Kaiser Franz Joseph und die Frauen (Teil 5)


Foto: billerantik.at
Kaiser Franz Joseph, 1848
Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht? 

In den Sissi-Filmen mit Romy Schneider ein herzensguter liebenswürdiger Mensch, der seine Frau verehrt und mit der Situation rund um Sissi und Erzherzogin Sophie überfordert ist. 

Sein Schauspiel hat zum Bild des realen Kaisers Franz Joseph viel beigetragen.

Leider ist auch hier vieles verklärt und die Sissi-Geschichte im Film ist so ganz anders, als die harte brutale Realität.

Eine Realität, der ich hier auf die Sprünge helfen möchte. Ich zeige in meinem 5. Teil das Bild eines so ganz anderen Kaisers.

Ein Kaiser, der seine Engels-Sisi zwar anbetete, dennoch zahlreiche heimliche Affären hatte und einige uneheliche Kinder gezeugt haben soll.

Vorwort: 
Es gibt in der Literatur zahlreiche Gerüchte, die nicht belegt sind. Auch von Buchautoren. Ich habe mich für diesen Artikel in die gesamte Literatur - auch in die unbelegte - eingelesen. Es bleibt immer dem Leser selbst vorbehalten, was er glauben will. 
In diesem Sinne, beginnen wir nun von vorne:

Die ersten jugendlichen Gefühle

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Elisabeth von Preußen „Elise“

Schon im zarten Alter von 14 Jahren verschaute sich Erzherzog Franz (Anmerkung Petra: erst als Kaiser verwendete er seinen zweiten Namen) sehr unstandesgemäß in eine Hofdame seiner Tante Königin Elisabeth Ludovika, genannt „Elise“, von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873).


Bertha von Marwitz

(*30.7.1817, †5.4.1879)

hatte es dem jungen „Franzi“ angetan. Mutter Sophie schrieb besorgt in ihr Tagebuch:

„Franzi ist in zarter Art und Weise mit Fräulein von Marwitz beschäftigt. Es ist das erste Mal, daß solch ein Gefühl in ihm erwacht. Ich kann den Eindruck nicht genügend beschreiben, den mir das gemacht hat. Dieser Bub, den ich noch für ein Kind hielt, geht plötzlich, ohne daß ich es merke, zu den Neigungen und den Gefühlen eines jungen Mannes über. Das ließ mich eine vage Unruhe wie eine peinliche Sensation empfinden und es scheint mir, als gehöre er mir nicht mehr so wie früher.“ (1)

1847 verliebte er sich in eine Hofdame von Großfürstin Helene Pawlowna, gebürtige Friederike Charlotte Marie Prinzessin von Württemberg (*9.1.1807, †9.11.1873). Leider blieb die Hofdame und Gesellschafterin in der Biographie von Karl und Michaela Vocelka „Franz Joseph I – Kaiser von Österreich und König von Ungarn 1830 – 1916“ unbenannt.

Allerdings schrieb sein Erzieher in sein Tagebuch, dass Erzherzog Franz die Großfürstin, deren Tochter und besagte Hofdame alleine bei einem Mahl begleitet habe und den Erzieher ungebührlich lange warten habe lassen.
Lächerlich wenn man es genau bedenkt, aber wahrscheinlich ein ungeheuerlicher Skandal für den Erzieher, sonst hätte er es nicht vermerkt. 

Kaiser Franz Joseph war kein unbescholtenes Blatt mehr, als er Herzogin Elisabeth das erste Mal näher betrachtete und sich entschied sie zu heiraten.

Rund um die Erzherzöge gab es

„hygienische Damen“

welche extra ausgesucht wurden, um den jungen Männern die „Liebe zu lehren“. Graf Grünne übernahm die Auswahl für Franz Joseph, selbstverständlich nicht ohne Erzherzogin Sophie miteinzubeziehen.

Hygienische Damen waren am Wiener Hof sehr angesehen. Diese Damen waren zwar (meist) nicht aus dem Adel, aber gesunde Witwen, mit einer animalischen Konstitution, die den Herren die Dinge beibrachten, die sie wissen sollten, um mit einer Ehefrau die erhofften Thronfolger zu zeugen.

Bei Franz Joseph war es eine reife, üppige Dame aus Krems.
Wobei hier die Literatur auseinander geht. Bei den einen Historiker/innen war es die namenlose „üppige Dame aus Krems“, bei den anderen wiederum, eine Gräfin, welche bei Hof ein und aus ging.

Die erste Liebe

Foto: Wikimedia/Commons
König Friedrich Wilhelm IV von Preußen

1848 hatte Franz Joseph wohl mit

Elisabeth Gräfin von Ugarte
(*14.5.1822, †26.8.1896) geb. Rochow-Briest,

eine „heiße“ Affäre.

Brisant allerdings war, dass Gräfin Elisabeth Ugarte bereits verheiratet war und Graf Ugarte dieses Amüsement gar nicht witzig fand.

Auch Erzherzogin Sophie war einem Schlaganfall nahe, als sie erfuhr, mit wem sich ihr 18jähriger Sohn abgab.

Als dann noch der gesamte Wiener Hof tuschelte, als Franz Joseph ihr auf den folgenden Hofbällen sämtliche Tänze schenkte und sogar zweimal den Kotillon mit ihr tanzte, war Schluss mit lustig.

Elisabeth berichtete einer Freundin:

„…..da ich jedes Mal mit unserem deliziösen Kaiser tanze. Schon zweimal tanzten wir den Kotillon zusammen, was, wie Du Dir denken kannst, großes Aufsehen erregte und ma petite vanité doch etwas schmeichelte.  Ich bin, so wie alle, entzückt von unserem allerliebsten Monarchen, der alles, was man sich Gutes, Edles denken kann, in sich vereinigt.“ (2)

Hofdame Sophie Scharnhorst notierte:

„Der Kaiser tanzte mit Ausnahme der Polka und Mazurka alles, engagierte seine Damen selbst mit der ihm angeborenen Courtoisie und machte jedesmal eine Glücklich. Zu diesen gehörte unsere kleine Ugarte, die er zur Kotillon-Tänzerin wählte. Sie strahlte vor Entzücken und ihr Gemahl war um sie beschäftigt wie die Henne mit den Kücken.“ (3)

Als Franz Joseph besagte Gräfin auch noch „allein“ in die Hofburg einlud, war Erzherzogin Sophie einer Herzattacke nahe.

Sie zitierte die 26jährige Gräfin zu sich und befahl ihr Wien für immer zu verlassen. In der gesamten Literatur lässt sich Elisabeth Gräfin Ugarte nicht mehr finden.

In Olmütz, während der Revolution (1848), soll angeblich eine junge Dame der Grund gewesen sein, warum sich Franz Joseph immer gerne an diese Zeit im Exil zurückerinnerte. Näheres konnte ich auch mit besten Absichten nicht herausfinden.

Am 18.2.1853 gab es ein Attentatsversuch durch János Libenyi, dass nicht von politischer Natur aus begangen worden sein soll, sondern aus rein privater. János hat aus „Ehre“ morden wollen.

Die gesamte Geschichte zum Libényi-Attentat ist hier nachzulesen.

Der wahre Grund ist bis heute ungeklärt und wird auch nicht mehr eruiert werden können. Folgendes konnte ich in verschiedenen Büchern herausfinden:

Gabriele Praschl-Bichler beschrieb in ihrem Buch „Kaiser Franz Joseph ganz privat „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen“, folgende Geschichte, die ich im ganzen Wortlaut wiedergebe:

Eine andere Liebesgeschichte steht in Zusammenhang mit dem am 18.Februar 1853 auf Kaiser Franz Joseph verübten Attentat, als der Schneidergeselle János Libényi aus der Wiener Leopoldstadt ein 41,5 Zentimeter langes, beidseitig geschliffenes Messer gegen den Monarchen führte. Lauf offizieller Aussage hieß es, er sei ungarisher Anarchist gewesen, der sich den Kaiser als prominentes Opfer erwählt hatte. Gemäß der Meinung einier anderer Zeitgenossen hätte hinter diesem Anschlag ein Racheakt gesteckt, der auf eine Liebschaft zwichen dem jungen Kaiser und einer Ungarin zurückzuführen war die ein Familien angehöriger „ins Reine“ bringen sollte.

Monate vor dem Attentat war Kaiser Franz Joseph während eines Praterbesuchs ein Mädchen aufgefallen, das vor einer Schaubude stand und die neugierigen Blicke des jungen Monarchen heftig erwiderte. Um ihn noch mehr für sich zu interessieren, brachte es ihm eine temperamentvolle Csardas-Einlage dar. Der Kaiser erfuhr, daß es eine Nichte der Budenbesitzerin, einer gewissen Frau Danzinger, war, Margit Libényi hiße und aus dem ungarischen Dorf Czakvar stamme. Im Laufe einer folgenden Bekanntschaft soll ihr Kaiser Franz Joseph auch eine Ausbildung als Tänzerin bezahlt haben.

Zu jener Zeit hatt einer der Brüder Kaiser Franz Josephs, Erzherzog (Ferdinand) Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko, das Libretto zu einer Oper verfaßt, deren Aufführung der Kaiser aber zu verhindern wußte. Angeblich hätte nun Erzherzog Max Kontakt zu dieser Tänzerin aufgenommen, ihr eine glanzvolle Tanzrolle in der Oper zugesagt für den Fall, daß es ihr gelänge, den Kaiser umzustimmen. Es kamm dann tatsächlich zur Aufführung des Werkes, die Künstlerin erntete mit ihrer Darstellung großen Beifall und wurde am Tag nach der Premiere zum Mitglied des kaiserlichen Balletts ernannt. Sie nahm einen Künstlernamen an und tanzte fortan unter dem Pseudonym Mizzi Langer.
Der Ruf der Ungarin als Kaiserliebchen war bis in ihr Heimatdorf gedrungen und soll dort viel für Aufruhr unter der Bevölkerung veursacht haben. Die Bitten ihres Bruders, János Libényi, sie möge sich vom Kaiser lossagen, blieben unbeantwortet, und so faßte der „Entehrte“ den Entschluß, die Schuld der Schwester durch ein Attentat auf den Kaiser zu sühnen.
 (3)

Nun geht die Geschichte der Historiker/innen auseinander. Während G. Praschl-Bichler im zitiertem Buch schrieb, dass sich der Kaiser darauf hin von Mizzi Langer trennte und Libényi beim Polizeiverhör den wahren Grund seiner Tat preisgab, so erzählen die restlichen Historiker/innen, dass der Attentäter keinen wirklichen Grund nannte.

Was auch immer stimmt, János Libényi wurde am Galgen gehängt und die abstruse Geschichte verfolgte die Bevölkerung sogar bis in die 1950er Jahre. Aber dazu bitte ich euch, den Beitrag auf der anderen Seite zu lesen.

Da der Kaiser gerade viel Sympathie im Land erreichte, war es für Erzherzogin Sophie Zeit endgültig eine Braut auszuwählen.

Das glückliche Österreich heiratet

Sophie hatte ab 1852 die ersten Anzeichen gezeigt ihren jungen Sohn, Kaiser von Österreich, standesgemäß und mit der besten Partie die sie finden konnte, zu verehelichen.

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Prinzessin Anna von Preußen
Bild: F.X.Winterhalter, 1858

Sie ließ Kaiser Franz Joseph unter dem Aspekt „einer politischen Reise“ zu Tante Elise nach Berlin fahren.

Wie bereits erwähnt, war Elisabeth eine Schwester von Erzherzogin Sophie und Herzogin Ludovika; somit die Tante von Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth.

Sie wurde mit Friedrich Wilhelm IV, König von Preußen (*15.10.1795, †2.1.1861) verheiratet; die Ehe war zwar glücklich blieb aber nach einer schweren Totgeburt kinderlos.

Kaiser Franz Joseph verliebte sich in Preußen in die Nichte von König Friedrich,

Marie Anna Friedericke Prinzessin von Preußen
(*17.5.1836, †12.6.1918),

welche aber bereits mit Prinz Friedrich Wilhelm (*26.11.1820, †14.10.1884) verlobt war.

So sehr sich Elise bemühte, den König und die preußische Regierung zu einem Bündnis mit Österreich durch Heirat, umzustimmen, sie scheiterte kläglich. Sophie schrieb ihrer Schwester einen herzzerreißenden Brief:

Foto: Wikimedia/Commons
Prinz Wilhelm I

„… ob es keine Hoffnung gibt, daß diese traurige Heirat, die man dieser reizenden Anna auferlegt und keinerlei Aussicht auf Glück für sie übrigläßt, vermeiden könnte. … das Glück, das sich wie ein flüchtiger Traum gezeigt hat und sein junges Herz – hélas – viel stärker und viel tiefer beeindruckt hat, als ich es zunächst glaubte….Du kennst ihn genug, daß man seinem Geschmack nicht so leicht entsprechen kann und ihm nicht die nächste beste genügt, daß er das Wesen lieben können muß, die seine Gefährtin werden soll …. Allen diesen Bedingungen scheint Eure liebe Kleine zu entsprechen….“ (3a) 

Es half alles nichts, Elise brachte die Hochzeitspläne im Haus nicht durch. Prinz Wilhelm, späterer Kaiser Wilhelm I (*22.3.1797, †9.3.1888) meinte zur Absage sogar:

„Wir Preußen beglückwünschen uns, daß Österreich seine Unterwerfung in unserer Hauptstadt bezeugt hat, ohne daß wir nur einen Fußbreit politischen Boden preisgegebenen haben.“ (4)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Elisabeth

Wirklich ernste Absichten hatte Kaiser Franz Joseph 1853 das erste Mal mit

Elisabeth Franziska Maria Erzherzogin von Österreich-Este,
(*17.1.1831, †14.2.1903)

der ungarischen Linie der Familie Habsburg.

Doch Erzherzogin Sophie passte diese Verbindung überhaupt nicht, da sie mit den Ungarn nichts mehr zu tun haben wollte.

Elisabeths (Halb) Bruder Stephan Erzherzog von Österreich (*14.9.1817, †19.2.1867), Palatin von Ungarn, hatte sich während der 1848er Revolution auf die Seite der Ungarn gestellt und wurde deshalb aus der Monarchie verbannt.

Hier möchte ich einen Schreibfehler eines Buches von Katrin Unterreiner ausbessern. Im Buch „Kaiser Franz Joseph 1830-1916 Mythos und Wahrheit“, Christian Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2006 steht auf Seite 35: (Zuerst erzählt sie von Gräfin Ugarte)


„Berechtigtere Aussichten hatte Erzherzogin Therese, Tochter Josephs, des Palatins von Ungarn. Die schöne Erzherzogin war allerdigs als Schwester Erzherzog Stephans der während der Revolution mit den Ungarn sympathisiert hatte und auf Grund seines Verhaltens sogar aus der Monarchie verbannt wurde, für Sophie untragbar. Sie wollte die Verbindung mit einer deutschen Prinzessin, am besten mit einer preußischen. (4a)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Stephan
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ferdinand

Allerdings fand das Treffen mit Anna schon vorher statt und Palatin Joseph (*9.3.1776, 13.1.1847) hatte keine Tochter namens Therese.

Erzherzog Stephan war auch nur der Halbbruder von Elisabeth Franziska.

Mittlerweile gibt es eine Neuauflage des besagten Buches, in welchem diese Sätze weggelassen wurden und K. Unterreiner auf S. 38. gleich mit Anna als Brautschau beginnt (siehe 1. Auflage 2015, gleicher Verlag, gleicher Buchtitel).

Um Elisabeth und Franz Joseph nicht noch weiter auf dumme Gedanken zu bringen, verheiratete sie die junge Witwe kurzer Hand mit Erzherzog Karl Ferdinand von Österreich (*29.7.1818, †20.11.1874).

Was Sophie zu jener Zeit nicht ahnen konnte, aber mir im Nachhinein ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubert, ist die Tatsache, dass die Ehe mit Karl sehr glücklich wurde.

Das Paar bekam 6 Kinder, u.a. jenen Erzherzog (Friedrich Maria) Albrecht (*4.6.1856, †30.12.1936), der später einmal Erzherzog Franz Ferdinand unverhofft zu seinem Glück verhelfen sollte.

Erzherzog Albrecht heiratete Prinzessin Isabella von Croy-Dülmen (*27.2.1856, †5.9.1931) die jene Hofdame beschäftigte, die als Sophie Gräfin von Chotek oder später Sophie Fürstin von Hohenberg in die Weltgeschichte eingehen sollte. Die Geschichte von Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie Fürstin von Hohenberg könnt ihr hier nachlesen.

Der erste uneheliche Sohn

Foto: Wikimedia/Commons
Paul Freiherr Gautsch von Frankenthum

von Kaiser Franz Joseph soll

Paul Gautsch Freiherr von Frankenthum 
(*26.2.1851, †20.4.1918) 

gewesen sein, welcher nach dem Jusstudium ins Unterrichtsministerium wechselte und 1879 Unterrichtsminister wurde.

Diesen Posten behielt er ungewöhnlich lange, nämlich bis 1893. Zusätzlich wurde er von Kaiser Franz Joseph zum Direktor und Kurator der Theresianischen Akadamie ernannt. 1895 ernannte ihn der Kaiser zum Herrenhausmitglied. 1895 – 1897 wurde er nochmal Unterrichtsminister.

1899 – 1904 wurde er Präsident des Obersten Rechnungshofes. Gautsch galt als „besonderer“ Vertrauensmann für Kaiser Franz Joseph. (5a)

Während sich Kunsthistorikerin Gabriele Praschl-Bichler zur Mutter ausschweigt und auch sonst keine Quellen nennt, sondern nur im Nachwort ein Dankeswort an Erzherzog Otto (Habsburg) und an dessen Sekretärin nach Pöcking richtet, da dieser seine Familiengeschichte geöffnet hätte (?), habe ich wirklich lange recherchiert und die Namen von Vater und Mutter von Paul Gautsch ausfindig gemacht.

Sein Vater war Karl Gautsch von Frankenthum (*1817, 1892), welcher als Polizeikommissär arbeitete. Seine Mutter war Maria Beatrix Wittek Edler von Salzberg (*1828, 1908), welche aus der Linie mütterlicherseits aus der Schlumberger-Goldeck-Linie stammte.

Und jetzt fangen meine Spekulationen und Überlegungen an:
Wo und wie hat Kaiser Franz Joseph Maria Beatrix, verheiratete Gautsch von Frankenthum kennengelernt. Die Ehefrau eines Polizeikommissärs läuft einem Kaiser nicht täglich über den Weg.

Kuckuckskinder waren sicherlich an der Tagesordnung. Es gab weder DNA, noch richtige Gynäkologen. Der Beweis einer Vaterschaft wurde oft nach der Geburt ob das Baby dem Vater ähnelt angetreten. Also alles sehr wage und absolut nicht beweisbar. Ich weiß nicht einmal, ob die Frauen im 19. Jahrhundert wussten, dass eine Schwangerschaft 9 Monate dauert und man 10 Monate berechnet.

Trotzdem wäre es wirklich interessant zu erfahren, wieso gerade Graf Gautsch ein unehelicher Sohn gewesen sein soll. Schade, dass nirgendwo in der Literatur mehr verzeichnet oder irgendetwas aufzufinden ist.

Das grösste Gerücht

Helene Baltazzi, verh. Vetsera, Foto: Wikimedia/Commons

Helene Baltazzi
besser bekannt als
Helene Freifrau von Vetsera
(*29.5.1847, †1.2.1925)

Kaiser Franz Joseph soll ein Verhältnis mit Helene Baltazzi besser bekannt als Helene Freifrau von Vetsera gehabt haben.

Die Geschichte dazu liest sich so:

Zeitpunkt der Beziehung war das Jahr 1850 und Franz Joseph war gerade einmal 20 Jahre alt. Auch diese Affäre verbot Erzherzogin Sophie sofort und Helene, die Zeit ihres Lebens den Drang hatte vom Kaiserhaus anerkannt zu werden, soll eine Abfertigung von sage und schreibe 3 Millionen Kronen (!) bekommen haben.

Allerdings war Helene Baltazzi bzw. verheiratete Vetsera selbst reich und brauchte das Geld nicht. Was war also der Grund, warum sie so viel Geld bekommen hatte.

3 Millionen Kronen sind immerhin € 56.201.370 (!).

 

Sehr großzügig für einen so sparsamen Menschen wie Kaiser Franz Joseph.

Noch dazu als junger Kaiser, wo er vor allem noch auf die Gunst seines Onkels Ferdinand (*19.4.1793) angewiesen war; denn auch wenn dieser kein Kaiser mehr war, das ganze Geld und somit das gesamte Vermögen verwaltete dieser bis zu seinem Tod.

Erst dann beerbte ihn sein Neffe in allen Belangen. Und Ferdinand starb erst im Jahre (29.6.) 1875.

Ob also Erzherzogin Sophie bereit gewesen wäre, einer Gespielin ihres Sohnes so viel Geld auszuzahlen, ist mehr als fraglich.

Fiel euch etwas beim Lesen auf? Kam euch nicht etwas komisch oder fraglich vor?

Nein?
Gut, dann kläre ich mal auf.

Kunsthistorikerin und Buchautorin Gabriele Praschl-Bichler schrieb in ihrem Buch mit Joseph Cacheè (*) „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen“ Kaiser Franz Joseph ganz privat, Amalthea Verlag, 1. Auflage 1994

Kaiser Franz Joseph soll mit Helene Baltazzi, besser bekannt als Helene Vetsera eine Romanze gehabt haben. Der Kaiser war 20 Jahre alt und seit 2 Jahren Kaiser. Nach dem Ende der Liebesgeschichte, soll Helene eine Abfertigung von drei Millionen Kronen erhalten haben. (5b)

In ihrem Buch „Kaiser Franz Joseph ganz privat“ „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen!“, Amalthea Verlag, 3. Auflage 2005, heißt es: (Zuvor trifft er in dem Buch Katharina Abel, zu der ich noch komme…)

Einige Jahre später lernte Franz Joseph Helene Baltazzi, spätere Baronin Vetsera und Mutter der Mary Vetsera kennen und lieben.
Die Romanze dauerte nicht lange, sie soll der Dame aber eine Abfertigung von drei Millionen Kronen eingebracht haben.
“ (5c)

Zu dieser Zeit gab es keine Kronen, sondern Gulden. Und bei aller Liebe, ich glaube nicht, dass er ihr 3 Millonen Kronen abgegolten hätte, wenn man bedenkt, dass er seiner 14jährigen Affäre Anna Nahowski 200.000 fl (Anmerkung Petra: Abkürzung für den Gulden) gab. Zu ihrer Geschichte komme ich noch.

Aber weiter in der Aufklärung:

Kaiser Franz Joseph wurde 1830 geboren. Wenn er bei der Liebesgeschichte 20 Jahre alt war, war dies 1850. Helene wurde 1847 (!) geboren. Na? Klingelts? Helene wäre demnach 3 Jahre alt gewesen.

Erzherzogin Sophie hätte zurecht der Schlag getroffen, hätte der erwachsene Kaiser ein Verhältnis mit einer 3jährigen gehabt!

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich keine Historikerin schlecht machen möchte, aber die Zeitangaben können einfach nicht stimmen, wenn man bedenkt, dass Helene Baltazzi unumstösslich im Jahre 1847 geboren ist (steht auch auf ihrem Grabstein).

Es ist also definitiv unmöglich, dass Kaiser Franz Joseph 20jährig ein Verhältnis mit Helene Baltazzi gehabt haben kann!

Ein weiteres Indiz ist, dass Helene von Konstantinopel verheiratet (!) nach Wien kam und Albin Ritter von Vetsera beim Kaiser um ihre Hand anhalten musste. Der Diplomat sah die Schöne 16jährige und war sofort fasziniert von ihr. Ihre Familie war unermesslich reich, aber nicht adelig und so musste Ritter von Vetsera beim Kaiser um ein Heiratsgesuch bitten. Dies wurde ihm gewäht und so konnte der um 20 Jahre ältere Albin die junge Frau ehelichen.

Bereits 1865 kam der erste Sohn Ladislaus in Paris zur Welt, danach 1868 Tochter Johanna in Konstantinopel und erst 1871 Marie Alexandrine „Mary“ in Wien. Also erst in den frühen 70er Jahren waren die „von Vetsera“ in Wien mit 2 Kindern eingetroffen, 2 weitere wurden in Wien geboren.

Wann also das angebliche Techtelmechtel stattgefunden haben soll, kann ich nicht sagen, da ich in keiner Literatur irgendeinen Hinweis und/oder Nachweis finden konnte.

Es sind immer nur vage Vermutungen und ein/e Historiker/in hat vom anderen abgeschrieben, ohne Daten und Fakten und zu nennen.

Es kann natürlich gut sein, dass sich die beiden in den frühen 70er Jahren irgendwann einmal „begnegneten“, denn Helene hatte in Wien nur ein einziges Ziel: sie wollte bei Hofe angenommen werden.

Sie war unermesslich reich, schön, nur ihr war furchtbar langweilig, da der Wiener Hof von ihr keine Notiz nahm. 1870 wurde ihr Mann in den Freiherrenstand befördert, somit durfte sie sich „Freifrau von Vetsera“ nennen.

Die Mär also, dass Kaiser Franz Joseph Helene als Baltazzi kennengelernt hat, habe ich nun einwandfrei widerlegt.

Nichtsdestotrotz ist es trotzdem makaber, dass Helene von Vetsera mit dem blutjungen Kronprinz Rudolf „verkehrte“.

Kaiser Franz Joseph tobte, als er dies hörte und verbot diese Beziehung sofort.

Da es später zu heimlichen Treffen mit der Tochter Mary kam, konnte Franz Joseph nicht rechtzeitig einschreiten.

Böse Zungen behaupten ja, dass Mary Vetsera (*19.3.1871, †30.1.1889) sich mit Kronprinz Rudolf deshalb das Leben nahm, da sie seine Tochter gewesen sei.

Doch auch hier sei erwähnt, dass Kronprinz Rudolf 14 Jahre gewesen sein müsste, um besagte Affäre gehabt zu haben. Die tatsächliche Affäre mit Helene Baltazzi soll stattgefunden haben, als er 18 Jahre alt war. Also geht sich die Vaterschaft natürlich nicht aus. Aber das sei nur nebenbei erwähnt. Es geht um hier jetzt ausschließlich um Kaiser Franz Joseph.

Brautschau und Hochzeit

Sophie suchte weiterhin fieberhaft nach einer neuen und geeigneten Kanditatin, die sie in Dresden zu finden glaubte.

Foto: Wikimedia/Commons
Sidonie Prinzess von Sachsen
Maria Sidonie Ludovica Prinzessin von Sachsen 
(*16.8.1834, †1.3.1862) 
sollte nun die Braut und zukünftige Kaiserin von Österreich werden. 

Sie hatte wahres Pech mit ihren Verehrern, die beinahe alle aus falscher Zugehörigkeit der Religion oder politischen Machtspielen, abgelehnt wurden.

Auch Kaiser Franz Joseph wollte Sidonie nicht zur Frau. 
Der banale Grund: sie gefiel ihm nicht. 

Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr. Sidonie starb 27jährig unverheiratet an Typhus.

Sophie sah sich schlussendlich in ihrer eigenen Verwandtschaft nach jungen heiratsfähigen Mädchen um. 
  • Meinen Bericht zur Verlobung könnt ihr hier lesen.
  • meinen Bericht zur Hochzeit könnt ihr hier lesen.
  • meinen Bericht zum Hochzeitskleid könnt ihr könnt hier lesen.
  • meinen Bericht wie Kaiserin Elisabeth als Mutter war könnt hier lesen.

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph
Hochzeitsbild

Da es hier nur um Franz Joseph und seine Affäre bzw. um seine Frauen geht, habe ich die Ehe und die Probleme darin gesondert aufgearbeitet.
Meinen Bericht zur ambivalenten Ehe könnt ihr hier nachlesen.

Affären ab 1859

Foto: dorotheum.com
Kaiserin Elisabeth

Was genau der Auslöser 1859 für die sehr überstürzte Abfahrt von Kaiserin Elisabeth nach Madeira war, ist bis heute ungeklärt.

Viele Gerüchte und Legenden ranken sich um diesen plötzlichen Aufbruch.

Einige Historiker/innen schreiben, es sei eine Lungenkrankheit gewesen - was aber nicht erklären würde, warum Elisabeth auf der Überfahrt schon ziemlich munter wirkte -, die anderen behaupten, die Krankheit hätte etwas mit einer Geschlechtskrankheit zu tun, da Kaiser Franz Joseph weiterhin fremd ging und keine Rücksicht auf seine zartbesaitete junge Frau nahm. 

Auch mit ihr selbst soll er nicht zimperlich umgesprungen sein.

Was auch immer der Grund war, ab diesem Zeitpunkt wurde Elisabeth „erwachsen“ und entzog sich ihrem Mann immer mehr, so dass ab nun immmer mehr neue „Bekanntschaften“ seinen Weg kreuzten.

Wahrheit oder Lüge

1863 traf Kaiser Franz Joseph zum ersten Mal, auf Theresia „Reserl“ Pointinger (*8.4.1846, 1928).  Was folgte, war eine fast 10jährige Liaison, aus der angeblich 4 Kinder entstammen sollen.

Foto: Hubert Pointinger
Theresia Pointinger

Kaiser Franz Joseph weilte in Mondsee mit seinem Freund Otto Fürst von Wrede (*8.1.1797, †10.10.1871), um zu jagen.

Der elterliche Hof auf dem Theresia lebte, war seit langem schon ein beliebter Gutshof für adelige Gäste.

So war es nicht verwunderlich, dass er 1863 am Grauwitzgut auf die damals noch 17jährige aufmerksam wurde. Franz Joseph war damals ein Mann von stolzen 33 Jahren.

Bei einem dieser Anlässe (Anmerkung Petra: nach der Jagd Besuch bei der Gutsfamilie) wird Franz Joseph auf die mittlerweile 17jährige Reserl aufmerksam. Ihre Weiblichkeit ist sehr gut entwickelt, und während sie in ihrem „Dirndl“ mit dem engen Mieder die Gäste bedient, erliegt Franz Joseph ihren Reizen und ihrer Anmut, wie uns der weitere Verlauf der Gesichte noch eindringlich zeigen wird. Tatsächlich wird Franz Joseph nie mehr seine Augen von Reserl lassen, werden die folgenden Begegnungen auf dem Gut Reserls unbändige Liebe für ihren Franz Joseph erwachen lassen.“ (6)

Doch erst im Juli 1869 kam es zur schicksalhaften „Liaison“.

Als er dann tatsächlich im Juli 1869 auf der einsamen Eisenauer-Alm (im Sommer arbeitete sie auf der elterlichen Alm als Sennerin) erschien, erkannte sie ihn zunächst nicht.

Der Text, der von Rosamunde Pilcher stammen könnte, lautet wie folgt:

Foto: Stadtmuseum Bad Ischl
der junge Kaiser als Jäger

„Voll Zufriedenheit über das getane Tagwerk hat Reserl vor der Hütte Platz genommen, um sich in aller Stille und voller Dankkbarkeit dem Schöpfer gegenüber vom sinkenden Tag zu verabschieden.
Doch nur Minuten später verändert eine folgenschwere Begegnung das Leben des jungen Mädchens für immer, als ein Mann in der Bekleidung eines Jägers Reserls Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dieser unterscheidet sich äußerlich kaum von anderen Jägersleuten, außer dass er einen graußen Filzhut, eine graue Lodenjoppe und graue Wadenstrümpfe trägt. Aber als er sich Reserls Hütte nähert, „fällt es ihr wie Schuppen von den Augen“, denn durch seinen eigentümlichen, federnden Gang hat sie ihn trotz Dämmerung als Franz Joseph, den Kaiser von Österreich, erkannt. …
Seit dem letzten Treffen auf dem elterlichen Grauwitzgut haben sich beider Herzen füreinander leidenschaftlich entzündet. Jetzt scheint die Erfüllung von Reserls Sehnsüchten und Träumen nahe.“
(6a)

Reserl war nun keine 17 mehr, jedoch eine 23jährige Jungfer. Unser Kaiser war ein vollreifer Mann von 39 Jahren.

Aber er hatte immer schon ein faible für junge Frauen und je älter er wurde, desto jünger wurden seine Gespielinnen, zumindest bis Kaiserin Elisabeth ihm die Schratt zuwies.

Ob sie dies alles ahnte? Ich weiß es nicht. Die Briefe von Franz Joseph wurden alle angeblich verbrannt, es gibt keine Korrespondenz zum Nachlesen, das größte Archiv ist bis heute noch immer nicht zugänglich und ist somit unerforscht. 

Und welche Frau ahnt im Grunde nicht, wenn der eigene Mann ständig fremd geht? Aber all das, ist nur eine Vermutung meinerseits (bis auf das Archiv; das ist wirklich Tatsache).

Aber weiter gehts mit Reserl und Franz Joseph:

Als sie sich von dem Schock erholte, bat sie ihn in die spärlich eingerichtete Hütte. Der Jägersmann, der tatsächlich Kaiser Franz Joseph war, setzte sich artig neben sie und legte seine Hand in ihre:

„Wie in Trance legt Reserl ihre zierliche Hand in die Hand des Kaisers, und als sie kurz darauf die warmen Lippen Franz Josephs auf ihrer Haut und ihren geöffneten Lippen spürt, ist ihre Leidenschaft, die sie jahrelang nur für ihn zurückgehalten hat, voll entbrannt.“ (6b)

Ein zärtlicher und gefühlsbetonter Liebhaber soll er gewesen sein, der Franzl. Meint zumindest Theresia Pointinger, bzw. ihr Biograph Hubert Pointinger; denn Aufzeichnungen von Theresia gibt es keine.

Das Ganze ist eine Nacherzählung, einer Nacherzählung, einer Nacherzählung.

Anna Nahowski sah das ganz anders. Aber ich greife etwas vor.

4 Kinder sollen der Affäre entsprungen sein:

Foto: Hubert Pointinger
Anton Pointinger
Foto: Hubert Pointinger
Franziska Pointinger
Foto: Hubert Pointinger
Matthias Pointinger
Foto: Hubert Pointinger
Wilhelmine Buchwald

  1. Anton Pointinger (*6.4.1870,unbekannt)
  2. Franziska Pointinger (*1871,unbekannt)
  3. Matthias Pointinger (*5.12.1872,27.11.1941)
  4. Wilhelmine Buchwald (*28.5.1877, unbekannt)

Reserl wurde drei mal schwanger und trug diese Kinder aus. In einer Zeit, am Dorf lebend und unverheiratet, muss das die Hölle für eine junge Frau gewesen sein.

Theresia hatte viel Glück und brachte alle ihre Kinder durch.

Anton, ihr Bruder wollte immer wieder wissen, wer der Vater der Kinder sei, doch sie schwieg eisern. Er suchte mit Hochtouren einen Ehemann für sie, wusste aber, dass eine Frau mit drei unehelichen Kindern kaum an den Mann zu bringen sei.

Die Kinder durften nicht bei ihr aufwachsen und so nahm sich ihre Schwester Franziska der unehlichen Kinder an und Theresia besuchte sie so oft sie konnte. Oft auch spät abends. Dafür musste sie oft Kilometer weit gehen; oft durch Tiefschneemassen. Die Strapazen müssen unvorstellbar gewesen ein. Nach einigen Monaten erkannten sie die Kinder nicht mehr und sie nahm dies voller Eifersucht und Tränen zur Kenntnis.

Die „kaiserlichen“ Kinder, kannten weder ihren Vater und erkannten nun auch auch ihre Mutter nicht mehr.

Franziska war ihnen allerdings eine gute Ziehmutter.

Als sich Kaiser Franz Joseph im darauffolgenden Jahr nicht blicken ließ, litt Reserl Höllenqualen.

Sie verliebte sich in weiterer Folge in den verheirateten Privatjäger Wilhelm Buchwald der Familie Graf Paar, welche im Salzkammergut ebenfalls ein Jagdgut besaßen.

Buchwald galt als Windhund und nahm sich vor Reserl zu erobern, was ihm beinahe auch gelang, als diese dann doch das schlechte Gewissen, wegen der Ehefrau von Willi packte und sie sich doch nicht hingab. Doch in dieser Nacht gab es ein Geständnis der anderen Art:

„Nur schwer gelingt es ihr, die Enttäuschung vor dem verheirateten Mann zu verbergen, nun hat sie sich anscheinend schon wieder in den Falschen verliebt. Nach Minuten beiderseitigen Schweigens holt Reserl, völlig unerwartet für Willi, zu ihrem „verletztenden“ Gegenschlag auf. Die Wunden, die ihr Franz Joseph in diesem Jahr seiner Abwesenheit (Anmerkung Petra: Weltausstellung in Wien; Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth kamen nicht ins Salzkammergut), wie wie neu „augerissen“ und in ihrem Schmerz ist Reserl nun zum Äußersten bereit. Voller Überschwang, ja beinahe schwämerisch erzählt sie Willi von ihrer mehrjährigen noch bestehenden Liebschaft mit „einem hohen adeligen Jagdherrn“ Doch damit noch nicht genug. Das erste Mal in ihrem Leben auchvon ihren drei Kindern Anton, Franziska und Matthias, die als „Kinder der Liebe“ dieser Liaison entsprungen sind.“ (6c)

Doch Willi Buchwald wusste schon längst Bescheid. Als Waldhüter und Förster und Jäger war er es gewohnt auf die Pirsch zu gehen, um Wilderern das Handwerk zu legen. Dabei bleiben den Mitarbeitern ungewöhnliche Leute die durch den Wald streifen nicht verborgen. Im Buch von Hubert Pointinger liest sich das so:

„So verwundert es nicht, dass auch die Gänge des Kaisers, des Lieberhabers in der Verkleidung des Weidmanns, nicht unentdeckt geblieben sind. Mancher yoyeuristische Jäger mag sogar an der hölzernen Außenwand in tiefster Nacht dem Liebesspiel des Kaisers gelauscht haben, trotzdem dringt in dieser Zeit nie ein Wort über die außerehelichen Neigungen des Kaisers an die Öffentlichkeit – zu schwer wiegt die Angst vor einer Verurteilung wegen „Majestätsbeleidigung“ mit nachfolgendem Arrest. Wie bei der „stillen Post“ werden die amüsanten Beobachtungen in Jägerkreisen aber von einem zum Nächsten weitergegeben, „hinter vorgehaltener Hand“ und in der ständigen Wachsamkeit, kein Wort davon an falsche Ohren dringen zu lassen.“ (6d)

Doch Frau Buchwald war schwer krank und diesmal meinte es das Schicksal etwas besser, diese starb alsbaldig. Einen Monat nach deren Tod hielt Willi Buchwald um die Hand von Reserl Pointinger an.

Grund für die Heirat war, um Reserl

vor weiteren unmoralischen Zugriffen Franz Joseph schützen kann, ist dieser doch als Kaiser und „Hoher Katholik“ zur Einhaltung des Ehegebots verpflichtet. (6e)

Um das Ganze abzukürzen: Es wurde geheiratet und Reserl brachte weitere eheliche Kinder zur Welt, wobei eine Tochter ein Monat nach der Geburt starb. Sie blieb Sennerin und es kam wie es kommen musste, Kaiser Franz Joseph trat wieder in ihr Leben und Reserl ließ ihn wieder in ihr selbiges. Obwohl alles diskret und heimlich ablief, war Willi eifersüchtig und ahnte Zeit seines Lebens, dass die letzte Tochter „Wilhelmine“ nicht die Seine war. Um Reserl endgültig aus den Fängen von Kaiser Franz Joseph zu befreien, zog die Familie nach Bayern.

Das ganze ist so schwülstig erzählt, dass man glauben möchte, man liest einen schlechten Bauernroman. "Kaiser Franz Joseph und Reserl waren Zeit ihres Lebens in Gedanken verbunden" und obwohl er bereits mit Anna Nahowski beisammen war und diese Reserl ähnelte, konnte er seine Reserl nicht vergessen.  
Foto: Hubert Pointinger
Hubert Pointinger

Die Geschichte wurde übrigens von der Tochter Theresia von Matthias erzählt, welche Ordensschwester wurde. Diese wurde so „streng erzogen, da das blaue Blut ihres Vaters, von seinem „Erlauchten Erzeuger“ übertragen wurde. Bauerstochter Theresia musste ihren Bauersvater „Siezen“, denn immerhin floß adeliges Blut durch seine Adern. Bei nicht gehorchen, gabs ordentliche Züchtigung. Ja, man schüttelt wirklich nur noch den Kopf.

Hubert Pointinger (*25.4.1961), der Verfasser von "Die Salzprinzessin" ist der Ur-Enkel von Matthias Pointinger, der als einziger dieser Kinder überhaupt eine Familie gründete.

Als das Buch herauskam, haben Georg Markus und Hugo Portisch (*19.2.1927,1.4.2021), zwei anerkannte Schriftsteller und Historiker Hubert Pointinger vorgeschlagen, eine DNA Analyse machen zu lassen.

Georg Hohenberg, der Urgroßneffe von Erzherzog Franz Ferdinand, aus der Linie von Maximilian Hohenberg hat sich für die DNA Analyse zur Verfügung gestellt.
(Die Geschichte zu Erzherzog Franz Ferdinand und was aus seinen Kindern wurde kann hier nachgelesen werden.)

Dr. Christa Nussbaumer „Allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige der forensischen Molekularbiologie“ stellte fest, dass

Georg Hohenberg und Hubert Pointinger nicht verwandt sind.

Ob also die drei anderen Kinder (also Anton, Franziska und Wilhelmine) von Kaiser Franz Joseph abstammen, ist sehr fraglich. Generell ist die Frage: Was ist an dieser Geschichte wahr?

Herr Pointinger jedoch hält eisern an seiner Version fest und betitelt sich selbst als Ur-Ur-Enkel des Kaisers.

Ein paar Sachen ließen mich im Buch stutzig werden: zum einen schrieb Herr Pointinger immer „Sissi.
Als angeblicher Ur-Ur-Enkel der Kaiserin müsste er wissen, dass sie sich niemals mit Doppel-s schrieb.

In der Literaturliste findet man das Buch von Gabriele Praschl-Bichler „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen.“
Reserl findet man darin nicht – was schon einmal sehr eigenartig ist. Lediglich folgenden Satz, weit nach Anna Nahowksi und sonstigen Liebschaften

„In einem kaiserlichen Jagdrevier lebte ein Mann, der behauptete, ein Sohn des Kaisers zu sein. Seine ledige Mutter war Sennerin, der Kaiser hätte sie anläßlich einer Jagd auf der Alm kennengelernt.“ (6f)

Man mag jetzt darüber denken was man will, aber aussagekräftig ist das nicht, wenn man bedenkt, dass Gabriele Praschl-Bichler ansonsten immer gerne Namen nennt und das Ganze ausschmückt.
Weiters geht es in dem Buch von Frau Praschl-Bichler auch um die Jägerkleidung des Kaisers, um die Weltausstellung 1873 usw.
Ein Schelm wer böses denkt….

Die beiden Historiker/in Michaela und Karl Vocelka schreiben zu dem Thema in ihrem Buch „Franz Joseph Kaiser von Österreich und König von Ungarn 1830 – 1916“ folgendes:

„Daneben gibt es viele Legenden und Gerüchte. (Anmerkung Petra: Kapitel Seitensprünge im Buch) So wird Franz Joseph etwa in einer Publikation eines angeblichen Nachkommen einer solchen Affäre eine Beziehung mit einer Bauerntochter Theresia (Reserl) Pointinger vom Gauwitzhof am Fuß des Schafbergs zugeschrieben, die auf der zum Hof gehörigen Alm Eisenau arbeitete.
Die Almhütte soll der anfangs 23-Jährigen und Franz Joseph 1869 als Liebesnest für ihr fast zehn Jahre dauerndes Verhältnis gedient haben, aus dem – wie behauptet wird – vier Kinder ….. (Anmerkung Petra: Aufzählung der Kinder mit Geburtsdaten) hervorgingen. Von Matthias stammt der Autor des Buches ab, das ausschließlich auf mündlichen Überlieferungen und nicht näher angegebenen Quellen in Pfarrarchiven beruht. Da keine faktischen Beweise vorliegen, ist diese Geschichte mit äußerster Vorsicht zu betrachten und erscheint eher fraglich.“ (6g)

Affären ab 1870

1870/1 soll es

Katharina Abel
(*22.2.1856, †6.3.1904)

gewesen sein, die dem Kaiser im Ballett ins Auge stach.

Foto: theatermuseum.at
Katharina Abel

Wie lange die Affäre dauerte, konnte ich auch nach intensiven Recherchen nicht eruieren.

Am 17.1.1876 gebar Katharina eine Tochter namens Maria. Den Vater hielt sie Zeit ihres Lebens strikt geheim. 

Mit den „Gaben“ des Kaisers konnte sie sich ein Haus in Wien Wieden leisten.

1890 ehelichte sie den um 10 Jahre jüngeren, mittel- und arbeitslosen Adeligen Georg Graf Orssich von Slatevich.

Katharina beendete 1892 ihre Karriere, nach dem sie sich bei einem Unfall während der Aufführung von „Giselle“ schwer verletzte.

Autorin Praschl-Bichler berichtete, Abel sei dem Kaiser noch vor der Hochzeit begegnet und habe ihm vom Liebeskummer mit Gräfin Ugarte geheilt. (8)

Dies kann ich einwandfrei widerlegen.

Katharina Abel wurde erst lange nach der Affäre mit Gräfin Ugarte geboren (*1856). Sie wurde ab 1868 am Kärntnertortheater engagiert und war ab 1870/1 Mitglied der Hofoper. Von 1880 – 1892 war sie unter Direktor Carl Teile eine der beliebtesten Tänzerinnen. 

Sie kann also in den 1850er Jahren genauso wenig die Geliebte von Kaiser Franz Joseph gewesen, wie Helene Baltazzi, welches ich weiter oben erklärt und ausgeführt habe.  

Ebenso im Jahr 1870 war es Rosa Moskowitz die Franz Josephs Herz erreichte. Sie war Weißnäherin in der Wiener Hofburg. 3 Jahre soll die Affäre gedauert haben, als sie sich „plötzlich“ ins Privatleben zurückzog.

Hier geht die Literatur auseinander:

Katrin Unterreiner schrieb in ihrem Buch „Kaiser Franz Joseph 1830 – 1916“ Mythos und Wahrheit, Christian Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2006

„Vor Katharina Schratt hatte Franz Joseph einige Geliebte, dazu zählte in den 1870er Jahren die Weißnäherin in der Wäschekammer der Hofburg, die sich nach drei Jahren Hofdienst ins Privatleben zurückzog. Sie erhielt von da an eine vom Hof auf Lebenszeit ausbezahlte Rente von dreihundert Gulden und heiratete später den Grafen Andreas Zichy.“ (8a)

Bei Gabriele Praschl-Bichler liest sich die Geschichte nämlich folgendermaßen:

„In der Wäschekammer der Hofburg war in den Jahren 1870 bis 1873 ein gewisses Fräulein Rosa Moskowitz als Weißnäherin beschäftigt, das ebenfalls eine Zeit lang in der Gunst des Kaisers gestanden hatte. Nach drei Jahren Dienstes in der Hofburg war es ihr plötzlich möglich geworden, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Sie erhielt von da ab eine vom Hofärar auf Lebenszeit ausbezahlte Rente von dreihundert Gulden. Ihre Tochter Bobarle Margarete Braun, soll ein Kind Kaiser Franz Josephs gewesen sein. Immerhin konnte sie als Erwachsene den Grafen Andreas Zichy ehelichen, von dem sie sich aber bald wieder scheiden ließ. Nach erfolgter Trennung ging sie nach Paris erhielt bis zum Jahr 1918 eine Rente von der österreichischen Botschaft ausbezahlt. Später heiratete sie einen Amerikaner namens Miles und nach dessen Tod einen Herrn Rogers. Miles war US-Repräsentant der Internationalen Handelskammer in Basel gewesen“. (8c)

Nun meine Fragen:

  1. Wer von beiden Historikerinnen hat nun Recht mit der Heirat von Graf Zichy?
  2. Was ist Bobarle für ein eigenartiger Vorname?
  3. Wieso hieß Bobarle Margarete mit Nachnamen Braun, wenn Moskowitz der Nachname der Mutter war?
  4. Rosa Moskowitz klingt in meinen Ohren jüdisch. Hätte sich Kaiser Franz Joseph tatsächlich auf eine Affäre mit einer Jüdin eingelassen?
  5. Kann Andreas Zichy auch Andras Zichy gewesen sein? Die Dynastie Zichy war (ist) ursprünglich ungarischer Adel.

Immer wieder taucht Rosa in der Literatur auf, aber ohne Hinweis auf ein weiteres Verzeichnis oder Beweise. Meist sind es 1-2 Sätze wie: „Rosa Moskowitz, Weißnäherin aus der Hofburg Wien, hatte es dem Kaiser in den 1870er Jahren angetan. Angeblich entstand daraus eine uneheliche Tochter.“ Mehr ist nie zu lesen.

Mir liegen im übrigen beide Ausgaben von G. Praschl-Bichler vor. Die 1. Auflage aus 1996 und die 3. Auflage von 2005. Beide erschienen im Amalthea Verlag.

Eine 14jährige Affäre

Foto: Wikimedia/Commons
Anna Nahowski, 22jährig

Viel detaillierter und aufschlussreicher ist hier die Beziehung zu

Anna Nahowski
(*19.6.1860, †23.3.1931)

die durch ein veröffentlichtes Tagebuch ihre Beziehung notiert hatte.

Anna soll das einzige Kind, dass jemals „öffentlich als geheime Tochter von Kaiser Franz Joseph anerkannt worden ist“, geboren haben:
Helene Nahowksi, verheiratete Berg. Aber beginnen wir von vorne:

Es war der 8.5.1875, als um 6.00 Uhr morgens Anna, damals gerade einmal 15 (!) Jahre alt und mit einem „Haderlump“ verheiratet (!), im Park vom Schloss Schönbrunn ein stattlicher „Offizier“ begegnete, der ihr auffallend auf die Oberweite starrte und sie musterte.

Selbst beim Auseinandergehen, drehte sich der hübsche Offizier um: Kaiser Franz Joseph war zu diesem Zeitpunkt bereits ein Mann von imposanten 45 (!) Jahren!

Ihr Dienstmädchen Lini teilte Anna mit, dass es sich nicht um einen „Offizier“ per se, sondern um den Kaiser persönlich handelte. Sie errötete und da sie in ihrer Ehe unglücklich war, suchte sie ab sofort täglich beim frühen Spaziergang den Kaiser – und fand ihn auch.

Am 24.6.1875 notierte sie in ihr Tagebuch:

„Ich saß auf einer Steinbank mit Lini im Wald, der Kaiser kam des Weges u. setzte sich auf die nächste Bank. Nach einigen Minuten stand Er auf u. kam auf mich zu. Mein Herz schlug hörbar. Er blieb vor mir stehen, salutierte u. sagte: „Sie gehen aber fleißig spazieren.“ Ich stand von der Bank auf während Röthe mein Gesicht überflog. Ja Majestät, es ist so schön, sagte ich in meiner Verwirrung. „Sie wohnen gewiß am Land, hier in der Nähe?“ frug Er weiter.
Nein, in Wien, sagte ich. „Was? so weit frug Er, da müssen Sie ja schrecklich früh aufstehen? Um 4 das bin ich schon gewöhnt, ich gehe immer sehr früh spazieren. Wo wohnen Sie? frage Er. Am Neubau, meine Antwort. Sie werden alle Tage hier sein? Ja täglich wenn es schön ist. Er nickte mit dem Kopf, salutierte u. ging. Nun hab ich seine blauen Augen genug gesehen u. sie gefallen mir! Wie dumm ich doch bin, sollte ich in Ihm verliebt sein, nein, es eben der Kaiser der mir gefällt. Es schmeichelt mir, daß ich Ihm gefalle.“ (9)

Am 26.6.1875 kam es zum ersten Kuss. Kitschiger hätte es nicht sein können: im Regen.

Auch die darauffolgenden Tage kam Anna nach Schloss Schönbrunn Park um mit dem 45jährigen Kaiser „zu knutschen“.

Wie ein Wahnsinniger soll der Kaiser gewesen sein; oft durchnässt, da es schüttete, und immer allein. Die Begegnungen wurden immer intensiver, sogar das Kleid machte er ihr einmal auf, um sie „näher betrachten zu können“ und reagierte beleidigt, weil Anna nicht weitergehen wollte.

Inmitten der Abgeschiedenheit des Tiroler Parks (Anmerkung Petra: ein Abschnitt im Schloss Schönbrunn Park) während ihr Dienstmädchen die Wege bewachte. Anna quälten die Gewissensbisse, dennoch war sie verliebt.

3 Jahre dauerte es, bis es zum ersten Akt kam.

Es flossen die ersten Gelder, sie ordnete ihre Verhältnisse und im Jahre 1879 zog sie in die Nähe von Schloss Schönbrunn, damit der Kaiser sie nun täglich besuchen konnte. Sie lässt sich von ihrem ersten Ehemann scheiden und heiratete Franz Nahowski.

Sie solle kein Mieder anhaben, wenn er komme und am besten „bereit im Bett liegen“ so die Aufforderung.
Anna haderte im Tagebuch mit sich selbst, machte aber dann doch alles so, wie „Er“ es wollte.

Bereit im Bett zu liegen, mochte er besonders gern. Diese Aufforderung schrieb er auch an seine „Engels-Sisi“, wenn sie sich wochenlang nicht gesehen hatten.

„…so bitte ich Dich recht schön, lieber Engel, mich so lange es geht, im Bett zu erwarten, denn das ist doch das schönste Wiedersehen nach so langer Zeit.“ (10)

Foto: absw.at
Alban und Helene Berg

Anna bekam vier Kinder. Tochter Carola war bereits vom ersten Ehemann.

Die drei weiteren Kinder wurden ehelich geboren und hießen

  • Anna (*20.1.1883, †unbekannt)
  • Helene (*29.7.1885, †30.8.1976)
  • Franz Joseph (*10.12.1889,†1942)

Tochter Anna  dürfte tatsächlich eine „richtige“ Nahowski gewesen sein; allerdings waren auch hier Gerüchte im Umlauf.

Anna selbst schrieb in ihrem Tagebuch, dass „sie dasselbe Gesicht wie der Nahowski“ hat. (9a)

Diesesmal räume ich das Feld von hinten auf und beginne mit Sohn Franz Joseph, da er eine Zeit lang das größte Geheimnis für die Historiker/innen war.

Es gab unfassbar viele Gerüchte über Sohn Franz Joseph und folgendes konnte ich in der Literatur zusammentragen:

Er kam am 10.12.1889 zur Welt.

Kaiser Franz Joseph brach nach dem Selbstmord seines Sohnes Kronprinz Rudolf (†30.1.1889) die Affäre ab.

Was Anna zu dem Zeitpunkt aber (noch) nicht wusste, war, dass er sie gegen Katharina Schratt eingetauscht hatte.

Foto: PressReader, Kurier
Anna Nahowski (stehend) mit ihren „Kaiserkindern“: Helene (sitzend) und Franz Joseph (sitzend, dahinter)

Der Selbstmord des Kronprinzen war im Jänner, die Geburt von Franz Joseph war im Dezember. Selbst mir als Nicht-Mutter leuchtet ein, dass hier der Kaiser nicht der Vater sein kann.

Dennoch wurde dies immer wieder behauptet.

Obwohl nicht feststellbar ist, warum dies behauptet wird/wurde, hatte dies zwei Begründungen mit sich getragen:

Zum einen die Namensgebung des Kindes: Franz Joseph
Zum anderen behauptete Zeit seines Lebens das Kind selbst der Sohn des Kaisers zu sein und wurde sogar deswegen Irrsinnig.

Gegen ein Indiz wurde immer wieder widersprochen: Nahowski selbst hieß mit dem Vornamen Franz und so könnte der Bub eben „Franz“ getauft worden sein und „Josef“ als Huldigung an den Kaiser, was in diesen Jahrzehnten sehr häufig vorkam.

Franz Joseph war ein sehr begabter Maler, aber leider schon von jeher von labiler Gesundheit. Schon früh musste er immer wieder in psychiatrische Einrichtungen.

Zum 100. Geburtstag (18.8.1930) von Kaiser Franz Joseph schnitt er sich in der Kapuzinergruft mit einem Rasiermesser den kleinen Finger ab. Er deponierte diesen „als Sühne“ auf den Sarkophag des Kaisers.

Er kam mit der Diagnose „Schizophrenie“ in die Irrenanstalt Steinhof, welche er für sehr lange Zeit nicht mehr verließ.

Nach seiner Entlassung zog er sich in das steirische Landhaus von Helene Berg zurück, wo er schließlich 1942 in ihren Armen starb.

Behaltet Franz Joseph trotzdem noch im Gedächtnis; ich komme noch einmal auf ihn zurück.

Wenden wir uns also jetzt Tochter Helene zu.

Foto: mugi.hfmt-hamburg.de
Helene Berg

Helene Berg wurde am 29.7.1885 in Wien geboren.

1906 lernte sie Alban Berg (*9.2.1885, †24.12.1935) kennen. Gegen den Willen ihres „Vaters“ F. Nahowski heirateten die beiden schließlich 1911.

Sie galt in der High Society und im Wiener Adel als die Tochter von Kaiser Franz Joseph, obwohl sie offiziell ehelich geboren wurde.

Anna Nahowski hatte Zeit ihres Lebens niemals öffentlich über ihre Affäre gesprochen.
Auch das Tagebuch war fest verschlossen und wurde erst nach dem Tod von Helene Berg (†30.8.1976) gefunden und geöffnet.

Und obwohl Anna keinen Ton über die Vaterschaft darin verlauten ließ, galt und gilt Helene bis heute als die einzige wahre uneheliche und in der Gesellschaft anerkannte Tochter von Kaiser Franz Joseph. 

Sowohl Anna Nahowski, als auch Helene mit ihrem Ehemann Alban haben die Gerüchte jemals dementiert oder gar zerstreut.

Foto: Bildarchiv ÖNB
Hans Lebert

Über Tochter Anna (*20.1.1883, †?), konnte ich leider nicht viel in Erfahrung bringen.

Sie heiratete Artur Anton Lebert und gebar einen Sohn namens Johann „Hans“ (*9.1.1919, †20.3.1993).

Hans Lebert wurde ein bekannter Schriftsteller. Diesem ist im Buch „Unter uns gesagt: Begegnungen mit Zeitzeugen“ von Hugo Portisch und Georg Markus ein Kapitel gewidmet.

In diesem Kapitel liest man von 2 Kindern von Kaiser Franz Joseph und Anna Nahowski.

„Eine DNA-Analyse“ wie im Fall Pointinger war hier nicht nötig. Die Indizien und Beweise sprechen für sich.“ (11)

Eine Anna Lebert findet sich auch in der Biografie von Alban Berg wieder, welche an seinem Sterbetag bei ihm war. (12)

Hans Lebert erzählte, dass der Neffe von Alban Berg, Erich Alban Berg ein Tonband besaß.

Auf diesem ist vom 18.2.1973 die Stimme von Helene Berg zu hören. Sie erzählte:

„Dem Franzl hat er eine Uhr geschickt, der Kaiser, da war in Email das Jugendbild vom Kaiser drauf, das lange, schmale Gesicht, wie es auch der Franzl g’habt hat…“ (11b)

Mit „Franzl“ ist hier Sohn Franz Joseph gemeint, also Helene’s Bruder. Also jener Bruder, der sich später den Finger abschnitt und ins Irrenhaus gebracht wurde. Sehr merkwürdig, finden Sie nicht?

Weiter heißt es:

„Später, da waren wir schon erwachsen, sind wir die Maxingstraße hinaufgegangen nach Haus, die Mama in der Mitte, und da ist der Kaiser mit dem Tschako an uns vorbeigefahren – und den hat’s gerissen. Da ist er die ganze Zeit bis zur Gloriettegasse, wo er eingebogen ist, verkehrt gesessen und hat uns nachgeschaut.“ (11c)

Diese – von Helene Berg persönlich beschriebene Szene – findet sich auch im Tagebuch von Anna Nahowski wieder:

„Es war im Jahr 1902 und ich komme mit meinen Kindern Anna u. Helene v. der Stadt u. gehe die Maxingstr. hinauf nachhause. Ein wunderbarar Trapp den ich nur zu gut kannte, lies mich nach rückwärts schauen. Der Kaiser im offenen Wagen allein kam uns nach. Sah mich u. die Kinder freundlich an, u. setzte sich sofort in eine andere Stellung, um den Kopf nach rückwärts gedreht nach uns zu sehen bis Er in der Gloriettegasse einbog.“ (11d)

Ich möchte daran erinnern, dass das Tonband von Helene Berg mit ihrem Neffen Erich im Jahre 1973 aufgenommen wurde. 3 Jahre vor Helene Bergs Tod.

Das Buch über die Affäre von Anna Nahowksi und Kaiser Franz Joseph wurde von Friedrich Saathen im Jahr 1986 veröffentlicht.

Dieses beinhaltet – bis auf ein Vorwort – nur Originalzitate aus dem Tagebuch. Es ist hier also gut möglich, dass Helene, dieselbe Szene sehr lebendig vor Augen hatte, als sie über diese mit ihrem Neffen sprach.

Immerhin war sie zu diesem Zeitpunkt bereits 17 Jahre alt.

So romantisch wie die Geschichte zwischen der 15jährigen Anna und dem 45jährigen Kaiser Franz Joseph begann, so nüchtern und abrupt endete sie.

Kaiserin Elisabeth wusste (angeblich) Zeit ihres Lebens nichts von Anna. Kaiser Franz Joseph achtete stets penibel darauf, wann Kaiserin Elisabeth anwesend war, dass kein Treffen zwischen ihm und Anna stattfand.

War Elisabeth anwesend und ging mit ihm im Schlosspark spazieren und Franz Joseph und Anna begegneten sich "zufällig", wandte der Kaiser stets gelangweilt den Blick von ihr ab.  

Fridrich Freiherr von Mayr, Generaldirector der Ah. (Anmerkung Petra: Allerhöchste) Privat und Familien Fonde bittet um einen gütigen Besuch in seinem Bureau/Hofburg Schweitzerhof/zu einer amtlichen Besprechung. (13)

So lautete die nüchterne Visitenkarte die Anna von ihrem Dienstmädchen erhielt.

Als Anna Freiherr von Mayr tags darauf aufsuchte, wurde ihr ein Schriftstück zum Unterzeichnen vorgelegt. Vorher durfte sie noch jede x-beliebige Summe nennen, die sie wollte.

Die Affäre wurde lapidar beendet.

Anna Nahowski wählte klug: 200.000 fl(*)  – damit hatte sie ausgesorgt. 

(*)fl – Bezeichnung für Gulden = ca. € 2.851.196,00

Das Schreiben, welches sie unterzeichnete lautete:

Ich bestätige hiermit daß ich am heutigen Tag 200.000 fl als Geschenk von Seiner Majestät den Kaiser erhalten habe. Ferner schwöre ich, daß ich über die Begegnung mit Seiner Majestät jederzeit schweigen werde. Anna Nahowski Wien, 14.5.1889 (13a)

14 Jahre einfach aus Franz Josephs und Annas Leben gestrichen.

Dass zu diesem Zeitpunkt Katharina Schratt bereits in Kaiser Franz Josephs Leben getreten war, wusste Anna. Es kränkte sie sehr, zumal Franz Joseph an ihren Fenstern vorbei musste, um zur Schratt zu kommen.

Anna war außer sich, als Katharina eines Tages bei ihr nachfragte, ob sie das Haus verkaufen würde.

Bis zu Franz Josephs Lebensende hoffte Anna auf ein Zeichen oder eine Erklärung.
Sie bekam sie nie.

Anna kam weder über die Affäre, noch über seinen Tod hinweg. Zeit ihres Lebens liebte sie ihn bedingungslos, was ihre Ehe zur Hölle werden ließ.

Franz Nahowski trank im Überfluss und misshandelte seine Frau schwer. Anna litt still vor sich hin. Auch als „Er“ (sie schrieb immer nur „der Kaiser“ oder „Er“ in ihr Tagebuch) längst tot war.

Anna überlebte Kaiser Franz Joseph um 15 Jahre. Sie ruht am selben Friedhof wie Katharina Schratt. Eine Fügung des Schicksals, dass sogar im Tode ihre Erzfeindin in ihrer Nähe ist. 

Die gnädige Frau

Katharina Schratt, Foto: Wikimedia/Commons

Katharina Schratt
(*11.9.1853, †17.4.1940)

war die letzte (zumindest von der die Nachwelt weiß) und die bekannteste Affäre von Kaiser Franz Joseph.

Auch hier war die Frau wieder wesentlich jünger, jedoch kein halbes Kind mehr. Kaiser Franz Joseph war beim Kennenlernen bereits 55 Jahre alt, die Schratt 32.

Bis heute halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass er Katharina sogar heimlich geheiratet habe.

Im History Magazin vom Kurier konnte man folgendes lesen:

„Viel Staub wirbelte die Frage auf, ob der Kaiser „die gnädige Frau“, wie sie genannt wurde, miteinander verheiratet waren, zumal das Erzbischöfliche Ordinariat im März 1938 das „Trauungsbuch für Gewissensehen“ (=Geheimehen) vernichtete. Weil die Kirche damals Indiskretionen durch die eben einmarschierenden Nazis befürchten musste, gibt es keinen schriftlichen Beweis für die vielfach vermutete Eheschließung. Sehr wohl aber Aussagen durchaus glaubwürdiger Zeugen, denen die Eintragung vor der Vernichtung des Buches zu Augen kam. Einer, der das bestätigte, war der bekannte Politologe Norbert Leser. Und für den profunden Habsburg-Kenner Adam Wandruszka gab es „aufgrund der Fakten keinen Zweifel, dass Franz Joseph und Katharina Schratt verheiratet waren“. (13b)

Foto: Wikimedia/Commons
Zar Alexander III

Wie schon bei Reserl Pointinger überlasse ich jedem selbst, was er/sie/es glauben möchte.

Die Schratt, wie sie im Wiener Volksmund genannt wurde und Kaiser Franz Joseph lernten sich beim sogenannten „Antrittsbesuch“ beim Kaiser kennen. Hier machte sie aber keinen sonderlichen Eindruck, denn Franz Joseph blieb völlig unbeindruckt von ihr.

Als Burgschauspielerin und prominentestes Mitglied des Hofburgtheaters war sie zu großen Festen Wiens eingeladen, weshalb es nicht verwunderlich war, dass sie am „Ball der Industriellen“ war 1885 erschien.

Hier dürfte sie schon mehr Glanz und Gloria versprüht haben, denn dem Wiener Hof fiel auf, dass sich der Kaiser auffallend lange mit der Burgschauspielerin unterhielt.

Ab sofort war er bei jeder Aufführung, wo die Schratt spielte, zu Gast. Als diese 1885 in Ischl zum Gastspiel eingeladen war, freute dies den Kaiser ganz besonders. Dies blieb Elisabeth nicht verborgen und sie wollte „Die Schratt“ kennenlernen.

Ende August 1885 begegneten sich daher das Kaiserpaar, nach dem Gastspiel, welche noch ihren Freund Zar Alexander III (*26.2.1845, †20.10.1894) bei sich hatten und ihren Sohn Kronprinz Rudolf zum Souper.

Rudolf notierte in sein Tagebuch später, dass dieser Auftritt mehr als merkwürdig war, denn die Schauspieler nach dem Theater zum Souper zu Tisch dabei zu haben, war unüblich.

Doch hier lernte Elisabeth Katharina ungeniert kennen und merkte, dass ihr Mann dem jungen Ding zugetan war. Um sich endlich aus ihrer Ehelast zu befreien, kam ihr die Idee, ihrem einsamen Mann, die Schratt „zuzuführen“.

Foto: mutualart.com
Katharina Schratt
Bild: Heinrich Angeli, 1886

Um der Öffentlichkeit die Chance auf Klatsch und Tratsch zu nehmen, bestellte sie beim Maler Heinrich von Angeli (*8.7.1840, 21.20.1925) ein Bild von Katharina Schratt, um es ihrem Mann zu schenken. Damit galt die Kaiserin und der Kaiser als „befreundetes Paar“ der Schratt.

Gegen Ende der Sitzungen bei Meister Angeli arrangierte Elisabeth ein „zufälliges“ Aneinandertreffen ihres Gatten mit Schratt.


Der perfide Plan gelang und wurde zu einer der meistbeschriebenen Affären des 19. und 20. Jahrhunderts.

Immer gepaart mit der Frage: Haben die beiden oder haben sie nicht?

Kaiserin Elisabeth konnte sich jedoch in ihren Gedichten mit Spott und Hohn nicht zurückhalten.

Sie nannte die Schratt „dicklich“ und spottete in ihren Versen über den verliebten Oberon (Gestalt aus dem Sommernachtstraum, Shakespeare).

Foto und Illustration: Melissa Findley
Fantasiegestalt „Oberon“ nach Shakespeare
Dein dicker Engel kommt ja schon
 Im Sommer mit den Rosen.

Gedulde Dich, mein Oberon! 
 Und mach nicht solche Chosen! 

Sie bringt sich mit ihr Butterfaß, 
 Und läßt sich Butter bereiten, 
 Sie macht mit Cognac die Haare naß
 Und lernt am End noch reiten. 

Sie schnürt den Bauch sich ins Korsett, 
 Daß alle Fugen krachen. 
 Hält sich gerade wie ein Brett
 Und "äfft" noch andre Sachen. 

Im Häuschen der Geranien, 
 Wo alles so fein und glatt, 
 Dünkt sie sich gleich Titanien, 
 Die arme dicke Schratt. (13c)

Dieses Gedicht überlieferte die Nichte Marie Gräfin Larisch-Wallersee (*24.2.1858, †4.7.1940), welche, nach dem Selbstmord vom Kronprinzen nicht mehr in die Nähe ihrer Tante Elisabeth kommen durfte und vom Hof verbannt wurde.

Darauf hin schrieb sie einige Bücher, die Franz Joseph verbieten wollte und von Historiker/innen verpöhnt sind, da so vieles erfunden ist, dass man nicht weiß, was Wahrheit oder Lüge ist.

Laut Kaiserin Elisabeth Expertin und Biografin Brigitte Hamann (*26.7.1940, 4.10.2016) dürfte obiges Gedicht jedoch echt sein, weshalb ich es aufgenommen habe.

Elisabeth selbst schrieb dieses jedoch nicht in ihren (mittlerweile veröffentlichten) Gedichteband. Nachstehendes jedoch schon:

Was Ob'ron treibt, das kümmert nicht Titanien, 
 Ihr Grundsatz ist: Einander nicht genieren. 
 Frist einer Disteln gerne und Kastanien, 
 Sie selber will sie ihm offrieren (13d)

Katharina Schratt stellte sich jedoch als Glücksfall für den Kaiser heraus. Bald schon wurden tägliche Spaziergänge vereinbart und sie folgte ihm auch nach Ischl und an den Wolfgangsee.

In Ischl wurde eine Villa gekauft, die ca. einen 20minütigen Fußmarsch erforderte; aber beide nahmen diesen gerne in Kauf.

Der alternde Kaiser blühte auf.

Er war – wahrscheinlich – das erste Mal in seinem Leben glücklich. Auch wenn die Schratt weitere Affären nebenbei unterhielt, so war sie ihm stets eine loyale Freundin.

Kaiser Franz Joseph dürfte von den Affären geahnt haben, denn in den ca. 900 Briefen die erhalten sind, reagiert er sogar manchmal ziemlich eifersüchtig.

Aus heutiger Sicht konnten der Schratt drei Affären nachgewiesen werden:

  1. Graf Johann (Hans) Wilczek (*7.12.1837, †27.1.1922)
  2. König Ferdinand I von Bulgarien (*26.2.1861, †10.9.1948)
  3. ihr junger Schauspielkollege Viktor Kutschera (*2.5.1863, †20.1.1933)
Foto: Wikimedia/Commons
Hans Graf Wilczek
Foto: Wikimedia/Commons
König Ferdinand I von Bulgarien
Foto: Wikimedia/Commons
Viktor Kutschera

Allerdings kühlte sich das Verhältnis nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth merklich ab und 1900/1 gab es gar keinen Kontakt, da sie mit dem Kaiser stritt.

Doch ohne Katharina konnte Kaiser Franz Joseph auch nicht mehr und so fingen die beiden wieder an, sich unzählige Briefe zu schreiben bzw. stundenlang spazieren zu gehen.

„Unter all den Menschen, die sich nach den strengen höflichen Vorschriften bewegten und in vollendeten diplomatischen Formen irgendwelche schwer erkennbaren Ziele verfolgten, unter all den Menschen, vor denen man mehr oder minder auf der Hut sein mußte, auch wenn sie offizielle Berater waren, begegnete dem Kaiser ein Mensch, der so redete, wie ihm der Schnabel gewachsen war, der nichts von ihm wollte, dem gegenüber man sich selbst auch ungezwungen geben durfte, ohne etwas zu vergeben. Welche Labsal für den Vereinsamten! Und dieser Mensch hatte die wunderbare Gabe, fesselnd zu plaudern und den Kaiser mit vielem vertraut zu machen, das ihm auf seiner einsamen Höhe unbekannt geblieben war.“ (14)

Bis heute ist ungeklärt, ob die beiden eine leidenschaftliche Beziehung hatten oder ob das Ganze rein platonisch war.

Nun, ich persönlich denke, dass hier mehr im Spiel war. Denn wer diese Geschichte gelesen hat, wird merken, dass Franz Joseph ein sehr umtriebiger Mann gewesen ist.

Und mit Verlaub: Auch mit 55 Jahren ist ein Mann noch kein altes Eisen.

Beweisen lässt es sich heute natürlich nicht mehr, jedoch gibt es zahlreiche Hinweise aus den Briefen.

„Unendlich glücklich macht mich die Mittheilung, daß Eure Majestät von mir träumten – wie gerne möchte ich in Wirklichkeit während der Nacht am Bette Eurer Majestät sitzen. Gedankenküsse auf Hand und Mund.“ Kaiser Franz Joseph schrieb zurück: „…, daß Sie mir im Bette Audienz erteilen, wie Sie es mir halb und halb versprochen haben.“ (15)

Katrin Unterreiner schreibt in ihrem Buch „Kaiser Franz Joseph 1830 – 1916 Mythos und Wahrheit, Christian Brandstätter Verlag, Amalthea Verlag, 1. Auflage 2015:

„Katharina Schratt wurde zwar nicht im Testament Franz Josephs bedacht. Kürzlich entdeckte Verfügungen des Kaisers, wonach Katharina Schratt 2,5 Millionen Kronen – umgerechnet ca. 11 Millionen Euro – zusätzlich zu ihrer kostbaren Schmucksammlung und einem Ringstraßenpalais erhielt, sprechen jedoch eine deutliche Sprache – und sind bei einer reinen Freundschaft kaum vorstellbar.“ (16b)

Auch ein „Beweis“ sind die Zeilen über die „stille Woche“, wie sie Kaiser Franz Joseph nannte.

Die „stille Woche“ war in diesem Fall die Menstruation die natürlich die junge Schratt noch hatte.

Katharina lag in diesem Fall die ganze Woche in ihrem Bett. Schlecht dürfte es ihr dabei nicht gegangen sein, denn in einem Negligé empfing sie sehr wohl den Kaiser. Franz Joseph schrieb darüber, dass diese Stunden sehr gemütlich und vertraulich waren. 

Die Briefe von der Schratt sind nicht vollständig erhalten, jedoch die Briefe an die Schratt.

Wer sich mit ihnen beschäftigt, wird bemerken, dass sie nach und nach offener werden. Schrieb Kaiser Franz Joseph zu Beginn noch „Meine gnädige Frau“, wird dies zu „Meine liebe gnädige Frau“ und dann zu „Meine liebe Freundin“.

Zeit seines Lebens bleibt er per „Sie“ und unterzeichnete immer mit „Ihr treu ergebener Franz Joseph“.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph und Katharina Schratt

Kaiserin Elisabeth gegenüber erwähnte Kaiser Franz Joseph die Schratt in fast jedem Brief.

Sie wurde „die gute Freundin“ genannt und in einem dieser bat Kaiser Franz Joseph Sisi keinen Kurvorschlag an Katharina zu machen, da sie (Anmerkung Petra: Sisi) sowieso schon so mitgenommen aussehe und „die gute Freundin“ sich dazu verleiten ließe, trotzdem mitzumachen.

An Katharina wandte er sich mit der Bitte, die Kaiserin nicht genau anzusehen, da sie verherrend aussehe und er forderte sie auf, das Thema Gesundheit nicht anzuschneiden.

Aus diesen Zeilen entnimmt man, dass Franz Joseph von seiner „Engels-Sisi“ nicht los kam und Katharina dies auch unverblümt mitteilte.

Die Schratt eiferte Kaiserin Elisabeth in allem nach:
Figur, Frisur, Kleidung –
sie konnte sie nicht einmal ansatzweise erreichen.

Elisabeth spottete boshaft:

Sie schnürt den Bauch sich ins Korsett, 
Daß alle Fugen krachen, 
Hält sich gerade wie ein Brett
Und äfft noch andere Sachen 
Im Häuschen der Geranien 
Wo alles so fein und glatt, 
Dünkt sie sich gleich Titanien, 
Die arme dicke Schratt. (17)

Wer sich eingehender mit den Briefen von Franz Joseph an Katharina Schratt beschäftigen möchte, kann dies mit dem Buch von Brigitte Hamann „Meine liebe, gute Freundin! Die Briefe Kaiser Franz Josephs an Katharina Schratt“ machen.

Ich picke mir zum Abschluss für diesen Bericht einen heraus, den ich einfach „mal etwas anders“ fand. Es geht im Prinzip um Nichtigkeiten, zeigt aber einen privaten Kaiser.

„Ischl, den 16. Juli 1891.
Heute, theuereste Freundin, wirklich nur ein paar Zeilen, um Ihnen für Ihren lieben, guten Brief vom 13. innigst zu danken, den ich Vorgestern hier erhielt und zu melden, daß ich, wenn Sie erlauben, Morgen um 9 Uhr Früh hoch, oder vielmehr niedrig zu Roß, denn es ist nur ein Ponny, vor der Felicitas, Einlaß bittend, erscheinen werde. Ich hoffe, daß die Stunde keine zu frühe ist, da ich denke, daß die lieben Jünglinge Ihnen leider nicht lange Zeit zum Ausschlafen lassen werden. Gestern Früh habe ich bereits den neuen Übergang über die Ischl von rückwärts inspicirt und bin bis zum versperrten Thürl vorgedrungen. Über das Pfandl auf der Poststraße zurückkehrend, sah ich das neue gegen Räuber, Mörder und sonstige Zudringliche bestimmte Gitter und die neuen Einfahrtsthore auf der Vorderseite des Hauses. Von den Bewohnern war Niemand zu sehen, nur auf dem offenen Fenster des Bubenzimmers standen Gimpel und Kanari. 
Wie ich mich auf das morgige Wiedersehen freue, können Sie wohl denken und indem ich Ihnen eine recht gute, wo möglich ruhige Nacht wünsche und in Gedanken unzählige Stricherln(*) sende, bleibe ich Ihr treu ergebener 
Franz Joseph“ (18)

(*)Anmerkung Petra: Stricherln sind Busserl und Küsse

Das war es nun mit dem umtriebigen Kaiser und seinen Affären. Was alles wahr ist und wer erfunden ist, das überlasse ich jedem Leser selbst. Ich glaube, dass längst nicht alle „Gspusis“ (Kurzaffären) vom Kaiser historisch nachweisbar und belegt sind. Wer weiß, was sich hinter den verschlossenen Türen und Hecken der Hofburg/Schloss Schönbrunn/Schloss Schönbrunn Park und sonstigen Orten noch so getan hat.

Wenn ich nun die unehelichen Kinder zusammenzähle, käme ich auf die Zahl: 8 bzw. 9, wenn man glaubt dass die Affäre Katharina Abel gefruchtet hätte. 

Eine ungeheure Zahl, die stimmen könnte, wenn irgend etwas davon noch beweisbar wäre.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra
Bildrechte: billerantik.at, Wikimedia/Commons, amazon.de, dorotheum.com, Hubert Pointinger, Theatermuseum.at, absw.at, mugi-hfmt-hamburg.de, PressReader Kurier, Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek, wien.gv.at, Melissa Findley, mutualart.com 


Hinweis und Nachwort zum Buch Kaiser Franz Joseph ganz privat „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen!“ 1996/2005

(*) Gabriele Praschl-Bichler zu Joseph Cachée: Joseph Cachée war Beamter der österreichischen Schlösserverwaltung und Autor des Buches „Hofküche des Kaisers“. Er hat unzähliges Material von den Habsburgern zusammengetragen, starb aber 1987. 1994 übernahm Praschl-Bicher von den Erben Fragmente dieses Materials. Der Autorin fehlten Quellenangaben, Dokumente waren verloren gegangen und Textseiten fehlten. Trotzdem machte sie daraus das Buch „Kaiser Franz Joseph ganz privat „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen!“ 1


Literatur Hinweise:

1 – S. 46 – 47, 2 – S. 66, 17 – S.282
Friedrich Weissensteiner
Ich sehne mich sehr nach dir – Frauen im Leben Kaiser Franz Josephs
Amalthea, 2. Auflage 2012

3 – S 121, 6g – S. 277
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I – Kaiser von Österreich und König von Ungarn 1830 – 1916
C.H.Beck, 1. Auflage 2015

3 – S. 25, 13c – S 511/12, 13d S. 512 
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Amalthea, 11. Auflage, 1992

4 –  S. 36, 4a – S.38, 5a S. 92, 8a – S. 91/2, 8b – S. 110
Katrin Unterreiner
Kaiser Franz Joseph 1830 – 1916 Mythos und Wahrheit
Christian Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2006 (nur noch antiquarisch erhältlich) 

5 – S. 162-164, 5c – S. 162, 6f – S. 166, 8c – S. 164/5
Gabriele Praschl-Bichler
Kaiser Franz Josef ganz privat
„Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen!“
Amalthea Verlag, 3. Auflage 2005 (nur noch antiquarisch erhältlich)

5a – S.164, 8 – S. 162
Joseph Cachée, Gabriele Praschl-Bichler
Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen!
Amalthea, 1. Auflage 1994

6 – S. 23/4, 6a – S.30, 6b – S. 31, 6c – S. 86, 6d – S. 86/7, 6e – S.90,
Hubert Pointinger
Die Salzprinzessin: Die geheime Geliebte Kaiser Franz Josephs
Ueberreuter, 1. Auflage, 2007

7 – S. 101/2, 11 – S. 137, 11a – S. 140, 11b – S. 140
Hugo Portisch, Georg Markus
Unter uns gesagt: Begegnungen mit Zeitzeugen
Amalthea, 1. Auflage, 2008

9 – S. 42, 9a – 43, 13 – S. 141, 13a – S. 144, 11c – S. 151, 11d – S. 81
Friedrich Saathen
Anna Nahowski und Kaiser Franz Joseph
Hermann Böhlaus, 1. Auflage, 1986

10 – S. 148
Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859 – 1898, Band I
Herold 1966, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

12 – S. 217
Wolfgang Gratzer
Zur „wunderlichen Mystik“ Alban Bergs
Boehler Verlag, 1. Auflage, 1998 (nur noch antiquarisch erhältlich)

14 – S. 90
Hermann Mailler
Frau Schratt
Steffel Verlag, 1. Ausgabe, 1947 (nur noch antiquarisch erhältlich)

13b – S. 87, 15 – S 86, 87
History Geschichtsmagazin, Kurier
Kaiser Franz Joseph I – Zum 100. Todestag (nicht mehr erhältlich)

16b – S. 112
Katrin Unterreiner
Kaiser Franz Joseph – Mythos und Wahrheit
Brandstätter Verlag, 1. Ausgabe, 2015 (weiterhin erhältlich)

18 – S. 251
Brigitte Hamann
Meine liebe, gute Freundin! Die Briefe Kaiser Franz Josephs an Katharina Schratt
Ueberreuter Verlag, 1. Ausgabe, 1992 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Schloss Wallsee

Foto: Prinz Barbara
Schloss Wallsee

Vorwort Petra:

August 2018, als wir gerade einmal 8 Monate als Sternenkaiserin zusammen waren, plante ich eine Reise durch Niederösterreich. Es war eine 4-Schlösser Tour.

Begonnen hatte die Tour mit Schloss Wallsee, später ging es am selben Tag weiter zum Wasserschloss Totzenbach.

Tags darauf fuhren wir zum Renaissanceschloss Greillenstein und wieder einen Tag später zum Schloss Ruegers, dass uns bis in den September 2020 begleiten sollte.

Immer wieder waren wir im Letzteren zu Gast. Mittlerweile gibt es das Schloss Ruegers genauso nicht mehr, wie uns. Schloss Ruegers schloss zwar 2019 seine Pforten, ließ uns aber immer wieder shooten, das letzte Mal im September 2020. Im April 2021 trennten wir uns, im September 2021 wurde Schloss Ruegers verkauft.

Seit dem gibt es im Internet statt die Sternenkaiserin, die Mythos Kaiserin Elisabeth Seite. Die Beiträge zu den restlichen Schlössern habe ich gelöscht, da die mit Kaiserin Elisabeth nichts gemeinsam hatten.

Auch wenn im Renaissanceschloss Greillenstein eine gebürtige Elisabeth Prinzessin von Bayern, verheiratete Elisabeth Gräfin von Kuefstein lebt, hat das Schloss per se nichts mit Kaiserin Elisabeth zu tun. Gräfin Kuefstein stammt im übrigen von der Linie Erzherzogin Marie Valérie ab.

Schloss Wallsee hat deshalb etwas gemeinsam mit Kaiserin Elisabeth, da hier ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie mit ihrem Mann lebte.

Ich erspare euch die Einzelheiten zu Bauzeit, Bauherren und Grundrissen. Diesen Teil des Beitrages von Sabine habe ich gelöscht. Fakt ist, 1895 kaufte Erzherzog Franz Salvator das Schloss von Alfred Herzog Sachsen-Coburg und Gotha, da das Wasserschloss Lichtenegg in Wels aus allen Nähten platzte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Lichtenegg, Wels

Bei 4 Kindern stand Kaiserin Elisabeth an Valéries Seite.

Dazu reiste sie jedes Mal kurz vor den Geburten ins Wasserschloss Lichtenegg an und blieb bis zur Taufe oder zumindest bis kurz davor.

Sabine Rossegger ehemalige Sternenkaiserin:

Das Schloss war allerdings nicht im besten Zustand, als es Franz kaufte.

MarieValerieFranzSalvator
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Valerie und Erzherzog Franz Salvator

Das gesamte obere Geschoß war zu dem Zeitpunkt unbewohnbar, im Westteil des Schlosses waren alle Decken und Gewölbe in derart schlechtem Zustand, dass sie nicht mehr zu retten waren und daher erneuert werden mussten.

Ebenso mussten alle Fenster, Fußböden, Türen und die Holzstiege repariert werden, so auch das Dach. Der gesamte heutige Verputz wurde damals aufgebracht.

2 Jahre lang wurde das Schloss renoviert, bevor Erzherzogin Marie Valerie (*22.4.1868,†6.9.1924) und Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) und die immer größer werdende Familie am 4.9.1897 einzogen.

Die Bevölkerung des kleines Ortes freuten sich sehr über den Zuzug, galt die Kaisertochter für wohltätig und wohlwollend der Bevölkerung gegenüber.

Bald schon hatte sie den Beinamen

„der Engel von Wallsee“

Als Kaiserin Elisabeth das erste Mal zu Gast war, beschrieb dies Hofdame Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863,†3.9.1940) wie folgt: 

„Am 28. September (1897) verließen wir Meran und waren am nächsten Morgen in Wallsee, im neuen Heim der Erzherzogin Valérie. Die erzherzogliche Familie war erst vor kurzem hierher übersiedelt und es ist daher natürlich, dass die Kaiserin das herrliche Schloß und dessen Einrichtung mit größtem Interesse und auf das eingehendste besichtigte.
Wallsee übertraf alle unsere Erwartungen. Unser kurzer Aufenthalt war ein würdiger Abschluß dieser mit mancherlei angenehmen Erinnerungen verknüpften Reise, für deren prächtigen Erfolg am besten die freudige Überraschung sprach, die Seine Majestät bekundete, als er im Ofener Bahnhofe meine teure Kaiserin von mir übernahm.“
(1)

Das Schloss befindet sich nach wie vor im Besitz der Familie Habsburg-Lothringen und wird auch von ihr ständig bewohnt.

Zur Zeit von Ing. Andreas & Margaretha Habsburg Lothringen (Ur-Enkelin von Marie Valérie und Ur-Ur-Enkelin von Kaiserin Elisabeth) und deren 3 Kindern.

Das Schloss ist nicht öffentlich zugänglich!

Lediglich für Hochzeiten (Standesamt und eine kleine gotische Kapelle) wird ein kleiner Teilbereich des Schlosses geöffnet. 

Foto: Prinz Barbara

Den Besuch in Wallsee hatte Petra bis ins letzte Detail geplant, die Kleiderauswahl, den Hut – ein Originalstück aus 1897, ja sogar der Schirm – alles war von ihr festgelegt und vorgeplant.

Nichts wurde dem Zufall überlassen und wurde auf das Jahr abgestimmt 1897 in dem die Kaisertochter nach Wallsee zog.



Als wir auf das schwere schmiedeeiserne Tor zuschritten, an dem weithin sichtbar die Wappen von Marie Valerie und Franz Salvator erkennbar sind, öffnete es sich uns wie von selbst.

Am Eingang wurden wir von Margaretha Habsburg-Lothringen der Ur-Ur-Enkelin von Marie Valérie und ihrem jüngsten Sohn Alexander begrüßt.

Wir spazierten durch den Garten die lange Auffahrt zum Schlosstor entlang, an deren rechten Seite ist noch die steinerne Reithalle erhalten.

Durch das große Haupttor des Burgturms, auf dessen großen Mosaik die Brüder Eberhard und Heinrich von Wallsee dargestellt sind, gelangten wir in den großen Innenhof des Schlosses.

Durch ein weiteres Tor gelangten wir in einen zweiten, kleineren Innenhof in dem sich heute noch die privaten Wohnräume der Familie befinden.

In einer Ecke dieses Innenhofes steht ein alter Brunnen, der an die Zeit erinnert, als noch mit Holzleitungen das Wasser ins Schloss transportiert wurde.

Betritt man das Schloss, glaubt man, die Zeit wäre stehen geblieben.

Foto: Prinz Barbara
Bisquitstatute von Gödöllö
Kaiserin Elisabeth
Foto: Prinz Barbara
Lebensgroß
Erzherzog Franz Salvator

Das zweite Schloss erinnert eher an eine Burg aus dem Mittelalter und so ist der Innenraum eher dunkel und das dunkle Mahagoni und die kleinen Fenster, durch das die Sonne drang, erhellten den Raum nicht sonderlich.

Im gesamten Gebäude ist die kaiserliche Familie allgegenwärtig.

Petra entdeckte sogar eine Statuette vom Denkmal aus Gödöllö.

Kaiser Franz Joseph ließ von den schönsten Denkmälern kleinere Repliken anfertigen und verteilte diese in der Familie und an seine engsten Vertrauten.

Foto: Prinz Barbara

Deshalb gelangen solche Statuetten auch immer wieder z.B. ins Dorotheum Wien.

Eine Vitrine mit Andenken an die Kaiserin erinnert an deren Besuche bei ihrer Tochter (Anmerkung Petra: aus Respekt zeige ich diese Fotos nicht).

Am oberen Treppenende erinnert ein lebensgroßes Gemälde an Erzherzog Franz Salvator.

Danach war unser Besuch auch schon wieder vorbei und wir verabschiedeten uns von Margaretha Habsburg, ihrem Mann Andreas und den Kindern, die nach und nach von der Schule nach Hause kamen.

Sabine Rossegger



Nachwort Petra:

Nach dem Tod ihrer geliebten Mutter (der Beitrag kann hier gelesen werden) versuchte Valérie gemeinsam mit ihrer Schwester Gisela Prinzessin von Bayern (*12.7.1856,27.7.1932) den trauernden Kaiser zu trösten.

Er war gerne in Wallsee zu Gast war, um dort mit seinen Enkelkindern Zeit zu verbringen.

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Foto: Wikimedia/Commons
Die gesamte Familie; ca. 1905
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Foto: Wikimedia/Commons
Unterm Weihnachtsbaum in Wallsee, Zeitungsillustration, 1916

Am 10.12.1918 verstarb Erzherzog Franz Karl, der älteste Sohn von Valérie, im Schloss Wallsee an der Spanischen Grippe. Zuvor hatte sie ihn noch aufopferungsvoll gepflegt.

In der Entbehrungsreichen Nachkriegszeit half der „Engel von Wallsee“ der Bevölkerung wo sie konnte und versorgte diese mit Essen, Kleidung und Medikamenten.

Leider erkrankte sie selbst an Lymphdrüsenkrebs.

Erzherzogin Marie Valérie starb am 6.4.1924 im Kreise ihrer Familie in Wallsee. Sie ruht am örtlichen Friedhof von Sindelburg-Wallsee.

Sohn Theodor Salvator (*9.10.1899,8.4.1978) übernahm nach dem Tod seiner Eltern Schloss Wallsee. Seit dem ist es immer noch im Familienbesitz.

– Petra –


Im Ort Wallsee entdeckte ich eine Kuriosität, die ich hier in diesem Beitrag anschließen möchte.

Es gibt ein Kaiser Franz Joseph Denkmal mit dem falschen (!) Sterbejahr.

Niemand (!) konnte mir bis heute die Frage beantworten, wieso dieser Fehler passiert ist.

Ausgerechnet im Wohnort der Tochter, steht dieses Denkmal.

Meines Erachtens eine Peinlichkeit, die wirklich nicht sein müsste!

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Rechtliche Hinweise:

Vorwort + Nachwort + Layout: Petra
Text: Sabine Rossegger
Bildrechte: Prinz Barbara, Wikimedia/Commons, habsburger.net, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweis:

1 – S 166,
Irma Gräfin von Sztáray
Aus den letzten Jahren der Kaiserin Elisabeth
Amalthea Verlag, 3te Auflage, 2005

Auf den tragischen Spuren Kaiserin Elisabeths in Genf

Foto: stadtmuseum.at (Bad Ischl)

Wir gedenken heute dem Todestag von Kaiserin Elisabeth, welche am 10.9.1898 vom Anarchisten Luigi Lucheni ermordet wurde

Die wunderschöne Stadt Genf in der Schweiz ist immer einen Besuch wert, vor allem, wenn man Fan von Kaiserin Elisabeth ist. 

Da ich mit der Bahn anreiste, war mein erster Besuch der Genfer Hauptbahnhof. Rechts vom Bahnhof befindet sich die röm.-kath. Hauptkirche Genfs: Notre Dame de l`Immaculée Conception (Unsere Liebe Frau von der Unbefleckten Empfängnis).

Abgesehen von der Schönheit der Kirche selbst, führt mich ein ganz gewisses Fenster zu ihr. Es befindet sich beim seitlichen Eingang rechts. Das schöne Kirchenfenster wurde zum Andenken an den 100. Todestages von Kaiserin Elisabeth gestaltet.

Der obere Teil zeigt das „Wunder der Rosen der Heiligen Elisabeth“, welche die Gesichtszüge der Kaiserin trägt.  Der untere Teil zeigt ein Grab mit Rosen bedeckt und einen traurig aussehenden und nachdenkenden Engel der nebendran sitzt. Die Inschrift neben den beiden Kronen von Österreich und Ungarn lautet: „In frommer Erinnerung an Ihre Majestät Elisabeth, Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, verstorben am 10. September 1898. Errichtet von der S. Elisabeth Gesellschaft am 10 September 1998.“

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Gedenktafel Attentatsstelle Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Blick von der Gedenktafel Richtung Hotel Beau Rivage Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Nach Verlassen der Kirche, laufe ich die Rue du Mont-Blanc entlang bis zum Genfersee, auch Lac Leman genannt. Aber anstatt über die Pont du Mont-Blanc Brücke zu laufen, bog ich links ab, und ging auf der Geneve-Mont-Blanc (Lac) Promenade entlang. Etwa 100 Meter danach markiert eine kleine Bronzetafel am Geländer des Seeufers die genaue Stelle an dem das Attentat stattgefunden hat. 

Blick von der Gedenktafel zum Schiff Geneve Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Auf Französisch kann man lesen: „Hier wurde am 10 September 1898 Ihre Majestät Elisabeth, Kaiserin von Österreich, ermordet.“
Es regt mich bis heute zum Nachdenken an, wie wenig Zeit Lucheni brauchte, um sie zu attackieren. Lucheni hielt einen spitzen Gegenstand in der Hand, der sich später als angespitzte Feile herausstellen sollte. Er trat an Kaiserin Elisabeth heran und stach zu. Dass er genau das Herz traf, konnte damals noch keiner ahnen. 

Ich bin zu tiefst bewegt, wie stark Kaiserin Elisabeth sein musste, dass sie nach dem Stich aufstehen und zum Schiff gehen konnte. Ihre Hofdame Irma Sztáray war entsetzt und half Kaiserin Elisabeth auf. 

Wasserfontaine Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Ich bewege mich mittlerweile in die Gegenrichtung auf dem Quai du Mont Blanc, um zum Hotel Beau Rivage zu gelangen.
Bis zu meinem Ziel wäre es eigentlich ein schöner kurzer Spaziergang. Man geht die Seeufer Promenade entlang, mit direkter Aussicht auf den berühmten Jet D`Eau (Wasserfontaine). 

Brunswick Denkmal Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Die erste Straße nach links heißt Rue des Alpes. In diese flüchtete Lucheni nach dem Attentat, wo er aber festgenommen wurde. Danach, und immer noch links, befindet sich das Graf von Brunswick-Denkmal und direkt nebenan, ist das Hotel Beau Rivage.

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Ich gehe aber noch nicht in das Hotel, sondern suche zuerst das moderne Sisi Denkmal. Es stammt von Architekt Philip Jackson, welcher dieses zum 100. Todestag von Kaiserin Elisabeth gestaltet hat. Die Statue ist aus schwarzem Metall und steht auf weißen Marmorstufen und zeigt die Kaiserin extrem schlank, (übertrieben schlank, wenn ich das sagen darf) stehend und mit einem Fächer vor ihrem Gesicht. Es ist natürlich Geschmacksache, aber für mich persönlich, ist es nicht gerade die schönste Statue die ich von ihr gesehen habe, und ich habe schon viele besichtigt. Das Gesicht ist zwar sehr schön und die Hände sind zart und elegant, aber insgesamt, ist diese Statue nicht mein Liebling. Auf den Marmor Stufen kann man in goldenen Buchstaben lesen: „In Erinnerung an Elisabeth, Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, 1898 10 September 1998.“

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Foto: sternenkaiserin.c

Das Gesicht der Kaiserin ist in Richtung Hotel Beau Rivage gerichtet. Sie sieht exakt zu ihrer ehemaligen Suite, welche jetzt mit einer eigenen Privatterrasse ausgestattet ist, die es damals natürlich noch nicht gab. Der Gedanke, dass ich gleich dort darin sein werde, macht mich nervös. Ich habe fast schon Angstschweiß auf meinem Körper, eine Unruhe befällt mich. Ich muss los…

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Das Nobelhotel Beau Rivage wurde 1865 gegründet und ist das älteste Hotel in Genf, das sich in privater Hand befindet. Es hat 73 Zimmern und 18 Suiten, darunter das Zimmer 119/120. Diese Suite war Sisis Zimmer, in der sie wohnte und starb. Das Haus ist wunderschön und edel gestaltet und es ist für mich atemberaubend, in dem Hotel zu stehen, in dem „meine“ Kaiserin Elisabeth ihr Leben aushauchte. Ein kleiner Brunnen in der Mitte der Lobby rundet das Entree perfekt ab. Er war zu Elisabeths Zeiten nicht hier, sondern wurde zur Feier des 125. Geburtstages des Hotels errichtet. Links ist die Rezeption, rechts die Bar und mittlerweile gibt es ein Restaurant. Als ich nach oben schaue, sehe ich drei Etagen, von denen jeweils die Türen zu den Zimmern führen. Der letzte Stock ist mit einer wunderschönen Dachluke versehen. Ich werde von einer Mitarbeiterin des Hotels empfangen.

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Meine Begleitung führt mich die elegante Treppe hinauf bis zum ersten Stock wo die Sisi Suite ist. Auf der Balustrade kann man die Lobby und den Brunnen von oben erblicken. Links von der Sisi Suite steht eine Vitrine mit persönlichen Erinnerungsstücken von Kaiserin Elisabeth. Es gibt ein Besteck, eine mit einem „E“ markierte Serviette, einen ihrer Diamant Sterne, ein paar Fotos, eine weiße Souvenir-Figur, ein paar weiße Lederhandschuhe, welche ebenso mit den gekrönten „E“ versehen sind, zu sehen. Weiters befindet sich ein Damenhut in der Vitrine, der den damaligen Stil der Hüte zeigen soll, aber nicht Kaiserin Elisabeth gehörte. 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José  

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Aber am meisten ziehen mich die Gegenstände rund um ihren Tod in den Bann: Trockene Blumen (ein Geschenk von Irma Gräfin Sztáray an Frau Mayer, die damals die Hotelbesitzerin und beim Tod anwesend war), ein Spitzenhäubchen das Sisi in ihren Haare getragen hat, als sie attackiert wurde und ein blutbeflecktes Stück Stoff, von ihrer Unterwäsche. Nach so viel Zeit sieht man die Blutflecken kaum noch, doch sie sind stumme Zeitzeugen dieser Tragödie.

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Blumengesteck, Spitzenhäubchen, Blutfleck Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Blutflecken von Kaiserin Elisabeth Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Nach dem ich das alles fotografiert habe und fast über jedes Objekt viele Fragen stellte, sind wir bereit in die Suite einzutreten. Wie könnte ich jemals beschreiben, was ich fühlte, als ich das Zimmer betrat, an dem Kaiserin Elisabeth ihren letzten Atemzug tat. Es gibt keine Worte, die dieses Gefühl beschreiben könnten. Wenn man die Türe öffnet, kommt man in einen kleinen Flur der sich rechts zu einem Wohnzimmer öffnet, geradeaus zu dem Schlafzimmer und links zu einem kleinen Gäste WC, welches zu Sisis Zeiten nicht da war. 

Foto: sternenkaiserin.com -Maria José

Das Wohnzimmer ist in rot- und cremefarbig dekoriert und erinnert an die Schlösser Schönbrunn oder Schloss Gödöllö. Über dem wunderschönen Marmorkamin hängt ein sehr großer Wandspiegel der als einziges originales Stück erhalten ist. Er hing schon hier bei ihrem ersten Besuch im Hotel Beau Rivage. Man kann erahnen, wie Sisi sich – kurz bevor sie aus dem Zimmer trat – im Spiegel ansah. Der letzte Blick. Ein stummer Zeitzeuge jener Zeit. Ihrer Zeit. Vis á vis hängt ein Gemälde ihres berühmtesten Bildes: Das Bild mit dem Sternenkleid. Das Zimmer ist mit Blumen dekoriert, welche extra für meinen Besuch besorgt wurden – ich fühle mich geehrt! Vielen Dank. 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Das Schlafzimmer ist ein traumhafter Raum, welcher ebenfalls in rot und champagner dekoriert ist. Der Blick aus dem Fenster zeigt eine schöne Aussicht auf den See und den Jet D`Eau. Links, führen drei Holzstufen zu dem privaten Balkon des Zimmers mit schönen und bequemen Sesseln um die Aussicht geniessen zu können. Zu Sisis Zeiten war allerdings weder die Terrasse, noch das Restaurant das sich direkt darunter befindet, hier.  Vis á vis von der Terrasse und neben dem riesigen Bett, befindet sich das Badezimmer, welches im Jahr 1898 auch nicht an dieser Stelle war. Haman Dusche, Jacuzzi, ein Fernseher der hinter dem Spiegel „versteckt“ ist, Schönheits- und Pflegeprodukte von Clarins usw. Dem luxuriösen Badezimmer fehlt es an nichts.

Meine Begleiterin erklärt mir, dass während der Sisi Aufenthalte, ihr Bett in der gleichen Position war wie heute. Allerdings stand es dort, wo heute der Jacuzzi steht, da das Badezimmer noch nicht existierte. Ich frage mich, wie wäre es eigentlich eine Nacht hier in diesem Zimmer zu verbringen. Könnte ich überhaupt schlafen? Könntet ihr?

Herr Mayer und Frau M., Beau Rivage Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Meine Begleiterin findet meine Ängste lustig und erklärt mir, dass es nie Gespenster im Hotel gab und gibt. Sie beteuert, dass ich einen guten Schlaf finden würde. Sie versteht nicht, dass dieses Zimmer für mich eine ganz andere Bedeutung hat, als für „normale“ Gäste des Hauses.

Zu meiner großen Überraschung darf ich den Besitzer des Hotels, Herrn Mayer, persönlich kennenlernen. Mir wurde gesagt, er sei ein sehr freundlicher Mann, der fast alle Details über das Geschehen weiß. Das kann ich mir sogar sehr gut vorstellen, da seine Familie das Hotel gegründet hat und seine Großmutter Kaiserin Elisabeth in ihren letzten Minuten still zur Seite stand. 

Obwohl meine Begleitung versuchte mich zu beruhigen, war ich sehr nervös. Dass so ein wichtiger und sehr beschäftigter Mann sich die Zeit nimmt, um meine Fragen zu beantworten, war eine große Ehre. Unser Team hatte mich für diesen Termin angemeldet und das Hotel wusste, dass ich kommen werde. Trotzdem wusste niemand davon, dass Herr Meyer sich ebenso zu mir gesellen würde. 

Ich treffe ihn an der Bar, wo er seine Mitarbeiterin und mich begrüßte. Er bot mir etwas zu trinken an und meine Nervosität ist wie weggeblasen. Herr Mayer ist einer der nettesten und sympathischsten Gentleman, die ich je das Vergnügen hatte kennenlernen zu dürfen. Zu hören, was an diesem 10.9.1898 geschah, ist aus seinem Munde so, als würde ich es miterleben. Er erklärt mir ganz genau wie das Zimmer damals ausgesehen hat, wie alles geschah und wie seine Großmutter, seiner Mutter immer sagte: „Die Kaiserin ist in meinen Armen gestorben.“

Nach allen meinen tausend Fragen, gehen wir alle zusammen wieder in die Suite, um noch ein paar Fotos zu machen. Ich verabschiede mich von meiner Begleiterin und Herrn Direktor Mayer und verlasse glückselig das Hotel. Im Herzen voller (Mit)Gefühl für Sisi.

Ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, um mich ganz herzlich bei Herrn Mayer und Frau M. und allen Mitarbeitern des Hotels Beau Rivage für die Freundlichkeit zu bedanken, die mir an diesem Tag zu Teil wurde. Ich fühlte mich wie eine „very Important Person“.

Ich gehe nun den gleichen Weg, den Kaiserin Elisabeth vom Hotel bis zur Anlegestelle des Schiffs „Geneve“ und komme (wie bereits davor am Morgen) an der Attentatsstelle vorbei. Nach der Promenade Geneve-Mont-Blanc (Lac), laufe ich über die Brücke die die Stadt verbindet bis zur der bekannten Blumen Uhr, weil es hier ganz in der Nähe, noch einen Schatz zu entdecken gibt.

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Das Dampschiff „Geneve“, das Schiff, in das Sisi direkt nach dem Angriff eingestiegen ist und auf dem sie kurz danach kollabierte, ist hier fix verankert.

Plakat, Schiff Geneve Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Heutzutage dient das Schiff als Touristenrestaurant und man kann dieses auch für Feiern aller Art buchen. Ein kleines Plakat informiert die Fußgänger über die Geschichte des Schiffes und seine Verbindung zu Kaiserin Elisabeth. 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

       Ich betrete das Schiff an derselben Stelle, wie Kaiserin Elisabeth Jahrzehnte vor mir. Ich fühle mich wie Hofdame Irma. Direkt nach dem Einstieg, ist das Deck wo Sisi das Bewusstsein verlor. Wenn man in das Innere Deck geht, sieht man rechts einen Gang der einen in eine offene Zone bringt, wo sich links die schöne Holzstiege befindet, die ins obere Deck führt. Rechts kommt man in den vorderen Teil des Schiffes. Dort befinden sich vier Räume die damals die privaten Kabinen von Elisabeth und Irma waren. Heute sind es schnoddrige Lagerräume.

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Die zweite Kabine links war die Kabine die für Sisi reserviert war. Als sie zusammengebrochen ist, wurde sie in ihre Kabine gebracht.

Hier drinnen sprach sie die letzten Worte ihres Lebens:

„Was ist denn jetzt mit mir geschehen?“

Elisabeth fiel in eine tiefe Ohnmacht, von der sie nie wieder erwachen sollte. Als der Kapitän erfuhr, wen er verletzt an Bord hatte, drehte er um und fuhr zurück an den Anlegeplatz. Man brachte die verletzte und ohnmächtige Kaiserin Elisabeth auf einer provisorisch schnell zusammengezimmerten Bahre zurück in ihre Hotelsuite, wo sie für immer einschlief.

Saint Pierre Kathedrale Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Ich verlasse nun das Schiff „Geneve“ und gehe bis zur Saint Pierre Kathedrale, die sich hier ganz in der Nähe befindet. Direkt vor seiner Fassade kann man die Ruinen des ehemaligen Gefängnisses sehen, wo Lucheni für seine grauenhafte Tat bezahlt hat. Erst bei seinen Verhören wurde klar, dass er Kaiserin Elisabeth gar nicht töten wollte. Er hatte es eigentlich auf den Herzog von Orleans abgesehen. 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Am 19.10.1910 fand man seine Leiche, welche unter merkwürdigen Umstände in seiner Zelle aufgefunden wurde. Offizielle Todesursache: Selbstmord
Es sind nur ganz wenig Steinreste von seiner Zelle zu sehen und auf einer Tafel, wie das Gefängnis früher aussah. Es mutet eigenartig an, an jener Stelle zu stehen, an der ihr Mörder noch 12 weitere Jahre leben durfte.

Nun heißt es für mich Abschied zu nehmen.
Es war ein Tag voller Emotionen an dem ich ganz viel gelernt habe. Den letzten Spuren von Kaiserin Elisabeth zu folgen, ist etwas ganz Besonderes und wird in mir noch sehr lange nachklingen.

Ich hoffe, dieser kleine Bericht über meinen Besuch in Genf hat euch gefallen. Ich bedanke mich herzlichst bei meinem Team, das mir alle Foto- und Videogenehmigungen besorgt hat: speziell für das Hotel Beau Rivage und für den Dampfer Geneve. Vielen Dank noch einmal allen Mitarbeitern beider Besichtigungsorte, die mir dabei geholfen haben, alle Fragen zu beantworten. Es war mir eine große Ehre.

– Maria José –


Kaiserin Elisabeths letzter Weg
die historische Spurensuche

Foto: staerkel.at

Nach dem wir jetzt Maria Josés eindrucksvollen Ausführungen gefolgt sind, leihen wir den Zeitzeugen jener Zeit die Stimme und geben ihnen die Möglichkeit uns ihre Sicht der Dinge zu erzählen:

Auch kann ich mir vorstellen, daß der gefangene Vogel in höherem Maße die Wonnen seiner Befreiung fühlt, wenn er aus der offen vergessenen Tür des Käfigs entwischen kann, als wenn man ihm nach Vorbereitungen und

Zeremonien gnädigst die Tür öffnet. Die Kaiserin wußte Nauheim hinter sich und mit dem beglückenden Gefühle der Befreiung und wie von einer unwiderstehlichen Anziehungskraft ergriffen, eile sie nach der Schweiz.“ (1)

Graf Albert von Berzeviczy, Foto: ocseitemeto.eoldal.hu

Kaiserin Elisabeth reist mit ihrer Hofdame Irma Gräfin von Sztáray und Sztára und Nagy-Mihály (*10.7.1864 – †3.9.1940) in die Schweiz und hält sich ab 30.8.1898 in ihrer geliebten Berglandschaft auf. Sie besuchen Caux, weil Elisabeth diesen Ort besonders mag. Ausflüge nach Bex-les-Bains, Rochers de Naye, Evian, Genf und Pregny wurden alle 2 Tage eingeplant.

Nach dem gemeinsamen Abendessen, gingen Elisabeth und Irma in Caux spazieren, um die nächsten Tage zu besprechen. Vor allem Genf erwies sich für Graf Albert von Berzeviczy (*7.6.1853, †22.3.1936) zu einem Problem. Irma erwähnte diese Besorgnis bei Kaiserin Elisabeth, welche nach dem „Warum“ fragte: „Weil es in Genf viel Gesindel gäbe und er deshalb lieber sähe, wenn Eure Majestät wo immer hin gingen, nur nicht nach Genf.“ „Sagen Sie Berzeviczy, seine Besorgnisse seien einfach lächerlich. Was könnte mir Genf schaden?“ (2)

Am 7.9.1898 blieb Kaiserin Elisabeth im Hotel des Salines in Caux, das sie „Haarwaschtag“ hatte. Auf dem Balkon des Hotels hin- und herschreitend versuchte Irma noch einmal bei Elisabeth die Warnung von Graf Berzeviczy aufzunehmen; diesmal mit etwas mehr Vehemenz und dem Vorschlag doch einen Herren aus dem Gefolge

Chateau Pregny Foto: lmathieu.wordpress.com

mitzunehmen. Kaiserin Elisabeth antwortete: „Ich sehe schon, daß der stets besorgte Berzeviczy für mein Leben fürchtet, aber was könnte mir denn in Genf zustoßen? Nun gut, ich weiß, daß Berzeviczy auch eine gewisse Verantwortung trägt, sagen Sie ihm also, daß ich ihm zuliebe, aber auch nur ihm zuliebe, Sekretär Kromar mit mir nehme, obschon ich nicht weiß, was er mir nützen könnte, wenn er, während ich spazieren gehe, im Hotel ruht.“ (3)

Sie schreibt in ihrem Buch: „Den Schatten, den Berzeviczys Besorgnisse mir in die Seele flößten, verscheuchte die Kaiserin und ich ging sorglos an ihrer Seite dahin, während sie raschen Schrittes ihrem Schicksale entgegeneilte.“ (4)

Baronin Julie Rothschild, Foto: family.rothschildarchive.org

Am 9.9.1898 kam Elisabeth Punkt 12.00 Uhr in Genf an. Sie begrüßte ihren Sekretär Kromar, der ihr eine Depesche von Erzherzogin Marie Valerie übergab, welche Elisabeth bereits sehnsüchtigst erwartete. Danach fuhr man zu Baronin Caroline Julie von Rothschild (*2.9.1830, †18.11.1907, genannt Julie), welche sie auf ihrem Chateau Pregny erwartete. Den Tag verbrachte Kaiserin Elisabeth überaus glücklich. Es wurde ein kleines Dejeuners eingenommen, die Villa besichtigt und angeregte Gespräche wurden geführt.

Eduard Karl Habsburg-Lothringen
Foto: Clemens Fabry, Die Presse

Hier findet sich eine kleine Anekdote wieder, die Eduard von Habsburg (*12.1.1967) erzählt. Eduard stammt aus der Linie von Erzherzogin Gisela und Prinz Leopold von Bayern. Er ist somit der Ur-Ur-Ur-Enkel von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph: „Baronin Rotschild hatte ein tolles Essen für sie gezaubert. Es gab Champagner und Eis und Sisi war richtig entspannt und gelöst. Und dann hat die Baronin gesagt, „wir haben einen Fotografen im Haus“. Und Sisi hat ungefähr 30 Sekunden überlegt und dann hat sie gesagt: „Nein, ich mache es nicht. Sie hat dann später der Gräfin Sztáray auf dem Boot gesagt: „Wenn man sein ganzes Leben an einem Prinzip festhält und wenns auch nur der Eitelkeit dient, dann muss man das durchziehen; aber eigentlich schade.
Gegen 5.00 Uhr verabschiedeten sich Elisabeth und Irma und fuhren ins Beau Rivage zurück.

Hotel Beau Rivage Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Elisabeth checkte zwar unter dem Namen „Gräfin Hohenembs“ ein, allerdings erkannte sie der Hoteldirektor. Nach einer Stunde Ruhezeit, machten sich lediglich die beiden Damen auf, um die Stadt zu erkunden. „Ich verstehe Sie wirklich nicht, Irma, warum Sie diese Stadt nicht mögen; sie ist ja so schön, wie kann sie Ihnen also unsympathisch sein? Ich liebe Genf sehr.“ (5)

Es wurde ein kleines Tischchen für Marie Valerie eingekauft, welches ihr zu Weihnachten geschenkt werden sollte.

Erst gegen 22.00 Uhr kamen die beiden Damen ins Hotel zurück, weil sie sich nach dem Einkauf in Genf verliefen. 

Irma schlief schlecht in jener Nacht, stand aber zeitig auf, da es ihr „Beichttag“ war und sie lief deshalb zur Kirche. Um Schlag 9.00 Uhr war sie bei Kaiserin Elisabeth zurück; diese wurde soeben frisiert. Elisabeth sah blendend aus, dennoch erzählte sie von einer schlaflosen Nacht: „Müde bin ich nicht, doch habe ich kaum geschlafen. Eine Weile hörte ich den italienischen Sängern zu, später störte mich der Leuchtturm mit seinen beständig wechselnden Farben und ich konnte mich nicht entschließen, aufzustehen und die Fenster zu schließen. Es mochte gegen 2 Uhr gewesen sein, als ich einschlief, da aber, was mir noch niemals geschah, schrak ich entsetzt auf, weil der hochstehende Mond mit seinem grellen Scheine in mein Gesicht leuchtete, während mein Bett und das ganze Zimmer in meiner mystischen Beleuchtung schwamm. Weiter vermochte ich auch nicht mehr einzuschlafen.“ (6)

Das letzte Foto. Kaiserin Elisabeth (l) mit Irma Gräfin von Sztáray, Foto: Wikimedia/Commons

Das Zimmer war mit weißen Astern geschmückt, die Sisi zwar gefielen, sie aber an alles Vergängliche erinnerten. Irma verließ das Toilettenzimmer, um noch einige Einkäufe zu erledigen bzw. die Einkäufe vorm Vortag abzuschließen und die Lieferadresse zu hinterlassen. Kurz vor 11.00 Uhr kam sie zurück und erledigte mit Kaiserin Elisabeth noch einen kurzen Weg. Knapp vor dem Hotel lauerte ein Fotograf, der unwissentlich das letzte Foto von Kaiserin Elisabeth machen sollte. Es ging in die Weltgeschichte ein.

Danach wollte sich Kaiserin Elisabeth noch einmal umziehen. Um 1.30 Uhr war das Paar bereits spät dran, Irma wurde nervös. Sie versuchte Elisabeth dazu zu überreden, den Lakaien vorauszuschicken, damit der Kapitän nicht ohne sie abfuhr. In völliger Ruhe trank Sisi (das letzte) Glas Milch (ihres Lebens). Um 1.35 Uhr verließen Irma und Elisabeth das Hotel Beau Rivage.

Dass der Mann in schwarz gekleidet die Lakaien dabei beobachtet, wie diese viel Gepäck auf das Schiff bringen. Lucheni steht an der Straßenecke und lässt weder das Hotel, noch das Schiff aus seinem Blick. Er weiß, sie wird kommen…. 

Der letzte Weg, die letzten Schritte, der letzte Blick, das letzte Wort….

Attentat auf Kaiserin Elisabeth, Zeichnung, Unbekannt Foto: Wikimedia/Commons

Attentatsstelle mit Blick auf das Schiff Geneve Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

„Majestät, das Schiffsignal“, sagte ich und zählte unwillkürlich die auf das Läuten folgenden dumpfen Schläge…ein…zwei…
In diesem Momente erblickte ich in ziemlicher Entfernung einen Menschen, der, wie von jemanden gejagt, hinter einem Baume am Wegrande hervorspringt und zum nächststehenden anderen läuft, von da zu einem eisernen Geländer am See hinübersetzt, sodann abermals zu einem Baume und so, kreuz und quer über das Trottoir huschend, sich uns naht. „Daß der uns auch noch aufhalten muß!“ denke ich unwillkürlich, ihm mit den Blicken folgend, als er aufs neue das Geländer erreicht, und von da wegspringend, schräge auf uns losstürmt.
Unwillkürlich tat ich einen Schritt vorwärts, wodurch ich die Kaiserin vor ihm deckte, allein der Mann stellt sich nun wie einer, der arg strauchelt, dringt vor und fährt im selben Augenblicke mit der Faust gegen die Kaiserin.
Als ob der Blitz sie getroffen hätte, sank die Kaiserin lautlos zurück und ich, meiner Sinne nicht mächtig, beugte mich mit einem einzigen verzweiflungsvollen Aufschrei über sie hin. –
Vater im Himmel! Wenn ich dereinst vor Dir stehe, um Dir Rechenschaft zu geben von meiner Seele, dann wirst Du eingedenk sein dieses entsetzlichen Augenblickes. –
Alle Qualen des Todes durchzuckten mich und statt meiner gelähmten Lippen schrie meine niedergeschmetterte Seele zum Erlöser um Barmherzigkeit.
Und dann war mir, als tue sich vor mir der Himmel auf.
Die Kaiserin schlug die Augen auf und sah um sich. Ihre Blicke verrieten, daß sie bei vollem Bewußtsein war, dann erhob sie sich, von mir gestützt, langsam vom Boden.“
…..
Mit erstickter Stimme, da die Freude den Schrecken überwand, fragte ich sie: „Was fühlen Majestät? Ist Ihnen nichts geschehen?
„Nein“, antwortete sie lächelnd, „es ist mir nichts geschehen“. (7)

In der Zwischenzeit waren einige Leute an die hohe Dame herangetreten, die ihr alle helfen wollten. Sie dankte jedem Umstehenden in allen Sprachen, – deutsch, englisch, französisch. Ein Kutscher putzte ihr verstaubtes Kleid ab. Der Portier vom Beau Rivage eilte zur Stelle, der von seiner Türe aus den Angriff gesehen hatte und bat Kaiserin Elisabeth eindringlichst zum Hotel zurückzukehren.
„Warum?“, fragte die Kaiserin, währen sie ihr Haar in Ordnung zu bringen versuchte, „es ist ja nichts geschehen, eilen wir lieber aufs Schiffs.“ (8)

Verhaftung von Luigi Lucheni Foto: Wikimedia/Commons

Kaiserin Elisabeth fragte nach, was der Mensch von ihr wolle, zuerst dachte Irma, sie meinte den Kutscher, doch Elisabeth berichtigte sie und fragte nach dem Manne, der ihr so nahe gekommen war. „Vielleicht wollte er mir die Uhr wegnehmen.“ (9), war ihre einhellige Meinung dazu. Kaiserin Elisabeth schritt weiter, als der Portier wieder heraneilte und ihr mitteilte, dass man den Missetäter ergriffen habe. Sie fragte, ob er schon etwas gesagt habe. Irma sah dabei aber, dass sich Elisabeths Gesichtszüge verändert hatten. Sie war blass und verzog schmerzverzehrt das Gesicht. „Ich glaube, die Brust schmerzt mich ein wenig.“ (10)

Auf der Schiffsbrücke ging Elisabeth noch leichten Schrittes vor Irma, als es sie schwindelte: „Jetzt Ihren Arm“ stammelte sie mit erstickender Stimme. Ich umfing sie, konnte sie aber nicht halten und, ihren Kopf an meine Brust pressend, sank ich ins Knie. – „Einen Arzt! Einen Arzt! Wasser!“ schrie ich dem zu Hilfe eilenden Lakai entgegen. Die Kaiserin lag totenbleich mit geschlossenen Augen in meinen Armen. (11)

Gräfin Irma Sztáray Foto: Wikimedia/Commons

Der Lakai und einige Gäste des Schiffes brachten Wasser, man bespritzte ihr damit das Gesicht. Kaiserin Elisabeth öffnete die Augen. Irma erkannte, dass der Tod nicht mehr weit war und veranlasste, dass sie mit der Hilfe von ihr und zwei herumstehender Herren in die Kabine unter dem Verdeck gebracht wurde.

Irma schrie wieder nach einem Arzt und plötzlich wurde sie zur Seite geschoben. Ein Herr, der die Hilfe seiner Gattin anbot, welche sich auf Krankenpflege verstand (Ehepaar Dardelle), wurde an Kaiserin Elisabeth herangelassen. Diese rieb sie zunächst mit Eau de Cologne ein. Auch eine Klosterschwester eilte herbei. Irma schnürte derweil das Mieder auf. Kaiserin Elisabeth erhob sich zaghaft, damit Irma das Mieder unter ihr hervorziehen konnte. Das Schiff hatte mittlerweile abgelegt. Niemand im Raum nahm das richtig wahr. Irma nahm ein Stück Zucker, tunkte es in Äther und gab dies Elisabeth, die versuchte ein paar Mal davon abzubeißen. Die Wiederbelebungsversuche glückten, da der kühle Fahrtwind in die Kabine hereinwehte.

Dent du Midi, Bild in Öl, Edwin Deakin, Foto: x43:service

Elisabeth setzte sich auf und hauchte ein leises Merci, gegen die fremde Dame, die über ihr gebeugt stand. Die Herrschaften die alle rund um Kaiserin Elisabeth standen, zogen sich zurück, als sie merkten, dass diese von selbst sitzen konnte. Doch Irma sah es im Blick von Kaiserin Elisabeth. Ihr Blick war vom Tod umwoben, es gab kein Zurück mehr. Einzig Madame Dardelle, die Klosterfrau, der Lakai und Irma blieben bei Kaiserin Elisabeth. „Ihre Blicke suchten den Himmel, dann blieben sie an dem Dent du Midi haften und, von da langsam herabgleitend, ruhten sie auf mir, um sich für ewig meiner Seele einzuprägen. „Was ist denn jetzt mit mir geschehen?“ Das waren ihre letzten Worte, dann sank sie bewußtlos zurück.“ (12)

Irma schnitt ihre Halskette mit der Medaille der Marienkongregation ab und betete zur Heiligen Jungfrau um Aufnahme der Seele von Kaiserin Elisabeth in den Himmel. Sie wusste, dass der Tod nicht mehr aufzuhalten war. Sie fing zum Handeln an. Sie schob das Hemd von ihr auf die Seite, sah die Wunde, an der ein Tropfen gestocktes Blut hing und wusste, dass ihre Majestät ermordet worden war.

Abtransport Kaiserin Elisabeth vom Schiff Geneve, Zeichnung, Unbekannt Foto: Wikimedia/Commons

Irma ließ nach dem Kapitän schicken, der sogleich in die Kabine kam. Sie klärte ihn auf, wer da vor ihm lag und bat darum, das Schiff sofort zu wenden. Sie schrieb zwei Depeschen an Sekretär Kromar und Graf Berzeviczy, welche sie Herrn Dardelle übergab, der versprach diese sofort aufzugeben, sobald sie wieder in Genf seien.

Irma breitete Kaiserin Elisabeths schwarzen Mantel über sie, als diese auf eine improvisierte Trage gehoben und von 6 Männern getragen wurde. Als die Männer in Bewegung waren, warf Elisabeth unruhig ihren Kopf zur Seite. Ansonsten war die Agonie ruhig, ohne Kampf, ohne Schmerz. Irma ging neben ihrem Kopf, ein anderer Herr auf der anderen Seite, der ihren weißen Schirm, den sie bei sich hatte, als sie aus dem Hotel gingen, über sie spannte, um sie vor neugierigen Blicken zu schützen.

Gräfin Sztáray blickte wehmütig zum Hotel. Vor einer Stunde hatten sie es gut gelaunt und voller Tatendrang verlassen. Wie konnte dies nur passieren?

In ihrer Suite angekommen, war Dr. Etiénne Golay sofort zur Stelle, danach noch Frau Fanny Mayer Hoteldirektorin vom Hotel Beau Rivage und eine im Hotel wohnende englische Pflegerin. Irma zeigte Dr. Golay die Wunde, doch durch die Öffnung des Mieders hatte sich die Wunde von der ursprünglichen Stelle verschoben. „Es ist keine Hoffnung“, sprach der Arzt nach einer Weile. (13)

Irma bat im ruhigen Ton, doch noch Belebungsversuche zu machen, es war allerdings zweckslos. Kaiserin Elisabeth atmete zwar noch, aber dieses wurde schwächer und schwächer. Um 2.40 Uhr (also 14.40 Uhr) sprach Dr. Golay die Worte aus. „Die schönste, edelste Seele, die am schwersten geprüfte von allen, hatte die Erde verlassen und ihr Entschwinden bezeichnet man mit dem einzigen kurzen Worte: tot! – (14)

Irma war fassungslos, betete, man möge sie auch holen, fasste dann aber den Entschluss, dass sie sich versündigen würde. Sie dachte an Kaiser Franz Joseph und wusste, dass sie diese schwere Last übernehmen musste, um ihm vom Tod Elisabeths zu erzählen. 

Generaladjutant Graf Eduard von Paar, Zeichnung Oskar Brüch, Foto: Wikimedia/Commons

Gräfin Sztáray schrieb eine Depesche an Eduard Graf von Paar (*5.12.1837, †1.2.1919): „Ihre Majestät die Kaiserin wurde schwer verwundet, bitte dies Seiner Majestät dem Kaiser schonungsvoll zu melden.“ (15)

Als die treue Hofdame Irma ins Zimmer zurückkam, schnitt man Kaiserin Elisabeth gerade im linken Arm in die Schlagader. Als kein Tropfen Blut aus dem toten Körper wich, zogen sich die Ärzte zurück.

Irma beschreibt die tote Elisabeth wie folgt: „Kein Nerv zuckt mehr in ihr! Nur ein Blick unter halbgeöffneten Lidern, himmelwärts gerichtet und gebrochen, und ein sanftes Lächeln des Mundes erinnern noch an das Leben. Damit hatte sie die selig entschwindende Seele geleitet, damit von ihr Abschied genommen für immer.“ (16)

Gräfin Sztáray drückte Kaiserin Elisabeth die Augen zu und schlang ihre Finger um einen Rosenkranz, faltete Hände zum Gebet und legte sie ihr auf die Brust.

Während dieser Geschehnisse, nutzt Kaiser Franz Joseph seine freie Zeit und schreibt Elisabeth einen Brief. Er sollte nie mehr bei ihr ankommen. Conte Corti war es, der ihn in seinem Buch erwähnt: „Sehr erfreut hat mich die bessere Stimmung“ schreibt er seiner fernen Gemahlin, „die Deinen Brief durchweht, und Deine Zufriedenheit mit dem Wetter, der Luft und Deiner Wohnung samt Terrasse, welche einen wunderbaren Ausblick auf Berge und See gewähren muß. Daß du dennoch eine Art Heimweh nach unserer lieben Villa „Hermes“ gefühlt hast, hat mich gerührt. Dann erzählt er, dass er am Tage zuvor in der Villa war, viel an Elisabeth gedacht habe und das Wild begutachtet habe. Weiter geht’s mit „heute bleibe ich hier und um halb neun reise ich von Staatsbahnhof ab. Isten veled szeretett angyalom (Gott befohlen, geliebter Engel.) Dich von ganzem Herzen umarmend, Dein Kleiner.“ (17)

Eugen Ketterl, Leibkammerdiener Seiner Majestät Foto: Wikimedia/Commons

Zu Hilfe hatte Irma eine Wärterin, die das Totengemach herrichtete; es wurden Kreuze und Kerzen aufgestellt. Die weißen Herbstastern, die Kaiserin Elisabeth am Vormittag noch „sie stehen für die Vergänglichkeit“ nannte, wurden ins Zimmer gebracht und um das Bett aufgestellt.

Nach dieser Aufgabe, setzte sich Irma ruhig hin und setzte die nächste Depesche an Graf Paar auf: „Ihre Majestät die Kaiserin ist entschlummert.“ (18)

Um 17.25 Uhr kam das Telegramm bei Generaladjutant Graf Paar in Schloss Schönbrunn an. Er hatte nun die unendlich schwierige Aufgabe seiner Majestät vom Tod der Kaiserin zu unterrichten. Durch die ihm geschuldete Contenance, seine strenge Erziehung und auch seinem Amt würdig, bleib Kaiser Franz Joseph ruhig bei der Nachricht. Sein treuer Diener Eugen Ketterl schreibt: „Als der Kaiser die Todesnachricht erhielt, sagte er in meiner Gegenwart zum Grafen Paar: „Niemand weiß, was diese Frau mir gewesen ist!“ (19)

Erzherzogin Marie Valérie, Foto: kulturpool.at

Um 18.30 Uhr traf die Nachricht bei Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924) in Schloss Wallsee ein. Maria überbrachte ihr die Kunde vom Tod ihrer Majestät. Valérie notiert in ihr Tagebuch: „Ich weiß nicht, ob weitere Fragen dazwischen oder gleich das Wort „tot“? über die Lippen brachte, ob sie mir gleich dort noch am Gang oder schon im Zimmer sagte: „Ermordet von einem italienischem Anarchisten – im Hotel in Genf verschieden“. Ich weiss es nicht. Noch zittert mir die Hand, wenn ich zurückdenke an diese Stunde… (20)

Erzherzogin Gisela und Prinz Leopold, Foto: Wikimedia/Commons

Prinz Leopold von Bayern (*9.2.1846, †28.9.1930), Ehegemahl von Erzherzogin Gisela, schreibt in seinen Lebenserinnerungen: „Ich fuhr die Nacht durch zu meiner Gattin nach München, und die darauffolgende mit ihr nach Wien. Das war nun ein trauriges Wiedersehen mit dem lieben Kaiser: erschütternd war alles, was man von der Tragödie erfuhr. Dazu kam das gerade so Sinnlose der Ermordung dieser edlen Frau, die sich prinzipiell von jeder politischen Tätigkeit fern gehalten hatte. (21)

Danach brach Irma zusammen. Erschöpft, müde, von Trauer gebrochen, kniete sie vor dem Bett und weinte hemmungslos. Die Polizei kam alsbald ins Hotel und vernahm Gräfin Irma Sztáray, die auch diese Pflicht mit stoischer Ruhe über sich brachte. Ihr wurde der Eidschwur abgenommen, danach musste sie den gesamten Namen & alle Titel und sämtliche Geschehnisse der letzten Stunden von Kaiserin Elisabeth in die Feder diktieren. Die Stunden waren qualvoll, weil sie an die schlimmsten Stunden ihres Lebens zurückdenken musste. Graf Berzeviczy ließ sie ans Telefon rufen und Irma erinnerte sich qualvoll an die ständigen Ermahnungen nicht nach Genf zu fahren. Als hätte er es gewusst.

Immer mehr Leute strömten zur toten Kaiserin: eine Kommission, die den Leichnam obduzieren wollte, eine Kommission um die Leichenschau abzunehmen, Bischof von Fribourg und Gefolge kamen herein, um ihre Arbeit aufzunehmen. Erst am Abend war Irma mit Kaiserin Elisabeth allein gelassen worden. Um 20.00 Uhr kam Graf von Berzeviczy ins Hotel, welcher in Territet geweilt hatte und der Gesandte aus Bern, Graf Kuefstein. Um 22.00 Uhr wurde der Sarg gebracht, in welchen sie gebettet wurde. Irma legte ihr die Medaille der Mutter Gottes, die sie ihr am Schiff auf die Brust gelegt hatte, in die Hände. Bis um Mitternacht wachten alle 3 Personen vor dem Sarg. Erst danach verließ Irma die tote Kaiserin, um in ihrem Zimmer Ruhe zu finden.

Am 11.9.1898 wurde gegen 14.00 Uhr die partielle Obduktion durchgeführt, da die Anweisung dazu aus Wien erst gegen Mittag eintraf. Die Obduktion ergab, dass Lucheni mit ungeheurer Kraft zugestochen hat. Die zugespitzte 11 cm lange Feile hat die 4 Rippe durchstoßen, die Knochen zersplittert, sowie das Herz und die Lunge durchbohrt. Die linke Herzkammer war mehr oder weniger durchschnitten worden, vor allem durch das Herausziehen des spitzen Gegenstandes, wurde das Herz schwerst verletzt. Nur das Mieder hat den sofortigen Tod aufgehalten. 

Irma notiert: „Ich mußte bei diesem traurigen Akte zugegen sein. Man schnitt den Brustkorb auf, um die Richtung der Wunde festzustellen: Die vierte Rippe war durchbrochen, Lunge und Herz durchbohrt.“
Und ich sah es in der Hand des Arztes, dieses Herz voll Liebe und voll Qual, durch das der Dolch gegangen war, durch und durch, wie wir das Herz der Mater dolorosa im Bilde sehen.
Und das mußte ich überleben!
„Ich möchte dieser Welt entschwinden wie der Vogel, der auffliegt und im Äther verschwindet, oder wie der aufsteigende Rauch, der hier vor unseren Augen blaut und im nächsten Augenblicke nicht mehr ist.“
Diese Worte hatte sie eins zu mir gesagt und sie kamen mir jetzt ins Gedächtnis. (21a)

Totenwache im Hotel Beau Rivage, Zeichnung Foto: Wikimedia/Commons

Mit „einst“ meinte Irma wohl einen Tag zuvor – denn diese Worte sprach Kaiserin Elisabeth exakt am 9.9.1898 im Beisein von Baronin Julie Rothschild. Vorahnung? Dunkle Gedanken, einer gequälten Seele? Seit Jahren gierte Kaiserin Elisabeth nach dem Tod. Hat sie ihn gespürt? Ahnte sie, dass ihr Ende nah war? Wir wissen es nicht. Wir wissen ja auch nicht, wie es uns einmal ergehen mag, wenn wir es erspüren sollten, dass es zu Ende geht.

Gräfin Sztáray blieb bis die Einbalsamierung beendet war. Danach legte sie ihr das „schöne Kleid“ an, welches sie auch am Tage zuvor getragen hatte. Das zerschnittene Oberteil, wurde durch eine schwarze Seidenbluse ersetzt. Mit Hilfe von Dr. Golay legte Irma den Leichnam in den Sarg, in dem sie für immer Ruhen sollte.

Die Hände wurden wieder gefaltet, der Rosenkranz, ein kleines Kruzifix aus Perlmutt und das Medaillon wurden ihr wieder um ihre Finger drapiert bzw. in die Hand gelegt. Ein kleiner Strauß aus weißen Orchideenblüten wurden auf die Einstichwunde gelegt. Das Haar – zu einer Krone frisiert – verblieb wo es war. Die Frisur, welche Kaiserin Elisabeth am Vortag um 9.00 Uhr angelegt bekam, wurde nicht mehr verändert. Wie ein Engel, mit weißer Alabasterhaut, soll sie da gelegen haben. Nun hieß es für immer Abschied zu nehmen. Der Sarg wurde verschlossen. Hofdame Irma Gräfin von Sztáray hatte ihre Arbeit beendet.

Gräfin Marie Festetics, Foto: Wikimedia/Commons

Stumm ging sie dem Sarg nach, der Ohnmacht nahe, der sie sich nicht hingeben durfte. Schwere Tage kamen auf sie zu. Das Trauergefolge, trat mit dem Trauerzug am 11.9. seinen Weg nach Genf an. Anwesend war Gräfin Marie Festetics (*20.10.1839, †16.4.1923), Obersthofmeisterin Gräfin Maria Theresia von Harrach, Obersthofmeister Graf Franz von Bellegarde (*18.6.1833, †1.1.1912), der von Kaiser Franz Joseph folgendes ausrichten ließ: „Übergeben Sie meinen Gruß der Gräfin Sztáray; sagen Sie ihr, sie habe sich in ihrer furchtbaren Lage voll Würde benommen.“ (22) Am 14.9. verließ der Zug Genf. 

Der Sarg der Kaiserin Elisabeth von Österreich wird aus dem Hotel „Beau Rivage“ getragen. Genf. Photographie. 1898, Foto: Austria-Forum.org

Der Trauerzug kam am 15.9.1898 in Wien an. Schon auf dem Weg von der Schweiz nach Österreich, wurden am Weg viele Trauerbekundungen getätigt. Das Volk hatte sich fast an jedem Bahnhof versammelt, um mit gesenkten  Häuptern ihre Kaiserin zu verabschieden. Valérie beschreibt die Szene so: „Am Abend verliessen wir gegen 10 Uhr Schönbrunn…. In den Radetzkyzimmern warteten wir in verzehrender Erwartung bis der Zeremonienmeister gegen 11 Uhr des Nahes des Zuges verkündetet. Dann gingen wir hinunter, um am Fuss der Säulenstiege zu warten. Ich musste mich an Gisela halten, und fast zum ersten Male brach ich in lautes Schluchzen aus. Und nun kamen Wagen um Wagen, die gewesenen Hofdamen, welche an den Bahnhof entgegengefahren waren, die von Genf kommenden… Schluchzend lag ich in Irma Sztárays Armen, die sie zuletzt umfangen! Franz sah, wie Papa ihr entgegenging und ihre Hand küsste. Papa ging in aufrechter Haltung dem Sarg nach in die Burgkapelle. Wir folgten. Dort konnte man doch endlich auf die Knie sinken…. Gebete, kurze Einsegnung. Dann erhob sich Papa, kniete nieder am Kopfende des geschlossenen Sarges und küsste ihn. Wir folgten. O Mutter, wüsstest Du es in diesem Augenblick, dass Dein Kind dich liebt mit einer Liebe, wie ich sie wohl früher nie gefühlt. Um Mitternacht waren wir wieder in Schönbrunn.“  (23)

Irma selbst erlebt das alles durch einen Schleier. Ein Schwindel überkam die Hofdame, als Kaiser Franz Joseph zu ihr trat und die Hand küsste. Er bat sie am 17.9.1898 zu einer Privataudienz.

Zeitungsausschnitte die über das Attentat berichten Foto: Bücher Ernst

Am 16.9.1898 veröffentlichte Kaiser Franz Joseph sein „An meine Völker“, welche von allen Zeitungen gedruckt wurde: „An meine Völker! Die schwerste, grausamste Prüfung hat Mich und Mein Haus heimgesucht. Meine Frau, die Zierde meines Thrones, die treue Gefährtin, die Mir in den schwersten Stunden Meines Lebens Trost und Stütze war – an der ich mich verloren habe, als Ich auszusprechen vermag, ist nicht mehr. Ein entsetzliches Verhängnis hat sie Mir und Meinen Völkern entrissen. Ein entsetzliches Verhängnis hat sie Mir und Meinen Völkern entrissen. Eine Mörderhand, das Werkzeug des wahnsinnigen Fanatismus, der die Vernichtung der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung sich zum Ziel setzt, hat sich gegen die edelste der Frauen erhoben und in blindem, ziellosen Haß das Herz getroffen, das keinen Haß gekannt hat und nur für das Gute geschlagen hat.“ (24)

Aufbahrung in der Burgkapelle Foto: delcampe.net

Am 16.9.1898 wurde um 8.00 Uhr morgens der Sarg in der Burgkapelle öffentlich aufgebahrt; allerdings entsprechend ihrem Wunsch: der Sarg wurde nicht mehr geöffnet. Eigentlich wollte Elisabeth auf Korfu beerdigt werden, die Stelle, die sie ausgesucht hatte, war in der Nähe vom Heine Denkmal und mit Blick aufs Meer. Der letzte Wunsch wurde ihr von der starren Monarchie nicht gewährt. Während ihrer Aufbahrung kam es zu einenm Fauxpas: man schrieb auf den Sarg nur „Kaiserin von Österreich“ und nicht auch „Königin von Ungarn“.  Diesen Titel trug sie mit mehr Würde und Eleganz, als ihren Kaiserin-Titel. Auch Böhmen mischte sich in den Streit ein. Als „ungekrönte“ Königin von Böhmen, sollte auch dieser Titel auf dem Sarg verewigt sein. Maßlos sinnbefreite Streitigkeiten über eine Frau, die sowieso niemals Kaiserin oder Königin werden wollte.

Hofdame Irma übergab Erzherzogin Marie Valerie das Oberteil des Kleides. Die Einstichstelle ist darauf zu sehen. Am selben Abend erreichen Bruder Carl Theodor und Gemahlin Maria José, Elisabeth Gabriele und Marie Gabrielle (Töchter) Wien. Carl Theodor ist schwer gezeichnet, Marie Valerie hatte ihn noch nie so tief ergriffen gesehen. Gerade in ihm, erkennt sie ihre Mutter.

Am 17.9. fand in der Burgkapelle eine Messe statt. Marie Valerie schreibt: „Es zog mich mit Macht zu ihr…ich wünschte, sie möge nun gefunden haben, was sie so bitter bezweifelte – die liebende Barmherzigkeit Gottes -. Dann ging ich zu Maria Festetics und fühlte mich wieder erkalten unter dem Schwall ihres wortreichen Schmerzes.“ (25)

Irma Gräfin Sztáray knickst vor Kaiser Franz Joseph I. und reicht ihm dabei beide Hände. Laut Bildunterschrift erzählt sie in einer Audienz dem Kaiser über die letzten Momente der Kaiserin Elisabeth. Hochdruck nach Zeichnung (Phantasie).
Das Interessante Blatt, 22.09.1898, S.1 Foto: Bildarchivaustria.at

Danach fand die Privataudienz zwischen Kaiser Franz Joseph und Gräfin Irma Sztáray statt. Die Begegnung war sehr tränenreich. Er überreichte ihr nicht nur den Elisabeth-Orden, sondern er hatte auch ein langes Gespräch mit ihr. Sie musste ihm detailgetreu den gesamten Ablauf erzählen, währenddessen ihm dicke Tränen über das Gesicht liefen. Sie überbrachte ihm ein paar Blüten jener Orchideen, die Kaiserin Elisabeth am Herzen trug. Niemand war Zeuge bei dem Gespräch. Irma und Franz Joseph waren allein. Er fragte sie, ob sie ihr etwas von ihren Haaren abgeschnitten hätte. Irma verneinte, denn sie meinte, dass Kaiserin Elisabeth immer besonders viel Wert auf ihre Haare gelegt habe. Der Kaiser gab ihr Recht und lobte die Hofdame für ihr Tun. Am Ende dieser Audienz küsste er ihr noch einmal die Hand, eine Geste die die Gräfin nie wieder vergessen sollte. Die Güte des alternden Mannes überstieg ihre Contenance bei weitem.

Begräbnis Kapuzinergruft Foto: Habsburg.net

Um 16.00 Uhr fand dann das tatsächliche Begräbnis, statt welches vom Hofstaat und Militär geprägt wurde. Vom Burgplatz führte der Leichenzug zur Kapuzinergruft, wo sie ihre Ruhestätte finden sollte. 

Dreimal pocht der Obersthofmeister an die Tür. Pater Guardian steht hinter der Tür und fragt „Wer ist da?“ „Kaiserin und Königin Elisabeth begehrt Einlaß“, so die Antwort vom Obersthofmeister. Schluchzend stehen der Kaiser und die Kinder vor dem Sarg. Valerie, die eine Mutter verloren die ihr Kind mehr geliebt hat, als je eine Mutter auf Erden, sieht auf einmal jenen Platz in der Gruft, den Elisabeth ihr im Leben beschrieben, das bißchen Licht und Grün, das aus dem schmalen Fenster hereinblickt. Sie hört die Vögel draußen zwitschern, alles, alles genauso, wie die Mutter es damals geschildert. „Möge sie nun endlich die heißersehnte Ruhe finden!“ 
Schluchenzd auch stehen am Sarge der Kaiserin die treuesten Freundinnen ihres Lebens. Ida Ferenczy, die Elisabeth ob ihres frischen, heiteren, geraden und offenen Wesens, ihres gesunden Menschenverstandes, ihres Taktes und ihrer vornehme Denkungsweise bei aller Einfachheit des Herzens so geliebt. Sie hat alles nach den letzten Wünschen der Kaiserin erfüllt. Auch den letzten Brief des Kronprinzen an Elisabeth vernichtet. … Tränenüberströmt steht Marie Festetics neben ihr. „Viel werden wir noch zusammen trauern, Ida, uns gehörte das Beste. Lange, lange haben wir ihre Seele, ihr Herz genossen.“ (26)

Kaiser Franz Joseph am Sarg seiner geliebten „Engels-Sisi“ in der Kapuzinergruft, Öldruck Foto: Habsburg.net

Marie Valerie hält in ihrem Tagebuch fest: „Papa war schon vom Morgen an in der Burg, hatte sichs nicht erspart, die fremden Herrschaften zu empfangen. Mit Kaiser Wilhelm kam er zu den Kapuzinern. Uns blieb, geschützt durch die dichten Schleier, der grösste Teil banaler Kondolenz erspart. Genug waren es jener, die von Herzen mitweinten. Manni – Onkel Louis (Anmerkung meinerseits: Herzog Ludwig in Bayern, zu dem der Kontakt nach dem Tod von Kronprinz Rudolf komplett abgebrochen war)! „Ich kann doch dem armen Teufel nicht verbieten zu kommen“, hatte Papa gesagt, und hat es den armen Onkel gerührt. Tief erweckte es auch in mir Erinnerungen alter Zeiten, als er zu mir kam mit der Bitte „Lass mich nur bei stehen, nur das bleiben neben Dir“. Papa mit Leopold und Franz, Georg und den beiden Brüdern Mamas geleiten den Sarg hinab. 
(Dann war auch das vorbei und wir kehrten nach Schönbrunn zurück, zu einem traurigen Diner, welchem auch dir König von Sachsen beiwohnte.)“ (26a)

Am 18.9.1898 hätte Marie Valerie fast einen folgenschweren Fehler begangen, den sie Zeit ihres Lebens bereut hätte: Sie notiert dazu in ihr Tagebuch: „Schmerzliches Wiedersehen mit Tante Spatz (Anmerkung meinerseits: Königin Mathilde, Schwester von Elisabeth) die am Sonntag ungekannt gekommen war, um an Mamas Sarg zu beten. Papa suchte sie im Hotel auf, nachmittags kam sie nach Schönbrunn. Ich erfuhr, allein mit ihr, zu meinem Schaudern, dass sie Pater Guardian dazu bewogen hatte, ihr den Sarg zu öffnen, durch das innerhalb des Sarges angerachte Fenster, hat sie Mama gesehen, erkannt, obgleich schon ziemlich entstellt.“ (27)  Valerie war so entsetzt, dass sie dasselbe tun wollte, damit ihre Mutter die letzte Person sei, die „sie“ sehen konnte bzw. Valerie die Letzte auf Erden sei, die ihre Mutter je zu Gesicht bekommen hatte. Doch Pater Abel konnte sie glücklicherweise von diesem Vorhaben abhalten. Dankbar nahm Valerie dies als einen Fingerzeig Gottes und konnte damit in Ruhe leben. 

Prinz Leopold von Bayern schreibt weiter: „Mitte Oktober lud mich der Kaiser ein, mit ihm nach Gödöllö zu fahren. Der Trauerempfang der Bevölkerung daselbst ist mir unvergeßlich. Das Kaiser- oder, besser gesagt, das Königspaar war ja im ganzen Lande verehrt, und die Kaiserin, die so viele Jahre lang besonders gerne in Gödöllö geweilt hatte, geradezu vergöttert. die Fülle der Regierungsgeschäfte, die unermüdliche Arbeit, die frische Luft und die viele Bewegung auf der Jagd brachten auch diesmal den allerhöchsten Herrn über das Gröbste hinaus.“ (28)

Eugen Ketterl (*1859, †1928), der Leibkammerdiener von Kaiser Franz Joseph, notiert, dass seine Majestät nie wieder über Kaiserin Elisabeth sprach: „Manche wollen diese Merkwürdigkeit damit erklären, daß Franz Joseph an Unabänderlichem nicht einmal in der Erinnerung rütteln wollte; andere meinten wieder, Egoismus und Gefühlskälte seien daran schuld gewesen. Ich meine aber, daß der Kaiser sich seines Gefühls schämte und fürchtete, es könnte als Schwäche gedeutet werden. Es geschah gar oft, daß ich den Monarchen dabei überraschte, wie mit unsagbar traurigem Blick zur Kaiserin hinaufsah, die ihn in bestrickender Anmut aus ihrem Bild, das auf einer Staffelei hinter seinem Schreibtisch stand, zu grüßen schien…“  (29)

Marie von Redwitz (*9.12.1856, †11.4.1933), Hofdame von Herzogin Amalie in Bayern, Tochter von Herzog Carl Theodor, schreibt in ihr Tagebuch: „Die Kaiserin war sechzig Jahre alt und nicht die Natur, um glücklich zu altern. Hätte sie sich einen schmerzlosen Tod und danach eine Glorifikation ohne Gegenrede gewünscht, hätte sie enden müssen, wie sie es getan. Dr. Christomanos, einer ihrer griechischen Lehrer schrieb, daß sie einmal gesagt habe: „Ob und wann ich sterbe, ist Nebensache. Es gibt im Leben jedes Menschen einen Augenblick, in dem er innerlich starbt, es braucht gerade nicht die Zeit des wirkliches Todes zu sein.“ Dann: „Wenn der Wunsch zum Leben aufgehört hat, befindet man sich eigentlich schon außerhalb des Lebens.“ … So ist diese merkwürdige und in vielem rätselhafte Frau auf außerordentliche Weise aus dem Leben gegangen. Für die Allgemeinheit war sie zu wenig banal, und schüchtern von Natur, entzog sie sich der Schaustellung ihrer Person. Sie füllte den Platz einer Landesmutter gewiß nicht voll aus und hatte nicht die Gabe, vielleicht auch nicht das Verständnis, das Volk zufriedenzustellen. Sooft ist übel vermerkt worden, sie halte den unvermeidlichen Fächer vor das Gesicht, um ihr Altern nicht erkennen zu lassen. Das Angestarrtwerden war ihr gewiß lästig, aber der erste und tiefere Grund lag in der Empfindlichkeit der Augen gegen Licht und Blendung, unter der fast alle Glieder der herzoglichen Familie leiden.“ (30)

Henri Philippe Marie de Bourbon-Orléans, Foto: Wikimedia/Commons

Luigi Lucheni gab an, dass er eigentlich Henri Philippe Marie d’Orleans (*16.10.1867, †9.8.1901) ermorden wollte. Er wurde am 10.11.1898 zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Er war ein äußerst aggressiver Gefangener, der mehrmals versuchte den Gefängnisdirektor oder die Wärter anzugreifen. Seine „Lebenserinnerungen“ die er notierte, wurden ihm entrissen. Am 19.10.1910 wurde er unter mysteriösen Umständen tot in seiner Zelle gefunden. Die offizielle Todesursache lautet „Selbstmord“, allerdings soll „nachgeholfen“ worden sein.

Gemälde nach Leopold Horovitz, posthum am 31.12.1898 an Kaiser Franz Joseph überreicht. Foto: Wikimedia/Commons

Am 31.12.1898 bekam Kaiser Franz Joseph vom ungarischen Maler Leopold Horovitz (*2.2.1838, †16.11.1917) ein Bild überreicht. Valérei notiert: „das Papa das beste findet. „Es hat nie ein gutes Bild von Mama gegeben.“ „Kein naturwahres Porträt“. So ist es mit allem, was über Mama gesagt und geschrieben wird.“ (31) 

Kaiserin Elisabeth jedoch, war zu Lebzeiten so wenig in Österreich präsent, dass die Trauer der Bevölkerung nur kurz andauerte und einige Tage nach dem Begräbnis schon wieder das „Tageswerk“ verrichtet wurde. Die Meldungen in den Zeitungen verebneten. Die ersten Biografien fanden den Weg an die Oberfläche (Gräfin Larisch, Conte Corti etc.), Denkmäler wurden errichtet usw.

Dazu notiert Marie von Redwitz: „Bald nach ihrem Tode erhob sich wie auf Wettbewerb in jeder Stadt, wo sie einmal länger geweilt, ein künstlerisch mehr oder minder wertloses Standbild von ihr. Gewiß hätt sie sich das verbeten, denn die sie ehren wollten, hatten nichts mit ihr gemeinsam.“ (32)

Grabstelle von Erzherzogin Agnes (*/†26.6.1911), Bad Ischl Foto: Hans-Christian Seidel

Am 26.6.1911 bekam Erzherzogin Marie Valérie in Bad Ischl ihr letztes und gleichzeitig das 10te Kind: Agnes – Die kleine Erzherzogin überlebte nur 8 Stunden. Als Agnes starb sagte Valérie: „Wie tröstlich annehmen zu dürfen, daß dies kleine Enkelkind sie vielleicht endlich hineingeleitet hat in den Himmel.“  (33)

Ein sehr tröstliches Abschiedswort.


Kaiserin Elisabeth heute

Filmprogramm Sissi Film, 1955 Foto: Wikimedia/Commons

Es sollte bis ins Jahr 1955 dauern, bis Kaiserin Elisabeth wiedergeboren wurde. Zwei Weltkriege und viel Leid waren vergangen, bis am 21.12.1955 der Film Sissi in die Kinos kam. Romy Schneider und Karlheinz Böhm – sie ebneten Sisi den Weg zurück ins Leben.

Papieruntersetzer im Café Hofburg, Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Souvenirs, vor allem das berühmte „Winterhalter Bild mit dem Sternenkleid“ wurden und werden in die ganze Welt verkauft; nichts was es nicht gäbe: Tassen, Vasen, Teller, Büsten, Briefmarken, Fingerhut, Hefte, Blöcke, Radiergummi, Taschen, Tischdecken, Pralinen und Mehlspeisen die ihren Namen tragen und sogar „Glasuntersetzer“…

1982 erschien Brigitte Hamanns Biografie über Kaiserin Elisabeth, danach wurden und werden unzählige Bücher geschrieben, im Jahr 1984 fanden die Gedichte von „Titania“ ihre Erstveröffentlichung (ebenfalls Brigitte Hamann).

Kapuzinergruft Kronprinz Rudolf, Kaiser Franz Joseph (erhöht), Kaiserin Elisabeth (v.l.n.r.) Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

In die Kapuzinergruft pilgern jährlich Millionen Besucher und legen rote und weiße Rosen auf den Sarkophag von Kaiserin Elisabeth, Kronprinz Rudolf und Kaiser Franz Joseph.

Foto: Amazon.de

Wien und Österreich hat seine Kultur. Schloss Schönbrunn wird im Sommer gestürmt. Am 3.9.1992 wurde Kaiserin Elisabeth in Form eines Musicals geboren. Den Beitrag zum Musical können Sie hier nachlesen. 

Am 24.4.2004 wurde zum 150. Hochzeitstag das Sisi Museum eröffnet. Der Hype ist ungebrochen, mittlerweile ziehen viele Kaiserappartements nach, die jemals Sisi und/oder Franz Joseph zu Besuch hatten…

Der Mythos lebt.
Kaiserin Elisabeth lebt.

~ Petra ~

Bevor wir nun diesen Beitrag wirklich abschließen, möchten wir euch exklusiv die Tagebuchaufzeichnungen von Hoteldirektorin Fanny Mayer zeigen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Maria José, die vor Ort war und bei Herrn Direktor Mayer, der uns hiermit erlaubt hat, die Tagebuchaufzeichnungen seiner Großmutter zu veröffentlichen. 

Exklusivrecht, Erlaubnis Herr Mayer, Beau Rivage Hotel Foto: sternenkaiserin.com

Foto: Exklusivrecht, Mayer, Beau Rivage Hotel Foto: sternenkaiserin.com

Exklusivrecht, Erlaubnis Herr Mayer, Beau Rivage Hotel Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Kaiserin Elisabeth im berühmten Sternenkleid, Öl Franz X. Winterhalter, Foto: Wikimedia/Commons 


Rechtliche Hinweise – Auf den Spuren Kaiserin Elisabeths in Genf 
Text: Maria José
Bildrechte: Maria José – Mit ausdrücklicher Genehmigung der Hoteldirektion Beau Rivage
Videorechte: Maria José – Mit ausdrücklicher Genehmigung der Hoteldirektion Beau Rivage 


Rechtliche Hinweise: 

Text: Petra

Bildrechte: sternenkaiserin.com – Maria José, sternenkaiserin.com – Marie, Wikimedia/Commons, Hans Christian Seidel, Habsburg.net, Bildarchivaustria.at, delcampe.net, Bücher Ernst, Austria-Forum.org, kulturpool.at, x43:service, Clemens Fabry/Die Presse, Family.rothschildarchive.org, lmathieu.wordpress.com, locseitemeto.eoldal.hu, staerkel.at


Literarischer Hinweis:

1 – S 203, 2 – S 206, 3 – S 209, 4 – S 210, 5 – S 219, 6 – S222/3 , 7 – S 227 – 229, 8 – S 230, 9 – S 230, 10, 11 – S 231, 12 – S 234, 13, 14 – S 237, 15 – S 239, 16, 18 – S 240, 21 – S 246, 21a – S 250,
Irma Gräfin Sztáray
Aus den letzten Jahren der Kaiserin Elisabeth (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Amalthea Verlag, 2004

17 – S 455, 26 – S 463
E.C. Conte Corti
Elisabeth von Österreich Tragik einer Unpolitischen (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Heyne Verlag 2. Auflage/15. Auflage 1996

19 – S 40, 29 – S 40
Eugen Ketterl
Der Alte Kaiser wie nur Einer ihn sah
Fritz Molden Verlag, 1980, 1. Auflage

20 – S 309, 23 – S 312, 25 – S 312, 26a – S 312/3 27 – S 313, 31 – S 319
Marie Valérie von Österreich
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth

24 – S 310
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I – Kaiser von Österreich und König von Ungarn

20 – S 164, 28 – S 164
Leopold Prinz von Bayern
Aus den Lebenserinnerungen (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Verlag Friedrich Pustet, 1983

30 – S 257, 31 – S 258
Marie von Redwitz
Hofchronik 1888 – 1921 (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Verlag Kulturpolitik München 1924

33 – S 112
Martha Schad
Kaiserin Elisabeth und ihre Töchter, Bildband (Nur noch antiquarisch erhältlich)
LangenMüller Verlag, 1998, 3. Auflage

Elisabeth – Das Musical

Als 1955 der Sissi Film mit Romy Schneider über die Kinoleinwand flimmerte, konnte keiner erahnen, was das einmal auslösen würde. Was 1956 und 1957 mit Teil 2 und 3 noch weiter verkitscht wurde, wurde 1992 komplett anders dargestellt. Fans von Kaiserin Elisabeth haben zuerst das Musical gesehen und sich danach erst mit Elisabeth als Person beschäftigt.

Foto: Amazon.de

Das Musical hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Einen Hype, der bis heute ungebremst ist.

Am 3.9.1992 wurde in Wien im Theater an der Wien, unter dem scheidenden Intendanten Peter Weck, das Musical Elisabeth aus der Taufe gehoben. Ein Welterfolg, der anfangs so gar nicht die Kritiker ansprach. Im Gegenteil. Nach der Premiere war der Hohn und Spott hoch.

Aber beginnen wir von vorne:

Peter Weck, Foto: APA (Archiv)

„Mit Michael Kunze hatte ich die Idee für ein neues Musical besprochen, das wir in den Vereinigten Bühnen Wien produzieren wollten. Bei unseren Gesprächen landeten wir plötzlich bei – Michael Kunze brachte diese Idee ein – Kaiserin Elisabeth. Da ich selbst ja beim ersten Teil der Sissi-Filme mitgewirkt hatte, war es mir ein Anliegen, Kaiserin Elisabeth in unserer Version ohne jede Kitschverbrämung, als nicht als lieblich verzuckertes Geschöpf, sondern auf Basis der damals dank Historikerin Brigitte Hamann neu vorliegenden historischen Erkenntnis mit allen ihren Eigenheiten auf die Bühne zu bringen.“ (1)

Peter Weck über die Entstehungszeit von Elisabeth, an der er selbst 2 Jahre beteiligt war.

„Alle tanzen mit dem Tod, doch niemand wie Elisabeth…“ Ihre Zeitgenossen stehen in Lumpen und mit schwarzem Spitzentuch über dem Gesicht auf der Bühne und reden „immer noch von Elisabeth“.
So beginnt das Stück – naja mehr oder weniger. Eigentlich ist zuvor noch ein Prolog mit Lucheni, der von einem unsichtbaren Richter gefragt wird, warum er ausgerechnet Kaiserin Elisabeth umgebracht habe.

Er beantwortet die Frage mit „…weil sie es wollte“.

Man mag glauben, dass dies ein Satz ist, den tatsächlich ihre Zeitgenossen über sie gesagt haben. Aber die Texte und die Musik stammen von niemand geringeren als von Michael Kunze und Sylvester Levay, die zuvor die Schlagergemeinde mit ihren Songtexten und Musiktitel aufzumischen wussten. „Fly Robin fly“ wurde (und ist) ein Welthit.

Michael Kunze, Foto: Alexander Ch. Wulz

(2) Michael Kunze im Interview, wie Elisabeth – das Musical entstand. 7 Jahre sollte die Entstehung dauern; man kann also nicht sagen, dass sich Michael Kunze und Sylvester Levay das Stück leicht gemacht haben.

„Mit dem Blick auf die bevorstehende Milleniumswende wollte ich etwas über den Untergang des Habsburgerreiches schreiben. Ich bin studierter Historiker, und daher interessierten mich die Parallelen von Gegenwart und Vergangenheit. … Auch „Sisi“ wurde zwangsläufig erwähnt. Ich hatte allerdings nicht die geringste Lust, die unglückliche Kaiserin zur Hauptfigur einer Dramatisierung zu machen. Zu abschreckend war die Vorstellung, gegen das Klischee einer Filmfigur der 50er Jahre ankämpfen zu müssen. … Ich las alles über die Zeit vor und nach 1900, was mir in die Hände kam. Darunter waren die Tagebuchblätter des Vorlesers Constantin Christomanos. Darin fesselte mich eine Episode. Christomanos schildert, wie er Elisabeth nach einem Sturm an der Reling ihrer Jacht trifft. Sie weist ihn auf einen Möwenscharm hin, der dem Schiff folgt. Es seien immer dieselben Möwen, behauptet sie. Woran sie das erkenne, fragt der Vorleser. An der schwarzen Möwe in der vorderen Reihe. Die sei ihr vertraut. Als ich das las, wurde mir schlagartig klar, dass Elisabeth sich selbst als schwarze Möwe sah. Als Symbol des Untergangs. Von diesem Moment an wollte ich sie, allen Problemen zum Trotz, zur Hauptfigur des Werkes machen. ….“ (2)

Harry Kupfer, Foto: Lewin-Management.com

Harry Kupfer, der kongeniale Regisseur dieses Erstlingswerks von Peter Wecks „Vereinigte Bühnen Wien“, erinnert sich an die Begegnung und wie alles begann: „Die Oper ist mein eigentliches Spezialgebiet. … Ich hatte in Wien eine Produktion an der Staatsoper, wir hatten nachts gefeiert und auf dem Weg zur U-Bahn traf ich Peter Weck. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt nicht persönlich, doch er sprach mich an. …

Er fragte mich: „Haben Sie nicht mal Lust, ein Musical zu machen?“, und meine Antwort war: „Ja, wenn es ein gutes Stück ist, nicht so etwas, wo Musiknummern zu einer dürftigen Handlung zusammengeschmissen sind, würde ich das machen. Darauf er:

„Ich hab eins, „Elisabeth“. Da ist mir erst einmal der Kamm geschwollen, weil ich natürlich gleich an diese schrecklichen Sissi-Filme mit Romy Schneider dachte. Doch Weck meinte, das sei ganz anders, Michael Kunze und Sylvester Levay seien die Autoren und er würde mir das Libretto gleich morgen ins Hotel schicken. Das hat er dann auch getan, ich habe es gelesen und fand es gar nicht so schlecht….“ (3)

Der Rest ist Weltgeschichte.

Als er die Rolle von Elisabeth schrieb, musste er nach einem roten Faden im Stück suchen. Und so betrachtete Michael Kunze das Bild von Luigi Lucheni, der grinsend in die Kamera sah. Der jemanden getötet hatte, den er weder kannte, noch verstand. Das Opfer sollte jemand ganz anderer (Herzog d’Orléans) werden, als dieses nicht auftauchte, stach er auf die berühmte Frau ein, die weltpolitisch nie in Erscheinung trat.

Ethan Freeman, Foto: Jean-Marie Bottequin

Lucheni wurde der Erzähler eines Lebens. Ihres Lebens. Er verhöhnt ihr Leben und alle die sich rund um sie scharrten. Mit Gemeinheiten – auch in Richtung Publikums – spart er nicht. In „Kitsch“ bekommt das Publikum das zu spüren, was bis heute gilt: Die Sammelleidenschaft und die Begaffung einer Frau, die bis heute ein Geheimnis ist, ebnete zumindest nach 1955 nie wieder ab.

Gerade bei der jungen Kaiserin Elisabeth war das Interesse anfangs riesengroß. Das Volk wollte sein Recht an der jungen schönen Kaiserin haben; als diese floh und sogar ihre Kinder zurückließ, ebnete das Interesse immer mehr ab. Zu ihrem 50sten Geburtstag erschien lediglich ein kleiner Artikel in der Zeitung, dass die Kaiserin Geburtstag habe. Das Volk in der Dynastie Österreich-Ungarn nahm sie überhaupt nicht mehr wahr.

Mit den Sissi-Filmen jedoch begann ein Hype, der auch Elisabeth – das Musical nicht töten konnte. Bis heute stehen Elisabeth Häferl weltweit in Kästen, hängen Bilder an den Wänden und Postkarten stehen an Souvenirständen zum Kauf bereit. Auch Tattoos mit Sisi Schriftzug oder Konterfei sind mir schon begegnet.

Der „Kitsch“ kennt keine Grenzen. Luigi Lucheni hat im Stück recht, wenn er Schokolade in die Menge schmeißt und höhnisch dabei lacht, wenn er sieht, dass die Menge im Publikum gierig danach greift.

Ethan Freemann Foto: angelofmusical

Aber lassen wir Ethan Freeman zu Wort kommen:

„Ich flog zu den Auditions nach Wien. … Ich wurde mit einem musikalischen Leiter weggeschickt, um mit ihm „Kitsch“ zu erlernen, was ich dann noch am selben Tag mit den Noten in der Hand präsentiert habe. Ich kann mich erinnern, dass ich vorm letzten „Kitsch“ so richtig fies gelacht habe, das war wohl infektiös und damit war die Sache wohl entschieden. Ich hatte scheinbar für die Kreativen die richtige Kombination von Kraft, Gewalt-Potential, Aussehen und Stimme…“ (4)

Sylvester Levay verstand es wie kein anderer, das Stück mit seiner Musik zu beseelen. Man meint manchmal sogar, die reale Elisabeth von hören, wenn sie von dem „Kirschbaum“ träumt, auf den sie nicht darf, weil Maman eine Gesellschaft erwarte und ihr Vater die Zither nimmt und aus Possenhofen flüchtet. Die 15jährige Sisi sitzt verlassen am Boden und träumt von „Gedichten schreiben und Reiten mit dem Wind“ und hofft darauf, dass ihr geliebter, von ihr angehimmelter Vater sie mitnimmt.

Uwe Kröger Foto: Alexander Ch. Wulz

Doch Herzog Max hat wie immer kein Einsehen mit seiner Lieblingstochter. Sisi bleibt traurig zurück und muss sich dem strengen Ton ihrer Gouvernante hingeben und sich umziehen gehen…

Michael Kunze tat sicherlich Recht daran, Elisabeth mit dem Tod kokettieren zu lassen. Ihre Todessehnsucht erahnt man schon an ihren frühen Gedichten. Als ihr Schwarm Richard Graf von Schwarzenberg stirbt, schreibt sie Wehklagen in ihr Tagebuch. Hier ist das erste Mal von einer Todessehnsucht zu lesen. Elisabeth war zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt.

Wie sehr sich das verstärkt, sieht man im späteren Verlauf ihres Lebens. Der Tod sollte also ihr Liebhaber sein. Einer der sie versteht, nach dem sie greifen kann, wenn sie ihn braucht, aber ihr niemals zu Nahe kommen darf. Michael Kunze wählte bewusst die Gestalt von Heinrich Heine, um den jungen attraktiven Dichter in Szene zu setzen.

Uwe Kröger, Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Langhaarig, blond, androgyn – so schritt der erste Tod 1992 von der Feile zum Totentanz der Zeitzeugen herab. Niemand geringerer als Uwe Kröger besetzte diese Rolle. Dass er der erste Rusty in Starlight Express war, sollte damals niemanden interessieren. Kröger spielte mit der Rolle, mit dem Publikum und löste einen wahren Hype aus – einen den er sich später – nach dem seine Fans sogar Selbstmorddrohungen ausstießen, als er sich die Haare für die Rolle von Chris für Miss Saigon abschneiden ließ – bitter bereuen sollte.

Der Tod der uns alle im gewissen Sinne begleitet, löst einen Machtkampf mit dem Publikum aus. Folgt man ihm oder kann man sich ihm entziehen? In 25 Jahren waren alle Tod-Darsteller blond oder zumindest brünett. Fast alle langhaarig. Nach Uwe Kröger folgten Paul Kribbe, Addo Kruizinga, Felix Martin, Máté Kamarás, Rob Fowler und natürlich der letzte Tod: Mark Seibert – er ist das momentane Sexsymbol der Musicalwelt.

Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Pia Douwes war die erste Elisabeth. Sie lieh ihr Stimme, Aussehen, Charakter und Eigenschaften, die die wahre Elisabeth zu haben schien. Ihre Darstellung ist bis heute unangefochten mit dieser Rolle verwoben und verbunden.

Viele Elisabeths folgten auf 25 Jahre Welterfolg. Die bekanntesten neben Pia Douwes sind natürlich Maya Hakvoort, Annemieke van Dam und die letzte Roberta Valentini.

Fragt man Musicalfans der ganzen Welt, sind sich diese uneinig, wer nun „DIE“ Elisabeth sei.

Fragt man mich, würde ich uneingeschränkt Maya Hakvoort nennen. Ihre Stimme hat mich von der ersten Minute an gepackt und ließ mich nicht mehr los. Aber auch Roberta Valentinis Darstellung behagt mir sehr.

Sie ist vor allem konstant durchgehend eine Elisabeth, der man jede Station abnimmt. Derselbe „Streit“ entsteht bei den Rollen von Der Tod und Luigi Lucheni. Hier gibt es eigentlich auch nur 2 Antworten für mich: Paul Kribbe war und wird immer „mein“ Tod sein, danach folgt für mich persönlich Mark Seibert. Bei Luigi Lucheni tendiere ich zwischen Bruno Grassini und Kurosch Abbasi, aber auch Serkan Kaya gefiel mir außerordentlich gut. 

Aber was ist nun mit Kaiser Franz Joseph, Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Sophie, Graf Grünne, Kardinal Rauscher, Herzogin Ludovika, Néné usw. Viele von ihnen haben eine Stimme bekommen, ein paar sind nur Nebendarsteller und erscheinen wirklich nur am Rande.

Im Prinzip erstrahlt das Musical mit 3 Hauptdarstellern: Elisabeth, Der Tod, Luigi Lucheni. Der Rest ist in Nebenrollen oder winzigen Sequenzen zu sehen.

Pia Douwes, Foto: Jean-Marie Bottequin

Das Hauptlied des ersten Teils ist mit Sicherheit der Song „Ich gehör nur mir“. Hier bricht Elisabeth aus. Hier zeigt sie, dass sie nicht die Person ist, die sich einsperren, quälen, begaffen und berichtigen lässt, wie es allen anderen am Wiener Hofe passen würde. Allen voran natürlich Erzherzogin Sophie oder auch dem Kaiser, der sich weder gegen seine Frau, noch gegen seine übermächtige Mutter durchsetzen kann.

Der Text von „Ich gehör nur mir“, könnte genauso gut aus der Feder von Kaiserin Elisabeth per se stammen. Man könnte meinen, dem Schreiberduo ist dies aufs Notenblatt diktiert worden.
Egal wer dieses Lied im Stück singt – Gänsehaut ist vorprogrammiert. Dieses Lied ist das Herzstück des ersten Teiles, dass was Elisabeth ausmacht.

Aber auch Lieder wie „Milch“ (1992 noch an anderer Stelle als heute), Kaffeehaus-Szene oder „Nichts nichts gar nichts“ sind bezeichnend für den Weg von Elisabeth.

Der wütende Mob vor der Hofburg, der mit Milchkannen beinahe wie auf die Bastille zustürmt und um „Milch“ schreit, während die Kaiserin darin badet. Bezeichnend für ihren Schönheitskult „Unsre Kais’rin soll sich wiegen,
kämmen, pflegen und erfrischen“.

Was wir alle an Sisi bewundern ist ihre Schönheit, ihr ambivalenter Charakter, ihr exzessives Leben. Das Leben des Volkes aber berücksichtigen wir im Grunde unseres Herzens nicht, wenn wir die Bilder dieser strahlenden Schönheit in den Krinolinenkleidern bewundern. Das Volk hungert, friert und hat kaum das Nötigste, während Sisi in Milch badet, weil das ihrem Teint zu Gute kommt.

Wer jetzt das ungarische Krönungslied „Wenn ich tanzen will“ in der Aufzählung vermisst, wird bitter enttäuscht sein, wenn ich sage, dass dieser Song 1992 noch nicht auf der Welt war.

Uwe Kröger mit Rudolf-Darsteller, Foto: Alexander Ch. Wulz

Erst im späteren Verlauf der Geschichte kommt Kronprinz Rudolf vor. Zuerst als kleiner Junge, der verzweifelt nach seiner Mutter weint. Natürlich ist es „der Tod“ der den Kleinen tröstet, denn Rudolf hat die Melancholie seiner Mutter geerbt.

Im weiteren Verlauf wird im Duett „Wenn ich dein Spiegel wär“ klar, dass die Mutter ihren Sohn weder verstehen will, noch ihn jemals verstanden hat. Ihre Arroganz und Verbitterung gegenüber dem verzweifelnden Sohn wird mit Minute zu Minute klarer.

Bezeichnend ist es natürlich, dass der Tod in Gestalt mit einem verkleideten Todesengel der Mary Vetsera darstellt, auf Rudolf lauert. Der Schuss ist nur der Anfang von einem Ende, das schon lange vorher eingeläutet wurde.

Wenn Elisabeth weinend am Sarg ihres Sohnes, der sich durch die Bühnenkonstruktion langsam in die Erde absenkt, zusammenbricht ist meistens ein Raunen im Publikum zu hören: „Die arme Mutter…“

Die arme Mutter die mit „Rudolf, wo bist du“ ihre letzten Jahre einläutet. Depressiv, einsam, schwarz gekleidet, flieht sie vor ihrem eigenen Ich.

Pia Douwes, Viktor Gernot Foto: Alexander Ch. Wulz

Auf Cap Martin versucht ein alter, gebrochener, wehklagender, zerbrechlich wirkender Kaiser Franz Joseph seine Sisi noch einmal zur Umkehr zu bitten. Das Duett „Zwei Boote in der Nacht“ ist bezeichnend für das letzte Kapitel, für die Verbitterung Elisabeths niemals Verzeihen zu können.

Danach folgt unweigerlich Luigi Lucheni, der nach einem fürchterlichen Alptraum Kaiser Franz Josephs, wo er den Tod Elisabeths vor Augen hat, vom Tod die Feile in die Hand geworfen bekommt und losstürmt.

Bim-bim… die Schiffsglocke. Elisabeth und „der Schleier fällt“. Der Tod hat endlich seine Sisi im Arm, sie gibt sich dem hin, was sie Jahrzehntelang erträumt und sich nicht getraut hat: zu sterben…

Im Grunde ist damit die Geschichte erzählt, auch wenn ich hier natürlich Szenen ausgelassen habe, die unweigerlich dazugehören; aber ich möchte euch ja noch den Triumphzug quer durch die Welt erzählen…

Die komplette Cast der Weltpremiere am 3.9.1992 war:

Darsteller:
Kaiserin Elisabeth                  Pia Douwes
Der  Tod                            Uwe Kröger
Luigi Lucheni                       Ethan Freeman
Kaiser Franz Joseph                 Viktor Gernot
Erzherzogin Sophie                  Else Ludwig
Kronprinz Rudolf                    Andreas Bieber
Kronprinz Rudolf Kind               Markus Neubauer
Herzog Max in Bayern                Wolfgang Pamperl
Herzogin Ludovika/Frau Wolf         Christa Wettstein
Helene von Wittelsbach              Rebecca Rashid
Ludwig Graf Grünne                  Peter Faerber
Kardinal Rauscher                   Dean Welterlin
Felix Fürst zu Schwarzenberg        Harald Hofbauer
Baron Hübner                        Günther Schulz
Baron Kempen                        Eric Minsk
Gräfin Sztáray                      Nicole Sieger
Gräfin Esterhazy-Liechtenstein      Isabella Fritdum
Maximilian von Mexiko               Stanislaus Meus
Mary Vetsera                        Marion Wilmer
Junger Ungarischer Adeliger         Frank Lohmann
Graf Andrássy und Graf Bathyány     Aris Sas
Fanny Feifalik                      Gabriela Kuhn
Eine Hofdame                        Marika Lichter
Eine Gouvernante                    Ina Retzbach
Ein Professor                       Christian Hauser
Fräulein Windisch                   Jasna Ivir
Todesengel                          Michael Bernhard
                                    Steven Bernier
                                    Theresa Bomme 
                                    Daniela Colantuanto

Kreativ Team:
Regie                            Harry Kupfer
Musikalische Leitung             Caspar Richter
Choreographie/Musical Staging    Dennis Callahan
Bühnenbild                       Hans Schavernoch
Kostüme                         Reinhard Heinrich
Lichtgestaltung                  Hans Toelstede
Tongestaltung                   Erich Dorfinger

Nach dem tosenden Applaus des Premierenpublikums der Schock. Die Presse verriss das Stück, Peter Weck und alle Darsteller. In den Feuilletons der Zeitungen stand sowas wie:

„Was für ein Kaiserinnen-Schmarren“ (Presse), die weiter schrieb: „Nichts, aber auch wirklich gar nicht, haben die Autoren unternommen, um der Gefahr der Verkitschung zu entgehen.“

„Munter geht die Sissi unter“, hieß die andere Schlagzeile. „Sie sind aber auch allesamt, die Darsteller von geringem Format (Kurier).

„Was einst vom Hauch der Hohen Kunst umfächelt war, hier brettert Kupfer die gleichen Mittel, nur etwas angeschmuddelt auf die Bühne“ (Der Standard).

„Kunzes Text macht Elisabeth zum Nachtschattengewächs. Ein großer Musicalwurf ist es nicht! (Kronen Zeitung) usw.

Doch was die Kritiker nicht bedachten war das Publikum.

Elisabeth wurde wie kein zweites Musical zuvor und danach geliebt. Einzig „Tanz der Vampire“ kann denselben Erfolg verbuchen, wie Elisabeth 1992.

Aber Tanz der Vampire eröffnete erst am 4.10.1997, mit einem grandiosen Steve Barton, die Pforten.

Peter Weck erzählt:

„Das Medienecho war für die Darsteller natürlich furchtbar deprimierend. Um mein Ensemble zu trösten und zu beruhigen, allen das verdiente Lob auszusprechen, ging ich damals von Garderobe zu Garderobe und habe Künstlerinnen und Künstler aufgebaut und ihnen versichert, dass diese Kritiken nicht gegen sie, sondern einzig und allein gegen mich gerichtet seien. … Der Erfolg beim Publikum aber wog alles auf, und Elisabeth hat letztendlich bewiesen, dass ein „Kaiserinnen-Schmarrn“ kein Schmarrn sein muss.“ (5)

Maya Hakvoort Foto: Alexander Ch. Wulz

Die Saison von Elisabeth dauerte 4 Jahre und wurde bis am 25.4.1998 gespielt. Mozart löste Elisabeth im Elisabeth Jahr ab – zum 100jährigen Todestag von Kaiserin Elisabeth (10.9.1998) ertönte Mozart aus den Mikrophonen der VBW Darsteller.

Ab 1994 übernahm Maya Hakvoort die Rolle der Elisabeth und spielte diese bis zum 25.4.1998. Mit ihr gingen und kamen neue Gesichter. Uwe Kröger spielte noch eine Zeitlang, genauso wie Andi Bieber, Viktor Gernot, aber auch sie wurden durch Paul Kribbe, Thomas Harke oder Leon van Leeuwenberg mit der Zeit ersetzt und auch hier gab es später wieder einen Castwechsel.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Foto: Theater des Westens

Pia Douwes über ihre Rolle:

„Ich war zunächst platt, ich war fertig. Diese Rolle hat mich sehr mitgenommen – aber auch diese Frau. Ich erkenne mich in ihr. Ich verstehe ihre Depressivität, und wie es ist, manchmal überfordert zu sein, mit zu vielen Menschen. Ich verstehe ihre Tierliebe, Liebe zur Natur und zu Sprachen. Ich habe sie so gut verstanden, dass ich sie mit nach Haus genommen habe, und musste erst nach und nach lernen, sie im Theater zu lassen.“ (6)

Über die Rolle zum „Tod“ befragt, die er nachhaltig kreiert hatte, gab Uwe Kröger die Antwort:

„Bei der Erarbeitung der Rolle hat mir sehr geholfen, dass Harry Kupfer eine ganz präzise Vorstellung von dem hatte, was der Tod macht – vor allem in „Der letzte Tanz“. Das ist der Bruch des Surrealen – ein Geist zu sein, für den es sich seltsam anfühlt, menschlich zu sein. Man ist ein Gott des Universums, der unfassbare Gevatter Tod – und doch hat man so etwas wie menschliche Gefühle. Die Figur darf nie eindimensional werden – das war Harry Kupfer ganz wichtig.“ (7)

Ichiro Maki (Tod), Hanafusa Mari (Elisabeth) 1996, Japan, Foto: Takarazuka Revue Theater

Was danach folgte, ist legendär für dieses Stück. Es ging um die Welt.

Seit 16.2.1996 (immer wieder mit Unterbrechungen) spielt Elisabeth in Takarazuka Revue Theater in Takarazuka; also in Japan.

Ungarische Aufführung Foto: RoseDiMontague

Am 17.8.1996 folgte die Aufführung in Ungarn. Die Freilichtbühne Szeged war dabei das Ziel. Ab 6.10.1996 wurde es dann im Operettenhaus Budapest gespielt.

Die schwedische Aufführung fand am 30.9.1999 ihre Premiere. Im Musiktheater i Vármland in Karlstad wurde es dann bis zum 9.1.2000 gezeigt.

Pia Douwes in Scheveningen, Foto: Joop van den Ende Theaterproducties

Auch in Holland hielt das Stück Einzug. Genauer gesagt in Scheveningen im Circustheater wurde es ab 21.11.1999 bis 22.7.2001 gespielt. 1999 übernahm die Rolle niemand geringerer als Pia Douwes.

Am 6.6.2000 war im Imperial Garden Theater in Tokio/Japan die Premiere.

Uwe Kröger und Pia Douwes in Essen, Foto: tansytrading.weebly.com

Deutschland musste bis zu seiner Erstaufführung bis ins Jahr 2003 warten. Essen war das auserkorene Ziel.

Das Colosseum Theater lud ab 22.3.2001 bis 29.6.2003 zum Musical ein. Elisabeth und Der Tod wurden von Pia Douwes und Uwe Kröger dargestellt.

Zum 10. Jahrestag des Stückes, lud man die illustren Gäste ins Wiener Konzerthaus. Das Konzert fand am 21.10.2002 statt. Besetzung waren u.a. Pia Doues, Maya Hakvoort, Uwe Kröger, Felix Martin, Ethan Freemann, Thomas Borchert, Viktor Gernot, Else Ludwig, Andi Bieber und Wolfgang Pampel. Viktor Gernot schlüpfte zum definitiv letzten Mal in die Uniformsjacke. Er verließ bereits 1997 das Genre Musical, um ab diesem Zeitpunkt mit den Hektikern Karriere zu machen. Mittlerweile ist er ein gefeierter Comedian und Solokünstler.

Maya Hakvoort und Maté Kamarás, Foto: VBW

Ab 6.10.2003 bis 4.12.2005 kam Elisabeth wieder zurück nach Wien. Maya Hakvoort übernahm erneut die Elisabeth. Máté Kamarás wurde Der Tod und Serkan Kaya Luigi Lucheni.

André Bauer, Maté Kamarás, Maya Hakvoort, Foto: Alexander Ch. Wulz

Maya Hakvoort über die Rolle ihres Lebens: „Ich wollte so nah wie möglich an das Original herankommen. Ich wollte zeigen, wer Elisabeth wirklich war. Um das auf der Bühne glaubhaft zu vermitteln, habe ich wahnsinnig viel über sie gelesen und bin an viele Orte, an, welchen sie auch war, gereist. Ich war auf Korfu, Madeira, natürlich in Bad Ischl und Wien. Aber auch im Schloss Gödöllö in Ungarn und auch sonst bin ich viel durch Ungarn gereist, da ich wusste, wie viel Elisabeth dieses Land bedeutete.“ (8)

Maya Hakvoort vor dem Schloss Miramare in Triest, Foto: Rolf Bock

2x gastierte Elisabeth in Triest im Schloss Miramare. Vom 21.7. – 27.7.2004 und vom 31.7. – 6.8.2005. Beide Male begrüßte Maya Hakvoort ihr Publikum. Ihr zur Seite standen Thomas Borchert als Der Tod und Bruno Grassini als Luigi Lucheni.

Nach Deutschland kehrte es am 6.3.2005 zurück. Im Apollo Theater in Stuttgart gastierte es bis zum 17.9.2006. Nur einige Gastvorstellungen wurden von Pia Douwes gespielt.

Thérèse Karlsson, Tomi Metsäketo. Foto: Turun kaupunginteatteri, Robert Seger

Auch das finnische Publikum durfte sich über unsere Kaiserin Elisabeth freuen. Vom 23.9.2005 bis 30.12.2006 wurde es in Turku im Turun Kaupunginteatteri gespielt.

Die Schweizer Fangemeinde freute sich über Elisabeth in Thun bei den Thuner-Seespielen. Es gastierte vom 19.7. bis 30.8.2006 auf der wunderschönen Seebühne.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Berlin Foto: Theater des Westens

Uwe Kröger und Pia Douwes kehrten als Der Tod und Elisabeth nach Berlin auf die Bühne zurück. Vom 20.4. bis 27.9.2008 feierten sie im Theater des Westens furiose Erfolge.

Annemieke van Dam, Foto: VBW

Annemieke van Dam übernahm erstmalig die Rolle bei der großen Europatournee, die sie vom 17.10.2008 bis 25.4.2010 durch Zürich, Antwerpen, München, Frankfurt, Bremen, Bregenz und Düsseldorf führen sollte. Der Tod wurde Oliver Arno, aber auch Uwe Kröger übernahm immer wieder Gastauftritte.

Die zweite Europatournee wurde am 11.10.2011 gestartet und lief bis zum 6.5.2012. Die Städte waren: Köln, Frankfurt, München, Basel, Essen, Bremen, Chemnitz, Erfurt, Leipzig, Dresden, Triest.

Annemieke van Dam übernahm wieder die Elisabeth und Der Tod wurde niemand geringerer als Mark Seibert. Man kann sagen: Er kam – sang – und siegte. Nach Uwe Kröger sollte kein weiterer Tod diesen Hype miterleben, wie Mark Seibert. Seine weitere Karriere ist bis heute grenzenlos: Mozart, Schikaneder, Tanz der Vampire – um nur einige Stationen zu nennen.

Mark Seibert Foto: Herbert Schulze

Mark Seibert über die Rolle: „In einem Musical sind die Rollen in gewisser Weise wie ein Korsett vorgegeben. Man hat die Texte, die Songs und auch das „Staging“ – also die Form, wie ein Darsteller in der Szene agieren muss. Die technischen Abläufe sind im Musical sehr klar festgelegt, und diese Vorgaben bieten nicht sehr viel Freiraum. Doch bei der Interpretation einer Rolle wird einem immer ein gewisser Spielraum eingeräumt, innerhalb dessen man agieren und sich entfalten kann. So durfte ich die Rolle des Todes trotzdem mit meiner eigenen Note versehen und sie zu der meinen machen.“ (9)

Und wer glaubt, dass dieser Triumphzug schon alles war, irrt.

Korea Foto: SCE.PLAY.ssongbs

Selbst Korea war im Elisabeth Fieber. Vom 9.2. bis 13.5.2012, 26.7. bis 7.9.2013 und 14.9. bis 20.10.2013 wurde es an verschiedenen Theatern und Orten aufgeführt. Mit dabei Seoul, Busan, Daegu, Gwangju und Changwon.

Daniela Ziegler, Annemieke van Dam, Foto: barbara2446

Die 20jährige Jubliäumsproduktion wurde wieder in Wien – diesmal im Raimundtheater – eingeläutet. Vom 5.9.2012 bis 1.2.2014 durfte das Publikum wieder „ihre“ Elisabeth in Wien sehen. Cast war niemand anderer als Annemieke van Dam als Elisabeth, Der Tod Mark Seibert und als Luigi Lucheni war erstmals Kurosch Abbasi in Wien zu sehen. Hier gab es eine ganz besondere Erzherzogin Sophie zu hören.

Niemand geringerer als die Grand Dame des Schauspiels und Gesangs Daniela Ziegler – „die“ Norma Desmond aus Sunset Boulevard – übernahm diesen Part.

Roberta Valentini, Maximilian Mann in Shanghai/China, Foto: Liza Makepise
Plakat zum Konzert in Osaka mit Maya Hakvoort, 2012, Foto: kultur-channel.at

Aber auch Osaka/Japan durfte sich über ein 20jähriges Jubiläumskonzert freuen. Vom 15.10. bis 22.10.2012 und vom 26.10. bis 31.10.2012 gastierte es erneut in Japan. Mit dabei waren Maya Hakvoort, Máté Kamarás, Lukas Perman, Bruno Grassini, André Bauer usw. 

Als es endlich nach China kam, war der Aufschrei in der Presse riesengroß. Niemals zuvor hat es ein Stück der VBW nach China geschafft. Vom 12.12.2014 bis 11.1.2015 gastierte in Shanghai Elisabeth. Und hier treffen wir auf die vorletzt letzte Elisabeth: Roberta Valentini. „Ihr“ Tod war natürlich Mark Seibert, Luigi Lucheni Kurosch Abbasi.

Roberta Valentini Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Roberta Valentini über Elisabeth: „Sie ist eine starke, selbstbewusste und liebende Frau. Viele sagen, dass sie egoistisch sei, was sicher auch in gewisser Weise stimmt. Aber sie ist auch eine einfühlsame und liebende Frau. Diese Balance zu spielen ist schwer und gleichzeitig auch das Reizvolle daran.“ (10)

Mit dieser Besetzung ging die 3te und vorläufig letzte Europatournee los. Vom 25.2.2015 bis 14.2.2016 führte die Tournee nach Essen, München, Linz, Frankfurt und Berlin

Und wer Elisabeth jemals gesehen hat, wird wissen, dass dies nicht die letzte Aufführung gewesen sein wird.

Auch wenn sich das Stück im Laufe der Zeit verändert hat, Lieder hinzugeschrieben, Szenen verschwanden oder umgeändert oder neu platziert wurden, so ist dieses Musical etwas ganz besonderes. Auch, wenn mir persönlich nicht alle Änderungen gefallen und ich so manch Kostüm scheußlich finde – der Charakter ist geblieben. Aber 1992, ja 1992 war etwas ganz besonderes. Und wer dabei war, wird jetzt ein kleines Lächeln auf den Lippen haben… 

Zum Schluss möchte ich noch Sylvester Levay zu Wort kommen lassen, der sicherlich am meisten geprägt wurde. Seine Frau Monika Levay ist eine anerkannte Expertin und Sammlerin. Ihre Original Exponate waren schon oftmals in mehreren Ausstellungen zu sehen; oft wird sie zu Expertisen rund um Kaiserin Elisabeth herangezogen. Sylvester Levay kann Kaiserin Elisabeth gar nicht entfliehen – immerhin bewohnt er einen Teil im Schloss Schönbrunn und hat sie somit täglich vor Augen.

„Wir wollten kein Musical, wie es auch wunderbare Stücke am Broadway gibt, schreiben, in denen Lieder von kurzen Texten, in denen die Geschichte erzählt wird, unterteilt werden. Bei uns sollten nur die wichtigsten, kurze Sätze in der Stille wirken, sonst wollten wir immer eine Untermalung, damit die emotioniale Bedeutung und Tiefe der gesprochen Worte durch die Musik noch besser vermittelt wird.“ (11)

Sylvester Levay Foto:  ooe.orf.at

Und das können wir so stehen lassen…

Bleibt nur noch eines, was es zu sagen gibt:

Wir Zuseher müssen auch mal DANKE sagen:

DANKE LIEBER MICHAEL KUNZE, SYLVESTER LEVAY, PETER WECK, HARRY KUPFER, PIA DOUWES, UWE KRÖGER, ETHAN FREEMANN, MAYA HAKVOORT, MÁTÉ KAMARÁS, ROBERTA VALENTINI, MARK SEIBERT UND ALLE ANDEREN

(WER NICHT AUFGEZÄHLT WURDE, SOLL SICH BITTE NICHT BENACHTEILIGT FÜHLEN).


Danke für die wunderbaren Theaterstunden. Wir freuen uns bis zur nächsten Aufführung, wenn es wieder heißt:

Alle tanzten mit dem Tod,

doch niemand wie …

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 

– Petra –


Rechtliche Hinweise: 

Text: Petra 
Bildrechte: ooe.orf.at, La Belle/Juliane Bischoff, Liza Makepise, barbara2446, SCE.PLAY.ssongbs, VBW, Thuner Festspiele, Theater des Westens, Robert Seger, Rolf Bock, Alexander Ch. Wulz, tansytrading.weebly.com, tansytrading.weebly.com, Joop van den Ende Theaterproductions, Jean-Marie Bottequin, Amazon.de, angelofthemusical, APA (Privat), lewin-management.de, Takarazuka Revue Theater, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise: 

1 – S 299/300, 5 – S 303
Peter Weck
War’s das?
Amalthea 2010, 1. Auflage

2 – S 4, 3 – S 10, 4 – S 35, 6 – S 21, 7 – 27, 8- 99, 9 – S 171, 11 – S 8
Blickpunkt Musical
Elisabeth

10 – S 7
Blickpunkt Musical
Elisabeth – Shanghai & Europa Tournee 2015/16

Verlobung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 4)

Elisabeth Herzogin in Bayern als Verlobte
dahinter der Starnbergersee
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht?

Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen.

Das die Sissi Filme an den Haaren herbeigezogen sind, erwähne ich beinahe in jedem Beitrag.

Dass aber gerade die Kennenlernszene und alles weitere bis zur Verlobung, nichts als der reine Kitsch und eine hübsche Mär ist, um den von krisengebeutelten Land ein bisschen Idylle einzuhauchen, möchte ich heute gerne erzählen.

Denn leider sind die Filme bis heute zu viel in den Köpfen der – vor allem Frauenwelt – verankert, die diese glauben und für die volle Realität halten.

Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag Seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene Herzogin in Bayern

Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene „Néné“ Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890).

Kürzlich hat ein Ludovika Biograph gemeint herausgefunden zu haben, dass die Geschichte mit Néné gar nicht stimme. Es soll immer schon Elisabeth gewesen sein, die für Franz Joseph bestimmt gewesen sei und alle Historiker würden sich irren. Ähhh….

Ich vermag mir den Seitenhieb nicht verwehren, dass auch Historiker irren können, oft genug habe ich dies in meinen Beiträgen schon bewiesen und auch jetzt muss ich wieder etwas richtigstellen.

Manches Mal wird über das Ziel hinaus geschossen und Papier ist bekanntlich geduldig und so mancher Lektor leider nicht imstande das Gelesene zu verbessern.

Denn schon Egon C. Conte Corti (+2.4.1866, 17.9.1953) hat 1934 die Story in seiner sehr gut recherchierten Biographie „Elisabeth, eine seltsame Frau“, welche damals noch mit lebenden Augenzeugen gespickt war, aufgegriffen und erzählt.

Er bekam als Einziger Einsicht in mitterweile längst verschwundene, verbrannte oder absichtlich zerstörte Unterlagen und so stützen sich Historiker aus aller Welt bis heute auf seine Bücher.

Vor Conte Cortis Biographie gab es kleinere Bücher oder Broschüren welche im Auftrag von Kaiser Franz Joseph direkt nach dem Tode seiner geliebten „Engels-Sisi“ nur intern für seine Familie und als Erinnerung für die Offiziere veröffentlicht wurden.

Tief vergraben in so mancher Bibliothek kann man sie finden und ich habe sie gefunden. Auch hierin ist zu lesen, dass nicht Elisabeth die erste Wahl war, sondern Néné Kaiserin werden sollte.

Foto: Wikimedia/Commons
Sidonie Prinzessin von Sachsen

Doch dem Kaiser gefiel sie nicht, wie zuvor schon die arme Sidonie von Sachsen (*16.8.1834, 1.3.1862), die als Jungfrau sterben musste, weil sie Franz Joseph nicht schön genug war.

Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers. 

Der Bericht zu Franz Josef und seine Frauen kann hier nachgelesen werden. Natürlich war Helene in Bayern nicht die schönste Tochter von Ludovika, dies kann auf den Bildern von ihr sogar heute noch gesehen werden. In vielen Biografien ist sogar zu lesen, dass sie wie eine Bauernmagd ausgesehen hat, sie geschielt habe und generell grobschlächtig war.

Auf Seite 434 der Ludovika Biografie listet der Autor Fehler von Autoren auf, die in weiterer Folge auch von anderen Historikern übernommen wurden.

Nun gut, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, denn er selbst schreibt, dass die Verlobung am 19.8.1853 stattgefunden habe.

Ich finde es generell schade, wenn ein Historiker, andere verheizt und er selbst greift immer wieder Autorin Praschl-Bichler an, nimmt sich aber nun heraus, diese in seinem Ludovika-Buch immer und immer wieder zu zitieren. In seinem Kapitel „4 Tage in August“ geht es nur darum, Hamann, Conte Corti, Haslinger, Praschl-Bichler, Graf usw. mit seiner These, dass Helene nie für Franz Joseph vorgesehen war, anzugreifen.

Mir liegt das Buch der Grazer Universitätsbiblithek vor und zu Recht bin ich wohl die Erste, die das Buch in Händen hält, denn es ist völlig ungebraucht und ungelesen. Mittlerweile ist das Buch auch nicht mehr erhältlich am Markt. Manches regelt sich von allein.

Nun aber zurück zur Verlobung und zu den Historikern, denen ich nahezu ungeschaut vertraue und die heißen nun einmal: Graf, Schweiggert, Hamann (auch wenn sie Fehler gemacht hat), Conte Corti und Unterweger (noch vor ihrem Luzi-Wuzi Desaster).

Sophie suchte also fieberhaft in ihren eigenen Reihen eine geeignete Braut und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war.

„Die Mutter hat ihn ganz in der Hand, er wird ihr völlig gehorchen. Wer weiß, wie lange noch. Jetzt wird er vielleicht ohne Widerspruch die Braut annehmen, die sie, Sophie, für ihn ausgesucht hat. Schon längst hat sie mit ihrer Schwester in München den Plan besprochen, deren älteste Tochter Néné mit ihrem Sohne Franz Joseph zu vermählen. Das Projekt einer Verbindung mit der schönen und klugen Tochter des Palatins Joseph von Ungarn findet nicht ihrer Billigung.“ (1a) (Anmerkung Petra: gemeint war Erzherzogin Elisabeth Franziska; die Geschichte dazu, könnte ihr hier nachlesen).

Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth, in der Familie liebevoll „Sisi“ genannt mit, welche ihr gerade schwere Sorgen bereitete.

Sie hatte sich unstandesgemäß in Richard Graf von Schwarzenberg verliebt, welcher ihr den Kopf gehörig verdreht hatte.

Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Elisabeths Umfeld entfernt. Er wurde zum Militär geschickt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später.

Elisabeth war untröstlich.

Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen -
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (1)
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Elisabeth als 14jährige; das Erste bekannte Foto von ihr

Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie.

Zeit ihres Lebens sollte sie ihren Jugendfreund, der nie näher deklariert wurde, vergessen.

Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte.

Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, 19.5.1896) die Wunden heilen könne.

Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus.

Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Elisabeth ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab. 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Ludovika Königin von Preußen und Firmpatin Elisabeths

Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Ischl.

Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester.

Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter,

Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura (= in Abwesenheit) Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie).

Sie folgte am 13.8.1853 nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Victor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.

Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an.

Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen.

Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen.

Das Unglück nahm seinen Lauf.

Foto: Wikimedia/Commons
Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum

Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten.

Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht.

Sophie schrieb ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen:

„Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“  (2)

Néné wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in

Foto(montage): W. Hain
Souvenir des Verlobungspaares (Der Kaiser wurde größer gemacht).

Sisi.

Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Elisabeth verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest: 

„In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3) 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte
Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853
Elisabeth ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.

Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch:

„Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)

Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern.

Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte

Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah.

Herzogin Elisabeth trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi.

Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern.

Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu:

„Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)

Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Elisabeth bat, wussten alle im Raum Bescheid.

Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.

Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Elisabeth nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde.

Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser

„sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)

Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz:

„Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.

Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Herzogin Elisabeth verlobt hatte. 

Der kleine Ort war außer Rand und Band.

Foto: Wikimedia/Commons
Siriuskogel

Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E.

Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren.

Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Herzogin Elisabeth war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schrieb sie:

„Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)

Ludovika notierte:

„Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)

Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes
Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes

Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ.

Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten.

Elisabeth war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.

Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.

Foto: Wikimedia/Commons
Karl Ludwig Graf von Grünne

Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte.

So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar.

Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.

Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute ein Museum).

Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.

In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen.

So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiservilla

Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen.

Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn.

Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.

Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.

Elisabeth wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet.

Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org

Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben.

Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at

Elisabeth verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete. Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.

Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch:

„Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.

Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Elisabeth auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt:

„Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10) 

Foto: fuenfseenland.de
Das junge Paar

Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Sisis Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen.

Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen.

Sie ließ Sisi Eisenpräperate zukommen, die diese einzunehmen hatte. Diese jedoch färbten die Zähne unweigerlich schwarz. 

Elisabeth litt darauf hin ein Leben lang unter ihren schlechten Zähnen, weshalb sie den Mund beim sprechen nie ganz aufmachte und niemals lächelte. 

Weiters wurde an Elisabeth herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus.

Sie musste stundenlang Modell stehen, ihr war langweilig und sie wurde unruhig. Der teure Schmuck, der aus Wien eintraf, wurde in die Schublade verstaut, einzig der Papagei von Kaiser Franz Joseph, der ihr nach Bayern geschickt wurde, bereitete ihr Freude.

Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:

Lebet wohl, ihr stillen Räume,
Lebe wohl, du altes Schloß,
Und ihr ersten Liebesträume,
ruht so sanft in Seesschoß.
Lebet wohl, ihr kahlen Bäume,
Und ihr Sträucher, klein und groß,
Treibt ihr wieder frische Keime,
Bin ich weit von diesem Schoß. (12)

Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte 1,5 Tage.

Bei einem dieser Besuche, überreichte ihm Sisi ihr Verlobungsgeschenk. Stolz und hoch zu Roß, im Hintergrund Schloss Possenhofen,

die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer.

60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valerie übergab. 

Foto: dorotheum.com
Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert.
Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty

Beim selben Besuch, brachte Kaiser Franz Joseph mitten im Winter ein Bukett aus weißen Rosen mit – ein ungeheurer Aufwand für die damalige Zeit!

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel,

Elisabeths Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen.

Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877):

„Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13) Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung. 

Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Elisabeths Schmuck und Aussehen.

Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten. 

In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet. 

Als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte ganz Wien. Die Geschichte zur Hochzeit, kann hier nachgelesen werden. 

Petra –


Rechtliche Hinweise:

Text: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, dorotheum.com, fuenfseenland.de, anno.onb.ac.at, oocities.org, Peter Füssl, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra , W. Hain,


Literatur Hinweise: 

1a – S 23
E.C.Conte Corti
Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heyne Verlag, 15. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

1 – S 30, 2 – S 31, 3 – 4 – S 32, 5 – S 34, 6 – 7 – S 35, 8 – S 38, 9 – S 37, 11 – S 47, 12 – S 48, 13 – S 52 
Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992

10 – S 153 
Ingrid Haslinger 
Erzherzogin Sophie Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 1. Auflage, 2016 


Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Herzogin Sophie von Hohenberg

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Relief Franz Ferdinand Museum – Schloss Artstetten „Franz Ferdinand und Sophie“

Ein kleines persönliches Vorwort:

Bevor wir uns Franz Ferdinand und seiner Sophie widmen, möchte ich ein persönliches Wort an euch richten: Schloss Artstetten begleitet mich schon mein halbes Leben. 1983 wurde es als Museum eröffnet und ich glaube, seit dieser Zeit kenne ich es. Ich habe mich nie viel um Franz Ferdinands Geschichte gekümmert. Mir ging es immer um das Gebäude und die schöne Umgebung. Gerade Maria Taferl ist mir im Laufe meiner Kindheit sehr ans Herz gewachsen. Kürzlich durfte ich dort den wunderschönen Vespermantel – einen Teil von Elisabeths Hochzeitskleid – besichtigen. Mein Beitrag dazu ist hier.

Meine Recherchen über Kaiserin Elisabeth, ihr Leben, ihre Begleiter, ihre Familie sind sehr umfangreich und da ich keine Historikerin bin, sind meine Mittel auch begrenzt.

Vor allem die korrekten Daten verlangen mir oft alles ab. Trotzdem versuche ich den Personen rund um, und auch Kaiserin Elisabeth selbst, ein Leben einzuhauchen.

Als mich meine Recherchen wieder ins Schloss Artstetten führten, lernte ich einen Franz Ferdinand kennen, der mir bislang fremd geblieben ist. Zum ersten Mal, nahm ich die Person, den Menschen, den Vater wahr.

Ja, mir wurde sogar bewusst, dass nicht nur Franz Ferdinand sein Leben verlor, sondern auch seine Frau, und 3 Kinder zu Vollwaisen wurden.


Dieses Bewusstsein wurde noch verstärkt durch das Buch seiner Urenkelin Fürstin Anita von Hohenberg.

In diesem Sinne habe ich mir diesen Beitrag nicht leicht gemacht und ich hoffe, dass es mir gelungen ist, die Menschen hinter dieser Tragödie zu zeigen. Franz Ferdinand und Sophie sind mir ans Herz gewachsen.

Eure

Petra
Foto: zeno.org

Die Geschichte einer Tragödie, welche sich am 28.6.1914 abspielte.

Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Fürstin Sophie von Hohenberg wurden in Sarajevo erschossen.

Dieses Attentat löste den 1. Weltkrieg aus, der genau einen Monat (28.7.1914) später durch die Kriegserklärung Österreichs-Ungarn an Serbien beginnen sollte.

Ich werde nicht den Versuch unternehmen und die politische Situation dieser Tat hervorzuheben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen. Danke!

Franz Ferdinand Carl Ludwig Joseph Maria von Österreich-Este wurde am 18.12.1863 in Graz geboren.

Er war der erste Sohn von Erzherzog Karl Ludwig (*30.7.1833, †19.5.1896) und dessen zweiter Ehefrau Maria Annunziata von Neapel-Sizilien (*24.3.1843, †4.5.1871). Erzherzog Karl Ludwig war der Bruder von Kaiser Franz Joseph. Er war somit der Neffe von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth.

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin), Fotos: Wikimedia/Commons 
Foto: Wikimedia/Commons
Maria Annunziata von Neapel-Sizilien

Seine Mutter ließ ihre Kinder nicht an sich heran, da sie an Lungentuberkulose erkrankt war und glaubte, dass sie ihre Kinder anstecken würde, wenn sie diese berühren würde.

In seinen ersten Lebensjahren erfuhren weder Franzi, wie er Zeit seines Lebens genannt wurde, (er wurde erst zu „Franz Ferdinand“ als er Thronfolger wurde), noch seine Geschwister Liebkosungen seitens der Mutter.

Foto: habsburg.net
Erzherzog Karl Ludwig Joseph Maria von Österreich, Lithographie Josef Kriehuber 1862

Als Karl Ludwig am 4.5.1871 erneut Witwer wurde war er 38 Jahre alt und stand mit 4 kleinen Kindern alleine da. Franzi war 8 Jahre alt, Otto 6, Ferdinand Karl 2,5 und die kleine Margarete Sophie knapp 1 Jahr alt, als sie zu Halbwaisen wurden.

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Karl Ludwigs Aufgabe war es nun, eine geeignete Frau an seiner Seite zu finden, die ihm helfen konnte, die Kinderschar aufzuziehen.

In Infantin Marie Therese von Braganza (*24.8.1855, †12.4.1944) wurde sie gefunden. Marie Therese war knapp 18 Jahre alt, als sie den knapp 40jährigen Witwer Karl Ludwig am 23.7.1873 in Schloss Heubach ehelichte.

Diese Ehe sollte sich aber für alle als Glücksfall herausstellen. Die unglaublich interessante Biografie zu Marie Therese kann hier nachgelesen werden. 

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese mit ihren zwei Stiefkindern Ferdinand Karl und Margarete Sophie

Marie Therese wurde den Kleinen nicht nur eine gute und liebevolle Mutter, sondern sie schenkte zwei weiteren Mädchen Maria Annunziata (*13.7.1876, †8.4.1961) und Elisabeth Amalie Eugenia (*7.7.1878, †13.3.1960) ihr Leben und bevorzugte keines der Kinder.

Sie behandelte alle gleich und wurde eine Ehefrau, wie es sich so mancher Habsburger wahrscheinlich gewünscht hätte. Egal ob als Stiefmutter zu den Halbwaisen oder als Mutter zu ihren eigenen Töchtern. Sie war Mama aus vollem Herzen und Leidenschaft.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Maria Annunziata „Miana“, Stiefschwester

Karl Ludwig war dankbar und ein liebevoller und aufopfernder Ehemann, der trotz allem seine Pflichten als Erzherzog des Hauses Habsburg nicht versäumte.

Er war Statthalter von Tirol, Lemberg und Gallizien. Er förderte das Gewerbe und Wissenschaft, sowie die Kunst. In dieser Funktion war er häufig unterwegs und vertrat seinen Bruder bei Ausstellungseröffnungen und öffentliche Auftritte. Trotzdem nahm er sich immer wieder Zeit für die Kinder, nahm am Unterricht teil oder war einfach für seine Kinder da.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten

Franzi und seine Geschwister wuchsen sehr liebevoll, aber streng auf.

Der Tagesplan war straff. Deutsch, Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion, Zeichnen, Musik, Turnen, Englisch, Latein, Französisch, Tschechisch, Ungarisch und „Terrain-Aufnahme“ (eine Art von Geometer Unterricht) mussten er und sein Bruder Otto über sich ergehen lassen.


Das zerrte an den Nerven, denn der Tagesplan begann um 7.00 Uhr (manchmal 7.30 Uhr) und endete um 20.00 Uhr.
Kurze Essenspausen inbegriffen. Dieser Unterricht wurde von Montag bis Samstag angeordnet.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten – Franz Ferdinand Museum

Franz mochte die Lernerei überhaupt nicht. Er war ein eher verschlossenes, zurückhaltendes Kind, während Otto damals schon der Rabauke war, der oft Streiche spielte und einfach sein Leben als Kind schon in vollen Zügen genoss.

Durch diese Streiche, war er aber leider auch etwas beliebter als Franzi, der einfach zu ernst für sein Alter war.

Foto: Franz Ferdinand Museum
Schloss Artstetten
Franz, Otto, Ferdinand (v.l.n.r.)

Gleichzeitig wurde das Schloss vergrößert und modernisiert; zB wurde ein Badezimmer eingebaut. Eine kleine Sensation für die damalige Zeit.

Auch in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax wurden die Sommer verbracht.

Die Kinder wuchsen in den Sommermonaten auf Schloss Artstetten auf, das Vater Karl Ludwig großzügig umbauen ließ.

So wurde ein Swimmingpool gebaut (der gleichzeitig als Löschteich diente), der Garten wurde nicht nur angelegt, sondern auch gleichzeitig vergrößert.

Foto: oesta.gv.at
Kronprinz Rudolf als Jugendlicher

Dort lernte Franzi auch das Jagen, was zu einer lebenslangen Passion wurde.

Bereits mit 9 Jahren konnte er erste Jagderfolge verbuchen, wozu ihm sein Cousin Kronprinz Rudolf auch gratulierte:

„Dein lieber Brief freute mich sehr, und Papa hat mich beauftragt, Dir vielmals für deine guten Wünsche zum Namenstage zu danken. Ich gratuliere Dir vielmals zu Deinem ersten Wild, ich kann mir denken, wie es dich gefreut hat. … Ich bleibe Dein Dich liebender Rudolf.“ (1)

Rudolf war für Franz wie ein großer Bruder. Die Beziehung von den beiden kann als äußerst innig betrachtet werden.

Franz traf es hart, als sich sein Cousin in Mayerling das Leben nahm und sich dadurch auch sein ruhiges Leben schlagartig ändern sollte.

Auch zu seiner Tante Sisi, Kaiserin Elisabeth war das Verhältnis äußerst entspannt und liebevoll. Elisabeth intervenierte später öfter bei Kaiser Franz Joseph, als sich Franz unstandesgemäß verliebte. Aber ich greife vor.

Foto: comune.modena.it
Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este, Portrait von Luigi Manzani zw. 1845-1850

Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este (*1.6.1819 Modena, †20.11.1875 Wien) starb am 20.11.1875 in Wien und vererbte Franz Ferdinand unter der Bedingung seinen Namen „Este“ weiterzuführen, sein gesamtes Vermögen. Franz Ferdinand nannte sich ab sofort Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este.

Ab April 1878 begann für Franz der Ernst des Lebens, denn er trat in den Militärdienst ein. Bereits mit 15 Jahren wurde ihm von Onkel Franz Joseph der Orden des „Goldenen Vlies“ verliehen, den er mit Stolz trug.

Foto: habsburger.net
Das Goldene Vlies

Seine militärische Ausbildung brachte den mittlerweile 20jährigen Franz nach Enns. Damals und heute eine Kleinstadt, jedoch insofern bedeutend, da sie die erste Stadt Österreichs war.

Mit Enns wurde Österreich also begründet und damals wie heute, ist hier die Offiziersausbildung des Landes untergebracht. Franz gefiel der ruhige Ort gar nicht und er fand immer wieder Ausreden um nach Wien fahren zu können. Er liebte Hofbälle und ging gerne ins Theater.

Kaiser Franz Joseph kamen natürlich die Verfehlungen seines Neffen zu Ohren. Dafür sorgte schon Erzherzog Albrecht Friedrich Rudolf von Österreich-Teschen (*3.8.1917, †18.2.1895), der für die Ausbildung des Neffen zuständig war.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Denkmalrelief für Erzherzog Franz Ferdinand
an seine Militärzeit in Enns

Onkel Albrecht war ein äußerst strenger Mann, der nur für das Militär bestimmt war. Mit ihm hatte Franz, der nichts anderes wollte als ein bisschen „Freiheit“, seine liebe Not.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Albrecht von Österreich-Teschen „die graue Eminenz“ genannt; ca. 1880

Als Franz auch noch um längeren Urlaub bat, weil er eine Weltreise plante, wurde er von Kronprinz Rudolf gewarnt:

„Lieber Franzi! Ich halte es für meine Pflicht, Dich als Freund aufmerksam zu machen, dass sich hier eine Agitation in hohen militärischen Kreisen leider der von Allerhöchsten, geltend macht, sich gegen deine zu vielen Urlaube und Dein zu häufiges nach Wien kommen, richten.  … ich kann Dir nur raten, vorsichtig zu sein. Der Kaiser ist ziemlich ungehalten.“ (2)

Franz fügte sich und nahm seine Pflichten wieder auf.

Er wurde Rittmeister, Major, Oberstleutnant, Oberst und am 28.10.1892 schließlich Generalmajor.

Er war 29 Jahre alt und seit 3 Jahren der Thronfolger von Österreich-Ungarn.

Foto: Wikimedia/Commons
SMS „Kaiserin Elisabeth“

Am 15.12.1892 ging der Wunsch einer Weltreise dann doch noch in Erfüllung.

Mit dem Torpedo-Rammkreuzer „Kaiserin Elisabeth“ fuhr Franz Ferdinand mit einer ordentlichen Besatzung von Triest, über den Suezkanal nach Ceylon und Bombay, danach zu Fuß bis zum Himalaya, weiter nach Kalkutta, Singapur, Sunda-Inseln, Java, Australien, Neukaledonien, Solomon-Inseln, Borneo, zurück nach Singapur, Hongkong weiter nach Japan.

In Yokohama wechselte er von der „Kaiserin Elisabeth“ auf den Dampfer „Empress of China“, um Kanada, Nordamerika und schließlich die Vereinigten Staaten (Chicago, New York) zu erreichen.

Von dort ging es zurück nach Le Havre, Paris, Stuttgart und schließlich nach Wien. Er war insgesamt 10 Monate unterwegs.

Franz Ferdinand entwickelte eine Leidenschaft für Sammeln verschiedener Gegenstände und brachte allerlei Urlaubssouvenirs von seiner Reise mit.

Ein Teil ist im Schloss Artstetten ausgestellt, ein Teil im Schloss Konopischt in Tschechien und der Großteil im Naturhistorisches Museum in Wien.

Foto: Wikimedia/Commons
MS Empress auf China

Kurz nach der Reise ereilte ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Er wurde schwer krank.

Seine Mutter hatte ihm die Lungentuberkulose vererbt, die ihn mit voller Wucht treffen sollte.

1893 und 1894 nahm die Krankheit sein Leben noch nicht voll in Besitz, allerdings schränkte sie ihn gehörig ein.

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie Gräfin von Chotek

Vermutlich war es 1894 auf einer Soiree in Prag, die sein weiteres Leben bestimmen sollte.

Er lernte Hofdame Sophie Gräfin von Chotek kennen.

Zu seinem ihn begleiteten Arzt Dr. Victor Eisenmenger sagte er später:

Wenn unsereiner jemand gern hat, findet sich immer im Stammbaum irgendeine Kleinigkeit, die die Ehe verbietet, und so kommt es, dass bei uns immer Mann und Frau zwanzigmal miteinander verwandt sind. Das Resultat ist, dass von den Kindern die Hälfte Trottel und Epileptiker sind.“ (2a)

Ab 1895 schien die Krankheit so weit fortgeschritten, dass eine Heilung aussichtslos schien.

Endlich informierte man auch Kaiser Franz Joseph vom schlechten Zustand seines Neffen. Er schrieb ihm einen rührenden Brief:

„Lieber Franz! Dein Brief vom 30. Juli, für welchen ich innigst danke, hat mich recht schmerzlich berührt. Ich wusste gar nicht, dass Du schon längere Zeit erkrankt seiest und erst durch Franz, der dich auf der Eisenbahn begegnet hatte, erfuhr ich Deinen leidenden Zustand. Ich muss Dich dringend aufmerksam machen, dass es Deine heiligste Pflicht ist, jetzt nur für Deine Gesundheit zu leben. … Du musst baldmöglichst an einen stillen Gebirgsort ziehen, dort ganz ruhig bleiben. … Ich hoffe, dass Du auch ein wenig mir zulieb geduldig und ausdauernd sein wirst, wenn es auch recht langweilig sein wird. In treuer Freundschaft Dein Dich innigst liebender Onkel Franz Joseph.“ (3)

Foto: Wikimedia/Commons
Dr. Viktor Eisenmenger

Seinen gesamten Krankheitsverlauf hier zu beschreiben, würde unsere Möglichkeit sprengen, jedoch musste er monatelang auf vieles Verzichten und wurde von Ort zu Ort geschickt, um ihm Ruhe zu vergönnen.

Foto: JosefNovak33
Graf Leo von Wurmbrand

Franz Ferdinand war aber so gar nicht der Geist fürs Bett liegen und Ruhe geben. Er war stets unruhig und dachte, das Leben würde an ihm vorüberziehen.

1895 wurde ihm der Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) an die Seite gestellt, der seinen Patienten mit großer Besorgnis bewachte.

Sein einziger Trost waren die Briefe die ihm sein treuer Diener Janaczek immer wieder brachte.

Sein bester Freund und Wegbegleiter Kammerherr Leo Graf von Wurmbrand (*12.9.1840, † unbekannt) verscherzte es sich mit Franz Ferdinand, in dem er dem

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum
Diener Janaczek

„Frauenzimmer das Handwerk legen wollte“ (4).

Wurmbrand wurde aus dem Dienst entlassen.

Sophie von Chotek schrieb dem Thronfolger so rührende Briefe, dass er sich endlich seinem Arzt beugte und gesund werden wollte.

Auch seine innig geliebte Mutter heiterte ihn immer wieder mit Briefen auf.

Foto: Antiquariat Futter
Erzherzog Otto „Bolla“

Während seiner Abwesenheit in der Thronfolge, musste sein Bruder Otto die Repräsentationspflichten erfüllen.

Otto, dem dies zutiefst zuwider war, hoffte auf baldige Rückkehr seines Bruders. Franz Ferdinand hingegen fühlte sich zurückgesetzt und glaubte, dass Otto ihn verdrängen wollte.

1896 ereilte ihn der nächste Schicksalsschlag.

Von schwerer Krankheit gezeichnet, wurde Ägypten für Franz Ferdinand als Aufenthaltsort bestimmt.

Seine Eltern und seine Stiefschwestern fuhren deshalb nach Kairo, um den Kranken endlich zu besuchen.

Diese Abwechslung tat dem – auch mittlerweile psychisch – angeschlagenen Erzherzog gut.

Sein Vater Karl Ludwig, ein zutiefst religiöser Mann, trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan und zog sich dabei allerhand Vergiftungen zu. Schwer erkrankt wurde er eilends nach Wien gebracht und von seiner Frau aufopferungsvoll gepflegt. Doch die Vergiftungen aus dem verseuchten Wasser waren zu schwer.

Schwer erkrankt starb der geliebte Vater schließlich am 19.5.1896 in Wien.

Die Begräbnisfeierlichkeiten des Bruders von Kaiser Franz Joseph waren für den schwer erkrankten Thronfolger eine Strapaze, allerdings liest man auch einen ganz bestimmten Namen in der Liste der Trauergäste: Sophie von Chotek.

Foto: Wikimedia/Commons
Kronprinzessin Stephanie
Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Amalie Eugenia, Stiefschwester

Franz Ferdinand erbte nicht nur ein Vermögen, auch war jetzt die offizielle Thronfolge nicht mehr abzuweisen.

Ab Juni 1896 ging es Franz Ferdinand besser, allerdings dauerte es noch bis ins Jahr 1897 bis zur vollständigen Genesung.

Um diese komplett wiederzuerlangen, führte sein Weg auch nach Cap Martin, wo sich gerade seine geliebte Tante Sisi aufhielt und auch Kaiser Franz Joseph vor Ort war.

Im Mai 1897 galt Franz Ferdinand als geheilt. Nun hieß es, seiner Stellung gerecht zu werden.

Er war mittlerweile 33,5 Jahre alt, unverheiratet und hat noch immer nicht für Stammhalter gesorgt.

Die einzige Frau die Franz Ferdinand liebte, war Hofdame bei Erzherzogin Isabella Hedwig Franziska Natalia Prinzessin von Croy-Dülmen (*27.2.1856, †5.9.1931).

Foto: Wikimedia/Commons
Graf Boguslaw von Chotek

Wenn es nach Kaiser Franz Joseph gegangen wäre, hätte Franz Ferdinand Kronprinzessin Stephanie geheiratet, Witwe von Kronprinz Rudolf.

Da die beiden in aller Freundschaft verbunden waren, war eine Hochzeit für beide definitiv keine Option. Zudem hielt Franz Ferdinand an Sophie fest.

Sophie Maria Josephine Albina Gräfin Chotek von Chotkowa und Wognin wurde am 1.3.1868 in Stuttgart geboren.

Ihr Vater war Boguslaw Graf Chotek von Chotkow (*4.7.1829, †11.10.1896). Ihre Mutter war Wilhelmine Gräfin Kinsky zu Wichinitz und Tettau (*19.7.1838, †5.3.1886).

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum
Sophie mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern
Das einzige existierende Bild ihrer Mutter und ihrer Geschwister

Sie war das 5. Kind von insgesamt 8 Geschwistern.

  • Wolfgang Maria (*15.8.1860 Berlin, †10.12.1926 Linz)
  • Zdenka Marie (*10.12.1861 Berlin, †15.3.1946 Salzburg)
  • Maria Pia (*11.7.1863 Berlin, †21.6.1935 Jilové)
  • Karolina Olga Alzbita (*19.11.1865 Berlin, †29.11.1919 Perglas)
  • Sophie Maria Josephine Albina (*1.3.1868 Stuttgart, †28.6.1914 Sarajevo)
  • Oktavia Maria Josefina Karolina (*5.5.1873 Brüssel, †13.6.1946 Bad Waldsee)
  • Maria Antonia (*12.5.1874 Kostelec,†13.6.1930 Hohenthurm)
  • Marie Henriette (*9.7.1880 Kostelec, †19.3.1964 Gutenberg a.d. Raabklamm)
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Isabella „Busabella“

Sophie stammte aus einem alten böhmischen Uradel, hochangesehen am Wiener Hof, doch leider verarmt.

Um die Kinder, deren Mutter früh verstarb, durchzubringen, wurde an einigem gespart, jedoch nicht an der Ausbildung.

Da dem Graf Chotek hauptsächlich nur Mädchen geboren wurden, mussten früh Beschäftigungen für die Mädchen gefunden werden. Ehefrau, Hofdame oder Nonne waren die „Berufe“ die Mädchen aus gutem Hause annehmen konnten und durften.


Sophie wurde an den Hof, der als sehr schwierig bekannten Erzherzogin Isabella, die mit Erzherzog Friedrich verheiratet war, empfohlen.

Erzherzog Friedrich Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzog und Thronfolger Franz Ferdinand war gerngesehener Gast im Hause von Erzherzog Friedrich Maria Albrecht Wilhelm Karl von Österreich (*4.6.1856, †30.12.1936). Erzherzog Friedrich galt als gutmütig und einfältig und wurde im Volksmund „Bumsti“ genannt.

Erzherzogin Isabella, im Volksmund „Busabella genannt“ glaubte deshalb lange, dass die häufigen Besuche mit ihrer Tochter Erzherzogin Maria Christina Isabelle Natalie (*17.11.1879, †6.8.1962) zusammenhingen.

Maria Christina war damals 16 Jahre alt.

Erzherzog Franz Ferdinand immerhin 34 Jahre alt.

In Wirklichkeit war es Sophie, die den Erzherzog ständig bewog die Familie zu besuchen.

Die Schmach bei Isabella war überaus groß, als der wahre Grund herauskam.

Die Legende besagt, dass es eine vergessene Taschenuhr (beim Tennisspiel liegen gelassen) des Erzherzog war, die die Liebe verriet. Das Bildnis im Inneren zeigte Sophie von Chotek. Der Skandal war perfekt.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Maria Christina

Isabella war außer sich. Zumal sie gehofft hatte, dass ein gewisser Verehrer Herr Rosenberg aus Prag für Sophie eine gute Partie werden könnte.

Isabella entließ Sophie sofort und fuhr nach Wien um Kaiser Franz Joseph von der unstandesgemäßen Liebschaft zu berichten. Der Zorn muss auf beiden Seiten groß gewesen sein.

Aber anstatt seinem geprüften Neffen die Ehe zu ermöglichen und endlich Thronfolger für das Land zu bekommen, warf Kaiser Franz Joseph weitere Steine in den Weg der zwei Liebenden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum
Erzherzogin Isabelle und Gräfin Sophie an der Nordsee

Er zwang Franz Ferdinand um ein Jahr Bedenkzeit, in dem sich der Thronfolger fragen sollte, ob es wirklich notwendig sei,

eine verarmte Gräfin

zu ehelichen.

In der Zwischenzeit wurden ihm alle möglichen heiratswilligen und standesgemäße Damen vorgestellt. Franz Ferdinand blieb eisern.

In der Zwischenzeit intervenierten Kaiserin Elisabeth, sein jetziger Kammerdiener Franz Janaczek und seine geliebte Mutter Marie Therese für Franz Ferdinand. Ohne ans Ziel zu kommen. Kaiser Franz Joseph blieb stur.

Foto: Wikimedia/Commons
Godfried Marschall, Weihbischof

Sophie hingegen ging es in dem Jahr nicht sehr gut.

Da man wusste, dass sie religiös war, wurde ihr Dr. Godfried Marschall auf den Hals gehetzt.

Der fragwürdige Pfarrer, der hochtrabende Karrierepläne für sich in Anspruch stellte und vom Fürsterzbischof träumte, drohte Sophie so massiv, dass diese keinen anderen Ausweg mehr sah und ins Kloster ging.

Franz Ferdinand erfuhr durch Zufall von dieser Peinlichkeit und schäumte bei einer Privataudienz vor dem Kaiser Franz Joseph:

„Meine Braut hat die Zeit der Buße – so muss ich die Monate nennen – in einem Kloster verbracht und jetzt habe ich sie erlöst. Sie gehört wieder der Welt an und sie wird zu mir gehören… Wie hat man uns gequält! Wie hat man meine Braut gefoltert! Zu ihrer Frömmigkeit nahmen Sie die letzte Zuflucht. Bei ihrem Glauben und ihrer Christlichen Demut packten Sie die Sache an. Und es wäre beinahe geglückt, schon hatte ich die Absage in Händen, den mit Tränen geschriebenen Verzicht auf mich. Da fuhr ich wie ein Donnerwetter drein und befreit sei aus der Atmosphäre, in der sie lebte … Denn das war wider die Abrede gehandelt. Ich sollte mich ein Jahr prüfen, ob ich nicht etwa aus Leidenschaft etwas unternehmen wolle, was ich zeitlebens bereut hätte. Ich prüfte mich. Aber man hat sie zum Abfall von mir verleiten wollen, hat ihr Herz bedrängt und ihr Gewissen. Das war wider die Abrede!“ (5)

Wer jetzt glaubt, dass dies den Kaiser milde gestimmt hätte, irrt.

Im Grunde vermag man diese Sturheit gar nicht verstehen. Denn wenn man es ganz genau betrachten möchte, hat auch Kaiser Franz Joseph „unstandesgemäß“ geheiratet. Ludovika Prinzessin von Bayern, war die Schwester von Erzherzogin Sophie.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum
„unstandesgemäße Braut“ Elisabeth Herzogin in Bayern
Ludovika wurde aber mit dem wenig standesgemäßen Herzog Max in Bayern verheiratet, einem dem Landadel angehörigen Herzog. Der Unterschied zwischen "in" und "von" wurde von mir hier aufgearbeitet. Elisabeth wäre niemals die Ehefrau von Kaiser Franz Joseph geworden, wären nicht Ludovika und Sophie Schwestern gewesen.

Doch Franz Ferdinand wäre nicht Franz Ferdinand gewesen, wenn er nicht noch den letzten Ausweg gegangen wäre.

Und das war eine Verzichtserklärung zu unterschreiben.

Sophie musste auf Titel und Ehre verzichten, die Kinder würden niemals als Thronfolger anerkannt werden und mussten den Nachnamen ihrer Mutter annehmen.

Franz Ferdinand unterzeichnete den Renuntiationsakt am 28.6.1900 in der Hofburg. Es vermag Schicksal gewesen sein, denn dieses Datum, exakt 14 Jahre später, sollte ihrer beider Tod besiegeln.

Aber ich greife vor.

Am 1.7.1900 fand in der Schlosskapelle in Reichstadt (damals Böhmen, heute Tschechien) die Hochzeit im engsten Familienkreis statt.

Foto: Wikimedia/Commons
ihr Tod wurde als Ausrede für die Hoftrauer genommen Josephine von Hohenzollern

Kaiser Franz Joseph warf dem Brautpaar auch jetzt noch einen Stein zwischen die Beine, als er die strikte Parole ausrief, der Hochzeit tunlichst fern zu bleiben.

Dem Affront kam ein kleiner Zufall zu Hilfe.

Fürstin Josephine von Hohenzollern (*21.10.1813, †19.6.1900) war verstorben. 4(!) Tage später wurde eine 12tägige Hoftrauer angeordnet.

So hatte der Wiener Hof die Ausrede nicht teilnehmen „zu dürfen“.

Marie Therese, Stiefmutter und Witwe von Erzherzog Karl Ludwig und Franzis Stiefschwestern hielten sich jedoch nicht an dieses Verbot. Von Sophies Seite waren ihre Geschwister mit Ehepartnern anwesend.

Was folgte war die glücklichste Hochzeit die jemals ein Habsburger eingegangen ist.

Zumindest ein Telegramm traf ein, in dem der Kaiser Sophie von Chotek in den erblichen Fürstenstand mit dem Namen „Hohenberg“ erhob.

Somit wurde am Hochzeitstag aus Sophie Gräfin von Chotek,

Sophie Fürstin von Hohenberg.

Die Ehe war von Glück geprägt.

Sophie war Franz Ferdinand eine gleichwertige Partnerin, die ihm nicht nur 4 Kinder gebar, sondern ihn auch in all seinem Tun befürwortete.

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin), Fotos: Wikimedia/Commons

Foto: viator.com.de
Schloss Konopischt
Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Belvedere

In der Zwischenzeit richtete sich Franz Ferdinand auf Schloss Konopischt und im Schloss Belvedere häuslich ein.

Schloss Belvedere sollte sein Wohnsitz werden und von dort aus wollte er die Regierungsgeschäfte übernehmen.

Sohn Max wurde den beiden sogar auf Schloss Belvedere geboren. Er ist der Einzige der dort je das Licht der Welt erblickte.

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Franz Ferdinand war ein äußerst liebevoller Vater, der gerne mit den Kindern spielte, oder auch nur stundenlang im Zimmer verweilte und den Kindern beim Spielen oder Schlafen zusah.

Er frühstückte sogar im Kinderzimmer, um seinen Sprösslingen nah zu sein.

Wenn man sich seine Fotos ansieht, diesen strengen Blick, den Militärhaarschnitt und dann die liebevollen Aufnahmen im Schloss mit seinen Kindern und seiner Frau betrachtet, kommt man nachhaltig ins Grübeln, ob er wirklich so unbeliebt war, wie man ihn gerne darstellt.

Ich glaube inzwischen, dass Franz Ferdinand, als Kaiser Franz II ein bisschen Liebe ins Kaiserhaus gebracht hätte.

Franz Ferdinand hätte sich, nicht wie Franz Joseph, einen Doppelnamen gegeben. Dies war sowieso völlig unüblich. Wäre Erzherzog Franz Ferdinand an die Macht gekommen, wäre er Kaiser Franz II gewesen.

1909 wurde Sophie von Kaiser Franz Joseph in den Stand einer Herzogin rangerhöht.

Ihr Titel lautete nun

Sophie Herzogin von Hohenberg

1908 wurden den beiden ein toter Sohn geboren. Sophie stürzte dies in ein großes Unglück. Sie liebte ihre Kinder über alles und konnte es nicht fassen, dass ihr Sohn nicht Leben durfte.

Franz Ferdinand wusste nun auch, dass er darüber nachdenken musste, was wäre, wenn ihm etwas zustoßen würde. Er wusste, dass Sophie und seine Kinder niemals in der Kapuzinergruft Aufnahme gefunden hätten. Und weil dies so war, würde er sich nicht darin bestatten lassen. Er wollte bei Sophie und seinen Lieben sein.

Also beschloss er, auf Schloss Artstetten eine Gruft bauen zu lassen. Einerseits, um seinem toten Sohn sein letztes Geleit geben zu können, andererseits dafür Sorge zu Tragen, dass Sophie oder er, sollte es soweit kommen, eine letzte Ruhestätte zu geben, wenn der Fall der Fälle eintreten würde und die Verfassung zum Kaiser/in noch nicht abgeändert wäre.

Wie Recht er behalten sollte, konnte er an jenem Tag natürlich nicht wissen.

1914 sollte das Schicksal für alle brutal zuschlagen.

Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg waren in Sarajevo zu einem Staatsbesuch. Am Morgen des 28. Juni 1914 gab Erzherzog Franz Ferdinand noch ein Telegramm an seine Kinder auf:

„Befinden von mir und Mami sehr gut. Wetter warm und schön. Wir hatten gestern großes Diner und heute vormittag den großen Empfang in Sarajevo. Nachmittags wieder großes Diner und dann Abreise. Umarme euch innigst. Dienstag. Papi.“ (6)

Ich vermag mir den Schock gar nicht vorstellen, der eingetreten ist, als das Telegramm ankam und ein paar Stunden später die Nachricht vom Tod der Eltern.

Das Attentat selbst ist eine Verkettung verschiedener Umstände, die nach Betrachtung des Ablaufes so gar nicht hätte stattfinden dürfen.

Jedoch schrieben wir das Jahr 1914 und Sicherheit war noch nicht oberstes Prinzip bei derartigen Staatsbesuchen.

Dass aber der ganze Ablauf nicht gestoppt wurde, als das erste Attentat fehlschlug, obwohl ein Offizier und dessen Chauffeur verletzt wurden, verschlägt mir beim Lesen heute immer noch die Sprache.

Fakt ist, dass am 28.6.1914 Gavrilo Princip (*25.7.1894, †28.4.1918) mit einer FN Bronwing 9mm, Modell 1910 ca. 2 Meter vor dem Wagen, der kurz halten musste, direkt auf das Paar zielte. Ich gebe dem Mörder keinen Raum und poste kein Bild auf meinem Blog von ihm. Wer sich ihn ansehen will, googelt ihn bitte selbst.

Zuerst traf er Herzogin Sophie von Hohenberg in die Bauchschlagader, mit dem 2ten Schuss in die Halsschlagader des Thronfolgers.

„Um Gottes Willen, was ist dir geschehen?“ (7),

soll Sophie ihren Mann noch gefragt haben, da er aus seiner Wunde stark blutete. Unmittelbar danach sinkt sie nach vorne und starb noch direkt im Wagen.

„Sopherl, Sopherl stirb mir nicht, bleib für unsere Kinder“, (8)

soll angeblich Franz Ferdinand gerufen haben.

Ob dies mit einer so stark blutenden Wunde direkt in der Halsschlagader möglich ist, bleibt fraglich.

Schön ist es allemal, denn seine letzten Worte, wären an seine geliebte Frau und Kinder gerichtet gewesen.

Es ist auch deshalb fraglich, weil Franz Ferdinand Sophie liebevoll "Soph" nannte, was aus unzähligen Briefen hervorgeht. 

Aber eine schöne Anekdote ist es trotzdem und so erzähle ich sie gerne. 

Auch Erzherzog Franz Ferdinand starb noch im Wagen, einem von Gräf & Stift gebautes Cabriolet, welches äußerst elegant war.

Foto: Hemmings.com
Original Auto, Heeresgeschichtliche Museum Wien

Das Auto steht im Original im Heeresgeschichtlichen Museum Wien und kann besichtigt werden.

Eine originalgetreue Kopie des Fahrzeugs steht direkt vorm Eingang ins Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten.

Erzählen möchte ich, dass Erzherzog Franz Ferdinand einen Lebensfeind hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Alfred Fürst von Montenuovo

Alfred Fürst von Montenuovo (*16.9.1854, †6.9.1927) war der letzte Obersthofmeister von Kaiser Franz Joseph.

Obwohl dieser selbst morganatisch zur Welt kam (seine Mutter war Erzherzogin Marie Louise (*12.12.1791, †17.12.1847)(ehem. Kaiserin von Frankreich/verehelicht mit Napoleon, dann mit Alfred Graf von Neipperg (*8.4.1775, †22.2.1829), welcher sein Vater war), hasste er Franz Ferdinand bis aufs Blut. 

Er machte Sophie das Leben am Wiener Hof zur Hölle.

Streute Gerüchte, ließ sie ihren minderen Stand spüren wo er konnte, sie durfte nicht am kaiserlichen Dinner teilnehmen und so weiter. Franz Ferdinand wehrte sich so gut er konnte und ließ Graf Montenuovo spüren wer der Herr im Haus sein werde. Montenuovo wusste, dass sein Dienst zu Ende war, würde Franz Ferdinand Kaiser werden. Vor diesem Tag fürchtete er sich.

Nun triumphierte Montenuovo und sah seine Macht und Rache gekommen. Und wieder ließ er seinen Hass an Sophie aus. Als Obersthofmeister hatte er es in der Hand, wie das Begräbnis abzulaufen hatte. Und er ließ ein „Begräbnis III Klasse“ daraus machen. Aber dazu etwas später. Noch sind die beiden Leichen in Sarajevo.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum
Gipsabdrücke der Totenmasken von Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie

Die beiden Leichen wurden in den Konak gebracht. Um 11.00 Uhr konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Sogleich ertönten die Totenglocken.

Danach wurden die Leichen in Särge gelegt und via Triest per Schiff und Bahn nach Wien gebracht.

Nur 2(!) Stunden ließ Graf Montenuovo die Särge in der Kapelle der Wiener Hofburg aufbahren.

Den Sarg von Herzogin Sophie ließ er eine Stufe niedriger stellen, als den von Erzherzog Franz Ferdinand, um so den Rangunterschied zu demonstrieren. Auf dem Samtkissen vor Sophies Sarg, ließ er symbolhaft für Hofdamen einen schwarzen Fächer und ein paar weiße Handschuhe auflegen. Weder ihre Rangabzeichen, noch ihre Orden ließ er davor ablegen. Vor Franz Ferdinand ließ er den Erzherzogshut, Generalshut, Säbel und alle Orden legen. 

Nach Einbruch der Dunkelheit erfolgte ohne militärisches Geleit und ohne Trauerparade der Wiener Städtischen Beerdigung die Überführung nach Schloss Artstetten statt.

Die Wiener Bevölkerung nahm dennoch am Straßenrand still Abschied von ihrem Thronfolger und dessen schöner Frau, die so viel Gutes bewirkt hätte. 

Auch hier hatte sich Kaiser Franz Joseph nicht dazu herablassen können, seinem Neffen ein Staatsbegräbnis angedeihen zu lassen. 


Der Adel wurde davon abgehalten, die Särge von Wien nach Artstetten zu begleiten. 


Ein Hoftrauerzug wurde seitens Kaiser Franz Josef untersagt. 

Am 4.7.1914 fand auf Schloss Arstetten das Begräbnis statt.

Die Presse sprach vom „Begräbnis III. Klasse“, da es nicht nur klein gehalten, sondern auch von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde.

Es fand im engsten Familienkreis in der Pfarrkirche direkt auf Schloss Artstetten statt.

Erzherzog Franz Ferdinand wurde 50 Jahre, Sophie Herzogin von Hohenberg 46 Jahre alt.

Petra –

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com
Die Gruft heute von Schloss Artstetten
Die Inschrift in der Mitte der Wand erinnert an den totgeborenen Sohn des Paares.

Die Vollwaisen: Sophie Marie, Maximilian, Ernst

Wie schon erwähnt, wurde dem Volk nicht nur der Thronfolger genommen, sondern auch 3 Kindern Vater und Mutter.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Wunderschönes Gemälde der Kinder
Sophie, Ernst (mit Hut) und Max, Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum
  • Sophie (24.7.) 1901 geboren, war 13 Jahre alt,
  • Maximilian (29.9.) 1902 geboren, 12 Jahre alt
  • Ernst (27.5.) 1904 geboren, 10 Jahre alt.

Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Kaiser Franz Joseph zeigte auch hier kein Herz. Er empfing die Kinder nach dem Tod seines Neffen ein einziges Mal.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum

Vormund wurde Onkel Jaroslaw, mit vollem Titel Fürst Jaroslaw von Thun und Hohenstein. Er kümmerte sich nicht nur um die Kinder, sondern regelte auch den gesamten Nachlass von Franz Ferdinand und Sophie.

Er förderte die Kinder weiter und ließ ihnen eine gute Ausbildung angedeihen. Vor allem Max und Ernst wurden schulisch gefördert und durften ins Schottengymnasium gehen.

Die Kinder wuchsen zum Teil auf Schloss Konopischt auf und durften somit in ihrer vertrauten Umgebung bleiben.

Nach dem Ende der Monarchie verloren die Kinder ihre Besitzungen und wurden aus Böhmen vertrieben.

Foto: Wikimedia/Commons
Hochzeit Sophie mit Vormund Jaroslaw Thun und ihren Brüdern Max und Ernst

Jahrelange Prozesse ihren Besitz wieder zurückzuerlangen (Schloss Konopischt) misslangen. Schloss Konopischt fiel in den staatlichen Besitz und kann heute besichtigt werden.

Sophie wurde am 8.9.1920 mit Friedrich Graf von Nostitz-Rieneck (*1.11.1893 Prag, †29.12.1973 Graz) verheiratet. Sie bekamen 4 Kinder.

Sophie wurde früh verheiratet, auf ihre Schulbildung legte der Onkel nicht so viel Wert.

Dem Paar wurden die Kinder

  • Erwein Maximilian (*29.6.1921, †11.9.1949 in sowjetischer Gefangenschaft)
  • Franz von Assisi (*2.2.1923 Wien, †23.2.1945 Gefallen an der Ostfront)
  • Aloys Karl (*12.8.1925 Wien, †22.4.2003 Salzburg)
  • Sophie Amalia (*4.6.1929 – lebend)

geboren.

1945 verlor sie ihr gesamtes Eigentum und wurde mit ihrer Familie vertrieben. Zuerst fand sie in Eisenerz (Steiermark) ihr neues zu Hause, später in Salzburg. Sie starb am 27.10.1990 mit 89 Jahren.

Über Sophie ist ansonsten nicht mehr viel bekannt.

Max heiratete am 16.11.1926 Elisabetha Bona Gräfin von Waldburg zu Waldegg und Waldsee (*10.8.1904, †13.3.1993) und bekam mit ihr 6 Kinder.

  • Franz Ferdinand (*13.9.1927 Artstetten, *16.8.1977 Ried i.d.Riedmark)
  • Georg (*25.4.1929 – lebend)
  • Albrecht Philipp (*4.2.1931 Artstetten – lebend)
  • Johannes (*3.5.1933 Artstetten, †11.10.2003 Salzburg)
  • Peter (*26.3.1936 Arstetten – lebend)
  • Gerhard (*23.12.1941 Wien – lebend)
Foto: Wikimedia/Commons
Hochzeit Max und Elisabetha  

Max wurde von der Gestapo von Schloss Artstetten enteignet und wurde, gemeinsam mit seinem Bruder Ernst, mit dem so genannten „Prominententransport“ nach Dachau gebracht.

Nur seiner Frau, Gräfin Elisabetha hatte Max es zu verdanken, dass er im Herbst wieder entlassen wurde.

Sie führte ein beherztes Gespräch mit Hermann Göring.

Nach dem Ende des Regimes bekam die Familie 1949 das Schloss wieder zurück. Er wurde Bürgermeister von Artstetten und verblieb 5 Jahre im Amt.

In dieser Zeit nahm er wieder Kontakt zu Otto von Habsburg auf und begann diese Freundschaft wieder zu festigen. Max starb am 8.1.1962 im Alter von 60 Jahren in Wien.

Auf Sohn Franz Ferdinand geht Tochter Anita von Hohenberg (*1958) zurück; sie leitet heute die Geschäfte von Schloss Artstetten und hat 1983 das Museum gegründet. Seit 2015 ist der Garten für die Öffentlichkeit begehbar.

Ernst heiratete am 25.5.1936 Maria Therese Wood (*9.5.1910 Wien, †28.11.1985 Radmer) und bekam mit ihr 2 Kinder.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum
Ernst und Maria Therese Hohenberg
  • Franz Ferdinand (*14.3.1937 Wien, †8.8.1978 Radmer)
  • Ernst Georg (*1.3.1944 – lebend)

Mit dem so genannten „Prominententransport“ wurde Ernst gemeinsam mit seinem Bruder nach Dachau gebracht.

Ernst hatte nicht so viel Glück wie Max.

Er wurde von Dachau, nach Flossenbürg und Oranienburg gebracht.

Er wurde erst 1943 entlassen.

5 Jahre KZ hatten tiefe Spuren an ihm hinterlassen.

Er zog wieder in die Steiermark und fing an sich politisch zu betätigen und reiste mit Bundeskanzler Leopold Figl auch durch die sowjetische Zone. 

Ernst Hohenberg durch die Strapazen der KZ-Folterungen sehr geschwächt starb bereits 50jährig am 5.3.1954 in Graz.

Schloss Artstetten – Franz Ferdinand Museum

Begleitet mich auf einer Tour durch das Franz Ferdinand Museum durch das Schloss Artstetten:

Schloss Artstetten
Schlossplatz 1
A-3661 Artstetten
Für nähere Infos wendet euch bitte direkt an:

https://www.schloss-artstetten.at/

Öffnungszeiten:
ab 1. April 10.00 Uhr – 16.30 Uhr
Freitag Ruhetag
Juli und August: täglich 10.00 Uhr – 17.30 Uhr
Natur-Schlosspark: 9.00 Uhr – 13.00 Uhr
Im Winter nur gegen Voranmeldung!
Barrierefreiheit – gegen Voranmeldung!

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Mein besonderer Dank gilt:

Schloss Artstetten für die Foto- und Videoerlaubnis, sowie für die Hilfe bei den Recherchen! 


Rechtliche Hinweise:

Text: Petra

Stammbäume: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra , Wikimedia Commons, zeno.org, Habsburg.net, commune.modena.it, JosefNovak33, Hemmings.com, Antiquariat Futter 


Literatur Hinweise:

1 – S. 41, 2 – S. 52, 3 – S. 74, 4 – S. 76, 5 – S. 105, 6 – S 15, 7, 8 – S. 22
Anita Hohenberg, Christiane Scholler
Willkommen im Schloss Anita Hohenberg über ihren Urgroßvater Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este
1. Auflage 2011, Schloss Artstetten Herausgeber

2a – S. 18
Victor Eisenmenger
Franz Ferdinand
Amalthea Verlag, 1930 (nur noch antiquarisch erhältlich)


Erzherzogin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha von Österreich

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie Friedericke

Wie viel der Kitsch „Sissi“ uns jedes Jahr rund um Weihnachten von der Wahrheit trennt, zeigt am allerbesten die abstruse Geschichte rund um die Tochter Sophie.

Auch wenn viele die Filme mögen, so sind sie leider nur ein 50er Jahre Traum, der die Leute nach den Kriegswirren zum Ablenken einlud. Und nichts war einfacher, als ein zuckersüßes Mädel, die „gute alte Zeit“ in Form der Kaiserzeit, die damals noch gar nicht so lange her war.

Was machte es da schon aus, dass an Sissi nichts stimmte? Weder die dümmliche Angelszene, noch die Zeit Abfolge, noch die Mode (Kaiserin Elisabeth lief nicht im schulterfreien Kleid tagsüber durch Schloss Schönbrunn oder durch die Hofburg), noch der Name.

Elisabeth hieß nun mal niemals Sissi.

Ihr Kosename war immer nur Sisi. Und niemals hätte sie das gemeine Volk mit Kaiserin Sisi anreden dürfen.

Eine Unart, die sich bis heute durchzieht ist die schreckliche Schreibweise von Sissi. Egal ob auf sämtlichen Social Media Seiten, in historischen Büchern (auch namhafte Historiker selbst), auf Souvenirs, auf Bonbons und sämtlichen Zeug das sich verkaufen lässt.

Auch das Spanische Hofzeremoniell gab es nicht in der Art, wie es der Film vermuten lässt. Mein Beitrag dazu kann hier nachgelesen werden.

Ich versuche seit Jahren dem Film-Kitsch entgegenzuwirken und zeige die reale Welt unserer Kaiserin.

Beginnen wir auch hier mit der kleinen Erzherzogin Sophie, die in Sissi den komplett falschen Namen

„Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria“

erhalten hat.

Bis auf den ersten Vornamen, stimmt nichts an dem kleinen Filmbaby. Nicht einmal ihre Geschichte an sich.

Aber beginnen wir wie immer von vorne und mit der realen Geschichte:

Die einzige wahre Pflicht von Kaiserin Elisabeth war es, so rasch als möglich Nachwuchs zu bekommen.

Vorzugsweise Buben, damit die Thronfolge gesichert sein konnte. Der Beitrag zur Elisabeth als Mutter kann hier nachgelesen werden. 

Nach den strapaziösen Hochzeitsfeierlichkeiten (der Bericht kann hier nachgelesen werden), den Flitterwochen und der Reise nach Böhmen und Mähren, stellte Erzherzogin Sophie als baldigst die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft bei ihrer noch sehr jungen Schwiegertochter fest.

Sie schrieb eilig an ihren abwesenden Sohn:

„Auch glaube ich, dass Elisabeth sich nicht zu sehr mit ihren Papageien abgeben sollte, da zumal in den ersten Monaten man sich so leicht an den Tieren verschaut, die Kinder Ähnlichkeit mit ihnen erhalten. Sie sollte lieber sich im Spiegel und Dich anschauen. Dieses Verschauen lass ich mir gefallen.“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie

Sophie setzte sich durch, die Papageien mussten die Räumlichkeiten verlassen. Elisabeth war aufs äußerste betrübt.

Sophie nahm darauf wenig Rücksicht und hielt die junge Frau an, sich in der Öffentlichkeit mit dem Bauch zu zeigen.

Das Volk solle die stolze schwangere Kaiserin sehen.

Elisabeth wollte fliehen, sie weinte beinahe Tag und Nacht. 

Selbst die Geburt ist seitens Sophie dokumentiert. Sie schrieb in ihr Tagebuch:

„Sisi hielt die Hand meines Sohnes zwischen den ihren und küßte sie einmal mit ihrer lebhaften und respektvollen Zärtlichkeit; das war so rührend und machte ihn weinen; er küßte sie ohne Unterlaß, tröstete sie und klagte mit ihr und schaute mich bei jeder Wehe an, um zu sehen, ob ich damit zufrieden war. ….. Endlich nach einigen guten und langen Wehen kam der Kopf und gleich danach war das Kind geboren.“ (2)

Obwohl Ludovika zur Geburt „eingeladen“ wurde, ließ sie den Vortritt ihrer verehrten Schwester.

Kaiserin Elisabeth wurde nach Schloss Laxenburg gebracht, wo die Geburt auf Hochtouren vorbereitet wurde. 

Am 5.3.1855 um 3.00 Uhr nachts kam schließlich die kleine Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha Erzherzogin von Österreich zur Welt.

Ihr Name ist nicht wie so oft, ein Alleingang von Erzherzogin Sophie, sondern ein durchaus übliches Handeln bei den kaiserlichen und königlichen Familien. So wurde immer der Name der Großmutter weitergegeben, erst im weiteren Verlauf die eigentlichen „neuen“ Namen.

Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Sophie und die kleine Gisela

Doch auch gleich nach der Geburt gab es wieder Streit.

Sophie wollte sich um die kleine Erzherzogin selbst kümmern. Sie bestand darauf, dass das Kinderzimmer in ihren Wohntrakt verlegt wurde. Elisabeth musste sich anmelden, um ihre Tochter besuchen zu dürfen.

Eigenartig ist, dass Sophie Elisabeth verbat ihren Säugling zu stillen, immerhin stillte sie selbst ihren Franzi. Etwas, dass zu dieser Zeit im Hochadel kaum jemand tat.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie Friedericke

Elisabeth wurde quasi das Kind entrissen, was eine große Bestürzung bei ihr auslöste. Sie beschwerte sich lautstark bei Franz Joseph. Es half aber leider nichts.

Die kleine Erzherzogin verblieb in der Obhut ihrer Großmutter, die diese wie einen Kelch herumreichte und allen Besuchern des Schlosses zeigte.

Permanent war um das kleine Mädchen irgendwer herum. Es ist verwunderlich, denn als Franz Joseph noch „Franzi“ war, wurde er von Sophie richtiggehend abgeschottet und teilweise sogar versperrt.

Nach der Geburt von Gisella(*), stellte sich Elisabeth quer. Sie verlangte die Kinder umgehend zurück. Sie sollten in die Radetzky-Räume verlegt werden.
(Anmerkung Petra: Erzherzogin Gisella wurde erst mit der ihrer Hochzeit zu Gisela)

In einem langen Brief erklärte Franz Joseph seiner Mutter die Gründe. Im Prinzip ging es Elisabeth nur um die Wintermonate. Im Sommer verbrachte man die Zeit in Laxenburg, während Sophie in Schönbrunn war. Franz Joseph setzte sich gegen seine Mutter durch. Sophie und Gisella zogen in die gewünschten Räume.

Sophie galt als glückliches, lebhaftes Mädchen, das gerne gluckste und ihre Zehen in den Mund steckte, wie Kaiser Franz Joseph amüsiert an seine Mutter schrieb. Als sie zu Laufen begann, erkundigte sie gerne das Schloss. 

1857 beging Kaiserin Elisabeth einen fatalen Fehler, den sie Zeit ihres Lebens bereuen sollte.

Sie entschied sich bei der geplanten Ungarnreise die Kinder mitzunehmen. Erzherzogin Sophie zeterte, Kaiserin Elisabeth setzte sich jedoch durch.

Am 4. Mai 1857 fuhr die kaiserliche Familie nach Ofen, wo vor allem Elisabeth huldvoll empfangen wurde.

Die Menschen lagen ihr zu Füßen. Sie spürte sofort eine Verbundenheit mit diesen überaus freundlichen Menschen. Sie verliebte sich augenblicklich in Land und Leute.

Doch der Schein trügte. Gisella bekam Fieber und Durchfall. Sophie erkrankte ebenso. Dr. Seeburger diagnostizierte „Zahnen“ und tat die Beschwerden ab; er befand Elisabeth als „hysterisch“. Wie fatal diese Fehlentscheidung war, stellte sich bald heraus.

Es ist nicht überliefert ob Sophie an der Ruhr oder an Typhus litt, jedoch erkrankte sie so schwer, dass sie nichts mehr behalten konnte. Ihr Körper magerte ab, sie wand sich vor Schmerzen und Erschöpfung.

Am 29.5.1857 verlor die kleine Sophie den Kampf und starb in den Armen ihrer gramgebeugten Mutter. Sie wurde nur 2 Jahre alt. 

Foto: Wikimedia/Commons 
Lithographie Josef Kriehuber
Dieses Bild hing über dem Bett von Kaiserin Elisabeth. Es zeigt im Bild die kleine Erzherzogin Sophie, im Arm hält Kaiserin Elisabeth Kronprinz Rudolf, daneben stehend Erzherzogin Gisela.

Elisabeth überwand den Tod der kleinen Sophie nie. Wie sehr sich Kaiser Franz Joseph mit der Kleinen verbunden fühlt, zeigte erst der Tod von Kaiserin Elisabeth. Diesen Schmerz hielt Marie Valérie in ihrem Tagebuch fest.

20. – 22.September 1898 „Mit Papas Gutheissung wird Mamas Toilettenzimmer in der Villa Hermes mit all den gewohnten Sachen hergerichtet… Erinnerungen tauchen auf – längst vergangenes Weh – auch an das baby, das ihr vor mehr als 40 Jahren vorangegangen, nach denen Papa jetzt fragt, die er aufbewahrt wissen und doch nicht sehen will Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich ihn vom „baby“ sprechen hörte…“ (3)

Erzherzogin Sophie machte Elisabeth schwere Vorwürfe. Es wird mit ein Grund gewesen sein, warum sie den Kampf gegen Sophie in der Erziehung von Gisella und Rudolf abgab.

Die Kinder übersiedelten wieder zu Erzherzogin Sophie. Zu Gisella und Rudolf hatte Elisabeth Zeit ihres Lebens ein sehr angespanntes und distanziertes Verhältnis.

Erzherzogin Sophie Friedericke ruht in der Kapuzinergruft. Bei der letzten Renovierung wurden die sterblichen Überreste von Sophie, gemeinsam mit anderen Kindern, in einem Mauerabteil beigesetzt.

Eine gemeinsame Grabplatte erinnert an die toten Kinder. Wer genau liest, wird auch den Namen von Maria Anna entdecken. Sie war die Schwester von Kaiser Franz Joseph. Der Beitrag zu ihr, kann hier nachgelesen werden. 

Am 31.5.1894 besuchte Kaiser Franz Joseph die Plitvicer Seen in Kroatien. Er genehmigte durch seine Unterschrift, dass entlang der Seen ein Weg nach dem Namen seiner Tochter Maria Dorothea benannt werden darf. Noch heute heißt der Weg schlicht „Dorothea Weg“.

– Petra – 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 
Stammbaum: Petra


Literatur Hinweise:

1 – S. 233
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie Die starke Frau am Wiener Hof
Amalthea Verlag, 1. Ausgabe, 2016

2 – S 19
Martha Schad
Kaiserin Elisabeth und ihrer Töchter
Piper Verlag, Ausgabe 1999, TB Ausgabe


3 – S 313/4
Erzherzogin Marie Valérie
Martha Schad als Herausgeberin
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth
Piper Verlag, 7. Auflage, 2013


Kaiserin Elisabeth und ihr Hochzeitskleid (Teil 2)

Hier seht ihr die berühmte Hochzeitsschleppe von Elisabeth Herzogin in Bayern als sie am 24.4.1854 mit Kaiser Franz Joseph in der Augustinerkirche getraut wurde und zur Kaiserin von Österreich wurde.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin)


Hinweis:
Da es leider auf einigen Mobilgeräten zu Problemen mit dem Abspielen des Videos kommt, habe ich es noch einmal in den Blog direkt eingebettet. Ihr könnt es „Bild in Bild“ ansehen oder Fullscreen. Die anderen bitte ich aus Qualitätsgründen auf Youtube anzusehen. Danke!

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin)

Bis heute weiß niemand genau wie das Hochzeitskleid tatsächlich ausgesehen hat.

Warum?


Damals waren nur hochrangige Gäste zur Hochzeit geladen. Der höchste Adel, der höchste Militärrang, Eltern, Geschwister und die katholische Kirche. Die Kirche war viel zu klein um für all die Gäste Platz zu bieten, nicht einmal die hochrangigen Gäste hatten alle Platz, so dass einige dicht an dicht stehen mussten.

Das Volk und all die Schaulustigen waren vor den Toren, die durch ein unglaubliches Aufgebot an Polizei, Bedienstete, Lakaien, Kutscher, Diener usw. ebenfalls kaum etwas sahen.

Und natürlich war die Fotografie noch nicht erfunden, weshalb es auch kein Foto vom Hochzeitskleid der Kaiserin bzw. der blutjungen Herzogin gab.

Wer einen Blick auf die junge Braut erheischen konnte, konnte sich glücklich schätzen.

Das Kleid wurde mehrfach skizziert, aber korrekt sind alle nicht, es ist vielmehr der damaligen Mode entsprechend angepasst.

Wir wissen, dass es ein Kleid mit Gold und Silberfäden gewesen sein muss, denn die Brautkleid-Schleppe ist komplett erhalten geblieben.

Sie wurde wie ein Gürtel um das eigentliche Kleid getragen und nach der Zeremonie abgenommen.

Erzherzogin Marie Valérie erbte von ihrer Mutter das edle Stück der Schleppe, welche 1989 von den Nachfahren an das Kunsthistorische Museum Wien übergeben wurde und bis heute dort ausgestellt ist.

Sogar Schloss Schönbrunn machte vor ein paar Jahren einen internationalen Aufruf und bat Nachfahren um Hilfe. Es sollten Tagebücher und Zeichnungen durchwühlt werden, ob sich nicht doch irgendwo ein/e authentischer Bericht oder Skizze, Stich oder sonstiges vom Brautkleid der Kaiserin findet. Leider vergeblich. Schloss Schönbrunn wollte die Aufzeichnung sogar honorieren.

Meinen Beitrag zur Hochzeit findet ihr hier.

Foto: Wikimedia/Commons Trauung Herzogin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph von Kardinal Rauscher, Augustinerkirche 24.4.1854

Laut Prager Tagblatt vom 27.4.1879 trug Kaiserin Elisabeth das Kleid noch einmal zu ihrem 25. Hochzeitstag.

Für diese Festlichkeit, wurde ihr Hochzeitskleid, das bis dato in Possenhofen aufbewahrt wurde, nach Prag gebracht und dort nach den Wünschen der Kaiserin umgeändert.

Es wurde zum berühmten 25sten Hochzeitstagskleid umgeändert, welches auf vielen Bildern von Kaiserin Elisabeth zu bewundern ist.

Es ist im übrigen das letzte Bild, für das sie Model gestanden ist.

Die erste Aufzeichnung als Inventarium in der Basilika Maria Taferl ist von 1890.

Demnach wurde das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth gestiftet.

Das Kleid selbst wurde zerlegt und der Silberfaden herausgetrennt.

1895 wurde der daraus entstehende Vespermantel der Öffentlichkeit präsentiert.

Heute befindet sich der Mantel noch immer in der Schatzkammer von Maria Taferl, allerdings kann er nur zeitweilig besichtigt werden.

Mir wurde die Ehre zu Teil und ich freue mich euch exklusiv meine Fotos vom Vespermantel in Maria Taferl zu zeigen.

Weitere Teile wurden in die Matthiaskirche nach Budapest gebracht, wo der Goldfaden für ein Messgewand verwendet wurde.

Dieser Mantel wurde bereits 1867 zur Krönung von König Franz Joseph und Königin Elisabeth von Ungarn getragen.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara, Wikimedia/Commons, heimat.de  

Ich bedanke mich nochmals ganz herzlich bei der Silberkammer von Maria Taferl.


Hochzeit Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 3)

Foto: Wikimedia/Commons
Verlobungsbild Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern, 1853

Wir feiern heute den Hochzeitstag von Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern, die mit dieser Hochzeit zum Hochadel avancierte und Kaiserin von Österreich wurde.

Die kleine Elisabeth verzauberte Kaiser Franz Joseph im August 1853 in Ischl so sehr, dass nach 3 Tagen am 18.8.1853 bereits die Verlobung gefeiert wurde. Mein Beitrag zur Verlobung kann hier nachgelesen werden. 

Seit dem wurde die Hochzeit auf Hochtouren geplant. Die junge Braut wurde nicht lange gefragt. Unglückliche Gedichte schrieb sie in ihr Tagebuch, welche ebenfalls im Beitrag zur Verlobung nachgelesen werden können. Es half alles nichts. Anfang März 1854 unterschrieb ihr Vater Herzog Max den Ehe Pakt.

Direkt nach der Verlobung erhielt Elisabeth Heiratsgut im Wert von 50.000 Gulden (€ 670.000). Weitere 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) wurde für die Absicherung für die Witwe vereinbart, vorausgesetzt Franz Joseph würde vor ihr versterben. Als Morgengabe wurden 12.000 Dukaten vereinbart.

Kaiser Franz Joseph verpflichtete sich weiters seiner Gattin jährlich eine Apanage von 100.000 Gulden (etwa € 1,34 Mil.) zu bezahlen. Elisabeth sollte also nicht „arm“ in der Ehe sein.

In den späteren Jahren richtete sich Kaiserin Elisabeth in der Schweiz ein Konto ein, so dass sie fernab vom Wiener Hof sehr gut Leben konnte. Sie war zeitweilig sogar reicher als ihr Ehemann.

Weiters wurde Wäsche und Schmuck als Ausstattung vereinbart, wobei diese sehr ärmlich war. Ludovika hatte mit der Hochzeit mit Helene gerechnet. Elisabeth war bei der Verlobung erst 15 Jahre alt und ihre Ausstattung weder komplett, noch für ein Kaiserhaus edel genug.

Die 25 Koffer die vor der Braut in Wien eintrafen, waren daher dem Gespött ausgesetzt. Elisabeth galt als „keine gute Partie“, noch bevor sie Wien erreichte. Ihre Silberausstattung galt als „bescheiden“. Die Silberausstattung, die damals als ein „Muss“ galt, hatte einen Gesamtwert von ca. 700 Gulden (€ 9.380). Handspiegel, Waschkanne und Silberteller bereits mit eingerechnet.

Einzig der Schmuck hatte einen höheren Wert, dieser wurde ihr jedoch im Laufe der Verlobungszeit von Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Sophie geschenkt. Der Wert des Schmuckes wurde auf 60.000 Gulden (€ 804.000) geschätzt.

Die Kleider hatten einen Wert von 50.000 Gulden (€ 670.000). Dabei besaß Sisi 4 Ballkleider, 17 Putzkleider, 14 Seidenkleider und 19 Sommerkleider. Das Wertvollste – ein blauer Samtmantel mit Zobelbesatz, sowie Zobelmuff – war natürlich wieder ein Geschenk von Franz Joseph.

Zum Vergleich: Ein Arbeitslohn für Männer betrug jährlich 300 Gulden (€ 4.020), Frauen nur die Hälfte, Kinder nur ein Bruchteil.

Ein Leutnant hatte 24 Gulden monatlich (€ 321,60) zu erwarten, Soldaten dementsprechend weniger, Offiziere demnach mehr.

Zwar waren diese Beträge für jeden Bürgerlichen immer noch horrend und nicht zu erreichen, aber reiche Kaufleute konnten ihre Töchter weitaus besser ausstatten.

Der „vulgäre“ Landadel von den Herzogs „in“ Bayern wurde von jeher als „nicht standesgemäß“ betrachtet. Der Unterschied zur Erblinie kann hier nachgelesen werden.

Das Datum der Hochzeit wurde auf den 24.4.1854 angesetzt.

Obwohl Ludovika um eine Hochzeit in München kämpfte, verlor sie auch diesen Punkt gegen ihren zukünftigen Schwiegersohn.

Er ließ nicht mit sich Handeln. Die Hochzeit sollte in Wien, in der Augustinerkirche, stattfinden.

In Wien wurde derweil alles für dieses Großereignis vorbereitet. Obwohl die Gefahr eines Krimkrieges bevorstand und kaum abgewendet werden konnte, setzte man große Hoffnungen auf die Hochzeit mit Elisabeth. Wien wurde herausgeputzt.

Auch eine zusätzliche Strophe für die Kaiserhymne wurde geschrieben:

An des Kaisers Seite waltet,
Ihm verwandt durch Stamm und Sinn,
Reich an Reiz, der nie veraltet,
Uns're holde Kaiserin.
Was als Glück zu höchst gepriesen
Ström' auf sie der Himmel aus:
Heil Franz Joseph, Heil Elisen,
Segen Habsburgs ganzem Haus!

Musik: Joseph Haydn
Text: Johann Gabriel Seidl

Am 20.4.1854 bestieg Herzogin Elisabeth mit ihrer Mutter Ludovika eine Kutsche um eine 3tägige Reise anzutreten. Gefolgt von ihrem Vater und den Geschwistern. Zuvor wurde noch groß Abschied in München genommen.

Sie verabschiedete sich von dem gesamten Personal, ihrem Stief-Onkel Ex-König Ludwig I. (der 1848 wegen dem Lola Montez-Skandal abdanken musste), dem regierenden König Maximilian II und der gesamten Verwandtschaft. Die junge Braut war in Tränen aufgelöst.

Foto: Wikimedia/Commons
Schiff „Austria“ bei der Ankunft in Linz 21.4.1854 

Am 21.4.1854 bestieg sie das Dampfschiff „Austria“ und fuhr von Straubing Richtung Linz.

Franz Joseph entschied sich spontan seine Braut in Linz zu begrüßen und fuhr ihr mit einer Kutsche aufgeregt entgegen.

Das war nicht nur gegen das Protokoll, sondern auch eine ziemliche Überraschung für die Linzer, die mit der Ankunft des Kaisers so gar nicht gerechnet hatten.

Schwiegermutter in spe und Tante Erzherzogin Sophie, muss einer Ohnmacht nahe gewesen sein als sie davon erfuhr.

Kaiser Franz Joseph verstieß damit gegen jede Etikette. Auch das Busserl, dass er seiner Braut Elisabeth vor lauter Freude auf die Wange drückte, hätte nicht stattfinden dürfen.

Es geziemte sich nicht in der Öffentlichkeit zu „Busslern“ – schon gar nicht für einen Kaiser. 

Linz begrüßte die zukünftige Kaiserin mit gebührlichem Programm:

Das Theaterstück

„Die Rosen der Elisabeth“

wurde aufgeführt, danach ein Chorgesang und ein Fackelzug durch die Stadt.

Obwohl junge Braut zu diesem Zeitpunkt schon erschöpft war, stand aber alle Huldigungen mit Bravour durch.

Elisabeth übernachtete mit ihrer Gefolgschaft im Landhaus Linz. Ihr Zimmer ist heute noch erhalten, allerdings ist das Gebäude selbst ein Regierungsgebäude; es ist öffentlich nicht zugänglich.

Ich durfte jedoch den Meetingsaal mit den Original erhaltenen Möbeln und Tapeten besuchen. 

Gegen 4.30 Uhr früh verließ der Kaiser Linz, um seine Elisabeth am Abend in Wien erneut zu begrüßen.

Foto: Wikimedia/Commons
Ankunft in Nussdorf

Der Raddampfer „Franz Joseph“ nahm am 22.4. erneut die Brautgesellschaft auf und fuhr pünktlich um 8.00 Uhr morgens ab.

Die ganze Zeit musste Herzogin Elisabeth am Schiff stehen, um mit einem Spitzentaschentuch den tausenden Leuten, die die Straßen und Ufer säumten, zu winken.

Wie sehr das an den Nerven der 16jährigen zerren musste, kann man sich kaum vorstellen. Verschüchtert und voller Angst fuhr sie dem Ungewissen entgegen.

Unter Glockengeläut (alle Glocken in Wien läuteten) und Kanonendonner legte das Schiff in Nußdorf an und Franz Joseph gab Elisabeth wieder ein Busserl auf die Wangen.

Die Menschenschar raste vor Begeisterung.

Nie zuvor und nie wieder danach, wurde eine Braut so derartig huldvoll begrüßt und empfangen.

Und obwohl das junge Mädchen sicherlich Ruhe gebraucht hätte, nahm man auf die erschöpfte Braut keine Rücksicht. Der Marathon ging weiter. Der Wagenzug mit dem Brautgefolge, Bräutigam und Eltern zogen von Nußdorf nach Schloss Schönbrunn wo ein großes Dinner statt fand.

Ich habe den Kaiser schon lieb. Wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (1a)

Diesen Satz soll Elisabeth gesagt haben, bevor sie sich mit dem Kaiser verlobt hat.

Sie hat geahnt, was auf sie zukommen wird.

Ich würde persönlich gerne wissen, was sie gedacht hat, als sie den Prunk und den Protz in Schloss Schönbrunn mit seinen 1400 Zimmern erblickte. Als sie erfuhr, dass in Schönbrunn ca. 4000 Personen permanent wohnten.

Plötzlich waren Menschen um sie herum, sie ihr von einer Sekunde auf die nächste die Hand küssen wollten/mussten. All das ist natürlich nicht überliefert.

„…man begafft mich wie ein seltenes Tier…“

Diese Textzeile aus dem Musical Elisabeth ist wohl noch harmlos ausgedrückt. 

Mit großer Feierlichkeit überreichte Franz Joseph sein Brautgeschenk.

Eine Diamantenkrone, die extra für 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) überarbeitet wurde.

Hierzu ist im Musical Elisabeth eine Textzeile überliefert:

„In der Schatzkammer fiel die Krone zu Boden…“

Dies galt als schlechtes Omen und wurde für eine schlechte Ehe vorausgesehen. Danach wurden alle anderen Geschenke überreicht. Ex-Kaiser Ferdinand überreichte ihr ebenfalls ein Diamantendiadem.

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie Gräfin Esterházy
Lithographie: Josef Kriehuber, 1833
Foto: Wikimedia/Commons
Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. Gräfin von Bellegarde

Zu all dem wurden ihr noch ihr völlig fremde Personen zugeteilt. Alle Damen, die sie bis jetzt betreuten, wurden ihres Dienstes enthoben.

Statt dessen wurde ihr als Obersthofmeisterin Sophie Maria Josepha Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha (*5.9.1798, † 17.6.1869) zur Seite gestellt.

Gräfin Esterházy war Hofdame bei Erzherzogin Sophie und eine ihrer engsten Vertrauten. Elisabeth hat Gräfin Esterházy vom ersten Anblick an abgelehnt.

Zu Recht, denn die Gräfin hatte nichts besseres zu tun, als jede kleine Verfehlung die sich die junge Kaiserin erlaubte an Erzherzogin Sophie weiterzuerzählen.

Sie behandelte die junge Kaiserin wie ein unmündiges kleines Kind und erzählte ihr weiters den gesamten Tratsch vom Hof, der die Kaiserin nicht im geringsten interessierte.

Weiters wurde ihr Obersthofmeister Fürst Lobkowitz zur Seite gestellt.

Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. von Bellegarde (Gräfin Bellegarde) (*2.4.1830, † 27.5.1912) und Gräfin Lamberg vervollständigten das direkte Personal von Elisabeth.

Zusätzlich zogen ein Sekretär, eine Kammerfrau, ein Kammerthürhüter, vier Leiblakeien, ein Hausknecht und ein Kammerweib mit Elisabeth in die Hofburg bzw. Schloss Schönbrunn. Das dies die kleine Prinzessin aus Bayern einschüchterte wird jedem verständlich sein.

Am 23.4. wurde der Hochzeitsmarathon fortgesetzt.

Vom heutigen Theresianum (damals „Favorita“ und von Franz Joseph kaum noch benützt) wurde das strenge Zeremoniell gestartet, wo Elisabeth bereits seit einigen Stunden für dieses Ereignis hergerichtet wurde.

Die von 8 Lipizzanern gezogene Prachtkutsche, wurde mit Leibgardisten in Paradeuniform begleitet. Weiters folgten dem Tross 6spännige Kutschen mit den Geheimen Räten, Palastdamen und der Familie. Neben den Wägen gingen die Diener.

Wienmuseum.at
die neu erbaute Elisabethbrücke
Kutsche mit Herzogin Elisabeth und Herzogin Ludovika, dahinter die Karlskirche

Der Zug führte über die neue Elisabethbrücke, welche 1898 abgerissen wurde.

Sie trug ein rosa Putzkleid mit Schleppe, welches mit Rosengirlanden geschmückt war. Das neue Diamantendiadem wurde ihr auf den Kopf gesetzt. Herzogin Elisabeth war überaus verängstigt und schluchzte leise vor sich hin. Aber auch Ludovika schüchterte diese enorme Zeremonie ein.

Als der Zug vor der Kirche ankam erklangen wieder alle Glocken, um den Einzug der Braut zu würdigen. Die Straßen waren voll von Schaulustigen, die sich alle einen Blick auf die baldige Kaiserin erhofften.

Als sie endlich bei der Hofburg ankam, war sie zu Tode erschöpft.

Beim Ausstieg aus der Kutsche, passierte ihr deswegen ein kleiner Fauxpas. Sie blieb mit der Diamantenkrone an der Türfassung der Kutsche hängen und strauchelte daher beim Aussteigen. 

Der Wiener Hof hatte gleich wieder zu lachen und zu tratschen, da dieses Missgeschick natürlich ausgerechnet vor allen Augen passierte.

Im Amalienhof (Trakt der Hofburg) angekommen, durfte sich die junge Braut endlich ausruhen.

Elisabeth notierte in ihr Tagebuch:

Ich bin erwacht in einem Kerker,
Und Fesseln sind an meiner Hand.
Und meine Sehnsucht immer stärker –
Und Freiheit! Du, mir abgewandt. (1)

Foto: Wikimedia/Commons
„Eine Vorstellung wie die Hochzeitszeremonie aussah“, Neue Illustrierte Zeitung, 1879 zum 25. Hochzeitstag veröffentlicht, Holzstich, Anonym

Am nächsten Morgen gingen die Hochzeitsvorbereitungen erneut los.

Die Hochzeit war für 19.00 Uhr am Abend angesetzt.

Jede Braut kennt die Vorbereitungen die an diesem Tag auf sie warten. Eine 16jährige Braut und noch dazu die zukünftige Kaiserin, musste noch strengere Vorbereitungen über sich ergehen lassen.
Foto: Kunsthistorisches Museum Wien
Wagenburg Schloss Schönbrunn
Schleppe vom Brautkleid, als einziges komplett erhalten

Video zur 3,80 m Hochzeitsschleppe au