Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Herzogin Sophie von Hohenberg

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Relief Franz Ferdinand Museum – Schloss Artstetten „Franz Ferdinand und Sophie“

Ein kleines persönliches Vorwort:

Bevor wir uns Franz Ferdinand und seiner Sophie widmen, möchte ich ein persönliches Wort an euch richten: Schloss Artstetten begleitet mich schon mein halbes Leben. 1983 wurde es als Museum eröffnet und ich glaube, seit dieser Zeit kenne ich es. Ich habe mich nie viel um Franz Ferdinands Geschichte gekümmert. Mir ging es immer um das Gebäude und die schöne Umgebung. Gerade Maria Taferl ist mir im Laufe meiner Kindheit sehr ans Herz gewachsen. Kürzlich durfte ich dort den wunderschönen Vespermantel – einen Teil von Elisabeths Hochzeitskleid – besichtigen. Mein Beitrag dazu ist hier.

Meine Recherchen über Kaiserin Elisabeth, ihr Leben, ihre Begleiter, ihre Familie sind sehr umfangreich und da ich keine Historikerin bin, sind meine Mittel auch begrenzt.

Vor allem die korrekten Daten verlangen mir oft alles ab. Trotzdem versuche ich den Personen rund um, und auch Kaiserin Elisabeth selbst, ein Leben einzuhauchen.

Als mich meine Recherchen wieder ins Schloss Artstetten führten, lernte ich einen Franz Ferdinand kennen, der mir bislang fremd geblieben ist. Zum ersten Mal, nahm ich die Person, den Menschen, den Vater wahr.

Ja, mir wurde sogar bewusst, dass nicht nur Franz Ferdinand sein Leben verlor, sondern auch seine Frau, und 3 Kinder zu Vollwaisen wurden.


Dieses Bewusstsein wurde noch verstärkt durch das Buch seiner Urenkelin Fürstin Anita von Hohenberg.

In diesem Sinne habe ich mir diesen Beitrag nicht leicht gemacht und ich hoffe, dass es mir gelungen ist, die Menschen hinter dieser Tragödie zu zeigen. Franz Ferdinand und Sophie sind mir ans Herz gewachsen.

Eure

Petra
Foto: zeno.org

Die Geschichte einer Tragödie, welche sich am 28.6.1914 abspielte.

Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Fürstin Sophie von Hohenberg wurden in Sarajevo erschossen.

Dieses Attentat löste den 1. Weltkrieg aus, der genau einen Monat (28.7.1914) später durch die Kriegserklärung Österreichs-Ungarn an Serbien beginnen sollte.

Ich werde nicht den Versuch unternehmen und die politische Situation dieser Tat hervorzuheben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen. Danke!

Franz Ferdinand Carl Ludwig Joseph Maria von Österreich-Este wurde am 18.12.1863 in Graz geboren.

Er war der erste Sohn von Erzherzog Karl Ludwig (*30.7.1833, †19.5.1896) und dessen zweiter Ehefrau Maria Annunziata von Neapel-Sizilien (*24.3.1843, †4.5.1871). Erzherzog Karl Ludwig war der Bruder von Kaiser Franz Joseph. Er war somit der Neffe von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth.

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin), Fotos: Wikimedia/Commons 
Foto: Wikimedia/Commons
Maria Annunziata von Neapel-Sizilien

Seine Mutter ließ ihre Kinder nicht an sich heran, da sie an Lungentuberkulose erkrankt war und glaubte, dass sie ihre Kinder anstecken würde, wenn sie diese berühren würde.

In seinen ersten Lebensjahren erfuhren weder Franzi, wie er Zeit seines Lebens genannt wurde, (er wurde erst zu „Franz Ferdinand“ als er Thronfolger wurde), noch seine Geschwister Liebkosungen seitens der Mutter.

Foto: habsburg.net
Erzherzog Karl Ludwig Joseph Maria von Österreich, Lithographie Josef Kriehuber 1862

Als Karl Ludwig am 4.5.1871 erneut Witwer wurde war er 38 Jahre alt und stand mit 4 kleinen Kindern alleine da. Franzi war 8 Jahre alt, Otto 6, Ferdinand Karl 2,5 und die kleine Margarete Sophie knapp 1 Jahr alt, als sie zu Halbwaisen wurden.

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Karl Ludwigs Aufgabe war es nun, eine geeignete Frau an seiner Seite zu finden, die ihm helfen konnte, die Kinderschar aufzuziehen.

In Infantin Marie Therese von Braganza (*24.8.1855, †12.4.1944) wurde sie gefunden. Marie Therese war knapp 18 Jahre alt, als sie den knapp 40jährigen Witwer Karl Ludwig am 23.7.1873 in Schloss Heubach ehelichte.

Diese Ehe sollte sich aber für alle als Glücksfall herausstellen. Die unglaublich interessante Biografie zu Marie Therese kann hier nachgelesen werden. 

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese mit ihren zwei Stiefkindern Ferdinand Karl und Margarete Sophie

Marie Therese wurde den Kleinen nicht nur eine gute und liebevolle Mutter, sondern sie schenkte zwei weiteren Mädchen Maria Annunziata (*13.7.1876, †8.4.1961) und Elisabeth Amalie Eugenia (*7.7.1878, †13.3.1960) ihr Leben und bevorzugte keines der Kinder.

Sie behandelte alle gleich und wurde eine Ehefrau, wie es sich so mancher Habsburger wahrscheinlich gewünscht hätte. Egal ob als Stiefmutter zu den Halbwaisen oder als Mutter zu ihren eigenen Töchtern. Sie war Mama aus vollem Herzen und Leidenschaft.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Maria Annunziata „Miana“, Stiefschwester

Karl Ludwig war dankbar und ein liebevoller und aufopfernder Ehemann, der trotz allem seine Pflichten als Erzherzog des Hauses Habsburg nicht versäumte.

Er war Statthalter von Tirol, Lemberg und Gallizien. Er förderte das Gewerbe und Wissenschaft, sowie die Kunst. In dieser Funktion war er häufig unterwegs und vertrat seinen Bruder bei Ausstellungseröffnungen und öffentliche Auftritte. Trotzdem nahm er sich immer wieder Zeit für die Kinder, nahm am Unterricht teil oder war einfach für seine Kinder da.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten

Franzi und seine Geschwister wuchsen sehr liebevoll, aber streng auf.

Der Tagesplan war straff. Deutsch, Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion, Zeichnen, Musik, Turnen, Englisch, Latein, Französisch, Tschechisch, Ungarisch und „Terrain-Aufnahme“ (eine Art von Geometer Unterricht) mussten er und sein Bruder Otto über sich ergehen lassen.


Das zerrte an den Nerven, denn der Tagesplan begann um 7.00 Uhr (manchmal 7.30 Uhr) und endete um 20.00 Uhr.
Kurze Essenspausen inbegriffen. Dieser Unterricht wurde von Montag bis Samstag angeordnet.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten – Franz Ferdinand Museum

Franz mochte die Lernerei überhaupt nicht. Er war ein eher verschlossenes, zurückhaltendes Kind, während Otto damals schon der Rabauke war, der oft Streiche spielte und einfach sein Leben als Kind schon in vollen Zügen genoss.

Durch diese Streiche, war er aber leider auch etwas beliebter als Franzi, der einfach zu ernst für sein Alter war.

Foto: Franz Ferdinand Museum
Schloss Artstetten
Franz, Otto, Ferdinand (v.l.n.r.)

Gleichzeitig wurde das Schloss vergrößert und modernisiert; zB wurde ein Badezimmer eingebaut. Eine kleine Sensation für die damalige Zeit.

Auch in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax wurden die Sommer verbracht.

Die Kinder wuchsen in den Sommermonaten auf Schloss Artstetten auf, das Vater Karl Ludwig großzügig umbauen ließ.

So wurde ein Swimmingpool gebaut (der gleichzeitig als Löschteich diente), der Garten wurde nicht nur angelegt, sondern auch gleichzeitig vergrößert.

Foto: oesta.gv.at
Kronprinz Rudolf als Jugendlicher

Dort lernte Franzi auch das Jagen, was zu einer lebenslangen Passion wurde.

Bereits mit 9 Jahren konnte er erste Jagderfolge verbuchen, wozu ihm sein Cousin Kronprinz Rudolf auch gratulierte:

„Dein lieber Brief freute mich sehr, und Papa hat mich beauftragt, Dir vielmals für deine guten Wünsche zum Namenstage zu danken. Ich gratuliere Dir vielmals zu Deinem ersten Wild, ich kann mir denken, wie es dich gefreut hat. … Ich bleibe Dein Dich liebender Rudolf.“ (1)

Rudolf war für Franz wie ein großer Bruder. Die Beziehung von den beiden kann als äußerst innig betrachtet werden.

Franz traf es hart, als sich sein Cousin in Mayerling das Leben nahm und sich dadurch auch sein ruhiges Leben schlagartig ändern sollte.

Auch zu seiner Tante Sisi, Kaiserin Elisabeth war das Verhältnis äußerst entspannt und liebevoll. Elisabeth intervenierte später öfter bei Kaiser Franz Joseph, als sich Franz unstandesgemäß verliebte. Aber ich greife vor.

Foto: comune.modena.it
Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este, Portrait von Luigi Manzani zw. 1845-1850

Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este (*1.6.1819 Modena, †20.11.1875 Wien) starb am 20.11.1875 in Wien und vererbte Franz Ferdinand unter der Bedingung seinen Namen „Este“ weiterzuführen, sein gesamtes Vermögen. Franz Ferdinand nannte sich ab sofort Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este.

Ab April 1878 begann für Franz der Ernst des Lebens, denn er trat in den Militärdienst ein. Bereits mit 15 Jahren wurde ihm von Onkel Franz Joseph der Orden des „Goldenen Vlies“ verliehen, den er mit Stolz trug.

Foto: habsburger.net
Das Goldene Vlies

Seine militärische Ausbildung brachte den mittlerweile 20jährigen Franz nach Enns. Damals und heute eine Kleinstadt, jedoch insofern bedeutend, da sie die erste Stadt Österreichs war.

Mit Enns wurde Österreich also begründet und damals wie heute, ist hier die Offiziersausbildung des Landes untergebracht. Franz gefiel der ruhige Ort gar nicht und er fand immer wieder Ausreden um nach Wien fahren zu können. Er liebte Hofbälle und ging gerne ins Theater.

Kaiser Franz Joseph kamen natürlich die Verfehlungen seines Neffen zu Ohren. Dafür sorgte schon Erzherzog Albrecht Friedrich Rudolf von Österreich-Teschen (*3.8.1917, †18.2.1895), der für die Ausbildung des Neffen zuständig war.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Denkmalrelief für Erzherzog Franz Ferdinand
an seine Militärzeit in Enns

Onkel Albrecht war ein äußerst strenger Mann, der nur für das Militär bestimmt war. Mit ihm hatte Franz, der nichts anderes wollte als ein bisschen „Freiheit“, seine liebe Not.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Albrecht von Österreich-Teschen „die graue Eminenz“ genannt; ca. 1880

Als Franz auch noch um längeren Urlaub bat, weil er eine Weltreise plante, wurde er von Kronprinz Rudolf gewarnt:

„Lieber Franzi! Ich halte es für meine Pflicht, Dich als Freund aufmerksam zu machen, dass sich hier eine Agitation in hohen militärischen Kreisen leider der von Allerhöchsten, geltend macht, sich gegen deine zu vielen Urlaube und Dein zu häufiges nach Wien kommen, richten.  … ich kann Dir nur raten, vorsichtig zu sein. Der Kaiser ist ziemlich ungehalten.“ (2)

Franz fügte sich und nahm seine Pflichten wieder auf.

Er wurde Rittmeister, Major, Oberstleutnant, Oberst und am 28.10.1892 schließlich Generalmajor.

Er war 29 Jahre alt und seit 3 Jahren der Thronfolger von Österreich-Ungarn.

Foto: Wikimedia/Commons
SMS „Kaiserin Elisabeth“

Am 15.12.1892 ging der Wunsch einer Weltreise dann doch noch in Erfüllung.

Mit dem Torpedo-Rammkreuzer „Kaiserin Elisabeth“ fuhr Franz Ferdinand mit einer ordentlichen Besatzung von Triest, über den Suezkanal nach Ceylon und Bombay, danach zu Fuß bis zum Himalaya, weiter nach Kalkutta, Singapur, Sunda-Inseln, Java, Australien, Neukaledonien, Solomon-Inseln, Borneo, zurück nach Singapur, Hongkong weiter nach Japan.

In Yokohama wechselte er von der „Kaiserin Elisabeth“ auf den Dampfer „Empress of China“, um Kanada, Nordamerika und schließlich die Vereinigten Staaten (Chicago, New York) zu erreichen.

Von dort ging es zurück nach Le Havre, Paris, Stuttgart und schließlich nach Wien. Er war insgesamt 10 Monate unterwegs.

Franz Ferdinand entwickelte eine Leidenschaft für Sammeln verschiedener Gegenstände und brachte allerlei Urlaubssouvenirs von seiner Reise mit.

Ein Teil ist im Schloss Artstetten ausgestellt, ein Teil im Schloss Konopischt in Tschechien und der Großteil im Naturhistorisches Museum in Wien.

Foto: Wikimedia/Commons
MS Empress auf China

Kurz nach der Reise ereilte ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Er wurde schwer krank.

Seine Mutter hatte ihm die Lungentuberkulose vererbt, die ihn mit voller Wucht treffen sollte.

1893 und 1894 nahm die Krankheit sein Leben noch nicht voll in Besitz, allerdings schränkte sie ihn gehörig ein.

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie Gräfin von Chotek

Vermutlich war es 1894 auf einer Soiree in Prag, die sein weiteres Leben bestimmen sollte.

Er lernte Hofdame Sophie Gräfin von Chotek kennen.

Zu seinem ihn begleiteten Arzt Dr. Victor Eisenmenger sagte er später:

Wenn unsereiner jemand gern hat, findet sich immer im Stammbaum irgendeine Kleinigkeit, die die Ehe verbietet, und so kommt es, dass bei uns immer Mann und Frau zwanzigmal miteinander verwandt sind. Das Resultat ist, dass von den Kindern die Hälfte Trottel und Epileptiker sind.“ (2a)

Ab 1895 schien die Krankheit so weit fortgeschritten, dass eine Heilung aussichtslos schien.

Endlich informierte man auch Kaiser Franz Joseph vom schlechten Zustand seines Neffen. Er schrieb ihm einen rührenden Brief:

„Lieber Franz! Dein Brief vom 30. Juli, für welchen ich innigst danke, hat mich recht schmerzlich berührt. Ich wusste gar nicht, dass Du schon längere Zeit erkrankt seiest und erst durch Franz, der dich auf der Eisenbahn begegnet hatte, erfuhr ich Deinen leidenden Zustand. Ich muss Dich dringend aufmerksam machen, dass es Deine heiligste Pflicht ist, jetzt nur für Deine Gesundheit zu leben. … Du musst baldmöglichst an einen stillen Gebirgsort ziehen, dort ganz ruhig bleiben. … Ich hoffe, dass Du auch ein wenig mir zulieb geduldig und ausdauernd sein wirst, wenn es auch recht langweilig sein wird. In treuer Freundschaft Dein Dich innigst liebender Onkel Franz Joseph.“ (3)

Foto: Wikimedia/Commons
Dr. Viktor Eisenmenger

Seinen gesamten Krankheitsverlauf hier zu beschreiben, würde unsere Möglichkeit sprengen, jedoch musste er monatelang auf vieles Verzichten und wurde von Ort zu Ort geschickt, um ihm Ruhe zu vergönnen.

Foto: JosefNovak33
Graf Leo von Wurmbrand

Franz Ferdinand war aber so gar nicht der Geist fürs Bett liegen und Ruhe geben. Er war stets unruhig und dachte, das Leben würde an ihm vorüberziehen.

1895 wurde ihm der Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) an die Seite gestellt, der seinen Patienten mit großer Besorgnis bewachte.

Sein einziger Trost waren die Briefe die ihm sein treuer Diener Janaczek immer wieder brachte.

Sein bester Freund und Wegbegleiter Kammerherr Leo Graf von Wurmbrand (*12.9.1840, † unbekannt) verscherzte es sich mit Franz Ferdinand, in dem er dem

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum
Diener Janaczek

„Frauenzimmer das Handwerk legen wollte“ (4).

Wurmbrand wurde aus dem Dienst entlassen.

Sophie von Chotek schrieb dem Thronfolger so rührende Briefe, dass er sich endlich seinem Arzt beugte und gesund werden wollte.

Auch seine innig geliebte Mutter heiterte ihn immer wieder mit Briefen auf.

Foto: Antiquariat Futter
Erzherzog Otto „Bolla“

Während seiner Abwesenheit in der Thronfolge, musste sein Bruder Otto die Repräsentationspflichten erfüllen.

Otto, dem dies zutiefst zuwider war, hoffte auf baldige Rückkehr seines Bruders. Franz Ferdinand hingegen fühlte sich zurückgesetzt und glaubte, dass Otto ihn verdrängen wollte.

1896 ereilte ihn der nächste Schicksalsschlag.

Von schwerer Krankheit gezeichnet, wurde Ägypten für Franz Ferdinand als Aufenthaltsort bestimmt.

Seine Eltern und seine Stiefschwestern fuhren deshalb nach Kairo, um den Kranken endlich zu besuchen.

Diese Abwechslung tat dem – auch mittlerweile psychisch – angeschlagenen Erzherzog gut.

Sein Vater Karl Ludwig, ein zutiefst religiöser Mann, trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan und zog sich dabei allerhand Vergiftungen zu. Schwer erkrankt wurde er eilends nach Wien gebracht und von seiner Frau aufopferungsvoll gepflegt. Doch die Vergiftungen aus dem verseuchten Wasser waren zu schwer.

Schwer erkrankt starb der geliebte Vater schließlich am 19.5.1896 in Wien.

Die Begräbnisfeierlichkeiten des Bruders von Kaiser Franz Joseph waren für den schwer erkrankten Thronfolger eine Strapaze, allerdings liest man auch einen ganz bestimmten Namen in der Liste der Trauergäste: Sophie von Chotek.

Foto: Wikimedia/Commons
Kronprinzessin Stephanie
Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Amalie Eugenia, Stiefschwester

Franz Ferdinand erbte nicht nur ein Vermögen, auch war jetzt die offizielle Thronfolge nicht mehr abzuweisen.

Ab Juni 1896 ging es Franz Ferdinand besser, allerdings dauerte es noch bis ins Jahr 1897 bis zur vollständigen Genesung.

Um diese komplett wiederzuerlangen, führte sein Weg auch nach Cap Martin, wo sich gerade seine geliebte Tante Sisi aufhielt und auch Kaiser Franz Joseph vor Ort war.

Im Mai 1897 galt Franz Ferdinand als geheilt. Nun hieß es, seiner Stellung gerecht zu werden.

Er war mittlerweile 33,5 Jahre alt, unverheiratet und hat noch immer nicht für Stammhalter gesorgt.

Die einzige Frau die Franz Ferdinand liebte, war Hofdame bei Erzherzogin Isabella Hedwig Franziska Natalia Prinzessin von Croy-Dülmen (*27.2.1856, †5.9.1931).

Foto: Wikimedia/Commons
Graf Boguslaw von Chotek

Wenn es nach Kaiser Franz Joseph gegangen wäre, hätte Franz Ferdinand Kronprinzessin Stephanie geheiratet, Witwe von Kronprinz Rudolf.

Da die beiden in aller Freundschaft verbunden waren, war eine Hochzeit für beide definitiv keine Option. Zudem hielt Franz Ferdinand an Sophie fest.

Sophie Maria Josephine Albina Gräfin Chotek von Chotkowa und Wognin wurde am 1.3.1868 in Stuttgart geboren.

Ihr Vater war Boguslaw Graf Chotek von Chotkow (*4.7.1829, †11.10.1896). Ihre Mutter war Wilhelmine Gräfin Kinsky zu Wichinitz und Tettau (*19.7.1838, †5.3.1886).

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum
Sophie mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern
Das einzige existierende Bild ihrer Mutter und ihrer Geschwister

Sie war das 5. Kind von insgesamt 8 Geschwistern.

  • Wolfgang Maria (*15.8.1860 Berlin, †10.12.1926 Linz)
  • Zdenka Marie (*10.12.1861 Berlin, †15.3.1946 Salzburg)
  • Maria Pia (*11.7.1863 Berlin, †21.6.1935 Jilové)
  • Karolina Olga Alzbita (*19.11.1865 Berlin, †29.11.1919 Perglas)
  • Sophie Maria Josephine Albina (*1.3.1868 Stuttgart, †28.6.1914 Sarajevo)
  • Oktavia Maria Josefina Karolina (*5.5.1873 Brüssel, †13.6.1946 Bad Waldsee)
  • Maria Antonia (*12.5.1874 Kostelec,†13.6.1930 Hohenthurm)
  • Marie Henriette (*9.7.1880 Kostelec, †19.3.1964 Gutenberg a.d. Raabklamm)
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Isabella „Busabella“

Sophie stammte aus einem alten böhmischen Uradel, hochangesehen am Wiener Hof, doch leider verarmt.

Um die Kinder, deren Mutter früh verstarb, durchzubringen, wurde an einigem gespart, jedoch nicht an der Ausbildung.

Da dem Graf Chotek hauptsächlich nur Mädchen geboren wurden, mussten früh Beschäftigungen für die Mädchen gefunden werden. Ehefrau, Hofdame oder Nonne waren die „Berufe“ die Mädchen aus gutem Hause annehmen konnten und durften.


Sophie wurde an den Hof, der als sehr schwierig bekannten Erzherzogin Isabella, die mit Erzherzog Friedrich verheiratet war, empfohlen.

Erzherzog Friedrich Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzog und Thronfolger Franz Ferdinand war gerngesehener Gast im Hause von Erzherzog Friedrich Maria Albrecht Wilhelm Karl von Österreich (*4.6.1856, †30.12.1936). Erzherzog Friedrich galt als gutmütig und einfältig und wurde im Volksmund „Bumsti“ genannt.

Erzherzogin Isabella, im Volksmund „Busabella genannt“ glaubte deshalb lange, dass die häufigen Besuche mit ihrer Tochter Erzherzogin Maria Christina Isabelle Natalie (*17.11.1879, †6.8.1962) zusammenhingen.

Maria Christina war damals 16 Jahre alt.

Erzherzog Franz Ferdinand immerhin 34 Jahre alt.

In Wirklichkeit war es Sophie, die den Erzherzog ständig bewog die Familie zu besuchen.

Die Schmach bei Isabella war überaus groß, als der wahre Grund herauskam.

Die Legende besagt, dass es eine vergessene Taschenuhr (beim Tennisspiel liegen gelassen) des Erzherzog war, die die Liebe verriet. Das Bildnis im Inneren zeigte Sophie von Chotek. Der Skandal war perfekt.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Maria Christina

Isabella war außer sich. Zumal sie gehofft hatte, dass ein gewisser Verehrer Herr Rosenberg aus Prag für Sophie eine gute Partie werden könnte.

Isabella entließ Sophie sofort und fuhr nach Wien um Kaiser Franz Joseph von der unstandesgemäßen Liebschaft zu berichten. Der Zorn muss auf beiden Seiten groß gewesen sein.

Aber anstatt seinem geprüften Neffen die Ehe zu ermöglichen und endlich Thronfolger für das Land zu bekommen, warf Kaiser Franz Joseph weitere Steine in den Weg der zwei Liebenden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum
Erzherzogin Isabelle und Gräfin Sophie an der Nordsee

Er zwang Franz Ferdinand um ein Jahr Bedenkzeit, in dem sich der Thronfolger fragen sollte, ob es wirklich notwendig sei,

eine verarmte Gräfin

zu ehelichen.

In der Zwischenzeit wurden ihm alle möglichen heiratswilligen und standesgemäße Damen vorgestellt. Franz Ferdinand blieb eisern.

In der Zwischenzeit intervenierten Kaiserin Elisabeth, sein jetziger Kammerdiener Franz Janaczek und seine geliebte Mutter Marie Therese für Franz Ferdinand. Ohne ans Ziel zu kommen. Kaiser Franz Joseph blieb stur.

Foto: Wikimedia/Commons
Godfried Marschall, Weihbischof

Sophie hingegen ging es in dem Jahr nicht sehr gut.

Da man wusste, dass sie religiös war, wurde ihr Dr. Godfried Marschall auf den Hals gehetzt.

Der fragwürdige Pfarrer, der hochtrabende Karrierepläne für sich in Anspruch stellte und vom Fürsterzbischof träumte, drohte Sophie so massiv, dass diese keinen anderen Ausweg mehr sah und ins Kloster ging.

Franz Ferdinand erfuhr durch Zufall von dieser Peinlichkeit und schäumte bei einer Privataudienz vor dem Kaiser Franz Joseph:

„Meine Braut hat die Zeit der Buße – so muss ich die Monate nennen – in einem Kloster verbracht und jetzt habe ich sie erlöst. Sie gehört wieder der Welt an und sie wird zu mir gehören… Wie hat man uns gequält! Wie hat man meine Braut gefoltert! Zu ihrer Frömmigkeit nahmen Sie die letzte Zuflucht. Bei ihrem Glauben und ihrer Christlichen Demut packten Sie die Sache an. Und es wäre beinahe geglückt, schon hatte ich die Absage in Händen, den mit Tränen geschriebenen Verzicht auf mich. Da fuhr ich wie ein Donnerwetter drein und befreit sei aus der Atmosphäre, in der sie lebte … Denn das war wider die Abrede gehandelt. Ich sollte mich ein Jahr prüfen, ob ich nicht etwa aus Leidenschaft etwas unternehmen wolle, was ich zeitlebens bereut hätte. Ich prüfte mich. Aber man hat sie zum Abfall von mir verleiten wollen, hat ihr Herz bedrängt und ihr Gewissen. Das war wider die Abrede!“ (5)

Wer jetzt glaubt, dass dies den Kaiser milde gestimmt hätte, irrt.

Im Grunde vermag man diese Sturheit gar nicht verstehen. Denn wenn man es ganz genau betrachten möchte, hat auch Kaiser Franz Joseph „unstandesgemäß“ geheiratet. Ludovika Prinzessin von Bayern, war die Schwester von Erzherzogin Sophie.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum
„unstandesgemäße Braut“ Elisabeth Herzogin in Bayern
Ludovika wurde aber mit dem wenig standesgemäßen Herzog Max in Bayern verheiratet, einem dem Landadel angehörigen Herzog. Der Unterschied zwischen "in" und "von" wurde von mir hier aufgearbeitet. Elisabeth wäre niemals die Ehefrau von Kaiser Franz Joseph geworden, wären nicht Ludovika und Sophie Schwestern gewesen.

Doch Franz Ferdinand wäre nicht Franz Ferdinand gewesen, wenn er nicht noch den letzten Ausweg gegangen wäre.

Und das war eine Verzichtserklärung zu unterschreiben.

Sophie musste auf Titel und Ehre verzichten, die Kinder würden niemals als Thronfolger anerkannt werden und mussten den Nachnamen ihrer Mutter annehmen.

Franz Ferdinand unterzeichnete den Renuntiationsakt am 28.6.1900 in der Hofburg. Es vermag Schicksal gewesen sein, denn dieses Datum, exakt 14 Jahre später, sollte ihrer beider Tod besiegeln.

Aber ich greife vor.

Am 1.7.1900 fand in der Schlosskapelle in Reichstadt (damals Böhmen, heute Tschechien) die Hochzeit im engsten Familienkreis statt.

Foto: Wikimedia/Commons
ihr Tod wurde als Ausrede für die Hoftrauer genommen Josephine von Hohenzollern

Kaiser Franz Joseph warf dem Brautpaar auch jetzt noch einen Stein zwischen die Beine, als er die strikte Parole ausrief, der Hochzeit tunlichst fern zu bleiben.

Dem Affront kam ein kleiner Zufall zu Hilfe.

Fürstin Josephine von Hohenzollern (*21.10.1813, †19.6.1900) war verstorben. 4(!) Tage später wurde eine 12tägige Hoftrauer angeordnet.

So hatte der Wiener Hof die Ausrede nicht teilnehmen „zu dürfen“.

Marie Therese, Stiefmutter und Witwe von Erzherzog Karl Ludwig und Franzis Stiefschwestern hielten sich jedoch nicht an dieses Verbot. Von Sophies Seite waren ihre Geschwister mit Ehepartnern anwesend.

Was folgte war die glücklichste Hochzeit die jemals ein Habsburger eingegangen ist.

Zumindest ein Telegramm traf ein, in dem der Kaiser Sophie von Chotek in den erblichen Fürstenstand mit dem Namen „Hohenberg“ erhob.

Somit wurde am Hochzeitstag aus Sophie Gräfin von Chotek,

Sophie Fürstin von Hohenberg.

Die Ehe war von Glück geprägt.

Sophie war Franz Ferdinand eine gleichwertige Partnerin, die ihm nicht nur 4 Kinder gebar, sondern ihn auch in all seinem Tun befürwortete.

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin), Fotos: Wikimedia/Commons

Foto: viator.com.de
Schloss Konopischt
Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Belvedere

In der Zwischenzeit richtete sich Franz Ferdinand auf Schloss Konopischt und im Schloss Belvedere häuslich ein.

Schloss Belvedere sollte sein Wohnsitz werden und von dort aus wollte er die Regierungsgeschäfte übernehmen.

Sohn Max wurde den beiden sogar auf Schloss Belvedere geboren. Er ist der Einzige der dort je das Licht der Welt erblickte.

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Franz Ferdinand war ein äußerst liebevoller Vater, der gerne mit den Kindern spielte, oder auch nur stundenlang im Zimmer verweilte und den Kindern beim Spielen oder Schlafen zusah.

Er frühstückte sogar im Kinderzimmer, um seinen Sprösslingen nah zu sein.

Wenn man sich seine Fotos ansieht, diesen strengen Blick, den Militärhaarschnitt und dann die liebevollen Aufnahmen im Schloss mit seinen Kindern und seiner Frau betrachtet, kommt man nachhaltig ins Grübeln, ob er wirklich so unbeliebt war, wie man ihn gerne darstellt.

Ich glaube inzwischen, dass Franz Ferdinand, als Kaiser Franz II ein bisschen Liebe ins Kaiserhaus gebracht hätte.

Franz Ferdinand hätte sich, nicht wie Franz Joseph, einen Doppelnamen gegeben. Dies war sowieso völlig unüblich. Wäre Erzherzog Franz Ferdinand an die Macht gekommen, wäre er Kaiser Franz II gewesen.

1909 wurde Sophie von Kaiser Franz Joseph in den Stand einer Herzogin rangerhöht.

Ihr Titel lautete nun

Sophie Herzogin von Hohenberg

1908 wurden den beiden ein toter Sohn geboren. Sophie stürzte dies in ein großes Unglück. Sie liebte ihre Kinder über alles und konnte es nicht fassen, dass ihr Sohn nicht Leben durfte.

Franz Ferdinand wusste nun auch, dass er darüber nachdenken musste, was wäre, wenn ihm etwas zustoßen würde. Er wusste, dass Sophie und seine Kinder niemals in der Kapuzinergruft Aufnahme gefunden hätten. Und weil dies so war, würde er sich nicht darin bestatten lassen. Er wollte bei Sophie und seinen Lieben sein.

Also beschloss er, auf Schloss Artstetten eine Gruft bauen zu lassen. Einerseits, um seinem toten Sohn sein letztes Geleit geben zu können, andererseits dafür Sorge zu Tragen, dass Sophie oder er, sollte es soweit kommen, eine letzte Ruhestätte zu geben, wenn der Fall der Fälle eintreten würde und die Verfassung zum Kaiser/in noch nicht abgeändert wäre.

Wie Recht er behalten sollte, konnte er an jenem Tag natürlich nicht wissen.

1914 sollte das Schicksal für alle brutal zuschlagen.

Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg waren in Sarajevo zu einem Staatsbesuch. Am Morgen des 28. Juni 1914 gab Erzherzog Franz Ferdinand noch ein Telegramm an seine Kinder auf:

„Befinden von mir und Mami sehr gut. Wetter warm und schön. Wir hatten gestern großes Diner und heute vormittag den großen Empfang in Sarajevo. Nachmittags wieder großes Diner und dann Abreise. Umarme euch innigst. Dienstag. Papi.“ (6)

Ich vermag mir den Schock gar nicht vorstellen, der eingetreten ist, als das Telegramm ankam und ein paar Stunden später die Nachricht vom Tod der Eltern.

Das Attentat selbst ist eine Verkettung verschiedener Umstände, die nach Betrachtung des Ablaufes so gar nicht hätte stattfinden dürfen.

Jedoch schrieben wir das Jahr 1914 und Sicherheit war noch nicht oberstes Prinzip bei derartigen Staatsbesuchen.

Dass aber der ganze Ablauf nicht gestoppt wurde, als das erste Attentat fehlschlug, obwohl ein Offizier und dessen Chauffeur verletzt wurden, verschlägt mir beim Lesen heute immer noch die Sprache.

Fakt ist, dass am 28.6.1914 Gavrilo Princip (*25.7.1894, †28.4.1918) mit einer FN Bronwing 9mm, Modell 1910 ca. 2 Meter vor dem Wagen, der kurz halten musste, direkt auf das Paar zielte. Ich gebe dem Mörder keinen Raum und poste kein Bild auf meinem Blog von ihm. Wer sich ihn ansehen will, googelt ihn bitte selbst.

Zuerst traf er Herzogin Sophie von Hohenberg in die Bauchschlagader, mit dem 2ten Schuss in die Halsschlagader des Thronfolgers.

„Um Gottes Willen, was ist dir geschehen?“ (7),

soll Sophie ihren Mann noch gefragt haben, da er aus seiner Wunde stark blutete. Unmittelbar danach sinkt sie nach vorne und starb noch direkt im Wagen.

„Sopherl, Sopherl stirb mir nicht, bleib für unsere Kinder“, (8)

soll angeblich Franz Ferdinand gerufen haben.

Ob dies mit einer so stark blutenden Wunde direkt in der Halsschlagader möglich ist, bleibt fraglich.

Schön ist es allemal, denn seine letzten Worte, wären an seine geliebte Frau und Kinder gerichtet gewesen.

Es ist auch deshalb fraglich, weil Franz Ferdinand Sophie liebevoll "Soph" nannte, was aus unzähligen Briefen hervorgeht. 

Aber eine schöne Anekdote ist es trotzdem und so erzähle ich sie gerne. 

Auch Erzherzog Franz Ferdinand starb noch im Wagen, einem von Gräf & Stift gebautes Cabriolet, welches äußerst elegant war.

Foto: Hemmings.com
Original Auto, Heeresgeschichtliche Museum Wien

Das Auto steht im Original im Heeresgeschichtlichen Museum Wien und kann besichtigt werden.

Eine originalgetreue Kopie des Fahrzeugs steht direkt vorm Eingang ins Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten.

Erzählen möchte ich, dass Erzherzog Franz Ferdinand einen Lebensfeind hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Alfred Fürst von Montenuovo

Alfred Fürst von Montenuovo (*16.9.1854, †6.9.1927) war der letzte Obersthofmeister von Kaiser Franz Joseph.

Obwohl dieser selbst morganatisch zur Welt kam (seine Mutter war Erzherzogin Marie Louise (*12.12.1791, †17.12.1847)(ehem. Kaiserin von Frankreich/verehelicht mit Napoleon, dann mit Alfred Graf von Neipperg (*8.4.1775, †22.2.1829), welcher sein Vater war), hasste er Franz Ferdinand bis aufs Blut. 

Er machte Sophie das Leben am Wiener Hof zur Hölle.

Streute Gerüchte, ließ sie ihren minderen Stand spüren wo er konnte, sie durfte nicht am kaiserlichen Dinner teilnehmen und so weiter. Franz Ferdinand wehrte sich so gut er konnte und ließ Graf Montenuovo spüren wer der Herr im Haus sein werde. Montenuovo wusste, dass sein Dienst zu Ende war, würde Franz Ferdinand Kaiser werden. Vor diesem Tag fürchtete er sich.

Nun triumphierte Montenuovo und sah seine Macht und Rache gekommen. Und wieder ließ er seinen Hass an Sophie aus. Als Obersthofmeister hatte er es in der Hand, wie das Begräbnis abzulaufen hatte. Und er ließ ein „Begräbnis III Klasse“ daraus machen. Aber dazu etwas später. Noch sind die beiden Leichen in Sarajevo.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum
Gipsabdrücke der Totenmasken von Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie

Die beiden Leichen wurden in den Konak gebracht. Um 11.00 Uhr konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Sogleich ertönten die Totenglocken.

Danach wurden die Leichen in Särge gelegt und via Triest per Schiff und Bahn nach Wien gebracht.

Nur 2(!) Stunden ließ Graf Montenuovo die Särge in der Kapelle der Wiener Hofburg aufbahren.

Den Sarg von Herzogin Sophie ließ er eine Stufe niedriger stellen, als den von Erzherzog Franz Ferdinand, um so den Rangunterschied zu demonstrieren. Auf dem Samtkissen vor Sophies Sarg, ließ er symbolhaft für Hofdamen einen schwarzen Fächer und ein paar weiße Handschuhe auflegen. Weder ihre Rangabzeichen, noch ihre Orden ließ er davor ablegen. Vor Franz Ferdinand ließ er den Erzherzogshut, Generalshut, Säbel und alle Orden legen. 

Nach Einbruch der Dunkelheit erfolgte ohne militärisches Geleit und ohne Trauerparade der Wiener Städtischen Beerdigung die Überführung nach Schloss Artstetten statt.

Die Wiener Bevölkerung nahm dennoch am Straßenrand still Abschied von ihrem Thronfolger und dessen schöner Frau, die so viel Gutes bewirkt hätte. 

Auch hier hatte sich Kaiser Franz Joseph nicht dazu herablassen können, seinem Neffen ein Staatsbegräbnis angedeihen zu lassen. 


Der Adel wurde davon abgehalten, die Särge von Wien nach Artstetten zu begleiten. 


Ein Hoftrauerzug wurde seitens Kaiser Franz Josef untersagt. 

Am 4.7.1914 fand auf Schloss Arstetten das Begräbnis statt.

Die Presse sprach vom „Begräbnis III. Klasse“, da es nicht nur klein gehalten, sondern auch von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde.

Es fand im engsten Familienkreis in der Pfarrkirche direkt auf Schloss Artstetten statt.

Erzherzog Franz Ferdinand wurde 50 Jahre, Sophie Herzogin von Hohenberg 46 Jahre alt.

Petra –

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com
Die Gruft heute von Schloss Artstetten
Die Inschrift in der Mitte der Wand erinnert an den totgeborenen Sohn des Paares.

Die Vollwaisen: Sophie Marie, Maximilian, Ernst

Wie schon erwähnt, wurde dem Volk nicht nur der Thronfolger genommen, sondern auch 3 Kindern Vater und Mutter.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Wunderschönes Gemälde der Kinder
Sophie, Ernst (mit Hut) und Max, Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum
  • Sophie (24.7.) 1901 geboren, war 13 Jahre alt,
  • Maximilian (29.9.) 1902 geboren, 12 Jahre alt
  • Ernst (27.5.) 1904 geboren, 10 Jahre alt.

Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Kaiser Franz Joseph zeigte auch hier kein Herz. Er empfing die Kinder nach dem Tod seines Neffen ein einziges Mal.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum

Vormund wurde Onkel Jaroslaw, mit vollem Titel Fürst Jaroslaw von Thun und Hohenstein. Er kümmerte sich nicht nur um die Kinder, sondern regelte auch den gesamten Nachlass von Franz Ferdinand und Sophie.

Er förderte die Kinder weiter und ließ ihnen eine gute Ausbildung angedeihen. Vor allem Max und Ernst wurden schulisch gefördert und durften ins Schottengymnasium gehen.

Die Kinder wuchsen zum Teil auf Schloss Konopischt auf und durften somit in ihrer vertrauten Umgebung bleiben.

Nach dem Ende der Monarchie verloren die Kinder ihre Besitzungen und wurden aus Böhmen vertrieben.

Foto: Wikimedia/Commons
Hochzeit Sophie mit Vormund Jaroslaw Thun und ihren Brüdern Max und Ernst

Jahrelange Prozesse ihren Besitz wieder zurückzuerlangen (Schloss Konopischt) misslangen. Schloss Konopischt fiel in den staatlichen Besitz und kann heute besichtigt werden.

Sophie wurde am 8.9.1920 mit Friedrich Graf von Nostitz-Rieneck (*1.11.1893 Prag, †29.12.1973 Graz) verheiratet. Sie bekamen 4 Kinder.

Sophie wurde früh verheiratet, auf ihre Schulbildung legte der Onkel nicht so viel Wert.

Dem Paar wurden die Kinder

  • Erwein Maximilian (*29.6.1921, †11.9.1949 in sowjetischer Gefangenschaft)
  • Franz von Assisi (*2.2.1923 Wien, †23.2.1945 Gefallen an der Ostfront)
  • Aloys Karl (*12.8.1925 Wien, †22.4.2003 Salzburg)
  • Sophie Amalia (*4.6.1929 – lebend)

geboren.

1945 verlor sie ihr gesamtes Eigentum und wurde mit ihrer Familie vertrieben. Zuerst fand sie in Eisenerz (Steiermark) ihr neues zu Hause, später in Salzburg. Sie starb am 27.10.1990 mit 89 Jahren.

Über Sophie ist ansonsten nicht mehr viel bekannt.

Max heiratete am 16.11.1926 Elisabetha Bona Gräfin von Waldburg zu Waldegg und Waldsee (*10.8.1904, †13.3.1993) und bekam mit ihr 6 Kinder.

  • Franz Ferdinand (*13.9.1927 Artstetten, *16.8.1977 Ried i.d.Riedmark)
  • Georg (*25.4.1929 – lebend)
  • Albrecht Philipp (*4.2.1931 Artstetten – lebend)
  • Johannes (*3.5.1933 Artstetten, †11.10.2003 Salzburg)
  • Peter (*26.3.1936 Arstetten – lebend)
  • Gerhard (*23.12.1941 Wien – lebend)
Foto: Wikimedia/Commons
Hochzeit Max und Elisabetha  

Max wurde von der Gestapo von Schloss Artstetten enteignet und wurde, gemeinsam mit seinem Bruder Ernst, mit dem so genannten „Prominententransport“ nach Dachau gebracht.

Nur seiner Frau, Gräfin Elisabetha hatte Max es zu verdanken, dass er im Herbst wieder entlassen wurde.

Sie führte ein beherztes Gespräch mit Hermann Göring.

Nach dem Ende des Regimes bekam die Familie 1949 das Schloss wieder zurück. Er wurde Bürgermeister von Artstetten und verblieb 5 Jahre im Amt.

In dieser Zeit nahm er wieder Kontakt zu Otto von Habsburg auf und begann diese Freundschaft wieder zu festigen. Max starb am 8.1.1962 im Alter von 60 Jahren in Wien.

Auf Sohn Franz Ferdinand geht Tochter Anita von Hohenberg (*1958) zurück; sie leitet heute die Geschäfte von Schloss Artstetten und hat 1983 das Museum gegründet. Seit 2015 ist der Garten für die Öffentlichkeit begehbar.

Ernst heiratete am 25.5.1936 Maria Therese Wood (*9.5.1910 Wien, †28.11.1985 Radmer) und bekam mit ihr 2 Kinder.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum
Ernst und Maria Therese Hohenberg
  • Franz Ferdinand (*14.3.1937 Wien, †8.8.1978 Radmer)
  • Ernst Georg (*1.3.1944 – lebend)

Mit dem so genannten „Prominententransport“ wurde Ernst gemeinsam mit seinem Bruder nach Dachau gebracht.

Ernst hatte nicht so viel Glück wie Max.

Er wurde von Dachau, nach Flossenbürg und Oranienburg gebracht.

Er wurde erst 1943 entlassen.

5 Jahre KZ hatten tiefe Spuren an ihm hinterlassen.

Er zog wieder in die Steiermark und fing an sich politisch zu betätigen und reiste mit Bundeskanzler Leopold Figl auch durch die sowjetische Zone. 

Ernst Hohenberg durch die Strapazen der KZ-Folterungen sehr geschwächt starb bereits 50jährig am 5.3.1954 in Graz.

Schloss Artstetten – Franz Ferdinand Museum

Begleitet mich auf einer Tour durch das Franz Ferdinand Museum durch das Schloss Artstetten:

Schloss Artstetten
Schlossplatz 1
A-3661 Artstetten
Für nähere Infos wendet euch bitte direkt an:

https://www.schloss-artstetten.at/

Öffnungszeiten:
ab 1. April 10.00 Uhr – 16.30 Uhr
Freitag Ruhetag
Juli und August: täglich 10.00 Uhr – 17.30 Uhr
Natur-Schlosspark: 9.00 Uhr – 13.00 Uhr
Im Winter nur gegen Voranmeldung!
Barrierefreiheit – gegen Voranmeldung!

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Mein besonderer Dank gilt:

Schloss Artstetten für die Foto- und Videoerlaubnis, sowie für die Hilfe bei den Recherchen! 


Rechtliche Hinweise:

Text: Petra

Stammbäume: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra , Wikimedia Commons, zeno.org, Habsburg.net, commune.modena.it, JosefNovak33, Hemmings.com, Antiquariat Futter 


Literatur Hinweise:

1 – S. 41, 2 – S. 52, 3 – S. 74, 4 – S. 76, 5 – S. 105, 6 – S 15, 7, 8 – S. 22
Anita Hohenberg, Christiane Scholler
Willkommen im Schloss Anita Hohenberg über ihren Urgroßvater Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este
1. Auflage 2011, Schloss Artstetten Herausgeber

2a – S. 18
Victor Eisenmenger
Franz Ferdinand
Amalthea Verlag, 1930 (nur noch antiquarisch erhältlich)


Kaiser Franz Joseph – Libényi Attentat (Teil 2)

Foto: Dorotheum  Wien
Kaiser Franz Joseph I, Gemälde nach Eduard Klieber, 1851


„Sei brav, es ist gern geschehen“

mit diesen Worten verabschiedete sich Ex-Kaiser Ferdinand I. von seinem Neffen und jetzigen Kaiser Franz Joseph und übergab ihm ein mehr oder weniger desolates Reich.


Danach war der Kaiser auf sich allein gestellt. Natürlich hatte er seine Minister und seine Mutter um sich, aber der 18jährige Franz Joseph wurde mit einer Herrschaft betraut, die schwieriger nicht hätte sein können.

Meinen Beitrag zur Kindheit von Kaiser Franz Joseph (Teil 1) könnt ihr hier nachlesen.

Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass ich die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werde. Mir geht es einzig darum, die Person und den Charakter bzw. sein Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreichen erschienenen Publikationen.
Danke!

Damit wenden wir uns vom Jahr 1848 ab und gehen weiter ins Jahr 1853.

Foto: Wikimedia/Commons
Maximilian Karl Lamoral, Graf O’Donell von Tyrconell 1853

Am 18.2.1853 fand ein Attentatsversuch statt, der noch Jahre nachhallen und viele neue Wege bereiten sollte.

Kaiser Franz Joseph ging, wie jeden Tag zu Mittag an der Kärntner Bastei spazieren.

Wie damals üblich begleitete ihn einzig sein Flügeladjutant Maximilian Karl Lamoral Graf O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.10.1895).

Vom Basteiwall aus, wollte der Kaiser den exerzierenden Truppen zusehen, als er plötzlich von hinten, von einem jungen Mann angesprungen wurde. Dieser versuchte ihm ein Messer ins Genick zu stechen.

Was dann wirklich geschah, ist heute kaum noch richtig zu rekonstruieren, aber in den vielen Geschichtsbüchern wurde überliefert, dass eine Frau, die von einem Fenster die Szene beobachtete, laut aufgeschrien hatte und sich deshalb Franz Joseph umdrehte.

Deshalb verfehlte der Attentäter sein Ziel.

Stattdessen erwischte er nur den Uniformkragen. Von der Schnalle auf der Halsbinde glitt die Klinge erneut ab und traf den Kaiser in den Hals.

Foto: Wikimedia/Commons
Lajos Kossuth de Kossuth et Udvard
Lithographie August Prinzhofer, 1848

Dabei rief er laut:

„Eljen Kossuth“. (Es lebe Kossuth).

Lajos Kossuth de Kossuth et Udvard (*19.9.1802, †20.3.1894) war ein Revolutionär, der 1849 die ungarische Republik ausrief und vom Exil aus die Loslösung Ungarns von Österreich propagierte.

Als der Attentäter nochmals zustechen wollte, zog O’Donell sofort seinen Säbel. O’Donell wurde bei dem folgenden Gerangel an der Hand verletzt, als er den Täter zu Boden werfen wollte und dabei vom Messer getroffen wurde.

In dem Augenblick als der Täter am Boden lag, kam der ehemalige Fleischhauer und Privatier Josef Ettenreich vorbei und half O’Donell, in dem er den Täter mit den Fäusten schlug und ihn niederhielt.

Kaiser Franz Josef schrie auf:

„Schlagen Sie ihn nicht, man soll ihn arretieren.“

Foto: Wien Museum Karlsplatz
Attentatsversuch 18.2.1853 v.l.n.r.: Graf O’Donell, Kaiser Franz Joseph, János Libenyi, Josef Ettenreich Gemälde: J.J.Reiner, 1853

Der Kaiser, der kaum verletzt schien, aber stark blutete, beruhigte die versammelten Leute mit den Worten:

„Beruhigt euch, es ist nichts! Ich trage nur das Schicksal meiner braven Soldaten in Mailand.“ (1)

Der Kaiser spielte auf den Verlust der 12 österreichischen Soldaten beim Aufstand in Mailand an, welcher am 6.2.1853 stattfand.

Mittlerweile konnte der Attentäter abgeführt werden. Es handelte sich dabei um János Libényi, welcher im Dezember 1831 in Csákvár, Ungarn geboren wurde. Über seine Kindheit ist mir leider – auch nach der intensivsten Recherche – nichts in die Hände gefallen. In den schwierigen Revolutionsjahren 1848/49 war er Militärschneider für die Aufständischen. Ab 1851 lebte er als Schneider in Wien.

Foto: Wikimedia/Commons
Freiherr Joseph Wattmann von Maëlcamp-Beaulieu
Lithographie Joseph Kriehuber 1844
Foto: Österreichische Nationalbibliothek
Dr. Johann Nepomuk Seeburger

Derweil wurde Kaiser Franz Joseph ins Albrechtspalais gebracht, wo er von den eilig herbeigerufenen Ärzten, dem pensionierten Chirurgen von Kaiser Franz II/I Freiherr Joseph Wattmann von Maëlcamp-Beaulieu (*6.3.1789, †14.9.1866) und dem kaiserlichen Leibarzt Freiherr Johann Nepomuk Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) die beide die Wunde untersuchten.

Da Graf O’Donell leicht hysterisch meinte, die Klinge könnte vergiftet worden sein, saugte Seeburger die Wunde aus.

Diese war 2,54 cm lang und klaffte stark auseinander. Sie blutete heftig, war aber nicht allzu tief. Während alle anderen den Schrecken nur sehr schwer verarbeiteten, war Kaiser Franz Joseph putzmunter.

Als Erzherzog Ferdinand Maximilian im Albrechtspalais ankam, fand er einen kaltblütig wirkenden Kaiser vor.

„Es ist gar nichts … daß nur meine Mutter nichts davon erfährt.“ (2)

Bei der Tatwaffe handelte es sich um ein gewöhnliches Küchenmesser, dem Libényi eine doppelte Klinge geschliffen hatte. 14 Tage saß er täglich auf der selben Bank, um den Kaiser bei seinem Spaziergang zu beobachten. Eine Verschwörung und Mittäterschaft mehrerer Personen konnte nie nachgewiesen werden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Tatwaffe vom Attentatsversuch auf Kaiser Franz Joseph, 18.2.1853, Ausstellung 2016, 100 Jahre Kaiser Franz Joseph – Hofmobiliendepot Wien

Der wahre Grund ist bis heute ungeklärt und wird auch nicht mehr eruiert werden können. Folgendes konnte ich in verschiedenen Büchern herausfinden:

Gabriele Praschl-Bichler beschrieb in ihrem Buch „Kaiser Franz Joseph ganz privat „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen“, folgende Geschichte, die ich im ganzen Wortlaut wiedergebe:

Eine andere Liebesgeschichte steht in Zusammenhang mit dem am 18.Februar 1853 auf Kaiser Franz Joseph verübten Attentat, als der Schneidergeselle János Libényi aus der Wiener Leopoldstadt ein 41,5 Zentimeter langes, beidseitig geschliffenes Messer gegen den Monarchen führte. Lauf offizieller Aussage hieß es, er sei ungarisher Anarchist gewesen, der sich den Kaiser als prominentes Opfer erwählt hatte. Gemäß der Meinung einier anderer Zeitgenossen hätte hinter diesem Anschlag ein Racheakt gesteckt, der auf eine Liebschaft zwichen dem jungen Kaiser und einer Ungarin zurückzuführen war die ein Familien angehöriger „ins Reine“ bringen sollte.

Monate vor dem Attentat war Kaiser Franz Joseph während eines Praterbesuchs ein Mädchen aufgefallen, das vor einer Schaubude stand und die neugierigen Blicke des jungen Monarchen heftig erwiderte. Um ihn noch mehr für sich zu interessieren, brachte es ihm eine temperamentvolle Csardas-Einlage dar. Der Kaiser erfuhr, daß es eine Nichte der Budenbesitzerin, einer gewissen Frau Danzinger, war, Margit Libényi hiße und aus dem ungarischen Dorf Czakvar stamme. Im Laufe einer folgenden Bekanntschaft soll ihr Kaiser Franz Joseph auch eine Ausbildung als Tänzerin bezahlt haben.

Zu jener Zeit hatt einer der Brüder Kaiser Franz Josephs, Erzherzog (Ferdinand) Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko, das Libretto zu einer Oper verfaßt, deren Aufführung der Kaiser aber zu verhindern wußte. Angeblich hätte nun Erzherzog Max Kontakt zu dieser Tänzerin aufgenommen, ihr eine glanzvolle Tanzrolle in der Oper zugesagt für den Fall, daß es ihr gelänge, den Kaiser umzustimmen. Es kamm dann tatsächlich zur Aufführung des Werkes, die Künstlerin erntete mit ihrer Darstellung großen Beifall und wurde am Tag nach der Premiere zum Mitglied des kaiserlichen Balletts ernannt. Sie nahm einen Künstlernamen an und tanzte fortan unter dem Pseudonym Mizzi Langer.
Der Ruf der Ungarin als Kaiserliebchen war bis in ihr Heimatdorf gedrungen und soll dort viel für Aufruhr unter der Bevölkerung veursacht haben. Die Bitten ihres Bruders, János Libényi, sie möge sich vom Kaiser lossagen, blieben unbeantwortet, und so faßte der „Entehrte“ den Entschluß, die Schuld der Schwester durch ein Attentat auf den Kaiser zu sühnen.
(3)

Nun geht die Geschichte der Historiker auseinander. Während Praschl-Bichler im zitiertem Buch schrieb, dass sich der Kaiser darauf hin von Mizzi Langer trennte und Libényi beim Polizeiverhör den wahren Grund seiner Tat preisgab, so erzählen die restlichen Historiker, dass der Attentäter keinen wirklichen Grund nannte.

Angeblich war er wegen der vielen Hinrichtungen in seinem Land (Ungarn) in den Revolutionsjahren (1848) so aufgebracht gewesen, dass er auf Kaiser Franz Joseph einen unbändigen Hass entwickelt hatte. Er verehrte Kossuth über alle Maße und glaubte, dass dessen Reden die einzig Richtigen wären.

Foto: wien.gv.at
Ubald Tartaruga (Edmund Otto Ehrenfreund)

Praschl-Bichler behauptete im zitierten Buch weiterhin, dass Franz Joseph, Mizzi und ihre Mutter großzügig mit Geld abgefunden hätte und wollte János begnadigen. Dies verhinderten die Regierungsmitglieder angeblich mit der Drohung eines sofortigen Rücktritts.

Jetzt wird es besonders abstrus, denn 1920 – also 67 Jahre nach dem Attentatsversuch – soll sich der ungarische Kriminalautor Gyula Kemény die Geschichte ausgedacht haben.

1922 – also 69 Jahre nach dem Attentatsversuch (!) – nahm ein Oberpolizeirat und Kriminalschriftsteller die Geschichte von Margit Libényi bzw. Mizzi Langer noch einmal auf. Dieser Oberpolizeirat und Kriminalschriftsteller war Ubald Tartaruga (mit bürgerlichem Namen Edmund Otto Ehrenfreund) (*12.2.1875, †21.11.1941). Er wollte an kein politisches Attentat glauben.

Foto: amazon.de
Gisi Gruber
 

Sämtliche namhafte Historiker sind sich jedoch einig, dass dies Hirngespinste waren, die sich ein paar Leute „ausgedacht“ haben; dennoch geistert der Name Mizzi Langer immer noch durch die Literatur.

Wie nun Kunsthistorikerin Gabriele Praschl-Bichler zu dieser Geschichte kam, kann ich nicht beantworten. Es gibt keine Hinweise und keine Quellen in ihrem Buch. In ihrem Nachwort bedankt sie sich bei Erzherzog Otto, der sich an seine Familiengeschichte erinnert, an dessen Sekretärin und bedankt sich nach Pöcking. Auch andere namhafte Namen werden noch erwähnt. Das Literaturverzeichnis ist das Übliche, dass man in beinahe jedem historischen Buch findet, so auch in meinen Beiträgen.

Gisi Gruber, eine Romanautorin aus den 50er Jahren ließ es sich ebenfalls nicht nehmen und nahm sich dem Thema als Liebesroman an. Ob ein Attentasversuch nun wirklich eine Vorlage für einen Liebesroman ist, mag dahingestellt sein, aber in den 50er Jahren lechtzte man nach dem Kaiserhaus und nach schönen und romantischen Geschichten aus diesem Haus => siehe „Sissi“.
Wer das Buch lesen möchte: Anitquarisch ist es noch immer erhältlich.

Übrigens erzähle ich diese „abstruse“ Geschichte auch im 5ten Teil von „Kaiser Franz Josef und seine Frauen“, die ihr hier nachlesen könnt.

Aber nun zurück zur historischen Geschichte:

Vor seinem Tod nannte Libényi seinen Freund Johann Misits, den man nach seiner Strangulation verständigen sollte.

Am 26.2.1853 wurde er bei der Spinnerin am Kreuz in Favoriten bei Wien (damals noch bei Wien, heute ist Favoriten der 10. Gemeindebezirk) per Galgen hingerichtet.

Und weil die Wiener immer gerne Spottverse dichteten, wurde auch eines auf den Tod des Schneiders gedichtet.

Der Ort „Simmeringer Had“ ist allerdings eine Mär. Libényi wurde eindeutig bei der „Spinnerin am Kreuz“ stranguliert, da damals dort der Galgen stand und in unmittelbarer Nähe die Leichen verscharrt wurden.

Die zweite Zeile zeigte, dass der Kaiser beim Volk noch nicht sehr beliebt war.

Auf der Simmeringer Had', hat's an Schneider verwaht
es g'schicht ihm schon recht, warum sticht er so schlecht.
Auf der Simmeringer Had', hat's an Schneider verwaht
mit der Nadel samt dem Öhr, samt dem Zwirn und der Scher'.
Auf der Simmeringer Had', hat's an Schneider verwaht
allen sei es a Lehr, er lebt nimmermehr
Und Leut'ln hurcht's auf, der Wind hört schon auf,
gang er allerweil so furt, wa ka Schneider mehr durt.

Im übrigen ist das Wiener Mundart. Es zu übersetzen, würde den Wiener Charme zerstören; aber ein paar Worte „übersetze“ ich:
verwaht = veraltet für aufgehängt
g’schicht = geschieht
hurcht’s = aufhorchen

Johann Misits ereilte ein böses Schicksal.

Ob er wirklich an der Verschwörung zur Tat beteiligt war, konnte ich leider nicht herausfinden.

18 weitere Schneidergesellen wurden verhaftet.

Misits wurde zu 20 Jahren Schanzarbeit (schwere Erdarbeiten mit Spaten) in schwerem Eisen verurteilt.

Während der eine starb und der andere vielleicht für eine Tat verurteilt wurde, die er nicht beging, wurden zwei andere gehuldigt und verehrt und der Dritte vergessen.

Foto: Wikimedia/Commons
Johann Baptist Strauss (Johann Strauss „Sohn“),
Lithographie Josef Kriehuber, 1853

Franz Joseph wurde von vielen Seiten zu seiner Tapferkeit belobigt. Viele Glückwünsche trafen in der Wiener Hofburg ein. Papst Pius IX sendete eine Reliquie des heiligen Petrus, die noch heute in der Schatzkammer bewundert werden kann.

Johann Strauß Sohn komponierte den „Kaiser Franz Joseph I.-Rettungs-Jubelmarsch (Op. 126)“ (3). Nach dem sich der Kaiser von seiner Verletzung erholt hatte (er litt unter Fieber und hatte ein eingeschränktes Sehvermögen).

Da er erstmals am 12.3.1853 wieder ausfahren konnte, bekam er viele Ovationen von den Menschen, die sich auf den Straßen versammelt hatten. Generell hatte sich die Beliebtheit des Kaisers durch diesen Vorfall erhöht.

Nur in Italien und Ungarn ärgerte man sich, dass der Schneider nicht besser getroffen hatte.

Eine Schmähschrift:

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Josef Ettenreich, Heldenberg
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Maximilian O’Donnell, Heldenberg

 

„Lieber Franz I. Luder und Schelm! Es tut mir Leid vernommen zu haben, daß das schöne Attentat gegen Euch am 18. Februar zunichte geworden ist, denn wäre es gelungen, hätte man in Padua große Freude gehabt, weil ein Barbar weniger auf der Welt wäre, der Italien, den Garten Gottes tyrannisiert.“ (4)

Vergessen hingegen wurde der Flügeladjuant Graf O’Donell. Auch wenn ihm Dankschreiben ereilten und er (und Ettenreich) eine Büste am Heldenberg bekam(en), wurde er nicht so gehuldigt wie Josef Ettenreich.

O’Donell zog sich daraufhin in sein Privatleben zurück. Er war allerdings der einzige, der sich im Mirabellgarten (Salzburg) eine Villa bauen durfte. Dort wohnte er bis zu seinem Lebensende. Sein Grab wurde leider mittlerweile aufgelassen und die seine Villa ist heute eine Galerie.

Mehr dazu erzähle ich in meinem Video:

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Foto: Wikimedia/Commons
Josef Christian Ettenreich, Lithographie August Dauthage 1853; ab 23.4.1853 Josef Christian Ritter von Ettenreich
Foto: Alex.ryazantsev
Franz Josephs Orden, verliehen an Josef Ettenreich am 20.2.1853
Foto: wien.gv.at/salvator-medaille
Salvatormedaille, Vorderseite, verliehen an Josef Ettenreich am 25.4.1853

Josef Christian Ettenreich (*25.8.1800, †4.2.1875) wurde am 20.2.1853 mit dem Franz Joseph-Orden ausgezeichnet.

Weiters wurde er am 23.4.1853 in den Adelsstand erhoben und hieß ab sofort Josef Ritter von Ettenreich.

Zeit seines Lebens war Franz Joseph dem Fleischhauer für sein Einschreiten dankbar. Als Ettenreich schließlich 1875 starb, bekam er im 10. Wiener Gemeindebezirk seine eigene Gasse, die "Ettenreichgasse".
Foto: Reinmichl
Mosaiktafel in der Ettenreichgasse Nr. 22
Foto:wien.gv.at/salvatormedaille
Schatulle zur Salvatormedaille, verliehen an Josef Ettenreich am 25.4.1853
Foto: wien.gv.at/salvatormedaille
Salvatormedaille, Hinterseite, verliehen an Josef Ettenreich am 25.4.1853

Am 25.4.1853 bekam er noch die Salvatormedaille der Stadt Wien verliehen.

Foto: viennatouristikguide.at
Gedenktafel am ehemaligen Gasthof „Zum Grauen Adler“ (im Besitz von Ettenreich) – Margaretenstraße 9, 1040 Wien
Foto: wien.gv.at/norahiltl
Nora Hiltl (1954)

Die Zuneigung ging so weit, dass Ettenreichs Tochter Barbara (*18.1.1830, †7.1.1908) als sie Robert Neumann von Spallart heiratete, der Adelstitel „Ritter“ auf den Schwiegersohn übertragen wurde, womit der Name „Ritter Neumann-Ettenreich“ gegründet wurde und einige berühmte Personen hervorbrachte.

Enkel Robert wurde „ständiger Berichterstatter des österreichischen Verfassungsgerichtshofes“, Ur-Enkel Robert wurde Physiker und Ur-Ur-Enkelin Nora Hiltl (*21.6.1905, †2.1.1979) war eine berühmte Politikerin.

Foto: Wikimedia/Commons
Heinrich Freiherr von Ferstel
Lithographie A. Schubert 1880

Zu guter Letzt und zur Erinnerung an das Überleben von Kaiser Franz Joseph, erwirkte sein Bruder Erzherzog Ferdinand Maximilian, dass eine Kathedrale errichtet werden sollte.

Er rief zu einem Spendenaufruf auf, dem 300.000 Bürger folgten. 

Heinrich Freiherr von Ferstel (*7.7.1828, †14.7.1883) der damals mitten in den Bauarbeiten zum Bank- und Börsengebäude (das heutige Palais Ferstl) steckte, wurde mit den Bauarbeiten zur Votivkirche beauftragt.

Ferstl, der einer der besten Architekten seiner Zeit war, hinterließ uns so wunderbare Bauten wie zB das eben erwähnte Palais Ferstl (früher das Gebäude der österreichischen-ungarischen Nationalbank), die Wiener Börse, das Palais Wertheim, das Museum für Angewandte Kunst, das Palazzo del Lloyd (Triest) und das Hauptgebäude der Universität Wien.

Foto: ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Grundsteinlegung Votivkirche. Kolorierte Lithographie F. Kollarz. 1856

Am 24.4.1856 wurde unter dem Beisein von Kaiser Franz Joseph, Kardinal Rauscher und 80 Bischöfen und Erzbischöfen der Grundstein gelegt.

Foto: Wikimedia/Commons
Silberne Hochzeit, Kaiserin Elisabeth, 24.4.1879
Bild: Georg Raab
23 Jahre sollte der Bau dauern. Am 24.4.1879, zum 25. Hochzeitstag von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth wurde sie eingeweiht.
  • Fotorechte:
  • 1. Zeile: von links nach rechts
    Foto: ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
  • 2. Zeile von links nach rechts
    Bau der Votivkirche; Chorpartie Richtung Theseustempel (Volksgarten); 1860
    Foto: ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
    Bau der Votivkirche. Halbtürme eingerüstet. Oscar Kramer 1865
    Foto: ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
    Blick auf die Kirche von erhöhtem Standpunkt aus. Links hinten die Universität in Bau. Wilhelm Burger 1880 
    Foto: Bwag/Commons
    Fertige Votivkirche mit Grundriss 1879
  • 3. Zeile von links nach rechts
    Foto: Bwag/Commons
    Hochaltar
    Foto: Bwag/Commons
    Orgel
    Foto: Bwag/Commons
    komplett Ansicht Innen
Der Platz, auf dem die Kirche steht, wurde Maximilianplatz genannt. Zur Erinnerung an den 1869 ermordeten Bruder Kaiser Maximilian von Mexiko.

Ein Attentatsversuch mit großen Folgen für die beteiligten Personen, aber auch für Wien – denn ohne diesem hätte es die Votivkirche nicht gegeben.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra
Bildrechte: mapio.com, viennatouristguide.at, wien.gv.at, Bwag/Commons, ÖNB, Reinmichl, Alex.ryazantsev, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung


Literatur Hinweise:

1 – S 98, 2 – S 99, 3 – S 103, 4 – S 103
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I Kaiser von Österreich und König von Ungarn
C.H.Beck Verlag, 2015, 1. Auflage

Kaiser Franz Joseph I.
Presse, Geschichte Magazin

3 – S 162-164
Gabriele Praschl-Bichler
„Kaiser Franz Joseph ganz privat
„Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen“
Amalthea Verlag, 3. Auflage, 2005 (nur noch antiquarisch erhältlich)