Eine glückliche Kindheit?

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth als ca. 14jährige,
1. bekannte Fotografie
Bild: Alois Löcherer

Sisi, Elise, Liesl, Lisel, Beta, Sethy, Sissy, Rose vom Bayernland, durch die Filme auch Sissi.

Viele Namen, eigenartige bis schreckliche Schreibweisen von Sisi und noch mehr Anekdoten ranken sich um Kaiserin Elisabeth.

Doch nur eine Schreibweise wurde wirklich bekannt und auch nur mit einer unterschrieb sie ihre private (!) Korrespondenz:

Sisi

Ihr Kosename war nur ihren engsten Vertrauten vorbehalten.

Niemand sonst hätte es gewagt die Kaiserin mit „Sisi“ anzusprechen.

Die Etikette am Wiener Hof war äußerst streng und unbedingt einzuhalten. Wer sich mit dem Spanischen Hofzeremoniell bzw. der Hofetikette auseinander setzen möchte, ist hier richtig.

Zu ihrem Mythos hat Romy Schneider viel in der Sissi-Trilogie beigetragen.

Dass Kaiserin Elisabeth einmal so berühmt wird, verdankt sie im Prinzip dieser „Herz-Schmerz-Trilogie“.

Dass die Darstellerin der Filme ebenso zerbrach, wie das Original, kann man beinahe schon „Schicksalsbehaftet“ nennen. Romy Schneider sagte einst über die Rolle, dass sie in ihrem Leben wie Grießbrei an ihr pappen würde.

Ich glaube, dass ihr Kaiserin Elisabeth Recht gegeben hätte. Nur das es bei ihr keine Rolle war, sondern tatsächlich ihr Leben.

Aber wer war diese Frau, die uns noch heute so fasziniert und beinahe täglich in den Social Media Kanälen zu immer eigenartigeren Fotowettbewerben antreibt?

Wer war diese Frau, von dem jede/r Dritte meint…


Das junge schüchterne sechzehnjährige Mädchen, von dem heute alle Welt denkt, es in- und auswendig zu kennen.
… (1)

Wer war diese Frau, dass man ihr Konterfei auf Seifen, Bierkrüge, Kochhandschuhe, Schokoladen oder Radiergummi (usw.) pappt?

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiserin Elisabeth Wachsfigur Madame Tussauds, Wien
Wer war diese Frau, die man ins Madame Tussauds Museum mit einem grässlichen grauen vorhangartigen Ding das sich Sternenkleid nennen soll (ohne Sterne), entsetzlich frisierter Perücke und einer jung dargestellten Sisi einen Anker auf die Schulter tätowiert, den sie nachweislich erst mit knapp 51 Jahren in Marseille (1888) machen ließ, stellte?

Ich versuche die Spuren dieser uns in dieser Zeit immer noch bewegenden Frau zu finden, nachzugehen und zu erzählen.

Aber wie immer beginnt jede Reise mit einem Anfang:

Schon während oder nach kurz nach der Geburt von Elisabeth gehen die Bücher der Historiker/innen weit auseinander.

Die einen schreiben, Herzog Max sei schon während der Geburt von Elisabeth wieder über alle Berge gewesen, die Anderen sagen, er fuhr erst einen Monat später in den Orient.

Was ist wahr?
Was ist Legende?
Was ist Film?
Was ist erfunden?
Woher kommt dieser enorme Mythos?
Auch ich werde das alles nicht aufdecken können.
Aber ich werde mich bemühen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika
Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max in Bayern

Elisabeth wurde am 24.12.1837 um 22.43 Uhr in ein Herzogshaus geboren.

Ihre Mutter Ludovika, genannt Louise (*30.8.1808, 26.1.1892) wurde als Prinzessin von Bayern geboren und mit Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, 15.11.1888) vermählt.

Der Beitrag von Louise kann hier und von Max hier gelesen werden.

Sie war das vierte Kind von insgesamt 10 Kindern, wobei 8 das Erwachsenenalter erreichten. Der zweite Sohn Wilhelm starb 2 Monate nach der Geburt, weshalb Sisi im Prinzip an dritter Stelle stand.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Louise hatte in ihrem Boudoir im Beisein ihrer Mutter Ex-Königin Caroline von Bayern (*13.7.1776, 13.11.1841), ihrer Obersthofmeisterin Auguste Gräfin von Rottenhan (*/unbekannt), ihrer (Halb)Schwester Auguste von Leuchtenberg (*21.6.1788, 13.5.1851) sowie deren Tochter Eugénie Erbprinzessin von Hohenzollern-Hechingen (*22.12.1808, 1.9.1847) die kleine Wittelsbacherin am Weihnachtsabend, den 24.12.1837 um exakt 22.43 Uhr entbunden.

Zwei Hofdamen hielten sich in den Nebenräumen von Herzogin Ludovikas Privatgemächern auf.

Sehr zum Unwohlsein der Herzogin, kamen in ihr Boudoir (Badezimmer) drei königliche Würdenträger, um die Ankunft der Herzogin zu bezeugen. Anders als früher im französischen Haus und noch immer im englischen Haus üblich, musste zumindest Ludovika vor den fremden Herren keine öffentliche Geburt abhalten.

Foto: Bildarchiv des Bayrischen Landesamts für Denkmalpflege, München
Badezimmer von Herzogin Ludovika
(ohne Badewanne)

Dennoch war natürlich Louise nicht im herzeigbaren Zustand, als sie im Morgenmantel über dem Nachthemd, mit zerzausten Haaren und blass auf ihrer Chaiselongue ruhte.

Die Herren Sebastian Freiherr von Schrenck (*28.9.1774, 16.5.1848) (Staatsminister der Justiz), Ludwig Ritter von Wiesinger (Staatsminister des Inneren) (*/unbekannt) und Friedrich Freiherr von Gise (*17.3.1783, 4.10.1860) (Staatsminister des königlichen Hauses) traten vor die erschöpfte Mutter, um die neue Wittelsbacherin in dem Geburtenbuch einzutragen.

Ein Staatsakt und gleichzeitig eine Beglaubigung, dass es sich hierbei um Mutter und Tochter handelte. So konnte ausgeschlossen werden, dass eine fremde Mutter oder ein fremdes Kind als „Wittelsbach“ untergeschoben wurde.

Königin Marie Antoinette in Frankreich musste noch eine „öffentliche Geburt“ ertragen. D.h. Staatsdiener, Hofdamen, Hebamme, Arzt und Adelige am Versailler Hof durften beim Gebären zusehen. Marie Antoinette hatte sich in weiterer Folge erfolgreich gewehrt.

Am britischen Hof wurde weiterhin „öffentlich“, jedoch mit einer Leinwand zwischen Beinen und Oberkörper entbunden. Die Staatsdiener, Hofdamen standen auf der „nicht familiären Seite“ (also der Oberkörper zugewandten Leinwand) und alle anderen auf der „familiären Seite“ (also der mit den offenen Beinen zugewandten Leinwand).

Diese Peinlichkeit wurde mittlerweile dem gebärenden Haus Wittelsbach erspart.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.

Eine andere jedoch nicht:

Durch das Dekret ihres Halbbruders König Ludwig I (*25.8.1786, 29.2.1886), welches Max kurz vor der Hochzeit erhielt und ihm damit der Titel „königliche Hoheit“ aberkannt wurde, wurde Prinzessin Louise bei der Hochzeit zur Herzogin dekradiert.

Ludwig machte damit etwas zunichte, was sein Vater König Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, 13.10.1825) und Herzog Wilhelm (*10.10.1752, 8.1.1837) jahrelang versuchten aufzubauen.

1799 ändeten die beiden die Erblinie „in Bayern“ und „von Bayern“ so um, dass sich beide Wittelsbacher-Linien „Prinz“ und „Prinzessin“ nennen durften. Mit dem Dekret vom 7.8.1828 war dies schlagartig dahin. Die Erblinie „in“ und „von“ Bayern kann hier nachgelesen werden.

Später sollte genau dieses „in“ Bayern Elisabeth mächtige Probleme bereiten. Was ihr widerfahren ist, würde man heute Mobbing nennen.

Bis zum 7.8.1828 durfte sich Herzog Max in Bayern „königlicher Prinz“ nennen. Ab diesem Datum, verordnete König Ludwig I über sein Staatsministerium und ließ Herzog Max folgende Mitteilung zukommen:

„Bey Gelegenheit der Verehelichung Unseres vielgeliebten Vetters, des Herrn Herzog Maximilian in Bayern, Hoheit, mit Unserer Prinzessin Schwester Königliche Hoheit wollen Wir, daß bey Abfassung der Ehepakten die dem Herrn Herzog gebührende Titular streng einzuhalten, daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört, gebraucht werde.“ (2)

Nach dieser ungeliebten Hochzeit wurde Ludovika nicht mehr wie früher mit „königliche Hoheit“ angesprochen, sondern mit „Herzogin“ oder „Hoheit“

Louise haderte Zeit ihres Lebens mit ihrer Titel-Degradierung.

Demnach war der Titel des neuen Familienmitgliedes

Herzogin in Bayern

Später wurde genau dieses „in Bayern“ Elisabeths größter Feind und lebenslanges Hindernis. Durch diese „Adelstitel-Barriere“ – wie man das schon nennen kann – wurde sie am Wiener Hof nie anerkannt.

Am 26.12.1837 wurde das kleine Mädchen auf die Namen

Elisabeth Amalie Eugenie

in der Stiftskirche St. Kajetan, Theatinerkirche in München getauft.

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Amalie Auguste von Sachsen
Bild: Joseph Stieler, 1823
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Elisabeth von Preussen

Die Paten waren die engen Vertrauten von Louise Elisabeth Kronprinzessin von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873), welche 3 Jahre später Königin werden sollte.

Die zweite Patin war die Zwillingsschwester von Elisabeth, Amalie Auguste Prinzessin von Sachsen (*13.11.1801, †8.11.1877), welche am 9.8.1854 Königin wurde.

Und dank Dr. Martina Winkelhofer und ihrem Buch „Sisis Weg“ ist nun auch endlich bekannt, woher Eugenie stammt. Sie war die Nichte der Patinnen und der Mutter der Neugeborenen, Eugenie Erbprinzessin Hohenzollern-Hechingen, welche unter dem Namen Eugenie Herzogin von Leuchtenberg geboren wurde.

Der Name ist nicht, wie von mir vermutet, nach dem verstorbenen Eugené de Beauharnais (*3.9.1871, †21.2.1824), später Herzog von Leuchtenberg abgeleitet, welcher der vielgeliebte und -beweinte verstorbene Ehemann und Vater von Auguste Amalia von Leuchtenberg und Eugenie war, welche beide bei der Geburt der kleinen Elisabeth anwesend waren (wie weiter oben im Text erzählt).

Prinzessin oder Herzogin – welcher Titel stimmte?

Doch warum schreibe ich so konsequent „Herzogin“, wenn alle anderen immer das Wort „Prinzessin“ oder bei den Brüdern von Elisabeth das Wort „Prinz“ voransetzen.

Auch wenn das Wort „Prinzessin“ und „Prinz“ so hübsch klingen; die herzoglichen Kinder waren nie Prinzessinnen oder Prinzen.

Das Dekret vom 7.8.1828, also einen Monat vor der Hochzeit von Prinzessin Ludovika und Herzog Max, besagte eindeutig, dass sich Max nicht mehr „Prinz“ nennen durfte.

Dies implizierte sich auch auf seine Nachkommen, da sie sowohl seinen Namen, als auch seinen Titel erbten.

…daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört (2)

Anmerkung Petra: nochmaliger Ausschnitt aus obigen Dekret

Warum im Prinzip in beinahe jeder Biografie über Kaiserin Elisabeth (ob alt oder neu ist dabei völlig ohne Belang) von „Prinzessin Elisabeth“ die Rede ist, ist mir nicht erklärbar.

Die Mär der Prinzessin wurde natürlich auch in der Film-Triologie „Sissi“ aufgegriffen und zieht sich durch bis zur gleichnamigen Zeichentrickserie, wo unsere dunkelhaarige Kaiserin, sogar blond gezeichnet ist.

Aber nicht nur die Historiker/innen und Filmregisseure/innen dieser Welt haben diese Mär verbreitet, sondern auch die Hofzeremonienmeister jener Zeit.

Vielleicht kommt dieses „Prinzessin“ auch von daher, da viele Historiker/innen die Einträge von damals als Recherchevorbild nehmen. Oft wird aber nur von einem zum anderen abgeschrieben und so verbreitet sich das natürlich weiter und weiter und weiter…

Eine mögliche Erklärung liefert wahrscheinlich der bayrische Volksmund selbst.

Diese betitelten die herzoglichen Töchter (und zwar nur die Töchter) gerne als „Prinzessin“. Und da später Kaiser Franz Joseph gar keine Herzogin heiraten hätte dürfen (nicht standesgemäß), wurde Elisabeth, wie sie zur Kaiserin wurde, anscheinend zur Prinzessin.

Sieht man sich in späteren Jahren seine strikte Ablehnung bei unstandesgemäßen Hochzeiten an, ist es hier wohl am meisten erstaunlich, dass Kaiser Franz Joseph bei sich selbst wohl die größte Ausnahme machte, seine Verwandten aber gerne ins Unglück rennen ließ.

Anders der militante, elitäre und versnobbte Wiener Adel oder Wiener Hof, der Elisabeth so sehr zum Verhängnis werden sollte. Das Spanische Hofzeremoniell – Hofetikette kann hier nachgelesen werden.

Foto: APA, Sisi Museum Hofburg
Kinderschuhe von Herzogin Elisabeth
mit herzoglichen Wappen

Eine geborene „Herzogin in Bayern“, ja gar ein „Landmädel“ wie sie auch genannt wurde, auf dem kaiserlichen Thron war für die Adeligen jener Zeit ein ungeheures Ausmaß an Abscheulichkeit.

Diese militante Einstellung und Ablehnung, sollte Elisabeth ihr ganzes weiteres Leben zu spüren bekommen. Mit einer der Gründe, warum ihr das Leben als Kaiserin so extrem schwer fiel.

Nach strenger Etikette hätte der Kaiserin-Titel nur einer königlichen Prinzessin (kaiserlich geborene Prinzessinnen gab es nicht) weitergegeben werden dürfen. Hätte also nach dem Hofzeremoniell Kaiser Franz Joseph eine königliche Tochter geheiratet, wäre diese eine geborene Prinzessin gewesen.

So aber galt seine Hochzeit als unstandesgemäß. Da er aber zuvor alle anderen Vorschläge seiner Mutter ablehnte, diese aber auch seine Herzensdame Erzherzogin Elisabeth (*17.1.1831, †14.2.1903), wurde Sophie auf ihre eigene Familie aufmerksam. Der Rest wurde zur Weltgeschichte… (Kaiser Franz Joseph und seine Frauen bis zur Schratt kann hier nachgelesen werden.)

Bereits in der allerersten Biographie die es von Kaiserin Elisabeth gab, wurde sie als „Prinzessin“ betitelt. Diese hatte Kaiser Franz Joseph persönlich in Auftrag gegeben. Sie diente als Erinnerungsschrift und wurde nur am Wiener Hof und den engsten Verwandten zugetragen.

„Auf Schloss Possenhofen erblickte Elisabeth Amalia Eugenia am 24. Dezember 1837 das Licht der Welt. Schon sehr früh zeigte die kleine Prinzessin Elisabeth ein lebhaftes Interesse für die Natur und die Vorgänge derselben, eine Neigung, die von ihren fürstlichen Eltern mit liebevoller Freude genährt und gefördert wurde.“ (4)

1905 hieß es “ ….;

„Prinzeß Elisabeth, als zweites Töchterchen und hochwillkommenes Christkind eingekehrt am 24. Dezember 1837 in München beim glücklichen Elternpaare…“ (5) 

Im Kinderbuch von Sigrid Laube „Sisi, das Kind der Sonne“ liest sich das folgendermaßen:

„Hört, ihr Freunde, was geschehen, an der schönen Isar Strand, hört…“ Die Stimme des Bänkelsängers klang dünn und brüchig durch die Nacht. Der Winter war in diesem Jahr schon früh mit bissiger Kälte über München hergefallen und hatte die Stadt in einen klirrenden Mantel gehüllt. Vor dem Mund des Sängers bildeten sich im Takt des Liedes kleine Wolken, sie zögerten kurz und lösten sich dann in einer eisigen Luft auf. … „Weihnachten ist, da ist das Theater geschlossen, sogar das Café Chantant im Palais Max. Aber wenns wahr ist, sorgt der Allmächtige dort gerade für höchsten Nachwuchs, prinzlichen sozusagen.“ „Oder prinzesslichen, wies der Herrgott halt will“, fügte er hinzu. (6) 

Um es zu vervollständigen, müsste ich hier ca. 25 – 30 Bücher zitieren, was ich mir – ihr verzeiht mir hoffentlich – erspare.

Allerdings möchte ich euch noch ein Zitat aus einem Kinderbuch vorstellen. Geschrieben wurde es von der Historikerin Gabriele Praschl-Bichler:

„Vite! Vite! Les enfants! Viiite!“ („Rasch! Rasch, Kinder! Raaasch!“) Eine Gouvernante treibt die ihr schutzbefohlenen Mädchen zum rascheren Gehen an. Dabei spricht die Erzieherin mit den Kindern französisch, weil das damals alle feinen und gebildeten Leute taten. Vor dem Palast des Herzogs Max in Bayern herrscht reges Leben. Das Einfahrtstor steht weit geöffnet, Bedienstete strömen auf die Straße. Lieferanten, Künstler und andere bunte Gestalten bevölkern den Platz vor dem Gebäude. „Die Herzogin ist wirklich zu bemitleiden! Eben hat sie ein Mädchen geboren und schon ist ihr Mann wieder davon! Ein rechter Zugvogel ist der gute Herzog halt…pardon, wenn man das so sagen darf! Es heißt, dass er sich in Griechenland aufhält, um dort…“ …. Ganz nebenbei, wie heißt das Mädchen eigentlich? „Die kleine Tochter des Herzogs.“ „Man hat sie Elisabeth genannt.“ (7)

Anmerkung Petra: Hier wird das Wort Prinzessin zum ersten Mal nicht erwähnt

Ab 1845 wurde Herzog Max in Bayern die Anrede „königliche Hoheit“ von König Ludwig I. gewährt.

Jetzt sah die Sachlage schon anders aus. Elisabeth wurde nun zur „königlichen Hoheit“, nicht aber zur Prinzessin. Wenn man bedenkt, dass sie 8 Jahre später heiratete, kam für sie diese Ehre zu spät.

Die Anfänge von Herzogin Elisabeth

Der 24.12.1837 war ein Sonntag, weshalb sie von sich selbst immer behauptete, sie sei ein Sonntagskind. Zu dem hatte sie bei der Geburt schon einen Zahn – was damals als Glückssymbol galt.

Ein glückliches Leben wurde der jungen Herzogin immer vorausgesagt. Wie oft hat Sisi wohl davon geträumt?

Aufgewachsen ist die kleine Herzogin zwischen der Ludwigstraße 8 in München und dem idyllischen Schloss Possenhofen am Starnberger See, welches beides schon in der Familie war, als Elisabeth zur Welt kam.

1828 wurde das imposante Palais Herzog Max fertig, welches als das schönste und der prächtigste Bau seiner Zeit galt. 1834 wurde „Possi“ angeschafft, um den Kindern auch frische Luft, einen Ort zum Spielen, Reiten, Jagen, Schwimmen, Fischen und Wandern zu ermöglichen.

Sisi wuchs also zunächst mit Bruder Ludwig „Louis“ (*21.6.1831, †6.11.1920) und Schwester Helene „Néné“ (*4.4.1834, †16.5.1890) auf. Ihr Lieblingsbruder Carl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, 30.11.1909) sollte direkt nach ihr geboren werden.

Die Geschwister Marie (*4.10.1841, 19.1925), Mathilde „Spatz“ (*30.9.1843, 18.6.1925), Sophie (*23.2.1847, 4.5.1897) und Nesthäckchen Maximilian Emanuel „Mapperl“ (*7.12.1849, 12.6.1893) folgten nach.

Ihre größte Liebe wurde jene zu den Pferden, auch wenn Tierschutz und Verhätschelung nicht im Vordergrund war, wie man es heute kennt. Mein großer Beitrag „eine Kaiserin zu Pferde“ kann hier nachgelesen werden.

Bis zu ihrem (ca.) 6ten Lebensjahr besaß ihr Vater im hinteren Teil des riesigen Palais eine Zirkusmanege, wo er als Zirkusdirektor auftrat und seine Kinder als Kunstreiter auftreten ließ.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bild im Privatbesitz, deshalb mit extra großem Logo – der Besitzer möchte nicht genannt werden
Kaiserin Elisabeth auf ihrem Dressurpferd Avolo
Bild: Wilhelm Richter, 1876

Elisabeth sollte 45 Jahre lang auf dem Pferd sitzen. Das Kunstreiten wurde in dieser Zeit ebenfalls perfektioniert und trainiert.

1841, als Sisi also 3 Jahre alt war, hatte die Familie einen Todesfall zu beklagen, den diese wirklich schwer nahm.

Ihr Diener „Osman“, welcher am 17.5.1841 um 1.00 Uhr mittags an „Abzehrung“ verstarb, wurde von Herzog Max auf seiner Orientreise vom Sklavenmarkt freigekauft.

5 Schwarzafrikaner brachte er damals von der Reise mit, welche alle in der Frauenkirche in München getauft wurden und im Dienste des Herzogs standen. Osman, ein „Mohr aus Abessinien“ (so steht es im Sterbebuch) wurde auf den Namen Theodor getauft.

Elisabeth war dadurch schon sehr früh an Schwarzafrikaner in ihrer Umgebung gewöhnt und der Umgang mit ihnen war für sie ganz normal. Sie behandelte diese Menschen auch sehr höflich und zuvorkommend, wie es in der Biografie von Martina Winkelhofer heißt.

Etwas, was bisher auch noch nie in dieser Form zu lesen war. Gerade bei Rustimo stach immer ins Auge, dass Elisabeth es gewesen sein soll, die ihn vom Hof vertrieben habe. Doch Frau Winkelhofer fand heraus, dass sie sich auch später noch um ihn kümmerte.

Osman/Theodor wurde nur 17 Jahre alt.

Was für die kleine Sisi, Néné, Louis und Gackel also völlig normal war, war für die bayrische Gesellschaft naturgemäß ein Schock.

Foto: geschichtewiki.wien.gv.at
Angelo Soliman

Schwarze Menschen in München, waren damals so gut wie noch nie gesehen worden und wenn dann traten diese im Zirkus als „Absonderlichkeiten“ auf.

In Wien lebten im 18. Jahrhundert ca. 200 Schwarzafrikaner, der bekannteste unter ihnen war naturgemäß Angelo Soliman, da er nach seinem Tod ausgestopft wurde. Seine Geschichte kann hier nachgelesen werden: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Angelo_Soliman

Es wird immer wieder davon berichtet, dass Elisabeth ein Wildfang gewesen sei.

Sie konnte nicht stillsitzen, tat sich mit dem Lernen schwer und am liebsten beschäftigte sie sich in der Natur.

Die Eltern und deren Probleme

Am 31.10.1838 kaufte sich Max das kleine Schloss Unterwittelsbach bei Aichach, das heute auf den wohlklingenden Namen „Sisi Schloss“ hört, allerdings gar nichts mit Sisi zu tun hatte.

Es ist umstritten ob sie jemals dort war oder nicht.

Es diente Max als Rückzugs-, Ruhe- und Jagdschlösserl, welches einen kleinen See hatte.

Der Garten ist bis heute nicht wieder erschlossen und völlig verwildert. Die gesamte Einrichtung ist verschwunden.

Selbstverständlich kommt auch dieser Ort nicht ohne „Mythos“ aus, weshalb das ganze „Sisi Schloss Aichach“ auf ein Bild, eine Erzählung des Dorfpfarrers von 1839 und eine Vermutung des Stadtarchivars aufgebaut wird.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Schloss Aichach
Herzog Max im Kahn, Ludovika und „Sisi“ im Eingangsbereich im Schloss, 1841
Bild: Otto Flad

Auf dem Bild von Otto Flad von 1841 ist Herzog Max in einem Kahn zu sehen, während Herzogin Ludovika mit einem Kleinkind, welches natürlich Sisi sein soll, aus dem Schlösschen tritt.

Am 14.11.1839 wurde vom Aichacher Pfarrer überliefert, dass Herzog Max mit der Herzogin und dem 7jährigen Ludwig im Schlösschen angekommen sei.

Der Stadtarchivar Karl Christl von Aichach hat sich natürlich eine wunderbare Idylle zurecht gelegt. Er sah die kleine Sisi Blumen pflücken und ihrer Mama bringen, Max im Kahn fahren, die Buben am nahen Weiher fischen usw.
Es klang ein bisschen wie aus dem Sissi Film und nicht nach dem echten Leben.

Auch wenn man wenig bis gar nichts über die Kindheit von Kaiserin Elisabeth weiß,

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika mit ihren Kindern
Herzog Ludwig, Herzogin Helene und die kleine Herzogin Elisabeth (im Kinderwagen)

es gibt keinerlei Aufzeichnungen, dass sie jemals vor Ort gewesen sei.

Weder von ihr selbst, noch von Ludovika, noch von Max.

Johannes Thiele schrieb in seiner Elisabeth Biografie „Sisi, das Leben der Kaiserin Elisabeth“, dass diese als Kind in Aichach mit Vater Max durch die Gasthäuser zog, als dieser Zither spielte. Dabei warfen ihr die Männeer Geldstürcke zu.

Später soll Elisabeth voller Stolz diese Geldstücke, die sie ein Leben lang bei sich getragen haben soll, ihren Hofdamen gezeigt und behauptet haben, dass das ihr einziges ehrliches verdientes Geld gewesen sei.

Immer mehr wird deutlich, dass Elisabeths Kindheit nicht die von Glück beseelte Kindheit war, die man ihr permanent unterjubeln möchte.

Sisi wurde erst als Erwachsene Sisi genannt, als Kind rief man sie in ihrer Familie ausdrücklich

Elise

Auch der angeblich gute Kontakt zum Vater ist eine erfundene Geschichte der Filme. Dies habe ich schon bei Herzog Max hervorgeholt, dass er sich um seine Kinder nicht kümmerte, nicht kümmern wollte und diese auch nicht in sein Leben passten.

Wie nahe Elisabeth allerdings ihrem Vater im Charakter war, sollte sich erst später herausstellen.

Kam er von seinen vielen Reisen zurück, bevorzugte er z.B. – wie Elisabeth – einen privaten Eingang, um nicht gesehen zu werden. Weder von seinen Kindern, noch von seiner Frau, noch von sonst wem.

Diese Vorliebe nutzte auch Kaiserin Elisabeth Zeit ihres Lebens.

Ihre Gouvernante fragte Elise einmal, ob sie ihren Vater schon begrüßt und gesehen habe, als dieser nach einer längeren Reise wieder heimgekehrt war. Die Antwort:

„Nein, aber ich habe ihn pfeifen gehört.“ (8)

Und dies sagte im Prinzip alles über die Beziehung „Vater-Tochter“ oder „Vater-Kinder“ alles aus.

Wollten die Kinder bzw. Louise ihren Vater bzw. Mann sehen, mussten sie sich bei dessen Diener anmelden!

Obwohl Ludovika die Patriachin im Haus war und alles zusammenhielt, ging sie in ihrer Mutterrolle auf.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie
Bild: Franz Schrotzberg, 1858

Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, 28.5.1872) (der Beitrag zur Erzherzogin ist hier), die selbst einen Mann (der Beitrag zu Erzherzog Franz Karl (*7.12.1802, 8.3.1878) ist hier) zur Seite hatte, der sich nie um die Kinder kümmerte, bemerkte die Ablehnung an ihrem Schwager sofort. Besorgt schrieb sie an ihre Schwester:

„…, dass er sich überhaupt nicht mit seinem wunderbaren Schatz beschäfigt, sei ein Beweis seiner übermäßigen Leichtfertigkeit und zeige, dass sein Herz kaum spricht.“ (9)

Herzog Karl Theodor „Gackel“ sagte später über seinen Vater:

„Dieser sei der „personifizierte Egoismus“ gewesen.“ (10)

Egal wie man die ganze Ehe auch betrachten möchte, gesund war sie auf keinen Fall, auch wenn sie 10 Kinder, 8 davon lebend, hervorgebracht hat.

Wunderbar auf einen Punkt bringt das wieder einmal Martina Winkelhofer in ihrem Buch „Sisis Weg“:

„Ein Gemeinplatz in der Kaiserin-Elisabeth-Forschung besagt, dass die schwierige Ehe ihrer Eltern ein prägendes Element in Elisabeths Biografie darstellt. Die Ehe von Max und Ludovika gilt als Paradebeispiel einer gescheiterten Ehe, mit entsprechenden Folgen für die gemeinsamen Kinder. So wurden von späteren Biografen Elisabeths Kindheitserfahrungen – mit einem nicht nur mental abwesenden Vater – oft zur Erklärung ihres Verhaltens als Erwachsene herangezogen. Eine derlei einfache Argumentation ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Schließlich kann man diese herzogliche Ehe des 19. Jahrhunderts nicht aus der Perspektive des 20. und 21. Jahrhunderts beurteilen, wo man zumindest in der westlichen Welt die Liebe als Voraussetzung einer geglückten Ehe betrachtet. (11)

Diese Meinung vertrete ich auch. Gerade auf Facebook rate ich meinen durchaus weiblichen Followerinnen immer, dass sie – vor allem beim unendlichen oft sehr emotionalen Thema „Elisabeth als Mutter“ (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) die Erfahrungen nicht mit dem „Heute“ zu vergleichen. Das 19. und 21. Jahrhundert sind 2 Paar Schuhe die es auseinander zu halten gilt. Auch beim Thema „Mutter sein“.

Herzogin Ludovika war eine seltene Ausnahme, dass sie sich als Muttertier gab. Zum einen war Königin Caroline eine liebevolle Mutter, die sich nicht nur der fünf Halbwaisen annahm, sondern auch ihren acht eigenen Kindern, zum anderen hatte Ludovika keinen öffentlichen Stellenwert (mehr).

Ihre Zeit als Prinzessin war vorbei und Herzog Max bevorzugte ab seinem 29. Lebensjahr keine öffentlichen Empfänge, sondern illustre Herrenabende, weshalb es auch keine Bälle mehr im Herzog-Max-Palais gab.

Was blieb Louise also? Genau. Ihre Kinder. Und zwar einzig und alleine ihre Kinder.

Foto: Wikimedia/Commons
Elise, Gackel und Bummerl
also Herzogin Elisabeth, Herzog Karl Theodor und Hund Bummerl

Es ist wieder Martina Winkelhofer die Elisabeths Kindheitserfahrungen in deren Ehe transportiert und erklärt:

„Auf Elisabeth dürfte die Ehe ihrer Eltern und die ständige Abwesenheit des Vaters jedoch keine sehr prägende Wirkung entfaltet haben – denn königliche Kinder sahen damals ihre Väter in der Regel selten, und so gut wie keine arrangierte Ehe in königlichen Kreisen zeichnete sich durch große Intimität oder viele gemeinsam verbrachte Stunden aus. Stärke – im Sinne einer prägenden Erfahrung für die spätere österreichische Kaiserin – fiel wohl ins Gewicht, was man „das Phänomen weiblicher Ohnmacht“ nennenkann: Frauen, deren Wünsche und Ziele nicht mit dem gängigen weiblichen Rollenbild harmonierten, mussten in der damaligen Gesellschaft vielfach ihre Machtlosigkeit erkennen. Viele von ihnen resignierten gegenüber der männlichen Übermacht, und nicht wenige entwickelten unbewusst Strategien, um sich ungewollten Situationen entziehen zu können. Und diese Strategien hießen zumeist: Rückzug, innere Emigration und, besonders häufig, Flucht in Krankheit.“ (12)

Eine glückliche Kindheit?

Als Elise 9 Jahre alt war, holte Herzogin Ludovika Luise Baronin Wulffen-Hundt (*/unbekannt) ins Haus, die ihre liebe Not mit dieser hatte.

Wulffen beschrieb Elisabeth als

zart und überempfindlich. (13)

Sie wollte eher ihren Leidenschaften nachgehen, als dem Lernen. Reiten, Gedichte schreiben, stundenlang im See schwimmen und sich dem Müßiggang hinggeben.

Schwimmen war etwas, was der Adel der damaligen Zeit normalerweise nicht konnte. Angeblich soll Herzog Max darauf bestanden haben, dass seine Kinder schwimmen konnten. Ob dies der Wahrheit entspricht, wenn man sich sein Interesse an den Kindern durchliest?

Néné war das hausbackene Kind: brav am Nähen und Sticken, immer bei der Mutter und nie bei den übrigen Kindern.

Elise hingegen tobte mit ihrem Lieblingsbruder Gackel und Louis.

Doch wie frei und glücklich wurde sie tatsächlich erzogen?

Foto: Peter Bierl Buch- & Kunstantiquariat
Schloss „Possi“ Possenhofen

Gab es „Freiheit“ im Hause eines Wittelsbachers überhaupt?

In vielen Büchern kann man von den Historikern/innen den Vergleich zwischen der Erziehung von Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth lesen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Erzherzog Franz(i)
Kaiser Franz Joseph als Jugendlicher

Dieser Vergleich hinkt meiner Meinung nach. Erzherzog Franzi, wie er als Jugendlicher genannt wurde, wurde schon mit dem Ziel ihn als Thronerben heranzuziehen, geboren. Sein Status war bei der Geburt schon „von Gottes Gnaden“ (der Beitrag bis zum Thron kann hier nachgelesen werden).

Viel zu diesem „glücklichen Kindheitsmythos“ hat laut Martina Winkelhofer der Erstbiograph Conte Corti beigetragen.

Von seinem Buch, schreiben bis heute sämtliche Historiker/innen ab.

Er selbst hatte noch mit Zeitzeugen gesprochen bzw. Zugang zu Unterlagen, die heute verschlossen, verschollen, verbrannt oder gar durch die Weltkriege vernichtet wurden.

Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, 6.9.1924), Elisabeths geliebte Tochter, die der Wiener Hof bösartig „die Einzige“ nannte, wollte nach dem Tod eine Biografie über ihre Mutter schreiben.

Um historische Belege über ihre Kindheit zu sammeln, schrieb sie die beiden ehemaligen Vertrauten ihrer Jugend an, welche noch lebten:

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Valerie
  • Baronin Wulffen-Hundt (*/unbekannt)
  • Gouvernante Amalie Baronin Tänzl von Tratzberg (*/unbekannt)

Gegen 1900 findet man in den Unterlagen von Conte Corti (*2.4.1886, 17.9.1953) jene 2 Briefe der beiden betagten Damen an die Tochter Marie Valérie:

„Sie sei der Liebling vom gesamten Haus gewesen, hätte sich mit allen Geschwistern ausgezeichnet verstanden, sei gütig zu der armen Bevölkerung gewesen und habe diesen die Eier der Perlhühner gebracht, außerdem wäre ihr Liebreiz formvollendet gewesen, sie sei gütig und hilfsbereit gegenüber Jedermann gewesen.“

Zurecht ist Frau Winkelhofer skeptisch, ich wäre das auch. Hätten tatsächlich zwei (sehr) alte Damen die Unwahrheit an die geliebte Tochter der ermordeten Kaiserin geschrieben?

Ich verneine dies entschieden!
Wer sagt jemals etwas Schlechtes über Tote?

Doch ich habe noch eine Quelle aufgetan, die weit vor Conte Corti geschrieben wurde:

Erinnerungsblätter, 1903

Foto: pressreader.com
Zeichnungen von Elise in ihrem Notizbuch
eine Geburtstags-Glückwunschkarte von Elise an Gackel

„…
Schon sehr früh zeigte die kleine Prinzessin Elisabeth ein lebhaftes Interesse für Natur und die Vorgänge derselben, eine Neigung die von ihren fürstlichen Eltern mit liebevoller Freude genährt und gefördert wurde. Der weitausgedehnte Park und die Wälder der Umgebung waren die ersten Tummelplätze des sich in der anmutigsten Weise körperlich wie geistig entwickelnden Fürstenkindes, in dessen empfängliche Seele die Gottesnatur des Lebens allererste Eindrücke einprägte. So wurde Prinzessin Elise eine glühende Bewunderin der Natur und blieb dies auch für alle Zeiten. Daß sie, zu einer reizenden Mädchenknospe erblüht, in ihrem ganzen Wesen jene ausgezeichneten Eigenschaften des Herzens und der Seele vereinigte, welche so tausendfach an unserer Kaiserin gepriesen wurden, ist begreiflich, da ihre Eltern mit zarter Aufmerksamkeit und unermüdlicher Fürsorge die Erziehung Elisens leiteten und überwachten. Bereits nach zurückgelegtem fünften Lebensjahre wurde mit dem Unterrichte begonnen. Ein ausgezeichnetes Talent verriet die Prinzessin für die Naturkunde, Erdbeschreibung, für das Zeichnen, Malen und das Klavierspiel. In den späten Jahren wurde den körperlichen Übungen ein gewichtiger Platz im Erziehungsprogramm eingeräumt.
Bei der zahlreichen Familie des volkstümlichen Herzogs Max in Bayern waren die kleine Prinzessin Lisel und ihr ältester Bruder, der schlanke großgewachsene Ludwig die bevorzugten Lieblinge der Eltern. Beide unterschieden sich durch die Lebhaftigkeit, ihren gesunden Humor und ihr tiefes Gemüt von den anderen Geschwistern. Die kleine Lisel erheiterte durch ihre Scherze den Vater, von ihrer Mutter aber wurde sie vollends verhätschelt.
Viel Vergnügen fand die Prinzessin in allerlei körperlichen Sport. Sie saß elegant und sicher zu Pferde, lenkte bei Ausfahrten ihr Gespann fast immer selbst, war eine kühne Schwimmerin und Fechterin. Ihr schlichtes und allzeit freundliches und kindlich frohes Wesen hatte ihr längst die Herzen der Bayern gewonnen. Die Bevölkerung nannte sie „Lisel“. In den traulichen Worten bekundete sich die herzliche Zuneigung der Bevölkerung das innige Verhältnis zwischen Volk und Fürstenhaus.
Als die Prinzessin gerade das fünfzehnte Jahr vollendet hatte, schilderte sie ein deutscher Schriftsteller in folgender Weise: „Prinzessin Elisabeth ist hoch, schlank, leicht und anmutig, ihr Wesen graziös, belebt, bestimmt, das tiefblaue Auge voll träumerischen Glanzes, die schönen Züge, aus denen das dichte, braune Haar in vollen Wellen zurückgestrichen ist, reiz- und ausdrucksvoll und mit rosigem Teint überzogen, der Eindruck im ganzen: milder Ernst und zarte Weiblichkeit.“ (14)

Anmerkungen Petra:
Hier sieht man, dass schon 1903 gelogen wurde, dass sich die Balken biegen. Zum einen war der Lieblingssohn von Ludovika nicht Ludwig, sondern Karl Theodor „Gackel“ und zum anderen diese Familienidylle gab es einfach nicht.

Ich erinnere nur noch einmal daran, dass diese Erinnerungsblätter Kaiser Franz Joseph in Auftrag gab!

Weiters liest man hier die schreibweise „Lisel“, welche in der Korrespondenz nie vorkommt.

1905 hieß es ebenso schwülstig:

„…
Behütet, geleitet vom hochsinnigen Vater, dem für alles Gute und Schöne begeisterten Fürsten, wuchs Elisabeth zur Freude aller, die sie kannten, heran. Frühzeitig äußerte sich ihre Vorliebe zu den Wundern der Natur. Weitaus den größten Teil der wettergünstigen Tage verbrachte die Prinzessin im Schloßpark und in den umliegenden Buchen- und Nadelwäldern, sich erfreuend am Blau des Himmels, dem Gesang der Vögel, dem geheimnisvollen Rauschen des Forstes.
Kaum war das fünfte Lebensjahr überschritten, kam des Lebens Ernst für die kleine Sissy. Für die Zukunft galt es zu lernen, wie solches seit jeher Bayerns Fürstentöchtern oblag. Aufmerksam, fleißig und von eminenter Auffassungsgabe, machte Elisabeth ihren Eltern und Lehrern Freude. Ihre Lieblingsgegenstände hießen Naturwissenschaften, Geographie, Zeichnen und Musik. Eine echte Vater-Tochter!
Später trat das Reiten hinzu. Kaiserin Elisabeth galt als die beste Reiterin der Gegenwart. Man muß sie nur gesehen haben, auf der feurigen, braunen „Helena“ oder dem stählernen „Coral Nimph“ in edlem eifer dahinjagend.
Die „Rose vom Bayerland“ nannte man Elisabeth. Und sie war es auch.“ (15)

Anmerkungen Petra:
Danach folgte wieder obige Beschreibung der Gestalt und der blauen Augen. Autor Kleinschmied musste also Zugang zu den Erinnerungsblättern von 1903 gehabt haben. Warum in weiterer Folge nicht auch Conte Corti?

Hier kann man das erste Mal den Namen „Sissy“ lesen. Diese Schreibweise krampft mich persönlich jedesmal aufs Neue zusammen. In keiner Korrespondenz findet sich diese Schreibweise. Wie also der Autor selbst auf die Idee kam, Elisabeth „Sissy“ zu schreiben, ist mir unbegreiflich.

Auch hier könnt ihr lesen, dass vom Familienidyll einher gegangen wurde. „Eine echte Vater-Tochter“ – weil sie reiten konnte. Das konnte im Prinzip jedes adelige Mädchen. Die eine besser, die andere schlechter. Aber wer einen „von“, „zu“ oder „in“ Titel in seinem Namen trug, lernte Reiten. Das gehörte zum guten Ton.

Auch wenn ich meiner Lieblingshistorikerin Martina Winkelhofer jetzt widerspreche, aber ich glaube, es rührt nicht nur von Conte Corti allein, dass er annahm, Elisabeth habe eine blühende Kindheit und einen tollen Vater gehabt.

Alleine diese schwülstigen Zeilen zeigen, dass ihm diese Schriften zugänglich waren. Ich musste auch tief graben, um sie zu finden. Conte Corti war weitaus näher in seiner Zeit dran, als ich. Er begann in den 1920er Jahren mit seiner Forschung. 1934 erschien seine Elisabeth-Biografie. Zuvor hatte er Kaiser Maximilian und Kaiserin Charlotte von Mexiko biografiert.

Ich befürchte, dass sehr viel von Kaiser Franz Joseph vorgegeben wurde. Die Erinnerungsblätter 1903 sind immerhin in seinem Auftrag entstanden und er gab sie vor der Veröffentlichung frei.

Dass der Hauptmann den Schriftsteller nicht näher benennt, der Elise 15jährig erblickte, ist schade, aber zumindest liegt uns diese Beschreibung der Schönheit vor.

Ich fand auch zwei unterschiedliche Aussagen von Ludovika. Als ihre Tochter 2 Jahre alt war, lobte sie die Kleine für ihre Schönheit, zum anderen machte sie sich, als diese 14jährig war, große Sorgen um Elise, da sie sie nicht hübsch befand. 

In einem Brief an ihre Nichte Theódelinde Gräfin von Württemberg (*13.4.1814, 1.4.1854) schrieb Herzogin Ludovika am 24.8.1839:

„Elise wird sehr hübsch, und sie ist so ein gutes Kind“ (16)

Foto: Wikimedia/Commons König Georg von Sachsen

Herzogin Ludovika an ihre Schwester Königin Auguste von Sachsen:

„Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich als ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre [Prinz Georg, wohl der zweite Sohn des sächsischen Königs Johann], wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen… hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug“. (17)

Übergangslos wurde aus Elise Sisi.

Beide Namen wurden ab jetzt verwendet, um über Elisabeth zu schreiben.

Je älter sie als Kind wurde, desto stiller wurde sie. Man kann definitiv sagen, dass sie die einsamen Momente suchte. Schon früh reifte die Melancholie in Elisabeth heran, welche in ihren späteren Jahren zu schweren Depressionen führen sollte.

Diese Art des Charakters, erbte sie von ihrer Mutter. Sie hatte Scheu vor Menschen, vor allem vor Fremden. Doch diese Momente waren selten in München, weshalb sie sich am liebsten in Possenhofen aufhielt.

Das Herzog Max Palais in München war nur für die Wintermonate, da Schloss Possenhofen nicht beheizbar war.

Kaum in Possi, lief Sisi beinahe jeden Tag ohne Schuhe durch den Schlosspark.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth als 15jährige
Bild: Franz von Schrotzberg, 1853

Contenance und Etikette, Politik und Weltherrschaft, was kümmerte es die kleine Elisabeth und ihre Geschwister? Der königliche Hof nahm keine Notiz von ihr. Die Briefe, die Ludovika mit ihrer Schwester Sophie im fernen Wien schrieb, waren nicht von Interesse.

Frei, ungezwungen, neugierig und lebenslustig, so beschrieb man die junge Sisi in der Literatur, und ich persönlich glaube, dass sie das auch war. Neugierig und reiselustig sollte sie beibehalten bzw. noch hinzukommen.

Fast ein Bauernmädel. Auf alle Fälle ein Landmädel.

Ihre beste Freundin wurde Irene (*24.9.1839, †21.8.1892), die Tochter des Nachbarn Hermann Franz Joseph Carl Graf von Paumgarten (*19.7.1806, †11.1.1846).

Foto. Wikimedia/Commons
eigenhändige Zeichnung von Herzogin Elisabeth
1847

Gackel, Irene, David (Bruder von Irene) und Sisi wurden zu einer Einheit.

Gemeinsam erkundete man die Wälder, den Starnberger See, kletterte auf Bäume und verbrachte viel Zeit – mit Nichtstun.

Ludovika hatte ihre liebe Not, die Kinderschar zum Lernen zu bewegen.

Kam der Vater zu „Besuch“, holte er die Kinder aus dem Unterricht, tobte mit ihnen im Schnee, ging Schwimmen oder stibitzte das Obst von den Bäumen. Bekam Max aber nicht die Aufmerksamkeit seiner Kinder die er wollte, wurde er cholerisch und tobte richtiggehend.

Im Jahre 1843 trafen sich Erzherzog Franz und die junge Sisi das erste Mal. Franzi war 13 Jahre, Elisabeth 5 Jahre alt. Franz schrieb in sein Tagebuch:

2.9.1843
Um 7 Uhr fuhren wir von München weg und kamen um viertel auf zehn in Possenhofen an. Wir fanden dort Herzog Max und alle seine Kinder bis auf Louis, welcher in der Schweiz ist. Wir frühstückten mit der Tante Louise, der Helene, der Elise und dem sehr netten aber fast verzogenen Kakl. Um 10 Uhr ging wir in die dumpfe Kapelle, um die Messe zu hören, wo mir übel wurde, so daß man mich aus der Kapelle zu einem offenen Fenster tragen mußte, wo mir wieder gut wurde; darauf legte ich mich auf das Bett. Um 12 Uhr fischte ich und Graf Bombelles mit dem Herzog, wobey wir 20 Birschlinge und Weißfische fingen.“ (18)

Anmerkung Petra: Graf Bombelles war der Erzieher von Erzherzog Karl Ludwig

Doch schon bald zeigte sich auch die Etikette der Verwandtschaft.

Foto: Wikimedia/Commons
Die Geschwister von Elisabeth auf der Veranda des Schlosses Possenhofen, von links:
Sophie, Max Emanuel „Mapperl“, Karl Theodor „Gackel“, Helene „Néné“, Ludwig „Louis“, 1831-1920), Mathilde „Spatz“ und Marie
Bild: Joseph Karl Stieler, 1855

1848 machte Ludovika mit den Kindern Gackel, Néné und Sisi einen längeren Ausflug, der nach Tirol an den Aachensee führte. Von dort fuhren sie nach Jenbach, um am 10.6.1848 in Innsbruck einzutreffen. In der Hauschronik liest man dazu folgendes:

„Um 9 Uhr Abends langte auf Besuch die Schwester Ihrer k.H. der Erzherzogin Sophie die Gemahlin des Herzogs Maximilian von Baiern I.k.H. die Prinzessin Louise mit Ihrem Sohne Prinz Carl und 2 Prinzessinnen Töchter Helene und Elisabeth und Suite hier an, und wurde an der Burgstiege von Ihrer Familie begrüßt. In Ihrem Gefolge befindet sich Ihr Hofmarschall Baron v. Freyberg. Die Frau Herzog wurde im Damenstifts-Gebäude einlogiert.“ (19)

Am 19.6.1848 findet sich folgender Eintrag:

„Heute ist S.k.H. Prinz Karl von Baiern, und dann später I.k.H. die Herzogin Louise von Baiern mit Sohn und 2 Töchtern k.H. nach München abgereist.“ (20)

In dieser Zeit musste Sisi sicherlich still sitzen und bei Tisch ordentlich essen.

Franz war zu diesem Zeitpunkt knapp 18 Jahre alt, Sisi knapp 11 Jahre.

In der Literatur liest man immer von „die 13jährige“, doch Elisabeth ist am 24.12.1837 auf die Welt gekommen. Sie kann also im Juni 1848 nicht 13 Jahre alt gewesen sein. Außerdem war Kaiser Franz Joseph um 7 Jahre älter als seine geliebte „Engels-Sisi“.

Ebenso liest man häufig „Kaiser Franz Joseph und Elisabeth trafen erstmals 1853 in Ischl aufeinander“. Auch das ist nicht korrekt. Das erste Aufeinandertreffen war 1843. 1848 folgte das nächste Treffen. Erzherzog Franz befand sich mit seiner Familie in Innsbruck, da in Wien eine heftige Revolution stattfand.

In vielerlei Hinsicht konnten die Zwei in Innsbruck nichts miteinander anfangen.

Sisi war noch ein Kind, Erzherzog Franz (Anmerkung Petra: er wurde erst mit dem Titel „Kaiser“ zu Franz Joseph) musste sich mit der politischen Lage beschäftigen.

Ein Umstand, den er vielleicht in späteren Jahren tief bereut hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig 15jährig
Bild: Anton Einsle, 1848

Elisabeth, scheu und sehr schüchtern, freundete sich mit dem knapp 15jährigen Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, †19.5.1896) an.

Sie tobten durch die Hofburg Innsbruck, heckten Streiche aus und ärgerten mit Sicherheit Erzherzogin Sophie. Die beiden waren sich so zugetan, dass sie sich eine zeitlang Briefe schrieben.

Sogar kleinere Geschenke wurden ausgetauscht.

Erzherzogin Sophie beschrieb ihre kleine Nichte damals wie folgt:

„Elise ist ohne schön zu sein – ein gar anziehend – liebes freundliches Wesen – ihr warmer treuer Blick und ihr Lächeln sind unwiderstehlich; ist ist so sanft-weiblich und über ihre Jahre vernünftig.“ (20a)

Da Karl Ludwig schon nach dem Treffen in Possenhofen von seiner kleinen Cousine schwärmte, ließ Kaiser Franz Joseph eine Holzbüste von Elise anfertigen. Diese schenkte er seinem Bruder.

Es gilt in der Elisabeth-Forschung am Wahrscheinlichsten, dass Erzherzog Karl Ludwig persönlich die Büste an seine Schwägerin übergab. Bekannt ist jedenfalls, dass Elisabeth sehr stolz auf diese war und sie in der Hermesvilla verwahrt hat. Dort wurde sie auch gefunden.

Doch das Interesse von Sisi für Karl Ludwig ebbte ab, nach dem ihre Mutter sie immer und immer wieder an ihn erinnerte und sich ihn als Heiratskandidat vorstellen konnte.

1850 besuchte Elisabeth gemeinsam mit ihrem Bruder Ludwig, ihrer Schwester Néné und ihrer Mutter Ludovika das beschauliche Dörfchen Oberammergau.

Doch die Zeiten, wo Elise nur spielen durfte, war relativ bald vorbei. Der Ernst des Lebens zog ins herzogliche Haus und Elisabeth lernte zu Konversieren, sich am Bankett zu bewegen und Theestunden zu geben.

Damals erachtete man Spielzeug noch nicht als pädagogisch wertvoll, weshalb z.B. die Puppenküche der Kinder nur 1x in der Woche im Palais aufgebaut wurde. Am Sonntag nach dem Mittagessen durften die Geschwister miteinander mit der kleinen Küche „kochen“.

Später lernte Elisabeth anhand von kleinen Freunden, die alle vorher ausgesucht und den Adelstest bestehen mussten, „Theestunden“ zu geben. Zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags wurde Tee und Kuchen serviert, als sie erwachsen wurde, war es Likör.

Auch das Briefe schreiben lernte Elisabeth.

Es war unerlässlich ordentliche Konversation zu betreiben und das ging nur über Briefe. Dabei wurde der kleinen Herzogin gelernt, ihren Tag einzuteilen, wann welcher Brief wichtig und welcher noch warten durfte.

Elise lernte sich über Süßigkeiten, Geschenke jeder Art und Portraits zu bedanken.

Da ihr als Frau andere Nachrichten nicht zugänglich waren, waren Briefe die einzige Möglichkeit irgendetwas aus ihrer Umgebung und den Verwandten zu erfahren.

Betätigte man keine Korrespondenz, fiel man aus dem Adressbuch und dem Leben des Adressaten. Das konnte fatale Folgen haben.

Foto: Dorotheum.com
Verschiedene Korrespondenz von Kaiserin Elisabeth

Wie Ludovika, die jeden Vormittag ihre Korrespondenz erledigte, schrieb auch Elisabeth sehr viele Briefe an ihre Verwandtschaft, ihre Gouvernanten, ihre beste Freundin Irene, mit der sie Zeit ihres Lebens in Verbindung blieb, ihren Ehemann Franz Joseph, ihre Vorleserin Ida und natürlich ihre Kinder nicht zu vergessen. Einige der Briefe sind erhalten; leider sind diese nicht öffentlich zugänglich. Die meisten von ihnen sind jedoch verbrannt worden.

Ihre Freundin Irene Gräfin von Paumgarten war es im Übrigen, die Elisabeth und Néné englisch beibrachte. Ihre Mutter war eine englische Adelige. Des Weiteren hatte Elise eine englische Nurse, welche ihr die Sprache beibrachte. Eine Sprache, die man zur damaligen Zeit kaum sprach. Englisch war damals keine Weltsprache.

Aus den Teestunden wurden zu späterer Zeit Tanzstunden. Hier wurde gesichert, dass die Herzogin tanzen lernte. Ein unabdingbarer Bestandteil des Banketts der Wittelsbacher.

Einzig für die Handarbeit konnte sich Sisi nicht erwärmen. Das Sticken war nicht ihre Sache. Das lange Stillsitzen konnte sie nicht leiden und so wurde ihr diese Arbeit verhasst.

Am 24.12.1852 galt die Erziehung von Herzogin Elisabeth als abgeschlossen. Nun hieß es:

sie zu verheiraten.

Am 19.3.1853 wurde Elisabeth gefirmt.

Die Firmung stellte normalerweise einen Wendepunkt im Leben einer jungen adeligen Frau dar.

Es zeigte der Adelswelt „ich bin bereit“.

Genau was ihr denkt, soll es heißen:

die Mädchen hatten ihre Periode bekommen und waren bereit für den Heiratsmarkt

Mit der Firmung wurde das Bankett für die jungen Mädchen geöffnet: sie wurden offiziell auf Bälle geladen, um die Herren anzuziehen, die Eltern „verhandelten“ derweil um die Beziehungen zwischen den Söhnen und den Töchtern. Je besser eine Partie, desto aussichtsreicher die Hochzeit.

Ich schreibe deshalb „normalerweise“, da Elisabeth gefirmt wurde, ohne ihre Periode bekommen zu haben.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth als Braut

Louise war so erpicht darauf, ihre Kleine zu verheiraten, dass sie sie auf den Heiratsmarkt schickte, ohne, dass sie „empfangbar“ war.

Dies stellte später in Ischl die Verlobung vor außergewöhnliche Herausforderungen, denn nur eine empfängnisbereite Dame durfte heiraten.

Die rühmliche Ausnahme stellte wieder einmal die Aussicht auf die Heiratspartie dar.

Ist ein König oder Kaiser auf die Tochter aufmerksam geworden, ohne, dass diese bereits „bereit“ war, wurde trotzdem verhandelt, bis die Periode einsetzte.

Dies nannte man in der Fachsprache

„zähe Verhandlungen“.

Im übrigen fand dies bei Schwester Marie ebenfalls so statt (sie musste den wenig attraktiven Francesco von Neapel (*16.1.1836, 27.12.1894) ehelichen), bei Stephanie von Belgien (*21.5.1864, 23.8.1945) (sie ehelichte in weiterer Folge Kronprinz Rudolf (*21.8.1858, 30.1.1889)) und Prinzessin Charlotte von Belgien (*7.4.1840, 19.1.1927) (welche Erzherzog Max (*6.7.1832, 19.6.1867) ehelichte).

All diese Mädchen wurden vor ihren Perioden, durch die aussichtsreiche Ehe mit einem König, einem Kronprinzen und einem Erzherzog, früher verlobt, mussten aber bis zur Periode mit der Hochzeit noch warten.

Über der Firmung lag also nicht nur der Schatten, dass Elise noch nicht „bereit“ war, so warf sie ein trauriger Vorfall seelisch komplett aus der Bahn.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
So sah sich Elisabeth am Schreibtisch sitzen
Eigenhändige Skizze, 1854
aus ihrem Skizzenbuch
Mit freundlicher Genehmigung k.u.k.Museum Bad Egart

Sie wurde das erste Mal mit dem düsteren Tod konfrontiert.

Ihr langjähriger Spielkamerade David Graf von Paumgartner (*31.1.1838) starb am 20.3.1853 15jährig nach einer Lungenentzündung.

Sisi verfiel in ihre erste tiefe Trauer. Der Tod Davids belastete die 15jährige stark.

Klammheimlich führte sie ein Tagebuch, in welches sie folgendes Gedicht an schrieb:

Du bist so jung gestorben
Und gingst so rein zur Ruh'; 
Ach, wär', mit dir gestorben,
Im Himmel ich wie du. (21)

Von nun an sollte der Tod ihr ständiger Begleiter werden.

Die ersten Wehklagen Richtung Tod waren verfasst, als sich die 15jährige erstmals verliebte.

Am herzoglichen Hof begegnete sie dem jungen, sehr hübschen Richard Graf von Schwarzenberg. Die beiden verliebten sich ineinander und trafen sich heimlich am Tor, wo ihr Richard ein Bild von sich gibt.

Sie schrieb:

Oh, ihr dunkelbraunen Augen, 
Lang hab ich euch angesehn,
Und nun will mir euer Bildnis
Nicht mehr aus dem Herzen gehen... (22)

Doch Ludovika kam den beiden auf die Schliche.

Sie beschlagnahmte sein Bild und verbat Elisabeth jegliche Kontaktaufnahme.

Der junge Mann sei der jungen Herzogin nicht würdig hieß es.

Zur Sicherheit lässt sie Richard aus dem Offiziers-Hofdienst versetzen. Ein schwerer Fehler von Ludovika, wie sich später noch herausstellen sollte.

Sisi verfällt in Wehklagen:

Du frische junge Liebe,
So blühend wie der Mai, 
Nun ist der Herbst gekommen
Und alles ist vorbei. 

Und nun ist er mir so ferne
Und ich seh ihn gar nie. 
Ach, ich wollt zu ihm wohl gerne, 
Wüßt' ich nur, wohin und wie. (23)

Richard kam nie mehr wieder ins Haus der Herzogs. Er wurde in der Armee krank, kehrte ins Elternhaus zurück und starb. Als die 15jährige davon erfuhr, war sie außer sich vor Trauer.

Sie schrieb:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen –
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (24)

Doch mit 15 Jahren ist das Leben noch nicht Trist genug, dass man einem einzigen die Treue schwört und so verliebte sie sich erneut.

Um jetzt nicht noch einmal Gefahr zu laufen, von ihrer Mutter erwischt zu werden, hielt sie den Namen geheim.

Bis heute ist es niemanden gelungen, den Namen des Grafen aus der Nachbarschaft ausfindig zu machen.

Zu lang hab' ich gewendet
Mein Aug' aufs Antlitz dein, 
Und nun bin ich geblendet
Von seiner Schönheit Schein. (25)

Sisi schläft und isst nichts. Ihre Gedanken kreisen nur noch um „ihn“.

Wenn der erste Sonnenstrahl
Mich des Morgens grüßt, 
Frage ich ihn jedesmal, 
Ob er dich geküßt. 

Um den goldenen Mondenschein
Bitt ich jede Nacht, 
Daß von mir er insgeheim
Dir viel Liebes sagt. (26)

Doch der Angehimmelte wollte von Elisabeth nichts wissen. Als sie es merkte, wehklagte sie wieder:

Denn ach, ich kann ja nimmer hoffen 
Daß liebend je Du Dich mir neigst. 
Die harte Wahrheit sah ich offen
's ist Freundlichkeit nur, was Du zeigst. (27)
Foto: Sisi Museum
„Polterabendkleid“
Herzogin Elisabeth

Mittlerweile ist Ludovika für Elisabeth auf Brautschau.

Um geeignete Heiratskandidaten zu finden, lässt sie ihre Tochter fotografieren.

Es ist die erste und einzige Fotografie von Elisabeth, die sie unverheiratet zeigt (Titelbild dieses Artikels).

Ebenfalls 1853 schickte Ludovika sie nach Dresden, zu ihrer Schwester Königin Amalie Auguste von Sachsen. Wie schon weiter oben erwähnt, befand ihre eigene Mutter die Tochter als „nicht hübsch“.

Elisabeth kam ohne Bräutigam von Dresden zurück. Ludovika war verzweifelt.

Doch im August sollte sich das Blatt für die junge Herzogin wenden.

Nicht nur, dass aus dem pausbäckigen Teenager ein schöner Schwan wurde, plötzlich streckte Kaiser Franz Joseph die Fühler nach ihr aus. Er verliebte sich auf den ersten Blick.

„Die liebe Kleine ahnte nichts von dem großen Eindruck, den sie auf Franzi gemacht hatte“ (28)

schrieb Erzherzogin Sophie am 19.8.1853 an Königin Marie von Sachsen (*14.4.1818, 9.1.1907).

Eine Verlobung (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) stand ins Haus und mit ihr nahm das ganze Drama seinen Lauf.

~ Petra ~

Foto: Hickl
Herzogin Elisabeth als Verlobte, mit Miniaturbild mit Kaiser Franz Joseph

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Bildrechte: Wikimedia/Commons, Sisi Museum Hofburg, pressreader, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, k.u.k. Museum Bad Egart, Peter Biel Antiquariat, APA, Hickl
, Dorotheum.com, geschichtewiki.wien.gv.at, jourfixe-muenchen-ev.com, Österreichische Nationalbibliothek, Kaiserin Elisabeth Museum Possenhofen via Merkur.de, Bildarchiv des Bayrischen Landesamtes für Denkmalpflege für München, Albertina.at, filmlocations-bayern.de/W.Boehm, Heritage Image via Getty Images/Heritage Image,


Ich möchte mich ausdrücklich bei Historiker Alfons Schweiggert bedanken, der mir das Wirr-Warr der Adelstitel und das Thema „Herzogin Elisabeth“ und nicht „Prinzessin Elisabeth“ näher brachte.


Literatur Hinweise:

1 – S.13, 8 – S.47, 9 – S.47, 10 – S.47, 11 – S.49, 12 – S.55, 16 – S.60, 20a – S.87, 28 – S.98
Martina Winkelhofer
Sisis Weg
Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeth erste Jahre am Wiener Hof
Piper Verlag, 1. Auflage 2021

4 – S.10, 14 – S.10/11
Hauptmann Robert Rostock
Erinnerungsblätter an Weiland Ihre Majestät Kaiserin und Königin Elisabeth
k.u.k. Hofbuchdruckerei A. Haase, Prag (nicht erhältlich)

5 – S.6, 15 – 6/7
Othmar Kleinschmied
Kaiserin Elisabeth
Druck und Verlag des kathol. Preßvereines, 1905 (nicht erhältlich)

6 – S.20-22
Sigrid Laube
Sisi, das Kind der Sonne
Jungbrunnen, 1. Ausgabe, 2004 (nur noch antiquarisch erhältlich)

19 – S.15, 27 – S.7/8
Gabriele Praschl-Bichler
Elisabeth Kaiserin von Österreich genannt Sisi
Amalthea, 1. Ausgabe, 2003 (nur noch antiquarisch erhältlich)

12 – S.23
Johannes Thiele
Elisabeth Ihr Leben. Ihre Seele. Ihre Welt (Bildband)
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2011

18 – S.23, 20 – S.15
Hans Rödlhammer
Elisabeth Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn
Verlag Kulturverein Schloss Ebelsberg, 1. Auflage, 1983 (nur noch antiquarisch erhältlich)

2 – S.24, 21 – S.25, 22 – S.25, 26 – S.26
E.C. Conte Corti
Elisabeth von Österreich Tragik einer Unpolitischen
Heyne Sachbücher, 15. Auflage, 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

11 – S.53, 12 – S.53/54, 23 – S.54, 24 – S.54, 25 – S.54/55
Johannes Thiele
Elisabeth Das Buch ihres Lebens
List Verlag, 1. Auflage, 1996 (nur noch antiquarisch erhältlich)

17 – S.18
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper TB, 8. Auflage, 2017

Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1835-1839
Münchner Staatsbibliothek

Michaela und Karl Vocelka
Sisi. Leben und Legende einer Kaiserin
C.H.Beck, 1. Auflage 2014

Elisabeth – Das Musical

Als 1955 der Sissi Film mit Romy Schneider über die Kinoleinwand flimmerte, konnte keiner erahnen, was das einmal auslösen würde. Was 1956 und 1957 mit Teil 2 und 3 noch weiter verkitscht wurde, wurde 1992 komplett anders dargestellt. Fans von Kaiserin Elisabeth haben zuerst das Musical gesehen und sich danach erst mit Elisabeth als Person beschäftigt.

Foto: Amazon.de

Das Musical hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Einen Hype, der bis heute ungebremst ist.

Am 3.9.1992 wurde in Wien im Theater an der Wien, unter dem scheidenden Intendanten Peter Weck, das Musical Elisabeth aus der Taufe gehoben. Ein Welterfolg, der anfangs so gar nicht die Kritiker ansprach. Im Gegenteil. Nach der Premiere war der Hohn und Spott hoch.

Aber beginnen wir von vorne:

Peter Weck, Foto: APA (Archiv)

„Mit Michael Kunze hatte ich die Idee für ein neues Musical besprochen, das wir in den Vereinigten Bühnen Wien produzieren wollten. Bei unseren Gesprächen landeten wir plötzlich bei – Michael Kunze brachte diese Idee ein – Kaiserin Elisabeth. Da ich selbst ja beim ersten Teil der Sissi-Filme mitgewirkt hatte, war es mir ein Anliegen, Kaiserin Elisabeth in unserer Version ohne jede Kitschverbrämung, als nicht als lieblich verzuckertes Geschöpf, sondern auf Basis der damals dank Historikerin Brigitte Hamann neu vorliegenden historischen Erkenntnis mit allen ihren Eigenheiten auf die Bühne zu bringen.“ (1)

Peter Weck über die Entstehungszeit von Elisabeth, an der er selbst 2 Jahre beteiligt war.

„Alle tanzen mit dem Tod, doch niemand wie Elisabeth…“ Ihre Zeitgenossen stehen in Lumpen und mit schwarzem Spitzentuch über dem Gesicht auf der Bühne und reden „immer noch von Elisabeth“.
So beginnt das Stück – naja mehr oder weniger. Eigentlich ist zuvor noch ein Prolog mit Lucheni, der von einem unsichtbaren Richter gefragt wird, warum er ausgerechnet Kaiserin Elisabeth umgebracht habe.

Er beantwortet die Frage mit „…weil sie es wollte“.

Man mag glauben, dass dies ein Satz ist, den tatsächlich ihre Zeitgenossen über sie gesagt haben. Aber die Texte und die Musik stammen von niemand geringeren als von Michael Kunze und Sylvester Levay, die zuvor die Schlagergemeinde mit ihren Songtexten und Musiktitel aufzumischen wussten. „Fly Robin fly“ wurde (und ist) ein Welthit.

Michael Kunze, Foto: Alexander Ch. Wulz

(2) Michael Kunze im Interview, wie Elisabeth – das Musical entstand. 7 Jahre sollte die Entstehung dauern; man kann also nicht sagen, dass sich Michael Kunze und Sylvester Levay das Stück leicht gemacht haben.

„Mit dem Blick auf die bevorstehende Milleniumswende wollte ich etwas über den Untergang des Habsburgerreiches schreiben. Ich bin studierter Historiker, und daher interessierten mich die Parallelen von Gegenwart und Vergangenheit. … Auch „Sisi“ wurde zwangsläufig erwähnt. Ich hatte allerdings nicht die geringste Lust, die unglückliche Kaiserin zur Hauptfigur einer Dramatisierung zu machen. Zu abschreckend war die Vorstellung, gegen das Klischee einer Filmfigur der 50er Jahre ankämpfen zu müssen. … Ich las alles über die Zeit vor und nach 1900, was mir in die Hände kam. Darunter waren die Tagebuchblätter des Vorlesers Constantin Christomanos. Darin fesselte mich eine Episode. Christomanos schildert, wie er Elisabeth nach einem Sturm an der Reling ihrer Jacht trifft. Sie weist ihn auf einen Möwenscharm hin, der dem Schiff folgt. Es seien immer dieselben Möwen, behauptet sie. Woran sie das erkenne, fragt der Vorleser. An der schwarzen Möwe in der vorderen Reihe. Die sei ihr vertraut. Als ich das las, wurde mir schlagartig klar, dass Elisabeth sich selbst als schwarze Möwe sah. Als Symbol des Untergangs. Von diesem Moment an wollte ich sie, allen Problemen zum Trotz, zur Hauptfigur des Werkes machen. ….“ (2)

Harry Kupfer, Foto: Lewin-Management.com

Harry Kupfer, der kongeniale Regisseur dieses Erstlingswerks von Peter Wecks „Vereinigte Bühnen Wien“, erinnert sich an die Begegnung und wie alles begann: „Die Oper ist mein eigentliches Spezialgebiet. … Ich hatte in Wien eine Produktion an der Staatsoper, wir hatten nachts gefeiert und auf dem Weg zur U-Bahn traf ich Peter Weck. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt nicht persönlich, doch er sprach mich an. …

Er fragte mich: „Haben Sie nicht mal Lust, ein Musical zu machen?“, und meine Antwort war: „Ja, wenn es ein gutes Stück ist, nicht so etwas, wo Musiknummern zu einer dürftigen Handlung zusammengeschmissen sind, würde ich das machen. Darauf er:

„Ich hab eins, „Elisabeth“. Da ist mir erst einmal der Kamm geschwollen, weil ich natürlich gleich an diese schrecklichen Sissi-Filme mit Romy Schneider dachte. Doch Weck meinte, das sei ganz anders, Michael Kunze und Sylvester Levay seien die Autoren und er würde mir das Libretto gleich morgen ins Hotel schicken. Das hat er dann auch getan, ich habe es gelesen und fand es gar nicht so schlecht….“ (3)

Der Rest ist Weltgeschichte.

Als er die Rolle von Elisabeth schrieb, musste er nach einem roten Faden im Stück suchen. Und so betrachtete Michael Kunze das Bild von Luigi Lucheni, der grinsend in die Kamera sah. Der jemanden getötet hatte, den er weder kannte, noch verstand. Das Opfer sollte jemand ganz anderer (Herzog d’Orléans) werden, als dieses nicht auftauchte, stach er auf die berühmte Frau ein, die weltpolitisch nie in Erscheinung trat.

Ethan Freeman, Foto: Jean-Marie Bottequin

Lucheni wurde der Erzähler eines Lebens. Ihres Lebens. Er verhöhnt ihr Leben und alle die sich rund um sie scharrten. Mit Gemeinheiten – auch in Richtung Publikums – spart er nicht. In „Kitsch“ bekommt das Publikum das zu spüren, was bis heute gilt: Die Sammelleidenschaft und die Begaffung einer Frau, die bis heute ein Geheimnis ist, ebnete zumindest nach 1955 nie wieder ab.

Gerade bei der jungen Kaiserin Elisabeth war das Interesse anfangs riesengroß. Das Volk wollte sein Recht an der jungen schönen Kaiserin haben; als diese floh und sogar ihre Kinder zurückließ, ebnete das Interesse immer mehr ab. Zu ihrem 50sten Geburtstag erschien lediglich ein kleiner Artikel in der Zeitung, dass die Kaiserin Geburtstag habe. Das Volk in der Dynastie Österreich-Ungarn nahm sie überhaupt nicht mehr wahr.

Mit den Sissi-Filmen jedoch begann ein Hype, der auch Elisabeth – das Musical nicht töten konnte. Bis heute stehen Elisabeth Häferl weltweit in Kästen, hängen Bilder an den Wänden und Postkarten stehen an Souvenirständen zum Kauf bereit. Auch Tattoos mit Sisi Schriftzug oder Konterfei sind mir schon begegnet.

Der „Kitsch“ kennt keine Grenzen. Luigi Lucheni hat im Stück recht, wenn er Schokolade in die Menge schmeißt und höhnisch dabei lacht, wenn er sieht, dass die Menge im Publikum gierig danach greift.

Ethan Freemann Foto: angelofmusical

Aber lassen wir Ethan Freeman zu Wort kommen:

„Ich flog zu den Auditions nach Wien. … Ich wurde mit einem musikalischen Leiter weggeschickt, um mit ihm „Kitsch“ zu erlernen, was ich dann noch am selben Tag mit den Noten in der Hand präsentiert habe. Ich kann mich erinnern, dass ich vorm letzten „Kitsch“ so richtig fies gelacht habe, das war wohl infektiös und damit war die Sache wohl entschieden. Ich hatte scheinbar für die Kreativen die richtige Kombination von Kraft, Gewalt-Potential, Aussehen und Stimme…“ (4)

Sylvester Levay verstand es wie kein anderer, das Stück mit seiner Musik zu beseelen. Man meint manchmal sogar, die reale Elisabeth von hören, wenn sie von dem „Kirschbaum“ träumt, auf den sie nicht darf, weil Maman eine Gesellschaft erwarte und ihr Vater die Zither nimmt und aus Possenhofen flüchtet. Die 15jährige Sisi sitzt verlassen am Boden und träumt von „Gedichten schreiben und Reiten mit dem Wind“ und hofft darauf, dass ihr geliebter, von ihr angehimmelter Vater sie mitnimmt.

Uwe Kröger Foto: Alexander Ch. Wulz

Doch Herzog Max hat wie immer kein Einsehen mit seiner Lieblingstochter. Sisi bleibt traurig zurück und muss sich dem strengen Ton ihrer Gouvernante hingeben und sich umziehen gehen…

Michael Kunze tat sicherlich Recht daran, Elisabeth mit dem Tod kokettieren zu lassen. Ihre Todessehnsucht erahnt man schon an ihren frühen Gedichten. Als ihr Schwarm Richard Graf von Schwarzenberg stirbt, schreibt sie Wehklagen in ihr Tagebuch. Hier ist das erste Mal von einer Todessehnsucht zu lesen. Elisabeth war zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt.

Wie sehr sich das verstärkt, sieht man im späteren Verlauf ihres Lebens. Der Tod sollte also ihr Liebhaber sein. Einer der sie versteht, nach dem sie greifen kann, wenn sie ihn braucht, aber ihr niemals zu Nahe kommen darf. Michael Kunze wählte bewusst die Gestalt von Heinrich Heine, um den jungen attraktiven Dichter in Szene zu setzen.

Uwe Kröger, Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Langhaarig, blond, androgyn – so schritt der erste Tod 1992 von der Feile zum Totentanz der Zeitzeugen herab. Niemand geringerer als Uwe Kröger besetzte diese Rolle. Dass er der erste Rusty in Starlight Express war, sollte damals niemanden interessieren. Kröger spielte mit der Rolle, mit dem Publikum und löste einen wahren Hype aus – einen den er sich später – nach dem seine Fans sogar Selbstmorddrohungen ausstießen, als er sich die Haare für die Rolle von Chris für Miss Saigon abschneiden ließ – bitter bereuen sollte.

Der Tod der uns alle im gewissen Sinne begleitet, löst einen Machtkampf mit dem Publikum aus. Folgt man ihm oder kann man sich ihm entziehen? In 25 Jahren waren alle Tod-Darsteller blond oder zumindest brünett. Fast alle langhaarig. Nach Uwe Kröger folgten Paul Kribbe, Addo Kruizinga, Felix Martin, Máté Kamarás, Rob Fowler und natürlich der letzte Tod: Mark Seibert – er ist das momentane Sexsymbol der Musicalwelt.

Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Pia Douwes war die erste Elisabeth. Sie lieh ihr Stimme, Aussehen, Charakter und Eigenschaften, die die wahre Elisabeth zu haben schien. Ihre Darstellung ist bis heute unangefochten mit dieser Rolle verwoben und verbunden.

Viele Elisabeths folgten auf 25 Jahre Welterfolg. Die bekanntesten neben Pia Douwes sind natürlich Maya Hakvoort, Annemieke van Dam und die letzte Roberta Valentini.

Fragt man Musicalfans der ganzen Welt, sind sich diese uneinig, wer nun „DIE“ Elisabeth sei.

Fragt man mich, würde ich uneingeschränkt Maya Hakvoort nennen. Ihre Stimme hat mich von der ersten Minute an gepackt und ließ mich nicht mehr los. Aber auch Roberta Valentinis Darstellung behagt mir sehr.

Sie ist vor allem konstant durchgehend eine Elisabeth, der man jede Station abnimmt. Derselbe „Streit“ entsteht bei den Rollen von Der Tod und Luigi Lucheni. Hier gibt es eigentlich auch nur 2 Antworten für mich: Paul Kribbe war und wird immer „mein“ Tod sein, danach folgt für mich persönlich Mark Seibert. Bei Luigi Lucheni tendiere ich zwischen Bruno Grassini und Kurosch Abbasi, aber auch Serkan Kaya gefiel mir außerordentlich gut. 

Aber was ist nun mit Kaiser Franz Joseph, Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Sophie, Graf Grünne, Kardinal Rauscher, Herzogin Ludovika, Néné usw. Viele von ihnen haben eine Stimme bekommen, ein paar sind nur Nebendarsteller und erscheinen wirklich nur am Rande.

Im Prinzip erstrahlt das Musical mit 3 Hauptdarstellern: Elisabeth, Der Tod, Luigi Lucheni. Der Rest ist in Nebenrollen oder winzigen Sequenzen zu sehen.

Pia Douwes, Foto: Jean-Marie Bottequin

Das Hauptlied des ersten Teils ist mit Sicherheit der Song „Ich gehör nur mir“. Hier bricht Elisabeth aus. Hier zeigt sie, dass sie nicht die Person ist, die sich einsperren, quälen, begaffen und berichtigen lässt, wie es allen anderen am Wiener Hofe passen würde. Allen voran natürlich Erzherzogin Sophie oder auch dem Kaiser, der sich weder gegen seine Frau, noch gegen seine übermächtige Mutter durchsetzen kann.

Der Text von „Ich gehör nur mir“, könnte genauso gut aus der Feder von Kaiserin Elisabeth per se stammen. Man könnte meinen, dem Schreiberduo ist dies aufs Notenblatt diktiert worden.
Egal wer dieses Lied im Stück singt – Gänsehaut ist vorprogrammiert. Dieses Lied ist das Herzstück des ersten Teiles, dass was Elisabeth ausmacht.

Aber auch Lieder wie „Milch“ (1992 noch an anderer Stelle als heute), Kaffeehaus-Szene oder „Nichts nichts gar nichts“ sind bezeichnend für den Weg von Elisabeth.

Der wütende Mob vor der Hofburg, der mit Milchkannen beinahe wie auf die Bastille zustürmt und um „Milch“ schreit, während die Kaiserin darin badet. Bezeichnend für ihren Schönheitskult „Unsre Kais’rin soll sich wiegen,
kämmen, pflegen und erfrischen“.

Was wir alle an Sisi bewundern ist ihre Schönheit, ihr ambivalenter Charakter, ihr exzessives Leben. Das Leben des Volkes aber berücksichtigen wir im Grunde unseres Herzens nicht, wenn wir die Bilder dieser strahlenden Schönheit in den Krinolinenkleidern bewundern. Das Volk hungert, friert und hat kaum das Nötigste, während Sisi in Milch badet, weil das ihrem Teint zu Gute kommt.

Wer jetzt das ungarische Krönungslied „Wenn ich tanzen will“ in der Aufzählung vermisst, wird bitter enttäuscht sein, wenn ich sage, dass dieser Song 1992 noch nicht auf der Welt war.

Uwe Kröger mit Rudolf-Darsteller, Foto: Alexander Ch. Wulz

Erst im späteren Verlauf der Geschichte kommt Kronprinz Rudolf vor. Zuerst als kleiner Junge, der verzweifelt nach seiner Mutter weint. Natürlich ist es „der Tod“ der den Kleinen tröstet, denn Rudolf hat die Melancholie seiner Mutter geerbt.

Im weiteren Verlauf wird im Duett „Wenn ich dein Spiegel wär“ klar, dass die Mutter ihren Sohn weder verstehen will, noch ihn jemals verstanden hat. Ihre Arroganz und Verbitterung gegenüber dem verzweifelnden Sohn wird mit Minute zu Minute klarer.

Bezeichnend ist es natürlich, dass der Tod in Gestalt mit einem verkleideten Todesengel der Mary Vetsera darstellt, auf Rudolf lauert. Der Schuss ist nur der Anfang von einem Ende, das schon lange vorher eingeläutet wurde.

Wenn Elisabeth weinend am Sarg ihres Sohnes, der sich durch die Bühnenkonstruktion langsam in die Erde absenkt, zusammenbricht ist meistens ein Raunen im Publikum zu hören: „Die arme Mutter…“

Die arme Mutter die mit „Rudolf, wo bist du“ ihre letzten Jahre einläutet. Depressiv, einsam, schwarz gekleidet, flieht sie vor ihrem eigenen Ich.

Pia Douwes, Viktor Gernot Foto: Alexander Ch. Wulz

Auf Cap Martin versucht ein alter, gebrochener, wehklagender, zerbrechlich wirkender Kaiser Franz Joseph seine Sisi noch einmal zur Umkehr zu bitten. Das Duett „Zwei Boote in der Nacht“ ist bezeichnend für das letzte Kapitel, für die Verbitterung Elisabeths niemals Verzeihen zu können.

Danach folgt unweigerlich Luigi Lucheni, der nach einem fürchterlichen Alptraum Kaiser Franz Josephs, wo er den Tod Elisabeths vor Augen hat, vom Tod die Feile in die Hand geworfen bekommt und losstürmt.

Bim-bim… die Schiffsglocke. Elisabeth und „der Schleier fällt“. Der Tod hat endlich seine Sisi im Arm, sie gibt sich dem hin, was sie Jahrzehntelang erträumt und sich nicht getraut hat: zu sterben…

Im Grunde ist damit die Geschichte erzählt, auch wenn ich hier natürlich Szenen ausgelassen habe, die unweigerlich dazugehören; aber ich möchte euch ja noch den Triumphzug quer durch die Welt erzählen…

Die komplette Cast der Weltpremiere am 3.9.1992 war:

Darsteller:
Kaiserin Elisabeth                  Pia Douwes
Der  Tod                            Uwe Kröger
Luigi Lucheni                       Ethan Freeman
Kaiser Franz Joseph                 Viktor Gernot
Erzherzogin Sophie                  Else Ludwig
Kronprinz Rudolf                    Andreas Bieber
Kronprinz Rudolf Kind               Markus Neubauer
Herzog Max in Bayern                Wolfgang Pamperl
Herzogin Ludovika/Frau Wolf         Christa Wettstein
Helene von Wittelsbach              Rebecca Rashid
Ludwig Graf Grünne                  Peter Faerber
Kardinal Rauscher                   Dean Welterlin
Felix Fürst zu Schwarzenberg        Harald Hofbauer
Baron Hübner                        Günther Schulz
Baron Kempen                        Eric Minsk
Gräfin Sztáray                      Nicole Sieger
Gräfin Esterhazy-Liechtenstein      Isabella Fritdum
Maximilian von Mexiko               Stanislaus Meus
Mary Vetsera                        Marion Wilmer
Junger Ungarischer Adeliger         Frank Lohmann
Graf Andrássy und Graf Bathyány     Aris Sas
Fanny Feifalik                      Gabriela Kuhn
Eine Hofdame                        Marika Lichter
Eine Gouvernante                    Ina Retzbach
Ein Professor                       Christian Hauser
Fräulein Windisch                   Jasna Ivir
Todesengel                          Michael Bernhard
                                    Steven Bernier
                                    Theresa Bomme 
                                    Daniela Colantuanto

Kreativ Team:
Regie                            Harry Kupfer
Musikalische Leitung             Caspar Richter
Choreographie/Musical Staging    Dennis Callahan
Bühnenbild                       Hans Schavernoch
Kostüme                         Reinhard Heinrich
Lichtgestaltung                  Hans Toelstede
Tongestaltung                   Erich Dorfinger

Nach dem tosenden Applaus des Premierenpublikums der Schock. Die Presse verriss das Stück, Peter Weck und alle Darsteller. In den Feuilletons der Zeitungen stand sowas wie:

„Was für ein Kaiserinnen-Schmarren“ (Presse), die weiter schrieb: „Nichts, aber auch wirklich gar nicht, haben die Autoren unternommen, um der Gefahr der Verkitschung zu entgehen.“

„Munter geht die Sissi unter“, hieß die andere Schlagzeile. „Sie sind aber auch allesamt, die Darsteller von geringem Format (Kurier).

„Was einst vom Hauch der Hohen Kunst umfächelt war, hier brettert Kupfer die gleichen Mittel, nur etwas angeschmuddelt auf die Bühne“ (Der Standard).

„Kunzes Text macht Elisabeth zum Nachtschattengewächs. Ein großer Musicalwurf ist es nicht! (Kronen Zeitung) usw.

Doch was die Kritiker nicht bedachten war das Publikum.

Elisabeth wurde wie kein zweites Musical zuvor und danach geliebt. Einzig „Tanz der Vampire“ kann denselben Erfolg verbuchen, wie Elisabeth 1992.

Aber Tanz der Vampire eröffnete erst am 4.10.1997, mit einem grandiosen Steve Barton, die Pforten.

Peter Weck erzählt:

„Das Medienecho war für die Darsteller natürlich furchtbar deprimierend. Um mein Ensemble zu trösten und zu beruhigen, allen das verdiente Lob auszusprechen, ging ich damals von Garderobe zu Garderobe und habe Künstlerinnen und Künstler aufgebaut und ihnen versichert, dass diese Kritiken nicht gegen sie, sondern einzig und allein gegen mich gerichtet seien. … Der Erfolg beim Publikum aber wog alles auf, und Elisabeth hat letztendlich bewiesen, dass ein „Kaiserinnen-Schmarrn“ kein Schmarrn sein muss.“ (5)

Maya Hakvoort Foto: Alexander Ch. Wulz

Die Saison von Elisabeth dauerte 4 Jahre und wurde bis am 25.4.1998 gespielt. Mozart löste Elisabeth im Elisabeth Jahr ab – zum 100jährigen Todestag von Kaiserin Elisabeth (10.9.1998) ertönte Mozart aus den Mikrophonen der VBW Darsteller.

Ab 1994 übernahm Maya Hakvoort die Rolle der Elisabeth und spielte diese bis zum 25.4.1998. Mit ihr gingen und kamen neue Gesichter. Uwe Kröger spielte noch eine Zeitlang, genauso wie Andi Bieber, Viktor Gernot, aber auch sie wurden durch Paul Kribbe, Thomas Harke oder Leon van Leeuwenberg mit der Zeit ersetzt und auch hier gab es später wieder einen Castwechsel.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Foto: Theater des Westens

Pia Douwes über ihre Rolle:

„Ich war zunächst platt, ich war fertig. Diese Rolle hat mich sehr mitgenommen – aber auch diese Frau. Ich erkenne mich in ihr. Ich verstehe ihre Depressivität, und wie es ist, manchmal überfordert zu sein, mit zu vielen Menschen. Ich verstehe ihre Tierliebe, Liebe zur Natur und zu Sprachen. Ich habe sie so gut verstanden, dass ich sie mit nach Haus genommen habe, und musste erst nach und nach lernen, sie im Theater zu lassen.“ (6)

Über die Rolle zum „Tod“ befragt, die er nachhaltig kreiert hatte, gab Uwe Kröger die Antwort:

„Bei der Erarbeitung der Rolle hat mir sehr geholfen, dass Harry Kupfer eine ganz präzise Vorstellung von dem hatte, was der Tod macht – vor allem in „Der letzte Tanz“. Das ist der Bruch des Surrealen – ein Geist zu sein, für den es sich seltsam anfühlt, menschlich zu sein. Man ist ein Gott des Universums, der unfassbare Gevatter Tod – und doch hat man so etwas wie menschliche Gefühle. Die Figur darf nie eindimensional werden – das war Harry Kupfer ganz wichtig.“ (7)

Ichiro Maki (Tod), Hanafusa Mari (Elisabeth) 1996, Japan, Foto: Takarazuka Revue Theater

Was danach folgte, ist legendär für dieses Stück. Es ging um die Welt.

Seit 16.2.1996 (immer wieder mit Unterbrechungen) spielt Elisabeth in Takarazuka Revue Theater in Takarazuka; also in Japan.

Ungarische Aufführung Foto: RoseDiMontague

Am 17.8.1996 folgte die Aufführung in Ungarn. Die Freilichtbühne Szeged war dabei das Ziel. Ab 6.10.1996 wurde es dann im Operettenhaus Budapest gespielt.

Die schwedische Aufführung fand am 30.9.1999 ihre Premiere. Im Musiktheater i Vármland in Karlstad wurde es dann bis zum 9.1.2000 gezeigt.

Pia Douwes in Scheveningen, Foto: Joop van den Ende Theaterproducties

Auch in Holland hielt das Stück Einzug. Genauer gesagt in Scheveningen im Circustheater wurde es ab 21.11.1999 bis 22.7.2001 gespielt. 1999 übernahm die Rolle niemand geringerer als Pia Douwes.

Am 6.6.2000 war im Imperial Garden Theater in Tokio/Japan die Premiere.

Uwe Kröger und Pia Douwes in Essen, Foto: tansytrading.weebly.com

Deutschland musste bis zu seiner Erstaufführung bis ins Jahr 2003 warten. Essen war das auserkorene Ziel.

Das Colosseum Theater lud ab 22.3.2001 bis 29.6.2003 zum Musical ein. Elisabeth und Der Tod wurden von Pia Douwes und Uwe Kröger dargestellt.

Zum 10. Jahrestag des Stückes, lud man die illustren Gäste ins Wiener Konzerthaus. Das Konzert fand am 21.10.2002 statt. Besetzung waren u.a. Pia Doues, Maya Hakvoort, Uwe Kröger, Felix Martin, Ethan Freemann, Thomas Borchert, Viktor Gernot, Else Ludwig, Andi Bieber und Wolfgang Pampel. Viktor Gernot schlüpfte zum definitiv letzten Mal in die Uniformsjacke. Er verließ bereits 1997 das Genre Musical, um ab diesem Zeitpunkt mit den Hektikern Karriere zu machen. Mittlerweile ist er ein gefeierter Comedian und Solokünstler.

Maya Hakvoort und Maté Kamarás, Foto: VBW

Ab 6.10.2003 bis 4.12.2005 kam Elisabeth wieder zurück nach Wien. Maya Hakvoort übernahm erneut die Elisabeth. Máté Kamarás wurde Der Tod und Serkan Kaya Luigi Lucheni.

André Bauer, Maté Kamarás, Maya Hakvoort, Foto: Alexander Ch. Wulz

Maya Hakvoort über die Rolle ihres Lebens: „Ich wollte so nah wie möglich an das Original herankommen. Ich wollte zeigen, wer Elisabeth wirklich war. Um das auf der Bühne glaubhaft zu vermitteln, habe ich wahnsinnig viel über sie gelesen und bin an viele Orte, an, welchen sie auch war, gereist. Ich war auf Korfu, Madeira, natürlich in Bad Ischl und Wien. Aber auch im Schloss Gödöllö in Ungarn und auch sonst bin ich viel durch Ungarn gereist, da ich wusste, wie viel Elisabeth dieses Land bedeutete.“ (8)

Maya Hakvoort vor dem Schloss Miramare in Triest, Foto: Rolf Bock

2x gastierte Elisabeth in Triest im Schloss Miramare. Vom 21.7. – 27.7.2004 und vom 31.7. – 6.8.2005. Beide Male begrüßte Maya Hakvoort ihr Publikum. Ihr zur Seite standen Thomas Borchert als Der Tod und Bruno Grassini als Luigi Lucheni.

Nach Deutschland kehrte es am 6.3.2005 zurück. Im Apollo Theater in Stuttgart gastierte es bis zum 17.9.2006. Nur einige Gastvorstellungen wurden von Pia Douwes gespielt.

Thérèse Karlsson, Tomi Metsäketo. Foto: Turun kaupunginteatteri, Robert Seger

Auch das finnische Publikum durfte sich über unsere Kaiserin Elisabeth freuen. Vom 23.9.2005 bis 30.12.2006 wurde es in Turku im Turun Kaupunginteatteri gespielt.

Die Schweizer Fangemeinde freute sich über Elisabeth in Thun bei den Thuner-Seespielen. Es gastierte vom 19.7. bis 30.8.2006 auf der wunderschönen Seebühne.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Berlin Foto: Theater des Westens

Uwe Kröger und Pia Douwes kehrten als Der Tod und Elisabeth nach Berlin auf die Bühne zurück. Vom 20.4. bis 27.9.2008 feierten sie im Theater des Westens furiose Erfolge.

Annemieke van Dam, Foto: VBW

Annemieke van Dam übernahm erstmalig die Rolle bei der großen Europatournee, die sie vom 17.10.2008 bis 25.4.2010 durch Zürich, Antwerpen, München, Frankfurt, Bremen, Bregenz und Düsseldorf führen sollte. Der Tod wurde Oliver Arno, aber auch Uwe Kröger übernahm immer wieder Gastauftritte.

Die zweite Europatournee wurde am 11.10.2011 gestartet und lief bis zum 6.5.2012. Die Städte waren: Köln, Frankfurt, München, Basel, Essen, Bremen, Chemnitz, Erfurt, Leipzig, Dresden, Triest.

Annemieke van Dam übernahm wieder die Elisabeth und Der Tod wurde niemand geringerer als Mark Seibert. Man kann sagen: Er kam – sang – und siegte. Nach Uwe Kröger sollte kein weiterer Tod diesen Hype miterleben, wie Mark Seibert. Seine weitere Karriere ist bis heute grenzenlos: Mozart, Schikaneder, Tanz der Vampire – um nur einige Stationen zu nennen.

Mark Seibert Foto: Herbert Schulze

Mark Seibert über die Rolle: „In einem Musical sind die Rollen in gewisser Weise wie ein Korsett vorgegeben. Man hat die Texte, die Songs und auch das „Staging“ – also die Form, wie ein Darsteller in der Szene agieren muss. Die technischen Abläufe sind im Musical sehr klar festgelegt, und diese Vorgaben bieten nicht sehr viel Freiraum. Doch bei der Interpretation einer Rolle wird einem immer ein gewisser Spielraum eingeräumt, innerhalb dessen man agieren und sich entfalten kann. So durfte ich die Rolle des Todes trotzdem mit meiner eigenen Note versehen und sie zu der meinen machen.“ (9)

Und wer glaubt, dass dieser Triumphzug schon alles war, irrt.

Korea Foto: SCE.PLAY.ssongbs

Selbst Korea war im Elisabeth Fieber. Vom 9.2. bis 13.5.2012, 26.7. bis 7.9.2013 und 14.9. bis 20.10.2013 wurde es an verschiedenen Theatern und Orten aufgeführt. Mit dabei Seoul, Busan, Daegu, Gwangju und Changwon.

Daniela Ziegler, Annemieke van Dam, Foto: barbara2446

Die 20jährige Jubliäumsproduktion wurde wieder in Wien – diesmal im Raimundtheater – eingeläutet. Vom 5.9.2012 bis 1.2.2014 durfte das Publikum wieder „ihre“ Elisabeth in Wien sehen. Cast war niemand anderer als Annemieke van Dam als Elisabeth, Der Tod Mark Seibert und als Luigi Lucheni war erstmals Kurosch Abbasi in Wien zu sehen. Hier gab es eine ganz besondere Erzherzogin Sophie zu hören.

Niemand geringerer als die Grand Dame des Schauspiels und Gesangs Daniela Ziegler – „die“ Norma Desmond aus Sunset Boulevard – übernahm diesen Part.

Roberta Valentini, Maximilian Mann in Shanghai/China, Foto: Liza Makepise
Plakat zum Konzert in Osaka mit Maya Hakvoort, 2012, Foto: kultur-channel.at

Aber auch Osaka/Japan durfte sich über ein 20jähriges Jubiläumskonzert freuen. Vom 15.10. bis 22.10.2012 und vom 26.10. bis 31.10.2012 gastierte es erneut in Japan. Mit dabei waren Maya Hakvoort, Máté Kamarás, Lukas Perman, Bruno Grassini, André Bauer usw. 

Als es endlich nach China kam, war der Aufschrei in der Presse riesengroß. Niemals zuvor hat es ein Stück der VBW nach China geschafft. Vom 12.12.2014 bis 11.1.2015 gastierte in Shanghai Elisabeth. Und hier treffen wir auf die vorletzt letzte Elisabeth: Roberta Valentini. „Ihr“ Tod war natürlich Mark Seibert, Luigi Lucheni Kurosch Abbasi.

Roberta Valentini Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Roberta Valentini über Elisabeth: „Sie ist eine starke, selbstbewusste und liebende Frau. Viele sagen, dass sie egoistisch sei, was sicher auch in gewisser Weise stimmt. Aber sie ist auch eine einfühlsame und liebende Frau. Diese Balance zu spielen ist schwer und gleichzeitig auch das Reizvolle daran.“ (10)

Mit dieser Besetzung ging die 3te und vorläufig letzte Europatournee los. Vom 25.2.2015 bis 14.2.2016 führte die Tournee nach Essen, München, Linz, Frankfurt und Berlin

Und wer Elisabeth jemals gesehen hat, wird wissen, dass dies nicht die letzte Aufführung gewesen sein wird.

Auch wenn sich das Stück im Laufe der Zeit verändert hat, Lieder hinzugeschrieben, Szenen verschwanden oder umgeändert oder neu platziert wurden, so ist dieses Musical etwas ganz besonderes. Auch, wenn mir persönlich nicht alle Änderungen gefallen und ich so manch Kostüm scheußlich finde – der Charakter ist geblieben. Aber 1992, ja 1992 war etwas ganz besonderes. Und wer dabei war, wird jetzt ein kleines Lächeln auf den Lippen haben… 

Zum Schluss möchte ich noch Sylvester Levay zu Wort kommen lassen, der sicherlich am meisten geprägt wurde. Seine Frau Monika Levay ist eine anerkannte Expertin und Sammlerin. Ihre Original Exponate waren schon oftmals in mehreren Ausstellungen zu sehen; oft wird sie zu Expertisen rund um Kaiserin Elisabeth herangezogen. Sylvester Levay kann Kaiserin Elisabeth gar nicht entfliehen – immerhin bewohnt er einen Teil im Schloss Schönbrunn und hat sie somit täglich vor Augen.

„Wir wollten kein Musical, wie es auch wunderbare Stücke am Broadway gibt, schreiben, in denen Lieder von kurzen Texten, in denen die Geschichte erzählt wird, unterteilt werden. Bei uns sollten nur die wichtigsten, kurze Sätze in der Stille wirken, sonst wollten wir immer eine Untermalung, damit die emotioniale Bedeutung und Tiefe der gesprochen Worte durch die Musik noch besser vermittelt wird.“ (11)

Sylvester Levay Foto:  ooe.orf.at

Und das können wir so stehen lassen…

Bleibt nur noch eines, was es zu sagen gibt:

Wir Zuseher müssen auch mal DANKE sagen:

DANKE LIEBER MICHAEL KUNZE, SYLVESTER LEVAY, PETER WECK, HARRY KUPFER, PIA DOUWES, UWE KRÖGER, ETHAN FREEMANN, MAYA HAKVOORT, MÁTÉ KAMARÁS, ROBERTA VALENTINI, MARK SEIBERT UND ALLE ANDEREN

(WER NICHT AUFGEZÄHLT WURDE, SOLL SICH BITTE NICHT BENACHTEILIGT FÜHLEN).


Danke für die wunderbaren Theaterstunden. Wir freuen uns bis zur nächsten Aufführung, wenn es wieder heißt:

Alle tanzten mit dem Tod,

doch niemand wie …

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 

– Petra –


Rechtliche Hinweise: 

Text: Petra 
Bildrechte: ooe.orf.at, La Belle/Juliane Bischoff, Liza Makepise, barbara2446, SCE.PLAY.ssongbs, VBW, Thuner Festspiele, Theater des Westens, Robert Seger, Rolf Bock, Alexander Ch. Wulz, tansytrading.weebly.com, tansytrading.weebly.com, Joop van den Ende Theaterproductions, Jean-Marie Bottequin, Amazon.de, angelofthemusical, APA (Privat), lewin-management.de, Takarazuka Revue Theater, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise: 

1 – S 299/300, 5 – S 303
Peter Weck
War’s das?
Amalthea 2010, 1. Auflage

2 – S 4, 3 – S 10, 4 – S 35, 6 – S 21, 7 – 27, 8- 99, 9 – S 171, 11 – S 8
Blickpunkt Musical
Elisabeth

10 – S 7
Blickpunkt Musical
Elisabeth – Shanghai & Europa Tournee 2015/16

Verlobung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern

Elisabeth Herzogin in Bayern als Verlobte
dahinter der Starnbergersee
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht?

Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen.

Das die Sissi Filme an den Haaren herbeigezogen sind, erwähne ich beinahe in jedem Beitrag.

Dass aber gerade die Kennenlernszene und alles weitere bis zur Verlobung, nichts als der reine Kitsch und eine hübsche Mär ist, um den von krisengebeutelten Land ein bisschen Idylle einzuhauchen, möchte ich heute gerne erzählen.

Denn leider sind die Filme bis heute zu viel in den Köpfen der – vor allem Frauenwelt – verankert, die diese glauben und für die volle Realität halten.

Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag Seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene Herzogin in Bayern

Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene „Néné“ Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890).

Kürzlich hat ein Ludovika Biograph gemeint herausgefunden zu haben, dass die Geschichte mit Néné gar nicht stimme.

Es soll immer schon Elisabeth gewesen sein, die für Franz Joseph bestimmt gewesen sei und alle Historiker würden sich irren. (Kein weiterer Kommentar)

Ich vermag mir den Seitenhieb nicht verwehren, dass auch Historiker irren können, oft genug habe ich dies in meinen Beiträgen schon bewiesen und auch jetzt muss ich wieder etwas richtigstellen.

Manches Mal wird über das Ziel hinaus geschossen und Papier ist bekanntlich geduldig und so mancher Lektor leider nicht imstande das Gelesene zu verbessern.

Denn schon Egon C. Conte Corti (+2.4.1866, 17.9.1953) hatte 1934 die Geschichte in seiner sehr gut recherchierten Biographie „Elisabeth, eine seltsame Frau“, welche damals noch mit lebenden Augenzeugen gespickt war, aufgegriffen und erzählt.

Er bekam als Einziger Einsicht in mitterweile längst verschwundene, verbrannte oder absichtlich zerstörte Unterlagen und so stützen sich Historiker aus aller Welt bis heute auf seine Bücher.

Vor Conte Cortis Biographie gab es kleinere Bücher oder Erinnerungsblätter welche im Auftrag von Kaiser Franz Joseph direkt nach dem Tode seiner geliebten „Engels-Sisi“ nur intern für seine Familie und als Erinnerung für die Offiziere veröffentlicht wurden.

Tief vergraben in so mancher Bibliothek kann man sie finden und ich habe sie gefunden. Auch hierin ist zu lesen, dass nicht Elisabeth die erste Wahl war, sondern Néné Kaiserin werden sollte.

Foto: Wikimedia/Commons
Sidonie Prinzessin von Sachsen

Doch dem Kaiser gefiel sie nicht, wie zuvor schon die arme Sidonie von Sachsen (*16.8.1834, 1.3.1862), die als Jungfrau sterben musste, weil sie Franz Joseph nicht schön genug war.

Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers. 

Der Bericht zu Franz Josef und seine Frauen kann hier nachgelesen werden. Natürlich war Helene in Bayern nicht die schönste Tochter von Ludovika, dies kann auf den Bildern von ihr sogar heute noch gesehen werden.

In vielen Biografien ist sogar zu lesen, dass sie wie eine Bauernmagd ausgesehen hat, sie geschielt habe und generell grobschlächtig war.

Auf Seite 434 der Ludovika Biografie listet der Autor Fehler von Autoren auf, die in weiterer Folge auch von anderen Historikern übernommen wurden.

Nun gut, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, denn er selbst schreibt, dass die Verlobung am 19.8.1853 stattgefunden habe.

Ich finde es generell schade, wenn ein Historiker, andere verheizt und er selbst greift immer wieder Autorin Praschl-Bichler an, nimmt sich aber nun heraus, diese in seinem Ludovika-Buch immer und immer wieder zu zitieren. In seinem Kapitel „4 Tage in August“ geht es nur darum, Hamann, Conte Corti, Haslinger, Praschl-Bichler, Graf usw. mit seiner These, dass Helene nie für Franz Joseph vorgesehen war, anzugreifen.

Mir liegt das Buch der Grazer Universitätsbiblithek vor und zu Recht bin ich wohl die Erste, die das Buch in Händen hält, denn es ist völlig ungebraucht und ungelesen. Mittlerweile ist das Buch auch nicht mehr erhältlich am Markt. Manches regelt sich von allein.

Nun aber zurück zur Verlobung und zu den Historikern, denen ich vertraue: Dr. Bernhard Graf, Alfons Schweiggert, Egon Conte Corti, Dr. Martina Winkelhofer und Beatrix Meyer.

Sophie suchte also fieberhaft in ihren eigenen Reihen eine geeignete Braut und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war.

„Die Mutter hat ihn ganz in der Hand, er wird ihr völlig gehorchen. Wer weiß, wie lange noch. Jetzt wird er vielleicht ohne Widerspruch die Braut annehmen, die sie, Sophie, für ihn ausgesucht hat. Schon längst hat sie mit ihrer Schwester in München den Plan besprochen, deren älteste Tochter Néné mit ihrem Sohne Franz Joseph zu vermählen. Das Projekt einer Verbindung mit der schönen und klugen Tochter des Palatins Joseph von Ungarn findet nicht ihrer Billigung.“ (1a)

Anmerkung Petra: gemeint war Erzherzogin Elisabeth Franziska; die Geschichte dazu, könnte ihr hier nachlesen.

Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth mit.

Elisabeth wurde als Kind ausschließlich von ihren Eltern, Tanten, Geschwistern usw. „Elise“ genannt. Doch ob ihre Kindheit wirklich gar so glücklich war, kann hier nachgelesen werden.

Aus Elise wurde schön langsam aber sicher Sisi.

Laut Michaela Lindinger, der Hermesvilla-Kuratorin stammt Sisi von Erzherzogin Sophie. Sie soll gemeint haben, eine Kaiserin die „Liesl“ gerufen wurde, könne es nicht geben. Sie soll – wenn es nach Frau Lindinger geht – aus Liesl „Sisi“ gemacht haben.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
kaum bekanntes Bild der 15jährigen Elisabeth im Reitkleid – da im Privatbesitz!
Ölbild: Friedrich von von Kaulbach

Dem widerspricht aber ein Brief von Ludovika an ihre Schwester Königin Auguste von Sachsen von 1853:

„Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich als ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre [Prinz Georg, wohl der zweite Sohn des sächsischen Königs Johann], wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen… hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug“. 1b)

Anmerkung Petra: Elisabeth wurde auf Brautschau nach Dresden geschickt, kam aber ohne Bräutigam nach Hause; worauf hin sich Louise schwere Sorgen machte. Es ist aber eindeutig bewiesen, dass 1 Jahr vor der Verlobung ihre eigene Mutter Elisabeth „Sisi“ nannte.

Warum also Erzherzogin Sophie dafür verantwortlich sein soll, dass aus „Liesl“ – was im übrigen nirgendwo in der Korrespondenz, sondern erstmals 1903 in den „Erinnerungsblättern“ auftaucht, Sisi wurde, ist mir wieder einmal ein Rätsel.

Elisabeth jedenfalls sollte abgelenkt werden. Ihre unstandesgemäße Liebe zu Richard Graf von Schwarzenberg, welcher ihr den Kopf gehörig verdrehte, musste unter allen Umständen verboten werden.

Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Elisabeths Umfeld entfernt. Er wurde zum Militär geschickt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später.

Elisabeth war untröstlich.

Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen -
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (1)
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Elisabeth als 14jährige; das Erste bekannte Foto von ihr

Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie.

Zeit ihres Lebens sollte sie ihren Jugendfreund, der nie näher deklariert wurde, vergessen.

Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte.

Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, 19.5.1896) die Wunden heilen könne.

Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus.

Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Elisabeth ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab. 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Ludovika Königin von Preußen und Firmpatin Elisabeths

Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Ischl.

Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester.

Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter,

Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura (= in Abwesenheit) Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie).

Sie folgte am 13.8.1853 nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Victor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.

Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an.

Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen.

Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen.

Das Unglück nahm seinen Lauf.

Foto: Wikimedia/Commons
Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum

Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten.

Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht.

Sophie schrieb ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen:

„Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“  (2)

Néné wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in

Foto(montage): W. Hain
Souvenir des Verlobungspaares (Der Kaiser wurde größer gemacht).

Sisi.

Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Elisabeth verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest: 

„In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3) 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte
Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853
Elisabeth ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.

Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch:

„Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)

Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern.

Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte

Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah.

Herzogin Elisabeth trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi.

Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern.

Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu:

„Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)

Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Elisabeth bat, wussten alle im Raum Bescheid.

Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.

Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Elisabeth nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde.

Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser

„sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)

Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz:

„Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.

Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Herzogin Elisabeth verlobt hatte. 

Der kleine Ort war außer Rand und Band.

Foto: Wikimedia/Commons
Siriuskogel

Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E.

Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren.

Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Herzogin Elisabeth war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schrieb sie:

„Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)

Ludovika notierte:

„Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)

Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes
Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes

Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ.

Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten.

Elisabeth war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.

Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.

Foto: Wikimedia/Commons
Karl Ludwig Graf von Grünne

Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte.

So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar.

Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.

Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute ein Museum).

Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.

In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen.

So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiservilla

Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen.

Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn.

Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.

Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.

Elisabeth wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet.

Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org

Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben.

Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at

Elisabeth verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete.

Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.

Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch:

„Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.

Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Elisabeth auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt:

„Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10) 

Foto: fuenfseenland.de
Das junge Paar

Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Sisis Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen.

Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen.

Sie ließ Sisi Eisenpräperate zukommen, die diese einzunehmen hatte. Diese jedoch färbten die Zähne unweigerlich schwarz. 

Elisabeth litt darauf hin ein Leben lang unter ihren schlechten Zähnen, weshalb sie den Mund beim sprechen nie ganz aufmachte und niemals lächelte. 

Weiters wurde an Elisabeth herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus.

Sie musste stundenlang Modell stehen, ihr war langweilig und sie wurde unruhig. Der teure Schmuck, der aus Wien eintraf, wurde in die Schublade verstaut, einzig der Papagei von Kaiser Franz Joseph, der ihr nach Bayern geschickt wurde, bereitete ihr Freude.

Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:

Lebet wohl, ihr stillen Räume,
Lebe wohl, du altes Schloß,
Und ihr ersten Liebesträume,
ruht so sanft in Seesschoß.
Lebet wohl, ihr kahlen Bäume,
Und ihr Sträucher, klein und groß,
Treibt ihr wieder frische Keime,
Bin ich weit von diesem Schoß. (12)

Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte 1,5 Tage.

Bei einem dieser Besuche, überreichte ihm Sisi ihr Verlobungsgeschenk. Stolz und hoch zu Roß, im Hintergrund Schloss Possenhofen,

die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer.

60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valerie übergab. 

Foto: dorotheum.com
Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert.
Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty

Beim selben Besuch, brachte Kaiser Franz Joseph mitten im Winter ein Bukett aus weißen Rosen mit – ein ungeheurer Aufwand für die damalige Zeit!

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel,

Elisabeths Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen.

Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877):

„Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13)

Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung. 

Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Elisabeths Schmuck und Aussehen.

Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten. 

In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet. 

Doch bevor Elisabeth nach Wien fuhr, gab es natürlich noch einen gebührenden Abschied in München.

Im Depot des Kunsthistorischen Museums Wien befindet sich liegend ein Kleid, welches überaus wertvoll ist. Es kann nicht mehr ausgestellt weden, weshalb eine teure 1:1 Replik angefertig und im Sisi Museum ausgestellt wurde.

Foto: Sisi Museum
„Polterabendkleid“ von Herzogin Elisabeth
Replik

Zu Ehren der Braut wurde am Münchner Hof ein Ball abgehalten. Dieser Ball nannte sich „Polterabend“, weshalb das Kleid vielsagend „Polterabendkleid“ genannt wird.

Doch mit einem „Polterabend“, wie wir ihn heute kennen, hat er nichts zu tun.

Das Kleid wird von Martina Winkelhofer im Buch „Sisis Weg“ wie folgt beschrieben:

„Es ist über hundertsechzig Jahre alt und aus weißem Baumwollstoff mit grün-goldenen Einfassungen an Ausschnitt, Ärmeln, Taille und Volant. Über Oberteil und Rock ranken sich zwarte, aus grüner Floss-Seide gestickte Blätter- und Blumenornamente. Inmitten der floralen Ornamente ist ein arabischer Schriftzug eingestickt, der ins Deutsche übersetzt bedeutet: „Oh, mein Herr, welch‘ schöner Traum“.
Der Schnitt des Kleides verrät, dass sein Trägerin von sehr schlanker, zarter Statur war, denn die Taille ist außerordentlich schmal. Auch die Maße des Oberteils und die Ärmelöffnungen verstärken den Eindruck: Das kunstvolle Kleid wurde für ein blutjunges Mädchen geschneidert.“ (14)

Doch auch hier ist der Leser im Irrtum, wenn er glaubt, dass der „Polterabend“ erst kurz vor der Abfahrt Elisabeths stattgefunden hätte.

Durch den Ausschnitt am Kleid, dass sich „Runde“ nennt, erkennt man, dass dieser für ein Ballkleid für die Wintersaison angefertigt wurde. Wie ihr wahrscheinlich im meinem Bericht „Kaiser Franz Joseph ein Kind von Gottes Gnaden“ (der Bericht ist hier) gelesen habt, war dieser zu Weihnachten in München bei seiner Braut.

Es ist daher anzunehmen, dass beide (!) auf diesem Ball zugegen waren und Kaiser Franz Joseph seine Braut am Ball mit diesem Winterballkleid erblickt hat.

„Wien, 20.December 1853
Liebe Eva!(*)
Heute um 2 Uhr vor Tisch besuchte mich Erzherzog Carl um Abschied zu nehmen. Er reist diesen Abend 10 Uhr nach Lemberg auf seinen Posten und bleibt bis zur Vermählung des Kaisers dort. Erzherzog Max ist in Triest und Seine Majestät reisten heute nach München. Die vortreffliche Erzherzogin Sophie ist beinahe verweist, aber schöne Hoffnungen bleiben ihr, zieht erst die Kaiserbraut in Wien ein. Gott erfülle alle Hoffnungen!
Deine Sophie. (15)

Und am 8.Jänner 1854 ist zu lesen:

„Wien, 8.Jenner 1854
Liebe Eva!
Der Kaiser soll sehr heiter und zufieden von seiner beglückenden Reise zurückgekehrt sein und sich wie ich höre vorgenommen haben diesen Carneval nicht zu tanzen, was seinen ritterlichen Gefühlen sehr entspricht.“

Deine Sophie (16)

Doch als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte der gesamte Wiener Hof und eine zitternde Elisabeth, welche mit den Nerven völlig am Ende war, stieg im April 1854 auf ein Schiff Richtung Wien. (Zur Hochzeit geht es hier weiter). 

Petra –

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
„Die Rose aus dem Bayernland“ Herzogin Elisabeth als Verlobte
nicht so gelungene Replik des Originals von Anton Einsle, 1854
Dieses Bild hängt zur Erinnerung an die Anwesenheit der Braut Elisabeth im Landhaus Linz –
kann nicht öffentlich besichtigt werden!

(*) Wichtige Anmerkung:
In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, †3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, †23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, †7.3.1855) geheiratet.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.

Bis heute zum Beispiel konnte ich keine Daten von Sophie Gräfin von Scharnhorst auffinden. Sie ist auch Thema im Beitrag „Spanisches Hofzeremoniell – Hofetikette“. Diesen Beitrag findet ihr hier.


Rechtliche Hinweise:

Text: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, dorotheum.com, fuenfseenland.de, anno.onb.ac.at, oocities.org, Peter Füssl, Sisi Museum, W. Hain, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise: 

1a – S 23
E.C.Conte Corti
Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heyne Verlag, 15. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

1 – S 30, 1b – S. 18, 2 – S 31, 3 – 4 – S 32, 5 – S 34, 6 – 7 – S 35, 8 – S 38, 9 – S 37, 11 – S 47, 12 – S 48, 13 – S 52 
Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992

10 – S 153 
Ingrid Haslinger 
Erzherzogin Sophie Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 1. Auflage, 2016 

14 – S.72
Martina Winkelhofer
Sisis Weg
Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeths erste Jahre am Wiener Hof
Piper Verlag, 1. Auflage 2021

15 – S.259/60, 16 – S.260
Hofdamen-Briefe
Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Gesammelt von B.von.S.
Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)


Herzog Max in Bayern

Foto: Wikimedia/Commons
Max Herzog in Bayern bei seiner liebsten Beschäftigung: dem Zitherspiel
dahinter Schloss Aichach, heute bekannt als „Sisi-Schloss“

Bis heute ist der Mythos Herzog Max in Bayern lebendig.

Gustav Knuth stellte ihn nur leider allzu prachtvoll und liebevoll in den berühmten Sissi-Filmen mit Romy Schneider dar. Ein Mythos, der so gar nichts mit dem „echten“ Max zu tun hatte, der im realen Leben aufbrausend, cholerisch und auch mal handgreiflich werden konnte.

Aber was stimmt schon an den Sissi-Filmen? Nichts. Und im Laufe der Zeit, wird das dem aufmerksamen Leser auch bewusst werden.

Foto: Wikimedia/Commons
Pius August Herzog in Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Luise Prinzenssin von Arenberg
Bild: unbekannter Maler

Maximilian Joseph in Bayern wurde am 4.12.1808 um 1.00 Uhr morgens in Bamberg geboren.

Sein Vater war Pius August Herzog in Bayern (*1.8.1768, †3.8.1837). Seine Mutter Amalie Luise Prinzessin von Arenberg (*10.4.1789, †4.4.1823).

Max entstammte der Linie „in“ Bayern. Wie dieser Titel zustande kam, kann hier nachgelesen werden. 

Bereits am selben Tag um 15.00 Uhr wurde im Beisein des Königs, welcher gleichzeitig der Taufpate des Kleinen war, die Heilige Taufe abgehalten. Maximilian Joseph sollte wie sein Großonkel heißen.

Herzog Wilhelm (*10.11.1752, †8.1.1837) zum einen Max Großvater, zum anderen König Maximilian I. Josephs (*27.5.1756,†13.10.1825) Schwager schrieb diesem freudig:

„Zu meiner unbeschreiblichen Freude ist meiner Frau Schwiegertochter Liebden soeben nach ein Uhr diesen Morgen von einem gesunden und wohlgestalteten Prinzen glücklich entbunden worden, welcher auch nach der gnädigen Zusage Eurer Königlichen Majestät Höchstihren Namen in der Heiligen Taufe erhalten wird.“ (1)

Seine Eltern waren ein sehr unglückliches Paar. Pius neigte zu cholerischen Anfällen und fing sehr gerne Schlägereien an. Zu dem hielt er so gar nichts von Kindererziehung.

ahnentafel-max
Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: Petra (noch für Sternenkaiserin)
Foto: Wikimedia/Commons
König Maximilian I von Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Wilhelm Herzog in Bayern

Obwohl sich Herzog Wilhelm und König Maximilian I. Joseph große Sorgen um den Buben machten, ließen sie ihn bei seinen Eltern, denn Amalie Louise liebte Max abgöttisch und er sie.

Leider wuchs aber Max in einem sehr toxischen Haushalt auf und vielleicht war sein Erwachsenenleben eine Flucht aus all dem, was er selbst als Kind erleben musste.

Immerhin gab es im 19. Jahrhundert keine psychologische Therapie und keinerlei Psychiater, die Traumen jeglicher Art behandeln hätten können.

Da sich Pius um seinen Sohn nicht kümmerte, schickte Großvater Wilhelm Kammerrat Otto, welcher aus Erfurt stammte und Max Hofmeister und militärischer Erzieher werden sollte.

Das einzige Problem an dieser Tatsache war allerdings, dass der kleine Mann erst 6 Jahre alt war und ab nun gedrillt wurde.

Wie auch schon später bei Kronprinz Rudolf, kam Max sehr nach seiner Mutter Louise. Er war hochsensibel, war zwar aufgeweckt, aber nicht belastbar. Und so wurden die militärischen Erziehungsmaßnahmen des Erziehers zur Qual.

Die Lerneinheiten gingen den ganzen Tag, bis spät abends. Wenn dem Erzieher etwas nicht passte, wurde die extrem karge Freizeit gesperrt und der Bub fiel völlig erschöpft ins Bett, nur um gegen 4.00 Uhr oder 5.00 Uhr früh mit militärischen Ton wieder geweckt zu werden, um mindestens eine Stunde zu Exzerieren oder Stramm zu stehen.

Ich wiederhole noch einmal: Max war 6 Jahre alt!

Exzerzieren hieß, bei jedem Wind und Wetter vor dem Schloss Auf und Ab zu marschieren. In militärischer Kleidung oder im Pyjama – je nach dem wie es dem Erzieher gerade passte.

Hofmeister Otto trakierte Max bis aufs Blut und Amalie Louise konnte nichts tun. Sie weinte sich oft stundenlang in den Schlaf, tröstete ihren Sohn so gut es ging und stritt mit Pius bis aufs Blut. Es half alles nichts.

Erst als Amalie Louise schwer krank wurde, erfuhr König Maximilian von dem militärischen Drill an dem mittlerweilen 9jährigen Buben. Herzog Wilhelm entließ auf Geheiß des Königs den Hofmeister mit sofortiger Wirkung.

Um Max aus diesem schrecklichen Umfeld zu bringen, kümmerte sich ab sofort deshalb sein Großonkel König Maximilian I. Joseph von Bayern um dessen Erziehung.

Seine Mutter übergab ihn deshalb ganz in dessen Obhut und konnte ihren Sohn erst nach fast drei Jahren – im Jahr 1820 – besuchen.

Nach dem zweiten Besuch, 1823, starb seine Mutter 34jährig.

Max in tiefer Trauer um seine geliebte Mutter, erhielt am 19.4.1823 einen sehr ungerührten Brief seines Vaters:

„Lieber Max!
Ich danke dir herzlich für Deinen Brief. Auch ich war sehr betroffen, als ich den Tod deiner Mutter erfuhr, ohngeachtet man schon lange ihrer Auflösung entgegensah. Vorzüglich Dich muß ihr Tod sehr nahe gegangen seyn; indem sie Dich so zärtlich liebte. Auch ich nehme den lebhaftesten Antheil an deinem Schmerz. Lebe wohl, lieber Max, sich verbleibe stets, Dein dich treu liebender Vater Pius.“ (2)

Sein Vater Pius zog sich daraufhin in sein Privatleben zurück und überließ den Buben dem König. Danach ist es ein bisschen wie im Märchen von Ebenezer Scrooge in „Ein Weihnachtsmärchen von Charles Dickens“ (A christmas carol). August Pius wurde zum Eremit und Wohltäter. Er starb 51jährig 1837.

Sein Charakter machte eine Wendung von 100 Grad und gibt den Historiker/innen ein vollkommenes Rätsel auf.

Doch er erhielt auch sehr rührende und beileidsbekundende Briefe. König Maximilian I. Joseph schrieb ihm aus tiefstem Herzen, auch sein Großvater Herzog Wilhelm wusste wie es seinem Enkel ging.

Eine Prinzessin tat sich ganz besonders hervor.

Schon seit Kindheitstagen waren die beiden sehr innig und verstanden sich ausgezeichnet. Sie schrieben sich viele Briefe und standen sich nah.

Es war niemand geringerer als

Ludovika Prinzessin von Bayern

Die 11jährige Cousine schrieb folgenden Brief:

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Ludovika „Louise“, ca. 6jährig
Zeichnung: Ferdinand von Piloty II

„Ich möchte, Du wärest auch hier und könntest mit uns spielen. Adieu lieber Max, es freut sich herzlich Dich wiederzusehen Deine Cousine Louise“. (3)

Manchmal sandte Max ihr lustige Stücke oder heitere Briefe oder anderweitige Dinge, die Louise sehr erheiterten:

„Dein Ballett, lieber Max, für welches ich Dir recht sehr danke, hat mich sehr lachen machen, und wenn Du wieder kommen kannst, so werde ich es aufführen.“ (4)

Als 15jährige schrieb sie ihm:

„Nun lebe wohl, theurer Schawawi, und vergesse nicht Deine Louise!“ (5)

Nach dem Ableben seiner Mutter erhielt er also nun am 12.4.1823 diesen rührenden Brief seiner geliebten Cousine.

„Mein liebes gutes Vetterchen!
Wie sehr ich an Deinem Kummer Theil genommen habe, kannst Du wohl glauben, denn Du weisst ja, wie sehr ich Dich liebe! Carl hat an den Papa geschrieben, dass er Dich besucht hat und recht wohl gefunden, was mich recht freut. Es thut mir aber gar zu leid, dass wir alle so weit von Dir entfernt sind und Du in diesem traurigen Augenblick so ganz verlassen bist […]. Nun lebe wohl, mein guter Max, und vergesse nicht
Deine dich innig liebende Louise“ (6)

Am 20.1.1824 wurde Max von König Maximilian I. Joseph im Cheveaulegers-Regiment „König“ zum Leutnant befördert und am 12.3.d.J. zum Oberst-Inhaber des 9. Linien Infanterie-Regiments.

Da Max das Reiten über alles liebte, war ihm diese Beförderung ganz Recht. Er hatte sämtliche Freiheiten über das Regiment, konnte Reiten wann immer er wollte und konnte sich frei in der Öffentlichkeit bewegen. Genau was Max immer wollte.

In Landshut und München besuchte er Vorlesungen für die Studienvorrichtungen für Geographie, Chemie, Deutsche Literatur, Kirchengeschichte, Geschichte, Länder- und Völkerkunde, Physik und Malerei, sowie deutsches Bundesrecht.

Foto: bamberger-onlinezeitung.de
der junge Herzog Max mit seiner geliebten Zither

Max war unglaublich klug und wißbegierig, nur hatte er nicht genügend Ausdauer und Sitzfleisch, so dass er die Studien zwar begann, aber nicht regelmäßig besuchte. Welches er tatsächlich abschloss, ist bei den Historikern umstritten.

Foto: abebooks.com
Schloss Tegernsee, 1830
Lithographie: B. Buchner

In den Ferien hielt er sich immer gerne auf Schloss Tegernsee, auf Schloss Banz und in Nymphenburg auf, wo er natürlich mit seinen Cousinen Sophie, Ludovika, Elisabeth, Amalie Auguste usw. aufwuchs.

Noch im selben Jahr und mit Hilfe seines Großvaters Wilhelm, begann der Prachtbau des Palais Max in der Ludwigstraße in München.

Er liebte es fröhliche Feste zu feiern und sich dem Volke unterzumischen.

Am 4.12.1826 jedoch war Schluss mit lustig. Max wurde Volljährig und sein Onkel ließ ihn in die Kammer der Reichsräte eintreten.

Ab sofort nahm er an den Sitzungen teil und vermittelte zwischen dem Königshaus und der Abgeordnetenkammer.

Foto: steutzger.biz
Schloss Banz, 1850
Stahlstich

Da er ein schöner junger Mann war, war es für ihn durchaus keine Seltenheit, dass er nicht „alleine“ nach Hause kam. Dies entsprach auch den verkehrten Ansichten des 19. Jahrhunderts.

Ein Prinz aus gutem Hause, durfte sich mit einem Mädchen aus dem Volke so lange vergnügen, so lange es nicht „ernst“ wurde.

Im Adel und Hochadel jener Zeit wurde streng zwischen „Ehe“ und „Lust“ unterschieden.

Während sich die Männer sämtlichen außerehelichen Vergnügungen mit Schauspielerinnen, Ballettmädchen, Prostituierten oder Töchtern von Postmeistern usw. hingeben durften, mussten die Damen aus gutem Hause jungfräulich und rein bleiben.

Wurde danach die Ehe mit einer Dame aus dem Adel beschlossen, galt dies als

„vernünftige Ordnung der Sittlichkeit“ (7)

Schon als Max 7 Jahre alt war, hatten sein Großonkel König Maximilian I. Joseph und sein Großvater Herzog Wilhelm beschlossen, dass Max einmal eine Prinzessin aus Maximilians Königshaus ehelichen würde.

Zuerst fiel die Wahl auf Maximiliane „Ni“ Josepha Karoline Prinzessin von Bayern (*27.1.1810, †4.2.1821), doch diese verstarb 11jährig an Thyphus.

Diese Verheiratung wäre aus mehreren Gründen zustande gekommen.

Zum einen wollten die beiden, dass sich die Erblinie „in“ Bayern und „von“ Bayern wieder näher kommt und eine Anerkennung im Adel erfährt. Wer mehr über die Erblinie erfahren möchte, liest hier weiter.

Zu diesem Zeitpunkt galt Max noch als Prinz.

Zum anderen wollten Wilhelm und Maximilian ihre eigene Beziehung verbessern, hatte diese ein Minister, der sehr über den bayrischen Herzog husste und schimpfte – das Verhältnis zueinander getrübt.

Als Maximiliane „Ni“ starb, fiel „dummerweise“ die Wahl auf die nächst jüngste Königstochter und diese war ausgerechnet

Ludovika genannt Louise

Obwohl sich die beiden aus Kindertagen kannten und auch sehr zugetan waren, an Heirat dachten sie wohl nie.

Sowohl Max, als auch Louise hatten völlig andere Interessen entwickelt und auch „andere“ Partien im Auge. Ihre Biografie kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.
Bild: Joseph Karl Stieler

Herzog Max hatte sich leider „unstandesgemäß“ in eine Bürgerstochter verliebt und Louise in Don Miquel von Bragança (*26.10.1802, †14.11.1866). Die beiden fielen also aus allen Wolken, als sie erfuhren, dass sie verheiratet werden sollten.

Bevor jedoch noch Verlobung gefeiert werden konnte, mussten Max und Louise einen herben Schicksalsschlag verarbeiten. Der geliebte Großonkel bzw. Vater König Maximilian I. Joseph starb am 13.10.1825.

Nun rückte für Herzog Max der wenig beliebte Großcousin Ludwig I. (*25.8.1786, †29.2.1868) als König nach. Ein herber Rückschlag für Max, wie sich später noch zeigen sollte.

Durch das einsetzende Trauerjahr wurde erst im Dezember 1827 die Verlobung bekanntgegeben.

König Ludwig I. schenkte den beiden das stattliche und bekannte Bild seines Hofmalers Joseph Karl Stielers, welches jahrelang in sämtlichen Adelskreisen für große Spekulationen sorgte:

„Stieler hat sie [Ludovika] mit dem Bräutigam gemalt […]. Die hohe schlanke Gestalt in weißem ausgeschnittenen Kleide steht in landschaftlicher Umgebung. Das edle Oval ist dem Beschauer zugekehrt, und die zaghaft blickenden Augen schweifen in unbestimmte Fernen. Dicht gesteckte dunkle Locken decken die Schläfe, und eine reiche Haarkrone liegt um das Haupt. Ihre Hand ruht in der des stattlichen Bräutigams. Es ist ein schönes, vornehmes Paar. Von weitem schimmern der Tegernsee und das breite, helle väterliche Schloß, wo sie am 9.September 1828 beide zwanzigjährig vor dem Altare standen. Die Braut, ein fertiges Weib, reif und ohne Illusion in die Welt schauend, Herzog Max ein Jüngling, der das Leben noch nicht genossen, der es aber kennenlernen wollte und gewiß keine Lust hatte, so früh gebunden zu sein.“ (8)

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Verlobungsbild Prinzessin Ludovika und Herzog Max, 1828 – dahinter Schloss Tegernsee
Bild: Joseph Karl Stieler

Bevor das unglückliche Paar noch zum Traualtar schritt, degradierte Ludwig Max und machte damit etwas zunichte, was sein Vater und Herzog Wilhelm versuchten jahrelang aufzubauen und 1799 von den beiden geändert wurde. Ab diesem Zeitpunkt durfte sich die Linie „in Bayern“ nämlich ebenfalls „Prinz“ und „Prinzessin“ nennen.

Bis zum 7.8.1828 durfte sich Herzog Max in Bayern „königlicher Prinz“ nennen. Ab diesem Datum, verordnete König Ludwig I über sein Staatsministerium und ließ Herzog Max folgende Mitteilung zukommen:

„Bey Gelegenheit der Verehelichung Unseres vielgeliebten Vetters, des Herrn Herzog Maximilian in Bayern, Hoheit, mit Unserer Prinzessin Schwester Königliche Hoheit wollen Wir, daß bey Abfassung der Ehepakten die dem Herrn Herzog gebührende Titular streng einzuhalten, daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört, gebraucht werde.“ (9)

Damit wurde auch Ludwigs Schwester von der Prinzessin zur Herzogin degradiert. Etwas, was ihr Zeit ihres Lebens schwer zu schaffen machte und sie nie verzieh.

Erst 1848 durfte sich Max wieder „königliche Hoheit“ nennen, etwas was für seine Tochter Elisabeth allerdings zu spät kam. Sie wurde durch ihre Erbfolge nie bei Hofe anerkannt.

Hiermit ist aber auch eindeutig bewiesen, dass Herzogin Elisabeth und all ihre Geschwister niemals unter dem Titel Prinzessin oder Prinz geboren wurden. Leider steht das in beinah allen Büchern falsch und wurde falsch überliefert.

Der Titel „Prinzessin Elisabeth“ kam dadurch zustande, dass die Schreiber bei Hofe „annahmen“, dass ein Kaiser eine Prinzessin heiratete. Dies war aber durch die Erblinie Elisabeths falsch.

Leider konnten dies erst die Historiker der Wittelsbach-Linie aufklären. Bis dahin sind aber so viele Bücher, Serien und Filme mit „Prinzessin Elisabeth“ erschienen, dass sich dieser Titel einprägte.

Noch heute verwenden Historiker/innen diesen Titel, obwohl mittlerweile belegt ist, dass Kaiserin Elisabeth niemals als Prinzessin geboren wurde.

Bevor nun das Paar zum Ehepaar wurde, schrieb Max seiner Verlobten anscheinend ununterbrochen Briefe. Während er sich bemühte, dem Ganzen positiv entgegenzugehen, wurden Louises Briefe immer wortkarger und weniger.

So lautete einer ihrer letzten Briefe vor der Hochzeit an ihn:

„Gewiss werde ich, wie es Dir versprochen habe, alles aufsuchen, meine Briefe zu verlängern, wenn es aber dennoch nicht gelingt, so nehme es mir nicht übel. Denke zuweilen an Dich, herzlich liebende Louise“ (10)

Am 9.9.1828 fand nun die Hochzeit in der St. Quirius Kirche im Schloss Tegernsee statt.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Hochzeit Max und Ludovika, 1828
Bild: Lithographie Franz Xaver Nachtmann

Die Hochzeitsnacht wurde für Max zu einer peinlichen Farce und – wenn man es ganz genau betrachtet – wusste Louise nicht, wie die Rache eines Mannes aussehen konnte.

Als die Nacht der Nächte so weit war, zog sich Louise auf den hintersten Winkel des Bettes zurück und fiel völlig erschöpft in einen tiefen Schlaf. Sie hoffte natürlich, dass ihr Ehemann dies genauso tun würde, wie sie selbst.

Doch Max hatte natürlich andere Pläne. Als er in das gemeinsame Zimmer kam, wachte Louise erschrocken auf, hüpfte aus dem Bett und stieß Max in einen zufällig offenen Schrank.

Völlig panisch versperrte sie den Schrank und legte sich wieder zu Bett. Den polternden Max hörte sie nicht oder wollte ihn nicht hören. So verblieb dieser die ganze Nacht in diesem Schrank und schwor sich, seiner Frau schon zu zeigen, was es bedeuten würde, verheiratet zu sein.

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin), Fotos: Wikimedia/Commons

10 Kinder wurden dem Paar geboren, wovon 8 Kinder erwachsen und zum Teil sehr berühmt wurden. 2 Buben starben; einer kurz nach der Geburt, der andere 2 Monate nach seiner Geburt.

Doch Max genoss sein Leben wie früher auch. Für ihn hatte sich nichts geändert. Frau und Kinder? Interessierten ihn im Wesentlichen nicht. Louise musste sich um alles kümmern.

Obwohl diese immer wieder hoffte, dass sich ihr Ehemann nun an sie und die Kinder binden werde, war er schneller wieder dahin, als sie bis „zwei zählen konnte“.

Nach der nichtstattfindenden Hochzeitsnacht und am Tage darauf, weinte Louise beinahe ununterbrochen. Ab diesem Zeitpunkt ließ sie zwar ihren Gemahl gerne zu sich, aber im Zimmer war ihre frühere Erzieherin Gräfin Rottenham. Max beschwerte sich, dass es keine Intimität gäbe und soll gesagt haben:

„Ich schätze sie gewiß sehr. Aber schließlich habe ich sie doch nicht mitgeheiratet.“ (11)

Was für die eine zur Qual wurde, wurde für den anderen zu einem gefestigten Charakter.

Als Herzog Wilhelm merkte, dass sein Enkel seine Ehe und alles damit Verbundene sehr ernst nahm und gereift schien, vermachte er ihm sein Vermögen.

Er entmündigte seinen Sohn Herzog Pius (Max Vater) 1834 und ließ diesen für Geisteskrank erklären.

Max war nun das Oberhaupt der „Herzöge in Bayern“ und würde nach Wilhelms Tod ein immenses Vermögen erben. Doch auch jetzt schon war Max unglaublich reich.

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max Palais, München

Gewohnt hat die Familie im Palais Max in München.

Bereits seit 1828 besaß Herzog Max die Münchner Residenz, welche er Mithilfe seines Onkels bauen ließ.

So eine Residenz hatte München bis dahin noch nicht gesehen.

Leo von Klenzes setzte den Prachtbau um; es galt bis zu seinem Abriss 1937 als das schönste Palais Münchens und war bis über die Grenzen hinaus bekannt.

Das Palais wurde 1833 noch um eine kleine Zirkusarena erweitert. Diese Zirkusarena wurde der Grundstein für Kaiserin Elisabeths Reitleidenschaft.

Fotogalerie des Herzogs Max Palais im Detail – noch nie gezeigte Aufnahmen!

Herzog Max sollte einst über sein Palais selbst schreiben:

Vergeßt in meiner Halle, 
Was euch das Herz betrübt; 
Vergeßt der Leiden alle, 
Die euch das Leben gibt. 
Denkt nur an Freud und Wonne, 
Versenkt den Gram im Wein, 
Der perlt aus der Tonne, 
Gereift im Sonnenschein. (12)

Doch bei 8 Kindern, die herumtoben und spielen wollten, wurde auch das sehr große Max Palais bald zu klein, vor allem, da alle die Natur liebten. Max war so gut wie nie zu Hause und die Kinder liebten es an der frischen Luft zu toben. Dies war in München weder möglich, noch hatten die Herzogskinder die Freiheiten dies zu tun.

Obwohl Max über große Erbschaften nach dem Tod seines Großvaters Wilhelm verfügte, zB sein über alles geliebtes Schloss Banz, einige Schlösser in Frankreich, welche er aber verkaufte und Louise verfügte über Schloss Tegernsee und Schloss Biederstein, wurde Schloss Possenhofen 1834 gekauft und zum Aufenthaltsort der Kinder.

Possi, wie es in der Familie liebevoll genannt wurde, war zum Lebensmittelpunkt aller geworden. Sogar für den cholerisch geltenden Max, sofern er einmal zu Hause war.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Possenhofen
heute Eigentumswohnungen und nicht betretbar

Obwohl Possenhofen weitaus weniger feudal und auch kaum vom Adel wahrgenommen wurde, war es für die Familie „ein Geschenk“. Die Einrichtung blieb „einfach“ und in die Ausstattung wurde kaum investiert.

Foto: Kaiserin Elisabeth Museum, Possenhofen via Merkur.de
Schloss Possenhofen – Wohnsalon

Eigenartiger Weise stritten sich aber Louise und Max in „Possi“ weniger, als in dem großen, feudalen und „prinzgerechten“ Palais, dass keinem Prinzen und auch keinem länderbesitzenden Herzog gehörte. Es war einfach ein Palais eines reichen Mannes, der diesen stolz zur Schau stellte.

Die Kinder lernten in Possenhofen nicht nur in der Natur zu toben, sondern auch fischen, jagen, reiten, schwimmen (sehr ungewöhnlich für den Adel der damaligen Zeit) und wandern. Louise und Max legten beide darauf Wert, dass die Kinder viel in der Natur ihre Zeit verbrachten.

Seine Kinderschar ging ihm zwar (meist) auf die Nerven und wirklich viel unternahm er mit ihnen nicht, aber mit den Mädchen unternahm er lange Bergtouren, denn es war ihm wichtig, dass die Mädchen „ordentlich Gehen lernten.“ Mit den Söhnen ging er richtig Bergsteigen und das über Stunden und Tage.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com
Schloss Unterwittelsbach bei Aichach
Heute „Sisi Schloss“ Aichach

Am 31.10.1838 kaufte sich Max das kleine Schloss Unterwittelsbach bei Aichach, das heute auf den wohlklingenden Namen „Sisi Schloss“ hört, allerdings gar nichts mit Sisi zu tun hatte.

Es ist umstritten ob sie jemals dort war oder nicht.

Es diente Max als Rückzugs-, Ruhe- und Jagdschlösserl, welches einen kleinen See hatte. Der Garten ist bis heute nicht wieder erschlossen und völlig verwildert.

Die gesamte Einrichtung ist verschwunden. Mittlerweile finden alljährlich Ausstellungen statt, die sich fast immer gleichen, nur anders heißen. 2017 besuchte ich die Herzog Max-Ausstellung und gleichzeitig war auch Elisabeths Hochzeitsschmuck ausgestellt.

Es gibt ein sehr idylisches Bild von Otto Flad, 1841. Darauf ist Herzog Max in einem Kahn zu sehen, während Herzogin Ludovika mit einem Kleinkind, welches natürlich Sisi sein soll, aus dem Schlösschen tritt.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Schloss Aichach
Herzog Max im Kahn, Ludovika und „Sisi“ im Eingangsbereich im Schloss, 1841
Bild: Otto Flad

Am 14.11.1839 wurde vom Aichacher Pfarrer überliefert, dass Herzog Max mit Herzogin und dem 7jährigen Ludwig im Schlösschen angekommen sei.

Der Stadtarchivar Karl Christl von Aichach hat sich natürlich eine wunderbare Idylle zurecht gelegt. Er sah die kleine Sisi Blumen pflücken und ihrer Mama bringen, Max im Kahn fahren, die Buben am nahen Weiher fischen usw. Es klang ein bisschen wie aus dem Sissi Film und nicht nach dem echten Leben.

Auch wenn man wenig bis gar nichts über die Kindheit von Kaiserin Elisabeth weiß, es gibt keinerlei Aufzeichnungen, dass sie jemals vor Ort gewesen sei.

Weder von ihr selbst, noch von Ludovika, noch von Max.

Johannes Thiele schrieb in seiner Elisabeth Biografie "Sisi, das Leben der Kaiserin Elisabeth", dass diese als Kind in Aichach mit Vater Max durch die Gasthäuser zog, als dieser Zither spielte. Dabei warfen ihr die Männer Geldstücke zu. Später soll Elisabeth voller Stolz diese Geldstücke, die sie ein Leben lang bei sich trug, ihren Hofdamen gezeigt und behauptet haben, dass das ihr einziges ehrliches verdientes Geld gewesen sei. 

Aber ob das alles wahr ist? Es klingt so gar nicht nach Herzog Max. Aber wer weiß das heute schon alles so genau?

1843 gründete Herzog Max die berühmte „Artus“-Runde, welche sich wöchentlich im Erdgeschoss im „Grünen Salon mit den goldenen Flügelthüren“ im Palais in München traf.

Die Gesellschaft bestand aus Künstlern und zum Teil nicht adeliger Personen. Um dem Ganzen Platz zu machen, schloss er den Zirkus, der ihm keinen Spa0 mehr machte.

Um 7.00 Uhr abends wurden die geladenen Gäste mit der Kutsche abgeholt. Zuerst gab es beleuchtete Stereoskopbilder (eine Art Diashow) und Fotografien seiner prachtvollen Reisen, danach ein üppiges Mal. Zum Schluss Zigarren und Zithermusik. Das ganze wurde abgerundet mit ernsten und lustigen Gesprächen in ausdrücklicher Herrenrunde. Den Abschluss bildete, bevor die Herrschaften wieder mit der Kutsche nach Hause gebracht wurden, Champagner.

Max war ein freiheitsdenkender Mensch. Alle höfischen Konventionen und Zwänge gingen ihm auf die Nerven. König Ludwig I. sah dieses freie Denken und Leben ohne Konventionen nicht gern, konnte aber nichts dagegen tun. Aus heutiger Sicht muss bei Ludwig auch sehr viel Eifersucht mitgewirkt haben; gerade wenn man sich seine Lola-Montez Affäre ansieht. Während Ludwig daran scheiterte und sein Königreich verlor, regte sich bei Max niemand über zwei uneheliche Kinder auf.

Dass deshalb Ludwig I. trotzdem oder gerade deswegen Herzog Max, nach der Thronübernahme zum Oberstinhabers des 3. Cheveaulegers-Regiments machte, zeigte, dass er dem Herzog Max ein bisschen Hofleben einimpfen wollte.

Doch auch hier zeigte Max wieder einmal seinen außergewöhnlichen Humor: Er ließ Sonntag Mittag das Regiment zur Inspektion vor dem Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße aufmarschieren.

Dadurch fühlten sich die Anrainer und Kirchenväter dieser Straße sehr gestört. Als die Beschwerden beim König eintrafen, wollte Max seinen Dienst quittieren, doch das ließ dieser nicht zu.

Und so verlieh er dem Schwager

1845 den Titel „königliche Hoheit“

und erhob die Familie in den Adelsstand. Dies galt (gilt noch immer) von nun auch für alle Nachkommen der Linie „in“ Bayern.

Vielleicht regte sich bei Ludwig so etwas wie ein schlechtes Gewissen. Hatte er ja immerhin 1828 dafür gesorgt, dass man ihm den königlichen und Prinzen-Titel aberkannte.

Genauso wie bei Kaiser Franz Joseph gab es auch bei Max so einige Gerüchte über uneheliche Kinder. Die Affären von Kaiser Franz Joseph können hier nachgelesen werden.

Zwei Töchter sind allerdings bekannt, auch wenn deren Namen, Geburtsdaten und Aussehen völlig unbekannt sind!

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Marie von Neapel

Auch wenn manchmal Fotos in Social Media von angeblich unehelichen Kindern von Max auftauchen, natürlich ohne Hinweis auf Urheberrechte, so kann mit Sicherheit der beiden absolut vertrauenswürdigen Historiker Alfons Schweiggert und Dr. Bernhard Graf ausgegangen werden, dass keine Namen und Daten zu den Töchtern und keine Fotos bekannt sind.

Das einzige was bekannt ist, ist, dass Herzog Max die Töchter sehr geliebt hat und diese von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr zu sich beim Mittagessen gehabt habe. Dabei durfte ihn niemand stören.

Die ehelichen Töchter dürften diese beiden gekannt haben, denn Tochter Marie (*4.10.1841,19.1.1925) führte die beiden an das Totenlager ihres Vaters. Mehr ist zu den beiden nicht bekannt!

Ebenso geht man davon aus, dass Max der Vater von Max Kolb, der 1829 geboren wurde, war. Max Kolb wurde ein berühmter Gartenarchitekt und seine Tochter Annette Kolb wurde eine berühmte deutsche Schriftstellerin (†1967).

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max, ca. 1850

Sieht man sich die Biografie von Max Kolb an, könnte es tatsächlich stimmen. Geboren wurde er am 28.10.1829. Ein Jahr zuvor wurde Herzog Max mit Louise quasi zwangsverheiratet. Die Mutter von Max Kolb, war Juliana Lorz. Diese war eine Zofe von Königin Therese von Bayern, der Ehefrau von Ludwig I. Möglich wäre es also allemal.

Aufgewachsen ist Max eigenartigerweise auf Schloss Possenhofen und wurde später dann in ein Internat geschickt, dessen Kosten die Wittelsbacher übernommen hatten. Seine ganze Karriere beruhte weiters auf dem Rücken der Wittelsbacher, die immer schützend eine Hand über ihn hielten.

Der Zweite, der eventuell in Frage käme, wäre Maximilian II, also der Sohn von Ludwig und Therese. Maximilian wurde am 28.11.1811 geboren, wäre also 18 Jahre alt gewesen, als er mit Juliana, der Zofe seiner Mutter das Verhältnis gehabt hatte.

Der Herzog galt als ein geübter Zither Spieler. Die Zither war damals das „Lumpeninstrument“ und erst Max war es, der dieses Musikinstrument in die höfischen Kreise einführte.

Foto: Lara Müller, Stadtarchiv Bamberg
Herzog Max (der Dritte von Links) in Herrenrunde vor Schloss Banz
Zitherspieler ist Unbekannt

Deshalb wurde er von allen „Zither-Maxl“ genannt.

Herzog Max widmete seinem Lieblingsinstrument sogar ein Gedicht:

Meine Zither

Das Liebste auf der weiten Welt
Ist mir der trauten Zither Spiel, 
Ich schätz' es mehr als alles Geld
Und kostest's auch der Mühe viel. 

Bin froh und guten Mutes ich, 
So freut sie sich mit ihrem Herrn
Und fühl' ich trüb und traurig mich, 
So teilt sie meinen Kummer gern. 

Drum ist mir wohl bei ihr allein, 
Weil sie, die einz'ge, mich versteht, 
Ich lass' die Menschen Menschen sein 
Und spiel auf ihr früh bis spät. 

Die Menschen treiben auch ein Spiel, 
Doch ist's ein andres Instrument, 
Sie spielen auf dem Menschen viel, 
Der ihre Falschheit noch nicht kennt. (13) 
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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max im fortschreitendem Alter

Seine freie Denkweise war beim Volk sehr beliebt. Er galt als Volksnah und gab viel auf bürgerliche Volksstücke und Kartenspiel.

Zu seinen besten Freunden zählten oft normale Bürger, wie Kaufleute, Postmeister oder Wirtsleute. Max schrieb Horrorgeschichten, las viel Literatur und dichtete boshafte Gedichte auf die Gesellschaft.

Er liebte das Reiten, das Theater und generell alles was mit Vergnügen zu tun hatte. An seine väterlichen Pflichten dachte er dabei sehr wenig, bis gar nicht. Einzig seine Tochter Sisi stand ihm am Nächsten.

Wie ähnlich sie ihm war, sollte der Wiener Hof, in den Elisabeth als Kaiserin einheiraten sollte, bald erfahren. Gerade im Alter entwickelte Elisabeth fast eine manische Passion, die sehr ihrem Vater ähnelte. Ihr reiterliches Können kann hier nachgelesen werden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiserin Elisabeth auf ihrem Lieblingspferd Merry Andrews
Foto nach dem Stahlstich von John Charlton, 1879
Die Pferdeleidenschaft hatte Elisabeth von ihrem Vater geerbt.

Als seine Tochter Königin Marie von Neapel ein uneheliches Kind gebar, war es Max, der seine Frau Ludovika zur Räson brachte, in dem er sagte, dass dies in den besten Familien vorkäme.

Doch so gelassen reagierte er nicht immer. Er konnte ein ziemlicher Despot sein. Seine Wutausbrüche waren berüchtigt. War ihm der Trubel zu viel oder merkte er, dass er nicht im Mittelpunkt war, schrie er herum und sei es nur, weil ihn ein Hühnerauge drückte.

Absolut nicht gelassen reagierte er, als König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886) mehrfach die Verlobung mit seiner Tochter Sophie (*23.2.1847, †4.5.1897) verschob. Der traurige Beitrag zu Sophie Herzogin d’Alençon kann hier nachgelesen werden.

Um nicht weiter die Schmach seiner Tochter etragen zu müssen, stellte er dem König ein Ultimatum. Laut Christian Sepp, Biograph von Sophie Charlotte, ist das Schreiben nicht erhalten geblieben, ließe sich aber aus einem Brief von Ludovika an Königin Marie (Ludwigs Mutter) herstellen.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig und Sophie Herzogin in Bayern
Verlobungsfoto

Laut diesem Schreiben, dürfte Max Ludwig um die Einhaltung seines Eheversprechens und der Hochzeit im November 1867 gebeten haben, andernfalls, sollte diesem das nicht möglich sein, um die Bekanntgabe, dass die Verlobung aufgelöst sei, die Familie habe niemals beabsichtig, die Tochter aufzudrängen.

Wer sich je mit König Ludwig II beschäftigt hat, kann sich ungefähr vorstellen, dass dieser getobt haben muss, als er dies las.

Zumindest sah er dies als Anlass alles Max in die Schuhe zu schieben.

Er selbst wollte sowieso nicht heiraten, ansonsten hätte er die Hochzeit nicht schon zweimal verschoben, dennoch habe ein Untertan mit dem König so nicht zu sprechen. So sein Tenor.

An Sophie schrieb er einen lapidaren Brief, dass der grausame Vater sie auseinander reißen würde. Nach 259 Tagen war somit die Verlobung gelöst und Sophie fiel in Ohnmacht.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Herzog Max Helm

Max war aber nicht nur für seine unkonventionelle Art unter dem Volk bekannt und für seine Passion an Theater, Zirkus und Pferden. Er liebte auch das Reisen.

Die längste und berühmteste Reise die Max mit kleinem Gefolge unternahm, war sicherlich die Reise ins „Heilige Land“, das heutige Israel.

Begleitet wurde er u.a. vom Maler Heinrich von Mayr (*22.2.1806, †5.4.1871), der diese in Wort und Bildern festhielt.

Die Route führte ihn von München, Venedig, Korfu, Patras, Athen, Alexandria und Kairo, schließlich nach Jerusalem.

Nach 8 Monaten kam er zurück.

Als Mitbringsel hatte er 5 schwarze Sklaven mit dabei, die er am Sklavenmarkt freikaufte. Da die Münchner Gesellschaft bis dahin noch keine schwarzen Bürger gesehen hatte, waren diese Menschen eine Sensation.

Foto: Mauritius Images/Alamy/Volgi
Herzog Max auf seiner Orientreise
Bild: Heinrich von Mayr

Die Männer verblieben Zeit ihres Lebens im Dienste der Familie.

Vieles von Max seinen Reisen ist heute in Schloss Banz zu besichtigen.

Das alles hatte zur Folge, dass Max und Ludovika sich nie wirklich annäherten. Erst im Alter und bei der goldenen Hochzeit (50 Jahre Ehe) söhnten sich die beiden aus.

Am Ende seines Lebens verriet er, dass er Ludovika nur ehelichte, da er sich vor seinem Großvater fürchtete.

Trotzdem und gerade deshalb blieben ihm die Kinder und die zahlreichen Enkelkinder fremd.

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max und Herzogin Ludovika, anlässlich der goldenen Hochzeit

Max Herzog in Bayern starb nach zwei Schlaganfällen am 15.11.1888.

Der Tod des Patriarchen wurde sehr unterschiedlich aufgenommen.

Kaiser Franz Joseph und Kronprinz Rudolf, sowie alle Kinder und Enkel nahmen an der Bestattung teil.

Nur eine fehlte: Kaiserin Elisabeth. Sie weilte auf Korfu und sagte

„aus gesundheitlichen Gründen“

ab.

– Petra –

Foto: Bernhard Graf – Merkur.de
Herzog Max Emanuel zeigt die Familiengruft und steht vor Herzog Max Sarkophag
Dokumention Bernhard Graf – Herzog Max


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Textrechte: Petra
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Bernhard Graf – Merkur.de, Mauritius Images/Alamy/Volgi, Kaiserin Elisabeth Museum, Possenhofen via Merkur.de, steutzger.biz, abebooks.com, bamberger-onlinezeitung.de, stadtarchiv-münchen.de, Bildarchiv des Bayrischen Landesamts für Denkmalpflege, München, Lara Müller – Stadtarchiv Bamberg


Literatur Hinweise:

1 – S.25, 2 – S. 32/33, 3 – S. 37/8, 4 – S.38, 5 – S.38, 7 – S.39, 11 – S. 42, 13 – S. 209
Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern: Sisis wilder Vater
Volk Verlag München, 1. Auflage 2016

6 – S. 24, 8 – S. 30, 9 – S. 28, 10 – S. 27, 12 – S. 40
Bernhard Graf
Sisis Vater
Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Allitera Verlag//edition monadensia, 2. Auflage 2017

Christian Sepp
Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester
August Dreesbach Verlag, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

Hermann von Witzleben
Herzöge in Bayern
Prestel Verlag München, 1976 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Marie von Redwitz
Hofchronik
Kulturpolitik München, 1924 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Johannes Thiele
Elisabeth Ihr Leben. Ihre Seele. Ihre Welt (Bildband)
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2011