Reiten wie der Wind …*

Foto: dorotheum.com
Sisi als 15jährige Hoch zu Roß.
Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert.
Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty

*Mit dem Zitat aus dem Musical Elisabeth möchte ich diesen Beitrag beginnen.

Kaiserin Elisabeth war für 2 Dinge bekannt:

Für ihre Schönheit und ihre außergewöhnliche Reitbegabung

Beides hatte sie zwischen den 1870er und 1880er Jahren perfektioniert. Sie war nicht nur zur schönsten Frau Europas erstrahlt, sie war auch zur besten Reiterin geworden.

Foto: Münchner Stadtmuseum Bildarchiv
Herzog Max und Herzogin Ludovika beim gemeinsamen Ausritt
Bild: Heinrich von Mayr, 1833

Diese Passion und Liebe wurde ihr bereits in die Wiege gelegt. Schon ihr Vater Herzog Max (*4.12.1808, †15.11.1888) liebte die Pferde.

Klein-Sisi wuchs von 1837 – 1844 mit einer kleinen Zirkusmanege im Herzog Max-Palais auf.

Als sie ca. 6 Jahre alt war, musste diese für ein Herrenzimmer weichen.

Herzog Max hatte den Spaß am Zirkus verloren und widmete sich zusehends seiner „Arthus-Runde“. Der Beitrag zu Elisabeths Vater kann hier nachgelesen werden.

Aber auch ihre Mutter Herzogin Ludovika, geborene Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892) liebte das Reiten und Pferde. Vor allem als junge Frau ritt sie gerne aus. Doch je größer die Kinderschar mit Max wurde, desto weniger Zeit hatte sie für ihr Hobby. Alle zwei Jahre schwanger zu sein forderten von Ludovika körperlich so manchen Tribut. Ihr Beitrag kann hier nachgelesen werden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Possenhofen

Elisabeth lernte also schon sehr früh reiten.
Da es bereits seit 1834 das Schloss Possenhofen am Starnberger See in der Familie gab, konnte die kleine Sisi ihre Passion natürlich auch in der freien Natur ausleben und perfektionieren.

Schon als junges Mädchen galt sie als ausgezeichnete Reiterin. Ihre hohe und schlanke Gestalt, schenkte ihr dazu zusätzlich Aufmerksamkeit.

Als sich Kaiser Franz Joseph in die ansonsten damals noch unscheinbare 15jährige verliebte, konnte er nicht ahnen, welch wunderschöne Frau einmal aus ihr werden sollte.

Ihr Verlobungsgeschenk, welches sie zu Weihnachten 1853 ihrem Franz übergab (obiges Titelbild), zeigte sie stolz am Pferd, dahinter Schloss Possenhofen. Die 3 Tauben am Bild sollen ihr Zimmer anzeigen.

Als sie in Wien ankam, war sicherlich eines ihrer Hobbies ihr Reiten weiterhin zu perfektionieren.

Foto: Nationalbibliothek.at
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth bei der gemeinsamen Jagd
Lithographie: Eduard Kaiser, 1854

Elisabeths Können in den reiterlichen Disziplinen war enorm. Sie konnte

Dressur-, Jagd- und Zirkusreiten

und das alles im Damensattel!

Foto: srs.at
Winterschule der Spanischen Hofreitschule

Die Dressur trainierte sie in der Winterschule der Spanischen Hofreitschule der Wiener Hofburg. Dort lernte sie von den Oberbereitern die Hohe Kunst wie man Piaffe, Passage und Levade perfekt reiten konnte.

Oberbereiter Franz Gebhardt sagte einst über Kaiserin Elisabeth:

„…, dass die Kaiserin ein übersinnliches Verständnis für Pferde habe, eine besonders talentierte Reiterin sei und er keine bessere Dame zu Pferd kenne.“ (1)

Elisabeths Perfektion beschränkte sich dabei nicht nur auf die Pferde und ihr Können, sondern auch auf ihr Aussehen.

Sie trug in ihren frühen Zeiten oftmals braune, dunkelgrüne oder dunkelblaue Reitkleidung, später wurde dies in tiefschwarz gewechselt, da sie wusste, dass dies für noch mehr Aufsehen sorgte.

Dabei achtete sie genau darauf, dass nichts dem Zufall überlassen wurde.

Die Reitkleidung hatte aus weichem Rehleder zu sein und die Schneiderin wurde jedesmal in den frühen Morgenstunden gerufen, damit sie die Kaiserin in das Kleid hineinnähte.

Das sah folgendermaßen aus:

Elisabeth stand bereits in – Skandal! – beiger Rehleder-Unterhose, enggeschnürtem Korsett und Oberteil vor der Schneiderin, welche nun den Rock an das Oberteil anzunähen hatte.

Dabei durfte – nach strengster Etikette – der Körper von Kaiserin Elisabeth nicht berührt werden!

Normalerweise trugen die Damen unter ihrem Reitkleid ebenfalls Reitunterröcke.

Dies fand Elisabeth absolut unpraktisch, weshalb sie auf lange Reitunterhosen umstieg.

Sie trug 3 Paar Handschuhe (wegen dem Verschleiß), wobei auch diese aus Rehleder bestanden und meistens weiß oder beige waren. Ihre Stiefel waren bis zu den Waden geschnürt, an den Fersen trug sie kleine Sporen.

Ihr geflochtenes Haar krönte ein Zylinder der aus Biberfell hergestellt wurde.

Foto: pressreader.com
Kaiserin Elisabeth in perfekter Reitkleidung am Pferd
1875, England

Sie verbrachte Stunden bei der Schneiderin.
Diese stellte extra ein Holzpferd vor einen großen Spiegel, damit Elisabeth jedes Detail der Reitkleidung mit der Schneiderin besprechen konnte.

Kaiserin Elisabeth war äußerst penibel auf ihr Aussehen. Sie wollte nicht nur als die beste Reiterin Europas gelten, sondern auch als die Schönste.

Beides gelang ihr natürlich ohne Unterlass.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max Ausstellung – Schloss Aichach 2017
Herzog Max in Bayern

Doch bevor noch in England und Irland aufgetrumpft wurde, lernte Elisabeth zirzensische (= Zirkus) Kunststücke. Wie eingangs erwähnt, hatte sie dies als Kind bei ihrem Vater gesehen und Max war ein Liebhaber der Zirkusse.

Am 19.5.1833, nach der ersten Vorstellung in seinem Zirkuszelt, soll Herzog Max vor dem nicht (!) adeligen Publikum ausgerufen haben:

„Wenn wir koane Prinzn waarn, waar ma Kunstreiter worn!“ (2)

Natürlich war Elisabeth 1833 noch nicht auf der Welt, aber von 1837 – 1844 war sie sehr wohl vom Zirkus im Herzog Max-Palais in München fasziniert. Und gerade in der frühen Kindheit beginnen solche Leidenschaften.

Kurz nachdem sie nach Wien kam und Kaiser Franz Joseph geheiratet hatte, fand im Wiener Prater im Zirkus Renz zu Ehren des Brautpaares eine Aufführung statt.

Foto: Wikimedia/Commons
Ernst Renz und Danielo, 1866
Foto: Bezirksmuseum Wien 2
Zirkus Renz 1856

Johann Strauß komponierte eigens die „Elisabethklänge“ und dazu gab es eine pompöse Galavorstellung.

60 Pferde, welche in verschiedene Gruppen eingeteilt wurden, liefen vor dem begeisterten Publikum und dem Kaiserpaar und zeigten ihre Kunst.

Unter anderem wurde auf 12 Schimmeln und Rappen eine Quadrille aus der Renaissance geritten.

Als dann noch der Besitzer selbst, Ernst Renz (*18.5.1815, †3.4.1892), auf seinem Araberschimmel eine Solonummer ritt, war es um die junge Braut geschehen.

Einige Anwesende wollen gehört haben, wie Elisabeth verzückt rief:

„Zu schön, nein, doch zu schön, diesen Mann muss ich kennenlernen!“ (3)

Doch erst 1867 sollten sich Ernst Renz, seine Artisten und Kaiserin Elisabeth wiedersehen.

Es stand das ganz große Ereignis der ungarischen Königskrönung vor der Türe.

Die kaiserliche und neu gekrönte königliche Pflicht sah es vor, dass Kaiser Franz Joseph eine vierfache Levade ritt.

Foto: dorotheum.com
König Franz Joseph
am Krönungshügel
Bild: Bauer sen.

Dieses eigenartige Ritual war seit Jahrzehnten Brauch in Ungarn und konnten nur sehr geübte Reiter bewältigen.

Kaiser Franz Joseph bzw. der dann schon gekrönte König Franz Joseph musste in vollem Krönungsornat und mit gezogenem schwerem Zeremonialschwert, welches er parallel zum Kopf des Pferdes halten musste, auf einem Schimmelhengst einen steilen Erdhügel hinaufreiten, der aus allen Provinzen Ungarns bestand.

Die Levade bestand aus 4 Himmelsrichtungen und musste demnach 4x geritten werden. (8x wenn man das Hinunterreiten mitrechnet.)

Da die Krönung von höchster politischer Bedeutung war, durfte sich Kaiser Franz Joseph kein noch so kleines Hoppala erlauben.

Foto: Wikimedia/Commons
Levade ohne Erdhügel
Bild: Ludwig Koch

Obwohl Kaiser Franz Joseph ein ausgezeichneter Reiter war, war ihm die Hohe Kunst des Dressurreitens fremd.

Kaiserin Elisabeth wusste von der Wichtigkeit dieses Ritts und bat deshalb Zirkusdirektor Ernst Renz zu sich.

Dieser baute im Hof der Wiener Hofburg einen genauso hohen Erdhügel auf und ließ einen sehr zahmen Schimmelhengst 2 Monate die Levade üben. Erst eine Woche vor der Krönung stieg Kaiser Franz Joseph auf das Pferd.

Die Levade klappte – auch am Tag der Krönung (8.6.1867) – ohne den kleinsten Fehler und König Franz Joseph und sein Pferd hatten keinen Grund zur Klage.

Um die Krönung nicht zu verpassen, fuhr auch der Zirkus mit nach Ungarn und so hatte auch Kaiserin Elisabeth ihren Spaß.

Foto: austria-forum.org
Elisa Petzold

Die Dressurreiterin Elise Petzold (*1850, †unbekannt), die von allen nur Fräulein Elisa genannt wurde, lehrte Kaiserin Elisabeth die zirzensischen Kunststücke.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Krönungsgeschenk Schloss Gödöllö
Innenhof

Als Krönungsgeschenk erhielt Kaiserin Elisabeth ihr geliebtes Schloss Gödöllö und dort ließ sie eine Reithalle und eine Zirkusmanege bauen.

Elisa lehrte ihr nicht nur die hohe Kunst der Dressur, sondern wurde ihr auch eine gute Freundin. Elisabeth schenkte ihr daraufhin ihr Lieblingspferd „Lord Byron“ und lud sie auf die feine Jagdgesellschaft in Ungarn ein.

Foto: gnm.de/museum/abteilungen-anlaufstellen/deutsches-kunstarchiv
Emilie Loisset

Auch Emilie Loisset (*1856, †7.1.1882) war eine Kunstreiterin aus dem Zirkus Renz und lehrte gemeinsam mit Elisa Elisabeth die Dressur. Als diese später in der Manege 25jährig tödlich verunglückte, war die Kaiserin zu Tode betrübt. Die Zeitungen schlachteten das Thema „Emilie, die Vertraute der Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, ist tödlich verunglückt“ weitgehendst aus.

Fräulein Elisa wurde von der berühmten Kunstreiterin Clara Rasch abgelöst, die sich häufig in Wien aufhielt und Elisabeth bis zur Weltausstellung 1873 unterrichtete.

Ebenfalls ein erlauchter und absichtlich provozierter Gast war die (damals noch) Lieblingsnichte von Kaiserin Elisabeth Marie Louise von Wallersee (*24.2.1858, †4.7.1940).

Marie wurde als „Bastard“ ihres Vaters Ludwig „Louis“ Herzog in Bayern (*21.6.1831, †6.11.1920) und der unstandesgemäßen und noch dazu jüdischen Schauspielerin Henriette Mendel (*31.7.1833, †12.11.1891) geboren.

Erst nachdem der Sohn, welcher nach 3 Monaten verstarb, geboren wurde, heiratete das Paar morganatisch und Louis verzichtete auf Titel und viel Geld.

Marie und Henriette wurden in weiterer Folge beide Vertraute von Kaiserin Elisabeth und waren sehr beliebt in der Familie.

Zumindest solange bis Marie Kronprinz Rudolf mit Mary Vetsera (*19.3.1871, †30.1.1889) verkuppelte. Das Drama ist hinlänglich bekannt. Danach wurde Marie vom Hof und aus dem Leben der Kaiserin verstoßen.

Doch noch war alles in Ordnung und Marie gerade einmal 15 Jahre alt. Sie war ein unglaublich hübsches Kind, was Elisabeth immer sehr zu schätzen wusste.

In weiterer Folge, wurde sie auch eine ganz besondere Freundin für die am 22.4.1868 geborene letzte Kaisertochter Erzherzogin Marie Valérie (†6.9.1924).

Marie war häufiger Gast bei Kaiserin Elisabeth und diese lernte ihr das Reiten. Schnell galt Marie als ausgezeichnete Reiterin, was ihre Tante natürlich äußerst stolz machte.

Marie wurde demnach zur Jagdgesellschaft geladen. Sehr zum Missfallen des hochnäsigen Adels in Ungarn. Einen „Bastard“ neben der Kaiserin, noch dazu eine Halbjüdin, war für manchen schwer zu ertragen. Auch wenn diese die Nichte war.

Manchmal machten sich die beiden einen Spaß aus ihrem Ausritt und Marie schrieb folgendes in ihr Tagebuch:

„Ich genoß in vollen Zügen die langen Ritte mit der Kaiserin, die bisweilen einen Gefallen daran fand, sich als Knabe zu verkleiden. Natürlich mußte ich ihrem Beispiel folgen; doch ich entsinne mich noch der Scham, die mich marterte, als ich mich zum ersten Mal in Hosen sah. Elisabeth bildete sich ein, daß diese verrückte Laune in Gödöllö nicht allgemein bekannt war; in Wahrheit sprach jedermann darüber. Nur Franz Joseph, glaube ich, hatte keine Ahnung von dem, was aller Geheimnis war.“ (4)

Schon bald waren sämtliche Details auch in Wien bekannt. Der Wiener Adel hatte wieder einmal einen Grund die feinen Nasen zu rümpfen und das Volk einmal mehr den Kopf zu schütteln.

Foto: hofreitschule.news
Kaiserin Elisabeth zu Pferd
mit großem Lederfächer

Doch Elisabeth ließ sich nicht beirren und machte auf Schloss Gödöllö weiter wie bisher.

Verzückt schrieb Marie in ihr Tagebuch:

„Dreimal in der Woche war Jagd“ Ach, es war herrlich!“ Elisabeth sah zu Pferde berückend aus. Ihr Haar lag in schweren Flechten um ihren Kopf, darüber trug sie einen Zylinder. Ihr Kleid saß wie angegossen, sie trug hohe Schnürstiefel mit winzigen Sporen und zog drei Paar Handschuhe übereinander; der unvermeidbare Fächer wurde stets in den Sattel gesteckt.“ (5)

Aber nicht nur auf der Jagd kam Marie ins Schwärmen, auch bei der Hohen Schule wusste sie, dass ihre Tante die Schönste war:

„Es bot einen reizenden Anblick, wenn Tante in ihrem schwarzsamtenen Kostüm ihren kleinen Araber rings um den Ring im Tanzschritt führte. Für eine Kaiserin war es freilich eine etwas ungewöhnliche Beschäftigung.“ (6)

Foto: Wikimedia/Commons
Prinz(regent) Luitpold

Als klein Valérie einmal die bayrische Verwandtschaft besuchte und auch Prinz Luitpold (*12.3.1821, †12.12.1912) (nach König Ludwigs II Tod Prinzregent) anwesend war, erzählte diese voller Stolz,

dass ihre Mama, jetzt schon mit dem Pferd durch zwei Reifen springen könne.

Von Herzog Max waren diese ja einiges gewöhnt und Ludovika verzog keine Miene, aber von der Kaiserin von Österreich?

Ernst Renz beriet Kaiserin Elisabeth bis Mitte der 70er Jahre beim Kauf ihrer Pferde. So wurden auch zwei Schimmel angeschafft, welche auf die entzückenden Namen „Flick und Flock“ getauft wurden.

Elisabeth trainierte die beiden persönlich in ihrer Manege und ließ sie sogar in Öl festhalten.

Bei der „Elisabeth – eine Kaiserin hoch zu Ross“ – Ausstellung 2017 im Sisi-Museum Wien, wurde das Bild gezeigt.

Foto: Dieter Nagl für SKB
Schloss Schönbrunn
die Schimmel Flick und Flock von Kaiserin Elisabeth
Bild: Wilhelm Richter, 1877

Elisabeth machte sich einen Spaß daraus und schockierte manchmal gerne ihr Publikum, welches sie von der Straße aus einlud. Flick und Flock wurden von verschiedenen Eingängen in die Zirkusmanege hinein gelassen und rasten auf die Kaiserin, die in der Mitte stand, zu.

Die Menschen hielten jedes Mal den Atem an. So schnell wie sie galoppierten, so schnell blieben sie auch knapp vor ihrer Herrin stehen, die ihnen Zucker für die herrliche Vorstellung gab. Dabei lachte die Kaiserin aus vollem Hals.

Es war wie in Ischl, Schönbrunn oder in der Hofburg. Wer mit Kaiserin Elisabeth sprechen wollte, musste dazu in die Reithalle.

Doch Elisabeth wäre nicht Elisabeth gewesen, wenn ihr nicht bald langweilig in Gödöllö geworden wäre.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bild im Privatbesitz, deshalb mit extra großem Logo – der Besitzer möchte nicht genannt werden
Kaiserin Elisabeth auf ihrem Dressurpferd Avolo
Bild: Wilhelm Richter, 1876

Ihre Jagd- und Reiterfolge waren so enorm, dass ihr die dreimalige Jagd in der Woche zu wenig erschien.

Noch dazu wo die Saison nur von Mitte September (nach der Ernte) bis am 3.11. (Hubertustag) dauern durfte.

Die damals noch dichten Wälder in Ungarn hinderten das Jagdkommando durch Gräben und Hindernisse zu springen, die Parforcejagd, wie England sie kannte, konnte in Ungarn nicht durchgeführt werden.

Als die Wiener Weltausstellung 1873 ihre Pforten öffnete, stand Kaiserin Elisabeth neben ihrem Gatten und schüttelte sämtlichen Ehrengästen die behandschuhten Hände.

Foto: Wikimedia/Commons
Eröffnungszeremonie der Wiener Weltausstellung 1873
mit Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth
Holzstich nach der Zeichnung von Vinzenz Katzlers, 1873
Foto: Wikimedia/Commons
Prince Edward

Einer der hohen geladenen Gäste war Prinz Edward von England (*9.11.1841, 6.5.1910).
Er schwärmte der Kaiserin von der Parforcejagd in seiner Heimat vor.

Parforcejagd

Im Buch von Martin Haller „Sisi Die Kaiserin im Sattel“ ist ein großes Bedauern zu lesen, dass es die Parforcejagd in England heute nicht mehr gibt. Er findet die

„Fuchsjagd als schonendste Form der Dezimierung des Fuchsbestandes“ (7)

Schon allein dieser Gedanke gruselt mich, denn als Tierschützerin, fiel mir immer gerade die Jagd der Habsburger ganz besonders schwer zu recherchieren oder davon zu berichten.

Sämtliche Schlösser die ich im Laufe der Jahre besucht habe, waren für mich persönlich immer bedrückend, wenn ich diese vielen Geweihe und ausgestopften Tiere sah.

Vor allem bei Erzherzog Franz Ferdinand, der 1 Million Tiere (!) abgeschossen haben will (lt. Aufzeichnung seiner Jäger) muss ich heute noch schwer schlucken.

Selbst Kaiser Franz Joseph, der selbst eine nicht minder beachtliche Abschusszahl hatte, ließ sich 1892 nur schwer zu dem unsinnigen „Distanzreiten von Wien nach Berlin“ überreden, da er es absegnen musste.

Monatelang weigerte er sich, bis er von allen Seiten belagert, überredet wurde.

Der Gewinner des Rennens, Wilhelm Graf Starhemberg (*30.10.1862, †18.5.1928), stand schließlich und endlich in Berlin ohne Pferd da. Zu Tode gehetzt fiel der wunderschöne Hengst Athos durch eine Verletzung nach einem Starrkrampf einfach um.

Danach verbot Kaiser Franz Joseph dieses Rennen endgültig.

Ich persönlich bin also froh, dass England die Hetzjagden auf Füchse (und Hirsche) – die dabei zu Tode gehetzt wurden – verboten hat. Martin Haller findet das in seinem Buch „beschämend“!

Par force (französisch) – heißt im übrigen: Gewalt – dieses Verbot kommt also nicht von ungefähr. 1934 in Österreich/Deutschland, 2005 England; alle anderen Länder betreiben sie noch!

Aber was war nun eine Parforcejagd?

Der Jagd“anführer“ saß auf seinem Jagdpferd, genannt „Hunter“ welcher die Jagd leitete. Selbstverständlich war die Jagd nur Reichen und geladenen Gästen vorbehalten. Wer also zu dieser Gesellschaft zählte, durfte und konnte sich glücklich schätzen.

England und Irland stellten dabei die schönsten Jagdgebiete zur Verfügung. England wurde zudem mit dem Spitznamen „Rote Röcke Jagd“ bekannt, da die Jäger dort ausschließlich rote Jacken trugen.

Es gab genügend Gräben, Hindernisse, Wälder und schwierige Routen.

Vor der Jagd wurde beim sogenannten „Meet“ aufgesessen und locker von Pferd zu Pferd geplaudert. Dabei bellten schon die Hunde vor lauter Aufregung und so manches Pferd zeigte seinen Willen, lospreschen zu wollen. Andere wieder nahmen das Ganze sehr gelassen auf.

Foto: Thaddäus Bien
Hundemeute bei einer Parforcejagd

Danach wurde zur Jagd geblasen und der Leithund heulte seinen typischen Jagdlaut aus. Dann ging es auch schon los. Die Pferde und Hunde preschten im Galopp voran und folgten den Hunden, die die erste Spur einer Fährte witterten.

Der Hunter ritt voran und führte die Gesellschaft an. Dabei durfte der Hunter nicht „überritten werden“. Dies zählte als schwerer reiterlicher Fehler und wurde vom Hunter bestraft. Schlimmstenfalls sogar mit dem Ausschluss der Jagd – was eine unglaubliche Schande in der Jagdgesellschaft darstellte. Im besten Fall wurde der/die Reiter/in vom Hunter schwer beschimpft (und musste sich dieses gefallen lassen).

Bei den sogenannten Stops, rasteten sich die Pferde in einem Halbschlaf aus, aus dem sie unfassbar schnell wieder erwachen konnten. Danach ging es sofort wieder weiter.

1-4 Füchse wurden pro Jagd aus ihren Bauten geholt. Zuvor wurden diese zugemacht, damit der Fuchs sich nicht in sein Erdloch verkriechen konnte. Die Hunde hätten ihn nämlich sonst nicht erwischt.

Waren die Hunde erst einmal hinter dem Fuchs her, hatte dieser kaum eine Chance. 1-2 Füchse wurden hintereinander gejagt, je nachdem wie die Fährten der Tiere aufgenommen wurden. Die Hetze durch die Hunde dauerte ungefähr 1 Stunde. Danach waren die Füchse (oder Hirsche) so erschöpft, dass die Hunde sie erwischen konnten und zubissen. Die meisten Füchse starben durch die Hunde, andere wurden erschossen.

7 Monate dauerte die Jagd in England, 5x die Woche fanden diese statt. Man kann sich also die Anzahl der zu Tode gehetzten Füchse selbst ausrechnen. Und das in nur einem Revier. Es gab unzählige – allein in England.

20-50 Jäger konnte eine Gesellschaft zählen, dazu ca. 200 Hunde. Manchmal sogar 500. Je nachdem wie groß die Gesellschaft tatsächlich war und wieviele Hunde die Besitzer hatten.

Nach dem Abschluss der Jagd ritt die Gesellschaft zum Landbesitz des Gastgebers zurück. Dort wartete bereits das Personal mit Sherry auf die Gesellschaft. Nach einer ordentlichen Erfrischung und Umziehen wurde zum Dinner geladen.

Foto: artnet.com
Kaiserin Elisabeth auf der Jagd in England
Bild: Julius Blaas (Wasserfarbe)

Elisabeth jedenfalls hörte Prince Edward interessiert zu und natürlich hatte sie nur noch eines im Sinn:

sie wollte zur Parforcejagd nach England.

Kaiser Franz Joseph stöhnte bei dem Gedanken natürlich auf. Seine Frau kam immer wieder auf Ideen, die ihn schier zur Verzweiflung brachten.

Sie wusste aber auch, dass, egal wie sehr Franz Joseph auch zetern würde, sie es immer schaffte, ihn umzustimmen.

Hinzu kam, dass ihre Schwester Marie (*4.10.1841, †19.1.1925), schon seit einiger Zeit das Parforcejagen kannte und Elisabeth anstachelte dies zu versuchen.

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Marie von Neapel
Foto: Wikimedia/Commons
König Francesco und Königin Marie von Neapel
(geschöntes Bild)

Getrennt von ihrem Ehemann König Francesco von Neapel (*16.1.1836, †27.12.1894) verbrachte die gelangweilte Marie ihr Exil hauptsächlich in Begleitung ihrer Schwester Kaiserin Elisabeth und/oder ihrer Lieblingsschwester Mathilde „Spatz“ Gräfin von Trani.

Ihre Lieblingsbeschäftigung war ebenfalls das Reiten, was sie aber bei weitem nicht annähernd so beherrschte wie Elisabeth.
Dies sollte später noch für einen Eklat sorgen, der schließlich zum Bruch der Schwestern führte.

1874 war es schließlich so weit. Um der Reise einen „offiziellen“ Grund zu geben, wurde eine Ausrede für die kleine Valérie auserkoren. Sie benötige „Seebäder“ und die Isle of Wight wäre dazu gerade richtig.

Foto: Wikimedia/Commons
Steephill Castle in Ventnor auf der Isle of Wight

Kaiser Franz Joseph wollte politische Schwierigkeiten vermeiden, weshalb die Reise inoffiziell blieb und Elisabeth als „Gräfin Hohenembs“ reiste.

Kaiserin Elisabeth und ihr Gefolge wohnte im Steephill Castle in Ventnor.

Da Elisabeth sich bei Queen Victoria (*24.5.1819, †22.1.1901) sehr kurzfristig anmeldete, welche ihren Sommer ebenfalls auf der Insel verbrachte, war diese sehr ungehalten.

Foto: Wikimedia/Commons
Princess Alix of Wales

Sie schrieb ihrer Tochter Victoria (*21.11.1840, †5.8.1901) folgenden Brief:

„Die Kaiserin bestand darauf, mich heute zu sehen. Wir sind alle enttäuscht. Ich kann sie nicht eine große Schönheit nennen. Sie hat eine schöne Haut, eine herrliche Figur, und hübsche kleine Augen und eine nicht sehr hübsche Nase. Ich muß sagen, da sie in grande tenue [große Aufmachung], wenn sie mit ihrem schönen Haar zu sehen ist, was zu ihrem Vorteil ist, viel besser aussieht. Ich finde Alix [die Prinzessin von Wales] viel hübscher als die Kaiserin.“ (8)

Doch Queen Victoria hatte sich offenbar völlig umsonst bei ihrer Tochter echauffiert.

Kaiserin Elisabeth war einen Tag zuvor schon bei Kronprinzessin Victoria und hatte diese – wie sollte es anders sein – ebenfalls brüskiert.

„Die Kaiserin von Österreich war gestern auch hier – sie wollte keine der angebotenen Erfrischungen annehmen. Aber nachher hörten wir, daß sie zum Hotel in Sandown ging und dort dinierte, was wir doch ziemlich sonderbar fanden. Sie sah nicht am allerbesten aus, und ich denke, ihre Schönheit hat seit dem letzten Jahr sehr nachgelassen, wenn sie auch noch immer hübsch ist! Sie war auch nicht zur ihrem Vorteil angezogen.“ (9)

Foto: Wikimedia/Commons
Kronprinzessin Victoria

Weiters ging es darum, dass Victoria ebenfalls Alix viel hübscher fand, aber …

„die Kaiserin ist pikanter als alle Damen, die ich jemals gesehen habe. Die schöne Kaiserin ist eine sehr sonderbare Person, was ihre Tageseinteilung angeht. Den größten Teil des Vormittags verbringt sie schlafend auf dem Sofa. Sie diniert um 4 und reitet den ganzen Abend ganz allein und niemals kürzer als drei Stunden lang und wird wütend, wenn irgend etwas anderes geplant ist. Sie will keinen Menschen sehen oder sich irgendwo sehen lassen.“ (10)

Einige Tage nach dem Besuch, reiste die Kaiserin nach London ab. Sie war äußerst beseelt darüber, dass die Straßen der Herrschaftshäuser leer waren, so konnte sie mit ihrer Lieblingshofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics unerkannt durch die Straßen laufen. Der Bericht zur Hofdame kann hier nachgelesen werden.

Zum einen wollte sie London besichtigen, zum anderen forderte sie Kaiser Franz Joseph auf, einige Pflichtbesuche abzustatten. Obwohl die meisten Adeligen auf Sommerfrische waren, blieben einige wenige zurück.

Foto: Wikimedia/Commons
Mary Adelaide Herzogin von Teck

So musste sie u.a. Mary Adelaide Herzogin von Teck(*) (*27.11.1833, †27.10.1897) besuchen. Nach dem Besuch schrieb sie einen amüsanten Brief an Franz Joseph:

„Sie ist „kolossal dick“. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Ich dachte mir die ganze Zeit: Wie muß sie im Bett ausschauen?“ (11)

Sie besuchte die Gestüte der Insel und sah wunderschöne Pferde, die sie nicht kaufen durfte. Als Kaiserin hätte sie niemals so viel Geld für ein Pferd ausgeben dürfen.

Völlig aufgelöst schrieb sie dem Kaiser:

„Das, was ich am liebsten haben möchte, kostet fünfundzwanzigtausend Gulden! Also natürlich unerreichbar.“ (12)

Gulden 25.000 = ca. € 311.599

Foto: Wikimedia/Commons
Lady Georgina Dudley

Doch wie es der Zufall so wollte, schenkte Lady Georgina Dudley(**) (*9.8.1846, †2.2.1929) Elisabeth das Pferd.

Kaiserin Elisabeth war entzückt, obwohl sie sich lange wehrte. Es war nicht üblich, dass solch teure und exklusive Geschenke gemacht wurden.

Lady Dudley gehörte in weiterer Folge immer zur Jagdgesellschaft rund um Kaiserin Elisabeth.

Foto: abebooks.co.uk
Charles Cecil Manners
6th Duke of Ruthland

Elisabeth schrieb mehrmals ihrem Mann und bettelte direkt, dass er nach London bzw. England käme, um sich auszuspannen. Er sollte jagen, das neue Pferd ausprobieren und bei ihr sein. Doch so sehr sie auch hoffte, Franz Joseph musste zu seinem Bedauern absagen. Sein Terminkalender ließ eine Reise nicht zu.

Als sie auf Schloss Melton ankam, um dort für einige Tage zu bleiben, lernte die Kaiserin nun endlich die richtige englische Jagd kennen. Ihre erste Parforcejagd stand an und Elisabeth war vom ersten Augenblick fasziniert und infiziert.

Charles Cecil Manners 6te Herzog von Rutland (*3) (*16.5.1815, †3.3.1888) war ihr Gastgeber.

Nun begnegnete sie zwei Brüdern, deren Nichte Kaiserin Elisabeth noch viele Sorgen und Probleme machen sollte.

Begleitet wurden die beiden von Königin Marie von Neapel, welche, finanziert, durch die Familie Rothschild ein feudales Leben führen konnte.

Foto: Wikimedia/Commons
Hector Baltazzi
Foto: Wikimedia/Commons
Alexander Baltazzi

Hector (*21.9.1851, †2.1.1916) und Alexander Baltazzi (*16.5.1850, †24.11.1914), galten als schwer reich und drängten sich dem Adel nahezu auf.

Sie waren die Brüder von Helene Freifrau von Vetsera geb. Baltazzi (*29.5.1847, †1.2.1925). Helene war niemand geringerer als die Mutter von Mary Vetsera. Einen weiteren Bericht, wo Helene ausführlicher erläutert wird, könnt ihr hier nachlesen.

Als Gräfin Festetics die Baltazzi Brüder kennenlernte, schrieb sie warnend in ihr Tagebuch:

„Man muss sehr achtgeben… Die Brüder gehen im Sport auf, reiten famos, drängen sich überall hin, sind für uns gefährlich, weil sie ganz englisch sind, und wegen der Pferde!“ (13)

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Gräfin von Festetics

Wie Recht sie behalten sollte, wusste natürlich zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Dennoch war Elisabeth unglaublich glücklich. Marie Gräfin von Festetics, Lieblingshofdame und enge Vertraute der Kaiserin notierte weiter:

„….. Der Herzog von Rutland hat dort seine Hunde und Ihre Majestät jagte dort das erste Mal auf englischen Boden. Die kleinen Jagderl früher, auf der Insel kann man das kaum Jagd nennen! …. Die zwei Tage waren so ermüdend, daß die Herrn alle todt waren und nur mit Mühe sich aufrecht hielten. Die Kaisern war ganz beschwingt, keine Spur von Müdigkeit. Wohl aber lachte Sie so herzlich über Tisza (Anmerkung Petra: Káláman Tisza (‚), ung. Ministerpräsident und Jagdbegleiter) der trotz des tapfersten Kampfes und enormen Respectes das Unglück hatte, ab und zu einzunicken! Die hellen Thränen perlten über Ihre rosigen Wangen! Die Ankunft war wie die Abreise, da lachte Sie auch so! (14)

Doch die Reise war zu Ende und Elisabeth musste mit ihrem Gefolge wieder nach Hause.

Ab sofort ritt die Kaiserin in Gödöllö und in Wien beinahe ununterbrochen, um noch besser zu werden.

Denn sie hatte nur ein Ziel:

sie wollte wieder nach England zur Parforcejagd.

Dazu engagierte sie den aus – woher sonst – England stammenden Reitlehrer und Stallmeister Allen, der von allen nur Mr. Allen (*/†unbekannt) genannt wurde. Er stachelte die Kaiserin zu immer weiteren und waghalsigeren Sprüngen und Ritten an.

Mit großer Besorgnis beobachtete dies Kaiser Franz Joseph und auch Hofdame Festetics.

Mr. Allen war eine Empfehlung von Marie von Neapel, der Marie von Festetics nichts abgewinnen konnte.

In ihrer Nähe war Elisabeth besonders beeinflussbar, schrieb diese in ihr Tagebuch.

Nicht nur, dass Marie Elisabeth in allem nachahmte, was die Kaiserin trug (Frisur, Kleidung), so musste sie auch so Reden, Stehen und Gehen wie diese.

Und natürlich wollte Marie auch so Reiten wie Elisabeth, wozu sie William „Bay“ Middleton (*16.4.1846, †9.4.1892) mehrfach versuchte anzuheuern. Doch ohne Erfolg.

Foto: Wikimedia/Commons
William „Bay“ Middleton

Der berühmte Jockey und Reiter ließ sich von der Adeligen reichen versnobten Marie nicht „kaufen“.

Noch dazu war Marie in seinen Kreisen als „lausige Reiterin“ bekannt.

Nicht nur, dass er die Königin nicht sonderlich mochte, so war Marie auch nicht gerne gesehen. Sie galt als versnobt, ließ sich von Fremden aushalten (der Familie Rothschild), hielt sich ihren eigenen Ehemann als „Dienstboten“ und ging mit allen anderen Leuten ebenfalls wie mit Dienstboten um.

Hofdame Festetics dazu in ihrem Tagebuch:

„Ihr König ist für sie, was für mich der Packelträger auf dem Bahnhof.“ (14)

Doch bevor Kaiserin Elisabeth wieder nach England abreisen konnte, passierte in ihrem Leben etwas Einschneidendes. Dies sollte ihr ganzes weiteres Tun komplett beherrschen und ab sofort war sie unabhängig(er).

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Ferdinand I.

Onkel Kaiser Ferdinand I. starb am 29.6.1875 (*19.4.1793) in Prag. Bis jetzt war Kaiser Franz Joseph von seinem eigenen Einkommen abhängig und Elisabeth von der Apanage ihres Mannes.

Nun aber erbte Franz Joseph ein immenses Vermögen und überließ Elisabeth gleich einmal

2 Milionen Gulden = ca. € 24.876.000

Trotz stetiger hoher Ausgaben, nahm die Kaiserin permanent hohe Geldbeträge ein.

Sie vermehrte ihr Privatvermögen, in dem sie in der Schweiz ein Konto einrichtete, eine Reihe Sparbücher anlegte und Aktien und Pfandbriefe kaufte.

Nun war sie von Kaiser Franz Joseph nicht mehr abhängig.

Sie kaufte die teuersten Pferde, die sie in der Monarchie Österreich-Ungarn auftreiben konnte und ließ sie für die Jagd in England ausbilden.

Um sich selbst noch darauf vorzubereiten, schob sie einen Reit- und Badeurlaub in der Normandie (Frankreich) ein.

Der kleine Staat hatte sich gerade gebildet und die politischen Querelen zu Österreich waren enorm.

Wieder musste die kleine Tochter Erzherzogin Valérie als Ausrede für das Wiener Volk herhalten. Die „kranke Erzherzogin müsse zur Kur“ stand in den Zeitungen zu lesen, weshalb die Kaiserin ins Ausland müsse.

Kaiser Franz Joseph war sehr unwohl, denn in der Normandie tummelten sich viele Anarchisten. Doch Elisabeth beschwichtigte ihn und meinte im Schlosspark von Schloss Sassetôt könne ihr nichts passieren.

Dass dies ein Trugschluss war, konnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

60 Personen, Pferde und natürlich Mr. Allen waren die Begleiter rund um Kaiserin Elisabeth als sie in Richtung Normandie aufbrach.

Die Vormittage waren für das Schwimmen im Meer reserviert, die Nachmittage für das Reiten. Dabei wurden im gesamten Schlosspark englische Hindernisse aufgestellt.

Foto: Repeated Originals via etsy shop
Badeanzug ca. 1872

Um die Gaffer, die sich auf den Klippen versammelten und zum Teil mit Fernglas hinabsahen und die schöne Kaiserin beim Baden beobachten wollten, eins auszuwischen, wurde eine List angewandt.

Diese wurde zuvor schon in England angewandt und hatte wunderbar funktioniert.

Kaiserin Elisabeth ließ schon in Wien mehrere exakt gleiche Flanellbadeanzüge anfertigen und so musste Gräfin von Festetics, Ida Gräfin von Ferenczy oder Fanny Feifalik im selben Badeanzug wie die Kaiserin am Badestrand vom Schloss Sassetôt baden gehen, während sich Elisabeth in eine geschützte Bucht zurückzog.

Ab 15.00 Uhr wurde im Park trainiert.

Mr. Allen trieb die Kaiserin jeden Tag zu neuen Übungen und zu noch waghalsigeren Sprügen an.

Hofdame Festetics wurde Bang bei den Sprüngen und hatte wirklich Angst um ihre Herrin.

Foto: france-voyage.com
ehemaliges Schloss Sassetôt, heute Hotel Château de Sissi

Mr. Allen ging zum Teil recht rüde mit den Tieren um.

Einmal wollte er der Kaiserin zeigen, wie er ein Pferd beherrscht und trieb es in die tosende See.

Dieses weigerte sich jedoch beharrlich, worauf Mr. Allen wütend wurde.

Mit 3 Paar Sporen auf den Fersen und einem schweren Peitschenhieb trieb er das Tier in die Wellen. Das Tier bäumte sich allerdings auf, sodass Mr. Allen vom Pferd stürzte und unterging.

Kreidebleich beobachtete Elisabeth diese Szene und beruhigte Marie von Festetics. Nie und nimmer, würde sie so etwas nachahmen. Das Pferd hat die Strapaz übrigens überlebt. Es rettete sich selbst ans Ufer und Mr. Allen wurde vom Bademeister aus den Wogen gezogen.

Doch am 10.9.1875 passierte ein schwerer Unfall, der beinahe zum Tode der Kaiserin führte. Und wer das Datum nun gelesen hat, kann es vielleicht als Omen betrachten.

Hier möchte ich noch einwerfen, dass in allen (!) historischen Büchern (ob alt oder neu) der Unfall mit dem Datum 11.9.1875 angegeben wird. Marie von Festetics beginnt ihre Aufzeichnung aber eindeutig mit „gestern“ und dies war nun einmal der 10.9.1875.
Hinweis: Ich habe deshalb ausnahmsweise im Zitat das Wort „gestern“ Fett markiert.

Ich lasse nun Marie von Festetics, die das ganze Geschehen notiert und persönlich miterlebt hatte, selbst erzählen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildauszug
Kaiserin Elisabeth hoch zu Roß

„Sassetôt, 11. September 1875

Ein schrecklicher Tag gestern, ich kann mich heute noch nicht faßen. In der frühe, vielleicht 10 Uhr, rief die Kaiserin zum Fenster herauf meinen Namen. Zu meinem Erstaunen war Sie im Reitkleid, was gegen Ihre Gewohnheit war, da Sie täglich baden ging, Sie sagte, Sie würde im Parke ein neues Pferd das Mr. Allen Ihr recommandiert, probiren, daher nicht baden. Wir sollten darum nur alle wie gewöhnlich zum Meere gehen, Sie brauchte nichts, da Sie nicht aus dem Garten gehen würde. So gingn wir allesamt, ich nur wegen der Gesellschaft, da ich ja nicht baden darf.
Ich sezte mich auf eine Bank und schaute den Wellen zu. Wie lange, weiß ich nicht, als ich plötzlich von einer zitternden Stimme aus meinen Traum geweckt wurde. „Madame, kommen Sie schnell, im Park ist ein Unfall passiert!“ Wie schnell ich bei Wiederhofers (Anmerkung Petra: Leibarzt Ihrer Majestät) Cabine war, weiß ich nicht. In der nächsten Secunde waren wir schon im Wagen und fuhren wie rasend dahin, kein Wort kam über unsere Lippen. Beim Parkthor stand jemand, der etwas rief, was, weiß ich jezt noch nicht, aber beide verstanden wir: „Es ist zu spät!“
Wir faßten uns an den Händen, mir kam es vor, daß mir das Herz zersprang. In einer Weile in vielleicht 1/2 Minute, es war uns wie eine Ewigkeit, erschienen wir auf den Platz.
Sie lebte! Der Anblick war aber schrecklich. Sie lebte, dem allmächtigen Gott sei tausend tausend Mal gedankt! Wie ich zu Ihr kam, weiß ich auch nicht, aber auf den Knien lag ich vor Ihr faßte Sie bei den eisigen Händen, die krampfhaft den Hut hielten. Sie saß regungslos kerzengerade auf einem Fauteuil, todtenbleich, auf der Stirne ein Fleck, ganz zerstört und geistesabwesend, ihre lieben schönen Augen ganz glanzlos und stierten gräßlich!
Wie ich alles sehen konnte in dem Momente, wo mein Herz vor Schreck und Weh gar nicht klopfte und ich das Gefühl hatte, es riße mir etwas im Kopfe. Mr. Allen hielt ein Parasol über Sie, der Bischof stand schlotternd neben ihr. Wiederhofer sagte: „Sprechen Sie zu Ihr, damit ich beobachten kann, wie’s um das sensoriren steht.“ Die Stimme aber wollte nicht kommen. Wiederhofer wiederholte und drängte, endlich kam es über meine Lippen: „felséged szenved?“ Wiederhofer: Reden’S deutsch!“ – „Eure Majestät, leiden Eure Majestät?“
Ihre Augen hingen starr in der Luft, als ich um Antwort bat, bewegte sie die Augen und schaute aber ganz abwesend in die meinen. Endlich war es lebendiger. Die Todesqual hatte mir Thränen in die Augen getrieben und ich wiederholte meine Bitte: „Bitte Eure Majestät, kennen Eure Majestät auch nur ein Wort?“
Da bewegte sich etwas in dem Auge, ich sah, Sie erkannte mich, aber konnte nicht sprechen. Endlich sagte Sie tonlos, kaum hörbar: Bitte Marie, weinen Sie nicht, das tut mir weh. Ich war so glücklich, so glücklich, aber ach!
Es war nur ein Moment, dann folgte wieder Schweigen, bis Sie endlich wieder fragte: „Aber was ist passiert?“ – „Eure Majestät sind mit Ihrem Pferd gestürzt.“ Nach einer langen Weile, man sah, Sie wollte sich erinnern, sagte Sie: „Aber ich bin nicht geritten.“
„Ja, Eure Majestät“. – „Wie spät ist es?“ – Halb elf, Majestät“. – „Früh? Da pflegte ich nicht zu reiten.“ – Eure Majestät haben ein Pferd probirt!“ – „Nein, ich erinnere mich nicht, und dann?“ – „Stürzten Eure Majestät.“ – „Aber ich bin nicht geritten!“
Dann schaute sie sich an und sah, daß Sie ein Reitkleid anhabe. „Natürlich schaut es so aus, aber wo ist das Pferd?“ – „Ist davon gelaufen, Eure Majestät.“ – Da kam ein Gesicht, so abwesend, schrecklich, dann endlich wieder, furchtbar langsam. „Ich wünsche das Pferd zu sehen.“
Es dauerte dann eine Weile, bis es kam. Es war mit solcher Wucht gefallen, daß die Beine zerschunden waren. So fragte Sie: „Aber warum ist sein Knie blutig?“ – „Vom Sturze, Eure Majestät“. – „Ach ja, natürlich, das kann stimmen, nur daß ich mich nicht erinnere. Gibt es keine gelben Rüben?“
Die Rüben wurden geholt, Sie wollte sich erheben, konnte aber nicht ein Glied rühren. Da fing Sie an zu glauben und fragte: „Und wo ist Valérie? Und der Kaiser? Und wo sind wir, was machwn wir in Frankreich?“
Ich antwortete fort und fort, so ruhig ich konnte. Es war, als ob wir allein auf der Welt wären.
Sie bemerkte die Leute gar nicht, erinnerte sich gar nicht, schwieg eine Weile, dann sagte sie: Wenn es stimmt, daß ich stürzte, dann bin ich ein Trottl.“
Und nun fragte sie fort, wie ein Kind: „Bleibe ich jetzt immer so dumm, immer so ein Trottel?“
Wiederhofer betrachtete Sie unaufhörlich mit seinen klugen, beredten Augen. Dann hob man Sie in den Wagen.
Ich sezte mich neben Sie, fasst Sie um die Taille, Sie lehnte sich schwer an mich, ich wagte kaum zu athmen. Der Wagen setze sich in Bewegung, Wiederhofer ermahnte mich aufzupaßen, den Kutscher, ja recht langsam zu fahren, und so sezten wir uns in Bewegung. Auf einmal sagte Sie: „Jetzt erging es mir so wie vor Kurzem dem armen Gemeinsamen [Außenminister]. Sie nannte Andrássy so. „Er fühlte sich genau so wie ich. Oh mein Gott, sagen Sie mir bitte, daß Sie nicht glauben, daß ich so bleibe, weil ich mich fürchte, ein Trottl zu bleiben!“
Ich nam mein Courage zusammen und sagte: „Eure Majestät, wer sich davor fürchten kann, ist ganz bei Sinnen! Der Kopf Eurer Majestät ist benommen, aber anderes fehlt Ihnen nicht. Der Gemeinsame [Außenminister] ist auch nicht so geblieben und Eure Majestät stürzten nicht einmal halb so schwer wie er.“ Das wirkte tröstend. Sie schwindelte fort, sagte aber, wie der Wagen stehen blieb: „Bitte den Kaiser nicht zu erschrecken und ihn vorsichtig in Kenntnis setzen und man soll bedenken, wie er sich erschrickt.“ Nun trug man Sie in Ihr Zimmer. Ida und Nopcsa (Anmerkung Petra: ihre Vorleserin und ihr Obersthofmeister) standen todtenbleich da. Die Armen waren im Meer und hörten erst, als sie heraus kamen, was geschehen war.
Mit Eisumschlägen, wahnsinnigen Kopfschmerzen, Übelkeiten, eine schlechte Nacht!
Gegen Morgen stellte sich Schlaf ein und heute liegt Sie tief im Bette, aber mit den alten Augen und klarem Kopf, wenn auch noch mit Schmerzen. Seiner Majestät wurde ein Bericht zusammen gestoppelt. „Die Wahrheit und doch nicht erschrecken“, das ist schwierig, besonders wenn einer die Verantwortung zu tragen hat. … (15)

Historiker Conte Corti beschrieb den Unfall, welche eine Nacherzählung von Kaiserin Elisabeth persönlich war und ihm von Marie von Festetics erzählt wurde, wie folgt:

„Ein neues Pferd ist gekommem. Allen hat es vorher zuviel abgeritten. Bei einer kleinen, niedrigen Hecke, die die an ganz andere Sprünge gewöhnte Elisabeth für nicht achtete, macht ihr Pfed auf einmal einen übertrieben großen Satz, strauchelt und fällt auf die Knie. Elisabeth wird mit solcher Gewalt heruntergeschleudert, daß die Sattelgabel abbricht. Besinnungslos bleibt sie auf dem Rasen liegen. Der brave heimische Bereiter Bayzand steht am anderen Ende des Sprunggartens und wartet, bis die Kaiserin durchkommt. Auf einmal sieht er das Pferd reiterlos, stürzt hin und findet Elisabeth regungslos am Boden liegen. Alle sind beim Baden, nur Gräfin Festetics nicht.“ (15a)

Anmerkung Petra: Kaiserin Elisabeth erinnerte sich später wieder an den Unfall und erzählte ihrer Mari – die sie immer so schrieb – am 29.9.1875 den Unfallhergang. Als Conte Corti seine Biografie verfasste sprach er noch mit Gräfin Festetics, die ihm somit aus erster Hand von dem Unfall erzählen konnte. Warum bei ihm ebenfalls der 11.9.1875 als Unfalltag angegeben ist, ist mir daher unbegreiflich. Er hatte Zugang zu Briefen, Tagebücher und vielen Dokumenten, die bis heute entweder unter Verschluss sind oder durch den 2. Weltkrieg vernichtet wurden (Idas Elisabeth Museum in Budapest).

50 Mal wurde das Telegramm an Kaiser Franz Joseph stilistisch verändert, bis man es schließlich abschickte.

Am 16.9.1875 kam Fanny Feifalik (*28.1.1842, †14.7.1911) auf die Idee ihr die Haare aufzumachen und auszubürsten, was einen Rückfall auslöste und Elisabeth wieder mit enormen Kopfschmerzen, Übelkeit und Sprechstörungen zurück ins Bett sank.

Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901) (Anmerkung Petra: Marie von Festetics schrieb ihn mit „ie“, Dr. Widerhofer schrieb sich jedoch nur mit „i“) war so besorgt um Kaiserin Elisabeth, dass er ihr nur noch eine Nacht zur Besserung gab.

Wäre dies nicht eingetreten, hätte Elisabeth anderntags ihre Haarpracht verloren. Dr. Widerhofer hätte diese abrasieren lassen.

Erschrocken darüber schrieb Gräfin von Festetics:

„Wenn sich der Kopf in 24 Stunden nicht bessert, müßen die Haare herunter! Mir schaudert. Ich habe das Gefühl, Ihre Haare seien etwas „besonderes“ und würden gemordet! Ihre Haare, die schönen, welligen, schimmernden Haare, schrecklich! Das wäre zu grausam!! Der Puls ist so schwach. Ich, wir, Ferenczy (Anmerkung Petra: Vorleserin Ida) und ich, verbringen die Tage auf den Stufen vor der Thüre, auch faßt die ganze Nacht. Je größer die Ruhe um Sie, desto besser für Sie.“ (16)

Foto: Wikimedia/Commons
Julius „Gyula“ Graf Andrássy

Kaiser Franz Joseph war außer sich, als er das Telegramm erhielt und wollte sofort in die Normandie.

Außenminister Julius „Gyula“ Andrássy (*8.3.1823, †18.2.1890) hielt ihn wegen der politischen Probleme mit Frankreich zurück.

So schrieb dieser rührende Briefe an seine Engels-Sisi. Als sie diese empfing, weinte sie vor Freude. Denn Elisabeth wollte nur noch eines: nach Hause

„Dem allmächtigen Gott heißen Dank, daß es soweit ist. Ich kann den Gedanken nicht ausdenken, was geschehn hätte können. Was sollte ich auf der Welt ohne Dich, den guten Engel meines Lebens?“ (17)

Doch bevor die Kaiserin endgültig nach Wien zurückkehren durfte, musste noch ein Anstandsbesuch beim Präsidenten in Paris abgehalten werden. Diesen überstand sie mit Bravour, da es ihr schon viel besser ging.

Als sie in Wien ankam, stieg sie schon wieder aufs Pferd. Der einzigen, der sie Zeit ihres Lebens das Reiten verbot, war ihrer Tochter Erzherzogin Marie Valérie.

„Zu gefährlich“

befand die überfürsorgliche Mutter.

Dass sich aber alle Sorgen ihretwegen machten, nahm sie nicht ernst.

„Da sieht man, daß gerade das geschieht, was einem Gott bestimmt.“ (18)

Diesen Ausspruch tätigte Elisabeth einige Tage zuvor, als diese mit ihren Hofdamen und ihrem Obersthofmeister, am 29.9.1875 die Kapelle des verunglückten 32jährigen Kronprinz Ferdinand Philippe von Orléans (*3.3.1810, †13.7.1842) besuchte.

Im November 1875 starb ihr Lieblingshund Shadow, um den sie unsagbar trauerte. Sie ließ ihn im Garten von Schloss Gödöllö begraben und einen Stein errichten.

Shadow war eine Dogge und kein Wolfshund!

Foto: artvee.com
Dogge SHADOW
Bild: Ölgemälde Carl Reichert, 1873
Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig II, 1874

Ein kleine Anekdote am Rande rund um Shadow: =>

Shadow musste einmal als Ausrede herhalten, um König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886) loszuwerden der Kaiserin Elisabeth lästig wurde, da er sie auf Schritt und Tritt verfolgte. Sie bat Marie von Festetics dem König auszurichten, dass Shadow keine fremden Menschen möge und „bissig“ sei. Der König blieb traurig fern, konnte es kaum fassen und Elisabeth ging allein mit Hund und Marie spazieren.

Im März 1876 konnte sie ihr Reisefieber nicht mehr verbergen und nun endlich ging es nach England zur Jagd.

Foto: John Fielding
Easton Neston in Towcester, Northants

Untergebracht war sie mit ihren Pferden und ihrem Gefolge in Easton Neston, in Towcester, Northants. Schon am nächsten Tag war die erste Jagd.

Wieder waren die üblichen Verdächtigen dabei. Die Baltazzi Brüder und noch so einige Namen, die hier jetzt nur für weitere Verwirrung stiften würden, würde ich sie alle auflisten.

Das Schloss selbst wurde wieder einmal von Marie von Neapel bewohnt und wurde in weiterer Folge von Elisabeth „belagert“.

Foto: Wikimedia/Commons
John Poyntz
5. Earl of Spencer

Bei einer der Jagden lernte sie John Poyntz 5. Earl of Spencer (*27.10.1835, †13.8.1910) kennen. Er war ein Vorfahre von Lady Diana (*1.7.1961, †31.8.1997).

Nun war es auch für Elisabeth so weit, endlich auf William „Bay“ Middleton zu treffen.

Allerdings wollte der so gar keine Notiz von ihr nehmen. „Wieder ein weiteres Weib im Sattel“, so ähnlich wird er wohl gedacht haben. Er galt zwar als vollendeter Gentleman, wenn es um Damen ging und soll auch ein zärtlicher Liebhaber gewesen sein, was seine zahlreichen Liebschaften beweisen, aber auch ein Rüppel in seiner „Männerdomäne“.

Doch die englische Jagdgesellschaft hatte größte Bedenken und Angst um die Künste der schönen Kaiserin und so stellte der Lord Bay als Hunter für Elisabeth ein.

Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen und anfangs weigerte er sich sogar.

Wie schon bei Marie von Neapel, lehnte er aus Interesselosigkeit ab. Eine Dame aus dem Adel wollte er partout nicht führen.

Kaiserin Elisabeth kam die Art wie Bay über sie sprach zu Ohren und hatte von Anfang an größten Respekt vor ihm.

Einmal ein Mann der nicht vor Ehrfurcht erstarrte, nur weil sie vor ihm stand.

Dass ausgerechnet Bay Middleton ihr noch zum Verhängnis werden sollte, konnte sie jetzt noch nicht ahnen.

Doch nicht alle in ihrem Umfeld, vor allem die Herren, waren der Gleichgültigkeit verfallen. Es gab einige die sich teilweise sogar um die Gunst der Kaiserin stritten und um ihre Aufmerksamkeit buhlten.

Foto: Nationalbibliothek.at
Kaiserin Elisabeth
jung, schön und erfrischend
so wurde sie beschrieben

Sehr zum Missfallen von Kaiser Franz Joseph natürlich, der weit weg in Wien war und zum Teil besorgniserregende Briefe seiner „Berichterstatter“ bekam.

Elisabeths Charme, sowie generell ihre Begleitung waren heiß begehrt. Bis zu 100 Teilnehmer hatte eine Jagdgesellschaft und die Besucher die am Rande der Jagd standen waren auch nicht von minderer Anzahl.

Jeder wollte die schöne und einzigartige

Kaiserin von Österreich sehen.

Elisabeth hatte sichtlich ihren Spaß und versteckte sich nicht.

Marie von Festetics stöhnte auf. Die Teilnehmer würden alle 3 Tage reiten,

„Wir reiten jeden Tag“ (19)

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferenczy

Doch der Aufenthalt 1876 war nicht allzu lange und Bay Middleton spielte noch keine große Rolle in Elisabeths Leben.

Zwar gewann er einen Silberpokal, den diese stiftete und die Kaiserin ganz aufgeregt beim Rennen beobachtete, aber ansonsten war ihr jeden Tag ein anderer Hunter zugeteilt und täglich eine andere Jagdgesellschaft im Gange.

Aufgeregt schrieb Elisabeth ihrer liebsten Freundin, welche nicht nach England mitkommen konnte, Ida Gräfin von Ferenczy (*7.4.1839, †28.6.1928).

Sie war als „Vorleserin“ bei Hofe engagiert, da ihr Adelsstand nicht dem entsprach, dass sie Hofdame werden konnte. Mehr über das Hofzeremoniell und wie man Hofdame oder Vorleserin wurde, gibt es hier.

„Easton Neston
Towcester, am 26.3.1876

…… Was glaubst Du, blieb mir Plato (Anmerkung Petra: der neue Hund nach Shadow) treu, wird er sich auf mich freuen und der Alte bleiben? Wie oft dachte und sehnte ich mich nach ihm. Ich weiß nur, dass ich ihn sehr liebe und kaum erwarten kann, ihn wieder zu sehen. …
Die 2 neuen Kleider sind fast schon abgetragen, [oft] genug wälzten wir uns auch in ihnen! Von der Märzsonne und [dem] Wind bin ich so braun geworden wie ein wilder Hase, mein Gesicht ist voll Sommersprossen, wenn mein Fleisch einmal irgendwo schlecht war, jetzt aber nicht mehr. …… ….. u.s.w
Es küsst Dich
Elisabeth
(20)

Am 5.4.1876 traf Kaiserin Elisabeth wieder in Wien ein.

Ohne mit der Wimper zu zucken, bezahlte Kaiser Franz Joseph die Kosten von

Gulden 106.516,93 = ca. € 1.347.488,11

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Freiherr von Nopcsa

Obersthofmeister Ihrer Majestät Franz Freiherr von Nopcsa (*15.3.1815, †24.6.1904) berichtete Kaiser Franz Joseph voller Stolz, dass es keine bessere Reiterin auf der Welt gäbe, als die Kaiserin. Und er fügte noch hinzu: und nur wenige Herren.

Derweil zog der September ins Land und nach einigen Reisen Elisabeths, weilte sie nun in Gödöllö.

Die Jagdsaison hatte in Ungarn begonnen und sehr zum Verdruss der Ungarn wurde Bay Middleton eingeladen.

Auch der Kaiser kam nach Gödöllö und fand den Piloten sehr sympathisch.

Foto: Wikimedia/Commons
Miklós Pál Graf Esterházy de Galántha „Sport-Nikki“

Doch weniger sympatisch fand ihn Elisabeths bester ungarischer Pilot und Freund Miklós Pál Graf Esterházy de Galántha (*5.12.1839, †7.5.1897) genannt „Nikki“ oder auch „Sport-Nikki“. Ihm passte die Einladung nach Gödöllö überhaupt nicht.

Jeder wollte natürlich der „Hunter“ sein und beinahe stritt man sich um die Gunst der Kaiserin.

Amüsiert über Bays schlechtes Deutsch, der viele Wörter verwechselte, dafür aber kein ungarisch sprach und die Ungarn natürlich kein englisch, wurde es schwer für ihn Anschluss zu finden.

Prompt ging bei dem Besuch etwas schief. Bay, der sich fürchterlich in Ungarn langweilte, besuchte eines Tages ganz allein Budapest.

Da er abgängig war, ließ Elisabeth die Polizei einschalten. Eine sehr peinliche Situation für die Königin von Ungarn. Man fand einen völlig betrunkenen Bay in einem Freudenhaus. Zu dem hatte man ihn ausgeraubt.

Elisabeth tobte, Bay lachte und nahm das Ganze selbst nicht so ernst. Da nur Elisabeth Englisch sprach, war es für ihn natürlich nicht so einfach, sich mit den ohnehin hochnäsigen ungarischen Reitfreunden der Königin zu unterhalten.

Als Weihnachten kam, waren auch Herzog Ludwig in Bayern, seine Henriette und Marie geladen, welche mittlerweile 18 Jahre alt und zu einer wahren Schönheit herangewachsen war. Elisabeth herzte sie über alle Maßen.

Und wieder war es Marie von Festetics, die einen gewissen Riecher hatte, was Marie von Wallersee, später dann Gräfin Larisch anging:

„28.9.1876 Gödöllö

„ich möchte sie gernhaben, sie gefällt mir manchmal, aber, aber was? Es ist etwas, was mich hält, ich traue mich fast nicht, es zu schreiben, aus Angst, ihr unrecht zu tun. Ich habe das Gefühl, recht zart will ich’s schreiben, als ist sie nicht wahr, nicht aufrichtig, als hätte sie „schauspielerisches Talent“. (21)

1877/8 sollte die nächste Reise nach England stattfinden.

Diesmal durfte der 19jährige Kronprinz Rudolf sie begleiten, was leider im Desaster endete.

Es ist auch jenes Jahr, welches das engültige Aus für die Schwestern Elisabeth und Marie besiegelte.

Foto: Wikimedia/Commons
Cottesbrooke Hall, Northants

Silvester verbrachte die Gesellschaft in Claridge, danach ging es weiter nach Northamptonshire.

Im Landhaus Cottesbrook wohnte man diesmal für ganze 6 Wochen.

Lord Spencer war der Eigentümer des Landes, auf dem Elisabeth wohnte. Sein Schloss war in unmittelbarer Nähe.

Gräfin Festetics war unwohl, als sie zu Silvester in Claridge ankam. Sie hatte große Angst um Elisabeth, da sie wusste, dass diese 6 Wochen eine enorme Strapaz werden würden. Und sie wusste, dass viele Teilnehmer zu Sturz kamen, sich das Genick brachen und/oder das Pferd ebenfalls zu Tode kam. Ihre Tagebucheinträge sind besorgniserregend.

Zu dem hatte sie wieder einmal eine Ahnung was Marie von Neapel angging.

Als Gräfin Festetics erfuhr, dass sich die Kaiserin diesmal ausschließlich nur von Bay führen ließ, wusste sie, dass dies für Eifersucht bei Marie sorgen würde.

„London, Silvester 1877

… Sie nähert sich nie Ihrer Majestät, ohne etwas im Schilde zu führen. Entweder wenn sie die Kaiserin braucht, um sich zu schützen, denn Sie hat einen niedern Ruf, oder aber wenn Sie die Kaiserin etwas vergülten will. Ich zittere schon, was heuer wieder sein wird. Ich glaube, Sie hat den C.G. (ihren Liebhaber, Anm.) satt und Sie wird auf Middleton los gehen, weil es sie ärgert, daß dieser exquisite Reiter, der nie eine Dame führt, Ihre Majestät führt. Was sie da ausdenken wird, um Ihrer Majestät ihn auszureden, auf das bin ich neugierig! Die Kaiserin fürchtet sich vor ihr und läßt sich doch beeinflussen von der bösen herzlosen Frau! Das sind schöne Sylvestergedanken, ach!“ (22)

Wie weit es tatsächlich kommen würde, konnte selbst Marie nicht ahnen.

Foto: Wikimedia/Commons
Bay Middleton – das Pferd von dem Bay Middleton wahrscheinlich seinen Spitznamen bekam

William „Bay“ war um 9 Jahre jünger als Elisabeth und schwer taub. Wie genau er zu seinem Spitznamen kam, konnte kein/e Historiker/in genau erforschen. Angenommen wird, dass es entweder sein rotblondes Haar war, dass wie eine „Bay“ (englisch für Bucht) schimmerte oder nach dem Pferd „Bay Middleton“, welches beim Epsom Derby 1836 als Sieger hervorging.

Elisabeth verbot ihrem Sohn Rudolf das Jagen zu Pferde, da er nicht die Übung und das Können hatte, wie sie.

Sie ritt jeden Tag über Stock und Stein, Hindernisse, Wassergräben, jagte Füchse, Hirsche und andere Tiere. Die Hetzjagden an denen Elisabeth täglich teilnahm kannten kein Ende.

Mit jedem Aufsitzen wurde Marie von Festetics bang. Beinahe täglich kam es zu schweren Stürzen, auch Tote waren dabei.

Kaiser Franz Joseph hörte indes die schlimmsten Berichte und ihm wurde in Wien Bange. Elisabeth beschwichtigte ihn immer wieder. Ihr gehe es gut und sie sei voller Freude und Elan.

Und das war sie auch wirklich.

Bay feuerte sie täglich zu mehr an. Er war der beste Pilot und der beste Reitlehrer den sie je hatte. Niemand anderer schaffte es, die Kaiserin herumzukommandieren.

Bay Middleton hatte die Kaiserin aber auch im Griff. Sein Ton war manchmal hart und die Gesellschaft staunte nicht schlecht, wie er mit ihr sprach. Doch Elisabeth nahm dies weder mit Besorgnis zur Kenntnis, noch war sie böse. Im Gegenteil. Genauso wollte sie es.

Mit ihm wurde sie noch besser. Tagtäglich nicht nur schneller und höher, sondern auch noch weiter und sie kamen als Erste ins Ziel.

Wenn Bay stürzte, wartete Elisabeth zwar geduldig auf ihn, zappelte jedoch auf ihrem Pferd hin und her, da sie immer nah bei den Hunden sein wollte. Je schneller die Hunde, desto schneller wurde sie.

Foto: britainsbestguides.org
Kaiserin Elisabeth und Bay Middleton bei der Jagd in Ungarn
Bild: Ölgemälde Julius Blaas, 1878

Die Kaiserin war wie besssen. Sie liebte diese Herausforderungen und nahm sie täglich aufs Neue an.

Nur durch Bays Hilfe wurde sie zur besten Reiterin der Welt. Für eine Dame ihres Standes etwas einzigartiges, bisher nie dagewesenes.

Marie von Festetics beschrieb die einzigartigen Szenen wieder einmal in ihrem Tagebuch:

„Ihre Majestät geht, oder besser gesagt jagt faßt jeden Tag, wenn nicht mit dem hiesigen „Pack“, so mit den andern der Nachbarschaft. Spencer sind auch zu erreichen, und alle alten Bekannten finden sich ein. Das Leben ist aber ermüdend, wenn man nicht mit ganzer Seele dabei sein kann.
Jeden Tag um 9 geht es zum „meet“, was wohl ein reizender Anblick ist! Diese schönen alten Wohnsitze mit den prächtigen Parkanlagen! Auf den herrlich grünen Wiesen das bunte, unbeschreiblich belebte Bild der Jäger in ihren rothen Röcken auf den schönen, vor Erregung faßt zitternden Pferden! Die Damen, die Kinder auf Ponies, die hübschen lustigen Hunden mit ihren verschiedenen braunen Flecken! Ihre Bändiger mit der Peitsche und dem Horn! Der Master, wie ein Regent mit stoischer Gleichmut um sich blickend! Das ist vor dem Hause.
Innen in der Hall über die Tische, mit den feinen Linnen, altem Silber, schönem Glas, Procellan, biegen sich unter der Last der Festschätze! ….
In das Gewühl hinein erschien Sie, „die fairy Queen“, wie man Sie auch nannte, wie mit einem Zauberschlag verstummt, alles in leiser Ehrfurcht beugt und neigt sich jeder! „Her Majesty“, „the Empress“ hört man sagen. Alles will Ihr Lächeln sehen und ein freundlich gnädig Wort, einen Blick erhaschen. Ich bin stolz wie ein Pfau und fêtirt natürlich bis in’s Lächerliche! Dann wird Ihre Majestät zu dem für Sie bestimmten Gemach geleitet. Da arrangirt Sie sich nach der Fahrt noch, nimmt zu sich, was Sie braucht, und wenn alle sellig, tritt Sie heraus.

Sie ist im Nu oben, dann sezt sich’s in Bewegung, und nach einem lezten lieben Blick (nie geht Sie, ohne noch einmal zurück zu mir zu blicken) geht es im Schritte weiter. Ich falte jedesmal die Hände mit er bangen Frage: Wie kömmt Sie wieder und kömmt Sie??“ (23)

Doch wüsste Marie von Festetics, dass sich Elisabeth genau das wünschte, dass sie nicht mehr heimkäme, hätte sie wohl dafür gesorgt, dass sie nicht mehr aufs Pferd stiege. Sofern sie das gekonnt hätte.

Denn manchmal, ganz insgeheim, wünscht sich Elisabeth den Tod:

Warum kann ich mir bei einem Hindernis nicht das Genick brechen und ein für allemal Schluß machen? (24)

Doch sie kam zum Glück immer heil nach Hause.

„Die Ruhepause ist wohltuend, obwohl die Zimmer eisig kalt sind! Meist gegen 7 kommen wir heim! Wie glücklich ich bin, wenn Sie wieder im Wagen ist. (25)

Marie von Festetics

An einem Abend kam es mit Kronprinz Rudolf (*22.8.1858, †30.1.1889) zum ersten Eklat. Bay und Kronprinz Rudolf besuchten einen Ball des deutschen Botschafters im Carlton House Terrace (“) in London.

Als ein gemeinsamer Freund den Reitlehrer und Hunter Ihrer Majestät dem Kronprinzen vorstellen wollte, stand dieser wortlos auf, drehte sich um und ging ohne einen Gruß zu hinterlassen davon.

Kaiserin Elisabeth kam dieser Fauxpas ihres Sohnes zu Ohren und verzieh ihrem Sohn die Brüskierung ihres besten Freundes niemals. Generell verhielt sich ihr Sohn nicht wie ein Gentleman in England.

Er war eifersüchtig, trank zu viel und die ganze Aufmerksamkeit galt wieder einmal seiner schönen Mutter, während er leer ausging.

Foto: Wikimedia/Commons
Kronprinz Rudolf hoch zu Ross
Ölbild: Tadeuz Ajdukiewicz

Schon ein Jahr zuvor, gab es einen großen Eklat um ihren Sohn.

Während einer Jagd in Ungarn, hatte er aus reiner, ignoranter und boshafter Unachtsamkeit einen Treiber erschossen und die Familie lediglich mit einem lächerlichen Beutel Gulden abgegolten.

Seit dem war Kronprinz Rudolf in Ungarn nicht mehr gern gesehener Gast, weshalb ihn Elisabeth auch nicht zu ihrer Ungarn-Jagdgesellschaft mit Bay Middleton und Nikki Esterhazy eingeladen hatte. Sie wollte Tumulte und Missverständnisse in der Bevölkerung vermeiden.

Natürlich tuschelte die Gesellschaft bald, denn ein rüpelhafter Kerl wie Bay, noch dazu mit zweifelhaftem Ruf und vielen Geliebten, stand im Verdacht ein Verhältnis mit der schönen Kaiserin zu haben.

Doch Elisabeth hatte nichts anderes im Sinn als zu Reiten und Bay wusste dies auch. Vielleicht war er heimlich in sie verliebt – das waren viele Männer rund um sie.

Sport-Nikki hatte nie geheiratet und man nahm immer an, dass seine Liebe der Kaiserin galt.

Ab Februar 1878 nahm nun der endgültige Bruch zwischen Marie und Elisabeth seinen vollen Gang auf.

Ich lasse wieder Marie von Festetics erzählen, denn wie so oft, sind es die Zeitzeugen, die die besseren Worte haben, als es jede/r Historiker/in es vermag. Zuvor aber gab es noch eine Charakterstudie über Marie von Neapel:

„COTTESBROOK, FEBRUAR 1878

„Die lieben Menschen sind alle fort! Reitend, fahrend, laufend und zu Fuße auch. Ich sollte auch mitfahren, aber ich habe den Muth nicht, fürchte mich immer, es geschieht etwas. Ich werde geholt und wenn ich nicht da wäre, weil ich mich unterhalten ging, ich wäre verzweifelt. Ich bin ja nur für Sie da! Also noch einmal zur Königin (Anmerkung Petra: gemeint ist Marie von Neapel, Elisabeths Schwester)! Sie war also gut, aber dabei ist sie immer so „ablehnend“ gegen mich. Ich habe das Gefühl, sie weiß es, daß ich ein schweres Herz auf Sie habe und daß ich sie kenne. Ich kenne sie auch in ihrer herzlichen Berechenheit und ihren Neid. Schon wie sie den König (Anmerkung Petra: gemeint ist Marie von Neapels Ehemann Francesco) behandelt: alles für sich und er darbt, raucht schlecht, erlaubt sich keinen Träger auf der Eisenbahn. Wirklich, mit blutendem Herzen sah ich ihn in London sein Handkofferl selber tragen! Und sie?? Sie reitet, jagt, und kleidet sich hoch elegant, hält eine Friseurin! Seine Herren haßen sie, trotz ihrer großen Schönheit. Die Augen sind wirklich sehr schön, der dunkle Augenstern ist so schön auf diesen bläulichen Grund, und wie sie die dunklen Wimpern langsam hebt, es ist wie eine Erbauung, diesen schönen Blick zu sehen.
Und doch fehlt ihr die Lieblichkeit und Güte meiner Kaiserin, Ihr schönes Lächeln. Die Königin hat eine spitze Nase und ein spitzes Kinn, es fällt mir unwillkürlich das alte Sprichwort ein: „Spitze Nase, spitzes Kinn, da sizt der Teufel mitten drin.“
Wie sie wo erscheint, spürt man es. Sie hezt die Kaiserin und trübt Ihr den lauteren Sinn. Leider kömmt sie öfter herab und ich weiß auch, warum. Mich hezt sie fortwärend auf Middleton und faßt es nicht, daß wir ihn nicht hinausbeißen, weil er zu tollkühn reitet ect. ect. Dabei aber wollte sie, daß er sie führt, bis Ihre Majestät kömmt, was er höflich ablehnte mit dem Bermerken: Es ist mühsam jemanden zu führen, der nicht ein perfekter Reiter ist.“ Er sagte es mir selbst. Zuerst war sie unfreundlich, jezt erneuert sie ihre Bestechungsversuche. […]
In London traff Sie (die Kaiserin, Anm.) den Kronprinzen für einige Tage, er kam mit Bombelles. Es waren ihm zu Ehren kleine Diners und sogar eine kleine Soirée, die faßt ein schlechtes Ende genommen hätte.
….
Der Kronprinz war agressive, Bombelles wurde heftig, mit großer Mühe konnte ich des Kronprinzen habhaft werden, aber es gelang. Den Tag früher war er so grob mit Middleton, daß dieser abreisen wollte. Als ich im kleinen kaiserlichen Salon allein mit ihm war, sagte ich: „Ich erkenne Kaiserliche Hoheit gar nicht, die englische Luft schlägt Kaiserliche Hoheit nicht gut an.“ Er lachte und dann schüttete er wie ein Kind sein Herz aus, halb zornig, halb betrübt. Mit Thränen in den Augen sagte er, er bereue, daß er nach England gekommen sei. Er habe seine schönsten Illusionen verloren und fühle sich zu Tode verletzt und unglücklich. Natürlich fragte ich: „Ja, Kaiserliche Hoheit, was ist denn geschehen?“ – „Und Sie fragen mich, Sie gerade, die…“
Weiter kam er nicht, denn ich sah ihn so erstaunt an, daß ihn das zur Besinnung brachte. Er fuhr dann ruhiger fort und erzählte mir aber das Infamste, was ich je gehört. Ich war sprachlos, aber das Erstaunen und die Indignation über solche Lüge muß so deutlich gesprochen haben, daß er, ehe ich noch den Mund öffnete, wie um sich zu entschuldigen heraus fuhr: „Die Tante Marie hat es mir gesagt.“ – „Umso desto niederträchtiger“ sagte ich eisig, obwohl es kochte in mir. „Ja, aber warum hat sie mir’s gesagt, wenns’s nicht wahr ist, und sie war so lieb, so gut und hat mich wirklich gern!“ – „Kaiserliche Hoheit, das sehe ich an dem, was sie Kaiserlicher Hoheit erzählt.“ – „Ist alles ein Lüge?“ – „Ja, Kaiserliche Hoheit, ein Märchen mindestens, ich gebe Kaiserliche Hoheit mein Wort darauf!“ (26)

Foto: ÖNB
Kronprinz Rudolf, 1880

Was ihr Kronprinz Rudolf erzählte, schrieb Marie von Festetics nicht auf, denn sie wollte dies – sollten jemals ihre Tagebücher an die Öffentlichkeit geraten – nicht in den falschen Händen wissen. Sie schloss diesen Beitrag mit folgenden Sätzen:

„Wenn das die Kaiserin wüßte.
Nun der Rest verlief dann friedlich, aber mir ist wirklich bange vor London, wo wir dieses Weib wieder treffen.“ (27)

Ich möchte kurz erwähnen, dass sich Kronprinz Rudolf und Hofdame von Festetics Zeit seines Lebens sehr schätzten. Wann immer es ihm möglich war, holte er sich von Marie Rat oder Trost, wenn es um seine Mutter ging. Schon als Buben tröstete ihn die Hofdame über so manche Trennung von seiner Mama hinweg. Es war also nicht verwunderlich, warum er sich Marie von Festics mit diesem Thema anvertraute.

Doch der Wunsch der treuen Hofdame und Gefährtin erfüllte sich nicht. Obwohl Conte Corti schrieb, dass Elisabeth nie erfuhr, wer die Intrige sponn, war am 25.2.1878 im Tagebuch von Marie von Festetics folgendes zu lesen:

„Wien, 25. Februar 1878

Alles wieder im alte Geleise. 23. hier angekommen, erwartete Seine Majestät die Kaiserin – und mit welcher Freude – am Bahnhofe! Und Sie? Ist auch wieder froh mit dem Mann zu sein, kam aber mit der größten Enttäuschung heim. In Dover bei der Promenade, wärend der Einschiffung und Einwagonirung, erzählte Sie mir, was ich in London schon halb wußte: daß die Königin einen abscheulich Pantsch gemacht (ein Verhältnis angefangen, Anm.), der durch Mr. Baridge, den amerikanischen Zahnarzt, Ihrer Majestät zu Ohren kam, da die Königen diesen ihren Freund, den sie auch der Kaiserin octroyirte, als den Passendsten fand, es weiter zu geben! …..
Die Kaiserin Elisabeth ist aber nicht die Königin, „she dropped him“ und befragte die Königin. Bei der Gelegenheit erfuhr Sie, daß ich davon wiße, was ich nicht leugnete. Es mir schrecklich schmerzlich, ich hätte es Ihr gern erspart. Es war mir in London furchtbar gewesen zuzusehen, wie sehr die Kaiserin im Banne dieser Schwester ist, die immer hezt. Als mir Ihre Majestät damals sagte, „was Rudolf der Königin über seine Mutter gesagt hatte“, konnte ich mich nicht enthalten zu sagen „Eure Majestät glauben das doch nicht, er hängt ja so sehr an Eure Majestät. Wie würde er so eine Bemerkung machen? Er kennt ja die Königin kaum, und wenn, wie würde ich das der Mutter sagen?“
Ich sah, daß Sie Thränen in den Augen hatte, und ich sagte: „Eure Majestät, erinnern sich Eure Majestät an Easton und all die Comödien?“ „Ja“, sagte sie, „aber die Königin hat mich so gerne.“ „Trotzdem würde ich das nicht glauben. Sie zog den Kronprinzen an sich, überhäufte ihn mit Lieb und Zärtlichkeit, und dann zog sie ihn auf ihre Seite und machte aus vielleicht etwas Unbedeutenden einen so häßlichen Tratsch. Eure Majestät, ich erlaube mir, Eure Majestät zu bitten, ein bisschen auf der Huth zu sein.“ Die Kaiserin wurde roth bis unter die Haare und sagte kurz: „Sie mögen die Königin nicht“ Und ich antwortete sehr ruhig: Nem felséged“ („Nein, Eure Majestät) …..
Wie leid ist mir um Sie. Sie ist immer das Opfer Ihrer Geschwister, deren Einfluß wäre es, fern als möglich zu halten. Ihre Majestät kömmt mir vor wie die Cenerentola und die 3 bösen Schwestern (Anmerkung Petra: gemeint waren Marie, Mathilde „Spatz“ und Sophie d’Alençon): sie sind voll Neid! Wenn sie etwas brauchen, drängen sie an Sie heran, schimpfen und verlästern alles, was ihre Stellung Ihr eben gibt, möchten aber alle Vortheile Ihrer Stellung eben für sich ausnutzen. Ist das geschehenso weit und eben möglich ist, denn die Kaiserin ist eine generöse Natur und empfindet, was Ihr alles zur Disposition steht und ihnen nicht, und und ist dann bemüht, ihnen zu helfen. Haben Sie erreicht oder nicht erreicht, ziehen sie schmollend oder aber befriedigt zurück und es ist abgekühlt, bis sie wieder etwas ersinnen, was Ihr Mühe schafft. Eigentlich kennt Sie sie, ist aber doch immer Spielball. Alle Unerquicklichkeit, alles, was Ihr dann das Herz beschwert, kommt von ihnen.“ (27a)

Die Ungeheuerlichkeit, dass Kaiserin Elisabeth den Tratsch von ihrem Zahnarzt erfahren musste, schlug für sie beinahe dem Fass den Boden aus. Jenen Zahnarzt, der ihr von ihrer Schwester aufgedrängt wurde. Elisabeth tobte.

Danach stellte sie sowohl ihre Schwester zur Rede, danach ihren Sohn.

Es nahm sie unglaublich mit, dass ihr eigener Sohn diesen Tratsch glaubte. Sie fand dies unglaublich beschämend und zog sich traurig zurück.
Ihren Sohn fand Elisabeth als hitzköpfig und vergab ihm bald. Schließlich war er erst 19 Jahre alt. Doch bei Marie von Neapel sah das ganz anders aus. Ihr vergab sie nie wieder.

Foto: Wikimedia/Commons
Mathilde „Spatz“ Gräfin von Trani

Von nun an, ging sie ihrer Schwester so gut sie konnte aus dem Weg.
Als sich noch Mathilde „Spatz“ Gräfin von Trani (*30.9.1843, †18.6.1925) Lieblingsschwester von Marie und natürlich ebenfalls eine Schwester von Elisabeth, einmischte und zu Marie half, sprach Elisabeth auch mit ihr jahrelang kein Wort mehr.

Doch „Spatz“ näherte sich in den 80er Jahren wieder durch eine Entschuldigung an. Das Verhältnis wurde wieder besser. An Marie jedoch, verlor die Kaiserin von Österreich nie wieder ein Wort.

In solchen Dingen war sie unbeugsam und unverzeihlich.

Sogar an die in Ungarn verbliebene Ida ließ Elisabeth ihren Groll aus:

„Cottesbrook Park, Northampton

Mir scheint Du leidest an Faulheit, dass Du kein einziges Mal geschrieben hast. Oder Du unterhältst Dich so [gut]? Ich habe meine Zeit wenigstens verbraucht, um ehrlich zu arbeiten.
Gott mit Dir, entsetzlichen Spleen [Gemütsverstimmung, Anm.] habe ich heute
Herzlichst umarmt Dich
Elisabeth“ (28)

Noch 8 Jahre später dichtete Kaiserin Elisabeth über den Vorfall:

Nordsee Lieder, 1886 

P.S.

Sie haben mein Dasein verbittert
Sie haben mein Leben vergällt, 
Und endlich den Glauben erschüttert
An allem, was gut auf der Welt. 

Es haben zwei Schwestern betrogen
Mich einst auf die schändlichste Art
Und Schwüre, noch falsche gelogen
Mit Herzen, so frech und so hart. 

Doch was ich erst jüngst ausgestanden, 
wo glücklich sonst andere sind, 
Bei nahen ud nächsten Verwandten, 
Das wissen nur ich und mein Kind. (29)
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Franz Karl
Lithographie: Josef Kriehuber, 1850

Nun waren auch die 6 Wochen um und Kaiserin Elisabeth nahm wieder Abschied von England. Am 23.2.1878 kam sie am Bahnhof in Wien an und Kaiser Franz Joseph holte seine „Engels-Sisi“ sogar persönlich ab.

Doch schon bald ereilte das Paar ein Schicksalsschlag. Der Vater bzw. Schwiegervater Erzherzog Franz Karl starb am 8.3.1878. Sein Beitrag kann hier nachgelesen werden.

Nun war Elisabeth die Jagd in England vergangen. Im Sommer kamen Lord und Lady Spencer nach Ischl zu Besuch. Dabei erwähnte der Lord die wunderbare Jagdsaison in Irland.

Um ihrer Schwester Marie zukünftig aus dem Wege zu gehen, bereitete Lord Spencer alles für die kommende Jagdsaison im Jahre 1879 in Irland vor.

Währenddessen trainierte Bay 9 ihrer hochtrainierten teuren Pferde in England. Doch die Pferde waren englische Jagden gewohnt und englische Hindernisse. In Irland waren mehr Wälle zu überspringen und keine hohen Gatter.

Um die teuren Pferde an die irischen Jagden zu gewöhnen, ließ Bay sie nach Irland bringen und überwachte dort streng die Ställe, das Futter und das Training.

Foto: Dorotheum.com
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeht auf der Jagd in Göding (heute Hodonin/Südmähren)
Bild: Julius Blaas (wurde in seinem Nachlass gefunden)
2017 versteigert; befindet sich nun wieder im Privatbesitz

Das nächste Problem war das Gewicht der Reiter. Die Pferde waren das ultraleichte Gewicht von Elisabeth gewöhnt, weshalb 3 ihrer teuren Pferde beim umtrainieren starben. Die Kaiserin war außer sich.

Es herrschte gerade Krieg in Bosnien und die Kaiserin von Österreich musste teure Jagdpferde für ihren Irland Aufenthalt kaufen. Das kostete der Monarchie sehr viele Sympathiepunkte und handelte der Kaiserin wieder so manches Kopfschütteln am Wiener Hof ein.

Obwohl sich England mit Irland gerade in einer tiefen Krise befand, war dies für Kaiserin Elisabeth kein Grund nicht zu reisen. Sie wollte reiten und jagen und sonst nichts.

Im Nachhinein gesehen, dürfte ihre Jagdpassion und -affinität eine Art Provokation an Kaiser Franz Joseph gewesen sein.

Obwohl Kaiserin Elisabeth für den Ungarn-Ausgleich 1867 verantwortlich war und Kaiser Franz Joseph nur wegen ihrem Einfluss zum König von Ungarn wurde, hielt er seine Frau aus politischen Sitzungen und Dingen komplett heraus und holte sich auch keinerlei Rat von ihr.

Dies nahm Elisabeth beleidigt zur Kenntnis und zeigte ihm, dass ihr ab sofort poltische Verhältnisse rund um die Monarchie völlig gleichgültig waren:

sie gab Unmengen an Geld aus, sie war beinahe ununterbrochen auf Reisen und Politik spielte in ihrem Leben keine Rolle mehr.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Das berühmte „E“- Monogramm von Kaiserin Elisabeth
Schwäbischen Jungfrau, Wien

Im Jänner 1879 fuhr Kaiserin Elisabeth Richtung Irland. Ida blieb wieder zu Hause, Marie von Festetics kam ein paar Tage später nach, da sie ihren todkranken Bruder besuchen und später beerdigen wollte/musste. Am 25.1.1879 kam auch sie in Irland an, da waren 2 Jagdtage schon vorbei gegangen.

Das irische Volk war begeistert die Kaiserin von Österreich zu Gast zu haben. Aus Dankbarkeit ließ Elisabeth bei jeder sich bietenden Gelegenheit weiße Taschentücher mit dem „E“-Monogramm fallen, welche heute noch in den Familien wie ein Schatz aufbewahrt werden.

Gewohnt wurde im Schloss Summerhill, Meath von Lord Hercules „Paddy“ Edward Rowley 6th Baron Langford of Summerhill (*4) (*1.6.1848, †29.10.1919), welcher ein langjähriger Freund von Lord Spencer und Bay Middleton war.

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Summerhill, Irland
Foto: npg.org.uk
Lord Hercules „Paddy“ Edward Rowley
6th Baron Langford of Summerhill

Der zweite Brief, den Elisabeth aus Summerhill schrieb, ging an ihre Vertraute Ida von Ferency:

„Summerhill, Enfield, Co. Meath, Ireland,
den 24. Februar 1879

Meine geliebte Seele!

Mein erster Brief nach der Reise war an Valérie, nach der ersten Jagd muß er aber an Dich sein, denn ausserdem, daß Du Dich freuen wirst zu hören, daß es mir gut gegangen ist, wirst Du auch neugierig sein zu wissen, wie die Jagd selbst war. Vom Meet ritt man sehr kurz in eine Wiese, wo die Hunde gleich fort giengen wie bei uns, wenn Hirschjagd ist. Nur waren weniger Hunde, zwischen 12 und 14 Koppeln, klein, nicht sehr schön. Ungefähr 108 Reiter, nur ein, zwei im rothen Frack. Es ist hier nicht chique zur Hirschjagd roth zu kommen, sondern wie Cubhunting Costume. Eine einzige Dame sah ich einmal auf der Straße zu Pferde nur zuschauen. Kaum daß die Jagd anfing, waren auch schon Gräben wie bei uns, nur tiefer und breiter. Ich ritt ein neues Pferd zu ersten Mal, und da es anfangs in die Hand gieng, mußte ich meine eigene Linie nehmen wie auf Laky, was hier nicht so schwer ist, da es wie bei uns, mehr offen ist. Wie ich es aber ganz in der Hand hatte, folgte ich Captain Middleton. ….. ,es gab sehr viel zu springen, viele stürzten. Der Boden ist prachtvoll, lauter Gras, hie und da nur etwas tief, nach all dem Schnee.
……..
Und nun gute Nacht, es ist 1/2 9 und morgen muß ich früh aufstehen. Schreibe mir auch ausführlich über die Gödinger Jagden. Ich danke Valérie für ihren lieben Brief, der mich so freute. Bitte schicke diesen auch an Rudolf.
Mit 1000 Küssen Deine Euch liebende Sisi
Rudolf und Valerie umarme ich auch innigst“ (31)

Elisabeth schrieb unzählige Briefe an Ida. Doch wenn man sich die durchliest, so ganz glücklich wirkte sie trotz allem nicht. Sie war nicht so unbeschwert wie in England.

Dies lag auch daran, dass Bay die Hindernisse und den schweren Parcours nicht so ritt, wie in England. Er stürzte öfter als sonst, einmal überschlug er sich sogar. Elisabeth musste die Jagd öfters früher abbrechen. Zu dem spielte auch das Wetter nicht immer mit.

In Irland wurden mehr hohe Drops, tiefere Gräben und Doubles gesprungen, als in England. Dies stellte zahlreiche Reiter vor große Hürden. Tagtäglich brachen sich mehrere Teilnehmer sämtliche Knochen, Pferde das Genick oder die Beine. Auch Menschen verunglückten tödlich.

Elisabeth strahlte auf ihrem Pferd „Domino“, ein wunderschöner Rappe, als wäre sie nie etwas anderes geritten als irländische Parforcejagden. Dennoch hörte sie auf, sobald ihre Hunter stürtzten oder die Pferde nicht mehr konnten.

Marie von Festetics stieß Stoßgebete in den Himmel. Sie war noch besorgter um Ihre Majestät, als in England. Die Angst machte sie schier wahnsinnig.

Am 2.3.1879 kam der Maler John Charlton (*28.6.1849, †10.11.1917) um sich die Jagd anzusehen. Dabei ist eines meiner persönlichen Lieblingsstahlstiche von Kaiserin Elisabeth entstanden.

Zur Überraschung meinerseits hat Historikerin Beatrix Meyer nun herausgefunden, dass Elisabeth entgegen aller bisheriger Annahmen und Berichte sämtlicher Historiker/innen doch noch Kontakt mit Schwester Marie gehabt hatte.

Ob sie nun selbst noch Briefe schrieb oder anderweitigen Kontakt suchte, konnte ich in keinem Buch herausfinden, da alle vorliegenden Bücher von einem Kontaktabbruch schreiben.

Im vorliegenden neuen Buch „Kaiserin Elisabeth ganz privat“ kann man folgende Zeilen an Ida lesen:

„Summerhill, Enfield, CoMeath, Ireland.
Mittwoch, 26.Februar 1879

Meine geliebte Seele!
……
Bitte schicke meine Briefe auch an Marie [Schwester der Kaiserin, Anm.], ich kann nicht extra noch schreiben, und sie möchte Nachrichten von mir. Ich danke ihr für ihren Brief, hoffe sie ist wieder ganz wohl. Sie soll mir schreiben.
Mit 1000 Küssen Deine Euch liebende Sisi.“ (32)

Anmerkung Petra: Hier ist meiner Meinung nach nun größerer Aufklärungsbedarf.

Am 12.3.1879 um 2.00 Uhr morgens brach die Hölle über Szeged/Ungarn herein. Ein Hochwasser überflutete die gesamte Stadt und 60.000 Menschen wurden obdachlos, 70 % der Stadt wurden zerstört.

Die Monarchie stand vor einer menschlichen Katastrophe und die Königin von Ungarn weilte in Irland zur Jagd.

Foto: Wikimedia/Commons
Queen Victoria

Dieses Unglück nahm Kaiserin Elisabeth zum Anlass um früher abzureisen und einen hohen Bogen vor dem unliebsamen Besuch in London bei Queen Victoria zu machen.

Natürlich schrieb sie vorher noch einen halb süffisanten Brief an ihren Gatten, dass sie Geld sparen wolle, in dem sie sich die hohe Hotelrechnung in London ersparen würde.

Bei Ausgaben von

Gulden 158.337,48 = ca. € 2.079.317,90

wären die Hotelkosten auch schon egal gewesen.

Kaum in Wien fanden die Feierlichkeiten zum 25. Hochzeitstag statt. Der Bericht kann hier nachgelesen werden.

Während des Jahres reiste Kaiserin Elisabeth natürlich mehrmals und ritt weiterhin in Gödöllö zur Jagd oder übte Dressur.

Kaum war ihr 42. Geburtstag und Weihnachten vorbei, trieb es sie schon wieder nach Irland zur nächsten Jagdsaison.

Die Vorbereitungen für die nächste Irlandreise waren im vollem Gange, als Kaiser Franz Joseph Elisabeth verbot nach Irland zu fahren. Wenn schon eine Jagdreise, dann wenigstens nach England.

Jetzt wurde fieberhaft nach einem Anwesen gesucht, dass Elisabeth zu Gesicht stand.

Foto: letsgetitshot.co.uk via combermereabbey.co.uk
Combermere Abbey

Gefunden wurde es durch Zufall durch einen Hofbediensteten.

Lord Wellington Stappleton-Cotton 2nd Viscount of Combermere (*5) (*24.11.1818, †1.12.1891) stellte sein imposantes Combermere Abbey – eine ehemalige Abtei – zur Verfügung, da er selbst nach Westindien reiste.

Dieses ließ sie jedoch vorher nach ihren Wünschen umbauen.

Foto: pictorialpast.co.uk
Lord Wellington Stappleton-Cotton
2nd Viscount of Combermere

Hauskapelle, Turnsaal, Telegraphenapparat um mit Kaiser Franz Joseph im Kontakt zu bleiben, ein eigener Wartesaal für das extra verlegte Zuggleis, da Elisabeth unter gar keinen Umständen vom gemeinen Volk gesehen werden wollte, elektrische Klingeln für das Personal durch das ganze Haus, eine eigene Treppe in die Küche, um Mahlzeiten einzunehmen, wann immer sie wollte usw.

Kaiser Franz Joseph kam für alle Unkosten auf. Was blieb ihm auch anderes übrig? Er selbst bestand ja auf die Reise nach England.

Bay sorgte zwischenzeitig wieder für die Umtrainierung der Pferde auf die englischen Hürden und schaffte diese nach England.

So fuhr sie am Wiener Bahnhof mit

40 Tonnen „leichtem“ Gepäck

im Februar 1878 los. In Bayern lag noch Schnee, in England wehte ein milder Frühlingstag um Elisabeths zarte Knochen. Schon am nächsten Tag saß sie mit Bay als Hunter im Sattel.

Am 13.3.1881 schrieb sie an Ida:

„…..
Gestern hatten wir eine außerordentlich gute Jagd gehabt, zwar stürzte ich, doch war ich in einer Minute schon bei den Hunden, wie der Rote [William „Bay“ Middleton, Anm.] sagte, bekam ich verdient den wertvollen Schwanz.
….
Es küsst und grüßt Dich
Elisabeth (33)

Doch diese Reise stand unter keinem guten Stern für Elisabeth und Bay. Bay ritt so scharf, dass er so schwer stürzte, dass sich das Pferd das Genick brach. Elisabeth traf dies hart. Sie setzte sogar einen Reittag aus, konnte diese Szene kaum verarbeiten.

Danach flaute ihre Reitleidenschaft wohl ab.

Obwohl sie 1882 noch einmal nach England reiste (wieder nach Combermere Abbey), war nicht mehr Bay ihr Hunter.

Seine Verlobte Charlotte Baird (*/unbekannt), mit der er seit 1875 verlobt war, hatte sich nicht mehr hinhalten lassen und bestand auf sein Eheversprechen. Ihre Eifersucht auf die schöne Kaiserin war so enorm, dass sie Bay verbot, mit Elisabeth jemals wieder zu reiten.

Als Hunter wurde ihr deshalb Major Rivers-Bulkeley (*/unbekannt) zur Seite gestellt. Doch ab diesem Augenblick wollte Elisabeth mit dem Jagdreiten nichts mehr zu tun haben. Es machte ihr von einem Tag auf den anderen keinen Spaß mehr.

Sie packte ihre Sachen und verließ ohne ihre Pferde und ohne zurückzuschauen England für immer.

Sie sah weder Bay jemals wieder, noch ihre Pferde. Diese wurden verkauft, die Gestüte wurden aufgelassen.

Foto: myheritage.co.uk
Gedenkstein Bay Middleton, Unglücksstelle Edgehill in Kineton, Victoria (GB)

Bay heiratete am 25.10.1882. Er starb wie er lebte. Schnell und am Pferd. Er stürzte am 9.4.1892 – kurz vor seinem 46. Geburtstag – am Edgehill in Kineton am „Parlamentarischen Hindernis“ so schwer, dass er sich das Genick brach. Seine Tochter Violet war zu dem Zeitpunkt 6 Jahre alt.

Charlotte von jeher von tiefer Eifersucht auf Kaiserin Elisabeth derartig gequält, schmiss alle Erinnerungsstücke, bis auf ein paar Kleinigkeiten, in den Ofen.

Die erste Gedichtspassage, die ich für Bay finden konnte, befindet sich im Gedichtband „Nordsee Lieder“ aus dem Jahr 1885.

(Anmerkung Petra: das Gedicht hat einige Vorpassagen, die ich weggelassen habe) 
Das Kabinet.

...

Genug, er sei nicht genannt... 
Ich tret' ans vierte Fell; 
Der ward aus West' mir zugesandt, 
Ein drolliger Gesell'! 

Rostfarben war mein Freund Langohr, 
Sein Wiehern hell und laut, 
And never was he sick, nor sore, 
But jumped and pranced about. 

... (33a)

Im Gedichtband Winterlieder, im Gedicht „Allerseelen“ ist Bay eine weitere Gedichtpassage gewidmet, die ich hier ebenfalls vorstellen möchte. Auch hier musste ich kürzen, da die anderen Zeilen, nichts mit Bay zu tun hatten.

Ischl, August 1887

Allerseelen

...

Ich seh' dich noch, mein treuer Freund, 
Und deine tollen Sprünge;
Ich habe auf den Kranz geweint
Vor lachen, den ich bringe. 

Der letzte Kranz, das letzte Grab, 
Die Wallfahrt wird beendet; 
Es ist der schönste, den ich hab';
Und der sei dir gespendet. (34)

Einer der vielen Sättel Ihrer Majestät und eine Reitgerte.

Im selben Jahr gab es noch einmal ein Gedicht an ihre langjährige Reitleidenschaft. Auch dieses Gedicht ist stark gekürzt.

An die Zukunftsseele, 1887

...

Einst jagt' ich rastlos hin auf dieser Erde, 
End ward mir selbst der weiße Pusztasand, 
Das Meer trug mich und meine stolzen Pferde
Hinüber bis an Erins grünen Strand. 

Fast ging die Seele mir dabei verloren; 
Es war mein Rasen ohne Ruh' und Rast; 
Doch eine andre hatte sie erkoren, 
Von dieser ward auf ewig sie umfaßt. 

Das Pferd, dies irdisch Kleinod meiner Seele, 
Durch höhre Mächteward es mir vertauscht; 
Es trat das Flügelroß an seine Stelle, 
Und meine Seele flog man wie berauscht. 

... (35)

Und natürlich gab es auch ein Wehklagen an ihre verlorenen Tiere.

Bereits 1885 im Gedichtband Nordsee Lieder erzählte sie im Gedicht „Jauss“ jene Geschichte, die in den 1870er Jahren in Ungarn auch tatsächlich geschehen ist.

Jauss.

Ich hatt' einst einen Vollbluthengst,
Ein stolzes, schönes Tier; 
Dahingegangen ist er längst, 
Mit ihm des Stalles Zier. 

Der bockt die schlechten Reiter all'
Mit Gusto auf den Bauch, 
Doch nicht genug an ihrem Fall, 
Er trat und biss dann auch. 

Ich denk' jetzt eben her und hin, 
als ich mein Buch durchlas...
Wie kam der Hengst mir in den Sin, 
Und was bedeutet das? (35a)
Foto: Wikimedia/Commons
Tassilo Graf von Festetics de Tolna

Im Gestüt von Tassilo Graf von Festetics de Tolna (*2.6.1813, †7.2.1883) (ein Verwandter von Marie), nahe Gödöllö, stand ein Pferd, welches nicht gezähmt werden konnte und jeden Reiter abwarf. Zudem war er bissig und trat bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Der Schlachter sollte das Pferd abholen.

Elisabeth hörte von dem Pferd und ließ sich zu ihrem Jagdfreund bringen, der sie im übrigen auch auf die England- und Irlandreisen begleitete.

Tassilo und noch weitere Personen waren beunruhigt, als Ihre Majestät mit ruhigem Schritt in die Box des wilden Pferdes ging und es behutsam anfasste und auf ihn einredete. Ganz langsam beruhigte sich das Pferd.

Sie ließ es satteln und ritt mit ihm langsam aus der Box. Dieses wiederholte sie 2-3x. Danach ließ sich das Pferd auch von anderen Reitern satteln und reiten.

Doch Graf von Festetics schenkte Elisabeth das Pferd. Immerhin hatte sie es gezähmt. Dies brachte ihr über alle Maßen hohen Respekt in der Welt des Reitsports und der Adeligen der Umgebung ein.

Des Weiteren konnte ich noch eine längere Gedichtpassage auf ihre Pferde finden. Im Gedichtband „Winterlieder“ schrieb sie in Ischl, im September 1887 ein Klagegedicht aus mehreren Strophen an ihre Glanzzeiten über das Fechten und Reiten. Ich habe die Reitpassagen abgetippt:

Aus meiner Burschenzeit.

....

Wo sind sie jetzt, die edeln Tier',
Die ich getummelt hier und dort
Im Circus und im Jagdrevier?
Nur so viel weiß ich, sie sind fort!

Mein Too-good, fromm fast wie ein Kind, 
Doch feurig und voll Ambition;
Und Mermaid, flüchtig wie der Wind, 
Seid ihr im Pferdehimmel schon? 

Mein schlanker brauner Nihilist,
Du weilst vielleicht noch im Gestüt,
Wo du ein alter Pascha bist, 
Den das Familienglück umblüht. 

Und Merry Andrew brach's Genick, 
In Erin kam er jäh zu Fall; 
Ihn traf noch gnädig das Geschick
Bei Meute-Geläut und Hörnerschall. 

Nennt' ich euch alle, wär's zuviel, 
Auch macht's das Herz mir heut noch schwer; 
Beendet ist das wilde Spiel, 
Der Stall, der Circus stehen leer. 

Nur einer lebt in süßer Ruh', 
Dem geb' ich das Gnadenbrot; 
Doch drück ich meine Augen zu, 
So schlägt auch den der Schinder tot. (36)

Hier möchte ich kurz ansetzen: …“und Merry Andrews brachs Genick“…

Elisabeth als Tierschützerin oder -liebhaberin?

Ich bin sehr zerrissen, was dieses Thema angeht. Ich habe mich für diesen Beitrag wirklich sehr lange und intensiv mit der Parforcejagd, mit Pferden, dem Jagen, der Dressur und dem Zirkus auseinandergesetzt. Alles Themen die mir persönlich widerstreben, da es mir schwerfällt mich mit Dingen zu beschäftigen, wo ich persönlich der Meinung bin, dass Tiere leiden.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: Wilhelm Richter

Im 19. Jahrhundert galt das Pferd als Arbeits- und Kriegstier. Es wurde mit Sicherheit nicht so gehegt und gepflegt, wie es heute manch einer tut. Natürlich gibt es nachwievor viel zu viel Tierleid, dazu braucht man nur die einschlägigen Social Media Seiten aufmachen. Aber darum geht es jetzt nicht.

Pferde galten im 19. Jahrhundert nicht als „Freunde“ und schon gar nicht als „Seelentiere“. Sie wurden gebraucht, benutzt und wenn sie sich bei der Jagd das Genick brachen, wurde das nächste Pferd herangeschafft.

Mit Sicherheit hat Kaiserin Elisabeth um das ein oder andere Pferd mehr oder weniger „getrauert“, aber sicher nicht so, wie um Shadow, Horseguard oder ihre anderen Hunde.

Das sieht man auch daran, dass sie sich 1878 in England einfach abwand, nach Hause fuhr und ihre Pferde zurückließ. Ohne jemals zu hinterfragen, was mit denen geschehen soll(te).

Sie schenkte „Lord Byron“ her, das – zur Zeit der Dressur mit Elisa -ihr Lieblingspferd war. Wer hätte das gekonnt, wenn es das „Seelenpferd“ ist?

Dass sie 1887 natürlich Lobeshymnen auf ihre Pferde schrieb, war normal. Zu dieser Zeit war sie bereits schwer gemütsleidend. Blättert man durch ihre Winterlieder, bekommt man kaum ein „witziges“ Gedicht zu Gesicht. Fast alle sind düster, traurig und deprimierend.

Zu ihrer Glanzzeit besaß Kaiserin Elisabeth 30 Reitpferde edelster Herkunft.

Sie besaß Englische Vollblut (ihre Lieblingspferde), Irische Hunter, Arabische Schimmel, Haflinger und Lipizzaner (k.u.k. Pferde).

Die Namen der Pferde waren so stolz, wie ihre Reiterin es war:

Foto: Dorotheum.com
Pferdemedaillon als Brosche
Aus dem Besitz von Kaiserin Elisabeth
Versteigert im Dorotheum 2011

Miss Freney, Violet, Mouse, Vanity, Sarahwing, Bürgermeister, Machbub, Mignon, Red Rose, Sobri, Blue Jacket, Redwing, Abraham, Generalissimus, Fandango, Büszke, Mignon, Beauty, Summerhill, Cameo, Domino, Whalebone, Merry Andrews, Bravo usw.

Bevor sie die Pferde verkaufen ließ, ließ sie einige davon in Öl verewigen. Was mit ihnen danach passierte interessierte sie allerdings nicht mehr.

Lange wurde in den historischen Büchern spekuliert, was die Gründe für den jehen Rückzug vom Pferdesport von Kaiserin Elisabeth waren.

Aber so nach und nach kamen Tagebücher und Briefe zu Tage, so dass auch dieses Geheimnis gelüftet wurde.

Ab dem 42. Lebensjahr plagten Elisabeth schwere rheumatische Schübe und ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie berichtete von starken Bädern, die zum Teil ihre Mutter „arg umnachteten“. Ich nehme an, damit waren die starken Dämpfe gemeint.

Foto: Dorotheum.com
Wiener Kunstkeramik, Marke: Keramos
Künstler: Rudolf Chocholka
Souvenir aus dem frühen 20. Jhdt.

Wer schon einmal Rheumaschmerzen hatte, weiß, dass man sich damit kaum auf den Beinen, geschweige denn auf einem Pferd halten kann.

Zu dem kam dazu, dass man ihr Bay genommen hatte und damit ihren Reitfreund.

Zu Hause in Österreich stieg Elisabeth noch einmal aufs Pferd.

In der Steiermark im Jagdgebiet Mürzsteg besass Kaiser Franz Joseph das kleine Schloss Mürzsteg, in welchem sich auch öfters Kaiserin Elisabeth aufhielt.

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Mürzsteg in Mürzsteg/Steiermark
Heute im Besitz des jeweiligen Bundespräsidenten von Österreich

Am 26.8.1883 kam es zu einem schweren Unfall, der beinahe Elisabeths Leben kostete.

Als sie über eine kleine Brücke beim „Toten Weib“ ritt, stürzte diese ein. Ein zufällig anwesender Holzarbeiter musste sie aus dem tosenden Wasserfall und den eingestürzten Brettern befreien.

Dieser Sturz war so einschneidend für sie, dass sie ab sofort komplett das Reiten ließ. Der Wasserfall ist heute noch sehr gefährlich und steil. Wie es zum Namen „Totes Weib“ kam, könnt ihr hier nachlesen.

Erzherzogin Marie Valérie stiftete eine Tafel, die jahrelang an der Felswand zum Dank der Errettung ihrer Mutter hing. Irgendwann verschwand diese und tauchte kürzlich wieder auf.

Und so gingen – wenn man ungefähr davon ausgeht, dass Klein-Sisi 3 Jahre alt war, als sie zum ersten Mal auf ein Pony stieg – 45 Jahre ihres Lebens zu Ende.

Foto: Wikimedia/Commons
Irma Gräfin von Sztáray

In den späten 1890er Jahren verriet sie ihrer Hofdame Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863, †3.9.1940)

„Plötzlich und ohne jeden Grund hatte ich den Mut verloren, und ich, die noch gestern jeder Gefahr spottete, erblickte eine solche in jedem Busch und konnte mich von ihrem Schreckbilde nicht mehr befreien.“ (37)

Und es wäre nun einmal nicht Elisabeth gewesen, wenn sie nicht die eine Passion gelassen hätte, um eine Neue zu beginnen.

Allerdings aus gesundheitlichen Gründen auch die nicht lange.

Nun hatte sie das Fechten entdeckt, welches sie in Heidelberg erlernte.

Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

– Petra –

Ich dachte also, ich werde eine Gesellschaft suchen,
die meine Ruhe nicht stört und mir Vergnügen bietet.
Ich bin in mich selbst zurückgekehrt und habe mich der Natur zugewendet.
Der Wald tut mir nicht weh…
Die Natur ist viel dankbarer als die Menschen. (38)

Kaiserin Elisabeth
Foto: pressreader.com
perfekte Fotomontage aus dem späteren 19. Jahrhundert
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph auf einer gemeinsamen Jagd in Gödöllö


Anmerkungen:
(*) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Herzogin von Teck lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und Mary Adelaide Princess of Cambridge verh. Herzogin von Teck gefunden.

(**) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann mam immer nur von Lady Dudley lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und Georgina Ward verh. Countess of Dudley (Lady Dudley) gefunden.

(*3) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Herzog von Rutland lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und den 6. Duke of Rutland in Charles Cecil Manners gefunden.

(‚) Auch Káláman (Koloman) Tisza wurde von mir gesucht und als Anmerkung im Festetics Tagebuch hinzugefügt. Um die Anmerkung nicht allzu ausufern zu lassen, habe ich die Geburts- und Sterbedaten nicht angefügt. Wer sie wissen will: (*16.12.1830, †23.3.1902).

(“) Das Carlton House Terrace wird in allen Geschichtsbüchern als Carton House Terrace geführt. Ein Rechtschreibfehler der sich durch Nichtrecherche durch zig-Bücher führt.

(*4) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Lord Hercules „Paddy“ Langford lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und habe Hercules Edward Rowley 4th Baron Langford of Summerhill gefunden.
Sein Bild habe ich der National Gallery London entnommen und mich dafür bedankt. Thank you for your help!

(*5) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Lord Combermere lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und habe Lord Wellington Stappleton-Cotton 2nd Viscount of Combermeregefunden.
Sein Bild habe ich bei pictorialpast.co.uk gefunden. Thank you for your help!

In allen anderen Fällen hat mir nur Wikimedia/Commons als freie Bilddatenbank genützt.


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Dorotheum Wien, Stadtmuseum München Bildarchiv, Wikimedia/Commons, Bezirksmuseum Wien 2, Dieter Nagl für SKB – Schloss Schönbrunn, pressreader.com, gnm.de/museum/abteilungen-anlaufstellen/deutsches-kunstarchiv, austria-forum.org, hofreitschule.news, artnet.com, Heike, myheritage.co.uk, letsgetitshot.co.uk via combermereabbey.co.uk, Nationalbibliothek.at, britainsbestguides.org, John Fielding, artvee.com, Albertina.at, france-voyage.com, srs.at, Thaddäus Bien, abebooks.co.uk, Repeated Originals via etsy shop, npg.org.uk, pictorialpast.co.uk, forum.alexanderpalace.org, visitszeged.eu


Literatur Hinweise:

1 – S.23, 3 – S.32, 7 – S.77
Martin Haller
Sisi – Die Kaiserin im Sattel
myMorawa Selbstverlag, 1. Auflage 2018

2 – S.49
Bernhard Graf
Sisis Vater
Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Alliteria Verlag//edition monacensia, 2. Auflage 2017

4 – S.318/9, 5 – S.318, 6 – S.319, 8 – S.321, 9 – S. 321, 10 – S. 321/22, 14 – S.324
Brigitte Hamann
Elisabeth
Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage 2017

11 – S.237, 12 – S.237, 15a – S.248, 17 – S.250, 18 – S.252, 19 – S.255, 21 – S.259/260
Egon C.C. Corti
Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heyne Sachbuch, 15. Auflage, 2. dieser Ausgabe 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

13 – S.121
Sigrid Maria Gössing
Kaiserin Elisabeth und ihre Männer
Ueberreuter Verlag, 1. Auflage 1998 (nur noch antiquarisch erhältlich)

14 – S.187, 15 – S. 187-190, 16 – S.191, 22 – S.195/6, 23 – S.196/7, 25 – S.197, 26 – S.198-200, 27 – S.200, 27a – S.200-202
Gudula Walterskirchen, Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics
Kaiserin Elisabeths intimste Freundin
Residenz Verlag, 3. Auflage 2014

20 – S. 94/5, 28 – S.100/1, 31 – S.102 u. 104 (Bild dazwischen/nicht gezählt), 32 – S.107, 33 – S.130
Beatrix Meyer
Kaiserin Elisabetz ganz privat
Briefe an ihre intimste Vertraute Ida Ferenczy
Allitera Verlag, 1. Auflage 2020

24 – S.208, 37 – S.208, 38. S.196
Johannes Thiele
Elisabeth – Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn
Ihr Leben. Ihre Seele. Ihre Welt. (Bildband)
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2011 (nur noch antiquarisch erhältlich)

29 – S.122, 33a – S.82, 34 – S.269, 35 – S.214/5 35a – S. 83, 36 – S.295/6
Brigitte Hamann
Kaiserin Elisabeth
Das poetische Tagebuch
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 3. Auflage 1995

Susanna Forrest
The Horsewomen of the Belle Époque
The Paris Review

Susanna Forrest
The “Princess Daredevil” of the Belle Époque
The Paris Review

Bernhard Graf
Sisis Geschwister (Bildband)
Allitera Verlag//edition monacensia, 1. Auflage 2017

Gabriele Praschl-Bichler
Kaiserin Elisabeths Fitneß und Diät-Programm
Amalthea Verlag, 1. Auflage 2002 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Eine glückliche Kindheit?

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth als ca. 14jährige,
1. bekannte Fotografie
Bild: Alois Löcherer

Sisi, Elise, Liesl, Lisel, Beta, Sethy, Sissy, Rose vom Bayernland, durch die Filme auch Sissi.

Viele Namen, eigenartige bis schreckliche Schreibweisen von Sisi und noch mehr Anekdoten ranken sich um Kaiserin Elisabeth.

Doch nur eine Schreibweise wurde wirklich bekannt und auch nur mit einer unterschrieb sie ihre private (!) Korrespondenz:

Sisi

Ihr Kosename war nur ihren engsten Vertrauten vorbehalten.

Niemand sonst hätte es gewagt die Kaiserin mit „Sisi“ anzusprechen.

Die Etikette am Wiener Hof war äußerst streng und unbedingt einzuhalten. Wer sich mit dem Spanischen Hofzeremoniell bzw. der Hofetikette auseinander setzen möchte, ist hier richtig.

Zu ihrem Mythos hat Romy Schneider viel in der Sissi-Trilogie beigetragen.

Dass Kaiserin Elisabeth einmal so berühmt wird, verdankt sie im Prinzip dieser „Herz-Schmerz-Trilogie“.

Dass die Darstellerin der Filme ebenso zerbrach, wie das Original, kann man beinahe schon „Schicksalsbehaftet“ nennen. Romy Schneider sagte einst über die Rolle, dass sie in ihrem Leben wie Grießbrei an ihr pappen würde.

Ich glaube, dass ihr Kaiserin Elisabeth Recht gegeben hätte. Nur das es bei ihr keine Rolle war, sondern tatsächlich ihr Leben.

Aber wer war diese Frau, die uns noch heute so fasziniert und beinahe täglich in den Social Media Kanälen zu immer eigenartigeren Fotowettbewerben antreibt?

Wer war diese Frau, von dem jede/r Dritte meint…


Das junge schüchterne sechzehnjährige Mädchen, von dem heute alle Welt denkt, es in- und auswendig zu kennen.
… (1)

Wer war diese Frau, dass man ihr Konterfei auf Seifen, Bierkrüge, Kochhandschuhe, Schokoladen oder Radiergummi (usw.) pappt?

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiserin Elisabeth Wachsfigur Madame Tussauds, Wien
Wer war diese Frau, die man ins Madame Tussauds Museum mit einem grässlichen grauen vorhangartigen Ding das sich Sternenkleid nennen soll (ohne Sterne), entsetzlich frisierter Perücke und einer jung dargestellten Sisi einen Anker auf die Schulter tätowiert, den sie nachweislich erst mit knapp 51 Jahren in Marseille (1888) machen ließ, stellte?

Ich versuche die Spuren dieser uns in dieser Zeit immer noch bewegenden Frau zu finden, nachzugehen und zu erzählen.

Aber wie immer beginnt jede Reise mit einem Anfang:

Schon während oder nach kurz nach der Geburt von Elisabeth gehen die Bücher der Historiker/innen weit auseinander.

Die einen schreiben, Herzog Max sei schon während der Geburt von Elisabeth wieder über alle Berge gewesen, die Anderen sagen, er fuhr erst einen Monat später in den Orient.

Was ist wahr?
Was ist Legende?
Was ist Film?
Was ist erfunden?
Woher kommt dieser enorme Mythos?
Auch ich werde das alles nicht aufdecken können.
Aber ich werde mich bemühen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika
Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max in Bayern

Elisabeth wurde am 24.12.1837 um 22.43 Uhr in ein Herzogshaus geboren.

Ihre Mutter Ludovika, genannt Louise (*30.8.1808, 26.1.1892) wurde als Prinzessin von Bayern geboren und mit Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, 15.11.1888) vermählt.

Der Beitrag von Louise kann hier und von Max hier gelesen werden.

Sie war das vierte Kind von insgesamt 10 Kindern, wobei 8 das Erwachsenenalter erreichten. Der zweite Sohn Wilhelm starb 2 Monate nach der Geburt, weshalb Sisi im Prinzip an dritter Stelle stand.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Louise hatte in ihrem Boudoir im Beisein ihrer Mutter Ex-Königin Caroline von Bayern (*13.7.1776, 13.11.1841), ihrer Obersthofmeisterin Auguste Gräfin von Rottenhan (*/unbekannt), ihrer (Halb)Schwester Auguste von Leuchtenberg (*21.6.1788, 13.5.1851) sowie deren Tochter Eugénie Erbprinzessin von Hohenzollern-Hechingen (*22.12.1808, 1.9.1847) die kleine Wittelsbacherin am Weihnachtsabend, den 24.12.1837 um exakt 22.43 Uhr entbunden.

Zwei Hofdamen hielten sich in den Nebenräumen von Herzogin Ludovikas Privatgemächern auf.

Sehr zum Unwohlsein der Herzogin, kamen in ihr Boudoir (Badezimmer) drei königliche Würdenträger, um die Ankunft der Herzogin zu bezeugen. Anders als früher im französischen Haus und noch immer im englischen Haus üblich, musste zumindest Ludovika vor den fremden Herren keine öffentliche Geburt abhalten.

Foto: Bildarchiv des Bayrischen Landesamts für Denkmalpflege, München
Badezimmer von Herzogin Ludovika
(ohne Badewanne)

Dennoch war natürlich Louise nicht im herzeigbaren Zustand, als sie im Morgenmantel über dem Nachthemd, mit zerzausten Haaren und blass auf ihrer Chaiselongue ruhte.

Die Herren Sebastian Freiherr von Schrenck (*28.9.1774, 16.5.1848) (Staatsminister der Justiz), Ludwig Ritter von Wiesinger (Staatsminister des Inneren) (*/unbekannt) und Friedrich Freiherr von Gise (*17.3.1783, 4.10.1860) (Staatsminister des königlichen Hauses) traten vor die erschöpfte Mutter, um die neue Wittelsbacherin in dem Geburtenbuch einzutragen.

Ein Staatsakt und gleichzeitig eine Beglaubigung, dass es sich hierbei um Mutter und Tochter handelte. So konnte ausgeschlossen werden, dass eine fremde Mutter oder ein fremdes Kind als „Wittelsbach“ untergeschoben wurde.

Königin Marie Antoinette in Frankreich musste noch eine „öffentliche Geburt“ ertragen. D.h. Staatsdiener, Hofdamen, Hebamme, Arzt und Adelige am Versailler Hof durften beim Gebären zusehen. Marie Antoinette hatte sich in weiterer Folge erfolgreich gewehrt.

Am britischen Hof wurde weiterhin „öffentlich“, jedoch mit einer Leinwand zwischen Beinen und Oberkörper entbunden. Die Staatsdiener, Hofdamen standen auf der „nicht familiären Seite“ (also der Oberkörper zugewandten Leinwand) und alle anderen auf der „familiären Seite“ (also der mit den offenen Beinen zugewandten Leinwand).

Diese Peinlichkeit wurde mittlerweile dem gebärenden Haus Wittelsbach erspart.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.

Eine andere jedoch nicht:

Durch das Dekret ihres Halbbruders König Ludwig I (*25.8.1786, 29.2.1886), welches Max kurz vor der Hochzeit erhielt und ihm damit der Titel „königliche Hoheit“ aberkannt wurde, wurde Prinzessin Louise bei der Hochzeit zur Herzogin dekradiert.

Ludwig machte damit etwas zunichte, was sein Vater König Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, 13.10.1825) und Herzog Wilhelm (*10.10.1752, 8.1.1837) jahrelang versuchten aufzubauen.

1799 ändeten die beiden die Erblinie „in Bayern“ und „von Bayern“ so um, dass sich beide Wittelsbacher-Linien „Prinz“ und „Prinzessin“ nennen durften. Mit dem Dekret vom 7.8.1828 war dies schlagartig dahin. Die Erblinie „in“ und „von“ Bayern kann hier nachgelesen werden.

Später sollte genau dieses „in“ Bayern Elisabeth mächtige Probleme bereiten. Was ihr widerfahren ist, würde man heute Mobbing nennen.

Bis zum 7.8.1828 durfte sich Herzog Max in Bayern „königlicher Prinz“ nennen. Ab diesem Datum, verordnete König Ludwig I über sein Staatsministerium und ließ Herzog Max folgende Mitteilung zukommen:

„Bey Gelegenheit der Verehelichung Unseres vielgeliebten Vetters, des Herrn Herzog Maximilian in Bayern, Hoheit, mit Unserer Prinzessin Schwester Königliche Hoheit wollen Wir, daß bey Abfassung der Ehepakten die dem Herrn Herzog gebührende Titular streng einzuhalten, daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört, gebraucht werde.“ (2)

Nach dieser ungeliebten Hochzeit wurde Ludovika nicht mehr wie früher mit „königliche Hoheit“ angesprochen, sondern mit „Herzogin“ oder „Hoheit“

Louise haderte Zeit ihres Lebens mit ihrer Titel-Degradierung.

Demnach war der Titel des neuen Familienmitgliedes

Herzogin in Bayern

Später wurde genau dieses „in Bayern“ Elisabeths größter Feind und lebenslanges Hindernis. Durch diese „Adelstitel-Barriere“ – wie man das schon nennen kann – wurde sie am Wiener Hof nie anerkannt.

Am 26.12.1837 wurde das kleine Mädchen auf die Namen

Elisabeth Amalie Eugenie

in der Stiftskirche St. Kajetan, Theatinerkirche in München getauft.

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Amalie Auguste von Sachsen
Bild: Joseph Stieler, 1823
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Elisabeth von Preussen

Die Paten waren die engen Vertrauten von Louise Elisabeth Kronprinzessin von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873), welche 3 Jahre später Königin werden sollte.

Die zweite Patin war die Zwillingsschwester von Elisabeth, Amalie Auguste Prinzessin von Sachsen (*13.11.1801, †8.11.1877), welche am 9.8.1854 Königin wurde.

Und dank Dr. Martina Winkelhofer und ihrem Buch „Sisis Weg“ ist nun auch endlich bekannt, woher Eugenie stammt. Sie war die Nichte der Patinnen und der Mutter der Neugeborenen, Eugenie Erbprinzessin Hohenzollern-Hechingen, welche unter dem Namen Eugenie Herzogin von Leuchtenberg geboren wurde.

Der Name ist nicht, wie von mir vermutet, nach dem verstorbenen Eugené de Beauharnais (*3.9.1871, †21.2.1824), später Herzog von Leuchtenberg abgeleitet, welcher der vielgeliebte und -beweinte verstorbene Ehemann und Vater von Auguste Amalia von Leuchtenberg und Eugenie war, welche beide bei der Geburt der kleinen Elisabeth anwesend waren (wie weiter oben im Text erzählt).

Prinzessin oder Herzogin – welcher Titel stimmte?

Doch warum schreibe ich so konsequent „Herzogin“, wenn alle anderen immer das Wort „Prinzessin“ oder bei den Brüdern von Elisabeth das Wort „Prinz“ voransetzen.

Auch wenn das Wort „Prinzessin“ und „Prinz“ so hübsch klingen; die herzoglichen Kinder waren nie Prinzessinnen oder Prinzen.

Das Dekret vom 7.8.1828, also einen Monat vor der Hochzeit von Prinzessin Ludovika und Herzog Max, besagte eindeutig, dass sich Max nicht mehr „Prinz“ nennen durfte.

Dies implizierte sich auch auf seine Nachkommen, da sie sowohl seinen Namen, als auch seinen Titel erbten.

…daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört (2)

Anmerkung Petra: nochmaliger Ausschnitt aus obigen Dekret

Warum im Prinzip in beinahe jeder Biografie über Kaiserin Elisabeth (ob alt oder neu ist dabei völlig ohne Belang) von „Prinzessin Elisabeth“ die Rede ist, ist mir nicht erklärbar.

Die Mär der Prinzessin wurde natürlich auch in der Film-Triologie „Sissi“ aufgegriffen und zieht sich durch bis zur gleichnamigen Zeichentrickserie, wo unsere dunkelhaarige Kaiserin, sogar blond gezeichnet ist.

Aber nicht nur die Historiker/innen und Filmregisseure/innen dieser Welt haben diese Mär verbreitet, sondern auch die Hofzeremonienmeister jener Zeit.

Vielleicht kommt dieses „Prinzessin“ auch von daher, da viele Historiker/innen die Einträge von damals als Recherchevorbild nehmen. Oft wird aber nur von einem zum anderen abgeschrieben und so verbreitet sich das natürlich weiter und weiter und weiter…

Eine mögliche Erklärung liefert wahrscheinlich der bayrische Volksmund selbst.

Diese betitelten die herzoglichen Töchter (und zwar nur die Töchter) gerne als „Prinzessin“. Und da später Kaiser Franz Joseph gar keine Herzogin heiraten hätte dürfen (nicht standesgemäß), wurde Elisabeth, wie sie zur Kaiserin wurde, anscheinend zur Prinzessin.

Sieht man sich in späteren Jahren seine strikte Ablehnung bei unstandesgemäßen Hochzeiten an, ist es hier wohl am meisten erstaunlich, dass Kaiser Franz Joseph bei sich selbst wohl die größte Ausnahme machte, seine Verwandten aber gerne ins Unglück rennen ließ.

Anders der militante, elitäre und versnobbte Wiener Adel oder Wiener Hof, der Elisabeth so sehr zum Verhängnis werden sollte. Das Spanische Hofzeremoniell – Hofetikette kann hier nachgelesen werden.

Foto: APA, Sisi Museum Hofburg
Kinderschuhe von Herzogin Elisabeth
mit herzoglichen Wappen

Eine geborene „Herzogin in Bayern“, ja gar ein „Landmädel“ wie sie auch genannt wurde, auf dem kaiserlichen Thron war für die Adeligen jener Zeit ein ungeheures Ausmaß an Abscheulichkeit.

Diese militante Einstellung und Ablehnung, sollte Elisabeth ihr ganzes weiteres Leben zu spüren bekommen. Mit einer der Gründe, warum ihr das Leben als Kaiserin so extrem schwer fiel.

Nach strenger Etikette hätte der Kaiserin-Titel nur einer königlichen Prinzessin (kaiserlich geborene Prinzessinnen gab es nicht) weitergegeben werden dürfen. Hätte also nach dem Hofzeremoniell Kaiser Franz Joseph eine königliche Tochter geheiratet, wäre diese eine geborene Prinzessin gewesen.

So aber galt seine Hochzeit als unstandesgemäß. Da er aber zuvor alle anderen Vorschläge seiner Mutter ablehnte, diese aber auch seine Herzensdame Erzherzogin Elisabeth (*17.1.1831, †14.2.1903), wurde Sophie auf ihre eigene Familie aufmerksam. Der Rest wurde zur Weltgeschichte… (Kaiser Franz Joseph und seine Frauen bis zur Schratt kann hier nachgelesen werden.)

Bereits in der allerersten Biographie die es von Kaiserin Elisabeth gab, wurde sie als „Prinzessin“ betitelt. Diese hatte Kaiser Franz Joseph persönlich in Auftrag gegeben. Sie diente als Erinnerungsschrift und wurde nur am Wiener Hof und den engsten Verwandten zugetragen.

„Auf Schloss Possenhofen erblickte Elisabeth Amalia Eugenia am 24. Dezember 1837 das Licht der Welt. Schon sehr früh zeigte die kleine Prinzessin Elisabeth ein lebhaftes Interesse für die Natur und die Vorgänge derselben, eine Neigung, die von ihren fürstlichen Eltern mit liebevoller Freude genährt und gefördert wurde.“ (4)

1905 hieß es “ ….;

„Prinzeß Elisabeth, als zweites Töchterchen und hochwillkommenes Christkind eingekehrt am 24. Dezember 1837 in München beim glücklichen Elternpaare…“ (5) 

Im Kinderbuch von Sigrid Laube „Sisi, das Kind der Sonne“ liest sich das folgendermaßen:

„Hört, ihr Freunde, was geschehen, an der schönen Isar Strand, hört…“ Die Stimme des Bänkelsängers klang dünn und brüchig durch die Nacht. Der Winter war in diesem Jahr schon früh mit bissiger Kälte über München hergefallen und hatte die Stadt in einen klirrenden Mantel gehüllt. Vor dem Mund des Sängers bildeten sich im Takt des Liedes kleine Wolken, sie zögerten kurz und lösten sich dann in einer eisigen Luft auf. … „Weihnachten ist, da ist das Theater geschlossen, sogar das Café Chantant im Palais Max. Aber wenns wahr ist, sorgt der Allmächtige dort gerade für höchsten Nachwuchs, prinzlichen sozusagen.“ „Oder prinzesslichen, wies der Herrgott halt will“, fügte er hinzu. (6) 

Um es zu vervollständigen, müsste ich hier ca. 25 – 30 Bücher zitieren, was ich mir – ihr verzeiht mir hoffentlich – erspare.

Allerdings möchte ich euch noch ein Zitat aus einem Kinderbuch vorstellen. Geschrieben wurde es von der Historikerin Gabriele Praschl-Bichler:

„Vite! Vite! Les enfants! Viiite!“ („Rasch! Rasch, Kinder! Raaasch!“) Eine Gouvernante treibt die ihr schutzbefohlenen Mädchen zum rascheren Gehen an. Dabei spricht die Erzieherin mit den Kindern französisch, weil das damals alle feinen und gebildeten Leute taten. Vor dem Palast des Herzogs Max in Bayern herrscht reges Leben. Das Einfahrtstor steht weit geöffnet, Bedienstete strömen auf die Straße. Lieferanten, Künstler und andere bunte Gestalten bevölkern den Platz vor dem Gebäude. „Die Herzogin ist wirklich zu bemitleiden! Eben hat sie ein Mädchen geboren und schon ist ihr Mann wieder davon! Ein rechter Zugvogel ist der gute Herzog halt…pardon, wenn man das so sagen darf! Es heißt, dass er sich in Griechenland aufhält, um dort…“ …. Ganz nebenbei, wie heißt das Mädchen eigentlich? „Die kleine Tochter des Herzogs.“ „Man hat sie Elisabeth genannt.“ (7)

Anmerkung Petra: Hier wird das Wort Prinzessin zum ersten Mal nicht erwähnt

Ab 1845 wurde Herzog Max in Bayern die Anrede „königliche Hoheit“ von König Ludwig I. gewährt.

Jetzt sah die Sachlage schon anders aus. Elisabeth wurde nun zur „königlichen Hoheit“, nicht aber zur Prinzessin. Wenn man bedenkt, dass sie 8 Jahre später heiratete, kam für sie diese Ehre zu spät.

Die Anfänge von Herzogin Elisabeth

Der 24.12.1837 war ein Sonntag, weshalb sie von sich selbst immer behauptete, sie sei ein Sonntagskind. Zu dem hatte sie bei der Geburt schon einen Zahn – was damals als Glückssymbol galt.

Ein glückliches Leben wurde der jungen Herzogin immer vorausgesagt. Wie oft hat Sisi wohl davon geträumt?

Aufgewachsen ist die kleine Herzogin zwischen der Ludwigstraße 8 in München und dem idyllischen Schloss Possenhofen am Starnberger See, welches beides schon in der Familie war, als Elisabeth zur Welt kam.

1828 wurde das imposante Palais Herzog Max fertig, welches als das schönste und der prächtigste Bau seiner Zeit galt. 1834 wurde „Possi“ angeschafft, um den Kindern auch frische Luft, einen Ort zum Spielen, Reiten, Jagen, Schwimmen, Fischen und Wandern zu ermöglichen.

Sisi wuchs also zunächst mit Bruder Ludwig „Louis“ (*21.6.1831, †6.11.1920) und Schwester Helene „Néné“ (*4.4.1834, †16.5.1890) auf. Ihr Lieblingsbruder Carl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, 30.11.1909) sollte direkt nach ihr geboren werden.

Die Geschwister Marie (*4.10.1841, 19.1925), Mathilde „Spatz“ (*30.9.1843, 18.6.1925), Sophie (*23.2.1847, 4.5.1897) und Nesthäckchen Maximilian Emanuel „Mapperl“ (*7.12.1849, 12.6.1893) folgten nach.

Ihre größte Liebe wurde jene zu den Pferden, auch wenn Tierschutz und Verhätschelung nicht im Vordergrund war, wie man es heute kennt. Mein großer Beitrag „eine Kaiserin zu Pferde“ kann hier nachgelesen werden.

Bis zu ihrem (ca.) 6ten Lebensjahr besaß ihr Vater im hinteren Teil des riesigen Palais eine Zirkusmanege, wo er als Zirkusdirektor auftrat und seine Kinder als Kunstreiter auftreten ließ.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bild im Privatbesitz, deshalb mit extra großem Logo – der Besitzer möchte nicht genannt werden
Kaiserin Elisabeth auf ihrem Dressurpferd Avolo
Bild: Wilhelm Richter, 1876

Elisabeth sollte 45 Jahre lang auf dem Pferd sitzen. Das Kunstreiten wurde in dieser Zeit ebenfalls perfektioniert und trainiert.

1841, als Sisi also 3 Jahre alt war, hatte die Familie einen Todesfall zu beklagen, den diese wirklich schwer nahm.

Ihr Diener „Osman“, welcher am 17.5.1841 um 1.00 Uhr mittags an „Abzehrung“ verstarb, wurde von Herzog Max auf seiner Orientreise vom Sklavenmarkt freigekauft.

5 Schwarzafrikaner brachte er damals von der Reise mit, welche alle in der Frauenkirche in München getauft wurden und im Dienste des Herzogs standen. Osman, ein „Mohr aus Abessinien“ (so steht es im Sterbebuch) wurde auf den Namen Theodor getauft.

Elisabeth war dadurch schon sehr früh an Schwarzafrikaner in ihrer Umgebung gewöhnt und der Umgang mit ihnen war für sie ganz normal. Sie behandelte diese Menschen auch sehr höflich und zuvorkommend, wie es in der Biografie von Martina Winkelhofer heißt.

Etwas, was bisher auch noch nie in dieser Form zu lesen war. Gerade bei Rustimo stach immer ins Auge, dass Elisabeth es gewesen sein soll, die ihn vom Hof vertrieben habe. Doch Frau Winkelhofer fand heraus, dass sie sich auch später noch um ihn kümmerte.

Osman/Theodor wurde nur 17 Jahre alt.

Was für die kleine Sisi, Néné, Louis und Gackel also völlig normal war, war für die bayrische Gesellschaft naturgemäß ein Schock.

Foto: geschichtewiki.wien.gv.at
Angelo Soliman

Schwarze Menschen in München, waren damals so gut wie noch nie gesehen worden und wenn dann traten diese im Zirkus als „Absonderlichkeiten“ auf.

In Wien lebten im 18. Jahrhundert ca. 200 Schwarzafrikaner, der bekannteste unter ihnen war naturgemäß Angelo Soliman, da er nach seinem Tod ausgestopft wurde. Seine Geschichte kann hier nachgelesen werden: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Angelo_Soliman

Es wird immer wieder davon berichtet, dass Elisabeth ein Wildfang gewesen sei.

Sie konnte nicht stillsitzen, tat sich mit dem Lernen schwer und am liebsten beschäftigte sie sich in der Natur.

Die Eltern und deren Probleme

Am 31.10.1838 kaufte sich Max das kleine Schloss Unterwittelsbach bei Aichach, das heute auf den wohlklingenden Namen „Sisi Schloss“ hört, allerdings gar nichts mit Sisi zu tun hatte.

Es ist umstritten ob sie jemals dort war oder nicht.

Es diente Max als Rückzugs-, Ruhe- und Jagdschlösserl, welches einen kleinen See hatte.

Der Garten ist bis heute nicht wieder erschlossen und völlig verwildert. Die gesamte Einrichtung ist verschwunden.

Selbstverständlich kommt auch dieser Ort nicht ohne „Mythos“ aus, weshalb das ganze „Sisi Schloss Aichach“ auf ein Bild, eine Erzählung des Dorfpfarrers von 1839 und eine Vermutung des Stadtarchivars aufgebaut wird.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Schloss Aichach
Herzog Max im Kahn, Ludovika und „Sisi“ im Eingangsbereich im Schloss, 1841
Bild: Otto Flad

Auf dem Bild von Otto Flad von 1841 ist Herzog Max in einem Kahn zu sehen, während Herzogin Ludovika mit einem Kleinkind, welches natürlich Sisi sein soll, aus dem Schlösschen tritt.

Am 14.11.1839 wurde vom Aichacher Pfarrer überliefert, dass Herzog Max mit der Herzogin und dem 7jährigen Ludwig im Schlösschen angekommen sei.

Der Stadtarchivar Karl Christl von Aichach hat sich natürlich eine wunderbare Idylle zurecht gelegt. Er sah die kleine Sisi Blumen pflücken und ihrer Mama bringen, Max im Kahn fahren, die Buben am nahen Weiher fischen usw.
Es klang ein bisschen wie aus dem Sissi Film und nicht nach dem echten Leben.

Auch wenn man wenig bis gar nichts über die Kindheit von Kaiserin Elisabeth weiß,

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika mit ihren Kindern
Herzog Ludwig, Herzogin Helene und die kleine Herzogin Elisabeth (im Kinderwagen)

es gibt keinerlei Aufzeichnungen, dass sie jemals vor Ort gewesen sei.

Weder von ihr selbst, noch von Ludovika, noch von Max.

Johannes Thiele schrieb in seiner Elisabeth Biografie „Sisi, das Leben der Kaiserin Elisabeth“, dass diese als Kind in Aichach mit Vater Max durch die Gasthäuser zog, als dieser Zither spielte. Dabei warfen ihr die Männeer Geldstürcke zu.

Später soll Elisabeth voller Stolz diese Geldstücke, die sie ein Leben lang bei sich getragen haben soll, ihren Hofdamen gezeigt und behauptet haben, dass das ihr einziges ehrliches verdientes Geld gewesen sei.

Immer mehr wird deutlich, dass Elisabeths Kindheit nicht die von Glück beseelte Kindheit war, die man ihr permanent unterjubeln möchte.

Sisi wurde erst als Erwachsene Sisi genannt, als Kind rief man sie in ihrer Familie ausdrücklich

Elise

Auch der angeblich gute Kontakt zum Vater ist eine erfundene Geschichte der Filme. Dies habe ich schon bei Herzog Max hervorgeholt, dass er sich um seine Kinder nicht kümmerte, nicht kümmern wollte und diese auch nicht in sein Leben passten.

Wie nahe Elisabeth allerdings ihrem Vater im Charakter war, sollte sich erst später herausstellen.

Kam er von seinen vielen Reisen zurück, bevorzugte er z.B. – wie Elisabeth – einen privaten Eingang, um nicht gesehen zu werden. Weder von seinen Kindern, noch von seiner Frau, noch von sonst wem.

Diese Vorliebe nutzte auch Kaiserin Elisabeth Zeit ihres Lebens.

Ihre Gouvernante fragte Elise einmal, ob sie ihren Vater schon begrüßt und gesehen habe, als dieser nach einer längeren Reise wieder heimgekehrt war. Die Antwort:

„Nein, aber ich habe ihn pfeifen gehört.“ (8)

Und dies sagte im Prinzip alles über die Beziehung „Vater-Tochter“ oder „Vater-Kinder“ alles aus.

Wollten die Kinder bzw. Louise ihren Vater bzw. Mann sehen, mussten sie sich bei dessen Diener anmelden!

Obwohl Ludovika die Patriachin im Haus war und alles zusammenhielt, ging sie in ihrer Mutterrolle auf.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie
Bild: Franz Schrotzberg, 1858

Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, 28.5.1872) (der Beitrag zur Erzherzogin ist hier), die selbst einen Mann (der Beitrag zu Erzherzog Franz Karl (*7.12.1802, 8.3.1878) ist hier) zur Seite hatte, der sich nie um die Kinder kümmerte, bemerkte die Ablehnung an ihrem Schwager sofort. Besorgt schrieb sie an ihre Schwester:

„…, dass er sich überhaupt nicht mit seinem wunderbaren Schatz beschäfigt, sei ein Beweis seiner übermäßigen Leichtfertigkeit und zeige, dass sein Herz kaum spricht.“ (9)

Herzog Karl Theodor „Gackel“ sagte später über seinen Vater:

„Dieser sei der „personifizierte Egoismus“ gewesen.“ (10)

Egal wie man die ganze Ehe auch betrachten möchte, gesund war sie auf keinen Fall, auch wenn sie 10 Kinder, 8 davon lebend, hervorgebracht hat.

Wunderbar auf einen Punkt bringt das wieder einmal Martina Winkelhofer in ihrem Buch „Sisis Weg“:

„Ein Gemeinplatz in der Kaiserin-Elisabeth-Forschung besagt, dass die schwierige Ehe ihrer Eltern ein prägendes Element in Elisabeths Biografie darstellt. Die Ehe von Max und Ludovika gilt als Paradebeispiel einer gescheiterten Ehe, mit entsprechenden Folgen für die gemeinsamen Kinder. So wurden von späteren Biografen Elisabeths Kindheitserfahrungen – mit einem nicht nur mental abwesenden Vater – oft zur Erklärung ihres Verhaltens als Erwachsene herangezogen. Eine derlei einfache Argumentation ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Schließlich kann man diese herzogliche Ehe des 19. Jahrhunderts nicht aus der Perspektive des 20. und 21. Jahrhunderts beurteilen, wo man zumindest in der westlichen Welt die Liebe als Voraussetzung einer geglückten Ehe betrachtet. (11)

Diese Meinung vertrete ich auch. Gerade auf Facebook rate ich meinen durchaus weiblichen Followerinnen immer, dass sie – vor allem beim unendlichen oft sehr emotionalen Thema „Elisabeth als Mutter“ (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) die Erfahrungen nicht mit dem „Heute“ zu vergleichen. Das 19. und 21. Jahrhundert sind 2 Paar Schuhe die es auseinander zu halten gilt. Auch beim Thema „Mutter sein“.

Herzogin Ludovika war eine seltene Ausnahme, dass sie sich als Muttertier gab. Zum einen war Königin Caroline eine liebevolle Mutter, die sich nicht nur der fünf Halbwaisen annahm, sondern auch ihren acht eigenen Kindern, zum anderen hatte Ludovika keinen öffentlichen Stellenwert (mehr).

Ihre Zeit als Prinzessin war vorbei und Herzog Max bevorzugte ab seinem 29. Lebensjahr keine öffentlichen Empfänge, sondern illustre Herrenabende, weshalb es auch keine Bälle mehr im Herzog-Max-Palais gab.

Was blieb Louise also? Genau. Ihre Kinder. Und zwar einzig und alleine ihre Kinder.

Foto: Wikimedia/Commons
Elise, Gackel und Bummerl
also Herzogin Elisabeth, Herzog Karl Theodor und Hund Bummerl

Es ist wieder Martina Winkelhofer die Elisabeths Kindheitserfahrungen in deren Ehe transportiert und erklärt:

„Auf Elisabeth dürfte die Ehe ihrer Eltern und die ständige Abwesenheit des Vaters jedoch keine sehr prägende Wirkung entfaltet haben – denn königliche Kinder sahen damals ihre Väter in der Regel selten, und so gut wie keine arrangierte Ehe in königlichen Kreisen zeichnete sich durch große Intimität oder viele gemeinsam verbrachte Stunden aus. Stärke – im Sinne einer prägenden Erfahrung für die spätere österreichische Kaiserin – fiel wohl ins Gewicht, was man „das Phänomen weiblicher Ohnmacht“ nennenkann: Frauen, deren Wünsche und Ziele nicht mit dem gängigen weiblichen Rollenbild harmonierten, mussten in der damaligen Gesellschaft vielfach ihre Machtlosigkeit erkennen. Viele von ihnen resignierten gegenüber der männlichen Übermacht, und nicht wenige entwickelten unbewusst Strategien, um sich ungewollten Situationen entziehen zu können. Und diese Strategien hießen zumeist: Rückzug, innere Emigration und, besonders häufig, Flucht in Krankheit.“ (12)

Eine glückliche Kindheit?

Als Elise 9 Jahre alt war, holte Herzogin Ludovika Luise Baronin Wulffen-Hundt (*/unbekannt) ins Haus, die ihre liebe Not mit dieser hatte.

Wulffen beschrieb Elisabeth als

zart und überempfindlich. (13)

Sie wollte eher ihren Leidenschaften nachgehen, als dem Lernen. Reiten, Gedichte schreiben, stundenlang im See schwimmen und sich dem Müßiggang hinggeben.

Schwimmen war etwas, was der Adel der damaligen Zeit normalerweise nicht konnte. Angeblich soll Herzog Max darauf bestanden haben, dass seine Kinder schwimmen konnten. Ob dies der Wahrheit entspricht, wenn man sich sein Interesse an den Kindern durchliest?

Néné war das hausbackene Kind: brav am Nähen und Sticken, immer bei der Mutter und nie bei den übrigen Kindern.

Elise hingegen tobte mit ihrem Lieblingsbruder Gackel und Louis.

Doch wie frei und glücklich wurde sie tatsächlich erzogen?

Foto: Peter Bierl Buch- & Kunstantiquariat
Schloss „Possi“ Possenhofen

Gab es „Freiheit“ im Hause eines Wittelsbachers überhaupt?

In vielen Büchern kann man von den Historikern/innen den Vergleich zwischen der Erziehung von Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth lesen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Erzherzog Franz(i)
Kaiser Franz Joseph als Jugendlicher

Dieser Vergleich hinkt meiner Meinung nach. Erzherzog Franzi, wie er als Jugendlicher genannt wurde, wurde schon mit dem Ziel ihn als Thronerben heranzuziehen, geboren. Sein Status war bei der Geburt schon „von Gottes Gnaden“ (der Beitrag bis zum Thron kann hier nachgelesen werden).

Viel zu diesem „glücklichen Kindheitsmythos“ hat laut Martina Winkelhofer der Erstbiograph Conte Corti beigetragen.

Von seinem Buch, schreiben bis heute sämtliche Historiker/innen ab.

Er selbst hatte noch mit Zeitzeugen gesprochen bzw. Zugang zu Unterlagen, die heute verschlossen, verschollen, verbrannt oder gar durch die Weltkriege vernichtet wurden.

Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, 6.9.1924), Elisabeths geliebte Tochter, die der Wiener Hof bösartig „die Einzige“ nannte, wollte nach dem Tod eine Biografie über ihre Mutter schreiben.

Um historische Belege über ihre Kindheit zu sammeln, schrieb sie die beiden ehemaligen Vertrauten ihrer Jugend an, welche noch lebten:

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Valerie
  • Baronin Wulffen-Hundt (*/unbekannt)
  • Gouvernante Amalie Baronin Tänzl von Tratzberg (*/unbekannt)

Gegen 1900 findet man in den Unterlagen von Conte Corti (*2.4.1886, 17.9.1953) jene 2 Briefe der beiden betagten Damen an die Tochter Marie Valérie:

„Sie sei der Liebling vom gesamten Haus gewesen, hätte sich mit allen Geschwistern ausgezeichnet verstanden, sei gütig zu der armen Bevölkerung gewesen und habe diesen die Eier der Perlhühner gebracht, außerdem wäre ihr Liebreiz formvollendet gewesen, sie sei gütig und hilfsbereit gegenüber Jedermann gewesen.“

Zurecht ist Frau Winkelhofer skeptisch, ich wäre das auch. Hätten tatsächlich zwei (sehr) alte Damen die Unwahrheit an die geliebte Tochter der ermordeten Kaiserin geschrieben?

Ich verneine dies entschieden!
Wer sagt jemals etwas Schlechtes über Tote?

Doch ich habe noch eine Quelle aufgetan, die weit vor Conte Corti geschrieben wurde:

Erinnerungsblätter, 1903

Foto: pressreader.com
Zeichnungen von Elise in ihrem Notizbuch
eine Geburtstags-Glückwunschkarte von Elise an Gackel

„…
Schon sehr früh zeigte die kleine Prinzessin Elisabeth ein lebhaftes Interesse für Natur und die Vorgänge derselben, eine Neigung die von ihren fürstlichen Eltern mit liebevoller Freude genährt und gefördert wurde. Der weitausgedehnte Park und die Wälder der Umgebung waren die ersten Tummelplätze des sich in der anmutigsten Weise körperlich wie geistig entwickelnden Fürstenkindes, in dessen empfängliche Seele die Gottesnatur des Lebens allererste Eindrücke einprägte. So wurde Prinzessin Elise eine glühende Bewunderin der Natur und blieb dies auch für alle Zeiten. Daß sie, zu einer reizenden Mädchenknospe erblüht, in ihrem ganzen Wesen jene ausgezeichneten Eigenschaften des Herzens und der Seele vereinigte, welche so tausendfach an unserer Kaiserin gepriesen wurden, ist begreiflich, da ihre Eltern mit zarter Aufmerksamkeit und unermüdlicher Fürsorge die Erziehung Elisens leiteten und überwachten. Bereits nach zurückgelegtem fünften Lebensjahre wurde mit dem Unterrichte begonnen. Ein ausgezeichnetes Talent verriet die Prinzessin für die Naturkunde, Erdbeschreibung, für das Zeichnen, Malen und das Klavierspiel. In den späten Jahren wurde den körperlichen Übungen ein gewichtiger Platz im Erziehungsprogramm eingeräumt.
Bei der zahlreichen Familie des volkstümlichen Herzogs Max in Bayern waren die kleine Prinzessin Lisel und ihr ältester Bruder, der schlanke großgewachsene Ludwig die bevorzugten Lieblinge der Eltern. Beide unterschieden sich durch die Lebhaftigkeit, ihren gesunden Humor und ihr tiefes Gemüt von den anderen Geschwistern. Die kleine Lisel erheiterte durch ihre Scherze den Vater, von ihrer Mutter aber wurde sie vollends verhätschelt.
Viel Vergnügen fand die Prinzessin in allerlei körperlichen Sport. Sie saß elegant und sicher zu Pferde, lenkte bei Ausfahrten ihr Gespann fast immer selbst, war eine kühne Schwimmerin und Fechterin. Ihr schlichtes und allzeit freundliches und kindlich frohes Wesen hatte ihr längst die Herzen der Bayern gewonnen. Die Bevölkerung nannte sie „Lisel“. In den traulichen Worten bekundete sich die herzliche Zuneigung der Bevölkerung das innige Verhältnis zwischen Volk und Fürstenhaus.
Als die Prinzessin gerade das fünfzehnte Jahr vollendet hatte, schilderte sie ein deutscher Schriftsteller in folgender Weise: „Prinzessin Elisabeth ist hoch, schlank, leicht und anmutig, ihr Wesen graziös, belebt, bestimmt, das tiefblaue Auge voll träumerischen Glanzes, die schönen Züge, aus denen das dichte, braune Haar in vollen Wellen zurückgestrichen ist, reiz- und ausdrucksvoll und mit rosigem Teint überzogen, der Eindruck im ganzen: milder Ernst und zarte Weiblichkeit.“ (14)

Anmerkungen Petra:
Hier sieht man, dass schon 1903 gelogen wurde, dass sich die Balken biegen. Zum einen war der Lieblingssohn von Ludovika nicht Ludwig, sondern Karl Theodor „Gackel“ und zum anderen diese Familienidylle gab es einfach nicht.

Ich erinnere nur noch einmal daran, dass diese Erinnerungsblätter Kaiser Franz Joseph in Auftrag gab!

Weiters liest man hier die schreibweise „Lisel“, welche in der Korrespondenz nie vorkommt.

1905 hieß es ebenso schwülstig:

„…
Behütet, geleitet vom hochsinnigen Vater, dem für alles Gute und Schöne begeisterten Fürsten, wuchs Elisabeth zur Freude aller, die sie kannten, heran. Frühzeitig äußerte sich ihre Vorliebe zu den Wundern der Natur. Weitaus den größten Teil der wettergünstigen Tage verbrachte die Prinzessin im Schloßpark und in den umliegenden Buchen- und Nadelwäldern, sich erfreuend am Blau des Himmels, dem Gesang der Vögel, dem geheimnisvollen Rauschen des Forstes.
Kaum war das fünfte Lebensjahr überschritten, kam des Lebens Ernst für die kleine Sissy. Für die Zukunft galt es zu lernen, wie solches seit jeher Bayerns Fürstentöchtern oblag. Aufmerksam, fleißig und von eminenter Auffassungsgabe, machte Elisabeth ihren Eltern und Lehrern Freude. Ihre Lieblingsgegenstände hießen Naturwissenschaften, Geographie, Zeichnen und Musik. Eine echte Vater-Tochter!
Später trat das Reiten hinzu. Kaiserin Elisabeth galt als die beste Reiterin der Gegenwart. Man muß sie nur gesehen haben, auf der feurigen, braunen „Helena“ oder dem stählernen „Coral Nimph“ in edlem eifer dahinjagend.
Die „Rose vom Bayerland“ nannte man Elisabeth. Und sie war es auch.“ (15)

Anmerkungen Petra:
Danach folgte wieder obige Beschreibung der Gestalt und der blauen Augen. Autor Kleinschmied musste also Zugang zu den Erinnerungsblättern von 1903 gehabt haben. Warum in weiterer Folge nicht auch Conte Corti?

Hier kann man das erste Mal den Namen „Sissy“ lesen. Diese Schreibweise krampft mich persönlich jedesmal aufs Neue zusammen. In keiner Korrespondenz findet sich diese Schreibweise. Wie also der Autor selbst auf die Idee kam, Elisabeth „Sissy“ zu schreiben, ist mir unbegreiflich.

Auch hier könnt ihr lesen, dass vom Familienidyll einher gegangen wurde. „Eine echte Vater-Tochter“ – weil sie reiten konnte. Das konnte im Prinzip jedes adelige Mädchen. Die eine besser, die andere schlechter. Aber wer einen „von“, „zu“ oder „in“ Titel in seinem Namen trug, lernte Reiten. Das gehörte zum guten Ton.

Auch wenn ich meiner Lieblingshistorikerin Martina Winkelhofer jetzt widerspreche, aber ich glaube, es rührt nicht nur von Conte Corti allein, dass er annahm, Elisabeth habe eine blühende Kindheit und einen tollen Vater gehabt.

Alleine diese schwülstigen Zeilen zeigen, dass ihm diese Schriften zugänglich waren. Ich musste auch tief graben, um sie zu finden. Conte Corti war weitaus näher in seiner Zeit dran, als ich. Er begann in den 1920er Jahren mit seiner Forschung. 1934 erschien seine Elisabeth-Biografie. Zuvor hatte er Kaiser Maximilian und Kaiserin Charlotte von Mexiko biografiert.

Ich befürchte, dass sehr viel von Kaiser Franz Joseph vorgegeben wurde. Die Erinnerungsblätter 1903 sind immerhin in seinem Auftrag entstanden und er gab sie vor der Veröffentlichung frei.

Dass der Hauptmann den Schriftsteller nicht näher benennt, der Elise 15jährig erblickte, ist schade, aber zumindest liegt uns diese Beschreibung der Schönheit vor.

Ich fand auch zwei unterschiedliche Aussagen von Ludovika. Als ihre Tochter 2 Jahre alt war, lobte sie die Kleine für ihre Schönheit, zum anderen machte sie sich, als diese 14jährig war, große Sorgen um Elise, da sie sie nicht hübsch befand. 

In einem Brief an ihre Nichte Theódelinde Gräfin von Württemberg (*13.4.1814, 1.4.1854) schrieb Herzogin Ludovika am 24.8.1839:

„Elise wird sehr hübsch, und sie ist so ein gutes Kind“ (16)

Foto: Wikimedia/Commons König Georg von Sachsen

Herzogin Ludovika an ihre Schwester Königin Auguste von Sachsen:

„Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich als ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre [Prinz Georg, wohl der zweite Sohn des sächsischen Königs Johann], wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen… hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug“. (17)

Übergangslos wurde aus Elise Sisi.

Beide Namen wurden ab jetzt verwendet, um über Elisabeth zu schreiben.

Je älter sie als Kind wurde, desto stiller wurde sie. Man kann definitiv sagen, dass sie die einsamen Momente suchte. Schon früh reifte die Melancholie in Elisabeth heran, welche in ihren späteren Jahren zu schweren Depressionen führen sollte.

Diese Art des Charakters, erbte sie von ihrer Mutter. Sie hatte Scheu vor Menschen, vor allem vor Fremden. Doch diese Momente waren selten in München, weshalb sie sich am liebsten in Possenhofen aufhielt.

Das Herzog Max Palais in München war nur für die Wintermonate, da Schloss Possenhofen nicht beheizbar war.

Kaum in Possi, lief Sisi beinahe jeden Tag ohne Schuhe durch den Schlosspark.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth als 15jährige
Bild: Franz von Schrotzberg, 1853

Contenance und Etikette, Politik und Weltherrschaft, was kümmerte es die kleine Elisabeth und ihre Geschwister? Der königliche Hof nahm keine Notiz von ihr. Die Briefe, die Ludovika mit ihrer Schwester Sophie im fernen Wien schrieb, waren nicht von Interesse.

Frei, ungezwungen, neugierig und lebenslustig, so beschrieb man die junge Sisi in der Literatur, und ich persönlich glaube, dass sie das auch war. Neugierig und reiselustig sollte sie beibehalten bzw. noch hinzukommen.

Fast ein Bauernmädel. Auf alle Fälle ein Landmädel.

Ihre beste Freundin wurde Irene (*24.9.1839, †21.8.1892), die Tochter des Nachbarn Hermann Franz Joseph Carl Graf von Paumgarten (*19.7.1806, †11.1.1846).

Foto. Wikimedia/Commons
eigenhändige Zeichnung von Herzogin Elisabeth
1847

Gackel, Irene, David (Bruder von Irene) und Sisi wurden zu einer Einheit.

Gemeinsam erkundete man die Wälder, den Starnberger See, kletterte auf Bäume und verbrachte viel Zeit – mit Nichtstun.

Ludovika hatte ihre liebe Not, die Kinderschar zum Lernen zu bewegen.

Kam der Vater zu „Besuch“, holte er die Kinder aus dem Unterricht, tobte mit ihnen im Schnee, ging Schwimmen oder stibitzte das Obst von den Bäumen. Bekam Max aber nicht die Aufmerksamkeit seiner Kinder die er wollte, wurde er cholerisch und tobte richtiggehend.

Im Jahre 1843 trafen sich Erzherzog Franz und die junge Sisi das erste Mal. Franzi war 13 Jahre, Elisabeth 5 Jahre alt. Franz schrieb in sein Tagebuch:

2.9.1843
Um 7 Uhr fuhren wir von München weg und kamen um viertel auf zehn in Possenhofen an. Wir fanden dort Herzog Max und alle seine Kinder bis auf Louis, welcher in der Schweiz ist. Wir frühstückten mit der Tante Louise, der Helene, der Elise und dem sehr netten aber fast verzogenen Kakl. Um 10 Uhr ging wir in die dumpfe Kapelle, um die Messe zu hören, wo mir übel wurde, so daß man mich aus der Kapelle zu einem offenen Fenster tragen mußte, wo mir wieder gut wurde; darauf legte ich mich auf das Bett. Um 12 Uhr fischte ich und Graf Bombelles mit dem Herzog, wobey wir 20 Birschlinge und Weißfische fingen.“ (18)

Anmerkung Petra: Graf Bombelles war der Erzieher von Erzherzog Karl Ludwig

Doch schon bald zeigte sich auch die Etikette der Verwandtschaft.

Foto: Wikimedia/Commons
Die Geschwister von Elisabeth auf der Veranda des Schlosses Possenhofen, von links:
Sophie, Max Emanuel „Mapperl“, Karl Theodor „Gackel“, Helene „Néné“, Ludwig „Louis“, 1831-1920), Mathilde „Spatz“ und Marie
Bild: Joseph Karl Stieler, 1855

1848 machte Ludovika mit den Kindern Gackel, Néné und Sisi einen längeren Ausflug, der nach Tirol an den Aachensee führte. Von dort fuhren sie nach Jenbach, um am 10.6.1848 in Innsbruck einzutreffen. In der Hauschronik liest man dazu folgendes:

„Um 9 Uhr Abends langte auf Besuch die Schwester Ihrer k.H. der Erzherzogin Sophie die Gemahlin des Herzogs Maximilian von Baiern I.k.H. die Prinzessin Louise mit Ihrem Sohne Prinz Carl und 2 Prinzessinnen Töchter Helene und Elisabeth und Suite hier an, und wurde an der Burgstiege von Ihrer Familie begrüßt. In Ihrem Gefolge befindet sich Ihr Hofmarschall Baron v. Freyberg. Die Frau Herzog wurde im Damenstifts-Gebäude einlogiert.“ (19)

Am 19.6.1848 findet sich folgender Eintrag:

„Heute ist S.k.H. Prinz Karl von Baiern, und dann später I.k.H. die Herzogin Louise von Baiern mit Sohn und 2 Töchtern k.H. nach München abgereist.“ (20)

In dieser Zeit musste Sisi sicherlich still sitzen und bei Tisch ordentlich essen.

Franz war zu diesem Zeitpunkt knapp 18 Jahre alt, Sisi knapp 11 Jahre.

In der Literatur liest man immer von „die 13jährige“, doch Elisabeth ist am 24.12.1837 auf die Welt gekommen. Sie kann also im Juni 1848 nicht 13 Jahre alt gewesen sein. Außerdem war Kaiser Franz Joseph um 7 Jahre älter als seine geliebte „Engels-Sisi“.

Ebenso liest man häufig „Kaiser Franz Joseph und Elisabeth trafen erstmals 1853 in Ischl aufeinander“. Auch das ist nicht korrekt. Das erste Aufeinandertreffen war 1843. 1848 folgte das nächste Treffen. Erzherzog Franz befand sich mit seiner Familie in Innsbruck, da in Wien eine heftige Revolution stattfand.

In vielerlei Hinsicht konnten die Zwei in Innsbruck nichts miteinander anfangen.

Sisi war noch ein Kind, Erzherzog Franz (Anmerkung Petra: er wurde erst mit dem Titel „Kaiser“ zu Franz Joseph) musste sich mit der politischen Lage beschäftigen.

Ein Umstand, den er vielleicht in späteren Jahren tief bereut hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig 15jährig
Bild: Anton Einsle, 1848

Elisabeth, scheu und sehr schüchtern, freundete sich mit dem knapp 15jährigen Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, †19.5.1896) an.

Sie tobten durch die Hofburg Innsbruck, heckten Streiche aus und ärgerten mit Sicherheit Erzherzogin Sophie. Die beiden waren sich so zugetan, dass sie sich eine zeitlang Briefe schrieben.

Sogar kleinere Geschenke wurden ausgetauscht.

Erzherzogin Sophie beschrieb ihre kleine Nichte damals wie folgt:

„Elise ist ohne schön zu sein – ein gar anziehend – liebes freundliches Wesen – ihr warmer treuer Blick und ihr Lächeln sind unwiderstehlich; ist ist so sanft-weiblich und über ihre Jahre vernünftig.“ (20a)

Da Karl Ludwig schon nach dem Treffen in Possenhofen von seiner kleinen Cousine schwärmte, ließ Kaiser Franz Joseph eine Holzbüste von Elise anfertigen. Diese schenkte er seinem Bruder.

Es gilt in der Elisabeth-Forschung am Wahrscheinlichsten, dass Erzherzog Karl Ludwig persönlich die Büste an seine Schwägerin übergab. Bekannt ist jedenfalls, dass Elisabeth sehr stolz auf diese war und sie in der Hermesvilla verwahrt hat. Dort wurde sie auch gefunden.

Doch das Interesse von Sisi für Karl Ludwig ebbte ab, nach dem ihre Mutter sie immer und immer wieder an ihn erinnerte und sich ihn als Heiratskandidat vorstellen konnte.

1850 besuchte Elisabeth gemeinsam mit ihrem Bruder Ludwig, ihrer Schwester Néné und ihrer Mutter Ludovika das beschauliche Dörfchen Oberammergau.

Doch die Zeiten, wo Elise nur spielen durfte, war relativ bald vorbei. Der Ernst des Lebens zog ins herzogliche Haus und Elisabeth lernte zu Konversieren, sich am Bankett zu bewegen und Theestunden zu geben.

Damals erachtete man Spielzeug noch nicht als pädagogisch wertvoll, weshalb z.B. die Puppenküche der Kinder nur 1x in der Woche im Palais aufgebaut wurde. Am Sonntag nach dem Mittagessen durften die Geschwister miteinander mit der kleinen Küche „kochen“.

Später lernte Elisabeth anhand von kleinen Freunden, die alle vorher ausgesucht und den Adelstest bestehen mussten, „Theestunden“ zu geben. Zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags wurde Tee und Kuchen serviert, als sie erwachsen wurde, war es Likör.

Auch das Briefe schreiben lernte Elisabeth.

Es war unerlässlich ordentliche Konversation zu betreiben und das ging nur über Briefe. Dabei wurde der kleinen Herzogin gelernt, ihren Tag einzuteilen, wann welcher Brief wichtig und welcher noch warten durfte.

Elise lernte sich über Süßigkeiten, Geschenke jeder Art und Portraits zu bedanken.

Da ihr als Frau andere Nachrichten nicht zugänglich waren, waren Briefe die einzige Möglichkeit irgendetwas aus ihrer Umgebung und den Verwandten zu erfahren.

Betätigte man keine Korrespondenz, fiel man aus dem Adressbuch und dem Leben des Adressaten. Das konnte fatale Folgen haben.

Foto: Dorotheum.com
Verschiedene Korrespondenz von Kaiserin Elisabeth

Wie Ludovika, die jeden Vormittag ihre Korrespondenz erledigte, schrieb auch Elisabeth sehr viele Briefe an ihre Verwandtschaft, ihre Gouvernanten, ihre beste Freundin Irene, mit der sie Zeit ihres Lebens in Verbindung blieb, ihren Ehemann Franz Joseph, ihre Vorleserin Ida und natürlich ihre Kinder nicht zu vergessen. Einige der Briefe sind erhalten; leider sind diese nicht öffentlich zugänglich. Die meisten von ihnen sind jedoch verbrannt worden.

Ihre Freundin Irene Gräfin von Paumgarten war es im Übrigen, die Elisabeth und Néné englisch beibrachte. Ihre Mutter war eine englische Adelige. Des Weiteren hatte Elise eine englische Nurse, welche ihr die Sprache beibrachte. Eine Sprache, die man zur damaligen Zeit kaum sprach. Englisch war damals keine Weltsprache.

Aus den Teestunden wurden zu späterer Zeit Tanzstunden. Hier wurde gesichert, dass die Herzogin tanzen lernte. Ein unabdingbarer Bestandteil des Banketts der Wittelsbacher.

Einzig für die Handarbeit konnte sich Sisi nicht erwärmen. Das Sticken war nicht ihre Sache. Das lange Stillsitzen konnte sie nicht leiden und so wurde ihr diese Arbeit verhasst.

Am 24.12.1852 galt die Erziehung von Herzogin Elisabeth als abgeschlossen. Nun hieß es:

sie zu verheiraten.

Am 19.3.1853 wurde Elisabeth gefirmt.

Die Firmung stellte normalerweise einen Wendepunkt im Leben einer jungen adeligen Frau dar.

Es zeigte der Adelswelt „ich bin bereit“.

Genau was ihr denkt, soll es heißen:

die Mädchen hatten ihre Periode bekommen und waren bereit für den Heiratsmarkt

Mit der Firmung wurde das Bankett für die jungen Mädchen geöffnet: sie wurden offiziell auf Bälle geladen, um die Herren anzuziehen, die Eltern „verhandelten“ derweil um die Beziehungen zwischen den Söhnen und den Töchtern. Je besser eine Partie, desto aussichtsreicher die Hochzeit.

Ich schreibe deshalb „normalerweise“, da Elisabeth gefirmt wurde, ohne ihre Periode bekommen zu haben.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth als Braut

Louise war so erpicht darauf, ihre Kleine zu verheiraten, dass sie sie auf den Heiratsmarkt schickte, ohne, dass sie „empfangbar“ war.

Dies stellte später in Ischl die Verlobung vor außergewöhnliche Herausforderungen, denn nur eine empfängnisbereite Dame durfte heiraten.

Die rühmliche Ausnahme stellte wieder einmal die Aussicht auf die Heiratspartie dar.

Ist ein König oder Kaiser auf die Tochter aufmerksam geworden, ohne, dass diese bereits „bereit“ war, wurde trotzdem verhandelt, bis die Periode einsetzte.

Dies nannte man in der Fachsprache

„zähe Verhandlungen“.

Im übrigen fand dies bei Schwester Marie ebenfalls so statt (sie musste den wenig attraktiven Francesco von Neapel (*16.1.1836, 27.12.1894) ehelichen), bei Stephanie von Belgien (*21.5.1864, 23.8.1945) (sie ehelichte in weiterer Folge Kronprinz Rudolf (*21.8.1858, 30.1.1889)) und Prinzessin Charlotte von Belgien (*7.4.1840, 19.1.1927) (welche Erzherzog Max (*6.7.1832, 19.6.1867) ehelichte).

All diese Mädchen wurden vor ihren Perioden, durch die aussichtsreiche Ehe mit einem König, einem Kronprinzen und einem Erzherzog, früher verlobt, mussten aber bis zur Periode mit der Hochzeit noch warten.

Über der Firmung lag also nicht nur der Schatten, dass Elise noch nicht „bereit“ war, so warf sie ein trauriger Vorfall seelisch komplett aus der Bahn.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
So sah sich Elisabeth am Schreibtisch sitzen
Eigenhändige Skizze, 1854
aus ihrem Skizzenbuch
Mit freundlicher Genehmigung k.u.k.Museum Bad Egart

Sie wurde das erste Mal mit dem düsteren Tod konfrontiert.

Ihr langjähriger Spielkamerade David Graf von Paumgartner (*31.1.1838) starb am 20.3.1853 15jährig nach einer Lungenentzündung.

Sisi verfiel in ihre erste tiefe Trauer. Der Tod Davids belastete die 15jährige stark.

Klammheimlich führte sie ein Tagebuch, in welches sie folgendes Gedicht an schrieb:

Du bist so jung gestorben
Und gingst so rein zur Ruh'; 
Ach, wär', mit dir gestorben,
Im Himmel ich wie du. (21)

Von nun an sollte der Tod ihr ständiger Begleiter werden.

Die ersten Wehklagen Richtung Tod waren verfasst, als sich die 15jährige erstmals verliebte.

Am herzoglichen Hof begegnete sie dem jungen, sehr hübschen Richard Graf von Schwarzenberg. Die beiden verliebten sich ineinander und trafen sich heimlich am Tor, wo ihr Richard ein Bild von sich gibt.

Sie schrieb:

Oh, ihr dunkelbraunen Augen, 
Lang hab ich euch angesehn,
Und nun will mir euer Bildnis
Nicht mehr aus dem Herzen gehen... (22)

Doch Ludovika kam den beiden auf die Schliche.

Sie beschlagnahmte sein Bild und verbat Elisabeth jegliche Kontaktaufnahme.

Der junge Mann sei der jungen Herzogin nicht würdig hieß es.

Zur Sicherheit lässt sie Richard aus dem Offiziers-Hofdienst versetzen. Ein schwerer Fehler von Ludovika, wie sich später noch herausstellen sollte.

Sisi verfällt in Wehklagen:

Du frische junge Liebe,
So blühend wie der Mai, 
Nun ist der Herbst gekommen
Und alles ist vorbei. 

Und nun ist er mir so ferne
Und ich seh ihn gar nie. 
Ach, ich wollt zu ihm wohl gerne, 
Wüßt' ich nur, wohin und wie. (23)

Richard kam nie mehr wieder ins Haus der Herzogs. Er wurde in der Armee krank, kehrte ins Elternhaus zurück und starb. Als die 15jährige davon erfuhr, war sie außer sich vor Trauer.

Sie schrieb:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen –
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (24)

Doch mit 15 Jahren ist das Leben noch nicht Trist genug, dass man einem einzigen die Treue schwört und so verliebte sie sich erneut.

Um jetzt nicht noch einmal Gefahr zu laufen, von ihrer Mutter erwischt zu werden, hielt sie den Namen geheim.

Bis heute ist es niemanden gelungen, den Namen des Grafen aus der Nachbarschaft ausfindig zu machen.

Zu lang hab' ich gewendet
Mein Aug' aufs Antlitz dein, 
Und nun bin ich geblendet
Von seiner Schönheit Schein. (25)

Sisi schläft und isst nichts. Ihre Gedanken kreisen nur noch um „ihn“.

Wenn der erste Sonnenstrahl
Mich des Morgens grüßt, 
Frage ich ihn jedesmal, 
Ob er dich geküßt. 

Um den goldenen Mondenschein
Bitt ich jede Nacht, 
Daß von mir er insgeheim
Dir viel Liebes sagt. (26)

Doch der Angehimmelte wollte von Elisabeth nichts wissen. Als sie es merkte, wehklagte sie wieder:

Denn ach, ich kann ja nimmer hoffen 
Daß liebend je Du Dich mir neigst. 
Die harte Wahrheit sah ich offen
's ist Freundlichkeit nur, was Du zeigst. (27)
Foto: Sisi Museum
„Polterabendkleid“
Herzogin Elisabeth

Mittlerweile ist Ludovika für Elisabeth auf Brautschau.

Um geeignete Heiratskandidaten zu finden, lässt sie ihre Tochter fotografieren.

Es ist die erste und einzige Fotografie von Elisabeth, die sie unverheiratet zeigt (Titelbild dieses Artikels).

Ebenfalls 1853 schickte Ludovika sie nach Dresden, zu ihrer Schwester Königin Amalie Auguste von Sachsen. Wie schon weiter oben erwähnt, befand ihre eigene Mutter die Tochter als „nicht hübsch“.

Elisabeth kam ohne Bräutigam von Dresden zurück. Ludovika war verzweifelt.

Doch im August sollte sich das Blatt für die junge Herzogin wenden.

Nicht nur, dass aus dem pausbäckigen Teenager ein schöner Schwan wurde, plötzlich streckte Kaiser Franz Joseph die Fühler nach ihr aus. Er verliebte sich auf den ersten Blick.

„Die liebe Kleine ahnte nichts von dem großen Eindruck, den sie auf Franzi gemacht hatte“ (28)

schrieb Erzherzogin Sophie am 19.8.1853 an Königin Marie von Sachsen (*14.4.1818, 9.1.1907).

Eine Verlobung (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) stand ins Haus und mit ihr nahm das ganze Drama seinen Lauf.

~ Petra ~

Foto: Hickl
Herzogin Elisabeth als Verlobte, mit Miniaturbild mit Kaiser Franz Joseph

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Bildrechte: Wikimedia/Commons, Sisi Museum Hofburg, pressreader, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, k.u.k. Museum Bad Egart, Peter Biel Antiquariat, APA, Hickl
, Dorotheum.com, geschichtewiki.wien.gv.at, jourfixe-muenchen-ev.com, Österreichische Nationalbibliothek, Kaiserin Elisabeth Museum Possenhofen via Merkur.de, Bildarchiv des Bayrischen Landesamtes für Denkmalpflege für München, Albertina.at, filmlocations-bayern.de/W.Boehm, Heritage Image via Getty Images/Heritage Image,


Ich möchte mich ausdrücklich bei Historiker Alfons Schweiggert bedanken, der mir das Wirr-Warr der Adelstitel und das Thema „Herzogin Elisabeth“ und nicht „Prinzessin Elisabeth“ näher brachte.


Literatur Hinweise:

1 – S.13, 8 – S.47, 9 – S.47, 10 – S.47, 11 – S.49, 12 – S.55, 16 – S.60, 20a – S.87, 28 – S.98
Martina Winkelhofer
Sisis Weg
Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeth erste Jahre am Wiener Hof
Piper Verlag, 1. Auflage 2021

4 – S.10, 14 – S.10/11
Hauptmann Robert Rostock
Erinnerungsblätter an Weiland Ihre Majestät Kaiserin und Königin Elisabeth
k.u.k. Hofbuchdruckerei A. Haase, Prag (nicht erhältlich)

5 – S.6, 15 – 6/7
Othmar Kleinschmied
Kaiserin Elisabeth
Druck und Verlag des kathol. Preßvereines, 1905 (nicht erhältlich)

6 – S.20-22
Sigrid Laube
Sisi, das Kind der Sonne
Jungbrunnen, 1. Ausgabe, 2004 (nur noch antiquarisch erhältlich)

19 – S.15, 27 – S.7/8
Gabriele Praschl-Bichler
Elisabeth Kaiserin von Österreich genannt Sisi
Amalthea, 1. Ausgabe, 2003 (nur noch antiquarisch erhältlich)

12 – S.23
Johannes Thiele
Elisabeth Ihr Leben. Ihre Seele. Ihre Welt (Bildband)
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2011

18 – S.23, 20 – S.15
Hans Rödlhammer
Elisabeth Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn
Verlag Kulturverein Schloss Ebelsberg, 1. Auflage, 1983 (nur noch antiquarisch erhältlich)

2 – S.24, 21 – S.25, 22 – S.25, 26 – S.26
E.C. Conte Corti
Elisabeth von Österreich Tragik einer Unpolitischen
Heyne Sachbücher, 15. Auflage, 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

11 – S.53, 12 – S.53/54, 23 – S.54, 24 – S.54, 25 – S.54/55
Johannes Thiele
Elisabeth Das Buch ihres Lebens
List Verlag, 1. Auflage, 1996 (nur noch antiquarisch erhältlich)

17 – S.18
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper TB, 8. Auflage, 2017

Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1835-1839
Münchner Staatsbibliothek

Michaela und Karl Vocelka
Sisi. Leben und Legende einer Kaiserin
C.H.Beck, 1. Auflage 2014

Herzog Max in Bayern

Foto: Wikimedia/Commons
Max Herzog in Bayern bei seiner liebsten Beschäftigung: dem Zitherspiel
dahinter Schloss Aichach, heute bekannt als „Sisi-Schloss“

Bis heute ist der Mythos Herzog Max in Bayern lebendig.

Gustav Knuth stellte ihn nur leider allzu prachtvoll und liebevoll in den berühmten Sissi-Filmen mit Romy Schneider dar. Ein Mythos, der so gar nichts mit dem „echten“ Max zu tun hatte, der im realen Leben aufbrausend, cholerisch und auch mal handgreiflich werden konnte.

Aber was stimmt schon an den Sissi-Filmen? Nichts. Und im Laufe der Zeit, wird das dem aufmerksamen Leser auch bewusst werden.

Foto: Wikimedia/Commons
Pius August Herzog in Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Luise Prinzenssin von Arenberg
Bild: unbekannter Maler

Maximilian Joseph in Bayern wurde am 4.12.1808 um 1.00 Uhr morgens in Bamberg geboren.

Sein Vater war Pius August Herzog in Bayern (*1.8.1768, †3.8.1837). Seine Mutter Amalie Luise Prinzessin von Arenberg (*10.4.1789, †4.4.1823).

Max entstammte der Linie „in“ Bayern. Wie dieser Titel zustande kam, kann hier nachgelesen werden. 

Bereits am selben Tag um 15.00 Uhr wurde im Beisein des Königs, welcher gleichzeitig der Taufpate des Kleinen war, die Heilige Taufe abgehalten. Maximilian Joseph sollte wie sein Großonkel heißen.

Herzog Wilhelm (*10.11.1752, †8.1.1837) zum einen Max Großvater, zum anderen König Maximilian I. Josephs (*27.5.1756,†13.10.1825) Schwager schrieb diesem freudig:

„Zu meiner unbeschreiblichen Freude ist meiner Frau Schwiegertochter Liebden soeben nach ein Uhr diesen Morgen von einem gesunden und wohlgestalteten Prinzen glücklich entbunden worden, welcher auch nach der gnädigen Zusage Eurer Königlichen Majestät Höchstihren Namen in der Heiligen Taufe erhalten wird.“ (1)

Seine Eltern waren ein sehr unglückliches Paar. Pius neigte zu cholerischen Anfällen und fing sehr gerne Schlägereien an. Zu dem hielt er so gar nichts von Kindererziehung.

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Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: Petra (noch für Sternenkaiserin)
Foto: Wikimedia/Commons
König Maximilian I von Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Wilhelm Herzog in Bayern

Obwohl sich Herzog Wilhelm und König Maximilian I. Joseph große Sorgen um den Buben machten, ließen sie ihn bei seinen Eltern, denn Amalie Louise liebte Max abgöttisch und er sie.

Leider wuchs aber Max in einem sehr toxischen Haushalt auf und vielleicht war sein Erwachsenenleben eine Flucht aus all dem, was er selbst als Kind erleben musste.

Immerhin gab es im 19. Jahrhundert keine psychologische Therapie und keinerlei Psychiater, die Traumen jeglicher Art behandeln hätten können.

Da sich Pius um seinen Sohn nicht kümmerte, schickte Großvater Wilhelm Kammerrat Otto, welcher aus Erfurt stammte und Max Hofmeister und militärischer Erzieher werden sollte.

Das einzige Problem an dieser Tatsache war allerdings, dass der kleine Mann erst 6 Jahre alt war und ab nun gedrillt wurde.

Wie auch schon später bei Kronprinz Rudolf, kam Max sehr nach seiner Mutter Louise. Er war hochsensibel, war zwar aufgeweckt, aber nicht belastbar. Und so wurden die militärischen Erziehungsmaßnahmen des Erziehers zur Qual.

Die Lerneinheiten gingen den ganzen Tag, bis spät abends. Wenn dem Erzieher etwas nicht passte, wurde die extrem karge Freizeit gesperrt und der Bub fiel völlig erschöpft ins Bett, nur um gegen 4.00 Uhr oder 5.00 Uhr früh mit militärischen Ton wieder geweckt zu werden, um mindestens eine Stunde zu Exzerieren oder Stramm zu stehen.

Ich wiederhole noch einmal: Max war 6 Jahre alt!

Exzerzieren hieß, bei jedem Wind und Wetter vor dem Schloss Auf und Ab zu marschieren. In militärischer Kleidung oder im Pyjama – je nach dem wie es dem Erzieher gerade passte.

Hofmeister Otto trakierte Max bis aufs Blut und Amalie Louise konnte nichts tun. Sie weinte sich oft stundenlang in den Schlaf, tröstete ihren Sohn so gut es ging und stritt mit Pius bis aufs Blut. Es half alles nichts.

Erst als Amalie Louise schwer krank wurde, erfuhr König Maximilian von dem militärischen Drill an dem mittlerweilen 9jährigen Buben. Herzog Wilhelm entließ auf Geheiß des Königs den Hofmeister mit sofortiger Wirkung.

Um Max aus diesem schrecklichen Umfeld zu bringen, kümmerte sich ab sofort deshalb sein Großonkel König Maximilian I. Joseph von Bayern um dessen Erziehung.

Seine Mutter übergab ihn deshalb ganz in dessen Obhut und konnte ihren Sohn erst nach fast drei Jahren – im Jahr 1820 – besuchen.

Nach dem zweiten Besuch, 1823, starb seine Mutter 34jährig.

Max in tiefer Trauer um seine geliebte Mutter, erhielt am 19.4.1823 einen sehr ungerührten Brief seines Vaters:

„Lieber Max!
Ich danke dir herzlich für Deinen Brief. Auch ich war sehr betroffen, als ich den Tod deiner Mutter erfuhr, ohngeachtet man schon lange ihrer Auflösung entgegensah. Vorzüglich Dich muß ihr Tod sehr nahe gegangen seyn; indem sie Dich so zärtlich liebte. Auch ich nehme den lebhaftesten Antheil an deinem Schmerz. Lebe wohl, lieber Max, sich verbleibe stets, Dein dich treu liebender Vater Pius.“ (2)

Sein Vater Pius zog sich daraufhin in sein Privatleben zurück und überließ den Buben dem König. Danach ist es ein bisschen wie im Märchen von Ebenezer Scrooge in „Ein Weihnachtsmärchen von Charles Dickens“ (A christmas carol). August Pius wurde zum Eremit und Wohltäter. Er starb 51jährig 1837.

Sein Charakter machte eine Wendung von 100 Grad und gibt den Historiker/innen ein vollkommenes Rätsel auf.

Doch er erhielt auch sehr rührende und beileidsbekundende Briefe. König Maximilian I. Joseph schrieb ihm aus tiefstem Herzen, auch sein Großvater Herzog Wilhelm wusste wie es seinem Enkel ging.

Eine Prinzessin tat sich ganz besonders hervor.

Schon seit Kindheitstagen waren die beiden sehr innig und verstanden sich ausgezeichnet. Sie schrieben sich viele Briefe und standen sich nah.

Es war niemand geringerer als

Ludovika Prinzessin von Bayern

Die 11jährige Cousine schrieb folgenden Brief:

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Ludovika „Louise“, ca. 6jährig
Zeichnung: Ferdinand von Piloty II

„Ich möchte, Du wärest auch hier und könntest mit uns spielen. Adieu lieber Max, es freut sich herzlich Dich wiederzusehen Deine Cousine Louise“. (3)

Manchmal sandte Max ihr lustige Stücke oder heitere Briefe oder anderweitige Dinge, die Louise sehr erheiterten:

„Dein Ballett, lieber Max, für welches ich Dir recht sehr danke, hat mich sehr lachen machen, und wenn Du wieder kommen kannst, so werde ich es aufführen.“ (4)

Als 15jährige schrieb sie ihm:

„Nun lebe wohl, theurer Schawawi, und vergesse nicht Deine Louise!“ (5)

Nach dem Ableben seiner Mutter erhielt er also nun am 12.4.1823 diesen rührenden Brief seiner geliebten Cousine.

„Mein liebes gutes Vetterchen!
Wie sehr ich an Deinem Kummer Theil genommen habe, kannst Du wohl glauben, denn Du weisst ja, wie sehr ich Dich liebe! Carl hat an den Papa geschrieben, dass er Dich besucht hat und recht wohl gefunden, was mich recht freut. Es thut mir aber gar zu leid, dass wir alle so weit von Dir entfernt sind und Du in diesem traurigen Augenblick so ganz verlassen bist […]. Nun lebe wohl, mein guter Max, und vergesse nicht
Deine dich innig liebende Louise“ (6)

Am 20.1.1824 wurde Max von König Maximilian I. Joseph im Cheveaulegers-Regiment „König“ zum Leutnant befördert und am 12.3.d.J. zum Oberst-Inhaber des 9. Linien Infanterie-Regiments.

Da Max das Reiten über alles liebte, war ihm diese Beförderung ganz Recht. Er hatte sämtliche Freiheiten über das Regiment, konnte Reiten wann immer er wollte und konnte sich frei in der Öffentlichkeit bewegen. Genau was Max immer wollte.

In Landshut und München besuchte er Vorlesungen für die Studienvorrichtungen für Geographie, Chemie, Deutsche Literatur, Kirchengeschichte, Geschichte, Länder- und Völkerkunde, Physik und Malerei, sowie deutsches Bundesrecht.

Foto: bamberger-onlinezeitung.de
der junge Herzog Max mit seiner geliebten Zither

Max war unglaublich klug und wißbegierig, nur hatte er nicht genügend Ausdauer und Sitzfleisch, so dass er die Studien zwar begann, aber nicht regelmäßig besuchte. Welches er tatsächlich abschloss, ist bei den Historikern umstritten.

Foto: abebooks.com
Schloss Tegernsee, 1830
Lithographie: B. Buchner

In den Ferien hielt er sich immer gerne auf Schloss Tegernsee, auf Schloss Banz und in Nymphenburg auf, wo er natürlich mit seinen Cousinen Sophie, Ludovika, Elisabeth, Amalie Auguste usw. aufwuchs.

Noch im selben Jahr und mit Hilfe seines Großvaters Wilhelm, begann der Prachtbau des Palais Max in der Ludwigstraße in München.

Er liebte es fröhliche Feste zu feiern und sich dem Volke unterzumischen.

Am 4.12.1826 jedoch war Schluss mit lustig. Max wurde Volljährig und sein Onkel ließ ihn in die Kammer der Reichsräte eintreten.

Ab sofort nahm er an den Sitzungen teil und vermittelte zwischen dem Königshaus und der Abgeordnetenkammer.

Foto: steutzger.biz
Schloss Banz, 1850
Stahlstich

Da er ein schöner junger Mann war, war es für ihn durchaus keine Seltenheit, dass er nicht „alleine“ nach Hause kam. Dies entsprach auch den verkehrten Ansichten des 19. Jahrhunderts.

Ein Prinz aus gutem Hause, durfte sich mit einem Mädchen aus dem Volke so lange vergnügen, so lange es nicht „ernst“ wurde.

Im Adel und Hochadel jener Zeit wurde streng zwischen „Ehe“ und „Lust“ unterschieden.

Während sich die Männer sämtlichen außerehelichen Vergnügungen mit Schauspielerinnen, Ballettmädchen, Prostituierten oder Töchtern von Postmeistern usw. hingeben durften, mussten die Damen aus gutem Hause jungfräulich und rein bleiben.

Wurde danach die Ehe mit einer Dame aus dem Adel beschlossen, galt dies als

„vernünftige Ordnung der Sittlichkeit“ (7)

Schon als Max 7 Jahre alt war, hatten sein Großonkel König Maximilian I. Joseph und sein Großvater Herzog Wilhelm beschlossen, dass Max einmal eine Prinzessin aus Maximilians Königshaus ehelichen würde.

Zuerst fiel die Wahl auf Maximiliane „Ni“ Josepha Karoline Prinzessin von Bayern (*27.1.1810, †4.2.1821), doch diese verstarb 11jährig an Thyphus.

Diese Verheiratung wäre aus mehreren Gründen zustande gekommen.

Zum einen wollten die beiden, dass sich die Erblinie „in“ Bayern und „von“ Bayern wieder näher kommt und eine Anerkennung im Adel erfährt. Wer mehr über die Erblinie erfahren möchte, liest hier weiter.

Zu diesem Zeitpunkt galt Max noch als Prinz.

Zum anderen wollten Wilhelm und Maximilian ihre eigene Beziehung verbessern, hatte diese ein Minister, der sehr über den bayrischen Herzog husste und schimpfte – das Verhältnis zueinander getrübt.

Als Maximiliane „Ni“ starb, fiel „dummerweise“ die Wahl auf die nächst jüngste Königstochter und diese war ausgerechnet

Ludovika genannt Louise

Obwohl sich die beiden aus Kindertagen kannten und auch sehr zugetan waren, an Heirat dachten sie wohl nie.

Sowohl Max, als auch Louise hatten völlig andere Interessen entwickelt und auch „andere“ Partien im Auge. Ihre Biografie kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.
Bild: Joseph Karl Stieler

Herzog Max hatte sich leider „unstandesgemäß“ in eine Bürgerstochter verliebt und Louise in Don Miquel von Bragança (*26.10.1802, †14.11.1866). Die beiden fielen also aus allen Wolken, als sie erfuhren, dass sie verheiratet werden sollten.

Bevor jedoch noch Verlobung gefeiert werden konnte, mussten Max und Louise einen herben Schicksalsschlag verarbeiten. Der geliebte Großonkel bzw. Vater König Maximilian I. Joseph starb am 13.10.1825.

Nun rückte für Herzog Max der wenig beliebte Großcousin Ludwig I. (*25.8.1786, †29.2.1868) als König nach. Ein herber Rückschlag für Max, wie sich später noch zeigen sollte.

Durch das einsetzende Trauerjahr wurde erst im Dezember 1827 die Verlobung bekanntgegeben.

König Ludwig I. schenkte den beiden das stattliche und bekannte Bild seines Hofmalers Joseph Karl Stielers, welches jahrelang in sämtlichen Adelskreisen für große Spekulationen sorgte:

„Stieler hat sie [Ludovika] mit dem Bräutigam gemalt […]. Die hohe schlanke Gestalt in weißem ausgeschnittenen Kleide steht in landschaftlicher Umgebung. Das edle Oval ist dem Beschauer zugekehrt, und die zaghaft blickenden Augen schweifen in unbestimmte Fernen. Dicht gesteckte dunkle Locken decken die Schläfe, und eine reiche Haarkrone liegt um das Haupt. Ihre Hand ruht in der des stattlichen Bräutigams. Es ist ein schönes, vornehmes Paar. Von weitem schimmern der Tegernsee und das breite, helle väterliche Schloß, wo sie am 9.September 1828 beide zwanzigjährig vor dem Altare standen. Die Braut, ein fertiges Weib, reif und ohne Illusion in die Welt schauend, Herzog Max ein Jüngling, der das Leben noch nicht genossen, der es aber kennenlernen wollte und gewiß keine Lust hatte, so früh gebunden zu sein.“ (8)

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Verlobungsbild Prinzessin Ludovika und Herzog Max, 1828 – dahinter Schloss Tegernsee
Bild: Joseph Karl Stieler

Bevor das unglückliche Paar noch zum Traualtar schritt, degradierte Ludwig Max und machte damit etwas zunichte, was sein Vater und Herzog Wilhelm versuchten jahrelang aufzubauen und 1799 von den beiden geändert wurde. Ab diesem Zeitpunkt durfte sich die Linie „in Bayern“ nämlich ebenfalls „Prinz“ und „Prinzessin“ nennen.

Bis zum 7.8.1828 durfte sich Herzog Max in Bayern „königlicher Prinz“ nennen. Ab diesem Datum, verordnete König Ludwig I über sein Staatsministerium und ließ Herzog Max folgende Mitteilung zukommen:

„Bey Gelegenheit der Verehelichung Unseres vielgeliebten Vetters, des Herrn Herzog Maximilian in Bayern, Hoheit, mit Unserer Prinzessin Schwester Königliche Hoheit wollen Wir, daß bey Abfassung der Ehepakten die dem Herrn Herzog gebührende Titular streng einzuhalten, daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört, gebraucht werde.“ (9)

Damit wurde auch Ludwigs Schwester von der Prinzessin zur Herzogin degradiert. Etwas, was ihr Zeit ihres Lebens schwer zu schaffen machte und sie nie verzieh.

Erst 1848 durfte sich Max wieder „königliche Hoheit“ nennen, etwas was für seine Tochter Elisabeth allerdings zu spät kam. Sie wurde durch ihre Erbfolge nie bei Hofe anerkannt.

Hiermit ist aber auch eindeutig bewiesen, dass Herzogin Elisabeth und all ihre Geschwister niemals unter dem Titel Prinzessin oder Prinz geboren wurden. Leider steht das in beinah allen Büchern falsch und wurde falsch überliefert.

Der Titel „Prinzessin Elisabeth“ kam dadurch zustande, dass die Schreiber bei Hofe „annahmen“, dass ein Kaiser eine Prinzessin heiratete. Dies war aber durch die Erblinie Elisabeths falsch.

Leider konnten dies erst die Historiker der Wittelsbach-Linie aufklären. Bis dahin sind aber so viele Bücher, Serien und Filme mit „Prinzessin Elisabeth“ erschienen, dass sich dieser Titel einprägte.

Noch heute verwenden Historiker/innen diesen Titel, obwohl mittlerweile belegt ist, dass Kaiserin Elisabeth niemals als Prinzessin geboren wurde.

Bevor nun das Paar zum Ehepaar wurde, schrieb Max seiner Verlobten anscheinend ununterbrochen Briefe. Während er sich bemühte, dem Ganzen positiv entgegenzugehen, wurden Louises Briefe immer wortkarger und weniger.

So lautete einer ihrer letzten Briefe vor der Hochzeit an ihn:

„Gewiss werde ich, wie es Dir versprochen habe, alles aufsuchen, meine Briefe zu verlängern, wenn es aber dennoch nicht gelingt, so nehme es mir nicht übel. Denke zuweilen an Dich, herzlich liebende Louise“ (10)

Am 9.9.1828 fand nun die Hochzeit in der St. Quirius Kirche im Schloss Tegernsee statt.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Hochzeit Max und Ludovika, 1828
Bild: Lithographie Franz Xaver Nachtmann

Die Hochzeitsnacht wurde für Max zu einer peinlichen Farce und – wenn man es ganz genau betrachtet – wusste Louise nicht, wie die Rache eines Mannes aussehen konnte.

Als die Nacht der Nächte so weit war, zog sich Louise auf den hintersten Winkel des Bettes zurück und fiel völlig erschöpft in einen tiefen Schlaf. Sie hoffte natürlich, dass ihr Ehemann dies genauso tun würde, wie sie selbst.

Doch Max hatte natürlich andere Pläne. Als er in das gemeinsame Zimmer kam, wachte Louise erschrocken auf, hüpfte aus dem Bett und stieß Max in einen zufällig offenen Schrank.

Völlig panisch versperrte sie den Schrank und legte sich wieder zu Bett. Den polternden Max hörte sie nicht oder wollte ihn nicht hören. So verblieb dieser die ganze Nacht in diesem Schrank und schwor sich, seiner Frau schon zu zeigen, was es bedeuten würde, verheiratet zu sein.

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin), Fotos: Wikimedia/Commons

10 Kinder wurden dem Paar geboren, wovon 8 Kinder erwachsen und zum Teil sehr berühmt wurden. 2 Buben starben; einer kurz nach der Geburt, der andere 2 Monate nach seiner Geburt.

Doch Max genoss sein Leben wie früher auch. Für ihn hatte sich nichts geändert. Frau und Kinder? Interessierten ihn im Wesentlichen nicht. Louise musste sich um alles kümmern.

Obwohl diese immer wieder hoffte, dass sich ihr Ehemann nun an sie und die Kinder binden werde, war er schneller wieder dahin, als sie bis „zwei zählen konnte“.

Nach der nichtstattfindenden Hochzeitsnacht und am Tage darauf, weinte Louise beinahe ununterbrochen. Ab diesem Zeitpunkt ließ sie zwar ihren Gemahl gerne zu sich, aber im Zimmer war ihre frühere Erzieherin Gräfin Rottenham. Max beschwerte sich, dass es keine Intimität gäbe und soll gesagt haben:

„Ich schätze sie gewiß sehr. Aber schließlich habe ich sie doch nicht mitgeheiratet.“ (11)

Was für die eine zur Qual wurde, wurde für den anderen zu einem gefestigten Charakter.

Als Herzog Wilhelm merkte, dass sein Enkel seine Ehe und alles damit Verbundene sehr ernst nahm und gereift schien, vermachte er ihm sein Vermögen.

Er entmündigte seinen Sohn Herzog Pius (Max Vater) 1834 und ließ diesen für Geisteskrank erklären.

Max war nun das Oberhaupt der „Herzöge in Bayern“ und würde nach Wilhelms Tod ein immenses Vermögen erben. Doch auch jetzt schon war Max unglaublich reich.

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max Palais, München

Gewohnt hat die Familie im Palais Max in München.

Bereits seit 1828 besaß Herzog Max die Münchner Residenz, welche er Mithilfe seines Onkels bauen ließ.

So eine Residenz hatte München bis dahin noch nicht gesehen.

Leo von Klenzes setzte den Prachtbau um; es galt bis zu seinem Abriss 1937 als das schönste Palais Münchens und war bis über die Grenzen hinaus bekannt.

Das Palais wurde 1833 noch um eine kleine Zirkusarena erweitert. Diese Zirkusarena wurde der Grundstein für Kaiserin Elisabeths Reitleidenschaft.

Fotogalerie des Herzogs Max Palais im Detail – noch nie gezeigte Aufnahmen!

Herzog Max sollte einst über sein Palais selbst schreiben:

Vergeßt in meiner Halle, 
Was euch das Herz betrübt; 
Vergeßt der Leiden alle, 
Die euch das Leben gibt. 
Denkt nur an Freud und Wonne, 
Versenkt den Gram im Wein, 
Der perlt aus der Tonne, 
Gereift im Sonnenschein. (12)

Doch bei 8 Kindern, die herumtoben und spielen wollten, wurde auch das sehr große Max Palais bald zu klein, vor allem, da alle die Natur liebten. Max war so gut wie nie zu Hause und die Kinder liebten es an der frischen Luft zu toben. Dies war in München weder möglich, noch hatten die Herzogskinder die Freiheiten dies zu tun.

Obwohl Max über große Erbschaften nach dem Tod seines Großvaters Wilhelm verfügte, zB sein über alles geliebtes Schloss Banz, einige Schlösser in Frankreich, welche er aber verkaufte und Louise verfügte über Schloss Tegernsee und Schloss Biederstein, wurde Schloss Possenhofen 1834 gekauft und zum Aufenthaltsort der Kinder.

Possi, wie es in der Familie liebevoll genannt wurde, war zum Lebensmittelpunkt aller geworden. Sogar für den cholerisch geltenden Max, sofern er einmal zu Hause war.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Possenhofen
heute Eigentumswohnungen und nicht betretbar

Obwohl Possenhofen weitaus weniger feudal und auch kaum vom Adel wahrgenommen wurde, war es für die Familie „ein Geschenk“. Die Einrichtung blieb „einfach“ und in die Ausstattung wurde kaum investiert.

Foto: Kaiserin Elisabeth Museum, Possenhofen via Merkur.de
Schloss Possenhofen – Wohnsalon

Eigenartiger Weise stritten sich aber Louise und Max in „Possi“ weniger, als in dem großen, feudalen und „prinzgerechten“ Palais, dass keinem Prinzen und auch keinem länderbesitzenden Herzog gehörte. Es war einfach ein Palais eines reichen Mannes, der diesen stolz zur Schau stellte.

Die Kinder lernten in Possenhofen nicht nur in der Natur zu toben, sondern auch fischen, jagen, reiten, schwimmen (sehr ungewöhnlich für den Adel der damaligen Zeit) und wandern. Louise und Max legten beide darauf Wert, dass die Kinder viel in der Natur ihre Zeit verbrachten.

Seine Kinderschar ging ihm zwar (meist) auf die Nerven und wirklich viel unternahm er mit ihnen nicht, aber mit den Mädchen unternahm er lange Bergtouren, denn es war ihm wichtig, dass die Mädchen „ordentlich Gehen lernten.“ Mit den Söhnen ging er richtig Bergsteigen und das über Stunden und Tage.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com
Schloss Unterwittelsbach bei Aichach
Heute „Sisi Schloss“ Aichach

Am 31.10.1838 kaufte sich Max das kleine Schloss Unterwittelsbach bei Aichach, das heute auf den wohlklingenden Namen „Sisi Schloss“ hört, allerdings gar nichts mit Sisi zu tun hatte.

Es ist umstritten ob sie jemals dort war oder nicht.

Es diente Max als Rückzugs-, Ruhe- und Jagdschlösserl, welches einen kleinen See hatte. Der Garten ist bis heute nicht wieder erschlossen und völlig verwildert.

Die gesamte Einrichtung ist verschwunden. Mittlerweile finden alljährlich Ausstellungen statt, die sich fast immer gleichen, nur anders heißen. 2017 besuchte ich die Herzog Max-Ausstellung und gleichzeitig war auch Elisabeths Hochzeitsschmuck ausgestellt.

Es gibt ein sehr idylisches Bild von Otto Flad, 1841. Darauf ist Herzog Max in einem Kahn zu sehen, während Herzogin Ludovika mit einem Kleinkind, welches natürlich Sisi sein soll, aus dem Schlösschen tritt.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Schloss Aichach
Herzog Max im Kahn, Ludovika und „Sisi“ im Eingangsbereich im Schloss, 1841
Bild: Otto Flad

Am 14.11.1839 wurde vom Aichacher Pfarrer überliefert, dass Herzog Max mit Herzogin und dem 7jährigen Ludwig im Schlösschen angekommen sei.

Der Stadtarchivar Karl Christl von Aichach hat sich natürlich eine wunderbare Idylle zurecht gelegt. Er sah die kleine Sisi Blumen pflücken und ihrer Mama bringen, Max im Kahn fahren, die Buben am nahen Weiher fischen usw. Es klang ein bisschen wie aus dem Sissi Film und nicht nach dem echten Leben.

Auch wenn man wenig bis gar nichts über die Kindheit von Kaiserin Elisabeth weiß, es gibt keinerlei Aufzeichnungen, dass sie jemals vor Ort gewesen sei.

Weder von ihr selbst, noch von Ludovika, noch von Max.

Johannes Thiele schrieb in seiner Elisabeth Biografie "Sisi, das Leben der Kaiserin Elisabeth", dass diese als Kind in Aichach mit Vater Max durch die Gasthäuser zog, als dieser Zither spielte. Dabei warfen ihr die Männer Geldstücke zu. Später soll Elisabeth voller Stolz diese Geldstücke, die sie ein Leben lang bei sich trug, ihren Hofdamen gezeigt und behauptet haben, dass das ihr einziges ehrliches verdientes Geld gewesen sei. 

Aber ob das alles wahr ist? Es klingt so gar nicht nach Herzog Max. Aber wer weiß das heute schon alles so genau?

1843 gründete Herzog Max die berühmte „Artus“-Runde, welche sich wöchentlich im Erdgeschoss im „Grünen Salon mit den goldenen Flügelthüren“ im Palais in München traf.

Die Gesellschaft bestand aus Künstlern und zum Teil nicht adeliger Personen. Um dem Ganzen Platz zu machen, schloss er den Zirkus, der ihm keinen Spa0 mehr machte.

Um 7.00 Uhr abends wurden die geladenen Gäste mit der Kutsche abgeholt. Zuerst gab es beleuchtete Stereoskopbilder (eine Art Diashow) und Fotografien seiner prachtvollen Reisen, danach ein üppiges Mal. Zum Schluss Zigarren und Zithermusik. Das ganze wurde abgerundet mit ernsten und lustigen Gesprächen in ausdrücklicher Herrenrunde. Den Abschluss bildete, bevor die Herrschaften wieder mit der Kutsche nach Hause gebracht wurden, Champagner.

Max war ein freiheitsdenkender Mensch. Alle höfischen Konventionen und Zwänge gingen ihm auf die Nerven. König Ludwig I. sah dieses freie Denken und Leben ohne Konventionen nicht gern, konnte aber nichts dagegen tun. Aus heutiger Sicht muss bei Ludwig auch sehr viel Eifersucht mitgewirkt haben; gerade wenn man sich seine Lola-Montez Affäre ansieht. Während Ludwig daran scheiterte und sein Königreich verlor, regte sich bei Max niemand über zwei uneheliche Kinder auf.

Dass deshalb Ludwig I. trotzdem oder gerade deswegen Herzog Max, nach der Thronübernahme zum Oberstinhabers des 3. Cheveaulegers-Regiments machte, zeigte, dass er dem Herzog Max ein bisschen Hofleben einimpfen wollte.

Doch auch hier zeigte Max wieder einmal seinen außergewöhnlichen Humor: Er ließ Sonntag Mittag das Regiment zur Inspektion vor dem Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße aufmarschieren.

Dadurch fühlten sich die Anrainer und Kirchenväter dieser Straße sehr gestört. Als die Beschwerden beim König eintrafen, wollte Max seinen Dienst quittieren, doch das ließ dieser nicht zu.

Und so verlieh er dem Schwager

1845 den Titel „königliche Hoheit“

und erhob die Familie in den Adelsstand. Dies galt (gilt noch immer) von nun auch für alle Nachkommen der Linie „in“ Bayern.

Vielleicht regte sich bei Ludwig so etwas wie ein schlechtes Gewissen. Hatte er ja immerhin 1828 dafür gesorgt, dass man ihm den königlichen und Prinzen-Titel aberkannte.

Genauso wie bei Kaiser Franz Joseph gab es auch bei Max so einige Gerüchte über uneheliche Kinder. Die Affären von Kaiser Franz Joseph können hier nachgelesen werden.

Zwei Töchter sind allerdings bekannt, auch wenn deren Namen, Geburtsdaten und Aussehen völlig unbekannt sind!

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Marie von Neapel

Auch wenn manchmal Fotos in Social Media von angeblich unehelichen Kindern von Max auftauchen, natürlich ohne Hinweis auf Urheberrechte, so kann mit Sicherheit der beiden absolut vertrauenswürdigen Historiker Alfons Schweiggert und Dr. Bernhard Graf ausgegangen werden, dass keine Namen und Daten zu den Töchtern und keine Fotos bekannt sind.

Das einzige was bekannt ist, ist, dass Herzog Max die Töchter sehr geliebt hat und diese von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr zu sich beim Mittagessen gehabt habe. Dabei durfte ihn niemand stören.

Die ehelichen Töchter dürften diese beiden gekannt haben, denn Tochter Marie (*4.10.1841,19.1.1925) führte die beiden an das Totenlager ihres Vaters. Mehr ist zu den beiden nicht bekannt!

Ebenso geht man davon aus, dass Max der Vater von Max Kolb, der 1829 geboren wurde, war. Max Kolb wurde ein berühmter Gartenarchitekt und seine Tochter Annette Kolb wurde eine berühmte deutsche Schriftstellerin (†1967).

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max, ca. 1850

Sieht man sich die Biografie von Max Kolb an, könnte es tatsächlich stimmen. Geboren wurde er am 28.10.1829. Ein Jahr zuvor wurde Herzog Max mit Louise quasi zwangsverheiratet. Die Mutter von Max Kolb, war Juliana Lorz. Diese war eine Zofe von Königin Therese von Bayern, der Ehefrau von Ludwig I. Möglich wäre es also allemal.

Aufgewachsen ist Max eigenartigerweise auf Schloss Possenhofen und wurde später dann in ein Internat geschickt, dessen Kosten die Wittelsbacher übernommen hatten. Seine ganze Karriere beruhte weiters auf dem Rücken der Wittelsbacher, die immer schützend eine Hand über ihn hielten.

Der Zweite, der eventuell in Frage käme, wäre Maximilian II, also der Sohn von Ludwig und Therese. Maximilian wurde am 28.11.1811 geboren, wäre also 18 Jahre alt gewesen, als er mit Juliana, der Zofe seiner Mutter das Verhältnis gehabt hatte.

Der Herzog galt als ein geübter Zither Spieler. Die Zither war damals das „Lumpeninstrument“ und erst Max war es, der dieses Musikinstrument in die höfischen Kreise einführte.

Foto: Lara Müller, Stadtarchiv Bamberg
Herzog Max (der Dritte von Links) in Herrenrunde vor Schloss Banz
Zitherspieler ist Unbekannt

Deshalb wurde er von allen „Zither-Maxl“ genannt.