Ludwig Viktor Joseph Anton Erzherzog von Österreich oder auch Luzi-Wuzi

Foto: Wikimedia/Commons, Bild: Victor Angerer Erzherzog Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“

Wir gedenken heute des Todestages von Ludwig Victor Joseph Anton Erzherzog von Österreich. Er wurde am 15.5.1842 in Wien geboren.

Nach dem Erzherzog Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) und Erzherzog Franz Karl (*7.12.1802, †8.3.1878) zwei Jahre zuvor ihre geliebte Tochter Ännchen (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) verloren hatten, hofften sie, dass die erneute Schwangerschaft eine Tochter hervorbringen würde. Etwas Enttäuschung war der Mutter anzusehen, als sie den vierten Buben entbunden hatte. Trotzdem wurde er schnell der Star in der Familie.

Sophie verhätschelte „Luzi-Wuzi“ oder „Luziwuzi“ (beide Schreibweisen sind korrekt) – wie er in der Familie und auch als Erwachsener genannt wurde – bis auf Äußerste, weshalb das Nesthäkchen von Franzi, Maxi und Karli misstrauisch und neidvoll beäugt wurde. Die drei Buben waren natürlich niemand geringere als der zukünftige Kaiser Franz Joseph (Franzi), Lieblingssohn und Sophies Herzipinki Erzherzog Ferdinand Maximilian (Maxi) und Erzherzog Karl Ludwig (Karli).

Ludwig Victor erhielt dieselbe schulische Ausbildung wie seine Brüder, allerdings war seine Mutter bei weitem nicht mehr so streng und mit Drill dahinter wie bei Franzi und Maxi, weshalb sich der Bub so manche Späße mit seinen Hauslehrern erlaubte. Schon Max hatte einige Freiheiten mehr, als der von Gott begnadete auserwählte erstgeborene Franz, der zum Teil völlig isoliert aufwachsen musste.

Schon früh fiel bei Luzi-Wuzi jene Begabung auf, die später gefürchtet war. Er konnte sehr gut mit seiner spitzen Zunge zynische Bemerkungen fallen lassen. Als Bub diente dies noch der Belustigung der Hofdamen von Sophie, zumal der blondgelockte Ludwig Victor ein sehr hübscher Knabe war. Später war er für seine spitze Zunge, pointierten Aussagen, tiefschwarzen Bemerkungen, gesponnenen Intrigen und hinterlistigen Geschichten über das Kaiserhaus gefürchtet.

Foto: Wikimedia/Commons, Luzi-Wuzi bei der Aufführung eines Bühnenstücks

Ebenfalls zeitig fiel seine Passion auf, sich in Frauenkleidern zu zeigen. Zuerst verkleidete er sich nur im Fasching oder wenn er jemanden nachäffen und diese Darstellung besonders treffend darstellen wollte. Franzi, Maxi und Karli kringelten sich oft vor Lachen, wenn Luzi-Wuzi mit verstellter Stimme, in Mädchenkleidung irgendeine Cousine nachäffte. Nicht umsonst nannte ihn Elisabeth später und heimlich in ihren Gedichten auch „Affe“.

Völlig aus dem Kontext gerissen ist allerdings nebenstehendes Foto, welches gut und gerne immer wieder verwendet wird, um Luzi-Wuzis Ruf heute noch in Verruf zu bringen, oder ihn generell zu verspotten. Dieses Foto bzw. die Fotoreihe (es gibt mehrere davon) entstand bei einem Rollenspiel zum Bühnenstück „Eine Vorlesung bei der Hausmeisterin“, bei dem sämtliche weibliche Rollen von Männern gespielt werden. Dieses Stück wurde in der Hofburg aufgeführt, welches die Schriftstellerin Marie Gordon (*1810, †13.11.1863) unter ihrem männlichen Pseudonym Alexander Bergen schrieb. 

Foto: Wikimedia/Commons Fürstin Pauline von Metternich
Bild: F.X. Winterhalter
Foto: geni.com
Sophie von Metternich

15jährig wurde er der Taufpate von Fürstin Pauline Metternichs (*25.2.1836, †28.9.1921) Tochter Sophie (*17.5.1857,†11.1.1941). Erzherzogin Sophie, welche mit Pauline eng befreundet war, trug sich an, die Taufpatin von deren erstgeborenen Kind zu werden. Da es eine Tochter wurde, erhielt sie den Namen Sophie. Da aber kurz darauf ihr Enkelkind Sophie (†29.5.1857, die ganze tragische Geschichte kann hier nachgelesen werden) starb, trat sie die Reise nach Dresden nicht an und ließ sich von ihrem 15jährigen vertreten, der stolzer hätte nicht sein können. Mit Bravour überstand er seine erste offizielle Aufgabe und taufte im Namen seiner Mutter und des Kaiserhauses die kleine Sophie von Metternich.

Wie seine Brüder wurde auch er militärisch erzogen. Er brachte es bis zum General eines Infanterieregiments, schied aber nach dieser Ernennung aus selbigen wieder aus, da er mit dem Militär nichts anfangen konnte. Das Regiment erhielt trotzdem seinen Namen.

Luzi-Wuzi war beliebt bei seinen Tanten vor allem bei Tante Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) in Bayern und gern gesehener Gast bei den Kaffeekränzchen. Er vergaß nie einen Geburts-, einen Namens-, einen Hochzeits- oder sonst einen Ehrentag der Damen oder der Herrschaft, schickte Blumen, Karten und Pralinen.

Luzi-Wuzi wusste immer den neusten Tratsch aus dem Kaiserhaus, vor allem über seine Schwägerin Sisi, die ihn dafür regelrecht verachtete und hasste.

Nicht nur einmal beschwerte sie sich bei ihrem Ehemann über ihren Schwager, dass er Missstimmung in die Familie brächte und er es sei, der die Familie entzweien würde. Doch Kaiser Franz Joseph hielt an seinem Bruder genauso fest, wie an Sisi oder an seiner Mutter. Sie stieß bei Franz Joseph genauso auf taube Ohren, wie Sophie bei den Beschwerden über Elisabeth (und natürlich umgekehrt). Franz Joseph ignorierte alles und vermittelte auch nicht.

Obwohl Katrin Unterreiner in ihrem Buch „Luzi-Wuzi“ schrieb, dass sich Kaiserin Elisabeth mit ihrem Schwager blendend verstand, konnte ich keinen Hinweis darauf finden. Schon früh begann der Zwist der beiden.

Er befand sie zwar in Dresden auf der Hochzeit am 11.2.1865 von Carl Theodor in Bayern (*9.8.1839,30.11.1909) mit Sophie Prinzessin in Sachsen (*15.3.1845,†9.3.1867) als „eine schöne unerreichbare Fee aus dem Märchenland“, als sie gleichzeitig mit Helene (Nènè) von Thurn und Taxis (*4.4.1834,†16.5.1890) (geb. Herzogin in Bayern) auf der Abendgesellschaft erschien, (die traurige Geschichte zu Sophie in Bayern kann hier nachgelesen werden) verfiel jedoch zurück in Wien alsbaldig wieder in seinen gewohnten Umgang mit ihr. Jedoch von Dresden aus, erreichte Erzherzogin Sophie folgender Brief:

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth im Sternenkleid
Bild: F.X. Winterhalter

„Sisi sei blendend schön, auch waren die Leute wie verrückt hier. Ich habe noch nie so einen Effekt machen sehen. Helene ein sehr schlechter Abklatsch von der Kaiserin, auch Sternenkleid.“ (10)

Kaiserin Elisabeth hasste ihn, da er immer wieder Geschichten über sie erfand. Er dichtete ihr Affären mit ihrem Reitlehrer und mit Hofdamen an, kein Tratsch war ihm fremd, Hauptsache irgendwas erzählen. Als Titania verfasste sie heimlich mehrmals über ihn Gedichte. Alle Gedichte in voller Länge wiederzugeben, würde den Rahmen sprengen, deshalb gebe ich nur die wichtigsten Passagen wieder:

Familienmahl:

….

Erster zu erscheinen pflegt
Ob’rons jüngster Bruder.
(Und der grosse Erdball trägt
Kein solch‘ zweites Luder). (7)

….

Zu Oberons* Wiegenfest:

….

Ekelhaft ist mir der Affe,
Boshaft, wie kein andres Vieh;
Solcher Tag, schein wahre Strafe,
Seh‘ ich ihn, den ich sonst flieh‘.

Hässlich, wie es anzuschauen,
Ist sein Maul auch lästerhaft,
Stets erfasst mich innres Grauen
Trifft mich seine Nachbarschaft.


Nur der Letzte kann so bleiben,
Macht auch keinen Unterschied,
Ob das Volk sein äffisch Treiben
In der Affenhaut besieht.
(8)

(*Anmerkung Petra: Oberon war Kaiser Franz Joseph; geschrieben wurde dieses Gedicht am 18.8.1887 in der Kaiservilla in Ischl; am Abend fand ein großes Familiendinner mit 25 Mitgliedern der Familie statt)

Ins Stammbuch:*

Dir soll ich in dein Stammbuch schreiben?
Nein, die Idee ist kollossal!
Könnt‘ viel an die Nase reiben,
Doch Bruder bist du dem Gemahl.
So viel nur sage ich dir heute,
Nach sechzig Jahren werde wach,
Es singen dir’s dann alle Leute,
Die Spatzen pfeifen’s auf dem Dach,
Was du für ein Reptil gewesen
Mit giftig gleisnerischem Schleim;
dann, in der Nachwelt Interessen,
Kehr‘ in die Erde schleunigst heim!
(9)

(*Anmerkung Petra: Es könnte Ludwig Victor gewidmet sein, allerdings stört die Zahl 60 in diesem Gedicht. Elisabeth schrieb die Zeilen in Ischl im Jahre 1887 und Ludwig Victor wurde in diesem Jahr keine 60. Es könnte daher auch mit „Bruder“ ein Militär“bruder“ gemeint sein und damit Franz Josephs guter Freund Erzherzog Rainer oder Wilhelm, die beide in diesem Jahr 60 wurden. Vom Text her, wäre es allerdings wiederum auf Luzi-Wuzi abgestimmt. Es wird wohl für immer Elisabeths Geheimnis bleiben, wem sie diese Zeilen gewidmet hat.)

Außer der Militärausbildung hatte Ludwig Victor nicht viel zu tun. Im Grunde war ihm furchtbar langweilig. Erzherzog Ferdinand Maximilian hielt dies für eine erbärmliche Existenz und wollte lieber lebendig sterben, als ein apanagierter Prinz sein zu sein, der eine sorglose Existenz führen könne, ohne Aufgabe und Ziel im Leben zu haben. Max Ziel im Leben kennen wir ja nun alle; 2 Jahre später bezahlte er diese mit seinem Leben.

Durch dieses Müßiggang und die Langeweile die durchaus Luzi-Wuzis Leben erfüllen musste, kam er auf dumme Ideen. Da er mit Geld überhaupt nicht umgehen konnte, lebte er schwer über seine Verhältnisse und machte permanent Schulden. Diese Schulden tilgte eine Zeitlang seine Mutter. Um ihn auf andere Gedanken zu bringen, sollte er heiraten. Doch dem Kaiserhaus war natürlich längst seine „Andersartigkeit“ aufgefallen. Trotzdem glaubten sie, dass eine Ehe, das „heilen“ könnte. Und so ging die Brautschau los. Diese begann natürlich in: Bayern

Foto: Wikimedia/Commons Sophie in Bayern

Er sollte Elisabeths Schwester Sophie in Bayern (*22.2.1847, †4.5.1897) ehelichen, welche aber brüskiert ablehnte.

Die devote Herzogin Ludovika schrieb wieder einmal ein Entschuldigungsschreiben an ihre Schwester Sophie nach Wien: ….“es hat mir viele Thränen gekostet, ein solcher Schwiegersohn wäre ein Glück für mich gewesen. Sie sah aber einen „einzigen Trost“ darin, daß es Gott für „Mit Dir, Du viel geprüfte Schwester „gut meine“, wenn nicht auch noch die kaprizöse Sophie in die Wiener Hofburg einzöge: vielleicht hätte Sophie, trotz ihrer gewiß guten Eigenschaften, Deiner Erwartungen nicht in Allem entsprochen, um der liebe Gott führt Dir eine vorzüglichere zu, die Dich und Deinen guten Ludwig recht glücklich macht, wie Ihr beide es verdient! Gott gebe Dir einen heiteren, ruhigen Lebensabend und reichen Ersatz für so viele stille Opfer, die Dein armes Herz hat bringen müssen…. und Deinem Ludwig eine schöne Zukunft.“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons Isabel von Brasilien

Sein Bruder Max wünschte sich als Ehefrau Isabel Prinzessin von Brasilien (*29.7.1846,†14.11.1912). Dies hätte die Länder Mexiko und Brasilien (wieder) vereint.

Doch Luzi-Wuzi lehnte eine Ehe sowieso kategorisch ab. Es blieb natürlich dem Beobachter nicht verborgen, dass Ludwig Victor mit den Damen nicht viel anzufangen wusste. Obwohl im 19. Jahrhundert 5 Jahre Gefängnis auf Geschlechtsverkehr mit dem anderen Geschlecht stand und dies z.B. der englische Schriftsteller Oscar Wilde (*16.10.1854, 30.11.1900) schwer hat büßen müssen, lebte der Erzherzog relativ frei seine Neigung aus. Ob, weil er ein Habsburger war oder weil er es nicht verstecken konnte, kann heute nicht mehr eruiert werden.

Die Historiker sind sich hier uneinig. Denn Kaiser Franz Joseph stand durchaus nicht positiv dem Homosexuellen-Thema gegenüber.

Eine aufkommende

„Macht der Schwulen“ wurde herbeigeredet, wobei diese „Abartigen“ nichts Besseres zu tun hätten, als das „Verderben des Volkes“ zu planen.

Während den einen eine Emanzipation oder vielleicht wenigstens eine Entkriminalisierung der männlichen Homosexuellen nahe schien, steigerte sich auf der anderen Seite die Schwulen Angst. (5)


Nach dem Fall Oberst Redl (Selbstmord 25.5.1913) soll Franz Joseph gesagt haben: „Das also ist die neue Zeit? Und das die Kreaturen, die sie hervorbringt? In unseren alten Tagen wäre so etwas nicht einmal denkbar gewesen!“
(Anmerkung Petra: Oberst Redl wurde der Spionage überführt, richtete sich selbst und hatte homosexuelle Handlungen durchgeführt).

Auch sein Patenkind, der sehr hübsche Franz Joseph von Braganza (*7.9.1879, 15.6.1919) war dem alten Kaiser ein Dorn im Auge. Franz Joseph war der Sohn von Elisabeth von Thurn und Taxis (*28.5.1860,7.2.1881) und Michael von Braganza (*19.9.1853,11.10.1927).

Elisabeth war die Tochter von Helene von Thurn und Taxis, geb. Herzogin in Bayern. Franz Joseph war homosexuell und lieferte einen Skandal nach dem anderen. Während der Krönung von Prince Edward VII (*8.11.1841, 6.5.1910) in England, verführte er mit einem 17jährigen Offizier im Hotel einen 15jährigen und wurde dafür vor Gericht gestellt (Freispruch).

Später allerdings wurde er wieder verhaftet, da es immer wieder Vorfälle wegen „unzüchtigen Verhaltens“ gab. Er wurde unehrenhaft auf der k.u.k. Armee entlassen, für „unzurechnungsfähig“ erklärt und unter Kuratel gestellt. Er durfte von nun an keine Geschäfte mehr ohne seinen Onkel abwickeln, der alles unterschreiben musste. Und das nur, weil er es wagte, Homosexuell zu sein.

Es herrschte Anfang des 20. Jahrhunderts Panik und Angst vor den Schwulen in der Aristokratie. „Staatsgefährdung“, „Hochsicherheitsgefährdung“, „Verschwörerclique“ usw. sind nur einige der Namen die man den jungen Männern gab, die einfach nichts anderes wollten, als ihr Leben genießen und zu lieben.

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Joseph von Braganza

Nach all den Recherchen dich ich betrieb, bin ich aber sicher, dass Luzi-Wuzis Mutter Erzherzogin Sophie von der Neigung ihres Sohnes gewusst und akzeptiert hat. Obwohl sie natürlich anfangs versucht hat, ihren Sohn zu verheiraten, hat sie es sehr schnell wieder aufgegeben. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass Ludwig Victor nicht in das „Geheimnis der weiblichen Liebe“ eingeweiht wurde. Dazu wurden „hygienische Damen“ den Erzherzögen zugeführt. Hygienische Damen waren am Wiener Hof sehr angesehen. Diese Damen waren zwar (meist) nicht aus dem Adel, aber gesunde Witwen, mit einer animalischen Konstitution, die den Herren die Dinge beibrachten, die sie wissen sollten, um mit einer Ehefrau die erhofften Thronfolger zu zeugen. Sie kamen meist aus dem Theater oder waren verwitwete Gräfinnen, falls man doch auf den Adel zurückgreifen wollte.

Foto: Wien Museum, Michael Frankenstein, um 1870,
Ludwig-Viktor-Palais

Auch Kronprinz Rudolf wusste von der Lebenssituation seines Onkels, wenn man sich die Episode des Neujahrstages von 1889 genauer ansieht. Am Silvesterabend 1888 erkrankte Luzi-Wuzi wieder einmal, so dass er am gemeinsam Familiendinner nicht teilnehmen konnte. Das Drama kannte die Familie schon, weshalb am nächsten Tag Rudolf zu seinem Onkel ins Palais fuhr.

Erbost kam er zu seiner Frau Stephanie nach Hause und berichtete ihr,

dass er einen eleganten parfümierten Onkel im Schlafkostüm vorfand, aufgebahrt wie eine alternde Cocotte, die nicht an Diarrhöe erkrankt war, sondern an Sprechruhr.

Foto: theatermuseum.at Claudia Couqui
Bild: Carl Mahlknecht

Zu einer Frau dürfte Ludwig Victor jedoch doch eine nähere Beziehung gehabt haben: Claudia Couqui und sie war Balletttänzerin. Sie lebte mit ihm in seinem Wiener-Palais und ging bei ihm Ein und Aus. Doch auch sie zog schließlich wieder nach einigen Jahren unverheiratet aus.

Da nun das Heiratsthema wieder vom Tisch war, hing er wieder den ganzen Tag herum und langweilte sich. Er besuchte Kunstausstellungen. Kaiser Franz Joseph übergab ihm kleinere Aufgaben, dort oder da das Kaiserhaus zu vertreten, aber ansonsten hatte der vierte Bruder nicht viel zu tun.

Derweil war Luzi-Wuzi überaus intelligent; allerdings verkümmerte er zusehends. So gab er halt Geld aus, dass er nicht hatte und seine Mutter tilgte die Schulden wieder. 

1861 wurde Ludwig Victor auf das Geheiß seines Bruders Franz Joseph nach Salzburg geschickt, um ihn dort zu vertreten.

Völlig obskur und falsch ist bis heute die sinnlose Behauptung, dass Ludwig Victor verbannt worden wäre. Leider hält sich das beschämende und beleidigende Gerücht bis heute, da namhafte Historiker lieber Legenden und Ammenmärchen in ihre Bücher schreiben, als zu recherchieren und die richtigen Bilder dazuzusetzen (siehe Verkleidungsfoto oben). 

Fakt ist: Die Korrespondenz der beiden Brüder zeigt weder einen Zwist, noch Streitigkeiten. Von Verbannung kann daher keine Rede sein. 

Ludwig Victor ging nicht so gerne aus Wien fort, wie man meinen mag. Er hing unwahrscheinlich an seiner großen Familie, an seinem großen Bruder, an seiner Mutter und an Max. Mama Sophie schenkte ihm ein Medaillon mit dem Spruch „Sei fromm u. pflichtgetreu u. wahr, u. halte Seele und Gewissen klar.“ 
Er vermisste wie wahnsinnig seine große Familie und kompensierte dies wieder mit einem großen Lebensstil, in dem er sich „Freunde“ einlud. Dies kam natürlich seiner Mutter zu Ohren, die ihm Briefe schrieb. Vorwürfe und Schelte blieben nicht aus. 

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Karolina Augusta von Österreich

Sophies und Ludovikas Schwester Kaiserin Karolina Augusta (*8.2.1792,†9.2.1873) Witwe von Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, †2.3.1835) lebte in der Residenz Salzburg und bot Ludwig Victor zumindest so etwas wie ein familiäres Umfeld. Sie trafen sich täglich.  

Des Öfteren fuhr er nach Ischl, das damals ein großes gesellschaftliches Leben bot. Salzburg war weitaus ruhiger und beschaulicher, als das mondäne Ischl – heute ist es genau umgekehrt. Ludwig Victor gab Partys und fühlte sich unbeobachtet.

Er war nicht „ein Habsburger“, er war „der Habsburger“.

Doch das alles blieb nicht lange unbeobachtet und Erzherzogin Sophie ermahnte erbost ihren außer Rand und Band geratenen Sohn sich zu mäßigen. Ludwig Victor beherzigte die Worte seiner Mutter, fuhr nach Salzburg zurück und züchtigte wieder seinen Lebensstil. Er hatte Angst davor, „isoliert“ zu werden. Schon früher konnte man ihn damit bestrafen. von der Familie zu isolieren und das wollte er auf keinen Fall riskieren.

Während seiner Dienstzeit in Salzburg ergab sich eine witzige Episode und zeigte den „Arbeitsfleiß“ des Erzherzoges:
Ein Regierungsleiter übersandte ihm Akten zur Durchsicht. Einige Tage später sandte Ludwig Victor mit dem Worten „höchst interessant“ oder „verbindlichen Dank“ zurück. Der Regierungsleiter erkannte natürlich sofort, dass die Knoten der Akten nicht gelöst wurden.

Ebenfalls ab 1861 ließ er in Wien sein wunderschönes Erzherzog-Ludwig-Victor-Palais bauen (Wien 1., Schwarzenbergplatz 1). Es hatte nicht nur eine exklusive Adresse, sondern auch einen exklusiven Bauherrn. Niemand geringeren als Heinrich von Ferstel ließ er als Architekten an sein Palais heran. Er pendelte ab sofort zwischen Salzburg und Wien und lebte Abwechslungsweise in Schloss Klessheim und in seinem LV-Palais.

Foto: Akpool.de
Erzherzogin Charlotte bzw. Kaiserin Carlota von Mexiko

1866 baute er das Winterschloss „Kavaliershaus“ in Klessheim aus, so dass er auch im Winter in Salzburg bleiben konnte. Hier feierte Luzi-Wuzi ausschweifende Partys, die bald über Salzburg hinaus berüchtig waren. Die Offiziere hatten bald vom Militärcasino Verbot beim Erzherzog aufzutauchen, da es Gerüchte für „einseitige Ausschweifungen“ gab.

Die Salzburger selbst begannen ihren Erzherzog an zu lieben. Wo er auftauchte floss das Geld. Er half den Bürgern wo er konnte. Er baute Krankenhäuser, Schulen und Universitäten. Er setzte sich für die Armen ein und ließ Frauen- und Waisenhäuser bauen. Er war sich nicht zu Schade dafür den Kranken der Stadt einen Besuch abzustatten, ihnen die Hand zu schütteln und Geld für Medizin dazulassen. Es gab keinen Habsburger vor und nach ihm, der sich so für die Belange der Menschen einsetzte wie Luzi-Wuzi.

1865 fuhr Ludwig Victor nach Schloss Miramare, um bei seinem Bruder Erzherzog Ferdinand Maximilian zu sein, der gerade zum König Maximilian I von Mexiko (*6.7.1832, †19.6.1867) gekrönt wurde. Seiner immer noch fassungslosen und gramgebeugten Mutter schrieb er folgende Worte nach Hause:

„Vielleicht 60.000 Menschen waren im Schloß und Garten, wo auch Ehrencompanie mit Musik aufgestellt war, die zuerst die Volkshymne und dann ein mexikanisches Lied spielte (es war schrecklich!). Max ging rechts und führte Charlotte links; er war in Thränen aufgelöst, sie eben vom Gabelfrühstück gekommen, seelencontent (empörend). Ich hab’s ihr auch gesagt. Denn ich selbst ging von dem Moment an beinahe zu Grunde. So sein Heimat, seinen gnädigen Kaiser, alle Lieben zu verlassen, ist ja schrecklich; er fühlte das auch sehr… Max grüßte noch einmal das ganze überfüllte Ufer entlang, sah noch einmal seine liebe Schöpfung an und verschwand für längere Zeit in seiner Cabine… auf seinem Schreibtisch hat er die Photographie von uns Vier und von Dir und ober seinem Bett das Heiligenbild, das Du ihm beim Abschied schenktest. Er kann gar nicht von Dir sprechen, ohne Thränen in den Augen…“ (3)

Bis Rom begleitete Ludwig Victor seinen Bruder, dann hieß es endgültig Abschied nehmen. „Wir nahmen herzzerreißenden Abschied, heulten beide fürchterlich. Es war ganz schrecklich, er sagte mir noch für alle sehr hübsche, liebe Sachen die ich Euch mündlich mittheilen will.“ (4)

Dass es ein Abschied für immer wird, konnte er nicht ahnen.


Als die Familie vom Ableben von Max erfuhr, war es wieder Erzherzog Ludwig Victor der auf die Reise nach Schloss Miramare geschickt wurde. Dort hielt sich Erzherzogin Charlotte (*7.6.1840, †19.1.1927) Max Ehefrau bzw. Witwe auf. Von ihr wollte er erfahren, was passiert war.

Doch er fand sie einem Zustand höchster psychischer Verwirrtheit vor, die Zeit ihres Lebens andauern sollte. Nie wieder sollte sie sich von den Vorfällen in Mexiko erholen. Zeit ihres Lebens wusste sie nichts vom Ableben ihres Mannes, Zeit ihres Lebens sprach man sie mit kaiserlicher Hoheit an, da sie glaubte, noch immer in Mexiko und Kaiserin zu sein.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig, Kaiser Franz Joseph (sitzend), Kaiser Maximilian von Mexiko (dahinter), Erzherzog Ludwig Victor
Bild: Ludwig Angerer

Ludwig Victor war es, der den Sarg mit Max von der SMS Novara entgegennahm, ihn in Triest auf den Sonderzug hieven ließ und ihn nach Wien begleitete.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ferdinand Maximilian, Kaiser
Maximilian I von Mexiko

Im August 1867 trafen sich Kaiser Franz Joseph und Kaiser Napoleon III (*20.4.1808,†9.1.1873) zu Gesprächen in Salzburg. Letzterer war zwischenzeitig zum erklärten Feind geworden, da er Max so kläglich im Stich gelassen hatte. Gerade Erzherzogin Sophie verzieh ihm das nicht. Ludwig Victor stand seinem Bruder bei diesem äußerst heiklem Gespräch im Schloss Klessheim zur Seite. Abends ließ Luzi-Wuzi den Park in einen spektakulären Garten verwandeln mit Beleuchtung, Feuerwerk und einer Regatta im Schlossteich.

Foto: Wikimedia/Commons
Napoleon III
Bild: F.X. Winterhalter

Im Oktober 1867 fand in Paris der offizielle Gegenbesuch statt. Kaiserin Elisabeth blieb in Wien, da ihr die Reise zu dieser Zeit zu strapaziös gewesen wäre, da sie schwanger war. Kaiser Franz Joseph nahm seinen Bruder Ludwig Victor mit und Kaiserin Eugénie (*5.5.1826, †11.7.1920) war ganz entzückt von ihm. Am darauffolgenden Tag schrieb Franz Joseph seiner daheimgebliebenen Frau:

„Die Kaiserin (Anmerkung Petra: Eugénie) hat mit Ludwig verabredet, heut mit ihm im Luftballon, der täglich vom Ausstellungsgarten aufsteigt, zu fahren. Es ist keine Gefahr dabei, da der Ballon an einem Stricke gehalten wird, allein der Kaiser (Anmerkung Petra: Napoleon III) darf nichts davon wissen. So etwas hättest Du nicht hinter meinem Rücken….“ Doch zu guter Letzt entschied sich Eugenie um und fuhr mit Ludwig Victor richtig ohne Strick Ballon. (2)

1870 verließ er Salzburg wieder und zog für einige Zeit in seine Sommerresidenz in die Penzingerstraße 9. Heute ist es das Max-Reinhardt Seminar. Diese Villa war angemietet und diente zum Zweck, dass sie in unmittelbarer Nähe von Schloss Schönbrunn war, aber doch weit genug entfernt, um machen zu können was er wollte.

Vor allem als der langjährige Freund und Vertraute, sein Kämmerer k.u.k. Rittmeister 32jährig schwer erkrankte. Paul Merveldt lebte mit Ludwig Victor zusammen und die Literatur geht hier auseinander: Waren sie oder waren sie nicht – ein Paar.

Fakt ist, es gibt 2 Geschichten, warum Paul verstarb. Eine offizielle Version, die auch durch die Gazetten ging und die ehrliche, richtige Version.

Paul Merveldt wurde am 24.4.1838 geboren. Sein Vater war Maximilian Graf Merveldt und Adjutant bei Erzherzog Karl Ludwig. Seine Mutter war Octavia Gräfin von Czernin von Chudenitz.

Schon als Kinder kannten sich die beiden und schließlich wurde Paul bei Ludwig Victor Kämmerer. Laut Gazetten verschluckte Paul Merveldt beim Essen ein Knochenteilchen und erstickte 3 Tage später daran, da es niemand schaffte, ihn von dem Knochen zu befreien.

Dem entgegenzusetzen ist, dass es eine Korrespondenz zwischen Sophie und Luzi-Wuzi gibt, wo dieser über die schwere Erkrankung von Paul berichtet, lange bevor Paul den dubiosen Knochen verschluckt haben soll. Ebenfalls hielt Ludwig Victor Korrespondenz mit dessen Mutter. Da nichts zu helfen schien, wurden die besten Ärzte hinzugezogen und sogar Kaiserin Elisabeth stellte ihren Leibarzt zur Verfügung.

Paul war bettlägerig und musste mehrfach operiert werden.

Katrin Unterreiner diagnostiziert in ihrem Buch „Luzi-Wuzi“, dass Paul aufgrund der Briefe von Ludwig Victor an seine Mutter Sophie an Syphilis litt, da dieser bereits schlecht hören, kaum noch sehen konnte und der stinkende Wundbrand einsetze.

Foto: styriabooks.at
Erzherzog Ludwig Victor mit Paul Merveldt und einem Merveldt-Bruder

Studiert man allerdings die Tagebücher von Erzherzogin Sophie, liest man, dass am 23.4.1870 eine OP gelungen ist, die ein junger Chirurg namens Billroth durchgeführt hatte.

Dabei wurde eine eitrige Leberzyste geöffnet, die durch einen „Leberwurm“ hervorgerufen wurde. Sophie notierte entsetzt, dass ein ganzer Pferdestallkübel mit einer grünlichen Flüssigkeit abgegangen ist.

Dieser wichtige Eintrag von Sophie, lässt die Vermutung zu, dass Paul an einem Hunde- oder Fuchsbandwurm litt (Echinokokkose). Bei Ein- oder Austritt der Flüssigkeiten können die Zysten auch in andere Organe – auch ins Gehirn – abwandern.

Nach dieser Operationen reichte es Ludwig Victor und er veranlasste den Transport zu sich nach Penzing, wo er die Pflege von Paul übernahm. Er kümmerte sich um den Kranken bei Tag und Nacht. Leider kam trotzdem jede Hilfe zu spät.

Paul erlag seiner schweren Krankheit mit 32 Jahren in Wien Penzing am 3.6.1870.

Ludwig Victor war untröstlich und Mama Sophie tröstete ihren Sohn wo sie nur konnte.

Immerhin war ihr Luzi-Wuzi die größte Stütze gewesen, als ihr Liebling Max starb. Er zog quasi zurück in die Hofburg. Las ihr beinahe Tag und Nacht vor, sah zu, dass sie aß, ging mit ihr spazieren, las ihr stundenlang ein- und dieselben alten Briefe von Max vor und erzählte ihr immer wieder von den schönen Augenblicken in der Kinderzeit, der Hochzeit, den schönen Erinnerungen in der Hofburg und Schönbrunn und natürlich an die Besuche in Miramare. Dies dankte sie ihm jetzt, in dem sie nach Pauls Tod für ihn da war.

Als am 25.8. und 26.8.1877 Salzburg von einem der schlimmsten Hochwasserkatastrophen des Jahrhunderts betroffen war, war Ludwig Victor sofort zur Stelle. Er half nicht nur finanziell aus, sondern auch den Menschen direkt vor Ort.

Die Salzach trat über das Ufer am Elisabethkai, Rudolfskai und Franz-Josefskai, so dass die Altstadt völlig überschwemmt und abgeschnitten war. Erzherzog Ludwig Victor kaufte sofort Boote an, um die Menschen retten lassen zu können und ließ frisches Wasser, sowie Essen verteilen.

Sein 60. Geburtstag wurde am 15.5.1902 in Salzburg groß gefeiert. Alles war vor Ort was Rang und Titel hatte. Am 24.8.1902 eröffnete er die „Erzherzog-Ludwig-Viktor-Brücke“ über der Salzach und der „Alte Markt“ wurde in „Ludwig-Viktor-Platz“ umgetauft (heißen heute beide anders).

Danach zog er sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Er pendelte zwar noch zwischen Wien und Salzburg hin und her, aber die wilden Partys gingen zurück. Es wurde still um den einst so wilden Erzherzog.

Am 1.2.1904 kam es dann doch noch zu einer Verbannung von Wien nach Salzburg und Erzherzog Ludwig Victor sollte nie wieder nach Wien zurückkommen. Sein schönes Palais zerfiel zusehends und in Klessheim wurde es noch ruhiger.

Zuerst fuhr Erzherzog Ludwig Victor 3 Monate auf Kur nach Meran in den Meranerhof, danach ging es direkt weiter nach Schloss Klessheim. Die Wiener erfuhren nie den wahren Grund. Nun aber ist die berühmte Kaiserbründlbad-Geschichte doch noch dran.

Das ist die Geschichte die jeder kennt und die bis heute noch in wirklich jedem Buch verbreitet wird:
Zu einem Affront kam es, als es im Kaiserbründlbad zu einer Schlägerei kam. Dort irrte sich der Erzherzog bei einem jungen Mann ob seiner sexuellen Orientierung und bekam eine Ohrfeige. Da der Mann Ludwig Victor erkannte, drohte er mit einem Skandal und einer öffentlichen Kundmachung. Um dieser zu entgehen, schickte Kaiser Franz Joseph Luzi-Wuzi nach Salzburg.

Foto: readymap.at
Kaiserbründl Bad

Das ist die Wahrheit zu jener Geschichte:
Erzherzog Ludwig Victor war gegen die morganatische Ehe von Erzherzog Franz Ferdinand (*18.12.1863,†28.6.1914) und wurde auch nicht müde, dies immer wieder zu betonen. Er wurde auch nicht müde, dies bei seinem Bruder kundzutun. Obwohl es ihn im Prinzip gar nichts anging, mischte er sich allzu gerne ein. Dies war seine Natur. Kaiser Franz Joseph aber, war auch seiner Meinung, und quälte Franz Ferdinand tatsächlich jahrelang bis er sein Einverständnis gab und dieser endlich seine Sophie von Chotek (*1.3.1868, †28.6.1914) heiraten durfte. Erzherzog Franz Ferdinand, der Luzi-Wuzi sowieso hasste wie die Pest, rächte sich bitterlich.

Das Wiener Palais hatte alles nur kein Schwimmbad und so wusste jeder im Umfeld des Erzherzogs lebte, dass er das öffentliche Kaiserbründbad aufsuchte. Gemeinsam mit seinem Adjutant ging er wie so oft in besagte Bad, um sich zu entspannen. Obwohl die Herrensauna nicht vereinbar war, mit den strengen Regeln des Wiener Hofes, sah man immer wieder den Hofwagen in der Weihburggasse stehen und jeder Wiener wusste, dass es jener des Erzherzoges Ludwig Victors war. Was nun wirklich geschah, kann heute nicht mehr korrekt wiedergegeben werden.

Korrekt ist aber, dass es eine Intrige von Erzherzog Franz Ferdinand war, der seine Spitzel postiert hatte und der Herr der sich „belästigt“ fühlte, ein persönlicher Freund von Sophie und Franz Ferdinand war.

Doch Kaiser Franz Joseph wollte nichts mehr hören. Sein Bruder ging diesmal zu weit. Schweigegeld wurde bezahlt und Luzi-Wuzi wurde verbannt. Franz Ferdinand hatte seinen Widersacher besiegt, mit Ludwig Victor aber ging es bergab.

Ab diesem Zeitpunkt litt er seelische Höllenqualen. Immer wieder bat er seinen Bruder zurückkommen zu dürfen, doch Franz Joseph war unerbittlich. Kein Wort wollte er hören und zurück nach Wien durfte Ludwig Victor auch nicht. Ab dem 13.8.1904 ging Primar Dr. Schweighofer von der nahen „Landesheilanstalt für Irrenkrankheiten“ beim Erzherzog Ein und Aus.

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Gisela
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Valérie

Traf man Ludwig Victor war sein Blick oft starr, leer und er konnte dem Gespräch nicht folgen. Anderntags dann war er wieder klar, lustig, machte Späße und lud zum Tee und Kuchen. Doch die Partys wurden weniger, die Leute und die vielen Besuche blieben aus.

Nur noch Erzherzogin Marie Valérie (22.4.1868,†6.9.1924), ihre Kinder, Prinzessin Gisela von Bayern (*12.7.1856, †27.7.1932), ihre Kinder und die Ehemänner kamen ihren Onkel besuchen. Sie wurden sein ganzer Halt.

1905 kam es zur großen Versöhnung mit seinem Bruder, der sich auf den Weg nach Ischl befand und bei Luzi-Wuzi vorbeischaute.

Niemand war je so glücklich wie Ludwig Victor, hatte ihm sein Bruder verziehen – im Grunde hatte er gar nichts getan.

Doch nach Wien kam er nie wieder zurück. Sein Palais verfiel zusehends. 1911 ließ es Kaiser Franz Joseph in ein Militärcasino umwidmen. Immer häufiger zeigten sich geistige Verwirrung und beginnende „Demenz“.

Foto: geni.com
Nora Fugger von Babenhausen

Obwohl Fürstin (Ele)Nora Fugger von Babenhausen (*4.10.1864,†1.3.1945) in ihrer eigenen Biografie gar garstige Worte über Luzi-Wuzi fand, so war sie Zeit seines Lebens mit ihm in Kontakt und sogar befreundet. Sei es per Brief oder auf zahlreichen Festen.

„Er war grundverschieden von seinen Brüdern, war weder militärisch noch kunstverständig, schwächlich, unmännlich, geziert und von garstigem Äußeren. Er führte ein sehr weltliches Leben, war über alles – nicht immer richtig – unterrichtet, seine Zunge war scharf wie die einer Giftschlange. In alles mischte er sich ein, spann darauf Intriguen und freute sich, wenn kleine Skandälchen daraus wurden…“ (6)

Bereits 1912 wurde die Dienerschaft verringert, die Autofahrten wurden eingestellt, der Chauffeur wurde entlassen, die Tore zu Klessheim wurden versperrt und Zulass bekam man nur noch mit Genehmigung von Hofrat Gautsch, der bei Erzherzog Ludwig Victor als Betreuer lebte.

1915 wurde Erzherzog Eugen (*21.5.1863, †30.12.1954) als Sachwalter bestellt, doch leider interessierte sich dieser weder für den Kranken, noch hielt er Nachschau. Und so übernahm Hofrat Gautsch das Kuratel und die alleinige Aufsicht.

In dieser Zeit vegetierte Ludwig Victor schon vor sich hin; unter der Fuchtel von Gautsch.

Ihm wurden nur noch die Zugänge zu 3 Zimmern gestattet, der Rest des einst so prachtvoll ausgestatteten Schlosses war für den Erzherzog versperrt.

Schließlich ließ er die Fenster und die Eingangstüre vergittern und Ludwig Victor lebte wie in einem Gefängnis. Zugang hatte nur ein Pfleger und der Hofrat, nicht einmal mehr seine Nichten Marie Valérie oder Gisela durften mehr zu ihm; es würde den Onkel zu sehr aufregen, so der Hofrat.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Eugen

Als Gautsch an das Vermögen des Erzherzoges und ihn endgültig ins Irrenhaus abschieben wollte, ließ das Primar Schweighofer nicht zu. Er verständigte Erzherzogin Marie Valérie die den sofortigen Einlass forderte.

Sie fand ihren Onkel in einem grauenhaften Zustand. Normalerweise musste sie sich beinahe 1 Woche schriftlich vorher anmelden, weshalb Gautsch reichlich Zeit hatte Luzi-Wuzi herauszuputzen.

Dr. Schweighofer und Marie Valérie konnten zwar nichts gegen Gautsch unternehmen, wohl aber dafür Sorgen, dass es Ludwig Victor etwas besser gehen würde. Das Vermögen wurde nicht an Gautsch ausgehändigt. Außerdem kam von nun täglich ein Pfleger der von Dr. Schweighofer ausgesucht wurde, ins Haus.

Prinzessin Gisela und Erzherzogin Marie Valérie machten es sich zur Aufgabe, unangekündigt zu erscheinen. Dennoch vegetierte Ludwig Victor geistig umnachtet vor sich hin. Er erkannte zusehends weder seine Umgebung, noch seine Nichten.

1916 konnte oder durfte Erzherzog Ludwig Victor nicht mehr am Begräbnis von Kaiser Franz Joseph teilnehmen. Obwohl Kaiser Karl sein Erbe war, kümmerte dieser sich überhaupt nicht um den Kranken. Er erkundigte sich nicht ein einziges Mal nach seinem Großonkel.

Obwohl Ludwig Victor das Ende der Monarchie erlebte, blieb er von dieser unbeeindruckt. Er bekam sie geistig nicht mehr mit. Er war bettlägrig und konnte Klessheim nicht mehr verlassen. Er war vollends auf die Hilfe von Gautsch und seinem Pfleger angewiesen. Ob ihn diese nun gut versorgten und ob das Schloss in einem guten Zustand war, kann heute nicht mehr eruiert werden.

Erzherzog Ludwig Victor starb, als letzter der 4 Brüder, am 18.1.1919 76jährig in Schloss Klessheim. Er ruht am öffentlichen Friedhof in Siezenheim.

Bereits 6 Jahre zuvor hatte er dafür gesorgt, dass jenes Grab angekauft wurde, in dem er heute ruht. Er wollte partout nicht in die Kapuzinergruft überstellt werden. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt.

– Petra –

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Video: Tamara
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara, Wikimedia/Commons, Wien Museum, Theatermuseum, Akpool.de, styriabook.at, readymap.at, geni.com, Österreich Werbung Weinhäupl



Literatur Hinweise:

1 – S.403,
Brigitte Hamann
Die Habsburger: Ein biografisches Lexikon (nur noch antiquarisch erhältlich)
Piper Verlag

2 – S. 78/79, 3 – S. 61, 4 – S. 61
Katrin Unterreiner 
Luzi Wuzi Das provokante Leben des Kaiserbruders Ludwig Viktor
Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG, 1. Auflage

5 – S. 41
Michaela Lindinger
Sonderlinge, Außenseiter, Femmes fatales: Das „andere“ Wien um 1900
Amalthea Verlag, 1. Auflage

6 – S. 126
Nora Fugger
Im Glanz der Kaiserzeit (nur noch antiquarisch erhältlich)
Amalthea Verlag

7 – S. 148, 8 – S 263/4, 9 – S 266
Brigitte Hamann
Kaiserin Elisabeth Das poetische Tagebuch
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 3. Auflage 1995 (nur noch antiquarisch erhältlich)

10 – S 198
Brigitte Hamann:
Kaiserin wider Willen , Amalthea, 1992, 11. Auflage

Erzherzogin Sophie

Copyright Archiv, frei lt. Hrn Georg Markus
Foto:  Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie

„Und eine Kaiserin gehört zum Kaiser.“

Wer hört sie nicht?
Dieses „Singsang“  in der Stimme von Vilma Degischer, die in der Sissi-Trilogie mit Romy Schneider die böse intrigante Schwiegermutter dargestellt hat und man sie als Sissi – Fan so richtig schön hassen konnte. Wirklich viel wusste man von Erzherzogin Sophie nicht zum Zeitpunkt der Filme, aber mittlerweile gibt es 2 Biografien, die so ein ganz anderes Bild der Kaiserin Mutter zeigen; aber leider ist das Bild der bösen Schwiegermutter auf ewig geprägt.

Hier erfolgt ein Versuch, das etwas andere Bild der Erzherzogin Sophie zu zeigen, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, kurz Maximilian Joseph I. oder König Max, hatte bereits 5 Kinder aus erster Ehe, aber Königin Auguste Wilhelmine Marie von Hessen-Darmstadt starb am 30.3.1796.

Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum von Vater Max mit seiner 1. Ehefrau Auguste Wilhelmine, Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals sternenkaiserin)

Am 9.3.1797 ehelichte der König Prinzessin Friedericke Karoline Wilhelmine von Baden.

Sophie Friederike Dorothea Wilhelmine Prinzessin von Bayern kam mit ihrer Zwillingsschwester Maria Anna Leopoldine Elisabeth von Bayern (spätere Königin Maria Anna von Sachsen, †13.9.1877) am 27.1.1805 in München zur Welt. Ihre Schwester Ludovika kam 1808 zur Welt und wurde in späterer Folge die Mutter von Kaiserin Elisabeth. Mein Beitrag zu Ludovika kann hier nachgelesen werden.

Fotos: Wikimedia/Commons Stammbaum Erzherzogin Sophie
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals sternenkaiserin)
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Foto: Wikimedia/Commons
Luise (Ludovika), Sophie und Maria Anna, Bild nach Joseph Karl Stieler, 1812
 

Sophie und ihre Geschwister wuchsen sehr liebevoll auf. Ihre Eltern haben sich beide – zumindest es deren Zeit zuließ – außerordentlich liebevoll um die Kinder gekümmert. Bereits mit 5 Jahren konnte Sophie lesen und schreiben und schrieb ihrem Vater und ihrer Mutter heiße Liebesbriefe, wenn diese abwesend waren. Sophie wurde in der Familie Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer genannt. (1)

Ab ihrem 4. Lebensjahr bekam Sophie Unterricht in Französisch, Physik, Geschichte, Lesen/Schreiben usw.; auch Theater- und Ballettabende standen auf dem Programm. Sophie war Zeit ihres Lebens eine glühende Verehrerin von den schönen Künsten. Sie ging ausgesprochen gerne ins Theater und in die Oper.

Sophie und Maria Anna waren die erklärten Lieblingskinder ihres Vaters, Sophie verehrte Zeit ihres Lebens ihre Mutter, was zahlreiche Briefe belegen. Als ihre Mutter am 13.11.1841 starb, fing Sophie an, ihre Gedanken in ein Tagebuch zu schreiben.

Schon zu Kinderzeiten schrieb sie glühende Briefe an ihre Eltern:

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Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth und Amalie mit der kleinen Maximiliane „Nini“, 1814 nach Joseph Karl Stieler

An ihre Mutter, die mit ihrem Mann König Max, zum Wiener Kongress 1814/15 in Wien weilte schrieb die 9jährige Sophie:

„Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (2)

Schon zu Kinderzeiten musste Sophie einen herben Verlust verarbeiten. Das Nesthäckchen, Maximiliane Josepha Karoline von Bayern, welche am 21.7.1810 geboren wurde und der erklärte Liebling von Mutter und Kindern war, starb am 4.2.1821 11jährig an Typhus. Zeit ihres Lebens gedachte Sophie ihrer geliebten „Nini“, wie sie genannt wurde, zum Todestag.

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Foto: erzherzoginsophie.at
Erzherzogin Sophie, nach einer Lithographie von Josef Kriehuber 1836

Als Sophie 19 Jahre alt war, wurde sie mit Erzherzog Franz Karl vom Österreichischen Kaiserhaus verlobt. Franz Karl soll angeblich gleich Feuer und Flamme gewesen sein, als er seine zukünftige Braut erblickte. Bei Sophie war es eher Fügung in ein Schicksal. Ihr zukünftiger Ehegemahl war leider geistig schwach und auch sonst nicht wirklich fähig, eine große Karriere einzuschlagen. Unser Beitrag zu Erzherzog Franz Karl kann hier nachgelesen werden.

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Erzherzog Franz Karl, Lithographie, 1850 Josef Kriehuber, Foto: Wikimedia/Commons

Sein Bruder Ferdinand, der in die Geschichte als Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“ einging, traf es noch schlimmer. Seine geistigen Eigenschaften waren noch weniger vorhanden als bei Franz Karl.  Wobei auch hier die Mythen um sich ranken. Die einen Biografen schreiben, er sei geistig minderbemittelt gewesen, die anderen, er hatte überaus geistige Fähigkeiten, da er 5 Sprachen sprach. Fakt ist, Ferdinand hatte schwere epileptische Anfälle, in späteren Jahren schrieb Sophie sehr spöttische Briefe über sein Aussehen und sein Verhalten.

Am 4. November 1824 wurde die Hochzeit in Wien in der Augustinerkirche abgehalten und Sophie nahm einen sehr tränenreichen Abschied von München, ihrer Mutter und ihren verbliebenen Geschwistern. Sie schrieb lange, auch 3 Jahre später, immer noch tränenreiche Briefe an ihre Mutter, wie sehr ihr die Heimat fehlen würde.

Wenn man dazu die Szenen mit Vilma Degischer und Karlheinz Böhm vergleicht, wo Vilma Degischer als Erzherzogin Sophie ihrem Sohn Kaiser Franz Joseph das Tagebuch von Kaiserin Elisabeth vorlegt, wo diese über Heimatweh klagte, vermag man sich das kaum vorstellen, dass Erzherzogin Sophie kein Verständnis für diese überaus schwierige Situation gehabt haben mochte. In den Biografien lassen sich hier nur ein paar Kapitel finden, wo Sophie mit Sisi nicht zufrieden war, aber Erzherzogin Sophie hasste Sisi nicht so sehr, wie allgemein die Auffassung war. Aber dazu kommen wir später.

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Foto: habsburg.net, Schloss Schönbrunn
Kaiser Franz II/I 1832, Ölgemälde, Friedrich von Amerling

Auch die echte Erzherzogin Sophie litt unter der Trennung und konnte den Schmerz kaum verarbeiten. Ein glühender Sophie Verehrer wurde ihr Schwiegervater Kaiser Franz II./I. „…der Kaiser überhäuft mich mit seiner Güte und es scheint, als wolle er mir den zärtlichen, den besten Vater ersetzen, den ich verloren habe.“ (Brief an Großmama) (3)

Auch über ihre Ehe und ihre Schwangerschaftsfortschritte schrieb sie viele Briefe, vor allem an ihre Mutter Königin Karoline und Großmama „…man kann nicht liebenswürdiger sein als mein Gemahl – und er liebt mich so zärtlich – ….“ (4)

Sophie erlitt insgesamt 11 Fehlgeburten. Die erste Zeit machte sie sich noch keine allzu große Sorgen, doch auch nach 6 Jahren Ehe wollte sich kein Thronfolger einstellen und sowohl Sophie, als auch Kaiser Franz II./I. wurden nervös. Sie wurde auf verschiedene Kuren geschickt, u.a. ins gerade entdeckte Bad Ischl zu den Solebädern. So kurte Sophie in Bad Ischl und 1830 stellte sich endlich der ersehnte Erfolg ein.

Am 18.8.1830 kam jedenfalls der ersehnte Sohn und Thronerbe Erzherzog Franz Joseph Karl, nach einem 2 Tage und Nächte dauernden Geburtsmarathon zur Welt. Sophie war trotz schwerster Strapazen im 7ten Himmel. Der Thronfolger wurde mit 101 Kanonenschüssen begrüßt.

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Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum mit den überlebenden Kindern von Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals sternenkaiserin)
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Foto: Wikimedia/Commons
Gustav, Prinz von Wasa, Lithographie von Josef Kriehuber ca. 1830

Zeit seines Lebens, wurde gemunkelt und getuschelt, dass nicht die Kuren in Bad Ischl für den Erfolg der Kindsgeburt zuständig waren, sondern Gustav von Holstein-Gottorp, Prinz von Schweden, ab 1829 Prinz von Wasa (*9. Nov. 1799, † 4.8.1877). Dieser lebte im Exil in Wien und ging bei Hofe ein und aus. Sophie und Prinz Wasa wurde eine heftige, leidenschaftliche Affäre nachgesagt. Nicht nur Erzherzog Franz Joseph, auch Erzherzog Ferdinand Maximilian sollen angeblich die Kinder dieser Affäre sein. Bestätigt werden konnte das Gerücht nie. Sophie war eine sehr strenggläubige Frau und in ihren Tagebuchaufzeichnungen lassen sich keine Hinweise zu einem Betrug finden. Trotzdem wurden beide Söhne „Wasa-Buben“ genannt.

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Foto: habsburg.net
Napoleon Franz Bonaparte, Herzog von Reichstadt

Bei Erzherzog Ferdinand Maximilian wurde aber auch Napoelon Franz Bonaparte, besser bekannt als Herzog von Reichstadt (*20.3.1811, † 22.7.1832) als Vater gehandelt. Herzog von Reichstadt war ein inniger Vertrauter von Sophie und ging Privat bei ihr Ein und Aus. Um diese Freundschaft näher zu beleuchten, werden wir in weiterer Zukunft einen eigenen Beitrag zu Herzog von Reichstadt veröffentlichen.

Das Gerücht, dass er der Vater sei, wurde sogar von Erzherzog Ferdinand Maximilian, der Kaiser von Mexiko werden wollte, selbst wieder angeheizt. Auch dieses Gerücht bestätigte sich nie.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Joseph; Joseph Karl Stieler, etwa 1831

Sophie war eine sehr liebende Mutter, etwas übervorsichtig und leicht hysterisch. So durfte der kleine Erzherzog einmal sein Zimmer im gesamten Winter bis fast Ende März nicht verlassen, weil er sich mit einer Verkühlung anstecken hätte können. Heute würde man zu einer solchen Mutter „Helikopter-Mutter“ sagen. Aber den Ausdruck gab es damals noch lange nicht und man hätte sich sowieso nicht getraut, am Wiener Hofe so etwas auszusprechen.

Herbe Verluste erfuhr Sophie als ihr inniger Vertrauter Herzog von Reichstadt, Napoleon Franz Bonaparte, mit 21 Jahren am 22.7.1832 in Schloss Schönbrunn an Tuberkulose starb. Sophie trauerte lange um ihren Freund. Als 1840 ihr kleines Mädchen, Erzherzogin Maria Anna starb (mein Beitrag kann hier nachgelesen werden) war Sophie untröstlich. Auch musste sie 1840 eine Totgeburt (Sohn) hinnehmen, ihr Körper war zu diesem Zeitpunkt stark geschwächt. Die vielen Fehlgeburten und Verluste nagten an Sophie und ihre Krankheiten kurierte sie nicht mehr so richtig aus. Auch nach der Geburt von Erzherzog Ludwig Victor (1842) erlitt Sophie noch Fehlgeburten, die ihr immer mehr zu schaffen machten.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin „Ännchen“
Lithographie Joseph Kriehuber
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Foto: Donaumonarchie.com
Erzherzog Franz Karl, Erzherzogin Sophie mit Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzogin Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna, ca. 1836

Sie liebte alle ihre Kinder, aber bei keinem verschwendete sie so viel Energie und Aufmerksamkeit wie an Franzi. Franzi wurde teilweise sogar abgesondert, durfte mit den Kindern der am Hof lebenden Familien nicht spielen und wurde immer als „etwas Höheres“ gesehen.

Sophie wurde in späteren Jahren immer vorgeworfen, dass genau das der Grund sei, warum Kaiser Franz Joseph mit anderen Menschen nur schwer oder gar nicht umgehen konnte. Zeit seines Lebens tat er sich mit Small Talk schwer und hatte kaum, bis gar kein Feingefühl für andere Menschen. Er galt als gefühlsarm und oberflächlich. Franzi war ein einsames Kind und Kaiser Franz Joseph sollte es bis zum Tod bleiben.

Sophie glaubte an die Monarchie und war immer davon überzeugt, dass die Monarchie die einzig Wahre ist. Der Monarch hatte die Macht und das Volk hatte dankbar zu sein. Auch wenn sie Zeit ihres Lebens Schirmherrin für verschiedene Vereine und Institutionen Geld aus ihrem Privatvermögen spendete, stand sie auf dem Standpunkt: „Das Volk habe dem Kaiser zu dienen.“ Dass aber das Volk nach einer Änderung dürstete und die Knechtschaft unter den Habsburgern satt hatte, sah sie nicht.

Sie lehnte jede Reform ab. Allerdings geriet ihre Welt ein paar Mal ins Wanken, vor allem, als ihr Schwiegervater Kaiser Franz II./I. am 2.3.1835 starb. Ihr größtes Problem wurde es, Kaiser Ferdinand I. anzuerkennen. Ihr einziger Triumpf am Wiener Hofe, waren die Kinder. Vor allem Franz Joseph, da er als Thronfolger galt. Schon Kaiser Franz II./I. nahm keine Reformen an, Ferdinand I. war dazu noch weniger in der Lage. Die erste Zeit lobte Sophie die Regentschaft ihres Schwiegervaters. Erst Jahre später ärgerte sie sich sehr, dass Kaiser Franz II/I so langsam und stagnativ seine Herrschaft betrieben hatte. An Änderungen war sie selbst aber nicht interessiert. Auch Franz Joseph sollte keine Reformen zulassen und steckte genauso in den alten starren Gepflogenheiten seines Großvaters fest.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie, 1866

Sophie legte Wert auf einen geregelten Tagesablauf: 7.00 Uhr – 7.30 Uhr Aufstehen, Messe, danach Frühstück mit den Kindern. Nachdem sie die Post erledigt hatte, wurde mit den Kleinen gespielt (Schnick Schnack Schnuck, Schwarzer Peter usw.). Bei Franz Joseph und Max wohnte sie beim Unterricht bei. Mittagessen um 16.00 Uhr (was sehr spät war). Hier empfing sie Gäste. Abends empfing sie in ihrem Salon weitere Gäste und hielt „Thee“stunde ab. Sophie schätzte auch „Diners“, fuhr gerne nach Laxenburg, ging gern im Schlosspark von Schloss Schönbrunn spazieren, liebte die Menagerien und den botanischen Garten. In späteren Jahren ging sie mehrmals am Tag in die Messe. Weiters liebte sie es zu sticken. Bis ins hohe Alter stickte sie Messgewänder.

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Foto: habsburger.net,
Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“, 1847, Leopold Kupelwieser

Sie war auch die Einzige am Wiener Hof, die sich für Politik interessierte. So war sie diejenige, die sehr viele Zeitungen (u.a. Neue Freie Presse, Wiener Zeitung etc.) abonniert hatte, die sie überall mit hin nahm, um sie am Tag verteilt zu lesen.

Während der Regentschaft von Kaiser Ferdinand I. war sie zum Nichtstun verpflichtet. Sie wusste, wenn sie sich einmischen würde, ihr das sehr Übel genommen werden würde.  Als aber 1848 die Revolution ausbrach, sah sie ihre Chance. Ferdinand, gesundheitlich schwer angeschlagen, musste abdanken.

An seiner Stelle wäre Sophies Ehemann, Erzherzog Franz Karl an den Thron gekommen. Doch Sophie dirigierte ihren einfältigen Mann in die andere Richtung. Als der schließlich zustimmte, wurde am 2. Dezember 1848 ihr 18jähriger Sohn Franz Joseph Karl zum Kaiser. Auch der Name von Kaiser Franz Joseph wurde von Sophie bestimmt. Ihr Franzi, sollte einzigartig in der Geschichte sein. Sophie bestimmte den Namen Kaiser Franz Joseph I. Dass dieser Kaiser 68 Jahre regieren würde, konnte damals noch keiner ahnen. Und das es ausgerechnet der nicht allzu sehr beachtete Erzherzog Karl Ludwig sein würde, der mit seinen Kindern die Monarchie retten würde, auch nicht. Aber ich greife viel zu weit vor.

Sophie war auch vor ihrer Mutterschaft eine ausgezeichnete Reiterin, die an Treibjagden teilnahm. Oft und gerne begleitete sie ihren Mann zum Jagen. Allerdings hasste sie es, dass die Tiere getötet wurden und atmete immer auf, wenn Franz Karl nicht traf oder sich kein Wild finden ließ. Das änderte sich aber schlagartig, als sie anfing schwanger zu werden und die Kinder wieder verlor. In späteren Jahren verfiel sie auch den Geisterséancen, die zu dieser Zeit sehr häufiger Zeitvertreib war. Franz Joseph nahm bei einigen Séancen teil, nahm es aber nicht ernst. Dass es gerade ihr Enkel, Kronprinz Rudolf, sein würde, der einem der größten Scharlatane dieser Zeit sein Handwerk legen würde, hätte sich Sophie, die an diesen ganzen Humbug tatsächlich glaubte, niemals gedacht. Aber auch das ist Thema eines anderen Beitrages.

Als Kaiserin Mutter war Sophie eine noch resolutere Erscheinung, als sie ohnehin schon war. Sie erlaubte sich sogar die wichtigsten Gespräche mit Ministern zu unterbrechen, wenn sie meinte, ihren Franz sprechen zu müssen. Es ist nicht verwunderlich, dass der Wiener Hof sie „Der einzige Mann bei Hofe“ nannte. In wie weit Sophie in die Politik von Franz Joseph eingriff ist nicht bekannt; allerdings kann man einen gewissen Einfluss nicht verbergen, denn die Ansichten, die gerade der junge Kaiser vertrat, waren gleichgestellt mit der seiner Mutter.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werde. Mir geht es einzig darum, die Personen und deren Charakter bzw. Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienene Publikation. Danke!

Als der Kaiser 23 Jahre alt wurde, wurde es Zeit für ihn zu heiraten. Auch hier zeigte sich Sophie als die Strippenzieherin. Sie fackelte nicht lange herum und sah sich in ihrer eigenen Familie um und wurde schnell fündig. Die Auserwählte war Herzogin Helene in Bayern“, Tochter von Herzogin Ludovika in Bayern und Herzog Max in Bayern“ Das es „ausgerechnet“ Elisabeth war, in die sich Franz Joseph verliebte, war von Sophie weder vorhergesehen, noch gewollt. Doch für dieses eine Mal – eines der wenigen Augenblicke im Leben von Franz Joseph – setzte er sich gegen die strenge Mutter durch. Er heiratete Sisi.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Victor). Fotografie von Ludwig Angerer, 1860

Sophie fügte sich und nahm Elisabeth unter ihre Fittiche. Bei den Söhnen Erzherzog Ferdinand Maximilian und Erzherzog Karl Ludwig nahm sie jeweils großen Einfluss wer geheiratet wurde. Vor allem Karl Ludwig wurde massiv beeinflusst. Da er zwei Frauen verlor, musste sie sogar insgesamt drei Mal auf die Suche gehen. Bei Erzherzog Ludwig Victor fügte sie sich schnell und akzeptierte seinen Lebensstil. Der Beitrag zu Luzi-Wuzi kann hier nachgelesen werden.

Sophies größter Verlust war, als sich ihr Sohn Ferdinand Maximilian, genannt Max, 1864 entschloss nach Mexiko zu gehen, um Kaiser von Mexiko zu werden. Sophie und Elisabeth waren entsetzt und versuchten den ehrgeizigen Bruder/Schwager aufzuhalten. Doch dessen Frau Charlotte war enorm ehrgeizig.

Sie wollte Kaiserin werden und stand damit in direkter Linie zur Rivalität zu Elisabeth. Das einst sehr gute Verhältnis zu Max änderte sich schlagartig mit der Hochzeit mit Charlotte. Elisabeth mochte Charlotte nicht sonderlich, da diese als Schönheit bekannt war. Ihr Ehrgeiz und ihr Neid auf Elisabeth kannte kaum Grenzen. Sie wollte genauso gekleidet sein wie sie und auch so angesprochen werden wie sie. Kaiserin Elisabeth konnte den Antrieb von Charlotte nicht verstehen und sah wie Max diese starke Eifersucht Tag für Tag mehr dazu trieb Dinge zu tun, die nicht in seiner Natur stand.

Doch auch Max war sehr ehrgeizig. Zwischen Max und Franz bestand immer eine gewisse Rivalität und er konnte es nicht ertragen, dass Franz Joseph den höheren Status hatte; er wollte ebenso Kaiser eines Landes sein.

Als Sophie 1867 vom Tod des Sohnes in Mexiko erfuhr, brach sie zusammen. Ihr Schmerz war grenzenlos. Sie zog sich nach Ischl zurück, allerdings fand sie keine Ruhe.

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Erzherzogin Sophie, 1872, von Vinzenz Katzler, Foto: Wikimedia/Commons

Hofdame Fürstenberg schrieb an ihre Schwester:

„Meine arme Erzherzogin ist recht gealtert, das Wort cassée (gebrochen) ist das richtige. Es ist ein stiller Schmerz, voll Ergebung, ohne Bitterkeit und dabei das Bestreben, keinem Menschen damit zur Last zu fallen. Fremde sind ihr peinlich, sie meidet sie und ging Sonntag um 7 Uhr in die Messe, zur Betrübnis der Ischler, die gerne gesehen und sich erzählt hätten, welches Gesicht sie macht. Das hübsche kleine Gartl, in das ihr niemand sehen kann, ist jetzt die wahre Wohltat für sie.“ (5)

Der Schmerz war so enorm, dass sich Sophie für lange Zeit nach Possenhofen zurückzog, wo gerade Helene Thurn und Taxis (Nénè) den Tod ihres Mannes Maximilian Anton und Carl Theodor den Tod seiner Frau Sophie betrauerte. Dort empfing sie Admiral Wilhelm Tegetthoff, der ihr die Jacke von Max brachte. Nach und nach trafen auch die letzten Briefe von Max ein, in denen er sich für die Liebe und Freundschaft bedankte.

Sophie notierte in ihr Tagebuch:

„Aber die Erinnerung an die Martern, durch die er gehen musste, an seine Verlassenheit fern von uns geht mit mir durchs Leben und ist ein unbeschreiblicher Schmerz.“ (6)

Kronprinz Rudolf schrieb seiner Großmutter einen süßen Brief: „Meine liebe, liebe Großmama! Mir ist um den Onkel Max sehr leid und ich bedaure Dich, liebe Großmama sehr, weil du wieder so viel Kummer und Schmerz hast. Ich will alles Mögliche tun, um Dir, liebe Großmama Freude zu bereiten.“ (7) (Marie Anmerkung – Kronprinz Rudolf war zum Zeitpunkt des Todes von Onkel Max 9 Jahre alt).

Ein großer Halt zu dieser Stunde war ihr jüngster Sohn Ludwig Victor. Nicht nur, dass er in Schloss Miramare mit Kaiserin Carlotta (Erzherzogin Charlotte) versuchte hatte zu sprechen, was leider daneben ging, da sie nicht mehr Herr ihrer Sinne war. So übernahm er auch von der SMS Novara den Sarg und sorgte dafür, dass dieser mit dem Sonderzug, den der Kaiser nach Triest geschickt hatte nach Wien überstellt wurde.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Charlotte

In Wien angekommen, zog Luzi-Wuzi mehr oder weniger in die Hofburg ein und las seiner Mutter Tag und nach Nacht die alten Briefe von Max vor. Sie schwelgten gemeinsam in Erinnerung an die Kindheitstage, lachten über gemeinsame Streiche die Max gespielt hatte, erinnerten sich an die Hochzeit oder an die Besuche in Miramare und an besonders glückliche Tage in der Hofburg und in Schloss Schönbrunn. Ludwig Victor war ihr ganzer Halt und ihre große Stütze.

3 Monate dauerte die Überstellung des Leichnams von Mexiko nach Wien. Der Leichnam war in einem exorbitanten Zustand. 

Leider sind sich hier die Biografen nicht einig. Ingrid Haslinger beschreibt in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs“ -, dass Sophie den Leichnam, aufgrund der monatelangen Odyssee der Überstellung, nicht mehr zu Gesicht bekam.  

Anna Ehrlich und Christa Bauer schreiben in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof“, dass Sophie den Leichnam ihres Sohnes zu Gesichte bekam und der „Leichnam in einem wohl erhaltenen Zustand sei“. Das vermag ich persönlich kaum zu Glauben.

Wie auch immer; beide Varianten waren für die gramgebeugte Mutter wohl zu viel.

Von diesem schweren Schicksal erholte sich Sophie nicht mehr. Sie zog sich komplett zurück, ging noch mehr zur Messe und nahm auch die Eskapaden ihrer Schwiegertochter Elisabeth nicht mehr ernst.

Foto: ÖNB
Erzherzog Franz Karl, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf vor dem Sarg von Erzherzogin Sophie, Hofkapelle 1872

Kaiser Franz Joseph machte sich schwere Sorgen um seine Mutter. Diese grämte sich um so mehr, als er ihr zum ersten Jahrestag von Max Todestag nicht kondolierte. Alle in der Familie – sogar Elisabeth persönlich – kondolierten ihr zu ihrem großen Verlust. Nur nicht der Kaiser. Dies machte Sophie sehr traurig und gab ihr sehr zu Denken.

Eine Krankheit jagte die andere, keine wurde mehr richtig kuriert. Sie litt unter schweren Knie Problemen und so starken Kopfschmerzen, dass der Innenhof der Wiener Hofburg mit Stroh ausgelegt werden musste, damit die Pferde und Kutschen nicht so laut sind.

Kaiserin Elisabeth weilte zur Kur in Meran, als sie die Nachricht bekam, dass Erzherzogin Sophie im Sterben lag. Sofort brach sie ihre Kur ab und eilte nach Wien zurück.

Marie Gräfin von Festetics notierte in ihrem Tagebuch:

„Der Kutscher fuhr, was erkonnte – die Kaiserin war furchtbar aufgeregt und ich hatte eine Todesangst, die Erzherzogin könnte sterben und wie die Menschen sind, hätten sie noch gesagt, die Kaiserin hätte es zu Fleiß gethan!“ (8)

„Gott sei Dank“, sagte Elisabeth bei der Ankunft in der Burg, als sie hörte, daß die Erzherzogin noch am Leben war, weil sie sonst gesagt hätten – ich hätte es absichtlich getan (bei Sophies Tod nicht anwesend zu sein), weil ich sie so hasse.

So sehr hasse ich sie.“ (9)

Nur 5 Jahre nach Max verließen Sophie die Kräfte. 10 Tage lang konnte die Familie noch am Totenbett von ihrer geliebten Mutter, Großmutter, Schwester, Tante, Cousine usw. Abschied nehmen.

Erzherzogin Sophie starb am 28.5.1872 67jährig in der Wiener Hofburg. Sie ruht in der Kapuzinergruft.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, habsburg.net, erzherzoginsophie.at, donaumonarchie.at, Wikimedia/Commons
Stammbaum: Petra


Literatur Hinweise:

1 – S. 23, 2 – S 25, 3 – S 35, 4 – 35
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

5 – S 176, 6 – S 273, 7 – S 274
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof, Amalthea, 2016, 1. Ausgabe

Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich König von Ungarn 

8 – 294, 9 – 294
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage, 2017