem gewissen Punkt, dass Sophie die Situation wahr genommen hat, um ihren traurigen Leben ein Ende zu setzen.

Mathilde d’Anlau erzählte, dass sie in den Wirren Herzogin Sophie getroffen habe, die mit anderen auf Kopfhöhe einige Bretter aus der Wand gerissen hatte, um dort Kinder und deren Mütter in Sicherheit zu bringen.

Eine andere Dame berichtete, dass Sophie auf sie gedrückt wurde. Ihr Gesicht sei ängstlich aber völlig ruhig gewesen. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, sich zu retten, in dem sie durch eine der Türen hätte fliehen können.

Eine weitere Augenzeugin berichtete, dass Sophie vor der Menschenmasse Angst hatte und zurückwich. Sie sei wieder Richtung Feuer gelaufen.

Wieder Madame d’Anlau war es, die später Sophie noch einmal gesehen haben will, als diese bereits vom Feuer umringt war.

Sie sei dabei friedlich gewesen.

Sie soll dabei nach dem Feuer gegriffen und irgendwas gemurmelt haben was sich wie

„la feu“ (Feuer)

anhörte. Danach warf Mathilde mit ihrer Gürtelschnalle ein Fenster ein und konnte sich so retten.

Sophie sah sie nie wieder.

Egal wer von dem Feuer berichtete und wie wirr manche Aussagen auch waren.

Alle waren sich einig, dass Sophie eine Gotterhabenheit ausstrahlte und so viele Kinder und Frauen rettete, während sie gemeinsam mit Valerie den Tod fand.

Auf der Kupel der Chapelle Bazar de la Charité sind Sophie und Valerie abgebildet, wie sie nach der Hand Marias greifen.

„Aufgefahren in den Himmel“

Am 8.5.1897 fand ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Brandes in der Notre Dame de Paris statt.

Mitglieder der königlichen Familie, Frankreichs Präsident und viele Angehörige nahmen an dem Gedenkgottesdienstes teil.

Kaiserin Elisabeth schickte eine Krone aus weißen Lilien und weißen Rosen.
Diese ließ sie mit den Farben der bayrischen und österreichischen Fahnen umschlingen.

Das berühmteste Opfer dieser Katastrophe war Herzogin Sophie, gefolgt von Victomesse Valerie. Sie hinterließ drei Kleinkinder.

Als die Chapelle Bazar de la Charité errichtet wird, baut man in den hinteren Gängen Gedenkmonumente für die Opfer.

Geht man den Gang entlang, wird man stummer Zeuge so sinnlos verlorener Leben (nicht öffentlich zugänglich!). Es nimmt einem bis heute den Atem und ich war unglaublich ergriffen von dieser Katastrophe.

In der Krypta der Kirche werden bis heute Kerzen angezündet. Auch ich habe eine Kerze angezündet.

Das schönste Gedenkmonument ist aber für mich jenes von Herzogin Sophie d’Alençon. 

Dreux – St. Louis Chapelle und Musee de la Historie

Wir verlassen nun die Chapelle de la Charité und wenden uns der Grabstätte von Sophie zu.

Sie ruht neben ihrem Mann Ferdinand und umringt von ihrer Enkelin, ihrer Schwiegertochter und ihrem Sohn in der St. Louis Chapelle in Dreux (öffentlich zugänglich!).

Ihr Begräbnis fand im Stillen statt, jedoch ließ Ferdinand eine Grabplatte gestalten, die an seine wunderschöne Frau mit Haaren erinnern sollte.

Nur Sophies Schädel wurde gefunden.

Ob die beigelegten Knochen wirklich ihre sind, ist wissenschaftlich nicht belegt. Ihr Schädel wurde anhand ihrer Zähne als solcher anerkannt.

Ihre Grabplatte wurde allerdings 2x gestaltet.

Die erste Gestaltung (1904) ließ Herzog Ferdinand das Blut in den Adern gefrieren. Nach seiner Meinung war Sophie zu drastisch in ihrer Todesqual dargestellt. Er ließ die Grabplatte entfernen und gab eine neue in Auftrag.

Da die Grabplatte aber viel zu wertvoll war, ließ man sie ins Musee de la Historie in Dreux (öffentlich zugänglich) bringen.

Video: mythoskaiserielisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Wer die Chapelle St. Louis in Dreux besucht, wird die lieblichere Grabplatte von Sophie sehen.

In Dreux erzählt man sich, dass Sophie manchmal zu hören sei und weine, da sie ewig ihren Gatten Ferdinand anzusehen habe.

Er selbst hat es so gewählt. Wer sich die Statue ansieht, wird eindeutig die Haare erkennen, die Ferdinand extra herausarbeiten ließ. Ein kleines Vermächtnis dessen, was Sophie partout nicht wollte.

Vielleicht hört man sie auch deshalb weinen.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Bevor ich diesen Bericht abschließe, möchte ich euch noch das Grab am Pere Lachaise Friedhof jener Personen zeigen, die nicht mehr identifiziert werden konnten.

Es dient gleichzeitig aus als Denkmal. 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Grab „nicht identifizierter Leichen“ am Pere Lachaise Friedhof, Paris
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Grab „nicht identifizierter Leichen“ am Pere Lachaise Friedhof, Paris

Nachsatz:
So interessant die Recherchen zu diesem Beitrag waren, so beklemmend waren sie auch.

Ich habe 2018 an zwei Tagen vor Ort die Recherchen gemacht. Nachgehallt hat die Geschichte über Monate.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Sterbebild

Und auch 2021 lässt mich das traurige Schicksal von Sophie nicht los. Als auf Ebay eine deutsche Zeitung zu ersteigern war, welche über den Brand berichtete, habe ich den Zuschlag erhalten.

Ich möchte sie euch natürlich nicht vorenthalten. Die Zeitung ist Original vom Mai 1897! (Die Bilder sind natürlich mit Logo gesichert!)


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Chapelle Bazar de la Charité, Jourfixe-muenchen-ev.com, Meisterdrucke.at, Joseph Albert via Wikimedia/Commons
Videorechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Je remercie tout particulièrement le personnel de la Chapelle Bazar de la Charité. 


Literatur Hinweise:

L’incendie du Bazar de la Charité (in französisch)
Dominique Paoli (Geschenk des Hauses)
Eigenverlag Bazar de la Charité

Christian Sepp (HC-Ausgabe) (nur noch antiquarisch erhältlich)
Sophie Charlotte: Sisis leidenschaftliche Schwester
August Dreesbach Verlag, 1. Auflage 2014

Bernhard Graf
Sisis Geschwister (Bildband)
Allitera Verlag//edition monacensia, 1. Auflage 2017

Erika Bestenreiner
Sisi und ihre Geschwister
Piper Verlag, 1. Auflage 2002

Martha Schad
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth 1878–1899
Piper Verlag, 7. Auflage 2013


Erzherzogin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha von Österreich

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie Friedericke

Wie viel der Kitsch „Sissi“ uns jedes Jahr rund um Weihnachten von der Wahrheit trennt, zeigt am allerbesten die abstruse Geschichte rund um die Tochter Sophie.

Auch wenn viele die Filme mögen, so sind sie leider nur ein 50er Jahre Traum, der die Leute nach den Kriegswirren zum Ablenken einlud. Und nichts war einfacher, als ein zuckersüßes Mädel, die „gute alte Zeit“ in Form der Kaiserzeit, die damals noch gar nicht so lange her war.

Was machte es da schon aus, dass an Sissi nichts stimmte? Weder die dümmliche Angelszene, noch die Zeit Abfolge, noch die Mode (Kaiserin Elisabeth lief nicht im schulterfreien Kleid tagsüber durch Schloss Schönbrunn oder durch die Hofburg), noch der Name.

Elisabeth hieß nun mal niemals Sissi.

Ihr Kosename war immer nur Sisi. Und niemals hätte sie das gemeine Volk mit Kaiserin Sisi anreden dürfen.

Eine Unart, die sich bis heute durchzieht ist die schreckliche Schreibweise von Sissi. Egal ob auf sämtlichen Social Media Seiten, in historischen Büchern (auch namhafte Historiker selbst), auf Souvenirs, auf Bonbons und sämtlichen Zeug das sich verkaufen lässt.

Auch das Spanische Hofzeremoniell gab es nicht in der Art, wie es der Film vermuten lässt. Mein Beitrag dazu kann hier nachgelesen werden.

Ich versuche seit Jahren dem Film-Kitsch entgegenzuwirken und zeige die reale Welt unserer Kaiserin.

Beginnen wir auch hier mit der kleinen Erzherzogin Sophie, die in Sissi den komplett falschen Namen

„Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria“

erhalten hat.

Bis auf den ersten Vornamen, stimmt nichts an dem kleinen Filmbaby. Nicht einmal ihre Geschichte an sich.

Aber beginnen wir wie immer von vorne und mit der realen Geschichte:

Die einzige wahre Pflicht von Kaiserin Elisabeth war es, so rasch als möglich Nachwuchs zu bekommen.

Vorzugsweise Buben, damit die Thronfolge gesichert sein konnte. Der Beitrag zur Elisabeth als Mutter kann hier nachgelesen werden. 

Nach den strapaziösen Hochzeitsfeierlichkeiten (der Bericht kann hier nachgelesen werden), den Flitterwochen und der Reise nach Böhmen und Mähren, stellte Erzherzogin Sophie als baldigst die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft bei ihrer noch sehr jungen Schwiegertochter fest.

Sie schrieb eilig an ihren abwesenden Sohn:

„Auch glaube ich, dass Elisabeth sich nicht zu sehr mit ihren Papageien abgeben sollte, da zumal in den ersten Monaten man sich so leicht an den Tieren verschaut, die Kinder Ähnlichkeit mit ihnen erhalten. Sie sollte lieber sich im Spiegel und Dich anschauen. Dieses Verschauen lass ich mir gefallen.“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie

Sophie setzte sich durch, die Papageien mussten die Räumlichkeiten verlassen. Elisabeth war aufs äußerste betrübt.

Sophie nahm darauf wenig Rücksicht und hielt die junge Frau an, sich in der Öffentlichkeit mit dem Bauch zu zeigen.

Das Volk solle die stolze schwangere Kaiserin sehen.

Elisabeth wollte fliehen, sie weinte beinahe Tag und Nacht. 

Selbst die Geburt ist seitens Sophie dokumentiert. Sie schrieb in ihr Tagebuch:

„Sisi hielt die Hand meines Sohnes zwischen den ihren und küßte sie einmal mit ihrer lebhaften und respektvollen Zärtlichkeit; das war so rührend und machte ihn weinen; er küßte sie ohne Unterlaß, tröstete sie und klagte mit ihr und schaute mich bei jeder Wehe an, um zu sehen, ob ich damit zufrieden war. ….. Endlich nach einigen guten und langen Wehen kam der Kopf und gleich danach war das Kind geboren.“ (2)

Obwohl Ludovika zur Geburt „eingeladen“ wurde, ließ sie den Vortritt ihrer verehrten Schwester.

Kaiserin Elisabeth wurde nach Schloss Laxenburg gebracht, wo die Geburt auf Hochtouren vorbereitet wurde. 

Am 5.3.1855 um 3.00 Uhr nachts kam schließlich die kleine Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha Erzherzogin von Österreich zur Welt.

Ihr Name ist nicht wie so oft, ein Alleingang von Erzherzogin Sophie, sondern ein durchaus übliches Handeln bei den kaiserlichen und königlichen Familien. So wurde immer der Name der Großmutter weitergegeben, erst im weiteren Verlauf die eigentlichen „neuen“ Namen.

Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Sophie und die kleine Gisela

Doch auch gleich nach der Geburt gab es wieder Streit.

Sophie wollte sich um die kleine Erzherzogin selbst kümmern. Sie bestand darauf, dass das Kinderzimmer in ihren Wohntrakt verlegt wurde. Elisabeth musste sich anmelden, um ihre Tochter besuchen zu dürfen.

Eigenartig ist, dass Sophie Elisabeth verbat ihren Säugling zu stillen, immerhin stillte sie selbst ihren Franzi. Etwas, dass zu dieser Zeit im Hochadel kaum jemand tat.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie Friedericke

Elisabeth wurde quasi das Kind entrissen, was eine große Bestürzung bei ihr auslöste. Sie beschwerte sich lautstark bei Franz Joseph. Es half aber leider nichts.

Die kleine Erzherzogin verblieb in der Obhut ihrer Großmutter, die diese wie einen Kelch herumreichte und allen Besuchern des Schlosses zeigte.

Permanent war um das kleine Mädchen irgendwer herum. Es ist verwunderlich, denn als Franz Joseph noch „Franzi“ war, wurde er von Sophie richtiggehend abgeschottet und teilweise sogar versperrt.

Nach der Geburt von Gisella(*), stellte sich Elisabeth quer. Sie verlangte die Kinder umgehend zurück. Sie sollten in die Radetzky-Räume verlegt werden.
(Anmerkung Petra: Erzherzogin Gisella wurde erst mit der ihrer Hochzeit zu Gisela)

In einem langen Brief erklärte Franz Joseph seiner Mutter die Gründe. Im Prinzip ging es Elisabeth nur um die Wintermonate. Im Sommer verbrachte man die Zeit in Laxenburg, während Sophie in Schönbrunn war. Franz Joseph setzte sich gegen seine Mutter durch. Sophie und Gisella zogen in die gewünschten Räume.

Sophie galt als glückliches, lebhaftes Mädchen, das gerne gluckste und ihre Zehen in den Mund steckte, wie Kaiser Franz Joseph amüsiert an seine Mutter schrieb. Als sie zu Laufen begann, erkundigte sie gerne das Schloss. 

1857 beging Kaiserin Elisabeth einen fatalen Fehler, den sie Zeit ihres Lebens bereuen sollte.

Sie entschied sich bei der geplanten Ungarnreise die Kinder mitzunehmen. Erzherzogin Sophie zeterte, Kaiserin Elisabeth setzte sich jedoch durch.

Am 4. Mai 1857 fuhr die kaiserliche Familie nach Ofen, wo vor allem Elisabeth huldvoll empfangen wurde.

Die Menschen lagen ihr zu Füßen. Sie spürte sofort eine Verbundenheit mit diesen überaus freundlichen Menschen. Sie verliebte sich augenblicklich in Land und Leute.

Doch der Schein trügte. Gisella bekam Fieber und Durchfall. Sophie erkrankte ebenso. Dr. Seeburger diagnostizierte „Zahnen“ und tat die Beschwerden ab; er befand Elisabeth als „hysterisch“. Wie fatal diese Fehlentscheidung war, stellte sich bald heraus.

Es ist nicht überliefert ob Sophie an der Ruhr oder an Typhus litt, jedoch erkrankte sie so schwer, dass sie nichts mehr behalten konnte. Ihr Körper magerte ab, sie wand sich vor Schmerzen und Erschöpfung.

Am 29.5.1857 verlor die kleine Sophie den Kampf und starb in den Armen ihrer gramgebeugten Mutter. Sie wurde nur 2 Jahre alt. 

Foto: Wikimedia/Commons 
Lithographie Josef Kriehuber
Dieses Bild hing über dem Bett von Kaiserin Elisabeth. Es zeigt im Bild die kleine Erzherzogin Sophie, im Arm hält Kaiserin Elisabeth Kronprinz Rudolf, daneben stehend Erzherzogin Gisela.

Elisabeth überwand den Tod der kleinen Sophie nie. Wie sehr sich Kaiser Franz Joseph mit der Kleinen verbunden fühlt, zeigte erst der Tod von Kaiserin Elisabeth. Diesen Schmerz hielt Marie Valérie in ihrem Tagebuch fest.

20. – 22.September 1898 „Mit Papas Gutheissung wird Mamas Toilettenzimmer in der Villa Hermes mit all den gewohnten Sachen hergerichtet… Erinnerungen tauchen auf – längst vergangenes Weh – auch an das baby, das ihr vor mehr als 40 Jahren vorangegangen, nach denen Papa jetzt fragt, die er aufbewahrt wissen und doch nicht sehen will Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich ihn vom „baby“ sprechen hörte…“ (3)

Erzherzogin Sophie machte Elisabeth schwere Vorwürfe. Es wird mit ein Grund gewesen sein, warum sie den Kampf gegen Sophie in der Erziehung von Gisella und Rudolf abgab.

Die Kinder übersiedelten wieder zu Erzherzogin Sophie. Zu Gisella und Rudolf hatte Elisabeth Zeit ihres Lebens ein sehr angespanntes und distanziertes Verhältnis.

Erzherzogin Sophie Friedericke ruht in der Kapuzinergruft. Bei der letzten Renovierung wurden die sterblichen Überreste von Sophie, gemeinsam mit anderen Kindern, in einem Mauerabteil beigesetzt.

Eine gemeinsame Grabplatte erinnert an die toten Kinder. Wer genau liest, wird auch den Namen von Maria Anna entdecken. Sie war die Schwester von Kaiser Franz Joseph. Der Beitrag zu ihr, kann hier nachgelesen werden. 

Am 31.5.1894 besuchte Kaiser Franz Joseph die Plitvicer Seen in Kroatien. Er genehmigte durch seine Unterschrift, dass entlang der Seen ein Weg nach dem Namen seiner Tochter Maria Dorothea benannt werden darf. Noch heute heißt der Weg schlicht „Dorothea Weg“.

– Petra – 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 
Stammbaum: Petra


Literatur Hinweise:

1 – S. 233
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie Die starke Frau am Wiener Hof
Amalthea Verlag, 1. Ausgabe, 2016

2 – S 19
Martha Schad
Kaiserin Elisabeth und ihrer Töchter
Piper Verlag, Ausgabe 1999, TB Ausgabe


3 – S 313/4
Erzherzogin Marie Valérie
Martha Schad als Herausgeberin
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth
Piper Verlag, 7. Auflage, 2013


Herzogin Sophie in Bayern

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie Herzogin in Bayern

Wir gedenken des Todestages von Sophie Maria Friederike Auguste Leopoldine Alexandrine Ernestine Albertine Elisabeth Prinzessin von Sachsen wurde am 15.3.1845 in Dresden geboren.

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König Johann von Sachsen
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Amalie von Sachsen

Ihr Vater war Johann Nepomuk Maria Joseph Anton Xaver Vincenz Aloys Franz de Paula Stanislaus Bernhard Paul Felix Damasus König von Sachsen, bekannt als König Johann I. von Sachsen (*12.12.1801, †29.10.1873).  

Ihre Mutter war Amalie Auguste Prinzessin von Bayern (*13.11.1801, †8.11.1877)

Amalie Auguste wiederum eine Schwester von Herzogin Ludovika und Erzherzogin Sophie war.

Diese war somit die Tante von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph, weshalb Sophie die Cousine der beiden war.

Die Ehe von Johann und Amalie war äußerst glücklich. Dem Paar wurden 9 Kinder geboren, Sophie war das jüngste Kind und die letzte Tochter. 

Als Carl Theodor „Gackel“ Herzog in Bayern (*9.8.1839, †30.11.1909) verheiratet werden sollte, fiel die Wahl von Mutter Ludovika (*30.8.1808, †26.1.1892) wieder einmal aus Eigensucht auf Titel und Ehre auf eine Hohenzollern-Prinzessin.

Therese von Württemberg sollte die Braut von Carl Theodor werden, doch diesmal stellte sich ihr Mann Herzog Max (*4.12.1808, †15.11.1888) eigenhändig quer.

Er schrieb einen erbosten Brief an den Erzieher von Gackel und bat ihn, diese Brautfahrt zu unterbinden. Niemals würde er diese Verbindung gutheißen.

Ludovika musste sich geschlagen geben.

Nun fiel von seitens Carl Theodor die Wahl auf die jüngste sehr schöne Tochter von Johann König von Sachsen und die Schwester von Ludovika Königin Amalie von Sachsen.

Max war hochzufrieden mit der Wahl und gab sein Einverständnis.

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie und Carl Theodor in Bayern

Die Hochzeit fand am 11.2.1865 in der Kapelle des Schlosses in Dresden statt. Der sechsjährige Kronprinz Rudolf war ganz unglücklich, da sich niemand um den Buben kümmerte.

Carl Theodor hatte nur Augen für seine schöne Braut, Néné zog sich permanent um (wie er sich klagend in seinen Briefen äußerte), Mama habe sowieso keine Zeit und Sophie sitze da, ließe sich frisieren, redete ununterbrochen mit dem Angerer (Anmerkung Petra: Fotograf) und ihm (Anmerkung Petra: Rudolf) sei schon ganz schwindelig. Noch 4 ganze Tage müsse er es hier aushalten, zum Glück habe er den Argus (Anmerkung Petra: Hund von Carl Theodor). (1)

Am Abend fand ein großes Festdinner statt, an welchem das berühmte Sternenkleid von Kaiserin Elisabeth und Néné seinen Auftritt hatte.

Der Beitrag zum Sternenkleid kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commmons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter 1867

Sophie von Sachsen war in der Familie äußerst beliebt. Sie war eine lebensfrohe Person, die gern musizierte und dem halbverlassenen Schloss Possenhofen wieder Leben einhauchte.

Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Herzogin in Bayern, verh. von Urach

Kaiserin Elisabeth mochte sie Zeit ihres Lebens von all ihren Schwägerinnen am allerliebsten.

Sophie schrieb gerne Briefe an ihren Vater und beschrieb dabei das Leben in Possenhofen.

Gackel und Sophie musizierten für ihr Leben gerne abends stundenlang, während ihnen Ludovika und die verbliebenen Kinder, der Besuch und sogar die Bediensteten zuhörten. 

Am 24.12.1865 krönte, mit der Geburt der kleinen Tochter Amalie Maria Herzogin in Bayern († 26. Mai 1912), die große Liebe der Eltern.

Doch die Geburt der Tochter war so schwer, dass sich Sophie nicht richtig um ihre kleine Tochter kümmern konnte.

Sie kränkelte permanent, erholte sich nicht mehr richtig.

Ihre Gesundheit schwächelte von diesem Tag an permanent vor sich her.

Carl Theodor machte sich große Sorgen um seine junge, hübsche Frau. 

Am 22.2.1867 wurde die kleine Schwester von Kaiserin Elisabeth, Sophie 20 Jahre alt.

Zu diesem Zeitpunkt war Sophie (*23.2.1847, †4.5.1897) schon mit König Ludwig II (*25.8.1845,†13.6.1886) verlobt. Dieser wiederum wollte seiner Verlobten ein richtiges Fest ausrichten und ließ einen großen und feudalen Hofball veranstalten.

Foto: zeno.org
König Ludwig und Sophie Herzogin in Bayern
als Verlobungspaar

Sophie nahm bei der Veranstaltungen teil und zog sich beim Familiendinner eine Erkältung zu, welche sich rasend schnell zu einer Kehlkopfentzündung ausbreitete.

Einige Tage später schrieb Gackel mehrere besorgniserregende Depeschen an seinen Schwiegervater König Johann von Sachsen: 

„Der gestern eingetretene Kärfteverfall dauert fort, Bewusstsein schwindet, Fieber stärker, Halserscheinungen zwar besser, aber Hoffnung leider gering, Carl“  7.3. 

„Die Krankheitserscheinungen höchst ungüstig. Das Ende bevorstehend. 9.3./8.10 Uhr“ 

„Eben schied der gute Engel von hinnen“ 9.3./9.30 Uhr (1)

Sophie Herzogin in Bayern starb am 9.3.1867 21jährig um 9.30 Uhr im Beisein ihres Mannes und ihrer Schwiegermutter Ludovica.


Ihr 22. Geburtstag wäre am 15.3. gewesen.
Für Carl Theodor, der selbst 22 Jahre alt war und Vater eines 22 Monate alten Kindes war, brach die Welt zusammen.

Wie sollte es nun weitergehen? 

Sophie erhielt von ihrem Verlobten folgenden Brief den sie ihrem Bruder Carl Theodor zeigte: 

„…. Grause Dich nur recht inmitten der grässlichen Leichendüfte, umgeben von einer weinenden Familie, ich fühle mich recht behaglich in meiner schönen Wohnung und schreibe den Inhalt an den guten Gackel, quetsche ihn recht aus, ob er mich noch lieb hat, und versichere ihm meine treue Freundschaft zu Ihm und meine innige Teilnahme an seinem tiefen Schmerz… (2)

In seinem tiefen Schmerz erfuhr er von seinem König, Freund, Vertrauten und Cousin 2. Grades nichts als Hohn. Der Verlobte seiner Schwester spottete über die geliebte Tote.

Die tiefe und innige Freundschaft der beiden zerbrach an jenem Tag und konnte seitens Carl Theodor nie wieder gekittet werden. 

Zu allem Überfluss fanden Sophie und Gackel noch eine beigelegte Zeichnung von Ludwig.

Diese zeigte einen frischen Grabhügel, die einen gekrönten Totenkopf mit einem Kreuz über den Knochen und einem daneben liegenden Schädel zeigte. 

Gackel war außer sich und fühlte sich weder in seiner Trauer ernst genommen, noch hatte Ludwig Respekt vor seiner toten Frau.

Wer aber nun glaubt, dass es ein einmaliger Ausrutscher seitens Ludwigs war, irrt. Mehrerer solcher Briefe folgten, die weiterhin nicht viel einfühlsamer waren.

Aber nicht nur Carl Theodor war entsetzt über Ludwig. Auch Sophie zweifelte mittlerweile ob dieser Briefe immer mehr ob er tatsächlich der Mann ihres Lebens werden sollte.

Drei Tage später, war die Leichenfeier in der Tegernseer Gruft, Ludwig schrieb folgende Zeilen an Sophie, welche diese wieder an Gackel weiterleitete:

Rechte gute Tage, meine liebe Elsa (Anmerkung Petra: Ludwig nannte Sophie nach Wagners Oper Lohengrin Elsa; Sophie hatte eine ausgeprägte Opernstimme und konnte Opernpartien singen), wie geht es Dir? Die Seele Sophieens darf uns recht dankbar dafür sein, dass Wir so entsetzlich lange Zeit ihr zu Liebe in einer wahren Kellerluft gebetete haben. Herrlich war Mozarts berühmtes Requiem, das ich eigens bestellt hatte. O‘ schreibe bald dem theuren Freunde. Was sagte Gackel gestern? 1000 (auf Geldsack) herzliche Grüsse. (3)

Sophie Herzogin in Bayern ruht in der Wittelsbacher Gruft in Tegernsee, welche nicht öffentlich zugänglich ist.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, zeno.org


Literatur Hinweise: 

1 – S 78, 2 – S 78, 3 – 78
Bernhard Graf 
Sisis Geschwister 
Allitera Verlag, 2017 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Christian Sepp 
Sophie Charlotte: Sisis leidenschaftliche Schwester 
August Dreesbach Verlag, 2017 

Die bayrische Erblinie

Ludovika Prinzessin von Bayern und Max Herzog in Bayern –
die beiden bekanntesten Vertreter dieser Erblinie

Foto: Wikimedia/Commons
Ludovika Herzogin in Bayern
geb. Prinzessin von Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Max Herzog in Bayern

Das kleine Wörtchen „in“ und „von“ Bayern, bereitet vielen Menschen immer wieder Kopfzerbrechen.

Wo war der Unterschied?

Ich habe mich bemüht, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen: 

Wer sich mit Kaiserin Elisabeth beschäftigt, wird immer wieder die Bezeichnung „in“ und „von“ Bayern lesen.

In den meisten Büchern ist das weder ausreichend, noch so erklärt, dass man versteht, worum es ursprünglich ging.

Begonnen hat alles mit Johann Karl Pfalzgraf von Birkenfeld-Gelnhausen (*17.10.1638, †21.2.1704), welcher im Jahr 1685 Sophie Amalie Gräfin von Pfalz-Zweibrücken (15.12.1646, †20.11.1695) ehelichte.

Nach Sophies Tod im Jahr 1695, schloss Johann Karl die morganatische Ehe (unstandesgemäße Hochzeit; Erben hatten keinen Anspruch) mit Esther-Maria von Witzleben (*28.7.1665, †1725).

Johann Karls und Esthers Ehe war sehr glücklich. Das Paar bekam 5 Kinder.

Mit seinem Bruder Christian schloss er darauf hin einen Vertrag, um die Erbfolge zu bestimmen.

Pfalzgraf Johann Karl versuchte bei seinem Bruder seine Ehefrau als Reichsgräfin erheben zu lassen und den zuvor geschlossenen Vertrag bezüglich der morganatischen Ehe für nichtig erklären zu lassen, welches aber durch Johann Karls frühen Tod scheiterte.

Esther klagte beim Reichshofrat und wollte die Anerkennung die ihr und ihren Kindern zustand einzufordern.

1715 wurde deshalb die Erblinie „in“ Bayern gegründet.

Der zweite Sohn aus der Ehe mit Esther und Johann Karl war Johann von Pfalz-Gelnhausen (*24.5.1698, †10.2.1780). Er trug nun mehr den Titel

„Johann von Pfalz-Gelnhausen in Bayern“

Im Jahr 1743 ehelichte dieser Sophie Charlotte von Salm-Dhaum (*29.8.1719, †19.3.1770). Das Paar bekam 8 Kinder. 

Das vierte Kind aus dieser Verbindung war Wilhelm in Bayern  (*10.11.1752, †8.1.1837).

Wilhelm war der einzig lebende Verwandte des (sehr viel späteren) Kurfürsten und ersten Königs von Bayern Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, †13.10.1825), weshalb die beiden den „Ansbacher Hausvertrag“ abschlossen.

Dieser beinhaltete die Einhalt und Unteilbarkeit der Länder der Wittelsbacher.

Am 16.2.1799 wurde Wilhelm von Maximilian Joseph der Titel „Herzog in Bayern“ verliehen. 1803 bekam dieser das Herzogtum Berg und wurde Statthalter. 

Foto: genee.org
Maria Anna Pfalzgräfin von Birkenfeld-Zweibrücken

In diesem Vertrag wurde die Annäherung der Wittelsbacher Linie beschlossen und die Linie „in“ und „von“ Bayern sollten wieder einheitlich mit „königliche Hoheit“ angesprochen werden. Die geborenen Kinder durften sich „Prinz und Prinzessin“ nennen.

Herzog Wilhelm ehelichte Maria Anna Pfalzgräfin von Birkenfeld-Zweibrücken (*18.7.1753, †4.2.1827) und bekam mit ihr 4 Kinder.

Das dritte Kind aus dieser Verbindung, war niemand geringer als Pius August Herzog in Bayern (*1.8.1768, †3.8.1837).

Diesem wenden wir uns jetzt zu.

Pius ehelichte Amalie Luise Prinzessin von Arenberg (*10.4.1789, †4.4.1823).

Das Paar bekam nur ein einziges Kind.
Aber das reichte aus, um die Linie „in“ Bayern weltberühmt zu machen.

Es war niemand geringerer als Maximilian Joseph Herzog in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888), den alle Welt nur als „Herzog Max“ kennt.

Max musste auf Geheiß die Tochter von König Maximilian I. Joseph von Bayern Ludovika Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892) ehelichen.

Doch da König Maximilian I. Joseph völlig unerwartet am 13.10.1825 starb und Ludovikas (Halb)Bruder König Ludwig I (*25.8.1786, 29.2.1886) den Thron übernahm, musste die Verlobung durch das einsetzende Trauerjahr auf das Jahr 1827 verschoben werden.

Erst zu Weihnachten 1827 gab das ungleiche (und unglückliche) Paar die Verlobung bekannt.

Alles was Herzog Wilhelm (Max Großvater) und König Maximilian I. Joseph mühsam aufgebaut hatten, machte Ludwig mit dem Dekret am 7.8.1828 zunichte.

Über sein Staatsministerium ließ der König Herzog Max folgende Mitteilung zukommen:

„Bey Gelegenheit der Verehelichung Unseres vielgeliebten Vetters, des Herrn Herzog Maximilian in Bayern, Hoheit, mit Unserer Prinzessin Schwester Königliche Hoheit wollen Wir, daß bey Abfassung der Ehepakten die dem Herrn Herzog gebührende Titular streng einzuhalten, daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört, gebraucht werde.“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika, Herzog Ludwig „Louis“, Herzogin Helene „Néné“ und die kleine Herzogin Elisabeth „Sisi“ (im Kinderwagen)

Durch die unliebsame Hochzeit wurde sie in eine „in“ Bayern degradiert. Louise hatte Zeit ihres Lebens schwer damit zu kämpfen.

Titel und Ehre war in der Welt der Adeligen damals alles. Je höher der Titel, desto höher der Stand in der Adelsgesellschaft und das Ansehen.

Trotz der unliebsamen Ehe bekamen die beiden 10 Kinder, wobei 8 das Erwachsenenalter erreichten. Der Beitrag zu Herzog Max kann hier nachgelesen werden. Der Beitrag zu Herzogin Ludovika kann hier nachgelesen werden.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Unter den Kinder waren so berühmte Namen wie: Kaiserin Elisabeth, Königin Marie von Neapel, Mathilde Gräfin von Trani, Helene Erbprinzessin von Thurn und Taxis (Néné), Carl Theodor Herzogi in Bayern (Gackel), Max Emanuel Herzog in Bayern (Mapperl) und Sophie Herzogin d’Alençon.

Herzog Pius August und Herzogin Amalie Luise waren natürlich die Großeltern der soeben Genannten.

Durch das Dekret von Louises Bruder Ludwig, hatte nun die bayrische Erblinie wieder einen schweren Stand im königlichen Haus.

Die Linie „in“ Bayern, auch Links genealogische Linie genannt, hatte kein Recht auf die Thronfolge und wurde – seit dem 7.8.1828 – nicht (mehr) mit „königlicher Hoheit“ angesprochen.

Louise, Max und die Kinder wurden mit „Hoheit“ oder „Herzog/in“ angesprochen.

Der ewige Mythos einer

Prinzessin Elisabeth

ist ebenso falsch, wie vieles andere, was sich rund um Elisabeth rankt.
Leider fallen bis heute sämtliche Historiker/innen auf diesen „Prinzessinentitel“ herein.
In jedem (!) historischen Buch (egal ob alt oder neu) ist von der geborenen

Prinzessin Elisabeth

zu lesen.

Wahrscheinlich nahm (und nimmt) man immer an, dass ein Kaiser eine Prinzessin heiraten müsse. Dennoch ist das Dekret nicht von der Hand zu weisen und kein offenes Geheimnis.

Auch ihre Geschwister waren keine Prinzen oder Prinzessinnen. Auch hier durften sich die Kinder „nur“ Herzog“ oder Herzogin“ nennen.

Das war im Grunde der Hauptgrund für Herzogin Ludovikas beinahe akribischen Eifer, aus jedem Mädchen „eine Königin“ machen zu wollen. Nach der Heirat ihrer Elisabeth, die Kaiserin wurde, war ihr jeder weitere Adelsstand zuminder. Als Sophie keine Königin wurde, brach eine Welt für sie zusammen. Helene wurde „nur“ Erbprinzessin. Mathilde Gräfin. Zumindest konnte Marie den Titel Königin holen, dafür war Ludovika sogar die Ehe mit einem hässlichen, kleinen Italiener Recht. Dass Marie beinahe in Ohnmacht fiel, als sie König Francesco von Neapel das erste Mal erblickte, störte die titelwahnsinnige Mutter dabei nicht.

Herzogin Ludovika war nur eines wichtig in ihrem Leben:
Titel, Adelsstand und Ansehen

Völlig abstrus wird es, wenn in historischen Büchern von „Prinzessin Nene“ oder „Prinz Carl Theodor“ berichtet wird. Zum einen war Nene französisch und schrieb sich Néné und zum anderen war sie nie eine Prinzessin. Auch Carl Theodor war nie Prinz. Fehlt nur noch, dass einmal jemand Prinz Gackel oder Prinz Mapperl (Max Emanuel) schreibt. Die Titel der genannten Herrschaften waren:

Helene Herzogin in Bayern später
Helene Erbprinzessin von Thurn und Taxis
Carl Theodor Herzog in Bayern
Max Emanuel Herzog in Bayern

Zuerst wurde immer der Vorname oder die Vornamen genannt, dann der Adelstitel und danach die Herkunft.

Der adelige Nachname zB Wittelsbach oder Habsburg wurde so gut wie nie verwendet; manchmal war auch so gut wie nicht bekannt.

Nur bei Kaiser, Kaiserin, König und Königin standen die Titel vor dem Vornamen und dem Herkunftsland

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.

Kaiser Franz Joseph von Österreich
Kaiserin Elisabeth von Österreich
Queen Victoria von England
Queen Elizabeth I von England
Queen Mary Stuart von Schottland
König Ludwig II von Bayern
König Maximilian I. Joseph von Bayern

Bei Doppeltitel wurde immer der höhere Rang zuerst geschrieben:

Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn
Kaiserin Elisabeth von Österreich,
Königin von Ungarn

Ab 1845 wendete sich das Blatt für die Erblinie „in“ Bayern noch einmal.

König Ludwig I. erlaubte nun den königlichen Titel „königliche Hoheit“, weshalb Herzog Max, Herzogin Ludovika und sämtliche Kinder ab sofort mit (zB)

„königliche Hoheit Herzogin Elisabeth“

angesprochen werden durften; nicht aber mit Prinz oder Prinzessin.

8 Jahre später verlobte sich übrigens ein schüchternes 15jähriges Mädchen mit dem Kaiser von Österreich und sollte ob ihrer Herkunft Zeit ihres Lebes groß verspottet werden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth, ca. 14jährig
das allererste offizielle Foto

Anders als in Österreich, hat es das Adelsaufhebungsgesetz nie gegeben, weshalb sich die Erblinie „in“ Bayern bis heute „königliche Hoheit“ nennen und ansprechen lassen darf.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth

Nur für eine kam die Änderung 1845 zu spät.

Zeit ihres Lebens wurde sie für ihre Herkunft, ihren Titel und ihren bayrischen Dialekt verspottet: Kaiserin Elisabeth

Der Wiener Hof konnte mit ihrer „minderen und bäuerlichen“ Herkunft und weil sie eben keine geborene

Prinzessin

war, nichts anfangen und tratschte vor und hinter ihrem Rücken. Elisabeth dankte es ihnen mit Flucht und eisigem Schweigen.

Petra –


Mein besonderer Dank geht an:
Historiker Alfons Schweiggert

Er brachte mir das Prinzessinnen-Geschreibsel der Autoren näher. Er erklärte mir, warum Kaiserin Elisabeth immer nur vor ihrer Ehe Herzogin war.
Herr Schweiggert ist Autor zahlreicher Bücher über König Ludwig II, die Witteslbacher-Familie usw.
Vielen lieben Dank für die Hilfe und die Erklärungen und die Email-Freundschaft.

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, genee.org, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra  


Literatur Hinweise:

9 – S.28
Bernhard Graf
Sisis Vater Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Allitera Verlag//edition monadensia, 2. Auflage 2017

Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern Sisis wilder Vater
Volk Verlag

Max Spindler 
Handbuch der bayerischen Geschichte 
Verlag C.H.Beck