Ludwig Viktor Joseph Anton Erzherzog von Österreich oder auch Luzi-Wuzi

Foto: Wikimedia/Commons, Bild: Victor Angerer Erzherzog Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“

Wir gedenken heute des Todestages von Ludwig Victor Joseph Anton Erzherzog von Österreich. Er wurde am 15.5.1842 in Wien geboren.

Nach dem Erzherzog Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) und Erzherzog Franz Karl (*7.12.1802, †8.3.1878) zwei Jahre zuvor ihre geliebte Tochter Ännchen (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) verloren hatten, hofften sie, dass die erneute Schwangerschaft eine Tochter hervorbringen würde. Etwas Enttäuschung war der Mutter anzusehen, als sie den vierten Buben entbunden hatte. Trotzdem wurde er schnell der Star in der Familie.

Sophie verhätschelte „Luzi-Wuzi“ oder „Luziwuzi“ (beide Schreibweisen sind korrekt) – wie er in der Familie und auch als Erwachsener genannt wurde – bis auf Äußerste, weshalb das Nesthäkchen von Franzi, Maxi und Karli misstrauisch und neidvoll beäugt wurde. Die drei Buben waren natürlich niemand geringere als der zukünftige Kaiser Franz Joseph (Franzi), Lieblingssohn und Sophies Herzipinki Erzherzog Ferdinand Maximilian (Maxi) und Erzherzog Karl Ludwig (Karli).

Ludwig Victor erhielt dieselbe schulische Ausbildung wie seine Brüder, allerdings war seine Mutter bei weitem nicht mehr so streng und mit Drill dahinter wie bei Franzi und Maxi, weshalb sich der Bub so manche Späße mit seinen Hauslehrern erlaubte. Schon Max hatte einige Freiheiten mehr, als der von Gott begnadete auserwählte erstgeborene Franz, der zum Teil völlig isoliert aufwachsen musste.

Schon früh fiel bei Luzi-Wuzi jene Begabung auf, die später gefürchtet war. Er konnte sehr gut mit seiner spitzen Zunge zynische Bemerkungen fallen lassen. Als Bub diente dies noch der Belustigung der Hofdamen von Sophie, zumal der blondgelockte Ludwig Victor ein sehr hübscher Knabe war. Später war er für seine spitze Zunge, pointierten Aussagen, tiefschwarzen Bemerkungen, gesponnenen Intrigen und hinterlistigen Geschichten über das Kaiserhaus gefürchtet.

Foto: Wikimedia/Commons, Luzi-Wuzi bei der Aufführung eines Bühnenstücks

Ebenfalls zeitig fiel seine Passion auf, sich in Frauenkleidern zu zeigen. Zuerst verkleidete er sich nur im Fasching oder wenn er jemanden nachäffen und diese Darstellung besonders treffend darstellen wollte. Franzi, Maxi und Karli kringelten sich oft vor Lachen, wenn Luzi-Wuzi mit verstellter Stimme, in Mädchenkleidung irgendeine Cousine nachäffte. Nicht umsonst nannte ihn Elisabeth später und heimlich in ihren Gedichten auch „Affe“.

Völlig aus dem Kontext gerissen ist allerdings nebenstehendes Foto, welches gut und gerne immer wieder verwendet wird, um Luzi-Wuzis Ruf heute noch in Verruf zu bringen, oder ihn generell zu verspotten. Dieses Foto bzw. die Fotoreihe (es gibt mehrere davon) entstand bei einem Rollenspiel zum Bühnenstück „Eine Vorlesung bei der Hausmeisterin“, bei dem sämtliche weibliche Rollen von Männern gespielt werden. Dieses Stück wurde in der Hofburg aufgeführt, welches die Schriftstellerin Marie Gordon (*1810, †13.11.1863) unter ihrem männlichen Pseudonym Alexander Bergen schrieb. 

Foto: Wikimedia/Commons Fürstin Pauline von Metternich
Bild: F.X. Winterhalter
Foto: geni.com
Sophie von Metternich

15jährig wurde er der Taufpate von Fürstin Pauline Metternichs (*25.2.1836, †28.9.1921) Tochter Sophie (*17.5.1857,†11.1.1941). Erzherzogin Sophie, welche mit Pauline eng befreundet war, trug sich an, die Taufpatin von deren erstgeborenen Kind zu werden. Da es eine Tochter wurde, erhielt sie den Namen Sophie. Da aber kurz darauf ihr Enkelkind Sophie (†29.5.1857, die ganze tragische Geschichte kann hier nachgelesen werden) starb, trat sie die Reise nach Dresden nicht an und ließ sich von ihrem 15jährigen vertreten, der stolzer hätte nicht sein können. Mit Bravour überstand er seine erste offizielle Aufgabe und taufte im Namen seiner Mutter und des Kaiserhauses die kleine Sophie von Metternich.

Wie seine Brüder wurde auch er militärisch erzogen. Er brachte es bis zum General eines Infanterieregiments, schied aber nach dieser Ernennung aus selbigen wieder aus, da er mit dem Militär nichts anfangen konnte. Das Regiment erhielt trotzdem seinen Namen.

Luzi-Wuzi war beliebt bei seinen Tanten vor allem bei Tante Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) in Bayern und gern gesehener Gast bei den Kaffeekränzchen. Er vergaß nie einen Geburts-, einen Namens-, einen Hochzeits- oder sonst einen Ehrentag der Damen oder der Herrschaft, schickte Blumen, Karten und Pralinen.

Luzi-Wuzi wusste immer den neusten Tratsch aus dem Kaiserhaus, vor allem über seine Schwägerin Sisi, die ihn dafür regelrecht verachtete und hasste.

Nicht nur einmal beschwerte sie sich bei ihrem Ehemann über ihren Schwager, dass er Missstimmung in die Familie brächte und er es sei, der die Familie entzweien würde. Doch Kaiser Franz Joseph hielt an seinem Bruder genauso fest, wie an Sisi oder an seiner Mutter. Sie stieß bei Franz Joseph genauso auf taube Ohren, wie Sophie bei den Beschwerden über Elisabeth (und natürlich umgekehrt). Franz Joseph ignorierte alles und vermittelte auch nicht.

Obwohl Katrin Unterreiner in ihrem Buch „Luzi-Wuzi“ schrieb, dass sich Kaiserin Elisabeth mit ihrem Schwager blendend verstand, konnte ich keinen Hinweis darauf finden. Schon früh begann der Zwist der beiden.

Er befand sie zwar in Dresden auf der Hochzeit am 11.2.1865 von Carl Theodor in Bayern (*9.8.1839,30.11.1909) mit Sophie Prinzessin in Sachsen (*15.3.1845,†9.3.1867) als „eine schöne unerreichbare Fee aus dem Märchenland“, als sie gleichzeitig mit Helene (Nènè) von Thurn und Taxis (*4.4.1834,†16.5.1890) (geb. Herzogin in Bayern) auf der Abendgesellschaft erschien, (die traurige Geschichte zu Sophie in Bayern kann hier nachgelesen werden) verfiel jedoch zurück in Wien alsbaldig wieder in seinen gewohnten Umgang mit ihr. Jedoch von Dresden aus, erreichte Erzherzogin Sophie folgender Brief:

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth im Sternenkleid
Bild: F.X. Winterhalter

„Sisi sei blendend schön, auch waren die Leute wie verrückt hier. Ich habe noch nie so einen Effekt machen sehen. Helene ein sehr schlechter Abklatsch von der Kaiserin, auch Sternenkleid.“ (10)

Kaiserin Elisabeth hasste ihn, da er immer wieder Geschichten über sie erfand. Er dichtete ihr Affären mit ihrem Reitlehrer und mit Hofdamen an, kein Tratsch war ihm fremd, Hauptsache irgendwas erzählen. Als Titania verfasste sie heimlich mehrmals über ihn Gedichte. Alle Gedichte in voller Länge wiederzugeben, würde den Rahmen sprengen, deshalb gebe ich nur die wichtigsten Passagen wieder:

Familienmahl:

….

Erster zu erscheinen pflegt
Ob’rons jüngster Bruder.
(Und der grosse Erdball trägt
Kein solch‘ zweites Luder). (7)

….

Zu Oberons* Wiegenfest:

….

Ekelhaft ist mir der Affe,
Boshaft, wie kein andres Vieh;
Solcher Tag, schein wahre Strafe,
Seh‘ ich ihn, den ich sonst flieh‘.

Hässlich, wie es anzuschauen,
Ist sein Maul auch lästerhaft,
Stets erfasst mich innres Grauen
Trifft mich seine Nachbarschaft.


Nur der Letzte kann so bleiben,
Macht auch keinen Unterschied,
Ob das Volk sein äffisch Treiben
In der Affenhaut besieht.
(8)

(*Anmerkung Petra: Oberon war Kaiser Franz Joseph; geschrieben wurde dieses Gedicht am 18.8.1887 in der Kaiservilla in Ischl; am Abend fand ein großes Familiendinner mit 25 Mitgliedern der Familie statt)

Ins Stammbuch:*

Dir soll ich in dein Stammbuch schreiben?
Nein, die Idee ist kollossal!
Könnt‘ viel an die Nase reiben,
Doch Bruder bist du dem Gemahl.
So viel nur sage ich dir heute,
Nach sechzig Jahren werde wach,
Es singen dir’s dann alle Leute,
Die Spatzen pfeifen’s auf dem Dach,
Was du für ein Reptil gewesen
Mit giftig gleisnerischem Schleim;
dann, in der Nachwelt Interessen,
Kehr‘ in die Erde schleunigst heim!
(9)

(*Anmerkung Petra: Es könnte Ludwig Victor gewidmet sein, allerdings stört die Zahl 60 in diesem Gedicht. Elisabeth schrieb die Zeilen in Ischl im Jahre 1887 und Ludwig Victor wurde in diesem Jahr keine 60. Es könnte daher auch mit „Bruder“ ein Militär“bruder“ gemeint sein und damit Franz Josephs guter Freund Erzherzog Rainer oder Wilhelm, die beide in diesem Jahr 60 wurden. Vom Text her, wäre es allerdings wiederum auf Luzi-Wuzi abgestimmt. Es wird wohl für immer Elisabeths Geheimnis bleiben, wem sie diese Zeilen gewidmet hat.)

Außer der Militärausbildung hatte Ludwig Victor nicht viel zu tun. Im Grunde war ihm furchtbar langweilig. Erzherzog Ferdinand Maximilian hielt dies für eine erbärmliche Existenz und wollte lieber lebendig sterben, als ein apanagierter Prinz sein zu sein, der eine sorglose Existenz führen könne, ohne Aufgabe und Ziel im Leben zu haben. Max Ziel im Leben kennen wir ja nun alle; 2 Jahre später bezahlte er diese mit seinem Leben.

Durch dieses Müßiggang und die Langeweile die durchaus Luzi-Wuzis Leben erfüllen musste, kam er auf dumme Ideen. Da er mit Geld überhaupt nicht umgehen konnte, lebte er schwer über seine Verhältnisse und machte permanent Schulden. Diese Schulden tilgte eine Zeitlang seine Mutter. Um ihn auf andere Gedanken zu bringen, sollte er heiraten. Doch dem Kaiserhaus war natürlich längst seine „Andersartigkeit“ aufgefallen. Trotzdem glaubten sie, dass eine Ehe, das „heilen“ könnte. Und so ging die Brautschau los. Diese begann natürlich in: Bayern

Foto: Wikimedia/Commons Sophie in Bayern

Er sollte Elisabeths Schwester Sophie in Bayern (*22.2.1847, †4.5.1897) ehelichen, welche aber brüskiert ablehnte.

Die devote Herzogin Ludovika schrieb wieder einmal ein Entschuldigungsschreiben an ihre Schwester Sophie nach Wien: ….“es hat mir viele Thränen gekostet, ein solcher Schwiegersohn wäre ein Glück für mich gewesen. Sie sah aber einen „einzigen Trost“ darin, daß es Gott für „Mit Dir, Du viel geprüfte Schwester „gut meine“, wenn nicht auch noch die kaprizöse Sophie in die Wiener Hofburg einzöge: vielleicht hätte Sophie, trotz ihrer gewiß guten Eigenschaften, Deiner Erwartungen nicht in Allem entsprochen, um der liebe Gott führt Dir eine vorzüglichere zu, die Dich und Deinen guten Ludwig recht glücklich macht, wie Ihr beide es verdient! Gott gebe Dir einen heiteren, ruhigen Lebensabend und reichen Ersatz für so viele stille Opfer, die Dein armes Herz hat bringen müssen…. und Deinem Ludwig eine schöne Zukunft.“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons Isabel von Brasilien

Sein Bruder Max wünschte sich als Ehefrau Isabel Prinzessin von Brasilien (*29.7.1846,†14.11.1912). Dies hätte die Länder Mexiko und Brasilien (wieder) vereint.

Doch Luzi-Wuzi lehnte eine Ehe sowieso kategorisch ab. Es blieb natürlich dem Beobachter nicht verborgen, dass Ludwig Victor mit den Damen nicht viel anzufangen wusste. Obwohl im 19. Jahrhundert 5 Jahre Gefängnis auf Geschlechtsverkehr mit dem anderen Geschlecht stand und dies z.B. der englische Schriftsteller Oscar Wilde (*16.10.1854, 30.11.1900) schwer hat büßen müssen, lebte der Erzherzog relativ frei seine Neigung aus. Ob, weil er ein Habsburger war oder weil er es nicht verstecken konnte, kann heute nicht mehr eruiert werden.

Die Historiker sind sich hier uneinig. Denn Kaiser Franz Joseph stand durchaus nicht positiv dem Homosexuellen-Thema gegenüber.

Eine aufkommende

„Macht der Schwulen“ wurde herbeigeredet, wobei diese „Abartigen“ nichts Besseres zu tun hätten, als das „Verderben des Volkes“ zu planen.

Während den einen eine Emanzipation oder vielleicht wenigstens eine Entkriminalisierung der männlichen Homosexuellen nahe schien, steigerte sich auf der anderen Seite die Schwulen Angst. (5)


Nach dem Fall Oberst Redl (Selbstmord 25.5.1913) soll Franz Joseph gesagt haben: „Das also ist die neue Zeit? Und das die Kreaturen, die sie hervorbringt? In unseren alten Tagen wäre so etwas nicht einmal denkbar gewesen!“
(Anmerkung Petra: Oberst Redl wurde der Spionage überführt, richtete sich selbst und hatte homosexuelle Handlungen durchgeführt).

Auch sein Patenkind, der sehr hübsche Franz Joseph von Braganza (*7.9.1879, 15.6.1919) war dem alten Kaiser ein Dorn im Auge. Franz Joseph war der Sohn von Elisabeth von Thurn und Taxis (*28.5.1860,7.2.1881) und Michael von Braganza (*19.9.1853,11.10.1927).

Elisabeth war die Tochter von Helene von Thurn und Taxis, geb. Herzogin in Bayern. Franz Joseph war homosexuell und lieferte einen Skandal nach dem anderen. Während der Krönung von Prince Edward VII (*8.11.1841, 6.5.1910) in England, verführte er mit einem 17jährigen Offizier im Hotel einen 15jährigen und wurde dafür vor Gericht gestellt (Freispruch).

Später allerdings wurde er wieder verhaftet, da es immer wieder Vorfälle wegen „unzüchtigen Verhaltens“ gab. Er wurde unehrenhaft auf der k.u.k. Armee entlassen, für „unzurechnungsfähig“ erklärt und unter Kuratel gestellt. Er durfte von nun an keine Geschäfte mehr ohne seinen Onkel abwickeln, der alles unterschreiben musste. Und das nur, weil er es wagte, Homosexuell zu sein.

Es herrschte Anfang des 20. Jahrhunderts Panik und Angst vor den Schwulen in der Aristokratie. „Staatsgefährdung“, „Hochsicherheitsgefährdung“, „Verschwörerclique“ usw. sind nur einige der Namen die man den jungen Männern gab, die einfach nichts anderes wollten, als ihr Leben genießen und zu lieben.

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Joseph von Braganza

Nach all den Recherchen dich ich betrieb, bin ich aber sicher, dass Luzi-Wuzis Mutter Erzherzogin Sophie von der Neigung ihres Sohnes gewusst und akzeptiert hat. Obwohl sie natürlich anfangs versucht hat, ihren Sohn zu verheiraten, hat sie es sehr schnell wieder aufgegeben. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass Ludwig Victor nicht in das „Geheimnis der weiblichen Liebe“ eingeweiht wurde. Dazu wurden „hygienische Damen“ den Erzherzögen zugeführt. Hygienische Damen waren am Wiener Hof sehr angesehen. Diese Damen waren zwar (meist) nicht aus dem Adel, aber gesunde Witwen, mit einer animalischen Konstitution, die den Herren die Dinge beibrachten, die sie wissen sollten, um mit einer Ehefrau die erhofften Thronfolger zu zeugen. Sie kamen meist aus dem Theater oder waren verwitwete Gräfinnen, falls man doch auf den Adel zurückgreifen wollte.

Foto: Wien Museum, Michael Frankenstein, um 1870,
Ludwig-Viktor-Palais

Auch Kronprinz Rudolf wusste von der Lebenssituation seines Onkels, wenn man sich die Episode des Neujahrstages von 1889 genauer ansieht. Am Silvesterabend 1888 erkrankte Luzi-Wuzi wieder einmal, so dass er am gemeinsam Familiendinner nicht teilnehmen konnte. Das Drama kannte die Familie schon, weshalb am nächsten Tag Rudolf zu seinem Onkel ins Palais fuhr.

Erbost kam er zu seiner Frau Stephanie nach Hause und berichtete ihr,

dass er einen eleganten parfümierten Onkel im Schlafkostüm vorfand, aufgebahrt wie eine alternde Cocotte, die nicht an Diarrhöe erkrankt war, sondern an Sprechruhr.

Foto: theatermuseum.at Claudia Couqui
Bild: Carl Mahlknecht

Zu einer Frau dürfte Ludwig Victor jedoch doch eine nähere Beziehung gehabt haben: Claudia Couqui und sie war Balletttänzerin. Sie lebte mit ihm in seinem Wiener-Palais und ging bei ihm Ein und Aus. Doch auch sie zog schließlich wieder nach einigen Jahren unverheiratet aus.

Da nun das Heiratsthema wieder vom Tisch war, hing er wieder den ganzen Tag herum und langweilte sich. Er besuchte Kunstausstellungen. Kaiser Franz Joseph übergab ihm kleinere Aufgaben, dort oder da das Kaiserhaus zu vertreten, aber ansonsten hatte der vierte Bruder nicht viel zu tun.

Derweil war Luzi-Wuzi überaus intelligent; allerdings verkümmerte er zusehends. So gab er halt Geld aus, dass er nicht hatte und seine Mutter tilgte die Schulden wieder. 

1861 wurde Ludwig Victor auf das Geheiß seines Bruders Franz Joseph nach Salzburg geschickt, um ihn dort zu vertreten.

Völlig obskur und falsch ist bis heute die sinnlose Behauptung, dass Ludwig Victor verbannt worden wäre. Leider hält sich das beschämende und beleidigende Gerücht bis heute, da namhafte Historiker lieber Legenden und Ammenmärchen in ihre Bücher schreiben, als zu recherchieren und die richtigen Bilder dazuzusetzen (siehe Verkleidungsfoto oben). 

Fakt ist: Die Korrespondenz der beiden Brüder zeigt weder einen Zwist, noch Streitigkeiten. Von Verbannung kann daher keine Rede sein. 

Ludwig Victor ging nicht so gerne aus Wien fort, wie man meinen mag. Er hing unwahrscheinlich an seiner großen Familie, an seinem großen Bruder, an seiner Mutter und an Max. Mama Sophie schenkte ihm ein Medaillon mit dem Spruch „Sei fromm u. pflichtgetreu u. wahr, u. halte Seele und Gewissen klar.“ 
Er vermisste wie wahnsinnig seine große Familie und kompensierte dies wieder mit einem großen Lebensstil, in dem er sich „Freunde“ einlud. Dies kam natürlich seiner Mutter zu Ohren, die ihm Briefe schrieb. Vorwürfe und Schelte blieben nicht aus. 

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Karolina Augusta von Österreich

Sophies und Ludovikas Schwester Kaiserin Karolina Augusta (*8.2.1792,†9.2.1873) Witwe von Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, †2.3.1835) lebte in der Residenz Salzburg und bot Ludwig Victor zumindest so etwas wie ein familiäres Umfeld. Sie trafen sich täglich.  

Des Öfteren fuhr er nach Ischl, das damals ein großes gesellschaftliches Leben bot. Salzburg war weitaus ruhiger und beschaulicher, als das mondäne Ischl – heute ist es genau umgekehrt. Ludwig Victor gab Partys und fühlte sich unbeobachtet.

Er war nicht „ein Habsburger“, er war „der Habsburger“.

Doch das alles blieb nicht lange unbeobachtet und Erzherzogin Sophie ermahnte erbost ihren außer Rand und Band geratenen Sohn sich zu mäßigen. Ludwig Victor beherzigte die Worte seiner Mutter, fuhr nach Salzburg zurück und züchtigte wieder seinen Lebensstil. Er hatte Angst davor, „isoliert“ zu werden. Schon früher konnte man ihn damit bestrafen. von der Familie zu isolieren und das wollte er auf keinen Fall riskieren.

Während seiner Dienstzeit in Salzburg ergab sich eine witzige Episode und zeigte den „Arbeitsfleiß“ des Erzherzoges:
Ein Regierungsleiter übersandte ihm Akten zur Durchsicht. Einige Tage später sandte Ludwig Victor mit dem Worten „höchst interessant“ oder „verbindlichen Dank“ zurück. Der Regierungsleiter erkannte natürlich sofort, dass die Knoten der Akten nicht gelöst wurden.

Ebenfalls ab 1861 ließ er in Wien sein wunderschönes Erzherzog-Ludwig-Victor-Palais bauen (Wien 1., Schwarzenbergplatz 1). Es hatte nicht nur eine exklusive Adresse, sondern auch einen exklusiven Bauherrn. Niemand geringeren als Heinrich von Ferstel ließ er als Architekten an sein Palais heran. Er pendelte ab sofort zwischen Salzburg und Wien und lebte Abwechslungsweise in Schloss Klessheim und in seinem LV-Palais.

Foto: Akpool.de
Erzherzogin Charlotte bzw. Kaiserin Carlota von Mexiko

1866 baute er das Winterschloss „Kavaliershaus“ in Klessheim aus, so dass er auch im Winter in Salzburg bleiben konnte. Hier feierte Luzi-Wuzi ausschweifende Partys, die bald über Salzburg hinaus berüchtig waren. Die Offiziere hatten bald vom Militärcasino Verbot beim Erzherzog aufzutauchen, da es Gerüchte für „einseitige Ausschweifungen“ gab.

Die Salzburger selbst begannen ihren Erzherzog an zu lieben. Wo er auftauchte floss das Geld. Er half den Bürgern wo er konnte. Er baute Krankenhäuser, Schulen und Universitäten. Er setzte sich für die Armen ein und ließ Frauen- und Waisenhäuser bauen. Er war sich nicht zu Schade dafür den Kranken der Stadt einen Besuch abzustatten, ihnen die Hand zu schütteln und Geld für Medizin dazulassen. Es gab keinen Habsburger vor und nach ihm, der sich so für die Belange der Menschen einsetzte wie Luzi-Wuzi.

1865 fuhr Ludwig Victor nach Schloss Miramare, um bei seinem Bruder Erzherzog Ferdinand Maximilian zu sein, der gerade zum König Maximilian I von Mexiko (*6.7.1832, †19.6.1867) gekrönt wurde. Seiner immer noch fassungslosen und gramgebeugten Mutter schrieb er folgende Worte nach Hause:

„Vielleicht 60.000 Menschen waren im Schloß und Garten, wo auch Ehrencompanie mit Musik aufgestellt war, die zuerst die Volkshymne und dann ein mexikanisches Lied spielte (es war schrecklich!). Max ging rechts und führte Charlotte links; er war in Thränen aufgelöst, sie eben vom Gabelfrühstück gekommen, seelencontent (empörend). Ich hab’s ihr auch gesagt. Denn ich selbst ging von dem Moment an beinahe zu Grunde. So sein Heimat, seinen gnädigen Kaiser, alle Lieben zu verlassen, ist ja schrecklich; er fühlte das auch sehr… Max grüßte noch einmal das ganze überfüllte Ufer entlang, sah noch einmal seine liebe Schöpfung an und verschwand für längere Zeit in seiner Cabine… auf seinem Schreibtisch hat er die Photographie von uns Vier und von Dir und ober seinem Bett das Heiligenbild, das Du ihm beim Abschied schenktest. Er kann gar nicht von Dir sprechen, ohne Thränen in den Augen…“ (3)

Bis Rom begleitete Ludwig Victor seinen Bruder, dann hieß es endgültig Abschied nehmen. „Wir nahmen herzzerreißenden Abschied, heulten beide fürchterlich. Es war ganz schrecklich, er sagte mir noch für alle sehr hübsche, liebe Sachen die ich Euch mündlich mittheilen will.“ (4)

Dass es ein Abschied für immer wird, konnte er nicht ahnen.


Als die Familie vom Ableben von Max erfuhr, war es wieder Erzherzog Ludwig Victor der auf die Reise nach Schloss Miramare geschickt wurde. Dort hielt sich Erzherzogin Charlotte (*7.6.1840, †19.1.1927) Max Ehefrau bzw. Witwe auf. Von ihr wollte er erfahren, was passiert war.

Doch er fand sie einem Zustand höchster psychischer Verwirrtheit vor, die Zeit ihres Lebens andauern sollte. Nie wieder sollte sie sich von den Vorfällen in Mexiko erholen. Zeit ihres Lebens wusste sie nichts vom Ableben ihres Mannes, Zeit ihres Lebens sprach man sie mit kaiserlicher Hoheit an, da sie glaubte, noch immer in Mexiko und Kaiserin zu sein.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig, Kaiser Franz Joseph (sitzend), Kaiser Maximilian von Mexiko (dahinter), Erzherzog Ludwig Victor
Bild: Ludwig Angerer

Ludwig Victor war es, der den Sarg mit Max von der SMS Novara entgegennahm, ihn in Triest auf den Sonderzug hieven ließ und ihn nach Wien begleitete.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ferdinand Maximilian, Kaiser
Maximilian I von Mexiko

Im August 1867 trafen sich Kaiser Franz Joseph und Kaiser Napoleon III (*20.4.1808,†9.1.1873) zu Gesprächen in Salzburg. Letzterer war zwischenzeitig zum erklärten Feind geworden, da er Max so kläglich im Stich gelassen hatte. Gerade Erzherzogin Sophie verzieh ihm das nicht. Ludwig Victor stand seinem Bruder bei diesem äußerst heiklem Gespräch im Schloss Klessheim zur Seite. Abends ließ Luzi-Wuzi den Park in einen spektakulären Garten verwandeln mit Beleuchtung, Feuerwerk und einer Regatta im Schlossteich.

Foto: Wikimedia/Commons
Napoleon III
Bild: F.X. Winterhalter

Im Oktober 1867 fand in Paris der offizielle Gegenbesuch statt. Kaiserin Elisabeth blieb in Wien, da ihr die Reise zu dieser Zeit zu strapaziös gewesen wäre, da sie schwanger war. Kaiser Franz Joseph nahm seinen Bruder Ludwig Victor mit und Kaiserin Eugénie (*5.5.1826, †11.7.1920) war ganz entzückt von ihm. Am darauffolgenden Tag schrieb Franz Joseph seiner daheimgebliebenen Frau:

„Die Kaiserin (Anmerkung Petra: Eugénie) hat mit Ludwig verabredet, heut mit ihm im Luftballon, der täglich vom Ausstellungsgarten aufsteigt, zu fahren. Es ist keine Gefahr dabei, da der Ballon an einem Stricke gehalten wird, allein der Kaiser (Anmerkung Petra: Napoleon III) darf nichts davon wissen. So etwas hättest Du nicht hinter meinem Rücken….“ Doch zu guter Letzt entschied sich Eugenie um und fuhr mit Ludwig Victor richtig ohne Strick Ballon. (2)

1870 verließ er Salzburg wieder und zog für einige Zeit in seine Sommerresidenz in die Penzingerstraße 9. Heute ist es das Max-Reinhardt Seminar. Diese Villa war angemietet und diente zum Zweck, dass sie in unmittelbarer Nähe von Schloss Schönbrunn war, aber doch weit genug entfernt, um machen zu können was er wollte.

Vor allem als der langjährige Freund und Vertraute, sein Kämmerer k.u.k. Rittmeister 32jährig schwer erkrankte. Paul Merveldt lebte mit Ludwig Victor zusammen und die Literatur geht hier auseinander: Waren sie oder waren sie nicht – ein Paar.

Fakt ist, es gibt 2 Geschichten, warum Paul verstarb. Eine offizielle Version, die auch durch die Gazetten ging und die ehrliche, richtige Version.

Paul Merveldt wurde am 24.4.1838 geboren. Sein Vater war Maximilian Graf Merveldt und Adjutant bei Erzherzog Karl Ludwig. Seine Mutter war Octavia Gräfin von Czernin von Chudenitz.

Schon als Kinder kannten sich die beiden und schließlich wurde Paul bei Ludwig Victor Kämmerer. Laut Gazetten verschluckte Paul Merveldt beim Essen ein Knochenteilchen und erstickte 3 Tage später daran, da es niemand schaffte, ihn von dem Knochen zu befreien.

Dem entgegenzusetzen ist, dass es eine Korrespondenz zwischen Sophie und Luzi-Wuzi gibt, wo dieser über die schwere Erkrankung von Paul berichtet, lange bevor Paul den dubiosen Knochen verschluckt haben soll. Ebenfalls hielt Ludwig Victor Korrespondenz mit dessen Mutter. Da nichts zu helfen schien, wurden die besten Ärzte hinzugezogen und sogar Kaiserin Elisabeth stellte ihren Leibarzt zur Verfügung.

Paul war bettlägerig und musste mehrfach operiert werden.

Katrin Unterreiner diagnostiziert in ihrem Buch „Luzi-Wuzi“, dass Paul aufgrund der Briefe von Ludwig Victor an seine Mutter Sophie an Syphilis litt, da dieser bereits schlecht hören, kaum noch sehen konnte und der stinkende Wundbrand einsetze.

Foto: styriabooks.at
Erzherzog Ludwig Victor mit Paul Merveldt und einem Merveldt-Bruder

Studiert man allerdings die Tagebücher von Erzherzogin Sophie, liest man, dass am 23.4.1870 eine OP gelungen ist, die ein junger Chirurg namens Billroth durchgeführt hatte.

Dabei wurde eine eitrige Leberzyste geöffnet, die durch einen „Leberwurm“ hervorgerufen wurde. Sophie notierte entsetzt, dass ein ganzer Pferdestallkübel mit einer grünlichen Flüssigkeit abgegangen ist.

Dieser wichtige Eintrag von Sophie, lässt die Vermutung zu, dass Paul an einem Hunde- oder Fuchsbandwurm litt (Echinokokkose). Bei Ein- oder Austritt der Flüssigkeiten können die Zysten auch in andere Organe – auch ins Gehirn – abwandern.

Nach dieser Operationen reichte es Ludwig Victor und er veranlasste den Transport zu sich nach Penzing, wo er die Pflege von Paul übernahm. Er kümmerte sich um den Kranken bei Tag und Nacht. Leider kam trotzdem jede Hilfe zu spät.

Paul erlag seiner schweren Krankheit mit 32 Jahren in Wien Penzing am 3.6.1870.

Ludwig Victor war untröstlich und Mama Sophie tröstete ihren Sohn wo sie nur konnte.

Immerhin war ihr Luzi-Wuzi die größte Stütze gewesen, als ihr Liebling Max starb. Er zog quasi zurück in die Hofburg. Las ihr beinahe Tag und Nacht vor, sah zu, dass sie aß, ging mit ihr spazieren, las ihr stundenlang ein- und dieselben alten Briefe von Max vor und erzählte ihr immer wieder von den schönen Augenblicken in der Kinderzeit, der Hochzeit, den schönen Erinnerungen in der Hofburg und Schönbrunn und natürlich an die Besuche in Miramare. Dies dankte sie ihm jetzt, in dem sie nach Pauls Tod für ihn da war.

Als am 25.8. und 26.8.1877 Salzburg von einem der schlimmsten Hochwasserkatastrophen des Jahrhunderts betroffen war, war Ludwig Victor sofort zur Stelle. Er half nicht nur finanziell aus, sondern auch den Menschen direkt vor Ort.

Die Salzach trat über das Ufer am Elisabethkai, Rudolfskai und Franz-Josefskai, so dass die Altstadt völlig überschwemmt und abgeschnitten war. Erzherzog Ludwig Victor kaufte sofort Boote an, um die Menschen retten lassen zu können und ließ frisches Wasser, sowie Essen verteilen.

Sein 60. Geburtstag wurde am 15.5.1902 in Salzburg groß gefeiert. Alles war vor Ort was Rang und Titel hatte. Am 24.8.1902 eröffnete er die „Erzherzog-Ludwig-Viktor-Brücke“ über der Salzach und der „Alte Markt“ wurde in „Ludwig-Viktor-Platz“ umgetauft (heißen heute beide anders).

Danach zog er sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Er pendelte zwar noch zwischen Wien und Salzburg hin und her, aber die wilden Partys gingen zurück. Es wurde still um den einst so wilden Erzherzog.

Am 1.2.1904 kam es dann doch noch zu einer Verbannung von Wien nach Salzburg und Erzherzog Ludwig Victor sollte nie wieder nach Wien zurückkommen. Sein schönes Palais zerfiel zusehends und in Klessheim wurde es noch ruhiger.

Zuerst fuhr Erzherzog Ludwig Victor 3 Monate auf Kur nach Meran in den Meranerhof, danach ging es direkt weiter nach Schloss Klessheim. Die Wiener erfuhren nie den wahren Grund. Nun aber ist die berühmte Kaiserbründlbad-Geschichte doch noch dran.

Das ist die Geschichte die jeder kennt und die bis heute noch in wirklich jedem Buch verbreitet wird:
Zu einem Affront kam es, als es im Kaiserbründlbad zu einer Schlägerei kam. Dort irrte sich der Erzherzog bei einem jungen Mann ob seiner sexuellen Orientierung und bekam eine Ohrfeige. Da der Mann Ludwig Victor erkannte, drohte er mit einem Skandal und einer öffentlichen Kundmachung. Um dieser zu entgehen, schickte Kaiser Franz Joseph Luzi-Wuzi nach Salzburg.

Foto: readymap.at
Kaiserbründl Bad

Das ist die Wahrheit zu jener Geschichte:
Erzherzog Ludwig Victor war gegen die morganatische Ehe von Erzherzog Franz Ferdinand (*18.12.1863,†28.6.1914) und wurde auch nicht müde, dies immer wieder zu betonen. Er wurde auch nicht müde, dies bei seinem Bruder kundzutun. Obwohl es ihn im Prinzip gar nichts anging, mischte er sich allzu gerne ein. Dies war seine Natur. Kaiser Franz Joseph aber, war auch seiner Meinung, und quälte Franz Ferdinand tatsächlich jahrelang bis er sein Einverständnis gab und dieser endlich seine Sophie von Chotek (*1.3.1868, †28.6.1914) heiraten durfte. Erzherzog Franz Ferdinand, der Luzi-Wuzi sowieso hasste wie die Pest, rächte sich bitterlich.

Das Wiener Palais hatte alles nur kein Schwimmbad und so wusste jeder im Umfeld des Erzherzogs lebte, dass er das öffentliche Kaiserbründbad aufsuchte. Gemeinsam mit seinem Adjutant ging er wie so oft in besagte Bad, um sich zu entspannen. Obwohl die Herrensauna nicht vereinbar war, mit den strengen Regeln des Wiener Hofes, sah man immer wieder den Hofwagen in der Weihburggasse stehen und jeder Wiener wusste, dass es jener des Erzherzoges Ludwig Victors war. Was nun wirklich geschah, kann heute nicht mehr korrekt wiedergegeben werden.

Korrekt ist aber, dass es eine Intrige von Erzherzog Franz Ferdinand war, der seine Spitzel postiert hatte und der Herr der sich „belästigt“ fühlte, ein persönlicher Freund von Sophie und Franz Ferdinand war.

Doch Kaiser Franz Joseph wollte nichts mehr hören. Sein Bruder ging diesmal zu weit. Schweigegeld wurde bezahlt und Luzi-Wuzi wurde verbannt. Franz Ferdinand hatte seinen Widersacher besiegt, mit Ludwig Victor aber ging es bergab.

Ab diesem Zeitpunkt litt er seelische Höllenqualen. Immer wieder bat er seinen Bruder zurückkommen zu dürfen, doch Franz Joseph war unerbittlich. Kein Wort wollte er hören und zurück nach Wien durfte Ludwig Victor auch nicht. Ab dem 13.8.1904 ging Primar Dr. Schweighofer von der nahen „Landesheilanstalt für Irrenkrankheiten“ beim Erzherzog Ein und Aus.

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Gisela
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Valérie

Traf man Ludwig Victor war sein Blick oft starr, leer und er konnte dem Gespräch nicht folgen. Anderntags dann war er wieder klar, lustig, machte Späße und lud zum Tee und Kuchen. Doch die Partys wurden weniger, die Leute und die vielen Besuche blieben aus.

Nur noch Erzherzogin Marie Valérie (22.4.1868,†6.9.1924), ihre Kinder, Prinzessin Gisela von Bayern (*12.7.1856, †27.7.1932), ihre Kinder und die Ehemänner kamen ihren Onkel besuchen. Sie wurden sein ganzer Halt.

1905 kam es zur großen Versöhnung mit seinem Bruder, der sich auf den Weg nach Ischl befand und bei Luzi-Wuzi vorbeischaute.

Niemand war je so glücklich wie Ludwig Victor, hatte ihm sein Bruder verziehen – im Grunde hatte er gar nichts getan.

Doch nach Wien kam er nie wieder zurück. Sein Palais verfiel zusehends. 1911 ließ es Kaiser Franz Joseph in ein Militärcasino umwidmen. Immer häufiger zeigten sich geistige Verwirrung und beginnende „Demenz“.

Foto: geni.com
Nora Fugger von Babenhausen

Obwohl Fürstin (Ele)Nora Fugger von Babenhausen (*4.10.1864,†1.3.1945) in ihrer eigenen Biografie gar garstige Worte über Luzi-Wuzi fand, so war sie Zeit seines Lebens mit ihm in Kontakt und sogar befreundet. Sei es per Brief oder auf zahlreichen Festen.

„Er war grundverschieden von seinen Brüdern, war weder militärisch noch kunstverständig, schwächlich, unmännlich, geziert und von garstigem Äußeren. Er führte ein sehr weltliches Leben, war über alles – nicht immer richtig – unterrichtet, seine Zunge war scharf wie die einer Giftschlange. In alles mischte er sich ein, spann darauf Intriguen und freute sich, wenn kleine Skandälchen daraus wurden…“ (6)

Bereits 1912 wurde die Dienerschaft verringert, die Autofahrten wurden eingestellt, der Chauffeur wurde entlassen, die Tore zu Klessheim wurden versperrt und Zulass bekam man nur noch mit Genehmigung von Hofrat Gautsch, der bei Erzherzog Ludwig Victor als Betreuer lebte.

1915 wurde Erzherzog Eugen (*21.5.1863, †30.12.1954) als Sachwalter bestellt, doch leider interessierte sich dieser weder für den Kranken, noch hielt er Nachschau. Und so übernahm Hofrat Gautsch das Kuratel und die alleinige Aufsicht.

In dieser Zeit vegetierte Ludwig Victor schon vor sich hin; unter der Fuchtel von Gautsch.

Ihm wurden nur noch die Zugänge zu 3 Zimmern gestattet, der Rest des einst so prachtvoll ausgestatteten Schlosses war für den Erzherzog versperrt.

Schließlich ließ er die Fenster und die Eingangstüre vergittern und Ludwig Victor lebte wie in einem Gefängnis. Zugang hatte nur ein Pfleger und der Hofrat, nicht einmal mehr seine Nichten Marie Valérie oder Gisela durften mehr zu ihm; es würde den Onkel zu sehr aufregen, so der Hofrat.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Eugen

Als Gautsch an das Vermögen des Erzherzoges und ihn endgültig ins Irrenhaus abschieben wollte, ließ das Primar Schweighofer nicht zu. Er verständigte Erzherzogin Marie Valérie die den sofortigen Einlass forderte.

Sie fand ihren Onkel in einem grauenhaften Zustand. Normalerweise musste sie sich beinahe 1 Woche schriftlich vorher anmelden, weshalb Gautsch reichlich Zeit hatte Luzi-Wuzi herauszuputzen.

Dr. Schweighofer und Marie Valérie konnten zwar nichts gegen Gautsch unternehmen, wohl aber dafür Sorgen, dass es Ludwig Victor etwas besser gehen würde. Das Vermögen wurde nicht an Gautsch ausgehändigt. Außerdem kam von nun täglich ein Pfleger der von Dr. Schweighofer ausgesucht wurde, ins Haus.

Prinzessin Gisela und Erzherzogin Marie Valérie machten es sich zur Aufgabe, unangekündigt zu erscheinen. Dennoch vegetierte Ludwig Victor geistig umnachtet vor sich hin. Er erkannte zusehends weder seine Umgebung, noch seine Nichten.

1916 konnte oder durfte Erzherzog Ludwig Victor nicht mehr am Begräbnis von Kaiser Franz Joseph teilnehmen. Obwohl Kaiser Karl sein Erbe war, kümmerte dieser sich überhaupt nicht um den Kranken. Er erkundigte sich nicht ein einziges Mal nach seinem Großonkel.

Obwohl Ludwig Victor das Ende der Monarchie erlebte, blieb er von dieser unbeeindruckt. Er bekam sie geistig nicht mehr mit. Er war bettlägrig und konnte Klessheim nicht mehr verlassen. Er war vollends auf die Hilfe von Gautsch und seinem Pfleger angewiesen. Ob ihn diese nun gut versorgten und ob das Schloss in einem guten Zustand war, kann heute nicht mehr eruiert werden.

Erzherzog Ludwig Victor starb, als letzter der 4 Brüder, am 18.1.1919 76jährig in Schloss Klessheim. Er ruht am öffentlichen Friedhof in Siezenheim.

Bereits 6 Jahre zuvor hatte er dafür gesorgt, dass jenes Grab angekauft wurde, in dem er heute ruht. Er wollte partout nicht in die Kapuzinergruft überstellt werden. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt.

– Petra –

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Video: Tamara
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara, Wikimedia/Commons, Wien Museum, Theatermuseum, Akpool.de, styriabook.at, readymap.at, geni.com, Österreich Werbung Weinhäupl



Literatur Hinweise:

1 – S.403,
Brigitte Hamann
Die Habsburger: Ein biografisches Lexikon (nur noch antiquarisch erhältlich)
Piper Verlag

2 – S. 78/79, 3 – S. 61, 4 – S. 61
Katrin Unterreiner 
Luzi Wuzi Das provokante Leben des Kaiserbruders Ludwig Viktor
Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG, 1. Auflage

5 – S. 41
Michaela Lindinger
Sonderlinge, Außenseiter, Femmes fatales: Das „andere“ Wien um 1900
Amalthea Verlag, 1. Auflage

6 – S. 126
Nora Fugger
Im Glanz der Kaiserzeit (nur noch antiquarisch erhältlich)
Amalthea Verlag

7 – S. 148, 8 – S 263/4, 9 – S 266
Brigitte Hamann
Kaiserin Elisabeth Das poetische Tagebuch
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 3. Auflage 1995 (nur noch antiquarisch erhältlich)

10 – S 198
Brigitte Hamann:
Kaiserin wider Willen , Amalthea, 1992, 11. Auflage

Erzherzogin Sophie

Copyright Archiv, frei lt. Hrn Georg Markus
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie

„Und eine Kaiserin gehört zum Kaiser.“

Wer hört sie nicht?
Dieses „Singsang“ in der Stimme von Vilma Degischer, die in der Sissi-Trilogie mit Romy Schneider die böse intrigante Schwiegermutter so gekonnt darstellte, dass auf den Social Media Kanälen bis heute geglaubt wird, dass Erzherzogin Sophie tatsächlich so grausam zu Elisabeth war.

Auch habe ich festgestellt, dass Vilma Degischer in ihrer Rolle als Erzherzogin Sophie bis heute richtig gehasst wird. Wenn ich an ihrem Todestag ihren Gedenkbericht veröffentliche, bekomme ich immer garstige Kommentare. Ich verstehe einfach nicht, warum Menschen Rollen mit dem wahren Leben immer noch verwechseln und keinen Respekt haben.

Zur Ehrenrettung von Erzherzogin Sophie muss ich aber auch dazu sagen, dass man zum Zeitpunkt der Filme, noch nicht viel aus dem Leben der ehemaligen Prinzessin von Bayern wusste. Vielleicht war das „der einzige Mann bei Hofe“ bekannt und daraus machte Regisseur Marischka einfach die „böse Schwiegermutter“.

Dieses Mischmasch aus ihrem Spiel mit der Politik und dem Versucht aus Elisabeth eine Kaiserin zu machen, die dieses ablehnte, wurde im Film ganz einfach zu einem kompletten destruktiven Bild das bis heute hält.

Der folgende Bericht ist ein Versuch, Erzherzogin Sopie so zu zeigen, wie sie wirklich war.

Eine fürsorgliche Mutter, die es manchmal allzu gut mit ihren Kindern meinte, eine geplagte Ehefrau, die mit einem geistesschwachen Mann verheiratet wurde und ihr Versuch sich gegen Metternich zu stellen, der sowohl Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, 2.3.1835), als auch Kaiser Ferdinand I. (*19.4.1793, 29.6.1875) beeinflusste. Dass ihr Sohn Erzherzog Franz zum Kaiser Franz Joseph wurde, ist einzig ihr zu verdanken.

Doch natürlich beginne ich wie immer am Anfang:

König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, kurz König Maximilian I. Joseph hatte bereits 5 Kinder aus erster Ehe, aber Königin Auguste Wilhelmine Marie von Hessen-Darmstadt starb am 30.3.1796.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Am 9.3.1797 ehelichte der König Friedericke Prinzessin Karoline Wilhelmine von Baden.

Sophie Friederike Dorothea Wilhelmine Prinzessin von Bayern kam mit ihrer Zwillingsschwester Maria Anna Leopoldine Elisabeth von Bayern (spätere Königin Maria Anna von Sachsen, †13.9.1877) am 27.1.1805 in München zur Welt.

Ihre Schwester Ludovika „Louise“ kam 30.8.1808 (26.1.1892) zur Welt und wurde in späterer Folge die Mutter von Kaiserin Elisabeth. Der Beitrag zu Ludovika kann hier nachgelesen werden.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
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Foto: Wikimedia/Commons
Louise, Sophie und Maria Anna

Bild: Joseph Karl Stieler, 1812  

Sophie und ihre Geschwister wuchsen sehr liebevoll auf.

Ihre Eltern kümmerten sich – zumindest soweit es deren Zeit zuließ – außerordentlich liebevoll um die Kinder.

Karoline wurde auch den Stiefkindern eine liebevolle Mutter, die von allen sehr geliebt wurde. Allen, bis auf Ludwig.

Bereits mit 5 Jahren konnte Sophie lesen und schreiben und schrieb ihrem Vater und ihrer Mutter heiße Liebesbriefe, wenn diese abwesend waren.

Sophie wurde in der Familie Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer genannt. (1)

Ab ihrem 4. Lebensjahr bekam Sophie Unterricht in Französisch, Physik, Geschichte, Lesen/Schreiben usw.; auch Theater- und Ballettabende standen auf dem Programm.

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Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth und Amalie mit der kleinen Maximiliane „Nini“
Bild: Joseph Karl Stieler, 1814

Sophie war Zeit ihres Lebens eine glühende Verehrerin von den schönen Künsten. Sie ging ausgesprochen gerne ins Theater und in die Oper.

Sophie und Maria Anna waren die erklärten Lieblingskinder ihres Vaters, Sophie verehrte Zeit ihres Lebens ihre Mutter, was zahlreiche Briefe belegen.

Als ihre Mutter am 13.11.1841 starb, fing Sophie an, ihre Gedanken in ein Tagebuch zu schreiben.

Schon zu Kinderzeiten schrieb sie glühende Briefe an ihre Eltern:

An ihre Mutter, die mit ihrem Mann König Max, zum Wiener Kongress 1814/15 in Wien weilte schrieb die 9jährige Sophie:


„Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (2)

Schon zu Kinderzeiten musste Sophie einen herben Verlust verarbeiten. Das Nesthäckchen, Maximiliane Josepha Karoline von Bayern, welche am 21.7.1810 geboren wurde und der erklärte Liebling von Mutter und den Kindern war, starb am 4.2.1821 11jährig an Typhus. Zeit ihres Lebens gedachte Sophie ihrer geliebten „Nini“, wie sie genannt wurde, zum Todestag.

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Foto: erzherzoginsophie.at
Erzherzogin Sophie

Lithographie: Josef Kriehuber, 1836

Als Sophie 19 Jahre alt war, wurde sie mit Erzherzog Franz Karl vom Österreichischen Kaiserhaus verlobt.

Franz Karl soll angeblich gleich Feuer und Flamme gewesen sein, als er seine zukünftige Braut erblickte.

Bei Sophie war es eher Fügung in ein Schicksal. Ihr zukünftiger Ehegemahl war leider geistig schwach und auch sonst nicht wirklich fähig, eine große Karriere einzuschlagen. Mein Beitrag zu Erzherzog Franz Karl kann hier nachgelesen werden.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Franz Karl
Lithographie: Josef Kriehuber, 1850

Sein Bruder Ferdinand, der in die Geschichte als Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“ einging, traf es noch schlimmer.

Seine geistigen Eigenschaften waren noch weniger vorhanden als bei Franz Karl.  

Wobei sich auch hier die Mythen ranken. Die einen Historiker/innen schreiben, er war geistig minderbemittelt, die anderen, er hatte überaus geistige Fähigkeiten, da er 5 Sprachen sprach.

Doch die unumwundene Wahrheit war, dass Ferdinand schwere epileptische Anfälle hatte, cholerisch war und späteren Jahren schrieb Sophie sehr spöttische Briefe über sein Aussehen und sein Verhalten.

Bevor noch am 4.11.1824 die Hochzeit in Wien in der Augustinerkirche gefeiert werden konnte, nahm Sophie einen sehr tränenreichen Abschied von München, ihrer Mutter und ihren verbliebenen Geschwistern.

Auch 3 Jahre später schrieb sie immer noch lange und tränenreiche Briefe nach Hause. Sie konnte die Trennung kaum verarbeiten.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz II/I
Bild: Friedrich von Amerling, 1832

Ein glühender Sophie Verehrer wurde ihr Schwiegervater Kaiser Franz II./I (*12.2.1768, 2.3.1835).

„…der Kaiser überhäuft mich mit seiner Güte und es scheint, als wolle er mir den zärtlichen, den besten Vater ersetzen, den ich verloren habe.“ (Brief an Großmama) (3)

Achtung Triggerwarnung!
Fehlgeburten

Auch über ihre Ehe und ihre Schwangerschaftsfortschritte schrieb sie viele Briefe, vor allem an ihre Mutter Königin Karoline und Großmama

„…man kann nicht liebenswürdiger sein als mein Gemahl – und er liebt mich so zärtlich – ….“ (4)

Die größte Sorge von Sophie war, dass sie ihre Kinder nicht austragen konnte. Was auch immer der Grund war, im 19. Jahrhundert konnte dies noch nicht erforscht werden. Und so erlitt Sophie eine Fehlgeburt nach der anderen

Insgesamt 11 Fehlgeburten sind belegt.

Diese sind aber schon zusammengezählt, als einige ihrer Kinder auf der Welt waren. Doch bevor dies so weit war, dauerte es lange.

Geschichtslehrerin und Sophie Biographin Ingrid Haslinger, welche von Otto (von) Habsburg (*20.11.1912, 4.7.2011) 32.000 Seiten handschriftliche Seiten der Erzherzogin übernommen hatte, fand teilweise seltsame Stilblüten zum Schutz von Schwangerschaften. Ich möchte hier ein paar aufzählen:

„Sobald man eine Schwangerschaft vermuthet, muß eine Schnur um den Leib getragen werden von carmoisin rother Seide, jedoch von festfärbiger Farbe; die Schnur muß geknöpelt und nicht von Posamentierarbeit sein. Die Schnur am Bauch gebunden wird bey Zunahme immer erweitet. Dieses Mittel ist nach vielen Versuchen niemals vergebens angewendet worden.“ (4a)

Eine Kur aus wilden Holzäpfeln trinken… (4b)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Louise

Als sich wieder eine Schwangerschaft einstellte und Sophie dies merkte, erlaubte ihr Franz nicht mehr zu ihrer geliebten Schwägerin Marie Louise Herzogin von Parma (*12.12.1791, 17.12.1847) zu gehen, welche einen Stock über ihr wohnte.

Dies wäre mit Treppensteigen verbunden und zu gefährlich gewesen.

Sophie hielt sich an das Verbot, das Kind verlor sie trotzdem.

„Wenn es dir nicht ungelegen ist – geliebte Louise – so würde ich Dich bitten heute um 5 Uhr zu mir zu kommen … allein Franz erlaubt nicht daß ich zu Dir gehe – da er die Treppen für mich fürchtet … Die Ungewißheit – in der ich nun leben muß macht mich ganz desparat!“ (4c)

Die fausses couches (Fehlgeburten) machten Sophie schwer zu schaffen. Verzweifelt schrieb sie ihrer Mutter Ex-Königin Caroline:

„Meine Regel war 15 Tage verspätet – mir war unwohl – ich wechselte die Farbe; schließlich gab es tausend Symptome, die Hoffnung geben konnten und Capellini (Anmerkung Petra: Dr. Franz Cappelini, Leib- und Hofarzt Seiner Majestät) war sich nahezu sicher… nun sind also alle unsere Illusionen zerstört. Vor allem bin ich für unseren teuren Kaiser betrübt, der zu hoffen begann…. der erste Moment, wo ich den Kaiser und all anderen wiedersehe, wird mir peinlich sein… (4d)

Foto: kunst-fuer-alle.de
Erzherzogin Sophie
Bild: Johann Nepomuk Ender
nach Josef Carl Stieler

Danach wurde die Erzherzogin ohne ihren Mann (!) auf Kur geschickt. Zuerst musste sie 6 Wochen in Bad Pirawath zu bringen. Im Jahr 1828 war sie immer noch nicht schwanger, also verbrachte sie den Sommer wieder ohne Franz (!) in Baden bei Wien wo sie Kurbäder nahm und anschließend verbrachte sie einige Wochen mit dem Kaiserpaar in Weinzierl.

Im Februar 1829 wurde Sophie erneut schwanger und die Ärzte hatten alle Hoffnung. Doch eines Abends brach sie stark blutend zusammen. Um die schwer besorgte Erzherzogin nicht noch mehr zu beunruhigen, erzählten ihr die Ärzte, dass es keine „fausses couches“, sondern eine besonders starke Regel war, welche durch eine Verzögerung derselbigen ausgelöst wurde.

Sophie glaubte dies und schlief beruhigt ein.

An ihre Mutter schrieb sie:

„… eine neue Hoffnung – wenn sie mir der Himmel schenkt – kamm mir die verlorene Täuschung ersetzen – aber eine zerstörte Hoffnung – wie die beyden früheren hätte mich muthlos gemacht….“ (4e)

Nun reichte es den Ärzten und Sophie wurde wieder ohnde den Erzherzog nach Ischl geschickt, damit sie die neu entdeckten Solebäder in Ruhe absolvieren konnte. Die Erzherzogin wehrte sich mit Händen und Füßen, da sie nach Bad Krummbach in Bayern wollte, um ihrer Mutter nahe zu sein. Doch Hofrat Capellini und die weiteren Ärzte von Kaiser Franz II/I forderten die Erzherzogin auf nach Ischl zu reisen.

Foto: Wikimedia/Commons
Dr. Franz Wirer Ritter von Rettenbach

Dem nicht genüge getan, musste sie zuvor nach Baden bei Wien und sich auf Ischl vorzubereiten. Sie musste eine Kur aus warmen Flusswasser und Milchbäder über sich ergehen lassen und durfte dann mit all ihren Hofdamen weiter nach Ischl, wo Dr. Franz Wirer schon auf sie wartete.

Dr. Franz Wirer (*2.4.1771, 30.3.1844) war Hof- und Leibarzt bei Kaiser Franz II/I und der Begründer der Ischler Solekurbäder. Er machte Ischl zu dem, was es heute ist: weltberühmt für seine Heilbäder.

Wie das Volk nun mal so war, hängte man Sophie boshaft eine Affäre mit Wirer an. Da dies nicht genügte, waren Franz (Joseph) und (Ferdinand) Max(imilian) Kuckuckskinder und nicht von Erzherzog Franz Karl. Zeit ihres Lebens sprach der Wiener Hof hinter vorgehaltener Hand immer von den „Wirer-Kindern“. Aber noch andere Kanditaten sollen für Sophies plötzliche Kinderschar verantwortlich gewesen sein. Aber dazu später.

26 Bäder nahm sie in Ischl, als sie endlich an den Tegernsee durfte, um ihre Mutter zu besuchen. Obwohl ihr Gemahl sich ebenfall gerade in Tegernsee aufhielt, wurden die beiden strikt getrennt, um Sophie die nötige Ruhe zu gönnen.

Ich möchte hier nochmals daran erinnern, dass die beiden mit aller Macht versuchten schwanger zu werden!

Am Tegernsee wurden ihr weitere 14 Bäder verordnet und eine strikte Diät. Sophie nahm alles klaglos hin, schließlich wollte sie das nächste Kind behalten.

Am 9.1.1830 schrieb sie aufgeregt ihrer Mutter, dass sie im 2. Monat schwanger sei.

Um sie nicht aufzuregen, wurde die Erzherzogin in ihr Zimmer regelrecht eingesperrt!

Ganze 14 Wochen lang musste sie in ihrem Zimmer ausharren und durfte ur 2x am Tag aufstehen, um sich ein wenig die Füße zu vertreten. Den Rest des Tages verbrachte sie im Bett.

Ihr Umfeld wünschte die Ärzte zum Teufel.

Doch Sophie war geduldig, klagte nicht, weinte nicht, beschwerte sich nicht. Sie hoffte nur, dass alles gut gehen würde.

Es war ihr sogar einerlei ob eine kleine Erzherzogin zur Welt kam, oder ein Thronfolger. Sie wollte nur ein gesundes Baby in ihren Händen halten. Mehr war für sie nicht wichtig.

Foto: bayerisches-nationalmuseum.de
Königin Maria Anna von Sachsen
Zwillingsschwester von Sophie
Bild: Joseph Stieler, 1833

Als sie nach den 14 quälenden Wochen endlich aufstehen und sich ein wenig im Hof die Beine vertreten durfte, muss das für sie wie ein Himmelsgeschenk gewesen sein.

Ende Juni 1830 kam Ex-Königin Caroline und Sophies Zwillingsschwester Königin Maria Anna von Sachsen (*27.1.1805, 13.9.1877) um ihr bei der Geburt beizustehen. Sophie war über alle Maßen glücklich darüber. Gerade ihre Mutter wollte sie um jeden Preis bei sich haben.

Erzherzogin Sophie lag zwei Tage und zwei Nächte unter höllischen Schmerzen in den Wehen, bevor die Zangengeburt eingeleitet werden konnte.

Um 9.45 Uhr am 18.8.1830 war es endlich so weit. Ein wunderschöner Bub wurde in Schloss Schönbrunn geboren.

Triggerwarnung Ende!

Die glückliche Oma Caroline schrieb ihrer eigenen Mutter, der nunmehrigen frischgebackenen Ur-Großmutter Friedericke Amalie Erbprinzessin von Baden (*20.6.1754, 21.7.1832):

Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Erbprinzessin von Baden
Ur-Großmutter von Kaiser Franz Joseph

„Meine liebe Mutter!
Sophie ist soeben eines starken, schönen und gesunden Knaben genesen. Wir sind trunken vor Freude nach all den Leiden, die kein Ausdruck Ihnen treffend genug schildern kann. Es sind zweimal 24 Stunden vergangen, seit ich mein Bett nicht mehr gesehen habe. Ich bin vollständig niedergebrochen und doch so glücklich, meine Sophie und ihr Kind, das mit der Zange genommen werden mußte, behalten zu haben…
Meine arme Sophie hat sich während der zwei volle Tage und Nächte dauernden grausamen Leidens wie ein Engel benommen.“ (4f)

Der Thronfolger wurde mit 101 Kanonenschüssen begrüßt.

Die Taufe fand am 20.8.1830 statt. Kaiser Franz II/I war der Taufpate, weshalb der Bub die Namen

Franz Joseph Karl

erhielt. Es waren dieselben drei Vornamen des Kaisers, zudem waren der erste und der dritte gleichzeitig auch die Vornamen des Vaters.

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Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals SSternenkaiserin)
Foto: Wikimedia/Commons Louise Baronin von Sturmfeder
Foto: Wikimedia/Commons
Johann Philipp Graf von Stadion

Schon lange vor ihren Schwangerschaften suchte Sophie eine Aja (Kindermädchen) für ihr zukünftiges Kind. Empfohlen wurde ihr Louise Baronin von Sturmfeder (*3.10.1789, †10.9.1866) vom Außenminister Johann Philipp Graf von Stadion (*18.6.1763, 15.5.1824).

Baronin von Sturmfeder hatte keinerlei Vermögen, war unverheiratet, hatte aber Durchsetzungsvermögen, war überaus charmant, intelligent, hatte Witz und lernte sich, durch ihre schwierigen Familienverhältnisse, früh durchzusetzen. Genau das, was sie am Wiener Hof brauchte.

Als sie an diesen berufen wurde, wusste sie genau, worauf sie sich einlassen würde. Noch dazu war sie bereits 41 Jahre alt und eine im Leben stehende Frau.

Noch am Tag der Geburt wurde der kleine Erzherzog seiner Aja übergeben. Diese richtete sofort die Kindskammer ein. Diese bestand nunmehr aus einer Kindsfrau, einem Kindermädchen, zwei Leiblakaien, einer Kindsköchin, einem Kammerweib für das Kind, einem Kammerweib für das Kammerweib, und einer Küchenmagd.

Kaiser Franz II/I war sehr begeistert von ihr und wies ihr in weiterer Folge die gesamte Kindskammer zu. Dies bedeutete die Aufsicht der Lakaien, Dienstboten, Ammen und den gesamten Hofstaat aller weiteren Enkel des Kaisers. Sie wurde in weiterer Folge nicht nur die Aja von Franzi, sondern auch von Maxi, Karl Ludwig, Anna und Luzi-Wuzi.

Sophie erholte sich nur langsam von der Zangengeburt. Die Ärzte hatten sie stark verletzt und den engsten Mitgliedern ihrer Familie im Vertrauen mitgeteilt, dass sie das schlimmste befürchten.

Kaiser Franz II/I saß täglich drei Stunden bei seiner geliebten Schwiegertochter und versuchte sie wach zu halten, denn man sagte ihm, so solle so wenig wie möglich schlafen. Es könnte sein, dass sie nicht mehr erwachen würde.

Sie erhielt von ihrem Mann Besuch, von ihrem sehr engen Vertrauten und Seelenfreund Napoleon Franz Herzog von Reichstadt (Sohn von Marie Louise von Parma) und alle sollten sie wach halten. Diese Prozedur ging einige Wochen, auch die überstand Sophie. Die Glückseeligkeit, dass sie ein lebendes Kind auf die Welt gebracht hatte, ließ sie alle Qualen der Ärzte überstehen.

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Foto: Wikimedia/Commons
Gustav Prinz von Wasa
Lithographie: Josef Kriehuber, 1830

Doch noch immer nahmen die Gerüchte, dass nicht Erzherzog Franz Karl der Vater von Franz sein soll, kein Ende.

Als Dr. Wirer so ein bisschen ins Hintertreffen gelangte, kam ein anderer Namen der bösartigen Leute, die nichts anderes zu tun hatten, als zu Tratschen, ins Spiel.

Nun soll Gustav von Holstein-Gottorp, Prinz von Schweden, ab 1829 Prinz von Wasa (*9. Nov. 1799, †4.8.1877) der Vater gewesen sein.

Dieser lebte in Wien im Exil und ging bei Hofe ein und aus.

Sophie und Prinz Wasa wurde eine heftige, leidenschaftliche Affäre nachgesagt.

Nicht nur Erzherzog Franz (Kaiser Franz Joseph), auch Erzherzog Ferdinand Maximilian sollen angeblich die Kinder dieser Affäre sein.

Sämtliche Affärengerüchte, konnte kein/e Historiker/in rund um Erzherzogin Sophie jemals bestätigen.

Ingrid Haslinger, die ihre Hinterlassenschaft von 32.000 handschriftlichen Manuskripten durchsah, fand nichts in diese Richtung.

Erzherzogin Sophie war eine tiefgläubige Katholikin und immer überglücklich, dass ihr Franz Karl nicht fremd ging, obwohl in diesen Kreisen das Obligo war. Diese Briefe sind belegt und auch in ihren beiden Biografien nachzulesen, dass sie darüber schrieb.

Meiner Meinung nach, sind dies genauso wilde und bösartige Tratschereien, wie bei Kaiserin Elisabeth und ihren lesbischen Avancen und der leidigen Andrássy Affäre.

Trotzdem wurden beide Söhne „Wasa-Buben“ genannt.

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Foto: habsburg.net
Napoleon Franz Bonaparte,
Herzog von Reichstadt

Der nächste angebliche Vater soll Napoleon Franz Bonaparte, besser bekannt als Herzog von Reichstadt (*20.3.1811, †22.7.1832) gewesen sein. Er soll Erzherzog Ferdinand Maximilian gezeugt haben.

Herzog von Reichstadt war ein inniger Vertrauter von Sophie und ging Privat bei ihr ein und aus. Das ging so weit, dass er sich niemals bei ihr anmelden musste. Sie nannte ihn „ihren Seelenfreund“.

Das Gerücht, dass er der Vater sei, wurde später sogar von Erzherzog Ferdinand Maximilian (*6.7.1832, 19.7.1867), Kaiser von Mexiko selbst immer wieder angeheizt. Er eiferte grundsätzlich mit seinem Bruder Franz Joseph und wusste, dass er ihn damit verletzen konnte.

Da er aber der Lieblingssohn Sophies war, verletzte er eher seine Mutter.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz
Bild: Joseph Karl Stieler, 1831

Sophie war eine sehr liebende, etwas übervorsichtige und leicht hysterische Mutter.

Die erste Zeit stillte sie ihren Franz sogar selbst, was in dieser Zeit völlig ungewöhnlich und extrem selten war. Normalerweise wurde im Adel das Kind einer Amme (= eine Mutter, die gerade selbst Mutter wurde und Milch in den Brüsten hatte) zum Stillen übergeben.

Dieses Stillen ist für mich deshalb so ungewöhnlich, weil Sophie dies ihrer Nichte und späteren Kaiserin Elisabeth verbat und diese extreme Schmerzen, Fieber und eine schwere Milchdrüsenentzündung bekam.

Franzi durfte einmal vom November bis März sein Zimmer nicht verlassen, da eine Grippewelle herrschte und er sich hätte anstecken können.

Für Sophie war er „der von Gottes Gnaden“ geschenkte Sohn. Und so behandelte sie ihn auch. Die ganze Kindheit bis zum Thron von Kaiser Franz Joseph könnt ihr hier nachlesen.

Baronin Sturmfeder rief sie zur Ordnung, als sie hörte, dass diese Franzi „Meinen Prinz“ nannte. Sophie berief sich auf den Kaiser, dass diese ihren Sohn, ausdrücklich „Erzherzog“ zu nennen habe.

Doch das stimmte nicht.

Sophie konnte Personen die niederen Adels war nicht leiden und ließ diese das spüren. Obwohl sie selbst als Prinzessin aufgewachsen war, hielt sie den Titel „Prinz“ für abfällig. Erzherzog hingegen war für ihren Franzi gut genug. Deswegen bestand sie schon als Baby auf diese Anrede.

Als gegen Ende 1830 Hochzeitspläne für den schwer epileptischen Ferdinand in Erwägung gezogen wurden, wurde Sophie äußerst nervös. Ihr Sohn stand an dritter Stelle der Thronfolge. Hätte Ferdinand Kinder gezeugt, wäre die Thronfolge verloren gewesen und das wusste sie.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Maria Anna
Bild: Johann Ender

Als die Ärzte die Freigabe für eine Hochzeit gaben und Italien die Hand der Königstochter Maria Anna Prinzessin von Savojen (*19.9.1803, †4.5.1884) ebenso, war Sophie einer Ohnmacht nahe.

Doch die Ärzte konnten sie beruhigen. Niemals hätte Ferdinand auf natürlichen Wege Kinder zeugen können und eine andere Möglichkeit gab es damals noch nicht. Hätte Maria Anna also ein Kind bekommen, hätte wirklich jeder gewusst, dass sie eine Affäre hatte.

Am 27.1.1831 wurde die Hochzeit mit dem Kronprinz und der Prinzessin Maria Anna gefeiert. Die Hochzeit glich einer Trauerfeier.

Sogar dem Bräutigamvater Kaiser Franz II/I erbarmte sich für die schöne Braut. Ihm entfuhr bei der bei der Trauung:

„Daß Gott erbarme“ (5a)

Bis heute ist in der Literatur umstritten, ob die Ehe jemals vollzogen wurde. Ferdinand war so schwer behindert, dass davon ausgegangen werden muss, dass er dazu nicht imstande war. Mit stoischer Gelassenheit und in Erfüllung ihrer karitativen Aufgaben ging Maria Anna ihren Weg. Zu dem half ihr ihre tiefe Gläubigkeit über die cholerischen Ausbrüche ihres Mannes hinweg. Sie wurde mehr zur Krankenschwester, als zur Ehefrau.

Neben der Trauer ihrer verlorenen Kinder, gesellte sich der tiefe Schmerz zum Verlust ihres Seelenfreundes Franz Herzog von Reichstadt hinzu.

Foto: sammlung.wienmuseum.at
Erzherzog Franz und Erzherzog Ferdinand Maximilian
Lithographie: Josef Kriehuber, 1833

Obwohl sie gerade Hochschwanger war, wachte sie Tag und Nacht am Krankenbett ihres Freundes, als dieser an Tuberkulose erkrankte.

Am 6.7.1832 kam Erzherzog Ferdinand Maximilian, Zeit seines Lebens immer nur Max genannt, in Schloss Schönbrunn auf die Welt.

Als Franz Herzog von Reichstadt schließlich mit 21 Jahren am 22.7.1832 in Schloss Schönbrunn starb, ging die Welt für Sophie beinahe unter.

Sophie trauerte lange um ihren Freund.

Obwohl Sophie weiterhin schwanger wurde, erlitt sie immer wieder Fehlgeburten. Einmal war sie so schwer getroffen, von ihrem Schicksal, dass ihr Baronin Sturmfeder den quietschvergnügten Franzi brachte.

„Ich hoffe, daß der liebe Gott mir diesen erhalten und nicht dieses Opfer fordern wird.“ (4g)

Die Erzherzogin war der Verzweiflung nahe und trotzdem brachte sie am 30.6.1833 wieder in Schloss Schönbrunn einen gesunden Buben zur Welt.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig 15jährig
Bild: Anton Einsle, 1848

Nach dem nun Franzi ihr Sohn von „Gottes Gnaden“ war und Max ihr absolutes Lieblingskind wurde, den sie verhätschelte und ihm alles kaufte was er Zeit seines Lebens wollte, war nun Karl Ludwig auf der Welt.

Während Franzi oft isoliert wurde und von den Brüdern nicht so viel hatte, durften Maxi und Karli miteinander spielen. Max war dafür bekannt, dass er sehr viele Streiche spielte.

Vor allem die Lehrer waren immer sein erklärtes Ziel. Sophie war jeden Tag bei den Lerneinheiten zugegen, da sie alles mit Argusaugen bewachte. Doch auch hier wurde Franzi wieder mehr gedrillt, als seine Brüder.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin „Ännchen“
Lithographie Joseph Kriehuber

Am 27.10.1835 kam Sophies ganzer Stolz zur Welt: Maria Anna Karolina Pia, genannt „Ännchen“. Sie war der Sonnenschein der gesamten Familie und wurde von allen umhegt und umpflegt.

Eine kleine Episode aus dem Leben mit Ännchen möchte ich hier erwähnen.

Als das kleine Mädchen „Töpfchen gehen“ lernte, zeigte sie das mit ihrer Puppe Baronin Sturmfeder, die ebenfalls zu ihrer Aja wurde.

Die Szene wurde von ihrer Mutter beobachtet, die dies natürlich gleich voller Stolz an Oma Caroline in Bayern übermittelte:

„Unlängst setzte die Kleine ihrer Puppe auf ihren kleinen Topf und sagte ni ni, wie sie es sagt, wenn sie ihr kleines Geschäft machen will…. sie plaudert gerne und nenne sich selbst Mausina u. Schatzerl…“ (4h)

Foto: oldthing.de
Franzi (am Schaukelpferd), Max (kniend), Ännchen und Karl Ludwig

5 Jahre durfte sie der Familie die größte Freude machen. Ännchens Beitrag kann hier nachgelesen werden.

Bei Ännchen trat die Habsburgische Heiratspolitik voll zu Tage. Sie hatte schwere Epilepsie und die Ärzte waren so enorm damit beschäftigt sich selbst zu übertrumpfen, dass sie Gefahr übersahen. Am 5.2.1840 starb die kleine Erzherzogin in den Armen der gramgebeugten Mutter.

Sophie überwand diesen Tod nie. Die vielen Fehlgeburten und 1840 auch noch eine Totgeburt, zerrten ihren Körper und ihre Seele aus.

Sie wollte keine weiteren Kinder mehr, dies schrieb sie auch ihrer Mutter. Doch Verhütung aller Arten gab es damals noch lange nicht und so mussten die Kinder geboren werden, wie sie kamen.

Foto: domquartier.at
Erzherzog Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“

Der letzte im Bunde war Erzherzog Ludwig Victor, Zeit seines Lebens in der Familie immer nur „Luzi-Wuzi“ genannt. Er kam am 15.5.1842 zur Welt.

Er galt von Anfang an als „Sonderling“ und in seinen späteren Jahren stellte sich heraus, dass Luzi-Wuzi Homosexuell war.

Dies war im 19. Jahrhundert nicht ungefährlich und wurde normalerweise mit Gefängnis bestraft. Da er aber der Bruder des Kaisers war, ließ man ihn die meiste Zeit in Ruhe und akzeptierte sein Lebensmodell. Sein Beitrag kann hier nachgelesen werden.

Sophie unterstützte Zeit ihres Lebens ihren Sohn und er sie. Luzi-Wuzi war die größte Stütze in ihrem Leben.

Was später Kaiserin Elisabeth immer angelastet wurde, sorgte bei Sophie für Verwunderung. Sowohl Sophie, als auch Kaiserin Karolina Augusta (*8.2.1792, 9.2.1873) saßen mit den Kindern am Boden und spielten mit ihnen. Dies sorgte für große Ver- und Bewunderung am Wiener Hof. Der Beitrag Elisabeth als Mutter kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Karolina Augusta
Unbekannter Maler; Bild geschönt

Kaiserin Karolina Augusta war eine (Halb)Schwester von Sophie und Ludovika. Sie wurde als Karoline Charlotte Auguste Kurfürstin von Bayern geboren, welche später zur Prinzessin von Bayern aufstieg, da ihr Vater Maximilian Joseph (*27.5.1756, 13.10.1825) König von Bayern wurde.

Sie ehelichte in 1. Ehe Kronprinz Wilhelm von Württemberg (*27.9.1781, 25.6.1864) der sie allerdings sehr schlecht behandelte und die Ehe nie vollzog.

Durch politische Ereignisse konnte die Ehe 1814 geschieden und für ungültig erklärt werden. Am 29.10.1816 wurde sie – ebenfalls durch politische Vermittlung – an den Wiener Hof verehelicht. Die Ehe mit Kaiser Franz II/I war dessen 4te Ehe und wurde sehr glücklich, blieb aber kinderlos.

Durch die lieblose Behandlung in ihrer ersten Ehe legte sie ihren Vornamen ab und änderte ihn in Karolina Augusta. Durch die Kinderkrankheit Blattern war sie im Gesicht durch Narben entstellt, was aber die Liebe von Franz nicht trübte. Er behandelte alle seine Ehefrauen liebe- und respektvoll und war jedesmal bestürzt, wenn sie ihm „wegstarben“.

Sophie war froh ihre Schwester am Wiener Hof zu haben, da sie sich gut mit ihr verstand. Sie half ihr sich einzuleben und ein bisschen das Heinweh zu nehmen, was sie jahrelang durchlitt.

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Foto: Donaumonarchie.com
Erzherzog Franz Karl, Erzherzogin Sophie mit Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzogin Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna, ca. 1836

Sie liebte alle ihre Kinder, aber bei keinem verschwendete sie so viel Energie und Aufmerksamkeit wie bei ihrem Franzi.

Franzi wurde teilweise sogar abgesondert, durfte mit den Kindern der am Hof lebenden Familien nicht spielen und wurde immer als „etwas Höheres“ gesehen.

Sophie wurde in den späteren Jahren immer vorgeworfen, dass genau das der Grund sei, warum Kaiser Franz Joseph mit anderen Menschen nur schwer oder gar nicht umgehen konnte.

Zeit seines Lebens tat er sich mit Small Talk schwer und hatte kaum, bis gar kein Feingefühl für andere Menschen. Er galt als gefühlsarm und oberflächlich.

 Franzi war ein einsames Kind und Kaiser Franz Joseph sollte es bis zu seinem Tod bleiben.

Sophie glaubte an die Monarchie und war immer davon überzeugt, dass die Monarchie die einzig wahre Regierung ist. Der Monarch hatte die Macht und das Volk hatte dankbar zu sein.

Auch wenn sie Zeit ihres Lebens Schirmherrin für verschiedene karitative Vereine Geld aus ihrem Privatvermögen spendete, stand sie auf dem Standpunkt

„Das Volk habe dem Kaiser zu dienen.“

Dass aber das Volk nach einer Änderung dürstete und die Knechtschaft unter den Habsburgern satt hatte, sah sie nicht.

Sie lehnte jede Reform ab.

Allerdings geriet ihre Welt ins Wanken, als ihr geliebter Schwiegervater und Befürworter Kaiser Franz II./I. am 2.3.1835 starb.

Die schützende Hand, die immer über ihr war, war nun Tod. Als sich auch noch ihre Schwester Ex-Kaiserin Karolina Augusta nach Salzburg zurückzog, war sie alleine mit dem neuen Kaiser, den sie weder leiden, noch akzeptieren konnte.

Foto: Wikimedia/Commons
Ex-Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“, Foto: Leopold Kupelwieser, 1847

Kaiser Ferdinand I. anzuerkennen war ihr größtes Problem. Doch es half nicht, er war der Kronprinz und übernahm am 2.3.1835 den Thron.

Ihr einziger Triumpf am Wiener Hofe, waren nun die Kinder.

Vor allem Erzherzog Franz, wurde von ihr noch mehr gehegt und gepflegt, da er jetzt an zweiter Stelle in der Thronfolge stand.

Schon Kaiser Franz II./I. nahm keine Reformen an, Ferdinand I. war dazu noch weniger in der Lage. Klemens Wenzel Fürst von Metternich (*15.5.1773, 15.5.1773) sah nun noch mehr seine Chance seine Staatsinteressen durchzusetzen.

Foto: Wikimedia/Commons
Fürst Metternich
Bild: Thomas Lawrence, 1815 

Er beeinflusste schon gekonnt Kaiser Franz II/I, aber zu Kaiser Ferdinands Zeiten regierte er beinahe alleine.

Sie unterstützte so weit es ging Metternich in seinen Vorhaben, schon alleine deshalb, damit sie immer wusste, was er vorhatte.

Dennoch konnten sich beide nicht ausstehen.

Fürst Metternich lehnte Erzherzogin Sophie ab. Kaiserin Maria Anna war ihm viel lieber. Natürlich. Sie war biegsam, fromm, mischte sich in die Politik nicht ein und kümmerte sich um ihren behinderten Mann, beeinflusste ihn aber nicht.

Sophie hingegen war eine Prinzessin von Bayern, wunderschön, hatte den Thronfolger geboren und wusste um ihre Stellung. Dazu war sie überaus Intelligent, spielte dies auch noch gegen den Fürsten aus, in dem sie viel zu viel von Politik, Macht, Militär und der Monarchie verstand.

Der höchste Adel ging bei ihr täglich Ein und Aus und sie wusste immer was zu tun war. All das passte ihm ganz und gar nicht. Sophie passte nicht in sein gepflegtes „Altmänner-Weltbild“.

Obwohl sie selbst keine Reformen mochte, ärgerte sie sich Jahre später über ihren Schwiegervater sehr, der sehr stagnativ in seiner Herrschaft war.

Auch Franz Joseph sollte später keine Reformen zulassen und steckte in den alten starren Gepflogenheiten seines Großvaters fest.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie, 1866

Sophie legte Wert auf einen streng geregelten Tagesablauf: zwischen 7.00 Uhr – 7.30 Uhr stand sie auf, danach ging sie zur Messe, nach der Messe frühstückte sie mit den Kindern

Nachdem sie die ihre Post erledigt hatte, wurde mit den Kleinen gespielt (Schnick Schnack Schnuck, Schwarzer Peter usw.).

Wie schon erwähnt wohnte sie beim Unterricht von Franz, Max, Karl Ludwig und Ludwig Victor bei.

Das Mittagessen fand um 16.00 Uhr statt (was sehr spät war).

Zu diesem empfing sie die ersten Gäste.

Abends empfing sie in ihrem Salon weitere Gäste und hielt ihre berühmt berüchtigte „Theestunde“ ab.

Sophie schätzte auch ihre „Diners“, fuhr gerne nach Laxenburg, ging gern im Schlosspark von Schloss Schönbrunn spazieren, liebte die Menagerien und den botanischen Garten.

Foto: zoovienna.at
Menagerie im Zoo von Schloss Schönbrunn

Vor ihren Schwangerschaften ritt Sophie auch leidenschaftlich gerne. sie begleitete ihren Franz auch gerne zu den Jagden, konnte es aber nicht ertragen, wenn die Tiere getötet wurden, weshal sie immer enorm glücklich war, wenn ihr Gemahl nicht traf oder sich kein Wild zum Abschießen fand.

Als sich die ersten Fehlgeburten einstellten, gab sie das Reiten allerdings auf.

In späteren Jahren ging sie mehrmals am Tag in die Messe. Weiters liebte sie es zu sticken.

Bis ins hohe Alter stickte sie Messgewänder.

Sie war auch die Einzige am Wiener Hof, die sich für die Tagespolitik interessierte.

Sie ließ sich täglich sämtliche Zeitungen aus der Monarchie bringen (u.a. Neue Freie Presse, Wiener Zeitung etc.), welche sie zu jedem Lesesessel oder Teetisch mitnahm.
Über den Tag verteilt las sie alle Zeitungen akribisch durch und wusste so immer genau, was in der Monarchie geschah.

Diese Eigenschaft sollte später Kaiser Franz Joseph von ihr übernehmen.

Während der Regentschaft von Kaiser Ferdinand I. war sie zum Nichtstun verpflichtet.

Sie wusste, wenn sie sich einmischen würde, würde ihr das sehr Übel genommen werden. Heimlich jedoch wusste sie über alles Bescheid und kein noch so kleines Detail entging ihr.

Vom 13.4.1844 bis 17.8.1846 schrieb Karli Ludwig in (sehr) unregelmäßigen Abständen Tagebuch. In diesem bekommt man einen recht guten Eindruck zum manchmal sehr eintönigen Leben der Erzherzogsfamilie.

Vor allem aber kann man herauslesen, wie Franzi abgeschottet und oftmals eingesperrt, Maxi bevorzugt und mit „Mama“ ins Theater durfte und Karli alleine beim Erzieher bleiben musste. Luzi-Wuzi war sowieso erst 2 (bis 4) Jahre alt und für vieles noch zu klein.

Erzherzog Karl Ludwig war ein einsamer Bub und so möchte ich ein paar Stellen aus dem Tagebuch zitieren:

„Montag 6. April 1844
Heute Mittags waren in einem Gewölb (Anmerkung der Autorin: vermutlich in einem tiefliegenden Verkaufsladen) und haben etwas gekauft. Nachmittags sind wir mit der Mama im Prater spazierengegangen. Heute Abends bin ih allein, aber der Maxi ist mit der Mama im Theater, wo die Elßler tanzt.“ (Anmerkung Petra: Fanny Elßler galt als beste Tänzerin ihrer Zeit) (5b)

Sonntag, 3.November 1844
Heute Mittags ging der Maxi in die Gruft, der Baron, ich und der Franzi blieben zu Hause … Wir speisten nicht beim Kaiser, weil wir morgen dort speisen. … Wir waren Abends allein, die Mama war im Theater, jedoch dann kam die Großmama mit der Amie zu uns. (Anmerkung Petra: Ex-Kaiserin Karolina Augusta) (5c)

Freitag, 15. November 1844
Heute ist Leopoldi (Anmerkung Petra: Bis heute ein Feiertag in Wien/Hl. Namenspatron) Wir gingen in die Segensmesse mit der Mama. Ich allein fuhr mit Grafen Coronini in den Prater, ….. Heute speiste ich schon um 4 Uhr. Abends ging die Mama in das Theater, und wir spielten Tombola mit dem Baron. D.M.h.T. (Anmerkung der Autorin: Die Mama hatte Thee) (5d)

Es gab aber auch durchaus sehr lustige Einträge.

Fasten
Mittwoch 5. Februar 1845
Heute ließen wir uns einäschern. Die Mama blieb Abends zu Hause. (5e)

Gemeint war natürlich der Aschermittwoch.

Als 1848 die Revolution ausbrach, sah sie ihre Chance, Kaiser Ferdinand endlich die Stirn zu bieten.

Die Bürger Wiens hatten das strenge Regime von Metternich endgültig satt. Die Arbeiter vegetierten unter schrecklichen Bedingungen vor sich hin, es herrschte Not in allem.

Die Bauern hatten immer noch mit der Grundherrschaft zu kämpfen und mussten fast alles an diese abgeben. Zu dem wurden die Bürger bespitzelt, die Handwerker fürchteten einen Abstieg ins Proletariat, weil die Industrialisierung einsetzte.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Abrecht

Die Lebensmittel wurden verteuert, was bereits 1847 zu Hungerrevolten führte. Immer mehr befürchtete man eine zweite Revolution, wie sie in Paris 1830 stattfand.

Im März 1848 kam es dann tatsächlich zu einem ersten Handgemenge und zu den ersten Todesopfern, da Erzherzog Albrecht (*3.8.1817, 18.2.1895) in die Menge schießen ließ.

Metternich floh mit seiner Frau aus Wien nach Feldsberg und suchte fieberhaft nach einem Exil.

Kaiser Ferdinand, Kaiserin Maria Anna und die gesamte Erzherzogsfamilie flohen nach Innsbruck.

Im April kam sie kurz zurück, um im Prater Ostern verbringen zu können und ließen vom Personal die Ostereier dort verstecken.

Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Prinzessin von Schweden
Lithographie Josef Kriehuber, 1830

Wie herrlich die Ostertage waren, beschrieb Sophie Gräfin von Scharnhorst (*/unbekannt), welche die Hofdame von Amalie Prinzessin von Schweden (*22.2.1800, 20.9.1850) war.

Amalie war, wie ihr Bruder Prinz von Wasa, eine enge Freundin des Erzhauses und begleitete beinahe ständig Sophie überall hin. So erlebte Sophie von Scharnhorst die kaiserliche und erzherzögliche Familie.

Kein schlechtes Wort kam der Gräfin über ihre Herrin jemals über ihre Lippen. Ihre Briefe sind eine einzige Lobeshymne an die hohe Frau. Die Briefe erreichten alle ihre enge Freundin Eveline Gräfin von Sickingen-Hohenberg(*) (*24.11.1809, †27.11.1895), welche in Ischl lebte in Ischl und eine enge Vertraute des hohen Adels war. So auch von Erzherzogin Sophie.

Von allen Hofdamen geliebt und verehrt, vom Adel hofiert, von den Ischlern ob ihrer Verschwendungs- und Herrschsucht gehasst, ist es trotzdem Eveline zu verdanken, dass der Christbaum im Salzkammergut Einzug hielt.

Erzherzogin Henriette (*25.10.1823, †29.12.1829) hatte diesen von Bayreuth nach Wien gebracht und Kaiser Franz II/I war ganz begeistert von dem „brennenden Lichterbaum“. Dieser verbreitete sich in Wien rasend schnell. Eveline übernahm die Tradition und brachte diese nach Ischl.

„Wien, 2. Mai 1848.
Du erhältst diese Zeilen durch den Sekretär Ihrer K.H. (Anmerkung Petra: Kaiserlichen Hoheit), der Erzherzogin Sophie, der Euch viel von den hiesigen Zuständen erzählen kann. Seit dem 15. April der Geburtsfeier des Kaisers (Anmerkung Petra: Ferdinand I. *19.4.1793) und der Verleihung der Konstitution, ist es ruhiger geworden.
….
Der 25.April war ein unvergeßlicher Tag, reich an Enthusiasmus und schönen, großartigen Eindrücken. Wir fuhren im Gefolge der Erzherzogin Sophie an den Fronten des paradierenden Militärs und den 15 000 Nationalgarden vorüber, die laute Vivats der teuren hochherzigen Frau zuriefen, während alle Musikbanden einstimmig die Nationalhymne spielten. Es war ein schöner Augenblick. Sie hatte den lieben kleinen Erzherzog Ludwig bei sich im Wagen, während ihr Gemahl und ihre drei Söhne zu Pferde paradierten.
Nach der Truppenschau begab sie sich auf den Balkon im Burghof, wo der Kaiser und die ganze kaiserliche Familie dem Defilieren des Militärs un der Garden zusahen. Unaufhörliche Lebehochs und Vivats erfüllten die Luft, und die Akademiker, die Helden des Tages, schwangen die mit deutschen Farben befiederten Federhüte fröhlich hinauf zum Balkon, während sie lustig nach dem von Strauß für die komponierten Marsch auf das Motiv „Was macht der herr Papa“ marschierten.
Wir sahen diesem schönen Schauspiel aus den Fenstern der Erzherzogin zu. Eine unbeschreibliche Masse von Menschen war auf den Beinen, doch fehlten die Aristokraten. Nirgends sah man Bekannte, außer denen, die in den Reihen der Garden mit ziemlich sauren Gesichtern die Muskete trugen. Nun, ich meine, wenn die kaiserliche Familie sich freundlich in die neue Ordnung fügt, so könnten sie es auch ohne Bedenken tun.
Abends war ein kolossaler Fakelzug, und wenn man die angstvollen Tage mit durchgemacht hat, so freut man sich dieses Versöhnungsfestes, das das erschütterte Vertrauen durch so viele Beweise der Ergebenheit neu belebte.“
…. (7b)

Doch die herrschende Ruhe war trügerisch.

Schon im Mai kam es zu den nächsten Unruhen und Sophie ließ ihre Diamanten einpacken und begann wichtige Dokumente zu verbrennen. Die Familie floh erneut und Sophie nahm mit schwerem Herzen Abschied von Wien.

Wieder schrieb Baronin Scharnhorst nach Ischl an ihre Freundin:

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Hacking
1955 abgerissen, an seiner Stelle steht ein „Jugendgästehaus der Stadt Wien“, aus dem Park wurde eine „Sozialwohnbau“
nur ein Teil des Parks durfte als Park bleiben

„Hacking, 31.5.1848
(Anmerkung Petra: War Prinzessin Amalie von Schweden nicht zu Gast bei Erzherzogin Sophie wohnte sie im Schloss Hacking – heute Wien 13; damals Vorort; wie Schloss Schönbrunn übrigens auch)
Den 26., morgens um 10 Uhr, flohen wir über die Barrikaden weg hierher, wo es jetzt ganz ruhig ist. Ich atmete tief auf, als ich nach der Angst der vorhergegangenen Tage das friedliche Schloß in den schönen grünen Umgebungen des herrlichen Gartens, ein Asxl der Ruhe, wiedersah und dankte Gott, das Toben und arnarchistische Treiben des ach so ganz veränderten lieben Wien zu verlassen.
Wir machen seit dem 13. März eine ununterbrochene Revolution durch, die nach und einen sehr ernsten trüben Charakter annimmt.
….
Soviel ist Gewiß, daß die plötzliche Abreise des Hofes Schrecken, Zerknirschung und Schmerz verbreitet hatte und daß die drückende Stimmung zur Ordnung und Mäßigung zurückführte.
Die Stadt war in den Händen der Studenten, der Nationalgarde und Bürger.
… (7c)

Im August kam die Familie von Innsbruck zurück und hoffte auf Beendigung der aufständigen Wiener und Ungarn.

Foto: geschichtewiki.wien.gv.at
Hans Kudlich

Am 24.7.1848 (*25.10.1823, 11.11.1917) wurde von Hans Kudlich der Antrag auf Aufhebung der bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses gestellt.

Es folgten lange und zähe Verhandlungen, denen jedoch stattgegeben wurde und am 7.9.1848 in Kraft traten.

Obwohl in Europa mittlerweile eine Konterrevolution erstarkte, galt Wien und Ungarn weiterhin als aufständisch. Am 28.9.1848 wurde Franz Philipp Graf von Lamberg (*30.11.1791, 28.9.1848) in Pest ermordet.

Kriegsminister Latour befehligte deshalb den Abmarsch der Truppen nach Ungarn.

Am 6.10.1848 wurde Theodor Graf Baillet de Latour (*15.6.1780, 6.10.1848) aus dem Zeughaus gezerrt, ausgezogen und ermordet. Danach wurde die Leiche des toten Ministers auf einer Laterne „Am Hof“ aufgehängt und dem Hohn und Spott der Wiener Bevölkerung ausgesetzt.

Auf Grund der Nähe zur Hofburg und des Mordes an einem Adeligen floh Kaiser Ferdinand I. und seine gesamte Familie erneut. Diesmal führte der Weg nach Olmütz.

Jetzt hatte Erzherzogin Sophie ein für alle Mal genug.

Für sie war Metternich an ganzer Front gescheitert. Ferdinand hielt sie sowieso immer unzulänglich.

Heimlich hatte sie seit Beginn der Revolution und sogar schon etwas früher – seit ca. 1847 mit Erzherzog Franz Karl die Abdankung seines Bruders „vorbereitet“.

Angeblich gab es eine Vereinbarung, die besagte, dass Erzherzog Franz an seinem 18. Geburtstag 1848 den Thron übernehmen sollte.

Am 6. Oktober 1848 wurde der Machtwechsel in einem größeren Kreis diskutiert; mit dabei viele regierende Minister die später eine prägende Rolle für Kaiser Franz Joseph I. einnehmen sollten.

Franzi selbst reagierte auf den Machtwechsel mit Übelkeit und übergab sich mehrmals.

Obwohl in der Rangfolge ursprünglich sein Vater Erzherzog Franz Karl auf Kaiser Ferdinand I. folgen sollte, wirkte Sophie solange auf ihren Mann ein, bis dieser nachgab und den Weg für seinen Sohn freimachte.

Am 2. Dezember 1848 war es soweit. Erzherzog Franz folgte auf den Thron. Ab sofort war aus dem Buben ein Mann geworden.

Zuvor musste Kaiser Ferdinand I. seine Abdankung vorlesen, was er mit leiser und zögerlicher Stimme tat. Kaiser Ferdinand I. notierte in sein Tagebuch:

„Die Funktion endete damit, daß der neue Kaiser von seinem alten Kaiser und Herrn, nämlich vor mir kniend um den Segen bat, welchen ich auch unter Auflegung der Hände auf seinen Kopf und Bezeichnung mit dem heiligen Kreuz gab, ich ihn dann umarmte und er mir die Hand küsste. Und auch meine liebe Frau umarmte und küßte unseren neuen Herrn, dann entfernten wir uns in unsere Zimmer…“ (6a)

Die Zeremonie fand heimlich und im engsten Vertrautenkreis in Olmütz statt.

Foto: Wikimedia/Commons
Thronübergabe von Kaiser Ferdinand (links) an Kaiser Franz Joseph (kniend)
Erzherzog Sophie (rechts, stehend im schwarzen Kleid)

Auch der Name von Kaiser Franz Joseph wurde von Sophie bestimmt. Ihr Franzi sollte einzigartig in der Geschichte sein. 

Und so wurde aus Erzherzog Franz(i)

Kaiser Franz Joseph I.

Dass dieser Kaiser 68 Jahre regieren würde, konnte damals noch keiner ahnen.

Franz Joseph I. sollte der erste und einzige Kaiser mit einem Doppelnamen werden. 

Zum Glück bekam Erzherzogin Sophie es nicht mehr mit, dass es nicht ihr geliebter Franzi war, der für den Fortbestand der Monarchie sorgte. Dass es ausgerechnet der von ihr so wenig beachtete Erzherzog Karl Ludwig sein würde, konnte natürlich zu diesem Zeitpunkt keiner ahnen.

1849 ereilte sie noch einmal ein trauriges Schicksal. Obwohl die Ärzte ihr sagten, dass sie nach der Totgeburt 1840 keine Kinder mehr bekommen konnte, wurde sie nochmals schwanger.

Im Oktober 1849 kam es zur Fehlgeburt. Wieder war

„Wien, 10. Oktober 1849
Meine K.H. (Anmerkung Petra: In diesem Fall Königliche Hoheit, da Amalie gemeint ist. Diese kränkelte sehr oft, weshalb sie 1850 starb) ist leider noch krank. Sie leigt wie eine weiße Lilie in ihrem Bette, so geduldig und ergeben wie ein Engel. Ich gehe wenig aus. …. – Mit der lieben Erzherzogin geht es gut, trotz aller physischen und moralischen Schmerzen. Sie wird am 2. November aufstehen Ihr kräftiger, gottergebener Sinn hat sie aufrecht erhalten. Der arme Kleine hatte einen ausgebildeten Wasserkopf und hätte nur unter Qualen ein trauriges Leben führen können. Meine Prinzeß erfährt die Begebenheit erst heute. Sie war zu schwach und angegriffen, um sie früher davon in Kenntnis zu setzen. Ich zittere bei dem Gedanken, es ihr sagen zu müssen. (7a)

Beitrag in Arbeit

In späteren Jahren verfiel sie auch den Geisterséancen, die zu dieser Zeit sehr häufiger Zeitvertreib war.

Franz Joseph nahm bei einigen Séancen teil, nahm es aber nicht ernst.

Dass es gerade ihr Enkel, Kronprinz Rudolf, sein würde, der einem der größten Scharlatane dieser Zeit sein Handwerk legen würde, hätte sich Sophie, die an diesen ganzen Humbug tatsächlich glaubte, niemals gedacht.

Als Kaiserin Mutter war Sophie eine noch resolutere Erscheinung, als sie ohnehin schon war. Sie erlaubte sich sogar die wichtigsten Gespräche mit Ministern zu unterbrechen, wenn sie meinte, ihren Franz sprechen zu müssen.

Es ist nicht verwunderlich, dass der Wiener Hof sie

„Der einzige Mann bei Hofe“

nannte.

In wie weit Sophie in die Politik von Franz Joseph eingriff ist nicht bekannt; allerdings kann man einen gewissen Einfluss nicht verbergen, denn die Ansichten, die gerade der junge Kaiser vertrat, waren gleichgestellt mit der seiner Mutter.

Als der Kaiser 23 Jahre alt wurde, wurde es Zeit für ihn zu heiraten.

Auch hier zeigte sich Sophie als die Strippenzieherin. Sie fackelte nicht lange herum und sah sich in ihrer eigenen Familie um und wurde schnell fündig.

Die Auserwählte war Helene Herzogin in Bayern“, Tochter von Herzogin Ludovika in Bayern und Herzog Max in Bayern“.

Dass es „ausgerechnet“ Elisabeth war, in die sich Franz Joseph verliebte, war von Sophie weder vorhergesehen, noch gewollt.

Doch für dieses eine Mal – eines der wenigen Augenblicke im Leben von Franz Joseph – setzte er sich gegen die strenge Mutter durch. Er heiratete seine Engels-Sisi.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Victor. Fotografie von Ludwig Angerer, 1860
Die einzige existierende Fotografie mit Kaiserin Elisabeth und den Kindern!

Sophie fügte sich und nahm Elisabeth unter ihre Fittiche.

Bei den Söhnen Erzherzog Ferdinand Maximilian und Erzherzog Karl Ludwig nahm sie jeweils großen Einfluss wer geheiratet wurde.

Vor allem Karl Ludwig wurde massiv beeinflusst. Da er zwei Frauen verlor, musste sie sogar insgesamt drei Mal auf die Suche gehen. Der Beitrag zu Karl Ludwigs dritter Ehefrau Erzherzogin Marie Therese kann hier nachgelesen werden.

Bei Erzherzog Ludwig Victor fügte sie sich schnell und akzeptierte seinen Lebensstil. Der Beitrag zu Luzi-Wuzi kann hier nachgelesen werden.

Sophies größter Verlust war, als sich ihr Lieblingssohn Ferdinand Maximilian, genannt Max, 1864 entschloss nach Mexiko zu gehen, um Kaiser von Mexiko zu werden.

Sophie und Elisabeth waren entsetzt und versuchten den ehrgeizigen Bruder/Schwager aufzuhalten.

Doch dessen Frau Charlotte war enorm ehrgeizig.

Sie wollte Kaiserin werden und stand damit in direkter Linie zur Rivalität zu Elisabeth.

Das einst sehr gute Verhältnis zu Max änderte sich schlagartig mit der Hochzeit mit Charlotte.

Elisabeth mochte Charlotte nicht sonderlich, da diese als Schönheit bekannt war.

Ihr Ehrgeiz und ihr Neid auf Elisabeth kannte kaum Grenzen. Sie wollte genauso gekleidet sein wie sie und auch so angesprochen werden wie die Kaiserin.

Kaiserin Elisabeth konnte den Antrieb von Charlotte nicht verstehen. Sie sah die enorme Eifersucht Tag für Tag, welche Formen annahm, die nicht gesund sein konnten.

Doch auch Max war sehr ehrgeizig. Zwischen Max und Franz bestand immer eine gewisse Rivalität und er konnte es nicht ertragen, dass Franz Joseph den höheren Status hatte; er wollte ebenso Kaiser eines Landes sein.

Als Sophie 1867 vom Tod des Sohnes in Mexiko erfuhr, brach sie zusammen.

Ihr Schmerz war grenzenlos. Sie zog sich nach Ischl zurück, allerdings fand sie keine Ruhe.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie, 1872

Hofdame Fürstenberg schrieb an ihre Schwester:

„Meine arme Erzherzogin ist recht gealtert, das Wort cassée (gebrochen) ist das richtige. Es ist ein stiller Schmerz, voll Ergebung, ohne Bitterkeit und dabei das Bestreben, keinem Menschen damit zur Last zu fallen. Fremde sind ihr peinlich, sie meidet sie und ging Sonntag um 7 Uhr in die Messe, zur Betrübnis der Ischler, die gerne gesehen und sich erzählt hätten, welches Gesicht sie macht. Das hübsche kleine Gartl, in das ihr niemand sehen kann, ist jetzt die wahre Wohltat für sie.“ (5)

Der Schmerz war so enorm, dass sich Sophie für lange Zeit nach Possenhofen zurückzog, wo gerade Helene Thurn und Taxis (Nénè) den Tod ihres Mannes Maximilian Anton und Carl Theodor den Tod seiner Frau Sophie betrauerte. Der Beitrag zu Sophie Herzogin in Bayern kann hier nachgelesen werden.

Dort empfing sie Admiral Wilhelm Tegetthoff, der ihr die Jacke von Max brachte.

Nach und nach trafen auch die letzten Briefe von Max ein, in denen er sich für die Liebe und Freundschaft bedankte.

Sophie notierte in ihr Tagebuch:

„Aber die Erinnerung an die Martern, durch die er gehen musste, an seine Verlassenheit fern von uns geht mit mir durchs Leben und ist ein unbeschreiblicher Schmerz.“ (6)

Kronprinz Rudolf schrieb seiner Großmutter einen süßen Brief:

„Meine liebe, liebe Großmama!

Mir ist um den Onkel Max sehr leid und ich bedaure Dich, liebe Großmama sehr, weil du wieder so viel Kummer und Schmerz hast.

Ich will alles Mögliche tun, um Dir, liebe Großmama Freude zu bereiten.“ (7) 

(Anmerkung Petra: Kronprinz Rudolf war zum Zeitpunkt des Todes von Onkel Max 9 Jahre alt).

Ein großer Halt zu dieser Stunde war ihr jüngster Sohn Ludwig Victor. Nicht nur, dass er in Schloss Miramare mit Kaiserin Carlotta (Erzherzogin Charlotte) versuchte hatte zu sprechen, was leider daneben ging, da sie nicht mehr Herr ihrer Sinne war.

So übernahm er auch von der SMS Novara den Sarg und sorgte dafür, dass dieser mit dem Sonderzug, den der Kaiser nach Triest geschickt hatte nach Wien überstellt wurde.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Charlotte

In Wien angekommen, zog Luzi-Wuzi mehr oder weniger in die Hofburg ein und las seiner Mutter Tag und nach Nacht die alten Briefe von Max vor.

Sie schwelgten gemeinsam in Erinnerung an die Kindheitstage, lachten über gemeinsame Streiche die Max gespielt hatte, erinnerten sich an die Hochzeit oder an die Besuche in Miramare und an besonders glückliche Tage in der Hofburg und in Schloss Schönbrunn. Ludwig Victor war ihr ganzer Halt und ihre einzige große Stütze.

3 Monate dauerte die Überstellung des Leichnams von Mexiko nach Wien. Der Leichnam war in einem exorbitanten Zustand. 

Leider sind sich hier die Biografen nicht einig.

Ingrid Haslinger beschreibt in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs“ -, dass Sophie den Leichnam, aufgrund der monatelangen Odyssee der Überstellung, nicht mehr zu Gesicht bekam.

Diesem ist wohl mehr zu glauben, immerhin ging Haslinger über 4000 Seiten persönliche Notizen von Sophie durch! 

Anna Ehrlich und Christa Bauer schreiben in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof“, dass Sophie den Leichnam ihres Sohnes zu Gesichte bekam und der „Leichnam in einem wohl erhaltenen Zustand sei“.

Von diesem schweren Schicksal erholte sich Sophie nicht mehr.

Sie zog sich komplett zurück, ging noch mehr zur Messe und nahm auch die Eskapaden ihrer Schwiegertochter Elisabeth nicht mehr ernst.

Foto: ÖNB
Erzherzog Franz Karl, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf vor dem Sarg von Erzherzogin Sophie, Hofkapelle 1872

Kaiser Franz Joseph machte sich schwere Sorgen um seine Mutter.

Diese grämte sich um so mehr, als er ihr zum ersten Jahrestag von Max Todestag nicht kondolierte.

Alle in der Familie – sogar Elisabeth persönlich – kondolierten ihr zu ihrem großen Verlust. Nur nicht der Kaiser.

Dies machte Sophie sehr traurig und gab ihr sehr zu Denken.

Eine Krankheit jagte die andere, keine wurde mehr richtig kuriert. Sie litt unter schweren Knie Problemen und so starken Kopfschmerzen, dass der Innenhof der Wiener Hofburg mit Stroh ausgelegt werden musste, damit die Pferde und Kutschen nicht so laut waren.

Kaiserin Elisabeth weilte zur Kur in Meran, als sie die Nachricht bekam, dass Erzherzogin Sophie im Sterben lag. Sofort brach sie ihre Kur ab und eilte nach Wien zurück.

Marie Gräfin von Festetics notierte in ihrem Tagebuch:

„Der Kutscher fuhr, was erkonnte – die Kaiserin war furchtbar aufgeregt und ich hatte eine Todesangst, die Erzherzogin könnte sterben und wie die Menschen sind, hätten sie noch gesagt, die Kaiserin hätte es zu Fleiß gethan!“ (8)

„Gott sei Dank“, sagte Elisabeth bei der Ankunft in der Burg, als sie hörte, daß die Erzherzogin noch am Leben war, weil sie sonst gesagt hätten – ich hätte es absichtlich getan (bei Sophies Tod nicht anwesend zu sein), weil ich sie so hasse.

So sehr hasse ich sie.“ (9)

Nur 5 Jahre nach Max verließen Sophie die Kräfte. 10 Tage lang konnte die Familie noch am Totenbett von ihrer geliebten Mutter, Großmutter, Schwester, Tante, Cousine usw. Abschied nehmen.

Erzherzogin Sophie starb am 28.5.1872 67jährig in der Wiener Hofburg. Sie ruht in der Kapuzinergruft.

– Petra –

(*) Wichtige Anmerkung:
In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, 3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, 23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, 7.3.1855) geheiratet.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.

Bis heute zum Beispiel konnte ich keine Daten von Sophie Gräfin von Scharnhorst auffinden. Sie ist auch Thema im Beitrag „Spanisches Hofzeremoniell – Hofetikette“. Diesen Beitrag findet ihr hier.


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, habsburg.net, erzherzoginsophie.at, donaumonarchie.at, Wikimedia/Commons, ÖNB


Literatur Hinweise:

1 – S. 23, 2 – S. 25, 3 – S.35, 4 – S.35, 4a – S.58, 4b – S.58, 4c – S.58, 4d – S.58, 4e – S.60, 4f – S.61, 4g – S.63, 4h – S.72
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs,
Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

5 – S.176, 6 – S.273, 7 – S.274
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof,
Amalthea, 2016, 1. Ausgabe

5a – S.11
Egon C.C.Conte
Franz Joseph
Knaur Verlag, 1. Auflage, 1960 (nur noch antiquarisch erhältlich)

5b – S.32, 5c – S.62, 5d – S.67/8, 5e – S.88
Gabriele Praschl-Bichler
Kaiserliche Kindheit
Aus dem aufgefundenen Tagebuch Erzherzog Carl Ludwigs, eines Bruders von Kaiser Franz Joseph
Amalthea Verlag, 1. Auflage 1997 (nur noch antiquarisch erhältlich)

8 – S.294, 9 – S.294
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage, 2017

6a – S.69/70
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich König von Ungarn 
C.H.Beck Verlag, 1. Auflage 2015

7a – S.256/7, 7b – S.150-152, 7c – S.161-163
Richard Kühn
Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865)
Oswald Arnold Verlag Berlin, 1. Auflage 1942 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Hofdamen-Briefe
Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Gesammelt von B.von.S.
Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Gerd Holler
Sophie, die heimliche Kaiserin
Amalthea Verlag, 1. Auflage, 1993 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Genealogisches Handbuch des Adels,
Fürstliche Häuser
Ausgabe 1971
Verlag Limburg a.d. Lahn C. A. Starke