Marie Therese Erzherzogin von Braganza

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese von Braganza, ca. 1889

Wir gedenken des Todestages von

Maria Theresia Immakulata Ferdinanda Eulalia Leopoldina Adelheid Elisabeth Karoline Michaela Raphaela Gabriele Franziska von Assisi et de Paula de Gonzaga Agnes Sophia Bartolomea ab Angelis de Braganza Infantin von Portugal oder in portugiesisch Donna Maria Teresa da Imaculada Conçeiäo Fernanda Eulália Leopoldina Adelaide Isabel Carolina Micaela Rafaela Gabriela Francisca de Aissis e de Paula Gonzaga Inés Sofia Bartolomea dos Anjos de Bragança Infantin von Portugal

bekannt als

Erzherzogin Marie Therese

Sie wurde am 24.8.1855 in Kleinheubach geboren.

Einige Historiker schreiben über sie auch als Erzherzogin Maria Theresia oder Maria Theresa. Sie selbst unterschrieb aber als Marie Therese (Beweis am Ende des Berichts).

Foto: Wikimedia/Commons König Michael von Portugal
Foto: Wikimedia/Commons Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg

Ihr Vater war König Miquel I von Portugal (*26.12.1802, †14.11.1866). Ihre Mutter Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (*3.4.1831, †16.12.1909).

Marie Therese wuchs bereits im Exil in Deutschland auf. Ihr Vater starb 1866, ohne je wieder an die Macht zu gelangen.

Ihr Bruder Miquel (*19.9.1853, †11.10.1927) ehelichte die schöne Tochter von Helene „Néné“ von Thurn und Taxis, eine Schwester von Kaiserin Elisabeth, Elisabeth (*28.5.1860), welche aber nach 4jähriger Ehe und nach der Geburt des 3ten Kindes 20jährig am 7.2.1881 verstarb.

Sie genoss eine höhere Mädchenausbildung im Sacré-Coeur in Paris, welche sie auch abgeschlossen hatte. Als 17jährige kam sie zur Familie zurück nach Deutschland.

Foto: geneall.net Elisabeth und Michael von Braganza
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Franz Karl

Erzherzog Karl Ludwig, bereits 2facher Witwer, fuhr höchstpersönlich nach Kleinheubach, um bei ihrer Mutter vorstellig zu werden.

Diese ließ ihre Tochter in den Salon bitten. Marie Therese möge sich umziehen, hoher Besuch erwarte sie und bevor sie mit dem Bruder des österreichischen Kaisers in den Garten spazieren ging, möge sie bitte ein schönes Kleid anziehen.

Marie Therese tat wie ihr geheißen.

Was bei diesem Spaziergang besprochen wurde, ist nicht überliefert, es ist nur bekannt, dass Erzherzog Karl Ludwig obgleich Feuer und Flamme ob der Schönen war und sie bat seine Frau zu werden. Marie Therese willigte ein.

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin), Fotos: Wikimedia/Commons

Mit knapp 18 Jahren trat die Prinzessin am 23.7.1873 auf Schloss Heubach vor den Traualtar und gab dem knapp 40jährigen(*) Witwer Erzherzog Karl Ludwig ihre Hand.

Dieser brachte 4 Halbwaisen mit in die Ehe: den 10jährigen Erzherzog Franz Ferdinand, den 8jährigen Erzherzog Otto (seinen Lieblingssohn), den 4jährigen Erzherzog Ferdinand Karl und die 3jährige Erzherzogin Margarete Sophie.

Foto: Wikimedia/Commons
Fotografie von Ludwig Angerer, 1860
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl
Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth mit Rudolf und Gisela
Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Victor
Das einzige gemeinsame existierende Familienfoto mit Kaiserin Elisabeth!
Foto: Schloss-Artstetten.at
Foto: albertmilde.com
Villa Wartholz, 1877

14 Tage später fand auf Schloss Schönbrunn im Beisein von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph ein großer Empfang für das Brautpaar statt.

Anwesend waren die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister der Kaiserin, der Flügeladjutant des Kaisers und die gesamte Familie, so dass – nun mehr Erzherzogin Marie Therese – standesgemäß in der Familie Willkommen geheißen wurde.

Wohnhaft wurde das Paar mit den Kindern im angekauften Palais Favoriten in Wien Wieden, welches er sich von Heinrich von Ferstel umbauen ließ.

In den Sommermonaten zog man in die Villa Wartholz in Reichenau an der Rax, welches sich Karl Ludwig ebenfalls vom selben Architekt bauen ließ.

Später wohnte die Familie im Sommer auch gerne im Schloss Artstetten.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth von Schönfeld
Foto: Wikimedia/Commons
Gräfin Marie Festetics

Elisabeth Gräfin von Festetics von Tolna (*30.6.1832, †12.3.1904) verheiratete Gräfin von Schönfeld wurde durch Gräfin von Goeß die Obersthofmeisterin von Marie Therese.

Elisabeth war die Schwester der Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics, welche bei Kaiserin Elisabeth anstellig war.

Das Erzherzogspaar wurde von Kaiser Franz Joseph häufig ins Ausland entsandt, um an seiner Statt an allerhand Pflichten teilzunehmen.

Marie Therese galt nicht nur als die Schönste der drei Frauen von Karl Ludwig, sondern auch als die Klügste, Gewinnbringendste und durch ihr liebreizendes Wesen, als äußerst freundlich und zuvorkommend. Wo sie hinkam, wurde sie von den Menschen wohlwollend angenommen und umringt.

Karl Ludwig war oft sehr eifersüchtig und beobachtete seine Frau mit voller Skepsis, wusste er doch, dass er viel älter war als sie. Doch zu Eifersucht bestand keine Sorge.

Marie Therese liebte ihren Mann aus vollem Herzen und nie hätte sie sich zu einer außerehelichen Affäre hinreißen lassen.

Wie – aus sicheren Quellen und absolut nicht üblich zu dieser Zeit – auch Karl Ludwig nicht fremd ging und sich außerehelich vergnügte. Die beiden genügten und liebten sich gleicher Maßen.

Foto: Wikimedia/Commons Zar Alexander III mit seiner Familie

So reisten die beiden auch nach Moskau um an der Krönung von Zar Alexander III teilzunehmen.

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth ca. 1866

Erzherzogin Marie Therese zog alle Blicke auf sich. Sie galt als byzantinische Prinzessin und war eine außerordentliche Schönheit und von hoher Gestalt.

Man konnte sogar beinahe sagen, sie machte Kaiserin Elisabeth Konkurrenz, die sie allerdings nicht als solche ansah. Sie schätzte ihre Schwägerin sehr, hatte sie doch Ruhe vor den lästigen Staatspflichten und konnte ihren Reisen und Reittätigkeiten zu dieser Zeit nachgehen. Es wurde nicht nur ihre Toilette und ihre Kleider, sondern auch der prachtvolle Schmuck bewundert, was im Zarenreich wirklich etwas zu bedeuten hatte. Normalerweise war es genau umgekehrt. Erzherzog Karl Ludwig ließ sich vor der Fahrt nicht lumpen und kleidete seine Frau ordentlich ein.

Durch ihr charmantes Äußeres, ihr kluges Auftreten und ihre witzige Art lag ihr aber nicht nur Russland alsbald zur Füßen, sondern die gesamte adelige Welt.

Kaiserin Elisabeth war sehr zufrieden mit dem was ihr zu Ohren kam.

Auch Kaiser Franz Joseph schätzte seine schöne und kluge Schwägerin sehr, musste aber alsbald merken, dass sie ihren eigenen Kopf durchsetze und für ihre Familie Himmel und Hölle in Bewegung setzte, wenn es darum ging, diese zu beschützen oder wenn ihr etwas am Herzen lag.

Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen, schätzte er sie Zeit seines Lebens. Dies ging so gar so weit, dass man die beiden später verkuppeln wollte. Doch dazu später mehr.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Therese

Als Mutter ging sie in ihrer Rolle ebenso auf, wie als Repräsentantin am Staatsbankett.

Erzherzog Franz Ferdinand (*18.2.1863) war ein äußerst stilles und zurückgezogenes Kind, zu dem sehr eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder Otto (*21.4.1865), da dieser der Lieblingssohn seines Vaters war.

Mit beinahe strengem Blick beobachtete er, wenn sich seine Stiefmutter Marie Therese mit seiner kleinen Schwester Margarete Sophie (*13.5.1870) beschäftigte, da er ganz besonders an ihr hing. Sie war sein ganzer Halt und seine große Liebe innerhalb seiner Geschwister. Zeit ihres Lebens waren die beiden sehr verbunden, es traf ihn deshalb besonders hart, als sie so jung sterben musste, aber dazu später mehr.

Ferdinand Karl (*27.12.1868) fiel zwischen seinen Brüdern mehr oder weniger nicht auf. Er war der Dritte im Bunde und der jüngste Sohn.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata 2. Ehefrau und Karl Ludwig
Foto: Wikimedia/Commons
Maria Annunziata

Mit Geduld und großer Hingabe sorgte die junge Frau, die kaum 8 Jahre älter war, als ihr ältester Stiefsohn Franzi (Ferdinand), dass die Kinder sie annahmen und liebten. Das sie alle 4 begraben sollte, war ein ungeheures Schicksal, dass sie kaum ertrug.

Die Geschichten dazu erzähle ich im einzelnen.

Nur ihre eigenen Kinder sollten sie überleben.

Schon kurze Zeit nach der Hochzeit nannten die Kinder sie „Mama“ und dies sollte bis zum Tode aller Kinder so bleiben.

Die Liebe war so groß, dass sie keinen Unterschied zu ihren eigenen Kindern machte, die dem Paar Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Marie Therese geboren wurden.

Maria Annunziata kam am 13.7.1876 in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax zur Welt. Sie wurde nach der zweiten Ehefrau und der Mutter der vier Halbwaisen benannt.

Maria Annunziata von Neapel-Sizilien „Ciolla“ (*24.3.1843, †4.5.1871) starb an Lungentuberkulose und hatte diese sowohl Erzherzog Franz Ferdinand, als auch Erzherzog Ferdinand Karl vererbt. Vermutlich auch Margarete Sophie, doch genaueres ist hierzu nicht bekannt.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie

Am 7.7.1878 kam ebenfalls in der Villa Wartholz Tochter Elisabeth Amalie Eugenia zur Welt. Elisabeth wurde von Kaiserin Elisabeth getauft, wurde allerdings von Erzherzogin Christine vertreten.

Foto: Wikimedia/Commons Margarete von Sachsen, Karl Ludwigs 1. Ehefrau, Namenspatronin von Tochter Margarete Sophie

Bevor ich zu den Kindern und dem Rest der Geschichte komme, möchte ich noch kurz die erste Ehefrau erwähnen, damit diese auch ihren Abschluss findet.

Margarete von Sachsen (*25.5.1840, †15.9.1858), Cousine von Elisabeth, Franz Joseph und eben von Karl Ludwig wurde von Erzherzogin Sophie zur Ehefrau bestimmt.

Sie starb nach kaum 2jähriger Ehe 18jährig an Typhus. Die Ehe blieb kinderlos. Tochter Margarete Sophie bekam den Namen der 1. Ehefrau.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Therese und Erzherzog Karl Ludwig

Als bei Erzherzog Franz Ferdinand die Lungentuberkulose ausbrach und er sich deshalb auf halber Weltreise befand, schrieb sie ihm unentwegt Briefe, um ihn aufzuheitern.

Leider geschah hier ein großes Unglück. In Kairo besuchte ihn die gesamte Familie um den Kranken aufzuheitern.

Karl Ludwig trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan. Der Jordan war aber schon zu dieser Zeit enorm verschmutzt, so dass sich Karl Ludwig schwer vergiftete.

Sofort veranlasste man die Heimfahrt und Marie Therese kümmerte sich rührend um den Schwerkranken. Doch kaum zu Hause, war er schon so geschwächt, dass es kaum noch Hoffnung gab.

Am 18.5.1896 starb Erzherzog Karl Ludwig. Er hinterließ ihr ein immenses Vermögen, allerdings verhielt sich der Wiener Hof absonderlich.

Doch darauf möchte ich später in der Geschichte zurückkommen.

Erzherzog Franz Ferdinand

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie von Hohenberg

Franzi, wie er Zeit seines Lebens von seiner Mama genannt wurde, hatte sich verliebt.

Leider war diese Liebe verboten und so musste diese lange Zeit verheimlicht werden.

Nur wenige Personen wussten Bescheid; u.a. waren eingeweiht Kaiserin Elisabeth, mit der sich Franz Ferdinand außerordentlich gut verstand, seine Schwester Margarete und natürlich Mama Marie Therese.

Die gesamte Geschichte zu Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg kann hier nachgelesen werden.

Ab 1899 half sie ihrem Sohn bei ihrem Schwager Kaiser Franz Joseph zu intervenieren, dass dieser seine große Liebe Sophie von Chotek heiraten dürfe.

Schon zuvor hatte sich Kaiserin Elisabeth dafür eingesetzt, doch diese starb bevor sie etwas erreichen konnte.

Also war Marie Therese auf sich allein gestellt.

Und obwohl Kaiser Franz Joseph von einer morganatischen (unstandesgemäß) Ehe nichts wissen wollte, gab sie sich nicht geschlagen.

Als der Affront aufkam und Erzherzog Franz Ferdinand Sophie im Kloster entdeckte, hielt er eine beeindruckende Rede vor seinem Onkel. Zwar gab dieser nicht nach, doch Franz Ferdinand unterschrieb die Verzichtserklärung, die ihm dieser vorlegte. Diese besagte, dass er zwar Thronfolger blieb, aber Sophie keine Kaiserin werden dürfe und die Kinder den Namen der Mutter tragen müssten und keine Thronfolger werden würden. Franz Ferdinand hatte gesiegt.

Die Hochzeit fand am 1.7.1900 statt.

Kaiser Franz Joseph verbot an der Hochzeit des Sohnes teilzunehmen und verhängte eine lächerliche Staatstrauer einer nebensächlichen Tante.

Fürstin Josephine von Hohenzollern (*21.10.1813, †19.6.1900) war verstorben. 4(!) Tage später wurde eine 12tägige Hoftrauer angeordnet. So hatte der Wiener Hof die Ausrede nicht teilnehmen „zu dürfen“.

Marie Therese und die Stiefschwestern hielten sich jedoch nicht an dieses Verbot. Von Sophies Seite waren ihre Geschwister mit Ehepartnern anwesend.

Jetzt lernte Kaiser Franz Joseph den Sturkopf seiner Schwägerin kennen und noch viele solcher Einsätze sollten folgen.

8 Tage nach der Hochzeit schrieb Erzherzog Franz Ferdinand an seine Stiefmutter folgenden Brief:

Liebste Mama!

Endlich bißl in Ruhe gekommen nach Beantwortung zahlloser Telegramme – Briefe nach Einrichtung unserer Wohnung und Auspackung aller Sachen von Sophie ist es mir Erstes Dir einige Zeilen zu schreiben und Dir in meinem und Sophies Namen auch noch schriftlich von ganzem Herzen zu danken für all die unbeschreibliche Güte und Liebe die Du uns in Reichstadt bewiesen hast! 

Wir sind Dir bis an unser Lebens-Ende dankbar für Alles was Du für uns gethan hast für die zahllosen Beweise Deines goldenen mütterlichen Herzens. 

Ich fühle mich wie neugeboren. Sie schwärmt von Dir und redet nur Deiner Güte und Liebe. Ich habe vollkommen in meinem Inneren das Gefühl daß wir beide bis zu unserem LebensEnde unbeschreiblich glücklich sein werden. 

Gute liebe Mama, Du hast das Richtige getroffen, daß Du mir so geholfen hast! 

Der liebe Gott zu dem ich täglich 2mal in der Capelle mit Soph bete lohne Dir gute Mama Alles was Du für uns gethan. 

Ich umarme Dich und Die Schwestern küsse Dir die Hände und bin ewig

Dein

dankbarster Dich innigst liebender Sohn Franzi. 

9.Juli 1900 (1)

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Marie Therese liebte nicht nur ihren Franzi und Soph, wie Sophie liebevoll genannt wurde, sondern auch ihre Enkelkinder, die eigentlich ihre Sitefenkelkinder waren, wenn wir es genau betrachten würden.

Doch dieses Wort stand Marie Therese nie im Weg und deshalb sollte es auch hier nicht im Wege stehen.

Franz Ferdinand und Sophie wurden 3 wunderschöne Kinder geboren, die auf so tragische Weise zu Waisen wurden.

Das Unglück von Sarajevo traf Marie Therese und die Kinder hart.

Doch Zeit ihres Lebens hielt sie den Kontakt zu ihren Enkeln.

  • Sophie (*24.7.1901, †27.10.1990) geboren, war 13 Jahre alt
  • Maximilian (*29.9.1902, †8.1.1962) geboren, 12 Jahre alt
  • Ernst (*27.5.1904, †5.3.1954) geboren, 10 Jahre alt

Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Erzherzog Otto

Foto: Wikimedia/Commons
Maria Josepha

Dem Zweiten dem sie bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe half, war Erzherzog Otto, als er an Syphilis erkrankte und von der Familie schon lange verstoßen war.

Ottos „Bolla“ oder auch „der Schöne“ Lebensweg war dem eines Dandys.

Er genoss Dirnen, Alkohol, Tänzerinnerinnen und hatte mehrere uneheliche Kinder.

Seine Ehe mit Maria Josepha Prinzessin von Sachsen (*31.5.1867, †28.5.1944) war eine einzige Farce. Lediglich zwei Söhne wurden geboren.

Erstgeborener Karl (*17.8.1887, †1.4.1922) ging in die Weltgeschichte ein. Er wurde zu

Kaiser Karl I.

Bei der Geburt von Karl kam es beinahe zu einem Drama.

Maria Josepha überlebte die Geburt beinahe nicht, so dass sogar ein Priester für die Sterbesakramente gerufen wurde.

Otto vollkommen hilflos in dieser Situation verständigte seine Mutter und diese eilte zu der Sterbenden und half nicht nur ihrem Sohn mit dem Baby, sondern setzte sich an ihr Bett, betete mit ihr und spendete tröstende Worte. Tag und Nacht wachte sie bei ihrer Schwiegertochter, die sich so nach und nach von der Strapaz erholte.

Trotzdem war dies für Otto kein Schuss vor den Bug.

Kaum war Maria Josepha genesen, genoss er schon wieder seine außerehelichen Affären und ließ seine „Nonne“ wie er Maria Josepha nannte, mit dem Baby allein.

Marie Therese hielt trotzdem all die Jahre zu ihm.

Selbst als sich das Verhältnis zu Franzi zusehends verschlechterte, da plötzlich Otto ins Weltgeschehen des Thronerben blickte, als Franz Ferdinand erkrankte.

Franz voller Eifersucht und Hass auf Otto, der ihm den Thron nicht gönnte und Otto voller Sorge und Angst, der den gar nicht wollte.

Als sich dann noch Franzi in Sophie verliebte, war es ausgerechnet Otto, der sich gegen Franz wandte.

Dies war das Ende der ansonsten guten Beziehung der Brüder. Auch wenn sich Marie Therese immer wieder einmischte und vermittelte, eine brüderliche Freundschaft konnte sie nicht mehr erwirken.

Ab 1900 war Ottos Syphilis offenkundig und sichtbar, weshalb man ihn zu Kuren ins Ausland schickte, doch die Lupusherde im Gesicht waren hier bereits so fortgeschritten und nicht mehr heilbar, dass er sich auf sein Schloss in Schönau an der Triesting zurückzog.

Foto: Wikimedia/Commons
Dr. Viktor Eisenmenger
Foto: ÖNB
Erzherzog Otto „Bolla“

Seine letzte Geliebte, Opernsängerin Luise Robinson (*8.1.1884, †1934) mit der er ebenfalls zwei uneheliche Kinder hatte und seine Mutter blieben bei ihm.

Letztere pflegte ihn so aufopferungsvoll, dass sich Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) um die Erzherzogin schwere Sorgen machte.

Zuerst fiel Otto die Nase ab, so dass er eine Nasenprothese brauchte, um besser atmen zu können.

Als es im Schloss Schönau nicht mehr ging und die Fahrt für Marie Therese zu anstrengend wurde, wurde in Wien Währing eine Villa angemietet.

In der Anton Frank-Gasse 20 wurde Otto heimlich untergebracht und so konnten die beiden Frauen dafür Sorgen, dass sie Tag und Nacht bei ihm sein konnten. Mit Otto ging es immer mehr bergab.

Als er kaum noch atmen konnte, musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden. Dabei wurde ihm eine Kanüle in den Hals geschoben. Das Sprechen fiel ihm unglaublich schwer, er konnte nur noch sitzen, weshalb er aus dem Bett gehoben und in einen Lehnstuhl gesetzt wurde.

So musste er Tag und Nacht verharren. Sobald der Kopf nach vorne sackte, drohte der Patient zu ersticken, weshalb sich Marie Therese und Louise abwechselten und die Tage und Nächte bei Otto verblieben und ihm den Kopf immer wieder gerade rückten.

Otto wurde gewaschen, gefüttert, gewickelt. Und das mit nicht einmal 40 Jahren. Seine Lupusherde waren nun überall am ganzen Körper ausgebrochen, der ganze Raum stank nach Wundbrand.

Marie Therese war so erschöpft, dass sich Dr. Eisenmenger schwere Sorgen um sie machte und ein Verbot aussprach sich weiter um Otto zu kümmern. Doch davon wollte sie nichts hören.

Sobald Otto drohte zu ersticken, wurde der Arzt gerufen und das Röhrchen wurde entfernt und ausgewechselt.

Eines Tages war der Erstickungsanfall so heftig, dass Dr. Eisenmenger zu spät kam.

Erzherzog Otto starb am 1.11.1906 im Beisein von Marie Therese – als einzige der Familie Habsburg. Er war gerade einmal 41 Jahre alt.

Erzherzog Ferdinand Karl

Auch ihrem dritten Sohn Erzherzog Ferdinand Karl (*27.12.1868, †10.3.1915) half sie seine große Liebe zur bürgerlichen Hofratstochter Berta Czuber (*5.12.1879, †5.7.1979) durchzusetzen.

Doch hier versagten alle kläglich. Kaiser Franz Joseph blieb stur.

Die Konsequenzen waren für niemanden absehbar.

Ausgerechnet Erzherzog Franz Ferdinand widersetzte sich dieser Beziehung.

Kennengelernt hatten sich die beiden auf dem Technikerball und schon bald entstand eine Liason, denn Berta war eine ausgesprochene Schönheit und unglaublich gebildet.

Ihr Vater war Mathematikprofessor an der Technischen Universität.

Foto: Wikimedia/Commons
Berta Czuber
Foto: Wikimedia/Commons
Ferdinand Karl

Ferdinand Karl fiel weder als Thronfolger ins Gewicht, noch sonst irgendwie auf.

Sein Status im Habsburg Haus war:
er war anwesend.

Ansonsten hatte er einen militärischen Rang, hatte einige Repräsentationsaufgaben und sonst nichts zu tun.

Foto: Wikimedia/Commons
Maria de la Mercedes

Pläne zur Hochzeit gab es für den 32jährigen erst, als der Junggeselle partout alles ablehnte, was ihm vorgestellt wurde.

So z.B. die spanische Infantin Maria de la Mercedes (*11.9.1880, †17.10.1904), Tochter von Königin Maria Cristina (*21.7.1858, †6.2.1929) und König Alphons XII (*28.11.1857, †25.11.1885).

Königin Maria Christina war immerhin eine Habsburgerin und saß alleine auf dem spanischen Thron, da ihr Mann schon lange an Tuberkulose verstorben war. Doch Ferdinand Karl weigerte sich hartnäckig.

Franz Ferdinand fürchtete schwere Imageschäden fürs Kaiserhaus und schrieb an seinen Onkel einen Brief, in dem er die Beziehung untersagen wollte:

„Ich fürchte immer bei Ferdinand einen Coup de tête(**) und das wäre schrecklich, denn diese Czuber ist eine abgefeimte Canaille.“ (2)

Gerade Franz Ferdinand solle es besser Wissen.

Seine Sophie wurde am Hof geschnitten wo es ging.
Doch er stellte sich quer, wollte nichts hören und nichts sehen.

Hilfesuchend wand sich Ferdinand Karl an seine Mama.

Immer lauter und bösartiger wurden die Stimmen gegen Berta, von der im Kaiserhaus über ein unstetes Leben berichtet wurde.

Ferdinand Karl gab zu Recht nichts auf dieses gemeine Getratschte, kannte er den Wiener Hof nur zu gut.

Es hatte seine Tante Sisi aus dem Hause getrieben, die Zeit ihres Lebens vor dem Adel floh, da sie als „Landadel“ und nicht „gut genug für den Kaiser war“ (der Unterschied zur Erblinie „in“ und „von“ Bayern kann hier nachgelesen werden).

Auch hier intervenierte wieder einmal Mama Marie Therese. Doch je älter ihr Schwager wurde, desto verknöcherter und sturer wurde er.

Einzig zwischen Ferdinand Karl und Franzi konnte sie vermitteln und eine Versöhnung erreichen.

Foto: Wikimedia/Commons
Berta und Ferdinand Burg

Aus Trotz und Kummer fuhr das schwerverliebte Paar in die Schweiz nach Chur, wo sie am 15.8.1909 heimlich heirateten.

Danach ging das Paar auf Reisen. Ferdinand Karls Tenor lautete: Wenn sein Onkel von der Ehe mit der gebildeten und hübschen Hofratstochter erfahren wird, wird er klein beigeben.

Doch der Tenor blieb aus.

Die Rechnung wurde ohne dem Onkel gemacht.

Kaiser Franz Joseph war es gewohnt als erste Instanz zu gelten und nicht übergangen zu werden.

Als er von der heimlichen Hochzeit zwei Jahre später erfuhr, tobte er.

Den eigenmächtigen Schritt musste Ferdinand Karl teuer bezahlen.

Er wurde aus der Familie ausgeschlossen. Rang und Titel musste er abgeben, das Goldene Vlies verlangte sein Onkel zurück, aus den Jahrbüchern wurde er getilgt.

Lediglich eine jährliche Apanage stand ihm zu. Des Weiteren wurde Ferdinand Karl gebeten nie wieder nach Österreich zurückzukehren.

Die einzige die wieder einmal zu ihrem Sohn und weiterhin Kontakt hielt war seine Mama.

Das Paar Ferdinand und Berta Burg ließ sich in München und Meran nieder, wo sie die beiden immer wieder besuchte. Leider wurde Ferdinand Karl alsbaldig schwer krank. Die Lungenkrankheit seiner Mutter brach auch bei ihm aus.

Als sein Bruder und seine Schwägerin in Sarajevo erschossen wurden, intervenierte sie beim Kaiser und dieser erlaubte für die Begräbnisfeierlichkeit eine Rückkehr des Verbannten.


Ferdinand Karl war kaum noch wiederzuerkennen.
Er zählte erst 46 Jahre, sah aber aus wie ein Greis.

Er konnte sich kaum auf den Beinen halten, so dünn und ausgezehrt war er. Als es mit ihm zu Ende ging, rief Berta Marie Therese und diese eilte nach München und pflegte wieder einmal ihren Sohn bis zum Tode aufopferungsvoll und voller Liebe.

Im Beisein seiner geliebten Berta und seiner Mutter starb er friedlich am 10.3.1915 46jährig.

Marie Therese sorgte für die Überfahrt nach Obermais nach Meran, wo er in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Jahre später sollte Berta ihm folgen.

Erzherzogin Margarete Sophie

Foto: Wikimedia/Commons
Albrecht Herzog von Württemberg
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Margarete Sophie

Und auch ihr viertes Stiefkind Margarete Sophie beerdigte sie.

Margarete Sophie (*13.51870, †24.8.1902) wurde zuerst Äbtissin im Damenstift Prag, bevor sie sich zur Hochzeit mit Albrecht Herzog von Württemberg (*23.12.1865, †31.10.1939) entschloss.

Doch noch vor der Verlobung wurde Margarete Sophie schwer krank. Leider ist nicht herauszufinden, an welcher Krankheit sie litt.

Mama Marie Therese eilte auch an dieses Krankenbett und pflegte ihre Tochter bis sie wieder gesund war. Es dauerte monatelang.

Am 24.1.1893 konnte im Beisein von Kaiser Franz Joseph in der Hofkapelle der Hofburg Wien die Hochzeit gefeiert werden.

7 Kinder wurde dem Paar geboren, bevor sie am 24.8.1902 in Gmunden 32jährig starb. Leider ist auch hier nicht überliefert an was Margarete starb.

Franz Ferdinand war untröstlich seine geliebte Schwester zu verlieren.

Marie Therese hatte im Laufe der Zeit zwischen 1902 und 1914 alle ihre Stiefkinder begraben und trotzdem ihren Glauben nicht verloren.

Nun blieben ihr nur noch ihre Enkelkinder und ihre beiden eigenen Töchter.

Erzherzogin Maria Annunziata „Miana“

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Maria Annunziata und Siegfried Herzog in Bayern
Verlobung in Possenhofen

Maria Annunziata wurde eine äußerst enge Vertraute von Kaiser Franz Joseph.

Sie verlobte sich mit Siegfried in Bayern (*10.7.1876, †12.3.1956) einem Sohn von Max Emanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893), einem Bruder von Kaiserin Elisabeth.

Doch Siegfried zeigte auf der Verlobungsfahrt nach England ein absonderliches Verhalten, so dass Maria Annunziata noch während der Fahrt ihren Onkel bat die Verlobung wieder auflösen zu dürfen.

Siegfried war 1899 vom Pferd gefallen und zeigte seit dem schwere Auffälligkeiten.

Er schrie, zog sich in der Öffentlichkeit aus, pinkelte in die Kajüte oder aufs Essen, onanierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit, auch in der Öffentlichkeit und bot generell einen traurigen Anblick, obwohl er ein sehr hübscher Mann war.

Kaiser Franz Joseph gewährte die Bitte und so wurde diese gelöst und Maria Annunziata kam zurück.

Sie verlobte sich nie mehr, obwohl sie als sehr große Schönheit galt.

Sie wurde die Erste Dame am Wiener Hof, eine schwierige Aufgabe, die schon ihre Mutter übernommen hatte, als diese noch verheiratet war.

Maria Annunziata war es auch, die Karl und Prinzessin Zita von Bourbon Parma (*9.5.1892, †14.3.1989) verkuppelte.

Maria Annunziata und Kaiser Franz Joseph standen sich so nahe, dass er sie sogar ins Vertrauen über die Mayerling Affäre zog.

Sie nahm die Geschichte mit ins Grab.

Erzherzogin Maria Annunziata starb am 7.4.1961 in Vaduz und ruht in Vaduz bei ihrer Schwester.

Erzherzogin Elisabeth Amalie

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie und Alois von und zu Liechtenstein

Elisabeth Amalie Eugenia ehelichte Alois von und zu Prinz Liechtenstein, dem sie in jede Garnison nachfolgte.

Sie war eine Autonärrin und sammelte diese. Insgesamt 8 Kinder wurde dem Paar geboren.

Sie begleitete ihren Mann zu den Garnisonen und ging gerne Jagen. 1909 erbte ihr Mann das schloss Ullersdorf in Mähren, wo sich die Familie niederließ.

1923 verzichtete Alois auf den Thron in Liechtenstein und übergab diesen an seinen Sohn Franz Josef. Im 2. Weltkrieg holte dieser seine betagten Eltern nach Liechtenstein.

Elisabeth von und zu Liechtenstein starb am 13.3.1960 81jährig in Vaduz.

Foto: SHB
Kaiser Franz Joseph 

Erzherzogin Marie Therese war von Anbeginn nach Kaiserin Elisabeth die Erste Dame am Wiener Hof.

Als Kronprinz Rudolf, der seine Tante sehr verehrte und liebte, Kronprinzessin Stephanie ehelichte, wurde Marie Therese von dieser abgelöst.

Als sich Rudolf umbrachte, fiel die Aufgabe wieder Marie Therese zu, denn eine Witwe konnte und durfte nicht Erste Dame des Landes sein.

Als ihr Mann Erzherzog Karl Ludwig starb benahm sich der Wiener Hof absonderlich.

Zuerst umwarb man sie nach Rudolfs Tod als zukünftige Kaiserin und kroch ihr beinahe in den Allerwertesten, da nach Kaiser Franz Joseph Erzherzog Karl Ludwig als Thronfolger feststand.

Als dieser 1896 starb war es mit den Plänen „Kaiserin Marie Therese“ vorbei und die Höflichkeit des Hofes hatte ein Ende.

Die Aufgabe der Ersten Dame fiel nun Erzherzogin Maria Josepha zu. Sie war die Ehefrau von Erzherzog Otto „Bolla“ und Mutter von Karl, obwohl als Thronfolger Franz Ferdinand feststand.

Nun kamen die Pläne der Heiratsvermittler auf dem Plan.

Da sich Kaiser Franz Joseph und seine Schwägerin Marie Therese außerordentlich gut verstanden und sich beide sehr schätzten, wollte man, dass die beiden sich verheiraten.

Dies hätte auch den Mittel zum Zweck gehabt, dass Franz Ferdinand „quasi“ der Sohn von Kaiser Franz Joseph werden konnte und als „Kronprinz“ anerkannt werden könnte.

Doch Marie Therese lehnte diese Pläne ab.

Als 1906 Erzherzog Otto starb war auch die Zeit für Erzherzogin Maria Josepha als Erste Dame des Hauses vorbei und Tochter und Vertraute von Kaiser Franz Joseph Erzherzogin Maria Annunziata trat an diese Stelle.

Diese verschaffte nicht nur wieder das hohe Ansehen für ihre Mutter zurück, sondern hielt auch wie üblich den ersten Teetisch.

Jede Erste Dame des Hofes hatte nicht nur beim Hofball den Circle zu leiten, sondern auch den Ersten Teetisch über.

Da Kaiserin Elisabeth diese Aufgabe zuwider war, überließ sie mit Freude diese Aufgabe Marie Therese, nach deren Tod übernahm dies natürlich zuerst Maria Josepha, danach bis zum Monarchie Ende Maria Annunziata.

Marie Therese war eine Befürworterin des Roten Kreuzes, welches sie tatkräftig mit Spenden und persönlichen Besuchen unterstütze.

Ihre eigene Tochter Maria Annunziata arbeitete bei Erzherzogin Maria Josefa im Palais Augarten und widmete sich den Kranken und Verwundeten. Um nicht erkannt zu werden, haben viele Erzherzoginnen „bürgerliche Namen“ gewählt.

Foto: collections.nlm.nih.gov
Marie Therese als Schwester Michaela

Marie Therese wählte den Namen „Schwester Michaela“ (dieser Name findet sich in ihrem Taufnamen weit hinten).

Sie meldete sich im Vereins-Reservespital Nr. 2 in der Hegelgasse Wien 1. Sie arbeitete als Oberkrankenschwester und half bei Operationen mit.

Sie ließ keinen Dienst aus, war stets freundlich und pflegte aufopferungsvoll und voller Hingabe und trug immer ihre Schwesterntracht.

Foto: Wikimedia/Commons
Maria Antonia von Portugal

Aber nicht nur in Wien versah sie ihren Dienst, sie ging auch direkt an die Front.

Vor allen die schwer gefürchteten Isonzofronten hatten es ihr angetan. Sie benutzte die Straßen, die unter schweren Beschüssen standen, sammelte Verwundete auf und verlor nie den Mut, waren die Verletzungen – vor allem Kopfverletzungen noch so grausam und schwer.

Zahlreiche Auszeichnungen bezeugen ihre Kriegseinsätze, doch auf diese legte sie keinen Wert.

Bevor Kaiser Franz Joseph entschlief war sie in Österreich zurück, um auch hier bei der Familie zu sein.

Sie begleitete ihren Schwager auf seinem letzten Weg, der hier nachgelesen werden kann.

Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Sie sah wie ihr Enkel Kaiser Karl und ihre Nichte Zita den Thron übernahmen.

Ihre Schwester Maria Antonia Infantin von Portugal (*28.11.1862, †14.5.1959) war immerhin die Mutter von Zita und somit war Marie Therese ihre Tante.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese als Witwe

Als das Ende der Monarchie eingeläutet wurde, befand sich „Schwester Michaela“ an der Südfront um im Lazarett zu helfen.

Sie hörte von Karls Debakel in Österreich und wollte nach Wien, um ihren Enkel zu helfen.

In Deutschland kam sie nicht weiter, da man ihr vorwarf, den Bündnispartner Deutschland nicht wertzuschätzen.

Erzherzogin Marie Therese musste Beweise antreten, dass sie in Deutschland geboren wurde und ihre Mutter eine Deutsche Adelige war.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Unter diesen schwierigen Umständen gar nicht so einfach. Als sie Deutschland verlassen durfte, war ihr Enkel und Zita mit den Kindern bereits über alle Berge.

Sie ging nach Wien zurück, wo sie in einer kleinen 3 Zimmer Wohnung lebte. Ihr gesamtes Personal musste sie entlassen das Palais war im Begriff verkauft zu werden. Die einst so reiche Marie Therese besaß kaum noch etwas. Doch auch jetzt beklagte sie sich nicht.

Am 3.4.1919 verkündete die Republik Österreich das Adelsaufhebungsgesetz.

Daraufhin verließen Erzherzogin Marie Therese und ihre Tochter Erzherzogin Maria Annunziata Österreich in Richtung Schweiz.

Dort erfuhren sie, dass auch Karl und Zita in der Schweiz angekommen waren.

Nun versuchte Kaiser Karl seine Restaurationsversuche, die allerdings allesamt scheiterten.

Nun zog man sich aber den Unmut der Schweiz zu, die sich verraten fühlte und die gesamte Familie auswies.

Maria Annunziata zog zu ihrer Schwester nach Liechtenstein, Maria Josepha, die Mutter von Karl ging nach Deutschland zurück.

Einzig Marie Therese durfte bleiben.

Sie behielt die Kinder von Zita bei sich, um ihnen ein sicheres Leben zu geben.

Aus Madeira erhielt sie Post und erfuhr, dass das Paar in Funchal gelandet war.

Foto: Wikimedia/Commons
Robert von Habsburg

Als Robert (*8.2.1915, †7.2.1996) an einer schweren Blinddarmentzündung erkrankte, verständigte Marie Therese Zita.

Diese durfte auf Bitten und Drängen bei den Behörden von Marie Therese für 14 Tage das Land Schweiz unter polizeilicher Bewachung wieder betreten.

Als der Kranke noch nicht geheilt war, musste Zita ohne ihrem Kind das Land wieder verlassen.

Diesmal fuhr Marie Therese mit, um Zita eine Stütze zu sein.

Erst am 2.3.1922 konnte Robert mit Gräfin Kerssenbrook, die bei ihm geblieben war, nach Madeira nachkommen.

Doch auch auf Funchal ging alles schief, was nur schief gehen konnte und so musste sie auch ihren Enkel alsbaldig begraben.

Foto: Wikimedia/Commons
alle Kinder von Karl und Zita

Während es in der Hauptstadt warm und sonnig war, wurden Zita, Karl und die Kinder, welche zu diesem Zeitpunkt bereits geboren waren,

  • Otto von Habsburg (*20.11.1912, †4,7.2011), Österreichs letzter Kronprinz
  • Adelheid (*3.1.1914, †2.10.1971)
  • Robert (*8.2.1915, 7.2.1996)
  • Felix (*31.5.1916, †6.9.2011)
  • Carl Ludwig (*10.3.1918, †11.12.2007)
  • Rudolph (*5.9.1919, †15.5.2010)
  • Charlotte (*1.3.1921, †23.7.1989)

in einem zugigen Haus ohne Licht, Heizung und Wasser nur im Erdgeschoss auf dem „Monte“ untergebracht.

Die eigene Bevölkerung mied im Winter diesen Berg.

Die Dienerschaft, die das Kaiserpaar ebenfalls begleitet hatte, schlug die Hände über den Kopf zusammen, ob des schlechten Zustandes dieses Hauses. Ein Diener fasste sich ein Herz und warnte Marie Therese vor dem Haus, die jedoch bei Karl auf taube Ohren schlug.

Da die Familie kein Geld mehr besaß und sich das Hotel nicht mehr leisten konnte, war man auf die Almosen und Hilfe des Volkes angewiesen. Das Haus wurde dem Paar zur Verfügung gestellt. Das Schicksal schlug unbarmherzig zu.

Kaiser Karl verkühlte sich und konnte sich in dem zugigen, von Schimmel belasteten Haus nicht erholen.

Wieder war es Marie Therese die Tag und Nacht am Krankenlager des Kranken saß, der von Fieber geschüttelt wurde und dem es immer schlechter ging.

Er bat seine mittlerweile wieder schwangere Frau Zita zu sich und bat sie bei König Alfonso XIII in Spanien um Hilfe anzusuchen. Außerdem musste sie ihm versprechen, alles mögliche zu versuchen, das Kaiserreich zurückzuerobern.

Noch am selben Tag starb Kaiser Karl im Beisein seiner Großmutter 34jährig am 1.4.1922.

Nun machte sich Marie Therese also mit der hochschwangeren Zita auf den beschwerlichen Weg von Portugal nach Spanien.

Königin Maria Cristina, eine Großcousine von Kaiser Franz Joseph und ihr Sohn König Alfonso XIII (*17.5.1886, †28.2.1941) nahmen sie im El Pardo Palast in Madrid bereitwillig auf.

Hier brachte Zita ihr letztes Kind Elisabeth Charlotte (*31.5.1922, †6.1.1993) zur Welt.

Während die Familie in Spanien blieb, hieß es für Marie Therese Abschied zu nehmen.

Sie wollte zu ihrer Tochter Maria Annunziata nach Österreich zurück, die zwischenzeitig wieder aus Liechtenstein zurück war.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese im Alter

Das genaue Datum des Übertritts ist nicht bekannt, allerdings half ihr Polizeipräsident Schober nach Wien zurück.

Weder Marie Therese, noch ihre Tochter Maria Annunziata mussten auf ihren Titel „Erzherzogin“ verzichten. Sie stellten für die Republik Österreich keine Gefahr dar.

Zur großen Überraschung konnte ihre Familie das Palais Erzherzog Carl Ludwig (er)halten, weshalb Maria Annunziata und Marie Therese zurückkehren konnten. Sogar vom Personal kamen einige zurück und halfen der mittlerweile betagten Dame im Haushalt.

Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor und Maria José in Bayern

Durch ihre Tätigkeit beim Roten Kreuz gingen viele Ärzte im Palais Ein und Aus.

Auch der „Adel“ von Wien kam ins Palais und Marie Therese stieg quasi wieder zur Ersten Dame der Gesellschaft auf.

Ihre Sommermonate verbrachte sie mit ihrer Schwester Maria José Herzogin in Bayern (*19.3.1857, †11.3.1943) in Gastein, welche den Bruder von Kaiserin Elisabeth Karl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) geheiratet hatte.

1938 erlebte sie noch wie ihre beiden geliebten Enkel Max und Ernst von Hohenberg ins Konzentrationslager Dachau gebracht wurden.

Die von Hohenbergs waren die Kinder von Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie. Während Max auf Intervention seiner Frau nach einem halben Jahr frei kam, musste Ernst 5 Jahre verschiedene Konzentrationslager erdulden.

1944 erlebte sie noch die Freilassung und konnte – Ernst einigermaßen gesund – wieder in die Arme schließen.

Vom Glanz und Gloria der Habsburg-Zeit, der Wiener Hofbälle, Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph, das tragische Ende ihres Neffen Rudolf, bis hin zum Fall der Monarchie, 4 Kinder und einen Enkel begrub sie, Entbehrungen und viel Leid ertrug Marie Therese mit Würde und Stolz, Haltung und viel Eleganz.

Kein Klagen kam je über ihre Lippen. Sie war durch und durch eine Dame und durch und durch die gute Seele des Hauses Habsburg, das ihr viel zu verdanken hatte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Wandnische, Erzherzogin Marie Therese, Kapuzinergruft

Erzherzogin Marie Therese erlebte das Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr.

Sie starb am 12.2.1944 88jährig im Beisein ihrer Töchter Erzherzogin Maria Annunziata, Prinzessin Elisabeth Amalie von und zu Liechtenstein, Max und Ernst Hohenberg in ihrem Palais Erzherzog Carl Ludwig.

Der Nazi-Reichsstatthalter und Gauleiter von Wien Baldur von Schirach hätte ihr beinahe das ordentliche Begräbnis in der Kapuzinergruft verweigert.

Ihr Schwiegersohn Alois von und zu Liechtenstein erwirkte die Erlaubnis und so konnte sie mit allen Ehren einer Erzherzogin ihre letzte Ruhestätte in der Kapuzinergruft antreten. Sie ruht heute in einer Wandnische.

– Petra – 

Foto: Wikimedia/Commons
Unterschrift von Erzherzogin Marie Therese

Fußnoten: 

(*) In jedem (!) historischen Buch ist zu lesen, dass Erzherzog Karl Ludwig, bei der Hochzeit 44 Jahre alt war. Dies stimmt ob seines Geburtsdatums nicht. Er stand ganz knapp vor seinem 40. Geburtstag. 

(**) Coup de tête – aus einer Laune heraus; eine Entscheidung betreffend


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra
Stammbaum: Petra
Fotorechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, collections.nlm.nih.gov, planet-wissen.com, albertmilde.com, ÖNB, schloss-artstetten.at, geneall.net


Literatur Hinweise:

1 – S. 38
Norbert Nemec
Marie Therese von Braganza
Der gute Geist im Hause Habsburg
Editions Praesens, 1. Auflage, 2000 (nur antiquarisch erhältlich)

2 – S. 88
Diana Carmen Albu-Lisson
„….denn…[sie]…ist eine abgefeimte Canaille…“
Kral-Verlag, 2013, 1. Auflage

Sabine Fellner, Katrin Unterreiner 
Morphium, Cannabis und Cocain 
Amalthea Verlag, 2008, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Gabriele Praschl-Bichler 
Kinderjahre Kaiser Karls – Aus unveröffentlichten Tagebüchern seines Großvaters
Amalthea Verlag, 2014, 1. Auflage 

 

Der kleine Flirt von Kaiserin Elisabeth

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: Ludwig Angerer

Es war der 17.2.1874 als Kaiserin Elisabeth gelangweilt in Wien fest saß. Kaiser Franz Joseph war mit Graf Gyula Andrássy (*3.3.1823, †18.2.1890) in St. Petersburg.

Obwohl Elisabeth gerade aus Ungarn kam, überlegte sie zurückzukehren. Doch die ewigen Vorwürfe, sie sei zu wenig in Wien, hielten sie davon ab.

Außerdem reagierte Ungarn etwas verstört, als der Kaiser von Österreich und König von Ungarn nach Russland fuhr. 

Foto: Wikimedia/Commons
Gyula von Andrássy

Allein in der Hofburg, nur umringt von ihren Hofdamen, wurde ihr schnell langweilig. Vor den Toren der Hofburg hörte sie das schallende Lachen verkleideter Menschen, denn der Fasching war in vollem Gange.

Die Wiener Redoute, ein damals berühmter Faschingsball, öffnete zu dieser Zeit seine Tore und von allen Seiten strömten Kutschen herbei. Der Adel und die Reichen von Wien und dem Ausland strömten verkleidet und mit guter Laune in den Redoutensaal.

Elisabeth bat ihre Vorleserin und enge Vertraute Ida von Ferenczy (*7.4.1839, †28.6.1928) zu sich.

Und so hegten die beiden Damen einen perfiden Plan aus, um nicht nur der Langeweile, sondern auch den Wachen vor den Türen zu entkommen.

Fanny Feifalik (*28.1.1842, †14.7.1911) wurde damit beauftragt, die Kaiserin zu „verkleiden“.

Seit Jahren schon vertraute Elisabeth nur Fanny. Obwohl die beiden oft Streitigkeiten hatten, ließ Elisabeth kaum jemand anderen an ihre Haare.

Fanny machte sich einen Spaß aus der ganzen Sache und stülpte über die ohnehin schon schwere Haarpracht eine rotblonde Perücke.

Dazu wurde ein gelbes Seidenkleid mit überdimensionaler Schleppe gewählt. Diese sollte später noch auf dem Ball für große Aufregung sorgen.

Über dem Gesicht trug Elisabeth eine schwarze Maske mit dichtem schwarzen Schleier.
Die Damen waren sich einig: Niemand würde die Kaiserin damit erkennen.

Foto: forum.alexanderpalace.org
Fanny Feifalik

Ida von Ferenczy wurde in ein rotes Dominokleid gesteckt. Ihr Gesicht wurde ebenfalls mit einer Maske verborgen. Niemand sollte die Vorleserin Ihrer Majestät erkennen.

Außer den genannten Damen wurde noch Kammerfrau Schmidl in das Geheimnis eingeweiht. Sie kleidete die Damen ein. Sie schwor das Geheimnis zu bewahren.

Woher kamen die Verkleidungen und wie sahen diese ungefähr aus?

Lange begab ich mich auf die Suche, da ihr mich mit euren Kommentaren auf der Facebookseite wieder einmal herausgefordert habt.

Ein venezianisches Kostüm soll es gewesen sein, so euer Tenor. Also begab ich mich auf die Suche…

…und wurde schließlich bei einer Zarin fündig. Allerdings lebte diese im 18. Jahrhundert. 

Jelisaweta Petrowna Romanowa (Elisabeth Petrowna Romanow) (*29.12.1709, †5.1.1762) trug ein venezianisches Dominokostüm in schwarzer Seide und ließ sich von Georg Cristoph Grooth portraitieren. 

Foto: Wikimedia/Commons
Jelisaweta Petrowna Romanowa
Foto: photo.rmn.fr
Ausschnitt des Bildes „Le Charlatan“ von Falca Pietro

In Paris im Grand-Palais hängt von Falca Pietro (*5.11.1701,8.5.1785) ein Bild welches „Le Charlatan“ heißt.

Auffallend dabei ist allerdings, dass auf dem Bild ein Mädchen ein Dominokostüm trägt, einen Fächer in der Hand hält und sich mit einem Mann unterhält, der eine Maske trägt.

Das Mädchen selbst ist allerdings demaskiert.

Ich zeige euch einen Bildausschnitt, da das Kostüm von Interesse ist.

Schon in Versailles zu Marie Antoinettes Zeiten veranstaltete man Faschingkostümfeste und sogar die Königin selbst ging einmal als Domino, wurde allerdings erkannt.

Foto: thisversailles.com, Dominokostüm

Die Maske bedeckte das gesamte Gesicht. Der Mantel stammte aus Venedig und wurde immer aus Seide gefertigt.

Die frühen Maskeraden waren in ganz Europa in Mode, was die Verwendung des Dominomantels weiter verbreitete. Beide Stücke waren meist schwarz, wurden aber später auch in bunten Stoffen gefertigt. Der Dominomantel war voluminös – dies deshalb, sollte es einen Hauch von Dramatik erzeugen und das Geheimnis der Frau noch mehr hervorheben.

Sowohl Männer, als auch Frauen trugen Dominomäntel, allerdings waren die Mäntel der Männer nicht so voluminös gearbeitet, wie die der Frauen.

Die Ärmel waren breit und in der Regel war der Mantel mit einer abnehmbaren Kapuze ausgestattet.

Das Wort „Domino“ wurde von den Kapuzen der französischen Priestern abgeleitet, die diese im Mittelalter getragen hatten.

Elisabeth nahm in der Gestalt des Dominos einen „Decknamen“ an.

Ida sollte sich weder mit Majestät, noch mit Elisabeth oder Sisi in der Öffentlichkeit verraten.

Sie entschieden sich für den Namen „Gabriele“.

In vielen historischen Büchern ist der Name einer weiteren Hofdame Gabriella Pállfy de Erdöd (*17.11.1833, †22.3.1914) auffällig und es wird angenommen, dass diese dafür herhalten musste.

Doch Biograph Egon C. Conte Corti schrieb, dass die Kammerfrau Schmiedl Gabriele hieß und sich so der Name ableitete.

In vielen historischen Biographien wird der Name „Gabriella“ zitiert. Ich bleibe bei Gabriele von Conte Corti.(*)

Um an den Wachen vorbei zu schleichen, wandten die Damen eine List an:

Kammerfrau Schmidl war von ebengleicher hoher Gestalt wie die Kaiserin und so nannte Ida diese beim Vornamen, damit diese glaubten, dass die Kammerfrau und die Vorleserin der Kaiserin „Aus“ gingen. Es muss ein Spaß gewesen sein, wenn man es heute betrachtet.

Im Saal angekommen, nahmen die Damen einen Platz auf der Galerie ein. So konnten sie den Saal überblicken und waren nicht inmitten des Getümmels.

Die Blicke streiften umher und so zog ein junger Mann den Blick von Kaiserin Elisabeth an. Sie bat Ida den jungen Mann zu ihr zu bitten. Ida tat wie geheißen und forderte den Mann auf, ihre „Freundin“ die einsam auf der Galerie säße, würde ihn gerne kennen lernen. 

Foto: Wikimedia/Commons
Hofdame Gabriella Pállfy de Erdöd

Er stellte sich als Friedrich Pacher List von Theinburg (*1847, †12.5.1934) vor. Er war 26 Jahre alt und von Beruf Beamter.

Fritz, wie er genannt wurde, kam aus dem Staunen nicht heraus. Die schlanke Gestalt, die Maske und das Kleid verrieten die Kaiserin gleich als „höheren Adel“.

In der Biografie von Conte Corti lässt sich lesen, dass er sofort einen Verdacht hegte, als er die „schöne Dame“ sprechen hörte.

Kaiserin Elisabeth war es nicht gewohnt in der Öffentlichkeit zu sprechen und wirkte oft einsilbig.

Man wusste allgemein, dass die Kaiserin kaum hörbar sprach, oft nur flüsterte. Auch dieser gelbe Domino sprach so leise, dass er Mühe hatte dem Gespräch zu folgen, zumal es schnell zum Erliegen kam.

Das bunte Treiben im Saal, war seltsam anzuschauen, wenn man die steife Haltung der beiden Damen bedenkt. Obwohl sich Ida diskret zurückgezogen hatte, blieb sie in der Nähe und beobachtete die Szene genau. 

Schon bald änderte sich das Gespräch und plötzlich wollte Elisabeth wissen, ob er die Kaiserin kenne und was man sich über sie erzähle.

Ein Gedanke zuckte wie ein Blitz durch seinen Körper. Er ahnte, dass sie es war, die vor ihm stand, doch beweisen konnte er es nicht.

Fritz Pacher erzählte, dass er sie persönlich nicht kennengelernt habe, da sie sehr scheu sei. Er habe sie aber im Prater beim Reiten gesehen. Selbstverständlich nur aus der Ferne. Sie gäbe sich – anstatt mit dem Volk – lieber mit ihren Hunden und Pferden ab. Zumindest erzähle man sich das auf der Straße.

Elisabeth hörte interessant zu und lächelte verzückt vor sich hin. Natürlich erwähnte er auch ihre außergewöhnliche Schönheit, von der ganz Wien sprach und ihre hervorragende Figur.

Der gelbe Domino soll sich daraufhin amüsiert gerade gerichtet haben. 

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Gisela von Bayern

Als die Kaiserin fragte, für wie alt Fritz sie halte, nannte er keck das echte Alter von Elisabeth. Sie war zum damaligen Zeitpunkt 36 Jahre alt.

Elisabeth war am Höhepunkt ihrer Schönheit, allerdings bereits zu ihrem großen Verdruss Großmutter.

Ihre Tochter (verehelichte) Gisela Prinzessin von Bayern (*12.7.1856, †27.7.1932) hatte am 8.1.1874 ihre Tochter Prinzessin Elisabeth Marie zur Welt gebracht (Anmerkung Petra: nicht zu verwechseln mit Erzsi, welche ebenfalls Elisabeth Marie hieß und die Tochter von Kronprinz Rudolf (*21.8.1858, †30.1.1889) war. Diese wurde allerdings erst am 2.9.1883 geboren).

Daraufhin endete das Gespräch abrupt. Beleidigt nannte Gabriele ihn „unhöflich“ und stand auf. Danach soll sie

„So, jetzt kannst du abfahren!“ (1)

gesagt haben.

Foto: Wikimedia/Commons
Fritz Pacher von Theinburg

Fritz antwortete ironisch:

„Das ist aber wirklich liebenswürdig, zuerst läßt du mich zu dir heraufkommen, quetschst mich aus und gibst mir dann den Laufpaß. Gut, ich gehe, wenn du genug von mir hast, aber eines glaube ich doch von dir verlangen zu können: einen Händedruck zum Abschied.“ (2)

Elisabeth setzte sich darauf hin und gebot Fritz nochmals Platz zu nehmen.

Das freche, unkonventionelle Verhalten des jungen Mannes beeindruckte sie sehr.

Mit diesem Satz wandelte sich für die beiden der Abend. Elisabeth taute auf und ging nun am Arm von

Fritz Pacher von Theinburg durch den gesamten Ballbereich.

Sogar die Nebenräume sahen sich die beiden an. Fröhlich wurde über Politik, das Kaiserhaus und sogar über Allerlei (heute würde man small talk dazu sagen) gesprochen.

Elisabeh war nicht wiederzuerkennen. Fritz selbst benahm sich wie ein Gentlemen. Ließ schlüpfrige Witze, machte keine zweideutigen Andeutungen und ließ das Flirten. Später erzählte er Conte Corti, dass er wusste, es würde keinen Sinn machen.

Jeder der ihn an diesem Abend mit dem „gelben Domino“ sah, ging erstaunt zur Seite.
Zu königlich der Gang des Dominos.
Zu schlank, zu hochgewachsen, zu schön die gesamte maskierte Gestalt.

Obwohl von Theinburg diese Szenen genoss, so war ihm innerlich unbehaglich. Die adelige Gesellschaft begann sich um das Paar zu platzieren und man tuschelte unentwegt und versuchte die Identität der gelben Dame zu erraten.

Foto: Wikimedia/Commons
Miklós Pál Esterházy de Galántha „Sport-Nikki“

Nur einer war dabei, der wusste wer sie war.

Freund und Sportsmann Nikki Esterházy (Miklós Pál Esterházy de Galántha, genannt Nikki oder auch Sport-Nikki) (*5.12.1839, †7.5.1897) erkannte Elisabeth.

Zu oft war er zu Gast auf Schloss Gödöllö und an ihrer Seite, als dass er ihre Stimme, ihren Gang und ihre Art nicht erkennen würde. Doch er schwieg. 

Fritz von Theinburg bat um ein weiteres Rendezvous. Elisabeth, die vorgab, keine feste Adresse zu haben, da sie permanent auf Reisen sei, gab ihm zu verstehen, dass vielleicht ein Treffen in Stuttgart oder München möglich wäre und ob er dorthin eilen würde.

Er würde überall hinreisen, gab er an, Hauptsache er könnte „seinen schönen Domino“ wiedersehen. Als er darum bat, dass sie zumindest den Handschuh ausziehen solle, damit er ihre Haut und Hände bestaunen könne, lehnte Elisabeth ab. Das Geheimnis sollte bewahrt werden. 

Mittlerweile war der Ball fortgeschritten. Weit nach Mitternacht und Ida wurde immer nervöser und kam immer öfter zu Elisabeth zurück. Sie hatte sich entfernt, als diese begann im Saal herumzulaufen.

Doch Elisabeth ließ sich die Adresse von Fritz geben und versprach alsbaldig zu schreiben. Die Kutsche fuhr vor und die beiden Damen entschwanden in der dunklen Nacht. 

Kaiserin Elisabeth war bang beim Gedanken, dass er ihr folgen würde. Ida ließ den Fiaker noch in die Vorstadt fahren. Berauscht und glückselig saßen die beiden Damen in der Kutsche. 

Angekommen, setzte sich Elisabeth noch an ihren Schreibtisch und dichtete folgende Zeilen: 

Wo sich bunte Masken drängen,
Welch Summen, Toben, Lärmen, Schrei'n,
Wie sie zu tollen Walzerklängen
Den Mücken gleich, sich dreh'n und freu'n.

Doch wir zwei wählten uns das Beste;
Wir sassen in den Wagen ein,
Der ward uns bald zum warmen Neste:
Und Dunkelheit hüllt' rings uns ein...." (3)

Berauscht war auch Fritz von Theinburg, der in seine kleine Wohnung zurückging und nicht schlafen konnte. Täglich ging er in den Prater und versuchte die reitende Kaiserin zu erblicken. Ständig blieb er in der Nähe der Hofburg und hoffte, Sisi in einer Kutsche zu sehen. Und tatsächlich. Die Kutsche fuhr knapp an ihm vorbei. Schlagartig drehte sich Elisabeth um, hob den Vorhang zum hinteren Sichtfenster, erblickte den erstaunten Fritz von Theinburg und ließ ihn wieder fallen. Eine Woche später bekam er Post. Aus München. 

„Lieber Freund!

Sie werden erstaunt sein, meine ersten Zeilen aus München zu erhalten. Ich bin seit wenigen Stunden hier auf der Durchreise und benütze die kurzen Augenblicke meines Aufenthaltes, Ihnen das versprochene Lebenszeichen zu geben. Und wie sehnsüchtig haben Sie es erwartet. Leugnen Sie nicht mit Ihrer ehrlichen deutschen Natur. Aber fürchten Sie nicht, ich fordere keine Erklärungen, ich weiß ja so gut wie Sie, was seit jener Nacht in Ihnen vorgeht. Mit tausend Frauen und Mädchen haben Sie schon gesprochen, sich auch unterhalten geglaubt, aber Ihr Geist traf nie auf die verwandte Seele. Endlich haben Sie im bunten Traum das gefunden, was Sie jahrelang suchten, um es für ewig vielleicht wieder zu verlieren.
Ich bin auf dem Wege nach Englang, die Verwandten meiner Mutter in Geschäftssachen aufzusuchen, ein trockener geistermüdender Aufenthalt steht mir bevor. Ich werde lange zehren müssen an den letztverlebten Stunden. – So lange ich kann, gebe ich die Hoffnung auf Stuttgart nicht auf. Von London aus erhalten Sie wieder Nachricht. Schreiben Sie mir einstweilen

Hauptpost poste restante Wien
unter der Adresse „Gabriele F.L.36“

Meine Cousine, deren blonde Haare so grossen Eindruck auf Sie machten, besorgt mir die Briefe.“ 

In Eile grüsst Sie 
Ihre Freunden G. (4)

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Gräfin Festetics
Hofdame

Mit der Cousine war natürlich niemand geringerer als Hofdame Gräfin Ida von Ferenczy gemeint.

Fritz Pacher schrieb sofort zurück und nach 2 Tagen erfährt er, dass der Brief abgeholt worden sei. 

Tage, Wochen danach beschäftigte Ida von Ferenczy noch immer das Geschehen am Ball. Kaiser Franz Joseph und Graf Gyula Andrássy kehrten nicht wie vorgesehen am 11.2.1874 von St. Petersburg zurück, sondern erst am 27.2.1874.

Und obwohl Hofdame Gräfin Marie von Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923) ebenfalls eine Intima von Kaiserin Elisabeth war, wusste diese nichts von diesem Abenteuer. Insgeheim freute sich Ida darüber, obwohl sie sich mit Marie von Festetics außerordentlich gut verstand. 

In der Zwischenzeit sammelte Fritz von Theinburg, alles was über die Kaiserin in der Presse erschien. Jeder noch so unbedeutende Schnipsel wurde ausgeschnitten. Er wollte das Geheimnis seiner schönen Begleiterin lüften, doch so einfach, wie er sich das vorgestellt hatte, war es nicht. Elisabeth verwischte gut ihre Spuren. Zu gut.

Mittlerweile langten immer wieder Briefe ein. Ein weiterer Brief war mit 23.3.1874 datiert. Ebenfalls aus London. Der nächste war nur mit „April 1874“ datiert, wieder angeblich aus London. 

Doch in den Zeitungen war nirgends zu lesen, dass sich Elisabeth dort aufhalten sollte. War er auf der falschen Spur? Oder lügt diese Gabriele nur wie gedruckt. In den Briefen war zu lesen, dass Gabriele Hunde hasste, im Orient sei und wieder gab es eine neue Adresse für ihn. Diesmal sollten die Briefe an „Leonard Wieland, General Postoffice“ in London gehen.

Friedrich Pacher List von Theinburg wurde immer unsicherer. Der sehr hübsche junge Mann glaubte an einen Trugschluss, schrieb aber immer wieder zurück. Dass sich zu dieser Zeit allerdings Königin Marie von Neapel (*4.10.1841,†19.1.1925), eine Schwester von Kaiserin Elisabeth in London aufgehalten hatte, wusste er natürlich nicht. 

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Marie von Neapel

Die ersten Briefe vergaß er „nochmals abzuschreiben“, damit er ihn ebenfalls in Händen halten bzw. für die Nachwelt bewahren konnte. Denn, sollte es Kaiserin Elisabeth gewesen sein, wäre dies für ihre Biographen sicherlich interessant. 1874 so weit vorauszudenken, war sicherlich von Vorteil. 

Elisabeth wäre nicht Elisabeth, wenn sie nicht aus allem einen Wahn entwickelt hätte.

Und so geschah es auch hier. Ein kleiner unbedeutender Flirt an einem Faschingsdienstag, wurde für die gelangweilte Kaiserin eine Passion.

Sie steigerte sich so sehr in diese Geschichte, dass ihre Briefe zwischen Wahn und Wahrheit hin und her hüpften und aus einer kleinen zufälligen Begegnung wieder ein Gedicht machte.

Sie hoffte, dass sich ihr „Freund“ Ferdinand Pacher nach ihr verzerrte. Sie lechzte nach Hinweisen in seinen Worten. 

Als Kaiserin Elisabeth mit ihrer Tochter Erzherzogin Marie Valerie (*22.4.1868, †6.9.1924) wieder im Prater Ausritt, traf sie auf Fritz, der dort (zufällig?) spazieren ging. Überrascht grüßte er sie und lächelte sie überaus freundschaftlich an. Jahre später erzählte Elisabeth ihrer Tochter die Episode als Domino und erwähnte dabei diesen Ausritt. Sie war sich ab diesem Zeitpunkt sicher, dass er sie als gelben Domino erkannt hatte. 

Doch trotzdem oder gerade deshalb schrieb sie über jenes Treffen ein Gedicht: 

Ich seh dich reiten, ernst und traurig, 
In Winternacht im tiefen Schnee; 
Es bläst der Wind so eisig schaurig, 
Mir ist so schwer zumut, so weh!

Im dunklen Osten, fahl verschwommen, 
Da dämmert jetzt ein blasser Tag, 
Mit Centnerlast das Herz beklommen, 
Trägst heimwärst du die bitt're Klag! (5) 

Während Elisabeth vor sich hinträumte und meinte, ihren Seelenfreund gefunden zu haben, den sie doch nicht haben durfte, beging Fritz einen folgenschweren Fehler, den er büßen sollte. Er ging auf den letzten Brief „aus London“ mit Argwohn ein. Er forderte „Gabriele“ auf sich zu bekennen und schrieb ihr, dass er glaube, dass sie Elisabeth heiße. Außerdem sei ihm der kleine Flirt ganz Recht gewesen, mittlerweile sei das Spiel aber langweilig und es wäre an der Zeit die Wahrheit zu sagen. 

Erst zu spät fiel ihm auf, dass er damit alles zerstört hatte. Der Flirt wäre von Elisabeth noch jahrelang betrieben worden, wäre Fritz von Theinburg nicht so unklug gewesen und hätte dieses Antwortschreiben verfasst. Er ärgerte sich massiv über sich selbst. Sein Brief wurde nie beantwortet. 

Foto: Hofburg
Redoutensaal Hofburg, heute

Monate später hoffte er, auf dem erneuten Faschingsball in der Wiener Redoute seinen Domino wiederzufinden.

Und so geschah es 1876, dass ein groß geblümter Domino plötzlich neben ihm stand, sich wie von selbst einhackte und mit ihm spazieren ging.

Doch es war ihm bald klar, dass es sich hier nicht um den „gelben Domino“ handelte. Die Unterhaltung verlief aber außergewöhnlich intim, denn dieser „blumige Domino“ wollte die Briefe von „Gabriele“ zurück. Erstaunt über diese Forderung, antwortete er, nur wenn er seine zurück bekäme. Damit war der Abend zu Ende. 

Am 6.3.1876 erhielt er folgenden Brief: 

„Lieber Fritz, 
Obgleich Du denken wirst, dass ich Dich vergessen, so will ich Dich hiemit vom Gegentheil überzeugen, und Dir mitteilen, dass sich Gabriele sehr freute zu hören, dass Du ihrer noch gedenkst, dass ich ihr Deine Grüsse ausgerichtet ist selbstverständlich und lässt auch sie Dich bestens grüssen. Die Arme hat sich vorgestern den Fuss derart verstaucht, dass sie genöthigt ist, das Bett zu hüten, ich hoffe jedoch, dass der Unfall einen günstigen Verlauf nehmen wird. Ich theile Dir dies mit, da ich denke, dass alles was sie betrifft Dich interessieren dürfte; nun zu etwas anderem. Du sagtest mir auf der letzten Redoute, dass falls Gabriele ihre Briefe zurück will, Du geneigt bist, sie ihr zu senden, gegen Austausch der Deinigen. Trotzdem sie durchaus kein Misstrauen in Dich setzt, so wirst Du doch begreifen, dass es für sie eine Beruhigung wäre, wenn sie wieder in Besitz der Briefe käme, willst Du sie also zurücksenden, so kannst sie poste restante, Wieden unter Henriette B.R., wo ich sie dann abholen lassen werde, und Dir auch gleich die Deinen senden, jedenfalls antworte mir umgehend, wie es Dir geht, was Du noch getrieben, als ich Dich am Dienstag verliess, gewiss unzählige Rendez-vous gegeben nicht wahr? 
Nun will ich Dich nicht länger quälen, sondern bloss Dich bestens grüssen als Dein rother Domino 
Henriette B.R. poste restante Wieden.“ (6)

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferenczy

Doch „Henriette“ hat nicht mit der Verweigerung von Fritz Pacher gerechnet. Sein Antwortschreiben war eher belustigt, als besorgt. Die Briefe sandte er nicht zurück und so wurde der Ton von Henriette entzürnter. Mittlerweile war der „rothe Domino“ zum „Großgeblumten“ Domino geworden und so kam er auf die Idee, dass es sich hierbei um die bekannte Friseurin im Dunstkreis der Kaiserin gewesen sein könnte, die ihm mittlerweile schreibe.

Egal wer ihm schrieb, die Damen amüsierten sich köstlich, allerdings ärgerten sie sich auch, denn die Briefe von „Gabriele“ kamen nicht zurück. 

Der Kontakt riss ab und Jahre gingen ins Land. Fritz von Theinburg wurde Fabrikant und reich. Er heiratete Mathilde Clara Schwäger von Hohenbruck und zeugte mit ihr 3 Töchter: Elisabeth, Edith und Mathilde.

An einem weinseligen Abend erzählte er seiner Mutter und seiner Frau Clara die Episode und seinen Verdacht. Die Damen lachten ihn aus und vermeinten er habe Halluzinationen gehabt.

Alle drei staunten daher nicht schlecht, als nach 11 Jahren ein Brief von „Gabriele“ einlangte. Sie verlangte nach seiner richtigen Adresse und wollte nun – zu seinem großen Erstaunen – eine Photographie von ihm. 

von Theinburg schrieb am 9.6.1885 zurück: 

Lieber gelber Domino!
Ich wüßte nicht, was mich hätte mehr überraschen können als dieses Lebenszeichen von Dir. 
„Aus allen Wolken bin ich gefallen“, wäre zu wenig gesagt, viel zu wenig. Was ist seit diesen elf Jahren alles geschehen? Du prangst wohl noch in alter, stolzer Schönheit – ich bin ein kahlköpfiger, ehrsamer aber glücklicher Ehemann geworden, habe eine Frau, die Dir an Größe und Gestalt ähnelt, und ein herziges kleines Mäderl. Du kannst, wenn Du es für passend findest, ohne Scheu nach diesen langen elf Jahren Deinen Domino ablegen und Klarheit in das räselhafte Abenteuer bringen, das mich von allen jenden, die ich erlebt, am meisten interessiert hat… 
Du siehst, ich bin noch immer das alte „deutsche“, aufrichtige Gemüt mit all den Fehlern von damals. Was mir von Dir kommt, kann nur Gutes sein, also sende immerhin, was Du zu senden hast. Was es auch sei, es wird mich, wie jede Nachricht von Dir, herzlich freuen…“ (7)

Doch Fritz hat nicht mit der lustig gemeinten Antwort gerechnet, die er völlig falsch aufnahmt. Der „rothe Domino“ meldete sich zu Wort und wollte den kahlköpfigen Ehemann Pacher sehen.

Fritz schrieb darauf hin entzürnt zurück. Elisabeth erhielt aus den Händen Idas den Brief mit den garstigen Worten

„Recht leid tut’s mir, daß Du nach elf Jahren noch immer nötig findest, mit mir Verstecken zu spielen. Eine Demaskierung nach so langer Zeit wäre ein hübscher Spaß und ein gutes Ende zu dem Faschingdienstag 1874 gewesen, eine anoyme Korrespondenz entbehrt nach so langer Zeit des Reizes. Dein erster Faschingsbrief hat mich gefreut, der letzte hat mich geärgert. Mißtrauen sieht der nicht gern, der weiß, daß er es nicht verdient. Leb wohl und nichts für ungut!“ (8)

Zuerst ist sie entsetzt über den Ton den er ihr gegenüber anschlägt, dann jedoch besann sie sich, dass er ihr ja so schreibe, als wüsste er nicht, wer sie sei. Sie legte den Brief und das Gedicht, welches sie ihm zur Gegenleistung für ein Foto schicken wollte, zur Seite und schrieb nicht mehr zurück. 

Doch sie wäre nicht Elisabeth, wenn sie nicht noch ein Spottgedicht hinten nach geschrieben hätte: 

Ein ganz gemeines Beast; 
Kahl war er auch, dazu noch schiech, 
Gehör nur auf den Mist. 
Von seiner Schmach ist voll, 
Und jedes Echo heult's
Von Fels zu Fels, im Land Tirol - 
Und Eine ist, die teilt's! (9)

Die Schmach die Briefe nicht zurückerhalten zu haben und auch den Ton, den er ihr gegenüber anschlug, den verlorenen Flirt, den Traum einer Faschingsdienstagsnacht, beschäftigten Kaiserin Elisabeth bis ins Jahr 1887.

Hier verfasste sie das letzte Gedicht für und an Fritz, der wie ein Nebel immer wieder vor ihr her zog: 

Das Lied des gelben Dominos
Long, long ago*

Denkst Du der Nacht noch im leuchtenden Saal? 
Lang, lang ist's her, lang lang ist's her, 
Wo sich zwei Seelen getroffen einmal, 
Lang, lang ist's her, lang ist's her
Wo unsre seltsame Freundschaft begann, 
Lang, lang ist's her, lang ist's her! 
Denkst Du, mein Freund, woh noch manchmal daran? 
Lang, lang ist's her, lang ist's her!
Denkst du der Wort, so innig vertraut,
Lang, lang ist's her, lang ist's her!
Die wir getauscht bei der Tanzweisen Laut? 
Lang, lang ist's her, lang ist's her!
Ach! nur rasch schwand die Zeit uns dahin; 
Lang, lang ist's her, lang ist's her!
Ein Druck der Hand noch, und ich musste flieh'n, 
Lang, lang ist's her, lang ist's her!
Mein Antlitz enthüllen durft' ich dir nicht. 
Lang, lang ist's her, lang ist's her!
Doch dafür gab ich der Seele ihr Licht, 
Freund das war mehr, das war mehr! 
Jahre vergingen und zogen vorbei, 
Lang, lang ist's her, lang ist's her!
Doch sie vereinten nie wieder uns zwei
Lang, lang ist's her, lang ist's her!
Forschend bei Nacht frägt die Sterne mein Blick, 
Lang, lang ist's her, lang ist's her!
Auskunft noch Antwort gibt keiner zurück, 
Lang, lang ist's her, lang ist's her!
Bald wähnt ich nahe dich, dann wieder fern. 
Lang, lang ist's her, lang ist's her!
Weilst du vielleicht schon auf anderem Stern? 
Lang, lang ist's her, lang ist's her!
Lebst du, so gieb mir ein Zeichen bei Tag, 
Lang, lang ist's her, lang ist's her!
Dass ich's kaum hoffen, erwarten vermag, 
So lang ist's her, so lang ist's her!
Lass mich warten nicht mehr, 
Warten nicht mehr! (10)

 

(*Anmerkung Petra: Das Gedicht gibt es in englisch und deutsch; ich habe die deutsche Version abgeschrieben)

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth

1887 wurde Kaiserin Elisabeth 50 Jahre alt und ihre Schönheit war vergangen. Tiefe Falten durchzogen das einst so schöne Antlitz. Die Kosmetik von damals war noch nicht so weit, ein Gesicht, das wettergegerbt und Hungerkuren gezeichnet war, hinter Make-up oder Operationen zu verstecken. 

Foto: Wikimedia/Commons
Gräfin Marie von Larisch

Das Gedicht „Long, long ago“ sandte sie an Fritz aus „Brasilien“. Hätte sie die Post abholen lassen, die noch immer auf ihren alten Adressen auf sie gewartet hätte, wäre sie ebenfalls in den Besitz eines Gedichtes aus der Feder von Fritz gekommen, welches er an die „Schöne Unbekannte von 1874“ verfasst hatte. 

Doch nach einem halben Jahr ging der Brief unbeantwortet zurück.

40 Jahre später wurde Fritz der Beweis zugespielt, dass es sich um Kaiserin Elisabeth handelte.

Gräfin Marie Louise Larisch (*24.2.1858, †4.7.1940) war durch den Selbstmord des Kronprinzen bei der Familie Habsburg in Ungnade gefallen. Marie war zuvor die Lieblingsnichte von Elisabeth. Doch der Tod des Sohnes überschattete fortan das Leben der Kaiserin.

Marie versuchte sich mit boshaften Memoiren über das Leben der bereits verstorbenen Kaiserin über Wasser zu halten. Zufällig kaufte er das Buch, als er auf eine lange Zugfahrt musste. Darin war in groben Zügen die Geschichte vom gelben Domino erwähnt. Wer Marie die Geschichte erzählte, oder ob sie Henriette war, wird wohl nie geklärt werden. 

Als der Biograph Conte Corti von Ida von Ferenczy die Geschichte hörte und den Namen des „Flirts“ erfuhr, nahm dieser Kontakt zu ihm auf. Fritz Pacher hatte nun den allerletzten Beweis erhalten.

Er übergab die Briefe von „Gabriele“ Conte Corti und starb kurz nach dem Interview 87jährig am 12.5.1934. 

– Petra –


Rechtliche Hinweise: 
Text: Petra 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, Ludwig Angerer via Wikimedia/Commons, forum.alexanderpalace.org, Hofburg, photo.rmn.fr, thisversailles.com,


Literatur Hinweise:

(*) Egon C. Conte Corti interviewte persönlich Friedrich Pacher List von Theinburg und Ida von Ferenczy – S. 226/7, 

1 – S. 227, 2 – S. 228, 7 – S. 311/2, 8 – 312
E.C.Conte Corti
Elisabeth von Österreich Tragik einer Unsterblichen (nur noch antiquarisch erhältlich)
Wilhelm Heyne Verlag, 15. Auflage, 1996

3 – S. 185, 4 – S. 185/6, 5 – S. 191/2, 6 – S. 193, 9 – S. 199, 10 – S. 200
Sigrid-Maria Größing
Kaiserin Elisabeth und ihre Männer (nur noch antiquarisch erhältlich) 
Ueberreuter, 1. Auflage, 1998 


Der grausame Tod von Herzogin Sophie d’Alençon

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Sophie
d‘ Alençon

Vorwort: 

Wo ihr Biograph aufhörte, fange ich an zu erzählen. Ihr Leben ist beinahe so tragisch, wie das von ihrer berühmten Schwester Kaiserin Elisabeth. Ich habe mich eine Zeit lang mit Sophie beschäftigt und muss sagen, dass sie Zeit ihres Lebens eine todunglückliche Frau war. Von König Ludwig verschmäht, musste sie einen ungeliebten Mann auf ihrer Seite ertragen, der sie wie Besitz behandelte. Als sie ausbrechen wollte, steckte man sie in die Psychiatrie, kaum erholte sie sich von diesen Strapazen, starb sie qualvoll im Feuer. 

Als ich ihren Tod beleuchtete, fand ich erschütternde Schicksale.

Doch Sophie ging mit Frieden im Gesicht in den Tod.

So zumindest wird dies von Augenzeugen berichtet die dem Feuertod entkommen konnten. 

Um sie von den vielen Sophies zu unterscheiden hatte man im 20.(!) Jahrhundert damit begonnen das Charlotte anzuhängen.

Doch sie wurde Zeit ihres Lebens niemals Sophie Charlotte gerufen.

Ich bleibe daher bei ihrem Namen „Sophie“. 

Triggerwarnung! Was ihr hier lesen werdet, wird drastisch sein.
Die Bilder die ich euch zeige sind einzigartig, weshalb sie mit extra großem Logo geschützt wurden.

Ich habe mich 2018 auf den Weg nach Paris und Dreux gemacht, um den Tod von Herzogin Sophie d’Alençon zu erzählen.

Sophie Herzogin in Bayern – Kurzbiographie

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Wir gedenken heute an Sophie Charlotte Auguste Herzogin in Bayern. Sie wurde am 22.2.1847 im Herzog Max Palais in München geboren.

Ihr Vater war Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888). Ihre Mutter war Ludovika Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892).

Sophie war das neunte Kind des Paares und somit Kaiserin Elisabeths jüngste Schwester und die Cousine von Kaiser Franz Joseph.

Sie wuchs ebenso unbeschwert in München, als auch in Possenhofen auf, wie all ihre Geschwister.

Ludovika legte nicht den größten Wert auf Bildung, eher auf eine gute Verbindung. Sie hatte bereits eine Kaiserin und eine Königin vermittelt.

Ihr Bestreben nach „einer guten Partie“ stand weit über dem Glück ihrer Kinder.

Sophie lehnte allerdings einige Brautwerber ab. Unter ihnen soll auch Erzherzog Ludwig Victor (*15.5.1842, †18.1.1919), der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, gewesen sein. Seine Biografie kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commons
offizielles Verlobungsfoto
Foto: Wikimedia/Commons
Edgar Hanfstaengel
Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig II

Da sie eine Freundschaft zu König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886), der gleichzeitig ihr Cousin 2. Grades war, unterhielt, verlobten sich die beiden im Jänner 1867.

Während eines Fototermines, „als Verlobte Ludwigs“ verliebte sie sich in den unstandesgemäßen Edgar Hanfstaengel (*15.7.1842, †28.5.1910), welcher der Sohn des Fotografen war.

König Ludwig selbst den Frauen nicht zugetan, erkannte, dass nur eine Freundschaft einer Ehe nicht förderlich wäre und löste kurzerhand die Verlobung im Oktober 1867 wieder auf. Auch deshalb, da Ludwig 2x den Hochzeitstermin verschob und Herzog Max ein Machtwort sprach.

Um die Schmach der gelösten Verlobung nicht lange ertragen zu müssen, suchte Ludovika fieberhaft nach einem neuen Kandidaten. Sie fand ihn im Enkel des letzten französischen Königs und arrangierte ein Treffen am sächsischen Königshof.

Ferdinand Philippe Marie Herzog d‘Alençon (*12.7.1844, †29.6.1910) war begeistert von der überaus hübschen Sophie und hielt alsbaldig um ihre Hand an.

Am 28.9.1868 fand in einem Saal in Possenhofen die Vermählung statt.

Sophies Ja-Wort glich einem

„Ja, von mir aus.“

Die Ehe begann von Seiten Sophies mit Gleichgültigkeit.

Trotzdem gebar sie zwei Kinder. Tochter Louise Victoire (*19.7.1869, †4.2.1952) kam in England zur Welt, Sohn Philippe Emanuel (*18.1.1872, †1.2.1931) in Meran. Vor allem Louise war ihrer Mutter sehr zugetan. 

Die Familie hatte keinen festen Wohnsitz und so reiste diese durch halb Europa: London, Wien, Paris, Meran, München waren nur einige der Wohnorte.

Foto: Wikimedia/Commons
Richard von Krafft-Ebing

Während der Zeit in München musste sie sich von einer schweren Krankheit erholen und verliebte sich dabei in ihren Allgemeinmediziner Dr. Franz Glaser. Die Affäre ging soweit, dass Sophie sich scheiden lassen wollte.

Ein absoluter Skandal zu jener Zeit.

Foto: Wikimedia/Commons
Privatsanatorium Maria Grün

Ferdinand war so entsetzt, dass er seinen Schwager Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) (Bruder von Sophie und Elisabeth) um Hilfe bat und seine Frau wegen

„sexueller Abartigkeit“

in die Nervenheilanstalt Maria Grün in Graz einliefern ließ.

Dort fiel sie dem weltberühmten, aber auch berüchtigten Psychiater Richard von Krafft-Ebing in die Hände. Seine Methoden könnten nicht grausamer gewesen sein. Eiswasser-Behandlungen waren noch die harmlosen Therapien, die er seinen Patientinnen zu Teil werden ließ. 

Während dieser Zeit wandte sich auch ihre Schwester Kaiserin Elisabeth ab. Diese verfasste garstige Gedichte über ihre Schwester.

7 Monate später war Sophies Wille gebrochen.

Die Scheidungspläne hatte sie aufgegeben und so durfte sie das Sanatorium verlassen. Abgemagert und seelisch gebrochen traf sie 1888 Kaiserin Elisabeth und ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie wieder, die „vom blühenden Leben Tante Sophies“ schrieb, sowie „von Eintracht“ zwischen Ferdinand und ihrer Tante.

Man kann davon ausgehen, dass Erzherzogin Marie Valérie weder eine Ahnung hatte, was Sophie mitmachen musste, noch, dass diese jemals wieder öffentlich über ihre Ehe gesprochen hätte.

Foto: jourfixe-muenchen-ev.com
eine abgemagerte und gebrochene Herzogin Sophie

Das Paar ließ sich nun endgültig in Paris nieder.

Sophie wandte sie sich ihrer Gläubigkeit zu.

Sie trat 1880 sogar einem „Dritten Orden der Dominikanerinnen“ bei und nannte sich dort „Schwester Marie Madeleine.“

Der „Dritte Orden“ war eine Gruppe von Laien, die kein Gelübde abzulegen brauchten und sich die meiste Zeit außerhalb ihres Ordens aufhielten. Aufgabe dieser Orden war es, sich um die Armen der Stadt zu kümmern. Kaiser Franz Joseph blieb wirklich nichts erspart, denn die Schwester seiner Frau, half jetzt den Clochards (Obdachlose) der Stadt oder half „gefallenen Frauen“ (Dirnen mit Kindern oder ledige Frauen mit Kindern).

Sophie legte auf den Titel „Herzogin d’Alençon“ kaum noch Wert und wollte mit „Tochter des heiligen Dominikus“ angesprochen werden. 

Am 4.10.1895 machte sie ihr Testament, in welchem sie die Bedingungen ihrer Beerdigung festlegte.

Sie wünschte sich ein Begräbnis ohne Schmuck, ohne Musik und ohne Blumen.

Sie wollte in ihrem weißen Ordensgewand beerdigt werden.

Ihre Haare sollten verbrannt werden.(*)

Nur, wenn ihr „vielgeliebter Gatte“ eine Erinnerung für sich wünschte, sollte man ein wenig davon abschneiden.

Sollte Ferdinand nach ihr Sterben, wünschte sie, dass „ihr Schutzengel im Leben“ neben ihr bestattet werden möge. Ob sie dies wirklich so meinte oder nur schrieb, da sie wusste, es würde ihr sowieso nichts anderes übrig bleiben, wird für immer ihr Geheimnis bleiben.

(Anmerkung Petra: Haare galten damals als das Sexsymbol der Frau. Es gab zu jener Zeit keine Frau die ihre Haare kurz trug. Die Frauen zur Zeit Kaiserin Elisabeths hatten alle knielange oder fersenlange Haare, da diese nie in ihrem Leben geschnitten, und wenn nur für „Spliss“-Schneiden, wurden.)

Doch der Wunsch, dass ihre Haare verbrannt werden sollen, löst heute noch ein Erschaudern in mir aus. 

Wir nähern uns somit dem tragischen Ende von Herzogin Sophie d‘Alençon am 4.5.1897.

!Achtung Triggerwarung!
Nur weiterlesen, wenn man gute Nerven hat und nicht schwanger ist! Kindssterben im Feuer!

Bazar de la Charité

Foto: Chapelle Bazar de la Charité
Theaterkulisse

Seit Jahren fand in Paris der Bazar de la Charité statt.

Da jedoch die Weltausstellung geplant wurde, musste dieser an seinem angestammten Standort im Palais de l’Industrie weichen.

Der Platz wurde in der Rue Jean Goujon gefunden. Auf diesem Grundstück baute man ein 80 Meter langes und 30 Meter breites Gebäude aus Holz.

Um das Innere besonders schön zu gestalten, wurde eine alte Theaterkulisse, welche Paris im 15. Jahrhundert darstellen sollte, aufgebaut.

Diese bestand allerdings aus Pappdeckeln und vielen Leinwänden, welche mit Ölfarben bemalt waren.

Ein Unding, wenn man es aus heutiger Sicht betrachtet. Als Dach diente ein altes Segeltuch, der Boden wurde mit Fichtenholz gebaut. Alles in allem eine Verkettung von brennbaren Stoffen.

Das Gebäude verfügte über 5 Ausgänge und 2 große Türen, welche direkt auf die Straße hinausgingen.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Eines der großen Highlights dieses Bazars war eine kleine, mit Wasserstoff gefüllte Montgolfière (Heißluftballon), welche im Raum schwebte (siehe Foto oben).

Ein weiteres Großereignis war der Kinematograph der Brüder Lumière. Dieser zeigte die ersten Filmaufnahmen. Eine der größten Errungenschaften dieser Zeit. Noch nie zuvor hat man „bewegte Bilder“ gesehen.

Hätten die Brüder gewusst, was auf sie zukommt, hätten sie ihr Gerät wohl nie dort aufgestellt. Das Unglück brach mit diesem Apparat aus.

Am 4.5.1897 nahm das Unglück seinen Lauf.

Ein Helfer des Filmvorführers verschüttete beim Befüllen einer Lampe Ether, welches in Kontakt mit einer Lampe kam, die noch nicht abgekühlt war.

Das Feuer brannte schnell, heiß und breitete sich innerhalb von Sekunden aus.

Foto: Wikimedia/Commons
zeitgenössische Darstellung des Feuers

Herzog Ferdinand d‘Alençon befand sich mit Sophie im Bazar, löste sich aber von ihr, da er an einem Stand einen Bekannten gesehen hatte.

Während er sich unterhielt, ging Sophie weiter.
Ein Fehler, der ihr das Leben kostete. 

Das Feuer breitete sich rasend schnell aus und das Schreien der Menschen war bis weit nach draußen zu hören. Als Ferdinand realisierte, dass es brannte, wollte er zu Sophie.

Doch die Massen, die nach draußen drängten, das Feuer, die Hitze und der beißende Rauch machten ein Zurück unmöglich.

Während Ferdinand hinausgedrängt wurde, ging Sophie immer mehr in das Feuer hinein.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp

Gemeinsam mit Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp (*28.2.1867, †4.5.1897) versuchte Sophie so vielen Frauen und Kindern wie möglich aus dem Feuer zu helfen.

Während draußen die Menschen zum Helfen zum Bazar de la Charité eilten, um Verletzte zu bergen, Frauen und Kinder durch die Türen und Fenster zu zerren und in die Krankenhäuser zu bringen, lief ein aufgeregter Ferdinand auf und ab und hoffte, dass seine Frau aus einer der Türen heraustrat.

Foto: Meisterdrucke.at

Mittlerweile konnte man den Brand quer durch die ganze Stadt sehen.

Foto: Chapelle Bazar de la Charité

Als Ferdinand nach Hause ging, welches sich nur wenige Schritte vom Bazar de la Charité befand, ist er schnell dort.

Mittlerweile haben sich Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) (Schwester von Kaiserin Elisabeth und Sophie), Gräfin Mathilde von Trani (*30.9.1843, †18.6.1925) (ebenfalls eine Schwester) bei den d‘Alençons eingefunden.

Beide lebten zu dieser Zeit in Paris.

Ferdinand war sichtlich im Schock, konnte kaum Atmen und war schwer verletzt.

Er trug Brandwunden im Gesicht und Kopf, sein Haar und Bart waren versengt. 

Draußen tobte das Feuer und die Bemühungen es einzudämmen.

Die Schreie der Opfer gellten durch die einbrechende Nacht.

Ca. 1500 Menschen befanden sich in den Räumlichkeiten des Bazars. Hauptsächlich Frauen und Kinder.

Bis heute ist nicht ganz klar, wie viele Opfer es tatsächlich gab.

Die Zahl schwankt zwischen 126 – 140 Personen.

Hauptsächliche Opfer waren Frauen und Kinder, zum Teil sehr jung.

Bitte beachtet, dass die Bazar de la Charité nicht öffentlich zugänglich ist. Mir wurde der Zugang exklusiv gewährt und dafür bin ich sehr dankbar. Was ich euch hier zeigen darf, ist somit einmalig!

Traurige Tafeln mit den Namen und Alter der Opfer in der Chapelle Bazar de la Charité (nicht öffentlich zugänglich!).

Herzogin Sophies Gedenktafel befindet sich links in der Kapelle:

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Am nächsten Tag sind Helfer aus jeder Schicht, Polizei und Rettungshelfer mit Fackeln vor Ort eingetroffen, um die verkohlten Leichen und vielleicht doch noch Überlebende zu bergen.

Ich möchte mir weder den Gestank, noch die gespenstische Atmosphäre vorstellen, die geherrscht haben muss.

Verkohlte Leichenteile überall. Zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. 

Die Chapelle Bazar de la Charité hat einige Gegenstände gesammelt, die gefunden wurden. Die Puppe ist das traurige Überbleibsel eines verlorenen Kinderlebens.

Während Ferdinand Sophie suchte, kam es zu den ersten polizeilichen Einvernahmen.

Diese sind zum Teil wirr und zum Teil völlig wertlos.

Man muss sich die Angst, die Panik, dazu das Schreien, die Hitze und den Gestank vorstellen.

Der beißende Rauch nahm nicht nur die Sicht, sondern legte sich auch auf die Lunge. Wer sollte hier einen klaren Kopf bewahren, um danach korrekte Aussagen zu tätigen?

Eine Aussage jedoch ist herzzerreißend.
Ob es sich wirklich so zugetragen hat oder nur eine Legende ist, dürft ihr selbst wählen.
Ich für meinen Teil glaube bis zu einem gewissen Punkt, dass Sophie die Situation wahr genommen hat, um ihren traurigen Leben ein Ende zu setzen.

Mathilde d’Anlau erzählte, dass sie in den Wirren Herzogin Sophie getroffen habe, die mit anderen auf Kopfhöhe einige Bretter aus der Wand gerissen hatte, um dort Kinder und deren Mütter in Sicherheit zu bringen.

Eine andere Dame berichtete, dass Sophie auf sie gedrückt wurde. Ihr Gesicht sei ängstlich aber völlig ruhig gewesen. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, sich zu retten, in dem sie durch eine der Türen hätte fliehen können.

Eine weitere Augenzeugin berichtete, dass Sophie vor der Menschenmasse Angst hatte und zurückwich. Sie sei wieder Richtung Feuer gelaufen.

Wieder Madame d’Anlau war es, die später Sophie noch einmal gesehen haben will, als diese bereits vom Feuer umringt war.

Sie sei dabei friedlich gewesen.

Sie soll dabei nach dem Feuer gegriffen und irgendwas gemurmelt haben was sich wie

„la feu“ (Feuer)

anhörte. Danach warf Mathilde mit ihrer Gürtelschnalle ein Fenster ein und konnte sich so retten.

Sophie sah sie nie wieder.

Egal wer von dem Feuer berichtete und wie wirr manche Aussagen auch waren.

Alle waren sich einig, dass Sophie eine Gotterhabenheit ausstrahlte und so viele Kinder und Frauen rettete, während sie gemeinsam mit Valerie den Tod fand.

Auf der Kupel der Chapelle Bazar de la Charité sind Sophie und Valerie abgebildet, wie sie nach der Hand Marias greifen.

„Aufgefahren in den Himmel“

Am 8.5.1897 fand ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Brandes in der Notre Dame de Paris statt.

Mitglieder der königlichen Familie, Frankreichs Präsident und viele Angehörige nahmen an dem Gedenkgottesdienstes teil.

Kaiserin Elisabeth schickte eine Krone aus weißen Lilien und weißen Rosen.
Diese ließ sie mit den Farben der bayrischen und österreichischen Fahnen umschlingen.

Das berühmteste Opfer dieser Katastrophe war Herzogin Sophie, gefolgt von Victomesse Valerie. Sie hinterließ drei Kleinkinder.

Als die Chapelle Bazar de la Charité errichtet wird, baut man in den hinteren Gängen Gedenkmonumente für die Opfer.

Geht man den Gang entlang, wird man stummer Zeuge so sinnlos verlorener Leben (nicht öffentlich zugänglich!). Es nimmt einem bis heute den Atem und ich war unglaublich ergriffen von dieser Katastrophe.

In der Krypta der Kirche werden bis heute Kerzen angezündet. Auch ich habe eine Kerze angezündet.

Das schönste Gedenkmonument ist aber für mich jenes von Herzogin Sophie d’Alençon. 

Dreux – St. Louis Chapelle und Musee de la Historie

Wir verlassen nun die Chapelle de la Charité und wenden uns der Grabstätte von Sophie zu.

Sie ruht neben ihrem Mann Ferdinand und umringt von ihrer Enkelin, ihrer Schwiegertochter und ihrem Sohn in der St. Louis Chapelle in Dreux (öffentlich zugänglich!).

Ihr Begräbnis fand im Stillen statt, jedoch ließ Ferdinand eine Grabplatte gestalten, die an seine wunderschöne Frau mit Haaren erinnern sollte.

Nur Sophies Schädel wurde gefunden.

Ob die beigelegten Knochen wirklich ihre sind, ist wissenschaftlich nicht belegt. Ihr Schädel wurde anhand ihrer Zähne als solcher anerkannt.

Ihre Grabplatte wurde allerdings 2x gestaltet.

Die erste Gestaltung (1904) ließ Herzog Ferdinand das Blut in den Adern gefrieren. Nach seiner Meinung war Sophie zu drastisch in ihrer Todesqual dargestellt. Er ließ die Grabplatte entfernen und gab eine neue in Auftrag.

Da die Grabplatte aber viel zu wertvoll war, ließ man sie ins Musee de la Historie in Dreux (öffentlich zugänglich) bringen.

Video: mythoskaiserielisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Wer die Chapelle St. Louis in Dreux besucht, wird die lieblichere Grabplatte von Sophie sehen.

In Dreux erzählt man sich, dass Sophie manchmal zu hören sei und weine, da sie ewig ihren Gatten Ferdinand anzusehen habe.

Er selbst hat es so gewählt. Wer sich die Statue ansieht, wird eindeutig die Haare erkennen, die Ferdinand extra herausarbeiten ließ. Ein kleines Vermächtnis dessen, was Sophie partout nicht wollte.

Vielleicht hört man sie auch deshalb weinen.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Bevor ich diesen Bericht abschließe, möchte ich euch noch das Grab am Pere Lachaise Friedhof jener Personen zeigen, die nicht mehr identifiziert werden konnten.

Es dient gleichzeitig aus als Denkmal. 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Grab „nicht identifizierter Leichen“ am Pere Lachaise Friedhof, Paris
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Grab „nicht identifizierter Leichen“ am Pere Lachaise Friedhof, Paris

Nachsatz:
So interessant die Recherchen zu diesem Beitrag waren, so beklemmend waren sie auch.

Ich habe 2018 an zwei Tagen vor Ort die Recherchen gemacht. Nachgehallt hat die Geschichte über Monate.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Sterbebild

Und auch 2021 lässt mich das traurige Schicksal von Sophie nicht los. Als auf Ebay eine deutsche Zeitung zu ersteigern war, welche über den Brand berichtete, habe ich den Zuschlag erhalten.

Ich möchte sie euch natürlich nicht vorenthalten. Die Zeitung ist Original vom Mai 1897! (Die Bilder sind natürlich mit Logo gesichert!)


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Chapelle Bazar de la Charité, Jourfixe-muenchen-ev.com, Meisterdrucke.at, Joseph Albert via Wikimedia/Commons
Videorechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Je remercie tout particulièrement le personnel de la Chapelle Bazar de la Charité. 


Literatur Hinweise:

L’incendie du Bazar de la Charité (in französisch)
Dominique Paoli (Geschenk des Hauses)
Eigenverlag Bazar de la Charité

Christian Sepp (HC-Ausgabe) (nur noch antiquarisch erhältlich)
Sophie Charlotte: Sisis leidenschaftliche Schwester
August Dreesbach Verlag, 1. Auflage 2014

Bernhard Graf
Sisis Geschwister (Bildband)
Allitera Verlag//edition monacensia, 1. Auflage 2017

Erika Bestenreiner
Sisi und ihre Geschwister
Piper Verlag, 1. Auflage 2002

Martha Schad
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth 1878–1899
Piper Verlag, 7. Auflage 2013


Erzherzog Ludwig Salvator – Mallorca Museumsbericht

Erzherzog Ludwig Salvator, Foto: ÖNB

historische Person:

Wir gedenken heute Ludwig Salvator Erzherzog von Österreich, Prinz von Toskana. Er wurde am 4.8.1847 in Brandeis geboren.

Leopold II, Foto: Wikimedia/Commons

Maria Antonia Prinzessin Neapel-Sizilien Foto: Wikimedia/Commons

Sein Vater war Leopold II Großherzog von Toskana, Erzherzog von Österreich (*3.10.1797, †29.1.1870) . Seine Mutter Maria Antonia Prinzessin von Neapel-Sizilien (*19.12.1814, †7.11.1898). 

Ludwig war ein Ur-Enkel von Kaiser Leopold II, der wiederum das neunte Kind von Maria Theresia und Kaiser Franz I Stephan war. Er war somit ein Cousin von Kaiser Franz Joseph.

Seine Eltern legten wenig Wert auf höfische Etikette und ließen ihre Kinder liberal erziehen. Ludwig hatte Zeit seines Lebens große Interessen an fremden Sprachen, der Natur und des Meeres.

1860 musste die Familie die Toskana verlassen und richtete sich auf Schloss Brandeis ein.

1867 ging er auf Geheiß von Kaiser Franz Joseph auf eine ausgedehnte Seereise, um die relativ unbekannten Baleareninseln zu erforschen. Er verliebte sich auf Anhieb in Mallorca und siedelte 3 Jahre später komplett auf die Insel. Bis heute wird er auf Mallorca verehrt. Eine seiner Wohnungen wurde ein Museum, welches öffentlich zugänglich ist.

Er interessierte sich für die Flora und Fauna der Insel und begann Bücher zu schreiben, die bis heute naturwissenschaftlichen Zwecken dienen.

Ludwig zog es vor sich leger zu kleiden, weshalb er bald wie ein „armer“ Einheimischer aussah. Obwohl er reich war, scherten ihn solche Dinge wie Kleidung nicht. Er trug abgewetzte Anzüge, geflickte Sakkos und Hosen. Um Geld zu sparen, band er sich seine Manschetten-Hemden mit Bindfaden zu.

Wie leger Ludwig war, zeigt folgende Geschichte: Ein Bauer blieb mit seinem Karren im Schlamm stecken. Ludwig eilte ihm zu Hilfe. Der Bauer erkannte den berühmten Erzherzog Ludwig nicht und gab ihm nach getaner Arbeit ein Geldstück. Ludwig war Zeit seines Lebens stolz auf sein „erstes selbstverdientes“ Geld.

Er widmete sich intensiv den Studien der Inseln, u.a. auch Menorca und schrieb insgesamt 9 Bücher über die Balearen. Diese sind so umfangreich, dass sie bis heute (!) als Nachschlagewerk und Schulstoff für Kinder verwendet werden.

Der Wiener Hof lehnte den Sonderling ab. Er wurde als Kommunist beschimpft und der bösartige Tratsch kannte kaum eine Grenze. Man rümpfte über ihn die Nase, wo man nur konnte. Nur eine ließ sich vom Spott nicht beirren: Kaiserin Elisabeth.

Im Dezember 1892 – also 3 Jahre nach Kronprinz Rudolfs Tod – besuchte die bereits von Depressionen heimgesuchte Elisabeth ihren (angeheirateten) Cousin, mit dem sie eine große Freundschaft verband.

Ihren 55. Geburtstag (24.12.1892) – also gleichzeitig auch den Weihnachtsabend), verbrachte sie lieber mit Ludwig, als mit ihrer Familie in Wien. Ein Umstand, den Kaiser Franz Joseph gar nicht gut hieß. Besorgt schrieb er seiner ambivalenten Gattin, ob sich „der dicke Luiggi auch ordentlich um sie kümmere“. Da der Dezember 1892 allerdings auf Mallorca stark verregnet war, brach Kaiserin Elisabeth ihren Aufenthalt ab und ließ ihre Yacht „Miramar“ Richtung Griechenland steuern. Im Jänner 1893 kam Kaiserin Elisabeth zurück.

Ludwig Salvator heiratete nie, hatte aber ein reges Liebesleben, das auch einige uneheliche Kinder zur Folge hatte. Alle Kinder ließ er versorgen.

Catalina Homar, Foto: mallorcamagazin

Seine Dauergeliebte und große Liebe war eine einfache Tischlertochter. Catalina Homar (*1869, †1905) war nicht nur sehr schön, sie war auch sehr klug. Sie lernte unter Ludwigs Führung Lesen und Schreiben und so setzte er sie als Verwalterin seines Weingutes „S‘Estaca“ ein.

Er nahm Catalina auch mit auf seine Reisen und sogar am Wiener Hof führte er sie ein. Sehr zum Missfallen des Wiener Hofes, die Damen der adeligen Gesellschaft waren einer Ohnmacht nahe. 

Als Elisabeth starb, war Ludwigs Trauer groß.

1905 ging er mit Catalina auf eine große Reise. In Jerusalem steckte sie sich mit Lepra an und starb 36jährig. Ludwig verfiel in tiefe Trauer.

Seine Trauer überwand er mit dem Schreiben eines Buches, welches einen Skandal im Kaiserhaus  auslöste. Das Buch „Catalina Homar“. 

In diesem erfuhr Kaiser Franz Joseph, dass seine geliebte Elisabeth mit Catalina mehrfach zusammen traf und an einem Tisch saß. Sie unterhielten sich so gut, dass man hätte meinen können, die beiden kannten sich schon ewig. Er verbot jede weitere Verbreitung.

Der Skandal, dass seine Engels-Sisi mit einer einfachen mallorquinischen Tischlertochter an einem Tisch sitzen musste, war für den verknöcherten Monarchen zu viel.

Obwohl bereits 1000 Stück im Umlauf waren, sind kaum Exemplare erhalten.

Im Laufe von 30 Jahren erwarb Ludwig zwischen den Orten Valldemossa und Delá einen ganzen Küstenstrich, der er der Natur widmete. Kein Baum durfte gefällt, kein Haus erbaut und kein Tier getötet werden.

Er selbst ließ sich in Son Marroig nieder. Im Landhaus S’Estaca, in welchem er mit Catalina lebte, widmete er sich dem

Grabnische, Erzherzog Ludwig Salvator, Kapuzinergruft, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Weinbau und gewann zahlreiche Preise. Heute gehört das Gut Hollywood Schauspieler Michael Douglas.

Ludwig wurde im zunehmenden Alter dick, weshalb er bald aus allen Nähten platzte. Sehr zum Hohn des Wiener Hofes, die ihn noch mehr verspotteten. Selbst Kaiser Franz Joseph stimmte in den Hohn ein, als er vom „dicken Luiggi“ sprach.

Als der erste Weltkrieg (1914) ausbrach, befahl ihn Kaiser Franz Joseph zurück und bat ihn auf Schloss Brandeis zu leben. Mittlerweile litt Ludwig an schwerer Elephantitis und konnte sich kaum noch bewegen.

Ludwig Salvator Erzherzog von Österreich starb 68jährig am 12.10.1915 auf Schloss Brandeis. Sein letzter Wunsch auf Mallorca beerdigt zu werden, wurde ihm – wie auch Kaiserin Elisabeth, die auf Korfu beerdigt werden wollte – verwehrt. Anstatt auf einem Grabhügel von der Sonne umsäumt, ruht er in einer Nische der Kapuzinergruft.


Reisebericht – Mallorca Museumsbesuch 

Wir besichtigen nun das ehemalige „Kartäuserkloster von Valldemossa“ in welchem der Erzherzog 4 Jahre lebte, bevor er in seine Villa umzog. Nehmt euch Zeit, das Museum ist größer, als ihr glaubt.

Adresse: Plaça Cartoixa, S/N, 07170 Valldemossa, Illes Balears, Spanien
Öffnungszeiten: Montag – Samstag von 10.00 Uhr – 16.30 Uhr (bitte erkundigt euch aber noch einmal vor Ort; Zeiten könnten variabel sein).

Eintritt: € 4,00 Erwachsene, € 2,00 Kinder

Hier haben übrigens auch Chopin und seine Lebensgefährtin George Sand (Autorin, welche Amantine Aurore de Francueil hieß) 3 Monate logiert. Wir widmen uns aber nur den Erzherzog Ludwig Salvator Räumen.

Kaiserin Elisabeth besuchte die Insel insgesamt 3x.

1861 war Kaiserin Elisabeth, mit der von Queen Victoria geliehenen Yacht nach Palma de Mallorca gekommen. 

Da sie den Rummel um ihre Person hasste, vermied sie die Öffentlichkeit und besuchte die Hauptstadt „inkognito“. In Palma wurde ihr zu Ehren in der Kathedrale eine Messe gelesen. Sie besuchte die Innenstadt von Palma und das Schloss Bellver. 

In der Llotja de Palma – auch La Lonja de los Mercaderes genannt – („das“ historische Gebäude von Palma), wartete eine große Menschenmenge und eine Musikkapelle auf die hohe Besucherin. 

Doch Kaiserin Elisabeth wollte ihr Ziel Madeira so schnell als möglich erreichen und zog es vor die Lonja nicht mehr zu besuchen.

Im Dezember 1892 – also 3 Jahre nach Kronprinz Rudolfs Tod – besuchte die bereits von Depressionen heimgesuchte Elisabeth ihren (angeheirateten) Cousin, mit dem sie eine große Freundschaft verband.

Ihren 55. Geburtstag (24.12.1892) – also gleichzeitig auch den Weihnachtsabend), verbrachte sie lieber mit Ludwig, als mit ihrer Familie in Wien. Ein Umstand, den Kaiser Franz Joseph gar nicht gut hieß. Besorgt schrieb er seiner ambivalenten Gattin, ob sich „der dicke Luiggi auch ordentlich um sie kümmere“. Da der Dezember 1892 allerdings auf Mallorca stark verregnet war, brach Kaiserin Elisabeth ihren Aufenthalt ab und ließ ihre Yacht „Mariamar“ Richtung Griechenland steuern. 

Im Jänner 1893 kam Kaiserin Elisabeth zurück auf Mallorca, um ihren Cousin zu besuchen. 

Er holte die Kaiserin in der Bucht, in der ihre Yacht ankerte ab. Dabei begleiteten ihn einige Künstler, mit denen er befreundet war.

Foto: Archiv Son Moragues, Kaiserin Elisabeth, 1893 auf Mallorca

Wahrscheinlich auf Geheiß Ludwigs entstand dieser heimliche Schnappschuss, der heute im Archiv verwahrt wird. 

Seine Villa war damals noch nicht so einfach zu erreichen wie heute. Es war ein fast zweistündiger Fußweg der zurückgelegt werden musste. 

In der Villa angekommen, wartete auf Sisi ein überladenes Buffet, dass sie angeblich sehr verächtlich gutiert haben soll. Da Ludwig in seinen späteren Jahren sehr wohlgenährt war, war es für die dürre Kaiserin wohl unangenehm ein solches Mahl vorgesetzt bekommen zu haben. 

Die Finca S’Estaca in Valldemossa ist heute im Privatbesitz von Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones, allerdings – und jetzt schlachtet euer Sparschwein – steht die Villa zum Verkauf: schlappe 28,5 Millionen Euro müsst ihr haben; immerhin startete der Preis bei 55 Millionen und wurde mittlerweile 3x gesenkt. Hier also Einblicke in die Villa S’Estaca, in der auch Kaiserin Elisabeth zwei Mal einkehrte.

~ Petra ~


Textrechte: Petra 
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Petra, homeadverts.com, mallorcamagazin, Wikimedia/Commons, ÖNB,


Vielen Dank an die Museumsleitung, welche uns die Dokumentation erlaubt hat.


Kaiserin Elisabeth – als Mutter

Foto: Golfhotel Kaiserin Elisabeth

Da fast jeder Beitrag von mir mit einem Vergleich zu den Sissi Filmen anfängt, möchte ich auch jetzt meine einleitenden Worte dafür nutzen. Voriges Jahr zu Weihnachten sah ich mir die Trilogie mit ganz anderen Augen an, als bisher. Mit dem Wissen, dass ich mir mühsam erarbeitet habe, wurde mir bewusst, wie viel Klischee und kaum ein Funken Wahrheit diese in die Welt tragen. Noch heute sehen die meisten das Gesicht unserer Kaiserin mit dem von Romy Schneider. Natürlich ist sie entzückend und süß in dem Film, das mag ich gar nicht bestreiten. Aber mittlerweile kann ich Romy verstehen, als sie sagte, dass sie mit dem Sissi Kitsch nichts mehr zu tun haben möchte. In Wahrheit stimmt an den Filmen gar nichts. Mit der Angelszene beginnend, bis hin zu den Namen der ersten Tochter ist nichts richtig. Wenn schon ein Kind in Venedig in die Richtung ihrer Mutter läuft, so hätte dies Gisela sein müssen und nicht Sophie. Aber wenn man der Tochter schon die falschen Namen „Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria“ gibt, so kann man auch vom Rest nicht verlangen, sich an korrekte historische Fakten zu halten. Schade ist nur, dass bis heute die Filme mehr zählen, als die Geschichte unserer Kaiserin per se. Ich versuche nun, dieses Klischee aufzuheben.

Nach der Verlobung (die ihr hier nachlesen könnt) und der aufwändigen Hochzeit (hier zum Nachlesen) war die einzige Pflicht, die Kaiserin Elisabeth hatte, ein Kind zu bekommen.

Die Flitterwochen verbrachte das junge Paar im Schloss und Schlosspark Laxenburg, welches Sisi zwar ans Herz wuchs, sie allerdings auch an Einsamkeit beinahe zu Grunde gehen ließ.

Foto: Wikimedia/Commons Sophie Gräfin von Esterházy

Kaiser Franz Joseph hatte kaum Zeit für seine junge schöne Braut und so musste sie sich mit den ihr völlig fremden Hofdamen begnügen, allen voran die verhasste Erzherzogin Sophie Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha, bekannt als „Gräfin Esterházy“ (*5.9.1798, †17.6.1896). Pünktlich um 5.00 Uhr früh verließ der junge Kaiser Laxenburg, fuhr mit der Kutsche zurück nach Wien, entweder in die Hofburg oder nach Schloss Schönbrunn, um an seinem Schreibtisch Staatsgeschäfte zu verrichten und kam erst abends zum Diner, welches um 18.00 Uhr serviert wurde, zurück.

Schlosspark Laxenburg mit der Franzensburg Foto: Schloss Laxenburg

Elisabeth blieb allein. Also allein in ihrem Kummer. Denn vollkommen fremde Personen hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das junge, verschüchterte, von Heimweh geplagten Mädchen zu zähmen und die Hofetikette einzudrillen. Von Erzherzogin Sophie beauftragt, wurde jeder Fauxpas, den die junge Kaiserin betrieb, an diese gemeldet.

Kein Reiten ohne Begleitung, kein Spazieren gehen ohne neugierige Blicke ihrer ihr fremden Hofdamen. Sogar am Abend, während des Diners, durfte sie mit ihrem Mann nicht alleine Speisen. Flügeladjutant Hugo von Weckbecker (*1820, †1866) wurde neben Sisi platziert, damit die schüchterne Kaiserin endlich sprechen lerne. Eine Kaiserin habe schließlich die Gäste des Kaisers charmant zu unterhalten. Und auch hier war Sophie von Esterházy stets an Elisabeths Seite. Jeder Fehler wurde sofort korrigiert. Auch coram publico. Ich glaube, es kann sich jeder selbst vorstellen, wie unangenehm dies ist.

Vierzehn Tage nach ihrer Hochzeit, schrieb sie verzweifelt in ihr Tagebuch:

Es kehrt der junge Frühling wieder
Und schmückt den Baum mit frischen Grün
Und lehrt den Vögeln neue Lieder
Und macht die Blumen schöner blüh’n. 

Doch was ist mir die Frühlingwonne
Hier in dem fernen, fremden Land?
Ich sehn‘ mich nach der Heimat Sonne, 
Ich sehn‘ mich nach der Isar Strand. (1)

Auch die ersten Wehklagen über ihre verlorene und einzig wahrhaften Liebe kamen wieder ans Tageslicht. Wir erinnern uns an ihren Jugendfreund Richard, der ihr seitens ihrer Mutter entrissen wurde. Die glücklichen Kindertage könnt ihr hier nachlesen.

Nur einmal konnt ich wahrhaft lieben
Es war das erstemal. 
Nichts konnte meine Wonne trüben
Bis Gott mein Glück mir stahl…

Nur kurz warn diese schönsten Stunden, 
Nur kurz die schönste Zeit. 
Nun ist mein Hoffen all entschwunden, 
Ihn geb ich nicht in Ewigkeit. (2)

Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons

Viel später kehrte sie mit ihrer Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923) zurück und zeigte ihr den Schreibtisch, an dem sie stundenlang Briefe und Gedichte schrieb und sich die Seele aus dem Leib weinte. Marie von Festetics notierte in ihr Tagebuch: „Elisabeth ging von Zimmer zu Zimmer – sagte von jedem, was es war – aber ohne näheren Commentar, bis Sie endlich in einem Eckzimmer stehen blieb, wo ein Schreibtisch zwischen Fenstern stand u. ein Schreibsessel davor; lange stand Sie mäuschentill da – plötzlich sagte Sie: … Hier habe ich viel geweint, Marie. Allein der Gedanke an diese Zeit preßt mein Herz zusammen. Hier war ich nach meiner Hochzeit… Ich fühlte mich so verlassen, so einsam. Der Kaiser konnte tagsüber natürlich nicht hier sein, er ist täglich in der Früh nach Wien gegangen. Um sechs Uhr ist er zum Diner zurückgekehrt. Bis dahin war ich den ganzen Tag allein und hatte Angst vor dem Augenblick, da Erzherzogin Sophie kam. Denn sie kam jeden Tag, um jede Stunde zu spionieren, was ich tue. Ich war ganz à la merci dieser ganz bösartigen Frau. Alles war schlecht was ich tat. Sie urteilte abfällig über jeden, den ich liebte. Alles hat sie herausbekommen, weil sie ständig gespitzelt hat. Das ganze Haus hat sie so gefürchtet, daß alle zitterten. Natürlich haben sie ihr alles mitgeteilt. Die kleinste Sache war eine Staatsaffäre…“ (3)

Erzherzogin Sophie Foto: Wikimedia/Commons

Sisi, welche in Possenhofen immer vor Gesundheit strotzte, wurde labil. Ihre Stimmungsschwankungen waren enorm. Ihr Leiden wurde täglich mehr. Erzherzogin Sophie nahm dieses Leiden als Kränkung auf. Sie selbst, die immer Kaiserin werden wollte, musste zusehen, wie dieses Kind die Stellung die man ihr auftrug als Bürde ansah. Erzherzogin Sophie (*27.1805, †28.5.1872) kümmerte die instabile Lage ihrer Schwiegertochter nicht. Sie sah nur das glückliche Gesicht ihres Sohnes und schrieb Briefe an ihre Schwestern nach Bayern und Sachsen, wo sie vom „glücklichsten Ehepaar aller Zeiten“ schrieb. Auch die Flitterwochen erwähnte sie als „ländliche Idylle“ und „herzerquickender Anblick der beiden glücklichen Kinder“.

Kaiserin Elisabeth sah dies jedoch ganz anders. Auch Erzherzogin Marie Valerie schrieb darüber in ihrem Tagebuch. Doch wenden wir uns nun dem Thema, Elisabeth als Mutter zu.

Nach dem „ländlichen Idyll“ der Flitterwochen, fingen die Pflichten der jungen Kaiserin an. Die erste Reise des Kaiserpaares führte Anfang Juni nach Mähren und Böhmen, wo ihnen ein wohlgesonnenes Volk entgegen winkte. Elisabeth sollte als Erstes böhmisch lernen, doch die Sprache war ihr verhasst, weshalb es außer dem Zählen bis 10 nicht recht voranging. Auch hier reiste das Paar natürlich nicht allein. Neben dem

Graf Carl Grünne, Foto: Wikimedia/Commons

Dr. Johann Nepomuk Seeburger, Foto: Wikimedia/Commons

Flügeladjutant, reiste auch das Militär mit, Leibarzt Freiherr Dr. Johann Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) , Graf Karl Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884) und natürlich die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister Ihrer Majestät, sowie zwei Hofdamen und ein Sekretär. All diese Personen brachten natürlich wiederum ihre Diener, Friseure und Lakaien mit. Auch das Dienstpersonal des Kaiserpaares durfte nicht fehlen. Ein Tross der Unendlichkeit ritt dem Kaiserpaar voraus und hinten nach. Ziemlich befremdlich für eine 16jährige, die gerade einmal ein paar Wochen Kaiserin war.

Elisabeth trat als charmante und liebreizende Kaiserin auf, deren Art mit den „einfachen“ Leuten zu sprechen auffiel. Die Hoffnung stieg bei Hofe, dass aus ihr doch noch einmal eine gute Kaiserin werden möge, die sich dem sozialen Engagement annehmen würde. Auf dieser Reise wurde sichtbar, dass Sisi mit Böhmen und der böhmischen Aristokratie, die immerhin auch in Wien den Ton angab, nichts anfangen konnte. Hauptsächlich waren sie es, die über die einfache herzögliche Abstammung die Nase rümpften und Elisabeth in allen Belangen auslachten. Kein Adel war ihr weniger Wohlgesonnen als der Böhmische. Immerhin waren dies aber die bekanntesten Namen des Landes: Schwarzenberg, Waldstein, Lobkowitz, Kinsky, Khevenhueller, Liechtenstein, Auersperg und einige andere.

Kaiser Ferdinand, Foto: habsburger.net

Kaiserin Maria Anna, Foto: Wikimedia/Commons

Ein kleiner Höhepunkt der Reise sollte der Besuch beim abgedankten Kaiser Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) und Kaiserin Maria Anna (*19.9.1803, †4.5.1884) werden, welche nun in Prag lebten. Der kleine, gutmütige Mann, dessen Kopf schief auf seinem Körper hing, stundenlang Domino spielte und mit seinem Neffen Franz Joseph wenig anfangen konnte, freute sich über den Besuch der hübschen Nachfolgerin seiner Frau. Maria Anna war ebenfalls entzückt, hatte aber am Wiener Hof nichts mehr zu melden.

14 Tage sollte die Reise dauern, welche an Strapazen kaum zu überbieten war. Doch zurück in Wien, wurde Elisabeth keine Ruhe gegönnt. Fronleichnam stand vor der Türe, weshalb eine große Prozession geplant war. Elisabeths Einwand noch nicht alt genug für diese Bürde zu sein, wurde abgeschmettert. Obwohl ihr die Verbindung Kirche und Politik völlig fremd war, erwartete man von ihr, dass sie eine große Staatstoilette trug. Kaiserin Maria Anna hatte jahrelang diese Aufgabe mit vollem Glanz und Hingabe absolviert. Sisi fürchtete sich in die Fußstapfen der beliebten Kaiserin zu treten. Doch Kaiser Franz Joseph und seine Mutter Erzherzogin Sophie hatten kein Mitleid mit ihr. Elisabeth galt als die große Hauptattraktion. Mit Schleppkleid und Brilliantendiadem geschmückt, stieg sie in den Hofgalawagen, der mit acht Schimmeln bespannt war. Doch Elisabeths Sorgen waren unbegründet. In frommer, demütiger Haltung überstand sie den Tag gekonnt und meisterlich, als habe sie nie etwas anderes zuvor gemacht.

Herzogin Ludovika, Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth, die weiterhin Tanzstunden und Sprachunterricht nahm und immer noch gerne Ausritt, musste dies bald nach der Hochzeit einstellen. Die ersten Zeichen einer Schwangerschaft stellten sich ein, welche Sophie mit Argusaugen beobachtete. Sisi litt unter schweren Schwangerschaftsproblemen: sie erbrach ständig, litt an Schwindelgefühl und Müdigkeit. Die meiste Zeit vom Tag musste sie liegend verbringen. Mutter Ludovika wurde Bang um ihre Tochter, doch traute sie sich nicht nach Wien. Der Dank, dass ihre Schwester die junge Elisabeth als Heiratskandidatin ihres Sohnes anerkannte, war so enorm, dass Ludovika Sophie beinahe devot begegnete.

Herzogin Mathilde in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Herzog Carl Theodor in Bayer, Foto: Wikimedia/Commons

Der Sommer stand bevor und so zog die Familie nach Ischl. Hier kam es zu einem lustigen Vorfall, den ich euch unbedingt erzählen möchte: Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) telegrafierte nach Ischl, um Sisi die Ankunft von Spatz, Gackel und sich selbst anzukündigen. Sie unterschrieb das Telegramm mit Mimi, da dies der Spitzname war, mit dem Sisi ihre Mutter seit ihrer Kindheit ansprach. Mimi gab noch den Zug und die Ankunftszeit in Lambach bekannt, da der Zug dort halten würde. Von dort sollte eine Kutsche für die Familie bereitstehen, um diese zur frisch umgebauten Kaiservilla zu bringen. So der Plan. Doch das Telegramm kam nicht in der Kaiservilla, sondern im Hotel Elisabeth an.

Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph Foto: ÖNB

Als Herzogin Ludovika, Schwester Herzogin Mathilde und Bruder Herzog Carl Theodor in Lambach ankamen, stand jedoch keine Kutsche bereit. Helle Aufregung entstand, noch dazu in einer Zeit ohne Telefon. Wir können uns das heute kaum noch vorstellen, oder? Zumindest eine Telefonzelle haben wir älteren Leser schon gekannt. Plötzlich erschien ein Hotelpage des Hotels Elisabeth in Ischl. Er hielt in der Hand 3 Käfige. Diese sollten für die Vögel „Mimi“, „Spatz“ und „Gackel“ sein.

Um hier eine kleine Erklärung abzugeben. Ludovika hatte für alle Kinder Kosenamen. Spatz war Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925), Gackel war Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) und Mimi war, wie gesagt, sie selbst. Man mag sich das Gesicht des Pagen gar nicht vorstellen, als er den Irrtum bemerkte. Noch dazu wo er die Mutter und Geschwister Ihrer Majestät vor sich stehen hatte. Natürlich klärte sich der Irrtum als baldigst auf und so wurde die Familie mit der grell lackierten Hotelkutsche zur Kaiservilla gebracht.

Schon während der Schwangerschaft zogen dunkle Wolken über das Mutterglück auf. Erzherzogin Sophie riss alles an sich. Sie bestimmte, wo die Kindskammer eingerichtet wurde. Diese wurde so eng an ihre eigenen Appartements gelegt, so dass es Elisabeth niemals gelingen würde, ohne dem Wissen von Sophie ihr Kind zu besuchen. Auch die Einrichtung suchte Sophie aus.

Kaiserin Elisabeth wurde von Erzherzogin Sophie angeherrscht, sich beim Volk zu zeigen. Später erzählte sie dies ihrer Hofdame, welche die Geschichte in ihr Tagebuch notierte: „Kaum war sie da, schleppte sie mich schon hinunter in den Garten und erklärte, es sei meine Pflicht, meinen Bauch zu produzieren, damit das Volk sehe, daß ich tatsächlich schwanger bin. Es war schrecklich.“ (4) Sobald Sisi allein war, weinte sie sich in den Schlaf. Allein und von niemanden verstanden, durfte sie sich auch keinem in ihrer Umgebung anvertrauen. Es wurde ihr von Sophie verboten, irgendjemand als Freund oder Freundin anzusehen. Einzig Graf Grünne kümmerte sich väterlich um die junge verzweifelte Kaiserin, die das Hofleben immer mehr und mehr verabscheute.

Auch die Aja wurde von Erzherzogin Sophie gewählt. Freifrau von Welden, kinderlos und Witwe, ohne Kindererfahrung wurde aus politischen Gründen dazu auserkoren, das erste gemeinsame Kind von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph zu erziehen. Die Einwände seiner Frau konnte Franz Joseph weder verstehen, noch hörte er ihr richtig zu. Was Mutter entschied, wird schon gut für alle sein, so sein unumstößliches Motto zu allen Dingen die Sophie entschied. Umso mehr weinte sich Sisi immer mehr und mehr in den Schlaf.

Huldigungsblatt zur Geburt der kleinen Tochter Sophie, Foto: ÖNB

Am 5.3.1855 kam Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha um 3.00 Uhr nachts zur Welt. Die Geburt und warum das kleine Mädchen bereits am 29.5.1857 wieder verstarb, könnt ihr hier nachlesen. Wir sind also vom Sissi-Film Kitsch wirklich weit entfernt. Die (Film)Tochter, die auf die Namen Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria getauft wurde, hat nichts gemeinsam mit der kleinen Erzherzogin, welche am 5.3.1855 zur Welt kam. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs an falschen Informationen aus den Filmen, die Weltruhm erlangten und leider bis heute als der Inbegriff einer Sis(s)i am Wiener Hof gelten. Auch das zweite „s“ im Namen von Sisi hält sich hartnäckig. Elisabeth hat sich niemals SiSSi genannt. Vielleicht kann ich mit dem Kitsch endlich ein wenig aufräumen.

Die erste Zeit verbrachte Sisi mit der kleinen Sophie in Laxenburg. Kaiser Franz Joseph schrieb beinahe täglich an seine Mutter und kündigte an, dass seine Frau im Juni für 10 Tage das Land verlassen würde, um nach Possenhofen zu fahren. Die kleine Sophie lernte also schon recht früh ihre bayrische Verwandtschaft kennen.

Am 7.8.1855 telegrafierte ein liebevoller Vater an seine Mutter: „Wir sind sehr wohl und die Kleine war besonders heute sehr lustig. Sie jauchzte in einem fort und war sehr damit beschäftigt, ihren Fuß in den Mund zu stecken und daran zu schnullen. Sie scheint viele gymnastische Anlagen zu haben. Ich küsse Ihnen und dem Papa mit Sisi die Hände und bleibe Ihr treuer Sohn Franz.“ (5)

Schon bald machten sich die nächsten Schwangerschaftszeichen bemerkbar. Sobald diese öffentlich wurden, las der Erzbischof von Wien und der Bischof von Linz eine Messe, um eine glückliche Entbindung zu erbitten. Selbstverständlich nicht ganz Uneigennützig um einen Thronfolger zu bitten.

Erzherzogin Gisela, Foto: Dorotheum Wien

Erzherzogin Sophies Gesicht soll starr gewesen sein, als man ihr mitteilte, dass am 12.7.1856 um 6.35 Uhr in Schloss Laxenburg eine kleine Erzherzogin zur Welt kam. Auch bei dieser Geburt war Herzogin Ludovika nicht anwesend. Ebenso erschien sie zur Taufe nicht, obwohl sie offiziell die Taufpatin war. Am 13.7.1856 wurde die kleine Erzherzogin auf die Namen Gisella Ludovika Marie getauft. Gisella wurde später zu Gisela und Ludovika zu Louise, weshalb man heute in sämtlichen Geschichtsbüchern von Erzherzogin Gisela Louise Marie lesen kann. Erzherzogin Sophie wurde als Taufpatin-Stellvertreterin bestimmt. Sie selbst hatte schon Sophie Friedericke getauft.

Elisabeth, nun stärker und selbstbewusster, fing an, um Sophie und Gisela zu kämpfen. Die Enttäuschung ihrer Schwiegermutter, keinen Thronfolger auf die Welt gebracht zu haben, nutzte sie aus, um die Kinderzimmer in die „Radetzky-Räume“ der Hofburg zu verlegen. Sophie tobte, doch diesmal hatte Elisabeth Schützenhilfe durch Franz Joseph. Er stellte sich nicht nur vor Sisi, so nannte er sie auch eine hingebungsvolle Mutter. Sophie drohte mit Auszug, was Franz Joseph verstimmte. Er schrieb einen Bettelbrief an seine Mutter: „Nie würde ich es zugeben, daß Sie Ihre jetzige Wohnung verlassen oder gar, was ich nicht gelesen haben will, ganz aus der Burg ziehen würden. Ich hoffe noch immer, daß sich alles sehr gut machen wird; die Kinder bekommen eine viel bessere Wohnung, in der sie auch künftig bleiben können, und Alles wird zufrieden sein.“ (6)

Erzherzogin Sophie Friederike, Foto: Wikimedia/Commons

1856 unternahm das Kaiserpaar eine 4monatige Reise nach Italien. Kaiser Franz Joseph wollte Lombardo-Venetien wieder mehr an das österreichische Reich binden. Obwohl Erzherzogin Sophie massive Einwände hatte, nahm Kaiserin Elisabeth die kleine Sophie mit auf die Reise. Baby Gisela verblieb bei ihrer Großmutter in Wien. Das Weihnachtsfest verbrachte die Familie getrennt. Sophie mit Gisela in Wien, Franz Joseph, Elisabeth und Sophie Friedericke in Venedig. Als Weihnachtsgeschenk wurde Sisi mit einem Portrait von Gisela überrascht. Elisabeth wurde auf dieser Reise zum ersten Mal ernsthaft krank. Ihre Lungen machten ihr große Probleme. Sie hustete unentwegt, was Kaiser Franz Joseph schwere Sorgen bereitete. Er kündigte bei seiner Mutter die Rückkehr für den 12.3.1857 an. Erzherzogin Sophie Friedericke wurde bereits am 2.3.1857 mit ihrer Kinderfrau Anna Kathrein auf die Reise geschickt. Franz Joseph schrieb in einem Brief an seine Mutter, dass er hoffte, dass die Kleine ihr die Hände küssen möge und sie artig sei.

Wenige Monate später kam es in Ungarn zu einem folgenschweren Schicksal, von dem sich Elisabeth – vor allem als Mutter – nie wieder erholen sollte. Aus Trotz setzte sie sich gegen ihre Schwiegermutter durch und nahm beide Kinder mit auf die Ungarnreise. Nicht nur, dass Erzherzogin Sophie Ungarn aus tiefstem Herzen hasste (das Libenyi-Attentat hatte sie nie vergessen; hier nachzulesen), so riet sie dem Kaiserpaar, die Kinder in Wien zu lassen. Das Unheil nahm seinen Lauf. Kaiserin Elisabeth verfiel das erste Mal in ihrem Leben in tiefe Trauer.

Im Dezember 1857 wurde erneut an Kaiserin Elisabeth eine Schwangerschaft festgestellt. Zur unendlichen Trauer, mischte sich freudige Erwartung, welche Sisi mit ihren üblichen Schwangerschaftsleiden quittierte. Sie erbrach ständig, war müde und bettlägrig. Die Abnabelung zu ihrer Tochter Gisela begann. Immer öfter war Sisi unpässlich, wollte das kleine Mädchen nicht sehen und machte sich selbst die größten Vorwürfe, ihre Tochter Sophie umgebracht zu haben.

Kaiser Max und Kaiserin Carlota, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Als am 27.7.1858 auch noch ihr Lieblingsschwager Erzherzog Ferdinand Maximilian, genannt Max (*6.7.1832, †19.6.1867), die schöne belgische Prinzessin Charlotte (*7.6.1840, †19.1.1927) heiratete und diese ab sofort ihr vorgezogen wurde, verfiel Sisi noch mehr in Depressionen. Charlotte kam aus einem unfassbar reichen Haus, war gebildet und schön. Erzherzogin Sophie und ihre gesamte Anhängerschaft ließen keine Möglichkeit aus, um Charlotte zu loben, zu huldigen oder zu bezirzen. Der labilen, schüchternen und unbeliebten Kaiserin muss das bis ins Mark erschüttert haben. Noch mehr als jemals zuvor, zog sie sich zurück. Leider auch vor ihrer Tochter. Mittlerweile vergingen Wochen bis sie Gisela wieder an sich ran ließ oder nach dem kleinen Töchterchen fragte.

Am 21.8.1858 setzten gegen 22.00 Uhr die letzten Wehen ein. Beide Mädchen waren leichte Geburten, kaum eine Wehe war zu spüren und schon waren die Kinder auf der Welt. So war es im August nicht. Erzherzogin Sophie und Gräfin Esterházy knieten am Boden und beteten, während sich Elisabeth die Seele aus dem Leib schrie. Um 22.15 Uhr war es endlich soweit. Der Thronfolger wurde geboren.

Völlig erschöpft fragte die Kaiserin ihren am Bett sitzenden Mann ob es ein Bub sei. Dieser erwiderte, dass die Hebamme Gruber es noch nicht so genau wisse. In Wirklichkeit wollte Kaiser Franz Joseph seine Frau schonen. Die Geburt hatte sie stark geschwächt. Man wollte ihr jede Aufregung ersparen. Vor lauter Enttäuschung, dass sie keine Antwort bekam, glaubte sie, wieder „nur“ ein Mädchen zur Welt gebracht zu haben. Doch Franz Joseph verneinte dies mit dem Satz „Nun, und wenn es ein Knabe wäre?“ (7)

Lithografie mit Kronprinz Rudolf in der Wiege, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Karoline Freifrau von Welden „Wowo“, die Kinderfrau von Erzherzogin Gisel(l)a und Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth, Foto: Nationalbibliothek

Das ganze Land feierte die Geburt von Kronprinz Rudolf Franz Karl Joseph, dessen Vorname genauso aus den Habsburger Vorfahren gewählt wurde, wie Giselas. Nicht nur Wien feierte, auch das ganze Reich schloss sich den Huldigungen an. Kaiser Franz Joseph der seinen Sohn zwar nicht hübsch fand, dafür aber kräftig und stark, weinte jedes Mal vor Freude, wenn ihm ein Minister, das Militär oder ein Bediensteter gratulierte. Seine Freude kannte kaum eine Grenze.

Elisabeth, die wieder einmal nicht stillen durfte, hatte extreme Probleme mit dem Milcheinfluss. Sie bekam hohes Fieber. Trotzdem wurde ihr nicht erlaubt den Sohn zu stillen. Sie gab jeden Widerstand auf. Sie ließ die Kinderzimmer in die Räumlichkeiten von Erzherzogin Sophie verlegen und übergab die gesamte Erziehung in ihre Hände.

Ab sofort waren sich Gisela und Rudolf am nächsten. „Wowo“, wie Aja Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1892) von den Kindern genannt  und „Nono“, wie die Kammerfrau Leopoldine Nischer (*1813, †1883) genannt wurde, wurden zum Lebensmittelpunkt der beiden. Noch als Erwachsene sprachen beide überaus liebevoll über Wowo und Nono.

Gisela und Rudolf als Kinder, Foto: Wikimedia/Commons

Gisela, die etwas herb wirkte und das stämmige Wesen von Franz Joseph geerbte hatte und Rudolf, der das Aussehen seiner Mutter, sowie deren Intelligenz und Sensibilität erbte, waren unzertrennlich. Obwohl Rudolf es nicht leiden konnte, wenn Gisela mit seinen Sachen spielte und Gisela sich beschwerte, wenn er ihre Spielsachen versteckte, hielten zusammen wie Pech und Schwefel.

Die ersten Jahre fiel ihnen die Abwesenheit von Elisabeth gar nicht auf. Großmutter Sophie, Nono und Wowo kümmerten sich rührend um die Kinder und Kaiser Franz Joseph nahm sich so viel Zeit wie möglich. Mittlerweile hatte sich die Beziehung zwischen Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth zu einer ambivalenten Ehe entwickelt (der Beitrag kann hier nachgelesen werden).

Um die Abnabelung zu ihren Kindern zu verstehen, muss ich ins Jahr 1860 springen und euch bitten obigen Beitrag zu lesen. Kaiserin Elisabeth fing an, sich immer mehr gegen ihren Mann durchzusetzen, kränkelte aber stets vor sich hin. Wie in meinem Bericht erwähnt, ist die Wahrheit über den Bruch zwischen Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth bis heute nicht erforscht. In allen Filmen wird es vereinfacht mit einer Lungenkrankheit dargestellt. So steht es auch in (wirklich) allen Geschichtsbüchern, dennoch bleiben Zweifel. Schon der erste Biograf Conte Corti sprach vom „Deckmantel der Krankheit“. Bleiben wir also dabei.

Im November 1860 verließ Kaiserin Elisabeth Laxenburg und kehrte erst am 16.8.1862 nach Wien zurück. Nur in Venedig hatte Elisabeth ihre Kinder gesehen. Viel zu kurz, wenn man bedenkt, wie klein die Kinder damals noch waren.

kaiserliche Familie, Foto: ÖNB

Gisela war zum Zeitpunkt der Rückkehr bereits 6 Jahre alt, Kronprinz Rudolf knapp 4 Jahre alt. Auch als Kaiserin Elisabeth zurück war, kümmerte sie sich nicht um die Kinder, die sie so sehr vermissten. Vor allem der kleine Rudolf hing sehr an seiner Mutter. Er vergötterte sie Zeit seines Lebens und buhlte immer um ihre Liebe. Vergeblich.

Graf Leopold Gondrecourt, Foto: Wikimedia/Commons

Als er 6 Jahre alt war, wurde er von Gisela getrennt. Er wurde von Graf Leopold Gondrecourt (*1816, †22.5.1888) militärisch erzogen. Den Buben traf damit ein hartes Schicksal. Rudolf, der überhaupt nicht für den militärischen Drill geeignet war, weinte sich jeden Abend isoliert in den Schlaf. Er fürchtete sich allein vor der Dunkelheit, zitterte vor Angst vor dem Knallen der Pistolen und konnte die Einsamkeit nicht ertragen. Er wurde physisch und psychisch von Gondrecourt misshandelt. Elisabeth weilte außerhalb von Wien, weshalb sie von den Qualen die Rudolf erlitt zunächst nichts wusste. Vater Kaiser Franz Joseph sah geflissentlich weg und nannte seinen Sohn einen „Kepierl“. Erzherzogin Sophie vor Treue zur Krone blind, sah über den Leidensdruck des geliebten Enkels hinweg. Gondrecourt sah seine Macht und quälte den Buben bis aufs Blut. Er zerrte ihn früh morgens mit Trompetenklänge neben dem Bett aus selbigen, ließ ihn bis zum Umfallen stehen und tränkte ihn für Disziplin und Ordnung im eiskalten Wasser. Rudolf wurde kränker und blasser als jemals zuvor in seinem Leben.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth weilen gerade in Bad Ischl, als Elisabeth von der Wildschwein-Affäre erfuhr, war das Maß voll. Rudolf wurde von Gondrecourt zum Tierpark Lainz geschliffen, dort hinter die Mauer gestellt, während sich der General in Sicherheit brachte, schrie er, dass ein Wildschwein käme. Das Kind schrie in Todesangst wie am Spieß und je lauter es schrie, desto nervöser wurden die Wildschweine, die in der Nähe ihr Revier hatten.

Sie eilte zum Kaiser und schrie ihn förmlich an: „Entweder Gondrecourt oder ich!“ (8). Danach eilte sie in ihr Zimmer und schrieb das berühmte förmliche Ulitimatum:

Ich wünsche, dass mir vorbehalten bleibe, unumschränkte Vollmacht in Allem, was die Kinder betrifft, die Wahl ihrer Umgebung, den Ort ihres Aufenthaltes, die complette Leitung ihrer Erziehung, mit einem Wort, alles bleibt mir ganz allein zu bestimmen, bis zum Moment der Volljährigkeit. Ferner wünsche ich, dass, was immer meine persönlichen Angelegenheiten betrifft, wie unter anderem die Anordnungen im Haus p.p. mir allein zu bestimmen vorbehalten bleibt. 

Elisabeth, Ischl, 27.8.1865 (9)

Josef Latour, Foto: Wikimedia/Commons

Dr. Hermann Widerhofer, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph gab nach. Rudolf wurde aus den Klauen des Folterers befreit. Zuerst wurde er in die ärztliche Obhut von Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901) aufgenommen, danach übernahm ihn Josef Latour von Thurmburg (*2.2.1820, †28.12.1903), zu dem Kaiserin Elisabeth ein freundschaftliches Verhältnis hatte. Doch es war zu spät. Gondrecourt hatte ganze Arbeit geleistet. Das Trauma begleitete Rudolf Zeit seines Lebens.

Erzherzogin Gisela und Kronprinz Rudolf bekamen, als sie knapp 12 und 10 Jahre alt waren, noch eine Schwester. Kaiserin Elisabeth war zum Zeitpunkt der erneuten Schwangerschaft 30 Jahre alt. Am 8.6.1867 fand in Budapest die Krönung zur Königin von Ungarn statt. Am 11.6.1867 fuhr das Königspaar nach Schloss Gödöllo, welches ihnen als Krönungsgeschenk übergeben worden war. Im November 1867 wurde in Wien die Schwangerschaft bekanntgegeben. Es stellte sich zum ersten Mal seit Jahren so etwas wie ein Familienleben ein, an welchem auch die Kinder Gisela und Rudolf teilnehmen durften. Im Jänner 1868 erfuhr Herzogin Ludovika von Sophie in einem Brief von der freudigen Botschaft.

Königin Marie von Neapel, Foto: Wikimedia/Commons

Die Schwangerschaft verlief ruhig und ohne gröbere Vorkommnisse. Elisabeth hatte es sich zum Ziel gesetzt, ihr Kind in Ungarn zur Welt zu bringen, weshalb sie sich im Februar 1868 Richtung Ofen auf machte. Sollte es ein Bub werden, beschloss sie, sollte er Stefan heißen. Stefan war der erste heilige König und beim ungarischen Volk sehr beliebt. Kaiser Franz Joseph befürchtete, dass die Geburt in Ungarn ihr in Wien viele Minuspunkte einbringen würde. Seine Frau war mittlerweile sehr unpopulär geworden. Nur noch Randnotizen in den Zeitungen und beim Volk nicht sonderlich beliebt. Ihre Schwester Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) war angereist, um ihr bei der Geburt beizustehen. Die Geburt selbst war musterhaft. Erst kurz vor der Geburt, musste die Hebamme helfen, bis dahin hatte es Marie allein geschafft. Am 22.4.1868 wurde das letzte Kind des Paares, Erzherzogin Marie Valerie Mathilde Amalie geboren.

Kaiserin Elisabeth im Krönungskleid, Foto: ÖNB

Kaiser Franz Joseph, stolz nochmals Vater geworden zu sein, telegraphierte an die daheim gebliebenen Kinder: „Sie ist recht hübsch, hat große, dunkelblaue Augen, eine noch etwas zu dicke Nase, sehr kleinen Mund, ungeheuer dicke Backen und so dichte dunkle Haare, daß man sie jetzt schon frisieren könnte. Auch am Körper ist sehr stark, und sie schlägt sehr frisch mit den Händen und Füßen herum… sie schreit sehr selten…und stinkt …“ (10) Die Kinder erschrocken über so viel Liebe in wenigen Sätzen, rückten noch näher zusammen, da sie befürchteten, die neue Schwester würde alle Aufmerksamkeit auf sich lenken. Doch es kam für die beiden noch viel schlimmer.

Erzherzogin Marie Valerie, Foto: ÖNB

Das „ungarische Kind“ wie Marie Valerie bald genannt wurde, bekam vom Wiener Hof den Namen „die Einzige“. Elisabeth selbst hatte ihr also den „Beinamen“ nicht gegeben. Wieder eine Mär mehr, die sich bis heute hartnäckig hält. „Das ungarische Kind“ entstand dadurch, dass der Tratsch des Wiener Hofes und bald des Volkes Sisi eine Affäre mit Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890) andichtete.

Elisabeth sorgte mit großem Pflichteifer dafür, dass Erzherzogin Sophie „ihr“ Kind nicht in die Obhut bekam. Die nächsten Jahre tat Kaiserin Elisabeth keinen Schritt ohne ihrer Valerie. Entweder war sie in der Obhut ihr vertrauter Menschen oder direkt bei Elisabeth selbst. Kein Tag verging, an dem sie Valerie nicht zu Bett brachte oder dafür sorgte, dass es ihr gut ging. Wollten die Geschwister sie sehen, war Elisabeth stets an der Seite ihrer Tochter. Rudolf und Gisela eiferten sehr und bemühten sich nicht sonderlich um ihre Schwester. Dies nahm ihnen ihre Mutter übel.

Schon mit drei Wochen begann für Marie Valerie das Reisen. Von Ofen nach Gödöllö, von Gödöllö nach Ischl, von Ischl nach Possenhofen usw. In Schloss Garatshausen, wo Elisabeth zu Gast ihrer Schwester Helene von Thurn und Taxis (*4.4.1834, †16.5.1890) war, schrieb sie halb hysterisch an Franz Joseph, da Valerie kränkelte. Sie habe das grässliche Gefühl von unverlässlichen Menschen umzingelt zu sein, denn sie befürchtete, dass „ihr teuerster Schatz“ durch die Amme die schlechte Milch abgebe, vergiftet worden sei. Sie entledigte sich derer und stellte eine Neue ein. Über die Ungarin, die eine Männerstimme hatte, permanente Csárdás Lieder sang und fürchterliche Angst vor Mäusen hatte, amüsierte sie sich allerdings königlich, wenn nicht sogar kaiserlich.

Stammbaum: Marie, Fotos: Wikimedia/Commons

Während sie sich fürsorglich um Marie Valerie kümmerte, vergaß sie vollends Gisela und Rudolf und sah diese nur ab und an in Wien oder in Gödöllö, wenn sie diese besuchten.

Die weiteren Schicksale der Kinder, werde ich in einzelnen Berichten erzählen, so viel sei jedoch erwähnt:

Gisela und Leopold von Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Max Emmanuel und Amelie in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzogin Gisela verheiratete sie mit 16 Jahren an Prinz Leopold von Bayern (*9.2.1846, †28.9.1930) damit dieser nicht die erwählte Braut Amelie von Sachsen-Coburg und Gotha (*23.10.1848, †6.5.1894) ehelichen konnte. In diese hatte sich nämlich ihr Bruder Max Emmanuel (Mapperl) in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893) verliebt. Um Leopold von seiner Braut loszusagen, musste sie eingreifen und ihm die Hand ihrer Tochter anbieten. Da Prinz Leopold diese nicht verwehren konnte, wurde als baldigst Hochzeit gefeiert. Die Trennung von Bruder Rudolf war tränenreich und kaum zu ertragen. Der 14jährige war nun wirklich auf sich allein gestellt. Sie starb am 27.7.1932. 

Kronprinz Rudolf ehelichte auf Druck seines Vaters die belgische Prinzessin Stephanie (*21.5.1864, †23.8.1945) und ging mit ihr eine lieblose Ehe ein, die in kräftezehrenden Streitigkeiten ausartete. Als er seine Mutter in vielerlei Hinsicht um Hilfe bat (verschiedene politische Ansichten gegenüber seines Vaters Kaiser Franz Joseph, lieblose Ehe, Krankheit, Scheidung) und diese ihn in Stich ließ, brachte er sich am 30.1.1889 in Mayerling um. Kaiserin Elisabeth trug ab diesem Zeitpunkt nur noch schwarz, zumindest wenn sie in der Öffentlichkeit stand. Mit dem Tod des Sohnes verlor sie das zweite Kind. Sie versank in Selbstmitleid und schweren Depressionen. Sie wurde rastlos und reiste von Land zu Land, um nirgendwo zu bleiben. Ihr Tod war eine Erlösung für sie.

Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie, Foto: Wikimedia/Commons

Marie Valerie und Franz Salvator, Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzogin Marie Valerie verliebte sich auf einem Ball in Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) und musste lange für diese Liebe kämpfen. Im Trauerjahr von Kronprinz Rudolf feierte sie in Bad Ischl Hochzeit. Kaiserin Elisabeth trauerte sehr um ihre Tochter und konnte deren Entscheidung so früh zu heiraten nicht verstehen. Sie reiste zu den Geburten der ersten Kinder an, was sowohl Gisela, als auch Schwiegertochter Stephanie versagt blieb. Marie Valerie war Zeit ihres Lebens ihrer Mutter für die tiefempfundene Liebe dankbar und bemühte sich nach deren Tod um ein Familienleben am Wiener Hof. Sie starb am 6.9.1924. 

Alles in allem war Kaiserin Elisabeth eine Mutter die viel zu geben hatte, aber durch die frühen Schwangerschaften einfach zu überfordert war. Auch das strenge spanische Hofzeremoniell, mit dem die Kinder aufgezogen werden sollten, war ihr Fremd. Sie selbst wurde frei und ohne großartige konventionelle Erziehungsmaßnahmen erzogen, sollte ein strenges Protokoll abhalten, was sie selbst hasste. Nur mit Marie Valerie und gereifter durch ihr Alter, konnte sie die Mutter sein, die sie sein wollte und konnte. 

~ Petra ~

kaiserliche Familie vor dem Schloss Gödöllö, Foto: Wikimedia/Commons


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra
Stammbaum: Petra
Bildrechte: Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), sternenkaiserin.com – Marie, Wikimedia/Commons, Dorotheum Wien


Literarische Hinweise:

1 – S. 75/76, 2 – S. 76/77, 3 – S. 79/80, 4 – S. 91
Elisabeth Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, TB, 8. Auflage 2017,

5 – S 22, 6 – S. 29, 10 – S 92
Martha Schad
Kaiserin Elisabeth und ihre Töchter
Piper Verlag, TB, 2. Auflage 2013

7 – S 79, 8 – S 121
E.C. Conte Corti
Elisabeth von Österreich, Tragik einer Unpolitischen
Wilhelm Heyne Verlag, 15. Auflage, 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

9 – S 26
Sisi Magazin, Kronen Zeitung – vergriffen (nur noch antiquarisch erhältlich)