Hofdame Lily Gräfin von Hunyady

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Caroline Gräfin von Hunyady, ca 1860/1, Madeira Foto: Wikimedia/Commons

Eine der früheren Hofdamen, Freundin und Vertrauten von Kaiserin Elisabeth war Caroline Gräfin Hunyady von Kéthely, genannt Lily. Sie wurde am 26.12.1836 in Wien geboren. 

Henriette Prinzessin von Liechtenstein Foto: geni.com
Josef Graf von Hunyady Foto: Wikimedia/Commons

Ihr Vater József János Nepomuk Antal Zsigmond Graf Hunyady von Kéthely, genannt Josef Graf von Hunyady ( *13.1.1801, † 9.3.1869) war der erste ungarische Obersthofmeister am österreichischen Kaiserhof. 

Josef ehelichte am 1.10.1825 Henriette Prinzessin von Liechtenstein, welche die Tochter des österreichischen Feldmarschalls Johann I. Josef von Liechtenstein war.

Am 22.7.1827 kam Imre Joachim Ferenc Graf Hunyady von Kéthely zur Welt († 8.6.1902). Er war somit Carolines älterer und einziger Bruder. 

Lily wurde Hofdame, als Kaiserin Elisabeth auf den österreichischen Kaiserhof kam. Leider gibt es keine Quellen, die das innige Verhältnis der beiden Frauen näher beschreiben könnte. Brigitte Hamann schreibt in ihrer berühmten Biografie, dass das Verhältnis zu Lily sehr innig war. Dies führte zu bösartigen Gerüchten und Eifersucht unter den anderen Hofdamen. Elisabeth und Lily wurde sogar eine lesbische Beziehung angedichtet. 

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Kaiserin Elisabeth, Helene von Thurn und Taxis, Lily Hunyady und Mathilde Windischgrätz, Foto: Wikimedia/Commons ca. 1860/1 Madeira

Lily und ihr Bruder Imre, sowie Maria Helene Sophie von Thurn und Taxis (*Anmerkung unten) (*16.5.1836, †13.11.1901) und Mathilde Windischgrätz begleiteten 1860 die Kaiserin auf Madeira, wo man sich teilweise zu Tode langweilte. Außer Leierkasten- sowie Kartenspiele und ewig lange Spaziergänge fand auf Madeira nichts statt. Kaiserin Elisabeth ließ sich extra Papageien, Hunde (aus Großbritannien) und andere Tiere importieren damit die Langeweile eingedämmt wurde.

Ein Foto ging in Wien wie ein Lauffeuer herum. Es zeigt Kaiserin Elisabeth mit der Mandoline, Helene hält einen kleinen Hund, Lily steht im Hintergrund und sieht alle an, Mathilde hält einen Tubus in der Hand. Alle sind mit Matrosenhemden und -hüten gekleidet. Dieses Foto war ein Skandal. Nicht nur, weil man in Wien dachte, Kaiserin Elisabeth sei dem Tode nahe, sondern auch, weil sie auf dem Foto glücklicher und gesünder aussah, als jemals zuvor in Wien. 

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Imre, Graf von Hunyady Foto: Wikimedia/Commons

Imre Graf von Hunyady war als erster ungarischer Lehrer mit auf der Reise, hat sich aber unglücklicherweise während dieses Aufenthaltes in Elisabeth verliebt, was prompt seinen sofortigen Abzug von Madeira zum Auftrag hatte.

Lily und Imre waren auf alle Fälle der Grundstein für die große Liebe von Kaiserin Elisabeth zu Ungarn. Zurück in Wien begang Lily einen der größten Fehler im Leben einer Hofdame: sie verliebte sich in Otto Wilhelm Graf von Walterskirchen (*19.6.1833, † 16.11.1912), welcher als Diplomat arbeitete. Da das Protokoll den sofortigen Ausschluss aus dem Hofdienst vorsah, wurde sie sofort nach ihrer Hochzeit entlassen.

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Lily und Imre in Madeira 1860/1, Foto: Wikimedia/Commons 

Danach gibt es unterschiedliche Aussagen der Biografen. Bei Gudula Walterskirchen heißt es, dass sich die beiden nie wieder sahen und sich auch sonst Kaiserin Elisabeth nicht mehr um ihre einstige engste Vertraute kümmerte.

Otto sei verarmt gewesen, da ihm als Letztgeborener kein eigener Besitz mehr zustand. Das Paar lebte nur von den Einkünften die Otto als Diplomat einnahm. Diese Karriere verlief aber alles andere als steil, er musste oft sehr lange auf seine Botschafterposten warten.

Brigitte Hamann jedoch schrieb, dass sich die beiden auch noch nach der Heirat immer wieder trafen, da Lily nun zum österreichischen Adel gehörte, obwohl sie Ungarin war. Angeblich schrieb Kaiserin Elisabeth auch immer noch Briefe an Lily . Da aber weder Tagebuchaufzeichnungen erhalten sind (ob jemals eines geführt wurde, ist nicht bekannt), noch die Briefe, kann diese Aussage nicht weiterverfolgt werden. Auch über das weitere Leben von Gräfin von Walterskirchen ist nichts bekannt.

Lily Gräfin von Walterskirchen starb am 28.2.1907 in Wien.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra
Fotorechte: Wikimedia/Commons, geni.com


Literatur Hinweise:

Anmerkung Marie: (*) Maria Helene Sophie von Thurn und Taxis wird in der Literatur immer nur „Helene von Thurn und Taxis“ genannt. Es führt daher oftmals zur Verwirrung und viele glauben hier „Néné – also Helene Herzogin in Bayern, verheiratete Helene von Thurn und Taxis  vor sich zu haben. 

Gudula Walterskirchen
„Der Franzi war ein wenig unartig“ Hofdamen der Habsburger erzählen

Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen


Die bayrische Erblinie

Ludovika Prinzessin von Bayern und Max Herzog in Bayern –
die beiden bekanntesten Vertreter dieser Erblinie

Foto: Wikimedia/Commons
Ludovika Herzogin in Bayern
geb. Prinzessin von Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Max Herzog in Bayern

Das kleine Wörtchen „in“ und „von“ Bayern, bereitet vielen Menschen immer wieder Kopfzerbrechen.

Wo war der Unterschied?

Ich habe mich bemüht, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen: 

Wer sich mit Kaiserin Elisabeth beschäftigt, wird immer wieder die Bezeichnung „in“ und „von“ Bayern lesen.

In den meisten Büchern ist das weder ausreichend, noch so erklärt, dass man versteht, worum es ursprünglich ging.

Begonnen hat alles mit Johann Karl Pfalzgraf von Birkenfeld-Gelnhausen (*17.10.1638, †21.2.1704), welcher im Jahr 1685 Sophie Amalie Gräfin von Pfalz-Zweibrücken (15.12.1646, †20.11.1695) ehelichte.

Nach Sophies Tod im Jahr 1695, schloss Johann Karl die morganatische Ehe (unstandesgemäße Hochzeit; Erben hatten keinen Anspruch) mit Esther-Maria von Witzleben (*28.7.1665, †1725).

Johann Karls und Esthers Ehe war sehr glücklich. Das Paar bekam 5 Kinder.

Mit seinem Bruder Christian schloss er darauf hin einen Vertrag, um die Erbfolge zu bestimmen.

Pfalzgraf Johann Karl versuchte bei seinem Bruder seine Ehefrau als Reichsgräfin erheben zu lassen und den zuvor geschlossenen Vertrag bezüglich der morganatischen Ehe für nichtig erklären zu lassen, welches aber durch Johann Karls frühen Tod scheiterte.

Esther klagte beim Reichshofrat und wollte die Anerkennung die ihr und ihren Kindern zustand einzufordern.

1715 wurde deshalb die Erblinie „in“ Bayern gegründet.

Der zweite Sohn aus der Ehe mit Esther und Johann Karl war Johann von Pfalz-Gelnhausen (*24.5.1698, †10.2.1780). Er trug nun mehr den Titel

„Johann von Pfalz-Gelnhausen in Bayern“

Im Jahr 1743 ehelichte dieser Sophie Charlotte von Salm-Dhaum (*29.8.1719, †19.3.1770). Das Paar bekam 8 Kinder. 

Das vierte Kind aus dieser Verbindung war Wilhelm in Bayern  (*10.11.1752, †8.1.1837).

Wilhelm war der einzig lebende Verwandte des (sehr viel späteren) Kurfürsten und ersten Königs von Bayern Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, †13.10.1825), weshalb die beiden den „Ansbacher Hausvertrag“ abschlossen.

Dieser beinhaltete die Einhalt und Unteilbarkeit der Länder der Wittelsbacher.

Am 16.2.1799 wurde Wilhelm von Maximilian Joseph der Titel „Herzog in Bayern“ verliehen. 1803 bekam dieser das Herzogtum Berg und wurde Statthalter. 

Foto: genee.org
Maria Anna Pfalzgräfin von Birkenfeld-Zweibrücken

In diesem Vertrag wurde die Annäherung der Wittelsbacher Linie beschlossen und die Linie „in“ und „von“ Bayern sollten wieder einheitlich mit „königliche Hoheit“ angesprochen werden. Die geborenen Kinder durften sich „Prinz und Prinzessin“ nennen.

Herzog Wilhelm ehelichte Maria Anna Pfalzgräfin von Birkenfeld-Zweibrücken (*18.7.1753, †4.2.1827) und bekam mit ihr 4 Kinder.

Das dritte Kind aus dieser Verbindung, war niemand geringer als Pius August Herzog in Bayern (*1.8.1768, †3.8.1837).

Diesem wenden wir uns jetzt zu.

Pius ehelichte Amalie Luise Prinzessin von Arenberg (*10.4.1789, †4.4.1823).

Das Paar bekam nur ein einziges Kind.
Aber das reichte aus, um die Linie „in“ Bayern weltberühmt zu machen.

Es war niemand geringerer als Maximilian Joseph Herzog in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888), den alle Welt nur als „Herzog Max“ kennt.

Max musste auf Geheiß die Tochter von König Maximilian I. Joseph von Bayern Ludovika Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892) ehelichen.

Doch da König Maximilian I. Joseph völlig unerwartet am 13.10.1825 starb und Ludovikas (Halb)Bruder König Ludwig I (*25.8.1786, 29.2.1886) den Thron übernahm, musste die Verlobung durch das einsetzende Trauerjahr auf das Jahr 1827 verschoben werden.

Erst zu Weihnachten 1827 gab das ungleiche (und unglückliche) Paar die Verlobung bekannt.

Alles was Herzog Wilhelm (Max Großvater) und König Maximilian I. Joseph mühsam aufgebaut hatten, machte Ludwig mit dem Dekret am 7.8.1828 zunichte.

Über sein Staatsministerium ließ der König Herzog Max folgende Mitteilung zukommen:

„Bey Gelegenheit der Verehelichung Unseres vielgeliebten Vetters, des Herrn Herzog Maximilian in Bayern, Hoheit, mit Unserer Prinzessin Schwester Königliche Hoheit wollen Wir, daß bey Abfassung der Ehepakten die dem Herrn Herzog gebührende Titular streng einzuhalten, daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört, gebraucht werde.“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika, Herzog Ludwig „Louis“, Herzogin Helene „Néné“ und die kleine Herzogin Elisabeth „Sisi“ (im Kinderwagen)

Durch die unliebsame Hochzeit wurde sie in eine „in“ Bayern degradiert. Louise hatte Zeit ihres Lebens schwer damit zu kämpfen.

Titel und Ehre war in der Welt der Adeligen damals alles. Je höher der Titel, desto höher der Stand in der Adelsgesellschaft und das Ansehen.

Trotz der unliebsamen Ehe bekamen die beiden 10 Kinder, wobei 8 das Erwachsenenalter erreichten. Der Beitrag zu Herzog Max kann hier nachgelesen werden. Der Beitrag zu Herzogin Ludovika kann hier nachgelesen werden.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Unter den Kinder waren so berühmte Namen wie: Kaiserin Elisabeth, Königin Marie von Neapel, Mathilde Gräfin von Trani, Helene Erbprinzessin von Thurn und Taxis (Néné), Carl Theodor Herzogi in Bayern (Gackel), Max Emanuel Herzog in Bayern (Mapperl) und Sophie Herzogin d’Alençon.

Herzog Pius August und Herzogin Amalie Luise waren natürlich die Großeltern der soeben Genannten.

Durch das Dekret von Louises Bruder Ludwig, hatte nun die bayrische Erblinie wieder einen schweren Stand im königlichen Haus.

Die Linie „in“ Bayern, auch Links genealogische Linie genannt, hatte kein Recht auf die Thronfolge und wurde – seit dem 7.8.1828 – nicht (mehr) mit „königlicher Hoheit“ angesprochen.

Louise, Max und die Kinder wurden mit „Hoheit“ oder „Herzog/in“ angesprochen.

Der ewige Mythos einer

Prinzessin Elisabeth

ist ebenso falsch, wie vieles andere, was sich rund um Elisabeth rankt.
Leider fallen bis heute sämtliche Historiker/innen auf diesen „Prinzessinentitel“ herein.
In jedem (!) historischen Buch (egal ob alt oder neu) ist von der geborenen

Prinzessin Elisabeth

zu lesen.

Wahrscheinlich nahm (und nimmt) man immer an, dass ein Kaiser eine Prinzessin heiraten müsse. Dennoch ist das Dekret nicht von der Hand zu weisen und kein offenes Geheimnis.

Auch ihre Geschwister waren keine Prinzen oder Prinzessinnen. Auch hier durften sich die Kinder „nur“ Herzog“ oder Herzogin“ nennen.

Das war im Grunde der Hauptgrund für Herzogin Ludovikas beinahe akribischen Eifer, aus jedem Mädchen „eine Königin“ machen zu wollen. Nach der Heirat ihrer Elisabeth, die Kaiserin wurde, war ihr jeder weitere Adelsstand zuminder. Als Sophie keine Königin wurde, brach eine Welt für sie zusammen. Helene wurde „nur“ Erbprinzessin. Mathilde Gräfin. Zumindest konnte Marie den Titel Königin holen, dafür war Ludovika sogar die Ehe mit einem hässlichen, kleinen Italiener Recht. Dass Marie beinahe in Ohnmacht fiel, als sie König Francesco von Neapel das erste Mal erblickte, störte die titelwahnsinnige Mutter dabei nicht.

Herzogin Ludovika war nur eines wichtig in ihrem Leben:
Titel, Adelsstand und Ansehen

Völlig abstrus wird es, wenn in historischen Büchern von „Prinzessin Nene“ oder „Prinz Carl Theodor“ berichtet wird. Zum einen war Nene französisch und schrieb sich Néné und zum anderen war sie nie eine Prinzessin. Auch Carl Theodor war nie Prinz. Fehlt nur noch, dass einmal jemand Prinz Gackel oder Prinz Mapperl (Max Emanuel) schreibt. Die Titel der genannten Herrschaften waren:

Helene Herzogin in Bayern später
Helene Erbprinzessin von Thurn und Taxis
Carl Theodor Herzog in Bayern
Max Emanuel Herzog in Bayern

Zuerst wurde immer der Vorname oder die Vornamen genannt, dann der Adelstitel und danach die Herkunft.

Der adelige Nachname zB Wittelsbach oder Habsburg wurde so gut wie nie verwendet; manchmal war auch so gut wie nicht bekannt.

Nur bei Kaiser, Kaiserin, König und Königin standen die Titel vor dem Vornamen und dem Herkunftsland

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.

Kaiser Franz Joseph von Österreich
Kaiserin Elisabeth von Österreich
Queen Victoria von England
Queen Elizabeth I von England
Queen Mary Stuart von Schottland
König Ludwig II von Bayern
König Maximilian I. Joseph von Bayern

Bei Doppeltitel wurde immer der höhere Rang zuerst geschrieben:

Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn
Kaiserin Elisabeth von Österreich,
Königin von Ungarn

Ab 1845 wendete sich das Blatt für die Erblinie „in“ Bayern noch einmal.

König Ludwig I. erlaubte nun den königlichen Titel „königliche Hoheit“, weshalb Herzog Max, Herzogin Ludovika und sämtliche Kinder ab sofort mit (zB)

„königliche Hoheit Herzogin Elisabeth“

angesprochen werden durften; nicht aber mit Prinz oder Prinzessin.

8 Jahre später verlobte sich übrigens ein schüchternes 15jähriges Mädchen mit dem Kaiser von Österreich und sollte ob ihrer Herkunft Zeit ihres Lebes groß verspottet werden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth, ca. 14jährig
das allererste offizielle Foto

Anders als in Österreich, hat es das Adelsaufhebungsgesetz nie gegeben, weshalb sich die Erblinie „in“ Bayern bis heute „königliche Hoheit“ nennen und ansprechen lassen darf.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth

Nur für eine kam die Änderung 1845 zu spät.

Zeit ihres Lebens wurde sie für ihre Herkunft, ihren Titel und ihren bayrischen Dialekt verspottet: Kaiserin Elisabeth

Der Wiener Hof konnte mit ihrer „minderen und bäuerlichen“ Herkunft und weil sie eben keine geborene

Prinzessin

war, nichts anfangen und tratschte vor und hinter ihrem Rücken. Elisabeth dankte es ihnen mit Flucht und eisigem Schweigen.

Petra –


Mein besonderer Dank geht an:
Historiker Alfons Schweiggert

Er brachte mir das Prinzessinnen-Geschreibsel der Autoren näher. Er erklärte mir, warum Kaiserin Elisabeth immer nur vor ihrer Ehe Herzogin war.
Herr Schweiggert ist Autor zahlreicher Bücher über König Ludwig II, die Witteslbacher-Familie usw.
Vielen lieben Dank für die Hilfe und die Erklärungen und die Email-Freundschaft.

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, genee.org, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra  


Literatur Hinweise:

9 – S.28
Bernhard Graf
Sisis Vater Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Allitera Verlag//edition monadensia, 2. Auflage 2017

Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern Sisis wilder Vater
Volk Verlag

Max Spindler 
Handbuch der bayerischen Geschichte 
Verlag C.H.Beck


Herzogin Ludovika in Bayern

ludovika
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Wer die „Sissi“ Filme kennt, wird natürlich auch Herzogin Ludovika, dargestellt von Magda Schneider (Mutter von Romy Schneider) verehren.

Die gütige liebende Mutter, die ihrer Tochter Helene versucht beizustehen, als sich der Kaiser für die „Liesl von Possenhofen“ entscheidet.

So wenig die Filme sonst mit der Realität zu tun haben, hier haben sie in einem Punkt eines gemeinsam:

Ludovika war eine liebende Mutter. Wenn auch nicht so fürsorglich, wie von Magda dargestellt; die selbst im realen Leben keine Mutter war. Aber das sei nur eine Randnotiz. Hier geht es schließlich nur um Kaiserin Elisabeths Leben.

Ludovikas Vater war König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, bekannt als König Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, †13.10.1825). Er ehelichte am 30.9.1785 Auguste Wilhelmine Prinzessin von Hessen-Darmstadt (*14.4.1765, †30.3.1796). Mit ihr bekam er 5 Kinder.

Foto: Wikimedia/Commons
König Maximilian I von Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Auguste Wilhelmine und 2 Kinder

Durch politische Unruhen durchs Land getrieben und geschwächt durch die Geburten, starb Auguste Wilhelmine schließlich in Rohrbach 31jährig am 30.3.1796 an Lungentuberkulose.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Max der Verzweiflung nahe, da er nicht nur mit 4 Kindern alleine dastand, sondern auch um seine geliebte Frau trauerte, lernte im Exil in Ansbach Prinzessin Karoline von Baden (*13.7.1776, †13.11.1841) kennen und lieben.

Foto: Wikimedia/Commons
König Maximilian Joseph I
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Karoline

Allerdings war er bereits 41 Jahre alt, als er die junge Prinzessin kennenlernte.

Er bat deren Mutter Amalie von Hessen-Darmstadt (*20.6.1754, †21.7.1832) in einem rührenden Brief und die Hand der schönen Tochter.

Karoline war anfangs nicht sonderlich begeistert, stimmte einer Hochzeit – wohl weil die Mutter sie überredet hatte – allerdings zu.

Sie war erst 21 Jahre alt, als sie am 9.3.1797 die Ehe mit Maximilian einging.

Was folgte, ist beispielslos in der Welt der Könige und Kaiser. Die Ehe wurde außerordenlich glüklich und harmonisch. Keiner konnte und wollte ohne dem anderen sein.

Karoline und Max bekamen 8 Kinder, wovon 2 Zwillingspärchen waren.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Foto: Wikimedia/Commons
Luise (Ludovika), Sophie und Maria Anna

Ludovika Wilhelmine wurde am 30.8.1808 auf Schloss Nymphenburg geboren. In der Familie wurde sie liebevoll „Luise“ oder „Louise“ genannt.

Ihre älteren Geschwister waren die Zwillinge Elisabeth und Amalie Auguste und die Zwillinge Maria Anna und Sophie Friedericke. Sie wurde Erzherzogin Sophie – die Mutter von Kaiser Franz Joseph.

Nach Ludovika erblickte nur noch Nesthäkchen Maximiliane Josepha (*21.7.1810, †4.2.1821) das Licht der Welt.

Die beiden Brüder überlebten das Kindheitsalter leider nicht. Der erste Sohn starb gleich bei der Geburt, Maximilian starb mit 3 Jahren.

Foto: samot/shutterstock.com
Schloss Nymphenburg in München

Louise wuchs in Schloss Nymphenburg sehr liebevoll auf. Ihre Eltern waren fürsorglich, die sich gut um die Kinderschar kümmerte. Ein seltenes Familienidyll in jener Zeit – vor allem für Königshäuser.

Königin Karoline wurde Zeit ihres Lebens von ihren Kindern sehr verehrt und geliebt. Wie sehr die Eltern vergöttert wurden, bezeugen Liebesbriefe der Kinder an die Eltern, die in Wien am Wiener Kongress (1814/15) ihre Pflicht taten. 8 Monate waren sie von zu Hause weg.

Die 9jährige Sophie schrieb verzweifelt:

„Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (1)

Die Kinder hatten lustige Kosenamen für sich – vor allem Sophie wurde damit reich beschenkt:

Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer, Ludovika wurde zu „Louise“ und Nesthäkchen Maximiliane Josepha wurde von allen nur „Ni“ gerufen. 

Foto: Wikimedia/Commons
Die Innschrift des Grabreliefs von Prinzessin Maximiliane Josepha Caroline von Bayern: „Innigst geliebt und heftigst beweint“

Die kleine Ni war generell der erklärte Liebling der Familie, aber am meisten von ihrer Mutter. Während Max seine Kinder Sophie und Anna Maria am meisten liebte.

Ni war Zeit ihres Lebens immer kränklich gewesen. Als sie aber am 4.2.1821 im 11ten Lebensjahr an Schleimfieber verstarb, brach für die Familie eine Welt zusammen. Karoline trauerte lange und tief.

Auch die Kinderschar musste diesen Verlust erst verarbeiten. Sophie nagte Zeit ihres Lebens am Verlust ihrer Schwester. Wie tief der Schock über den viel zu frühen Tod gewesen sein muss, zeigt das Grabrelief der kleinen Ni.

Trotz allem mussten Ludovika und ihre Geschwister schon sehr früh (ab dem 4. Lebensjahr) am Hofleben teilnehmen; sie mussten das Hofzeremoniell lernen, ins Theater gehen und Pflichten des höfischen Lebens erlernen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Herzog Max

Luise wurde in Französisch (Hofsprache), Deutsch, Literatur, Geschichte und Geographie unterrichtet. Die Kinder durften im Schlossgarten toben und auch allerlei Streiche oder Unsinn machen. Die Liebe zur Freiheit und Ungezwungenheit war es, welche Ludovika auch ihren Kindern weitergeben sollte.

Schon als 7jähriger wurde Herzog Maximilian in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888) einer Königstochter von König Maximilian I. Bayern versprochen. Dies aus mehreren Gründen. Zum einen wollten sein Großvater Wilhem Herzog in Bayern (*10.11.1752, †8.1.1837) und der König sich der Erblinie „in“ und „von“ Bayern wieder annähern und den 1799 vereinten Pakt, dass auch die „in“-Linie geborene Prinzen und Prinzessinen waren, verhärten. Zum anderen, wurde durch gemeine Intrigen eines Ministers des Königs das Verhältnis zum Herzog sehr getrübt. Die Erblinie „in“ Bayern kann hier nachgelesen werden.

Da Max, durch zerrüttete Familienverhältnisse und den Tod seiner geliebten Mutter, bei König Maximilian und seiner Familie aufwuchs, kannten sich Ludovika und die gesamte Kinderschar aus der Kindheit.

Besonders Louise und Max waren sich sehr zugetan, wie einige Briefe aus der Kindheit beweisen.

„Ich möchte, Du wärest auch hier und könntest mit uns spielen. Adieu lieber Max, es freut sich herzlich Dich wiederzusehen Deine Cousine Louise“. (2)

Manchmal sandte Max ihr lustige Stücke oder heitere Briefe oder anderweitige Dinge, die Louise sehr erheiterten:

„Dein Ballett, lieber Max, für welches ich Dir recht sehr danke, hat mich sehr lachen machen, und wenn Du wieder kommen kannst, so werde ich es aufführen.“ (3)

Als 15jährige schrieb sie ihm:

„Nun lebe wohl, theurer Schawawi, und vergesse nicht Deine Louise!“ (4)

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Ludovika „Louise“, ca. 6jährig
Zeichnung: Ferdinand von Piloty II

Versprochen wurde Max die Königstochter Maximiliane „Ni“, welche aber 11jährig verstarb. Als 1825 die beiden Herren beschlossen, dass nun Ludovika nachzurücken habe, fielen die beiden aus allen Wolken.

So sehr sie sich aus Kindertagen liebten und schätzen, an eine Heirat dachten sie gewiss nicht. Beide hatten andere Partner erwählt. Max hatte sich leider unstandesgemäß in eine Bürgerliche verliebt und Louise verliebte sich in einen portugiesischen Prinzen. Der Beitrag zu Herzog Max kann hier nachgelesen werden.

Foto: geneall.net
König Michael I. von Portugal „Don Miguel“
Ludovika verliebte sich in Miguel Maria do Patrocínio João Carlos Francisco de Assis Xavier de Paula Pedro de Alcântara António Rafael Gabriel Joaquim José Gonzaga Evaristo de Bragança e Bourbon, kurz Don Miguel oder schlicht und ergreifend Prinz Michael (*26.10.1802, †14.11.1866). 

Von 1828 - 1834 regierte er das Land Portugal als König, weshalb sein Titel danach König Miquel oder König Michael war. 

Ihn hatte sie als junges Mädchen bei ihrer Schwester Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, 28.5.1872) in Wien kennengelernt. Der Beitrag zu Sophie kann hier nachgelesen werden.

Es war Liebe auf den ersten Blick und Dom Miquel hiel um die Hand der schönen Prinzessin an.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.

Doch durch politische Querelen lehnte König Maximilian diese Verbindung ab. Zeit ihres Lebens verzieh Louise ihrem Vater dies nie.

Doch bevor noch mit Max Verlobung gefeiert werden konnte, musste die Familie einen herben Verlust hinnehmen. König Maximilian I. Joseph starb am 13.10.1825.

Nun rückte ihr (Halb)Bruder Ludwig I. als König nach (*25.8.1786, †29.2.1868). Selbstverständlich hielt Don Miquel nochmals um die Hand der Schwester an, doch auch Ludwig lehnte die Verbindung ab.

Louise weinte sich ab nun beinahe täglich in den Schlaf, auch wenn ihr Max versicherte sie zu lieben. Die Verbindung wollten in Wirklichkeit beide nicht.

Nach dem Trauerjahr fand im Dezember 1827 die Verlobung statt.

König Ludwig I. schenkte den beiden das stattliche und bekannte Bild seines Hofmalers Joseph Karl Stielers, welches jahrelang in sämtlichen Adelskreisen für große Spekulationen sorgte:

„Stieler hat sie [Ludovika] mit dem Bräutigam gemalt […]. Die hohe schlanke Gestalt in weißem ausgeschnittenen Kleide steht in landschaftlicher Umgebung. Das edle Oval ist dem Beschauer zugekehrt, und die zaghaft blickenden Augen schweifen in unbestimmte Fernen. Dicht gesteckte dunkle Locken decken die Schläfe, und eine reiche Haarkrone liegt um das Haupt. Ihre Hand ruht in der des stattlichen Bräutigams. Es ist ein schönes, vornehmes Paar. Von weitem schimmern der Tegernsee und das breite, helle väterliche Schloß, wo sie am 9.September 1828 beide zwanzigjährig vor dem Altare standen. Die Braut, ein fertiges Weib, reif und ohne Illusion in die Welt schauend, Herzog Max ein Jüngling, der das Leben noch nicht genossen, der es aber kennenlernen wollte und gewiß keine Lust hatte, so früh gebunden zu sein.“ (5)

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Verlobungsbild Prinzessin Ludovika und Herzog Max, 1828 – dahinter Schloss Tegernsee
Bild: Joseph Karl Stieler

Es kein Zetern und kein Wehklagen:

am 9.9.1828 wurde in der Schlosskapelle St. Quirinus der Bund der Ehe geschlossen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Hochzeit Max und Ludovika, 1828
Bild: Lithographie Franz Xaver Nachtmann

Als der Brautstrauß geworfen wurde, soll Ludovika den Ausspruch

„Dieser Ehe und allem, was daraus hervorgeht, soll der Segen Gottes fehlen bis ans Ende“ (6)

der wie ein Fluch klang, gesagt haben. Ob dies jedoch stimmt, sei dahingestellt.

Foto: Wikimedia/Commons
Gräfin Marie von Larisch

Er könnte in weiterer Folge ein gestreutes Gerücht der gekränkten und verstoßenen Marie Gräfin von Larisch (*24.2.1858, 4.7.1940)sein, welche sich in ihren beiden Büchern nach der Verbannung (wegen Kronprinz Rudolfs Tod) an ihrer Familie bitter gerächt hatte.

Obwohl sie dabei ihre Großmutter in Verruf brachte, nahm dies Gräfin Larisch wieder einmal billigend in Kauf.

Die Hochzeitsnacht wurde für Max zu einer peinlichen Farce und – wenn man es ganz genau betrachtet – wusste Louise nicht, wie die Rache eines Mannes aussehen konnte.

Als die Nacht der Nächte so weit war, zog sich Louise auf den hintersten Winkel des Bettes zurück und fiel völlig erschöpft in einen tiefen Schlaf. Sie hoffte natürlich, dass ihr Ehemann dies genauso tun würde, wie sie selbst.

Doch Max hatte natürlich andere Pläne. Als er in das gemeinsame Zimmer kam, wachte Louise erschrocken auf, hüpfte aus dem Bett und stieß Max in einen zufällig offenen Schrank.

Völlig panisch versperrte sie den Schrank und legte sich wieder zu Bett. Den polternden Max hörte sie nicht oder wollte ihn nicht hören. So verblieb dieser die ganze Nacht in diesem Schrank und schwor sich, seiner Frau schon zu zeigen, was es bedeuten würde, verheiratet zu sein.

Tatsache war allerdings, dass Louise todunglücklich war.

Max fand Louise hausbacken und langweilig. Louise ihren Mann zu umtriebig.

Trotzdem bekam das Paar 10 Kinder, wovon 8 Kinder das Erwachsenen Alter erlebten.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Die Ehe verlief Zeit ihres Lebens unglücklich, das Paar sah sich kaum. Erst im Alter und bei der goldenen Hochzeit versöhnte sich das Ehepaar.

Marie von Redwitz (*9.12.1856, †11.4.1933), Hofdame der Tochter von Carl Theodor, Herzogin Amalie von Urach (*24.12.1865, †26.5.1912) schrieb dazu in ihrer Hofchronik 1888:

„Einmal nur erwähnte die alte Hoheit, die ihn besuchte, sie finde ihn nicht gut aussehend, und daß er auch am Tage bei geschlossenen Läden bei Licht säße, mache ihr einen traurigen Eindruck. Er behauptete, in seinen Zimmern (den Hochparterreräumen des Palais) würde es doch nie recht hell. Die Hofdamen haben den „alten Herrn“, wie er meist genannt wurde, seit zehn Jahren nicht gesehen, selbst die Dienerschaft, die nicht speziell in seinen Diensten stand, kannte ihn nicht. Er verließ das Haus und seine Zimmer nie mehr.“ (7)

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max und Herzogin Ludovika, 50. Hochzeitstag

Die erste Zeit reiste das Paar viel und zog schließlich in das bombastische Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße in München. 1834 kaufte Herzog Max schließlich das Sommerschloss Possenhofen, von allen nur liebevoll „Possi“ genannt und gab damit den Kindern und Ludovika ein zu Hause, dass diese sehr liebten.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Possenhofen
heute Eigentumswohnungen und nicht betretbar
Possi und Ludovika wurden zum Lebensmittelpunkt der Kinder. Herzogin Ludovika hielt nichts vom strengen Hofzeremoniell und ließ die Kinder zu Hause von Hauslehrern unterrichten. 
Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Possenhofen, Aquarell Franz Xaver Nachtmann, 1839

Wichtigste Stütze als Freund und Erzieher der Kinder war ihr dabei Baron Carl von Wulffen, den sie später zu ihrem Obersthofmeister machte.

Der Unterricht wurde auch oft in die Natur verlegt, denn der große Garten, der See und die umliegenden Wälder luden zum Toben, Reiten und Schwimmen ein.

Auch wenn es sich nicht ziemte, aber die Kinder lernten alle Schwimmen. Vor allem Kaiserin Elisabeth sollte dies ihr Leben lang beibehalten.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max-Palais, München

Ludovika liebte lange Spaziergänge, den Wald, die Tiere und so ging sie mit den Kindern stundenlang spazieren und brachte ihnen die Natur näher.

Sie sprach mit den Kindern hauptsächlich deutsch, was auch nicht dem strengen Hofzeremionell entgegenkam, da man am Hof französisch sprach. Und so lernten die Kinder bayrischen Dialekt, was man später Kaiserin Elisabeth am Wiener Hof Übel nehmen sollte.

Generell war Louise ein Mensch, der andere Menschen nur schwer an sich ran ließ und sich lieber in der Natur aufhielt.

Außer den Familienmitgliedern waren ihr fremde Menschen verhasst. Menschengetümmel und vor allem das Angestarrt werden, war ihr ein Gräuel. Ein Umstand, den sie vor allem an Elisabeth weitergeben sollte.

Dass ausgerechnet diese Kaiserin von Österreich werden würde, war natürlich nicht vorauszuahnen.

Possi wurde für die Kinder der Inbegriff von Freiheit, von Liebe und von Heimat. Alle Kinder kamen immer gerne nach Possenhofen zurück und hatten Zeit ihres Lebens schweres Heimweh. Keiner von den Kindern konnte die Freiheit so derartig bewahren, wie sie es als Kinder genossen haben.

Ludovika selbst ging in ihrer Aufgabe als Mutter voll auf. Sie legte Wert darauf, die Kinder selbst zu erziehen und beschäftigte sich viel mit ihnen.

Auch zu ihren zahlreichen Enkelkindern hatte „Großmama“ ein äußerst gutes Verhältnis.

Marie von Redwitz schrieb folgendes in ihr Tagebuch, als sie 1888 die alte Dame kennenlernte:

„Ich war erstaunt über die Erscheinung, und die einst schöne und große Frau kam mir mit der gebeugten Gestalt ihrer einundachtzig Jahre um den verwelkten Zügen wie ein Spitalweibchen vor. Das noch dicke melierte Haar war um den Kopf gelegt, und da sie keine Haarnadeln ertrug, mit einem schwarzen Filetnetz gehalten. Das grüne schlafrockartige Kleid hatte auffallendes gelbes Muster. Sie sprach mich liebenswürdig an, mit schwachem Lächeln auf den Lippen und den gesenkten Augen der getrübten Sehkraft.“ (8)

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Um Ludovika jedoch näher kennenzulernen, müsste man sich mit ihren Briefen beschäftigen. Sie schrieb an alle ihre Lieben und hielt auch bis ins hohe Alter mit allen Schwestern und Brüdern engen Kontakt. Als ihre Augen immer schlechter wurden, ließ sie ihre jüngste Tochter Sophie ihre Korrespondenz erledigen. 

Einen Teil hat Historiker Christian Sepp in seiner Ludovika Biografie verarbeitet. Nun kamen die „Erinnerungen an Großmama“ in Form des Tagebuchs von Amelie von Urach dran. Hier geht es um die Hinterlassenschaft des Autors Richard Sexau, welcher das Tagebuch der Herzogin von Urach veröffentlichen wollte.

Amelie war, wie bereits erwähnt, die Tochter von Carl Theodor in Bayern, Louises geliebte Enkelin und die beste Freundin von Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, 6.9.1924), der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth.

Sexau starb vor seiner Veröffentlichung und so haben Historiker/innen seit jeher Quellen aus diesen handschriftlichen Werken Sexaus und Amelie von Urach in ihren Wittelsbacher und Habsburger Büchern verwendet.

Christian Sepp machte daraus nach seiner umfangreichen und sehr teuren Ludovika Biografie ein eigenes kleines Büchlein.

Eine Passage, ist mir dabei ins Auge gesprungen, die wieder eine devote Herzogin zeigen würde, allerdings einen völlig agressiven und überforderten Herzog Max.

Vor ab möchte ich noch erwähnen, dass Christian Sepp zwischen Original und Abschrift unterscheidet. Also einmal Sexaus Notizen und einmal zwischen der Abschrift von Amelies Tagebuch.

Nachfolgende Passage ist allerdings in keinem weiterem Buch erwähnt. Weder in den Herzog Max Biografien von Bernhard Graf und Alfons Schweiggert, noch in der Hofchronik von Marie von Redwitz. Amelie von Urach wurde diese Geschichte angeblich von Baron von Wulffen erzählt. Karl von Wulffen, war Louises Obersthofmeister und „intimster“ Freund. Es wurde den beiden sogar ein Verhältnis nachgesagt, da er sich um alles im Haushalt kümmerte, weil Max nie oder kaum zu Hause war. Es ist also gut möglich, dass diese Geschichte, ein Hirngespinst von Baron von Wulffen war.

Auch wenn Herzog Max ein cholerischer Mensch war und aufprausend dazu, so hätte diese Passage schon in anderen Wittelsbacher und/oder Habsburger Büchern auftauchen müssen, wenn auch nur der Funke Wahrheit dran wäre – zumindest ist dies meine Meinung und nicht nur in diesem – für mich doch recht unbedeuteten Büchlein über ein Tagebuch einer Enkelin der Herzogin.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853

VIII. HERZOGIN ELISABETH IN BAYERN ALS VERLOBTE DES KAISERS VON ÖSTERREICH

Abschrift, S. 17:
Tante Sisi war eben noch ein halbes Kind; muss aber doch eine kindliche Neigung für den Kaiser empfunden haben; als er einmal von München abreiste, weinte sie so, dass sie im Gesicht ganz verschwollen war.

Original Heft 2, S. 29:
T[ante] Sisi war eben noch ein halbes Kind; muss aber doch eine Art kindlicher Neigung für den Kaiser empfunden haben, denn (dies eine Erzählung B[aron] Wulffens), als er einmal von München abreiste, weinte sie so, daß sie, im Gesicht ganz verschwollen war. Nun wollte aber Großpapa, daß sie, mit den im anderen Zimmer befindlichen Herren des Kaisers rede, T[ante] Sisi wollte sich denselben nicht mit verweinten Augen zeigen; dies erregte Großpapas Zorn so sehr, daß er sie am Hals packte. Großmama stand ganz unglücklich daneben.“ (9)

Auch wenn die alte Patriarchin ihre Sprösslinge als Kinder gut im Griff hatte, so war sie Zeit ihres Lebens mit ihnen als Erwachsene überfordert. Vor allem mit den Mädchen, die sie alle (bis auf Néné/Helene) unglücklich verheiratete.

Als Sophie im heiratsfähigen Alter war, war ihre ältere Schwester Elisabeth bereits seit Jahren Kaiserin von Österreich. Ludovika hielt engen Kontakt mit Erzherzogin Sophie, die ihre Schwester und gleichzeitig die Mutter von Kaiser Franz Joseph war. 

Und genau hier unterscheidet sich auch wieder die Filmvorlage Ludovika von Magda Schneider zur realen Herzogin.

Zeit ihres Lebens vermitteltete Louise nicht zwischen Elisabeth und Erzherzogin Sophie.

Im Gegenteil. Immer wieder schrieb Ludovika traurige und devote Briefe nach Wien, um sich bei ihrer Schwester zu entschuldigen:

„…wenn man nur erkennte, was Du Alles thust, wie gut Du es mit anderen meinst! Gott, gebe, daß es noch einmal anders wird.“ (10)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ludwig Victor
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Sophie

Damit kritisierte sie Elisabeths ablehnende Haltung gegenüber Erzherzogin Sophie. Ludovika zeigte sich deren ganzes Leben dankbar, dass sie die junge unerfahrene Elisabeth in Obhut genommen hatte.

Doch so sehr ihre Kinder sie liebten, in einem kannte Louise kein Pardon. In den Heiratsabsichten ihrer Kinder.

Vor allem die Töchter mussten alle standesgemäß verheiratet werden und hier stand der Adel, Titel und das Ansehen, weit über dem der Liebe oder der Sympathie.

Obwohl sie selbst nicht aus Liebe verheiratet wurde und ihren geliebten Prinzessinnenstand aufgeben musste, war ihr das Glück ihrer Töchter egal. Bis auf ihre Tochter Helene (*4.4.1834, 16.5.1890) in Bayern, wurde keine in ihrer Ehe glücklich. Einige von ihnen endeten sogar im absoluten Desaster.

Als – um auf Sophie (*22.2.1847, †4.5.1897) zurückzukommen – nun die jüngste, schöne Tochter zu verheiraten war, wurde noch einmal der Wiener Hof zur Brautschau herangenommen.

Erzherzog Ludwig Victor (*15.5.1842, †18.1.1919) der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, sollte der Ehemann werden. Doch Sophie lehnte entrüstet ab. Die Biographie von Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“ kann hier nachgelesen werden.

Und wieder schrieb Ludovika an Sophie:
…“es hat mir viele Thränen gekostet, ein solcher Schwiegersohn wäre ein Glück für mich gewesen. Aber Gott meine es mit Dir, Du viel geprüfte Schwester, gut, wenn nicht auch noch die kapriziöse Sophie in die Wiener Hofburg einzöge. Vielleicht hätte Sophie, trotz ihrer gewiß guten Eigenschaften, Deiner Erwartung nicht in Allem entsprochen, und der liebe Gott führt Dir eine verzüglichere zu, die Dich und Deinen guten Ludwig recht glücklich macht, wie Ihr beide es verdient.! Gott gebe Dir einen heiteren, ruhigen, friedlichen Lebensabend und reichen Ersatz für so viele stille Opfer, die Dein armes Herz hat bringen müssen…. und Deinem Ludwig eine schöne Zukunft.“ (11)

Foto: zeno.org
König Ludwig und Sophie Herzogin in Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Ferdinand d’Orléans, duc d’Alençon

Sophies Leben verlief sehr tragisch. Sie ging als „Kurzzeitverlobte“ von König Ludwig II von Bayern (25.8.1845, †13.6.1886) in die Geschichte ein.

Ludwig und Sophie waren vom 22.1.1867 bis zum 7.10.1867 verlobt.

Danach ehelichte sie am 28.9.1868 relativ gleichgültig Herzog Ferdinand von Alençon (12.7.1844, †29.6.1910), mit dem sie 2 Kinder bekam.

Der Bericht zu Sophie d’Alençon kann hier gelesen werden.

Foto: Wikipedia/Commons
Sophie von Sachsen
Foto: Hauptstaatsarchiv Stuttgart/Archiv der Herzöge von Urach
Amelie von Urach, 1891

Ein Verlust traf Ludovika und ihren Lieblingssohn Carl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, 30.11.1909) mit voller Wucht. Noch dazu, da die kleine Amelie gerade einmal im 2ten Lebensjahr war.

Sophie von Sachsen verkühlte sich auf der großen Verlobungsfeier zwischen Herzogin Sophie und König Ludwig II so schlimm, dass sie 22jährig am 9.3.1867 verstarb.

Ein Verlust, den die Familie kaum verkraftete. Der Bericht über Sophie von Sachsen kann hier nachgelesen werden. 

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Carl Theodor mit Maria José

Erst am 29.4.1874 heiratete Carl Theodor erneut.

Um sich doch noch mit dem portugiesischen Haus zu vereinen (Miguel war allerdings bereits seit 1866 verstorben), verheiratete sie ihren Sohn Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) in zweiter Ehe mit Miguels Tochter Maria Josepha (Maria José) von Portugal (*19.3.1857, †11.3.1943). 

Die Ehe der beiden wurde sehr glücklich. Carl Theodor wurde ein berühmter Augenarzt und Mara José schenkte ihm noch fünf weitere Kinder, wobei einige von ihnen sehr berühmt wurden.

Die Familie lebte zum Teil in Meran und München und Possenhofen, so dass die Kinder ebenso frei und unbeschwert aufwuchsen konnten. Maria José arbeitete zudem in der Augenklinik ihres Mannes als „Sekretärin“ mit. Da er auch die arme Bevölkerung – zum Teil kostenlos – behandelte, wurde er sowohl in Südtirol, als auch in Bayern tief verehrt. Carl Theodor in Bayern war das Familienoberhaupt, da sein Bruder Ludwig „Louis“ auf seine Rechte verzichtete.

Foto: Wikimedia/Commons
Henriette Freifrau von Wallersee mit Tochter Marie

Der erstgeborene Sohn Ludwig „Louis“ (*21.6.1831, 6.11.1920) verliebte sich morganatisch (unstandesgemäß) in Henriette Mendel (*31.7.1833, 12.11.1891). Da sie eine Schauspielerin war, war an Hochzeit nicht zu denken.

Doch Louis, von jeher störrisch und eher der Eigenbrötler in der Familie, dachte nicht daran, sich an die steife Adelsgesetze jener Zeit zu halten.

Er lebte eine Zeit lang „in wilder Ehe“ mit Henriette, was ihm sogar den Kontaktabbruch zu seiner Familie einbrachte. Diese brachte sogar unehelich zwei Kinder auf die Welt, wobei der zweitgeborene Sohn nach 3 Monaten verstarb.

Nach der Geburt des Sohnes heiratete er jedoch doch noch Henriette und verzichtete auf Titel und Ehre. Durch ihre liebevolle und besonnene Art, schlich sich Henriette Mendel, die in den Freifrau-Stand einer „Wallersee“ erhoben wurde, in die Familie und wurde eine ganz besondere Intima von Kaiserin Elisabeth. Bis zu ihrem Krebstod verstanden sich die beiden ausgezeichnet.

Gerade ihre Tochter Marie war Elisabeths Lieblingsnichte. Dass diese dann als Marie von Larisch in die Weltgeschichte rund um den Selbstmordskandal um Kronprinz Rudolf eingehen würde und danach von Elisabeth vom Hofe verstoßen wurde, steht leider auf einem vollkommen anderen Blatt.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Marie Sophie
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Mathilde

Die beiden anderen Töchter Marie Sophie (*4.10.1841, †19.1.25) und Mathilde „Spatz“(*30.9.1843, †18.6.1925) verheiratete sie ebenso unglücklich, wie zuvor schon Elisabeth.

Marie Sophie wurde nach Neapel verheiratet, wo ein äußerst kleiner und hässlicher König auf sie wartete, bei dessen Anblick Marie beinahe in Ohnmacht fiel. Das Unglück nahm seinen Lauf.

Marie Sophie gebar ein uneheliches Kind, von dem man bis heute nicht weiß, wo es nach der Geburt verblieben ist.

Da der König selbst eine Vorhautverengung hatte, konnte die Ehe 10 Jahre lang nicht vollzogen werden. Erst nach dieser Zeit ließ sich König Francesco II operieren und dem Paar wurde eine Tochter geboren, welche allerdings 4 Monate später wieder verstarb. Weitere Kinder gebar Marie nicht mehr.

Mathilde wurde mit seinem Bruder Ludwig von Trani verheiratet. Die zuerst aus Liebe geschlossene Heirat ging gründlich schief, als Louis anfing fremd zu gehen und massiv zu trinken.

Mathilde verließ ihren Mann, blieb ihm in weiterer Folge trotzdem treu. Immer wenn er Probleme hatte, war sie zur Stelle. Die gemeinsame Tochter erzog sie selbst, ihren Vater kannte diese so gut wie gar nicht.

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Helene und Max von Thurn und Taxis
mit 2 ihrer 4 Kinder

Am glücklichsten wurde von den Töchtern noch Helene „Néné in Bayern (*4.4.1834, 16.5.1890).

Néné war die Lieblingsschwester von Elisabeth und obwohl diese von Franz Joseph abgelehnt wurde, schadete dies dem Verhältnis zueinander nicht.

Zuerst verfiel Néné in tiefe Depressionen, jedoch lud Herzog Max Maximilian Anton von Thurn und Taxis (*28.9.1831, 26.6.1867) zur Jagd ein.

Der Erbprinz sah die etwas herb wirkende Helene und verliebte sich in sie. Obwohl die Thurn und Taxis unermesslich reich waren, galten sie „unter“ dem Stand für die Herzogsfamilie. Kaiserin Elisabeth legte bei König Ludwig I. ein gutes Wort für ihre Schwester ein und so durfte diese Maximilian Anton heiraten. Das Paar wurde unglaublich glücklich. 4 Kinder wurden dem Paar geboren. Doch das Glück weilte nur kurz. Am 26.6.1867 starb Maximilian Anton an einer Lungenlähmung und Néné musste noch viele Schicksalsschläge bis zu ihrem Krebstod hinnehmen.

Traurig war auch das Schicksal des jüngsten Kindes Max Emanuel „Mapperl“ (*7.12.1849, 12.6.1893). Er verliebte sich in Amalie Prinzessin von Sachsen-Coburg und Gotha (*23.10.1848, 6.5.1894), welche aber schon Leopold Prinz von Bayern (*9.2.1846, 28.9.1930) versprochen war.

Foto: Wikimedia/Commons
Max Emmanuel und Amelie Herzog/in in Bayern
Hochzeitsfoto

Auch hier half wieder Kaiserin Elisabeth. Sie lud mit Hilfe ihrer Hofdame Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, 17.4.1923) Prinz Leopold zu sich auf Schloss Gödöllö ein, auf dem „zufällig“ auch ihre Tochter Erzherzogin Gisella (*12.7.1856, 27.7.1932) anwesend war. Einer Kaisertochter konnte Leopold die Hand nicht verwehren und so war der Weg für Mapperl frei.

3 Kinder bekam das glückliche Paar, doch Mapperl starb völlig überraschend am 12.6.1893 an einer Magenblutung in Feldafing. Herzogin Amalie war so bestürzt über den Tod, dass sie ein gebrochenes Herz hatte.

Als ihr Sohn Siegfried (*10.7.1876, 12.3.1952) an Scharlach erkrankte, hielt sie keine Schutzmaßnahmen ein und pflegte ihren Sohn.

Die Folgen waren verherrend. Siegfried wurde zwar gesund, doch Amalie starb kurz nach ihrem geliebten Mapperl.

Blickt man auf Louises angeblichen Hochzeitsfluch zurück, könnte man beinahe meinen, dass er wahr geworden ist. So er auch ausgesprochen wurde.

Eine weitere Liebe von Ludovika waren Hunde. Besonders weiße Spitze hatten es ihr angetan, die sie wie Kinder behandelte.

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Foto: Wikimedia/Commons
Hezogin Ludovika mit Spitz Lupa, ca. 1890

Diese durften somit auch alles, was Kinder durften und bekamen auch ihren Platz bei Tisch, was so manchen Gast das Würgen vor dem Essen hervorbrachte.

Grund dafür waren die Flöhe, die von den Hunden auf die Teller sprangen und so auf dem Essen landeten. Die Teller wurden zwar entfernt, allerdings nicht die Hunde, was zum Teil ein Spießrutenlauf in die Küche und zurück zum Gast wurde.

Eines der Lieblingsfotos von Herzogin Ludovika war jenes, an dem einige ihrer Kinder rund um sie standen.

Oftmals wird fälscherlicherweise Mathilde (stehend) mit Kaiserin Elisabeth verwechselt.

Direkt unter dem Bild habe ich geschrieben, wer tatsächlich aller zu sehen ist.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika Inmitten ihrer Lieben: (v.l.n.r.) Sophie, Mathilde „Spatz“(stehend), Carl Theodor „Gackel“ und Max Emanuel „Mapperl“

Während der großen Trauer um Sophie von Sachsen, kam auch Erzherzogin Sophie nach Possenhofen.

Der Tod ihres geliebten Sohnes Ferdinand Maximilian (Kaiser Max von Mexiko) (*6.7.1832, †19.6.1867) traf die alte Erzherzogin sehr. 

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ferdinand Maximilian, Kaiser Maximilian I von Mexiko

Und so war Ludovika immer der Ruhepol der Familie. Wer Schutz, Trost oder Heimweh hatte, war jederzeit bei Ludovika willkommen.

Auch Kaiserin Elisabeth weilte sehr gerne bei ihrer Mutter in Possi, belegte aber das gesamte „Kaiserin Elisabeth Hotel“ in Feldafing, da ihre Gefolgschaft für das kleine Schloss zu groß war.

Kaiserin Elisabeth war zufällig in Feldafing anwesend, als am 13.6.1886 König Ludwig vis á vis im Starnberger See ums Leben kam. Zeit ihres Lebens ging Elisabeth von Mord aus.

Zum 80. Geburtstag der alten Dame kamen alle Kinder und Enkelkinder von fern und nah, um den großen Ehrentag mit ihr zu feiern. Nur Herzog Max erscheint zum Geburtstag nicht. Der alte Herr hatte einen Schlaganfall erlitten, sein Gesundheitszustand ließ keine Reise nach Possenhofen zu. 

Kaiserin Elisabeth schrieb ein rührendes Gedicht für ihre Mutter zum 80. Geburtstag, welches allerdings erst weit nach dem Ableben aller beteiligten Personen an die Öffentlichkeit kam:

Ich bitte Gott, Er möge gnädig senden
Dir manchen Sommer noch, wie du ihn liebst, 
Wo Frische dir die Sonnenstrahlen spenden
Und Stunden du im Buchenhain verbliebst. 
Nachts aber soll der Mond sein Antlitz wenden
Dir zu, wie Du entzückt mir jüngst beschriebst. 
Wem die Natur so lieblich weiss zu blühen, 
Vor dem wird lange noch das Alter fliehen! (12)
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Am 24.1.1892 erkrankte Ludovika jedoch schwer. Eine Lungenentzündung schwächte die alte Dame, sie war mittlerweile knapp 84 Jahre alt, so sehr, dass sie am 25.1. das Bett nicht mehr verlassen konnte. Sofort wurde die gesamte Familie benachrichtigt.

Sophie war die erste bei ihr, da sie gerade in München weilte, Erzherzog Ludwig Victor und sogar der Sohn von Miguel, Miguel II. von Bragança, Albert Thurn und Thaxis (Enkelsohn/Helene), Carl Theodor, Maria Josè und alle anderen eilten herbei.

Nur Kaiserin Elisabeth ließ sich entschuldigen: Marie Valérie kränkelte und war hochschwanger. Die Kaiserin halb hysterisch vor Angst um die Tochter, fuhr deswegen nicht nach München.

Marie von Redwitz schrieb:

„Der Morgen des 25. verlief ruhig, die Kranke stand sogar auf, weil es ihr schrecklich war, im Bette zu sein, das ihr immer wie ein Sarg vorkam. Alle Töchter wurden telegraphisch berufen und kamen, bis auf die Kaiserin, die Erzhogin Valérie in diesem Moment nicht verlassen konnte.
Herzog Carl geht es sehr nahe, erregt und ängstlich war er mit der Herzogin beständig bei der Leidenen. Die Ärzte gingen ein und aus.
Nach aufgehobener Tafel blieben wir alle in den Nebenräumen, schauten auch selbst wieder zur Kranken hinein, die schlummernd und ruhig atmend dalag, und der man die letzte Ölung erteilt. Wie sehr hat sie sich vor dem Tode gefürchtet, und wie unbemerkt ist er ihr genaht. Um vier Uhr morgens hat sie den letzten Atemzug getan, und sie lag nun wie eine Schlummernde auf der Chaiselongue friedlich und unverändert. Ihre immer noch dichten Flechten hingen herab, und man ließ sie im Schlafrock, in dem sie gestorben.“ (13) 

Ludovika Herzogin in Bayern starb am 26.1.1892 83jährig im Herzog Max-Palais. Sie ruht in der Familiengruft im Kloster Tegernsee.

Petra –


Rechtliche Hinweise:

Text Petra
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, geneall.net, samot/shutterstock.com, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Hauptstaatsarchiv Stuttgart/Archiv der Herzöge von Urach,


Literatur Hinweise:

1 – S. 35
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

2 – S. 37/8, 3 – S.38, 4 – S.38, 6 – S. 40
Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern: Sisis wilder Vater
Volk Verlag München, 1. Auflage 2016

5 – S. 30
Bernhard Graf
Sisis Vater
Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Allitera Verlag//edition monadensia, 2. Auflage 2017

7 – S. 21, 8 – S. 13/14, 13 – S. 136 
Marie von Redwitz
Hofchronik 1888 – 1921
Kulturpolitik, München 1924

9 – S. 125
Christian Sepp
Erinnerungen an Großmama
Aufzeichnungen der Amelie von Urach über Herzogin Ludovika in Bayern
Allitera Verlag, 1. Auflage 2021

10 – S. 133, 11 – S. 416, 12 – S. 432
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen,
Amalthea, 1992, 11. Ausgabe


Herzog Max in Bayern

Foto: Wikimedia/Commons
Max Herzog in Bayern bei seiner liebsten Beschäftigung: dem Zitherspiel
dahinter Schloss Aichach, heute bekannt als „Sisi-Schloss“

Bis heute ist der Mythos Herzog Max in Bayern lebendig.

Gustav Knuth stellte ihn nur leider allzu prachtvoll und liebevoll in den berühmten Sissi-Filmen mit Romy Schneider dar. Ein Mythos, der so gar nichts mit dem „echten“ Max zu tun hatte, der im realen Leben aufbrausend, cholerisch und auch mal handgreiflich werden konnte.

Aber was stimmt schon an den Sissi-Filmen? Nichts. Und im Laufe der Zeit, wird das dem aufmerksamen Leser auch bewusst werden.

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Pius August Herzog in Bayern
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Amalie Luise Prinzenssin von Arenberg
Bild: unbekannter Maler

Maximilian Joseph in Bayern wurde am 4.12.1808 um 1.00 Uhr morgens in Bamberg geboren.

Sein Vater war Pius August Herzog in Bayern (*1.8.1768, †3.8.1837). Seine Mutter Amalie Luise Prinzessin von Arenberg (*10.4.1789, †4.4.1823).

Max entstammte der Linie „in“ Bayern. Wie dieser Titel zustande kam, kann hier nachgelesen werden. 

Bereits am selben Tag um 15.00 Uhr wurde im Beisein des Königs, welcher gleichzeitig der Taufpate des Kleinen war, die Heilige Taufe abgehalten. Maximilian Joseph sollte wie sein Großonkel heißen.

Herzog Wilhelm (*10.11.1752, †8.1.1837) zum einen Max Großvater, zum anderen König Maximilian I. Josephs (*27.5.1756,†13.10.1825) Schwager schrieb diesem freudig:

„Zu meiner unbeschreiblichen Freude ist meiner Frau Schwiegertochter Liebden soeben nach ein Uhr diesen Morgen von einem gesunden und wohlgestalteten Prinzen glücklich entbunden worden, welcher auch nach der gnädigen Zusage Eurer Königlichen Majestät Höchstihren Namen in der Heiligen Taufe erhalten wird.“ (1)

Seine Eltern waren ein sehr unglückliches Paar. Pius neigte zu cholerischen Anfällen und fing sehr gerne Schlägereien an. Zu dem hielt er so gar nichts von Kindererziehung.

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Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: Petra (noch für Sternenkaiserin)
Foto: Wikimedia/Commons
König Maximilian I von Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Wilhelm Herzog in Bayern

Obwohl sich Herzog Wilhelm und König Maximilian I. Joseph große Sorgen um den Buben machten, ließen sie ihn bei seinen Eltern, denn Amalie Louise liebte Max abgöttisch und er sie.

Leider wuchs aber Max in einem sehr toxischen Haushalt auf und vielleicht war sein Erwachsenenleben eine Flucht aus all dem, was er selbst als Kind erleben musste.

Immerhin gab es im 19. Jahrhundert keine psychologische Therapie und keinerlei Psychiater, die Traumen jeglicher Art behandeln hätten können.

Da sich Pius um seinen Sohn nicht kümmerte, schickte Großvater Wilhelm Kammerrat Otto, welcher aus Erfurt stammte und Max Hofmeister und militärischer Erzieher werden sollte.

Das einzige Problem an dieser Tatsache war allerdings, dass der kleine Mann erst 6 Jahre alt war und ab nun gedrillt wurde.

Wie auch schon später bei Kronprinz Rudolf, kam Max sehr nach seiner Mutter Louise. Er war hochsensibel, war zwar aufgeweckt, aber nicht belastbar. Und so wurden die militärischen Erziehungsmaßnahmen des Erziehers zur Qual.

Die Lerneinheiten gingen den ganzen Tag, bis spät abends. Wenn dem Erzieher etwas nicht passte, wurde die extrem karge Freizeit gesperrt und der Bub fiel völlig erschöpft ins Bett, nur um gegen 4.00 Uhr oder 5.00 Uhr früh mit militärischen Ton wieder geweckt zu werden, um mindestens eine Stunde zu Exzerieren oder Stramm zu stehen.

Ich wiederhole noch einmal: Max war 6 Jahre alt!

Exzerzieren hieß, bei jedem Wind und Wetter vor dem Schloss Auf und Ab zu marschieren. In militärischer Kleidung oder im Pyjama – je nach dem wie es dem Erzieher gerade passte.

Hofmeister Otto trakierte Max bis aufs Blut und Amalie Louise konnte nichts tun. Sie weinte sich oft stundenlang in den Schlaf, tröstete ihren Sohn so gut es ging und stritt mit Pius bis aufs Blut. Es half alles nichts.

Erst als Amalie Louise schwer krank wurde, erfuhr König Maximilian von dem militärischen Drill an dem mittlerweilen 9jährigen Buben. Herzog Wilhelm entließ auf Geheiß des Königs den Hofmeister mit sofortiger Wirkung.

Um Max aus diesem schrecklichen Umfeld zu bringen, kümmerte sich ab sofort deshalb sein Großonkel König Maximilian I. Joseph von Bayern um dessen Erziehung.

Seine Mutter übergab ihn deshalb ganz in dessen Obhut und konnte ihren Sohn erst nach fast drei Jahren – im Jahr 1820 – besuchen.

Nach dem zweiten Besuch, 1823, starb seine Mutter 34jährig.

Max in tiefer Trauer um seine geliebte Mutter, erhielt am 19.4.1823 einen sehr ungerührten Brief seines Vaters:

„Lieber Max!
Ich danke dir herzlich für Deinen Brief. Auch ich war sehr betroffen, als ich den Tod deiner Mutter erfuhr, ohngeachtet man schon lange ihrer Auflösung entgegensah. Vorzüglich Dich muß ihr Tod sehr nahe gegangen seyn; indem sie Dich so zärtlich liebte. Auch ich nehme den lebhaftesten Antheil an deinem Schmerz. Lebe wohl, lieber Max, sich verbleibe stets, Dein dich treu liebender Vater Pius.“ (2)

Sein Vater Pius zog sich daraufhin in sein Privatleben zurück und überließ den Buben dem König. Danach ist es ein bisschen wie im Märchen von Ebenezer Scrooge in „Ein Weihnachtsmärchen von Charles Dickens“ (A christmas carol). August Pius wurde zum Eremit und Wohltäter. Er starb 51jährig 1837.

Sein Charakter machte eine Wendung von 100 Grad und gibt den Historiker/innen ein vollkommenes Rätsel auf.

Doch er erhielt auch sehr rührende und beileidsbekundende Briefe. König Maximilian I. Joseph schrieb ihm aus tiefstem Herzen, auch sein Großvater Herzog Wilhelm wusste wie es seinem Enkel ging.

Eine Prinzessin tat sich ganz besonders hervor.

Schon seit Kindheitstagen waren die beiden sehr innig und verstanden sich ausgezeichnet. Sie schrieben sich viele Briefe und standen sich nah.

Es war niemand geringerer als

Ludovika Prinzessin von Bayern

Die 11jährige Cousine schrieb folgenden Brief:

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Ludovika „Louise“, ca. 6jährig
Zeichnung: Ferdinand von Piloty II

„Ich möchte, Du wärest auch hier und könntest mit uns spielen. Adieu lieber Max, es freut sich herzlich Dich wiederzusehen Deine Cousine Louise“. (3)

Manchmal sandte Max ihr lustige Stücke oder heitere Briefe oder anderweitige Dinge, die Louise sehr erheiterten:

„Dein Ballett, lieber Max, für welches ich Dir recht sehr danke, hat mich sehr lachen machen, und wenn Du wieder kommen kannst, so werde ich es aufführen.“ (4)

Als 15jährige schrieb sie ihm:

„Nun lebe wohl, theurer Schawawi, und vergesse nicht Deine Louise!“ (5)

Nach dem Ableben seiner Mutter erhielt er also nun am 12.4.1823 diesen rührenden Brief seiner geliebten Cousine.

„Mein liebes gutes Vetterchen!
Wie sehr ich an Deinem Kummer Theil genommen habe, kannst Du wohl glauben, denn Du weisst ja, wie sehr ich Dich liebe! Carl hat an den Papa geschrieben, dass er Dich besucht hat und recht wohl gefunden, was mich recht freut. Es thut mir aber gar zu leid, dass wir alle so weit von Dir entfernt sind und Du in diesem traurigen Augenblick so ganz verlassen bist […]. Nun lebe wohl, mein guter Max, und vergesse nicht
Deine dich innig liebende Louise“ (6)

Am 20.1.1824 wurde Max von König Maximilian I. Joseph im Cheveaulegers-Regiment „König“ zum Leutnant befördert und am 12.3.d.J. zum Oberst-Inhaber des 9. Linien Infanterie-Regiments.

Da Max das Reiten über alles liebte, war ihm diese Beförderung ganz Recht. Er hatte sämtliche Freiheiten über das Regiment, konnte Reiten wann immer er wollte und konnte sich frei in der Öffentlichkeit bewegen. Genau was Max immer wollte.

In Landshut und München besuchte er Vorlesungen für die Studienvorrichtungen für Geographie, Chemie, Deutsche Literatur, Kirchengeschichte, Geschichte, Länder- und Völkerkunde, Physik und Malerei, sowie deutsches Bundesrecht.

Foto: bamberger-onlinezeitung.de
der junge Herzog Max mit seiner geliebten Zither

Max war unglaublich klug und wißbegierig, nur hatte er nicht genügend Ausdauer und Sitzfleisch, so dass er die Studien zwar begann, aber nicht regelmäßig besuchte. Welches er tatsächlich abschloss, ist bei den Historikern umstritten.

Foto: abebooks.com
Schloss Tegernsee, 1830
Lithographie: B. Buchner

In den Ferien hielt er sich immer gerne auf Schloss Tegernsee, auf Schloss Banz und in Nymphenburg auf, wo er natürlich mit seinen Cousinen Sophie, Ludovika, Elisabeth, Amalie Auguste usw. aufwuchs.

Noch im selben Jahr und mit Hilfe seines Großvaters Wilhelm, begann der Prachtbau des Palais Max in der Ludwigstraße in München.

Er liebte es fröhliche Feste zu feiern und sich dem Volke unterzumischen.

Am 4.12.1826 jedoch war Schluss mit lustig. Max wurde Volljährig und sein Onkel ließ ihn in die Kammer der Reichsräte eintreten.

Ab sofort nahm er an den Sitzungen teil und vermittelte zwischen dem Königshaus und der Abgeordnetenkammer.

Foto: steutzger.biz
Schloss Banz, 1850
Stahlstich

Da er ein schöner junger Mann war, war es für ihn durchaus keine Seltenheit, dass er nicht „alleine“ nach Hause kam. Dies entsprach auch den verkehrten Ansichten des 19. Jahrhunderts.

Ein Prinz aus gutem Hause, durfte sich mit einem Mädchen aus dem Volke so lange vergnügen, so lange es nicht „ernst“ wurde.

Im Adel und Hochadel jener Zeit wurde streng zwischen „Ehe“ und „Lust“ unterschieden.

Während sich die Männer sämtlichen außerehelichen Vergnügungen mit Schauspielerinnen, Ballettmädchen, Prostituierten oder Töchtern von Postmeistern usw. hingeben durften, mussten die Damen aus gutem Hause jungfräulich und rein bleiben.

Wurde danach die Ehe mit einer Dame aus dem Adel beschlossen, galt dies als

„vernünftige Ordnung der Sittlichkeit“ (7)

Schon als Max 7 Jahre alt war, hatten sein Großonkel König Maximilian I. Joseph und sein Großvater Herzog Wilhelm beschlossen, dass Max einmal eine Prinzessin aus Maximilians Königshaus ehelichen würde.

Zuerst fiel die Wahl auf Maximiliane „Ni“ Josepha Karoline Prinzessin von Bayern (*27.1.1810, †4.2.1821), doch diese verstarb 11jährig an Thyphus.

Diese Verheiratung wäre aus mehreren Gründen zustande gekommen.

Zum einen wollten die beiden, dass sich die Erblinie „in“ Bayern und „von“ Bayern wieder näher kommt und eine Anerkennung im Adel erfährt. Wer mehr über die Erblinie erfahren möchte, liest hier weiter.

Zu diesem Zeitpunkt galt Max noch als Prinz.

Zum anderen wollten Wilhelm und Maximilian ihre eigene Beziehung verbessern, hatte diese ein Minister, der sehr über den bayrischen Herzog husste und schimpfte – das Verhältnis zueinander getrübt.

Als Maximiliane „Ni“ starb, fiel „dummerweise“ die Wahl auf die nächst jüngste Königstochter und diese war ausgerechnet

Ludovika genannt Louise

Obwohl sich die beiden aus Kindertagen kannten und auch sehr zugetan waren, an Heirat dachten sie wohl nie.

Sowohl Max, als auch Louise hatten völlig andere Interessen entwickelt und auch „andere“ Partien im Auge. Ihre Biografie kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.
Bild: Joseph Karl Stieler

Herzog Max hatte sich leider „unstandesgemäß“ in eine Bürgerstochter verliebt und Louise in Don Miquel von Bragança (*26.10.1802, †14.11.1866). Die beiden fielen also aus allen Wolken, als sie erfuhren, dass sie verheiratet werden sollten.

Bevor jedoch noch Verlobung gefeiert werden konnte, mussten Max und Louise einen herben Schicksalsschlag verarbeiten. Der geliebte Großonkel bzw. Vater König Maximilian I. Joseph starb am 13.10.1825.

Nun rückte für Herzog Max der wenig beliebte Großcousin Ludwig I. (*25.8.1786, †29.2.1868) als König nach. Ein herber Rückschlag für Max, wie sich später noch zeigen sollte.

Durch das einsetzende Trauerjahr wurde erst im Dezember 1827 die Verlobung bekanntgegeben.

König Ludwig I. schenkte den beiden das stattliche und bekannte Bild seines Hofmalers Joseph Karl Stielers, welches jahrelang in sämtlichen Adelskreisen für große Spekulationen sorgte:

„Stieler hat sie [Ludovika] mit dem Bräutigam gemalt […]. Die hohe schlanke Gestalt in weißem ausgeschnittenen Kleide steht in landschaftlicher Umgebung. Das edle Oval ist dem Beschauer zugekehrt, und die zaghaft blickenden Augen schweifen in unbestimmte Fernen. Dicht gesteckte dunkle Locken decken die Schläfe, und eine reiche Haarkrone liegt um das Haupt. Ihre Hand ruht in der des stattlichen Bräutigams. Es ist ein schönes, vornehmes Paar. Von weitem schimmern der Tegernsee und das breite, helle väterliche Schloß, wo sie am 9.September 1828 beide zwanzigjährig vor dem Altare standen. Die Braut, ein fertiges Weib, reif und ohne Illusion in die Welt schauend, Herzog Max ein Jüngling, der das Leben noch nicht genossen, der es aber kennenlernen wollte und gewiß keine Lust hatte, so früh gebunden zu sein.“ (8)

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Verlobungsbild Prinzessin Ludovika und Herzog Max, 1828 – dahinter Schloss Tegernsee
Bild: Joseph Karl Stieler

Bevor das unglückliche Paar noch zum Traualtar schritt, degradierte Ludwig Max und machte damit etwas zunichte, was sein Vater und Herzog Wilhelm versuchten jahrelang aufzubauen und 1799 von den beiden geändert wurde. Ab diesem Zeitpunkt durfte sich die Linie „in Bayern“ nämlich ebenfalls „Prinz“ und „Prinzessin“ nennen.

Bis zum 7.8.1828 durfte sich Herzog Max in Bayern „königlicher Prinz“ nennen. Ab diesem Datum, verordnete König Ludwig I über sein Staatsministerium und ließ Herzog Max folgende Mitteilung zukommen:

„Bey Gelegenheit der Verehelichung Unseres vielgeliebten Vetters, des Herrn Herzog Maximilian in Bayern, Hoheit, mit Unserer Prinzessin Schwester Königliche Hoheit wollen Wir, daß bey Abfassung der Ehepakten die dem Herrn Herzog gebührende Titular streng einzuhalten, daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört, gebraucht werde.“ (9)

Damit wurde auch Ludwigs Schwester von der Prinzessin zur Herzogin degradiert. Etwas, was ihr Zeit ihres Lebens schwer zu schaffen machte und sie nie verzieh.

Erst 1848 durfte sich Max wieder „königliche Hoheit“ nennen, etwas was für seine Tochter Elisabeth allerdings zu spät kam. Sie wurde durch ihre Erbfolge nie bei Hofe anerkannt.

Hiermit ist aber auch eindeutig bewiesen, dass Herzogin Elisabeth und all ihre Geschwister niemals unter dem Titel Prinzessin oder Prinz geboren wurden. Leider steht das in beinah allen Büchern falsch und wurde falsch überliefert.

Der Titel „Prinzessin Elisabeth“ kam dadurch zustande, dass die Schreiber bei Hofe „annahmen“, dass ein Kaiser eine Prinzessin heiratete. Dies war aber durch die Erblinie Elisabeths falsch.

Leider konnten dies erst die Historiker der Wittelsbach-Linie aufklären. Bis dahin sind aber so viele Bücher, Serien und Filme mit „Prinzessin Elisabeth“ erschienen, dass sich dieser Titel einprägte.

Noch heute verwenden Historiker/innen diesen Titel, obwohl mittlerweile belegt ist, dass Kaiserin Elisabeth niemals als Prinzessin geboren wurde.

Bevor nun das Paar zum Ehepaar wurde, schrieb Max seiner Verlobten anscheinend ununterbrochen Briefe. Während er sich bemühte, dem Ganzen positiv entgegenzugehen, wurden Louises Briefe immer wortkarger und weniger.

So lautete einer ihrer letzten Briefe vor der Hochzeit an ihn:

„Gewiss werde ich, wie es Dir versprochen habe, alles aufsuchen, meine Briefe zu verlängern, wenn es aber dennoch nicht gelingt, so nehme es mir nicht übel. Denke zuweilen an Dich, herzlich liebende Louise“ (10)

Am 9.9.1828 fand nun die Hochzeit in der St. Quirius Kirche im Schloss Tegernsee statt.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Hochzeit Max und Ludovika, 1828
Bild: Lithographie Franz Xaver Nachtmann

Die Hochzeitsnacht wurde für Max zu einer peinlichen Farce und – wenn man es ganz genau betrachtet – wusste Louise nicht, wie die Rache eines Mannes aussehen konnte.

Als die Nacht der Nächte so weit war, zog sich Louise auf den hintersten Winkel des Bettes zurück und fiel völlig erschöpft in einen tiefen Schlaf. Sie hoffte natürlich, dass ihr Ehemann dies genauso tun würde, wie sie selbst.

Doch Max hatte natürlich andere Pläne. Als er in das gemeinsame Zimmer kam, wachte Louise erschrocken auf, hüpfte aus dem Bett und stieß Max in einen zufällig offenen Schrank.

Völlig panisch versperrte sie den Schrank und legte sich wieder zu Bett. Den polternden Max hörte sie nicht oder wollte ihn nicht hören. So verblieb dieser die ganze Nacht in diesem Schrank und schwor sich, seiner Frau schon zu zeigen, was es bedeuten würde, verheiratet zu sein.

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin), Fotos: Wikimedia/Commons

10 Kinder wurden dem Paar geboren, wovon 8 Kinder erwachsen und zum Teil sehr berühmt wurden. 2 Buben starben; einer kurz nach der Geburt, der andere 2 Monate nach seiner Geburt.

Doch Max genoss sein Leben wie früher auch. Für ihn hatte sich nichts geändert. Frau und Kinder? Interessierten ihn im Wesentlichen nicht. Louise musste sich um alles kümmern.

Obwohl diese immer wieder hoffte, dass sich ihr Ehemann nun an sie und die Kinder binden werde, war er schneller wieder dahin, als sie bis „zwei zählen konnte“.

Nach der nichtstattfindenden Hochzeitsnacht und am Tage darauf, weinte Louise beinahe ununterbrochen. Ab diesem Zeitpunkt ließ sie zwar ihren Gemahl gerne zu sich, aber im Zimmer war ihre frühere Erzieherin Gräfin Rottenham. Max beschwerte sich, dass es keine Intimität gäbe und soll gesagt haben:

„Ich schätze sie gewiß sehr. Aber schließlich habe ich sie doch nicht mitgeheiratet.“ (11)

Was für die eine zur Qual wurde, wurde für den anderen zu einem gefestigten Charakter.

Als Herzog Wilhelm merkte, dass sein Enkel seine Ehe und alles damit Verbundene sehr ernst nahm und gereift schien, vermachte er ihm sein Vermögen.

Er entmündigte seinen Sohn Herzog Pius (Max Vater) 1834 und ließ diesen für Geisteskrank erklären.

Max war nun das Oberhaupt der „Herzöge in Bayern“ und würde nach Wilhelms Tod ein immenses Vermögen erben. Doch auch jetzt schon war Max unglaublich reich.

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max Palais, München

Gewohnt hat die Familie im Palais Max in München.

Bereits seit 1828 besaß Herzog Max die Münchner Residenz, welche er Mithilfe seines Onkels bauen ließ.

So eine Residenz hatte München bis dahin noch nicht gesehen.

Leo von Klenzes setzte den Prachtbau um; es galt bis zu seinem Abriss 1937 als das schönste Palais Münchens und war bis über die Grenzen hinaus bekannt.

Das Palais wurde 1833 noch um eine kleine Zirkusarena erweitert. Diese Zirkusarena wurde der Grundstein für Kaiserin Elisabeths Reitleidenschaft.

Fotogalerie des Herzogs Max Palais im Detail – noch nie gezeigte Aufnahmen!

Herzog Max sollte einst über sein Palais selbst schreiben:

Vergeßt in meiner Halle, 
Was euch das Herz betrübt; 
Vergeßt der Leiden alle, 
Die euch das Leben gibt. 
Denkt nur an Freud und Wonne, 
Versenkt den Gram im Wein, 
Der perlt aus der Tonne, 
Gereift im Sonnenschein. (12)

Doch bei 8 Kindern, die herumtoben und spielen wollten, wurde auch das sehr große Max Palais bald zu klein, vor allem, da alle die Natur liebten. Max war so gut wie nie zu Hause und die Kinder liebten es an der frischen Luft zu toben. Dies war in München weder möglich, noch hatten die Herzogskinder die Freiheiten dies zu tun.

Obwohl Max über große Erbschaften nach dem Tod seines Großvaters Wilhelm verfügte, zB sein über alles geliebtes Schloss Banz, einige Schlösser in Frankreich, welche er aber verkaufte und Louise verfügte über Schloss Tegernsee und Schloss Biederstein, wurde Schloss Possenhofen 1834 gekauft und zum Aufenthaltsort der Kinder.

Possi, wie es in der Familie liebevoll genannt wurde, war zum Lebensmittelpunkt aller geworden. Sogar für den cholerisch geltenden Max, sofern er einmal zu Hause war.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Possenhofen
heute Eigentumswohnungen und nicht betretbar

Obwohl Possenhofen weitaus weniger feudal und auch kaum vom Adel wahrgenommen wurde, war es für die Familie „ein Geschenk“. Die Einrichtung blieb „einfach“ und in die Ausstattung wurde kaum investiert.

Foto: Kaiserin Elisabeth Museum, Possenhofen via Merkur.de
Schloss Possenhofen – Wohnsalon

Eigenartiger Weise stritten sich aber Louise und Max in „Possi“ weniger, als in dem großen, feudalen und „prinzgerechten“ Palais, dass keinem Prinzen und auch keinem länderbesitzenden Herzog gehörte. Es war einfach ein Palais eines reichen Mannes, der diesen stolz zur Schau stellte.

Die Kinder lernten in Possenhofen nicht nur in der Natur zu toben, sondern auch fischen, jagen, reiten, schwimmen (sehr ungewöhnlich für den Adel der damaligen Zeit) und wandern. Louise und Max legten beide darauf Wert, dass die Kinder viel in der Natur ihre Zeit verbrachten.

Seine Kinderschar ging ihm zwar (meist) auf die Nerven und wirklich viel unternahm er mit ihnen nicht, aber mit den Mädchen unternahm er lange Bergtouren, denn es war ihm wichtig, dass die Mädchen „ordentlich Gehen lernten.“ Mit den Söhnen ging er richtig Bergsteigen und das über Stunden und Tage.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com
Schloss Unterwittelsbach bei Aichach
Heute „Sisi Schloss“ Aichach

Am 31.10.1838 kaufte sich Max das kleine Schloss Unterwittelsbach bei Aichach, das heute auf den wohlklingenden Namen „Sisi Schloss“ hört, allerdings gar nichts mit Sisi zu tun hatte.

Es ist umstritten ob sie jemals dort war oder nicht.

Es diente Max als Rückzugs-, Ruhe- und Jagdschlösserl, welches einen kleinen See hatte. Der Garten ist bis heute nicht wieder erschlossen und völlig verwildert.

Die gesamte Einrichtung ist verschwunden. Mittlerweile finden alljährlich Ausstellungen statt, die sich fast immer gleichen, nur anders heißen. 2017 besuchte ich die Herzog Max-Ausstellung und gleichzeitig war auch Elisabeths Hochzeitsschmuck ausgestellt.

Es gibt ein sehr idylisches Bild von Otto Flad, 1841. Darauf ist Herzog Max in einem Kahn zu sehen, während Herzogin Ludovika mit einem Kleinkind, welches natürlich Sisi sein soll, aus dem Schlösschen tritt.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Schloss Aichach
Herzog Max im Kahn, Ludovika und „Sisi“ im Eingangsbereich im Schloss, 1841
Bild: Otto Flad

Am 14.11.1839 wurde vom Aichacher Pfarrer überliefert, dass Herzog Max mit Herzogin und dem 7jährigen Ludwig im Schlösschen angekommen sei.

Der Stadtarchivar Karl Christl von Aichach hat sich natürlich eine wunderbare Idylle zurecht gelegt. Er sah die kleine Sisi Blumen pflücken und ihrer Mama bringen, Max im Kahn fahren, die Buben am nahen Weiher fischen usw. Es klang ein bisschen wie aus dem Sissi Film und nicht nach dem echten Leben.

Auch wenn man wenig bis gar nichts über die Kindheit von Kaiserin Elisabeth weiß, es gibt keinerlei Aufzeichnungen, dass sie jemals vor Ort gewesen sei.

Weder von ihr selbst, noch von Ludovika, noch von Max.

Johannes Thiele schrieb in seiner Elisabeth Biografie "Sisi, das Leben der Kaiserin Elisabeth", dass diese als Kind in Aichach mit Vater Max durch die Gasthäuser zog, als dieser Zither spielte. Dabei warfen ihr die Männer Geldstücke zu. Später soll Elisabeth voller Stolz diese Geldstücke, die sie ein Leben lang bei sich trug, ihren Hofdamen gezeigt und behauptet haben, dass das ihr einziges ehrliches verdientes Geld gewesen sei. 

Aber ob das alles wahr ist? Es klingt so gar nicht nach Herzog Max. Aber wer weiß das heute schon alles so genau?

1843 gründete Herzog Max die berühmte „Artus“-Runde, welche sich wöchentlich im Erdgeschoss im „Grünen Salon mit den goldenen Flügelthüren“ im Palais in München traf.

Die Gesellschaft bestand aus Künstlern und zum Teil nicht adeliger Personen. Um dem Ganzen Platz zu machen, schloss er den Zirkus, der ihm keinen Spa0 mehr machte.

Um 7.00 Uhr abends wurden die geladenen Gäste mit der Kutsche abgeholt. Zuerst gab es beleuchtete Stereoskopbilder (eine Art Diashow) und Fotografien seiner prachtvollen Reisen, danach ein üppiges Mal. Zum Schluss Zigarren und Zithermusik. Das ganze wurde abgerundet mit ernsten und lustigen Gesprächen in ausdrücklicher Herrenrunde. Den Abschluss bildete, bevor die Herrschaften wieder mit der Kutsche nach Hause gebracht wurden, Champagner.

Max war ein freiheitsdenkender Mensch. Alle höfischen Konventionen und Zwänge gingen ihm auf die Nerven. König Ludwig I. sah dieses freie Denken und Leben ohne Konventionen nicht gern, konnte aber nichts dagegen tun. Aus heutiger Sicht muss bei Ludwig auch sehr viel Eifersucht mitgewirkt haben; gerade wenn man sich seine Lola-Montez Affäre ansieht. Während Ludwig daran scheiterte und sein Königreich verlor, regte sich bei Max niemand über zwei uneheliche Kinder auf.

Dass deshalb Ludwig I. trotzdem oder gerade deswegen Herzog Max, nach der Thronübernahme zum Oberstinhabers des 3. Cheveaulegers-Regiments machte, zeigte, dass er dem Herzog Max ein bisschen Hofleben einimpfen wollte.

Doch auch hier zeigte Max wieder einmal seinen außergewöhnlichen Humor: Er ließ Sonntag Mittag das Regiment zur Inspektion vor dem Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße aufmarschieren.

Dadurch fühlten sich die Anrainer und Kirchenväter dieser Straße sehr gestört. Als die Beschwerden beim König eintrafen, wollte Max seinen Dienst quittieren, doch das ließ dieser nicht zu.

Und so verlieh er dem Schwager

1845 den Titel „königliche Hoheit“

und erhob die Familie in den Adelsstand. Dies galt (gilt noch immer) von nun auch für alle Nachkommen der Linie „in“ Bayern.

Vielleicht regte sich bei Ludwig so etwas wie ein schlechtes Gewissen. Hatte er ja immerhin 1828 dafür gesorgt, dass man ihm den königlichen und Prinzen-Titel aberkannte.

Genauso wie bei Kaiser Franz Joseph gab es auch bei Max so einige Gerüchte über uneheliche Kinder. Die Affären von Kaiser Franz Joseph können hier nachgelesen werden.

Zwei Töchter sind allerdings bekannt, auch wenn deren Namen, Geburtsdaten und Aussehen völlig unbekannt sind!

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Marie von Neapel

Auch wenn manchmal Fotos in Social Media von angeblich unehelichen Kindern von Max auftauchen, natürlich ohne Hinweis auf Urheberrechte, so kann mit Sicherheit der beiden absolut vertrauenswürdigen Historiker Alfons Schweiggert und Dr. Bernhard Graf ausgegangen werden, dass keine Namen und Daten zu den Töchtern und keine Fotos bekannt sind.

Das einzige was bekannt ist, ist, dass Herzog Max die Töchter sehr geliebt hat und diese von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr zu sich beim Mittagessen gehabt habe. Dabei durfte ihn niemand stören.

Die ehelichen Töchter dürften diese beiden gekannt haben, denn Tochter Marie (*4.10.1841,19.1.1925) führte die beiden an das Totenlager ihres Vaters. Mehr ist zu den beiden nicht bekannt!

Ebenso geht man davon aus, dass Max der Vater von Max Kolb, der 1829 geboren wurde, war. Max Kolb wurde ein berühmter Gartenarchitekt und seine Tochter Annette Kolb wurde eine berühmte deutsche Schriftstellerin (†1967).

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max, ca. 1850

Sieht man sich die Biografie von Max Kolb an, könnte es tatsächlich stimmen. Geboren wurde er am 28.10.1829. Ein Jahr zuvor wurde Herzog Max mit Louise quasi zwangsverheiratet. Die Mutter von Max Kolb, war Juliana Lorz. Diese war eine Zofe von Königin Therese von Bayern, der Ehefrau von Ludwig I. Möglich wäre es also allemal.

Aufgewachsen ist Max eigenartigerweise auf Schloss Possenhofen und wurde später dann in ein Internat geschickt, dessen Kosten die Wittelsbacher übernommen hatten. Seine ganze Karriere beruhte weiters auf dem Rücken der Wittelsbacher, die immer schützend eine Hand über ihn hielten.

Der Zweite, der eventuell in Frage käme, wäre Maximilian II, also der Sohn von Ludwig und Therese. Maximilian wurde am 28.11.1811 geboren, wäre also 18 Jahre alt gewesen, als er mit Juliana, der Zofe seiner Mutter das Verhältnis gehabt hatte.

Der Herzog galt als ein geübter Zither Spieler. Die Zither war damals das „Lumpeninstrument“ und erst Max war es, der dieses Musikinstrument in die höfischen Kreise einführte.

Foto: Lara Müller, Stadtarchiv Bamberg
Herzog Max (der Dritte von Links) in Herrenrunde vor Schloss Banz
Zitherspieler ist Unbekannt

Deshalb wurde er von allen „Zither-Maxl“ genannt.

Herzog Max widmete seinem Lieblingsinstrument sogar ein Gedicht:

Meine Zither

Das Liebste auf der weiten Welt
Ist mir der trauten Zither Spiel, 
Ich schätz' es mehr als alles Geld
Und kostest's auch der Mühe viel. 

Bin froh und guten Mutes ich, 
So freut sie sich mit ihrem Herrn
Und fühl' ich trüb und traurig mich, 
So teilt sie meinen Kummer gern. 

Drum ist mir wohl bei ihr allein, 
Weil sie, die einz'ge, mich versteht, 
Ich lass' die Menschen Menschen sein 
Und spiel auf ihr früh bis spät. 

Die Menschen treiben auch ein Spiel, 
Doch ist's ein andres Instrument, 
Sie spielen auf dem Menschen viel, 
Der ihre Falschheit noch nicht kennt. (13) 
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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max im fortschreitendem Alter

Seine freie Denkweise war beim Volk sehr beliebt. Er galt als Volksnah und gab viel auf bürgerliche Volksstücke und Kartenspiel.

Zu seinen besten Freunden zählten oft normale Bürger, wie Kaufleute, Postmeister oder Wirtsleute. Max schrieb Horrorgeschichten, las viel Literatur und dichtete boshafte Gedichte auf die Gesellschaft.

Er liebte das Reiten, das Theater und generell alles was mit Vergnügen zu tun hatte. An seine väterlichen Pflichten dachte er dabei sehr wenig, bis gar nicht. Einzig seine Tochter Sisi stand ihm am Nächsten.

Wie ähnlich sie ihm war, sollte der Wiener Hof, in den Elisabeth als Kaiserin einheiraten sollte, bald erfahren. Gerade im Alter entwickelte Elisabeth fast eine manische Passion, die sehr ihrem Vater ähnelte. Ihr reiterliches Können kann hier nachgelesen werden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiserin Elisabeth auf ihrem Lieblingspferd Merry Andrews
Foto nach dem Stahlstich von John Charlton, 1879
Die Pferdeleidenschaft hatte Elisabeth von ihrem Vater geerbt.

Als seine Tochter Königin Marie von Neapel ein uneheliches Kind gebar, war es Max, der seine Frau Ludovika zur Räson brachte, in dem er sagte, dass dies in den besten Familien vorkäme.

Doch so gelassen reagierte er nicht immer. Er konnte ein ziemlicher Despot sein. Seine Wutausbrüche waren berüchtigt. War ihm der Trubel zu viel oder merkte er, dass er nicht im Mittelpunkt war, schrie er herum und sei es nur, weil ihn ein Hühnerauge drückte.

Absolut nicht gelassen reagierte er, als König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886) mehrfach die Verlobung mit seiner Tochter Sophie (*23.2.1847, †4.5.1897) verschob. Der traurige Beitrag zu Sophie Herzogin d’Alençon kann hier nachgelesen werden.

Um nicht weiter die Schmach seiner Tochter etragen zu müssen, stellte er dem König ein Ultimatum. Laut Christian Sepp, Biograph von Sophie Charlotte, ist das Schreiben nicht erhalten geblieben, ließe sich aber aus einem Brief von Ludovika an Königin Marie (Ludwigs Mutter) herstellen.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig und Sophie Herzogin in Bayern
Verlobungsfoto

Laut diesem Schreiben, dürfte Max Ludwig um die Einhaltung seines Eheversprechens und der Hochzeit im November 1867 gebeten haben, andernfalls, sollte diesem das nicht möglich sein, um die Bekanntgabe, dass die Verlobung aufgelöst sei, die Familie habe niemals beabsichtig, die Tochter aufzudrängen.

Wer sich je mit König Ludwig II beschäftigt hat, kann sich ungefähr vorstellen, dass dieser getobt haben muss, als er dies las.

Zumindest sah er dies als Anlass alles Max in die Schuhe zu schieben.

Er selbst wollte sowieso nicht heiraten, ansonsten hätte er die Hochzeit nicht schon zweimal verschoben, dennoch habe ein Untertan mit dem König so nicht zu sprechen. So sein Tenor.

An Sophie schrieb er einen lapidaren Brief, dass der grausame Vater sie auseinander reißen würde. Nach 259 Tagen war somit die Verlobung gelöst und Sophie fiel in Ohnmacht.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Herzog Max Helm

Max war aber nicht nur für seine unkonventionelle Art unter dem Volk bekannt und für seine Passion an Theater, Zirkus und Pferden. Er liebte auch das Reisen.

Die längste und berühmteste Reise die Max mit kleinem Gefolge unternahm, war sicherlich die Reise ins „Heilige Land“, das heutige Israel.

Begleitet wurde er u.a. vom Maler Heinrich von Mayr (*22.2.1806, †5.4.1871), der diese in Wort und Bildern festhielt.

Die Route führte ihn von München, Venedig, Korfu, Patras, Athen, Alexandria und Kairo, schließlich nach Jerusalem.

Nach 8 Monaten kam er zurück.

Als Mitbringsel hatte er 5 schwarze Sklaven mit dabei, die er am Sklavenmarkt freikaufte. Da die Münchner Gesellschaft bis dahin noch keine schwarzen Bürger gesehen hatte, waren diese Menschen eine Sensation.

Foto: Mauritius Images/Alamy/Volgi
Herzog Max auf seiner Orientreise
Bild: Heinrich von Mayr

Die Männer verblieben Zeit ihres Lebens im Dienste der Familie.

Vieles von Max seinen Reisen ist heute in Schloss Banz zu besichtigen.

Das alles hatte zur Folge, dass Max und Ludovika sich nie wirklich annäherten. Erst im Alter und bei der goldenen Hochzeit (50 Jahre Ehe) söhnten sich die beiden aus.

Am Ende seines Lebens verriet er, dass er Ludovika nur ehelichte, da er sich vor seinem Großvater fürchtete.

Trotzdem und gerade deshalb blieben ihm die Kinder und die zahlreichen Enkelkinder fremd.

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max und Herzogin Ludovika, anlässlich der goldenen Hochzeit

Max Herzog in Bayern starb nach zwei Schlaganfällen am 15.11.1888.

Der Tod des Patriarchen wurde sehr unterschiedlich aufgenommen.

Kaiser Franz Joseph und Kronprinz Rudolf, sowie alle Kinder und Enkel nahmen an der Bestattung teil.

Nur eine fehlte: Kaiserin Elisabeth. Sie weilte auf Korfu und sagte

„aus gesundheitlichen Gründen“

ab.

– Petra –

Foto: Bernhard Graf – Merkur.de
Herzog Max Emanuel zeigt die Familiengruft und steht vor Herzog Max Sarkophag
Dokumention Bernhard Graf – Herzog Max


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Bernhard Graf – Merkur.de, Mauritius Images/Alamy/Volgi, Kaiserin Elisabeth Museum, Possenhofen via Merkur.de, steutzger.biz, abebooks.com, bamberger-onlinezeitung.de, stadtarchiv-münchen.de, Bildarchiv des Bayrischen Landesamts für Denkmalpflege, München, Lara Müller – Stadtarchiv Bamberg


Literatur Hinweise:

1 – S.25, 2 – S. 32/33, 3 – S. 37/8, 4 – S.38, 5 – S.38, 7 – S.39, 11 – S. 42, 13 – S. 209
Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern: Sisis wilder Vater
Volk Verlag München, 1. Auflage 2016

6 – S. 24, 8 – S. 30, 9 – S. 28, 10 – S. 27, 12 – S. 40
Bernhard Graf
Sisis Vater
Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Allitera Verlag//edition monadensia, 2. Auflage 2017

Christian Sepp
Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester
August Dreesbach Verlag, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

Hermann von Witzleben
Herzöge in Bayern
Prestel Verlag München, 1976 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Marie von Redwitz
Hofchronik
Kulturpolitik München, 1924 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Johannes Thiele
Elisabeth Ihr Leben. Ihre Seele. Ihre Welt (Bildband)
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2011