Herzog Max „in“ Bayern und Ludovika Prinzessin „von“ Bayern. Wo war der Unterschied?

Das kleine Wörtchen „in“ und „von“ Bayern, bereitet vielen Menschen immer wieder Kopfzerbrechen.

Wo war der Unterschied?

Ich habe mich bemüht, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen: 

Wer sich mit Kaiserin Elisabeth beschäftigt, wird immer wieder die Bezeichnung „in“ Bayern und „von“ Bayern lesen.

Und in den meisten Büchern ist das nicht ausreichend erkärt; oder nur in einem kleinem Nebensatz, der kaum bis gar keine Information bringt.

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Pfalzgraf Johann Karl Birkenfeld-Gelnhausen 
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Sophie Amalie Pfalz-Zweibrücken,
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Esther-Maria von Witzleben

Begonnen hat alles mit Pfalzgraf Johann Karl von Birkenfeld-Gelnhausen (*17.10.1638, †21.2.1704) welcher im Jahr 1685 Sophie Amalie von Pfalz-Zweibrücken (15.12.1646, †20.11.1695) ehelichte.

Nach deren Tod im Jahr 1695, schloss Johann Karl die morganatische Ehe (die Ehe war nicht standesgemäß; Erben hatten keinen Anspruch) mit Esther-Maria von Witzleben (*28.7.1665, †1725).

Mit seinem Bruder Christian schloss er darauf hin einen Vertrag, um die Erbfolge zu bestimmen. Johann versuchte allerdings seine Ehefrau als Reichsgräfin zu erheben und den Vertrag mit Bruder Christian für nichtig erklären zu lassen, welches aber durch Johanns frühen Tod scheiterte.

Johann und Esther bekamen 5 Kinder. Esther klagte beim Reichshofrat und wollte die Anerkennung die ihr und ihren Kindern zustehen würde zu erreichen.

1715 wurde darauf hin die Erblinie „in“ Bayern gegründet.

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Wilhelm in Bayern
Maria Anna Pfalzgräfin von Birkenfeld-Zweibrücken Foto: genee.org

Der zweite Sohn dieser Ehe, war Johann von Pfalz-Gelnhausen (*24.5.1698, †10.2.1780 ) (nicht abgebildet).

Im Jahr 1743 ehelichte dieser Sophie Charlotte von Salm-Dhaum (*29.8.1719, †19.3.1770) (nicht abgebildet). Das Paar hatte 8 Kinder. 

Das vierte Kind aus dieser Verbindung war Wilhelm in Bayern  (*10.11.1752, †8.1.1837).

Wilhelm war der einzig lebende Verwandte des (sehr viel späteren) Kurfürsten und ersten Königs von Bayern Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, †13.10.1825), weshalb die beiden den „Ansbacher Hausvertrag“ abschlossen.

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König Maximilian I. Joseph von Bayern

Dieser beinhaltete die Einhalt und Unteilbarkeit der Länder der Wittelsbacher.

Am 16.2.1799 wurde Wilhelm von Maximilian Joseph der Titel „Herzog in Bayern“ verliehen. 1803 bekam dieser das Herzogtum Berg und wurde Statthalter. 

Wilhelm ehelichte Maria Anna Pfalzgräfin von Birkenfeld-Zweibrücken (*18.7.1753, †4.2.1827) und bekam mit ihr 4 Kinder.

Das dritte Kind aus dieser Verbindung, war niemand geringer als Pius August Herzog in Bayern (*1.8.1768, †3.8.1837). Diesem wenden wir uns jetzt zu.

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Pius August Herzog in Bayern
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Amalie Luise von Arenberg

Pius ehelichte Amalie Luise von Arenberg (*10.4.1789, †4.4.1823).

Das Paar bekam nur ein einziges Kind. Aber das reichte aus, um die Linie „in Bayern“ weltberühmt zu machen.

Es war niemand geringerer als Maximilian Joseph Herzog in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888), den alle Welt nur als „Max Herzog in Bayern“ kennt. Der Beitrag zu Max kann hier nachgelesen werden.

Max heiratete die Tochter von König Maximilian I. Joseph von Bayern, Ludovika Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892).

Diese beiden bekamen 10 Kinder. Darunter die berühmten Namen wie Kaiserin Elisabeth, Königin Marie von Neapel, Gräfin Mathilde von Trani, Helene von Thurn und Taxis (Néné), Carl Theodor in Bayern (Gackel) und Sophie Herzogin d’Alençon. Pius August und Amalie Luise waren somit die Großeltern der soeben Genannten.

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Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
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Herzogin Ludovika in Bayern

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Herzog Max in Bayern

Ludovika war nicht nur die Tochter des Königs, sondern auch eine Prinzessin „von“ Bayern.

Durch die unliebsame Hochzeit wurde sie noch dazu in eine „in“ Bayern degradiert, was ihr Zeit ihres Lebens schwer zu schaffen machte.

Sie konnte weder mit ihrem Gatten Max etwas anfangen, noch er mit ihr.

Der Titel „in Bayern“, war ihr Zeit ihres Lebens verhasst. Der Beitrag zu Ludovika kann hier nachgelesen werden.

Die Linie „in“ Bayern, auch Links genealogische Linie genannt, hatte kein Recht auf die Thronfolge und wurde nicht mit königlicher Hoheit angesprochen.

Lediglich „Hoheit“ oder „Herzog/in“ war der Titel dieser Linie.

Somit ist der ewige Mythos einer „Prinzessin Elisabeth“ ebenso falsch.

Kaiserin Elisabeth und ihre Geschwister waren als Kinder niemals „Prinzessin“ oder „Prinz“.

Die Filme, Bücher und Zeichentrickserien machen sich hier also an einen Titel heran, der Herzogin Elisabeth niemals zustand.


Auch im leidigen Film Sissi mit Romy Schneider mit dem unsere Kaiserin permanent verglichen wird, wird sie als „Prinzessin Elisabeth in Bayern“ tituliert.
Der richtige Titel von Elisabeth als Kind war: Herzogin in Bayern, Hoheit oder ab 1845 „königliche Hoheit“. 

Selbst Kaiser Franz Joseph, der die erste Biographie seiner Frau nach deren Tod veranlasste (1899) (sie liegt mir vor), hat in dieser von

„Prinzessin Elisabeth in Bayern“

schreiben lassen.

Dies deshalb, da der Wiener Hof, sie jahrelang gequält, missachtet, verspottet und ausgelacht hat. 

Die ganze Biographie ist nichts als eine einzige Lobhudelei auf die Kaiserin und wurde auch nur für interne Zwecke gedruckt. Sie war nie für den Handel vorgesehen und eben nur für Verwandte, Freunde und die vielen Menschen rund um den Kaiser, die ihm nach dem Tode der Kaiserin „beistanden“.

Warum und weshalb sich der Schwachsinn „Prinzessin Elisabeth“ bis heute hält, kann ich leider nicht sagen.

Fakt ist und bleibt: Kaiserin Elisabeth war und ist vor ihrer Hochzeit nur Herzogin und königliche Hoheit im Bezug auf ihren Titel gewesen. Vielleicht hat man einfach angenommen, dass sie eine Prinzessin sein muss, da sie einen Kaiser geheiratet hatte. 

Warum das aber namhafte Historiker bis heute übernehmen, ist mir schleierhaft. 

Ich ärgere mich bei ganz neuen Biografien von Mal zu Mal, da auch oft von einer Prinzessin Néné oder Prinzessin Helene in Bayern geschrieben wird. Dies finde ich noch abstruser und absurder als sonst schon den Unsinn mit Elisabeth.

Ich betone es daher noch einmal: 
Weder Helene, noch Marie, noch Sophie noch sonst irgendwer war Prinzessin oder Prinz. Auch die Buben nicht. Weder Gackel, Mapperl und wie sie alle hießen. Also Carl Theodor, Max Emanuel in Bayern usw. 

Deren Titel war für alle Zeiten: Herzog in Bayern und königliche Hoheit. Nicht mehr und nicht minder. 

Jahrelang wurde die Linie "in" Bayern von dem verwandten Adel "von" Bayern als minder betrachtet und verspottet.

Erst König Ludwig I. (*25.8.1786, †29.2.1868) von Bayern änderte dies in Herzog Max Leben.

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König Ludwig I.

König Ludwig I. war selbst kein großer Freund der Linie „in“ Bayern, allerdings ein gut und gern gesehener Gast in Possenhofen.

Ludwig und Ludovika waren (Halb) Geschwister (König Maximilian I. Joseph war ihr beider Vater), somit war er Max Schwager.

Man mag sich den Ausdruck des Neides nicht verkneifen, denn Max lebte sicherlich das freiere und ungezwungenere Leben, als Ludwig I. es je konnte.

Der Skandal um Lola Montez, kostete Ludwig den Thron, aber Max wurde wegen seiner zahlreichen außerehelichen Kinder und Gspusis nie belangt.

Dass deshalb Ludwig I. trotzdem oder gerade deswegen Herzog Max, nach der Thronübernahme zum Oberstinhabers des 3. Cheveaulegers-Regiments machte, zeigte, dass er dem Herzog Max ein bisschen Hofleben einimpfen wollte.

Doch auch hier zeigte Max wieder einmal seinen außergewöhnlichen Humor: Er ließ Sonntag Mittag das Regiment zur Inspektion vor dem Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße aufmarschieren.

Dadurch fühlten sich die Anrainer und Kirchenväter dieser Straße sehr gestört. Als die Beschwerden beim König eintrafen, wollte Max seinen Dienst quittieren, doch das ließ dieser nicht zu.

Und so verlieh er dem Schwager

1845 den Titel „königliche Hoheit“

und erhob die Familie in den Adelsstand. Dies galt (gilt noch immer) von nun auch für alle Nachkommen der Linie „in“ Bayern.

Noch heute dürfen sich deshalb alle Nachkommen der Linie „in“ Bayern mit „königliche Hoheit“ ansprechen lassen.

In Deutschland hat es das Adelsaufhebungsgesetz – wie in Österreich – nie gegeben.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth, ca. 14jährig
das allererste offizielle Foto von ihr

Leider kam dies mehr oder weniger für Elisabeth zu spät. Obwohl man sie ab 1845 mit

königliche Hoheit Herzogin Elisabeth

ansprach, verliebte sich 8 Jahre später Kaiser Franz Joseph in Ischl in die kleine, zierliche 15jährige Sisi.

Der Wiener Hof verspottete sie Zeit ihres Lebens dennoch ob ihrer „minderen“ Herkunft und weil sie eben

keine geborene Prinzessin von Bayern war.

Petra –


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, genee.org, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra  


Mein besonderer Dank geht an: Historiker Alfons Schweiggert.

Er brachte mir den Prinzessin-Unsinn der Autoren näher. Er erklärte mir, warum Kaiserin Elisabeth immer nur vor ihrer Ehe Herzogin war.
Herr Schweiggert ist Autor zahlreicher Bücher über König Ludwig II, die Witteslbacher-Familie usw.
Vielen lieben Dank für die Hilfe und die Erklärungen und die Email-Freundschaft.

Literatur Hinweise:

Bernhard Graf
Sisis Vater, Herzog Maximilian in Bayern
Allitera Verlag

Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern Sisis wilder Vater
Volk Verlag

Max Spindler 
Handbuch der bayerischen Geschichte 
Verlag C.H.Beck