Reiten wie der Wind …*

Foto: dorotheum.com
Sisi als 15jährige Hoch zu Roß.
Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert.
Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty

*Mit dem Zitat aus dem Musical Elisabeth möchte ich diesen Beitrag beginnen.

Kaiserin Elisabeth war für 2 Dinge bekannt:

Für ihre Schönheit und ihre außergewöhnliche Reitbegabung

Beides hatte sie zwischen den 1870er und 1880er Jahren perfektioniert. Sie war nicht nur zur schönsten Frau Europas erstrahlt, sie war auch zur besten Reiterin geworden.

Foto: Münchner Stadtmuseum Bildarchiv
Herzog Max und Herzogin Ludovika beim gemeinsamen Ausritt
Bild: Heinrich von Mayr, 1833

Diese Passion und Liebe wurde ihr bereits in die Wiege gelegt. Schon ihr Vater Herzog Max (*4.12.1808, †15.11.1888) liebte die Pferde.

Klein-Sisi wuchs von 1837 – 1844 mit einer kleinen Zirkusmanege im Herzog Max-Palais auf.

Als sie ca. 6 Jahre alt war, musste diese für ein Herrenzimmer weichen.

Herzog Max hatte den Spaß am Zirkus verloren und widmete sich zusehends seiner „Arthus-Runde“. Der Beitrag zu Elisabeths Vater kann hier nachgelesen werden.

Aber auch ihre Mutter Herzogin Ludovika, geborene Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892) liebte das Reiten und Pferde. Vor allem als junge Frau ritt sie gerne aus. Doch je größer die Kinderschar mit Max wurde, desto weniger Zeit hatte sie für ihr Hobby. Alle zwei Jahre schwanger zu sein forderten von Ludovika körperlich so manchen Tribut. Ihr Beitrag kann hier nachgelesen werden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Possenhofen

Elisabeth lernte also schon sehr früh reiten.
Da es bereits seit 1834 das Schloss Possenhofen am Starnberger See in der Familie gab, konnte die kleine Sisi ihre Passion natürlich auch in der freien Natur ausleben und perfektionieren.

Schon als junges Mädchen galt sie als ausgezeichnete Reiterin. Ihre hohe und schlanke Gestalt, schenkte ihr dazu zusätzlich Aufmerksamkeit.

Als sich Kaiser Franz Joseph in die ansonsten damals noch unscheinbare 15jährige verliebte, konnte er nicht ahnen, welch wunderschöne Frau einmal aus ihr werden sollte.

Ihr Verlobungsgeschenk, welches sie zu Weihnachten 1853 ihrem Franz übergab (obiges Titelbild), zeigte sie stolz am Pferd, dahinter Schloss Possenhofen. Die 3 Tauben am Bild sollen ihr Zimmer anzeigen.

Als sie in Wien ankam, war sicherlich eines ihrer Hobbies ihr Reiten weiterhin zu perfektionieren.

Foto: Nationalbibliothek.at
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth bei der gemeinsamen Jagd
Lithographie: Eduard Kaiser, 1854

Elisabeths Können in den reiterlichen Disziplinen war enorm. Sie konnte

Dressur-, Jagd- und Zirkusreiten

und das alles im Damensattel!

Foto: srs.at
Winterschule der Spanischen Hofreitschule

Die Dressur trainierte sie in der Winterschule der Spanischen Hofreitschule der Wiener Hofburg. Dort lernte sie von den Oberbereitern die Hohe Kunst wie man Piaffe, Passage und Levade perfekt reiten konnte.

Oberbereiter Franz Gebhardt sagte einst über Kaiserin Elisabeth:

„…, dass die Kaiserin ein übersinnliches Verständnis für Pferde habe, eine besonders talentierte Reiterin sei und er keine bessere Dame zu Pferd kenne.“ (1)

Elisabeths Perfektion beschränkte sich dabei nicht nur auf die Pferde und ihr Können, sondern auch auf ihr Aussehen.

Sie trug in ihren frühen Zeiten oftmals braune, dunkelgrüne oder dunkelblaue Reitkleidung, später wurde dies in tiefschwarz gewechselt, da sie wusste, dass dies für noch mehr Aufsehen sorgte.

Dabei achtete sie genau darauf, dass nichts dem Zufall überlassen wurde.

Die Reitkleidung hatte aus weichem Rehleder zu sein und die Schneiderin wurde jedesmal in den frühen Morgenstunden gerufen, damit sie die Kaiserin in das Kleid hineinnähte.

Das sah folgendermaßen aus:

Elisabeth stand bereits in – Skandal! – beiger Rehleder-Unterhose, enggeschnürtem Korsett und Oberteil vor der Schneiderin, welche nun den Rock an das Oberteil anzunähen hatte.

Dabei durfte – nach strengster Etikette – der Körper von Kaiserin Elisabeth nicht berührt werden!

Normalerweise trugen die Damen unter ihrem Reitkleid ebenfalls Reitunterröcke.

Dies fand Elisabeth absolut unpraktisch, weshalb sie auf lange Reitunterhosen umstieg.

Sie trug 3 Paar Handschuhe (wegen dem Verschleiß), wobei auch diese aus Rehleder bestanden und meistens weiß oder beige waren. Ihre Stiefel waren bis zu den Waden geschnürt, an den Fersen trug sie kleine Sporen.

Ihr geflochtenes Haar krönte ein Zylinder der aus Biberfell hergestellt wurde.

Foto: pressreader.com
Kaiserin Elisabeth in perfekter Reitkleidung am Pferd
1875, England

Sie verbrachte Stunden bei der Schneiderin.
Diese stellte extra ein Holzpferd vor einen großen Spiegel, damit Elisabeth jedes Detail der Reitkleidung mit der Schneiderin besprechen konnte.

Kaiserin Elisabeth war äußerst penibel auf ihr Aussehen. Sie wollte nicht nur als die beste Reiterin Europas gelten, sondern auch als die Schönste.

Beides gelang ihr natürlich ohne Unterlass.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max Ausstellung – Schloss Aichach 2017
Herzog Max in Bayern

Doch bevor noch in England und Irland aufgetrumpft wurde, lernte Elisabeth zirzensische (= Zirkus) Kunststücke. Wie eingangs erwähnt, hatte sie dies als Kind bei ihrem Vater gesehen und Max war ein Liebhaber der Zirkusse.

Am 19.5.1833, nach der ersten Vorstellung in seinem Zirkuszelt, soll Herzog Max vor dem nicht (!) adeligen Publikum ausgerufen haben:

„Wenn wir koane Prinzn waarn, waar ma Kunstreiter worn!“ (2)

Natürlich war Elisabeth 1833 noch nicht auf der Welt, aber von 1837 – 1844 war sie sehr wohl vom Zirkus im Herzog Max-Palais in München fasziniert. Und gerade in der frühen Kindheit beginnen solche Leidenschaften.

Kurz nachdem sie nach Wien kam und Kaiser Franz Joseph geheiratet hatte, fand im Wiener Prater im Zirkus Renz zu Ehren des Brautpaares eine Aufführung statt.

Foto: Wikimedia/Commons
Ernst Renz und Danielo, 1866
Foto: Bezirksmuseum Wien 2
Zirkus Renz 1856

Johann Strauß komponierte eigens die „Elisabethklänge“ und dazu gab es eine pompöse Galavorstellung.

60 Pferde, welche in verschiedene Gruppen eingeteilt wurden, liefen vor dem begeisterten Publikum und dem Kaiserpaar und zeigten ihre Kunst.

Unter anderem wurde auf 12 Schimmeln und Rappen eine Quadrille aus der Renaissance geritten.

Als dann noch der Besitzer selbst, Ernst Renz (*18.5.1815, †3.4.1892), auf seinem Araberschimmel eine Solonummer ritt, war es um die junge Braut geschehen.

Einige Anwesende wollen gehört haben, wie Elisabeth verzückt rief:

„Zu schön, nein, doch zu schön, diesen Mann muss ich kennenlernen!“ (3)

Doch erst 1867 sollten sich Ernst Renz, seine Artisten und Kaiserin Elisabeth wiedersehen.

Es stand das ganz große Ereignis der ungarischen Königskrönung vor der Türe.

Die kaiserliche und neu gekrönte königliche Pflicht sah es vor, dass Kaiser Franz Joseph eine vierfache Levade ritt.

Foto: dorotheum.com
König Franz Joseph
am Krönungshügel
Bild: Bauer sen.

Dieses eigenartige Ritual war seit Jahrzehnten Brauch in Ungarn und konnten nur sehr geübte Reiter bewältigen.

Kaiser Franz Joseph bzw. der dann schon gekrönte König Franz Joseph musste in vollem Krönungsornat und mit gezogenem schwerem Zeremonialschwert, welches er parallel zum Kopf des Pferdes halten musste, auf einem Schimmelhengst einen steilen Erdhügel hinaufreiten, der aus allen Provinzen Ungarns bestand.

Die Levade bestand aus 4 Himmelsrichtungen und musste demnach 4x geritten werden. (8x wenn man das Hinunterreiten mitrechnet.)

Da die Krönung von höchster politischer Bedeutung war, durfte sich Kaiser Franz Joseph kein noch so kleines Hoppala erlauben.

Foto: Wikimedia/Commons
Levade ohne Erdhügel
Bild: Ludwig Koch

Obwohl Kaiser Franz Joseph ein ausgezeichneter Reiter war, war ihm die Hohe Kunst des Dressurreitens fremd.

Kaiserin Elisabeth wusste von der Wichtigkeit dieses Ritts und bat deshalb Zirkusdirektor Ernst Renz zu sich.

Dieser baute im Hof der Wiener Hofburg einen genauso hohen Erdhügel auf und ließ einen sehr zahmen Schimmelhengst 2 Monate die Levade üben. Erst eine Woche vor der Krönung stieg Kaiser Franz Joseph auf das Pferd.

Die Levade klappte – auch am Tag der Krönung (8.6.1867) – ohne den kleinsten Fehler und König Franz Joseph und sein Pferd hatten keinen Grund zur Klage.

Um die Krönung nicht zu verpassen, fuhr auch der Zirkus mit nach Ungarn und so hatte auch Kaiserin Elisabeth ihren Spaß.

Foto: austria-forum.org
Elisa Petzold

Die Dressurreiterin Elise Petzold (*1850, †unbekannt), die von allen nur Fräulein Elisa genannt wurde, lehrte Kaiserin Elisabeth die zirzensischen Kunststücke.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Krönungsgeschenk Schloss Gödöllö
Innenhof

Als Krönungsgeschenk erhielt Kaiserin Elisabeth ihr geliebtes Schloss Gödöllö und dort ließ sie eine Reithalle und eine Zirkusmanege bauen.

Elisa lehrte ihr nicht nur die hohe Kunst der Dressur, sondern wurde ihr auch eine gute Freundin. Elisabeth schenkte ihr daraufhin ihr Lieblingspferd „Lord Byron“ und lud sie auf die feine Jagdgesellschaft in Ungarn ein.

Foto: gnm.de/museum/abteilungen-anlaufstellen/deutsches-kunstarchiv
Emilie Loisset

Auch Emilie Loisset (*1856, †7.1.1882) war eine Kunstreiterin aus dem Zirkus Renz und lehrte gemeinsam mit Elisa Elisabeth die Dressur. Als diese später in der Manege 25jährig tödlich verunglückte, war die Kaiserin zu Tode betrübt. Die Zeitungen schlachteten das Thema „Emilie, die Vertraute der Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, ist tödlich verunglückt“ weitgehendst aus.

Fräulein Elisa wurde von der berühmten Kunstreiterin Clara Rasch abgelöst, die sich häufig in Wien aufhielt und Elisabeth bis zur Weltausstellung 1873 unterrichtete.

Ebenfalls ein erlauchter und absichtlich provozierter Gast war die (damals noch) Lieblingsnichte von Kaiserin Elisabeth Marie Louise von Wallersee (*24.2.1858, †4.7.1940).

Marie wurde als „Bastard“ ihres Vaters Ludwig „Louis“ Herzog in Bayern (*21.6.1831, †6.11.1920) und der unstandesgemäßen und noch dazu jüdischen Schauspielerin Henriette Mendel (*31.7.1833, †12.11.1891) geboren.

Erst nachdem der Sohn, welcher nach 3 Monaten verstarb, geboren wurde, heiratete das Paar morganatisch und Louis verzichtete auf Titel und viel Geld.

Marie und Henriette wurden in weiterer Folge beide Vertraute von Kaiserin Elisabeth und waren sehr beliebt in der Familie.

Zumindest solange bis Marie Kronprinz Rudolf mit Mary Vetsera (*19.3.1871, †30.1.1889) verkuppelte. Das Drama ist hinlänglich bekannt. Danach wurde Marie vom Hof und aus dem Leben der Kaiserin verstoßen.

Doch noch war alles in Ordnung und Marie gerade einmal 15 Jahre alt. Sie war ein unglaublich hübsches Kind, was Elisabeth immer sehr zu schätzen wusste.

In weiterer Folge, wurde sie auch eine ganz besondere Freundin für die am 22.4.1868 geborene letzte Kaisertochter Erzherzogin Marie Valérie (†6.9.1924).

Marie war häufiger Gast bei Kaiserin Elisabeth und diese lernte ihr das Reiten. Schnell galt Marie als ausgezeichnete Reiterin, was ihre Tante natürlich äußerst stolz machte.

Marie wurde demnach zur Jagdgesellschaft geladen. Sehr zum Missfallen des hochnäsigen Adels in Ungarn. Einen „Bastard“ neben der Kaiserin, noch dazu eine Halbjüdin, war für manchen schwer zu ertragen. Auch wenn diese die Nichte war.

Manchmal machten sich die beiden einen Spaß aus ihrem Ausritt und Marie schrieb folgendes in ihr Tagebuch:

„Ich genoß in vollen Zügen die langen Ritte mit der Kaiserin, die bisweilen einen Gefallen daran fand, sich als Knabe zu verkleiden. Natürlich mußte ich ihrem Beispiel folgen; doch ich entsinne mich noch der Scham, die mich marterte, als ich mich zum ersten Mal in Hosen sah. Elisabeth bildete sich ein, daß diese verrückte Laune in Gödöllö nicht allgemein bekannt war; in Wahrheit sprach jedermann darüber. Nur Franz Joseph, glaube ich, hatte keine Ahnung von dem, was aller Geheimnis war.“ (4)

Schon bald waren sämtliche Details auch in Wien bekannt. Der Wiener Adel hatte wieder einmal einen Grund die feinen Nasen zu rümpfen und das Volk einmal mehr den Kopf zu schütteln.

Foto: hofreitschule.news
Kaiserin Elisabeth zu Pferd
mit großem Lederfächer

Doch Elisabeth ließ sich nicht beirren und machte auf Schloss Gödöllö weiter wie bisher.

Verzückt schrieb Marie in ihr Tagebuch:

„Dreimal in der Woche war Jagd“ Ach, es war herrlich!“ Elisabeth sah zu Pferde berückend aus. Ihr Haar lag in schweren Flechten um ihren Kopf, darüber trug sie einen Zylinder. Ihr Kleid saß wie angegossen, sie trug hohe Schnürstiefel mit winzigen Sporen und zog drei Paar Handschuhe übereinander; der unvermeidbare Fächer wurde stets in den Sattel gesteckt.“ (5)

Aber nicht nur auf der Jagd kam Marie ins Schwärmen, auch bei der Hohen Schule wusste sie, dass ihre Tante die Schönste war:

„Es bot einen reizenden Anblick, wenn Tante in ihrem schwarzsamtenen Kostüm ihren kleinen Araber rings um den Ring im Tanzschritt führte. Für eine Kaiserin war es freilich eine etwas ungewöhnliche Beschäftigung.“ (6)

Foto: Wikimedia/Commons
Prinz(regent) Luitpold

Als klein Valérie einmal die bayrische Verwandtschaft besuchte und auch Prinz Luitpold (*12.3.1821, †12.12.1912) (nach König Ludwigs II Tod Prinzregent) anwesend war, erzählte diese voller Stolz,

dass ihre Mama, jetzt schon mit dem Pferd durch zwei Reifen springen könne.

Von Herzog Max waren diese ja einiges gewöhnt und Ludovika verzog keine Miene, aber von der Kaiserin von Österreich?

Ernst Renz beriet Kaiserin Elisabeth bis Mitte der 70er Jahre beim Kauf ihrer Pferde. So wurden auch zwei Schimmel angeschafft, welche auf die entzückenden Namen „Flick und Flock“ getauft wurden.

Elisabeth trainierte die beiden persönlich in ihrer Manege und ließ sie sogar in Öl festhalten.

Bei der „Elisabeth – eine Kaiserin hoch zu Ross“ – Ausstellung 2017 im Sisi-Museum Wien, wurde das Bild gezeigt.

Foto: Dieter Nagl für SKB
Schloss Schönbrunn
die Schimmel Flick und Flock von Kaiserin Elisabeth
Bild: Wilhelm Richter, 1877

Elisabeth machte sich einen Spaß daraus und schockierte manchmal gerne ihr Publikum, welches sie von der Straße aus einlud. Flick und Flock wurden von verschiedenen Eingängen in die Zirkusmanege hinein gelassen und rasten auf die Kaiserin, die in der Mitte stand, zu.

Die Menschen hielten jedes Mal den Atem an. So schnell wie sie galoppierten, so schnell blieben sie auch knapp vor ihrer Herrin stehen, die ihnen Zucker für die herrliche Vorstellung gab. Dabei lachte die Kaiserin aus vollem Hals.

Es war wie in Ischl, Schönbrunn oder in der Hofburg. Wer mit Kaiserin Elisabeth sprechen wollte, musste dazu in die Reithalle.

Doch Elisabeth wäre nicht Elisabeth gewesen, wenn ihr nicht bald langweilig in Gödöllö geworden wäre.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bild im Privatbesitz, deshalb mit extra großem Logo – der Besitzer möchte nicht genannt werden
Kaiserin Elisabeth auf ihrem Dressurpferd Avolo
Bild: Wilhelm Richter, 1876

Ihre Jagd- und Reiterfolge waren so enorm, dass ihr die dreimalige Jagd in der Woche zu wenig erschien.

Noch dazu wo die Saison nur von Mitte September (nach der Ernte) bis am 3.11. (Hubertustag) dauern durfte.

Die damals noch dichten Wälder in Ungarn hinderten das Jagdkommando durch Gräben und Hindernisse zu springen, die Parforcejagd, wie England sie kannte, konnte in Ungarn nicht durchgeführt werden.

Als die Wiener Weltausstellung 1873 ihre Pforten öffnete, stand Kaiserin Elisabeth neben ihrem Gatten und schüttelte sämtlichen Ehrengästen die behandschuhten Hände.

Foto: Wikimedia/Commons
Eröffnungszeremonie der Wiener Weltausstellung 1873
mit Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth
Holzstich nach der Zeichnung von Vinzenz Katzlers, 1873
Foto: Wikimedia/Commons
Prince Edward

Einer der hohen geladenen Gäste war Prinz Edward von England (*9.11.1841, 6.5.1910).
Er schwärmte der Kaiserin von der Parforcejagd in seiner Heimat vor.

Parforcejagd

Im Buch von Martin Haller „Sisi Die Kaiserin im Sattel“ ist ein großes Bedauern zu lesen, dass es die Parforcejagd in England heute nicht mehr gibt. Er findet die

„Fuchsjagd als schonendste Form der Dezimierung des Fuchsbestandes“ (7)

Schon allein dieser Gedanke gruselt mich, denn als Tierschützerin, fiel mir immer gerade die Jagd der Habsburger ganz besonders schwer zu recherchieren oder davon zu berichten.

Sämtliche Schlösser die ich im Laufe der Jahre besucht habe, waren für mich persönlich immer bedrückend, wenn ich diese vielen Geweihe und ausgestopften Tiere sah.

Vor allem bei Erzherzog Franz Ferdinand, der 1 Million Tiere (!) abgeschossen haben will (lt. Aufzeichnung seiner Jäger) muss ich heute noch schwer schlucken.

Selbst Kaiser Franz Joseph, der selbst eine nicht minder beachtliche Abschusszahl hatte, ließ sich 1892 nur schwer zu dem unsinnigen „Distanzreiten von Wien nach Berlin“ überreden, da er es absegnen musste.

Monatelang weigerte er sich, bis er von allen Seiten belagert, überredet wurde.

Der Gewinner des Rennens, Wilhelm Graf Starhemberg (*30.10.1862, †18.5.1928), stand schließlich und endlich in Berlin ohne Pferd da. Zu Tode gehetzt fiel der wunderschöne Hengst Athos durch eine Verletzung nach einem Starrkrampf einfach um.

Danach verbot Kaiser Franz Joseph dieses Rennen endgültig.

Ich persönlich bin also froh, dass England die Hetzjagden auf Füchse (und Hirsche) – die dabei zu Tode gehetzt wurden – verboten hat. Martin Haller findet das in seinem Buch „beschämend“!

Par force (französisch) – heißt im übrigen: Gewalt – dieses Verbot kommt also nicht von ungefähr. 1934 in Österreich/Deutschland, 2005 England; alle anderen Länder betreiben sie noch!

Aber was war nun eine Parforcejagd?

Der Jagd“anführer“ saß auf seinem Jagdpferd, genannt „Hunter“ welcher die Jagd leitete. Selbstverständlich war die Jagd nur Reichen und geladenen Gästen vorbehalten. Wer also zu dieser Gesellschaft zählte, durfte und konnte sich glücklich schätzen.

England und Irland stellten dabei die schönsten Jagdgebiete zur Verfügung. England wurde zudem mit dem Spitznamen „Rote Röcke Jagd“ bekannt, da die Jäger dort ausschließlich rote Jacken trugen.

Es gab genügend Gräben, Hindernisse, Wälder und schwierige Routen.

Vor der Jagd wurde beim sogenannten „Meet“ aufgesessen und locker von Pferd zu Pferd geplaudert. Dabei bellten schon die Hunde vor lauter Aufregung und so manches Pferd zeigte seinen Willen, lospreschen zu wollen. Andere wieder nahmen das Ganze sehr gelassen auf.

Foto: Thaddäus Bien
Hundemeute bei einer Parforcejagd

Danach wurde zur Jagd geblasen und der Leithund heulte seinen typischen Jagdlaut aus. Dann ging es auch schon los. Die Pferde und Hunde preschten im Galopp voran und folgten den Hunden, die die erste Spur einer Fährte witterten.

Der Hunter ritt voran und führte die Gesellschaft an. Dabei durfte der Hunter nicht „überritten werden“. Dies zählte als schwerer reiterlicher Fehler und wurde vom Hunter bestraft. Schlimmstenfalls sogar mit dem Ausschluss der Jagd – was eine unglaubliche Schande in der Jagdgesellschaft darstellte. Im besten Fall wurde der/die Reiter/in vom Hunter schwer beschimpft (und musste sich dieses gefallen lassen).

Bei den sogenannten Stops, rasteten sich die Pferde in einem Halbschlaf aus, aus dem sie unfassbar schnell wieder erwachen konnten. Danach ging es sofort wieder weiter.

1-4 Füchse wurden pro Jagd aus ihren Bauten geholt. Zuvor wurden diese zugemacht, damit der Fuchs sich nicht in sein Erdloch verkriechen konnte. Die Hunde hätten ihn nämlich sonst nicht erwischt.

Waren die Hunde erst einmal hinter dem Fuchs her, hatte dieser kaum eine Chance. 1-2 Füchse wurden hintereinander gejagt, je nachdem wie die Fährten der Tiere aufgenommen wurden. Die Hetze durch die Hunde dauerte ungefähr 1 Stunde. Danach waren die Füchse (oder Hirsche) so erschöpft, dass die Hunde sie erwischen konnten und zubissen. Die meisten Füchse starben durch die Hunde, andere wurden erschossen.

7 Monate dauerte die Jagd in England, 5x die Woche fanden diese statt. Man kann sich also die Anzahl der zu Tode gehetzten Füchse selbst ausrechnen. Und das in nur einem Revier. Es gab unzählige – allein in England.

20-50 Jäger konnte eine Gesellschaft zählen, dazu ca. 200 Hunde. Manchmal sogar 500. Je nachdem wie groß die Gesellschaft tatsächlich war und wieviele Hunde die Besitzer hatten.

Nach dem Abschluss der Jagd ritt die Gesellschaft zum Landbesitz des Gastgebers zurück. Dort wartete bereits das Personal mit Sherry auf die Gesellschaft. Nach einer ordentlichen Erfrischung und Umziehen wurde zum Dinner geladen.

Foto: artnet.com
Kaiserin Elisabeth auf der Jagd in England
Bild: Julius Blaas (Wasserfarbe)

Elisabeth jedenfalls hörte Prince Edward interessiert zu und natürlich hatte sie nur noch eines im Sinn:

sie wollte zur Parforcejagd nach England.

Kaiser Franz Joseph stöhnte bei dem Gedanken natürlich auf. Seine Frau kam immer wieder auf Ideen, die ihn schier zur Verzweiflung brachten.

Sie wusste aber auch, dass, egal wie sehr Franz Joseph auch zetern würde, sie es immer schaffte, ihn umzustimmen.

Hinzu kam, dass ihre Schwester Marie (*4.10.1841, †19.1.1925), schon seit einiger Zeit das Parforcejagen kannte und Elisabeth anstachelte dies zu versuchen.

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Marie von Neapel
Foto: Wikimedia/Commons
König Francesco und Königin Marie von Neapel
(geschöntes Bild)

Getrennt von ihrem Ehemann König Francesco von Neapel (*16.1.1836, †27.12.1894) verbrachte die gelangweilte Marie ihr Exil hauptsächlich in Begleitung ihrer Schwester Kaiserin Elisabeth und/oder ihrer Lieblingsschwester Mathilde „Spatz“ Gräfin von Trani.

Ihre Lieblingsbeschäftigung war ebenfalls das Reiten, was sie aber bei weitem nicht annähernd so beherrschte wie Elisabeth.
Dies sollte später noch für einen Eklat sorgen, der schließlich zum Bruch der Schwestern führte.

1874 war es schließlich so weit. Um der Reise einen „offiziellen“ Grund zu geben, wurde eine Ausrede für die kleine Valérie auserkoren. Sie benötige „Seebäder“ und die Isle of Wight wäre dazu gerade richtig.

Foto: Wikimedia/Commons
Steephill Castle in Ventnor auf der Isle of Wight

Kaiser Franz Joseph wollte politische Schwierigkeiten vermeiden, weshalb die Reise inoffiziell blieb und Elisabeth als „Gräfin Hohenembs“ reiste.

Kaiserin Elisabeth und ihr Gefolge wohnte im Steephill Castle in Ventnor.

Da Elisabeth sich bei Queen Victoria (*24.5.1819, †22.1.1901) sehr kurzfristig anmeldete, welche ihren Sommer ebenfalls auf der Insel verbrachte, war diese sehr ungehalten.

Foto: Wikimedia/Commons
Princess Alix of Wales

Sie schrieb ihrer Tochter Victoria (*21.11.1840, †5.8.1901) folgenden Brief:

„Die Kaiserin bestand darauf, mich heute zu sehen. Wir sind alle enttäuscht. Ich kann sie nicht eine große Schönheit nennen. Sie hat eine schöne Haut, eine herrliche Figur, und hübsche kleine Augen und eine nicht sehr hübsche Nase. Ich muß sagen, da sie in grande tenue [große Aufmachung], wenn sie mit ihrem schönen Haar zu sehen ist, was zu ihrem Vorteil ist, viel besser aussieht. Ich finde Alix [die Prinzessin von Wales] viel hübscher als die Kaiserin.“ (8)

Doch Queen Victoria hatte sich offenbar völlig umsonst bei ihrer Tochter echauffiert.

Kaiserin Elisabeth war einen Tag zuvor schon bei Kronprinzessin Victoria und hatte diese – wie sollte es anders sein – ebenfalls brüskiert.

„Die Kaiserin von Österreich war gestern auch hier – sie wollte keine der angebotenen Erfrischungen annehmen. Aber nachher hörten wir, daß sie zum Hotel in Sandown ging und dort dinierte, was wir doch ziemlich sonderbar fanden. Sie sah nicht am allerbesten aus, und ich denke, ihre Schönheit hat seit dem letzten Jahr sehr nachgelassen, wenn sie auch noch immer hübsch ist! Sie war auch nicht zur ihrem Vorteil angezogen.“ (9)

Foto: Wikimedia/Commons
Kronprinzessin Victoria

Weiters ging es darum, dass Victoria ebenfalls Alix viel hübscher fand, aber …

„die Kaiserin ist pikanter als alle Damen, die ich jemals gesehen habe. Die schöne Kaiserin ist eine sehr sonderbare Person, was ihre Tageseinteilung angeht. Den größten Teil des Vormittags verbringt sie schlafend auf dem Sofa. Sie diniert um 4 und reitet den ganzen Abend ganz allein und niemals kürzer als drei Stunden lang und wird wütend, wenn irgend etwas anderes geplant ist. Sie will keinen Menschen sehen oder sich irgendwo sehen lassen.“ (10)

Einige Tage nach dem Besuch, reiste die Kaiserin nach London ab. Sie war äußerst beseelt darüber, dass die Straßen der Herrschaftshäuser leer waren, so konnte sie mit ihrer Lieblingshofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics unerkannt durch die Straßen laufen. Der Bericht zur Hofdame kann hier nachgelesen werden.

Zum einen wollte sie London besichtigen, zum anderen forderte sie Kaiser Franz Joseph auf, einige Pflichtbesuche abzustatten. Obwohl die meisten Adeligen auf Sommerfrische waren, blieben einige wenige zurück.

Foto: Wikimedia/Commons
Mary Adelaide Herzogin von Teck

So musste sie u.a. Mary Adelaide Herzogin von Teck(*) (*27.11.1833, †27.10.1897) besuchen. Nach dem Besuch schrieb sie einen amüsanten Brief an Franz Joseph:

„Sie ist „kolossal dick“. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Ich dachte mir die ganze Zeit: Wie muß sie im Bett ausschauen?“ (11)

Sie besuchte die Gestüte der Insel und sah wunderschöne Pferde, die sie nicht kaufen durfte. Als Kaiserin hätte sie niemals so viel Geld für ein Pferd ausgeben dürfen.

Völlig aufgelöst schrieb sie dem Kaiser:

„Das, was ich am liebsten haben möchte, kostet fünfundzwanzigtausend Gulden! Also natürlich unerreichbar.“ (12)

Gulden 25.000 = ca. € 311.599

Foto: Wikimedia/Commons
Lady Georgina Dudley

Doch wie es der Zufall so wollte, schenkte Lady Georgina Dudley(**) (*9.8.1846, †2.2.1929) Elisabeth das Pferd.

Kaiserin Elisabeth war entzückt, obwohl sie sich lange wehrte. Es war nicht üblich, dass solch teure und exklusive Geschenke gemacht wurden.

Lady Dudley gehörte in weiterer Folge immer zur Jagdgesellschaft rund um Kaiserin Elisabeth.

Foto: abebooks.co.uk
Charles Cecil Manners
6th Duke of Ruthland

Elisabeth schrieb mehrmals ihrem Mann und bettelte direkt, dass er nach London bzw. England käme, um sich auszuspannen. Er sollte jagen, das neue Pferd ausprobieren und bei ihr sein. Doch so sehr sie auch hoffte, Franz Joseph musste zu seinem Bedauern absagen. Sein Terminkalender ließ eine Reise nicht zu.

Als sie auf Schloss Melton ankam, um dort für einige Tage zu bleiben, lernte die Kaiserin nun endlich die richtige englische Jagd kennen. Ihre erste Parforcejagd stand an und Elisabeth war vom ersten Augenblick fasziniert und infiziert.

Charles Cecil Manners 6te Herzog von Rutland (*3) (*16.5.1815, †3.3.1888) war ihr Gastgeber.

Nun begnegnete sie zwei Brüdern, deren Nichte Kaiserin Elisabeth noch viele Sorgen und Probleme machen sollte.

Begleitet wurden die beiden von Königin Marie von Neapel, welche, finanziert, durch die Familie Rothschild ein feudales Leben führen konnte.

Foto: Wikimedia/Commons
Hector Baltazzi
Foto: Wikimedia/Commons
Alexander Baltazzi

Hector (*21.9.1851, †2.1.1916) und Alexander Baltazzi (*16.5.1850, †24.11.1914), galten als schwer reich und drängten sich dem Adel nahezu auf.

Sie waren die Brüder von Helene Freifrau von Vetsera geb. Baltazzi (*29.5.1847, †1.2.1925). Helene war niemand geringerer als die Mutter von Mary Vetsera. Einen weiteren Bericht, wo Helene ausführlicher erläutert wird, könnt ihr hier nachlesen.

Als Gräfin Festetics die Baltazzi Brüder kennenlernte, schrieb sie warnend in ihr Tagebuch:

„Man muss sehr achtgeben… Die Brüder gehen im Sport auf, reiten famos, drängen sich überall hin, sind für uns gefährlich, weil sie ganz englisch sind, und wegen der Pferde!“ (13)

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Gräfin von Festetics

Wie Recht sie behalten sollte, wusste natürlich zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Dennoch war Elisabeth unglaublich glücklich. Marie Gräfin von Festetics, Lieblingshofdame und enge Vertraute der Kaiserin notierte weiter:

„….. Der Herzog von Rutland hat dort seine Hunde und Ihre Majestät jagte dort das erste Mal auf englischen Boden. Die kleinen Jagderl früher, auf der Insel kann man das kaum Jagd nennen! …. Die zwei Tage waren so ermüdend, daß die Herrn alle todt waren und nur mit Mühe sich aufrecht hielten. Die Kaisern war ganz beschwingt, keine Spur von Müdigkeit. Wohl aber lachte Sie so herzlich über Tisza (Anmerkung Petra: Káláman Tisza (‚), ung. Ministerpräsident und Jagdbegleiter) der trotz des tapfersten Kampfes und enormen Respectes das Unglück hatte, ab und zu einzunicken! Die hellen Thränen perlten über Ihre rosigen Wangen! Die Ankunft war wie die Abreise, da lachte Sie auch so! (14)

Doch die Reise war zu Ende und Elisabeth musste mit ihrem Gefolge wieder nach Hause.

Ab sofort ritt die Kaiserin in Gödöllö und in Wien beinahe ununterbrochen, um noch besser zu werden.

Denn sie hatte nur ein Ziel:

sie wollte wieder nach England zur Parforcejagd.

Dazu engagierte sie den aus – woher sonst – England stammenden Reitlehrer und Stallmeister Allen, der von allen nur Mr. Allen (*/†unbekannt) genannt wurde. Er stachelte die Kaiserin zu immer weiteren und waghalsigeren Sprüngen und Ritten an.

Mit großer Besorgnis beobachtete dies Kaiser Franz Joseph und auch Hofdame Festetics.

Mr. Allen war eine Empfehlung von Marie von Neapel, der Marie von Festetics nichts abgewinnen konnte.

In ihrer Nähe war Elisabeth besonders beeinflussbar, schrieb diese in ihr Tagebuch.

Nicht nur, dass Marie Elisabeth in allem nachahmte, was die Kaiserin trug (Frisur, Kleidung), so musste sie auch so Reden, Stehen und Gehen wie diese.

Und natürlich wollte Marie auch so Reiten wie Elisabeth, wozu sie William „Bay“ Middleton (*16.4.1846, †9.4.1892) mehrfach versuchte anzuheuern. Doch ohne Erfolg.

Foto: Wikimedia/Commons
William „Bay“ Middleton

Der berühmte Jockey und Reiter ließ sich von der Adeligen reichen versnobten Marie nicht „kaufen“.

Noch dazu war Marie in seinen Kreisen als „lausige Reiterin“ bekannt.

Nicht nur, dass er die Königin nicht sonderlich mochte, so war Marie auch nicht gerne gesehen. Sie galt als versnobt, ließ sich von Fremden aushalten (der Familie Rothschild), hielt sich ihren eigenen Ehemann als „Dienstboten“ und ging mit allen anderen Leuten ebenfalls wie mit Dienstboten um.

Hofdame Festetics dazu in ihrem Tagebuch:

„Ihr König ist für sie, was für mich der Packelträger auf dem Bahnhof.“ (14)

Doch bevor Kaiserin Elisabeth wieder nach England abreisen konnte, passierte in ihrem Leben etwas Einschneidendes. Dies sollte ihr ganzes weiteres Tun komplett beherrschen und ab sofort war sie unabhängig(er).

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Ferdinand I.

Onkel Kaiser Ferdinand I. starb am 29.6.1875 (*19.4.1793) in Prag. Bis jetzt war Kaiser Franz Joseph von seinem eigenen Einkommen abhängig und Elisabeth von der Apanage ihres Mannes.

Nun aber erbte Franz Joseph ein immenses Vermögen und überließ Elisabeth gleich einmal

2 Milionen Gulden = ca. € 24.876.000

Trotz stetiger hoher Ausgaben, nahm die Kaiserin permanent hohe Geldbeträge ein.

Sie vermehrte ihr Privatvermögen, in dem sie in der Schweiz ein Konto einrichtete, eine Reihe Sparbücher anlegte und Aktien und Pfandbriefe kaufte.

Nun war sie von Kaiser Franz Joseph nicht mehr abhängig.

Sie kaufte die teuersten Pferde, die sie in der Monarchie Österreich-Ungarn auftreiben konnte und ließ sie für die Jagd in England ausbilden.

Um sich selbst noch darauf vorzubereiten, schob sie einen Reit- und Badeurlaub in der Normandie (Frankreich) ein.

Der kleine Staat hatte sich gerade gebildet und die politischen Querelen zu Österreich waren enorm.

Wieder musste die kleine Tochter Erzherzogin Valérie als Ausrede für das Wiener Volk herhalten. Die „kranke Erzherzogin müsse zur Kur“ stand in den Zeitungen zu lesen, weshalb die Kaiserin ins Ausland müsse.

Kaiser Franz Joseph war sehr unwohl, denn in der Normandie tummelten sich viele Anarchisten. Doch Elisabeth beschwichtigte ihn und meinte im Schlosspark von Schloss Sassetôt könne ihr nichts passieren.

Dass dies ein Trugschluss war, konnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

60 Personen, Pferde und natürlich Mr. Allen waren die Begleiter rund um Kaiserin Elisabeth als sie in Richtung Normandie aufbrach.

Die Vormittage waren für das Schwimmen im Meer reserviert, die Nachmittage für das Reiten. Dabei wurden im gesamten Schlosspark englische Hindernisse aufgestellt.

Foto: Repeated Originals via etsy shop
Badeanzug ca. 1872

Um die Gaffer, die sich auf den Klippen versammelten und zum Teil mit Fernglas hinabsahen und die schöne Kaiserin beim Baden beobachten wollten, eins auszuwischen, wurde eine List angewandt.

Diese wurde zuvor schon in England angewandt und hatte wunderbar funktioniert.

Kaiserin Elisabeth ließ schon in Wien mehrere exakt gleiche Flanellbadeanzüge anfertigen und so musste Gräfin von Festetics, Ida Gräfin von Ferenczy oder Fanny Feifalik im selben Badeanzug wie die Kaiserin am Badestrand vom Schloss Sassetôt baden gehen, während sich Elisabeth in eine geschützte Bucht zurückzog.

Ab 15.00 Uhr wurde im Park trainiert.

Mr. Allen trieb die Kaiserin jeden Tag zu neuen Übungen und zu noch waghalsigeren Sprügen an.

Hofdame Festetics wurde Bang bei den Sprüngen und hatte wirklich Angst um ihre Herrin.

Foto: france-voyage.com
ehemaliges Schloss Sassetôt, heute Hotel Château de Sissi

Mr. Allen ging zum Teil recht rüde mit den Tieren um.

Einmal wollte er der Kaiserin zeigen, wie er ein Pferd beherrscht und trieb es in die tosende See.

Dieses weigerte sich jedoch beharrlich, worauf Mr. Allen wütend wurde.

Mit 3 Paar Sporen auf den Fersen und einem schweren Peitschenhieb trieb er das Tier in die Wellen. Das Tier bäumte sich allerdings auf, sodass Mr. Allen vom Pferd stürzte und unterging.

Kreidebleich beobachtete Elisabeth diese Szene und beruhigte Marie von Festetics. Nie und nimmer, würde sie so etwas nachahmen. Das Pferd hat die Strapaz übrigens überlebt. Es rettete sich selbst ans Ufer und Mr. Allen wurde vom Bademeister aus den Wogen gezogen.

Doch am 10.9.1875 passierte ein schwerer Unfall, der beinahe zum Tode der Kaiserin führte. Und wer das Datum nun gelesen hat, kann es vielleicht als Omen betrachten.

Hier möchte ich noch einwerfen, dass in allen (!) historischen Büchern (ob alt oder neu) der Unfall mit dem Datum 11.9.1875 angegeben wird. Marie von Festetics beginnt ihre Aufzeichnung aber eindeutig mit „gestern“ und dies war nun einmal der 10.9.1875.
Hinweis: Ich habe deshalb ausnahmsweise im Zitat das Wort „gestern“ Fett markiert.

Ich lasse nun Marie von Festetics, die das ganze Geschehen notiert und persönlich miterlebt hatte, selbst erzählen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildauszug
Kaiserin Elisabeth hoch zu Roß

„Sassetôt, 11. September 1875

Ein schrecklicher Tag gestern, ich kann mich heute noch nicht faßen. In der frühe, vielleicht 10 Uhr, rief die Kaiserin zum Fenster herauf meinen Namen. Zu meinem Erstaunen war Sie im Reitkleid, was gegen Ihre Gewohnheit war, da Sie täglich baden ging, Sie sagte, Sie würde im Parke ein neues Pferd das Mr. Allen Ihr recommandiert, probiren, daher nicht baden. Wir sollten darum nur alle wie gewöhnlich zum Meere gehen, Sie brauchte nichts, da Sie nicht aus dem Garten gehen würde. So gingn wir allesamt, ich nur wegen der Gesellschaft, da ich ja nicht baden darf.
Ich sezte mich auf eine Bank und schaute den Wellen zu. Wie lange, weiß ich nicht, als ich plötzlich von einer zitternden Stimme aus meinen Traum geweckt wurde. „Madame, kommen Sie schnell, im Park ist ein Unfall passiert!“ Wie schnell ich bei Wiederhofers (Anmerkung Petra: Leibarzt Ihrer Majestät) Cabine war, weiß ich nicht. In der nächsten Secunde waren wir schon im Wagen und fuhren wie rasend dahin, kein Wort kam über unsere Lippen. Beim Parkthor stand jemand, der etwas rief, was, weiß ich jezt noch nicht, aber beide verstanden wir: „Es ist zu spät!“
Wir faßten uns an den Händen, mir kam es vor, daß mir das Herz zersprang. In einer Weile in vielleicht 1/2 Minute, es war uns wie eine Ewigkeit, erschienen wir auf den Platz.
Sie lebte! Der Anblick war aber schrecklich. Sie lebte, dem allmächtigen Gott sei tausend tausend Mal gedankt! Wie ich zu Ihr kam, weiß ich auch nicht, aber auf den Knien lag ich vor Ihr faßte Sie bei den eisigen Händen, die krampfhaft den Hut hielten. Sie saß regungslos kerzengerade auf einem Fauteuil, todtenbleich, auf der Stirne ein Fleck, ganz zerstört und geistesabwesend, ihre lieben schönen Augen ganz glanzlos und stierten gräßlich!
Wie ich alles sehen konnte in dem Momente, wo mein Herz vor Schreck und Weh gar nicht klopfte und ich das Gefühl hatte, es riße mir etwas im Kopfe. Mr. Allen hielt ein Parasol über Sie, der Bischof stand schlotternd neben ihr. Wiederhofer sagte: „Sprechen Sie zu Ihr, damit ich beobachten kann, wie’s um das sensoriren steht.“ Die Stimme aber wollte nicht kommen. Wiederhofer wiederholte und drängte, endlich kam es über meine Lippen: „felséged szenved?“ Wiederhofer: Reden’S deutsch!“ – „Eure Majestät, leiden Eure Majestät?“
Ihre Augen hingen starr in der Luft, als ich um Antwort bat, bewegte sie die Augen und schaute aber ganz abwesend in die meinen. Endlich war es lebendiger. Die Todesqual hatte mir Thränen in die Augen getrieben und ich wiederholte meine Bitte: „Bitte Eure Majestät, kennen Eure Majestät auch nur ein Wort?“
Da bewegte sich etwas in dem Auge, ich sah, Sie erkannte mich, aber konnte nicht sprechen. Endlich sagte Sie tonlos, kaum hörbar: Bitte Marie, weinen Sie nicht, das tut mir weh. Ich war so glücklich, so glücklich, aber ach!
Es war nur ein Moment, dann folgte wieder Schweigen, bis Sie endlich wieder fragte: „Aber was ist passiert?“ – „Eure Majestät sind mit Ihrem Pferd gestürzt.“ Nach einer langen Weile, man sah, Sie wollte sich erinnern, sagte Sie: „Aber ich bin nicht geritten.“
„Ja, Eure Majestät“. – „Wie spät ist es?“ – Halb elf, Majestät“. – „Früh? Da pflegte ich nicht zu reiten.“ – Eure Majestät haben ein Pferd probirt!“ – „Nein, ich erinnere mich nicht, und dann?“ – „Stürzten Eure Majestät.“ – „Aber ich bin nicht geritten!“
Dann schaute sie sich an und sah, daß Sie ein Reitkleid anhabe. „Natürlich schaut es so aus, aber wo ist das Pferd?“ – „Ist davon gelaufen, Eure Majestät.“ – Da kam ein Gesicht, so abwesend, schrecklich, dann endlich wieder, furchtbar langsam. „Ich wünsche das Pferd zu sehen.“
Es dauerte dann eine Weile, bis es kam. Es war mit solcher Wucht gefallen, daß die Beine zerschunden waren. So fragte Sie: „Aber warum ist sein Knie blutig?“ – „Vom Sturze, Eure Majestät“. – „Ach ja, natürlich, das kann stimmen, nur daß ich mich nicht erinnere. Gibt es keine gelben Rüben?“
Die Rüben wurden geholt, Sie wollte sich erheben, konnte aber nicht ein Glied rühren. Da fing Sie an zu glauben und fragte: „Und wo ist Valérie? Und der Kaiser? Und wo sind wir, was machwn wir in Frankreich?“
Ich antwortete fort und fort, so ruhig ich konnte. Es war, als ob wir allein auf der Welt wären.
Sie bemerkte die Leute gar nicht, erinnerte sich gar nicht, schwieg eine Weile, dann sagte sie: Wenn es stimmt, daß ich stürzte, dann bin ich ein Trottl.“
Und nun fragte sie fort, wie ein Kind: „Bleibe ich jetzt immer so dumm, immer so ein Trottel?“
Wiederhofer betrachtete Sie unaufhörlich mit seinen klugen, beredten Augen. Dann hob man Sie in den Wagen.
Ich sezte mich neben Sie, fasst Sie um die Taille, Sie lehnte sich schwer an mich, ich wagte kaum zu athmen. Der Wagen setze sich in Bewegung, Wiederhofer ermahnte mich aufzupaßen, den Kutscher, ja recht langsam zu fahren, und so sezten wir uns in Bewegung. Auf einmal sagte Sie: „Jetzt erging es mir so wie vor Kurzem dem armen Gemeinsamen [Außenminister]. Sie nannte Andrássy so. „Er fühlte sich genau so wie ich. Oh mein Gott, sagen Sie mir bitte, daß Sie nicht glauben, daß ich so bleibe, weil ich mich fürchte, ein Trottl zu bleiben!“
Ich nam mein Courage zusammen und sagte: „Eure Majestät, wer sich davor fürchten kann, ist ganz bei Sinnen! Der Kopf Eurer Majestät ist benommen, aber anderes fehlt Ihnen nicht. Der Gemeinsame [Außenminister] ist auch nicht so geblieben und Eure Majestät stürzten nicht einmal halb so schwer wie er.“ Das wirkte tröstend. Sie schwindelte fort, sagte aber, wie der Wagen stehen blieb: „Bitte den Kaiser nicht zu erschrecken und ihn vorsichtig in Kenntnis setzen und man soll bedenken, wie er sich erschrickt.“ Nun trug man Sie in Ihr Zimmer. Ida und Nopcsa (Anmerkung Petra: ihre Vorleserin und ihr Obersthofmeister) standen todtenbleich da. Die Armen waren im Meer und hörten erst, als sie heraus kamen, was geschehen war.
Mit Eisumschlägen, wahnsinnigen Kopfschmerzen, Übelkeiten, eine schlechte Nacht!
Gegen Morgen stellte sich Schlaf ein und heute liegt Sie tief im Bette, aber mit den alten Augen und klarem Kopf, wenn auch noch mit Schmerzen. Seiner Majestät wurde ein Bericht zusammen gestoppelt. „Die Wahrheit und doch nicht erschrecken“, das ist schwierig, besonders wenn einer die Verantwortung zu tragen hat. … (15)

Historiker Conte Corti beschrieb den Unfall, welche eine Nacherzählung von Kaiserin Elisabeth persönlich war und ihm von Marie von Festetics erzählt wurde, wie folgt:

„Ein neues Pferd ist gekommem. Allen hat es vorher zuviel abgeritten. Bei einer kleinen, niedrigen Hecke, die die an ganz andere Sprünge gewöhnte Elisabeth für nicht achtete, macht ihr Pfed auf einmal einen übertrieben großen Satz, strauchelt und fällt auf die Knie. Elisabeth wird mit solcher Gewalt heruntergeschleudert, daß die Sattelgabel abbricht. Besinnungslos bleibt sie auf dem Rasen liegen. Der brave heimische Bereiter Bayzand steht am anderen Ende des Sprunggartens und wartet, bis die Kaiserin durchkommt. Auf einmal sieht er das Pferd reiterlos, stürzt hin und findet Elisabeth regungslos am Boden liegen. Alle sind beim Baden, nur Gräfin Festetics nicht.“ (15a)

Anmerkung Petra: Kaiserin Elisabeth erinnerte sich später wieder an den Unfall und erzählte ihrer Mari – die sie immer so schrieb – am 29.9.1875 den Unfallhergang. Als Conte Corti seine Biografie verfasste sprach er noch mit Gräfin Festetics, die ihm somit aus erster Hand von dem Unfall erzählen konnte. Warum bei ihm ebenfalls der 11.9.1875 als Unfalltag angegeben ist, ist mir daher unbegreiflich. Er hatte Zugang zu Briefen, Tagebücher und vielen Dokumenten, die bis heute entweder unter Verschluss sind oder durch den 2. Weltkrieg vernichtet wurden (Idas Elisabeth Museum in Budapest).

50 Mal wurde das Telegramm an Kaiser Franz Joseph stilistisch verändert, bis man es schließlich abschickte.

Am 16.9.1875 kam Fanny Feifalik (*28.1.1842, †14.7.1911) auf die Idee ihr die Haare aufzumachen und auszubürsten, was einen Rückfall auslöste und Elisabeth wieder mit enormen Kopfschmerzen, Übelkeit und Sprechstörungen zurück ins Bett sank.

Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901) (Anmerkung Petra: Marie von Festetics schrieb ihn mit „ie“, Dr. Widerhofer schrieb sich jedoch nur mit „i“) war so besorgt um Kaiserin Elisabeth, dass er ihr nur noch eine Nacht zur Besserung gab.

Wäre dies nicht eingetreten, hätte Elisabeth anderntags ihre Haarpracht verloren. Dr. Widerhofer hätte diese abrasieren lassen.

Erschrocken darüber schrieb Gräfin von Festetics:

„Wenn sich der Kopf in 24 Stunden nicht bessert, müßen die Haare herunter! Mir schaudert. Ich habe das Gefühl, Ihre Haare seien etwas „besonderes“ und würden gemordet! Ihre Haare, die schönen, welligen, schimmernden Haare, schrecklich! Das wäre zu grausam!! Der Puls ist so schwach. Ich, wir, Ferenczy (Anmerkung Petra: Vorleserin Ida) und ich, verbringen die Tage auf den Stufen vor der Thüre, auch faßt die ganze Nacht. Je größer die Ruhe um Sie, desto besser für Sie.“ (16)

Foto: Wikimedia/Commons
Julius „Gyula“ Graf Andrássy

Kaiser Franz Joseph war außer sich, als er das Telegramm erhielt und wollte sofort in die Normandie.

Außenminister Julius „Gyula“ Andrássy (*8.3.1823, †18.2.1890) hielt ihn wegen der politischen Probleme mit Frankreich zurück.

So schrieb dieser rührende Briefe an seine Engels-Sisi. Als sie diese empfing, weinte sie vor Freude. Denn Elisabeth wollte nur noch eines: nach Hause

„Dem allmächtigen Gott heißen Dank, daß es soweit ist. Ich kann den Gedanken nicht ausdenken, was geschehn hätte können. Was sollte ich auf der Welt ohne Dich, den guten Engel meines Lebens?“ (17)

Doch bevor die Kaiserin endgültig nach Wien zurückkehren durfte, musste noch ein Anstandsbesuch beim Präsidenten in Paris abgehalten werden. Diesen überstand sie mit Bravour, da es ihr schon viel besser ging.

Als sie in Wien ankam, stieg sie schon wieder aufs Pferd. Der einzigen, der sie Zeit ihres Lebens das Reiten verbot, war ihrer Tochter Erzherzogin Marie Valérie.

„Zu gefährlich“

befand die überfürsorgliche Mutter.

Dass sich aber alle Sorgen ihretwegen machten, nahm sie nicht ernst.

„Da sieht man, daß gerade das geschieht, was einem Gott bestimmt.“ (18)

Diesen Ausspruch tätigte Elisabeth einige Tage zuvor, als diese mit ihren Hofdamen und ihrem Obersthofmeister, am 29.9.1875 die Kapelle des verunglückten 32jährigen Kronprinz Ferdinand Philippe von Orléans (*3.3.1810, †13.7.1842) besuchte.

Im November 1875 starb ihr Lieblingshund Shadow, um den sie unsagbar trauerte. Sie ließ ihn im Garten von Schloss Gödöllö begraben und einen Stein errichten.

Shadow war eine Dogge und kein Wolfshund!

Foto: artvee.com
Dogge SHADOW
Bild: Ölgemälde Carl Reichert, 1873
Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig II, 1874

Ein kleine Anekdote am Rande rund um Shadow: =>

Shadow musste einmal als Ausrede herhalten, um König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886) loszuwerden der Kaiserin Elisabeth lästig wurde, da er sie auf Schritt und Tritt verfolgte. Sie bat Marie von Festetics dem König auszurichten, dass Shadow keine fremden Menschen möge und „bissig“ sei. Der König blieb traurig fern, konnte es kaum fassen und Elisabeth ging allein mit Hund und Marie spazieren.

Im März 1876 konnte sie ihr Reisefieber nicht mehr verbergen und nun endlich ging es nach England zur Jagd.

Foto: John Fielding
Easton Neston in Towcester, Northants

Untergebracht war sie mit ihren Pferden und ihrem Gefolge in Easton Neston, in Towcester, Northants. Schon am nächsten Tag war die erste Jagd.

Wieder waren die üblichen Verdächtigen dabei. Die Baltazzi Brüder und noch so einige Namen, die hier jetzt nur für weitere Verwirrung stiften würden, würde ich sie alle auflisten.

Das Schloss selbst wurde wieder einmal von Marie von Neapel bewohnt und wurde in weiterer Folge von Elisabeth „belagert“.

Foto: Wikimedia/Commons
John Poyntz
5. Earl of Spencer

Bei einer der Jagden lernte sie John Poyntz 5. Earl of Spencer (*27.10.1835, †13.8.1910) kennen. Er war ein Vorfahre von Lady Diana (*1.7.1961, †31.8.1997).

Nun war es auch für Elisabeth so weit, endlich auf William „Bay“ Middleton zu treffen.

Allerdings wollte der so gar keine Notiz von ihr nehmen. „Wieder ein weiteres Weib im Sattel“, so ähnlich wird er wohl gedacht haben. Er galt zwar als vollendeter Gentleman, wenn es um Damen ging und soll auch ein zärtlicher Liebhaber gewesen sein, was seine zahlreichen Liebschaften beweisen, aber auch ein Rüppel in seiner „Männerdomäne“.

Doch die englische Jagdgesellschaft hatte größte Bedenken und Angst um die Künste der schönen Kaiserin und so stellte der Lord Bay als Hunter für Elisabeth ein.

Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen und anfangs weigerte er sich sogar.

Wie schon bei Marie von Neapel, lehnte er aus Interesselosigkeit ab. Eine Dame aus dem Adel wollte er partout nicht führen.

Kaiserin Elisabeth kam die Art wie Bay über sie sprach zu Ohren und hatte von Anfang an größten Respekt vor ihm.

Einmal ein Mann der nicht vor Ehrfurcht erstarrte, nur weil sie vor ihm stand.

Dass ausgerechnet Bay Middleton ihr noch zum Verhängnis werden sollte, konnte sie jetzt noch nicht ahnen.

Doch nicht alle in ihrem Umfeld, vor allem die Herren, waren der Gleichgültigkeit verfallen. Es gab einige die sich teilweise sogar um die Gunst der Kaiserin stritten und um ihre Aufmerksamkeit buhlten.

Foto: Nationalbibliothek.at
Kaiserin Elisabeth
jung, schön und erfrischend
so wurde sie beschrieben

Sehr zum Missfallen von Kaiser Franz Joseph natürlich, der weit weg in Wien war und zum Teil besorgniserregende Briefe seiner „Berichterstatter“ bekam.

Elisabeths Charme, sowie generell ihre Begleitung waren heiß begehrt. Bis zu 100 Teilnehmer hatte eine Jagdgesellschaft und die Besucher die am Rande der Jagd standen waren auch nicht von minderer Anzahl.

Jeder wollte die schöne und einzigartige

Kaiserin von Österreich sehen.

Elisabeth hatte sichtlich ihren Spaß und versteckte sich nicht.

Marie von Festetics stöhnte auf. Die Teilnehmer würden alle 3 Tage reiten,

„Wir reiten jeden Tag“ (19)

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferenczy

Doch der Aufenthalt 1876 war nicht allzu lange und Bay Middleton spielte noch keine große Rolle in Elisabeths Leben.

Zwar gewann er einen Silberpokal, den diese stiftete und die Kaiserin ganz aufgeregt beim Rennen beobachtete, aber ansonsten war ihr jeden Tag ein anderer Hunter zugeteilt und täglich eine andere Jagdgesellschaft im Gange.

Aufgeregt schrieb Elisabeth ihrer liebsten Freundin, welche nicht nach England mitkommen konnte, Ida Gräfin von Ferenczy (*7.4.1839, †28.6.1928).

Sie war als „Vorleserin“ bei Hofe engagiert, da ihr Adelsstand nicht dem entsprach, dass sie Hofdame werden konnte. Mehr über das Hofzeremoniell und wie man Hofdame oder Vorleserin wurde, gibt es hier.

„Easton Neston
Towcester, am 26.3.1876

…… Was glaubst Du, blieb mir Plato (Anmerkung Petra: der neue Hund nach Shadow) treu, wird er sich auf mich freuen und der Alte bleiben? Wie oft dachte und sehnte ich mich nach ihm. Ich weiß nur, dass ich ihn sehr liebe und kaum erwarten kann, ihn wieder zu sehen. …
Die 2 neuen Kleider sind fast schon abgetragen, [oft] genug wälzten wir uns auch in ihnen! Von der Märzsonne und [dem] Wind bin ich so braun geworden wie ein wilder Hase, mein Gesicht ist voll Sommersprossen, wenn mein Fleisch einmal irgendwo schlecht war, jetzt aber nicht mehr. …… ….. u.s.w
Es küsst Dich
Elisabeth
(20)

Am 5.4.1876 traf Kaiserin Elisabeth wieder in Wien ein.

Ohne mit der Wimper zu zucken, bezahlte Kaiser Franz Joseph die Kosten von

Gulden 106.516,93 = ca. € 1.347.488,11

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Freiherr von Nopcsa

Obersthofmeister Ihrer Majestät Franz Freiherr von Nopcsa (*15.3.1815, †24.6.1904) berichtete Kaiser Franz Joseph voller Stolz, dass es keine bessere Reiterin auf der Welt gäbe, als die Kaiserin. Und er fügte noch hinzu: und nur wenige Herren.

Derweil zog der September ins Land und nach einigen Reisen Elisabeths, weilte sie nun in Gödöllö.

Die Jagdsaison hatte in Ungarn begonnen und sehr zum Verdruss der Ungarn wurde Bay Middleton eingeladen.

Auch der Kaiser kam nach Gödöllö und fand den Piloten sehr sympathisch.

Foto: Wikimedia/Commons
Miklós Pál Graf Esterházy de Galántha „Sport-Nikki“

Doch weniger sympatisch fand ihn Elisabeths bester ungarischer Pilot und Freund Miklós Pál Graf Esterházy de Galántha (*5.12.1839, †7.5.1897) genannt „Nikki“ oder auch „Sport-Nikki“. Ihm passte die Einladung nach Gödöllö überhaupt nicht.

Jeder wollte natürlich der „Hunter“ sein und beinahe stritt man sich um die Gunst der Kaiserin.

Amüsiert über Bays schlechtes Deutsch, der viele Wörter verwechselte, dafür aber kein ungarisch sprach und die Ungarn natürlich kein englisch, wurde es schwer für ihn Anschluss zu finden.

Prompt ging bei dem Besuch etwas schief. Bay, der sich fürchterlich in Ungarn langweilte, besuchte eines Tages ganz allein Budapest.

Da er abgängig war, ließ Elisabeth die Polizei einschalten. Eine sehr peinliche Situation für die Königin von Ungarn. Man fand einen völlig betrunkenen Bay in einem Freudenhaus. Zu dem hatte man ihn ausgeraubt.

Elisabeth tobte, Bay lachte und nahm das Ganze selbst nicht so ernst. Da nur Elisabeth Englisch sprach, war es für ihn natürlich nicht so einfach, sich mit den ohnehin hochnäsigen ungarischen Reitfreunden der Königin zu unterhalten.

Als Weihnachten kam, waren auch Herzog Ludwig in Bayern, seine Henriette und Marie geladen, welche mittlerweile 18 Jahre alt und zu einer wahren Schönheit herangewachsen war. Elisabeth herzte sie über alle Maßen.

Und wieder war es Marie von Festetics, die einen gewissen Riecher hatte, was Marie von Wallersee, später dann Gräfin Larisch anging:

„28.9.1876 Gödöllö

„ich möchte sie gernhaben, sie gefällt mir manchmal, aber, aber was? Es ist etwas, was mich hält, ich traue mich fast nicht, es zu schreiben, aus Angst, ihr unrecht zu tun. Ich habe das Gefühl, recht zart will ich’s schreiben, als ist sie nicht wahr, nicht aufrichtig, als hätte sie „schauspielerisches Talent“. (21)

1877/8 sollte die nächste Reise nach England stattfinden.

Diesmal durfte der 19jährige Kronprinz Rudolf sie begleiten, was leider im Desaster endete.

Es ist auch jenes Jahr, welches das engültige Aus für die Schwestern Elisabeth und Marie besiegelte.

Foto: Wikimedia/Commons
Cottesbrooke Hall, Northants

Silvester verbrachte die Gesellschaft in Claridge, danach ging es weiter nach Northamptonshire.

Im Landhaus Cottesbrook wohnte man diesmal für ganze 6 Wochen.

Lord Spencer war der Eigentümer des Landes, auf dem Elisabeth wohnte. Sein Schloss war in unmittelbarer Nähe.

Gräfin Festetics war unwohl, als sie zu Silvester in Claridge ankam. Sie hatte große Angst um Elisabeth, da sie wusste, dass diese 6 Wochen eine enorme Strapaz werden würden. Und sie wusste, dass viele Teilnehmer zu Sturz kamen, sich das Genick brachen und/oder das Pferd ebenfalls zu Tode kam. Ihre Tagebucheinträge sind besorgniserregend.

Zu dem hatte sie wieder einmal eine Ahnung was Marie von Neapel angging.

Als Gräfin Festetics erfuhr, dass sich die Kaiserin diesmal ausschließlich nur von Bay führen ließ, wusste sie, dass dies für Eifersucht bei Marie sorgen würde.

„London, Silvester 1877

… Sie nähert sich nie Ihrer Majestät, ohne etwas im Schilde zu führen. Entweder wenn sie die Kaiserin braucht, um sich zu schützen, denn Sie hat einen niedern Ruf, oder aber wenn Sie die Kaiserin etwas vergülten will. Ich zittere schon, was heuer wieder sein wird. Ich glaube, Sie hat den C.G. (ihren Liebhaber, Anm.) satt und Sie wird auf Middleton los gehen, weil es sie ärgert, daß dieser exquisite Reiter, der nie eine Dame führt, Ihre Majestät führt. Was sie da ausdenken wird, um Ihrer Majestät ihn auszureden, auf das bin ich neugierig! Die Kaiserin fürchtet sich vor ihr und läßt sich doch beeinflussen von der bösen herzlosen Frau! Das sind schöne Sylvestergedanken, ach!“ (22)

Wie weit es tatsächlich kommen würde, konnte selbst Marie nicht ahnen.

Foto: Wikimedia/Commons
Bay Middleton – das Pferd von dem Bay Middleton wahrscheinlich seinen Spitznamen bekam

William „Bay“ war um 9 Jahre jünger als Elisabeth und schwer taub. Wie genau er zu seinem Spitznamen kam, konnte kein/e Historiker/in genau erforschen. Angenommen wird, dass es entweder sein rotblondes Haar war, dass wie eine „Bay“ (englisch für Bucht) schimmerte oder nach dem Pferd „Bay Middleton“, welches beim Epsom Derby 1836 als Sieger hervorging.

Elisabeth verbot ihrem Sohn Rudolf das Jagen zu Pferde, da er nicht die Übung und das Können hatte, wie sie.

Sie ritt jeden Tag über Stock und Stein, Hindernisse, Wassergräben, jagte Füchse, Hirsche und andere Tiere. Die Hetzjagden an denen Elisabeth täglich teilnahm kannten kein Ende.

Mit jedem Aufsitzen wurde Marie von Festetics bang. Beinahe täglich kam es zu schweren Stürzen, auch Tote waren dabei.

Kaiser Franz Joseph hörte indes die schlimmsten Berichte und ihm wurde in Wien Bange. Elisabeth beschwichtigte ihn immer wieder. Ihr gehe es gut und sie sei voller Freude und Elan.

Und das war sie auch wirklich.

Bay feuerte sie täglich zu mehr an. Er war der beste Pilot und der beste Reitlehrer den sie je hatte. Niemand anderer schaffte es, die Kaiserin herumzukommandieren.

Bay Middleton hatte die Kaiserin aber auch im Griff. Sein Ton war manchmal hart und die Gesellschaft staunte nicht schlecht, wie er mit ihr sprach. Doch Elisabeth nahm dies weder mit Besorgnis zur Kenntnis, noch war sie böse. Im Gegenteil. Genauso wollte sie es.

Mit ihm wurde sie noch besser. Tagtäglich nicht nur schneller und höher, sondern auch noch weiter und sie kamen als Erste ins Ziel.

Wenn Bay stürzte, wartete Elisabeth zwar geduldig auf ihn, zappelte jedoch auf ihrem Pferd hin und her, da sie immer nah bei den Hunden sein wollte. Je schneller die Hunde, desto schneller wurde sie.

Foto: britainsbestguides.org
Kaiserin Elisabeth und Bay Middleton bei der Jagd in Ungarn
Bild: Ölgemälde Julius Blaas, 1878

Die Kaiserin war wie besssen. Sie liebte diese Herausforderungen und nahm sie täglich aufs Neue an.

Nur durch Bays Hilfe wurde sie zur besten Reiterin der Welt. Für eine Dame ihres Standes etwas einzigartiges, bisher nie dagewesenes.

Marie von Festetics beschrieb die einzigartigen Szenen wieder einmal in ihrem Tagebuch:

„Ihre Majestät geht, oder besser gesagt jagt faßt jeden Tag, wenn nicht mit dem hiesigen „Pack“, so mit den andern der Nachbarschaft. Spencer sind auch zu erreichen, und alle alten Bekannten finden sich ein. Das Leben ist aber ermüdend, wenn man nicht mit ganzer Seele dabei sein kann.
Jeden Tag um 9 geht es zum „meet“, was wohl ein reizender Anblick ist! Diese schönen alten Wohnsitze mit den prächtigen Parkanlagen! Auf den herrlich grünen Wiesen das bunte, unbeschreiblich belebte Bild der Jäger in ihren rothen Röcken auf den schönen, vor Erregung faßt zitternden Pferden! Die Damen, die Kinder auf Ponies, die hübschen lustigen Hunden mit ihren verschiedenen braunen Flecken! Ihre Bändiger mit der Peitsche und dem Horn! Der Master, wie ein Regent mit stoischer Gleichmut um sich blickend! Das ist vor dem Hause.
Innen in der Hall über die Tische, mit den feinen Linnen, altem Silber, schönem Glas, Procellan, biegen sich unter der Last der Festschätze! ….
In das Gewühl hinein erschien Sie, „die fairy Queen“, wie man Sie auch nannte, wie mit einem Zauberschlag verstummt, alles in leiser Ehrfurcht beugt und neigt sich jeder! „Her Majesty“, „the Empress“ hört man sagen. Alles will Ihr Lächeln sehen und ein freundlich gnädig Wort, einen Blick erhaschen. Ich bin stolz wie ein Pfau und fêtirt natürlich bis in’s Lächerliche! Dann wird Ihre Majestät zu dem für Sie bestimmten Gemach geleitet. Da arrangirt Sie sich nach der Fahrt noch, nimmt zu sich, was Sie braucht, und wenn alle sellig, tritt Sie heraus.

Sie ist im Nu oben, dann sezt sich’s in Bewegung, und nach einem lezten lieben Blick (nie geht Sie, ohne noch einmal zurück zu mir zu blicken) geht es im Schritte weiter. Ich falte jedesmal die Hände mit er bangen Frage: Wie kömmt Sie wieder und kömmt Sie??“ (23)

Doch wüsste Marie von Festetics, dass sich Elisabeth genau das wünschte, dass sie nicht mehr heimkäme, hätte sie wohl dafür gesorgt, dass sie nicht mehr aufs Pferd stiege. Sofern sie das gekonnt hätte.

Denn manchmal, ganz insgeheim, wünscht sich Elisabeth den Tod:

Warum kann ich mir bei einem Hindernis nicht das Genick brechen und ein für allemal Schluß machen? (24)

Doch sie kam zum Glück immer heil nach Hause.

„Die Ruhepause ist wohltuend, obwohl die Zimmer eisig kalt sind! Meist gegen 7 kommen wir heim! Wie glücklich ich bin, wenn Sie wieder im Wagen ist. (25)

Marie von Festetics

An einem Abend kam es mit Kronprinz Rudolf (*22.8.1858, †30.1.1889) zum ersten Eklat. Bay und Kronprinz Rudolf besuchten einen Ball des deutschen Botschafters im Carlton House Terrace (“) in London.

Als ein gemeinsamer Freund den Reitlehrer und Hunter Ihrer Majestät dem Kronprinzen vorstellen wollte, stand dieser wortlos auf, drehte sich um und ging ohne einen Gruß zu hinterlassen davon.

Kaiserin Elisabeth kam dieser Fauxpas ihres Sohnes zu Ohren und verzieh ihrem Sohn die Brüskierung ihres besten Freundes niemals. Generell verhielt sich ihr Sohn nicht wie ein Gentleman in England.

Er war eifersüchtig, trank zu viel und die ganze Aufmerksamkeit galt wieder einmal seiner schönen Mutter, während er leer ausging.

Foto: Wikimedia/Commons
Kronprinz Rudolf hoch zu Ross
Ölbild: Tadeuz Ajdukiewicz

Schon ein Jahr zuvor, gab es einen großen Eklat um ihren Sohn.

Während einer Jagd in Ungarn, hatte er aus reiner, ignoranter und boshafter Unachtsamkeit einen Treiber erschossen und die Familie lediglich mit einem lächerlichen Beutel Gulden abgegolten.

Seit dem war Kronprinz Rudolf in Ungarn nicht mehr gern gesehener Gast, weshalb ihn Elisabeth auch nicht zu ihrer Ungarn-Jagdgesellschaft mit Bay Middleton und Nikki Esterhazy eingeladen hatte. Sie wollte Tumulte und Missverständnisse in der Bevölkerung vermeiden.

Natürlich tuschelte die Gesellschaft bald, denn ein rüpelhafter Kerl wie Bay, noch dazu mit zweifelhaftem Ruf und vielen Geliebten, stand im Verdacht ein Verhältnis mit der schönen Kaiserin zu haben.

Doch Elisabeth hatte nichts anderes im Sinn als zu Reiten und Bay wusste dies auch. Vielleicht war er heimlich in sie verliebt – das waren viele Männer rund um sie.

Sport-Nikki hatte nie geheiratet und man nahm immer an, dass seine Liebe der Kaiserin galt.

Ab Februar 1878 nahm nun der endgültige Bruch zwischen Marie und Elisabeth seinen vollen Gang auf.

Ich lasse wieder Marie von Festetics erzählen, denn wie so oft, sind es die Zeitzeugen, die die besseren Worte haben, als es jede/r Historiker/in es vermag. Zuvor aber gab es noch eine Charakterstudie über Marie von Neapel:

„COTTESBROOK, FEBRUAR 1878

„Die lieben Menschen sind alle fort! Reitend, fahrend, laufend und zu Fuße auch. Ich sollte auch mitfahren, aber ich habe den Muth nicht, fürchte mich immer, es geschieht etwas. Ich werde geholt und wenn ich nicht da wäre, weil ich mich unterhalten ging, ich wäre verzweifelt. Ich bin ja nur für Sie da! Also noch einmal zur Königin (Anmerkung Petra: gemeint ist Marie von Neapel, Elisabeths Schwester)! Sie war also gut, aber dabei ist sie immer so „ablehnend“ gegen mich. Ich habe das Gefühl, sie weiß es, daß ich ein schweres Herz auf Sie habe und daß ich sie kenne. Ich kenne sie auch in ihrer herzlichen Berechenheit und ihren Neid. Schon wie sie den König (Anmerkung Petra: gemeint ist Marie von Neapels Ehemann Francesco) behandelt: alles für sich und er darbt, raucht schlecht, erlaubt sich keinen Träger auf der Eisenbahn. Wirklich, mit blutendem Herzen sah ich ihn in London sein Handkofferl selber tragen! Und sie?? Sie reitet, jagt, und kleidet sich hoch elegant, hält eine Friseurin! Seine Herren haßen sie, trotz ihrer großen Schönheit. Die Augen sind wirklich sehr schön, der dunkle Augenstern ist so schön auf diesen bläulichen Grund, und wie sie die dunklen Wimpern langsam hebt, es ist wie eine Erbauung, diesen schönen Blick zu sehen.
Und doch fehlt ihr die Lieblichkeit und Güte meiner Kaiserin, Ihr schönes Lächeln. Die Königin hat eine spitze Nase und ein spitzes Kinn, es fällt mir unwillkürlich das alte Sprichwort ein: „Spitze Nase, spitzes Kinn, da sizt der Teufel mitten drin.“
Wie sie wo erscheint, spürt man es. Sie hezt die Kaiserin und trübt Ihr den lauteren Sinn. Leider kömmt sie öfter herab und ich weiß auch, warum. Mich hezt sie fortwärend auf Middleton und faßt es nicht, daß wir ihn nicht hinausbeißen, weil er zu tollkühn reitet ect. ect. Dabei aber wollte sie, daß er sie führt, bis Ihre Majestät kömmt, was er höflich ablehnte mit dem Bermerken: Es ist mühsam jemanden zu führen, der nicht ein perfekter Reiter ist.“ Er sagte es mir selbst. Zuerst war sie unfreundlich, jezt erneuert sie ihre Bestechungsversuche. […]
In London traff Sie (die Kaiserin, Anm.) den Kronprinzen für einige Tage, er kam mit Bombelles. Es waren ihm zu Ehren kleine Diners und sogar eine kleine Soirée, die faßt ein schlechtes Ende genommen hätte.
….
Der Kronprinz war agressive, Bombelles wurde heftig, mit großer Mühe konnte ich des Kronprinzen habhaft werden, aber es gelang. Den Tag früher war er so grob mit Middleton, daß dieser abreisen wollte. Als ich im kleinen kaiserlichen Salon allein mit ihm war, sagte ich: „Ich erkenne Kaiserliche Hoheit gar nicht, die englische Luft schlägt Kaiserliche Hoheit nicht gut an.“ Er lachte und dann schüttete er wie ein Kind sein Herz aus, halb zornig, halb betrübt. Mit Thränen in den Augen sagte er, er bereue, daß er nach England gekommen sei. Er habe seine schönsten Illusionen verloren und fühle sich zu Tode verletzt und unglücklich. Natürlich fragte ich: „Ja, Kaiserliche Hoheit, was ist denn geschehen?“ – „Und Sie fragen mich, Sie gerade, die…“
Weiter kam er nicht, denn ich sah ihn so erstaunt an, daß ihn das zur Besinnung brachte. Er fuhr dann ruhiger fort und erzählte mir aber das Infamste, was ich je gehört. Ich war sprachlos, aber das Erstaunen und die Indignation über solche Lüge muß so deutlich gesprochen haben, daß er, ehe ich noch den Mund öffnete, wie um sich zu entschuldigen heraus fuhr: „Die Tante Marie hat es mir gesagt.“ – „Umso desto niederträchtiger“ sagte ich eisig, obwohl es kochte in mir. „Ja, aber warum hat sie mir’s gesagt, wenns’s nicht wahr ist, und sie war so lieb, so gut und hat mich wirklich gern!“ – „Kaiserliche Hoheit, das sehe ich an dem, was sie Kaiserlicher Hoheit erzählt.“ – „Ist alles ein Lüge?“ – „Ja, Kaiserliche Hoheit, ein Märchen mindestens, ich gebe Kaiserliche Hoheit mein Wort darauf!“ (26)

Foto: ÖNB
Kronprinz Rudolf, 1880

Was ihr Kronprinz Rudolf erzählte, schrieb Marie von Festetics nicht auf, denn sie wollte dies – sollten jemals ihre Tagebücher an die Öffentlichkeit geraten – nicht in den falschen Händen wissen. Sie schloss diesen Beitrag mit folgenden Sätzen:

„Wenn das die Kaiserin wüßte.
Nun der Rest verlief dann friedlich, aber mir ist wirklich bange vor London, wo wir dieses Weib wieder treffen.“ (27)

Ich möchte kurz erwähnen, dass sich Kronprinz Rudolf und Hofdame von Festetics Zeit seines Lebens sehr schätzten. Wann immer es ihm möglich war, holte er sich von Marie Rat oder Trost, wenn es um seine Mutter ging. Schon als Buben tröstete ihn die Hofdame über so manche Trennung von seiner Mama hinweg. Es war also nicht verwunderlich, warum er sich Marie von Festics mit diesem Thema anvertraute.

Doch der Wunsch der treuen Hofdame und Gefährtin erfüllte sich nicht. Obwohl Conte Corti schrieb, dass Elisabeth nie erfuhr, wer die Intrige sponn, war am 25.2.1878 im Tagebuch von Marie von Festetics folgendes zu lesen:

„Wien, 25. Februar 1878

Alles wieder im alte Geleise. 23. hier angekommen, erwartete Seine Majestät die Kaiserin – und mit welcher Freude – am Bahnhofe! Und Sie? Ist auch wieder froh mit dem Mann zu sein, kam aber mit der größten Enttäuschung heim. In Dover bei der Promenade, wärend der Einschiffung und Einwagonirung, erzählte Sie mir, was ich in London schon halb wußte: daß die Königin einen abscheulich Pantsch gemacht (ein Verhältnis angefangen, Anm.), der durch Mr. Baridge, den amerikanischen Zahnarzt, Ihrer Majestät zu Ohren kam, da die Königen diesen ihren Freund, den sie auch der Kaiserin octroyirte, als den Passendsten fand, es weiter zu geben! …..
Die Kaiserin Elisabeth ist aber nicht die Königin, „she dropped him“ und befragte die Königin. Bei der Gelegenheit erfuhr Sie, daß ich davon wiße, was ich nicht leugnete. Es mir schrecklich schmerzlich, ich hätte es Ihr gern erspart. Es war mir in London furchtbar gewesen zuzusehen, wie sehr die Kaiserin im Banne dieser Schwester ist, die immer hezt. Als mir Ihre Majestät damals sagte, „was Rudolf der Königin über seine Mutter gesagt hatte“, konnte ich mich nicht enthalten zu sagen „Eure Majestät glauben das doch nicht, er hängt ja so sehr an Eure Majestät. Wie würde er so eine Bemerkung machen? Er kennt ja die Königin kaum, und wenn, wie würde ich das der Mutter sagen?“
Ich sah, daß Sie Thränen in den Augen hatte, und ich sagte: „Eure Majestät, erinnern sich Eure Majestät an Easton und all die Comödien?“ „Ja“, sagte sie, „aber die Königin hat mich so gerne.“ „Trotzdem würde ich das nicht glauben. Sie zog den Kronprinzen an sich, überhäufte ihn mit Lieb und Zärtlichkeit, und dann zog sie ihn auf ihre Seite und machte aus vielleicht etwas Unbedeutenden einen so häßlichen Tratsch. Eure Majestät, ich erlaube mir, Eure Majestät zu bitten, ein bisschen auf der Huth zu sein.“ Die Kaiserin wurde roth bis unter die Haare und sagte kurz: „Sie mögen die Königin nicht“ Und ich antwortete sehr ruhig: Nem felséged“ („Nein, Eure Majestät) …..
Wie leid ist mir um Sie. Sie ist immer das Opfer Ihrer Geschwister, deren Einfluß wäre es, fern als möglich zu halten. Ihre Majestät kömmt mir vor wie die Cenerentola und die 3 bösen Schwestern (Anmerkung Petra: gemeint waren Marie, Mathilde „Spatz“ und Sophie d’Alençon): sie sind voll Neid! Wenn sie etwas brauchen, drängen sie an Sie heran, schimpfen und verlästern alles, was ihre Stellung Ihr eben gibt, möchten aber alle Vortheile Ihrer Stellung eben für sich ausnutzen. Ist das geschehenso weit und eben möglich ist, denn die Kaiserin ist eine generöse Natur und empfindet, was Ihr alles zur Disposition steht und ihnen nicht, und und ist dann bemüht, ihnen zu helfen. Haben Sie erreicht oder nicht erreicht, ziehen sie schmollend oder aber befriedigt zurück und es ist abgekühlt, bis sie wieder etwas ersinnen, was Ihr Mühe schafft. Eigentlich kennt Sie sie, ist aber doch immer Spielball. Alle Unerquicklichkeit, alles, was Ihr dann das Herz beschwert, kommt von ihnen.“ (27a)

Die Ungeheuerlichkeit, dass Kaiserin Elisabeth den Tratsch von ihrem Zahnarzt erfahren musste, schlug für sie beinahe dem Fass den Boden aus. Jenen Zahnarzt, der ihr von ihrer Schwester aufgedrängt wurde. Elisabeth tobte.

Danach stellte sie sowohl ihre Schwester zur Rede, danach ihren Sohn.

Es nahm sie unglaublich mit, dass ihr eigener Sohn diesen Tratsch glaubte. Sie fand dies unglaublich beschämend und zog sich traurig zurück.
Ihren Sohn fand Elisabeth als hitzköpfig und vergab ihm bald. Schließlich war er erst 19 Jahre alt. Doch bei Marie von Neapel sah das ganz anders aus. Ihr vergab sie nie wieder.

Foto: Wikimedia/Commons
Mathilde „Spatz“ Gräfin von Trani

Von nun an, ging sie ihrer Schwester so gut sie konnte aus dem Weg.
Als sich noch Mathilde „Spatz“ Gräfin von Trani (*30.9.1843, †18.6.1925) Lieblingsschwester von Marie und natürlich ebenfalls eine Schwester von Elisabeth, einmischte und zu Marie half, sprach Elisabeth auch mit ihr jahrelang kein Wort mehr.

Doch „Spatz“ näherte sich in den 80er Jahren wieder durch eine Entschuldigung an. Das Verhältnis wurde wieder besser. An Marie jedoch, verlor die Kaiserin von Österreich nie wieder ein Wort.

In solchen Dingen war sie unbeugsam und unverzeihlich.

Sogar an die in Ungarn verbliebene Ida ließ Elisabeth ihren Groll aus:

„Cottesbrook Park, Northampton

Mir scheint Du leidest an Faulheit, dass Du kein einziges Mal geschrieben hast. Oder Du unterhältst Dich so [gut]? Ich habe meine Zeit wenigstens verbraucht, um ehrlich zu arbeiten.
Gott mit Dir, entsetzlichen Spleen [Gemütsverstimmung, Anm.] habe ich heute
Herzlichst umarmt Dich
Elisabeth“ (28)

Noch 8 Jahre später dichtete Kaiserin Elisabeth über den Vorfall:

Nordsee Lieder, 1886 

P.S.

Sie haben mein Dasein verbittert
Sie haben mein Leben vergällt, 
Und endlich den Glauben erschüttert
An allem, was gut auf der Welt. 

Es haben zwei Schwestern betrogen
Mich einst auf die schändlichste Art
Und Schwüre, noch falsche gelogen
Mit Herzen, so frech und so hart. 

Doch was ich erst jüngst ausgestanden, 
wo glücklich sonst andere sind, 
Bei nahen ud nächsten Verwandten, 
Das wissen nur ich und mein Kind. (29)
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Franz Karl
Lithographie: Josef Kriehuber, 1850

Nun waren auch die 6 Wochen um und Kaiserin Elisabeth nahm wieder Abschied von England. Am 23.2.1878 kam sie am Bahnhof in Wien an und Kaiser Franz Joseph holte seine „Engels-Sisi“ sogar persönlich ab.

Doch schon bald ereilte das Paar ein Schicksalsschlag. Der Vater bzw. Schwiegervater Erzherzog Franz Karl starb am 8.3.1878. Sein Beitrag kann hier nachgelesen werden.

Nun war Elisabeth die Jagd in England vergangen. Im Sommer kamen Lord und Lady Spencer nach Ischl zu Besuch. Dabei erwähnte der Lord die wunderbare Jagdsaison in Irland.

Um ihrer Schwester Marie zukünftig aus dem Wege zu gehen, bereitete Lord Spencer alles für die kommende Jagdsaison im Jahre 1879 in Irland vor.

Währenddessen trainierte Bay 9 ihrer hochtrainierten teuren Pferde in England. Doch die Pferde waren englische Jagden gewohnt und englische Hindernisse. In Irland waren mehr Wälle zu überspringen und keine hohen Gatter.

Um die teuren Pferde an die irischen Jagden zu gewöhnen, ließ Bay sie nach Irland bringen und überwachte dort streng die Ställe, das Futter und das Training.

Foto: Dorotheum.com
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeht auf der Jagd in Göding (heute Hodonin/Südmähren)
Bild: Julius Blaas (wurde in seinem Nachlass gefunden)
2017 versteigert; befindet sich nun wieder im Privatbesitz

Das nächste Problem war das Gewicht der Reiter. Die Pferde waren das ultraleichte Gewicht von Elisabeth gewöhnt, weshalb 3 ihrer teuren Pferde beim umtrainieren starben. Die Kaiserin war außer sich.

Es herrschte gerade Krieg in Bosnien und die Kaiserin von Österreich musste teure Jagdpferde für ihren Irland Aufenthalt kaufen. Das kostete der Monarchie sehr viele Sympathiepunkte und handelte der Kaiserin wieder so manches Kopfschütteln am Wiener Hof ein.

Obwohl sich England mit Irland gerade in einer tiefen Krise befand, war dies für Kaiserin Elisabeth kein Grund nicht zu reisen. Sie wollte reiten und jagen und sonst nichts.

Im Nachhinein gesehen, dürfte ihre Jagdpassion und -affinität eine Art Provokation an Kaiser Franz Joseph gewesen sein.

Obwohl Kaiserin Elisabeth für den Ungarn-Ausgleich 1867 verantwortlich war und Kaiser Franz Joseph nur wegen ihrem Einfluss zum König von Ungarn wurde, hielt er seine Frau aus politischen Sitzungen und Dingen komplett heraus und holte sich auch keinerlei Rat von ihr.

Dies nahm Elisabeth beleidigt zur Kenntnis und zeigte ihm, dass ihr ab sofort poltische Verhältnisse rund um die Monarchie völlig gleichgültig waren:

sie gab Unmengen an Geld aus, sie war beinahe ununterbrochen auf Reisen und Politik spielte in ihrem Leben keine Rolle mehr.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Das berühmte „E“- Monogramm von Kaiserin Elisabeth
Schwäbischen Jungfrau, Wien

Im Jänner 1879 fuhr Kaiserin Elisabeth Richtung Irland. Ida blieb wieder zu Hause, Marie von Festetics kam ein paar Tage später nach, da sie ihren todkranken Bruder besuchen und später beerdigen wollte/musste. Am 25.1.1879 kam auch sie in Irland an, da waren 2 Jagdtage schon vorbei gegangen.

Das irische Volk war begeistert die Kaiserin von Österreich zu Gast zu haben. Aus Dankbarkeit ließ Elisabeth bei jeder sich bietenden Gelegenheit weiße Taschentücher mit dem „E“-Monogramm fallen, welche heute noch in den Familien wie ein Schatz aufbewahrt werden.

Gewohnt wurde im Schloss Summerhill, Meath von Lord Hercules „Paddy“ Edward Rowley 6th Baron Langford of Summerhill (*4) (*1.6.1848, †29.10.1919), welcher ein langjähriger Freund von Lord Spencer und Bay Middleton war.

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Summerhill, Irland
Foto: npg.org.uk
Lord Hercules „Paddy“ Edward Rowley
6th Baron Langford of Summerhill

Der zweite Brief, den Elisabeth aus Summerhill schrieb, ging an ihre Vertraute Ida von Ferency:

„Summerhill, Enfield, Co. Meath, Ireland,
den 24. Februar 1879

Meine geliebte Seele!

Mein erster Brief nach der Reise war an Valérie, nach der ersten Jagd muß er aber an Dich sein, denn ausserdem, daß Du Dich freuen wirst zu hören, daß es mir gut gegangen ist, wirst Du auch neugierig sein zu wissen, wie die Jagd selbst war. Vom Meet ritt man sehr kurz in eine Wiese, wo die Hunde gleich fort giengen wie bei uns, wenn Hirschjagd ist. Nur waren weniger Hunde, zwischen 12 und 14 Koppeln, klein, nicht sehr schön. Ungefähr 108 Reiter, nur ein, zwei im rothen Frack. Es ist hier nicht chique zur Hirschjagd roth zu kommen, sondern wie Cubhunting Costume. Eine einzige Dame sah ich einmal auf der Straße zu Pferde nur zuschauen. Kaum daß die Jagd anfing, waren auch schon Gräben wie bei uns, nur tiefer und breiter. Ich ritt ein neues Pferd zu ersten Mal, und da es anfangs in die Hand gieng, mußte ich meine eigene Linie nehmen wie auf Laky, was hier nicht so schwer ist, da es wie bei uns, mehr offen ist. Wie ich es aber ganz in der Hand hatte, folgte ich Captain Middleton. ….. ,es gab sehr viel zu springen, viele stürzten. Der Boden ist prachtvoll, lauter Gras, hie und da nur etwas tief, nach all dem Schnee.
……..
Und nun gute Nacht, es ist 1/2 9 und morgen muß ich früh aufstehen. Schreibe mir auch ausführlich über die Gödinger Jagden. Ich danke Valérie für ihren lieben Brief, der mich so freute. Bitte schicke diesen auch an Rudolf.
Mit 1000 Küssen Deine Euch liebende Sisi
Rudolf und Valerie umarme ich auch innigst“ (31)

Elisabeth schrieb unzählige Briefe an Ida. Doch wenn man sich die durchliest, so ganz glücklich wirkte sie trotz allem nicht. Sie war nicht so unbeschwert wie in England.

Dies lag auch daran, dass Bay die Hindernisse und den schweren Parcours nicht so ritt, wie in England. Er stürzte öfter als sonst, einmal überschlug er sich sogar. Elisabeth musste die Jagd öfters früher abbrechen. Zu dem spielte auch das Wetter nicht immer mit.

In Irland wurden mehr hohe Drops, tiefere Gräben und Doubles gesprungen, als in England. Dies stellte zahlreiche Reiter vor große Hürden. Tagtäglich brachen sich mehrere Teilnehmer sämtliche Knochen, Pferde das Genick oder die Beine. Auch Menschen verunglückten tödlich.

Elisabeth strahlte auf ihrem Pferd „Domino“, ein wunderschöner Rappe, als wäre sie nie etwas anderes geritten als irländische Parforcejagden. Dennoch hörte sie auf, sobald ihre Hunter stürtzten oder die Pferde nicht mehr konnten.

Marie von Festetics stieß Stoßgebete in den Himmel. Sie war noch besorgter um Ihre Majestät, als in England. Die Angst machte sie schier wahnsinnig.

Am 2.3.1879 kam der Maler John Charlton (*28.6.1849, †10.11.1917) um sich die Jagd anzusehen. Dabei ist eines meiner persönlichen Lieblingsstahlstiche von Kaiserin Elisabeth entstanden.

Zur Überraschung meinerseits hat Historikerin Beatrix Meyer nun herausgefunden, dass Elisabeth entgegen aller bisheriger Annahmen und Berichte sämtlicher Historiker/innen doch noch Kontakt mit Schwester Marie gehabt hatte.

Ob sie nun selbst noch Briefe schrieb oder anderweitigen Kontakt suchte, konnte ich in keinem Buch herausfinden, da alle vorliegenden Bücher von einem Kontaktabbruch schreiben.

Im vorliegenden neuen Buch „Kaiserin Elisabeth ganz privat“ kann man folgende Zeilen an Ida lesen:

„Summerhill, Enfield, CoMeath, Ireland.
Mittwoch, 26.Februar 1879

Meine geliebte Seele!
……
Bitte schicke meine Briefe auch an Marie [Schwester der Kaiserin, Anm.], ich kann nicht extra noch schreiben, und sie möchte Nachrichten von mir. Ich danke ihr für ihren Brief, hoffe sie ist wieder ganz wohl. Sie soll mir schreiben.
Mit 1000 Küssen Deine Euch liebende Sisi.“ (32)

Anmerkung Petra: Hier ist meiner Meinung nach nun größerer Aufklärungsbedarf.

Am 12.3.1879 um 2.00 Uhr morgens brach die Hölle über Szeged/Ungarn herein. Ein Hochwasser überflutete die gesamte Stadt und 60.000 Menschen wurden obdachlos, 70 % der Stadt wurden zerstört.

Die Monarchie stand vor einer menschlichen Katastrophe und die Königin von Ungarn weilte in Irland zur Jagd.

Foto: Wikimedia/Commons
Queen Victoria

Dieses Unglück nahm Kaiserin Elisabeth zum Anlass um früher abzureisen und einen hohen Bogen vor dem unliebsamen Besuch in London bei Queen Victoria zu machen.

Natürlich schrieb sie vorher noch einen halb süffisanten Brief an ihren Gatten, dass sie Geld sparen wolle, in dem sie sich die hohe Hotelrechnung in London ersparen würde.

Bei Ausgaben von

Gulden 158.337,48 = ca. € 2.079.317,90

wären die Hotelkosten auch schon egal gewesen.

Kaum in Wien fanden die Feierlichkeiten zum 25. Hochzeitstag statt. Der Bericht kann hier nachgelesen werden.

Während des Jahres reiste Kaiserin Elisabeth natürlich mehrmals und ritt weiterhin in Gödöllö zur Jagd oder übte Dressur.

Kaum war ihr 42. Geburtstag und Weihnachten vorbei, trieb es sie schon wieder nach Irland zur nächsten Jagdsaison.

Die Vorbereitungen für die nächste Irlandreise waren im vollem Gange, als Kaiser Franz Joseph Elisabeth verbot nach Irland zu fahren. Wenn schon eine Jagdreise, dann wenigstens nach England.

Jetzt wurde fieberhaft nach einem Anwesen gesucht, dass Elisabeth zu Gesicht stand.

Foto: letsgetitshot.co.uk via combermereabbey.co.uk
Combermere Abbey

Gefunden wurde es durch Zufall durch einen Hofbediensteten.

Lord Wellington Stappleton-Cotton 2nd Viscount of Combermere (*5) (*24.11.1818, †1.12.1891) stellte sein imposantes Combermere Abbey – eine ehemalige Abtei – zur Verfügung, da er selbst nach Westindien reiste.

Dieses ließ sie jedoch vorher nach ihren Wünschen umbauen.

Foto: pictorialpast.co.uk
Lord Wellington Stappleton-Cotton
2nd Viscount of Combermere

Hauskapelle, Turnsaal, Telegraphenapparat um mit Kaiser Franz Joseph im Kontakt zu bleiben, ein eigener Wartesaal für das extra verlegte Zuggleis, da Elisabeth unter gar keinen Umständen vom gemeinen Volk gesehen werden wollte, elektrische Klingeln für das Personal durch das ganze Haus, eine eigene Treppe in die Küche, um Mahlzeiten einzunehmen, wann immer sie wollte usw.

Kaiser Franz Joseph kam für alle Unkosten auf. Was blieb ihm auch anderes übrig? Er selbst bestand ja auf die Reise nach England.

Bay sorgte zwischenzeitig wieder für die Umtrainierung der Pferde auf die englischen Hürden und schaffte diese nach England.

So fuhr sie am Wiener Bahnhof mit

40 Tonnen „leichtem“ Gepäck

im Februar 1878 los. In Bayern lag noch Schnee, in England wehte ein milder Frühlingstag um Elisabeths zarte Knochen. Schon am nächsten Tag saß sie mit Bay als Hunter im Sattel.

Am 13.3.1881 schrieb sie an Ida:

„…..
Gestern hatten wir eine außerordentlich gute Jagd gehabt, zwar stürzte ich, doch war ich in einer Minute schon bei den Hunden, wie der Rote [William „Bay“ Middleton, Anm.] sagte, bekam ich verdient den wertvollen Schwanz.
….
Es küsst und grüßt Dich
Elisabeth (33)

Doch diese Reise stand unter keinem guten Stern für Elisabeth und Bay. Bay ritt so scharf, dass er so schwer stürzte, dass sich das Pferd das Genick brach. Elisabeth traf dies hart. Sie setzte sogar einen Reittag aus, konnte diese Szene kaum verarbeiten.

Danach flaute ihre Reitleidenschaft wohl ab.

Obwohl sie 1882 noch einmal nach England reiste (wieder nach Combermere Abbey), war nicht mehr Bay ihr Hunter.

Seine Verlobte Charlotte Baird (*/unbekannt), mit der er seit 1875 verlobt war, hatte sich nicht mehr hinhalten lassen und bestand auf sein Eheversprechen. Ihre Eifersucht auf die schöne Kaiserin war so enorm, dass sie Bay verbot, mit Elisabeth jemals wieder zu reiten.

Als Hunter wurde ihr deshalb Major Rivers-Bulkeley (*/unbekannt) zur Seite gestellt. Doch ab diesem Augenblick wollte Elisabeth mit dem Jagdreiten nichts mehr zu tun haben. Es machte ihr von einem Tag auf den anderen keinen Spaß mehr.

Sie packte ihre Sachen und verließ ohne ihre Pferde und ohne zurückzuschauen England für immer.

Sie sah weder Bay jemals wieder, noch ihre Pferde. Diese wurden verkauft, die Gestüte wurden aufgelassen.

Foto: myheritage.co.uk
Gedenkstein Bay Middleton, Unglücksstelle Edgehill in Kineton, Victoria (GB)

Bay heiratete am 25.10.1882. Er starb wie er lebte. Schnell und am Pferd. Er stürzte am 9.4.1892 – kurz vor seinem 46. Geburtstag – am Edgehill in Kineton am „Parlamentarischen Hindernis“ so schwer, dass er sich das Genick brach. Seine Tochter Violet war zu dem Zeitpunkt 6 Jahre alt.

Charlotte von jeher von tiefer Eifersucht auf Kaiserin Elisabeth derartig gequält, schmiss alle Erinnerungsstücke, bis auf ein paar Kleinigkeiten, in den Ofen.

Die erste Gedichtspassage, die ich für Bay finden konnte, befindet sich im Gedichtband „Nordsee Lieder“ aus dem Jahr 1885.

(Anmerkung Petra: das Gedicht hat einige Vorpassagen, die ich weggelassen habe) 
Das Kabinet.

...

Genug, er sei nicht genannt... 
Ich tret' ans vierte Fell; 
Der ward aus West' mir zugesandt, 
Ein drolliger Gesell'! 

Rostfarben war mein Freund Langohr, 
Sein Wiehern hell und laut, 
And never was he sick, nor sore, 
But jumped and pranced about. 

... (33a)

Im Gedichtband Winterlieder, im Gedicht „Allerseelen“ ist Bay eine weitere Gedichtpassage gewidmet, die ich hier ebenfalls vorstellen möchte. Auch hier musste ich kürzen, da die anderen Zeilen, nichts mit Bay zu tun hatten.

Ischl, August 1887

Allerseelen

...

Ich seh' dich noch, mein treuer Freund, 
Und deine tollen Sprünge;
Ich habe auf den Kranz geweint
Vor lachen, den ich bringe. 

Der letzte Kranz, das letzte Grab, 
Die Wallfahrt wird beendet; 
Es ist der schönste, den ich hab';
Und der sei dir gespendet. (34)

Einer der vielen Sättel Ihrer Majestät und eine Reitgerte.

Im selben Jahr gab es noch einmal ein Gedicht an ihre langjährige Reitleidenschaft. Auch dieses Gedicht ist stark gekürzt.

An die Zukunftsseele, 1887

...

Einst jagt' ich rastlos hin auf dieser Erde, 
End ward mir selbst der weiße Pusztasand, 
Das Meer trug mich und meine stolzen Pferde
Hinüber bis an Erins grünen Strand. 

Fast ging die Seele mir dabei verloren; 
Es war mein Rasen ohne Ruh' und Rast; 
Doch eine andre hatte sie erkoren, 
Von dieser ward auf ewig sie umfaßt. 

Das Pferd, dies irdisch Kleinod meiner Seele, 
Durch höhre Mächteward es mir vertauscht; 
Es trat das Flügelroß an seine Stelle, 
Und meine Seele flog man wie berauscht. 

... (35)

Und natürlich gab es auch ein Wehklagen an ihre verlorenen Tiere.

Bereits 1885 im Gedichtband Nordsee Lieder erzählte sie im Gedicht „Jauss“ jene Geschichte, die in den 1870er Jahren in Ungarn auch tatsächlich geschehen ist.

Jauss.

Ich hatt' einst einen Vollbluthengst,
Ein stolzes, schönes Tier; 
Dahingegangen ist er längst, 
Mit ihm des Stalles Zier. 

Der bockt die schlechten Reiter all'
Mit Gusto auf den Bauch, 
Doch nicht genug an ihrem Fall, 
Er trat und biss dann auch. 

Ich denk' jetzt eben her und hin, 
als ich mein Buch durchlas...
Wie kam der Hengst mir in den Sin, 
Und was bedeutet das? (35a)
Foto: Wikimedia/Commons
Tassilo Graf von Festetics de Tolna

Im Gestüt von Tassilo Graf von Festetics de Tolna (*2.6.1813, †7.2.1883) (ein Verwandter von Marie), nahe Gödöllö, stand ein Pferd, welches nicht gezähmt werden konnte und jeden Reiter abwarf. Zudem war er bissig und trat bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Der Schlachter sollte das Pferd abholen.

Elisabeth hörte von dem Pferd und ließ sich zu ihrem Jagdfreund bringen, der sie im übrigen auch auf die England- und Irlandreisen begleitete.

Tassilo und noch weitere Personen waren beunruhigt, als Ihre Majestät mit ruhigem Schritt in die Box des wilden Pferdes ging und es behutsam anfasste und auf ihn einredete. Ganz langsam beruhigte sich das Pferd.

Sie ließ es satteln und ritt mit ihm langsam aus der Box. Dieses wiederholte sie 2-3x. Danach ließ sich das Pferd auch von anderen Reitern satteln und reiten.

Doch Graf von Festetics schenkte Elisabeth das Pferd. Immerhin hatte sie es gezähmt. Dies brachte ihr über alle Maßen hohen Respekt in der Welt des Reitsports und der Adeligen der Umgebung ein.

Des Weiteren konnte ich noch eine längere Gedichtpassage auf ihre Pferde finden. Im Gedichtband „Winterlieder“ schrieb sie in Ischl, im September 1887 ein Klagegedicht aus mehreren Strophen an ihre Glanzzeiten über das Fechten und Reiten. Ich habe die Reitpassagen abgetippt:

Aus meiner Burschenzeit.

....

Wo sind sie jetzt, die edeln Tier',
Die ich getummelt hier und dort
Im Circus und im Jagdrevier?
Nur so viel weiß ich, sie sind fort!

Mein Too-good, fromm fast wie ein Kind, 
Doch feurig und voll Ambition;
Und Mermaid, flüchtig wie der Wind, 
Seid ihr im Pferdehimmel schon? 

Mein schlanker brauner Nihilist,
Du weilst vielleicht noch im Gestüt,
Wo du ein alter Pascha bist, 
Den das Familienglück umblüht. 

Und Merry Andrew brach's Genick, 
In Erin kam er jäh zu Fall; 
Ihn traf noch gnädig das Geschick
Bei Meute-Geläut und Hörnerschall. 

Nennt' ich euch alle, wär's zuviel, 
Auch macht's das Herz mir heut noch schwer; 
Beendet ist das wilde Spiel, 
Der Stall, der Circus stehen leer. 

Nur einer lebt in süßer Ruh', 
Dem geb' ich das Gnadenbrot; 
Doch drück ich meine Augen zu, 
So schlägt auch den der Schinder tot. (36)

Hier möchte ich kurz ansetzen: …“und Merry Andrews brachs Genick“…

Elisabeth als Tierschützerin oder -liebhaberin?

Ich bin sehr zerrissen, was dieses Thema angeht. Ich habe mich für diesen Beitrag wirklich sehr lange und intensiv mit der Parforcejagd, mit Pferden, dem Jagen, der Dressur und dem Zirkus auseinandergesetzt. Alles Themen die mir persönlich widerstreben, da es mir schwerfällt mich mit Dingen zu beschäftigen, wo ich persönlich der Meinung bin, dass Tiere leiden.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: Wilhelm Richter

Im 19. Jahrhundert galt das Pferd als Arbeits- und Kriegstier. Es wurde mit Sicherheit nicht so gehegt und gepflegt, wie es heute manch einer tut. Natürlich gibt es nachwievor viel zu viel Tierleid, dazu braucht man nur die einschlägigen Social Media Seiten aufmachen. Aber darum geht es jetzt nicht.

Pferde galten im 19. Jahrhundert nicht als „Freunde“ und schon gar nicht als „Seelentiere“. Sie wurden gebraucht, benutzt und wenn sie sich bei der Jagd das Genick brachen, wurde das nächste Pferd herangeschafft.

Mit Sicherheit hat Kaiserin Elisabeth um das ein oder andere Pferd mehr oder weniger „getrauert“, aber sicher nicht so, wie um Shadow, Horseguard oder ihre anderen Hunde.

Das sieht man auch daran, dass sie sich 1878 in England einfach abwand, nach Hause fuhr und ihre Pferde zurückließ. Ohne jemals zu hinterfragen, was mit denen geschehen soll(te).

Sie schenkte „Lord Byron“ her, das – zur Zeit der Dressur mit Elisa -ihr Lieblingspferd war. Wer hätte das gekonnt, wenn es das „Seelenpferd“ ist?

Dass sie 1887 natürlich Lobeshymnen auf ihre Pferde schrieb, war normal. Zu dieser Zeit war sie bereits schwer gemütsleidend. Blättert man durch ihre Winterlieder, bekommt man kaum ein „witziges“ Gedicht zu Gesicht. Fast alle sind düster, traurig und deprimierend.

Zu ihrer Glanzzeit besaß Kaiserin Elisabeth 30 Reitpferde edelster Herkunft.

Sie besaß Englische Vollblut (ihre Lieblingspferde), Irische Hunter, Arabische Schimmel, Haflinger und Lipizzaner (k.u.k. Pferde).

Die Namen der Pferde waren so stolz, wie ihre Reiterin es war:

Foto: Dorotheum.com
Pferdemedaillon als Brosche
Aus dem Besitz von Kaiserin Elisabeth
Versteigert im Dorotheum 2011

Miss Freney, Violet, Mouse, Vanity, Sarahwing, Bürgermeister, Machbub, Mignon, Red Rose, Sobri, Blue Jacket, Redwing, Abraham, Generalissimus, Fandango, Büszke, Mignon, Beauty, Summerhill, Cameo, Domino, Whalebone, Merry Andrews, Bravo usw.

Bevor sie die Pferde verkaufen ließ, ließ sie einige davon in Öl verewigen. Was mit ihnen danach passierte interessierte sie allerdings nicht mehr.

Lange wurde in den historischen Büchern spekuliert, was die Gründe für den jehen Rückzug vom Pferdesport von Kaiserin Elisabeth waren.

Aber so nach und nach kamen Tagebücher und Briefe zu Tage, so dass auch dieses Geheimnis gelüftet wurde.

Ab dem 42. Lebensjahr plagten Elisabeth schwere rheumatische Schübe und ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie berichtete von starken Bädern, die zum Teil ihre Mutter „arg umnachteten“. Ich nehme an, damit waren die starken Dämpfe gemeint.

Foto: Dorotheum.com
Wiener Kunstkeramik, Marke: Keramos
Künstler: Rudolf Chocholka
Souvenir aus dem frühen 20. Jhdt.

Wer schon einmal Rheumaschmerzen hatte, weiß, dass man sich damit kaum auf den Beinen, geschweige denn auf einem Pferd halten kann.

Zu dem kam dazu, dass man ihr Bay genommen hatte und damit ihren Reitfreund.

Zu Hause in Österreich stieg Elisabeth noch einmal aufs Pferd.

In der Steiermark im Jagdgebiet Mürzsteg besass Kaiser Franz Joseph das kleine Schloss Mürzsteg, in welchem sich auch öfters Kaiserin Elisabeth aufhielt.

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Mürzsteg in Mürzsteg/Steiermark
Heute im Besitz des jeweiligen Bundespräsidenten von Österreich

Am 26.8.1883 kam es zu einem schweren Unfall, der beinahe Elisabeths Leben kostete.

Als sie über eine kleine Brücke beim „Toten Weib“ ritt, stürzte diese ein. Ein zufällig anwesender Holzarbeiter musste sie aus dem tosenden Wasserfall und den eingestürzten Brettern befreien.

Dieser Sturz war so einschneidend für sie, dass sie ab sofort komplett das Reiten ließ. Der Wasserfall ist heute noch sehr gefährlich und steil. Wie es zum Namen „Totes Weib“ kam, könnt ihr hier nachlesen.

Erzherzogin Marie Valérie stiftete eine Tafel, die jahrelang an der Felswand zum Dank der Errettung ihrer Mutter hing. Irgendwann verschwand diese und tauchte kürzlich wieder auf.

Und so gingen – wenn man ungefähr davon ausgeht, dass Klein-Sisi 3 Jahre alt war, als sie zum ersten Mal auf ein Pony stieg – 45 Jahre ihres Lebens zu Ende.

Foto: Wikimedia/Commons
Irma Gräfin von Sztáray

In den späten 1890er Jahren verriet sie ihrer Hofdame Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863, †3.9.1940)

„Plötzlich und ohne jeden Grund hatte ich den Mut verloren, und ich, die noch gestern jeder Gefahr spottete, erblickte eine solche in jedem Busch und konnte mich von ihrem Schreckbilde nicht mehr befreien.“ (37)

Und es wäre nun einmal nicht Elisabeth gewesen, wenn sie nicht die eine Passion gelassen hätte, um eine Neue zu beginnen.

Allerdings aus gesundheitlichen Gründen auch die nicht lange.

Nun hatte sie das Fechten entdeckt, welches sie in Heidelberg erlernte.

Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

– Petra –

Ich dachte also, ich werde eine Gesellschaft suchen,
die meine Ruhe nicht stört und mir Vergnügen bietet.
Ich bin in mich selbst zurückgekehrt und habe mich der Natur zugewendet.
Der Wald tut mir nicht weh…
Die Natur ist viel dankbarer als die Menschen. (38)

Kaiserin Elisabeth
Foto: pressreader.com
perfekte Fotomontage aus dem späteren 19. Jahrhundert
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph auf einer gemeinsamen Jagd in Gödöllö


Anmerkungen:
(*) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Herzogin von Teck lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und Mary Adelaide Princess of Cambridge verh. Herzogin von Teck gefunden.

(**) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann mam immer nur von Lady Dudley lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und Georgina Ward verh. Countess of Dudley (Lady Dudley) gefunden.

(*3) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Herzog von Rutland lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und den 6. Duke of Rutland in Charles Cecil Manners gefunden.

(‚) Auch Káláman (Koloman) Tisza wurde von mir gesucht und als Anmerkung im Festetics Tagebuch hinzugefügt. Um die Anmerkung nicht allzu ausufern zu lassen, habe ich die Geburts- und Sterbedaten nicht angefügt. Wer sie wissen will: (*16.12.1830, †23.3.1902).

(“) Das Carlton House Terrace wird in allen Geschichtsbüchern als Carton House Terrace geführt. Ein Rechtschreibfehler der sich durch Nichtrecherche durch zig-Bücher führt.

(*4) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Lord Hercules „Paddy“ Langford lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und habe Hercules Edward Rowley 4th Baron Langford of Summerhill gefunden.
Sein Bild habe ich der National Gallery London entnommen und mich dafür bedankt. Thank you for your help!

(*5) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Lord Combermere lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und habe Lord Wellington Stappleton-Cotton 2nd Viscount of Combermeregefunden.
Sein Bild habe ich bei pictorialpast.co.uk gefunden. Thank you for your help!

In allen anderen Fällen hat mir nur Wikimedia/Commons als freie Bilddatenbank genützt.


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Dorotheum Wien, Stadtmuseum München Bildarchiv, Wikimedia/Commons, Bezirksmuseum Wien 2, Dieter Nagl für SKB – Schloss Schönbrunn, pressreader.com, gnm.de/museum/abteilungen-anlaufstellen/deutsches-kunstarchiv, austria-forum.org, hofreitschule.news, artnet.com, Heike, myheritage.co.uk, letsgetitshot.co.uk via combermereabbey.co.uk, Nationalbibliothek.at, britainsbestguides.org, John Fielding, artvee.com, Albertina.at, france-voyage.com, srs.at, Thaddäus Bien, abebooks.co.uk, Repeated Originals via etsy shop, npg.org.uk, pictorialpast.co.uk, forum.alexanderpalace.org, visitszeged.eu


Literatur Hinweise:

1 – S.23, 3 – S.32, 7 – S.77
Martin Haller
Sisi – Die Kaiserin im Sattel
myMorawa Selbstverlag, 1. Auflage 2018

2 – S.49
Bernhard Graf
Sisis Vater
Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Alliteria Verlag//edition monacensia, 2. Auflage 2017

4 – S.318/9, 5 – S.318, 6 – S.319, 8 – S.321, 9 – S. 321, 10 – S. 321/22, 14 – S.324
Brigitte Hamann
Elisabeth
Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage 2017

11 – S.237, 12 – S.237, 15a – S.248, 17 – S.250, 18 – S.252, 19 – S.255, 21 – S.259/260
Egon C.C. Corti
Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heyne Sachbuch, 15. Auflage, 2. dieser Ausgabe 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

13 – S.121
Sigrid Maria Gössing
Kaiserin Elisabeth und ihre Männer
Ueberreuter Verlag, 1. Auflage 1998 (nur noch antiquarisch erhältlich)

14 – S.187, 15 – S. 187-190, 16 – S.191, 22 – S.195/6, 23 – S.196/7, 25 – S.197, 26 – S.198-200, 27 – S.200, 27a – S.200-202
Gudula Walterskirchen, Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics
Kaiserin Elisabeths intimste Freundin
Residenz Verlag, 3. Auflage 2014

20 – S. 94/5, 28 – S.100/1, 31 – S.102 u. 104 (Bild dazwischen/nicht gezählt), 32 – S.107, 33 – S.130
Beatrix Meyer
Kaiserin Elisabetz ganz privat
Briefe an ihre intimste Vertraute Ida Ferenczy
Allitera Verlag, 1. Auflage 2020

24 – S.208, 37 – S.208, 38. S.196
Johannes Thiele
Elisabeth – Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn
Ihr Leben. Ihre Seele. Ihre Welt. (Bildband)
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2011 (nur noch antiquarisch erhältlich)

29 – S.122, 33a – S.82, 34 – S.269, 35 – S.214/5 35a – S. 83, 36 – S.295/6
Brigitte Hamann
Kaiserin Elisabeth
Das poetische Tagebuch
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 3. Auflage 1995

Susanna Forrest
The Horsewomen of the Belle Époque
The Paris Review

Susanna Forrest
The “Princess Daredevil” of the Belle Époque
The Paris Review

Bernhard Graf
Sisis Geschwister (Bildband)
Allitera Verlag//edition monacensia, 1. Auflage 2017

Gabriele Praschl-Bichler
Kaiserin Elisabeths Fitneß und Diät-Programm
Amalthea Verlag, 1. Auflage 2002 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Das Sternenkleid

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter
Was ließ ihr die Vergötzung?
Was ließ ihr noch der Neid?
Was blieb von ihrem Leben
als Bodensatz der Zeit?
Kitsch!(*)

Es gibt ein Bild mit welchem man – beinahe auf der ganzen Welt – Kaiserin Elisabeth identifiziert.

Es ist ja auch kein Wunder, pappt es schließlich mittlerweile auf jedem – zum Teil sehr übelst kitschigem Souvenir – quer durch Österreich/Deutschland.


Obwohl das Bundesimmobiliendepot immer wieder betont, „das Winterhalter Bild der Kaiserin darf ausschließlich

„nur für wissenschaftliche Arbeiten“

genutzt werden. Ausgenommen seien die Souvenirs von Schönbrunn und Sisi-Museum Shop, denn das Original würde ja in der Hofburg hängen und somit dürften die als „einzige“ das Bild auf Souvenirs drucken.

Nun gut. Ich frage mich dann, wie das „nicht autorisierte Bild“ quer durch Österreich auf Kochhandschuhen, Socken, Schuhen, abgeänderten hässlichen Hietzingern Gutscheinen, sowie deren Plakaten, Helloween Plakaten, Armbanduhren, Handycovern, Mundnasenschutz, T-Shirts, Notizbücher, Bleistifte, Radiergummi, Spieluhren aller Art, Weihnachtsfiguren und sonstigen zum Teil sehr hässlichen Puppen, Seifen, Badeschaum und allerlei sonstigen Kram landen kann.

Aber laut Auskunft der Bundesimmobilienverwaltung gibt es all diese Dinge nicht. Ähhm.

Nun… einige Fotos habe ich unten zusammengefasst und diese sind nicht im Schönbrunn Shop bzw. Sisi Museum Shop entstanden. Wie kann das dann möglich sein. Illegal? Wahrscheinlich. Aber warum man so derartig die Augen verschließt und behauptet, es gäbe all diese Dinge nicht, ist mir ein Rätsel.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com
Das geschenkte Sternenkleid der Sisi-Straße

Meine ehemalige Begleiterin Sabine Rossegger, die als Sternenkaiserin auftrat, nähte sich ebenfalls das Sternenkleid.

Insgesamt besaß sie 3 solcher Kleider.

Wobei eines davon nicht von ihr war. Dieses wurde ihr von der Sisi-Straße Tourismusvereinigung zur Verfügung gestellt und diente als ihr Ballkleid, wenn sie irgendwo für diese (oder später für uns) unterwegs war.

Sie behauptete zwar immer, sie selbst hätte es genäht, dies stimmt jedoch nicht. Sie änderte es lediglich auf ihre Bedürfnisse um, aber das Kleid selbst, wurde von einer Ungarin genäht, von der Sisi-Straße gekauft und Frau Rossegger geschenkt.

Ihr erstes „Sternenkleid“, war ein Sternchenstoff-Kleid, wie es viele Cosplayer verwenden. Ohne Schleppe und viel zu tiefem Ausschnitt. Sie verwendete es für die Ischler-Kaisertage (kein eigenes Bild vorhanden; fremde verwende ich hier absichtlich nicht!).

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Das dritte war dann das Galakleid, welches wir in verschiedenen Museen oder Schlössern präsentierten.

Das Kleid hatte ein Eigengewicht von ca. 20kg. Dazu die Krinoline (Reifunterrock) mit nochmals 2-3 kg, das Stahlkorsett und sämtliche Unterröcke.

Insgesamt zog ich ihr an diesem Tag ein Gewicht von 25 kg an. 1 Jahr hat sie angeblich daran gearbeitet und die Sterne per Hand auf den Tüll genäht.

Der Urzustand ihres Sternenkleides hatte eine 3m lange Schleppe, die ziemlich „wuselte“, wenn sie länger damit ging.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
das abgeänderte Sternenkleid, mit der 5m Schleppe

Leider änderte sie es dann noch einmal um, da sie eine längere Schleppe haben wollte. Ab da gefiel mir persönlich das Kleid nicht mehr, da es irgendwie komisch am Boden auflag.

Die 5m lange Schleppe mit dem weicheren Tüll, ließen das Kleid nicht mehr so bauschig wirken.

Es sah nun aus, wie alle Krinolinenkleider und es lag flach wie eine Flunder am Boden.

Unsere Begleiterin Tamara (damals bekannt als Maria José) musste immer unter das Kleid kriechen, damit es auf den Fotos bauschig wirkte.

Als ich das erste Mal „das Sternenkleid“ in natura sah hatte ich Tränen in den Augen.

Man muss sich das ungefähr so vorstellen.

Wir waren damals im Unteren Belvedere. Es war das 2te Shooting, 2017. Wir brauchten einige Fotos mit dem Kleid für die Pressemappe, weshalb Frau Rossegger insgesamt an dem Tag 4 Kleider mitnahm. So auch das Sternenkleid. Schon als ich es ihr anzog, zitterten mir die Finger. Als sie sich umdrehte, stockte mir der Atem.

Sie sah wirklich aus wie Kaiserin Elisabeth.

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Foto: Barbara Prinz, Fotografie mit Herz

Ihre Haare, die sie mit 3 Haarteilen (!) zu der Steckbrieffrisur werden ließ, die 27 Sterne im Haar, das Kleid, die Umgebung… es schien, als hätte wirklich Kaiserin Elisabeth vor mir gestanden.

Nun ist der Zauber der Sternenkaiserin für mich genauso verpufft, wie jener von Helene von Thurn und Taxis.

An jenem Hochzeitstag ihres Bruders Carl Theodor Herzog in Bayern mit Sophie Prinzessin von Sachsen, trug sie dasselbe Kleid, wie ihre berühmte und schöne Schwester Kaiserin Elisabeth.

Ich bin der Meinung, dass sie sich ansonsten genauso hätte malen lassen, wie ihre berühmte Schwester. Hat sie aber nicht.

Doch wo kam das Kleid her? Wer designte es? Und wie kam es zu den Sternen? Und wer hätte je ahnen können, dass es jemals „das Kleid der Kleider“ wird?

Die Geschichte des Sternenkleides

Elisabeth sammelte in einem sogenannten Schönheitsalbum Fotografien von schönen Damen aus der ganzen Welt.

Dies konnten Tänzerinnen, Schauspielerinnen, aber auch „Halbwelt“-Damen sein.

Keine Mühen scheute sie und so bat sie sogar ihre Habsburger-Verwandtschaft auf deren Reisen Bilder für sie zu sammeln und ihr diese zu schicken.

Sogar Offiziere wurden dazu angehalten, der Kaiserin Fotografien von den Garnisonsstädten zu schicken.

Ihr wurde ein Bild von Contessa Virgina di Castiglione (*22.3.1837, 28.11.1899) in einem dunkelblauen Samt-Sternenkleid mit Schmucksternen im Haar zugesandt. Sie war Obgleich Feuer und Flamme von dem Kleid und der Frisur.

Die Idee zu diesem Kleid ließ sie nicht mehr los.

Als nun ihr geliebter Bruder Carl Theodor „Gackel“ in Bayern (*9.8.1839, 30.11.1909) ihrer beider Cousine Sophie Prinzessin von Sachsen (15.3.1845, 9.3.1867) ehelichte, war es soweit. Der herzzerreißende Beitrag zu Sophie Herzogin in Bayern kann hier nachgelesen werden.

Sie beauftragte den mittlerweile berühmt gewordenen Pariser Couturier Charles Worth (*13.10.1825, 10.3.1895) ein Kleid im Stile der Contessa zu schneidern.

Foto: Wikimedia/Commons
Charles Worth

Doch zur allgemeinen Überraschung, sollte das Kleid nicht nur einmal genäht werden: es wurde 2x genäht.

Elisabeths Lieblingsschwester Helene „Néné“ von Thurn und Taxis (*4.4.1834,†16.5.1890) sollte das gleiche Kleid zur Abendgesellschaft tragen und damit Braut und Bräutigam überraschen.

Luzi-Wuzi, also Erzherzog Ludwig Victor (*15.5.1842, †18.1.1919) der Bruder von Kaiser Franz Joseph, befand sich ebenso in Dresden und schrieb eilends an seine Mutter:

„Sisi sei blendend schön, auch waren die Leute wie verrückt hier. Ich habe noch nie so einen Effekt machen sehen. Helene ein sehr schlechter Abklatsch von der Kaiserin, auch Sternenkleid.“ (1)

Von Hofjuwelier A.E.Köchert (*17.3.1828, †3.9.1879) ließ sie sich Diamantsterne für ihre Haare anfertigen.

Diese Art Schmuck war eine absolute Neuheit, denn üblicherweise trugen die Damen Diademe als Haarschmuck.

Die Haarsterne, die vermutlich ebenso berühmt sind wie das Kleid selbst, waren ein Geschenk des Kaisers.

27 Diamantsterne sind es geworden. Warum genau diese Zahl und warum diese Ansammlung ist nicht überliefert.

Einige der Sterne verschenkte Kaiserin Elisabeth später an Hofdamen, ihre Kinder und wieder weitere wurde an andere Familienmitglieder vererbt.

Sowohl Erzherzogin Gisella (*12.7.1856, 27.7.1932), als auch Erzherzogin Elisabeth Marie „Erzsi“ (*2.9.1883, 16.3.1963) (Tochter von Kronprinz Rudolf), als auch Prinzessin Elisabeth von Bayern (*8.1.1874, 4.3.1957) (Tochter von Gisela) trugen jeweils Elisabeths Sterne zu ihren Hochzeiten bzw. für schöne Fotoaufnahmen.

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Marie Gräfin Seefried auf Buttenheim geb.
Prinzessin von Bayern mit 3 Diamantsternen ihrer Großmutter

Erst dieses Kleid und diese Frisur, sollte Elisabeth, Zeit ihres Lebens von ihrer Familie „Sisi“ genannt, zu dem machen was sie bis heute ist:

Ein schöner unerreichbarer Engel.

Nicht umsonst nannte Kaiser Franz Joseph sie immer seine

Engels-Sisi

Zeitzeugen beschrieben das Kleid wie folgt

„Ein weißes, mit Sternen besticktes Kleid, Diamantsterne im Haar und an der Brust ein Camelienbouquet.“

Sisi war zu diesem Zeitpunkt 27 Jahre alt und Mutter von 2 Kindern.

Marie, Königin von Sachsen schrieb an eine Freundin:

„Von der Begeisterung, welche die Schönheit und Liebenswürdigkeit der Kaiserin erregte, kannst Du Dir keine Vorstellung machen; noch nie sah ich meine ruhigen Sachsen in solcher Aufregung! Man dachte, sprach, hörte nur ihr Lob.“ (2)

Wie die meisten vermutlich wissen, gibt es von der Kaiserin nur wenige echte Fotografien und noch weniger echte Bilder, wo sie einem Maler Model stand. Der Rest wurde aus alten Fotographien, Ölbildern, Lithographien, Holz- und Stahlstichen „zusammengebastelt“. Heute würde man es Photoshop nennen.

Die Ehre des Modelstehens wurde daher einem zu Teil, der damals ganz groß war und ein Meister seiner Zeit:

Foto: Wikimedia/Commons
F.X. Winterhalter

Franz Xaver Winterhalter (*20.4.1805, 8.7.1873).

Durch Protektion König Louis Philippes stieg Winterhalter zum gefragtesten Porträtmaler in Frankreich auf.

Als französischer Hofmaler malte er Bildnisse der gesamten königlichen Familie und der führenden Mitglieder des Hofes. 1852 folgte er dem Ruf von Königin Isabella nach Spanien. Nach der Thronbesteigung Napoléons III ging er zurück nach Paris.

Zu seinen Kunden gehörten auch das belgische Königshaus und die kaiserlichen Höfe in Sankt Petersburg und Wien.

Elisabeth ließ sich von F.X.Winterhalter 1865 im Sternenkleid malen, und machte dieses Kleid somit unsterblich. Dieses Gemälde könnt ihr immer noch in der Wiener Hofburg bewundern.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter

Von Winterhalter gibt es noch 2 weitere Bilder, die in die Geschichte eingehen sollten.

Diese Bilder waren für die damalige Zeit sehr intim. Eines davon wurde zu Kaiser Franz Josephs Lieblingsbild.

Es stand Zeit seines Lebens vor seinem Schreibtisch (und dort steht es heute noch).
Beide wurden erst nach seinem Ableben entdeckt.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene von Thurn und Taxis
Bild: Erich Correns, 1859

Immer wieder werde ich gefragt, ob auch Néné, also Helene von Thurn und Taxis sich im Sternenkleid malen ließ.

Ich denke, wäre dies der Fall gewesen, wäre das Bild bekannt. Das einzige bekannte Ölgemälde, ist jenes, im „roten Samtkleid“ und dieses ist geschönt. Wer ihre Fotografien kennt, weiß, dass Néné eher herb und männliche Gesichtszüge hatte und nicht so lieblich wie Marie, Mathilde „Spatz“, Sophie und schon gar nicht wie Sisi war.

Selbst die Anwesenden auf der Hochzeit fanden Néné als „Abklatsch“ zu Elisabeth. Wie mag sie sich wohl gefühlt haben, als sie bemerkte, dass wieder einmal aller Augen auf der Kaiserin lagen?

Sternenkleid mit schwarzen Spitzenbesatz – Matthias Aigner

Foto: docplayer.org
Bild: J. Matthias Aigner

Bisher dachte ich, obiges Bild sei ein von Schloss Schönbrunn gephotoshoptes Bild, da sie ja die einzigen sind, die für Souvenirs die Rechte haben und so auch die Bilder verändern dürfen wie sie wollen.

Sogar sämtliche im Netz herumschwirrenden kolorierten und nun bewegten Bilder bzw. Videos, wo Kaiser Franz Joseph mit toten Augen oder Kaiserin Elisabeth den Kopf hebt und lächelt sind und bleiben ohne schriftliche Genehmigung illegal.

Als ich im Sommer durch die derzeitige Elisabeth-Ausstellung im Schloss Niederweiden vor dem Bild stand war allerdings meine Neugierde geweckt.

Leider war keine wie immer geartete Information beim Bild zu finden und so notierte ich mir das spärliche was neben dem Bild stand auf einen Zettel. Fotos sind ja in sämtlichen Schönbrunn-Häusern verboten. Dazu gehören auch Schloss Niederweiden und Schloss Hof.

Irgendwann fand ich den Zettel mit der Notiz

„Matthias Aigner, 1868“

wieder.

Nun gut.

Detektiv, der ich in diesen Dingen nun mal geworden bin und ohne diese die Seite nicht leben könnte, fand ich nun folgendes heraus:

Josef (!) Matthias Aigner wurde am 18.2.1818 in Wien geboren. Sein gleichnamiger Vater war Goldschmied, von dem er die Begabung des Zeichnens gelernt hatte.

Bei niemand geringerem als Friedrich von Amerling lernte er die Perfektion des Zeichnens und Malens. Er ehelichte die Burgschauspielerin Fanny Matras.

Bevor Erzherzog Ferdinand Maximilian als Kaiser Maximilian I von Mexiko nach Mexiko fuhr, bat er den mittlerweile durch seine Kopien berühmt gewordenen Maler, die im Schloss Belvedere befindlichen Bilder nachzumalen. Diese nahm er nach Mexiko mit, um sie dort im Nationalmuseum aufzuhängen und dem Volk zu zeigen.

Weiters bat er Aigner die Familie zu malen, so unter anderem seinen Bruder Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth usw.

Wie genau es nun zu dem Portait zum „Sternenkleid mit schwarzen Spitzenbesatz“ kam, wie sich das Werk nennt, konnte ich bei allen Bemühungen nicht herausfinden.


Auch nach dem Kaiser Maximilian schon längst tot war, ließ sich Kaiser Franz Joseph nochmals von Aigner portraitieren.


Anzunehmen ist, dass durch diese Sitzungen beim Kaiser, Aigner das im Jahre 1865 entstandene Portrait von F.X.Winterhalter „Kaiserin Elisabeth im Sternenkleid“ sah und mit dem schwarzen Spitzenbesatz kopierte.

Das Sternenkleid in Verfilmungen, auf der Theaterbühne bzw. im Musical Elisabeth

Die Beliebtheit von Elisabeth kam erst weit nach ihrem Tod.

Als Elisabeth lebte, nahm die Bevölkerung zunehmend kaum noch Notiz von ihr.

Da sie sich immer mehr vor den Augen der Welt verhüllte, war sie irgendwann in den heimischen Gazetten kaum mehr als eine Zeitungsnotiz „Kaiserin Elisabeth weilt in …“ hieß es dort. Oder „Kaiserin Elisabeth feiert ihren … Geburtstag auf Mallorca“.

Viel mehr Interesse und Aufmerksamkeit bekam sie von den Menschen ihrer Zeit nicht mehr. Erst der Mord an ihr bewegte ihre Untertanen wieder. Zigtausende Bürger nahmen Abschied von ihrer einst so wunderschönen Kaiserin, die so gar keine Kaiserin sein wollte. Ihr tragischer Tod kann hier nachgelesen werden.

Es folgte der 1. Weltkrieg und das Ende der Monarchie. Es folgte der 2. Weltkrieg und viele Entbehrungen und Leid für die Menschheit jener Zeit.

Aber am 21.12.1955 folgte eine Filmpremiere die alles verändern sollte:
Sissi


Engagiert wurde die blutjunge 16jährige Romy Schneider, die keinerlei Schauspielerfahrungen hatte und gerade einmal einen Film mit ihrer Mutter Magda gedreht hatte.

Doch ihr Liebreiz und ihre Schönheit sollten Weltgeschichte schreiben.

Was störte schon daran, dass an Sissi gar nichts stimmt und sowohl der falsche Name an unserer Kaiserin seitdem wie ein Grießbrei pappt, als auch Romy an dieser Rolle zugrunde gehen sollte.

Draußen vor den Toren war Wien von schrecklichen Bomben zerstört, drinnen im Kino hörte man eine schrille Musik, gefolgt von einer süßlichen Stimme, sah schöne – zum Teil aus Vorhängen genäht – Kleider und die Besucher träumten sich in eine längst vergangene Zeit:

der Kaiser und die Kaiserin waren auferstanden

Dass die Geschichte an den Haaren herbeigezogen war, teils völlig wirr und stupide erzählt, störte niemanden.

Kaum jemand hatte die reale Biografie von „Elisabeth, die seltsame Frau“ von E.C.Conte Corti (*2.4.1886, 17.9.1953), welche er 1934 veröffentlichte, gelesen.

Foto: imago images/Mary Evans
Romy Schneider als Sissi
Foto: Jupiterfilm.at
Romy Schneider als Sissi

Wen interessierte schon, dass sie Szene bei Tisch mit dem Sternenkleid und Sternen in den Haaren vermeintlich in Schönbrunn gedreht, völlig falsch dargestellt ist?

Romy Schneider würde sich im Grab umdrehen, würde sie wissen, dass ihre Sissi Fotos täglich auf den Social Media Kanälen „als süß und unvergesslich“ hingestellt werden und die Follower kaum ein Interesse daran haben, dass sie noch andere Rollen spielte.

Auch die echte Kaiserin Elisabeth leidet sehr unter dem Film.

Zu oft wird Elisabeth als „Sissi“ geschrieben, man nennt sie respektlos „Kaiserin Sissi“ (mir dreht es jedes Mal den Magen um) und wenn es dann schon mal richtig geschrieben wird, nennt man sie „Kaiserin Sisi“ (was genauso schlimm und falsch ist wie Kaiserin Sissi).

Diese Anrede ist grundlegend falsch, inkorrekt, unhöflich und respektlos. Wer sich mit dem Hofzeremoniell beschäftigen möchte und wie die korrekte Anrede war, ist hier richtig.

So süßlich schön die Filme sein mögen,

für die breite Masse sind sie leider immer noch viel zu viel Realität und zu wenig

„ich interessiere mich – danach – für die echte Kaiserin“.

Doch noch lange bevor Romy Schneider an ihrem Sissi-Image schwer zu kämpfen hatte und nach Frankreich floh, gab es schon Filme über das Leben der Kaiserin.

Wer sich näher mit den Filmen beschäftigen will, den verweise ich an meine liebe Kollegin und Elisabeth-Film-Kennerin Stefanie

https://www.sissi-sammlung.de/index.htm

Natürlich gab es auch Theaterstücke, die das Thema „Sisi“ aufgriffen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Oskar Werner (als Kaiser Franz Joseph) und Elfriede Ott (als Kaiserin Elisabeth) v.l.n.r.

Ernst Décsey und Gustav Horn schrieben das Theaterstück „Sissys Brautfahrt“ (man beachte die Schreibweise).

1931 kaufte Hubert Marischka die Rechte an diesem Stück. Aus diesem wurde dann das Singstück „Sissy“. Ernst Marischka (!) versah es mit einem Libretto und Fritz Kreisler untermalte das ganze musikalisch.

1932 wurde Sissy uraufgeführt. 1938 spielten Elfriede Ott und Oskar Werner im Burgtheater die Hauptrollen.

Elfriede Ott in der Mitte ist im „Bühnen-Sternenkleid“ zu bewundern.
Die Sterne im Haar sind am Foto ebenfalls zu erkennen.

Ebenfalls eine misslungene Verfilmung ist der 2-Teiler „Sisi“ von Xaver Schwarzenberger.

Foto: ORF Media
Cristiana Capotondi in Sisi

Was war das für eine Aufregung 2009, als die Miniserie mit Cristiana Capotondi ins TV kam.

Von „der echten“ Geschichte der Kaiserin war die Rede. Endlich eine „andere Kaiserin“ usw.

Wenn Elisabeth in Venedig mit Andrássy fremd geht und von einer blödsinnigen Verschwörung die Rede ist, kann nicht ernsthaft geglaubt werden, dass man diese Serie auch nur eine Minute ernst nimmt, oder?

Zu Recht ist diese in der Versenkung verschwunden und taucht auch hoffentlich nie wieder auf. Leider ging dieser Wunsch nicht in Erfüllung. Der Disney Channel hat die Serie mit ins Programm genommen.

Das Sternenkleid hatte auch hier wieder – wie sollte es anders sein – seinen Auftritt. Aber was möchte man erwarten, wenn sich eine Serie die „wahre Sisi“ nennt und man Elisabeth in Venedig eine Affäre mit Andrássy andichtet, wobei sämtliche Historiker diese mittlerweile seit Jahrzehnten schon aus der Welt schafften.

Natürlich gibt es immer noch Leute, die das glauben. Aber es gibt in allem Verschwörungstheoretiker. Man darf so manches in dieser Welt nicht ernst nehmen.

Eines der Höhepunkte im Musical Elisabeth ist sicherlich der Auftritt der jeweiligen Elisabeth-Interpretin im sogenannten „Bilderrahmen“.

Eine Reprise mit dem Tod, Kaiser Franz Joseph und Elisabeth und dem Song „Ich gehör nur mir“.

Voilá die Kaiserin erscheint auf der dunklen Bühne, nur mit einem Scheinwerfer angestrahlt: „im Sternenkleid stehend im Bilderrahmen“. Pause.

Foto: Jean-Marie Bottequin
Pia Douwes als Elisabeth

Der Applaus kennt keine Grenzen. Und der Höhepunkt des 1. Teils ist somit erreicht, bevor der Kitsch! im Teil 2 mit Luigi Lucheni Einzug hält.

Mit Bauchladen und Glitzerhut singt der Interpret von der Scheinwelt einer Frau die sich selber nicht verstand und lieber Titania spielte, anstatt ihr Volk zu betüteln und warf – zumindest war das von 1992 – 2000 so – Schokolade ins Publikum.

Und somit befinde ich mich wieder am Anfang:

Nehmt ein hübsches Souvenir mit
aus der kaiserlichen Welt!
Alles innig,
lieb und sinnig,
so wie es euch gefällt -
Kitsch!(*)

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Jean-Marie Bottequin, ORF Media, imago images/Mary Evans, Jupiterfilm.at, Prinz Barbara, docplayer.org


Literatur Hinweise:

(*) Zitate:
Musical Elisabeth
Lied: Kitsch
Liedtext: Michael Kunze
Musik: Sylvester Levay

1 – S 198, 2 – S 199
Brigitte Hamann:
Kaiserin wider Willen , Amalthea, 1992, 11. Auflage

Dr. Martina Winkelhofer
Sisi, Kronen Zeitung-Heft (vergriffen)

Helga Kessler Aurisch, Laure Chabanne,
Tilmann von Stockhausen und Mirja Straub
High Society (englischer Bildband über F.X. Winterhalter)
The Portraits of Franz Xaver Winterhalter
The Museum of Fine Arts, Houston,
Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart, 2015 1. Ausgabe (nur noch antiquarisch erhältlich)

Marita A. Panzer
Fürstinnen von Thurn und Taxis
Verlag Friedrich Pustet, 1. Auflage 2008 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Eine launische Ehe (Teil 6)

Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph, Foto: Wikimedia/Commons

Im vorletzten Teil meiner Reihe über das Leben von Kaiser Franz Joseph wenden wir uns dem Ehepaar zu. Was wurde uns in den Sissi-Filmen mit Karlheinz Böhm und Romy Schneider als Kaiser Franz Joseph und Sissi nicht alles vorgegaukelt. Dass es nichts mit der Realität zu hatte, werde ich hier aufzeigen.

Schon bald nach der strapaziösen Hochzeit (den Beitrag findet ihr hier) den Flitterwochen, die Sisi zumeist, nur in Gesellschaft ihr völlig fremder Hofdamen in Schloss Laxenburg verbringen musste, ging es auf Repräsentationsfahrt durchs halbe Land. Vor allem Böhmen und Mähren standen auf dem Plan. Zwei Monate nach der Hochzeit wurde Sisi schwanger.

Die erste Zeit lebten Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph im Schloss Laxenburg. Ein bis drei Mal die Woche besuchten Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl die Schwangere. Sophie machte sich große Sorgen, da sie selbst elf Fehlgeburten ertragen musste.

Erzherzogin Sophie Friederike, Foto: Wikimedia/Commons

Die Schwangerschaft verlief komplikationslos und am 5.3.1855 wurde die kleine Prinzessin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha († 29.5.1857) geboren. Es ist nicht korrekt, dass sich Erzherzogin Sophie in die Namensgebung einmischte. Es war damals Brauch, den Namen der Großmutter zu wählen. In diesem Fall wurde Sophie als Namenspatin auserkoren. Zumindest behauptet dies die Sophie-Biografin Ingrid Haslinger. Brigitte Hamann schrieb wiederum, dass Sisi sich dem Regiment der Schwiegermutter widerstandlos zu fügen hatte. Das Kind erhielt den Namen Sophie, die Großmutter wurde Patin.

Auffällig war, dass Herzogin Ludovika bei der Erstgeburt nicht dabei war. „Die Mutter der Kaiserin verweilt auf ihrem Landsitze, worüber man sehr erstaunt ist. Sie soll keine Einladung erhalten haben Jedes Ding hat seine Ursache…“ (1)

Kaiser Franz Joseph war überglücklich seine schöne starke Tochter in Händen zu halten. Sisi war erschöpft, aber überglücklich.

Die traurige Geschichte zu Prinzessin Sophie könnt ihr hier nachlesen.

Die ersten Jahre der Ehe können als glücklich angesehen werden. Franz Joseph machte aus seiner Verliebtheit keinen Hehl. Auch Elisabeth dürfte ihrem jungen feschen Mann sehr zugetan gewesen sein.

Erzherzogin Gisel(l)a im Alter von 4 Jahren, Foto: Dorotheum Wien

Was die Kindererziehung betrifft, gehen abermals die Biografen Haslinger und Hamann weit auseinander. Obwohl auch Hamann den Zwist relativiert, scheibt Haslinger von Eitel Wonne seitens Sophie. Fakt ist: der Konflikt, nach dem Erzherzogin Gisella Louise Marie (*12.7.1856, †27.6.1932) geboren wurde, verschlechterte sich seitens Kaiserin Elisabeth zusehends. Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) wurde Taufpatin, reiste aber selbst zur Taufe des Kindes nicht an. Es hieße, sie wolle Erzherzogin Sophie nicht im Wege stehen.

Gisella, die sich später selbst immer nur Gisela schrieb, wurde ebenso wie die kleine Sophie sofort in die Privaträume von Erzherzogin Sophie verlegt, wo sich Kinderfrau Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1892) aufhielt. Diese war für die Erziehung zuständig. Sie wurde von Erzherzogin Gisela und später von Kronprinz Rudolf sehr geliebt. Ihr liebevoller Spitzname „Wowo“ blieb ihr für den Rest ihres Lebens.

Ingrid Haslinger schreibt in ihrer Sophie-Biografie, dass Kaiserin Elisabeth selbst ihrer Mutter gegenüber gestanden hätte, nichts mit Kleinkindern anfangen zu können. Dem widerspricht sich wiederum Brigitte Hamann, die darüber philosophiert, wie sehr Elisabeth es genossen hätte, als Marie Valérie zur Welt kam.  Wir richten daher den Blick auf die gemeinsame Reise 1856 nach Kärnten und in die Steiermark.

 

Kaiser Franz Joseph Statue, Kaiser Franz Joseph Höhe, Großglockner, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Gedenktafel unter dem KFJ Denkmal, Großglockner, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Kaiserin Elisabethruhe, Großglockner, Foto: geo.de

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth erlebten eine Zeit, die vom strengen höfischen Zeremoniell komplett abgewandt war. In Lederhose, mit Gamsbarthut und im knappen Lodenkostüm mit derben Bergschuhen machten sich die beiden auf, das Hochgebirge zu erkunden. Auch der Großglockner wurde bestiegen. Als Elisabeth nach drei Stunden Bergmarsch eine Pause machte (sie war noch geschwächt durch die Geburt von Gisela), wurde die Wallnerhütte einfach in „Elisabethruhe“ umbenannt. Kaiser Franz Joseph stieg derweil mit einem Bergführer auf den Hohen Sattel zum Pasterzengletscher, welcher heute „Franz-Joseph-Höhe“ heißt.

Als die beiden zurückkamen, war die Ehe gestärkt und Franz Joseph lehnte sich erstmals (und letztmals) gegen seine Mutter auf. 

Er ließ nach der Ankunft die Kinderzimmer in die Radetzky-Räume verlegen; allerdings ohne dass seine Mutter Sophie dies wusste. Diese befand sich zu dieser Zeit in Bad Ischl. Als sie zurückkam und die Veränderung sah, reagierte sie mehr als nur erbost. Ein Schreiben von Kaiser Franz Joseph an seine Mutter zeugt von dieser Auflehnung: „Ich bitte Sie jedoch inständigst, Sisi nachsichtig zu behandeln, wenn sie vielleicht eine zu eifersüchtige Mutter ist, – sie ist ja doch so eine hingebende Gattin und Mutter!, Wenn Sie die Gnade haben, die Sache ruhig zu überlegen, so werden Sie vielleicht unser peinliches Gefühl begreifen, unsere Kinder ganz in Ihrer Wohnung eingeschlossen mit fast gemeinschaftlichem Vorzimmer zu sehen… Übrigens fällt es Sisi gar nicht ein, Ihnen die Kinder entziehen zu wollen… Sehr betrübt hat mich alles, was Sie, liebe Mama, an diese einfache Maßregel knüpfen. Nie würde ich es zugeben, daß Sie Ihre jetzige Wohnung verlassen oder gar, was ich nicht gelesen haben will, ganz aus der Hofburg ziehen würden.“ (2)

Wir können also davon ausgehen, dass es hier zu massiven Problemen kam. Sophie drohte mit Auszug, Elisabeth triumphierte. Sie wurde generell immer stärker. Ihre zurückhaltende Art, ihre Ängste und ihre Weinattacken wurden immer weniger. Sie bemerkte wohl immer mehr, dass sie mit dem Titel „Kaiserin“ Macht hatte, die man ihr so leicht nicht mehr wegnehmen konnte.

Dr. Johann Nepomuk Seeburger, Foto: Wikimedia/Commons

Dr. Johann Nepomuk Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) stellte zu seinem Entsetzen fest, dass Kaiserin Elisabeth sich auf den Auslandsreisen 1856/7 nach Mailand und Venedig nicht schonte. Auch im strömenden Regen stand sie ihrem Mann bei, während er die endlosen Paraden abnahm. Kaiser Franz Joseph, der sehr frostig empfangen wurde und mit einigen Attentatsversuchen zu kämpfen hatte, merkte, dass alle Augen auf seine schöne Frau gerichtet waren. In Staatskleidung stand sie fest hinter ihm. Ihre Lunge machte nicht mehr lange mit. Dr. Seeburger warnte die junge Kaiserin, die nicht hören wollte. Bei Kaiser Franz Joseph blitzte er vollkommen ab. „Ein Pantoffelheld sei er“, beklagte er sich.

Der Hass, der Unmut und das Risiko, dass Kaiser Franz Joseph in Italien entgegenschlug bzw. dem man sich aussetzte, waren der jungen Frau völlig fremd. In Bad Ischl jubelten die Menschenmengen, in Wien huldigte man dem Kaiserpaar, in Kärnten und der Steiermark führten sie beinahe inkognito gemeinsame Bergtouren aus. Was ihr in Wien verhasst war, wurde ihr in Italien recht: Präsentieren, schön sein und im Grunde genommen, wenig Meinung zu haben. Kaiser Franz Joseph verfiel seiner Frau immer mehr. Dass sie absichtlich die Kinder in die Gefahrenzone brachte, bemerkte niemand, außer Erzherzogin Sophie. Der Konflikt ab 1856 war unausweichlich immer mehr zum Problem geworden.

Erzherzog Franz Karl, Foto: austria-forum.org

Als Tochter Sophie starb, war die Trauer groß. Sisi brach zusammen, Franz Joseph überstand die Krise nur mit Disziplin und innerer Härte. Erst sehr viele Jahre später, sollte Erzherzogin Marie Valerie ihren Vater um Baby Sophie trauern sehen: 20. – 22.9.1898 „Mit Papas Gutheissung wird Mamas Toilettenzimmer in der Villa Hermes mit all den gewohnten Sachen hergerichtet… Erinnerungen tauchen auf – längst vergangenes Weh – auch an das baby, das ihr vor mehr als 40 Jahren vorausgegangen, nach denen Papa jetzt fragt, die er aufbewahrt wissen und doch nicht sehen will. Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich ihn vom „baby“ sprechen hörte…“ (3)

Kronprinz Rudolf als Kleinkind, Foto: Nationalbibliothek

Am 23.8.1858 kam nun endlich der große Stammhalter, Kronprinz Erzherzog Rudolf Franz Karl Joseph zur Welt (†30.1.1889). Erzherzog Franz Karl wurde sein Taufpate. Mit der Geburt von Rudolf änderte sich schlagartig Elisabeths Laune. Kaiserin Elisabeth wurde auch jetzt wieder nicht von Erzherzogin Sophie gestattet, das Kind selbst zu stillen. Rudolf wurde in die Arme der bäuerlichen Amme Marianka gelegt. Sisi wurde schwer krank. Sie bekam Fieber und litt unter Milchandrang. Als sich ihr Zustand bis zum Winter nicht gelegt hatte, wurde Herzogin Ludovika gerufen.

Kaiser Franz Joseph musste sich seinen Staatsgeschäften hingeben und hatte für die Rekonvaleszenz seiner Frau wenig über. Der Krieg mit Italien 1859 brach aus. Nach dem Graf Grünne und seine Generäle an einigen Schlachten maßlos scheiterten, reiste Kaiser Franz Joseph selbst an die Front. Kaiserin Elisabeth brach beinahe zusammen, als sie von dem Vorhaben erfuhr. Sie begleitete mit den Kindern ihren Mann bis nach Mürzzuschlag. Dort übernahm Generaladjutant Karl Ludwig Graf von Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884) Kaiser Franz Joseph. Elisabeth heulte ohne Unterlass. Sie bettelte Graf Grünne, dem sie zu diesem Zeitpunkt noch vertraute, um Folgendes an:

Graf Karl Ludwig Grünne, Foto: Wikimedia/Commons

 „Sie denken gewiß immerwährend an Ihr Versprechen und geben recht acht auf den Kaiser; das ist mein einziger Trost in dieser schrecklichen Zeit, daß Sie es immer und bei jeder Gelegenheit tun werden. Wenn ich nicht diese Überzeugung hätte, müßte ich mich ja zu Tode ängstigen. Aber was an Ihnen liegt, werden Sie gewiß auch Thun, um den Kaiser zu bewegen, bald zurückzukommen und Ihn bei jeder Gelegenheit daran zu erinnern, daß Er ja auch in Wien so nothwendig ist. Wenn Sie wüßten, wie ich mich gräme, hätten Sie gewiß Mitleid mit Mir.“ (4)

Hier beginnen nun die erhaltenen und veröffentlichten Briefe von Kaiser Franz Joseph an seine Elisabeth. Diese begannen am 31.5.1859 und endeten am 10.9.1898 (jenen Brief, den Kaiserin Elisabeth nie mehr lesen sollte).

„Verona, 31.5.1859, Meine liebste Engels Sisi, Die ersten Augenblicke nach dem Aufstehen benütze ich, um Dir diese wenigen Zeilen zu schreiben und Dir wieder zu sagen, wie sehr ich dich liebe und wie ich mich nach Dir und den lieben Kindern sehne. Wenn es Dir nur recht gut geht und du Dich so fleißig schonest, wie Du es mir versprochen hast. ……. Es regnet hier alle Tage. Gestern bei meiner Ankunft hat es so gegossen, wie bei unserem nassen Spazierritte. Ich umarme und küsse Dich von ganzem Herzen, mein einziger Engel. Dein treuer Franz – Lasse, bitte, Mama von diesem Briefe wissen, was sie interessirn kann.“ (5)

Erzherzogin Sophie, Foto: Wikimedia/Commons

Wochenlang schrieb Kaiser Franz Joseph aus dem Kriegsgebiet. Teilweise erzählt er von Divisionen, die gerade eingetroffen waren, von Mätressen diverser Generäle, Herzöge oder sonstigen Adeligen, der Sehnsucht nach seiner Engels Sisi und den Kindern. Da die Briefe von Kaiserin Elisabeth (angeblich) nicht erhalten sind, kann man an den Antworten, die Kaiser Franz Joseph verfasste, nur erahnen, was Sisi zurückschrieb.

Handschrift von Kaiser Franz Joseph, Foto: Nationalbibliothek

„Verona den 4. Juni 1859 Mein, lieber einziger Engel! Tausend Dank für Deine lieben Briefe vom 31. und 1., die ich gestern und heute erhielt und für das Billet der lieben Gisela. Auch für die Zusendung des Blattes über Land und Meer und des Vergißmeinnichtes danke ich Dir innigst. Wenn ich nur auch über Dich und Deine theure Gesundheit beruhigt sein könnte. Ich beschwöre Dich, mein Engel, schone Dich und gräme Dich nicht zu sehr, denn mir geht es ganz gut, ich gebe Acht auf mich und ich werde nicht vergessen, was ich Dir versprochen habe und was ich Dir, den Kindern und der Monarchie schuldig bin. Schreibe mir doch auch, was Du machst und wie Du und die Kinder den Tag zubringst. Das interessiert mich sehr. Ich lasse auch der Mama vielmals für Ihren Brief vom 31. danken und um Verzeihung bitten, daß ich noch nicht die Zeit gefunden habe zu antworten. Vergesse nicht, dies in Schönbrunn auszurichten. ……  Nun muß ich schliessen, um Schlafen zu gehen. Ich habe gegründete Hoffnung, daß ich Dir bald gute Nachricht telegraphiren kann Küsse unsere lieben Kinder von mir, vertraue auf unseren lieben Herr Gott im Himmel und sei guten Muthes. Dem Papa und der Mama küsse die Hände. In dem ich Dich in Gedanken umarme und küsse, bleibe ich ewig Dein treuer Franz – Theile der Mama die in diesem Briefe enthaltenen Nachrichten mit.“ (6)

Auch hier werden wieder Divisionen und Namen von Personen genannt, die zum Ort des Geschehens kamen.

Der Krieg war unaufhörlich und so zogen sich die Wochen dahin. Als Verwundete in Wien eintrafen, erbarmte sich Kaiserin Elisabeth und öffnete die Pforten von Schloss Laxenburg, um ein Lazarett einzurichten.

Knochenkapelle Ossario di Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Knochenkapelle Ossario di Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Knochenkapelle Ossario di Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Kaiser Franz Joseph schrieb: „Verona den 3. Juli 1859 Meine innigstgeliebe, arme Sisi  …… Von hier schaffen wir jetzt so viele Blessierte und Kranke weg, als möglich. Wenn nur für sie gut gesorgt wird und uns hierher recht viel Charpie, Bandagen und Wäsche geschickt wird. Dein Wein ist angekommen. Daß Du ein Spital in Laxenburg etablirst, ist herrlich. Für beides nehme meinen innigsten Dank. Du bist mein guter Engel und hilfst mir sehr viel .… Dein treuer Franz“ (7)

Er schrieb Briefe über Briefe, in denen von einer Krankheit Giselas zu lesen ist, die Sorge um Sisi, die gesundheitlich angeschlagen war und um das Lazarett in Laxenburg, das sich bald auf alle Gebäude erstrecken sollte.

Kaiser Franz Joseph, zu dem Zeitpunkt der Schlacht von Solferino 29 Jahre alt, scheiterte auf der ganzen Linie. Obwohl er sich seit seiner Kindheit mit dem Militär auseinandersetzte, war er als Führer der Armee zu unerfahren. Zehntausende Tote hatte der Krieg zur Folge, ein Gemetzel der besonderen Abscheulichkeit wurde geboten. Jean-Henri Dunant (*8.5.1828, †30.10.1910) wurde Zeuge der brutalen Schlacht und gründete darauf hin das Rote Kreuz. Es war des Kaisers größte Niederlage. Der Schlachtenruf „Löwen von Eseln geführt“, machte die Runde. Die Untertanen hungerten bis zum Tod, das Land schien dem Untergang geweiht. Eine Revolution stand kurz bevor, man wollte anstatt Kaiser Franz Joseph den jungen, liberalen Erzherzog Ferdinand Maximilian (*6.7.1832, †19.6.1867)  auf dem Thron sehen. Franz Joseph, der immer ein schwieriges Verhältnis zu Max hatte, sah seine Felle davonschwimmen. Napoleon III (*20.4.1808, †9.1.1873) gab Kaiser Franz Joseph die Hauptschuld an der Niederlage.

Henri Dunant Denkmal, Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Henri Dunant, Foto: roteskreuz.at

Solferino sollte aber auch im Privatleben der Untergang des jungvermählten Paares werden. Elisabeth sah das Ausmaß des Krieges mit voller Wucht. Die Kranken und Verwundeten, die den Weg nach Wien gefunden hatten, fanden kaum noch Aufnahme. Die Spitäler waren heillos überfordert, weshalb Kirchen, Klöster, Schlösser und Palais aller Art geöffnet wurden, um die Verwundeten aufzunehmen. Viele Tote musste Kaiserin Elisabeth sehen, Verletzungen behandeln, mit denen sie bis dahin nicht ansatzweise in Berührung kam und das Geschrei der Soldaten ertragen. Ein Umstand, den die junge Kaiserin sehr mitnahm. All das legte sie in den Briefen an ihren Mann zwar nicht offen, aber sie klagte offen ihre Schwiegermutter an, die ihren Mann animierte, für die Monarchie das Richtige zu tun. Elisabeth fing an, die liberalen Tageszeitungen zu lesen und war schnell der Überzeugung, dass die „reine Monarchie“ nichts mehr mit dem zu tun hatte, was die Bevölkerung wollte und brauchte. Der Anfang vom Ende?

Elisabeth wollte sich in die Politik einmischen. Sie schrieb an ihren Mann, dass er doch den Frieden anstreben solle. Das Volk wollte einen Schuldigen und fand diesen in Graf Grünne. Sie bat den Kaiser diesen zu entlassen. Kaiser Franz Joseph reagierte erzürnt „von einer Änderung sei nie die Rede gewesen und ich denke gar nicht daran. Überhaupt bitte ich Dich nicht zu glauben, was in den Zeitungen steht, die so viel dummes und falsches Zeug schreiben.“ (8) Stattdessen sollte Sisi lieber essen und schlafen, viel weniger Reiten und sich um die häuslichen Dinge, wie die Kinder, kümmern. Auch in „Anstalten“ solle sie sich zeigen, es würde die Leute in Wien aufrichten. Die Vorwürfe an die mittlerweile 21jährige Kaiserin klangen hart.

Kaiser Franz Joseph musste sich aber bald eingestehen, dass der Frieden unausweichlich war. Napoleon III (*20.4.1808, †9.1.1873) drängte ihn zur Aufgabe. In der Villafranco wurde die Lombardei von Österreich abgekoppelt.

Herzogin Ludovika, Foto: Wikimedia/Commons

Nur Elisabeth sah die Entwicklung in der Bevölkerung mit Argwohn. Erzherzog Franz Karl lehnte eine Bestürzung der Untertanen ab, da er noch gegrüßt wurde, Herzogin Ludovika empfand die Stimmung gegen ihren Schwiegersohn als empörend, verleumderisch, verlogen und unaussprechlich ungerecht. Erzherzogin Sophie sah ihren Sohn natürlich immer noch in der „Alleinherrschaft des Gottes Gnadentum“. Je mehr Kaiserin Elisabeth liberal wurde, desto mehr rotteten sich die Habsburger gegen sie zusammen. Eine liberale Kaiserin, die ihren Mann politisch hinterfragte, wollte man nicht am erzkonservativem Wiener Hof. Sisi wurde trübsinniger, sah nur noch schwarz und ließ sich auch von den Briefen ihres Mannes nicht mehr beruhigen. Sie glaubte, dass Sophie all ihre Mächte zusammenraffte, um ihr und Kaiser Franz Joseph zu schaden.

Was genau der eigentliche Grund für die Flucht von Kaiserin Elisabeth im Jahr 1860 war, wird wohl nie mehr aufgeklärt werden können (zumindest solange nicht, bis ihr gesamter Nachlass veröffentlicht wird).

Obwohl das Habsburger Reich und auch einige andere europäische Staaten im höchster Bedrängnis waren, begann Kaiserin Elisabeth so genannte „Waisenbälle“ zu organisieren. Im Frühjahr feierte sie insgesamt sechs solcher Bälle. Dabei wurden die Damen und Herren der höchsten adeligen Gesellschaft geladen; allerdings durften die Damen ihre Mütter nicht mitnehmen. Die Mädchen waren alle im Alter von Kaiserin Elisabeth oder jünger. Ein Fauxpas, wenn man bedenkt, dass eine Frau niemals ohne Begleitung das Haus verlassen durfte und wenn, dann nur in der Begleitung ihrer Mutter und/oder einer Gouvernante oder gar nicht. Elisabeth setzte sich durch, die Damen erschienen ohne Geleit. Der einzige Hintergrund dieser Bälle war: Erzherzogin Sophie wurde damit ebenfalls der Zutritt verweigert. Elisabeth sträubte sich immer mehr, mit Sophie Zeit zu verbringen.

Herzogin Sophie von Aleçon, Schwester von Kaiserin Elisabeth Foto: Wikimedia/Commons

Der nächste Bruch war, dass Kaiser Franz Joseph mit Affären außerhalb der Ehe begann. Im Adel jener Zeit war es üblich, den Frauen fremdzugehen. Die Männer nahmen sich heraus, was zu nehmen war. Die Frau hatte klaglos darüber zu sein. Drehte eine Frau den Spieß um, wurde daraus eine öffentliche Schlammschlacht, die immer negativ für die Frau von Welt aus ging (siehe Louise von Sachsen-Coburg (*18.2.1858, †1.3.1924) (Schwester von Kronprinzessin Stephanie) oder Sophie von Aleçon (*23.2.1847, †4.5.1897) (Kaiserin Elisabeths Schwester), die beide in der Irrenanstalt landeten. 

Prinzessin Louise von Sachsen-Coburg, Schwester von Kronprinzessin Stephanie, Foto: Wikimedia/Commons

Doch Elisabeth war naiv genug zu glauben, dass sie ihrem Mann genügen würde, nannte er sie doch Tag und Nacht seine „Engels Sisi“. Es war keine Zweckehe, die hier eingegangen wurde. Kaiser Franz Joseph hatte Elisabeth Herzogin in Bayern bewusst gewählt. Er hatte sich in sie verliebt. Ob sich die fünfzehnjährige Sisi in den Kaiser verliebt hatte, darüber kann man spekulieren. Wir alle haben mit Fünfzehn geliebt aber war es die Liebe fürs Leben? Bei den meisten wohl eher nicht.

 

 

Bahnhof Linz der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn, Foto: Wikimedia/Commons

Als Kaiser Franz Joseph mit seinen zahlreichen Affären begann (Teil 5 meiner Serie findet ihr hier), stürzte die letzte Barriere für Elisabeth ein. Bereits im Juli 1860 folgte der nächste Eklat. Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth stritten so massiv, dass Sisi mit Gisela nach Possenhofen fuhr. Die Reise war eine Flucht. Dabei war es ihr völlig egal, dass sie die Eröffnungsfeierlichkeiten für die neue „Kaiserin-Elisabeth-Westbahn“ (heute Weststrecke) durcheinander brachte. Sie fuhr mit der Bahn von Wien nach München.

Herzogin Mathilde in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Um einen öffentlichen Skandal zu vermeiden, fuhr sie am 18.8.1860 mit ihrem Bruder Herzog Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) und ihrer Schwester Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925) zurück nach Salzburg. Kaiser Franz Joseph kam ihr in Salzburg mit Erzherzogin Sophie entgegen. Die Mitnahme ihres Lieblingsbruders und von Mathilde kann man als Zeichen der Unsicherheit vor ihrem Ehemann und vor allem vor Sophie werten.

Herzog Karl Theodor in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph fiel aus allen Wolken, als ihm seine Frau im Spätherbst eröffnete, dass sie nach Madeira wollte. Sie fühlte sich seit Wochen krank, fieberte und hustete. Im Kaiserreich war es aber üblich, die Wintermonate in Arco oder in Meran zu verbringen. Elisabeth setzte sich wieder einmal durch.

Während sich der Kaiser von Laxenburg aus (das Paar wohnte immer noch im Schloss Laxenburg) wieder mehr seiner Mutter zuwandte, kümmerte sich Sisi um ihre Sommergarderobe. Dies heizte wilde Spekulationen an: wäre es einer Todkranken nicht egal, welches Kleid sie anhabe? Auch, dass sie die junge Witwe Mathilde Prinzessin von Windischgrätz (*5.12.1835, †1907) zu ihrer Hofdame machte, verwunderte den Hof. Gräfin Esterházy wurde dazu bestimmt, bei den Kindern in Wien zu bleiben. Hofdame Windischgrätz, eine junge Witwe, deren Mann in Solferino fiel, musste sich ebenso von ihrem Kleinkind verabschieden. Ein Umstand, der noch merkwürdiger war, als sowieso schon die ganze Reise an sich.

Prinzessin Mathilde von Windischgrätz, Foto: Wikimedia/Commons

Die Nachricht, dass die junge Kaiserin für längere Zeit Wien verlassen musste, da sie Lungenkrank sei, bestürzte ganz Europa. Queen Victoria (*24.5.1819, †22.1.1901) stellte ihre Privatjacht zur Verfügung, da es im Kaiserreich keine geeignete Jacht gab. Auch hier setzte Elisabeth ihren Willen durch. Sie nahm zwar die Jacht, lehnte aber die Einladung ins britische Königshaus kategorisch ab. Sie möge inkognito reisen, lautete die lapidare Absage.

Biograph Conte Corti bringt die Sache auf den wesentlichen Punkt: „Der Deckmantel der Krankheit wird das alles abschwächen, und sie ist ja auch wirklich krank, ihr geistiger Zustand nimmt auch den Körper hart mit. Und was sonst eine kleine Anämie, ein unbedeutender Husten wäre, wird unter solchen Verhältnissen fast wirklich eine Krankheit.“ (9) Veröffentlicht hatte er diese Sätze nie. Brigitte Hamann fand diese, als sie in seinem Manuskript recherchierte. Corti galt als kaisertreu und strich die Bosheit sofort wieder heraus. Auch jene über Erzherzogin Sophie, die ebenfalls Hamann übernahm: „Sie aber weiß genau Bescheid und ist bloß empört über die pflichtvergessene Elisabeth, die wie sie meint, nur eine Krankheit vorspiegelt, um dem Winter zu entfliehen und ihren merkwürdigen Lebensgewohnheiten ungenierter nachleben zu können.“ (10)

Leopoldine Nischer Foto: genee.org

Im November fuhr Elisabeth los. Leider sind die Briefe in jener Zeit von Kaiser Franz Joseph an Kaiserin Elisabeth nicht erhalten. Fünf Monate sollte der Aufenthalt nur dauern. Sechs Monate später kam sie zurück. Kaiser Franz Joseph fuhr nach Triest, um seine Elisabeth entgegenzunehmen. Die Menschen jubelten ihr zu. Man fuhr nach Schloss Laxenburg, wo das Paar hoffte, seinen geregelten Tagesablauf wieder aufnehmen zu können. Als Elisabeth zum ersten Cercle nach Wien zurückmusste, wurde sie wieder von heftigen Hustenanfällen geplagt. Sie suchte die Einsamkeit und wollte niemanden zu sich lassen.

Vier Tage später war klar, dass Elisabeth wieder ins Ausland musste. Diesmal nach Korfu. Elisabeth dachte, sie müsse sterben und verabschiedete sich theatralisch von ihrer Tante, die gleichzeitig ihre Schwiegermutter war. Sophie notierte: „Traurige Trennung von unserer armen Sisi, vielleicht fürs Leben. Sie weinte und war extrem bewegt und bat mich um Verzeihung für den Fall, daß sie für mich nicht so gewesen ist, wie sie es hätte sein sollen. Ich kann meinen Schmerz, den ich empfand, nicht ausdrücken, er zerriß mir mein Herz. Der Kinderfrau Leopoldine Nischer (Anmerkung: *1813, †1883) empfahl Sisi beim Abschied die Kinder an mit den Worten: „es wäre ja das einzige, was dem Kaiser bliebe!“ (11)

Erzherzog Ferdinand Maximilian, Foto: Wikimedia/Commons

Als Elisabeth von Laxenburg abfuhr, hätte man meinen können, ein Leichenwagen zöge vorbei. So betrübt und theatralisch war die Stimmung. Kaiser Franz Joseph begleitete sie selbstverständlich nach Triest, wo auch ihr Lieblingsschwager Erzherzog Ferdinand Maximilian auf sie wartete. Mit einer Gefolgschaft von 33 Personen stieg Kaiserin Elisabeth auf das Schiff. Doch schon auf der Überfahrt änderte sich schlagartig ihr Gemüt. Sie aß, lachte und war übermütig. In Wien verbreitete sich indes das Gerücht, die junge Kaiserin sei verstorben.

Im Juli beging Kaiser Franz Joseph einen folgenschweren Fehler.

Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons

Er übersandte als Botschafter Graf von Grünne. Der Inhalt des Gesprächs ist leider bis heute nicht überliefert. Es eskalierte allerdings derartig, dass Elisabeth nie wieder ein Wort mit Graf Grünne sprach. Einige Szenen aus dem Gespräch erzählte sie wohl später ihrer Hofdame und engen Vertrauten, Marie Gräfin Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923). Von Betrug sei die Rede gewesen, von Maßregelungen in Richtung des Kaiserhauses und von Ratschlägen, die bei der jungen Kaiserin falsch ankamen. Gräfin Festetics schrieb am 12.4.1872 in Ofen in ihr Tagebuch: „Jetzt entsanken die Zügel seinem eisernen Griffe, er ist Oberstallmeister Seiner Majestät (Anmerkung: Graf von Grünne wurde nach dem verlorenen Italien Krieg vom Flügeladjutant zum Oberstallmeister „degradiert), ist noch wichtig genug. Eng verbündet mit Erzherzogin Sophie, ist er unter der Maske der größten Gutmütigkeit ein Feind der Kaiserin und dabei doch unter Ihrem „Charme“. Wie, warum, das weiß ich alles nicht. Ich kenne ja das Getriebe und Gewebe nicht, sage nur, was ich sehe und aus einzelnen Worten erhöre.“ (12)

Auch hier sind die Briefe zwischen dem Ehepaar nicht erhalten. Den ersten Brief, den ich finden konnte, war an seine Mutter Erzherzogin Sophie.

Helene und Max von Thurn und Taxis mit Kindern, Foto: Wikimedia/Commons

Wien, den 2. September 1861 Liebe Mama, erst heute komme ich dazu, Ihnen für Ihren lieben Brief vom 22.v.M. zu danken. …… Von Sisi habe ich Gottlob recht befriedigende Nachrichten. Sie hat sich über Helenes Ankunft sehr gefreut, ist recht heiter, fährt zu Wagen und zu Schiff und ißt über Andringen ihrer Schwester jetzt viel mehr Fleisch und trinkt mittags und abends Bier. Infolge der kühlen Witterung, die nach einem starken Gewitter auf in Korfu eingetreten ist, hat sie leider wieder mehr gehustet, allein der Arzt legt der Sache keine Bedeutung bei. Die lieben Kinder, die ich vorigen Mittwoch das letztemal besuchte, sind immer sehr wohl und heiter. Die Gesellschaft des Max Taxis (Anmerkung: Maximilian Thurn und Taxis (*28.9.1831, †26.6.1867), Helenes Ehemann), der seinen Aufenthalt, meinem Wunsche entsprechend, noch verlängert hat, ist mir sehr angenehm und erheiternd. … Ihr treuer Sohn Franz. (13)

 

Denkmal Funchal, Madeira, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

In weiteren Briefen erzählte Franz Joseph, dass er die Kinder in Reichenau an der Rax besucht hätte und sich nach Sisi sehne, der es besser gehen soll. Außerdem ging er jagen und empfing allerlei Gäste.

Des Weiteren machte er sich auf den Weg nach Korfu, um seine „schwer erkrankte“ Frau zu besuchen. Er schrieb am 16.10.1861 folgenden Brief an seine Mutter: „Liebe Mama, nach einer herrlichen und vom ruhigen Wetter begünstigten Seereise bin ich glücklich in diesem irdischen Paradiese angekommen und habe Gottlob über meine Erwartung Erfreuliches gefunden. Sisi ist wirklich viel besser, besonders kräftiger und sieht sehr gut aus. Sie ist stärker geworden, ist wohl noch ein wenig aufgedunsen im Gesicht, hat aber meistens gute Farben; sie hustet sehr wenig und ohne Brustschmerz, und die Nerven sind viel ruhiger. Sie befolgt ein vortreffliches Regime, ißt dreimal des Tages viel Fleisch und trinkt Bier; Obst ißt sie gar nicht mehr. Auch geht sie viel zu Fuß, so wie das Wetter es erlaubt. Ich habe Sisi so wohl gefunden, daß ich mich entschlossen habe, sie für den Winter nach Venedig gehen zu lassen, so sie doch näher und innerhalb der Monarchie ist, wo ich sie leichter und öfter besuchen und wo sie auch die Kinder sehen kann, nach denen sie sich natürlich sehr sehnt. Sie ist in Venedig auch viel mehr vor der rauhen Luft geschützt und findet mehr Ansprache und geselligen Umgang und hofft auch, daß Charlotte sie manchmal besuchen wird. Wie glücklich ich über die Möglichkeit bin, Sisi näher zu haben, können Sie sich wohl denken, liebe Mama. ….. Sisi küßt Ihnen und dem lieben Papa die Hände, und indem ich ein Gleiches tue, bleibe ich Ihr treuer Sohn Franz. (14)

Karoline Freifrau von Welden „Wowo“, die Kinderfrau von Erzherzogin Gisel(l)a und Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth, Foto: Nationalbibliothek

Der Umstand, dass seine Frau nun nach Venedig „durfte“, wurde baldigst durchgeführt. Doch die Kinder durften nicht auf Dauer nach Venedig. Erzherzogin Sophie hielt ihrem Sohn vor, dass Wasser sei schlecht für deren Gesundheit. Deshalb ließ Franz Joseph seiner Frau und den Kindern täglich frisches Wasser von Wien schicken. Voraussetzung der Besuche der Kinder war, dass Gräfin Esterházy diese nach Italien begleiten durfte. So hatte Sophie täglich Berichte über die Kinder und über ihre Schwiegertochter erhalten. Es kam wie es kommen musste. Sophie mischte wieder einmal kräftig über die ohnehin schon verachtete Gräfin Sophie Esterházy-Liechtenstein (*5.9.1798, †17.6.1869) mit.

Elisabeth hatte nun endlich ihren Kampfgeist wieder zurück. Sie setzte bei ihrem Gatten Kaiser Franz Joseph durch, dass dieser die verhasste Obersthofmeisterin und Spionin von Erzherzogin Sophie entließ. Ihrer Mutter Ludovika wurde die eigene Tochter immer peinlicher. Diese beklagte sich lautstark über den Umgang mit der armen Sophie Esterházy.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Eliabeth in der Gondola, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth in der Gondola (Nahaufnahme), Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Kaiser Franz Joseph besuchte seine geliebte Engels Sisi zweimal in Venedig. Beim zweiten Mal nahm er den dreijährigen Kronprinz Rudolf mit. Doch auch hier kümmerte er sich weniger um seine „kranke“ Gemahlin, sondern um Paradenabnahmen und Truppeninspektionen. Das Verhältnis der Eheleute war mittlerweile auf ein eisiges Schweigen abgeflaut. Zu lange war Elisabeth nicht mehr in Wien, zu wenig Verständnis hatte der Kaiser für seine Frau.

Kaiserappartements, Museo Correr, Venedig, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Vielleicht dämmerte es ihm bereits, dass sie mit ihren „vorgehaltenen“ Krankheiten nur ihren Willen durchsetzen wollte. Die Kaiserappartements in Venedig sind heute übrigens im Museum Correr öffentlich zugänglich. Und wer diese sieht, wird schnell wissen, warum sich Kaiserin Elisabeth sieben weitere Monate mit dem „Gesundwerden“ Zeit ließ.

Kaiserappartements, Museo Correr, Venedig, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Erst im Mai 1862 traf Kaiserin Elisabeth in Reichenau an der Rax ein. Ohne Wien einen Besuch abzustatten, fuhr sie mit Dr. Heinrich Fischer (*1814, †1874), ihrem Leibarzt, nach Bad Kissingen. Der Hohn und Spott hätte nicht größer sein können. Kaiserin Elisabeth wurde verspottet, weil sie angeblich ihre schönsten Zähne in Kissingen verlor, Kaiser Franz Joseph wurde durch die Presse gejagt, weil er auf Geheiß seiner Frau den Backenbart abrasiert hatte, weil ihr dieser nicht gefiele. Tägliche Meldungen was Kaiserin Elisabeth trüge, inkl. Farbe des Sonnenschirms, wurden in den Zeitungen veröffentlicht. Daneben allerdings auch die Meldungen der Bankrotte, Selbstmorde und Arbeitslosigkeiten im Land. Die Kluft zwischen Adel und Volk, reich und arm, wurde immer größer.

Bad Kissingen, Foto: Wikimedia/Commons

Bereits im Juli erschienen die ersten positiven Zeitungsmeldungen: Der Kaiserin ginge es besser. Die ganze Familie besuchte Sisi in Kissingen. Nach Bad Kissingen verschanzte sie sich im Schloss Possenhofen und nahm vergnügt ihr Leben wieder auf. Sie war mit ihren Geschwistern zusammen, fast alle waren zu Besuch bei ihrer Mutter. Herzog Max (*4.12.1808, †15.11.1888) befahl Sisi, wieder nach Hause zu kehren. Doch Elisabeth weigerte sich, nach Bad Ischl zu fahren, da sich die Kaiserfamilie im Sommer immer dort aufhalten würde.

Graf Franz Folliot de Crenneville, Foto: Wikimedia/Commons

Graf Franz Folliot de Crenneville (*22.3.1815, †22.6.1888), Generaladjutant Seiner Majestät , war nach Possenhofen gekommen, um Elisabeth nach Ischl abzuholen. Als sie sich weiterhin strikt weigerte, notierte er in sein Tagebuch: „Oh die Weiber, die Weiber!!!! mit und ohne Krone, in Seide oder percale gekleidet haben Capricen und wenige sind ausgenommen.“ (15)

Am 11.8.1862 schrieb Franz Joseph an seine Mutter in Ischl: „Liebe Mama…… Von Sisi habe ich immer gute Nachrichten, so daß ich hoffe, daß sie recht bald wird zurückommen können. Sie war über Ludwigs (Anmerkung: Erzherzog Karl Ludwig (30.7.1833, †19.5.1896), Bruder von Kaiser Franz Joseph) in Possenhofen sehr erfreut. … Ihr treuer Sohn Franz“ (16)

Kurz vor dem Geburtstag Seiner Majestät fuhr Kaiserin Elisabeth nach Wien. Sie verließ im November 1860 die Hauptstadt und kehrte (circa) am 16.8.1862 erst wieder zurück. Fast zwei Jahre lang war sie unterwegs gewesen, um „Gesund“ zu werden. In der Zeit fehlte sie ihren Kindern und ihrem Land.

Erzherzog Karl Ludwig, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph freute sich so derartig auf seine Frau, dass er ihr bis Freilassing entgegenfuhr, wo er sie feierlich übernahm. Die Lokomotiven wurden festlich geschmückt und an den Bahnhöfen waren bayrische und schwarzgelbe Fahnen gehisst. Am Bahnhof Hütteldorf sang ein Männergesangsverein, in Schönbrunn warteten die Trompeter „Jäger-Hornisten“ auf sie. Der Empfang glich der einer Braut.

Doch der Schein trog. Anstatt ihre Verwandtschaft in Schönbrunn freudig zu begrüßen, wirkte sie steif, tonlos und täuschte eine schwere Migräneattacke vor. Sie zog sich in ihre Appartements zurück und war für niemanden zu sprechen.

Sisi-Schloss in Reichenau an der Rax (ehemals Rudolfsvilla), Foto: sisi-schloss.at

Im Brief vom 25.8.1862 an seine Mutter, ist von all dem nicht die Rede. Entweder wollte Franz Joseph seine Mutter nicht beunruhigen, oder er verschloss wirklich die Augen vor der Tatsache. „Liebe Mama, …., denn neben den Geschäften mußte ich doch auch oft mit Sisi ausgehen, die sehr viel Bewegung macht, was ihrer Gesundheit sehr zuträglich ist. Dann nahmen die Eisenbahnfahrten nach Reichenau und wieder herein und eine Fahrt ins Lager auch viel Zeit in Anspruch. Wie glücklich ich bin, Sisi wieder bei mir zu haben und dadurch endlich nach langen Entbehren ein „zu Hause“ zu besitzen, brauche ich nicht erst zu sagen. Sisi ist Gottlob recht wohl, sieht verhältnismäßig gut aus, hat immer gute Farben, guten Appetit und macht sehr viel Bewegung, ohne Ermüdung zu fühlen. Nur die volle Gelenkigkeit in den Füßen ist noch nicht ganz hergestellt, aber auch dieses bessert sich von zu Tag. Ich bin sehr froh, daß sie jetzt in Reichenau noch die gute Gebirgsluft genießen kann, denn hier ist es noch nicht frisch genug und bei Sonnenschein zu heiß und drückend. Besonders die Tage, die wir gleich nach Sisis Ankunft mit den Kindern hier zubrachten, waren sehr heiß und es blies dabei ein sehr angreifender Scirocco. ….Wir sind am 18. früh mit Gackel (Anmerkung: Herzog Karl Theodor, Bruder von Kaiserin Elisabeth) nach Reichenau, um meinen Geburtstag dort zu feiern. In der folgenden Nacht verließ uns Gackel, um nach München zurückzukehren. Rudolphs Geburtstag wurde sehr feierlich begangen; am Vorabende eine Menge Bergfeuer und Musik. Am Morgen Musik, 101 Pöllerschüsse, Aufzug der Bergleute, Jäger, Holzknechte …… Der Empfang, den Sisi hier fand, war wirklich sehr herzlich und wohltuend.“ (17)

Doch die Kluft des Fernbleibens hatte tiefe Wunden hinterlassen. Elisabeth hatte sich entfremdet. Sie konnte Zeit ihres Lebens mit Gisela und Rudolf kein herzliches Verhältnis mehr aufbauen. Kaiser Franz Joseph betete seine Frau noch immer an und würde das noch im Greisenalter tun, verstand sie allerdings nicht mehr, bzw. hatte sie in Wirklichkeit nie verstanden.

Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka, Foto: Wikimedia/Commons

Die Briefe von Kaiser Franz Joseph an seinen „Geliebten Engel“, wie er jetzt schrieb, beginnen wieder 1866. Sie weilte in Ungarn und war zu dieser Zeit bereits in Gesellschaft von Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka (*3.3.1823, †18.2.1890). Kaiserin Elisabeth weilte Monate in Ungarn und schrieb unzählige Briefe. Einmal weckte man den Kaiser um 1.30 Uhr morgens, da ein Brief Ihrer Majestät eingelangt sei. Obwohl er sich freute, diesen erhalten zu haben, wollte er ab sofort nicht mehr geweckt werden. Der Eilbrief hatte also Banalitäten zum Inhalt. Ansonsten wurden die Briefe fordernder und immer konkreter nach einem Wiedersehen, dem sich Elisabeth wohl verweigerte. Sogar die Sehnsucht der Kinder dürfte sie kalt gelassen haben. Sie kam nicht zurück. Ab dem 18.7.1866 kann man die Schlußformel „Männchen“, „Mäneken“ und „Kleiner“ lesen, Letzteres wurde immer öfter und ab dann regelmäßig mit „Kl“ abgekürzt.

Wenn Kaiserin Elisabeth zurück kam, waren es immer nur wenige Tage. Am 4.8.1866 schrieb Kaiser Franz Joseph: „Schönbrunn, den 4.8.1866, ½ 6 Uhr Früh, Mein lieber Engel, Jetzt bin ich wieder mit meinem vielen Kummer allein und sehne mich nach Dir. Komme bald, wieder, mich zu besuchen, das heißt wenn es Deine Kräfte und Deine Gesundheit erlauben, denn, wenn Du auch recht bös und sekant warst, so habe ich Dich doch so unendlich lieb, daß ich ohne Dich nicht sein kann. Schone Dich nur recht und gebe beim Reiten acht, denn ich ängstige mich sehr…. Dich mit den Kindern umarmend, Dein Dich innigst liebender Kleiner“ (18)

Die Briefe mit ähnlichem Inhalt – mal kommt sie, um nach kurzer Zeit wieder zu gehen – ziehen sich bis 1867 hin. Manchmal setzt sie sich gegen Erzherzogin Sophie durch und nimmt die Kinder für eine Weile nach Ungarn mit.

Krönungszeremonie, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph, Foto: billerantik.de

Kaiserin Elisabeth im Krönungskleid, Foto: ÖNB

Der ungarische Ausgleich wurde am 8.7.1867 mit einer pompösen Krönungsfeierlichkeit gefeiert. Zehn Monate später sollte die letzte Kaisertochter geboren werden: Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924). Der Wiener Hof ätzte, dass es Graf Andrássys Kind sei, was Elisabeth zu Ohren kam. Sollte es eine Möglichkeit der Versöhnung gegeben haben, hatte diese Kaiser Franz Joseph verspielt. Er stand ihr auch hier nicht bei und nahm das Getratsche nicht ernst. Elisabeth jedoch nahm sich dies sehr zu Herzen.

Doch gerade Marie Valérie, die in Wien „Die Einzige“ genannt wurde, war ihrem Vater äußerlich ähnlicher als alle anderen Kinder. Die Kindstaufe fand in der Ofener Burg unter großem Prunk statt. Als Taufpaten fungierten die Schwestern von Elisabeth: Gräfin Mathilde von Trani und Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925).

Stammbaum: Marie Fotos: Wikimedia/Commons

 

Erzherzogin Marie Valérie als Kleinkind, Foto: Nationalbibliothek

Valérie wurde von ihrer Mutter abgöttisch geliebt, aber auch, wie heute ähnlich den Helikoptermüttern, kategorisch vor Allem abgeschirmt. In späten Jahren beklagte sie sich, dass sie ihren Vater im Grunde gar nicht kannte. Ein Familienleben, lernte sie erst mit ihrem Mann Franz Salvator kennen. In dieses band sie dann ihren alternden Vater, der ab 1898 Witwer war, massiv mit ein.
Das Kind der Beiden war wohl ein Aufflackern alter Gefühle und Liebe und die Glückseligkeit, dass Elisabeth in Ungarn den Ausgleich erzielt hatte. Seit 1866 versuchte sie ihren Mann davon zu überzeugen, dass dies die einzige Möglichkeit war. Wer mehr über Kaiserin Elisabeth als Mutter erfahren möchte, liest hier weiter. 

Danach blieb der Kaiser wieder die meiste Zeit allein. Elisabeth blieb in Ungarn und zog ihre Tochter mit Hilfe des (unbeliebten) englischen Kindermädchens Mary „Minny“ Throckmorton auf (*1832, †11.12.1919) auf. Ab 1874 Jahren reiste Kaiserin Elisabeth öfter nach Irland und England, wo sie nicht nur die Habsburg-Monarchie brüskierte, sondern auch Queen Victoria. 1879 überwarf sie sich mit ihrer Schwester Königin Marie von Neapel und sprach nie wieder ein Wort mit ihr. Zu Kronprinz Rudolf hatte Elisabeth sowieso ein schwer angespanntes Verhältnis; als sich dieser Maries Gerüchten um eine Affäre mit Bay Middleton (*16.4.1846, †9.4.1892) (den Bericht könnt ihr hier nachlesen) anschloss, überwarf sie sich eine zeitlang auch mit ihrem Sohn.

Wer indes glaubt, dass Kaiser Franz Joseph Tag und Nacht allein in Wien in Schloss Schönbrunn oder Hofburg vor sich hin tristeste, irrt. Er fuhr genauso in der Weltgeschichte herum, wie Kaiserin Elisabeth selbst. An Bord des Donaudampfschiffes „Sophie“ fuhr er nach Bazias um von dort nach Constantinople zu gelangen. Er wohnte im Palais Impérial de Bechiktach. Von dort schrieb er Unmengen an Briefen und erhielt wiederum Telegramme von Kaiserin Elisabeth. Im November 1869 weilte er in Athen und passierte mit dem Schiff „Greiff“ Rhodos und Zypern, um nach Jerusalem zu fahren, wo er am 11.11.1869 ankam. Er schrieb seitenweise Reiseberichte, von einem Sektionschef Hofmann, der nicht reiten könne und prompt vom Pferd fiel und sich den Arm brach usw. Von Jerusalem ging es nach Cairo und nach Alexandria.

Am 30.11.1869 schrieb Kaiser Franz Joseph an seine Sisi: „Am Greif, Hafen von Corfu den 30. Novbr., 2 Uhr Nachtmittag ….. In 2 Stunden geht hier der Lloyd Schnelldampfer durch und so expedire ich mit demselben den Kurier, der Dir diesen Brief noch einigen Stunden vor meinem Eintreffen in Triest überbringen kann. Ich kann nicht vor der Nacht vom 2. zum 3. oder am 3. in der Früh dort eintreffen und so bitte ich Dich recht schön, lieber Engel, mich so lange es geht, im Bett zu erwarten, denn das ist doch das schönste Wiedersehen nach so langer Zeit. Etwas trauriges hat dieses Wiedersehen bei dem Gedanken, daß es für so kurze Zeit ist und ich dann wieder so lang ohne Dich, allein bleiben muß. Es wird eine recht harte Zeit in Wien werden! In der Hoffnung Dich baldigst wirklich umarmen und küssen zu können, bleibe ich Dein, Dich innigst liebender Kl“ (19)

Erzherzog Franz Karl, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf vor dem Sarg von Erzherzogin Sophie, Hofkapelle 1872, Foto: ÖNB

Am 28.5.1872 starb Erzherzogin Sophie. Kaiserin Elisabeth weilte zu dieser Zeit gerade in Wien und eilte zwischen Hofburg und Schloss Schönbrunn, wo Valérie krank darnieder lag, hin und her. Ausgerechnet, als sie sich gerade vom Krankenbett der Schwiegermutter erhob, um nach Schönbrunn zu eilen, erhielt sie nach ihrer Ankunft ein Telegramm. Marie Festetics überreichte ihr dies. Mit Windeseile jagte sie in der Kutsche zurück zur Hofburg: „Die Kaiserin war furchtbar aufgeregt und ich hatte eine Todesangst, die Erzherzogin könnte sterben und wie die Menschen sind, hätten sie noch gesagt, die Kaiserin hätte es zu Fleiß gethan.“ (20)

Leider ist aus dieser Zeit aus den Briefen nichts zu erfahren, da diese von 1869 – 1874 nicht erhalten (oder veröffentlicht) sind. 1874 begann die Reise nach St. Petersburg, wo er ebenso viel berichtete, wie zuvor: über Bälle, den schönen Damen, den Zar usw.

 

 

 

Schlafgemach (Bett nicht Original!) in den Kaiserappartements, Museo Correr, Venedig, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

1875 befand sich Franz Joseph auf dem Weg nach Venedig. Von dort schrieb er: „Venedig, den 6. April 1875, ½ 8 Uhr Früh …. Ich wohne in Deinen Zimmern, schlafe in unserem ersten Schlafzimmer und schreibe jetzt in Deinem späteren blauen Schlafzimmer. Der Empfang hier war außerordentlich schön, selbst herzlich und Alles ist vortrefflich arrangirt. Der König ist unendlich freundlich, die Kronprinzessin charmant, hübsch, sehr aimable, ganz unglaublich élègant, hat besonders hübsche Füsse …. Dich mit den Kindern umarmend, Dein Kl (21)

Auguste von Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Danach fuhr er von Pola nach Sebenico und Pago und dann weiter nach Spalato, wo er Sisi den berühmten Honig schicken ließ. Im Gegenzug bedankte er sich für den übersandten Zwieback. Er schrieb auch mehrmals über Gisela, die gerade schwanger war und die Nachricht der Niederkunft nicht abwarten könne. (Anmerkung: 2te Enkelin Auguste kam am 28.4.1875 zur Welt; †25.6.1964). Von Spalato ging es nach Metkovic, Ragusa und Cattaro. Danach enden die Briefe leider wieder und es geht erst 1886 weiter.

Doch so einsam, wie man Kaiser Franz Joseph immer gerne sieht, war er nicht. Seine Affären wurden intensiver und fanden immer mehr in unmittelbarer Nähe statt. Er quartierte zuerst seine Geliebte Anna Nahowski (*1860, †23.3.1931), später dann sogar Katharina Schratt in der Nähe von Schönbrunn ein. Näheres zu seinen Affären erläutere ich hier.

 

 

Dr. Hermann Widerhofer, Foto: Wikimedia/Commons

Katharina Schratt, Foto: habsburger.net

1885 führte Kaiserin Elisabeth dem Kaiser Katharina Schratt zu. Mittlerweile tat ihr ihr Mann sogar schon leid. Für sie war die Ehe zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahren beendet.

Den ersten Brief den man nach 1875 findet, ist vom 30.6.1886 datiert: „Schönbrunn den 30.Juni 1886, 4 Uhr Früh Édes, szerettet lelkem (Anmerkung: Meine süße, geliebte Seele) …. Gott lob tretet Ihr also Morgen endlich die Rückreise in die Heimath an und dieser Brief wird Dich bereits in Gastein erwarten. Wie ich mich auf das Wiedersehen freue, kannst Du Dir denken. Bitte vergesse nur nicht dafür zu sorgen, daß ich Sonntag eine Messe bekomme, wo möglich nicht vor 9 Uhr. Gestern war Wiederhofer (Anmerkung: Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901), Kinderarzt bei Kronprinz Rudolf und Leibarzt von Erzherzogin Marie Valerie) (Anmerkung: Kaiser Franz Joseph schrieb ihn mit „ie“; korrekt ist aber nur „i“) um mir wegen Mondel (Anmerkung: Generaladjutant Friedrich Freiherr von Mondel (*22.9.1821, †18.12.1886; zu dieser Zeit bereits schwer krank) zu berichten und bei dieser Gelegenheit sagte er mir, daß Du Dich während der Kur vor Allem vor Verkühlungen in Acht nehmen mußt und keine zu anstrengenden Fußmärsche machen sollst, auch ja die Bäder nicht übertreiben …… Dich von ganzem Herzen umarmend, Dein Kl“ (22)

Friedrich Freiherr von Mondel, Foto: oldthing.de

Leider enden die Briefe wieder mit dem 6.11.1889, wo sich Kaiser Franz Joseph in Gödöllö befand, Kaiserin Elisabeth aber auf Korfu weilte. Zu Rudolfs Tod findet man auch hier nichts. Der erste Brief ist wieder vom 24.9.1890 datiert. Erzherzogin Marie Valerie ist mit ihrem Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) verheiratet und wohnte in Schloss Lichtenegg in Wels, Oberösterreich. Und so erzählte er immer weiter, wen er traf, wo er sich gerade befand (sogar Schloss Possenhofen besuchte er) und was er gerade tat. Als Nachsatz nach seiner Abschiedsklausel, kann man öfters „Die Freundin küßt deine Hände“ lesen (z.B. Brief vom 23.4.1891). Mit Freundin ist natürlich Katharina Schratt (*11.9.1853, †17.4.1940) gemeint.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth auf Cap Martin, 1894 Foto: Nationalbibliothek

Danach gehen die Briefe ohne gröbere Unterbrechung bis 1898 weiter. 1895 weilte Kaiserin Elisabeth in Cap Martin, er fragte, ob Sisi wüsste, wann Gackel mitsamt der Familie an die Riviera käme usw. Die Briefe aus 1895 sind, soweit ich das herauslesen kann, vollständig erhalten. Es wird viel über Marie Valerie, Gisela, Leopold, die Kinder der beiden und deren Befindlichkeiten gesprochen; übers Zahnen der Kleinen, über Essprobleme der kleinen Ella usw. Das alles aufzuzählen würde noch mehr Seiten füllen. Er bedankte sich sogar einmal, als Sisi ihm „mit dem weißen Schirme gewunken habe.“

Es wird über gemeinsame Bekannte getratscht, welches Paar wann geheiratet habe und wer mit wem eine Liaison unterhält. Telegramme über plötzlich Verstorbene erreichen den Kaiser und gegenseitig wird Beileid bekundet. Die Briefe der letzten Jahre lesen sich wie eine Brieffreundschaft zweier Unbekannter. Wenig Persönliches und noch weniger Gefühlvolles, bis auf die übliche Abschiedsklausel „Dich in Liebe und Sehnsucht umarmend, Dein Kl“.

Kaiser Franz Joseph, mit seinen Enkeln, den Kindern der Erzherzogin Marie Valerie, Franz Karl, Hubert Salvator und Elisabeth, Foto: Nationalbibliothek

Auch die Briefe 1896/7 beinhalten Selbiges wie 1898. Kronprinz Rudolf kommt nicht einmal mehr vor. Hie und da fällt der Name Stephanie, Franz Ferdinand wird bereits öfter erwähnt. Am Anfang des Jahres 1898 befindet sich Kaiserin Elisabeth in Frankreich, genau gesagt in Marseille, um dann nach Nizza weiterzufahren. Kaiser Franz Joseph befand sich zwischenzeitlich in Eisenerz. Auch hier dürften die Briefe vollständig sein. Er berichtet über Marie Valerie, die sich höchster Gesundheit erfreue und bestens aussehe, philosophiert über Theaterstücke, wie müde er manchmal sei und über allerlei Familienmitglieder. Am 24.8.1898 war Kaiser Franz Joseph in Ischl und erwartete voller Ungeduld die Ankunft seiner Frau, welche für kurze Zeit blieb, um am 27.8.1898 wieder nach Nauheim abzufahren.

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Viktor). Fotografie von Ludwig Angerer, 1860, Foto: Wikimedia/Commons

In vierundvierzig Ehejahren ließ sich Kaiserin Elisabeth nicht ein einziges Mal mit ihrem Mann und den Kindern ablichten. Es existiert eine einzige Fotoaufnahme, auf der Kaiserin Elisabeth mit den Söhnen von Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl zu sehen ist. Ansonsten lehnte sie solche Fotos kategorisch ab. Sämtliche Lithografien oder gemalte Bilder sind der reinen Phantasie der Lithografen oder Maler entsprungen. Kaiser Franz Joseph hingegen posierte mehrmals mit seinen Kindern; vor allem aber als Opa mit seinen Enkeln.

gesamte Familie, 1888, gezeichnet, Foto: billerantik.de

 

Sisi erscheint als Engel Kaiser Franz Joseph, Foto: Wikimedia/Commons

Den allerletzten Brief, den Kaiser Franz Joseph an Kaiserin Elisabeth schrieb, sollte diese niemals mehr erhalten. Hier der gesamte Brief: 

Anmerkungen vorab von mir:
Gräfin Sztáray = letzte Hofdame von Kaiserin Elisabeth – Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863, †3.9.1940)
Graf Welsersheimb = Rudolf Graf Welser von Welsersheimb  (*1.3.1842, †25.10.1926)
Rudi Liechtenstein = Rudolf von und zu Liechtenstein, Obersthofmeister (*18.4.1838 – †15.10.1908)
voiture = Auto (?)
Isten veled szeretet agylaom = Adieu, schöner süßer Engel

Schönbrunn den 10. Septbr. 1898 

Édes szeretett lelkem, 

Da ich Heute in Schönbrunn bleibe und daher meine freie Zeit habe, so will ich doch noch einige Zeilen an Dich richten, um dir beiligenden Brief Valéries, den ich Gestern erhielt zu senden und Dir für Deinen, an sie gerichteten Brief vom 4., der ja auch für mich bestimmt war, innigst zu danken. Gleichzeitig schickt mir Valérie ein kurzes Schreiben der Gräfin Sztáray, auch vom 4., welches, obwohl eigentlich nur ein Namenstag Gratulations Brief, doch auch günstiges über Dein Befinden enthält. Sehr erfreut hat mich die bessere Stimmung, die Deinen Brief durchweht und Deine Zufriedenheit mit dem Wetter, der Luft und Deiner Wohnung sammt Terrasse, welche einen wunderbaren Ausblick auf Berge und See gewähren muß. Daß Du dennoch eine Art Heimweh nach unserer lieben Villa Hermes gefühlt hast, hat mich gerührt. Gestern Nachmittag war ich wieder dort und ging in der Nähe der Villa spazieren. Der Abend war herbstlich, aber sehr schön, der ganze gestrige Tag wolkenlos; auch Heute ist es schön und kühl, aber der Barometer fallt, was mich für die Tátra fürchten laßt. Gestern hörte ich einen Hirsch zweimal melden. Wie Nando Gestern aus Gödöllö telegraphirte, melden dort die Hirsche wegen großer Trockenheit noch nicht und es gelang ihm in der ganzen Zeit, wegen wechselndem Winde, erst einen schwachen 10 Ender am Ansitze zu erlegen, der einzige Schuß den er bis jetzt machte. Von der Freundin erhielt ich Gestern ein Telegramm von Ferleiten 6 Uhr 10 M. Nachmittag. Sie war dort vom Glocknerhause angekommen und wollte noch Gestern nach Zell am See fahren, wo sie gewiß spät eingetroffen sein wird. Warum sie ihre Gebirgstour so gehetzt und mit so starken Tagesleistungen gemacht hat, ist mir nicht klar. 

Ich bin Gestern um 8 Uhr in die Stadt gefahren, wo ich bis 1/2 3 Uhr geblieben bin und Thun, FZM. Graf Welsersheimb und Rudi Liechtenstein gesprochen habe. Um 3 Uhr habe ich hier allein gespeist und Abends erfreute ich mich an der guten Milch aus deiner Meierei. Heute bleibe ich hier und um 1/2 9 Uhr Abends reise ich 
voiture, voiture siehe Oben 
vom Staatsbahnhofe ab. 
Isten veled szeretet agylaom. Dich vom ganzen Herzen umarmend, 
Dein 
Kl (23)

Als am 10.9.1898 Kaiserin Elisabeth starb (den Bericht findet ihr hier) rief er aus: „Niemand weiß, was diese Frau mir gewesen ist!“ (24)

~ Marie ~

Original-Kuverts von Kaiserin Elisabeth an Kaiser Franz Joseph, Kuverts teilweise mit geprägtem Schriftzug „Elisabeth“ und Kaiserkrone bzw. Siegel mit Siegellack, Absender teilweise aus Ischl, Meran, Combermere Abbey, Whitchurch, Shropshire,; das Relief aus Gips stammt von einem Sterbemonument, das nie verwirklicht wurde (R. Weigl 1902), Foto: Dorotheum Wien

 


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Marie
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Maria José, sternenkaiserin.com – Marie, Dorotheum Wien, geo.de, Österreichische Nationalbibliothek, roteskreuz.at, sisi-schloss.at, billerantik.de, habsburger.ne
Stammbaum: Marie, Fotorechte Wikimedia/Commons


Literarische Hinweise:

1 – S. 157, 2 – S 158/9
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Auflage

3 – S 313/4
Martha Schad
Marie Valérie von Österreich – Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth
Piper Verlag, 7. Auflage 2013

4 – S. 124/5, 8 – S 130, 9 – S 142, 10 S. 142/3, 11 – S. 150/1, 15 – S 164, 20 – 294
Brigitte Hamann
Elisabeth – Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage, 2017

5 – S. 9/10, 6 – S 13/14, 7 – S 31/2, 18 – S 55/6, 19 – S. 148/9, 21 – 158, 22 – 185,
Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859 – 1898, Band I (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Herold 1966, 1. Auflage

13 – S 304, 14 – S 308/9, 16 – S 311/2, 17 – S. 313/4
Dr. Franz Schnürer
Briefe Kaiser Franz Josephs an seine Mutter (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Universitätsdruckerei München, 1930

12 – S 60
Gudula Walterskirchen und Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics – Kaiserin Elisabeths intimste Freundin
Residenz Verlag, 3. Auflage, 2014

24 – 458
Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859 – 1898, Band II (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Herold 1966, 1. Auflage

24 – S. 40
Eugen Ketterl
Der Alte Kaiser wie nur Einer ihn sah
Fritz Molden Verlag, 1980, 1. Auflage

Ahnengalerie von Maria Theresia zu Kaiser Franz Josef und Kaiser Karl I.

Die Stammlinie der Familie Habsburg wie wir sie heute kennen, geht noch auf Maria Theresia zurück. Sie war die Mutter aller Habsburger, die bis in die heutige Generation noch reicht.

Um euch einen genauen Überblick zu geben, mit welchem Sohn es anfing und wie verzweigt die Familie auch heute noch ist, habe ich mir die Mühe gemacht und habe alle Familienmitglieder eingefügt, die bis zu Kaiser Karl I und Kaiserin Zita geboren wurden.

Jedes Paar ist mit seinen Kindern vertreten. Natürlich sind bis heute Nachfahren geboren worden; aber 1918 war die Monarchie zu Ende und von daher, habe ich von Kaiser Karl I und Kaiserin Zita all ihre Nachkommen eingefügt (einfach als Gesamtbild), obwohl die letzten beiden Töchter nicht mehr in der Monarchie geboren wurden.

Ich habe mir erlaubt auch die Nachkommen von Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie von Chotek hinzufügen; auch wenn sie nicht erbberechtigt waren, so sind die Nachkommen und Nachfahren von Maria Theresia.

Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem außergewöhnlichen Stammbaum.

Petra –

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Rechtliche Hinweise: 

Text: Petra
Stammbaum: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, Österreichische Nationalbibliothek, habsburger.net, Bildarchiv, rodovid.org, geneall.org

Kaiser Franz Joseph und die Frauen (Teil 5)


Foto: billerantik.at
Kaiser Franz Joseph, 1848
Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht? 

In den Sissi-Filmen mit Romy Schneider ein herzensguter liebenswürdiger Mensch, der seine Frau verehrt und mit der Situation rund um Sissi und Erzherzogin Sophie überfordert ist. 

Sein Schauspiel hat zum Bild des realen Kaisers Franz Joseph viel beigetragen.

Leider ist auch hier vieles verklärt und die Sissi-Geschichte im Film ist so ganz anders, als die harte brutale Realität.

Eine Realität, der ich hier auf die Sprünge helfen möchte. Ich zeige in meinem 5. Teil das Bild eines so ganz anderen Kaisers.

Ein Kaiser, der seine Engels-Sisi zwar anbetete, dennoch zahlreiche heimliche Affären hatte und einige uneheliche Kinder gezeugt haben soll.

Vorwort: 
Es gibt in der Literatur zahlreiche Gerüchte, die nicht belegt sind. Auch von Buchautoren. Ich habe mich für diesen Artikel in die gesamte Literatur - auch in die unbelegte - eingelesen. Es bleibt immer dem Leser selbst vorbehalten, was er glauben will. 
In diesem Sinne, beginnen wir nun von vorne:

Die ersten jugendlichen Gefühle

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Elisabeth von Preußen „Elise“

Schon im zarten Alter von 14 Jahren verschaute sich Erzherzog Franz (Anmerkung Petra: erst als Kaiser verwendete er seinen zweiten Namen) sehr unstandesgemäß in eine Hofdame seiner Tante Königin Elisabeth Ludovika, genannt „Elise“, von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873).


Bertha von Marwitz

(*30.7.1817, †5.4.1879)

hatte es dem jungen „Franzi“ angetan. Mutter Sophie schrieb besorgt in ihr Tagebuch:

„Franzi ist in zarter Art und Weise mit Fräulein von Marwitz beschäftigt. Es ist das erste Mal, daß solch ein Gefühl in ihm erwacht. Ich kann den Eindruck nicht genügend beschreiben, den mir das gemacht hat. Dieser Bub, den ich noch für ein Kind hielt, geht plötzlich, ohne daß ich es merke, zu den Neigungen und den Gefühlen eines jungen Mannes über. Das ließ mich eine vage Unruhe wie eine peinliche Sensation empfinden und es scheint mir, als gehöre er mir nicht mehr so wie früher.“ (1)

1847 verliebte er sich in eine Hofdame von Großfürstin Helene Pawlowna, gebürtige Friederike Charlotte Marie Prinzessin von Württemberg (*9.1.1807, †9.11.1873). Leider blieb die Hofdame und Gesellschafterin in der Biographie von Karl und Michaela Vocelka „Franz Joseph I – Kaiser von Österreich und König von Ungarn 1830 – 1916“ unbenannt.

Allerdings schrieb sein Erzieher in sein Tagebuch, dass Erzherzog Franz die Großfürstin, deren Tochter und besagte Hofdame alleine bei einem Mahl begleitet habe und den Erzieher ungebührlich lange warten habe lassen.
Lächerlich wenn man es genau bedenkt, aber wahrscheinlich ein ungeheuerlicher Skandal für den Erzieher, sonst hätte er es nicht vermerkt. 

Kaiser Franz Joseph war kein unbescholtenes Blatt mehr, als er Herzogin Elisabeth das erste Mal näher betrachtete und sich entschied sie zu heiraten.

Rund um die Erzherzöge gab es

„hygienische Damen“

welche extra ausgesucht wurden, um den jungen Männern die „Liebe zu lehren“. Graf Grünne übernahm die Auswahl für Franz Joseph, selbstverständlich nicht ohne Erzherzogin Sophie miteinzubeziehen.

Hygienische Damen waren am Wiener Hof sehr angesehen. Diese Damen waren zwar (meist) nicht aus dem Adel, aber gesunde Witwen, mit einer animalischen Konstitution, die den Herren die Dinge beibrachten, die sie wissen sollten, um mit einer Ehefrau die erhofften Thronfolger zu zeugen.

Bei Franz Joseph war es eine reife, üppige Dame aus Krems.
Wobei hier die Literatur auseinander geht. Bei den einen Historiker/innen war es die namenlose „üppige Dame aus Krems“, bei den anderen wiederum, eine Gräfin, welche bei Hof ein und aus ging.

Die erste Liebe

Foto: Wikimedia/Commons
König Friedrich Wilhelm IV von Preußen

1848 hatte Franz Joseph wohl mit

Elisabeth Gräfin von Ugarte
(*14.5.1822, †26.8.1896) geb. Rochow-Briest,

eine „heiße“ Affäre.

Brisant allerdings war, dass Gräfin Elisabeth Ugarte bereits verheiratet war und Graf Ugarte dieses Amüsement gar nicht witzig fand.

Auch Erzherzogin Sophie war einem Schlaganfall nahe, als sie erfuhr, mit wem sich ihr 18jähriger Sohn abgab.

Als dann noch der gesamte Wiener Hof tuschelte, als Franz Joseph ihr auf den folgenden Hofbällen sämtliche Tänze schenkte und sogar zweimal den Kotillon mit ihr tanzte, war Schluss mit lustig.

Elisabeth berichtete einer Freundin:

„…..da ich jedes Mal mit unserem deliziösen Kaiser tanze. Schon zweimal tanzten wir den Kotillon zusammen, was, wie Du Dir denken kannst, großes Aufsehen erregte und ma petite vanité doch etwas schmeichelte.  Ich bin, so wie alle, entzückt von unserem allerliebsten Monarchen, der alles, was man sich Gutes, Edles denken kann, in sich vereinigt.“ (2)

Hofdame Sophie Scharnhorst notierte:

„Der Kaiser tanzte mit Ausnahme der Polka und Mazurka alles, engagierte seine Damen selbst mit der ihm angeborenen Courtoisie und machte jedesmal eine Glücklich. Zu diesen gehörte unsere kleine Ugarte, die er zur Kotillon-Tänzerin wählte. Sie strahlte vor Entzücken und ihr Gemahl war um sie beschäftigt wie die Henne mit den Kücken.“ (3)

Als Franz Joseph besagte Gräfin auch noch „allein“ in die Hofburg einlud, war Erzherzogin Sophie einer Herzattacke nahe.

Sie zitierte die 26jährige Gräfin zu sich und befahl ihr Wien für immer zu verlassen. In der gesamten Literatur lässt sich Elisabeth Gräfin Ugarte nicht mehr finden.

In Olmütz, während der Revolution (1848), soll angeblich eine junge Dame der Grund gewesen sein, warum sich Franz Joseph immer gerne an diese Zeit im Exil zurückerinnerte. Näheres konnte ich auch mit besten Absichten nicht herausfinden.

Am 18.2.1853 gab es ein Attentatsversuch durch János Libenyi, dass nicht von politischer Natur aus begangen worden sein soll, sondern aus rein privater. János hat aus „Ehre“ morden wollen.

Die gesamte Geschichte zum Libényi-Attentat ist hier nachzulesen.

Der wahre Grund ist bis heute ungeklärt und wird auch nicht mehr eruiert werden können. Folgendes konnte ich in verschiedenen Büchern herausfinden:

Gabriele Praschl-Bichler beschrieb in ihrem Buch „Kaiser Franz Joseph ganz privat „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen“, folgende Geschichte, die ich im ganzen Wortlaut wiedergebe:

Eine andere Liebesgeschichte steht in Zusammenhang mit dem am 18.Februar 1853 auf Kaiser Franz Joseph verübten Attentat, als der Schneidergeselle János Libényi aus der Wiener Leopoldstadt ein 41,5 Zentimeter langes, beidseitig geschliffenes Messer gegen den Monarchen führte. Lauf offizieller Aussage hieß es, er sei ungarisher Anarchist gewesen, der sich den Kaiser als prominentes Opfer erwählt hatte. Gemäß der Meinung einier anderer Zeitgenossen hätte hinter diesem Anschlag ein Racheakt gesteckt, der auf eine Liebschaft zwichen dem jungen Kaiser und einer Ungarin zurückzuführen war die ein Familien angehöriger „ins Reine“ bringen sollte.

Monate vor dem Attentat war Kaiser Franz Joseph während eines Praterbesuchs ein Mädchen aufgefallen, das vor einer Schaubude stand und die neugierigen Blicke des jungen Monarchen heftig erwiderte. Um ihn noch mehr für sich zu interessieren, brachte es ihm eine temperamentvolle Csardas-Einlage dar. Der Kaiser erfuhr, daß es eine Nichte der Budenbesitzerin, einer gewissen Frau Danzinger, war, Margit Libényi hiße und aus dem ungarischen Dorf Czakvar stamme. Im Laufe einer folgenden Bekanntschaft soll ihr Kaiser Franz Joseph auch eine Ausbildung als Tänzerin bezahlt haben.

Zu jener Zeit hatt einer der Brüder Kaiser Franz Josephs, Erzherzog (Ferdinand) Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko, das Libretto zu einer Oper verfaßt, deren Aufführung der Kaiser aber zu verhindern wußte. Angeblich hätte nun Erzherzog Max Kontakt zu dieser Tänzerin aufgenommen, ihr eine glanzvolle Tanzrolle in der Oper zugesagt für den Fall, daß es ihr gelänge, den Kaiser umzustimmen. Es kamm dann tatsächlich zur Aufführung des Werkes, die Künstlerin erntete mit ihrer Darstellung großen Beifall und wurde am Tag nach der Premiere zum Mitglied des kaiserlichen Balletts ernannt. Sie nahm einen Künstlernamen an und tanzte fortan unter dem Pseudonym Mizzi Langer.
Der Ruf der Ungarin als Kaiserliebchen war bis in ihr Heimatdorf gedrungen und soll dort viel für Aufruhr unter der Bevölkerung veursacht haben. Die Bitten ihres Bruders, János Libényi, sie möge sich vom Kaiser lossagen, blieben unbeantwortet, und so faßte der „Entehrte“ den Entschluß, die Schuld der Schwester durch ein Attentat auf den Kaiser zu sühnen.
 (3)

Nun geht die Geschichte der Historiker/innen auseinander. Während G. Praschl-Bichler im zitiertem Buch schrieb, dass sich der Kaiser darauf hin von Mizzi Langer trennte und Libényi beim Polizeiverhör den wahren Grund seiner Tat preisgab, so erzählen die restlichen Historiker/innen, dass der Attentäter keinen wirklichen Grund nannte.

Was auch immer stimmt, János Libényi wurde am Galgen gehängt und die abstruse Geschichte verfolgte die Bevölkerung sogar bis in die 1950er Jahre. Aber dazu bitte ich euch, den Beitrag auf der anderen Seite zu lesen.

Da der Kaiser gerade viel Sympathie im Land erreichte, war es für Erzherzogin Sophie Zeit endgültig eine Braut auszuwählen.

Das glückliche Österreich heiratet

Sophie hatte ab 1852 die ersten Anzeichen gezeigt ihren jungen Sohn, Kaiser von Österreich, standesgemäß und mit der besten Partie die sie finden konnte, zu verehelichen.

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Anna von Preußen
Bild: F.X.Winterhalter, 1858

Sie ließ Kaiser Franz Joseph unter dem Aspekt „einer politischen Reise“ zu Tante Elise nach Berlin fahren.

Wie bereits erwähnt, war Elisabeth eine Schwester von Erzherzogin Sophie und Herzogin Ludovika; somit die Tante von Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth.

Sie wurde mit Friedrich Wilhelm IV, König von Preußen (*15.10.1795, †2.1.1861) verheiratet; die Ehe war zwar glücklich blieb aber nach einer schweren Totgeburt kinderlos.

Kaiser Franz Joseph verliebte sich in Preußen in die Nichte von König Friedrich,

Marie Anna Friedericke Prinzessin von Preußen
(*17.5.1836, †12.6.1918),

welche aber bereits mit Prinz Friedrich Wilhelm (*26.11.1820, †14.10.1884) verlobt war.

So sehr sich Elise bemühte, den König und die preußische Regierung zu einem Bündnis mit Österreich durch Heirat, umzustimmen, sie scheiterte kläglich. Sophie schrieb ihrer Schwester einen herzzerreißenden Brief:

Foto: Wikimedia/Commons
Prinz Wilhelm I

„… ob es keine Hoffnung gibt, daß diese traurige Heirat, die man dieser reizenden Anna auferlegt und keinerlei Aussicht auf Glück für sie übrigläßt, vermeiden könnte. … das Glück, das sich wie ein flüchtiger Traum gezeigt hat und sein junges Herz – hélas – viel stärker und viel tiefer beeindruckt hat, als ich es zunächst glaubte….Du kennst ihn genug, daß man seinem Geschmack nicht so leicht entsprechen kann und ihm nicht die nächste beste genügt, daß er das Wesen lieben können muß, die seine Gefährtin werden soll …. Allen diesen Bedingungen scheint Eure liebe Kleine zu entsprechen….“ (3a) 

Es half alles nichts, Elise brachte die Hochzeitspläne im Haus nicht durch. Prinz Wilhelm, späterer Kaiser Wilhelm I (*22.3.1797, †9.3.1888) meinte zur Absage sogar:

„Wir Preußen beglückwünschen uns, daß Österreich seine Unterwerfung in unserer Hauptstadt bezeugt hat, ohne daß wir nur einen Fußbreit politischen Boden preisgegebenen haben.“ (4)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Elisabeth

Wirklich ernste Absichten hatte Kaiser Franz Joseph 1853 das erste Mal mit

Elisabeth Franziska Maria Erzherzogin von Österreich-Este,
(*17.1.1831, †14.2.1903)

der ungarischen Linie der Familie Habsburg.

Doch Erzherzogin Sophie passte diese Verbindung überhaupt nicht, da sie mit den Ungarn nichts mehr zu tun haben wollte.

Elisabeths (Halb) Bruder Stephan Erzherzog von Österreich (*14.9.1817, †19.2.1867), Palatin von Ungarn, hatte sich während der 1848er Revolution auf die Seite der Ungarn gestellt und wurde deshalb aus der Monarchie verbannt.

Hier möchte ich einen Schreibfehler eines Buches von Katrin Unterreiner ausbessern. Im Buch „Kaiser Franz Joseph 1830-1916 Mythos und Wahrheit“, Christian Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2006 steht auf Seite 35: (Zuerst erzählt sie von Gräfin Ugarte)


„Berechtigtere Aussichten hatte Erzherzogin Therese, Tochter Josephs, des Palatins von Ungarn. Die schöne Erzherzogin war allerdigs als Schwester Erzherzog Stephans der während der Revolution mit den Ungarn sympathisiert hatte und auf Grund seines Verhaltens sogar aus der Monarchie verbannt wurde, für Sophie untragbar. Sie wollte die Verbindung mit einer deutschen Prinzessin, am besten mit einer preußischen. (4a)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Stephan
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ferdinand

Allerdings fand das Treffen mit Anna schon vorher statt und Palatin Joseph (*9.3.1776, 13.1.1847) hatte keine Tochter namens Therese.

Erzherzog Stephan war auch nur der Halbbruder von Elisabeth Franziska.

Mittlerweile gibt es eine Neuauflage des besagten Buches, in welchem diese Sätze weggelassen wurden und K. Unterreiner auf S. 38. gleich mit Anna als Brautschau beginnt (siehe 1. Auflage 2015, gleicher Verlag, gleicher Buchtitel).

Um Elisabeth und Franz Joseph nicht noch weiter auf dumme Gedanken zu bringen, verheiratete sie die junge Witwe kurzer Hand mit Erzherzog Karl Ferdinand von Österreich (*29.7.1818, †20.11.1874).

Was Sophie zu jener Zeit nicht ahnen konnte, aber mir im Nachhinein ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubert, ist die Tatsache, dass die Ehe mit Karl sehr glücklich wurde.

Das Paar bekam 6 Kinder, u.a. jenen Erzherzog (Friedrich Maria) Albrecht (*4.6.1856, †30.12.1936), der später einmal Erzherzog Franz Ferdinand unverhofft zu seinem Glück verhelfen sollte.

Erzherzog Albrecht heiratete Prinzessin Isabella von Croy-Dülmen (*27.2.1856, †5.9.1931) die jene Hofdame beschäftigte, die als Sophie Gräfin von Chotek oder später Sophie Fürstin von Hohenberg in die Weltgeschichte eingehen sollte. Die Geschichte von Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie Fürstin von Hohenberg könnt ihr hier nachlesen.

Der erste uneheliche Sohn

Foto: Wikimedia/Commons
Paul Freiherr Gautsch von Frankenthum

von Kaiser Franz Joseph soll

Paul Gautsch Freiherr von Frankenthum 
(*26.2.1851, †20.4.1918) 

gewesen sein, welcher nach dem Jusstudium ins Unterrichtsministerium wechselte und 1879 Unterrichtsminister wurde.

Diesen Posten behielt er ungewöhnlich lange, nämlich bis 1893. Zusätzlich wurde er von Kaiser Franz Joseph zum Direktor und Kurator der Theresianischen Akadamie ernannt. 1895 ernannte ihn der Kaiser zum Herrenhausmitglied. 1895 – 1897 wurde er nochmal Unterrichtsminister.

1899 – 1904 wurde er Präsident des Obersten Rechnungshofes. Gautsch galt als „besonderer“ Vertrauensmann für Kaiser Franz Joseph. (5a)

Während sich Kunsthistorikerin Gabriele Praschl-Bichler zur Mutter ausschweigt und auch sonst keine Quellen nennt, sondern nur im Nachwort ein Dankeswort an Erzherzog Otto (Habsburg) und an dessen Sekretärin nach Pöcking richtet, da dieser seine Familiengeschichte geöffnet hätte (?), habe ich wirklich lange recherchiert und die Namen von Vater und Mutter von Paul Gautsch ausfindig gemacht.

Sein Vater war Karl Gautsch von Frankenthum (*1817, 1892), welcher als Polizeikommissär arbeitete. Seine Mutter war Maria Beatrix Wittek Edler von Salzberg (*1828, 1908), welche aus der Linie mütterlicherseits aus der Schlumberger-Goldeck-Linie stammte.

Und jetzt fangen meine Spekulationen und Überlegungen an:
Wo und wie hat Kaiser Franz Joseph Maria Beatrix, verheiratete Gautsch von Frankenthum kennengelernt. Die Ehefrau eines Polizeikommissärs läuft einem Kaiser nicht täglich über den Weg.

Kuckuckskinder waren sicherlich an der Tagesordnung. Es gab weder DNA, noch richtige Gynäkologen. Der Beweis einer Vaterschaft wurde oft nach der Geburt ob das Baby dem Vater ähnelt angetreten. Also alles sehr wage und absolut nicht beweisbar. Ich weiß nicht einmal, ob die Frauen im 19. Jahrhundert wussten, dass eine Schwangerschaft 9 Monate dauert und man 10 Monate berechnet.

Trotzdem wäre es wirklich interessant zu erfahren, wieso gerade Graf Gautsch ein unehelicher Sohn gewesen sein soll. Schade, dass nirgendwo in der Literatur mehr verzeichnet oder irgendetwas aufzufinden ist.

Das grösste Gerücht

Helene Baltazzi, verh. Vetsera, Foto: Wikimedia/Commons

Helene Baltazzi
besser bekannt als
Helene Freifrau von Vetsera
(*29.5.1847, †1.2.1925)

Kaiser Franz Joseph soll ein Verhältnis mit Helene Baltazzi besser bekannt als Helene Freifrau von Vetsera gehabt haben.

Die Geschichte dazu liest sich so:

Zeitpunkt der Beziehung war das Jahr 1850 und Franz Joseph war gerade einmal 20 Jahre alt. Auch diese Affäre verbot Erzherzogin Sophie sofort und Helene, die Zeit ihres Lebens den Drang hatte vom Kaiserhaus anerkannt zu werden, soll eine Abfertigung von sage und schreibe 3 Millionen Kronen (!) bekommen haben.

Allerdings war Helene Baltazzi bzw. verheiratete Vetsera selbst reich und brauchte das Geld nicht. Was war also der Grund, warum sie so viel Geld bekommen hatte.

3 Millionen Kronen sind immerhin € 56.201.370 (!).

 

Sehr großzügig für einen so sparsamen Menschen wie Kaiser Franz Joseph.

Noch dazu als junger Kaiser, wo er vor allem noch auf die Gunst seines Onkels Ferdinand (*19.4.1793) angewiesen war; denn auch wenn dieser kein Kaiser mehr war, das ganze Geld und somit das gesamte Vermögen verwaltete dieser bis zu seinem Tod.

Erst dann beerbte ihn sein Neffe in allen Belangen. Und Ferdinand starb erst im Jahre (29.6.) 1875.

Ob also Erzherzogin Sophie bereit gewesen wäre, einer Gespielin ihres Sohnes so viel Geld auszuzahlen, ist mehr als fraglich.

Fiel euch etwas beim Lesen auf? Kam euch nicht etwas komisch oder fraglich vor?

Nein?
Gut, dann kläre ich mal auf.

Kunsthistorikerin und Buchautorin Gabriele Praschl-Bichler schrieb in ihrem Buch mit Joseph Cacheè (*) „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen“ Kaiser Franz Joseph ganz privat, Amalthea Verlag, 1. Auflage 1994

Kaiser Franz Joseph soll mit Helene Baltazzi, besser bekannt als Helene Vetsera eine Romanze gehabt haben. Der Kaiser war 20 Jahre alt und seit 2 Jahren Kaiser. Nach dem Ende der Liebesgeschichte, soll Helene eine Abfertigung von drei Millionen Kronen erhalten haben. (5b)

In ihrem Buch „Kaiser Franz Joseph ganz privat“ „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen!“, Amalthea Verlag, 3. Auflage 2005, heißt es: (Zuvor trifft er in dem Buch Katharina Abel, zu der ich noch komme…)

Einige Jahre später lernte Franz Joseph Helene Baltazzi, spätere Baronin Vetsera und Mutter der Mary Vetsera kennen und lieben.
Die Romanze dauerte nicht lange, sie soll der Dame aber eine Abfertigung von drei Millionen Kronen eingebracht haben.
“ (5c)

Zu dieser Zeit gab es keine Kronen, sondern Gulden. Und bei aller Liebe, ich glaube nicht, dass er ihr 3 Millonen Kronen abgegolten hätte, wenn man bedenkt, dass er seiner 14jährigen Affäre Anna Nahowski 200.000 fl (Anmerkung Petra: Abkürzung für den Gulden) gab. Zu ihrer Geschichte komme ich noch.

Aber weiter in der Aufklärung:

Kaiser Franz Joseph wurde 1830 geboren. Wenn er bei der Liebesgeschichte 20 Jahre alt war, war dies 1850. Helene wurde 1847 (!) geboren. Na? Klingelts? Helene wäre demnach 3 Jahre alt gewesen.

Erzherzogin Sophie hätte zurecht der Schlag getroffen, hätte der erwachsene Kaiser ein Verhältnis mit einer 3jährigen gehabt!

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich keine Historikerin schlecht machen möchte, aber die Zeitangaben können einfach nicht stimmen, wenn man bedenkt, dass Helene Baltazzi unumstösslich im Jahre 1847 geboren ist (steht auch auf ihrem Grabstein).

Es ist also definitiv unmöglich, dass Kaiser Franz Joseph 20jährig ein Verhältnis mit Helene Baltazzi gehabt haben kann!

Ein weiteres Indiz ist, dass Helene von Konstantinopel verheiratet (!) nach Wien kam und Albin Ritter von Vetsera beim Kaiser um ihre Hand anhalten musste. Der Diplomat sah die Schöne 16jährige und war sofort fasziniert von ihr. Ihre Familie war unermesslich reich, aber nicht adelig und so musste Ritter von Vetsera beim Kaiser um ein Heiratsgesuch bitten. Dies wurde ihm gewäht und so konnte der um 20 Jahre ältere Albin die junge Frau ehelichen.

Bereits 1865 kam der erste Sohn Ladislaus in Paris zur Welt, danach 1868 Tochter Johanna in Konstantinopel und erst 1871 Marie Alexandrine „Mary“ in Wien. Also erst in den frühen 70er Jahren waren die „von Vetsera“ in Wien mit 2 Kindern eingetroffen, 2 weitere wurden in Wien geboren.

Wann also das angebliche Techtelmechtel stattgefunden haben soll, kann ich nicht sagen, da ich in keiner Literatur irgendeinen Hinweis und/oder Nachweis finden konnte.

Es sind immer nur vage Vermutungen und ein/e Historiker/in hat vom anderen abgeschrieben, ohne Daten und Fakten und zu nennen.

Es kann natürlich gut sein, dass sich die beiden in den frühen 70er Jahren irgendwann einmal „begnegneten“, denn Helene hatte in Wien nur ein einziges Ziel: sie wollte bei Hofe angenommen werden.

Sie war unermesslich reich, schön, nur ihr war furchtbar langweilig, da der Wiener Hof von ihr keine Notiz nahm. 1870 wurde ihr Mann in den Freiherrenstand befördert, somit durfte sie sich „Freifrau von Vetsera“ nennen.

Die Mär also, dass Kaiser Franz Joseph Helene als Baltazzi kennengelernt hat, habe ich nun einwandfrei widerlegt.

Nichtsdestotrotz ist es trotzdem makaber, dass Helene von Vetsera mit dem blutjungen Kronprinz Rudolf „verkehrte“.

Kaiser Franz Joseph tobte, als er dies hörte und verbot diese Beziehung sofort.

Da es später zu heimlichen Treffen mit der Tochter Mary kam, konnte Franz Joseph nicht rechtzeitig einschreiten.

Böse Zungen behaupten ja, dass Mary Vetsera (*19.3.1871, †30.1.1889) sich mit Kronprinz Rudolf deshalb das Leben nahm, da sie seine Tochter gewesen sei.

Doch auch hier sei erwähnt, dass Kronprinz Rudolf 14 Jahre gewesen sein müsste, um besagte Affäre gehabt zu haben. Die tatsächliche Affäre mit Helene Baltazzi soll stattgefunden haben, als er 18 Jahre alt war. Also geht sich die Vaterschaft natürlich nicht aus. Aber das sei nur nebenbei erwähnt. Es geht um hier jetzt ausschließlich um Kaiser Franz Joseph.

Brautschau und Hochzeit

Sophie suchte weiterhin fieberhaft nach einer neuen und geeigneten Kanditatin, die sie in Dresden zu finden glaubte.

Foto: Wikimedia/Commons
Sidonie Prinzess von Sachsen
Maria Sidonie Ludovica Prinzessin von Sachsen 
(*16.8.1834, †1.3.1862) 
sollte nun die Braut und zukünftige Kaiserin von Österreich werden. 

Sie hatte wahres Pech mit ihren Verehrern, die beinahe alle aus falscher Zugehörigkeit der Religion oder politischen Machtspielen, abgelehnt wurden.

Auch Kaiser Franz Joseph wollte Sidonie nicht zur Frau. 
Der banale Grund: sie gefiel ihm nicht. 

Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr. Sidonie starb 27jährig unverheiratet an Typhus.

Sophie sah sich schlussendlich in ihrer eigenen Verwandtschaft nach jungen heiratsfähigen Mädchen um. 
  • Meinen Bericht zur Verlobung könnt ihr hier lesen.
  • meinen Bericht zur Hochzeit könnt ihr hier lesen.
  • meinen Bericht zum Hochzeitskleid könnt ihr könnt hier lesen.
  • meinen Bericht wie Kaiserin Elisabeth als Mutter war könnt hier lesen.

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph
Hochzeitsbild

Da es hier nur um Franz Joseph und seine Affäre bzw. um seine Frauen geht, habe ich die Ehe und die Probleme darin gesondert aufgearbeitet.
Meinen Bericht zur ambivalenten Ehe könnt ihr hier nachlesen.

Affären ab 1859

Foto: dorotheum.com
Kaiserin Elisabeth

Was genau der Auslöser 1859 für die sehr überstürzte Abfahrt von Kaiserin Elisabeth nach Madeira war, ist bis heute ungeklärt.

Viele Gerüchte und Legenden ranken sich um diesen plötzlichen Aufbruch.

Einige Historiker/innen schreiben, es sei eine Lungenkrankheit gewesen - was aber nicht erklären würde, warum Elisabeth auf der Überfahrt schon ziemlich munter wirkte -, die anderen behaupten, die Krankheit hätte etwas mit einer Geschlechtskrankheit zu tun, da Kaiser Franz Joseph weiterhin fremd ging und keine Rücksicht auf seine zartbesaitete junge Frau nahm. 

Auch mit ihr selbst soll er nicht zimperlich umgesprungen sein.

Was auch immer der Grund war, ab diesem Zeitpunkt wurde Elisabeth „erwachsen“ und entzog sich ihrem Mann immer mehr, so dass ab nun immmer mehr neue „Bekanntschaften“ seinen Weg kreuzten.

Wahrheit oder Lüge

1863 traf Kaiser Franz Joseph zum ersten Mal, auf Theresia „Reserl“ Pointinger (*8.4.1846, 1928).  Was folgte, war eine fast 10jährige Liaison, aus der angeblich 4 Kinder entstammen sollen.

Foto: Hubert Pointinger
Theresia Pointinger

Kaiser Franz Joseph weilte in Mondsee mit seinem Freund Otto Fürst von Wrede (*8.1.1797, †10.10.1871), um zu jagen.

Der elterliche Hof auf dem Theresia lebte, war seit langem schon ein beliebter Gutshof für adelige Gäste.

So war es nicht verwunderlich, dass er 1863 am Grauwitzgut auf die damals noch 17jährige aufmerksam wurde. Franz Joseph war damals ein Mann von stolzen 33 Jahren.

Bei einem dieser Anlässe (Anmerkung Petra: nach der Jagd Besuch bei der Gutsfamilie) wird Franz Joseph auf die mittlerweile 17jährige Reserl aufmerksam. Ihre Weiblichkeit ist sehr gut entwickelt, und während sie in ihrem „Dirndl“ mit dem engen Mieder die Gäste bedient, erliegt Franz Joseph ihren Reizen und ihrer Anmut, wie uns der weitere Verlauf der Gesichte noch eindringlich zeigen wird. Tatsächlich wird Franz Joseph nie mehr seine Augen von Reserl lassen, werden die folgenden Begegnungen auf dem Gut Reserls unbändige Liebe für ihren Franz Joseph erwachen lassen.“ (6)

Doch erst im Juli 1869 kam es zur schicksalhaften „Liaison“.

Als er dann tatsächlich im Juli 1869 auf der einsamen Eisenauer-Alm (im Sommer arbeitete sie auf der elterlichen Alm als Sennerin) erschien, erkannte sie ihn zunächst nicht.

Der Text, der von Rosamunde Pilcher stammen könnte, lautet wie folgt:

Foto: Stadtmuseum Bad Ischl
der junge Kaiser als Jäger

„Voll Zufriedenheit über das getane Tagwerk hat Reserl vor der Hütte Platz genommen, um sich in aller Stille und voller Dankkbarkeit dem Schöpfer gegenüber vom sinkenden Tag zu verabschieden.
Doch nur Minuten später verändert eine folgenschwere Begegnung das Leben des jungen Mädchens für immer, als ein Mann in der Bekleidung eines Jägers Reserls Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dieser unterscheidet sich äußerlich kaum von anderen Jägersleuten, außer dass er einen graußen Filzhut, eine graue Lodenjoppe und graue Wadenstrümpfe trägt. Aber als er sich Reserls Hütte nähert, „fällt es ihr wie Schuppen von den Augen“, denn durch seinen eigentümlichen, federnden Gang hat sie ihn trotz Dämmerung als Franz Joseph, den Kaiser von Österreich, erkannt. …
Seit dem letzten Treffen auf dem elterlichen Grauwitzgut haben sich beider Herzen füreinander leidenschaftlich entzündet. Jetzt scheint die Erfüllung von Reserls Sehnsüchten und Träumen nahe.“
(6a)

Reserl war nun keine 17 mehr, jedoch eine 23jährige Jungfer. Unser Kaiser war ein vollreifer Mann von 39 Jahren.

Aber er hatte immer schon ein faible für junge Frauen und je älter er wurde, desto jünger wurden seine Gespielinnen, zumindest bis Kaiserin Elisabeth ihm die Schratt zuwies.

Ob sie dies alles ahnte? Ich weiß es nicht. Die Briefe von Franz Joseph wurden alle angeblich verbrannt, es gibt keine Korrespondenz zum Nachlesen, das größte Archiv ist bis heute noch immer nicht zugänglich und ist somit unerforscht. 

Und welche Frau ahnt im Grunde nicht, wenn der eigene Mann ständig fremd geht? Aber all das, ist nur eine Vermutung meinerseits (bis auf das Archiv; das ist wirklich Tatsache).

Aber weiter gehts mit Reserl und Franz Joseph:

Als sie sich von dem Schock erholte, bat sie ihn in die spärlich eingerichtete Hütte. Der Jägersmann, der tatsächlich Kaiser Franz Joseph war, setzte sich artig neben sie und legte seine Hand in ihre:

„Wie in Trance legt Reserl ihre zierliche Hand in die Hand des Kaisers, und als sie kurz darauf die warmen Lippen Franz Josephs auf ihrer Haut und ihren geöffneten Lippen spürt, ist ihre Leidenschaft, die sie jahrelang nur für ihn zurückgehalten hat, voll entbrannt.“ (6b)

Ein zärtlicher und gefühlsbetonter Liebhaber soll er gewesen sein, der Franzl. Meint zumindest Theresia Pointinger, bzw. ihr Biograph Hubert Pointinger; denn Aufzeichnungen von Theresia gibt es keine.

Das Ganze ist eine Nacherzählung, einer Nacherzählung, einer Nacherzählung.

Anna Nahowski sah das ganz anders. Aber ich greife etwas vor.

4 Kinder sollen der Affäre entsprungen sein:

Foto: Hubert Pointinger
Anton Pointinger
Foto: Hubert Pointinger
Franziska Pointinger
Foto: Hubert Pointinger
Matthias Pointinger
Foto: Hubert Pointinger
Wilhelmine Buchwald

  1. Anton Pointinger (*6.4.1870,unbekannt)
  2. Franziska Pointinger (*1871,unbekannt)
  3. Matthias Pointinger (*5.12.1872,27.11.1941)
  4. Wilhelmine Buchwald (*28.5.1877, unbekannt)

Reserl wurde drei mal schwanger und trug diese Kinder aus. In einer Zeit, am Dorf lebend und unverheiratet, muss das die Hölle für eine junge Frau gewesen sein.

Theresia hatte viel Glück und brachte alle ihre Kinder durch.

Anton, ihr Bruder wollte immer wieder wissen, wer der Vater der Kinder sei, doch sie schwieg eisern. Er suchte mit Hochtouren einen Ehemann für sie, wusste aber, dass eine Frau mit drei unehelichen Kindern kaum an den Mann zu bringen sei.

Die Kinder durften nicht bei ihr aufwachsen und so nahm sich ihre Schwester Franziska der unehlichen Kinder an und Theresia besuchte sie so oft sie konnte. Oft auch spät abends. Dafür musste sie oft Kilometer weit gehen; oft durch Tiefschneemassen. Die Strapazen müssen unvorstellbar gewesen ein. Nach einigen Monaten erkannten sie die Kinder nicht mehr und sie nahm dies voller Eifersucht und Tränen zur Kenntnis.

Die „kaiserlichen“ Kinder, kannten weder ihren Vater und erkannten nun auch auch ihre Mutter nicht mehr.

Franziska war ihnen allerdings eine gute Ziehmutter.

Als sich Kaiser Franz Joseph im darauffolgenden Jahr nicht blicken ließ, litt Reserl Höllenqualen.

Sie verliebte sich in weiterer Folge in den verheirateten Privatjäger Wilhelm Buchwald der Familie Graf Paar, welche im Salzkammergut ebenfalls ein Jagdgut besaßen.

Buchwald galt als Windhund und nahm sich vor Reserl zu erobern, was ihm beinahe auch gelang, als diese dann doch das schlechte Gewissen, wegen der Ehefrau von Willi packte und sie sich doch nicht hingab. Doch in dieser Nacht gab es ein Geständnis der anderen Art:

„Nur schwer gelingt es ihr, die Enttäuschung vor dem verheirateten Mann zu verbergen, nun hat sie sich anscheinend schon wieder in den Falschen verliebt. Nach Minuten beiderseitigen Schweigens holt Reserl, völlig unerwartet für Willi, zu ihrem „verletztenden“ Gegenschlag auf. Die Wunden, die ihr Franz Joseph in diesem Jahr seiner Abwesenheit (Anmerkung Petra: Weltausstellung in Wien; Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth kamen nicht ins Salzkammergut), wie wie neu „augerissen“ und in ihrem Schmerz ist Reserl nun zum Äußersten bereit. Voller Überschwang, ja beinahe schwämerisch erzählt sie Willi von ihrer mehrjährigen noch bestehenden Liebschaft mit „einem hohen adeligen Jagdherrn“ Doch damit noch nicht genug. Das erste Mal in ihrem Leben auchvon ihren drei Kindern Anton, Franziska und Matthias, die als „Kinder der Liebe“ dieser Liaison entsprungen sind.“ (6c)

Doch Willi Buchwald wusste schon längst Bescheid. Als Waldhüter und Förster und Jäger war er es gewohnt auf die Pirsch zu gehen, um Wilderern das Handwerk zu legen. Dabei bleiben den Mitarbeitern ungewöhnliche Leute die durch den Wald streifen nicht verborgen. Im Buch von Hubert Pointinger liest sich das so:

„So verwundert es nicht, dass auch die Gänge des Kaisers, des Lieberhabers in der Verkleidung des Weidmanns, nicht unentdeckt geblieben sind. Mancher yoyeuristische Jäger mag sogar an der hölzernen Außenwand in tiefster Nacht dem Liebesspiel des Kaisers gelauscht haben, trotzdem dringt in dieser Zeit nie ein Wort über die außerehelichen Neigungen des Kaisers an die Öffentlichkeit – zu schwer wiegt die Angst vor einer Verurteilung wegen „Majestätsbeleidigung“ mit nachfolgendem Arrest. Wie bei der „stillen Post“ werden die amüsanten Beobachtungen in Jägerkreisen aber von einem zum Nächsten weitergegeben, „hinter vorgehaltener Hand“ und in der ständigen Wachsamkeit, kein Wort davon an falsche Ohren dringen zu lassen.“ (6d)

Doch Frau Buchwald war schwer krank und diesmal meinte es das Schicksal etwas besser, diese starb alsbaldig. Einen Monat nach deren Tod hielt Willi Buchwald um die Hand von Reserl Pointinger an.

Grund für die Heirat war, um Reserl

vor weiteren unmoralischen Zugriffen Franz Joseph schützen kann, ist dieser doch als Kaiser und „Hoher Katholik“ zur Einhaltung des Ehegebots verpflichtet. (6e)

Um das Ganze abzukürzen: Es wurde geheiratet und Reserl brachte weitere eheliche Kinder zur Welt, wobei eine Tochter ein Monat nach der Geburt starb. Sie blieb Sennerin und es kam wie es kommen musste, Kaiser Franz Joseph trat wieder in ihr Leben und Reserl ließ ihn wieder in ihr selbiges. Obwohl alles diskret und heimlich ablief, war Willi eifersüchtig und ahnte Zeit seines Lebens, dass die letzte Tochter „Wilhelmine“ nicht die Seine war. Um Reserl endgültig aus den Fängen von Kaiser Franz Joseph zu befreien, zog die Familie nach Bayern.

Das ganze ist so schwülstig erzählt, dass man glauben möchte, man liest einen schlechten Bauernroman. "Kaiser Franz Joseph und Reserl waren Zeit ihres Lebens in Gedanken verbunden" und obwohl er bereits mit Anna Nahowski beisammen war und diese Reserl ähnelte, konnte er seine Reserl nicht vergessen.  
Foto: Hubert Pointinger
Hubert Pointinger

Die Geschichte wurde übrigens von der Tochter Theresia von Matthias erzählt, welche Ordensschwester wurde. Diese wurde so „streng erzogen, da das blaue Blut ihres Vaters, von seinem „Erlauchten Erzeuger“ übertragen wurde. Bauerstochter Theresia musste ihren Bauersvater „Siezen“, denn immerhin floß adeliges Blut durch seine Adern. Bei nicht gehorchen, gabs ordentliche Züchtigung. Ja, man schüttelt wirklich nur noch den Kopf.

Hubert Pointinger (*25.4.1961), der Verfasser von "Die Salzprinzessin" ist der Ur-Enkel von Matthias Pointinger, der als einziger dieser Kinder überhaupt eine Familie gründete.

Als das Buch herauskam, haben Georg Markus und Hugo Portisch (*19.2.1927,1.4.2021), zwei anerkannte Schriftsteller und Historiker Hubert Pointinger vorgeschlagen, eine DNA Analyse machen zu lassen.

Georg Hohenberg, der Urgroßneffe von Erzherzog Franz Ferdinand, aus der Linie von Maximilian Hohenberg hat sich für die DNA Analyse zur Verfügung gestellt.
(Die Geschichte zu Erzherzog Franz Ferdinand und was aus seinen Kindern wurde kann hier nachgelesen werden.)

Dr. Christa Nussbaumer „Allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige der forensischen Molekularbiologie“ stellte fest, dass

Georg Hohenberg und Hubert Pointinger nicht verwandt sind.

Ob also die drei anderen Kinder (also Anton, Franziska und Wilhelmine) von Kaiser Franz Joseph abstammen, ist sehr fraglich. Generell ist die Frage: Was ist an dieser Geschichte wahr?

Herr Pointinger jedoch hält eisern an seiner Version fest und betitelt sich selbst als Ur-Ur-Enkel des Kaisers.

Ein paar Sachen ließen mich im Buch stutzig werden: zum einen schrieb Herr Pointinger immer „Sissi.
Als angeblicher Ur-Ur-Enkel der Kaiserin müsste er wissen, dass sie sich niemals mit Doppel-s schrieb.

In der Literaturliste findet man das Buch von Gabriele Praschl-Bichler „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen.“
Reserl findet man darin nicht – was schon einmal sehr eigenartig ist. Lediglich folgenden Satz, weit nach Anna Nahowksi und sonstigen Liebschaften

„In einem kaiserlichen Jagdrevier lebte ein Mann, der behauptete, ein Sohn des Kaisers zu sein. Seine ledige Mutter war Sennerin, der Kaiser hätte sie anläßlich einer Jagd auf der Alm kennengelernt.“ (6f)

Man mag jetzt darüber denken was man will, aber aussagekräftig ist das nicht, wenn man bedenkt, dass Gabriele Praschl-Bichler ansonsten immer gerne Namen nennt und das Ganze ausschmückt.
Weiters geht es in dem Buch von Frau Praschl-Bichler auch um die Jägerkleidung des Kaisers, um die Weltausstellung 1873 usw.
Ein Schelm wer böses denkt….

Die beiden Historiker/in Michaela und Karl Vocelka schreiben zu dem Thema in ihrem Buch „Franz Joseph Kaiser von Österreich und König von Ungarn 1830 – 1916“ folgendes:

„Daneben gibt es viele Legenden und Gerüchte. (Anmerkung Petra: Kapitel Seitensprünge im Buch) So wird Franz Joseph etwa in einer Publikation eines angeblichen Nachkommen einer solchen Affäre eine Beziehung mit einer Bauerntochter Theresia (Reserl) Pointinger vom Gauwitzhof am Fuß des Schafbergs zugeschrieben, die auf der zum Hof gehörigen Alm Eisenau arbeitete.
Die Almhütte soll der anfangs 23-Jährigen und Franz Joseph 1869 als Liebesnest für ihr fast zehn Jahre dauerndes Verhältnis gedient haben, aus dem – wie behauptet wird – vier Kinder ….. (Anmerkung Petra: Aufzählung der Kinder mit Geburtsdaten) hervorgingen. Von Matthias stammt der Autor des Buches ab, das ausschließlich auf mündlichen Überlieferungen und nicht näher angegebenen Quellen in Pfarrarchiven beruht. Da keine faktischen Beweise vorliegen, ist diese Geschichte mit äußerster Vorsicht zu betrachten und erscheint eher fraglich.“ (6g)

Affären ab 1870

1870/1 soll es

Katharina Abel
(*22.2.1856, †6.3.1904)

gewesen sein, die dem Kaiser im Ballett ins Auge stach.

Foto: theatermuseum.at
Katharina Abel

Wie lange die Affäre dauerte, konnte ich auch nach intensiven Recherchen nicht eruieren.

Am 17.1.1876 gebar Katharina eine Tochter namens Maria. Den Vater hielt sie Zeit ihres Lebens strikt geheim. 

Mit den „Gaben“ des Kaisers konnte sie sich ein Haus in Wien Wieden leisten.

1890 ehelichte sie den um 10 Jahre jüngeren, mittel- und arbeitslosen Adeligen Georg Graf Orssich von Slatevich.

Katharina beendete 1892 ihre Karriere, nach dem sie sich bei einem Unfall während der Aufführung von „Giselle“ schwer verletzte.

Autorin Praschl-Bichler berichtete, Abel sei dem Kaiser noch vor der Hochzeit begegnet und habe ihm vom Liebeskummer mit Gräfin Ugarte geheilt. (8)

Dies kann ich einwandfrei widerlegen.

Katharina Abel wurde erst lange nach der Affäre mit Gräfin Ugarte geboren (*1856). Sie wurde ab 1868 am Kärntnertortheater engagiert und war ab 1870/1 Mitglied der Hofoper. Von 1880 – 1892 war sie unter Direktor Carl Teile eine der beliebtesten Tänzerinnen. 

Sie kann also in den 1850er Jahren genauso wenig die Geliebte von Kaiser Franz Joseph gewesen, wie Helene Baltazzi, welches ich weiter oben erklärt und ausgeführt habe.  

Ebenso im Jahr 1870 war es Rosa Moskowitz die Franz Josephs Herz erreichte. Sie war Weißnäherin in der Wiener Hofburg. 3 Jahre soll die Affäre gedauert haben, als sie sich „plötzlich“ ins Privatleben zurückzog.

Hier geht die Literatur auseinander:

Katrin Unterreiner schrieb in ihrem Buch „Kaiser Franz Joseph 1830 – 1916“ Mythos und Wahrheit, Christian Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2006

„Vor Katharina Schratt hatte Franz Joseph einige Geliebte, dazu zählte in den 1870er Jahren die Weißnäherin in der Wäschekammer der Hofburg, die sich nach drei Jahren Hofdienst ins Privatleben zurückzog. Sie erhielt von da an eine vom Hof auf Lebenszeit ausbezahlte Rente von dreihundert Gulden und heiratete später den Grafen Andreas Zichy.“ (8a)

Bei Gabriele Praschl-Bichler liest sich die Geschichte nämlich folgendermaßen:

„In der Wäschekammer der Hofburg war in den Jahren 1870 bis 1873 ein gewisses Fräulein Rosa Moskowitz als Weißnäherin beschäftigt, das ebenfalls eine Zeit lang in der Gunst des Kaisers gestanden hatte. Nach drei Jahren Dienstes in der Hofburg war es ihr plötzlich möglich geworden, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Sie erhielt von da ab eine vom Hofärar auf Lebenszeit ausbezahlte Rente von dreihundert Gulden. Ihre Tochter Bobarle Margarete Braun, soll ein Kind Kaiser Franz Josephs gewesen sein. Immerhin konnte sie als Erwachsene den Grafen Andreas Zichy ehelichen, von dem sie sich aber bald wieder scheiden ließ. Nach erfolgter Trennung ging sie nach Paris erhielt bis zum Jahr 1918 eine Rente von der österreichischen Botschaft ausbezahlt. Später heiratete sie einen Amerikaner namens Miles und nach dessen Tod einen Herrn Rogers. Miles war US-Repräsentant der Internationalen Handelskammer in Basel gewesen“. (8c)

Nun meine Fragen:

  1. Wer von beiden Historikerinnen hat nun Recht mit der Heirat von Graf Zichy?
  2. Was ist Bobarle für ein eigenartiger Vorname?
  3. Wieso hieß Bobarle Margarete mit Nachnamen Braun, wenn Moskowitz der Nachname der Mutter war?
  4. Rosa Moskowitz klingt in meinen Ohren jüdisch. Hätte sich Kaiser Franz Joseph tatsächlich auf eine Affäre mit einer Jüdin eingelassen?
  5. Kann Andreas Zichy auch Andras Zichy gewesen sein? Die Dynastie Zichy war (ist) ursprünglich ungarischer Adel.

Immer wieder taucht Rosa in der Literatur auf, aber ohne Hinweis auf ein weiteres Verzeichnis oder Beweise. Meist sind es 1-2 Sätze wie: „Rosa Moskowitz, Weißnäherin aus der Hofburg Wien, hatte es dem Kaiser in den 1870er Jahren angetan. Angeblich entstand daraus eine uneheliche Tochter.“ Mehr ist nie zu lesen.

Mir liegen im übrigen beide Ausgaben von G. Praschl-Bichler vor. Die 1. Auflage aus 1996 und die 3. Auflage von 2005. Beide erschienen im Amalthea Verlag.

Eine 14jährige Affäre

Foto: Wikimedia/Commons
Anna Nahowski, 22jährig

Viel detaillierter und aufschlussreicher ist hier die Beziehung zu

Anna Nahowski
(*19.6.1860, †23.3.1931)

die durch ein veröffentlichtes Tagebuch ihre Beziehung notiert hatte.

Anna soll das einzige Kind, dass jemals „öffentlich als geheime Tochter von Kaiser Franz Joseph anerkannt worden ist“, geboren haben:
Helene Nahowksi, verheiratete Berg. Aber beginnen wir von vorne:

Es war der 8.5.1875, als um 6.00 Uhr morgens Anna, damals gerade einmal 15 (!) Jahre alt und mit einem „Haderlump“ verheiratet (!), im Park vom Schloss Schönbrunn ein stattlicher „Offizier“ begegnete, der ihr auffallend auf die Oberweite starrte und sie musterte.

Selbst beim Auseinandergehen, drehte sich der hübsche Offizier um: Kaiser Franz Joseph war zu diesem Zeitpunkt bereits ein Mann von imposanten 45 (!) Jahren!

Ihr Dienstmädchen Lini teilte Anna mit, dass es sich nicht um einen „Offizier“ per se, sondern um den Kaiser persönlich handelte. Sie errötete und da sie in ihrer Ehe unglücklich war, suchte sie ab sofort täglich beim frühen Spaziergang den Kaiser – und fand ihn auch.

Am 24.6.1875 notierte sie in ihr Tagebuch:

„Ich saß auf einer Steinbank mit Lini im Wald, der Kaiser kam des Weges u. setzte sich auf die nächste Bank. Nach einigen Minuten stand Er auf u. kam auf mich zu. Mein Herz schlug hörbar. Er blieb vor mir stehen, salutierte u. sagte: „Sie gehen aber fleißig spazieren.“ Ich stand von der Bank auf während Röthe mein Gesicht überflog. Ja Majestät, es ist so schön, sagte ich in meiner Verwirrung. „Sie wohnen gewiß am Land, hier in der Nähe?“ frug Er weiter.
Nein, in Wien, sagte ich. „Was? so weit frug Er, da müssen Sie ja schrecklich früh aufstehen? Um 4 das bin ich schon gewöhnt, ich gehe immer sehr früh spazieren. Wo wohnen Sie? frage Er. Am Neubau, meine Antwort. Sie werden alle Tage hier sein? Ja täglich wenn es schön ist. Er nickte mit dem Kopf, salutierte u. ging. Nun hab ich seine blauen Augen genug gesehen u. sie gefallen mir! Wie dumm ich doch bin, sollte ich in Ihm verliebt sein, nein, es eben der Kaiser der mir gefällt. Es schmeichelt mir, daß ich Ihm gefalle.“ (9)

Am 26.6.1875 kam es zum ersten Kuss. Kitschiger hätte es nicht sein können: im Regen.

Auch die darauffolgenden Tage kam Anna nach Schloss Schönbrunn Park um mit dem 45jährigen Kaiser „zu knutschen“.

Wie ein Wahnsinniger soll der Kaiser gewesen sein; oft durchnässt, da es schüttete, und immer allein. Die Begegnungen wurden immer intensiver, sogar das Kleid machte er ihr einmal auf, um sie „näher betrachten zu können“ und reagierte beleidigt, weil Anna nicht weitergehen wollte.

Inmitten der Abgeschiedenheit des Tiroler Parks (Anmerkung Petra: ein Abschnitt im Schloss Schönbrunn Park) während ihr Dienstmädchen die Wege bewachte. Anna quälten die Gewissensbisse, dennoch war sie verliebt.

3 Jahre dauerte es, bis es zum ersten Akt kam.

Es flossen die ersten Gelder, sie ordnete ihre Verhältnisse und im Jahre 1879 zog sie in die Nähe von Schloss Schönbrunn, damit der Kaiser sie nun täglich besuchen konnte. Sie lässt sich von ihrem ersten Ehemann scheiden und heiratete Franz Nahowski.

Sie solle kein Mieder anhaben, wenn er komme und am besten „bereit im Bett liegen“ so die Aufforderung.
Anna haderte im Tagebuch mit sich selbst, machte aber dann doch alles so, wie „Er“ es wollte.

Bereit im Bett zu liegen, mochte er besonders gern. Diese Aufforderung schrieb er auch an seine „Engels-Sisi“, wenn sie sich wochenlang nicht gesehen hatten.

„…so bitte ich Dich recht schön, lieber Engel, mich so lange es geht, im Bett zu erwarten, denn das ist doch das schönste Wiedersehen nach so langer Zeit.“ (10)

Foto: absw.at
Alban und Helene Berg

Anna bekam vier Kinder. Tochter Carola war bereits vom ersten Ehemann.

Die drei weiteren Kinder wurden ehelich geboren und hießen

  • Anna (*20.1.1883, †unbekannt)
  • Helene (*29.7.1885, †30.8.1976)
  • Franz Joseph (*10.12.1889,†1942)

Tochter Anna  dürfte tatsächlich eine „richtige“ Nahowski gewesen sein; allerdings waren auch hier Gerüchte im Umlauf.

Anna selbst schrieb in ihrem Tagebuch, dass „sie dasselbe Gesicht wie der Nahowski“ hat. (9a)

Diesesmal räume ich das Feld von hinten auf und beginne mit Sohn Franz Joseph, da er eine Zeit lang das größte Geheimnis für die Historiker/innen war.

Es gab unfassbar viele Gerüchte über Sohn Franz Joseph und folgendes konnte ich in der Literatur zusammentragen:

Er kam am 10.12.1889 zur Welt.

Kaiser Franz Joseph brach nach dem Selbstmord seines Sohnes Kronprinz Rudolf (†30.1.1889) die Affäre ab.

Was Anna zu dem Zeitpunkt aber (noch) nicht wusste, war, dass er sie gegen Katharina Schratt eingetauscht hatte.

Foto: PressReader, Kurier
Anna Nahowski (stehend) mit ihren „Kaiserkindern“: Helene (sitzend) und Franz Joseph (sitzend, dahinter)

Der Selbstmord des Kronprinzen war im Jänner, die Geburt von Franz Joseph war im Dezember. Selbst mir als Nicht-Mutter leuchtet ein, dass hier der Kaiser nicht der Vater sein kann.

Dennoch wurde dies immer wieder behauptet.

Obwohl nicht feststellbar ist, warum dies behauptet wird/wurde, hatte dies zwei Begründungen mit sich getragen:

Zum einen die Namensgebung des Kindes: Franz Joseph
Zum anderen behauptete Zeit seines Lebens das Kind selbst der Sohn des Kaisers zu sein und wurde sogar deswegen Irrsinnig.

Gegen ein Indiz wurde immer wieder widersprochen: Nahowski selbst hieß mit dem Vornamen Franz und so könnte der Bub eben „Franz“ getauft worden sein und „Josef“ als Huldigung an den Kaiser, was in diesen Jahrzehnten sehr häufig vorkam.

Franz Joseph war ein sehr begabter Maler, aber leider schon von jeher von labiler Gesundheit. Schon früh musste er immer wieder in psychiatrische Einrichtungen.

Zum 100. Geburtstag (18.8.1930) von Kaiser Franz Joseph schnitt er sich in der Kapuzinergruft mit einem Rasiermesser den kleinen Finger ab. Er deponierte diesen „als Sühne“ auf den Sarkophag des Kaisers.

Er kam mit der Diagnose „Schizophrenie“ in die Irrenanstalt Steinhof, welche er für sehr lange Zeit nicht mehr verließ.

Nach seiner Entlassung zog er sich in das steirische Landhaus von Helene Berg zurück, wo er schließlich 1942 in ihren Armen starb.

Behaltet Franz Joseph trotzdem noch im Gedächtnis; ich komme noch einmal auf ihn zurück.

Wenden wir uns also jetzt Tochter Helene zu.

Foto: mugi.hfmt-hamburg.de
Helene Berg

Helene Berg wurde am 29.7.1885 in Wien geboren.

1906 lernte sie Alban Berg (*9.2.1885, †24.12.1935) kennen. Gegen den Willen ihres „Vaters“ F. Nahowski heirateten die beiden schließlich 1911.

Sie galt in der High Society und im Wiener Adel als die Tochter von Kaiser Franz Joseph, obwohl sie offiziell ehelich geboren wurde.

Anna Nahowski hatte Zeit ihres Lebens niemals öffentlich über ihre Affäre gesprochen.
Auch das Tagebuch war fest verschlossen und wurde erst nach dem Tod von Helene Berg (†30.8.1976) gefunden und geöffnet.

Und obwohl Anna keinen Ton über die Vaterschaft darin verlauten ließ, galt und gilt Helene bis heute als die einzige wahre uneheliche und in der Gesellschaft anerkannte Tochter von Kaiser Franz Joseph. 

Sowohl Anna Nahowski, als auch Helene mit ihrem Ehemann Alban haben die Gerüchte jemals dementiert oder gar zerstreut.

Foto: Bildarchiv ÖNB
Hans Lebert

Über Tochter Anna (*20.1.1883, †?), konnte ich leider nicht viel in Erfahrung bringen.

Sie heiratete Artur Anton Lebert und gebar einen Sohn namens Johann „Hans“ (*9.1.1919, †20.3.1993).

Hans Lebert wurde ein bekannter Schriftsteller. Diesem ist im Buch „Unter uns gesagt: Begegnungen mit Zeitzeugen“ von Hugo Portisch und Georg Markus ein Kapitel gewidmet.

In diesem Kapitel liest man von 2 Kindern von Kaiser Franz Joseph und Anna Nahowski.

„Eine DNA-Analyse“ wie im Fall Pointinger war hier nicht nötig. Die Indizien und Beweise sprechen für sich.“ (11)

Eine Anna Lebert findet sich auch in der Biografie von Alban Berg wieder, welche an seinem Sterbetag bei ihm war. (12)

Hans Lebert erzählte, dass der Neffe von Alban Berg, Erich Alban Berg ein Tonband besaß.

Auf diesem ist vom 18.2.1973 die Stimme von Helene Berg zu hören. Sie erzählte:

„Dem Franzl hat er eine Uhr geschickt, der Kaiser, da war in Email das Jugendbild vom Kaiser drauf, das lange, schmale Gesicht, wie es auch der Franzl g’habt hat…“ (11b)

Mit „Franzl“ ist hier Sohn Franz Joseph gemeint, also Helene’s Bruder. Also jener Bruder, der sich später den Finger abschnitt und ins Irrenhaus gebracht wurde. Sehr merkwürdig, finden Sie nicht?

Weiter heißt es:

„Später, da waren wir schon erwachsen, sind wir die Maxingstraße hinaufgegangen nach Haus, die Mama in der Mitte, und da ist der Kaiser mit dem Tschako an uns vorbeigefahren – und den hat’s gerissen. Da ist er die ganze Zeit bis zur Gloriettegasse, wo er eingebogen ist, verkehrt gesessen und hat uns nachgeschaut.“ (11c)

Diese – von Helene Berg persönlich beschriebene Szene – findet sich auch im Tagebuch von Anna Nahowski wieder:

„Es war im Jahr 1902 und ich komme mit meinen Kindern Anna u. Helene v. der Stadt u. gehe die Maxingstr. hinauf nachhause. Ein wunderbarar Trapp den ich nur zu gut kannte, lies mich nach rückwärts schauen. Der Kaiser im offenen Wagen allein kam uns nach. Sah mich u. die Kinder freundlich an, u. setzte sich sofort in eine andere Stellung, um den Kopf nach rückwärts gedreht nach uns zu sehen bis Er in der Gloriettegasse einbog.“ (11d)

Ich möchte daran erinnern, dass das Tonband von Helene Berg mit ihrem Neffen Erich im Jahre 1973 aufgenommen wurde. 3 Jahre vor Helene Bergs Tod.

Das Buch über die Affäre von Anna Nahowksi und Kaiser Franz Joseph wurde von Friedrich Saathen im Jahr 1986 veröffentlicht.

Dieses beinhaltet – bis auf ein Vorwort – nur Originalzitate aus dem Tagebuch. Es ist hier also gut möglich, dass Helene, dieselbe Szene sehr lebendig vor Augen hatte, als sie über diese mit ihrem Neffen sprach.

Immerhin war sie zu diesem Zeitpunkt bereits 17 Jahre alt.

So romantisch wie die Geschichte zwischen der 15jährigen Anna und dem 45jährigen Kaiser Franz Joseph begann, so nüchtern und abrupt endete sie.

Kaiserin Elisabeth wusste (angeblich) Zeit ihres Lebens nichts von Anna. Kaiser Franz Joseph achtete stets penibel darauf, wann Kaiserin Elisabeth anwesend war, dass kein Treffen zwischen ihm und Anna stattfand.

War Elisabeth anwesend und ging mit ihm im Schlosspark spazieren und Franz Joseph und Anna begegneten sich "zufällig", wandte der Kaiser stets gelangweilt den Blick von ihr ab.  

Fridrich Freiherr von Mayr, Generaldirector der Ah. (Anmerkung Petra: Allerhöchste) Privat und Familien Fonde bittet um einen gütigen Besuch in seinem Bureau/Hofburg Schweitzerhof/zu einer amtlichen Besprechung. (13)

So lautete die nüchterne Visitenkarte die Anna von ihrem Dienstmädchen erhielt.

Als Anna Freiherr von Mayr tags darauf aufsuchte, wurde ihr ein Schriftstück zum Unterzeichnen vorgelegt. Vorher durfte sie noch jede x-beliebige Summe nennen, die sie wollte.

Die Affäre wurde lapidar beendet.

Anna Nahowski wählte klug: 200.000 fl(*)  – damit hatte sie ausgesorgt. 

(*)fl – Bezeichnung für Gulden = ca. € 2.851.196,00

Das Schreiben, welches sie unterzeichnete lautete:

Ich bestätige hiermit daß ich am heutigen Tag 200.000 fl als Geschenk von Seiner Majestät den Kaiser erhalten habe. Ferner schwöre ich, daß ich über die Begegnung mit Seiner Majestät jederzeit schweigen werde. Anna Nahowski Wien, 14.5.1889 (13a)

14 Jahre einfach aus Franz Josephs und Annas Leben gestrichen.

Dass zu diesem Zeitpunkt Katharina Schratt bereits in Kaiser Franz Josephs Leben getreten war, wusste Anna. Es kränkte sie sehr, zumal Franz Joseph an ihren Fenstern vorbei musste, um zur Schratt zu kommen.

Anna war außer sich, als Katharina eines Tages bei ihr nachfragte, ob sie das Haus verkaufen würde.

Bis zu Franz Josephs Lebensende hoffte Anna auf ein Zeichen oder eine Erklärung.
Sie bekam sie nie.

Anna kam weder über die Affäre, noch über seinen Tod hinweg. Zeit ihres Lebens liebte sie ihn bedingungslos, was ihre Ehe zur Hölle werden ließ.

Franz Nahowski trank im Überfluss und misshandelte seine Frau schwer. Anna litt still vor sich hin. Auch als „Er“ (sie schrieb immer nur „der Kaiser“ oder „Er“ in ihr Tagebuch) längst tot war.

Anna überlebte Kaiser Franz Joseph um 15 Jahre. Sie ruht am selben Friedhof wie Katharina Schratt. Eine Fügung des Schicksals, dass sogar im Tode ihre Erzfeindin in ihrer Nähe ist. 

Die gnädige Frau

Katharina Schratt, Foto: Wikimedia/Commons

Katharina Schratt
(*11.9.1853, †17.4.1940)

war die letzte (zumindest von der die Nachwelt weiß) und die bekannteste Affäre von Kaiser Franz Joseph.

Auch hier war die Frau wieder wesentlich jünger, jedoch kein halbes Kind mehr. Kaiser Franz Joseph war beim Kennenlernen bereits 55 Jahre alt, die Schratt 32.

Bis heute halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass er Katharina sogar heimlich geheiratet habe.

Im History Magazin vom Kurier konnte man folgendes lesen:

„Viel Staub wirbelte die Frage auf, ob der Kaiser „die gnädige Frau“, wie sie genannt wurde, miteinander verheiratet waren, zumal das Erzbischöfliche Ordinariat im März 1938 das „Trauungsbuch für Gewissensehen“ (=Geheimehen) vernichtete. Weil die Kirche damals Indiskretionen durch die eben einmarschierenden Nazis befürchten musste, gibt es keinen schriftlichen Beweis für die vielfach vermutete Eheschließung. Sehr wohl aber Aussagen durchaus glaubwürdiger Zeugen, denen die Eintragung vor der Vernichtung des Buches zu Augen kam. Einer, der das bestätigte, war der bekannte Politologe Norbert Leser. Und für den profunden Habsburg-Kenner Adam Wandruszka gab es „aufgrund der Fakten keinen Zweifel, dass Franz Joseph und Katharina Schratt verheiratet waren“. (13b)

Foto: Wikimedia/Commons
Zar Alexander III

Wie schon bei Reserl Pointinger überlasse ich jedem selbst, was er/sie/es glauben möchte.

Die Schratt, wie sie im Wiener Volksmund genannt wurde und Kaiser Franz Joseph lernten sich beim sogenannten „Antrittsbesuch“ beim Kaiser kennen. Hier machte sie aber keinen sonderlichen Eindruck, denn Franz Joseph blieb völlig unbeindruckt von ihr.

Als Burgschauspielerin und prominentestes Mitglied des Hofburgtheaters war sie zu großen Festen Wiens eingeladen, weshalb es nicht verwunderlich war, dass sie am „Ball der Industriellen“ war 1885 erschien.

Hier dürfte sie schon mehr Glanz und Gloria versprüht haben, denn dem Wiener Hof fiel auf, dass sich der Kaiser auffallend lange mit der Burgschauspielerin unterhielt.

Ab sofort war er bei jeder Aufführung, wo die Schratt spielte, zu Gast. Als diese 1885 in Ischl zum Gastspiel eingeladen war, freute dies den Kaiser ganz besonders. Dies blieb Elisabeth nicht verborgen und sie wollte „Die Schratt“ kennenlernen.

Ende August 1885 begegneten sich daher das Kaiserpaar, nach dem Gastspiel, welche noch ihren Freund Zar Alexander III (*26.2.1845, †20.10.1894) bei sich hatten und ihren Sohn Kronprinz Rudolf zum Souper.

Rudolf notierte in sein Tagebuch später, dass dieser Auftritt mehr als merkwürdig war, denn die Schauspieler nach dem Theater zum Souper zu Tisch dabei zu haben, war unüblich.

Doch hier lernte Elisabeth Katharina ungeniert kennen und merkte, dass ihr Mann dem jungen Ding zugetan war. Um sich endlich aus ihrer Ehelast zu befreien, kam ihr die Idee, ihrem einsamen Mann, die Schratt „zuzuführen“.

Foto: mutualart.com
Katharina Schratt
Bild: Heinrich Angeli, 1886

Um der Öffentlichkeit die Chance auf Klatsch und Tratsch zu nehmen, bestellte sie beim Maler Heinrich von Angeli (*8.7.1840, 21.20.1925) ein Bild von Katharina Schratt, um es ihrem Mann zu schenken. Damit galt die Kaiserin und der Kaiser als „befreundetes Paar“ der Schratt.

Gegen Ende der Sitzungen bei Meister Angeli arrangierte Elisabeth ein „zufälliges“ Aneinandertreffen ihres Gatten mit Schratt.


Der perfide Plan gelang und wurde zu einer der meistbeschriebenen Affären des 19. und 20. Jahrhunderts.

Immer gepaart mit der Frage: Haben die beiden oder haben sie nicht?

Kaiserin Elisabeth konnte sich jedoch in ihren Gedichten mit Spott und Hohn nicht zurückhalten.

Sie nannte die Schratt „dicklich“ und spottete in ihren Versen über den verliebten Oberon (Gestalt aus dem Sommernachtstraum, Shakespeare).

Foto und Illustration: Melissa Findley
Fantasiegestalt „Oberon“ nach Shakespeare
Dein dicker Engel kommt ja schon
 Im Sommer mit den Rosen.

Gedulde Dich, mein Oberon! 
 Und mach nicht solche Chosen! 

Sie bringt sich mit ihr Butterfaß, 
 Und läßt sich Butter bereiten, 
 Sie macht mit Cognac die Haare naß
 Und lernt am End noch reiten. 

Sie schnürt den Bauch sich ins Korsett, 
 Daß alle Fugen krachen. 
 Hält sich gerade wie ein Brett
 Und "äfft" noch andre Sachen. 

Im Häuschen der Geranien, 
 Wo alles so fein und glatt, 
 Dünkt sie sich gleich Titanien, 
 Die arme dicke Schratt. (13c)

Dieses Gedicht überlieferte die Nichte Marie Gräfin Larisch-Wallersee (*24.2.1858, †4.7.1940), welche, nach dem Selbstmord vom Kronprinzen nicht mehr in die Nähe ihrer Tante Elisabeth kommen durfte und vom Hof verbannt wurde.

Darauf hin schrieb sie einige Bücher, die Franz Joseph verbieten wollte und von Historiker/innen verpöhnt sind, da so vieles erfunden ist, dass man nicht weiß, was Wahrheit oder Lüge ist.

Laut Kaiserin Elisabeth Expertin und Biografin Brigitte Hamann (*26.7.1940, 4.10.2016) dürfte obiges Gedicht jedoch echt sein, weshalb ich es aufgenommen habe.

Elisabeth selbst schrieb dieses jedoch nicht in ihren (mittlerweile veröffentlichten) Gedichteband. Nachstehendes jedoch schon:

Was Ob'ron treibt, das kümmert nicht Titanien, 
 Ihr Grundsatz ist: Einander nicht genieren. 
 Frist einer Disteln gerne und Kastanien, 
 Sie selber will sie ihm offrieren (13d)

Katharina Schratt stellte sich jedoch als Glücksfall für den Kaiser heraus. Bald schon wurden tägliche Spaziergänge vereinbart und sie folgte ihm auch nach Ischl und an den Wolfgangsee.

In Ischl wurde eine Villa gekauft, die ca. einen 20minütigen Fußmarsch erforderte; aber beide nahmen diesen gerne in Kauf.

Der alternde Kaiser blühte auf.

Er war – wahrscheinlich – das erste Mal in seinem Leben glücklich. Auch wenn die Schratt weitere Affären nebenbei unterhielt, so war sie ihm stets eine loyale Freundin.

Kaiser Franz Joseph dürfte von den Affären geahnt haben, denn in den ca. 900 Briefen die erhalten sind, reagiert er sogar manchmal ziemlich eifersüchtig.

Aus heutiger Sicht konnten der Schratt drei Affären nachgewiesen werden:

  1. Graf Johann (Hans) Wilczek (*7.12.1837, †27.1.1922)
  2. König Ferdinand I von Bulgarien (*26.2.1861, †10.9.1948)
  3. ihr junger Schauspielkollege Viktor Kutschera (*2.5.1863, †20.1.1933)
Foto: Wikimedia/Commons
Hans Graf Wilczek
Foto: Wikimedia/Commons
König Ferdinand I von Bulgarien
Foto: Wikimedia/Commons
Viktor Kutschera

Allerdings kühlte sich das Verhältnis nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth merklich ab und 1900/1 gab es gar keinen Kontakt, da sie mit dem Kaiser stritt.

Doch ohne Katharina konnte Kaiser Franz Joseph auch nicht mehr und so fingen die beiden wieder an, sich unzählige Briefe zu schreiben bzw. stundenlang spazieren zu gehen.

„Unter all den Menschen, die sich nach den strengen höflichen Vorschriften bewegten und in vollendeten diplomatischen Formen irgendwelche schwer erkennbaren Ziele verfolgten, unter all den Menschen, vor denen man mehr oder minder auf der Hut sein mußte, auch wenn sie offizielle Berater waren, begegnete dem Kaiser ein Mensch, der so redete, wie ihm der Schnabel gewachsen war, der nichts von ihm wollte, dem gegenüber man sich selbst auch ungezwungen geben durfte, ohne etwas zu vergeben. Welche Labsal für den Vereinsamten! Und dieser Mensch hatte die wunderbare Gabe, fesselnd zu plaudern und den Kaiser mit vielem vertraut zu machen, das ihm auf seiner einsamen Höhe unbekannt geblieben war.“ (14)

Bis heute ist ungeklärt, ob die beiden eine leidenschaftliche Beziehung hatten oder ob das Ganze rein platonisch war.

Nun, ich persönlich denke, dass hier mehr im Spiel war. Denn wer diese Geschichte gelesen hat, wird merken, dass Franz Joseph ein sehr umtriebiger Mann gewesen ist.

Und mit Verlaub: Auch mit 55 Jahren ist ein Mann noch kein altes Eisen.

Beweisen lässt es sich heute natürlich nicht mehr, jedoch gibt es zahlreiche Hinweise aus den Briefen.

„Unendlich glücklich macht mich die Mittheilung, daß Eure Majestät von mir träumten – wie gerne möchte ich in Wirklichkeit während der Nacht am Bette Eurer Majestät sitzen. Gedankenküsse auf Hand und Mund.“ Kaiser Franz Joseph schrieb zurück: „…, daß Sie mir im Bette Audienz erteilen, wie Sie es mir halb und halb versprochen haben.“ (15)

Katrin Unterreiner schreibt in ihrem Buch „Kaiser Franz Joseph 1830 – 1916 Mythos und Wahrheit, Christian Brandstätter Verlag, Amalthea Verlag, 1. Auflage 2015:

„Katharina Schratt wurde zwar nicht im Testament Franz Josephs bedacht. Kürzlich entdeckte Verfügungen des Kaisers, wonach Katharina Schratt 2,5 Millionen Kronen – umgerechnet ca. 11 Millionen Euro – zusätzlich zu ihrer kostbaren Schmucksammlung und einem Ringstraßenpalais erhielt, sprechen jedoch eine deutliche Sprache – und sind bei einer reinen Freundschaft kaum vorstellbar.“ (16b)

Auch ein „Beweis“ sind die Zeilen über die „stille Woche“, wie sie Kaiser Franz Joseph nannte.

Die „stille Woche“ war in diesem Fall die Menstruation die natürlich die junge Schratt noch hatte.

Katharina lag in diesem Fall die ganze Woche in ihrem Bett. Schlecht dürfte es ihr dabei nicht gegangen sein, denn in einem Negligé empfing sie sehr wohl den Kaiser. Franz Joseph schrieb darüber, dass diese Stunden sehr gemütlich und vertraulich waren. 

Die Briefe von der Schratt sind nicht vollständig erhalten, jedoch die Briefe an die Schratt.

Wer sich mit ihnen beschäftigt, wird bemerken, dass sie nach und nach offener werden. Schrieb Kaiser Franz Joseph zu Beginn noch „Meine gnädige Frau“, wird dies zu „Meine liebe gnädige Frau“ und dann zu „Meine liebe Freundin“.

Zeit seines Lebens bleibt er per „Sie“ und unterzeichnete immer mit „Ihr treu ergebener Franz Joseph“.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph und Katharina Schratt

Kaiserin Elisabeth gegenüber erwähnte Kaiser Franz Joseph die Schratt in fast jedem Brief.

Sie wurde „die gute Freundin“ genannt und in einem dieser bat Kaiser Franz Joseph Sisi keinen Kurvorschlag an Katharina zu machen, da sie (Anmerkung Petra: Sisi) sowieso schon so mitgenommen aussehe und „die gute Freundin“ sich dazu verleiten ließe, trotzdem mitzumachen.

An Katharina wandte er sich mit der Bitte, die Kaiserin nicht genau anzusehen, da sie verherrend aussehe und er forderte sie auf, das Thema Gesundheit nicht anzuschneiden.

Aus diesen Zeilen entnimmt man, dass Franz Joseph von seiner „Engels-Sisi“ nicht los kam und Katharina dies auch unverblümt mitteilte.

Die Schratt eiferte Kaiserin Elisabeth in allem nach:
Figur, Frisur, Kleidung –
sie konnte sie nicht einmal ansatzweise erreichen.

Elisabeth spottete boshaft:

Sie schnürt den Bauch sich ins Korsett, 
Daß alle Fugen krachen, 
Hält sich gerade wie ein Brett
Und äfft noch andere Sachen 
Im Häuschen der Geranien 
Wo alles so fein und glatt, 
Dünkt sie sich gleich Titanien, 
Die arme dicke Schratt. (17)

Wer sich eingehender mit den Briefen von Franz Joseph an Katharina Schratt beschäftigen möchte, kann dies mit dem Buch von Brigitte Hamann „Meine liebe, gute Freundin! Die Briefe Kaiser Franz Josephs an Katharina Schratt“ machen.

Ich picke mir zum Abschluss für diesen Bericht einen heraus, den ich einfach „mal etwas anders“ fand. Es geht im Prinzip um Nichtigkeiten, zeigt aber einen privaten Kaiser.

„Ischl, den 16. Juli 1891.
Heute, theuereste Freundin, wirklich nur ein paar Zeilen, um Ihnen für Ihren lieben, guten Brief vom 13. innigst zu danken, den ich Vorgestern hier erhielt und zu melden, daß ich, wenn Sie erlauben, Morgen um 9 Uhr Früh hoch, oder vielmehr niedrig zu Roß, denn es ist nur ein Ponny, vor der Felicitas, Einlaß bittend, erscheinen werde. Ich hoffe, daß die Stunde keine zu frühe ist, da ich denke, daß die lieben Jünglinge Ihnen leider nicht lange Zeit zum Ausschlafen lassen werden. Gestern Früh habe ich bereits den neuen Übergang über die Ischl von rückwärts inspicirt und bin bis zum versperrten Thürl vorgedrungen. Über das Pfandl auf der Poststraße zurückkehrend, sah ich das neue gegen Räuber, Mörder und sonstige Zudringliche bestimmte Gitter und die neuen Einfahrtsthore auf der Vorderseite des Hauses. Von den Bewohnern war Niemand zu sehen, nur auf dem offenen Fenster des Bubenzimmers standen Gimpel und Kanari. 
Wie ich mich auf das morgige Wiedersehen freue, können Sie wohl denken und indem ich Ihnen eine recht gute, wo möglich ruhige Nacht wünsche und in Gedanken unzählige Stricherln(*) sende, bleibe ich Ihr treu ergebener 
Franz Joseph“ (18)

(*)Anmerkung Petra: Stricherln sind Busserl und Küsse

Das war es nun mit dem umtriebigen Kaiser und seinen Affären. Was alles wahr ist und wer erfunden ist, das überlasse ich jedem Leser selbst. Ich glaube, dass längst nicht alle „Gspusis“ (Kurzaffären) vom Kaiser historisch nachweisbar und belegt sind. Wer weiß, was sich hinter den verschlossenen Türen und Hecken der Hofburg/Schloss Schönbrunn/Schloss Schönbrunn Park und sonstigen Orten noch so getan hat.

Wenn ich nun die unehelichen Kinder zusammenzähle, käme ich auf die Zahl: 8 bzw. 9, wenn man glaubt dass die Affäre Katharina Abel gefruchtet hätte. 

Eine ungeheure Zahl, die stimmen könnte, wenn irgend etwas davon noch beweisbar wäre.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra
Bildrechte: billerantik.at, Wikimedia/Commons, amazon.de, dorotheum.com, Hubert Pointinger, Theatermuseum.at, absw.at, mugi-hfmt-hamburg.de, PressReader Kurier, Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek, wien.gv.at, Melissa Findley, mutualart.com 


Hinweis und Nachwort zum Buch Kaiser Franz Joseph ganz privat „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen!“ 1996/2005

(*) Gabriele Praschl-Bichler zu Joseph Cachée: Joseph Cachée war Beamter der österreichischen Schlösserverwaltung und Autor des Buches „Hofküche des Kaisers“. Er hat unzähliges Material von den Habsburgern zusammengetragen, starb aber 1987. 1994 übernahm Praschl-Bicher von den Erben Fragmente dieses Materials. Der Autorin fehlten Quellenangaben, Dokumente waren verloren gegangen und Textseiten fehlten. Trotzdem machte sie daraus das Buch „Kaiser Franz Joseph ganz privat „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen!“ 1


Literatur Hinweise:

1 – S. 46 – 47, 2 – S. 66, 17 – S.282
Friedrich Weissensteiner
Ich sehne mich sehr nach dir – Frauen im Leben Kaiser Franz Josephs
Amalthea, 2. Auflage 2012

3 – S 121, 6g – S. 277
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I – Kaiser von Österreich und König von Ungarn 1830 – 1916
C.H.Beck, 1. Auflage 2015

3 – S. 25, 13c – S 511/12, 13d S. 512 
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Amalthea, 11. Auflage, 1992

4 –  S. 36, 4a – S.38, 5a S. 92, 8a – S. 91/2, 8b – S. 110
Katrin Unterreiner
Kaiser Franz Joseph 1830 – 1916 Mythos und Wahrheit
Christian Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2006 (nur noch antiquarisch erhältlich) 

5 – S. 162-164, 5c – S. 162, 6f – S. 166, 8c – S. 164/5
Gabriele Praschl-Bichler
Kaiser Franz Josef ganz privat
„Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen!“
Amalthea Verlag, 3. Auflage 2005 (nur noch antiquarisch erhältlich)

5a – S.164, 8 – S. 162
Joseph Cachée, Gabriele Praschl-Bichler
Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen!
Amalthea, 1. Auflage 1994

6 – S. 23/4, 6a – S.30, 6b – S. 31, 6c – S. 86, 6d – S. 86/7, 6e – S.90,
Hubert Pointinger
Die Salzprinzessin: Die geheime Geliebte Kaiser Franz Josephs
Ueberreuter, 1. Auflage, 2007

7 – S. 101/2, 11 – S. 137, 11a – S. 140, 11b – S. 140
Hugo Portisch, Georg Markus
Unter uns gesagt: Begegnungen mit Zeitzeugen
Amalthea, 1. Auflage, 2008

9 – S. 42, 9a – 43, 13 – S. 141, 13a – S. 144, 11c – S. 151, 11d – S. 81
Friedrich Saathen
Anna Nahowski und Kaiser Franz Joseph
Hermann Böhlaus, 1. Auflage, 1986

10 – S. 148
Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859 – 1898, Band I
Herold 1966, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

12 – S. 217
Wolfgang Gratzer
Zur „wunderlichen Mystik“ Alban Bergs
Boehler Verlag, 1. Auflage, 1998 (nur noch antiquarisch erhältlich)

14 – S. 90
Hermann Mailler
Frau Schratt
Steffel Verlag, 1. Ausgabe, 1947 (nur noch antiquarisch erhältlich)

13b – S. 87, 15 – S 86, 87
History Geschichtsmagazin, Kurier
Kaiser Franz Joseph I – Zum 100. Todestag (nicht mehr erhältlich)

16b – S. 112
Katrin Unterreiner
Kaiser Franz Joseph – Mythos und Wahrheit
Brandstätter Verlag, 1. Ausgabe, 2015 (weiterhin erhältlich)

18 – S. 251
Brigitte Hamann
Meine liebe, gute Freundin! Die Briefe Kaiser Franz Josephs an Katharina Schratt
Ueberreuter Verlag, 1. Ausgabe, 1992 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Schloss Wallsee

Foto: Prinz Barbara
Schloss Wallsee

Vorwort Petra:

August 2018, als wir gerade einmal 8 Monate als Sternenkaiserin zusammen waren, plante ich eine Reise durch Niederösterreich. Es war eine 4-Schlösser Tour.

Begonnen hatte die Tour mit Schloss Wallsee, später ging es am selben Tag weiter zum Wasserschloss Totzenbach.

Tags darauf fuhren wir zum Renaissanceschloss Greillenstein und wieder einen Tag später zum Schloss Ruegers, dass uns bis in den September 2020 begleiten sollte.

Immer wieder waren wir im Letzteren zu Gast. Mittlerweile gibt es das Schloss Ruegers genauso nicht mehr, wie uns. Schloss Ruegers schloss zwar 2019 seine Pforten, ließ uns aber immer wieder shooten, das letzte Mal im September 2020. Im April 2021 trennten wir uns, im September 2021 wurde Schloss Ruegers verkauft.

Seit dem gibt es im Internet statt die Sternenkaiserin, die Mythos Kaiserin Elisabeth Seite. Die Beiträge zu den restlichen Schlössern habe ich gelöscht, da die mit Kaiserin Elisabeth nichts gemeinsam hatten.

Auch wenn im Renaissanceschloss Greillenstein eine gebürtige Elisabeth Prinzessin von Bayern, verheiratete Elisabeth Gräfin von Kuefstein lebt, hat das Schloss per se nichts mit Kaiserin Elisabeth zu tun. Gräfin Kuefstein stammt im übrigen von der Linie Erzherzogin Marie Valérie ab.

Schloss Wallsee hat deshalb etwas gemeinsam mit Kaiserin Elisabeth, da hier ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie mit ihrem Mann lebte.

Ich erspare euch die Einzelheiten zu Bauzeit, Bauherren und Grundrissen. Diesen Teil des Beitrages von Sabine habe ich gelöscht. Fakt ist, 1895 kaufte Erzherzog Franz Salvator das Schloss von Alfred Herzog Sachsen-Coburg und Gotha, da das Wasserschloss Lichtenegg in Wels aus allen Nähten platzte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Lichtenegg, Wels

Bei 4 Kindern stand Kaiserin Elisabeth an Valéries Seite.

Dazu reiste sie jedes Mal kurz vor den Geburten ins Wasserschloss Lichtenegg an und blieb bis zur Taufe oder zumindest bis kurz davor.

Sabine Rossegger ehemalige Sternenkaiserin:

Das Schloss war allerdings nicht im besten Zustand, als es Franz kaufte.

MarieValerieFranzSalvator
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Valerie und Erzherzog Franz Salvator

Das gesamte obere Geschoß war zu dem Zeitpunkt unbewohnbar, im Westteil des Schlosses waren alle Decken und Gewölbe in derart schlechtem Zustand, dass sie nicht mehr zu retten waren und daher erneuert werden mussten.

Ebenso mussten alle Fenster, Fußböden, Türen und die Holzstiege repariert werden, so auch das Dach. Der gesamte heutige Verputz wurde damals aufgebracht.

2 Jahre lang wurde das Schloss renoviert, bevor Erzherzogin Marie Valerie (*22.4.1868,†6.9.1924) und Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) und die immer größer werdende Familie am 4.9.1897 einzogen.

Die Bevölkerung des kleines Ortes freuten sich sehr über den Zuzug, galt die Kaisertochter für wohltätig und wohlwollend der Bevölkerung gegenüber.

Bald schon hatte sie den Beinamen

„der Engel von Wallsee“

Als Kaiserin Elisabeth das erste Mal zu Gast war, beschrieb dies Hofdame Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863,†3.9.1940) wie folgt: 

„Am 28. September (1897) verließen wir Meran und waren am nächsten Morgen in Wallsee, im neuen Heim der Erzherzogin Valérie. Die erzherzogliche Familie war erst vor kurzem hierher übersiedelt und es ist daher natürlich, dass die Kaiserin das herrliche Schloß und dessen Einrichtung mit größtem Interesse und auf das eingehendste besichtigte.
Wallsee übertraf alle unsere Erwartungen. Unser kurzer Aufenthalt war ein würdiger Abschluß dieser mit mancherlei angenehmen Erinnerungen verknüpften Reise, für deren prächtigen Erfolg am besten die freudige Überraschung sprach, die Seine Majestät bekundete, als er im Ofener Bahnhofe meine teure Kaiserin von mir übernahm.“
(1)

Das Schloss befindet sich nach wie vor im Besitz der Familie Habsburg-Lothringen und wird auch von ihr ständig bewohnt.

Zur Zeit von Ing. Andreas & Margaretha Habsburg Lothringen (Ur-Enkelin von Marie Valérie und Ur-Ur-Enkelin von Kaiserin Elisabeth) und deren 3 Kindern.

Das Schloss ist nicht öffentlich zugänglich!

Lediglich für Hochzeiten (Standesamt und eine kleine gotische Kapelle) wird ein kleiner Teilbereich des Schlosses geöffnet. 

Foto: Prinz Barbara

Den Besuch in Wallsee hatte Petra bis ins letzte Detail geplant, die Kleiderauswahl, den Hut – ein Originalstück aus 1897, ja sogar der Schirm – alles war von ihr festgelegt und vorgeplant.

Nichts wurde dem Zufall überlassen und wurde auf das Jahr abgestimmt 1897 in dem die Kaisertochter nach Wallsee zog.



Als wir auf das schwere schmiedeeiserne Tor zuschritten, an dem weithin sichtbar die Wappen von Marie Valerie und Franz Salvator erkennbar sind, öffnete es sich uns wie von selbst.

Am Eingang wurden wir von Margaretha Habsburg-Lothringen der Ur-Ur-Enkelin von Marie Valérie und ihrem jüngsten Sohn Alexander begrüßt.

Wir spazierten durch den Garten die lange Auffahrt zum Schlosstor entlang, an deren rechten Seite ist noch die steinerne Reithalle erhalten.

Durch das große Haupttor des Burgturms, auf dessen großen Mosaik die Brüder Eberhard und Heinrich von Wallsee dargestellt sind, gelangten wir in den großen Innenhof des Schlosses.

Durch ein weiteres Tor gelangten wir in einen zweiten, kleineren Innenhof in dem sich heute noch die privaten Wohnräume der Familie befinden.

In einer Ecke dieses Innenhofes steht ein alter Brunnen, der an die Zeit erinnert, als noch mit Holzleitungen das Wasser ins Schloss transportiert wurde.

Betritt man das Schloss, glaubt man, die Zeit wäre stehen geblieben.

Foto: Prinz Barbara
Bisquitstatute von Gödöllö
Kaiserin Elisabeth
Foto: Prinz Barbara
Lebensgroß
Erzherzog Franz Salvator

Das zweite Schloss erinnert eher an eine Burg aus dem Mittelalter und so ist der Innenraum eher dunkel und das dunkle Mahagoni und die kleinen Fenster, durch das die Sonne drang, erhellten den Raum nicht sonderlich.

Im gesamten Gebäude ist die kaiserliche Familie allgegenwärtig.

Petra entdeckte sogar eine Statuette vom Denkmal aus Gödöllö.

Kaiser Franz Joseph ließ von den schönsten Denkmälern kleinere Repliken anfertigen und verteilte diese in der Familie und an seine engsten Vertrauten.

Foto: Prinz Barbara

Deshalb gelangen solche Statuetten auch immer wieder z.B. ins Dorotheum Wien.

Eine Vitrine mit Andenken an die Kaiserin erinnert an deren Besuche bei ihrer Tochter (Anmerkung Petra: aus Respekt zeige ich diese Fotos nicht).

Am oberen Treppenende erinnert ein lebensgroßes Gemälde an Erzherzog Franz Salvator.

Danach war unser Besuch auch schon wieder vorbei und wir verabschiedeten uns von Margaretha Habsburg, ihrem Mann Andreas und den Kindern, die nach und nach von der Schule nach Hause kamen.

Sabine Rossegger



Nachwort Petra:

Nach dem Tod ihrer geliebten Mutter (der Beitrag kann hier gelesen werden) versuchte Valérie gemeinsam mit ihrer Schwester Gisela Prinzessin von Bayern (*12.7.1856,27.7.1932) den trauernden Kaiser zu trösten.

Er war gerne in Wallsee zu Gast war, um dort mit seinen Enkelkindern Zeit zu verbringen.

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Foto: Wikimedia/Commons
Die gesamte Familie; ca. 1905
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Foto: Wikimedia/Commons
Unterm Weihnachtsbaum in Wallsee, Zeitungsillustration, 1916

Am 10.12.1918 verstarb Erzherzog Franz Karl, der älteste Sohn von Valérie, im Schloss Wallsee an der Spanischen Grippe. Zuvor hatte sie ihn noch aufopferungsvoll gepflegt.

In der Entbehrungsreichen Nachkriegszeit half der „Engel von Wallsee“ der Bevölkerung wo sie konnte und versorgte diese mit Essen, Kleidung und Medikamenten.

Leider erkrankte sie selbst an Lymphdrüsenkrebs.

Erzherzogin Marie Valérie starb am 6.4.1924 im Kreise ihrer Familie in Wallsee. Sie ruht am örtlichen Friedhof von Sindelburg-Wallsee.

Sohn Theodor Salvator (*9.10.1899,8.4.1978) übernahm nach dem Tod seiner Eltern Schloss Wallsee. Seit dem ist es immer noch im Familienbesitz.

– Petra –


Im Ort Wallsee entdeckte ich eine Kuriosität, die ich hier in diesem Beitrag anschließen möchte.

Es gibt ein Kaiser Franz Joseph Denkmal mit dem falschen (!) Sterbejahr.

Niemand (!) konnte mir bis heute die Frage beantworten, wieso dieser Fehler passiert ist.

Ausgerechnet im Wohnort der Tochter, steht dieses Denkmal.

Meines Erachtens eine Peinlichkeit, die wirklich nicht sein müsste!

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Rechtliche Hinweise:

Vorwort + Nachwort + Layout: Petra
Text: Sabine Rossegger
Bildrechte: Prinz Barbara, Wikimedia/Commons, habsburger.net, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweis:

1 – S 166,
Irma Gräfin von Sztáray
Aus den letzten Jahren der Kaiserin Elisabeth
Amalthea Verlag, 3te Auflage, 2005

Elisabeth – Das Musical

Als 1955 der Sissi Film mit Romy Schneider über die Kinoleinwand flimmerte, konnte keiner erahnen, was das einmal auslösen würde. Was 1956 und 1957 mit Teil 2 und 3 noch weiter verkitscht wurde, wurde 1992 komplett anders dargestellt. Fans von Kaiserin Elisabeth haben zuerst das Musical gesehen und sich danach erst mit Elisabeth als Person beschäftigt.

Foto: Amazon.de

Das Musical hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Einen Hype, der bis heute ungebremst ist.

Am 3.9.1992 wurde in Wien im Theater an der Wien, unter dem scheidenden Intendanten Peter Weck, das Musical Elisabeth aus der Taufe gehoben. Ein Welterfolg, der anfangs so gar nicht die Kritiker ansprach. Im Gegenteil. Nach der Premiere war der Hohn und Spott hoch.

Aber beginnen wir von vorne:

Peter Weck, Foto: APA (Archiv)

„Mit Michael Kunze hatte ich die Idee für ein neues Musical besprochen, das wir in den Vereinigten Bühnen Wien produzieren wollten. Bei unseren Gesprächen landeten wir plötzlich bei – Michael Kunze brachte diese Idee ein – Kaiserin Elisabeth. Da ich selbst ja beim ersten Teil der Sissi-Filme mitgewirkt hatte, war es mir ein Anliegen, Kaiserin Elisabeth in unserer Version ohne jede Kitschverbrämung, als nicht als lieblich verzuckertes Geschöpf, sondern auf Basis der damals dank Historikerin Brigitte Hamann neu vorliegenden historischen Erkenntnis mit allen ihren Eigenheiten auf die Bühne zu bringen.“ (1)

Peter Weck über die Entstehungszeit von Elisabeth, an der er selbst 2 Jahre beteiligt war.

„Alle tanzen mit dem Tod, doch niemand wie Elisabeth…“ Ihre Zeitgenossen stehen in Lumpen und mit schwarzem Spitzentuch über dem Gesicht auf der Bühne und reden „immer noch von Elisabeth“.
So beginnt das Stück – naja mehr oder weniger. Eigentlich ist zuvor noch ein Prolog mit Lucheni, der von einem unsichtbaren Richter gefragt wird, warum er ausgerechnet Kaiserin Elisabeth umgebracht habe.

Er beantwortet die Frage mit „…weil sie es wollte“.

Man mag glauben, dass dies ein Satz ist, den tatsächlich ihre Zeitgenossen über sie gesagt haben. Aber die Texte und die Musik stammen von niemand geringeren als von Michael Kunze und Sylvester Levay, die zuvor die Schlagergemeinde mit ihren Songtexten und Musiktitel aufzumischen wussten. „Fly Robin fly“ wurde (und ist) ein Welthit.

Michael Kunze, Foto: Alexander Ch. Wulz

(2) Michael Kunze im Interview, wie Elisabeth – das Musical entstand. 7 Jahre sollte die Entstehung dauern; man kann also nicht sagen, dass sich Michael Kunze und Sylvester Levay das Stück leicht gemacht haben.

„Mit dem Blick auf die bevorstehende Milleniumswende wollte ich etwas über den Untergang des Habsburgerreiches schreiben. Ich bin studierter Historiker, und daher interessierten mich die Parallelen von Gegenwart und Vergangenheit. … Auch „Sisi“ wurde zwangsläufig erwähnt. Ich hatte allerdings nicht die geringste Lust, die unglückliche Kaiserin zur Hauptfigur einer Dramatisierung zu machen. Zu abschreckend war die Vorstellung, gegen das Klischee einer Filmfigur der 50er Jahre ankämpfen zu müssen. … Ich las alles über die Zeit vor und nach 1900, was mir in die Hände kam. Darunter waren die Tagebuchblätter des Vorlesers Constantin Christomanos. Darin fesselte mich eine Episode. Christomanos schildert, wie er Elisabeth nach einem Sturm an der Reling ihrer Jacht trifft. Sie weist ihn auf einen Möwenscharm hin, der dem Schiff folgt. Es seien immer dieselben Möwen, behauptet sie. Woran sie das erkenne, fragt der Vorleser. An der schwarzen Möwe in der vorderen Reihe. Die sei ihr vertraut. Als ich das las, wurde mir schlagartig klar, dass Elisabeth sich selbst als schwarze Möwe sah. Als Symbol des Untergangs. Von diesem Moment an wollte ich sie, allen Problemen zum Trotz, zur Hauptfigur des Werkes machen. ….“ (2)

Harry Kupfer, Foto: Lewin-Management.com

Harry Kupfer, der kongeniale Regisseur dieses Erstlingswerks von Peter Wecks „Vereinigte Bühnen Wien“, erinnert sich an die Begegnung und wie alles begann: „Die Oper ist mein eigentliches Spezialgebiet. … Ich hatte in Wien eine Produktion an der Staatsoper, wir hatten nachts gefeiert und auf dem Weg zur U-Bahn traf ich Peter Weck. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt nicht persönlich, doch er sprach mich an. …

Er fragte mich: „Haben Sie nicht mal Lust, ein Musical zu machen?“, und meine Antwort war: „Ja, wenn es ein gutes Stück ist, nicht so etwas, wo Musiknummern zu einer dürftigen Handlung zusammengeschmissen sind, würde ich das machen. Darauf er:

„Ich hab eins, „Elisabeth“. Da ist mir erst einmal der Kamm geschwollen, weil ich natürlich gleich an diese schrecklichen Sissi-Filme mit Romy Schneider dachte. Doch Weck meinte, das sei ganz anders, Michael Kunze und Sylvester Levay seien die Autoren und er würde mir das Libretto gleich morgen ins Hotel schicken. Das hat er dann auch getan, ich habe es gelesen und fand es gar nicht so schlecht….“ (3)

Der Rest ist Weltgeschichte.

Als er die Rolle von Elisabeth schrieb, musste er nach einem roten Faden im Stück suchen. Und so betrachtete Michael Kunze das Bild von Luigi Lucheni, der grinsend in die Kamera sah. Der jemanden getötet hatte, den er weder kannte, noch verstand. Das Opfer sollte jemand ganz anderer (Herzog d’Orléans) werden, als dieses nicht auftauchte, stach er auf die berühmte Frau ein, die weltpolitisch nie in Erscheinung trat.

Ethan Freeman, Foto: Jean-Marie Bottequin

Lucheni wurde der Erzähler eines Lebens. Ihres Lebens. Er verhöhnt ihr Leben und alle die sich rund um sie scharrten. Mit Gemeinheiten – auch in Richtung Publikums – spart er nicht. In „Kitsch“ bekommt das Publikum das zu spüren, was bis heute gilt: Die Sammelleidenschaft und die Begaffung einer Frau, die bis heute ein Geheimnis ist, ebnete zumindest nach 1955 nie wieder ab.

Gerade bei der jungen Kaiserin Elisabeth war das Interesse anfangs riesengroß. Das Volk wollte sein Recht an der jungen schönen Kaiserin haben; als diese floh und sogar ihre Kinder zurückließ, ebnete das Interesse immer mehr ab. Zu ihrem 50sten Geburtstag erschien lediglich ein kleiner Artikel in der Zeitung, dass die Kaiserin Geburtstag habe. Das Volk in der Dynastie Österreich-Ungarn nahm sie überhaupt nicht mehr wahr.

Mit den Sissi-Filmen jedoch begann ein Hype, der auch Elisabeth – das Musical nicht töten konnte. Bis heute stehen Elisabeth Häferl weltweit in Kästen, hängen Bilder an den Wänden und Postkarten stehen an Souvenirständen zum Kauf bereit. Auch Tattoos mit Sisi Schriftzug oder Konterfei sind mir schon begegnet.

Der „Kitsch“ kennt keine Grenzen. Luigi Lucheni hat im Stück recht, wenn er Schokolade in die Menge schmeißt und höhnisch dabei lacht, wenn er sieht, dass die Menge im Publikum gierig danach greift.

Ethan Freemann Foto: angelofmusical

Aber lassen wir Ethan Freeman zu Wort kommen:

„Ich flog zu den Auditions nach Wien. … Ich wurde mit einem musikalischen Leiter weggeschickt, um mit ihm „Kitsch“ zu erlernen, was ich dann noch am selben Tag mit den Noten in der Hand präsentiert habe. Ich kann mich erinnern, dass ich vorm letzten „Kitsch“ so richtig fies gelacht habe, das war wohl infektiös und damit war die Sache wohl entschieden. Ich hatte scheinbar für die Kreativen die richtige Kombination von Kraft, Gewalt-Potential, Aussehen und Stimme…“ (4)

Sylvester Levay verstand es wie kein anderer, das Stück mit seiner Musik zu beseelen. Man meint manchmal sogar, die reale Elisabeth von hören, wenn sie von dem „Kirschbaum“ träumt, auf den sie nicht darf, weil Maman eine Gesellschaft erwarte und ihr Vater die Zither nimmt und aus Possenhofen flüchtet. Die 15jährige Sisi sitzt verlassen am Boden und träumt von „Gedichten schreiben und Reiten mit dem Wind“ und hofft darauf, dass ihr geliebter, von ihr angehimmelter Vater sie mitnimmt.

Uwe Kröger Foto: Alexander Ch. Wulz

Doch Herzog Max hat wie immer kein Einsehen mit seiner Lieblingstochter. Sisi bleibt traurig zurück und muss sich dem strengen Ton ihrer Gouvernante hingeben und sich umziehen gehen…

Michael Kunze tat sicherlich Recht daran, Elisabeth mit dem Tod kokettieren zu lassen. Ihre Todessehnsucht erahnt man schon an ihren frühen Gedichten. Als ihr Schwarm Richard Graf von Schwarzenberg stirbt, schreibt sie Wehklagen in ihr Tagebuch. Hier ist das erste Mal von einer Todessehnsucht zu lesen. Elisabeth war zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt.

Wie sehr sich das verstärkt, sieht man im späteren Verlauf ihres Lebens. Der Tod sollte also ihr Liebhaber sein. Einer der sie versteht, nach dem sie greifen kann, wenn sie ihn braucht, aber ihr niemals zu Nahe kommen darf. Michael Kunze wählte bewusst die Gestalt von Heinrich Heine, um den jungen attraktiven Dichter in Szene zu setzen.

Uwe Kröger, Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Langhaarig, blond, androgyn – so schritt der erste Tod 1992 von der Feile zum Totentanz der Zeitzeugen herab. Niemand geringerer als Uwe Kröger besetzte diese Rolle. Dass er der erste Rusty in Starlight Express war, sollte damals niemanden interessieren. Kröger spielte mit der Rolle, mit dem Publikum und löste einen wahren Hype aus – einen den er sich später – nach dem seine Fans sogar Selbstmorddrohungen ausstießen, als er sich die Haare für die Rolle von Chris für Miss Saigon abschneiden ließ – bitter bereuen sollte.

Der Tod der uns alle im gewissen Sinne begleitet, löst einen Machtkampf mit dem Publikum aus. Folgt man ihm oder kann man sich ihm entziehen? In 25 Jahren waren alle Tod-Darsteller blond oder zumindest brünett. Fast alle langhaarig. Nach Uwe Kröger folgten Paul Kribbe, Addo Kruizinga, Felix Martin, Máté Kamarás, Rob Fowler und natürlich der letzte Tod: Mark Seibert – er ist das momentane Sexsymbol der Musicalwelt.

Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Pia Douwes war die erste Elisabeth. Sie lieh ihr Stimme, Aussehen, Charakter und Eigenschaften, die die wahre Elisabeth zu haben schien. Ihre Darstellung ist bis heute unangefochten mit dieser Rolle verwoben und verbunden.

Viele Elisabeths folgten auf 25 Jahre Welterfolg. Die bekanntesten neben Pia Douwes sind natürlich Maya Hakvoort, Annemieke van Dam und die letzte Roberta Valentini.

Fragt man Musicalfans der ganzen Welt, sind sich diese uneinig, wer nun „DIE“ Elisabeth sei.

Fragt man mich, würde ich uneingeschränkt Maya Hakvoort nennen. Ihre Stimme hat mich von der ersten Minute an gepackt und ließ mich nicht mehr los. Aber auch Roberta Valentinis Darstellung behagt mir sehr.

Sie ist vor allem konstant durchgehend eine Elisabeth, der man jede Station abnimmt. Derselbe „Streit“ entsteht bei den Rollen von Der Tod und Luigi Lucheni. Hier gibt es eigentlich auch nur 2 Antworten für mich: Paul Kribbe war und wird immer „mein“ Tod sein, danach folgt für mich persönlich Mark Seibert. Bei Luigi Lucheni tendiere ich zwischen Bruno Grassini und Kurosch Abbasi, aber auch Serkan Kaya gefiel mir außerordentlich gut. 

Aber was ist nun mit Kaiser Franz Joseph, Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Sophie, Graf Grünne, Kardinal Rauscher, Herzogin Ludovika, Néné usw. Viele von ihnen haben eine Stimme bekommen, ein paar sind nur Nebendarsteller und erscheinen wirklich nur am Rande.

Im Prinzip erstrahlt das Musical mit 3 Hauptdarstellern: Elisabeth, Der Tod, Luigi Lucheni. Der Rest ist in Nebenrollen oder winzigen Sequenzen zu sehen.

Pia Douwes, Foto: Jean-Marie Bottequin

Das Hauptlied des ersten Teils ist mit Sicherheit der Song „Ich gehör nur mir“. Hier bricht Elisabeth aus. Hier zeigt sie, dass sie nicht die Person ist, die sich einsperren, quälen, begaffen und berichtigen lässt, wie es allen anderen am Wiener Hofe passen würde. Allen voran natürlich Erzherzogin Sophie oder auch dem Kaiser, der sich weder gegen seine Frau, noch gegen seine übermächtige Mutter durchsetzen kann.

Der Text von „Ich gehör nur mir“, könnte genauso gut aus der Feder von Kaiserin Elisabeth per se stammen. Man könnte meinen, dem Schreiberduo ist dies aufs Notenblatt diktiert worden.
Egal wer dieses Lied im Stück singt – Gänsehaut ist vorprogrammiert. Dieses Lied ist das Herzstück des ersten Teiles, dass was Elisabeth ausmacht.

Aber auch Lieder wie „Milch“ (1992 noch an anderer Stelle als heute), Kaffeehaus-Szene oder „Nichts nichts gar nichts“ sind bezeichnend für den Weg von Elisabeth.

Der wütende Mob vor der Hofburg, der mit Milchkannen beinahe wie auf die Bastille zustürmt und um „Milch“ schreit, während die Kaiserin darin badet. Bezeichnend für ihren Schönheitskult „Unsre Kais’rin soll sich wiegen,
kämmen, pflegen und erfrischen“.

Was wir alle an Sisi bewundern ist ihre Schönheit, ihr ambivalenter Charakter, ihr exzessives Leben. Das Leben des Volkes aber berücksichtigen wir im Grunde unseres Herzens nicht, wenn wir die Bilder dieser strahlenden Schönheit in den Krinolinenkleidern bewundern. Das Volk hungert, friert und hat kaum das Nötigste, während Sisi in Milch badet, weil das ihrem Teint zu Gute kommt.

Wer jetzt das ungarische Krönungslied „Wenn ich tanzen will“ in der Aufzählung vermisst, wird bitter enttäuscht sein, wenn ich sage, dass dieser Song 1992 noch nicht auf der Welt war.

Uwe Kröger mit Rudolf-Darsteller, Foto: Alexander Ch. Wulz

Erst im späteren Verlauf der Geschichte kommt Kronprinz Rudolf vor. Zuerst als kleiner Junge, der verzweifelt nach seiner Mutter weint. Natürlich ist es „der Tod“ der den Kleinen tröstet, denn Rudolf hat die Melancholie seiner Mutter geerbt.

Im weiteren Verlauf wird im Duett „Wenn ich dein Spiegel wär“ klar, dass die Mutter ihren Sohn weder verstehen will, noch ihn jemals verstanden hat. Ihre Arroganz und Verbitterung gegenüber dem verzweifelnden Sohn wird mit Minute zu Minute klarer.

Bezeichnend ist es natürlich, dass der Tod in Gestalt mit einem verkleideten Todesengel der Mary Vetsera darstellt, auf Rudolf lauert. Der Schuss ist nur der Anfang von einem Ende, das schon lange vorher eingeläutet wurde.

Wenn Elisabeth weinend am Sarg ihres Sohnes, der sich durch die Bühnenkonstruktion langsam in die Erde absenkt, zusammenbricht ist meistens ein Raunen im Publikum zu hören: „Die arme Mutter…“

Die arme Mutter die mit „Rudolf, wo bist du“ ihre letzten Jahre einläutet. Depressiv, einsam, schwarz gekleidet, flieht sie vor ihrem eigenen Ich.

Pia Douwes, Viktor Gernot Foto: Alexander Ch. Wulz

Auf Cap Martin versucht ein alter, gebrochener, wehklagender, zerbrechlich wirkender Kaiser Franz Joseph seine Sisi noch einmal zur Umkehr zu bitten. Das Duett „Zwei Boote in der Nacht“ ist bezeichnend für das letzte Kapitel, für die Verbitterung Elisabeths niemals Verzeihen zu können.

Danach folgt unweigerlich Luigi Lucheni, der nach einem fürchterlichen Alptraum Kaiser Franz Josephs, wo er den Tod Elisabeths vor Augen hat, vom Tod die Feile in die Hand geworfen bekommt und losstürmt.

Bim-bim… die Schiffsglocke. Elisabeth und „der Schleier fällt“. Der Tod hat endlich seine Sisi im Arm, sie gibt sich dem hin, was sie Jahrzehntelang erträumt und sich nicht getraut hat: zu sterben…

Im Grunde ist damit die Geschichte erzählt, auch wenn ich hier natürlich Szenen ausgelassen habe, die unweigerlich dazugehören; aber ich möchte euch ja noch den Triumphzug quer durch die Welt erzählen…

Die komplette Cast der Weltpremiere am 3.9.1992 war:

Darsteller:
Kaiserin Elisabeth                  Pia Douwes
Der  Tod                            Uwe Kröger
Luigi Lucheni                       Ethan Freeman
Kaiser Franz Joseph                 Viktor Gernot
Erzherzogin Sophie                  Else Ludwig
Kronprinz Rudolf                    Andreas Bieber
Kronprinz Rudolf Kind               Markus Neubauer
Herzog Max in Bayern                Wolfgang Pamperl
Herzogin Ludovika/Frau Wolf         Christa Wettstein
Helene von Wittelsbach              Rebecca Rashid
Ludwig Graf Grünne                  Peter Faerber
Kardinal Rauscher                   Dean Welterlin
Felix Fürst zu Schwarzenberg        Harald Hofbauer
Baron Hübner                        Günther Schulz
Baron Kempen                        Eric Minsk
Gräfin Sztáray                      Nicole Sieger
Gräfin Esterhazy-Liechtenstein      Isabella Fritdum
Maximilian von Mexiko               Stanislaus Meus
Mary Vetsera                        Marion Wilmer
Junger Ungarischer Adeliger         Frank Lohmann
Graf Andrássy und Graf Bathyány     Aris Sas
Fanny Feifalik                      Gabriela Kuhn
Eine Hofdame                        Marika Lichter
Eine Gouvernante                    Ina Retzbach
Ein Professor                       Christian Hauser
Fräulein Windisch                   Jasna Ivir
Todesengel                          Michael Bernhard
                                    Steven Bernier
                                    Theresa Bomme 
                                    Daniela Colantuanto

Kreativ Team:
Regie                            Harry Kupfer
Musikalische Leitung             Caspar Richter
Choreographie/Musical Staging    Dennis Callahan
Bühnenbild                       Hans Schavernoch
Kostüme                         Reinhard Heinrich
Lichtgestaltung                  Hans Toelstede
Tongestaltung                   Erich Dorfinger

Nach dem tosenden Applaus des Premierenpublikums der Schock. Die Presse verriss das Stück, Peter Weck und alle Darsteller. In den Feuilletons der Zeitungen stand sowas wie:

„Was für ein Kaiserinnen-Schmarren“ (Presse), die weiter schrieb: „Nichts, aber auch wirklich gar nicht, haben die Autoren unternommen, um der Gefahr der Verkitschung zu entgehen.“

„Munter geht die Sissi unter“, hieß die andere Schlagzeile. „Sie sind aber auch allesamt, die Darsteller von geringem Format (Kurier).

„Was einst vom Hauch der Hohen Kunst umfächelt war, hier brettert Kupfer die gleichen Mittel, nur etwas angeschmuddelt auf die Bühne“ (Der Standard).

„Kunzes Text macht Elisabeth zum Nachtschattengewächs. Ein großer Musicalwurf ist es nicht! (Kronen Zeitung) usw.

Doch was die Kritiker nicht bedachten war das Publikum.

Elisabeth wurde wie kein zweites Musical zuvor und danach geliebt. Einzig „Tanz der Vampire“ kann denselben Erfolg verbuchen, wie Elisabeth 1992.

Aber Tanz der Vampire eröffnete erst am 4.10.1997, mit einem grandiosen Steve Barton, die Pforten.

Peter Weck erzählt:

„Das Medienecho war für die Darsteller natürlich furchtbar deprimierend. Um mein Ensemble zu trösten und zu beruhigen, allen das verdiente Lob auszusprechen, ging ich damals von Garderobe zu Garderobe und habe Künstlerinnen und Künstler aufgebaut und ihnen versichert, dass diese Kritiken nicht gegen sie, sondern einzig und allein gegen mich gerichtet seien. … Der Erfolg beim Publikum aber wog alles auf, und Elisabeth hat letztendlich bewiesen, dass ein „Kaiserinnen-Schmarrn“ kein Schmarrn sein muss.“ (5)

Maya Hakvoort Foto: Alexander Ch. Wulz

Die Saison von Elisabeth dauerte 4 Jahre und wurde bis am 25.4.1998 gespielt. Mozart löste Elisabeth im Elisabeth Jahr ab – zum 100jährigen Todestag von Kaiserin Elisabeth (10.9.1998) ertönte Mozart aus den Mikrophonen der VBW Darsteller.

Ab 1994 übernahm Maya Hakvoort die Rolle der Elisabeth und spielte diese bis zum 25.4.1998. Mit ihr gingen und kamen neue Gesichter. Uwe Kröger spielte noch eine Zeitlang, genauso wie Andi Bieber, Viktor Gernot, aber auch sie wurden durch Paul Kribbe, Thomas Harke oder Leon van Leeuwenberg mit der Zeit ersetzt und auch hier gab es später wieder einen Castwechsel.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Foto: Theater des Westens

Pia Douwes über ihre Rolle:

„Ich war zunächst platt, ich war fertig. Diese Rolle hat mich sehr mitgenommen – aber auch diese Frau. Ich erkenne mich in ihr. Ich verstehe ihre Depressivität, und wie es ist, manchmal überfordert zu sein, mit zu vielen Menschen. Ich verstehe ihre Tierliebe, Liebe zur Natur und zu Sprachen. Ich habe sie so gut verstanden, dass ich sie mit nach Haus genommen habe, und musste erst nach und nach lernen, sie im Theater zu lassen.“ (6)

Über die Rolle zum „Tod“ befragt, die er nachhaltig kreiert hatte, gab Uwe Kröger die Antwort:

„Bei der Erarbeitung der Rolle hat mir sehr geholfen, dass Harry Kupfer eine ganz präzise Vorstellung von dem hatte, was der Tod macht – vor allem in „Der letzte Tanz“. Das ist der Bruch des Surrealen – ein Geist zu sein, für den es sich seltsam anfühlt, menschlich zu sein. Man ist ein Gott des Universums, der unfassbare Gevatter Tod – und doch hat man so etwas wie menschliche Gefühle. Die Figur darf nie eindimensional werden – das war Harry Kupfer ganz wichtig.“ (7)

Ichiro Maki (Tod), Hanafusa Mari (Elisabeth) 1996, Japan, Foto: Takarazuka Revue Theater

Was danach folgte, ist legendär für dieses Stück. Es ging um die Welt.

Seit 16.2.1996 (immer wieder mit Unterbrechungen) spielt Elisabeth in Takarazuka Revue Theater in Takarazuka; also in Japan.

Ungarische Aufführung Foto: RoseDiMontague

Am 17.8.1996 folgte die Aufführung in Ungarn. Die Freilichtbühne Szeged war dabei das Ziel. Ab 6.10.1996 wurde es dann im Operettenhaus Budapest gespielt.

Die schwedische Aufführung fand am 30.9.1999 ihre Premiere. Im Musiktheater i Vármland in Karlstad wurde es dann bis zum 9.1.2000 gezeigt.

Pia Douwes in Scheveningen, Foto: Joop van den Ende Theaterproducties

Auch in Holland hielt das Stück Einzug. Genauer gesagt in Scheveningen im Circustheater wurde es ab 21.11.1999 bis 22.7.2001 gespielt. 1999 übernahm die Rolle niemand geringerer als Pia Douwes.

Am 6.6.2000 war im Imperial Garden Theater in Tokio/Japan die Premiere.

Uwe Kröger und Pia Douwes in Essen, Foto: tansytrading.weebly.com

Deutschland musste bis zu seiner Erstaufführung bis ins Jahr 2003 warten. Essen war das auserkorene Ziel.

Das Colosseum Theater lud ab 22.3.2001 bis 29.6.2003 zum Musical ein. Elisabeth und Der Tod wurden von Pia Douwes und Uwe Kröger dargestellt.

Zum 10. Jahrestag des Stückes, lud man die illustren Gäste ins Wiener Konzerthaus. Das Konzert fand am 21.10.2002 statt. Besetzung waren u.a. Pia Doues, Maya Hakvoort, Uwe Kröger, Felix Martin, Ethan Freemann, Thomas Borchert, Viktor Gernot, Else Ludwig, Andi Bieber und Wolfgang Pampel. Viktor Gernot schlüpfte zum definitiv letzten Mal in die Uniformsjacke. Er verließ bereits 1997 das Genre Musical, um ab diesem Zeitpunkt mit den Hektikern Karriere zu machen. Mittlerweile ist er ein gefeierter Comedian und Solokünstler.

Maya Hakvoort und Maté Kamarás, Foto: VBW

Ab 6.10.2003 bis 4.12.2005 kam Elisabeth wieder zurück nach Wien. Maya Hakvoort übernahm erneut die Elisabeth. Máté Kamarás wurde Der Tod und Serkan Kaya Luigi Lucheni.

André Bauer, Maté Kamarás, Maya Hakvoort, Foto: Alexander Ch. Wulz

Maya Hakvoort über die Rolle ihres Lebens: „Ich wollte so nah wie möglich an das Original herankommen. Ich wollte zeigen, wer Elisabeth wirklich war. Um das auf der Bühne glaubhaft zu vermitteln, habe ich wahnsinnig viel über sie gelesen und bin an viele Orte, an, welchen sie auch war, gereist. Ich war auf Korfu, Madeira, natürlich in Bad Ischl und Wien. Aber auch im Schloss Gödöllö in Ungarn und auch sonst bin ich viel durch Ungarn gereist, da ich wusste, wie viel Elisabeth dieses Land bedeutete.“ (8)

Maya Hakvoort vor dem Schloss Miramare in Triest, Foto: Rolf Bock

2x gastierte Elisabeth in Triest im Schloss Miramare. Vom 21.7. – 27.7.2004 und vom 31.7. – 6.8.2005. Beide Male begrüßte Maya Hakvoort ihr Publikum. Ihr zur Seite standen Thomas Borchert als Der Tod und Bruno Grassini als Luigi Lucheni.

Nach Deutschland kehrte es am 6.3.2005 zurück. Im Apollo Theater in Stuttgart gastierte es bis zum 17.9.2006. Nur einige Gastvorstellungen wurden von Pia Douwes gespielt.

Thérèse Karlsson, Tomi Metsäketo. Foto: Turun kaupunginteatteri, Robert Seger

Auch das finnische Publikum durfte sich über unsere Kaiserin Elisabeth freuen. Vom 23.9.2005 bis 30.12.2006 wurde es in Turku im Turun Kaupunginteatteri gespielt.

Die Schweizer Fangemeinde freute sich über Elisabeth in Thun bei den Thuner-Seespielen. Es gastierte vom 19.7. bis 30.8.2006 auf der wunderschönen Seebühne.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Berlin Foto: Theater des Westens

Uwe Kröger und Pia Douwes kehrten als Der Tod und Elisabeth nach Berlin auf die Bühne zurück. Vom 20.4. bis 27.9.2008 feierten sie im Theater des Westens furiose Erfolge.

Annemieke van Dam, Foto: VBW

Annemieke van Dam übernahm erstmalig die Rolle bei der großen Europatournee, die sie vom 17.10.2008 bis 25.4.2010 durch Zürich, Antwerpen, München, Frankfurt, Bremen, Bregenz und Düsseldorf führen sollte. Der Tod wurde Oliver Arno, aber auch Uwe Kröger übernahm immer wieder Gastauftritte.

Die zweite Europatournee wurde am 11.10.2011 gestartet und lief bis zum 6.5.2012. Die Städte waren: Köln, Frankfurt, München, Basel, Essen, Bremen, Chemnitz, Erfurt, Leipzig, Dresden, Triest.

Annemieke van Dam übernahm wieder die Elisabeth und Der Tod wurde niemand geringerer als Mark Seibert. Man kann sagen: Er kam – sang – und siegte. Nach Uwe Kröger sollte kein weiterer Tod diesen Hype miterleben, wie Mark Seibert. Seine weitere Karriere ist bis heute grenzenlos: Mozart, Schikaneder, Tanz der Vampire – um nur einige Stationen zu nennen.

Mark Seibert Foto: Herbert Schulze

Mark Seibert über die Rolle: „In einem Musical sind die Rollen in gewisser Weise wie ein Korsett vorgegeben. Man hat die Texte, die Songs und auch das „Staging“ – also die Form, wie ein Darsteller in der Szene agieren muss. Die technischen Abläufe sind im Musical sehr klar festgelegt, und diese Vorgaben bieten nicht sehr viel Freiraum. Doch bei der Interpretation einer Rolle wird einem immer ein gewisser Spielraum eingeräumt, innerhalb dessen man agieren und sich entfalten kann. So durfte ich die Rolle des Todes trotzdem mit meiner eigenen Note versehen und sie zu der meinen machen.“ (9)

Und wer glaubt, dass dieser Triumphzug schon alles war, irrt.

Korea Foto: SCE.PLAY.ssongbs

Selbst Korea war im Elisabeth Fieber. Vom 9.2. bis 13.5.2012, 26.7. bis 7.9.2013 und 14.9. bis 20.10.2013 wurde es an verschiedenen Theatern und Orten aufgeführt. Mit dabei Seoul, Busan, Daegu, Gwangju und Changwon.

Daniela Ziegler, Annemieke van Dam, Foto: barbara2446

Die 20jährige Jubliäumsproduktion wurde wieder in Wien – diesmal im Raimundtheater – eingeläutet. Vom 5.9.2012 bis 1.2.2014 durfte das Publikum wieder „ihre“ Elisabeth in Wien sehen. Cast war niemand anderer als Annemieke van Dam als Elisabeth, Der Tod Mark Seibert und als Luigi Lucheni war erstmals Kurosch Abbasi in Wien zu sehen. Hier gab es eine ganz besondere Erzherzogin Sophie zu hören.

Niemand geringerer als die Grand Dame des Schauspiels und Gesangs Daniela Ziegler – „die“ Norma Desmond aus Sunset Boulevard – übernahm diesen Part.

Roberta Valentini, Maximilian Mann in Shanghai/China, Foto: Liza Makepise
Plakat zum Konzert in Osaka mit Maya Hakvoort, 2012, Foto: kultur-channel.at

Aber auch Osaka/Japan durfte sich über ein 20jähriges Jubiläumskonzert freuen. Vom 15.10. bis 22.10.2012 und vom 26.10. bis 31.10.2012 gastierte es erneut in Japan. Mit dabei waren Maya Hakvoort, Máté Kamarás, Lukas Perman, Bruno Grassini, André Bauer usw. 

Als es endlich nach China kam, war der Aufschrei in der Presse riesengroß. Niemals zuvor hat es ein Stück der VBW nach China geschafft. Vom 12.12.2014 bis 11.1.2015 gastierte in Shanghai Elisabeth. Und hier treffen wir auf die vorletzt letzte Elisabeth: Roberta Valentini. „Ihr“ Tod war natürlich Mark Seibert, Luigi Lucheni Kurosch Abbasi.

Roberta Valentini Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Roberta Valentini über Elisabeth: „Sie ist eine starke, selbstbewusste und liebende Frau. Viele sagen, dass sie egoistisch sei, was sicher auch in gewisser Weise stimmt. Aber sie ist auch eine einfühlsame und liebende Frau. Diese Balance zu spielen ist schwer und gleichzeitig auch das Reizvolle daran.“ (10)

Mit dieser Besetzung ging die 3te und vorläufig letzte Europatournee los. Vom 25.2.2015 bis 14.2.2016 führte die Tournee nach Essen, München, Linz, Frankfurt und Berlin

Und wer Elisabeth jemals gesehen hat, wird wissen, dass dies nicht die letzte Aufführung gewesen sein wird.

Auch wenn sich das Stück im Laufe der Zeit verändert hat, Lieder hinzugeschrieben, Szenen verschwanden oder umgeändert oder neu platziert wurden, so ist dieses Musical etwas ganz besonderes. Auch, wenn mir persönlich nicht alle Änderungen gefallen und ich so manch Kostüm scheußlich finde – der Charakter ist geblieben. Aber 1992, ja 1992 war etwas ganz besonderes. Und wer dabei war, wird jetzt ein kleines Lächeln auf den Lippen haben… 

Zum Schluss möchte ich noch Sylvester Levay zu Wort kommen lassen, der sicherlich am meisten geprägt wurde. Seine Frau Monika Levay ist eine anerkannte Expertin und Sammlerin. Ihre Original Exponate waren schon oftmals in mehreren Ausstellungen zu sehen; oft wird sie zu Expertisen rund um Kaiserin Elisabeth herangezogen. Sylvester Levay kann Kaiserin Elisabeth gar nicht entfliehen – immerhin bewohnt er einen Teil im Schloss Schönbrunn und hat sie somit täglich vor Augen.

„Wir wollten kein Musical, wie es auch wunderbare Stücke am Broadway gibt, schreiben, in denen Lieder von kurzen Texten, in denen die Geschichte erzählt wird, unterteilt werden. Bei uns sollten nur die wichtigsten, kurze Sätze in der Stille wirken, sonst wollten wir immer eine Untermalung, damit die emotioniale Bedeutung und Tiefe der gesprochen Worte durch die Musik noch besser vermittelt wird.“ (11)

Sylvester Levay Foto:  ooe.orf.at

Und das können wir so stehen lassen…

Bleibt nur noch eines, was es zu sagen gibt:

Wir Zuseher müssen auch mal DANKE sagen:

DANKE LIEBER MICHAEL KUNZE, SYLVESTER LEVAY, PETER WECK, HARRY KUPFER, PIA DOUWES, UWE KRÖGER, ETHAN FREEMANN, MAYA HAKVOORT, MÁTÉ KAMARÁS, ROBERTA VALENTINI, MARK SEIBERT UND ALLE ANDEREN

(WER NICHT AUFGEZÄHLT WURDE, SOLL SICH BITTE NICHT BENACHTEILIGT FÜHLEN).


Danke für die wunderbaren Theaterstunden. Wir freuen uns bis zur nächsten Aufführung, wenn es wieder heißt:

Alle tanzten mit dem Tod,

doch niemand wie …

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 

– Petra –


Rechtliche Hinweise: 

Text: Petra 
Bildrechte: ooe.orf.at, La Belle/Juliane Bischoff, Liza Makepise, barbara2446, SCE.PLAY.ssongbs, VBW, Thuner Festspiele, Theater des Westens, Robert Seger, Rolf Bock, Alexander Ch. Wulz, tansytrading.weebly.com, tansytrading.weebly.com, Joop van den Ende Theaterproductions, Jean-Marie Bottequin, Amazon.de, angelofthemusical, APA (Privat), lewin-management.de, Takarazuka Revue Theater, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise: 

1 – S 299/300, 5 – S 303
Peter Weck
War’s das?
Amalthea 2010, 1. Auflage

2 – S 4, 3 – S 10, 4 – S 35, 6 – S 21, 7 – 27, 8- 99, 9 – S 171, 11 – S 8
Blickpunkt Musical
Elisabeth

10 – S 7
Blickpunkt Musical
Elisabeth – Shanghai & Europa Tournee 2015/16

Verlobung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 4)

Elisabeth Herzogin in Bayern als Verlobte
dahinter der Starnbergersee
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht?

Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen.

Das die Sissi Filme an den Haaren herbeigezogen sind, erwähne ich beinahe in jedem Beitrag.

Dass aber gerade die Kennenlernszene und alles weitere bis zur Verlobung, nichts als der reine Kitsch und eine hübsche Mär ist, um den von krisengebeutelten Land ein bisschen Idylle einzuhauchen, möchte ich heute gerne erzählen.

Denn leider sind die Filme bis heute zu viel in den Köpfen der – vor allem Frauenwelt – verankert, die diese glauben und für die volle Realität halten.

Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag Seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene Herzogin in Bayern

Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene „Néné“ Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890).

Kürzlich hat ein Ludovika Biograph gemeint herausgefunden zu haben, dass die Geschichte mit Néné gar nicht stimme. Es soll immer schon Elisabeth gewesen sein, die für Franz Joseph bestimmt gewesen sei und alle Historiker würden sich irren. Ähhh….

Ich vermag mir den Seitenhieb nicht verwehren, dass auch Historiker irren können, oft genug habe ich dies in meinen Beiträgen schon bewiesen und auch jetzt muss ich wieder etwas richtigstellen.

Manches Mal wird über das Ziel hinaus geschossen und Papier ist bekanntlich geduldig und so mancher Lektor leider nicht imstande das Gelesene zu verbessern.

Denn schon Egon C. Conte Corti (+2.4.1866, 17.9.1953) hat 1934 die Story in seiner sehr gut recherchierten Biographie „Elisabeth, eine seltsame Frau“, welche damals noch mit lebenden Augenzeugen gespickt war, aufgegriffen und erzählt.

Er bekam als Einziger Einsicht in mitterweile längst verschwundene, verbrannte oder absichtlich zerstörte Unterlagen und so stützen sich Historiker aus aller Welt bis heute auf seine Bücher.

Vor Conte Cortis Biographie gab es kleinere Bücher oder Broschüren welche im Auftrag von Kaiser Franz Joseph direkt nach dem Tode seiner geliebten „Engels-Sisi“ nur intern für seine Familie und als Erinnerung für die Offiziere veröffentlicht wurden.

Tief vergraben in so mancher Bibliothek kann man sie finden und ich habe sie gefunden. Auch hierin ist zu lesen, dass nicht Elisabeth die erste Wahl war, sondern Néné Kaiserin werden sollte.

Foto: Wikimedia/Commons
Sidonie Prinzessin von Sachsen

Doch dem Kaiser gefiel sie nicht, wie zuvor schon die arme Sidonie von Sachsen (*16.8.1834, 1.3.1862), die als Jungfrau sterben musste, weil sie Franz Joseph nicht schön genug war.

Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers. 

Der Bericht zu Franz Josef und seine Frauen kann hier nachgelesen werden. Natürlich war Helene in Bayern nicht die schönste Tochter von Ludovika, dies kann auf den Bildern von ihr sogar heute noch gesehen werden. In vielen Biografien ist sogar zu lesen, dass sie wie eine Bauernmagd ausgesehen hat, sie geschielt habe und generell grobschlächtig war.

Auf Seite 434 der Ludovika Biografie listet der Autor Fehler von Autoren auf, die in weiterer Folge auch von anderen Historikern übernommen wurden.

Nun gut, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, denn er selbst schreibt, dass die Verlobung am 19.8.1853 stattgefunden habe.

Ich finde es generell schade, wenn ein Historiker, andere verheizt und er selbst greift immer wieder Autorin Praschl-Bichler an, nimmt sich aber nun heraus, diese in seinem Ludovika-Buch immer und immer wieder zu zitieren. In seinem Kapitel „4 Tage in August“ geht es nur darum, Hamann, Conte Corti, Haslinger, Praschl-Bichler, Graf usw. mit seiner These, dass Helene nie für Franz Joseph vorgesehen war, anzugreifen.

Mir liegt das Buch der Grazer Universitätsbiblithek vor und zu Recht bin ich wohl die Erste, die das Buch in Händen hält, denn es ist völlig ungebraucht und ungelesen. Mittlerweile ist das Buch auch nicht mehr erhältlich am Markt. Manches regelt sich von allein.

Nun aber zurück zur Verlobung und zu den Historikern, denen ich nahezu ungeschaut vertraue und die heißen nun einmal: Graf, Schweiggert, Hamann (auch wenn sie Fehler gemacht hat), Conte Corti und Unterweger (noch vor ihrem Luzi-Wuzi Desaster).

Sophie suchte also fieberhaft in ihren eigenen Reihen eine geeignete Braut und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war.

„Die Mutter hat ihn ganz in der Hand, er wird ihr völlig gehorchen. Wer weiß, wie lange noch. Jetzt wird er vielleicht ohne Widerspruch die Braut annehmen, die sie, Sophie, für ihn ausgesucht hat. Schon längst hat sie mit ihrer Schwester in München den Plan besprochen, deren älteste Tochter Néné mit ihrem Sohne Franz Joseph zu vermählen. Das Projekt einer Verbindung mit der schönen und klugen Tochter des Palatins Joseph von Ungarn findet nicht ihrer Billigung.“ (1a) (Anmerkung Petra: gemeint war Erzherzogin Elisabeth Franziska; die Geschichte dazu, könnte ihr hier nachlesen).

Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth, in der Familie liebevoll „Sisi“ genannt mit, welche ihr gerade schwere Sorgen bereitete.

Sie hatte sich unstandesgemäß in Richard Graf von Schwarzenberg verliebt, welcher ihr den Kopf gehörig verdreht hatte.

Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Elisabeths Umfeld entfernt. Er wurde zum Militär geschickt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später.

Elisabeth war untröstlich.

Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen -
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (1)
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Elisabeth als 14jährige; das Erste bekannte Foto von ihr

Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie.

Zeit ihres Lebens sollte sie ihren Jugendfreund, der nie näher deklariert wurde, vergessen.

Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte.

Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, 19.5.1896) die Wunden heilen könne.

Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus.

Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Elisabeth ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab. 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Ludovika Königin von Preußen und Firmpatin Elisabeths

Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Ischl.

Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester.