Marie Therese Erzherzogin von Braganza

Foto: Wikimedia/Commons Marie Therese von Braganza, ca. 1889

Wir gedenken heute des Todestages von Maria Theresia Immakulata Ferdinanda Eulalia Leopoldina Adelheid Elisabeth Karoline Michaela Raphaela Gabriele Franziska von Assisi et de Paula de Gonzaga Agnes Sophia Bartolomea ab Angelis de Braganza Infantin von Portugal oder in portugiesisch Donna Maria Teresa da Imaculada Conçeiäo Fernanda Eulália Leopoldina Adelaide Isabel Carolina Micaela Rafaela Gabriela Francisca de Aissis e de Paula Gonzaga Inés Sofia Bartolomea dos Anjos de Bragança Infantin von Portugal, bekannt als Erzherzogin Marie Therese (auch Maria Theresia, oder Maria Theresa; aber am meisten genannt und bekannt als Marie Therese). Sie wurde am 24.8.1855 in Kleinheubach geboren.

Foto: Wikimedia/Commons König Michael von Portugal
Foto: Wikimedia/Commons Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg

Ihr Vater war König Miquel I von Portugal (*26.12.1802, †14.11.1866). Ihre Mutter Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (*3.4.1831, †16.12.1909).

Marie Therese wuchs bereits im Exil in Deutschland auf. Ihr Vater starb 1866, ohne je wieder an die Macht zu gelangen. Ihr Bruder Miquel (*19.9.1853, †11.10.1927) ehelichte die schöne Tochter von Helene „Néné“ von Thurn und Taxis, einer Schwester von Kaiserin Elisabeth, Elisabeth (*28.5.1860), welche aber nach 4jähriger Ehe und nach der Geburt des 3ten Kindes 20jährig am 7.2.1881 verstarb.

Sie genoss eine höhere Mädchenausbildung im Sacré-Coeur in Paris, welche sie auch abgeschlossen hatte. Als 17jährige kam sie zur Familie zurück nach Deutschland.

Foto: geneall.net Elisabeth und Michael von Braganza
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Franz Karl

Erzherzog Karl Ludwig, bereits 2facher Witwer, fuhr höchstpersönlich nach Kleinheubach, um bei ihrer Mutter vorstellig zu werden. Diese ließ ihre Tochter in den Salon bitten, bat sie sich umzuziehen, bevor sie mit dem Bruder des österreichischen Kaisers in den Garten spazieren ging. Was bei diesem Spaziergang besprochen wurde, ist nicht überliefert, es ist nur bekannt, dass Erzherzog Karl Ludwig obgleich Feuer und Flamme ob der Schönen war und sie bat seine Frau zu werden. Marie Therese willigte ein.

Fotos: Wikipedia/Commons, Stammbaum: Petra

Mit knapp 18 Jahren trat die Prinzessin am 23.7.1873 auf Schloss Heubach vor den Traualtar und gab dem knapp 40jährigen(*) Witwer Erzherzog Karl Ludwig ihre Hand. Dieser brachte 4 Halbwaisen mit in die Ehe: den 10jährigen Erzherzog Franz Ferdinand, den 8jährigen Erzherzog Otto (seinen Lieblingssohn), den 4jährigen Erzherzog Ferdinand Karl und die 3jährige Erzherzogin Margarete Sophie.

Foto: Wikimedia/Commons
Fotografie von Ludwig Angerer, 1860
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Victor)
Foto: Schloss-Artstetten.at
Foto: albertmilde.com Villa Wartholz, 1877

14 Tage später fand auf Schloss Schönbrunn im Beisein von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph ein großer Empfang für das Brautpaar statt. Anwesend waren die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister der Kaiserin, der Flügeladjutant des Kaisers und die gesamte Familie, so dass – nun mehr Erzherzogin Marie Therese – standesgemäß in der Familie Willkommen geheißen wurde.

Wohnhaft wurde das Paar mit den Kindern im angekauften Palais Favoriten in Wien Wieden, welches er sich von Heinrich von Ferstel umbauen ließ. In den Sommermonaten zog man in die Villa Wartholz in Reichenau, welches sich Karl Ludwig ebenfalls vom selben Architekt bauen ließ. Später wohnte die Familie im Sommer auch gerne im Schloss Artstetten.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth von Schönfeld
Foto: Wikimedia/Commons
Gräfin Marie Festetics, Hofdame

Elisabeth Gräfin von Festetics von Tolna (*30.6.1832, †12.3.1904) verheiratete Gräfin von Schönfeld wurde durch Gräfin von Goeß die Obersthofmeisterin von Marie Therese. Elisabeth war die Schwester von der Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics, welche bei Kaiserin Elisabeth anstellig war.

Das Erzherzogspaar wurde von Kaiser Franz Joseph häufig ins Ausland entsandt, um an seiner Statt an allerhand Pflichten teilzunehmen. Marie Therese galt nicht nur als die Schönste der drei Frauen von Karl Ludwig, sondern auch als die Klügste, Gewinnbringendste und durch ihr liebreizendes Wesen, als äußerst freundlich und zuvorkommend. Wo sie hinkam, wurde sie von den Menschen wohlwollend angenommen und umringt. Karl Ludwig war oft sehr eifersüchtig und beobachtete seine Frau mit voller Skepsis, wusste er doch, dass er viel älter war als sie. Doch zu Eifersucht bestand keine Sorge. Marie Therese liebte ihren Mann aus vollem Herzen und nie hätte sie sich zu einer außerehelichen Affäre hinreißen lassen. Wie – aus sicheren Quellen und absolut nicht üblich zu dieser Zeit – auch Karl Ludwig nicht fremd ging und sich außerehelich vergnügte. Die beiden genügten und liebten sich gleicher Maßen.

Foto: Wikimedia/Commons Zar Alexander III mit seiner Familie

So reisten die beiden auch nach Moskau um an der Krönung von Zar Alexander III teilzunehmen.

Foto: ÖNB Kaiserin Elisabeth ca. 1866

Erzherzogin Marie Therese zog alle Blicke auf sich. Sie galt als byzantinische Prinzessin und war eine außerordentliche Schönheit und von hoher Gestalt. Man konnte sogar beinahe sagen, sie machte Kaiserin Elisabeth Konkurrenz, die sie allerdings nicht als solche ansah. Sie schätzte ihre Schwägerin sehr, hatte sie doch Ruhe vor den lästigen Staatspflichten und konnte ihren Reisen und Reittätigkeiten zu dieser Zeit nachgehen. Es wurde nicht nur ihre Toilette und ihre Kleider, sondern auch der prachtvolle Schmuck bewundert, was im Zarenreich wirklich etwas zu bedeuten hatte. Normalerweise war es genau umgekehrt. Erzherzog Karl Ludwig ließ sich vor der Fahrt nicht lumpen und kleidete seine Frau ordentlich ein.

Durch ihr charmantes Äußeres, ihr kluges Auftreten und ihre witzige Art lag ihr aber nicht nur Russland alsbald zur Füßen, sondern die gesamte adelige Welt. Kaiserin Elisabeth war sehr zufrieden mit dem was ihr zu Ohren kam. Auch Kaiser Franz Joseph schätzte seine schöne und kluge Schwägerin sehr, musste aber alsbald merken, dass sie ihren eigenen Kopf durchsetze und für ihre Familie Himmel und Hölle in Bewegung setzte, wenn es darum ging, diese zu beschützen oder wenn ihr etwas am Herzen lag. Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen, schätzte er sie Zeit seines Lebens. Dies ging so gar so weit, dass man die beiden später verkuppeln wollte. Doch dazu später mehr.

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Therese

Als Mutter ging sie in ihrer Rolle ebenso auf, wie als Repräsentantin am Staatsbankett. Erzherzog Franz Ferdinand (*18.2.1863) war ein äußerst stilles und zurückgezogenes Kind, zu dem sehr eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder Otto (*21.4.1865), da dieser der Lieblingssohn seines Vaters war. Mit beinahe strengem Blick beobachtete er, wenn sich seine Stiefmutter Marie Therese mit seiner kleinen Schwester Margarete Sophie (*13.5.1870) beschäftigte, da er ganz besonders an ihr hing. Sie war sein ganzer Halt und seine große Liebe innerhalb seiner Geschwister. Zeit ihres Lebens waren die beiden sehr verbunden, es traf ihn deshalb besonders hart, als sie so jung sterben musste, aber dazu später mehr. Ferdinand Karl (*27.12.1868) fiel zwischen seinen Brüdern mehr oder weniger nicht auf. Er war der Dritte im Bunde und der jüngste Sohn.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata 2. Ehefrau und Karl Ludwig
Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata

Mit Geduld und großer Hingabe sorgte die junge Frau, die kaum 8 Jahre älter war, als ihr ältester Stiefsohn Franzi (Ferdinand), dass die Kinder sie annahmen und liebten. Das sie alle 4 begraben sollte, war ein ungeheures Schicksal, dass sie kaum ertrug. Die Geschichten dazu erzähle ich im einzelnen. Nur ihre eigenen Kinder sollten sie überleben.
Schon kurze Zeit nach der Hochzeit nannten die Kinder sie „Mama“ und dies sollte bis zum Tode aller Kinder so bleiben. Die Liebe war so groß, dass sie keinen Unterschied zu ihren eigenen Kindern machte, die dem Paar Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Marie Therese geboren wurden.

Maria Annunziata kam am 13.7.1876 in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax zur Welt. Sie wurde nach der zweiten Ehefrau und der Mutter der vier Halbwaisen benannt. Maria Annunziata von Neapel-Sizilien „Ciolla“ (*24.3.1843, †4.5.1871) starb an Lungentuberkulose und hatte diese sowohl Erzherzog Franz Ferdinand, als auch Erzherzog Ferdinand Karl vererbt. Vermutlich auch Margarete Sophie, doch genaueres ist hierzu nicht bekannt.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie

Am 7.7.1878 kam ebenfalls in der Villa Wartholz Tochter Elisabeth Amalie Eugenia zur Welt. Elisabeth wurde von Kaiserin Elisabeth getauft, wurde allerdings von Erzherzogin Christine vertreten.

Foto: Wikimedia/Commons Margarete von Sachsen, Karl Ludwigs 1. Ehefrau, Namenspatronin von Tochter Margarete Sophie

Bevor ich zu den Kindern und dem Rest der Geschichte komme, möchte ich noch kurz die erste Ehefrau erwähnen, damit diese auch ihren Abschluss findet. Margarete von Sachsen (*25.5.1840, †15.9.1858), Cousine von Elisabeth, Franz Joseph und eben von Karl Ludwig wurde von Erzherzogin Sophie zur Ehefrau bestimmt. Sie starb nach kaum 2jähriger Ehe 18jährig an Typhus. Die Ehe blieb kinderlos. Tochter Margarete Sophie bekam den Namen der 1. Ehefrau.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Therese und Erzherzog Karl Ludwig

Als bei Erzherzog Franz Ferdinand die Lungentuberkulose ausbrach und er sich deshalb auf halber Weltreise befand, schrieb sie ihm unentwegt Briefe, um ihn aufzuheitern. Leider geschah hier ein großes Unglück. In Kairo besuchte ihn sein Vater Karl Ludwig und trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan. Der Jordan war aber schon zu dieser Zeit enorm verschmutzt, so dass sich Karl Ludwig schwer vergiftete. Schwer krank und geschwächt kam ihr Mann nach Hause zurück. Sie pflegte ihren geliebten Mann im Palais aufopferungsvoll, doch er konnte nicht mehr gerettet werden. Am 18.5.1896 starb Erzherzog Karl Ludwig. Er hinterließ ihr ein immenses Vermögen, allerdings verhielt sich der Wiener Hof absonderlich. Doch darauf möchte ich später in der Geschichte zurückkommen.

Foto: Wikimedia/Commons Sophie von Chotek

Franzi, wie er Zeit seines Lebens von seiner Mama genannt wurde, hatte sich verliebt. Leider war diese Liebe verboten und so musste diese lange Zeit verheimlicht werden. Nur wenige Personen wussten Bescheid; u.a. waren eingeweiht Kaiserin Elisabeth, mit der sich Franz Ferdinand außerordentlich gut verstand, seine Schwester Margarete und natürlich Marie Therese. Die gesamte Geschichte zu Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg kann hier nachgelesen werden.

Ab 1899 half sie ihrem Sohn bei ihrem Schwager Kaiser Franz Joseph zu intervenieren, dass dieser seine große Liebe Sophie von Chotek heiraten dürfe. Schon zuvor hatte sich Kaiserin Elisabeth dafür eingesetzt, doch diese starb bevor sie etwas erreichen konnte. Also war Marie Therese auf sich allein gestellt. Und obwohl Kaiser Franz Joseph von einer morganatischen (unstandesgemäß) Ehe nichts wissen wollte, gab sie sich nicht geschlagen. Irgendwann ging ihm die Bettelei derartig auf die Nerven, dass er unter fast brutalen Bedingungen nachgab. Der Rest ist Geschichte. Kaiser Franz Joseph verbot an der Hochzeit des Sohnes teilzunehmen und verhängte eine beinahe lächerliche Staatstrauer einer nebensächlichen Tante. Erzherzogin Marie Therese setzte sich gegen die Anweisung hinweg und nahm an der Hochzeit teil. Jetzt lernte Kaiser Franz Joseph den Sturkopf seiner Schwägerin kennen und noch viele solcher Einsätze sollten folgen.

8 Tage nach der Hochzeit schrieb Erzherzog Franz Ferdinand an seine Stiefmutter folgenden Brief:

Liebste Mama!

Endlich bißl in Ruhe gekommen nach Beantwortung zahlloser Telegramme – Briefe nach Einrichtung unserer Wohnung und Auspackung aller Sachen von Sophie ist es mir Erstes Dir einige Zeilen zu schreiben und Dir in meinem und Sophies Namen auch noch schriftlich von ganzem Herzen zu danken für all die unbeschreibliche Güte und Liebe die Du uns in Reichstadt bewiesen hast! 

Wir sind Dir bis an unser Lebens-Ende dankbar für Alles was Du für uns gethan hast für die zahllosen Beweise Deines goldenen mütterlichen Herzens. 

Ich fühle mich wie neugeboren. Sie schwärmt von Dir und redet nur Deiner Güte und Liebe. Ich habe vollkommen in meinem Inneren das Gefühl daß wir beide bis zu unserem LebensEnde unbeschreiblich glücklich sein werden. 

Gute liebe Mama, Du hast das Richtige getroffen, daß Du mir so geholfen hast! 

Der liebe Gott zu dem ich täglich 2mal in der Capelle mit Soph bete lohne Dir gute Mama Alles was Du für uns gethan. 

Ich umarme Dich und Die Schwestern küsse Dir die Hände und bin ewig

Dein

dankbarster Dich innigst liebender Sohn Franzi. 

9.Juli 1900 (1)

Foto: Wikimedia/Commons Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Marie Therese liebte nicht nur ihren Franzi und Soph, wie Sophie liebevoll genannt wurde, sondern auch ihre Enkelkinder, die eigentlich ihre Sitefenkelkinder waren, wenn wir es genau betrachten würden. Doch dieses Wort stand Marie Therese nie im Weg und deshalb sollte es auch hier nicht im Wege stehen.

Franz Ferdinand und Sophie wurden 3 wunderschöne Kinder geboren, die auf so tragische Weise zu Waisen wurden. Das Unglück von Sarajevo traf Marie Therese und die Kinder hart. Doch Zeit ihres Lebens hielt sie den Kontakt zu ihren Enkeln. Sophie (*24.7.1901, †27.10.1990) geboren, war 13 Jahre alt, Maximilian (*29.9.1902, †8.1.1962) geboren, 12 Jahre alt und Ernst (*27.5.1904, †5.3.1954) geboren, 10 Jahre alt. Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Josepha

Dem Zweiten dem sie bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe half, war Erzherzog Otto, als er an Syphilis erkrankte und von der Familie schon lange verstoßen war. Ottos „Bolla“ oder auch „der Schöne“ Lebensweg war dem eines Dandys. Er genoss Dirnen, Alkohol, Tänzerinnerinnen und hatte mehrere uneheliche Kinder. Seine Ehe mit Maria Josepha von Sachsen (*31.5.1867, †28.5.1944) war eine einzige Farce. Lediglich zwei Söhne wurden geboren. Erstgeborener Karl (*17.8.1887, †1.4.1922) ging in die Weltgeschichte ein.

Bei der Geburt von Karl kam es beinahe zu einem Drama. Maria Josepha überlebte die Geburt beinahe nicht, so dass sogar ein Priester für die Sterbesakramente gerufen wurde. Otto vollkommen hilflos in dieser Situation verständigte seine Mutter und diese eilte zu der Sterbenden und half nicht nur ihrem Sohn mit dem Baby, sondern setzte sich an ihr Bett, betete mit ihr und spendete tröstende Worte. Tag und Nacht wachte sie bei ihrer Schwiegertochter, die sich so nach und nach von der Strapaz erholte. Trotzdem war dies für Otto kein Schuss vor den Bug. Kaum war Maria Josepha genesen, genoss er schon wieder seine außerehelichen Affären und ließ seine „Nonne“ wie er Maria Josepha nannte, mit dem Baby allein. Marie Therese hielt trotzdem all die Jahre zu ihm. Selbst als sich das Verhältnis zu Franzi zusehends verschlechterte, da plötzlich Otto ins Weltgeschehen des Thronerben blickte, als Franz Ferdinand erkrankte. Franz voller Eifersucht und Hass auf Otto, der ihm den Thron nicht gönnte und Otto voller Sorge und Angst, der den gar nicht wollte. Als sich dann noch Franzi in Sophie verliebte, war es ausgerechnet Otto, der sich gegen Franz wandte. Dies war das Ende der ansonsten guten Beziehung der Brüder. Auch wenn sich Marie Therese immer wieder einmischte und vermittelte, eine brüderliche Freundschaft konnte sie nicht mehr erwirken.

Ab 1900 war Ottos Syphilis offenkundig und sichtbar, weshalb man ihn zu Kuren ins Ausland schickte, doch die Lupusherde im Gesicht waren hier bereits so fortgeschritten und nicht mehr heilbar, dass er sich auf sein Schloss in Schönau an der Triesting zurückzog.

Foto: Wikimedia/Commons Dr. Viktor Eisenmenger
Foto: ÖNB Erzherzog Otto „Bolla“

Seine letzte Geliebte, Opernsängerin Luise Robinson (*8.1.1884, †1934) mit der er ebenfalls zwei uneheliche Kinder hatte und seine Mutter blieben bei ihm. Letztere pflegte ihn so aufopferungsvoll, dass sich Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) um die Erzherzogin schwere Sorgen machte.

Zuerst fiel Otto die Nase ab, so dass er eine Nasenprothese brauchte, um besser atmen zu können. Als es im Schloss Schönau nicht mehr ging und die Fahrt für Marie Therese zu anstrengend wurde, wurde in Wien Währing eine Villa angemietet. In der Anton Frank-Gasse 20 wurde Otto heimlich untergebracht und so konnten die beiden Frauen dafür Sorgen, dass sie Tag und Nacht bei ihm sein konnten. Mit Otto ging es immer mehr bergab.

Als er kaum noch atmen konnte, musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden. Dabei wurde ihm eine Kanüle in den Hals geschoben. Das Sprechen fiel ihm unglaublich schwer, er konnte nur noch sitzen, weshalb er aus dem Bett gehoben und in einen Lehnstuhl gesetzt wurde. So musste er Tag und Nacht verharren. Sobald der Kopf nach vorne sackte, drohte der Patient zu ersticken, weshalb sich Marie Therese und Louise abwechselten und die Tage und Nächte bei Otto verblieben und ihm den Kopf immer wieder gerade rückten. Otto wurde gewaschen, gefüttert, gewickelt. Und das mit nicht einmal 40 Jahren. Seine Lupusherde waren nun überall am ganzen Körper ausgebrochen, der ganze Raum stank nach Wundbrand. Marie Therese war so erschöpft, dass sich Dr. Eisenmenger schwere Sorgen um sie machte und ein Verbot aussprach sich weiter um Otto zu kümmern. Doch davon wollte sie nichts hören. Sobald Otto drohte zu ersticken, wurde der Arzt gerufen und das Röhrchen wurde entfernt und ausgewechselt. Eines Tages war der Erstickungsanfall so heftig, dass Dr. Eisenmenger zu spät kam. Erzherzog Otto starb am 1.11.1906 im Beisein von Marie Therese – als einzige der Familie Habsburg. Er war gerade einmal 41 Jahre alt.

Auch ihrem dritten Sohn Erzherzog Ferdinand Karl (*27.12.1868, †10.3.1915) half sie seine große Liebe zur bürgerlichen Hofratstochter Berta Czuber (*5.12.1879, †5.7.1979) durchzusetzen. Doch hier versagten alle kläglich. Kaiser Franz Joseph blieb stur. Die Konsequenzen waren für niemanden absehbar. Ausgerechnet Erzherzog Franz Ferdinand widersetzte sich dieser Beziehung. Kennengelernt hatten sich die beiden auf dem Technikerball und schon bald entstand eine Liason, denn Berta war eine ausgesprochene Schönheit und unglaublich gebildet. Ihr Vater war Mathematikprofessor an der Technischen Universität.

Foto: Wikimedia/Commons Berta Czuber
Foto: Wikimedia/Commons Ferdinand Karl

Ferdinand Karl fiel weder als Thronfolger ins Gewicht, noch sonst irgendwie auf. Sein Status im Habsburg Haus war: er war anwesend. Ansonsten hatte er einen militärischen Rang, hatte einige Repräsentationsaufgaben und sonst nichts zu tun. Pläne zur Hochzeit gab es für den 32jährigen erst, als der Junggeselle partout alles ablehnte, was ihm vorgestellt wurde. So z.B. die spanische Infantin Maria de la Mercedes (*11.9.1880, †17.10.1904), Tochter von Königin Maria Cristina (*21.7.1858, †6.2.1929) und König Alphons XII (*28.11.1857, †25.11.1885). Maria Christina war immerhin eine Habsburgerin und saß alleine auf dem spanischen Thron, da ihr Mann schon lange an Tuberkulose verstorben war. Doch Ferdinand Karl weigerte sich hartnäckig.

Franz Ferdinand fürchtete schwere Imageschäden fürs Kaiserhaus und schrieb an seinen Onkel einen Brief, in dem er die Beziehung untersagen wollte:

„Ich fürchte immer bei Ferdinand einen Coup de tête(**) und das wäre schrecklich, denn diese Czuber ist eine abgefeimte Canaille.“ (2)

Gerade Franz Ferdinand solle es besser Wissen. Seine Sophie wurde am Hof geschnitten wo es ging. Doch er stellte sich quer, wollte nichts hören und nichts sehen. Hilfesuchend wand sich Ferdinand Karl an seine Mama.

Foto: Wikimedia/Commons Maria de la Mercedes

Immer lauter und bösartiger wurden die Stimmen gegen Berta, von der im Kaiserhaus über ein unstetes Leben berichtet wurde. Ferdinand Karl gab zu Recht nichts auf dieses gemeine Getratschte, kannte er den Wiener Hof nur zu gut. Es hatte seine Tante Sisi aus dem Hause getrieben, die Zeit ihres Lebens vor dem Adel floh, da sie als „Landadel“ und nicht „gut genug für den Kaiser galt“. Auch hier intervenierte wieder einmal Mama Marie Therese. Doch je älter ihr Schwager wurde, desto verknöcherter und sturer wurde er. Einzig zwischen Ferdinand Karl und Franzi konnte sie vermitteln und eine Versöhnung erreichen.

Foto: Wikimedia/Commons Berta und Ferdinand Burg

Aus Trotz und Kummer fuhr das schwerverliebte Paar in die Schweiz nach Chur, wo sie am 15.8.1909 heimlich heirateten. Danach ging es auf Reisen. Ferdinand Karls Tenor lautete: Wenn sein Onkel von der Ehe mit der gebildeten und hübschen Hofratstochter erfahren wird, wird er klein beigeben. Doch der Tenor blieb aus. Die Rechnung wurde ohne dem Onkel gemacht. Kaiser Franz Joseph war es gewohnt als erste Instanz zu gelten und nicht übergangen zu werden. Als er von der heimlichen Hochzeit zwei Jahre später erfuhr, tobte er. Den eigenmächtigen Schritt musste Ferdinand Karl teuer bezahlen. Er wurde aus der Familie ausgeschlossen. Rang und Titel musste er abgeben, das Goldene Vlies verlangte sein Onkel zurück, aus den Jahrbüchern wurde er getilgt. Lediglich eine jährliche Apanage stand ihm zu. Des Weiteren wurde Ferdinand Karl gebeten nie wieder nach Österreich zurückzukehren. Die einzige die wieder einmal zu ihrem Sohn und weiterhin Kontakt hielt war seine Mama. Das Paar Ferdinand und Berta Burg ließ sich in München und Meran nieder, wo sie die beiden immer wieder besuchte. Leider wurde Ferdinand Karl alsbaldig schwer krank. Die Lungenkrankheit seiner Mutter brach auch bei ihm aus.

Als sein Bruder und seine Schwägerin in Sarajevo erschossen wurden, intervenierte sie beim Kaiser und dieser erlaubte für die Begräbnisfeierlichkeit eine Rückkehr des Verbannten. Ferdinand Karl war kaum noch wiederzuerkennen. Er zählte erst 46 Jahre, sah aber aus wie ein Greis. Er konnte sich kaum auf den Beinen halten, so dünn und ausgezehrt war er. Als es mit ihm zu Ende ging, rief Berta Marie Therese und diese eilte nach München und pflegte wieder einmal ihren Sohn bis zum Tode aufopferungsvoll und voller Liebe. Im Beisein seiner geliebten Berta und seiner Mutter starb er friedlich am 10.3.1915 46jährig. Marie Therese sorgte für die Überfahrt nach Obermais nach Meran, wo er in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Jahre später sollte Berta ihm folgen.

Foto: Wikimedia/Commons Albrecht von Württemberg

Und auch ihr viertes Stiefkind Margarete Sophie beerdigte sie. Margarete Sophie (*13.51870, †24.8.1902) wurde zuerst Äbtissin im Damenstift Prag, bevor sie sich zur Hochzeit mit Albrecht Herzog von Württemberg (*23.12.1865, †31.10.1939) entschloss. Doch noch vor der Verlobung wurde Margarete Sophie schwer krank. Leider ist nicht herauszufinden, an welcher Krankheit sie litt. Mama Marie Therese eilte auch an dieses Krankenbett und pflegte ihre Tochter bis sie wieder gesund war. Es dauerte monatelang. Am 24.1.1893 konnte im Beisein von Kaiser Franz Joseph in der Hofkapelle der Hofburg Wien die Hochzeit gefeiert werden. 7 Kinder wurde dem Paar geboren, bevor sie am 24.8.1902 in Gmunden 32jährig starb. Leider ist auch hier nicht überliefert an was Margarete starb. Franz Ferdinand war untröstlich seine geliebte Schwester zu verlieren.

Foto: Wikimedia/Commons Margarete Sophie

Marie Therese hatte im Laufe der Zeit zwischen 1902 und 1914 alle ihre Stiefkinder begraben und trotzdem ihren Glauben nicht verloren. Nun blieben ihr nur noch ihre Enkelkinder und ihre beiden eigenen Töchter.

Foto: Wikimedia/Commons
Maria Annunziata und Siegfried in Bayern in Possenhofen

Maria Annunziata wurde eine äußerst enge Vertraute von Kaiser Franz Joseph. Sie verlobte sich mit Siegfried in Bayern (*10.7.1876, †12.3.1956) einem Sohn von Max Emanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893), einem Bruder von Kaiserin Elisabeth.

Doch Siegfried zeigte auf der Verlobungsfahrt nach England ein absonderliches Verhalten, so dass Maria Annunziata noch während der Fahrt ihren Onkel bat die Verlobung wieder auflösen zu dürfen. Siegfried war 1899 vom Pferd gefallen und zeigte seit dem schwere Auffälligkeiten. Er schrie, zog sich in der Öffentlichkeit aus, pinkelte öffentlich oder in die Kajüte aufs Essen, onanierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit, auch in der Öffentlichkeit und bot generell einen traurigen Anblick, obwohl er ein sehr hübscher Mann war.

Kaiser Franz Joseph gewährte die Bitte und so wurde diese gelöst und Maria Annunziata kam zurück. Sie verlobte sich nie mehr, obwohl sie als sehr große Schönheit galt. Sie wurde die Erste Dame am Wiener Hof, eine schwierige Aufgabe, die schon ihre Mutter übernommen hatte, als diese noch verheiratet war. Maria Annunziata war es auch, die Karl und Prinzessin Zita von Bourbon Parma (*9.5.1892, †14.3.1989) verkuppelte.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie und Alois von und zu Liechtenstein

Maria Annunziata und Kaiser Franz Joseph standen sich so nahe, dass er sie sogar ins Vertrauen über die Mayerling Affäre zog. Sie nahm die Geschichte mit ins Grab. Sie starb am 7.4.1961 in Vaduz und ruht in Liechtenstein bei ihrer Schwester.

Elisabeth Amalie Eugenia ehelichte Alois von und zu Prinz Liechtenstein, dem sie in jede Garnison nachfolgte. Sie war eine Autonärrin und sammelte diese. Insgesamt 8 Kinder wurde dem Paar geboren.

Erzherzogin Marie Therese war von Anbeginn nach Kaiserin Elisabeth die Erste Dame am Wiener Hof. Als Kronprinz Rudolf, der seine Tante sehr verehrte und liebte, Kronprinzessin Stephanie ehelichte, wurde Marie Therese von dieser abgelöst. Als sich Rudolf umbrachte, fiel die Aufgabe wieder Marie Therese zu, denn eine Witwe konnte und durfte nicht Erste Dame des Landes sein.

Als ihr Mann Erzherzog Karl Ludwig starb benahm sich der Wiener Hof absonderlich.

Zuerst umwarb man sie nach Rudolfs Tod als zukünftige Kaiserin und kroch ihr beinahe in den Allerwertesten, da nach Kaiser Franz Joseph Erzherzog Karl Ludwig als Thronfolger feststand. Als dieser 1896 starb war es mit den Plänen „Kaiserin Marie Therese“ vorbei und die Höflichkeit des Hofes hatte ein Ende. Die Aufgabe der Ersten Dame fiel nun Erzherzogin Maria Josepha zu. Sie war die Ehefrau von Erzherzog Otto „Bolla“ und Mutter von Karl, obwohl als Thronfolger Franz Ferdinand feststand.

Foto: SHB Kaiser Franz Joseph 

Nun kamen die Pläne der Heiratsvermittler auf dem Plan. Da sich Kaiser Franz Joseph und seine Schwägerin Marie Therese außerordentlich gut verstanden und sich beide sehr schätzten, wollte man, dass die beiden sich verheiraten. Dies hätte auch den Mittel zum Zweck gehabt, dass Franz Ferdinand „quasi“ der Sohn von Kaiser Franz Joseph werden konnte und als „Kronprinz“ anerkannt werden könnte. Doch Marie Therese lehnte diese Pläne ab.

Als 1906 Erzherzog Otto starb war auch die Zeit für Erzherzogin Maria Josepha als Erste Dame des Hauses vorbei und Tochter und Vertraute von Kaiser Franz Joseph Erzherzogin Maria Annunziata trat an diese Stelle. Diese verschaffte nicht nur wieder das hohe Ansehen für ihre Mutter zurück, sondern hielt auch wie üblich den ersten Teetisch. Jede Erste Dame des Hofes hatte nicht nur beim Hofball den Circle zu leiten, sondern auch den Ersten Teetisch über. Da Kaiserin Elisabeth diese Aufgabe zuwider war, überließ sie mit Freude diese Aufgabe Marie Therese, nach deren Tod übernahm dies natürlich zuerst Maria Josepha, danach bis zum Monarchieende Maria Annunziata.

Foto: collections.nlm.nih.gov
Marie Therese als Schwester Michaela

Marie Therese war eine Befürworterin des Roten Kreuzes, welches sie tatkräftig mit Spenden und persönlichen Besuchen unterstütze. Ihre eigene Tochter Maria Annunziata arbeitete bei Erzherzogin Maria Josefa im Palais Augarten und widmete sich den Kranken und Verwundeten. Um nicht erkannt zu werden, haben viele Erzherzoginnen „bürgerliche Namen“ gewählt.

Marie Therese wählte den Namen „Schwester Michaela“ (dieser Name findet sich in ihrem Taufnamen weit hinten). Sie meldete sich im Vereins-Reservespital Nr. 2 in der Hegelgasse Wien 1. Sie arbeitete als Oberkrankenschwester und half bei Operationen mit. Sie ließ keinen Dienst aus, war stets freundlich und pflegte aufopferungsvoll und voller Hingabe und trug immer ihre Schwesterntracht. Aber nicht nur in Wien versah sie ihren Dienst, sie ging auch direkt an die Front.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Antonia von Portugal

Vor allen die schwer gefürchteten Isonzofronten hatten es ihr angetan. Sie benutzte die Straßen, die unter schweren Beschüssen standen, sammelte Verwundete auf und verlor nie den Mut, waren die Verletzungen – vor allem Kopfverletzungen – noch so grausam und schwer. Zahlreiche Auszeichnungen bezeugen ihre Kriegseinsätze, doch auf diese legte sie keinen Wert.

Bevor Kaiser Franz Joseph entschlief war sie in Österreich zurück, um auch hier bei der Familie zu sein. Sie begleitete ihn auf seinen letzten Weg, der hier nachgelesen werden kann. Sie sah wie ihr Enkel Kaiser Karl und ihre Nichte Zita den Thron übernahm. Ihre Schwester Maria Antonia Infantin von Portugal (*28.11.1862, †14.5.1959) war immerhin die Mutter von Zita und somit war Marie Therese ihre Nichte.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese als Witwe

Als das Ende der Monarchie eingeläutet wurde, befand sich „Schwester Michaela“ an der Südfront um im Lazarett zu helfen. Sie hörte von Karls Debakel in Österreich und wollte nach Wien, um ihren Enkel zu helfen. In Deutschland kam sie nicht weiter, da man ihr vorwarf, den Bündnispartner Deutschland nicht wertzuschätzen. Erzherzogin Marie Therese musste Beweise antreten, dass sie in Deutschland geboren wurde und ihre Mutter eine Deutsche Adelige war. Unter diesen schwierigen Umständen gar nicht so einfach. Als sie Deutschland verlassen durfte, war ihr Enkel und Zita mit den Kindern bereits über alle Berge. Sie ging nach Wien zurück, wo sie in einer kleinen 3 Zimmer Wohnung lebte. Ihr gesamtes Personal musste sie entlassen das Palais war im Begriff verkauft zu werden. Die einst so reiche Marie Therese besaß kaum noch etwas. Doch auch jetzt beklagte sie sich nicht.

Foto: Wikimedia/Commons Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Am 3.4.1919 verkündete die Republik Österreich das Adelsaufhebungsgesetz. Daraufhin verließen Erzherzogin Marie Therese und ihre Tochter Erzherzogin Maria Annunziata Österreich in Richtung Schweiz. Dort erfuhr sie, dass auch Karl und Zita in der Schweiz angekommen waren. Nun versuchte Kaiser Karl seine Restaurationsversuche, die allerdings allesamt scheiterten. Nun zog man sich aber den Unmut der Schweiz zu, die sich verraten fühlte und die gesamte Familie auswies. Maria Annunziata zog zu ihrer Schwester nach Liechtenstein, Maria Josepha, die Mutter von Karl ging nach Deutschland zurück. Einzig Marie Therese durfte bleiben. Sie behielt die Kinder von Zita bei sich, um ihnen ein sicheres Leben zu geben. Aus Madeira erhielt sie Post und erfuhr, dass das Paar in Funchal gelandet war.

Foto: Wikimedia/Commons Robert von Habsburg

Als Robert (*8.2.1915, †7.2.1996) an einer schweren Blinddarmentzündung erkrankte, verständigte Marie Therese Zita. Diese durfte auf Bitten und Drängen bei den Behörden von Marie Therese für 14 Tage das Land Schweiz unter polizeilicher Bewachung wieder betreten. Als der Kranke noch nicht geheilt war, musste Zita ohne ihrem Kind das Land wieder verlassen. Diesmal fuhr Marie Therese mit, um Zita eine Stütze zu sein. Erst am 2.3.1922 konnte Robert mit Gräfin Kerssenbrook, die bei ihm geblieben war, nach Madeira nachkommen.

Doch auch auf Funchal ging alles schief, was nur schief gehen konnte und so musste sie auch ihren Enkel alsbaldig begraben.

Foto: Wikimedia/Commons alle Kinder von Karl und Zita

Während es in der Hauptstadt warm und sonnig war, wurden Zita, Karl und die Kinder, welche zu diesem Zeitpunkt bereits geboren waren, Otto von Habsburg (*20.11.1912, †4,7.2011), Österreichs letzter Kronprinz, Adelheid (*3.1.1914, †2.10.1971), Robert, Felix (*31.5.1916, †6.9.2011), Carl Ludwig (*10.3.1918, †11.12.2007), Rudolph (*5.9.1919, †15.5.2010), Charlotte (*1.3.1921, †23.7.1989), in einem zugigen Haus ohne Licht, Heizung und Wasser nur im Erdgeschoss auf dem „Monte“ untergebracht. Die eigene Bevölkerung mied im Winter diesen Berg. Die Dienerschaft, die das Kaiserpaar ebenfalls begleitet hatte, schlug die Hände über den Kopf zusammen, ob es schlechten Zustandes dieses Hauses. Ein Diener fasste sich ein Herz und warnte Marie Therese vor dem Haus, die jedoch bei Karl auf taube Ohren schlug. Da die Familie kein Geld mehr besaß und sich das Hotel nicht mehr leisten konnte, war man auf die Almosen und Hilfe des Volkes angewiesen. Das Haus wurde dem Paar zur Verfügung gestellt. Das Schicksal schlug unbarmherzig zu.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese im Alter

Kaiser Karl verkühlte sich und konnte sich in dem zugigen, von Schimmel belasteten Haus nicht erholen. Wieder war es Marie Therese die Tag und Nacht am Krankenlager des Kranken saß, der von Fieber geschüttelt wurde und dem es immer schlechter ging. Er bat seine mittlerweile wieder schwangere Frau Zita zu sich und bat sie bei König Alfonso XIII in Spanien um Hilfe anzusuchen. Außerdem musste sie ihm versprechen, alles mögliche zu versuchen, das Kaiserreich zurückzuerobern. Noch am selben Tag starb Kaiser Karl im Beisein seiner Großmutter 34jährig am 1.4.1922.

Nun machte sich Marie Therese also mit der hochschwangeren Zita auf den beschwerlichen Weg von Portugal nach Spanien. Königin Maria Cristina, eine Großcousine von Kaiser Franz Joseph und ihr Sohn König Alfonso XIII (*17.5.1886, †28.2.1941) nahmen sie im El Pardo Palast in Madrid bereitwillig auf. Hier brachte Zita ihr letztes Kind Elisabeth Charlotte (*31.5.1922, †6.1.1993) zur Welt.

Während die Familie in Spanien blieb, hieß es für Marie Therese Abschied zu nehmen. Sie wollte zu ihrer Tochter Maria Annunziata nach Österreich zurück, die zwischenzeitig wieder aus Liechtenstein zurück war.

Das genaue Datum des Übertritts ist nicht bekannt, allerdings half ihr Polizeipräsident Schober nach Wien zurück. Weder Marie Therese, noch ihre Tochter Maria Annunziata mussten auf ihren Titel „Erzherzogin“ verzichten. Sie stellten für die Republik Österreich keine Gefahr dar. Zur großen Überraschung konnte ihre Familie das Palais Erzherzog Carl Ludwig erhalten, weshalb Maria Annunziata und Marie Therese zurückkehren konnten. Sogar vom Personal kamen einige zurück und halfen der mittlerweile betagten Dame im Haushalt.

Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor und Maria José in Bayern

Durch ihre Tätigkeit beim Roten Kreuz gingen viele Ärzte im Palais Ein und Aus. Auch der „Adel“ von Wien kam ins Palais und Marie Therese stieg quasi wieder zur Ersten Dame der Gesellschaft auf. Ihre Sommermonate verbrachte sie mit ihrer Schwester Maria José Herzogin in Bayern (*19.3.1857, †11.3.1943) in Gastein, welche den Bruder von Kaiserin Elisabeth Karl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) geheiratet hatte.

1938 erlebte sie noch wie ihre beiden geliebten Enkel Max und Ernst von Hohenberg ins Konzentrationslager Dachau gebracht wurden. Die von Hohenbergs waren die Kinder von Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie. Während Max auf Intervention seiner Frau nach einem halben Jahr frei kam, musste Ernst 5 Jahre verschiedene Konzentrationslager erdulden. 1944 erlebte sie noch die Freilassung und konnte – Ernst einigermaßen gesund – wieder in die Arme schließen.

Vom Glanz und Gloria der Habsburg-Zeit, der Wiener Hofbälle, Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph, das tragische Ende ihres Neffen Rudolf, bis hin zum Fall der Monarchie, 4 Kinder und einen Enkel begrub sie, Entbehrungen und viel Leid ertrug Marie Therese mit Würde und Stolz, Haltung und viel Eleganz. Kein Klagen kam je über ihre Lippen. Sie war durch und durch eine Dame und durch und durch die gute Seele des Hauses Habsburg, das ihr viel zu verdanken hatte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Wandnische, Erzherzogin Marie Therese, Kapuzinergruft

Erzherzogin Marie Therese erlebte das Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr. Sie starb am 12.2.1944 88jährig im Beisein ihrer Töchter Erzherzogin Maria Annunziata, Prinzessin Elisabeth Amalie von und zu Liechtenstein, Max und Ernst Hohenberg in ihrem Palais Erzherzog Carl Ludwig.

Der Nazi-Reichsstatthalter und Gauleiter von Wien Baldur von Schirach hätte ihr beinahe das ordentliche Begräbnis in der Kapuzinergruft verweigert.

Ihr Schwiegersohn Alois von und zu Liechtenstein erwirkte die Erlaubnis und so konnte sie mit allen Ehren einer Erzherzogin ihre letzte Ruhestätte in der Kapuzinergruft antreten. Sie ruht heute in einer Wandnische.

– Petra – 

Foto: Wikimedia/Commons Unterschrift von Erzherzogin Marie Therese

Fußnoten: 

(*) In jedem historischen Buch ist zu lesen, dass Erzherzog Karl Ludwig, bei der Hochzeit 44 Jahre alt war. Dies stimmt ob seines Geburtsdatums nicht. Er stand ganz knapp vor seinem 40. Geburtstag. 

(**) Coup de tête – aus einer Laune heraus; eine Entscheidung betreffend


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra
Stammbaum: Petra
Fotorechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, collections.nlm.nih.gov, planet-wissen.com, albertmilde.com, ÖNB, schloss-artstetten.at, geneall.net


Literatur Hinweise:

1 – S. 38
Norbert Nemec
Marie Therese von Braganza
Der gute Geist im Hause Habsburg
Editions Praesens, 1. Auflage, 2000 (nur antiquarisch erhältlich)

2 – S. 88
Diana Carmen Albu-Lisson
„….denn…[sie]…ist eine abgefeimte Canaille…“
Kral-Verlag, 2013, 1. Auflage

Sabine Fellner, Katrin Unterreiner 
Morphium, Cannabis und Cocain 
Amalthea Verlag, 2008, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Gabriele Praschl-Bichler 
Kinderjahre Kaiser Karls – Aus unveröffentlichten Tagebüchern seines Großvaters
Amalthea Verlag, 2014, 1. Auflage 

 

Der kleine Flirt von Kaiserin Elisabeth – Friedrich Pacher List von Theinburg (Teil 4)

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: Ludwig Angerer

Es war der 17.2.1874 als Kaiserin Elisabeth gelangweilt in Wien fest saß. Kaiser Franz Joseph war mit Graf Gyula Andrássy (*3.3.1823, †18.2.1890) in St. Petersburg. Obwohl Elisabeth gerade aus Ungarn kam, überlegte sie zurückzukehren. Doch die ewigen Vorwürfe, sie sei zu wenig in Wien, hielten sie davon ab. Außerdem reagierte Ungarn etwas verstört, als der Kaiser von Österreich und König von Ungarn nach Russland fuhr. 

Foto: Wikimedia/Commons
Gyula von Andrássy

Allein in der Hofburg, nur umringt von ihren Hofdamen, wurde ihr schnell langweilig. Vor den Toren der Hofburg hörte sie das schallende Lachen verkleideter Menschen, denn der Fasching war in vollem Gange. Die Wiener Redoute, ein damals berühmter Faschingsball, öffnete zu dieser Zeit seine Tore und von allen Seiten strömten Kutschen herbei. Der Adel und die Reichen von Wien und dem Ausland strömten verkleidet und mit guter Laune in den Redoutensaal.

Elisabeth bat ihre Vorleserin und enge Vertraute Ida von Ferenczy (*7.4.1839, †28.6.1928) zu sich. Und so hegten die beiden Damen einen perfiden Plan aus, um nicht nur der Langeweile, sondern auch den Wachen vor den Türen zu entkommen.

Fanny Feifalik (*28.1.1842, †14.7.1911) wurde damit beauftragt, die Kaiserin zu „verkleiden“. Seit Jahren schon vertraute Elisabeth nur Fanny. Obwohl die beiden oft Streitigkeiten hatten, ließ Elisabeth kaum jemand anderen an ihre Haare. Fanny machte sich einen Spaß aus der ganzen Sache und stülpte über die ohnehin schon schwere Haarpracht eine rotblonde Perücke. Dazu wurde ein gelbes Seidenkleid mit überdimensionaler Schleppe gewählt. Diese sollte später noch auf dem Ball für große Aufregung sorgen. Über dem Gesicht trug Elisabeth eine schwarze Maske mit dichtem schwarzen Schleier.

Die Damen waren sich einig: Niemand würde die Kaiserin damit erkennen.

Foto: forum.alexanderpalace.org
Fanny Feifalik

Ida von Ferenczy wurde in ein rotes Dominokleid gesteckt. Ihr Gesicht wurde ebenfalls mit einer Maske verborgen. Niemand sollte die Vorleserin Ihrer Majestät erkennen.

Außer den genannten Damen wurde noch Kammerfrau Schmidl in das Geheimnis eingeweiht. Sie kleidete die Damen ein. Sie schwor das Geheimnis zu bewahren.

Woher kamen die Verkleidungen und wie sahen diese ungefähr aus? Lange begab ich mich auf die Suche, da ihr mich mit euren Kommentaren auf der Facebookseite wieder einmal herausgefordert habt. Ein venezianisches Kostüm soll es gewesen sein, so euer Tenor. Also begab ich mich auf die Suche…

…und wurde schließlich bei einer Zarin fündig. Allerdings lebte diese im 18. Jahrhundert. 

Jelisaweta Petrowna Romanowa (Elisabeth Petrowna Romanow) (*29.12.1709, †5.1.1762) trug ein venezianisches Dominokostüm in schwarzer Seide und ließ sich von Georg Cristoph Grooth portraitieren. 

Foto: Wikimedia/Commons Jelisaweta Petrowna Romanowa
Foto: photo.rmn.fr, Ausschnitt des Bildes „Le Charlatan“ von Falca Pietro

In Paris im Grand-Palais hängt von Falca Pietro (*5.11.1701,8.5.1785) ein Bild welches „Le Charlatan“ heißt. Auffallend dabei ist allerdings, dass auf dem Bild ein Mädchen ein Dominokostüm trägt, einen Fächer in der Hand hält und sich mit einem Mann unterhält, der eine Maske trägt. Das Mädchen selbst ist allerdings demaskiert.

Ich zeige euch einen Bildausschnitt, da das Kostüm von Interesse ist.

Schon in Versailles zu Marie Antoinettes Zeiten veranstaltete man Faschingkostümfeste und sogar die Königin selbst ging einmal als Domino, wurde allerdings erkannt.

Foto: thisversailles.com, Dominokostüm

Die Maske bedeckt das gesamte Gesicht. Der Mantel stammt aus Venedig und war immer aus Seide gefertigt. Die frühen Maskeraden waren in ganz Europa in Mode, was die Verwendung des Dominomantels weiter verbreitete. Beide Stücke waren meist schwarz, wurden aber später auch in bunten Stoffen gefertigt. Der Dominomantel war voluminös – dies deshalb, sollte es einen Hauch von Dramatik erzeugen und das Geheimnis der Frau noch mehr hervorheben.

‎Sowohl Männer, als auch Frauen trugen Dominomäntel, allerdings waren die Mäntel der Männer nicht so voluminös gearbeitet, wie die der Frauen. Die Ärmel waren breit und in der Regel war der Mantel mit einer abnehmbaren Kapuze ausgestattet. Das Wort „Domino“ wurde von den Kapuzen der französischen Priestern abgeleitet, die diese im Mittelalter getragen hatten.

Elisabeth nahm in der Gestalt des Dominos einen „Decknamen“ an. Ida sollte sich weder mit Majestät, noch mit Elisabeth oder Sisi in der Öffentlichkeit verraten. Sie entschieden sich für den Namen „Gabriele“. In vielen historischen Büchern ist der Name einer weiteren Hofdame Gabriella Pállfy de Erdöd (*17.11.1833, †22.3.1914) auffällig und es wird angenommen, dass diese dafür herhalten musste. Doch Biograph Egon C. Conte Corti schrieb, dass die Kammerfrau Schmiedl Gabriele hieß und sich so der Name ableitete. In vielen historischen Biographien wird der Name „Gabriella“ zitiert. Ich bleibe bei Gabriele von Conte Corti.(*)

Um an den Wachen vorbei zu schleichen, wandte man eine List an. Kammerfrau Schmidl war von ebengleicher hoher Gestalt wie die Kaiserin und so nannte Ida diese beim Vornamen, damit diese glaubten, dass die Kammerfrau und die Vorleserin der Kaiserin „Aus“ gingen. Es muss ein Spaß gewesen sein, wenn man es heute betrachtet.

Im Saal angekommen, nahmen die Damen einen Platz auf der Galerie ein. So konnten sie den Saal überblicken und waren nicht inmitten des Getümmels. Die Blicke streiften umher und so zog ein junger Mann den Blick von Kaiserin Elisabeth an. Sie bat Ida den jungen Mann zu ihr zu bitten. Ida tat wie geheißen und forderte den Mann auf, ihre „Freundin“ die einsam auf der Galerie säße, würde ihn gerne kennen lernen. 

Foto: Wikimedia/Commons
Hofdame Gabriella Pállfy de Erdöd

Er stellte sich als Friedrich Pacher List von Theinburg (*1847, †12.5.1934) vor. Er war 26 Jahre alt und von Beruf Beamter.

Fritz, wie er genannt wurde, kam aus dem Staunen nicht heraus. Die schlanke Gestalt, die Maske und das Kleid verrieten die Kaiserin gleich als „höheren Adel“.

In der Biografie von Conte Corti lässt sich lesen, dass er sofort einen Verdacht hegte, als er die „schöne Dame“ sprechen hörte.

Kaiserin Elisabeth war es nicht gewohnt in der Öffentlichkeit zu sprechen und wirkte oft einsilbig.

Man wusste allgemein, dass die Kaiserin kaum hörbar sprach, oft nur flüsterte. Auch dieser gelbe Domino sprach so leise, dass er Mühe hatte dem Gespräch zu folgen, zumal es schnell zum Erliegen kam.

Das bunte Treiben im Saal, war seltsam anzuschauen, wenn man die steife Haltung der beiden Damen bedenkt. Obwohl sich Ida diskret zurückgezogen hatte, blieb sie in der Nähe und beobachtete die Szene genau. 

Schon bald änderte sich das Gespräch und plötzlich wollte Elisabeth wissen, ob er die Kaiserin kenne und was man sich über sie erzähle. Ein Gedanke zuckte wie ein Blitz durch seinen Körper. Er ahnte, dass sie es war, die vor ihm stand, doch beweisen konnte er es nicht.

Fritz Pacher erzählte, dass er sie persönlich nicht kennengelernt habe, da sie sehr scheu sei. Er habe sie aber im Prater beim Reiten gesehen. Selbstverständlich nur aus der Ferne. Sie gäbe sich – anstatt mit dem Volk – lieber mit ihren Hunden und Pferden ab. Zumindest erzähle man sich das auf der Straße.

Elisabeth hörte interessant zu und lächelte verzückt vor sich hin. Natürlich erwähnte er auch ihre außergewöhnliche Schönheit, von der ganz Wien sprach und ihre hervorragende Figur. Der gelbe Domino soll sich daraufhin amüsiert gerade gerichtet haben. 

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Gisela von Bayern

Als die Kaiserin fragte, für wie alt Fritz sie halte, nannte er keck das echte Alter von Elisabeth. Sie war zum damaligen Zeitpunkt 36 Jahre alt.

Elisabeth war am Höhepunkt ihrer Schönheit, allerdings bereits zu ihrem großen Verdruss Großmutter.

Ihre Tochter (verehelichte) Gisela Prinzessin von Bayern (*12.7.1856, †27.7.1932) hatte am 8.1.1874 ihre Tochter Prinzessin Elisabeth Marie zur Welt gebracht (Anmerkung Petra: nicht zu verwechseln mit Erzsi, welche ebenfalls Elisabeth Marie hieß und die Tochter von Kronprinz Rudolf (*21.8.1858, †30.1.1889) war. Diese wurde allerdings erst am 2.9.1883 geboren).

Daraufhin endete das Gespräch abrupt. Beleidigt nannte Gabriele ihn „unhöflich“ und stand auf. Danach soll sie

„So, jetzt kannst du abfahren!“ (1)

gesagt haben.

Fritz antwortete ironisch:

„Das ist aber wirklich liebenswürdig, zuerst läßt du mich zu dir heraufkommen, quetschst mich aus und gibst mir dann den Laufpaß. Gut, ich gehe, wenn du genug von mir hast, aber eines glaube ich doch von dir verlangen zu können: einen Händedruck zum Abschied.“ (2)

Elisabeth setzte sich darauf hin und gebot Fritz nochmals Platz zu nehmen. Das freche, unkonventionelle Verhalten des jungen Mannes beeindruckte sie sehr.

Mit diesem Satz wandelte sich für die beiden der Abend. Elisabeth taute auf und ging nun am Arm von Fritz Pacher von Theinburg durch den gesamten Ballbereich.

Sogar die Nebenräume sahen sich die beiden an. Fröhlich wurde über Politik, das Kaiserhaus und sogar über Allerlei (heute würde man small talk dazu sagen) gesprochen.

Elisabeh war nicht wiederzuerkennen. Fritz selbst benahm sich wie ein Gentlemen. Ließ schlüpfrige Witze, machte keine zweideutigen Andeutungen und ließ das Flirten. Später erzählte er Conte Corti, dass er wusste, es würde keinen Sinn machen.

Jeder der ihn an diesem Abend mit dem „gelben Domino“ sah, ging erstaunt zur Seite.
Zu königlich der Gang des Dominos.
Zu schlank, zu hochgewachsen, zu schön die gesamte maskierte Gestalt.

Obwohl von Theinburg diese Szenen genoss, so war ihm innerlich unbehaglich. Die adelige Gesellschaft begann sich um das Paar zu platzieren und man tuschelte unentwegt und versuchte die Identität der gelben Dame zu erraten. Nur einer war dabei, der wusste wer sie war.

Freund und Sportsmann Nikki Esterházy (Miklós Pál Esterházy de Galántha, genannt Nikki oder auch Sport-Nikki) (*5.12.1839, †7.5.1897) erkannte Elisabeth. Zu oft war er zu Gast auf Schloss Gödöllö und an ihrer Seite, als dass er ihre Stimme, ihren Gang und ihre Art nicht erkennen würde. Doch er schwieg. 

Foto: Wikimedia/Commons
Miklós Pál Esterházy de Galántha „Sport-Nikki“

Fritz von Theinburg bat um ein weiteres Rendezvous. Elisabeth, die vorgab, keine feste Adresse zu haben, da sie permanent auf Reisen sei, gab ihm zu verstehen, dass vielleicht ein Treffen in Stuttgart oder München möglich wäre und ob er dorthin eilen würde.

Er würde überall hinreisen, gab er an, Hauptsache er könnte „seinen schönen Domino“ wiedersehen. Als er darum bat, dass sie zumindest den Handschuh ausziehen solle, damit er ihre Haut und Hände bestaunen könne, lehnte Elisabeth ab. Das Geheimnis sollte bewahrt werden. 

Foto: Wikimedia/Commons
Fritz von Theinburg

Mittlerweile war der Ball fortgeschritten. Weit nach Mitternacht und Ida wurde immer nervöser und kam immer öfter zu Elisabeth zurück. Sie hatte sich entfernt, als diese begann im Saal herumzulaufen.

Doch Elisabeth ließ sich die Adresse von Fritz geben und versprach alsbaldig zu schreiben. Die Kutsche fuhr vor und die beiden Damen entschwanden in der dunklen Nacht. 

Kaiserin Elisabeth war bang beim Gedanken, dass er ihr folgen würde. Ida ließ den Fiaker noch in die Vorstadt fahren. Berauscht und glückselig saßen die beiden Damen in der Kutsche. 

Angekommen, setzte sich Elisabeth noch an ihren Schreibtisch und dichtete folgende Zeilen: 

Wo sich bunte Masken drängen,
Welch Summen, Toben, Lärmen, Schrei’n,
Wie sie zu tollen Walzerklängen
Den Mücken gleich, sich dreh’n und freu’n.



Doch wir zwei wählten uns das Beste;
Wir sassen in den Wagen ein,
Der ward uns bald zum warmen Neste:
Und Dunkelheit hüllt‘ rings uns ein….“
(3)

Berauscht war auch Fritz von Theinburg, der in seine kleine Wohnung zurückging und nicht schlafen konnte. Täglich ging er in den Prater und versuchte die reitende Kaiserin zu erblicken. Ständig blieb er in der Nähe der Hofburg und hoffte, Sisi in einer Kutsche zu sehen. Und tatsächlich. Die Kutsche fuhr knapp an ihm vorbei. Schlagartig drehte sich Elisabeth um, hob den Vorhang zum hinteren Sichtfenster, erblickte den erstaunten Fritz von Theinburg und ließ ihn wieder fallen. Eine Woche später bekam er Post. Aus München. 

„Lieber Freund!

Sie werden erstaunt sein, meine ersten Zeilen aus München zu erhalten. Ich bin seit wenigen Stunden hier auf der Durchreise und benütze die kurzen Augenblicke meines Aufenthaltes, Ihnen das versprochene Lebenszeichen zu geben. Und wie sehnsüchtig haben Sie es erwartet. Leugnen Sie nicht mit Ihrer ehrlichen deutschen Natur. Aber fürchten Sie nicht, ich fordere keine Erklärungen, ich weiß ja so gut wie Sie, was seit jener Nacht in Ihnen vorgeht. Mit tausend Frauen und Mädchen haben Sie schon gesprochen, sich auch unterhalten geglaubt, aber Ihr Geist traf nie auf die verwandte Seele. Endlich haben Sie im bunten Traum das gefunden, was Sie jahrelang suchten, um es für ewig vielleicht wieder zu verlieren.
Ich bin auf dem Wege nach Englang, die Verwandten meiner Mutter in Geschäftssachen aufzusuchen, ein trockener geistermüdender Aufenthalt steht mir bevor. Ich werde lange zehren müssen an den letztverlebten Stunden. – So lange ich kann, gebe ich die Hoffnung auf Stuttgart nicht auf. Von London aus erhalten Sie wieder Nachricht. Schreiben Sie mir einstweilen

Hauptpost poste restante Wien
unter der Adresse „Gabriele F.L.36“

Meine Cousine, deren blonde Haare so grossen Eindruck auf Sie machten, besorgt mir die Briefe.“ 

In Eile grüsst Sie 
Ihre Freunden G. (4)

Gräfin Marie Festetics, Hofdame Foto: Wikimedia/Commons

Mit der Cousine war natürlich niemand geringerer als Hofdame Gräfin Ida von Ferenczy gemeint.

Fritz Pacher schrieb sofort zurück und nach 2 Tagen erfährt er, dass der Brief abgeholt worden sei. 

Tage, Wochen danach beschäftigte Ida von Ferenczy noch immer das Geschehen am Ball. Kaiser Franz Joseph und Graf Gyula Andrássy kehrten nicht wie vorgesehen am 11.2.1874 von St. Petersburg zurück, sondern erst am 27.2.1874.

Und obwohl Hofdame Gräfin Marie von Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923) ebenfalls eine Intima von Kaiserin Elisabeth war, wusste diese nichts von diesem Abenteuer. Insgeheim freute sich Ida darüber, obwohl sie sich mit Marie von Festetics außerordentlich gut verstand. 

In der Zwischenzeit sammelte Fritz von Theinburg, alles was über die Kaiserin in der Presse erschien. Jeder noch so unbedeutende Schnipsel wurde ausgeschnitten. Er wollte das Geheimnis seiner schönen Begleiterin lüften, doch so einfach, wie er sich das vorgestellt hatte, war es nicht. Elisabeth verwischte gut ihre Spuren. Zu gut.

Mittlerweile langten immer wieder Briefe ein. Ein weiterer Brief war mit 23.3.1874 datiert. Ebenfalls aus London. Der nächste war nur mit „April 1874“ datiert, wieder angeblich aus London. 

Doch in den Zeitungen war nirgends zu lesen, dass sich Elisabeth dort aufhalten sollte. War er auf der falschen Spur? Oder lügt diese Gabriele nur wie gedruckt. In den Briefen war zu lesen, dass Gabriele Hunde hasste, im Orient sei und wieder gab es eine neue Adresse für ihn. Diesmal sollten die Briefe an „Leonard Wieland, General Postoffice“ in London gehen.

Friedrich Pacher List von Theinburg wurde immer unsicherer. Der sehr hübsche junge Mann glaubte an einen Trugschluss, schrieb aber immer wieder zurück. Dass sich zu dieser Zeit allerdings Königin Marie von Neapel (*4.10.1841,†19.1.1925), eine Schwester von Kaiserin Elisabeth in London aufgehalten hatte, wusste er natürlich nicht. 

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Marie von Neapel

Die ersten Briefe vergaß er „nochmals abzuschreiben“, damit er ihn ebenfalls in Händen halten bzw. für die Nachwelt bewahren konnte. Denn, sollte es Kaiserin Elisabeth gewesen sein, wäre dies für ihre Biographen sicherlich interessant. 1874 so weit vorauszudenken, war sicherlich von Vorteil. 

Elisabeth wäre nicht Elisabeth, wenn sie nicht aus allem einen Wahn entwickelt hätte.

Und so geschah es auch hier. Ein kleiner unbedeutender Flirt an einem Faschingsdienstag, wurde für die gelangweilte Kaiserin eine Passion.

Sie steigerte sich so sehr in diese Geschichte, dass ihre Briefe zwischen Wahn und Wahrheit hin und her hüpften und aus einer kleinen zufälligen Begegnung wieder ein Gedicht machte.

Sie hoffte, dass sich ihr „Freund“ Ferdinand Pacher nach ihr verzerrte. Sie lechzte nach Hinweisen in seinen Worten. 

Als Kaiserin Elisabeth mit ihrer Tochter Erzherzogin Marie Valerie (*22.4.1868, †6.9.1924) wieder im Prater Ausritt, traf sie auf Fritz, der dort (zufällig?) spazieren ging. Überrascht grüßte er sie und lächelte sie überaus freundschaftlich an. Jahre später erzählte Elisabeth ihrer Tochter die Episode als Domino und erwähnte dabei diesen Ausritt. Sie war sich ab diesem Zeitpunkt sicher, dass er sie als gelben Domino erkannt hatte. 

Doch trotzdem oder gerade deshalb schrieb sie über jenes Treffen ein Gedicht: 

Ich seh dich reiten, ernst und traurig, 
In Winternacht im tiefen Schnee; 
Es bläst der Wind so eisig schaurig, 
Mir ist so schwer zumut, so weh!

Im dunklen Osten, fahl verschwommen, 
Da dämmert jetzt ein blasser Tag, 
Mit Centnerlast das Herz beklommen, 
Trägst heimwärst du die bitt’re Klag! (5) 

Während Elisabeth vor sich hinträumte und meinte, ihren Seelenfreund gefunden zu haben, den sie doch nicht haben durfte, beging Fritz einen folgenschweren Fehler, den er büßen sollte. Er ging auf den letzten Brief „aus London“ mit Argwohn ein. Er forderte „Gabriele“ auf sich zu bekennen und schrieb ihr, dass er glaube, dass sie Elisabeth heiße. Außerdem sei ihm der kleine Flirt ganz Recht gewesen, mittlerweile sei das Spiel aber langweilig und es wäre an der Zeit die Wahrheit zu sagen. 

Erst zu spät fiel ihm auf, dass er damit alles zerstört hatte. Der Flirt wäre von Elisabeth noch jahrelang betrieben worden, wäre Fritz von Theinburg nicht so unklug gewesen und hätte dieses Antwortschreiben verfasst. Er ärgerte sich massiv über sich selbst. Sein Brief wurde nie beantwortet. 

Redoutensaal Hofburg, heute Foto: Hofburg

Monate später hoffte er, auf dem erneuten Faschingsball in der Wiener Redoute seinen Domino wiederzufinden.

Und so geschah es 1876, dass ein groß geblümter Domino plötzlich neben ihm stand, sich wie von selbst einhackte und mit ihm spazieren ging.

Doch es war ihm bald klar, dass es sich hier nicht um den „gelben Domino“ handelte. Die Unterhaltung verlief aber außergewöhnlich intim, denn dieser „blumige Domino“ wollte die Briefe von „Gabriele“ zurück. Erstaunt über diese Forderung, antwortete er, nur wenn er seine zurück bekäme. Damit war der Abend zu Ende. 

Am 6.3.1876 erhielt er folgenden Brief: 

„Lieber Fritz, 
Obgleich Du denken wirst, dass ich Dich vergessen, so will ich Dich hiemit vom Gegentheil überzeugen, und Dir mitteilen, dass sich Gabriele sehr freute zu hören, dass Du ihrer noch gedenkst, dass ich ihr Deine Grüsse ausgerichtet ist selbstverständlich und lässt auch sie Dich bestens grüssen. Die Arme hat sich vorgestern den Fuss derart verstaucht, dass sie genöthigt ist, das Bett zu hüten, ich hoffe jedoch, dass der Unfall einen günstigen Verlauf nehmen wird. Ich theile Dir dies mit, da ich denke, dass alles was sie betrifft Dich interessieren dürfte; nun zu etwas anderem. Du sagtest mir auf der letzten Redoute, dass falls Gabriele ihre Briefe zurück will, Du geneigt bist, sie ihr zu senden, gegen Austausch der Deinigen. Trotzdem sie durchaus kein Misstrauen in Dich setzt, so wirst Du doch begreifen, dass es für sie eine Beruhigung wäre, wenn sie wieder in Besitz der Briefe käme, willst Du sie also zurücksenden, so kannst sie poste restante, Wieden unter Henriette B.R., wo ich sie dann abholen lassen werde, und Dir auch gleich die Deinen senden, jedenfalls antworte mir umgehend, wie es Dir geht, was Du noch getrieben, als ich Dich am Dienstag verliess, gewiss unzählige Rendez-vous gegeben nicht wahr? 
Nun will ich Dich nicht länger quälen, sondern bloss Dich bestens grüssen als Dein rother Domino 
Henriette B.R. poste restante Wieden.“ (6)

Ida von Ferenczy Foto: Wikimedia/Commons

Doch „Henriette“ hat nicht mit der Verweigerung von Fritz Pacher gerechnet. Sein Antwortschreiben war eher belustigt, als besorgt. Die Briefe sandte er nicht zurück und so wurde der Ton von Henriette entzürnter. Mittlerweile war der „rothe Domino“ zum „Großgeblumten“ Domino geworden und so kam er auf die Idee, dass es sich hierbei um die bekannte Friseurin im Dunstkreis der Kaiserin gewesen sein könnte, die ihm mittlerweile schreibe.

Egal wer ihm schrieb, die Damen amüsierten sich köstlich, allerdings ärgerten sie sich auch, denn die Briefe von „Gabriele“ kamen nicht zurück. 

Der Kontakt riss ab und Jahre gingen ins Land. Fritz von Theinburg wurde Fabrikant und reich. Er heiratete Mathilde Clara Schwäger von Hohenbruck und zeugte mit ihr 3 Töchter: Elisabeth, Edith und Mathilde.

An einem weinseligen Abend erzählte er seiner Mutter und seiner Frau Clara die Episode und seinen Verdacht. Die Damen lachten ihn aus und vermeinten er habe Halluzinationen gehabt.

Alle drei staunten daher nicht schlecht, als nach 11 Jahren ein Brief von „Gabriele“ einlangte. Sie verlangte nach seiner richtigen Adresse und wollte nun – zu seinem großen Erstaunen – eine Photographie von ihm. 

von Theinburg schrieb am 9.6.1885 zurück: 

Lieber gelber Domino!
Ich wüßte nicht, was mich hätte mehr überraschen können als dieses Lebenszeichen von Dir. 
„Aus allen Wolken bin ich gefallen“, wäre zu wenig gesagt, viel zu wenig. Was ist seit diesen elf Jahren alles geschehen? Du prangst wohl noch in alter, stolzer Schönheit – ich bin ein kahlköpfiger, ehrsamer aber glücklicher Ehemann geworden, habe eine Frau, die Dir an Größe und Gestalt ähnelt, und ein herziges kleines Mäderl. Du kannst, wenn Du es für passend findest, ohne Scheu nach diesen langen elf Jahren Deinen Domino ablegen und Klarheit in das räselhafte Abenteuer bringen, das mich von allen jenden, die ich erlebt, am meisten interessiert hat… 
Du siehst, ich bin noch immer das alte „deutsche“, aufrichtige Gemüt mit all den Fehlern von damals. Was mir von Dir kommt, kann nur Gutes sein, also sende immerhin, was Du zu senden hast. Was es auch sei, es wird mich, wie jede Nachricht von Dir, herzlich freuen…“ (7)

Doch Fritz hat nicht mit der lustig gemeinten Antwort gerechnet, die er völlig falsch aufnahmt. Der „rothe Domino“ meldete sich zu Wort und wollte den kahlköpfigen Ehemann Pacher sehen.

Fritz schrieb darauf hin entzürnt zurück. Elisabeth erhielt aus den Händen Idas den Brief mit den garstigen Worten

„Recht leid tut’s mir, daß Du nach elf Jahren noch immer nötig findest, mit mir Verstecken zu spielen. Eine Demaskierung nach so langer Zeit wäre ein hübscher Spaß und ein gutes Ende zu dem Faschingdienstag 1874 gewesen, eine anoyme Korrespondenz entbehrt nach so langer Zeit des Reizes. Dein erster Faschingsbrief hat mich gefreut, der letzte hat mich geärgert. Mißtrauen sieht der nicht gern, der weiß, daß er es nicht verdient. Leb wohl und nichts für ungut!“ (8)

Zuerst ist sie entsetzt über den Ton den er ihr gegenüber anschlägt, dann jedoch besann sie sich, dass er ihr ja so schreibe, als wüsste er nicht, wer sie sei. Sie legte den Brief und das Gedicht, welches sie ihm zur Gegenleistung für ein Foto schicken wollte, zur Seite und schrieb nicht mehr zurück. 

Foto: Wikimedia/Commons
Gräfin Marie von Larisch

Doch sie wäre nicht Elisabeth, wenn sie nicht noch ein Spottgedicht hinten nach geschrieben hätte: 

Ein ganz gemeines Beast; 
Kahl war er auch, dazu noch schiech, 
Gehör nur auf den Mist. 
Von seiner Schmach ist voll, 
Und jedes Echo heult’s
Von Fels zu Fels, im Land Tirol – 
Und Eine ist, die teilt’s! (9)

Die Schmach die Briefe nicht zurückerhalten zu haben und auch den Ton, den er ihr gegenüber anschlug, den verlorenen Flirt, den Traum einer Faschingsdienstagsnacht, beschäftigten Kaiserin Elisabeth bis ins Jahr 1887.

Hier verfasste sie das letzte Gedicht für und an Fritz, der wie ein Nebel immer wieder vor ihr her zog: 

Das Lied des gelben Dominos
Long, long ago*

Denkst Du der Nacht noch im leuchtenden Saal? 
Lang, lang ist’s her, lang lang ist’s her, 
Wo sich zwei Seelen getroffen einmal, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her
Wo unsre seltsame Freundschaft begann, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her! 
Denkst Du, mein Freund, woh noch manchmal daran? 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Denkst du der Wort, so innig vertraut,
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Die wir getauscht bei der Tanzweisen Laut? 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Ach! nur rasch schwand die Zeit uns dahin; 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Ein Druck der Hand noch, und ich musste flieh’n, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Mein Antlitz enthüllen durft‘ ich dir nicht. 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Doch dafür gab ich der Seele ihr Licht, 
Freund das war mehr, das war mehr! 
Jahre vergingen und zogen vorbei, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Doch sie vereinten nie wieder uns zwei
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Forschend bei Nacht frägt die Sterne mein Blick, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Auskunft noch Antwort gibt keiner zurück, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Bald wähnt ich nahe dich, dann wieder fern. 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Weilst du vielleicht schon auf anderem Stern? 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Lebst du, so gieb mir ein Zeichen bei Tag, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Dass ich’s kaum hoffen, erwarten vermag, 
So lang ist’s her, so lang ist’s her!
Lass mich warten nicht mehr, 
Warten nicht mehr! (10)

(*Anmerkung Petra: Das Gedicht gibt es in englisch und deutsch; ich habe die deutsche Variante abgeschrieben)

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth

1887 wurde Kaiserin Elisabeth 50 Jahre alt und ihre Schönheit war vergangen. Tiefe Falten durchzogen das einst so schöne Antlitz. Die Kosmetik von damals war noch nicht so weit, ein Gesicht, das wettergegerbt und Hungerkuren gezeichnet war, hinter Make-up oder Operationen zu verstecken. 

Das Gedicht „Long, long ago“ sandte sie an Fritz aus „Brasilien“. Hätte sie die Post abholen lassen, die noch immer auf ihren alten Adressen auf sie gewartet hätte, wäre sie ebenfalls in den Besitz eines Gedichtes aus der Feder von Fritz gekommen, welches er an die „Schöne Unbekannte von 1874“ verfasst hatte. 

Doch nach einem halben Jahr ging der Brief unbeantwortet zurück.

40 Jahre später wurde Fritz der Beweis zugespielt, dass es sich um Kaiserin Elisabeth handelte.

Gräfin Marie Louise Larisch (*24.2.1858, †4.7.1940) war durch den Selbstmord des Kronprinzen bei der Familie Habsburg in Ungnade gefallen. Marie war zuvor die Lieblingsnichte von Elisabeth. Doch der Tod des Sohnes überschattete fortan das Leben der Kaiserin.

Marie versuchte sich mit boshaften Memoiren über das Leben der bereits verstorbenen Kaiserin über Wasser zu halten. Zufällig kaufte er das Buch, als er auf eine lange Zugfahrt musste. Darin war in groben Zügen die Geschichte vom gelben Domino erwähnt. Wer Marie die Geschichte erzählte, oder ob sie Henriette war, wird wohl nie geklärt werden. 

Als der Biograph Conte Corti von Ida von Ferenczy die Geschichte hörte und den Namen des „Flirts“ erfuhr, nahm dieser Kontakt zu ihm auf. Fritz Pacher hatte nun den allerletzten Beweis erhalten.

Er übergab die Briefe von „Gabriele“ Conte Corti und starb kurz nach dem Interview 87jährig am 12.5.1934. 

– Petra –


Rechtliche Hinweise: 
Text: Petra 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, Ludwig Angerer via Wikimedia/Commons, forum.alexanderpalace.org, Hofburg, photo.rmn.fr, thisversailles.com,


Literatur Hinweise:

(*) Egon C. Conte Corti interviewte persönlich Friedrich Pacher List von Theinburg und Ida von Ferenczy – S. 226/7, 
1 – S. 227, 2 – S. 228, 7 – S. 311/2, 8 – 312
Elisabeth von Österreich Tragik einer Unsterblichen
E.C.Conte Corti (nur noch antiquarisch erhältlich)
Wilhelm Heyne Verlag, 15. Auflage, 1996

3 – S. 185, 4 – S. 185/6, 5 – S. 191/2, 6 – S. 193, 9 – S. 199, 10 – S. 200
Kaiserin Elisabeth und ihre Männer 
Sigrid-Maria Größing (nur noch antiquarisch erhältlich) 
Ueberreuter, 1. Auflage, 1998 


Der grausame Tod von Herzogin Sophie d’Alençon

Foto: Wikimedia/Commons, Herzogin Sophie

Vorwort: 

Wo ihr Biograph aufhörte, fange ich an zu erzählen. Ihr Leben ist beinahe so tragisch, wie das von ihrer berühmten Schwester Kaiserin Elisabeth. Ich habe mich eine Zeit lang mit Sophie beschäftigt und muss sagen, dass sie Zeit ihres Lebens eine todunglückliche Frau war. Von König Ludwig verschmäht, musste sie einen ungeliebten Mann auf ihrer Seite ertragen, der sie wie Besitz behandelte. Als sie ausbrechen wollte, steckte man sie in die Psychiatrie, kaum erholte sie sich von diesen Strapazen, starb sie qualvoll im Feuer. 

Als ich ihren Tod beleuchtete, fand ich erschütternde Schicksale. Doch Sophie ging mit Frieden im Gesicht in den Tod. So zumindest wird dies von Augenzeugen berichtet, die dem Feuertod entkommen konnten. 

Um sie von den vielen Sophies zu unterscheiden, hatte man in späterer Zeit damit begonnen, bei der Schwester das Charlotte anzuhängen. Doch sie wurde Zeit ihres Lebens niemals Sophie Charlotte gerufen. Ich bleibe daher bei ihrem Namen „Sophie“. 

Was Sie hier lesen werden, wird drastisch sein. Die Bilder die ich Ihnen zeige, sind einzigartig. Ich habe mich 2018 auf den Weg nach Paris und Dreux gemacht, um den Tod von Herzogin Sophie d’Alençon zu erzählen.

Bitte gehen Sie mit der Geschichte mit Bedacht um. Um die Bilder zu schützen, musste ich ein extra großes Logo anbringen. Bitte haben Sie auch dafür Verständnis.

Ihre Biografie in kurzen Worten vorab:

Herzog Max
Foto: Wikimedia/Commons

Herzogin Ludovika Foto: Wikimedia/Commons

Wir erinnern an Sophie Charlotte Auguste Herzogin in Bayern.

Sie wurde am 22.2.1847 im Herzog Max Palais in München geboren.

Ihr Vater war Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888) . Ihre Mutter war Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892).

Sophie war das neunte Kind des Paares und somit Kaiserin Elisabeths jüngste Schwester und die Cousine von Kaiser Franz Joseph.

Sie wuchs ebenso unbeschwert in München, als auch in Possenhofen auf, wie all ihre Geschwister.

Ludovika legte nicht den größten Wert auf Bildung, eher auf eine gute Verbindung. Sie hatte bereits eine Kaiserin und eine Königin vermittelt. Ihr Bestreben nach „einer guten Partie“ stand weit über dem Glück ihrer Kinder.

Sophie lehnte allerdings einige Brautwerber ab. Unter ihnen soll auch Erzherzog Ludwig Viktor (*15.5.1842, †18.1.1919), der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, gewesen sein, was aber in der Literatur als unwahrscheinlich gilt.

König Ludwig II
Foto: Wikimedia/Commons

offizielles Verlobungsfoto
Foto: Joseph Albert via Wikimedia/Commons

Edgar Hanfstaengel
Foto: Wikimedia/Commons

Da sie eine Freundschaft zu König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886), der gleichzeitig ihr Cousin 2. Grades war, unterhielt, verlobten sich die beiden im Jänner 1867.

Während eines Fototermines, „als Verlobte Ludwigs“ verliebte sie sich in den unstandesgemäßen Edgar Hanfstaengel (*15.7.1842, †28.5.1910), welcher der Sohn des Fotografen war.

König Ludwig selbst den Frauen nicht zugetan, erkannte, dass nur eine Freundschaft einer Ehe nicht förderlich wäre und löste kurzerhand die Verlobung im Oktober 1867 wieder auf. Auch deshalb, da Ludwig 2x den Hochzeitstermin verschob und Herzog Max ein Machtwort sprach.

Um die Schmach der gelösten Verlobung nicht lange ertragen zu müssen, suchte Ludovika fieberhaft nach einem neuen Kandidaten. Sie fand ihn im Enkel des letzten französischen Königs und arrangierte ein Treffen am sächsischen Königshof. Ferdinand Philippe Marie Herzog d‘Alençon (*12.7.1844, †29.6.1910) war begeistert von der überaus hübschen Sophie und hielt alsbaldig um ihre Hand an.

 

Ferdinand d’Orléans, duc d’Alençon
Foto: Wikimedia/Commons

Louise Victoire
Foto: Wikimedia/Commons

 

Am 28.9.1868 fand in einem Saal in Possenhofen die Vermählung statt. Sophies Ja-Wort glich einem „Ja, von mir aus.“

Philippe Emanuel
Foto: Wikimedia/Commons

Die Ehe begann von Seiten Sophies mit Gleichgültigkeit. Trotzdem gebar sie zwei Kinder. Tochter Louise Victoire (*19.7.1869, †4.2.1952) kam in England zur Welt, Sohn Philippe Emanuel (*18.1.1872, †1.2.1931) in Meran. Vor allem Louise war ihrer Mutter sehr zugetan. 

Die Familie hatte keinen festen Wohnsitz und so reiste diese durch halb Europa: London, Wien, Paris, Meran, München waren nur einige der Wohnorte.

 

 

 

 

 

Richard von Krafft-Ebing
Foto: Wiimedia/Commons

Während der Zeit in München musste sie sich von einer schweren Krankheit erholen und verliebte sich dabei in ihren Allgemeinmediziner Dr. Franz Glaser. Die Affäre ging soweit, dass sie sich scheiden lassen wollte. Ein absoluter Skandal zu jener Zeit.

Privatsanatorium Maria Grün
Foto: Wikimedia/Commons

Ferdinand war so entsetzt, dass er seinen Schwager Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) (Bruder von Sophie und Elisabeth) um Hilfe bat und seine Frau wegen „sexueller Abartigkeit“ in die Nervenheilanstalt Maria Grün  in Graz einliefern ließ. Dort fiel sie dem weltberühmten und berüchtigten Psychiater Richard von Krafft-Ebing in die Hände. Seine Methoden könnten nicht grausamer gewesen sein. Eiswasser-Behandlungen waren noch die harmlosen Therapien, die er seinen Patientinnen zu Teil werden ließ. 

Während dieser Zeit wandte sich auch ihre Schwester Kaiserin Elisabeth ab. Diese verfasste garstige Gedichte über ihre Schwester.

7 Monate später war Sophies Wille gebrochen. Die Scheidungspläne hatte sie aufgegeben und so durfte sie das Sanatorium verlassen. Abgemagert und seelisch gebrochen traf sie 1888 Kaiserin Elisabeth und ihre Tochter Erzherzogin Marie Valerie wieder, die „vom blühenden Leben Tante Sophies“ schrieb, sowie „von Eintracht“ zwischen Ferdinand und ihrer Tante. Man kann davon ausgehen, dass Erzherzogin Marie Valerie weder eine Ahnung hatte, was Sophie mitmachen musste, noch, dass diese nochmals öffentlich über ihre Ehe gesprochen hätte.

Herzogin Sophie
Foto: jourfixe-muenchen-ev.com

Das Paar ließ sich nun endgültig in Paris nieder. Sophie wandte sie sich ihrer Gläubigkeit zu. Sie trat 1880 sogar einem „Dritten Orden der Dominikanerinnen“ bei und nannte sich dort „Schwester Marie Madeleine.“ Der „Dritte Orden“ war eine Gruppe von Laien, die kein Gelübde abzulegen brauchten und sich die meiste Zeit außerhalb ihres Ordens aufhielten. Aufgabe dieser Orden war es, sich um die Armen der Stadt zu kümmern. Kaiser Franz Joseph blieb wirklich nichts erspart, denn die Schwester seiner Frau, half jetzt den Clochards (Obdachlose) der Stadt oder half „gefallenen Frauen“ (Dirnen mit Kindern oder ledige Frauen mit Kindern). Sophie legte auf den Titel „Herzogin d’Alençon“ kaum noch Wert und wollte mit „Tochter des heiligen Dominikus“ angesprochen werden. 

Am 4.10.1895 machte sie ihr Testament, in welchem sie die Bedingungen ihrer Beerdigung festlegte. Sie wünschte sich ein Begräbnis ohne Schmuck, ohne Musik und ohne Blumen. Sie wollte in ihrem weißen Ordensgewand beerdigt werden. Ihre Haare sollten verbrannt werden. Nur, wenn ihr „vielgeliebter Gatte“ eine Erinnerung für sich wünschte, sollte man ein wenig davon abschneiden. Sollte Ferdinand nach ihr Sterben, wünschte sie, dass „ihr Schutzengel im Leben“ neben ihr bestattet werden möge. Ob sie dies wirklich so meinte oder nur schrieb, da sie wusste, es würde ihr sowieso nichts anderes übrig bleiben, wird für immer ihr Geheimnis bleiben.

Doch der Wunsch, dass ihre Haare verbrannt werden sollen, löst heute noch ein Erschaudern in mir aus. 

Wir nähern uns somit dem tragischen Ende von Herzogin Sophie d‘Alençon am 4.5.1897.
Lesen Sie deshalb nur weiter, wenn Sie nicht schwanger sind und sehr gute Nerven haben. Vielen Dank! 

Theaterkulisse Foto: Chapelle Bazar de la Charité

Seit Jahren fand in Paris der Bazar de la Charité statt. Da jedoch die Weltausstellung geplant wurde, musste dieser an seinem angestammten Standort im Palais de l’Industrie weichen. Der Platz wurde in der Rue Jean Goujon gefunden. Auf diesem Grundstück baute man ein 80 Meter langes und 30 Meter breites Gebäude aus Holz. Um das Innere besonders schön zu gestalten, wurde eine alte Theaterkulisse, welche Paris im 15. Jahrhundert darstellen sollte, aufgebaut. Diese bestand allerdings aus Pappdeckeln und vielen Leinwänden, welche mit Ölfarben bemalt waren. Ein Unding, wenn man es aus heutiger Sicht betrachtet. Als Dach diente ein altes Segeltuch, der Boden wurde mit Fichtenholz gebaut. Alles in allem eine Verkettung von brennbaren Stoffen. Das Gebäude verfügte über 5 Ausgänge und 2 große Türen, welche direkt auf die Straße hinausgingen.

 

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Eines der großen Highlights dieses Bazars war eine kleine, mit Wasserstoff gefüllte Montgolfière (Heißluftballon), welche im Raum schwebte. Ein weiteres Großereignis war der Kinematograph der Brüder Lumière. Dieser zeigte die ersten Filmaufnahmen. Eine der größten Errungenschaften dieser Zeit. Noch nie zuvor hat man „bewegte Bilder“ gesehen. Hätten die Brüder gewusst, was auf sie zukommt, hätten sie ihr Gerät wohl nie dort aufgestellt. Das Unglück brach mit diesem Apparat aus. Am 4.5.1897 nahm das Unglück seinen Lauf. Ein Helfer des Filmvorführers verschüttete beim Befüllen einer Lampe Ether, welches in Kontakt mit der Lampe kam, die noch nicht abgekühlt war. Das Feuer brannte schnell, heiß und breitete sich innerhalb von Sekunden aus:

zeitgenössische Darstellung des Feuers
Foto: Wikimedia/Commons

Herzog Ferdinand d‘Alençon befand sich mit Sophie im Bazar, löste sich aber von ihr, da er an einem Stand einen Bekannten gesehen hatte. Während er sich unterhielt, ging Sophie weiter. Ein Fehler, der ihr das Leben kostete. 

Das Feuer breitete sich rasend schnell aus und das Schreien der Menschen war bis weit nach draußen zu hören. Als Ferdinand realisierte, dass es brannte, wollte er zu Sophie. Doch die Massen, die nach draußen drängten, das Feuer, die Hitze und der beißende Rauch machten ein Zurück unmöglich. Während Ferdinand hinausgedrängt wurde, ging Sophie immer mehr in das Feuer hinein.

Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Foto: Meisterdrucke.at

Gemeinsam mit Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp (*28.2.1867, †4.5.1897) versuchte Sophie so vielen Frauen und Kindern wie möglich aus dem Feuer zu helfen.

Während draußen die Menschen zum Helfen zum Bazar de la Charité eilten, um Verletzte zu bergen, Frauen und Kinder durch die Türen und Fenster zu zerren und in die Krankenhäuser zu bringen, lief ein aufgeregter Ferdinand auf und ab und hoffte, dass seine Frau aus einer der Türen heraustrat.

Foto: Chapelle Bazar de la Charité

Mittlerweile konnte man den Brand quer durch die ganze Stadt sehen. Als Ferdinand nach Hause ging, welches sich nur wenige Schritte vom Bazar de la Charité befand, ist er schnell dort. Mittlerweile haben sich Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) (Schwester von Kaiserin Elisabeth und Sophie), Gräfin Mathilde von Trani (*30.9.1843, †18.6.1925) (ebenfalls eine Schwester) bei den d‘Alençon eingefunden. Beide lebten zu dieser Zeit in Paris. Ferdinand war gebrochen, konnte kaum Atmen und war schwer verletzt. Er trug Brandwunden im Gesicht und Kopf, sein Haar und Bart waren versengt. 

Draußen tobte das Feuer und die Bemühungen es einzudämmen. Die Schreie der Opfer gellten durch die einbrechende Nacht.

Ca. 1500 Menschen befanden sich in den Räumlichkeiten des Bazars. Hauptsächlich Frauen und Kinder.

Bis heute ist nicht ganz klar, wie viele Opfer es tatsächlich gab. Die Zahl schwankt zwischen 126 – 140 Personen. Hauptsächliche Opfer waren Frauen und Kinder, zum Teil sehr jung.

Bitte beachten Sie, dass die Kapelle nicht öffentlich zugänglich sind. Mir wurde der Zugang gewährt und alles was jetzt gezeigt wird, ist exklusiv:

Traurige Tafeln mit den Namen und Alter der Opfer in der Chapelle Bazar de la Charité (nicht öffentlich zugänglich!).

Herzogin Sophies Gedenktafel befindet sich links in der Kapelle:

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Am nächsten Tag sind Helfer, Polizei und Rettungshelfer mit Fackeln vor Ort, um die verkohlten Leichen und vielleicht doch noch Überlebende zu bergen. Ich möchte mir weder den Gestank, noch die gespenstische Atmosphäre vorstellen, die geherrscht haben muss. Verkohlte Leichenteile überall. Zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. 

Die Chapelle Bazar de la Charité hat einige Gegenstände gesammelt, die gefunden wurden. Die Puppe ist das traurige Überbleibsel eines verlorenen Kinderlebens.

Während Ferdinand Sophie suchte, kam es zu den ersten polizeilichen Einvernahmen. Diese sind zum Teil wirr und zum Teil völlig wertlos. Man muss sich die Angst, die Panik, dazu das Schreien, die Hitze und den Gestank vorstellen. Der beißende Rauch nahm nicht nur die Sicht, sondern legte sich auch auf die Lunge. Wer sollte hier einen klaren Kopf bewahren, um danach korrekte Aussagen zu tätigen? Eine Aussage jedoch ist herzzerreißend. Ob es sich wirklich so zugetragen hat oder nur eine Legende ist, dürfen Sie selbst wählen. Ich für meinen Teil glaube bis zu einem gewissen Punkt, dass Sophie die Situation wahr genommen hat, um ihren traurigen Leben ein Ende zu setzen.

Mathilde d’Anlau erzählte, dass sie in den Wirren Herzogin Sophie getroffen habe, die mit anderen auf Kopfhöhe einige Bretter aus der Wand gerissen hat, um dort Kinder und deren Mütter in Sicherheit zu bringen. Eine andere Dame berichtete, dass Sophie auf sie gedrückt wurde. Ihr Gesicht sei ängstlich aber völlig ruhig gewesen. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, sich zu retten, in dem sie durch eine der Türen hätte fliehen können. Doch die Augenzeugin berichtet, dass Sophie die Menschenmasse Angst machte und sie zurückwich. Sie sei wieder Richtung Feuer gelaufen. Wieder eine andere Dame berichtete, dass Sophie gemeinsam mit Valerie Kinder in Sicherheit brachte. Madame d’Anlau habe in einem Feuerschein dann nochmals Sophie gesehen, als diese vom Feuer umringt war. Sie sei dabei so friedlich gewesen. Sie griff nach dem Feuer und habe irgendwas gemurmelt, was sich wie „la feu“ (Feuer) anhörte. Danach warf Mathilde mit ihrer Gürtelschnalle ein Fenster ein und konnte sich so retten. Sophie sah sie nie wieder.

Egal wer von dem Feuer berichtete und wie wirr manche Aussagen auch waren. Alle waren sich einig, dass Sophie eine Gotterhabenheit ausstrahlte und so viele Kinder und Frauen rettete, während sie gemeinsam mit Valerie den Tod fand.

Auf der Kupel der Chapelle Bazar de la Charité sind Sophie und Valerie abgebildet, wie sie nach der Hand Marias greifen. „Aufgefahren in den Himmel“

Gedenkschrift
Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Gedenkschrift
Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Am 8.5.1897 fand ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Brandes in der Notre Dame de Paris statt. Mitglieder der königlichen Familie, Frankreichs Präsident und viele Angehörige nahmen an dem Gedenkgottesdienstes teil. Kaiserin Elisabeth schickte eine Krone aus weißen Lilien und weißen Rosen. Diese ließ sie mit den Farben der bayrischen und österreichischen Fahnen umschlingen. Das berühmteste Opfer dieser Katastrophe war Herzogin Sophie, gefolgt von Victomesse Valerie. Sie hinterließ drei Kleinkinder.

Als die Chapelle Bazar de la Charité errichtet wird, baut man in den hinteren Gängen Gedenkmonumente für die Opfer. Geht man den Gang entlang, wird man stummer Zeuge so sinnlos verlorener Leben.

In der Krypta der Kirche werden bis heute Kerzen angezündet. Auch ich habe eine Kerze angezündet.

Das schönste Gedenkmonument ist aber für mich jenes von Herzogin Sophie d’Alençon. 

(Ich möchte daran erinnern, dass diese Fotos exklusiv sind)

Wir verlassen nun die Chapelle de la Charité und wenden uns der Grabstätte von Sophie zu. Sie ruht neben ihrem Mann Ferdinand in der St. Louis Chapelle in Dreux (öffentlich zugänglich!).

Ihr Begräbnis fand im Stillen statt, jedoch ließ Ferdinand eine Grabplatte gestalten, die an seine wunderschöne Frau mit Haaren darstellen sollte. Nur der Schädel wurde gefunden. Ob die beigelegten Knochen wirklich ihre sind, ist wissenschaftlich nicht belegt. Ihr Schädel wurde anhand ihrer Zähne als solcher anerkannt.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Ihre Grabplatte wurde allerdings 2x gestaltet. Die erste Gestaltung (1904) ließ Herzog Ferdinand das Blut in den Adern gefrieren. Nach seiner Meinung war Sophie zu drastisch in ihrer Todesqual dargestellt. Er ließ die Grabplatte entfernen und gab eine neue in Auftrag.

Da die Grabplatte aber viel zu wertvoll war, ließ man sie ins Musee de la Historie in Dreux (öffentlich zugänglich) bringen.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Wer die Chapelle St. Louis in Dreux besucht, wird die lieblichere Grabplatte von Sophie sehen. In Dreux erzählt man sich, dass Sophie manchmal zu hören sei und weine, da sie ewig ihren Gatten Ferdinand anzusehen habe. Er selbst hat es so gewählt. Wer sich die Statue ansieht, wird eindeutig die Haare erkennen, die Ferdinand extra herausarbeiten ließ. Ein kleines Vermächtnis dessen, was Sophie partout nicht wollte. Vielleicht hört man sie deshalb weinen.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

 

 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Bevor ich diesen Bericht abschließe, möchte ich euch noch das Grab am Pere Lachaise Friedhof jener Personen zeigen, die nicht mehr identifiziert werden konnten. Es dient gleichzeitig aus als Denkmal. 

 

 

 

 

 

 

 

~ Marie ~

Herzogin Sophie
Foto: sternenkaiserin.com – Marie

 

Nachsatz:
So interessant die Recherchen zu diesem Beitrag waren, so beklemmend waren sie auch. Ich habe 2018 an zwei Tagen vor Ort die Recherchen gemacht. Nachgehallt hat die Geschichte über Monate.

Sterbebild Foto: sternenkaiserin.com – Marie

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Marie, Wikimedia/Commons, Chapelle Bazar de la Charité, Jourfixe-muenchen-ev.com, Meisterdrucke.at, Joseph Albert via Wikimedia/Commons
Videorechte: sternenkaiserin.com – Marie

Je remercie tout particulièrement le personnel de la Chapelle Bazar de la Charité. 


Literatur Hinweis:

L’incendie du Bazar de la Charité
Dominique Paoli (Geschenk des Hauses)

Sisis Geschwister (Bildband)
Bernhard Graf

Sisi und ihre Geschwister
Erika Bestenreiter

Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth 1878–1899
Martha Schad


 

Erzherzog Ludwig Salvator – Mallorca Museumsbericht

Erzherzog Ludwig Salvator, Foto: ÖNB

historische Person:

Wir gedenken heute Ludwig Salvator Erzherzog von Österreich, Prinz von Toskana. Er wurde am 4.8.1847 in Brandeis geboren.

Leopold II, Foto: Wikimedia/Commons

Maria Antonia Prinzessin Neapel-Sizilien Foto: Wikimedia/Commons

Sein Vater war Leopold II Großherzog von Toskana, Erzherzog von Österreich (*3.10.1797, †29.1.1870) . Seine Mutter Maria Antonia Prinzessin von Neapel-Sizilien (*19.12.1814, †7.11.1898). 

Ludwig war ein Ur-Enkel von Kaiser Leopold II, der wiederum das neunte Kind von Maria Theresia und Kaiser Franz I Stephan war. Er war somit ein Cousin von Kaiser Franz Joseph.

Seine Eltern legten wenig Wert auf höfische Etikette und ließen ihre Kinder liberal erziehen. Ludwig hatte Zeit seines Lebens große Interessen an fremden Sprachen, der Natur und des Meeres.

1860 musste die Familie die Toskana verlassen und richtete sich auf Schloss Brandeis ein.

1867 ging er auf Geheiß von Kaiser Franz Joseph auf eine ausgedehnte Seereise, um die relativ unbekannten Baleareninseln zu erforschen. Er verliebte sich auf Anhieb in Mallorca und siedelte 3 Jahre später komplett auf die Insel. Bis heute wird er auf Mallorca verehrt. Eine seiner Wohnungen wurde ein Museum, welches öffentlich zugänglich ist.

Er interessierte sich für die Flora und Fauna der Insel und begann Bücher zu schreiben, die bis heute naturwissenschaftlichen Zwecken dienen.

Ludwig zog es vor sich leger zu kleiden, weshalb er bald wie ein „armer“ Einheimischer aussah. Obwohl er reich war, scherten ihn solche Dinge wie Kleidung nicht. Er trug abgewetzte Anzüge, geflickte Sakkos und Hosen. Um Geld zu sparen, band er sich seine Manschetten-Hemden mit Bindfaden zu.

Wie leger Ludwig war, zeigt folgende Geschichte: Ein Bauer blieb mit seinem Karren im Schlamm stecken. Ludwig eilte ihm zu Hilfe. Der Bauer erkannte den berühmten Erzherzog Ludwig nicht und gab ihm nach getaner Arbeit ein Geldstück. Ludwig war Zeit seines Lebens stolz auf sein „erstes selbstverdientes“ Geld.

Er widmete sich intensiv den Studien der Inseln, u.a. auch Menorca und schrieb insgesamt 9 Bücher über die Balearen. Diese sind so umfangreich, dass sie bis heute (!) als Nachschlagewerk und Schulstoff für Kinder verwendet werden.

Der Wiener Hof lehnte den Sonderling ab. Er wurde als Kommunist beschimpft und der bösartige Tratsch kannte kaum eine Grenze. Man rümpfte über ihn die Nase, wo man nur konnte. Nur eine ließ sich vom Spott nicht beirren: Kaiserin Elisabeth.

Im Dezember 1892 – also 3 Jahre nach Kronprinz Rudolfs Tod – besuchte die bereits von Depressionen heimgesuchte Elisabeth ihren (angeheirateten) Cousin, mit dem sie eine große Freundschaft verband.

Ihren 55. Geburtstag (24.12.1892) – also gleichzeitig auch den Weihnachtsabend), verbrachte sie lieber mit Ludwig, als mit ihrer Familie in Wien. Ein Umstand, den Kaiser Franz Joseph gar nicht gut hieß. Besorgt schrieb er seiner ambivalenten Gattin, ob sich „der dicke Luiggi auch ordentlich um sie kümmere“. Da der Dezember 1892 allerdings auf Mallorca stark verregnet war, brach Kaiserin Elisabeth ihren Aufenthalt ab und ließ ihre Yacht „Miramar“ Richtung Griechenland steuern. Im Jänner 1893 kam Kaiserin Elisabeth zurück.

Ludwig Salvator heiratete nie, hatte aber ein reges Liebesleben, das auch einige uneheliche Kinder zur Folge hatte. Alle Kinder ließ er versorgen.

Catalina Homar, Foto: mallorcamagazin

Seine Dauergeliebte und große Liebe war eine einfache Tischlertochter. Catalina Homar (*1869, †1905) war nicht nur sehr schön, sie war auch sehr klug. Sie lernte unter Ludwigs Führung Lesen und Schreiben und so setzte er sie als Verwalterin seines Weingutes „S‘Estaca“ ein.

Er nahm Catalina auch mit auf seine Reisen und sogar am Wiener Hof führte er sie ein. Sehr zum Missfallen des Wiener Hofes, die Damen der adeligen Gesellschaft waren einer Ohnmacht nahe. 

Als Elisabeth starb, war Ludwigs Trauer groß.

1905 ging er mit Catalina auf eine große Reise. In Jerusalem steckte sie sich mit Lepra an und starb 36jährig. Ludwig verfiel in tiefe Trauer.

Seine Trauer überwand er mit dem Schreiben eines Buches, welches einen Skandal im Kaiserhaus  auslöste. Das Buch „Catalina Homar“. 

In diesem erfuhr Kaiser Franz Joseph, dass seine geliebte Elisabeth mit Catalina mehrfach zusammen traf und an einem Tisch saß. Sie unterhielten sich so gut, dass man hätte meinen können, die beiden kannten sich schon ewig. Er verbot jede weitere Verbreitung.

Der Skandal, dass seine Engels-Sisi mit einer einfachen mallorquinischen Tischlertochter an einem Tisch sitzen musste, war für den verknöcherten Monarchen zu viel.

Obwohl bereits 1000 Stück im Umlauf waren, sind kaum Exemplare erhalten.

Im Laufe von 30 Jahren erwarb Ludwig zwischen den Orten Valldemossa und Delá einen ganzen Küstenstrich, der er der Natur widmete. Kein Baum durfte gefällt, kein Haus erbaut und kein Tier getötet werden.

Er selbst ließ sich in Son Marroig nieder. Im Landhaus S’Estaca, in welchem er mit Catalina lebte, widmete er sich dem

Grabnische, Erzherzog Ludwig Salvator, Kapuzinergruft, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Weinbau und gewann zahlreiche Preise. Heute gehört das Gut Hollywood Schauspieler Michael Douglas.

Ludwig wurde im zunehmenden Alter dick, weshalb er bald aus allen Nähten platzte. Sehr zum Hohn des Wiener Hofes, die ihn noch mehr verspotteten. Selbst Kaiser Franz Joseph stimmte in den Hohn ein, als er vom „dicken Luiggi“ sprach.

Als der erste Weltkrieg (1914) ausbrach, befahl ihn Kaiser Franz Joseph zurück und bat ihn auf Schloss Brandeis zu leben. Mittlerweile litt Ludwig an schwerer Elephantitis und konnte sich kaum noch bewegen.

Ludwig Salvator Erzherzog von Österreich starb 68jährig am 12.10.1915 auf Schloss Brandeis. Sein letzter Wunsch auf Mallorca beerdigt zu werden, wurde ihm – wie auch Kaiserin Elisabeth, die auf Korfu beerdigt werden wollte – verwehrt. Anstatt auf einem Grabhügel von der Sonne umsäumt, ruht er in einer Nische der Kapuzinergruft.


Reisebericht – Mallorca Museumsbesuch 

Wir besichtigen nun das ehemalige „Kartäuserkloster von Valldemossa“ in welchem der Erzherzog 4 Jahre lebte, bevor er in seine Villa umzog. Nehmt euch Zeit, das Museum ist größer, als ihr glaubt.

Adresse: Plaça Cartoixa, S/N, 07170 Valldemossa, Illes Balears, Spanien
Öffnungszeiten: Montag – Samstag von 10.00 Uhr – 16.30 Uhr (bitte erkundigt euch aber noch einmal vor Ort; Zeiten könnten variabel sein).

Eintritt: € 4,00 Erwachsene, € 2,00 Kinder

Hier haben übrigens auch Chopin und seine Lebensgefährtin George Sand (Autorin, welche Amantine Aurore de Francueil hieß) 3 Monate logiert. Wir widmen uns aber nur den Erzherzog Ludwig Salvator Räumen.

Kaiserin Elisabeth besuchte die Insel insgesamt 3x.

1861 war Kaiserin Elisabeth, mit der von Queen Victoria geliehenen Yacht nach Palma de Mallorca gekommen. 

Da sie den Rummel um ihre Person hasste, vermied sie die Öffentlichkeit und besuchte die Hauptstadt „inkognito“. In Palma wurde ihr zu Ehren in der Kathedrale eine Messe gelesen. Sie besuchte die Innenstadt von Palma und das Schloss Bellver. 

In der Llotja de Palma – auch La Lonja de los Mercaderes genannt – („das“ historische Gebäude von Palma), wartete eine große Menschenmenge und eine Musikkapelle auf die hohe Besucherin. 

Doch Kaiserin Elisabeth wollte ihr Ziel Madeira so schnell als möglich erreichen und zog es vor die Lonja nicht mehr zu besuchen.

Im Dezember 1892 – also 3 Jahre nach Kronprinz Rudolfs Tod – besuchte die bereits von Depressionen heimgesuchte Elisabeth ihren (angeheirateten) Cousin, mit dem sie eine große Freundschaft verband.

Ihren 55. Geburtstag (24.12.1892) – also gleichzeitig auch den Weihnachtsabend), verbrachte sie lieber mit Ludwig, als mit ihrer Familie in Wien. Ein Umstand, den Kaiser Franz Joseph gar nicht gut hieß. Besorgt schrieb er seiner ambivalenten Gattin, ob sich „der dicke Luiggi auch ordentlich um sie kümmere“. Da der Dezember 1892 allerdings auf Mallorca stark verregnet war, brach Kaiserin Elisabeth ihren Aufenthalt ab und ließ ihre Yacht „Mariamar“ Richtung Griechenland steuern. 

Im Jänner 1893 kam Kaiserin Elisabeth zurück auf Mallorca, um ihren Cousin zu besuchen. 

Er holte die Kaiserin in der Bucht, in der ihre Yacht ankerte ab. Dabei begleiteten ihn einige Künstler, mit denen er befreundet war.

Foto: Archiv Son Moragues, Kaiserin Elisabeth, 1893 auf Mallorca

Wahrscheinlich auf Geheiß Ludwigs entstand dieser heimliche Schnappschuss, der heute im Archiv verwahrt wird. 

Seine Villa war damals noch nicht so einfach zu erreichen wie heute. Es war ein fast zweistündiger Fußweg der zurückgelegt werden musste. 

In der Villa angekommen, wartete auf Sisi ein überladenes Buffet, dass sie angeblich sehr verächtlich gutiert haben soll. Da Ludwig in seinen späteren Jahren sehr wohlgenährt war, war es für die dürre Kaiserin wohl unangenehm ein solches Mahl vorgesetzt bekommen zu haben. 

Die Finca S’Estaca in Valldemossa ist heute im Privatbesitz von Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones, allerdings – und jetzt schlachtet euer Sparschwein – steht die Villa zum Verkauf: schlappe 28,5 Millionen Euro müsst ihr haben; immerhin startete der Preis bei 55 Millionen und wurde mittlerweile 3x gesenkt. Hier also Einblicke in die Villa S’Estaca, in der auch Kaiserin Elisabeth zwei Mal einkehrte.

~ Marie ~


Textrechte: Marie 
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Vielen Dank an die Museumsleitung, welche uns die Dokumentation erlaubt hat.


Kaiserin Elisabeth – als Mutter (Teil 3)

Foto: Golfhotel Kaiserin Elisabeth

Da fast jeder Beitrag von mir mit einem Vergleich zu den Sissi Filmen anfängt, möchte ich auch jetzt meine einleitenden Worte dafür nutzen. Voriges Jahr zu Weihnachten sah ich mir die Trilogie mit ganz anderen Augen an, als bisher. Mit dem Wissen, dass ich mir mühsam erarbeitet habe, wurde mir bewusst, wie viel Klischee und kaum ein Funken Wahrheit diese in die Welt tragen. Noch heute sehen die meisten das Gesicht unserer Kaiserin mit dem von Romy Schneider. Natürlich ist sie entzückend und süß in dem Film, das mag ich gar nicht bestreiten. Aber mittlerweile kann ich Romy verstehen, als sie sagte, dass sie mit dem Sissi Kitsch nichts mehr zu tun haben möchte. In Wahrheit stimmt an den Filmen gar nichts. Mit der Angelszene beginnend, bis hin zu den Namen der ersten Tochter ist nichts richtig. Wenn schon ein Kind in Venedig in die Richtung ihrer Mutter läuft, so hätte dies Gisela sein müssen und nicht Sophie. Aber wenn man der Tochter schon die falschen Namen „Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria“ gibt, so kann man auch vom Rest nicht verlangen, sich an korrekte historische Fakten zu halten. Schade ist nur, dass bis heute die Filme mehr zählen, als die Geschichte unserer Kaiserin per se. Ich versuche nun, dieses Klischee aufzuheben.

Nach der Verlobung (die ihr hier nachlesen könnt) und der aufwändigen Hochzeit (hier zum Nachlesen) war die einzige Pflicht, die Kaiserin Elisabeth hatte, ein Kind zu bekommen.

Die Flitterwochen verbrachte das junge Paar im Schloss und Schlosspark Laxenburg, welches Sisi zwar ans Herz wuchs, sie allerdings auch an Einsamkeit beinahe zu Grunde gehen ließ.

Foto: Wikimedia/Commons Sophie Gräfin von Esterházy

Kaiser Franz Joseph hatte kaum Zeit für seine junge schöne Braut und so musste sie sich mit den ihr völlig fremden Hofdamen begnügen, allen voran die verhasste Erzherzogin Sophie Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha, bekannt als „Gräfin Esterházy“ (*5.9.1798, †17.6.1896). Pünktlich um 5.00 Uhr früh verließ der junge Kaiser Laxenburg, fuhr mit der Kutsche zurück nach Wien, entweder in die Hofburg oder nach Schloss Schönbrunn, um an seinem Schreibtisch Staatsgeschäfte zu verrichten und kam erst abends zum Diner, welches um 18.00 Uhr serviert wurde, zurück.

Schlosspark Laxenburg mit der Franzensburg Foto: Schloss Laxenburg

Elisabeth blieb allein. Also allein in ihrem Kummer. Denn vollkommen fremde Personen hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das junge, verschüchterte, von Heimweh geplagten Mädchen zu zähmen und die Hofetikette einzudrillen. Von Erzherzogin Sophie beauftragt, wurde jeder Fauxpas, den die junge Kaiserin betrieb, an diese gemeldet.

Kein Reiten ohne Begleitung, kein Spazieren gehen ohne neugierige Blicke ihrer ihr fremden Hofdamen. Sogar am Abend, während des Diners, durfte sie mit ihrem Mann nicht alleine Speisen. Flügeladjutant Hugo von Weckbecker (*1820, †1866) wurde neben Sisi platziert, damit die schüchterne Kaiserin endlich sprechen lerne. Eine Kaiserin habe schließlich die Gäste des Kaisers charmant zu unterhalten. Und auch hier war Sophie von Esterházy stets an Elisabeths Seite. Jeder Fehler wurde sofort korrigiert. Auch coram publico. Ich glaube, es kann sich jeder selbst vorstellen, wie unangenehm dies ist.

Vierzehn Tage nach ihrer Hochzeit, schrieb sie verzweifelt in ihr Tagebuch:

Es kehrt der junge Frühling wieder
Und schmückt den Baum mit frischen Grün
Und lehrt den Vögeln neue Lieder
Und macht die Blumen schöner blüh’n. 

Doch was ist mir die Frühlingwonne
Hier in dem fernen, fremden Land?
Ich sehn‘ mich nach der Heimat Sonne, 
Ich sehn‘ mich nach der Isar Strand. (1)

Auch die ersten Wehklagen über ihre verlorene und einzig wahrhaften Liebe kamen wieder ans Tageslicht. Wir erinnern uns an ihren Jugendfreund Richard, der ihr seitens ihrer Mutter entrissen wurde. Die glücklichen Kindertage könnt ihr hier nachlesen.

Nur einmal konnt ich wahrhaft lieben
Es war das erstemal. 
Nichts konnte meine Wonne trüben
Bis Gott mein Glück mir stahl…

Nur kurz warn diese schönsten Stunden, 
Nur kurz die schönste Zeit. 
Nun ist mein Hoffen all entschwunden, 
Ihn geb ich nicht in Ewigkeit. (2)

Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons

Viel später kehrte sie mit ihrer Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923) zurück und zeigte ihr den Schreibtisch, an dem sie stundenlang Briefe und Gedichte schrieb und sich die Seele aus dem Leib weinte. Marie von Festetics notierte in ihr Tagebuch: „Elisabeth ging von Zimmer zu Zimmer – sagte von jedem, was es war – aber ohne näheren Commentar, bis Sie endlich in einem Eckzimmer stehen blieb, wo ein Schreibtisch zwischen Fenstern stand u. ein Schreibsessel davor; lange stand Sie mäuschentill da – plötzlich sagte Sie: … Hier habe ich viel geweint, Marie. Allein der Gedanke an diese Zeit preßt mein Herz zusammen. Hier war ich nach meiner Hochzeit… Ich fühlte mich so verlassen, so einsam. Der Kaiser konnte tagsüber natürlich nicht hier sein, er ist täglich in der Früh nach Wien gegangen. Um sechs Uhr ist er zum Diner zurückgekehrt. Bis dahin war ich den ganzen Tag allein und hatte Angst vor dem Augenblick, da Erzherzogin Sophie kam. Denn sie kam jeden Tag, um jede Stunde zu spionieren, was ich tue. Ich war ganz à la merci dieser ganz bösartigen Frau. Alles war schlecht was ich tat. Sie urteilte abfällig über jeden, den ich liebte. Alles hat sie herausbekommen, weil sie ständig gespitzelt hat. Das ganze Haus hat sie so gefürchtet, daß alle zitterten. Natürlich haben sie ihr alles mitgeteilt. Die kleinste Sache war eine Staatsaffäre…“ (3)

Erzherzogin Sophie Foto: Wikimedia/Commons

Sisi, welche in Possenhofen immer vor Gesundheit strotzte, wurde labil. Ihre Stimmungsschwankungen waren enorm. Ihr Leiden wurde täglich mehr. Erzherzogin Sophie nahm dieses Leiden als Kränkung auf. Sie selbst, die immer Kaiserin werden wollte, musste zusehen, wie dieses Kind die Stellung die man ihr auftrug als Bürde ansah. Erzherzogin Sophie (*27.1805, †28.5.1872) kümmerte die instabile Lage ihrer Schwiegertochter nicht. Sie sah nur das glückliche Gesicht ihres Sohnes und schrieb Briefe an ihre Schwestern nach Bayern und Sachsen, wo sie vom „glücklichsten Ehepaar aller Zeiten“ schrieb. Auch die Flitterwochen erwähnte sie als „ländliche Idylle“ und „herzerquickender Anblick der beiden glücklichen Kinder“.

Kaiserin Elisabeth sah dies jedoch ganz anders. Auch Erzherzogin Marie Valerie schrieb darüber in ihrem Tagebuch. Doch wenden wir uns nun dem Thema, Elisabeth als Mutter zu.

Nach dem „ländlichen Idyll“ der Flitterwochen, fingen die Pflichten der jungen Kaiserin an. Die erste Reise des Kaiserpaares führte Anfang Juni nach Mähren und Böhmen, wo ihnen ein wohlgesonnenes Volk entgegen winkte. Elisabeth sollte als Erstes böhmisch lernen, doch die Sprache war ihr verhasst, weshalb es außer dem Zählen bis 10 nicht recht voranging. Auch hier reiste das Paar natürlich nicht allein. Neben dem

Graf Carl Grünne, Foto: Wikimedia/Commons

Dr. Johann Nepomuk Seeburger, Foto: Wikimedia/Commons

Flügeladjutant, reiste auch das Militär mit, Leibarzt Freiherr Dr. Johann Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) , Graf Karl Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884) und natürlich die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister Ihrer Majestät, sowie zwei Hofdamen und ein Sekretär. All diese Personen brachten natürlich wiederum ihre Diener, Friseure und Lakaien mit. Auch das Dienstpersonal des Kaiserpaares durfte nicht fehlen. Ein Tross der Unendlichkeit ritt dem Kaiserpaar voraus und hinten nach. Ziemlich befremdlich für eine 16jährige, die gerade einmal ein paar Wochen Kaiserin war.

Elisabeth trat als charmante und liebreizende Kaiserin auf, deren Art mit den „einfachen“ Leuten zu sprechen auffiel. Die Hoffnung stieg bei Hofe, dass aus ihr doch noch einmal eine gute Kaiserin werden möge, die sich dem sozialen Engagement annehmen würde. Auf dieser Reise wurde sichtbar, dass Sisi mit Böhmen und der böhmischen Aristokratie, die immerhin auch in Wien den Ton angab, nichts anfangen konnte. Hauptsächlich waren sie es, die über die einfache herzögliche Abstammung die Nase rümpften und Elisabeth in allen Belangen auslachten. Kein Adel war ihr weniger Wohlgesonnen als der Böhmische. Immerhin waren dies aber die bekanntesten Namen des Landes: Schwarzenberg, Waldstein, Lobkowitz, Kinsky, Khevenhueller, Liechtenstein, Auersperg und einige andere.

Kaiser Ferdinand, Foto: habsburger.net

Kaiserin Maria Anna, Foto: Wikimedia/Commons

Ein kleiner Höhepunkt der Reise sollte der Besuch beim abgedankten Kaiser Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) und Kaiserin Maria Anna (*19.9.1803, †4.5.1884) werden, welche nun in Prag lebten. Der kleine, gutmütige Mann, dessen Kopf schief auf seinem Körper hing, stundenlang Domino spielte und mit seinem Neffen Franz Joseph wenig anfangen konnte, freute sich über den Besuch der hübschen Nachfolgerin seiner Frau. Maria Anna war ebenfalls entzückt, hatte aber am Wiener Hof nichts mehr zu melden.

14 Tage sollte die Reise dauern, welche an Strapazen kaum zu überbieten war. Doch zurück in Wien, wurde Elisabeth keine Ruhe gegönnt. Fronleichnam stand vor der Türe, weshalb eine große Prozession geplant war. Elisabeths Einwand noch nicht alt genug für diese Bürde zu sein, wurde abgeschmettert. Obwohl ihr die Verbindung Kirche und Politik völlig fremd war, erwartete man von ihr, dass sie eine große Staatstoilette trug. Kaiserin Maria Anna hatte jahrelang diese Aufgabe mit vollem Glanz und Hingabe absolviert. Sisi fürchtete sich in die Fußstapfen der beliebten Kaiserin zu treten. Doch Kaiser Franz Joseph und seine Mutter Erzherzogin Sophie hatten kein Mitleid mit ihr. Elisabeth galt als die große Hauptattraktion. Mit Schleppkleid und Brilliantendiadem geschmückt, stieg sie in den Hofgalawagen, der mit acht Schimmeln bespannt war. Doch Elisabeths Sorgen waren unbegründet. In frommer, demütiger Haltung überstand sie den Tag gekonnt und meisterlich, als habe sie nie etwas anderes zuvor gemacht.

Herzogin Ludovika, Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth, die weiterhin Tanzstunden und Sprachunterricht nahm und immer noch gerne Ausritt, musste dies bald nach der Hochzeit einstellen. Die ersten Zeichen einer Schwangerschaft stellten sich ein, welche Sophie mit Argusaugen beobachtete. Sisi litt unter schweren Schwangerschaftsproblemen: sie erbrach ständig, litt an Schwindelgefühl und Müdigkeit. Die meiste Zeit vom Tag musste sie liegend verbringen. Mutter Ludovika wurde Bang um ihre Tochter, doch traute sie sich nicht nach Wien. Der Dank, dass ihre Schwester die junge Elisabeth als Heiratskandidatin ihres Sohnes anerkannte, war so enorm, dass Ludovika Sophie beinahe devot begegnete.

Herzogin Mathilde in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Herzog Carl Theodor in Bayer, Foto: Wikimedia/Commons

Der Sommer stand bevor und so zog die Familie nach Ischl. Hier kam es zu einem lustigen Vorfall, den ich euch unbedingt erzählen möchte: Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) telegrafierte nach Ischl, um Sisi die Ankunft von Spatz, Gackel und sich selbst anzukündigen. Sie unterschrieb das Telegramm mit Mimi, da dies der Spitzname war, mit dem Sisi ihre Mutter seit ihrer Kindheit ansprach. Mimi gab noch den Zug und die Ankunftszeit in Lambach bekannt, da der Zug dort halten würde. Von dort sollte eine Kutsche für die Familie bereitstehen, um diese zur frisch umgebauten Kaiservilla zu bringen. So der Plan. Doch das Telegramm kam nicht in der Kaiservilla, sondern im Hotel Elisabeth an.

Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph Foto: ÖNB

Als Herzogin Ludovika, Schwester Herzogin Mathilde und Bruder Herzog Carl Theodor in Lambach ankamen, stand jedoch keine Kutsche bereit. Helle Aufregung entstand, noch dazu in einer Zeit ohne Telefon. Wir können uns das heute kaum noch vorstellen, oder? Zumindest eine Telefonzelle haben wir älteren Leser schon gekannt. Plötzlich erschien ein Hotelpage des Hotels Elisabeth in Ischl. Er hielt in der Hand 3 Käfige. Diese sollten für die Vögel „Mimi“, „Spatz“ und „Gackel“ sein.

Um hier eine kleine Erklärung abzugeben. Ludovika hatte für alle Kinder Kosenamen. Spatz war Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925), Gackel war Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) und Mimi war, wie gesagt, sie selbst. Man mag sich das Gesicht des Pagen gar nicht vorstellen, als er den Irrtum bemerkte. Noch dazu wo er die Mutter und Geschwister Ihrer Majestät vor sich stehen hatte. Natürlich klärte sich der Irrtum als baldigst auf und so wurde die Familie mit der grell lackierten Hotelkutsche zur Kaiservilla gebracht.

Schon während der Schwangerschaft zogen dunkle Wolken über das Mutterglück auf. Erzherzogin Sophie riss alles an sich. Sie bestimmte, wo die Kindskammer eingerichtet wurde. Diese wurde so eng an ihre eigenen Appartements gelegt, so dass es Elisabeth niemals gelingen würde, ohne dem Wissen von Sophie ihr Kind zu besuchen. Auch die Einrichtung suchte Sophie aus.

Kaiserin Elisabeth wurde von Erzherzogin Sophie angeherrscht, sich beim Volk zu zeigen. Später erzählte sie dies ihrer Hofdame, welche die Geschichte in ihr Tagebuch notierte: „Kaum war sie da, schleppte sie mich schon hinunter in den Garten und erklärte, es sei meine Pflicht, meinen Bauch zu produzieren, damit das Volk sehe, daß ich tatsächlich schwanger bin. Es war schrecklich.“ (4) Sobald Sisi allein war, weinte sie sich in den Schlaf. Allein und von niemanden verstanden, durfte sie sich auch keinem in ihrer Umgebung anvertrauen. Es wurde ihr von Sophie verboten, irgendjemand als Freund oder Freundin anzusehen. Einzig Graf Grünne kümmerte sich väterlich um die junge verzweifelte Kaiserin, die das Hofleben immer mehr und mehr verabscheute.

Auch die Aja wurde von Erzherzogin Sophie gewählt. Freifrau von Welden, kinderlos und Witwe, ohne Kindererfahrung wurde aus politischen Gründen dazu auserkoren, das erste gemeinsame Kind von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph zu erziehen. Die Einwände seiner Frau konnte Franz Joseph weder verstehen, noch hörte er ihr richtig zu. Was Mutter entschied, wird schon gut für alle sein, so sein unumstößliches Motto zu allen Dingen die Sophie entschied. Umso mehr weinte sich Sisi immer mehr und mehr in den Schlaf.

Huldigungsblatt zur Geburt der kleinen Tochter Sophie, Foto: ÖNB

Am 5.3.1855 kam Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha um 3.00 Uhr nachts zur Welt. Die Geburt und warum das kleine Mädchen bereits am 29.5.1857 wieder verstarb, könnt ihr hier nachlesen. Wir sind also vom Sissi-Film Kitsch wirklich weit entfernt. Die (Film)Tochter, die auf die Namen Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria getauft wurde, hat nichts gemeinsam mit der kleinen Erzherzogin, welche am 5.3.1855 zur Welt kam. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs an falschen Informationen aus den Filmen, die Weltruhm erlangten und leider bis heute als der Inbegriff einer Sis(s)i am Wiener Hof gelten. Auch das zweite „s“ im Namen von Sisi hält sich hartnäckig. Elisabeth hat sich niemals SiSSi genannt. Vielleicht kann ich mit dem Kitsch endlich ein wenig aufräumen.

Die erste Zeit verbrachte Sisi mit der kleinen Sophie in Laxenburg. Kaiser Franz Joseph schrieb beinahe täglich an seine Mutter und kündigte an, dass seine Frau im Juni für 10 Tage das Land verlassen würde, um nach Possenhofen zu fahren. Die kleine Sophie lernte also schon recht früh ihre bayrische Verwandtschaft kennen.

Am 7.8.1855 telegrafierte ein liebevoller Vater an seine Mutter: „Wir sind sehr wohl und die Kleine war besonders heute sehr lustig. Sie jauchzte in einem fort und war sehr damit beschäftigt, ihren Fuß in den Mund zu stecken und daran zu schnullen. Sie scheint viele gymnastische Anlagen zu haben. Ich küsse Ihnen und dem Papa mit Sisi die Hände und bleibe Ihr treuer Sohn Franz.“ (5)

Schon bald machten sich die nächsten Schwangerschaftszeichen bemerkbar. Sobald diese öffentlich wurden, las der Erzbischof von Wien und der Bischof von Linz eine Messe, um eine glückliche Entbindung zu erbitten. Selbstverständlich nicht ganz Uneigennützig um einen Thronfolger zu bitten.

Erzherzogin Gisela, Foto: Dorotheum Wien

Erzherzogin Sophies Gesicht soll starr gewesen sein, als man ihr mitteilte, dass am 12.7.1856 um 6.35 Uhr in Schloss Laxenburg eine kleine Erzherzogin zur Welt kam. Auch bei dieser Geburt war Herzogin Ludovika nicht anwesend. Ebenso erschien sie zur Taufe nicht, obwohl sie offiziell die Taufpatin war. Am 13.7.1856 wurde die kleine Erzherzogin auf die Namen Gisella Ludovika Marie getauft. Gisella wurde später zu Gisela und Ludovika zu Louise, weshalb man heute in sämtlichen Geschichtsbüchern von Erzherzogin Gisela Louise Marie lesen kann. Erzherzogin Sophie wurde als Taufpatin-Stellvertreterin bestimmt. Sie selbst hatte schon Sophie Friedericke getauft.

Elisabeth, nun stärker und selbstbewusster, fing an, um Sophie und Gisela zu kämpfen. Die Enttäuschung ihrer Schwiegermutter, keinen Thronfolger auf die Welt gebracht zu haben, nutzte sie aus, um die Kinderzimmer in die „Radetzky-Räume“ der Hofburg zu verlegen. Sophie tobte, doch diesmal hatte Elisabeth Schützenhilfe durch Franz Joseph. Er stellte sich nicht nur vor Sisi, so nannte er sie auch eine hingebungsvolle Mutter. Sophie drohte mit Auszug, was Franz Joseph verstimmte. Er schrieb einen Bettelbrief an seine Mutter: „Nie würde ich es zugeben, daß Sie Ihre jetzige Wohnung verlassen oder gar, was ich nicht gelesen haben will, ganz aus der Burg ziehen würden. Ich hoffe noch immer, daß sich alles sehr gut machen wird; die Kinder bekommen eine viel bessere Wohnung, in der sie auch künftig bleiben können, und Alles wird zufrieden sein.“ (6)

Erzherzogin Sophie Friederike, Foto: Wikimedia/Commons

1856 unternahm das Kaiserpaar eine 4monatige Reise nach Italien. Kaiser Franz Joseph wollte Lombardo-Venetien wieder mehr an das österreichische Reich binden. Obwohl Erzherzogin Sophie massive Einwände hatte, nahm Kaiserin Elisabeth die kleine Sophie mit auf die Reise. Baby Gisela verblieb bei ihrer Großmutter in Wien. Das Weihnachtsfest verbrachte die Familie getrennt. Sophie mit Gisela in Wien, Franz Joseph, Elisabeth und Sophie Friedericke in Venedig. Als Weihnachtsgeschenk wurde Sisi mit einem Portrait von Gisela überrascht. Elisabeth wurde auf dieser Reise zum ersten Mal ernsthaft krank. Ihre Lungen machten ihr große Probleme. Sie hustete unentwegt, was Kaiser Franz Joseph schwere Sorgen bereitete. Er kündigte bei seiner Mutter die Rückkehr für den 12.3.1857 an. Erzherzogin Sophie Friedericke wurde bereits am 2.3.1857 mit ihrer Kinderfrau Anna Kathrein auf die Reise geschickt. Franz Joseph schrieb in einem Brief an seine Mutter, dass er hoffte, dass die Kleine ihr die Hände küssen möge und sie artig sei.

Wenige Monate später kam es in Ungarn zu einem folgenschweren Schicksal, von dem sich Elisabeth – vor allem als Mutter – nie wieder erholen sollte. Aus Trotz setzte sie sich gegen ihre Schwiegermutter durch und nahm beide Kinder mit auf die Ungarnreise. Nicht nur, dass Erzherzogin Sophie Ungarn aus tiefstem Herzen hasste (das Libenyi-Attentat hatte sie nie vergessen; hier nachzulesen), so riet sie dem Kaiserpaar, die Kinder in Wien zu lassen. Das Unheil nahm seinen Lauf. Kaiserin Elisabeth verfiel das erste Mal in ihrem Leben in tiefe Trauer.

Im Dezember 1857 wurde erneut an Kaiserin Elisabeth eine Schwangerschaft festgestellt. Zur unendlichen Trauer, mischte sich freudige Erwartung, welche Sisi mit ihren üblichen Schwangerschaftsleiden quittierte. Sie erbrach ständig, war müde und bettlägrig. Die Abnabelung zu ihrer Tochter Gisela begann. Immer öfter war Sisi unpässlich, wollte das kleine Mädchen nicht sehen und machte sich selbst die größten Vorwürfe, ihre Tochter Sophie umgebracht zu haben.

Kaiser Max und Kaiserin Carlota, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Als am 27.7.1858 auch noch ihr Lieblingsschwager Erzherzog Ferdinand Maximilian, genannt Max (*6.7.1832, †19.6.1867), die schöne belgische Prinzessin Charlotte (*7.6.1840, †19.1.1927) heiratete und diese ab sofort ihr vorgezogen wurde, verfiel Sisi noch mehr in Depressionen. Charlotte kam aus einem unfassbar reichen Haus, war gebildet und schön. Erzherzogin Sophie und ihre gesamte Anhängerschaft ließen keine Möglichkeit aus, um Charlotte zu loben, zu huldigen oder zu bezirzen. Der labilen, schüchternen und unbeliebten Kaiserin muss das bis ins Mark erschüttert haben. Noch mehr als jemals zuvor, zog sie sich zurück. Leider auch vor ihrer Tochter. Mittlerweile vergingen Wochen bis sie Gisela wieder an sich ran ließ oder nach dem kleinen Töchterchen fragte.

Am 21.8.1858 setzten gegen 22.00 Uhr die letzten Wehen ein. Beide Mädchen waren leichte Geburten, kaum eine Wehe war zu spüren und schon waren die Kinder auf der Welt. So war es im August nicht. Erzherzogin Sophie und Gräfin Esterházy knieten am Boden und beteten, während sich Elisabeth die Seele aus dem Leib schrie. Um 22.15 Uhr war es endlich soweit. Der Thronfolger wurde geboren.

Völlig erschöpft fragte die Kaiserin ihren am Bett sitzenden Mann ob es ein Bub sei. Dieser erwiderte, dass die Hebamme Gruber es noch nicht so genau wisse. In Wirklichkeit wollte Kaiser Franz Joseph seine Frau schonen. Die Geburt hatte sie stark geschwächt. Man wollte ihr jede Aufregung ersparen. Vor lauter Enttäuschung, dass sie keine Antwort bekam, glaubte sie, wieder „nur“ ein Mädchen zur Welt gebracht zu haben. Doch Franz Joseph verneinte dies mit dem Satz „Nun, und wenn es ein Knabe wäre?“ (7)

Lithografie mit Kronprinz Rudolf in der Wiege, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Karoline Freifrau von Welden „Wowo“, die Kinderfrau von Erzherzogin Gisel(l)a und Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth, Foto: Nationalbibliothek

Das ganze Land feierte die Geburt von Kronprinz Rudolf Franz Karl Joseph, dessen Vorname genauso aus den Habsburger Vorfahren gewählt wurde, wie Giselas. Nicht nur Wien feierte, auch das ganze Reich schloss sich den Huldigungen an. Kaiser Franz Joseph der seinen Sohn zwar nicht hübsch fand, dafür aber kräftig und stark, weinte jedes Mal vor Freude, wenn ihm ein Minister, das Militär oder ein Bediensteter gratulierte. Seine Freude kannte kaum eine Grenze.

Elisabeth, die wieder einmal nicht stillen durfte, hatte extreme Probleme mit dem Milcheinfluss. Sie bekam hohes Fieber. Trotzdem wurde ihr nicht erlaubt den Sohn zu stillen. Sie gab jeden Widerstand auf. Sie ließ die Kinderzimmer in die Räumlichkeiten von Erzherzogin Sophie verlegen und übergab die gesamte Erziehung in ihre Hände.

Ab sofort waren sich Gisela und Rudolf am nächsten. „Wowo“, wie Aja Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1892) von den Kindern genannt  und „Nono“, wie die Kammerfrau Leopoldine Nischer (*1813, †1883) genannt wurde, wurden zum Lebensmittelpunkt der beiden. Noch als Erwachsene sprachen beide überaus liebevoll über Wowo und Nono.

Gisela und Rudolf als Kinder, Foto: Wikimedia/Commons

Gisela, die etwas herb wirkte und das stämmige Wesen von Franz Joseph geerbte hatte und Rudolf, der das Aussehen seiner Mutter, sowie deren Intelligenz und Sensibilität erbte, waren unzertrennlich. Obwohl Rudolf es nicht leiden konnte, wenn Gisela mit seinen Sachen spielte und Gisela sich beschwerte, wenn er ihre Spielsachen versteckte, hielten zusammen wie Pech und Schwefel.

Die ersten Jahre fiel ihnen die Abwesenheit von Elisabeth gar nicht auf. Großmutter Sophie, Nono und Wowo kümmerten sich rührend um die Kinder und Kaiser Franz Joseph nahm sich so viel Zeit wie möglich. Mittlerweile hatte sich die Beziehung zwischen Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth zu einer ambivalenten Ehe entwickelt (der Beitrag kann hier nachgelesen werden).

Um die Abnabelung zu ihren Kindern zu verstehen, muss ich ins Jahr 1860 springen und euch bitten obigen Beitrag zu lesen. Kaiserin Elisabeth fing an, sich immer mehr gegen ihren Mann durchzusetzen, kränkelte aber stets vor sich hin. Wie in meinem Bericht erwähnt, ist die Wahrheit über den Bruch zwischen Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth bis heute nicht erforscht. In allen Filmen wird es vereinfacht mit einer Lungenkrankheit dargestellt. So steht es auch in (wirklich) allen Geschichtsbüchern, dennoch bleiben Zweifel. Schon der erste Biograf Conte Corti sprach vom „Deckmantel der Krankheit“. Bleiben wir also dabei.

Im November 1860 verließ Kaiserin Elisabeth Laxenburg und kehrte erst am 16.8.1862 nach Wien zurück. Nur in Venedig hatte Elisabeth ihre Kinder gesehen. Viel zu kurz, wenn man bedenkt, wie klein die Kinder damals noch waren.

kaiserliche Familie, Foto: ÖNB

Gisela war zum Zeitpunkt der Rückkehr bereits 6 Jahre alt, Kronprinz Rudolf knapp 4 Jahre alt. Auch als Kaiserin Elisabeth zurück war, kümmerte sie sich nicht um die Kinder, die sie so sehr vermissten. Vor allem der kleine Rudolf hing sehr an seiner Mutter. Er vergötterte sie Zeit seines Lebens und buhlte immer um ihre Liebe. Vergeblich.

Graf Leopold Gondrecourt, Foto: Wikimedia/Commons

Als er 6 Jahre alt war, wurde er von Gisela getrennt. Er wurde von Graf Leopold Gondrecourt (*1816, †22.5.1888) militärisch erzogen. Den Buben traf damit ein hartes Schicksal. Rudolf, der überhaupt nicht für den militärischen Drill geeignet war, weinte sich jeden Abend isoliert in den Schlaf. Er fürchtete sich allein vor der Dunkelheit, zitterte vor Angst vor dem Knallen der Pistolen und konnte die Einsamkeit nicht ertragen. Er wurde physisch und psychisch von Gondrecourt misshandelt. Elisabeth weilte außerhalb von Wien, weshalb sie von den Qualen die Rudolf erlitt zunächst nichts wusste. Vater Kaiser Franz Joseph sah geflissentlich weg und nannte seinen Sohn einen „Kepierl“. Erzherzogin Sophie vor Treue zur Krone blind, sah über den Leidensdruck des geliebten Enkels hinweg. Gondrecourt sah seine Macht und quälte den Buben bis aufs Blut. Er zerrte ihn früh morgens mit Trompetenklänge neben dem Bett aus selbigen, ließ ihn bis zum Umfallen stehen und tränkte ihn für Disziplin und Ordnung im eiskalten Wasser. Rudolf wurde kränker und blasser als jemals zuvor in seinem Leben.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth weilen gerade in Bad Ischl, als Elisabeth von der Wildschwein-Affäre erfuhr, war das Maß voll. Rudolf wurde von Gondrecourt zum Tierpark Lainz geschliffen, dort hinter die Mauer gestellt, während sich der General in Sicherheit brachte, schrie er, dass ein Wildschwein käme. Das Kind schrie in Todesangst wie am Spieß und je lauter es schrie, desto nervöser wurden die Wildschweine, die in der Nähe ihr Revier hatten.

Sie eilte zum Kaiser und schrie ihn förmlich an: „Entweder Gondrecourt oder ich!“ (8). Danach eilte sie in ihr Zimmer und schrieb das berühmte förmliche Ulitimatum:

Ich wünsche, dass mir vorbehalten bleibe, unumschränkte Vollmacht in Allem, was die Kinder betrifft, die Wahl ihrer Umgebung, den Ort ihres Aufenthaltes, die complette Leitung ihrer Erziehung, mit einem Wort, alles bleibt mir ganz allein zu bestimmen, bis zum Moment der Volljährigkeit. Ferner wünsche ich, dass, was immer meine persönlichen Angelegenheiten betrifft, wie unter anderem die Anordnungen im Haus p.p. mir allein zu bestimmen vorbehalten bleibt. 

Elisabeth, Ischl, 27.8.1865 (9)

Josef Latour, Foto: Wikimedia/Commons

Dr. Hermann Widerhofer, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph gab nach. Rudolf wurde aus den Klauen des Folterers befreit. Zuerst wurde er in die ärztliche Obhut von Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901) aufgenommen, danach übernahm ihn Josef Latour von Thurmburg (*2.2.1820, †28.12.1903), zu dem Kaiserin Elisabeth ein freundschaftliches Verhältnis hatte. Doch es war zu spät. Gondrecourt hatte ganze Arbeit geleistet. Das Trauma begleitete Rudolf Zeit seines Lebens.

Erzherzogin Gisela und Kronprinz Rudolf bekamen, als sie knapp 12 und 10 Jahre alt waren, noch eine Schwester. Kaiserin Elisabeth war zum Zeitpunkt der erneuten Schwangerschaft 30 Jahre alt. Am 8.6.1867 fand in Budapest die Krönung zur Königin von Ungarn statt. Am 11.6.1867 fuhr das Königspaar nach Schloss Gödöllo, welches ihnen als Krönungsgeschenk übergeben worden war. Im November 1867 wurde in Wien die Schwangerschaft bekanntgegeben. Es stellte sich zum ersten Mal seit Jahren so etwas wie ein Familienleben ein, an welchem auch die Kinder Gisela und Rudolf teilnehmen durften. Im Jänner 1868 erfuhr Herzogin Ludovika von Sophie in einem Brief von der freudigen Botschaft.

Königin Marie von Neapel, Foto: Wikimedia/Commons

Die Schwangerschaft verlief ruhig und ohne gröbere Vorkommnisse. Elisabeth hatte es sich zum Ziel gesetzt, ihr Kind in Ungarn zur Welt zu bringen, weshalb sie sich im Februar 1868 Richtung Ofen auf machte. Sollte es ein Bub werden, beschloss sie, sollte er Stefan heißen. Stefan war der erste heilige König und beim ungarischen Volk sehr beliebt. Kaiser Franz Joseph befürchtete, dass die Geburt in Ungarn ihr in Wien viele Minuspunkte einbringen würde. Seine Frau war mittlerweile sehr unpopulär geworden. Nur noch Randnotizen in den Zeitungen und beim Volk nicht sonderlich beliebt. Ihre Schwester Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) war angereist, um ihr bei der Geburt beizustehen. Die Geburt selbst war musterhaft. Erst kurz vor der Geburt, musste die Hebamme helfen, bis dahin hatte es Marie allein geschafft. Am 22.4.1868 wurde das letzte Kind des Paares, Erzherzogin Marie Valerie Mathilde Amalie geboren.

Kaiserin Elisabeth im Krönungskleid, Foto: ÖNB

Kaiser Franz Joseph, stolz nochmals Vater geworden zu sein, telegraphierte an die daheim gebliebenen Kinder: „Sie ist recht hübsch, hat große, dunkelblaue Augen, eine noch etwas zu dicke Nase, sehr kleinen Mund, ungeheuer dicke Backen und so dichte dunkle Haare, daß man sie jetzt schon frisieren könnte. Auch am Körper ist sehr stark, und sie schlägt sehr frisch mit den Händen und Füßen herum… sie schreit sehr selten…und stinkt …“ (10) Die Kinder erschrocken über so viel Liebe in wenigen Sätzen, rückten noch näher zusammen, da sie befürchteten, die neue Schwester würde alle Aufmerksamkeit auf sich lenken. Doch es kam für die beiden noch viel schlimmer.

Erzherzogin Marie Valerie, Foto: ÖNB

Das „ungarische Kind“ wie Marie Valerie bald genannt wurde, bekam vom Wiener Hof den Namen „die Einzige“. Elisabeth selbst hatte ihr also den „Beinamen“ nicht gegeben. Wieder eine Mär mehr, die sich bis heute hartnäckig hält. „Das ungarische Kind“ entstand dadurch, dass der Tratsch des Wiener Hofes und bald des Volkes Sisi eine Affäre mit Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890) andichtete.

Elisabeth sorgte mit großem Pflichteifer dafür, dass Erzherzogin Sophie „ihr“ Kind nicht in die Obhut bekam. Die nächsten Jahre tat Kaiserin Elisabeth keinen Schritt ohne ihrer Valerie. Entweder war sie in der Obhut ihr vertrauter Menschen oder direkt bei Elisabeth selbst. Kein Tag verging, an dem sie Valerie nicht zu Bett brachte oder dafür sorgte, dass es ihr gut ging. Wollten die Geschwister sie sehen, war Elisabeth stets an der Seite ihrer Tochter. Rudolf und Gisela eiferten sehr und bemühten sich nicht sonderlich um ihre Schwester. Dies nahm ihnen ihre Mutter übel.

Schon mit drei Wochen begann für Marie Valerie das Reisen. Von Ofen nach Gödöllö, von Gödöllö nach Ischl, von Ischl nach Possenhofen usw. In Schloss Garatshausen, wo Elisabeth zu Gast ihrer Schwester Helene von Thurn und Taxis (*4.4.1834, †16.5.1890) war, schrieb sie halb hysterisch an Franz Joseph, da Valerie kränkelte. Sie habe das grässliche Gefühl von unverlässlichen Menschen umzingelt zu sein, denn sie befürchtete, dass „ihr teuerster Schatz“ durch die Amme die schlechte Milch abgebe, vergiftet worden sei. Sie entledigte sich derer und stellte eine Neue ein. Über die Ungarin, die eine Männerstimme hatte, permanente Csárdás Lieder sang und fürchterliche Angst vor Mäusen hatte, amüsierte sie sich allerdings königlich, wenn nicht sogar kaiserlich.

Stammbaum: Marie, Fotos: Wikimedia/Commons

Während sie sich fürsorglich um Marie Valerie kümmerte, vergaß sie vollends Gisela und Rudolf und sah diese nur ab und an in Wien oder in Gödöllö, wenn sie diese besuchten.

Die weiteren Schicksale der Kinder, werde ich in einzelnen Berichten erzählen, so viel sei jedoch erwähnt:

Gisela und Leopold von Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Max Emmanuel und Amelie in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzogin Gisela verheiratete sie mit 16 Jahren an Prinz Leopold von Bayern (*9.2.1846, †28.9.1930) damit dieser nicht die erwählte Braut Amelie von Sachsen-Coburg und Gotha (*23.10.1848, †6.5.1894) ehelichen konnte. In diese hatte sich nämlich ihr Bruder Max Emmanuel (Mapperl) in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893) verliebt. Um Leopold von seiner Braut loszusagen, musste sie eingreifen und ihm die Hand ihrer Tochter anbieten. Da Prinz Leopold diese nicht verwehren konnte, wurde als baldigst Hochzeit gefeiert. Die Trennung von Bruder Rudolf war tränenreich und kaum zu ertragen. Der 14jährige war nun wirklich auf sich allein gestellt. Sie starb am 27.7.1932. 

Kronprinz Rudolf ehelichte auf Druck seines Vaters die belgische Prinzessin Stephanie (*21.5.1864, †23.8.1945) und ging mit ihr eine lieblose Ehe ein, die in kräftezehrenden Streitigkeiten ausartete. Als er seine Mutter in vielerlei Hinsicht um Hilfe bat (verschiedene politische Ansichten gegenüber seines Vaters Kaiser Franz Joseph, lieblose Ehe, Krankheit, Scheidung) und diese ihn in Stich ließ, brachte er sich am 30.1.1889 in Mayerling um. Kaiserin Elisabeth trug ab diesem Zeitpunkt nur noch schwarz, zumindest wenn sie in der Öffentlichkeit stand. Mit dem Tod des Sohnes verlor sie das zweite Kind. Sie versank in Selbstmitleid und schweren Depressionen. Sie wurde rastlos und reiste von Land zu Land, um nirgendwo zu bleiben. Ihr Tod war eine Erlösung für sie.

Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie, Foto: Wikimedia/Commons

Marie Valerie und Franz Salvator, Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzogin Marie Valerie verliebte sich auf einem Ball in Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) und musste lange für diese Liebe kämpfen. Im Trauerjahr von Kronprinz Rudolf feierte sie in Bad Ischl Hochzeit. Kaiserin Elisabeth trauerte sehr um ihre Tochter und konnte deren Entscheidung so früh zu heiraten nicht verstehen. Sie reiste zu den Geburten der ersten Kinder an, was sowohl Gisela, als auch Schwiegertochter Stephanie versagt blieb. Marie Valerie war Zeit ihres Lebens ihrer Mutter für die tiefempfundene Liebe dankbar und bemühte sich nach deren Tod um ein Familienleben am Wiener Hof. Sie starb am 6.9.1924. 

Alles in allem war Kaiserin Elisabeth eine Mutter die viel zu geben hatte, aber durch die frühen Schwangerschaften einfach zu überfordert war. Auch das strenge spanische Hofzeremoniell, mit dem die Kinder aufgezogen werden sollten, war ihr Fremd. Sie selbst wurde frei und ohne großartige konventionelle Erziehungsmaßnahmen erzogen, sollte ein strenges Protokoll abhalten, was sie selbst hasste. Nur mit Marie Valerie und gereifter durch ihr Alter, konnte sie die Mutter sein, die sie sein wollte und konnte. 

~ Marie ~

kaiserliche Familie vor dem Schloss Gödöllö, Foto: Wikimedia/Commons


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie
Stammbaum: Marie
Bildrechte: Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), sternenkaiserin.com – Marie, Wikimedia/Commons, Dorotheum Wien


Literarische Hinweise:

1 – S. 75/76, 2 – S. 76/77, 3 – S. 79/80, 4 – S. 91
Elisabeth Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, TB, 8. Auflage 2017,

5 – S 22, 6 – S. 29, 10 – S 92
Martha Schad
Kaiserin Elisabeth und ihre Töchter
Piper Verlag, TB, 2. Auflage 2013

7 – S 79, 8 – S 121
E.C. Conte Corti
Elisabeth von Österreich, Tragik einer Unpolitischen
Wilhelm Heyne Verlag, 15. Auflage, 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

9 – S 26
Sisi Magazin, Kronen Zeitung – vergriffen (nur noch antiquarisch erhältlich)

Kaiserin Elisabeth als sie noch Herzogin war – eine glückliche Kindheit (Teil 1)

 

Foto: Wikimedia/Commons Bild: Anton Einsle

Sisi, Sissi, Sissy, Beta, Sethy, Liesl, Elise, Rose vom Bayernland. Viele Namen, Schreibweisen und Anekdoten ranken sich um Kaiserin Elisabeth. Zu ihrem Mythos hat viel Romy Schneider in der Sissi-Trilogie beigetragen. Dass Kaiserin Elisabeth einmal so berühmt wird, verdankt sie im Prinzip dieser wunderschönen Schauspielerin und dem Musical Elisabeth (der Beitrag kann hier nachgelesen werden).

Bevor ich mich jedoch mit ihrem ambivalenten Leben befasse, beginne ich wie immer – am Anfang.

Schon hier geht die Literatur weit auseinander. Die einen schreiben, Herzog Max sei schon während der Geburt von Elisabeth wieder über alle Berge gewesen, die Anderen sagen, er fuhr erst einen Monat später in den Orient. Was ist wahr? Was ist Legende? Was ist Film? Was ist erfunden? Auch ich werde das alles nicht aufdecken können. Aber ich werde mich bemühen, ein Licht ins Dunkel zu bringen.

Elisabeth wurde in ein Herzogshaus geboren. Demnach war ihr Titel von Geburt an: Elisabeth Herzogin in Bayern. Genau das war nämlich das Problem. Sisi war nur eine Herzogin. Ihre Mutter wurde als Königstochter geboren, wurde mit Herzog Max in Bayern vermählt und wurde demnach „königliche Herzogin“. Später sollte genau dieses „in“ Bayern Elisabeth mächtige Probleme bereiten. Was ihr widerfahren ist, würde man heute Mobbing nennen.

Ludovika haderte Zeit ihres Lebens mit ihrer Hochzeit und „Degradierung“ zur Herzogin.

Foto: Wikimedia/Commons Auguste de Beaurharnaise

Ab 1845 wurde Herzog Max in Bayern die Anrede „königliche Hoheit“ von König Ludwig I. gewährt. Was genau der Adelstitel von Herzog Max bewirkte, könnt ihr hier nachlesen.

Auch wenn das Wort „Prinzessin“ und „Prinz“ so hübsch klingen; die herzoglichen Kinder waren NIE Prinzessinnen oder Prinzen. Warum im Prinzip in fast jeder Biografie über Kaiserin Elisabeth von „Prinzessin Elisabeth“ die Rede ist, ist nicht erklärbar. Die Mär der Prinzessin wurde natürlich auch im Film „Sissi“ aufgegriffen und zieht sich durch bis zur gleichnamigen Zeichentrickserie, wo unsere dunkelhaarige Kaiserin, sogar blond ist. Aber nicht nur die Historiker und Filmregisseure dieser Welt haben diese Mär verbreitet, sondern auch die Hofzeremonienmeister jener Zeit. Wenn man sich den Chronik-Eintrag von Innsbruck* durchliest, wird man stutzig. Hier wird sogar Herzog Carl (= gemeint ist Karl Theodor) als Prinz betitelt, was schon sehr merkwürdig ist. Nicht nur, dass Elisabeth keine Prinzessin war, so waren die Buben auch niemals Prinzen. Aus heutiger Sicht kann es nur so erklärt werden, dass man annahm, dass eine königliche Tochter (also Ludovika), Prinzen und Prinzessinnen gebar. Doch der Umstand ihrer herzoglichen Heirat, verbot diesen Titel. Wenn man sich mit der Wittelsbacher Literatur beschäftigt, werden aber niemals die Buben der Familie als „Prinzen“ betitelt. Also warum Elisabeth (und manchmal auch Helene)?

Eine mögliche Erklärung liefert wahrscheinlich der bayrische Volksmund selbst. Diese betitelten die herzoglichen Töchter (und zwar nur die Töchter) gerne als „Prinzessin“. Und da später Kaiser Franz Joseph gar keine Herzogin heiraten hätte dürfen (nicht standesgemäß), wurde Elisabeth, wie sie zur Kaiserin wurde, anscheinend eine Prinzessin. Und wenn man später seine strikte Ablehnung bei unstandesgemäßen Hochzeiten sieht, ist es erstaunlich, dass er selbst hier wohl bei sich das größte Auge zudrückte. Nicht aber der elitäre, arrogante und militante Wiener Hof. Eine „nicht Prinzessin“ auf dem kaiserlichen Thron war für die Adeligen jener Zeit ein Frevel. Denn der Kaiserin-Titel hätte nur einer königlichen oder gar kaiserlichen Tochter weitergegeben werden dürfen. Und eine Prinzessin (oder Prinz) ist nur jenes Kind, welches aus einem königlichen oder kaiserlichen Hause kommt. Dies gilt im übrigen bis heute!** Aber natürlich hat ein Kaiser immer mehr Rechte, als alle anderen und so setzte er sich durch.

Bereits in den frühesten, von Kaiser Franz Joseph in Auftrag gegebenen Biografien von Kaiserin Elisabeth liest sich das so: „Auf Schloss Possenhofen erblickte Elisabeth Amalia Eugenia am 24. Dezember 1837 das Licht der Welt. Schon sehr früh zeigte die kleine Prinzessin Elisabeth ein lebhaftes Interesse für die Natur und die Vorgänge derselben, eine Neigung, die von ihren fürstlichen Eltern mit liebevoller Freude genährt und gefördert wurde.“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth von Preußen

1905 heißt es “ ….; „Prinzeß Elisabeth, als zweites Töchterchen und hochwillkommenes Christkind eingekehrt am 24. Dezember 1837 in München beim glücklichen Elternpaare…“ (2) 

In einem Kinderbuch liest sich das so: „Hört, ihr Freunde, was geschehen, an der schönen Isar Strand, hört…“ Die Stimme des Bänkelsängers klang dünn und brüchig durch die Nacht. Der Winter war in diesem Jahr schon früh mit bissiger Kälte über München hergefallen und hatte die Stadt in einen klirrenden Mantel gehüllt. Vor dem Mund des Sängers bildeten sich im Takt des Liedes kleine Wolken, sie zögerten kurz und lösten sich dann in einer eisigen Luft auf. … „Weihnachten ist, da ist das Theater geschlossen, sogar das Café Chantant im Palais Max. Aber wenns wahr ist, sorgt der Allmächtige dort gerade für höchsten Nachwuchs, prinzlichen sozusagen.“ „Oder prinzesslichen, wies der Herrgott halt will“, fügte er hinzu. (3) 

Um es zu vervollständigen, müsste ich hier ca. 20 – 25 Bücher zitieren, was ich mir – ihr verzeiht mir hoffentlich – erspare. Allerdings möchte ich euch noch ein Zitat aus einem Kinderbuch vorstellen. Geschrieben wurde es von der Historikerin Gabriele Praschl-Bichler: „Vite! Vite! Les enfants! Viiite!“ („Rasch! Rasch, Kinder! Raaasch!“) Eine Gouvernante treibt die ihr schutzbefohlenen Mädchen zum rascheren Gehen an. Dabei spricht die Erzieherin mit den Kindern französisch, weil das damals alle feinen und gebildeten Leute taten. Vor dem Palast des Herzogs Max in Bayern herrscht reges Leben. Das Einfahrtstor steht weit geöffnet, Bedienstete strömen auf die Straße. Lieferanten, Künstler und andere bunte Gestalten bevölkern den Platz vor dem Gebäude. „Die Herzogin ist wirklich zu bemitleiden! Eben hat sie ein Mädchen geboren und schon ist ihr Mann wieder davon! Ein rechter Zugvogel ist der gute Herzog halt…pardon, wenn man das so sagen darf! Es heißt, dass er sich in Griechenland aufhält, um dort…“ …. Ganz nebenbei, wie heißt das Mädchen eigentlich? „Die kleine Tochter des Herzogs.“ „Man hat sie Elisabeth genannt.“ (4) Hier ist das erste Mal von keiner „Prinzessin“ die Rede.

Elisabeth Amalie Eugenie wurde am 24.12.1837 im Herzog Max Palais in München geboren. Ihre Mutter war Herzogin Ludovika in Bayern (*30.8.1808, †26.1.1892), eine geborene Prinzessin von Bayern. Ihre Biografie kann hier nachgelesen werden. Ihr Vater war Herzog Max Joseph in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888). Seine Biografie kann hier nachgelesen werden. Die Ehe der beiden verlief alles andere als glücklich; dennoch bekamen sie im Laufe der Jahre 10 Kinder, wovon 8 das Erwachsenenalter erreichten.

 

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: Marie Festetics

Foto: Wikimedia/Commons Herzogin Ludovika, Herzog Ludwig, Herzogin Helene und die kleine Herzogin Elisabeth (im Kinderwagen)

Sisi, wie sie in der Familie liebevoll genannt wurde, wuchs also zunächst mit Bruder Ludwig und Schwester Néné (Helene) auf. Ihr Lieblingsbruder Gackel (Carl Theodor) sollte direkt nach ihr geboren werden. Marie, Mathilde, Sophie und Nesthäckchen Mapperl (Maximilian Emanuel) folgten nach.

Der 24.12.1837 war ein Sonntag, weshalb sie von sich selbst immer behauptete, sie sei ein Sonntagskind. Zu dem hatte sie bei der Geburt schon einen Zahn – was damals als Glückssymbol galt. Ein glückliches Leben wurde der jungen Herzogin immer vorausgesagt. Wie oft hat Sisi wohl davon geträumt?

Foto: Sisi Museum, Hofburg, Taufkleid von Herzogin Elisabeth

Am Stefanietag, dem 26.12.1837, wurde das kleine Mädchen unter Beisein ihrer beiden Patentanten Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) und Auguste de Beauharnais (*21.6.1788, †13.5.1851) (Auguste war eine Halbschwester von Herzogin Ludovika. Sie wurde als Auguste Amalia Ludovika von Bayern geboren) getauft. Von beiden erhielt sie deshalb die Vornamen: Elisabeth Amalie Eugenie
Woher Eugenie kam, ist leider nirgends erklärt. Vielleicht aber ist es ein Erbe ihrer Taufpatin Auguste Amalia, da diese mit Eugené de Beauharnais (*3.9.1871, †21.2.1824) vermählt, zum Zeitpunkt der Taufe allerdings bereits verwitwet war.

Es wird immer wieder davon berichtet, dass Elisabeth ein Wildfang gewesen sei. Sie konnte nicht stillsitzen, tat sich mit dem Lernen schwer und am liebsten beschäftigte sie sich in der Natur. Als sie 9 Jahre alt war, holte Herzogin Ludovika Baronin Luise Wulffen ins Haus, die ihre liebe Not mit Sisi hatte. Wulffen beschrieb Elisabeth als zart und überempfindlich. (5)

Foto: Wikimedia/Commons Holzbüste Anton Fernkorn Herzogin Elisabeth, ca. 10 Jahre alt

Reiten war schon als Kind ihre große Leidenschaft, weiters schrieb sie Gedichte, lief gerne in den Wald und schwamm stundenlang im See. Schwimmen war generell eine Lieblingsbeschäftigung von ihr. Auch später. Angeblich soll es ihr Vater gewesen sein, der den Kindern das Schwimmen beibrachte. Ob das wirklich wahr ist oder nur eine Mär, kann ich leider nicht sagen. Max war leider viel zu selten daheim und hatte kaum Gelegenheit, seine Kinderschar kennen zu lernen. Er und Ludovika waren nur eine Zweckgemeinschaft. Ludovika verwand es als Königstochter nie, „unterm Wert“ verheiratet worden zu sein. Ihre weiblichen Geschwister wurden alle Königinnen oder sogar Erzherzogin. Max selbst frönte dem „Dandy“-Leben. Er hatte Beziehungen nebenbei, dem sogar zwei (oder mehrere) uneheliche Kinder entstammen sollen. Seine leibliche Kinderschar war ihm eine Last, zu dem galt er als aufbrausend und herrschsüchtig.

Auch ob Sisi wirklich jemals das Lieblingskind von Max war, kann ich ebenfalls nicht mit Bestimmtheit sagen. Auch hier geht die weitläufige Literatur auseinander. Ich habe für diesen Artikel mehr als 25 Bücher gewälzt, aber einig waren sich die Historiker nie. Wie erwähnt, war Herzog Max kaum zu Hause. Im Prinzip kam er, um mit Ludovika Nachkommen zu zeugen und verließ zeitig genug wieder das Haus, bis es zur nächsten Geburt kam. In der Zwischenzeit kümmerte er sich um seine Zither, nannte Postbedienstete und Normalbürger seine Freunde und lud zu häufigen Kartenspielabenden ein. Er hielt sich entweder in seinem Lustschlössl Aichach (heute hat es den wohlklingenden Namen „Sisi Schloss Aichach“) auf, oder ging als baldigst wieder auf Reisen.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie   Schloss Aichach

Bis zu ihren 3ten oder 4ten Lebensjahr soll die kleine Sisi öfters mit ihren Eltern in Aichach residiert haben. Ein Maler hat sich des Familienidylls angenommen: Max in der Zille, in der offenen Türe steht Ludovika mit Sisi. Reizend ist es ja, das Bild. Aber ob das jemals so stattgefunden hat? Sehr fraglich.
Die Mär vom lieben Papa hat Gustav Knuth in den Sissi Filmen geprägt. Und so mögen wir das heute immer noch glauben.

Sisi war auf jeden Fall dem Charakter von Max nicht unähnlich. Persönlich gesehen, glaube ich, dass das der Grund war, warum er sich ihr am meisten verbunden fühlte. Dies nahm übrigens im Alter wieder ab. Sisi war die Einzige, die nicht zum sterbenden Vater geeilt kam (übrigens auch nicht zur Mutter, da ihre „Einzige“, Marie Valerie, in den Wehen lag). Unpässlich soll sie gewesen sein und weilte viel lieber auf Korfu. Aber ich greife viel zu weit vor.

Foto: Wikimedia/Commons Sisi und Gackel (Karl Theodor, Hund Bummerl

Max und Sisi liebten das Reiten und die Pferde. Beide dichteten, malten, zeichneten und spielten Zither. Die unbändige Liebe zur Natur hatte sie von ihrer Mutter geerbt. Auch die Scheu vor Menschen und dem Angegafftwerden war ein Erbe ihrer Mutter. Die Liebe zur Freiheit und Reisefreude hat sie wohl eher wieder vom Max mitbekommen. Somit hatten ihre wesentlichen Wesenszüge eher der Vater, die Scheu vor Menschen eher die Mutter hinterlassen.

Max hatte in seinem großzügigen Stadtpalais eine Zirkushalle errichten lassen. Dort gab er für das zahlende Publikum Zirkusvorstellungen. Elisabeth, der er als Kind das Kunstreiten beibrachte, durfte gemeinsam mit ihrem Vater Kunststücke vorzeigen. Das Publikum raste vor Begeisterung. Ludovika sicherlich auch, aber aus anderen Gründen, denn die königliche Tochter sah es gar nicht gern, dass ihre Tochter fast zu einem Buben erzogen wurde.

Néné war das hausbackene Kind: brav am Nähen und Sticken, immer bei der Mutter und nie bei den übrigen Kindern. Sisi hingegen tobte mit Gackel (Karl Theodor), der ihr Lieblingsbruder war und Ludwig umher.

 

Foto: Peter Bierl Buch- & Kunstantiquariat
Schloss „Possi“ Possenhofen

Doch Sisi hatte auch ihre sehr stillen und einsamen Momente. Schon früh zeigte sich eine Melancholie, die in späteren Jahren zu einer Depression heranreifen sollte. Auch diese Art des Charakters, erbte sie von ihrer Mutter. Sie hat Scheu vor Menschen, vor allem vor Fremden. Doch diese sind selten in Possenhofen, weshalb sie dort am liebsten ist. Das Herzog Max Palais in München ist nur für die Wintermonate, da Schloss Possenhofen, von der Familie liebevoll „Possi“ genannt, nicht beheizbar ist. Doch kaum in Possi, läuft sie beinahe jeden Tag ohne Schuhe herum. Contenance und Etikette, Politik und Weltherrschaft, was kümmert es die kleine Elisabeth und ihre Geschwister? Der königliche Hof nahm keine Notiz von ihr. Die Briefe, die Ludovika mit ihrer Schwester Sophie im fernen Wien schrieb, waren nicht von Interesse.

Frei, ungezwungen, neugierig und lebenslustig, so beschreibt man Sisi in der Literatur, und ich persönlich glaube, dass sie das auch war. Fast ein Bauernmädel. Ihre beste Freundin wird Irene (*24.9.1839, †21.8.1892), die Tochter des Nachbarn Hermann Franz Joseph Carl Graf von Paumgarten (*19.7.1806, †11.1.1846). Gackel, Irene, David (Bruder von Irene) und Sisi werden zu einer Einheit. Gemeinsam erkundete man die Wälder, den Starnberger See, kletterte auf Bäume und verbrachte viel Zeit – mit Nichtstun. Ludovika hatte ihre liebe Not, die Kinderschar zum Lernen zu bewegen. Kam der Vater zu „Besuch“, holte er die Kinder aus dem Unterricht, tobte mit ihnen im Schnee, ging Schwimmen oder stibitzte das Obst von den Bäumen.

Im Jahre 1843 trafen sich Erzherzog Franz Joseph und die junge Sisi das erste Mal. Franz Joseph war 13 Jahre, Elisabeth 5 Jahre alt. Franz Joseph schrieb in sein Tagebuch:

Foto: sternenkaiserin.com -Marie Erzherzog Franz Joseph, 1844, mit Genehmigung vom k.u.k. Museum Bad Egart

2.9.1843

Um 7 Uhr fuhren wir von München weg und kamen um viertel auf zehn in Possenhofen an. Wir fanden dort Herzog Max und alle seine Kinder bis auf Louis, welcher in der Schweiz ist. Wir frühstückten mit der Tante Louise, der Helene, der Elise und dem sehr netten aber fast verzogenen Kakl. Um 10 Uhr ging wir in die dumpfe Kapelle, um die Messe zu hören, wo mir übel wurde, so daß man mich aus der Kapelle zu einem offenen Fenster tragen mußte, wo mir wieder gut wurde; darauf legte ich mich auf das Bett. Um 12 Uhr fischte ich und Graf Bombelles mit dem Herzog, wobey wir 20 Birschlinge und Weißfische fingen.“ (6)

Doch schon bald zeigte sich auch die Etikette der Verwandtschaft. 1848 machte Ludovika mit den Kindern Gackel, Néné und Sisi einen längeren Ausflug, der nach Tirol an den Aachensee führte. Von dort fuhren sie nach Jenbach, um am 10.6.1848 in Innsbruck einzutreffen. In der Hauschronik liest sich das so: „Um 9 Uhr Abends langte auf Besuch die Schwester Ihrer k.H. der Erzherzogin Sophie die Gemahlin des Herzogs Maximilian von Baiern I.k.H. die Prinzessin Louise mit Ihrem Sohne Prinz Carl und 2 Prinzessinnen Töchter Helene und Elisabeth und Suite hier an, und wurde an der Burgstiege von Ihrer Familie begrüßt. In Ihrem Gefolge befindet sich Ihr Hofmarschall Baron v. Freyberg. Die Frau Herzog wurde im Damenstifts-Gebäude einlogiert.“ (7) (*Ich rufe meine Einleitung zum Thema „Herzogin“ und „Herzog“ von weiter oben in Erinnerung).

Am 19.6.1848 findet sich folgender Eintrag: „Heute ist S.k.H. Prinz Karl von Baiern, und dann später I.k.H. die Herzogin Louise von Baiern mit Sohn und 2 Töchtern k.H. nach München abgereist.“ (8) In dieser Zeit musste Sisi sicherlich still sitzen und bei Tisch ordentlich essen.

Foto: APA, Sisi Museum Hofburg, Kinderschuhe von Herzogin Elisabeth mit herzoglichen Wappen

Franz Joseph war zu diesem Zeitpunkt knapp 18 Jahre alt, Sisi knapp 11 Jahre. In der Literatur liest man immer von „die 13jährige“, doch Elisabeth ist am 24.12.1837 auf die Welt gekommen. Sie kann also im Juni 1848 nicht 13 Jahre alt gewesen sein. Außerdem war Kaiser Franz Joseph um 7 Jahre älter als seine geliebte „Engels-Sisi“. Ebenso liest man häufig „Kaiser Franz Joseph und Elisabeth trafen erstmals aufeinander“. Auch das ist nicht korrekt. Erzherzog Franz Joseph wurde erst am 2.12.1848 zum Kaiser gekrönt und das erste Aufeinandertreffen war 1843. Korrekt ist jedoch, dass er sich aus Sicherheitsgründen in Innsbruck aufhielt. In Wien tobte eine heftige Revolution.

In vielerlei Hinsicht konnten die Zwei in Innsbruck nichts miteinander anfangen. Sisi war noch ein Kind, Erzherzog Franz Joseph musste sich mit der politischen Lage beschäftigen. Ein Umstand, den er vielleicht in späteren Jahren tief bereut hatte. Elisabeth, scheu und sehr schüchtern, freundete sich mit dem knapp 15jährigen Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, †19.5.1896) an. Sie tobten durch die Hofburg Innsbruck, heckten Streiche aus und ärgerten mit Sicherheit Erzherzogin Sophie. Die beiden waren sich so zugetan, dass sie sich eine zeitlang Briefe schrieben. Sogar kleinere Geschenke wurden ausgetauscht. Doch das Interesse von Sisi an Karl Ludwig ebbte ab, nach dem ihre Mutter sie immer und immer wieder an ihn erinnerte und sich ihn als Heiratskandidat vorstellen konnte. Wie oft wird sich Elisabeth in späteren Jahren wohl Karl Ludwig als Mann zurückgesehnt haben? 1850 besuchte Elisabeth gemeinsam mit ihrem Bruder Ludwig, ihrer Schwester Néné und ihrer Mutter Ludovika das beschauliche Dörfchen Oberammergau.

Foto: pressreader Zeichnungen von Sisi und eine Glückwunschkarte von Sisi an Gackel

Anfang April 1853 wurde Elisabeth gefirmt. Leider lässt sich in keinem Buch das genaue Datum, der Firmpate und der Ort eruieren. Über der Firmung lag allerdings ein trauriger Schatten, der Elisabeth seelisch aus der Bahn warf. Sie war das erste Mal mit dem düsteren Tod konfrontiert. Ihr langjähriger Spielkamerade David Paumgartner (*31.1.1838) starb am 20.3.1853 15jährig nach einer Lungenentzündung.

Sisi verfiel in ihre erste Trauer. Der Tod Davids belastete die 15jährige sehr. Klammheimlich führte sie ein Tagebuch, in welches sie folgendes Gedicht an schrieb:

 

Du bist so jung gestorben
Und gingst so rein zur Ruh‘; 
Ach, wär‘, mit dir gestorben,
Im Himmel ich wie du. (9)

Von nun an sollte der Tod ihr ständiger Begleiter werden. Die ersten Wehklagen Richtung Tod waren verfasst, als sich die 15jährige erstmals verliebt. Am herzoglichen Hof begegnete sie dem jungen, sehr hübschen Richard Graf von Schwarzenberg. Die beiden verliebten sich ineinander und trafen sich heimlich am Tor, wo ihr Richard ein Bild von sich gibt. Sie schrieb:

Oh, ihr dunkelbraunen Augen, 
Lang hab ich euch angesehn,
Und nun will mir euer Bildnis
Nicht mehr aus dem Herzen gehen… (10)

Doch Ludovika kam den beiden auf die Schliche. Sie beschlagnahmte sein Bild und verbat Elisabeth jegliche Kontaktaufnahme. Der junge Mann sei der jungen Herzogin nicht würdig. Zur Sicherheit lässt sie Richard aus dem Offiziers-Hofdienst versetzen. Ein schwerer Fehler von Ludovika, wie sich später noch herausstellen sollte.

Sisi verfällt in Wehklagen:

Du frische junge Liebe,
So blühend wie der Mai, 
Nun ist der Herbst gekommen
Und alles ist vorbei. 

Und nun ist er mir so ferne
Und ich seh ihn gar nie. 
Ach, ich wollt zu ihm wohl gerne, 
Wüßt‘ ich nur, wohin und wie. (11)

Richard kommt nie mehr wieder. Er wird in der Armee krank, kehrt zurück und starb. Die 15jährige verfällt in tiefe Trauer:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen –
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (12)

Doch bald schon verliebte sich die junge Elisabeth erneut. Um nicht noch einmal Gefahr zu laufen, erwischt zu werden, hält sie den Namen geheim. Ein Graf aus der Nachbarschaft hatte ihr Herz verzaubert.

Zu lang hab‘ ich gewendet
Mein Aug‘ aufs Antlitz dein, 
Und nun bin ich geblendet
Von seiner Schönheit Schein. (13)

Sisi schläft und isst nichts. Ihre Gedanken kreisen nur noch um „ihn“.

Wenn der erste Sonnenstrahl
Mich des Morgens grüßt, 
Frage ich ihn jedesmal, 
Ob er dich geküßt. 

Um den goldenen Mondenschein
Bitt ich jede Nacht, 
Daß von mir er insgeheim
Dir viel Liebes sagt. (14)

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth, als ca. 15jährige, 1. bekannte Fotografie

Doch der Angehimmelte will von Elisabeth nichts wissen. Als sie es merkt, wehklagt sie wieder:

Denn ach, ich kann ja nimmer hoffen 
Daß liebend je Du Dich mir neigst. 
Die harte Wahrheit sah ich offen
’s ist Freundlichkeit nur, was Du zeigst. (15)

Mittlerweile ist Ludovika für Elisabeth auf Brautschau. Um geeignete Heiratskandidaten zu finden, lässt sie ihre Tochter fotografieren. Es ist die erste und einzige Fotografie von Elisabeth, die sie unverheiratet zeigt.

In der ersten autorisierten Biografie von Othmar Kleinschmid liest sich Elisabeths Erscheinung so:

„Prinzessin Elisabeth ist hoch, schlank, leicht und anmutig, ihr Wesen graziös, belebt, das tiefblaue Auge voll träumerischen Glanzes, die Schönen Züge, aus denen das dichte, braune Haar in vollen Wellen zurückgestrichen ist, reizvoll, ausdrucksvoll und mit rosigem Teint überzogen der Eindruck im ganzen: milder Ernst und zarte Weiblichkeit.“ So beschreibt sie ein Schriftsteller, welcher das Glück genoß, die fünfzehnjährige Prinzessin zu schauen.“ (16)

Ebenfalls 1853 schickte Ludovika sie nach Dresden, zu ihrer Schwester Königin Auguste von Sachsen. Sie schrieb in ihr Tagebuch: „Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich auf ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre, wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen…. hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug.“ (17)

Foto: Wikimedia/Commons König Georg von Sachsen

Mit „der zu hoffen wäre“ war Prinz Georg (*8.8.1932, †15.10.1904) gemeint. Er war der Sohn von Königin Auguste und König Johann. Jener Familie, in der auch Kaiser Franz Joseph Ausschau halten sollte. Prinzessin Sidonie sollte seine Braut werden, doch die lehnte Kaiser Franz Joseph ab. Den Beitrag zu Franz Josephs Frauen könnt ihr hier lesen.

Elisabeth kam ohne Bräutigam von Dresden zurück. Ludovika war verzweifelt. Doch im August sollte sich das Blatt für die junge schöne Elisabeth wenden.

Eine Verlobung (der Beitrag ist hier) stand ins Haus und mit ihr nahm das ganze Drama seinen Lauf.

~ Marie ~

 

Foto: Hickl
Herzogin Elisabeth als Verlobte, mit Miniaturbild mit Kaiser Franz Joseph

 


Rechtliche Hinweise:
Text: Marie
Bildrechte: Wikimedia/Commons, Sisi Museum Hofburg, pressreader, sternenkaiserin.com – Marie, k.u.k. Museum Bad Egart, Peter Biel Antiquariat, APA, Hickl


**Ich möchte mich ausdrücklich bei Historiker Alfons Schweiggert bedanken, der mir das Wirr-Warr der Adelstitel und das Thema „Herzogin Elisabeth“ und nicht „Prinzessin Elisabeth“ näher brachte.


Literatur Hinweise:

1 – S. 10
Hauptmann Robert Rostock 
Erinnerungsblätter an Weiland Ihre Majestät Kaiserin und Königin Elisabeth
k.u.k. Hofbuchdruckerei A. Haase, Prag (nur noch antiquarisch erhältlich)

2 – S. 6, 16 – S 7/8
Othmar Kleinschmied 
Kaiserin Elisabeth
Druck und Verlag des kathol. Preßvereines, 1905 (nur noch antiquarisch erhältlich)

3 – S 20, 22
Sigrid Laube
Sisi, das Kind der Sonne
Jungbrunnen, 1. Ausgabe, 2004 (nur noch antiquarisch erhältlich)

4 – S. 15
Gabriele Praschl-Bichler
Elisabeth Kaiserin von Österreich genannt Sisi
Amalthea, 1. Ausgabe, 2003 (nur noch antiquarisch erhältlich)

5 – S. 23
Johannes Thiele
Elisabeth Ihr Leben. Ihre Seele. Ihre Welt
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2011 (nur noch antiquarisch erhältlich)

6 – S. 23, 7 – S. 14/15, 8 – S. 15
Hans Rödlhammer
Elisabeth Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn
Verlag Kulturverein Schloss Ebelsberg, 1. Auflage, 1983 (nur noch antiquarisch erhältlich)

9 – S. 24, 10 – S. 25
E.C. Conte Corti
Elisabeth von Österreich Tragik einer Unpolitischen
Heyne Sachbücher, 15. Auflage, 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

11 – S. 53, 12 – S. 53/54, 13, 14, 15 – S. 54/55
Johannes Thiele
Elisabeth Das Buch ihres Lebens
List Verlag, 1. Auflage, 1996 (nur noch antiquarisch erhältlich)

17 – S. 18
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper TB, 8. Auflage, 2017

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth – eine ambivalente Ehe (KFJ Teil 6)

Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph, Foto: Wikimedia/Commons

Im vorletzten Teil meiner Reihe über das Leben von Kaiser Franz Joseph wenden wir uns dem Ehepaar zu. Was wurde uns in den Sissi-Filmen mit Karlheinz Böhm und Romy Schneider als Kaiser Franz Joseph und Sissi nicht alles vorgegaukelt. Dass es nichts mit der Realität zu hatte, werde ich hier aufzeigen.

Schon bald nach der strapaziösen Hochzeit (den Beitrag findet ihr hier) den Flitterwochen, die Sisi zumeist, nur in Gesellschaft ihr völlig fremder Hofdamen in Schloss Laxenburg verbringen musste, ging es auf Repräsentationsfahrt durchs halbe Land. Vor allem Böhmen und Mähren standen auf dem Plan. Zwei Monate nach der Hochzeit wurde Sisi schwanger.

Die erste Zeit lebten Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph im Schloss Laxenburg. Ein bis drei Mal die Woche besuchten Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl die Schwangere. Sophie machte sich große Sorgen, da sie selbst elf Fehlgeburten ertragen musste.

Erzherzogin Sophie Friederike, Foto: Wikimedia/Commons

Die Schwangerschaft verlief komplikationslos und am 5.3.1855 wurde die kleine Prinzessin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha († 29.5.1857) geboren. Es ist nicht korrekt, dass sich Erzherzogin Sophie in die Namensgebung einmischte. Es war damals Brauch, den Namen der Großmutter zu wählen. In diesem Fall wurde Sophie als Namenspatin auserkoren. Zumindest behauptet dies die Sophie-Biografin Ingrid Haslinger. Brigitte Hamann schrieb wiederum, dass Sisi sich dem Regiment der Schwiegermutter widerstandlos zu fügen hatte. Das Kind erhielt den Namen Sophie, die Großmutter wurde Patin.

Auffällig war, dass Herzogin Ludovika bei der Erstgeburt nicht dabei war. „Die Mutter der Kaiserin verweilt auf ihrem Landsitze, worüber man sehr erstaunt ist. Sie soll keine Einladung erhalten haben Jedes Ding hat seine Ursache…“ (1)

Kaiser Franz Joseph war überglücklich seine schöne starke Tochter in Händen zu halten. Sisi war erschöpft, aber überglücklich.

Die traurige Geschichte zu Prinzessin Sophie könnt ihr hier nachlesen.

Die ersten Jahre der Ehe können als glücklich angesehen werden. Franz Joseph machte aus seiner Verliebtheit keinen Hehl. Auch Elisabeth dürfte ihrem jungen feschen Mann sehr zugetan gewesen sein.

Erzherzogin Gisel(l)a im Alter von 4 Jahren, Foto: Dorotheum Wien

Was die Kindererziehung betrifft, gehen abermals die Biografen Haslinger und Hamann weit auseinander. Obwohl auch Hamann den Zwist relativiert, scheibt Haslinger von Eitel Wonne seitens Sophie. Fakt ist: der Konflikt, nach dem Erzherzogin Gisella Louise Marie (*12.7.1856, †27.6.1932) geboren wurde, verschlechterte sich seitens Kaiserin Elisabeth zusehends. Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) wurde Taufpatin, reiste aber selbst zur Taufe des Kindes nicht an. Es hieße, sie wolle Erzherzogin Sophie nicht im Wege stehen.

Gisella, die sich später selbst immer nur Gisela schrieb, wurde ebenso wie die kleine Sophie sofort in die Privaträume von Erzherzogin Sophie verlegt, wo sich Kinderfrau Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1892) aufhielt. Diese war für die Erziehung zuständig. Sie wurde von Erzherzogin Gisela und später von Kronprinz Rudolf sehr geliebt. Ihr liebevoller Spitzname „Wowo“ blieb ihr für den Rest ihres Lebens.

Ingrid Haslinger schreibt in ihrer Sophie-Biografie, dass Kaiserin Elisabeth selbst ihrer Mutter gegenüber gestanden hätte, nichts mit Kleinkindern anfangen zu können. Dem widerspricht sich wiederum Brigitte Hamann, die darüber philosophiert, wie sehr Elisabeth es genossen hätte, als Marie Valérie zur Welt kam.  Wir richten daher den Blick auf die gemeinsame Reise 1856 nach Kärnten und in die Steiermark.

 

Kaiser Franz Joseph Statue, Kaiser Franz Joseph Höhe, Großglockner, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Gedenktafel unter dem KFJ Denkmal, Großglockner, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Kaiserin Elisabethruhe, Großglockner, Foto: geo.de

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth erlebten eine Zeit, die vom strengen höfischen Zeremoniell komplett abgewandt war. In Lederhose, mit Gamsbarthut und im knappen Lodenkostüm mit derben Bergschuhen machten sich die beiden auf, das Hochgebirge zu erkunden. Auch der Großglockner wurde bestiegen. Als Elisabeth nach drei Stunden Bergmarsch eine Pause machte (sie war noch geschwächt durch die Geburt von Gisela), wurde die Wallnerhütte einfach in „Elisabethruhe“ umbenannt. Kaiser Franz Joseph stieg derweil mit einem Bergführer auf den Hohen Sattel zum Pasterzengletscher, welcher heute „Franz-Joseph-Höhe“ heißt.

Als die beiden zurückkamen, war die Ehe gestärkt und Franz Joseph lehnte sich erstmals (und letztmals) gegen seine Mutter auf. 

Er ließ nach der Ankunft die Kinderzimmer in die Radetzky-Räume verlegen; allerdings ohne dass seine Mutter Sophie dies wusste. Diese befand sich zu dieser Zeit in Bad Ischl. Als sie zurückkam und die Veränderung sah, reagierte sie mehr als nur erbost. Ein Schreiben von Kaiser Franz Joseph an seine Mutter zeugt von dieser Auflehnung: „Ich bitte Sie jedoch inständigst, Sisi nachsichtig zu behandeln, wenn sie vielleicht eine zu eifersüchtige Mutter ist, – sie ist ja doch so eine hingebende Gattin und Mutter!, Wenn Sie die Gnade haben, die Sache ruhig zu überlegen, so werden Sie vielleicht unser peinliches Gefühl begreifen, unsere Kinder ganz in Ihrer Wohnung eingeschlossen mit fast gemeinschaftlichem Vorzimmer zu sehen… Übrigens fällt es Sisi gar nicht ein, Ihnen die Kinder entziehen zu wollen… Sehr betrübt hat mich alles, was Sie, liebe Mama, an diese einfache Maßregel knüpfen. Nie würde ich es zugeben, daß Sie Ihre jetzige Wohnung verlassen oder gar, was ich nicht gelesen haben will, ganz aus der Hofburg ziehen würden.“ (2)

Wir können also davon ausgehen, dass es hier zu massiven Problemen kam. Sophie drohte mit Auszug, Elisabeth triumphierte. Sie wurde generell immer stärker. Ihre zurückhaltende Art, ihre Ängste und ihre Weinattacken wurden immer weniger. Sie bemerkte wohl immer mehr, dass sie mit dem Titel „Kaiserin“ Macht hatte, die man ihr so leicht nicht mehr wegnehmen konnte.

Dr. Johann Nepomuk Seeburger, Foto: Wikimedia/Commons

Dr. Johann Nepomuk Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) stellte zu seinem Entsetzen fest, dass Kaiserin Elisabeth sich auf den Auslandsreisen 1856/7 nach Mailand und Venedig nicht schonte. Auch im strömenden Regen stand sie ihrem Mann bei, während er die endlosen Paraden abnahm. Kaiser Franz Joseph, der sehr frostig empfangen wurde und mit einigen Attentatsversuchen zu kämpfen hatte, merkte, dass alle Augen auf seine schöne Frau gerichtet waren. In Staatskleidung stand sie fest hinter ihm. Ihre Lunge machte nicht mehr lange mit. Dr. Seeburger warnte die junge Kaiserin, die nicht hören wollte. Bei Kaiser Franz Joseph blitzte er vollkommen ab. „Ein Pantoffelheld sei er“, beklagte er sich.

Der Hass, der Unmut und das Risiko, dass Kaiser Franz Joseph in Italien entgegenschlug bzw. dem man sich aussetzte, waren der jungen Frau völlig fremd. In Bad Ischl jubelten die Menschenmengen, in Wien huldigte man dem Kaiserpaar, in Kärnten und der Steiermark führten sie beinahe inkognito gemeinsame Bergtouren aus. Was ihr in Wien verhasst war, wurde ihr in Italien recht: Präsentieren, schön sein und im Grunde genommen, wenig Meinung zu haben. Kaiser Franz Joseph verfiel seiner Frau immer mehr. Dass sie absichtlich die Kinder in die Gefahrenzone brachte, bemerkte niemand, außer Erzherzogin Sophie. Der Konflikt ab 1856 war unausweichlich immer mehr zum Problem geworden.

Erzherzog Franz Karl, Foto: austria-forum.org

Als Tochter Sophie starb, war die Trauer groß. Sisi brach zusammen, Franz Joseph überstand die Krise nur mit Disziplin und innerer Härte. Erst sehr viele Jahre später, sollte Erzherzogin Marie Valerie ihren Vater um Baby Sophie trauern sehen: 20. – 22.9.1898 „Mit Papas Gutheissung wird Mamas Toilettenzimmer in der Villa Hermes mit all den gewohnten Sachen hergerichtet… Erinnerungen tauchen auf – längst vergangenes Weh – auch an das baby, das ihr vor mehr als 40 Jahren vorausgegangen, nach denen Papa jetzt fragt, die er aufbewahrt wissen und doch nicht sehen will. Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich ihn vom „baby“ sprechen hörte…“ (3)

Kronprinz Rudolf als Kleinkind, Foto: Nationalbibliothek

Am 23.8.1858 kam nun endlich der große Stammhalter, Kronprinz Erzherzog Rudolf Franz Karl Joseph zur Welt (†30.1.1889). Erzherzog Franz Karl wurde sein Taufpate. Mit der Geburt von Rudolf änderte sich schlagartig Elisabeths Laune. Kaiserin Elisabeth wurde auch jetzt wieder nicht von Erzherzogin Sophie gestattet, das Kind selbst zu stillen. Rudolf wurde in die Arme der bäuerlichen Amme Marianka gelegt. Sisi wurde schwer krank. Sie bekam Fieber und litt unter Milchandrang. Als sich ihr Zustand bis zum Winter nicht gelegt hatte, wurde Herzogin Ludovika gerufen.

Kaiser Franz Joseph musste sich seinen Staatsgeschäften hingeben und hatte für die Rekonvaleszenz seiner Frau wenig über. Der Krieg mit Italien 1859 brach aus. Nach dem Graf Grünne und seine Generäle an einigen Schlachten maßlos scheiterten, reiste Kaiser Franz Joseph selbst an die Front. Kaiserin Elisabeth brach beinahe zusammen, als sie von dem Vorhaben erfuhr. Sie begleitete mit den Kindern ihren Mann bis nach Mürzzuschlag. Dort übernahm Generaladjutant Karl Ludwig Graf von Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884) Kaiser Franz Joseph. Elisabeth heulte ohne Unterlass. Sie bettelte Graf Grünne, dem sie zu diesem Zeitpunkt noch vertraute, um Folgendes an:

Graf Karl Ludwig Grünne, Foto: Wikimedia/Commons

 „Sie denken gewiß immerwährend an Ihr Versprechen und geben recht acht auf den Kaiser; das ist mein einziger Trost in dieser schrecklichen Zeit, daß Sie es immer und bei jeder Gelegenheit tun werden. Wenn ich nicht diese Überzeugung hätte, müßte ich mich ja zu Tode ängstigen. Aber was an Ihnen liegt, werden Sie gewiß auch Thun, um den Kaiser zu bewegen, bald zurückzukommen und Ihn bei jeder Gelegenheit daran zu erinnern, daß Er ja auch in Wien so nothwendig ist. Wenn Sie wüßten, wie ich mich gräme, hätten Sie gewiß Mitleid mit Mir.“ (4)

Hier beginnen nun die erhaltenen und veröffentlichten Briefe von Kaiser Franz Joseph an seine Elisabeth. Diese begannen am 31.5.1859 und endeten am 10.9.1898 (jenen Brief, den Kaiserin Elisabeth nie mehr lesen sollte).

„Verona, 31.5.1859, Meine liebste Engels Sisi, Die ersten Augenblicke nach dem Aufstehen benütze ich, um Dir diese wenigen Zeilen zu schreiben und Dir wieder zu sagen, wie sehr ich dich liebe und wie ich mich nach Dir und den lieben Kindern sehne. Wenn es Dir nur recht gut geht und du Dich so fleißig schonest, wie Du es mir versprochen hast. ……. Es regnet hier alle Tage. Gestern bei meiner Ankunft hat es so gegossen, wie bei unserem nassen Spazierritte. Ich umarme und küsse Dich von ganzem Herzen, mein einziger Engel. Dein treuer Franz – Lasse, bitte, Mama von diesem Briefe wissen, was sie interessirn kann.“ (5)

Erzherzogin Sophie, Foto: Wikimedia/Commons

Wochenlang schrieb Kaiser Franz Joseph aus dem Kriegsgebiet. Teilweise erzählt er von Divisionen, die gerade eingetroffen waren, von Mätressen diverser Generäle, Herzöge oder sonstigen Adeligen, der Sehnsucht nach seiner Engels Sisi und den Kindern. Da die Briefe von Kaiserin Elisabeth (angeblich) nicht erhalten sind, kann man an den Antworten, die Kaiser Franz Joseph verfasste, nur erahnen, was Sisi zurückschrieb.

Handschrift von Kaiser Franz Joseph, Foto: Nationalbibliothek

„Verona den 4. Juni 1859 Mein, lieber einziger Engel! Tausend Dank für Deine lieben Briefe vom 31. und 1., die ich gestern und heute erhielt und für das Billet der lieben Gisela. Auch für die Zusendung des Blattes über Land und Meer und des Vergißmeinnichtes danke ich Dir innigst. Wenn ich nur auch über Dich und Deine theure Gesundheit beruhigt sein könnte. Ich beschwöre Dich, mein Engel, schone Dich und gräme Dich nicht zu sehr, denn mir geht es ganz gut, ich gebe Acht auf mich und ich werde nicht vergessen, was ich Dir versprochen habe und was ich Dir, den Kindern und der Monarchie schuldig bin. Schreibe mir doch auch, was Du machst und wie Du und die Kinder den Tag zubringst. Das interessiert mich sehr. Ich lasse auch der Mama vielmals für Ihren Brief vom 31. danken und um Verzeihung bitten, daß ich noch nicht die Zeit gefunden habe zu antworten. Vergesse nicht, dies in Schönbrunn auszurichten. ……  Nun muß ich schliessen, um Schlafen zu gehen. Ich habe gegründete Hoffnung, daß ich Dir bald gute Nachricht telegraphiren kann Küsse unsere lieben Kinder von mir, vertraue auf unseren lieben Herr Gott im Himmel und sei guten Muthes. Dem Papa und der Mama küsse die Hände. In dem ich Dich in Gedanken umarme und küsse, bleibe ich ewig Dein treuer Franz – Theile der Mama die in diesem Briefe enthaltenen Nachrichten mit.“ (6)

Auch hier werden wieder Divisionen und Namen von Personen genannt, die zum Ort des Geschehens kamen.

Der Krieg war unaufhörlich und so zogen sich die Wochen dahin. Als Verwundete in Wien eintrafen, erbarmte sich Kaiserin Elisabeth und öffnete die Pforten von Schloss Laxenburg, um ein Lazarett einzurichten.

Knochenkapelle Ossario di Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Knochenkapelle Ossario di Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Knochenkapelle Ossario di Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Kaiser Franz Joseph schrieb: „Verona den 3. Juli 1859 Meine innigstgeliebe, arme Sisi  …… Von hier schaffen wir jetzt so viele Blessierte und Kranke weg, als möglich. Wenn nur für sie gut gesorgt wird und uns hierher recht viel Charpie, Bandagen und Wäsche geschickt wird. Dein Wein ist angekommen. Daß Du ein Spital in Laxenburg etablirst, ist herrlich. Für beides nehme meinen innigsten Dank. Du bist mein guter Engel und hilfst mir sehr viel .… Dein treuer Franz“ (7)

Er schrieb Briefe über Briefe, in denen von einer Krankheit Giselas zu lesen ist, die Sorge um Sisi, die gesundheitlich angeschlagen war und um das Lazarett in Laxenburg, das sich bald auf alle Gebäude erstrecken sollte.

Kaiser Franz Joseph, zu dem Zeitpunkt der Schlacht von Solferino 29 Jahre alt, scheiterte auf der ganzen Linie. Obwohl er sich seit seiner Kindheit mit dem Militär auseinandersetzte, war er als Führer der Armee zu unerfahren. Zehntausende Tote hatte der Krieg zur Folge, ein Gemetzel der besonderen Abscheulichkeit wurde geboten. Jean-Henri Dunant (*8.5.1828, †30.10.1910) wurde Zeuge der brutalen Schlacht und gründete darauf hin das Rote Kreuz. Es war des Kaisers größte Niederlage. Der Schlachtenruf „Löwen von Eseln geführt“, machte die Runde. Die Untertanen hungerten bis zum Tod, das Land schien dem Untergang geweiht. Eine Revolution stand kurz bevor, man wollte anstatt Kaiser Franz Joseph den jungen, liberalen Erzherzog Ferdinand Maximilian (*6.7.1832, †19.6.1867)  auf dem Thron sehen. Franz Joseph, der immer ein schwieriges Verhältnis zu Max hatte, sah seine Felle davonschwimmen. Napoleon III (*20.4.1808, †9.1.1873) gab Kaiser Franz Joseph die Hauptschuld an der Niederlage.

Henri Dunant Denkmal, Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Henri Dunant, Foto: roteskreuz.at

Solferino sollte aber auch im Privatleben der Untergang des jungvermählten Paares werden. Elisabeth sah das Ausmaß des Krieges mit voller Wucht. Die Kranken und Verwundeten, die den Weg nach Wien gefunden hatten, fanden kaum noch Aufnahme. Die Spitäler waren heillos überfordert, weshalb Kirchen, Klöster, Schlösser und Palais aller Art geöffnet wurden, um die Verwundeten aufzunehmen. Viele Tote musste Kaiserin Elisabeth sehen, Verletzungen behandeln, mit denen sie bis dahin nicht ansatzweise in Berührung kam und das Geschrei der Soldaten ertragen. Ein Umstand, den die junge Kaiserin sehr mitnahm. All das legte sie in den Briefen an ihren Mann zwar nicht offen, aber sie klagte offen ihre Schwiegermutter an, die ihren Mann animierte, für die Monarchie das Richtige zu tun. Elisabeth fing an, die liberalen Tageszeitungen zu lesen und war schnell der Überzeugung, dass die „reine Monarchie“ nichts mehr mit dem zu tun hatte, was die Bevölkerung wollte und brauchte. Der Anfang vom Ende?

Elisabeth wollte sich in die Politik einmischen. Sie schrieb an ihren Mann, dass er doch den Frieden anstreben solle. Das Volk wollte einen Schuldigen und fand diesen in Graf Grünne. Sie bat den Kaiser diesen zu entlassen. Kaiser Franz Joseph reagierte erzürnt „von einer Änderung sei nie die Rede gewesen und ich denke gar nicht daran. Überhaupt bitte ich Dich nicht zu glauben, was in den Zeitungen steht, die so viel dummes und falsches Zeug schreiben.“ (8) Stattdessen sollte Sisi lieber essen und schlafen, viel weniger Reiten und sich um die häuslichen Dinge, wie die Kinder, kümmern. Auch in „Anstalten“ solle sie sich zeigen, es würde die Leute in Wien aufrichten. Die Vorwürfe an die mittlerweile 21jährige Kaiserin klangen hart.

Kaiser Franz Joseph musste sich aber bald eingestehen, dass der Frieden unausweichlich war. Napoleon III (*20.4.1808, †9.1.1873) drängte ihn zur Aufgabe. In der Villafranco wurde die Lombardei von Österreich abgekoppelt.

Herzogin Ludovika, Foto: Wikimedia/Commons

Nur Elisabeth sah die Entwicklung in der Bevölkerung mit Argwohn. Erzherzog Franz Karl lehnte eine Bestürzung der Untertanen ab, da er noch gegrüßt wurde, Herzogin Ludovika empfand die Stimmung gegen ihren Schwiegersohn als empörend, verleumderisch, verlogen und unaussprechlich ungerecht. Erzherzogin Sophie sah ihren Sohn natürlich immer noch in der „Alleinherrschaft des Gottes Gnadentum“. Je mehr Kaiserin Elisabeth liberal wurde, desto mehr rotteten sich die Habsburger gegen sie zusammen. Eine liberale Kaiserin, die ihren Mann politisch hinterfragte, wollte man nicht am erzkonservativem Wiener Hof. Sisi wurde trübsinniger, sah nur noch schwarz und ließ sich auch von den Briefen ihres Mannes nicht mehr beruhigen. Sie glaubte, dass Sophie all ihre Mächte zusammenraffte, um ihr und Kaiser Franz Joseph zu schaden.

Was genau der eigentliche Grund für die Flucht von Kaiserin Elisabeth im Jahr 1860 war, wird wohl nie mehr aufgeklärt werden können (zumindest solange nicht, bis ihr gesamter Nachlass veröffentlicht wird).

Obwohl das Habsburger Reich und auch einige andere europäische Staaten im höchster Bedrängnis waren, begann Kaiserin Elisabeth so genannte „Waisenbälle“ zu organisieren. Im Frühjahr feierte sie insgesamt sechs solcher Bälle. Dabei wurden die Damen und Herren der höchsten adeligen Gesellschaft geladen; allerdings durften die Damen ihre Mütter nicht mitnehmen. Die Mädchen waren alle im Alter von Kaiserin Elisabeth oder jünger. Ein Fauxpas, wenn man bedenkt, dass eine Frau niemals ohne Begleitung das Haus verlassen durfte und wenn, dann nur in der Begleitung ihrer Mutter und/oder einer Gouvernante oder gar nicht. Elisabeth setzte sich durch, die Damen erschienen ohne Geleit. Der einzige Hintergrund dieser Bälle war: Erzherzogin Sophie wurde damit ebenfalls der Zutritt verweigert. Elisabeth sträubte sich immer mehr, mit Sophie Zeit zu verbringen.

Herzogin Sophie von Aleçon, Schwester von Kaiserin Elisabeth Foto: Wikimedia/Commons

Der nächste Bruch war, dass Kaiser Franz Joseph mit Affären außerhalb der Ehe begann. Im Adel jener Zeit war es üblich, den Frauen fremdzugehen. Die Männer nahmen sich heraus, was zu nehmen war. Die Frau hatte klaglos darüber zu sein. Drehte eine Frau den Spieß um, wurde daraus eine öffentliche Schlammschlacht, die immer negativ für die Frau von Welt aus ging (siehe Louise von Sachsen-Coburg (*18.2.1858, †1.3.1924) (Schwester von Kronprinzessin Stephanie) oder Sophie von Aleçon (*23.2.1847, †4.5.1897) (Kaiserin Elisabeths Schwester), die beide in der Irrenanstalt landeten. 

Prinzessin Louise von Sachsen-Coburg, Schwester von Kronprinzessin Stephanie, Foto: Wikimedia/Commons

Doch Elisabeth war naiv genug zu glauben, dass sie ihrem Mann genügen würde, nannte er sie doch Tag und Nacht seine „Engels Sisi“. Es war keine Zweckehe, die hier eingegangen wurde. Kaiser Franz Joseph hatte Elisabeth Herzogin in Bayern bewusst gewählt. Er hatte sich in sie verliebt. Ob sich die fünfzehnjährige Sisi in den Kaiser verliebt hatte, darüber kann man spekulieren. Wir alle haben mit Fünfzehn geliebt aber war es die Liebe fürs Leben? Bei den meisten wohl eher nicht.

 

 

Bahnhof Linz der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn, Foto: Wikimedia/Commons

Als Kaiser Franz Joseph mit seinen zahlreichen Affären begann (Teil 5 meiner Serie findet ihr hier), stürzte die letzte Barriere für Elisabeth ein. Bereits im Juli 1860 folgte der nächste Eklat. Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth stritten so massiv, dass Sisi mit Gisela nach Possenhofen fuhr. Die Reise war eine Flucht. Dabei war es ihr völlig egal, dass sie die Eröffnungsfeierlichkeiten für die neue „Kaiserin-Elisabeth-Westbahn“ (heute Weststrecke) durcheinander brachte. Sie fuhr mit der Bahn von Wien nach München.

Herzogin Mathilde in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Um einen öffentlichen Skandal zu vermeiden, fuhr sie am 18.8.1860 mit ihrem Bruder Herzog Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) und ihrer Schwester Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925) zurück nach Salzburg. Kaiser Franz Joseph kam ihr in Salzburg mit Erzherzogin Sophie entgegen. Die Mitnahme ihres Lieblingsbruders und von Mathilde kann man als Zeichen der Unsicherheit vor ihrem Ehemann und vor allem vor Sophie werten.

Herzog Karl Theodor in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph fiel aus allen Wolken, als ihm seine Frau im Spätherbst eröffnete, dass sie nach Madeira wollte. Sie fühlte sich seit Wochen krank, fieberte und hustete. Im Kaiserreich war es aber üblich, die Wintermonate in Arco oder in Meran zu verbringen. Elisabeth setzte sich wieder einmal durch.

Während sich der Kaiser von Laxenburg aus (das Paar wohnte immer noch im Schloss Laxenburg) wieder mehr seiner Mutter zuwandte, kümmerte sich Sisi um ihre Sommergarderobe. Dies heizte wilde Spekulationen an: wäre es einer Todkranken nicht egal, welches Kleid sie anhabe? Auch, dass sie die junge Witwe Mathilde Prinzessin von Windischgrätz (*5.12.1835, †1907) zu ihrer Hofdame machte, verwunderte den Hof. Gräfin Esterházy wurde dazu bestimmt, bei den Kindern in Wien zu bleiben. Hofdame Windischgrätz, eine junge Witwe, deren Mann in Solferino fiel, musste sich ebenso von ihrem Kleinkind verabschieden. Ein Umstand, der noch merkwürdiger war, als sowieso schon die ganze Reise an sich.

Prinzessin Mathilde von Windischgrätz, Foto: Wikimedia/Commons

Die Nachricht, dass die junge Kaiserin für längere Zeit Wien verlassen musste, da sie Lungenkrank sei, bestürzte ganz Europa. Queen Victoria (*24.5.1819, †22.1.1901) stellte ihre Privatjacht zur Verfügung, da es im Kaiserreich keine geeignete Jacht gab. Auch hier setzte Elisabeth ihren Willen durch. Sie nahm zwar die Jacht, lehnte aber die Einladung ins britische Königshaus kategorisch ab. Sie möge inkognito reisen, lautete die lapidare Absage.

Biograph Conte Corti bringt die Sache auf den wesentlichen Punkt: „Der Deckmantel der Krankheit wird das alles abschwächen, und sie ist ja auch wirklich krank, ihr geistiger Zustand nimmt auch den Körper hart mit. Und was sonst eine kleine Anämie, ein unbedeutender Husten wäre, wird unter solchen Verhältnissen fast wirklich eine Krankheit.“ (9) Veröffentlicht hatte er diese Sätze nie. Brigitte Hamann fand diese, als sie in seinem Manuskript recherchierte. Corti galt als kaisertreu und strich die Bosheit sofort wieder heraus. Auch jene über Erzherzogin Sophie, die ebenfalls Hamann übernahm: „Sie aber weiß genau Bescheid und ist bloß empört über die pflichtvergessene Elisabeth, die wie sie meint, nur eine Krankheit vorspiegelt, um dem Winter zu entfliehen und ihren merkwürdigen Lebensgewohnheiten ungenierter nachleben zu können.“ (10)

Leopoldine Nischer Foto: genee.org

Im November fuhr Elisabeth los. Leider sind die Briefe in jener Zeit von Kaiser Franz Joseph an Kaiserin Elisabeth nicht erhalten. Fünf Monate sollte der Aufenthalt nur dauern. Sechs Monate später kam sie zurück. Kaiser Franz Joseph fuhr nach Triest, um seine Elisabeth entgegenzunehmen. Die Menschen jubelten ihr zu. Man fuhr nach Schloss Laxenburg, wo das Paar hoffte, seinen geregelten Tagesablauf wieder aufnehmen zu können. Als Elisabeth zum ersten Cercle nach Wien zurückmusste, wurde sie wieder von heftigen Hustenanfällen geplagt. Sie suchte die Einsamkeit und wollte niemanden zu sich lassen.

Vier Tage später war klar, dass Elisabeth wieder ins Ausland musste. Diesmal nach Korfu. Elisabeth dachte, sie müsse sterben und verabschiedete sich theatralisch von ihrer Tante, die gleichzeitig ihre Schwiegermutter war. Sophie notierte: „Traurige Trennung von unserer armen Sisi, vielleicht fürs Leben. Sie weinte und war extrem bewegt und bat mich um Verzeihung für den Fall, daß sie für mich nicht so gewesen ist, wie sie es hätte sein sollen. Ich kann meinen Schmerz, den ich empfand, nicht ausdrücken, er zerriß mir mein Herz. Der Kinderfrau Leopoldine Nischer (Anmerkung: *1813, †1883) empfahl Sisi beim Abschied die Kinder an mit den Worten: „es wäre ja das einzige, was dem Kaiser bliebe!“ (11)

Erzherzog Ferdinand Maximilian, Foto: Wikimedia/Commons

Als Elisabeth von Laxenburg abfuhr, hätte man meinen können, ein Leichenwagen zöge vorbei. So betrübt und theatralisch war die Stimmung. Kaiser Franz Joseph begleitete sie selbstverständlich nach Triest, wo auch ihr Lieblingsschwager Erzherzog Ferdinand Maximilian auf sie wartete. Mit einer Gefolgschaft von 33 Personen stieg Kaiserin Elisabeth auf das Schiff. Doch schon auf der Überfahrt änderte sich schlagartig ihr Gemüt. Sie aß, lachte und war übermütig. In Wien verbreitete sich indes das Gerücht, die junge Kaiserin sei verstorben.

Im Juli beging Kaiser Franz Joseph einen folgenschweren Fehler.

Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons

Er übersandte als Botschafter Graf von Grünne. Der Inhalt des Gesprächs ist leider bis heute nicht überliefert. Es eskalierte allerdings derartig, dass Elisabeth nie wieder ein Wort mit Graf Grünne sprach. Einige Szenen aus dem Gespräch erzählte sie wohl später ihrer Hofdame und engen Vertrauten, Marie Gräfin Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923). Von Betrug sei die Rede gewesen, von Maßregelungen in Richtung des Kaiserhauses und von Ratschlägen, die bei der jungen Kaiserin falsch ankamen. Gräfin Festetics schrieb am 12.4.1872 in Ofen in ihr Tagebuch: „Jetzt entsanken die Zügel seinem eisernen Griffe, er ist Oberstallmeister Seiner Majestät (Anmerkung: Graf von Grünne wurde nach dem verlorenen Italien Krieg vom Flügeladjutant zum Oberstallmeister „degradiert), ist noch wichtig genug. Eng verbündet mit Erzherzogin Sophie, ist er unter der Maske der größten Gutmütigkeit ein Feind der Kaiserin und dabei doch unter Ihrem „Charme“. Wie, warum, das weiß ich alles nicht. Ich kenne ja das Getriebe und Gewebe nicht, sage nur, was ich sehe und aus einzelnen Worten erhöre.“ (12)

Auch hier sind die Briefe zwischen dem Ehepaar nicht erhalten. Den ersten Brief, den ich finden konnte, war an seine Mutter Erzherzogin Sophie.

Helene und Max von Thurn und Taxis mit Kindern, Foto: Wikimedia/Commons

Wien, den 2. September 1861 Liebe Mama, erst heute komme ich dazu, Ihnen für Ihren lieben Brief vom 22.v.M. zu danken. …… Von Sisi habe ich Gottlob recht befriedigende Nachrichten. Sie hat sich über Helenes Ankunft sehr gefreut, ist recht heiter, fährt zu Wagen und zu Schiff und ißt über Andringen ihrer Schwester jetzt viel mehr Fleisch und trinkt mittags und abends Bier. Infolge der kühlen Witterung, die nach einem starken Gewitter auf in Korfu eingetreten ist, hat sie leider wieder mehr gehustet, allein der Arzt legt der Sache keine Bedeutung bei. Die lieben Kinder, die ich vorigen Mittwoch das letztemal besuchte, sind immer sehr wohl und heiter. Die Gesellschaft des Max Taxis (Anmerkung: Maximilian Thurn und Taxis (*28.9.1831, †26.6.1867), Helenes Ehemann), der seinen Aufenthalt, meinem Wunsche entsprechend, noch verlängert hat, ist mir sehr angenehm und erheiternd. … Ihr treuer Sohn Franz. (13)

 

Denkmal Funchal, Madeira, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

In weiteren Briefen erzählte Franz Joseph, dass er die Kinder in Reichenau an der Rax besucht hätte und sich nach Sisi sehne, der es besser gehen soll. Außerdem ging er jagen und empfing allerlei Gäste.

Des Weiteren machte er sich auf den Weg nach Korfu, um seine „schwer erkrankte“ Frau zu besuchen. Er schrieb am 16.10.1861 folgenden Brief an seine Mutter: „Liebe Mama, nach einer herrlichen und vom ruhigen Wetter begünstigten Seereise bin ich glücklich in diesem irdischen Paradiese angekommen und habe Gottlob über meine Erwartung Erfreuliches gefunden. Sisi ist wirklich viel besser, besonders kräftiger und sieht sehr gut aus. Sie ist stärker geworden, ist wohl noch ein wenig aufgedunsen im Gesicht, hat aber meistens gute Farben; sie hustet sehr wenig und ohne Brustschmerz, und die Nerven sind viel ruhiger. Sie befolgt ein vortreffliches Regime, ißt dreimal des Tages viel Fleisch und trinkt Bier; Obst ißt sie gar nicht mehr. Auch geht sie viel zu Fuß, so wie das Wetter es erlaubt. Ich habe Sisi so wohl gefunden, daß ich mich entschlossen habe, sie für den Winter nach Venedig gehen zu lassen, so sie doch näher und innerhalb der Monarchie ist, wo ich sie leichter und öfter besuchen und wo sie auch die Kinder sehen kann, nach denen sie sich natürlich sehr sehnt. Sie ist in Venedig auch viel mehr vor der rauhen Luft geschützt und findet mehr Ansprache und geselligen Umgang und hofft auch, daß Charlotte sie manchmal besuchen wird. Wie glücklich ich über die Möglichkeit bin, Sisi näher zu haben, können Sie sich wohl denken, liebe Mama. ….. Sisi küßt Ihnen und dem lieben Papa die Hände, und indem ich ein Gleiches tue, bleibe ich Ihr treuer Sohn Franz. (14)

Karoline Freifrau von Welden „Wowo“, die Kinderfrau von Erzherzogin Gisel(l)a und Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth, Foto: Nationalbibliothek

Der Umstand, dass seine Frau nun nach Venedig „durfte“, wurde baldigst durchgeführt. Doch die Kinder durften nicht auf Dauer nach Venedig. Erzherzogin Sophie hielt ihrem Sohn vor, dass Wasser sei schlecht für deren Gesundheit. Deshalb ließ Franz Joseph seiner Frau und den Kindern täglich frisches Wasser von Wien schicken. Voraussetzung der Besuche der Kinder war, dass Gräfin Esterházy diese nach Italien begleiten durfte. So hatte Sophie täglich Berichte über die Kinder und über ihre Schwiegertochter erhalten. Es kam wie es kommen musste. Sophie mischte wieder einmal kräftig über die ohnehin schon verachtete Gräfin Sophie Esterházy-Liechtenstein (*5.9.1798, †17.6.1869) mit.

Elisabeth hatte nun endlich ihren Kampfgeist wieder zurück. Sie setzte bei ihrem Gatten Kaiser Franz Joseph durch, dass dieser die verhasste Obersthofmeisterin und Spionin von Erzherzogin Sophie entließ. Ihrer Mutter Ludovika wurde die eigene Tochter immer peinlicher. Diese beklagte sich lautstark über den Umgang mit der armen Sophie Esterházy.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Eliabeth in der Gondola, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth in der Gondola (Nahaufnahme), Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Kaiser Franz Joseph besuchte seine geliebte Engels Sisi zweimal in Venedig. Beim zweiten Mal nahm er den dreijährigen Kronprinz Rudolf mit. Doch auch hier kümmerte er sich weniger um seine „kranke“ Gemahlin, sondern um Paradenabnahmen und Truppeninspektionen. Das Verhältnis der Eheleute war mittlerweile auf ein eisiges Schweigen abgeflaut. Zu lange war Elisabeth nicht mehr in Wien, zu wenig Verständnis hatte der Kaiser für seine Frau.

Kaiserappartements, Museo Correr, Venedig, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Vielleicht dämmerte es ihm bereits, dass sie mit ihren „vorgehaltenen“ Krankheiten nur ihren Willen durchsetzen wollte. Die Kaiserappartements in Venedig sind heute übrigens im Museum Correr öffentlich zugänglich. Und wer diese sieht, wird schnell wissen, warum sich Kaiserin Elisabeth sieben weitere Monate mit dem „Gesundwerden“ Zeit ließ.

Kaiserappartements, Museo Correr, Venedig, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Erst im Mai 1862 traf Kaiserin Elisabeth in Reichenau an der Rax ein. Ohne Wien einen Besuch abzustatten, fuhr sie mit Dr. Heinrich Fischer (*1814, †1874), ihrem Leibarzt, nach Bad Kissingen. Der Hohn und Spott hätte nicht größer sein können. Kaiserin Elisabeth wurde verspottet, weil sie angeblich ihre schönsten Zähne in Kissingen verlor, Kaiser Franz Joseph wurde durch die Presse gejagt, weil er auf Geheiß seiner Frau den Backenbart abrasiert hatte, weil ihr dieser nicht gefiele. Tägliche Meldungen was Kaiserin Elisabeth trüge, inkl. Farbe des Sonnenschirms, wurden in den Zeitungen veröffentlicht. Daneben allerdings auch die Meldungen der Bankrotte, Selbstmorde und Arbeitslosigkeiten im Land. Die Kluft zwischen Adel und Volk, reich und arm, wurde immer größer.

Bad Kissingen, Foto: Wikimedia/Commons

Bereits im Juli erschienen die ersten positiven Zeitungsmeldungen: Der Kaiserin ginge es besser. Die ganze Familie besuchte Sisi in Kissingen. Nach Bad Kissingen verschanzte sie sich im Schloss Possenhofen und nahm vergnügt ihr Leben wieder auf. Sie war mit ihren Geschwistern zusammen, fast alle waren zu Besuch bei ihrer Mutter. Herzog Max (*4.12.1808, †15.11.1888) befahl Sisi, wieder nach Hause zu kehren. Doch Elisabeth weigerte sich, nach Bad Ischl zu fahren, da sich die Kaiserfamilie im Sommer immer dort aufhalten würde.

Graf Franz Folliot de Crenneville, Foto: Wikimedia/Commons

Graf Franz Folliot de Crenneville (*22.3.1815, †22.6.1888), Generaladjutant Seiner Majestät , war nach Possenhofen gekommen, um Elisabeth nach Ischl abzuholen. Als sie sich weiterhin strikt weigerte, notierte er in sein Tagebuch: „Oh die Weiber, die Weiber!!!! mit und ohne Krone, in Seide oder percale gekleidet haben Capricen und wenige sind ausgenommen.“ (15)

Am 11.8.1862 schrieb Franz Joseph an seine Mutter in Ischl: „Liebe Mama…… Von Sisi habe ich immer gute Nachrichten, so daß ich hoffe, daß sie recht bald wird zurückommen können. Sie war über Ludwigs (Anmerkung: Erzherzog Karl Ludwig (30.7.1833, †19.5.1896), Bruder von Kaiser Franz Joseph) in Possenhofen sehr erfreut. … Ihr treuer Sohn Franz“ (16)

Kurz vor dem Geburtstag Seiner Majestät fuhr Kaiserin Elisabeth nach Wien. Sie verließ im November 1860 die Hauptstadt und kehrte (circa) am 16.8.1862 erst wieder zurück. Fast zwei Jahre lang war sie unterwegs gewesen, um „Gesund“ zu werden. In der Zeit fehlte sie ihren Kindern und ihrem Land.

Erzherzog Karl Ludwig, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph freute sich so derartig auf seine Frau, dass er ihr bis Freilassing entgegenfuhr, wo er sie feierlich übernahm. Die Lokomotiven wurden festlich geschmückt und an den Bahnhöfen waren bayrische und schwarzgelbe Fahnen gehisst. Am Bahnhof Hütteldorf sang ein Männergesangsverein, in Schönbrunn warteten die Trompeter „Jäger-Hornisten“ auf sie. Der Empfang glich der einer Braut.

Doch der Schein trog. Anstatt ihre Verwandtschaft in Schönbrunn freudig zu begrüßen, wirkte sie steif, tonlos und täuschte eine schwere Migräneattacke vor. Sie zog sich in ihre Appartements zurück und war für niemanden zu sprechen.

Sisi-Schloss in Reichenau an der Rax (ehemals Rudolfsvilla), Foto: sisi-schloss.at

Im Brief vom 25.8.1862 an seine Mutter, ist von all dem nicht die Rede. Entweder wollte Franz Joseph seine Mutter nicht beunruhigen, oder er verschloss wirklich die Augen vor der Tatsache. „Liebe Mama, …., denn neben den Geschäften mußte ich doch auch oft mit Sisi ausgehen, die sehr viel Bewegung macht, was ihrer Gesundheit sehr zuträglich ist. Dann nahmen die Eisenbahnfahrten nach Reichenau und wieder herein und eine Fahrt ins Lager auch viel Zeit in Anspruch. Wie glücklich ich bin, Sisi wieder bei mir zu haben und dadurch endlich nach langen Entbehren ein „zu Hause“ zu besitzen, brauche ich nicht erst zu sagen. Sisi ist Gottlob recht wohl, sieht verhältnismäßig gut aus, hat immer gute Farben, guten Appetit und macht sehr viel Bewegung, ohne Ermüdung zu fühlen. Nur die volle Gelenkigkeit in den Füßen ist noch nicht ganz hergestellt, aber auch dieses bessert sich von zu Tag. Ich bin sehr froh, daß sie jetzt in Reichenau noch die gute Gebirgsluft genießen kann, denn hier ist es noch nicht frisch genug und bei Sonnenschein zu heiß und drückend. Besonders die Tage, die wir gleich nach Sisis Ankunft mit den Kindern hier zubrachten, waren sehr heiß und es blies dabei ein sehr angreifender Scirocco. ….Wir sind am 18. früh mit Gackel (Anmerkung: Herzog Karl Theodor, Bruder von Kaiserin Elisabeth) nach Reichenau, um meinen Geburtstag dort zu feiern. In der folgenden Nacht verließ uns Gackel, um nach München zurückzukehren. Rudolphs Geburtstag wurde sehr feierlich begangen; am Vorabende eine Menge Bergfeuer und Musik. Am Morgen Musik, 101 Pöllerschüsse, Aufzug der Bergleute, Jäger, Holzknechte …… Der Empfang, den Sisi hier fand, war wirklich sehr herzlich und wohltuend.“ (17)

Doch die Kluft des Fernbleibens hatte tiefe Wunden hinterlassen. Elisabeth hatte sich entfremdet. Sie konnte Zeit ihres Lebens mit Gisela und Rudolf kein herzliches Verhältnis mehr aufbauen. Kaiser Franz Joseph betete seine Frau noch immer an und würde das noch im Greisenalter tun, verstand sie allerdings nicht mehr, bzw. hatte sie in Wirklichkeit nie verstanden.

Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka, Foto: Wikimedia/Commons

Die Briefe von Kaiser Franz Joseph an seinen „Geliebten Engel“, wie er jetzt schrieb, beginnen wieder 1866. Sie weilte in Ungarn und war zu dieser Zeit bereits in Gesellschaft von Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka (*3.3.1823, †18.2.1890). Kaiserin Elisabeth weilte Monate in Ungarn und schrieb unzählige Briefe. Einmal weckte man den Kaiser um 1.30 Uhr morgens, da ein Brief Ihrer Majestät eingelangt sei. Obwohl er sich freute, diesen erhalten zu haben, wollte er ab sofort nicht mehr geweckt werden. Der Eilbrief hatte also Banalitäten zum Inhalt. Ansonsten wurden die Briefe fordernder und immer konkreter nach einem Wiedersehen, dem sich Elisabeth wohl verweigerte. Sogar die Sehnsucht der Kinder dürfte sie kalt gelassen haben. Sie kam nicht zurück. Ab dem 18.7.1866 kann man die Schlußformel „Männchen“, „Mäneken“ und „Kleiner“ lesen, Letzteres wurde immer öfter und ab dann regelmäßig mit „Kl“ abgekürzt.

Wenn Kaiserin Elisabeth zurück kam, waren es immer nur wenige Tage. Am 4.8.1866 schrieb Kaiser Franz Joseph: „Schönbrunn, den 4.8.1866, ½ 6 Uhr Früh, Mein lieber Engel, Jetzt bin ich wieder mit meinem vielen Kummer allein und sehne mich nach Dir. Komme bald, wieder, mich zu besuchen, das heißt wenn es Deine Kräfte und Deine Gesundheit erlauben, denn, wenn Du auch recht bös und sekant warst, so habe ich Dich doch so unendlich lieb, daß ich ohne Dich nicht sein kann. Schone Dich nur recht und gebe beim Reiten acht, denn ich ängstige mich sehr…. Dich mit den Kindern umarmend, Dein Dich innigst liebender Kleiner“ (18)

Die Briefe mit ähnlichem Inhalt – mal kommt sie, um nach kurzer Zeit wieder zu gehen – ziehen sich bis 1867 hin. Manchmal setzt sie sich gegen Erzherzogin Sophie durch und nimmt die Kinder für eine Weile nach Ungarn mit.

Krönungszeremonie, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph, Foto: billerantik.de

Kaiserin Elisabeth im Krönungskleid, Foto: ÖNB

Der ungarische Ausgleich wurde am 8.7.1867 mit einer pompösen Krönungsfeierlichkeit gefeiert. Zehn Monate später sollte die letzte Kaisertochter geboren werden: Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924). Der Wiener Hof ätzte, dass es Graf Andrássys Kind sei, was Elisabeth zu Ohren kam. Sollte es eine Möglichkeit der Versöhnung gegeben haben, hatte diese Kaiser Franz Joseph verspielt. Er stand ihr auch hier nicht bei und nahm das Getratsche nicht ernst. Elisabeth jedoch nahm sich dies sehr zu Herzen.

Doch gerade Marie Valérie, die in Wien „Die Einzige“ genannt wurde, war ihrem Vater äußerlich ähnlicher als alle anderen Kinder. Die Kindstaufe fand in der Ofener Burg unter großem Prunk statt. Als Taufpaten fungierten die Schwestern von Elisabeth: Gräfin Mathilde von Trani und Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925).

Stammbaum: Marie Fotos: Wikimedia/Commons

 

Erzherzogin Marie Valérie als Kleinkind, Foto: Nationalbibliothek

Valérie wurde von ihrer Mutter abgöttisch geliebt, aber auch, wie heute ähnlich den Helikoptermüttern, kategorisch vor Allem abgeschirmt. In späten Jahren beklagte sie sich, dass sie ihren Vater im Grunde gar nicht kannte. Ein Familienleben, lernte sie erst mit ihrem Mann Franz Salvator kennen. In dieses band sie dann ihren alternden Vater, der ab 1898 Witwer war, massiv mit ein.
Das Kind der Beiden war wohl ein Aufflackern alter Gefühle und Liebe und die Glückseligkeit, dass Elisabeth in Ungarn den Ausgleich erzielt hatte. Seit 1866 versuchte sie ihren Mann davon zu überzeugen, dass dies die einzige Möglichkeit war. Wer mehr über Kaiserin Elisabeth als Mutter erfahren möchte, liest hier weiter. 

Danach blieb der Kaiser wieder die meiste Zeit allein. Elisabeth blieb in Ungarn und zog ihre Tochter mit Hilfe des (unbeliebten) englischen Kindermädchens Mary „Minny“ Throckmorton auf (*1832, †11.12.1919) auf. Ab 1874 Jahren reiste Kaiserin Elisabeth öfter nach Irland und England, wo sie nicht nur die Habsburg-Monarchie brüskierte, sondern auch Queen Victoria. 1879 überwarf sie sich mit ihrer Schwester Königin Marie von Neapel und sprach nie wieder ein Wort mit ihr. Zu Kronprinz Rudolf hatte Elisabeth sowieso ein schwer angespanntes Verhältnis; als sich dieser Maries Gerüchten um eine Affäre mit Bay Middleton (*16.4.1846, †9.4.1892) (den Bericht könnt ihr hier nachlesen) anschloss, überwarf sie sich eine zeitlang auch mit ihrem Sohn.

Wer indes glaubt, dass Kaiser Franz Joseph Tag und Nacht allein in Wien in Schloss Schönbrunn oder Hofburg vor sich hin tristeste, irrt. Er fuhr genauso in der Weltgeschichte herum, wie Kaiserin Elisabeth selbst. An Bord des Donaudampfschiffes „Sophie“ fuhr er nach Bazias um von dort nach Constantinople zu gelangen. Er wohnte im Palais Impérial de Bechiktach. Von dort schrieb er Unmengen an Briefen und erhielt wiederum Telegramme von Kaiserin Elisabeth. Im November 1869 weilte er in Athen und passierte mit dem Schiff „Greiff“ Rhodos und Zypern, um nach Jerusalem zu fahren, wo er am 11.11.1869 ankam. Er schrieb seitenweise Reiseberichte, von einem Sektionschef Hofmann, der nicht reiten könne und prompt vom Pferd fiel und sich den Arm brach usw. Von Jerusalem ging es nach Cairo und nach Alexandria.

Am 30.11.1869 schrieb Kaiser Franz Joseph an seine Sisi: „Am Greif, Hafen von Corfu den 30. Novbr., 2 Uhr Nachtmittag ….. In 2 Stunden geht hier der Lloyd Schnelldampfer durch und so expedire ich mit demselben den Kurier, der Dir diesen Brief noch einigen Stunden vor meinem Eintreffen in Triest überbringen kann. Ich kann nicht vor der Nacht vom 2. zum 3. oder am 3. in der Früh dort eintreffen und so bitte ich Dich recht schön, lieber Engel, mich so lange es geht, im Bett zu erwarten, denn das ist doch das schönste Wiedersehen nach so langer Zeit. Etwas trauriges hat dieses Wiedersehen bei dem Gedanken, daß es für so kurze Zeit ist und ich dann wieder so lang ohne Dich, allein bleiben muß. Es wird eine recht harte Zeit in Wien werden! In der Hoffnung Dich baldigst wirklich umarmen und küssen zu können, bleibe ich Dein, Dich innigst liebender Kl“ (19)

Erzherzog Franz Karl, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf vor dem Sarg von Erzherzogin Sophie, Hofkapelle 1872, Foto: ÖNB

Am 28.5.1872 starb Erzherzogin Sophie. Kaiserin Elisabeth weilte zu dieser Zeit gerade in Wien und eilte zwischen Hofburg und Schloss Schönbrunn, wo Valérie krank darnieder lag, hin und her. Ausgerechnet, als sie sich gerade vom Krankenbett der Schwiegermutter erhob, um nach Schönbrunn zu eilen, erhielt sie nach ihrer Ankunft ein Telegramm. Marie Festetics überreichte ihr dies. Mit Windeseile jagte sie in der Kutsche zurück zur Hofburg: „Die Kaiserin war furchtbar aufgeregt und ich hatte eine Todesangst, die Erzherzogin könnte sterben und wie die Menschen sind, hätten sie noch gesagt, die Kaiserin hätte es zu Fleiß gethan.“ (20)

Leider ist aus dieser Zeit aus den Briefen nichts zu erfahren, da diese von 1869 – 1874 nicht erhalten (oder veröffentlicht) sind. 1874 begann die Reise nach St. Petersburg, wo er ebenso viel berichtete, wie zuvor: über Bälle, den schönen Damen, den Zar usw.

 

 

 

Schlafgemach (Bett nicht Original!) in den Kaiserappartements, Museo Correr, Venedig, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

1875 befand sich Franz Joseph auf dem Weg nach Venedig. Von dort schrieb er: „Venedig, den 6. April 1875, ½ 8 Uhr Früh …. Ich wohne in Deinen Zimmern, schlafe in unserem ersten Schlafzimmer und schreibe jetzt in Deinem späteren blauen Schlafzimmer. Der Empfang hier war außerordentlich schön, selbst herzlich und Alles ist vortrefflich arrangirt. Der König ist unendlich freundlich, die Kronprinzessin charmant, hübsch, sehr aimable, ganz unglaublich élègant, hat besonders hübsche Füsse …. Dich mit den Kindern umarmend, Dein Kl (21)

Auguste von Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Danach fuhr er von Pola nach Sebenico und Pago und dann weiter nach Spalato, wo er Sisi den berühmten Honig schicken ließ. Im Gegenzug bedankte er sich für den übersandten Zwieback. Er schrieb auch mehrmals über Gisela, die gerade schwanger war und die Nachricht der Niederkunft nicht abwarten könne. (Anmerkung: 2te Enkelin Auguste kam am 28.4.1875 zur Welt; †25.6.1964). Von Spalato ging es nach Metkovic, Ragusa und Cattaro. Danach enden die Briefe leider wieder und es geht erst 1886 weiter.

Doch so einsam, wie man Kaiser Franz Joseph immer gerne sieht, war er nicht. Seine Affären wurden intensiver und fanden immer mehr in unmittelbarer Nähe statt. Er quartierte zuerst seine Geliebte Anna Nahowski (*1860, †23.3.1931), später dann sogar Katharina Schratt in der Nähe von Schönbrunn ein. Näheres zu seinen Affären erläutere ich hier.

 

 

Dr. Hermann Widerhofer, Foto: Wikimedia/Commons

Katharina Schratt, Foto: habsburger.net

1885 führte Kaiserin Elisabeth dem Kaiser Katharina Schratt zu. Mittlerweile tat ihr ihr Mann sogar schon leid. Für sie war die Ehe zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahren beendet.

Den ersten Brief den man nach 1875 findet, ist vom 30.6.1886 datiert: „Schönbrunn den 30.Juni 1886, 4 Uhr Früh Édes, szerettet lelkem (Anmerkung: Meine süße, geliebte Seele) …. Gott lob tretet Ihr also Morgen endlich die Rückreise in die Heimath an und dieser Brief wird Dich bereits in Gastein erwarten. Wie ich mich auf das Wiedersehen freue, kannst Du Dir denken. Bitte vergesse nur nicht dafür zu sorgen, daß ich Sonntag eine Messe bekomme, wo möglich nicht vor 9 Uhr. Gestern war Wiederhofer (Anmerkung: Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901), Kinderarzt bei Kronprinz Rudolf und Leibarzt von Erzherzogin Marie Valerie) (Anmerkung: Kaiser Franz Joseph schrieb ihn mit „ie“; korrekt ist aber nur „i“) um mir wegen Mondel (Anmerkung: Generaladjutant Friedrich Freiherr von Mondel (*22.9.1821, †18.12.1886; zu dieser Zeit bereits schwer krank) zu berichten und bei dieser Gelegenheit sagte er mir, daß Du Dich während der Kur vor Allem vor Verkühlungen in Acht nehmen mußt und keine zu anstrengenden Fußmärsche machen sollst, auch ja die Bäder nicht übertreiben …… Dich von ganzem Herzen umarmend, Dein Kl“ (22)

Friedrich Freiherr von Mondel, Foto: oldthing.de

Leider enden die Briefe wieder mit dem 6.11.1889, wo sich Kaiser Franz Joseph in Gödöllö befand, Kaiserin Elisabeth aber auf Korfu weilte. Zu Rudolfs Tod findet man auch hier nichts. Der erste Brief ist wieder vom 24.9.1890 datiert. Erzherzogin Marie Valerie ist mit ihrem Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) verheiratet und wohnte in Schloss Lichtenegg in Wels, Oberösterreich. Und so erzählte er immer weiter, wen er traf, wo er sich gerade befand (sogar Schloss Possenhofen besuchte er) und was er gerade tat. Als Nachsatz nach seiner Abschiedsklausel, kann man öfters „Die Freundin küßt deine Hände“ lesen (z.B. Brief vom 23.4.1891). Mit Freundin ist natürlich Katharina Schratt (*11.9.1853, †17.4.1940) gemeint.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth auf Cap Martin, 1894 Foto: Nationalbibliothek

Danach gehen die Briefe ohne gröbere Unterbrechung bis 1898 weiter. 1895 weilte Kaiserin Elisabeth in Cap Martin, er fragte, ob Sisi wüsste, wann Gackel mitsamt der Familie an die Riviera käme usw. Die Briefe aus 1895 sind, soweit ich das herauslesen kann, vollständig erhalten. Es wird viel über Marie Valerie, Gisela, Leopold, die Kinder der beiden und deren Befindlichkeiten gesprochen; übers Zahnen der Kleinen, über Essprobleme der kleinen Ella usw. Das alles aufzuzählen würde noch mehr Seiten füllen. Er bedankte sich sogar einmal, als Sisi ihm „mit dem weißen Schirme gewunken habe.“

Es wird über gemeinsame Bekannte getratscht, welches Paar wann geheiratet habe und wer mit wem eine Liaison unterhält. Telegramme über plötzlich Verstorbene erreichen den Kaiser und gegenseitig wird Beileid bekundet. Die Briefe der letzten Jahre lesen sich wie eine Brieffreundschaft zweier Unbekannter. Wenig Persönliches und noch weniger Gefühlvolles, bis auf die übliche Abschiedsklausel „Dich in Liebe und Sehnsucht umarmend, Dein Kl“.

Kaiser Franz Joseph, mit seinen Enkeln, den Kindern der Erzherzogin Marie Valerie, Franz Karl, Hubert Salvator und Elisabeth, Foto: Nationalbibliothek

Auch die Briefe 1896/7 beinhalten Selbiges wie 1898. Kronprinz Rudolf kommt nicht einmal mehr vor. Hie und da fällt der Name Stephanie, Franz Ferdinand wird bereits öfter erwähnt. Am Anfang des Jahres 1898 befindet sich Kaiserin Elisabeth in Frankreich, genau gesagt in Marseille, um dann nach Nizza weiterzufahren. Kaiser Franz Joseph befand sich zwischenzeitlich in Eisenerz. Auch hier dürften die Briefe vollständig sein. Er berichtet über Marie Valerie, die sich höchster Gesundheit erfreue und bestens aussehe, philosophiert über Theaterstücke, wie müde er manchmal sei und über allerlei Familienmitglieder. Am 24.8.1898 war Kaiser Franz Joseph in Ischl und erwartete voller Ungeduld die Ankunft seiner Frau, welche für kurze Zeit blieb, um am 27.8.1898 wieder nach Nauheim abzufahren.

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Viktor). Fotografie von Ludwig Angerer, 1860, Foto: Wikimedia/Commons

In vierundvierzig Ehejahren ließ sich Kaiserin Elisabeth nicht ein einziges Mal mit ihrem Mann und den Kindern ablichten. Es existiert eine einzige Fotoaufnahme, auf der Kaiserin Elisabeth mit den Söhnen von Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl zu sehen ist. Ansonsten lehnte sie solche Fotos kategorisch ab. Sämtliche Lithografien oder gemalte Bilder sind der reinen Phantasie der Lithografen oder Maler entsprungen. Kaiser Franz Joseph hingegen posierte mehrmals mit seinen Kindern; vor allem aber als Opa mit seinen Enkeln.

gesamte Familie, 1888, gezeichnet, Foto: billerantik.de

 

Sisi erscheint als Engel Kaiser Franz Joseph, Foto: Wikimedia/Commons

Den allerletzten Brief, den Kaiser Franz Joseph an Kaiserin Elisabeth schrieb, sollte diese niemals mehr erhalten. Hier der gesamte Brief: 

Anmerkungen vorab von mir:
Gräfin Sztáray = letzte Hofdame von Kaiserin Elisabeth – Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863, †3.9.1940)
Graf Welsersheimb = Rudolf Graf Welser von Welsersheimb  (*1.3.1842, †25.10.1926)
Rudi Liechtenstein = Rudolf von und zu Liechtenstein, Obersthofmeister (*18.4.1838 – †15.10.1908)
voiture = Auto (?)
Isten veled szeretet agylaom = Adieu, schöner süßer Engel

Schönbrunn den 10. Septbr. 1898 

Édes szeretett lelkem, 

Da ich Heute in Schönbrunn bleibe und daher meine freie Zeit habe, so will ich doch noch einige Zeilen an Dich richten, um dir beiligenden Brief Valéries, den ich Gestern erhielt zu senden und Dir für Deinen, an sie gerichteten Brief vom 4., der ja auch für mich bestimmt war, innigst zu danken. Gleichzeitig schickt mir Valérie ein kurzes Schreiben der Gräfin Sztáray, auch vom 4., welches, obwohl eigentlich nur ein Namenstag Gratulations Brief, doch auch günstiges über Dein Befinden enthält. Sehr erfreut hat mich die bessere Stimmung, die Deinen Brief durchweht und Deine Zufriedenheit mit dem Wetter, der Luft und Deiner Wohnung sammt Terrasse, welche einen wunderbaren Ausblick auf Berge und See gewähren muß. Daß Du dennoch eine Art Heimweh nach unserer lieben Villa Hermes gefühlt hast, hat mich gerührt. Gestern Nachmittag war ich wieder dort und ging in der Nähe der Villa spazieren. Der Abend war herbstlich, aber sehr schön, der ganze gestrige Tag wolkenlos; auch Heute ist es schön und kühl, aber der Barometer fallt, was mich für die Tátra fürchten laßt. Gestern hörte ich einen Hirsch zweimal melden. Wie Nando Gestern aus Gödöllö telegraphirte, melden dort die Hirsche wegen großer Trockenheit noch nicht und es gelang ihm in der ganzen Zeit, wegen wechselndem Winde, erst einen schwachen 10 Ender am Ansitze zu erlegen, der einzige Schuß den er bis jetzt machte. Von der Freundin erhielt ich Gestern ein Telegramm von Ferleiten 6 Uhr 10 M. Nachmittag. Sie war dort vom Glocknerhause angekommen und wollte noch Gestern nach Zell am See fahren, wo sie gewiß spät eingetroffen sein wird. Warum sie ihre Gebirgstour so gehetzt und mit so starken Tagesleistungen gemacht hat, ist mir nicht klar. 

Ich bin Gestern um 8 Uhr in die Stadt gefahren, wo ich bis 1/2 3 Uhr geblieben bin und Thun, FZM. Graf Welsersheimb und Rudi Liechtenstein gesprochen habe. Um 3 Uhr habe ich hier allein gespeist und Abends erfreute ich mich an der guten Milch aus deiner Meierei. Heute bleibe ich hier und um 1/2 9 Uhr Abends reise ich 
voiture, voiture siehe Oben 
vom Staatsbahnhofe ab. 
Isten veled szeretet agylaom. Dich vom ganzen Herzen umarmend, 
Dein 
Kl (23)

Als am 10.9.1898 Kaiserin Elisabeth starb (den Bericht findet ihr hier) rief er aus: „Niemand weiß, was diese Frau mir gewesen ist!“ (24)

~ Marie ~

Original-Kuverts von Kaiserin Elisabeth an Kaiser Franz Joseph, Kuverts teilweise mit geprägtem Schriftzug „Elisabeth“ und Kaiserkrone bzw. Siegel mit Siegellack, Absender teilweise aus Ischl, Meran, Combermere Abbey, Whitchurch, Shropshire,; das Relief aus Gips stammt von einem Sterbemonument, das nie verwirklicht wurde (R. Weigl 1902), Foto: Dorotheum Wien

 


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Marie
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Maria José, sternenkaiserin.com – Marie, Dorotheum Wien, geo.de, Österreichische Nationalbibliothek, roteskreuz.at, sisi-schloss.at, billerantik.de, habsburger.ne
Stammbaum: Marie, Fotorechte Wikimedia/Commons


Literarische Hinweise:

1 – S. 157, 2 – S 158/9
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Auflage

3 – S 313/4
Martha Schad
Marie Valérie von Österreich – Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth
Piper Verlag, 7. Auflage 2013

4 – S. 124/5, 8 – S 130, 9 – S 142, 10 S. 142/3, 11 – S. 150/1, 15 – S 164, 20 – 294
Brigitte Hamann
Elisabeth – Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage, 2017

5 – S. 9/10, 6 – S 13/14, 7 – S 31/2, 18 – S 55/6, 19 – S. 148/9, 21 – 158, 22 – 185,
Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859 – 1898, Band I (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Herold 1966, 1. Auflage

13 – S 304, 14 – S 308/9, 16 – S 311/2, 17 – S. 313/4
Dr. Franz Schnürer
Briefe Kaiser Franz Josephs an seine Mutter (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Universitätsdruckerei München, 1930

12 – S 60
Gudula Walterskirchen und Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics – Kaiserin Elisabeths intimste Freundin
Residenz Verlag, 3. Auflage, 2014

24 – 458
Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859 – 1898, Band II (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Herold 1966, 1. Auflage

24 – S. 40
Eugen Ketterl
Der Alte Kaiser wie nur Einer ihn sah
Fritz Molden Verlag, 1980, 1. Auflage

Schloss Wallsee

Foto: Prinz Barbara
Schloss Wallsee

Vorwort Petra:

August 2018, als wir gerade einmal 8 Monate als Sternenkaiserin zusammen waren, plante ich eine Reise durch Niederösterreich. Es war eine 4-Schlösser Tour.

Begonnen hatte alles mit Schloss Wallsee, ging am selben Tag weiter nach Schloss Totzenbach.

Tags darauf fuhren wir zum Renaissanceschloss Greillenstein und wieder einen Tag später zum Schloss Ruegers, dass uns bis in den September 2020 begleiten sollte.

Immer wieder waren wir im Letzteren zu Gast. Mittlerweile gibt es das Schloss Ruegers genauso nicht mehr, wie uns. Schloss Ruegers schloss 2019 seine Pforten und wird verkauft; wir haben uns im April 2021 getrennt.

Seit dem geht die Mythos Kaiserin Elisabeth Seite ihren eigenen Weg. Die Beiträge zu den restlichen Schlössern habe ich gelöscht, weil die mit Kaiserin Elisabeth nichts gemeinsam haben.

Auch wenn im Renaissanceschloss Greillenstein eine gebürtige Elisabeth Prinzessin von Bayern, verheiratete Elisabeth Gräfin von Kuefstein lebt, hat das Schloss per se nichts mit Kaiserin Elisabeth zu tun. Gräfin Kuefstein stammt im übrigen von der Linie Erzherzogin Marie Valérie ab.

Schloss Wallsee hat deshalb etwas gemeinsam mit Kaiserin Elisabeth, da hier ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie mit ihrem Mann lebte.

Ich erspare euch die Einzelheiten zu Bauzeit, Bauherren und Grundrissen. Fakt ist, 1895 kaufte Erzherzog Franz Salvator das Schloss von Alfred Herzog Sachsen-Coburg und Gotha, da das Wasserschloss Lichtenegg in Wels aus allen Nähten platzte.

Bei 4 Kindern stand Kaiserin Elisabeth an Valéries Seite.

Dazu reiste sie jedes Mal kurz vor den Geburten ins Wasserschloss Lichtenegg an und blieb bis zur Taufe oder zumindest bis kurz davor.

Sabine Rossegger ehemalige Sternenkaiserin:

Das Schloss war allerdings nicht im besten Zustand, als es Franz kaufte.

MarieValerieFranzSalvator
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Valerie und Erzherzog Franz Salvator

Das gesamte obere Geschoß war zu dem Zeitpunkt unbewohnbar, im Westteil des Schlosses waren alle Decken und Gewölbe in derart schlechtem Zustand, dass sie nicht mehr zu retten waren und daher erneuert werden mussten.

Ebenso mussten alle Fenster, Fußböden, Türen und die Holzstiege repariert werden, so auch das Dach. Der gesamte heutige Verputz wurde damals aufgebracht.

2 Jahre lang wurde das Schloss renoviert, bevor Erzherzogin Marie Valerie (*22.4.1868,†6.9.1924) und Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) und die immer größer werdende Familie am 4.9.1897 einzogen.

Die Bevölkerung des kleines Ortes freuten sich sehr über den Zuzug, galt die Kaisertochter für wohltätig und wohlwollend der Bevölkerung gegenüber.

Bald schon hatte sie den Beinamen

„der Engel von Wallsee“

Als Kaiserin Elisabeth das erste Mal zu Gast war, beschrieb dies Hofdame Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863,†3.9.1940) wie folgt: 

„Am 28. September (1897) verließen wir Meran und waren am nächsten Morgen in Wallsee, im neuen Heim der Erzherzogin Valérie. Die erzherzogliche Familie war erst vor kurzem hierher übersiedelt und es ist daher natürlich, dass die Kaiserin das herrliche Schloß und dessen Einrichtung mit größtem Interesse und auf das eingehendste besichtigte.
Wallsee übertraf alle unsere Erwartungen. Unser kurzer Aufenthalt war ein würdiger Abschluß dieser mit mancherlei angenehmen Erinnerungen verknüpften Reise, für deren prächtigen Erfolg am besten die freudige Überraschung sprach, die Seine Majestät bekundete, als er im Ofener Bahnhofe meine teure Kaiserin von mir übernahm.“
(1)

Das Schloss befindet sich nach wie vor im Besitz der Familie Habsburg-Lothringen und wird auch von ihr ständig bewohnt.

Zur Zeit von Ing. Andreas & Margaretha Habsburg Lothringen (Ur-Enkelin von Marie Valérie und Ur-Ur-Enkelin von Kaiserin Elisabeth) und deren 3 Kindern.

Das Schloss ist nicht öffentlich zugänglich!

Lediglich für Hochzeiten (Standesamt und eine kleine gotische Kapelle) wird ein kleiner Teilbereich des Schlosses geöffnet. 

Foto: Prinz Barbara

Den Besuch in Wallsee hatte Petra bis ins letzte Detail geplant, die Kleiderauswahl, den Hut – ein Originalstück aus 1897, ja sogar der Schirm – alles war von ihr festgelegt und vorgeplant.

Nichts wurde dem Zufall überlassen und wurde auf das Jahr abgestimmt 1897 in dem die Kaisertochter nach Wallsee zog.



Als wir auf das schwere schmiedeeiserne Tor zuschritten, an dem weithin sichtbar die Wappen von Marie Valerie und Franz Salvator erkennbar sind, öffnete es sich uns wie von selbst.

Am Eingang wurden wir von Margaretha Habsburg-Lothringen der Ur-Ur-Enkelin von Marie Valérie und ihrem jüngsten Sohn Alexander begrüßt.

Wir spazierten durch den Garten die lange Auffahrt zum Schlosstor entlang, an deren rechten Seite ist noch die steinerne Reithalle erhalten.

Durch das große Haupttor des Burgturms, auf dessen großen Mosaik die Brüder Eberhard und Heinrich von Wallsee dargestellt sind, gelangten wir in den großen Innenhof des Schlosses.

Durch ein weiteres Tor gelangten wir in einen zweiten, kleineren Innenhof in dem sich heute noch die privaten Wohnräume der Familie befinden.

In einer Ecke dieses Innenhofes steht ein alter Brunnen, der an die Zeit erinnert, als noch mit Holzleitungen das Wasser ins Schloss transportiert wurde.

Betritt man das Schloss, glaubt man, die Zeit wäre stehen geblieben.

Foto: Prinz Barbara
Foto: Prinz Barbara

Das zweite Schloss erinnert eher an eine Burg aus dem Mittelalter und so ist der Innenraum eher dunkel und das dunkle Mahagoni und die kleinen Fenster, durch das die Sonne drang, erhellten den Raum nicht sonderlich.

Im gesamten Gebäude ist die kaiserliche Familie allgegenwärtig.

Petra entdeckte sogar eine Statuette vom Denkmal aus Gödöllö.

Kaiser Franz Joseph ließ von den schönsten Denkmälern kleinere Repliken anfertigen und verteilte diese in der Familie und an seine engsten Vertrauten.

Foto: Prinz Barbara

Deshalb gelangen solche Statuetten auch immer wieder z.B. ins Dorotheum Wien.

Eine Vitrine mit Andenken an die Kaiserin erinnert an deren Besuche bei ihrer Tochter (Anmerkung Petra: aus Respekt zeige ich diese Fotos nicht).

Am oberen Treppenende erinnert ein lebensgroßes Gemälde an Erzherzog Franz Salvator.

Danach war unser Besuch auch schon wieder vorbei und wir verabschiedeten uns von Margaretha Habsburg, ihrem Mann Andreas und den Kindern, die nach und nach von der Schule nach Hause kamen.

Sabine Rossegger


Nachwort Petra:

Nach dem Tod ihrer geliebten Mutter (der Beitrag kann hier gelesen werden) versuchte Valérie gemeinsam mit ihrer Schwester Gisela Prinzessin von Bayern (*12.7.1856,27.7.1932) den trauernden Kaiser zu trösten.

Er war gerne in Wallsee zu Gast war, um dort mit seinen Enkelkindern Zeit zu verbringen.

Marievalaustria12
Foto: Wikimedia/Commons
Die gesamte Familie; ca. 1905
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Foto: Wikimedia/Commons
Unterm Weihnachtsbaum in Wallsee, Zeitungsillustration, 1916

Am 10.12.1918 verstarb Erzherzog Franz Karl, der älteste Sohn von Valérie, im Schloss Wallsee an der Spanischen Grippe. Zuvor hatte sie ihn noch aufopferungsvoll gepflegt.

In der Entbehrungsreichen Nachkriegszeit half der „Engel von Wallsee“ der Bevölkerung wo sie konnte und versorgte diese mit Essen, Kleidung und Medikamenten.

Leider erkrankte sie selbst an Lymphdrüsenkrebs.

Erzherzogin Marie Valérie starb am 6.4.1924 im Kreise ihrer Familie in Wallsee. Sie ruht am örtlichen Friedhof von Sindelburg-Wallsee.

Sohn Theodor Salvator (*9.10.1899,8.4.1978) übernahm nach dem Tod seiner Eltern Schloss Wallsee. Seit dem ist es immer noch im Familienbesitz.

– Petra –


Im Ort Wallsee entdeckte ich eine Kuriosität, die ich hier in diesem Beitrag anschließen möchte.

Es gibt ein Kaiser Franz Joseph Denkmal mit dem falschen (!) Sterbejahr.

Niemand (!) konnte mir bis heute die Frage beantworten, wieso dieser Fehler passiert ist.

Ausgerechnet im Wohnort der Tochter, steht dieses Denkmal.

Meines Erachtens eine Peinlichkeit, die wirklich nicht sein müsste!

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Rechtliche Hinweise:

Vorwort + Nachwort + Layout: Petra
Text: Sabine Rossegger
Bildrechte: Prinz Barbara, Wikimedia/Commons, habsburger.net, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweis:

1 – S 166,
Irma Gräfin von Sztáray
Aus den letzten Jahren der Kaiserin Elisabeth
Amalthea Verlag, 3te Auflage, 2005

Hochzeit Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 3)

Foto: Wikimedia/Commons
Verlobungsbild Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern, 1853

Wir feiern heute den Hochzeitstag von Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern, die mit dieser Hochzeit zum Hochadel avancierte und Kaiserin von Österreich wurde.

Die kleine Elisabeth verzauberte Kaiser Franz Joseph im August 1853 in Ischl so sehr, dass nach 3 Tagen am 18.8.1853 bereits die Verlobung gefeiert wurde. Mein Beitrag zur Verlobung kann hier nachgelesen werden. 

Seit dem wurde die Hochzeit auf Hochtouren geplant. Die junge Braut wurde nicht lange gefragt. Unglückliche Gedichte schrieb sie in ihr Tagebuch, welche ebenfalls im Beitrag zur Verlobung nachgelesen werden können. Es half alles nichts. Anfang März 1854 unterschrieb ihr Vater Herzog Max den Ehe Pakt.

Foto: habsburger.net
Original-Hochzeitseinladung
(zu sehen im Sisi-Museum, Wien)

Direkt nach der Verlobung erhielt Elisabeth Heiratsgut im Wert von 50.000 Gulden (€ 670.000). Weitere 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) wurde für die Absicherung für die Witwe vereinbart, vorausgesetzt Franz Joseph würde vor ihr versterben. Als Morgengabe wurden 12.000 Dukaten vereinbart.

Kaiser Franz Joseph verpflichtete sich weiters seiner Gattin jährlich eine Apanage von 100.000 Gulden (etwa € 1,34 Mil.) zu bezahlen. Elisabeth sollte also nicht „arm“ in der Ehe sein.

In den späteren Jahren richtete sich Kaiserin Elisabeth in der Schweiz ein Konto ein, so dass sie fernab vom Wiener Hof sehr gut Leben konnte. Sie war zeitweilig sogar reicher als ihr Ehemann.

Weiters wurde Wäsche und Schmuck als Ausstattung vereinbart, wobei diese sehr ärmlich war. Ludovika hatte mit der Hochzeit mit Helene gerechnet. Elisabeth war bei der Verlobung erst 15 Jahre alt und ihre Ausstattung weder komplett, noch für ein Kaiserhaus edel genug.

Die 25 Koffer die vor der Braut in Wien eintrafen, waren daher dem Gespött ausgesetzt. Elisabeth galt als „keine gute Partie“, noch bevor sie Wien erreichte. Ihre Silberausstattung galt als „bescheiden“. Die Silberausstattung, die damals als ein „Muss“ galt, hatte einen Gesamtwert von ca. 700 Gulden (€ 9.380). Handspiegel, Waschkanne und Silberteller bereits mit eingerechnet.

Einzig der Schmuck hatte einen höheren Wert, dieser wurde ihr jedoch im Laufe der Verlobungszeit von Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Sophie geschenkt. Der Wert des Schmuckes wurde auf 60.000 Gulden (€ 804.000) geschätzt.

Die Kleider hatten einen Wert von 50.000 Gulden (€ 670.000). Dabei besaß Sisi 4 Ballkleider, 17 Putzkleider, 14 Seidenkleider und 19 Sommerkleider. Das Wertvollste – ein blauer Samtmantel mit Zobelbesatz, sowie Zobelmuff – war natürlich wieder ein Geschenk von Franz Joseph.

Zum Vergleich: Ein Arbeitslohn für Männer betrug jährlich 300 Gulden (€ 4.020), Frauen nur die Hälfte, Kinder nur ein Bruchteil.

Ein Leutnant hatte 24 Gulden monatlich (€ 321,60) zu erwarten, Soldaten dementsprechend weniger, Offiziere demnach mehr.

Zwar waren diese Beträge für jeden Bürgerlichen immer noch horrend und nicht zu erreichen, aber reiche Kaufleute konnten ihre Töchter weitaus besser ausstatten.

Der „vulgäre“ Landadel von den Herzogs „in“ Bayern wurde von jeher als „nicht standesgemäß“ betrachtet. Der Unterschied zur Erblinie kann hier nachgelesen werden.

Das Datum der Hochzeit wurde auf den 24.4.1854 angesetzt.

Obwohl Ludovika um eine Hochzeit in München kämpfte, verlor sie auch diesen Punkt gegen ihren zukünftigen Schwiegersohn.

Er ließ nicht mit sich Handeln. Die Hochzeit sollte in Wien, in der Augustinerkirche, stattfinden.

In Wien wurde derweil alles für dieses Großereignis vorbereitet. Obwohl die Gefahr eines Krimkrieges bevorstand und kaum abgewendet werden konnte, setzte man große Hoffnungen auf die Hochzeit mit Elisabeth. Wien wurde herausgeputzt.

Auch eine zusätzliche Strophe für die Kaiserhymne wurde geschrieben:

An des Kaisers Seite waltet,
Ihm verwandt durch Stamm und Sinn,
Reich an Reiz, der nie veraltet,
Uns're holde Kaiserin.
Was als Glück zu höchst gepriesen
Ström' auf sie der Himmel aus:
Heil Franz Joseph, Heil Elisen,
Segen Habsburgs ganzem Haus!

Musik: Joseph Haydn
Text: Johann Gabriel Seidl

Am 20.4.1854 bestieg Herzogin Elisabeth mit ihrer Mutter Ludovika eine Kutsche um eine 3tägige Reise anzutreten. Gefolgt von ihrem Vater und den Geschwistern. Zuvor wurde noch groß Abschied in München genommen.

Sie verabschiedete sich von dem gesamten Personal, ihrem Stief-Onkel Ex-König Ludwig I. (der 1848 wegen dem Lola Montez-Skandal abdanken musste), dem regierenden König Maximilian II und der gesamten Verwandtschaft. Die junge Braut war in Tränen aufgelöst.

Foto: Wikimedia/Commons
Schiff „Austria“ bei der Ankunft in Linz 21.4.1854 

Am 21.4.1854 bestieg sie das Dampfschiff „Austria“ und fuhr von Straubing Richtung Linz.

Franz Joseph entschied sich spontan seine Braut in Linz zu begrüßen und fuhr ihr mit einer Kutsche aufgeregt entgegen.

Das war nicht nur gegen das Protokoll, sondern auch eine ziemliche Überraschung für die Linzer, die mit der Ankunft des Kaisers so gar nicht gerechnet hatten.

Schwiegermutter in spe und Tante Erzherzogin Sophie, muss einer Ohnmacht nahe gewesen sein als sie davon erfuhr.

Kaiser Franz Joseph verstieß damit gegen jede Etikette. Auch das Busserl, dass er seiner Braut Elisabeth vor lauter Freude auf die Wange drückte, hätte nicht stattfinden dürfen.

Es geziemte sich nicht in der Öffentlichkeit zu „Busslern“ – schon gar nicht für einen Kaiser. 

Linz begrüßte die zukünftige Kaiserin mit gebührlichem Programm:

Das Theaterstück

„Die Rosen der Elisabeth“

wurde aufgeführt, danach ein Chorgesang und ein Fackelzug durch die Stadt.

Obwohl junge Braut zu diesem Zeitpunkt schon erschöpft war, stand aber alle Huldigungen mit Bravour durch.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Elisabethzimmer, Landhaus Linz
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Elisabethzimmer, Landhaus Linz
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Elisabethzimmer, Landhaus Linz

Elisabeth übernachtete mit ihrer Gefolgschaft im Landhaus Linz. Ihr Zimmer ist heute noch erhalten, allerdings ist das Gebäude selbst ein Regierungsgebäude; es ist öffentlich nicht zugänglich.

Ich durfte jedoch den Meetingsaal mit den Original erhaltenen Möbeln und Tapeten besuchen. 

Gegen 4.30 Uhr früh verließ der Kaiser Linz, um seine Elisabeth am Abend in Wien erneut zu begrüßen.

Foto: Wikimedia/Commons
Ankunft in Nussdorf

Der Raddampfer „Franz Joseph“ nahm am 22.4. erneut die Brautgesellschaft auf und fuhr pünktlich um 8.00 Uhr morgens ab.

Die ganze Zeit musste Herzogin Elisabeth am Schiff stehen, um mit einem Spitzentaschentuch den tausenden Leuten, die die Straßen und Ufer säumten, zu winken.

Wie sehr das an den Nerven der 16jährigen zerren musste, kann man sich kaum vorstellen. Verschüchtert und voller Angst fuhr sie dem Ungewissen entgegen.

Unter Glockengeläut (alle Glocken in Wien läuteten) und Kanonendonner legte das Schiff in Nußdorf an und Franz Joseph gab Elisabeth wieder ein Busserl auf die Wangen.

Die Menschenschar raste vor Begeisterung.

Nie zuvor und nie wieder danach, wurde eine Braut so derartig huldvoll begrüßt und empfangen.

Und obwohl das junge Mädchen sicherlich Ruhe gebraucht hätte, nahm man auf die erschöpfte Braut keine Rücksicht. Der Marathon ging weiter. Der Wagenzug mit dem Brautgefolge, Bräutigam und Eltern zogen von Nußdorf nach Schloss Schönbrunn wo ein großes Dinner statt fand.

Ich habe den Kaiser schon lieb. Wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (1a)

Diesen Satz soll Elisabeth gesagt haben, bevor sie sich mit dem Kaiser verlobt hat.

Sie hat geahnt, was auf sie zukommen wird.

Ich würde persönlich gerne wissen, was sie gedacht hat, als sie den Prunk und den Protz in Schloss Schönbrunn mit seinen 1400 Zimmern erblickte. Als sie erfuhr, dass in Schönbrunn ca. 4000 Personen permanent wohnten.

Plötzlich waren Menschen um sie herum, sie ihr von einer Sekunde auf die nächste die Hand küssen wollten/mussten. All das ist natürlich nicht überliefert.

„…man begafft mich wie ein seltenes Tier…“

Diese Textzeile aus dem Musical Elisabeth ist wohl noch harmlos ausgedrückt. 

Mit großer Feierlichkeit überreichte Franz Joseph sein Brautgeschenk.

Eine Diamantenkrone, die extra für 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) überarbeitet wurde.

Hierzu ist im Musical Elisabeth eine Textzeile überliefert:

„In der Schatzkammer fiel die Krone zu Boden…“

Dies galt als schlechtes Omen und wurde für eine schlechte Ehe vorausgesehen. Danach wurden alle anderen Geschenke überreicht. Ex-Kaiser Ferdinand überreichte ihr ebenfalls ein Diamantendiadem.

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie Maria Josepha Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha, kurz Gräfin Esterházy, Lithographie Josef Kriehuber, 1833
Foto: Wikimedia/Commons
Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. Gräfin von Bellegarde

Zu all dem wurden ihr noch ihr völlig fremde Personen zugeteilt. Alle Damen, die sie bis jetzt betreuten, wurden ihres Dienstes enthoben.

Statt dessen wurde ihr als Obersthofmeisterin Sophie Maria Josepha Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha (*5.9.1798, † 17.6.1869) zur Seite gestellt.

Gräfin Esterházy war Hofdame bei Erzherzogin Sophie und eine ihrer engsten Vertrauten. Elisabeth hat Gräfin Esterházy vom ersten Anblick an abgelehnt.

Zu Recht, denn die Gräfin hatte nichts besseres zu tun, als jede kleine Verfehlung die sich die junge Kaiserin erlaubte an Erzherzogin Sophie weiterzuerzählen.

Sie behandelte die junge Kaiserin wie ein unmündiges kleines Kind und erzählte ihr weiters den gesamten Tratsch vom Hof, der die Kaiserin nicht im geringsten interessierte. Weiters wurde ihr Obersthofmeister Fürst Lobkowitz zur Seite gestellt.

Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. von Bellegarde (Gräfin Bellegarde) (*2.4.1830, † 27.5.1912) und Gräfin Lamberg vervollständigten das direkte Personal von Elisabeth.

Zusätzlich zogen ein Sekretär, eine Kammerfrau, ein Kammerthürhüter, vier Leiblakeien, ein Hausknecht und ein Kammerweib mit Elisabeth in die Hofburg bzw. Schloss Schönbrunn. Das dies die kleine Prinzessin aus Bayern einschüchterte wird jedem verständlich sein.

Am 23.4. wurde der Hochzeitsmarathon fortgesetzt.

Vom heutigen Theresianum (damals „Favorita“ und von Franz Joseph kaum noch benützt) wurde das strenge Zeremoniell gestartet, wo Elisabeth bereits seit einigen Stunden für dieses Ereignis hergerichtet wurde.

Die von 8 Lipizzanern gezogene Prachtkutsche, wurde mit Leibgardisten in Paradeuniform begleitet. Weiters folgten dem Tross 6spännige Kutschen mit den Geheimen Räten, Palastdamen und der Familie. Neben den Wägen gingen die Diener.

Wienmuseum.at
die neu erbaute Elisabethbrücke
Kutsche mit Herzogin Elisabeth und Herzogin Ludovika, dahinter die Karlskirche

Der Zug führte über die neue Elisabethbrücke zur Augustinerkirche.
(wurde 1898 nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth abgerissen)

Sie trug ein rosa Putzkleid mit Schleppe, welches mit Rosengirlanden geschmückt war. Das neue Diamantendiadem wurde ihr auf den Kopf gesetzt. Herzogin Elisabeth war überaus verängstigt und schluchzte leise vor sich hin. Aber auch Ludovika schüchterte diese enorme Zeremonie ein.

Als der Zug vor der Kirche ankam erklangen wieder alle Glocken, um den Einzug der Braut zu würdigen. Die Straßen waren voll von Schaulustigen, die sich alle einen Blick auf die baldige Kaiserin erhofften.

Als sie endlich bei der Hofburg ankam, war sie zu Tode erschöpft.

Beim Ausstieg aus der Kutsche, passierte ihr deswegen ein kleiner Fauxpas. Sie blieb mit der Diamantenkrone an der Türfassung der Kutsche hängen und strauchelte daher beim Aussteigen. 

Der Wiener Hof hatte gleich wieder zu lachen und zu tratschen, da dieses Missgeschick natürlich ausgerechnet vor allen Augen passierte.

Im Amalienhof (Trakt der Hofburg) angekommen, durfte sich die junge Braut endlich ausruhen.

Elisabeth notierte in ihr Tagebuch:

Ich bin erwacht in einem Kerker,
Und Fesseln sind an meiner Hand.
Und meine Sehnsucht immer stärker –
Und Freiheit! Du, mir abgewandt. (1)

Foto: Wikimedia/Commons
„Eine Vorstellung wie die Hochzeitszeremonie aussah“, Neue Illustrierte Zeitung, 1879 zum 25. Hochzeitstag veröffentlicht, Holzstich, Anonym

Am nächsten Morgen gingen die Hochzeitsvorbereitungen erneut los.

Die Hochzeit war für 19.00 Uhr am Abend angesetzt.

Jede Braut kennt die Vorbereitungen die an diesem Tag auf sie warten. Eine 16jährige Braut und noch dazu die zukünftige Kaiserin, musste noch strengere Vorbereitungen über sich ergehen lassen.
Foto: Kunsthistorisches Museum Wien
Wagenburg Schloss Schönbrunn
Schleppe vom Brautkleid, als einziges komplett erhalten

Video zur 3,80 m Hochzeitsschleppe aus der Wagenburg (Schloss Schönbrunn).

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Bis heute weiß niemand wie das Hochzeitskleid von Herzogin Elisabeth in Bayern genau aussah.

Es gab vor einigen Jahren von Schloss Schönbrunn einen öffentlichen Aufruf ob jemand am Dachboden oder sonst wo, von seinen Ur-Urgroßeltern Zeichnungen zum Brautkleid von Kaiserin Elisabeth liegen hat. Diese Zeichnungen hätten demjenigen viel Geld eingebracht. Leider verhallte der Aufruf ungehört. Und so müssen wir bis heute ungefähr erahnen, wie das Kleid ausgesehen haben könnte.

Aber warum war das so?

Es waren nur geladene Gäste in die Kirche vorgelassen und die platzte schon aus allen Nähten. Das gemeine Fußvolk musste natürlich vor der Türe warten und wer tatsächlich einen Blick erhaschen konnte, konnte das Kleid vermutlich nicht richtig sehen. Maler, Zeichner usw. waren sicherlich positioniert, aber keiner hätte es genau treffen können. Und ein Maler war an diesem Tag leider keiner bestellt.

Bei der Hochzeit in der Augustinerkirche selbst waren nur die engsten Familienangehörigen, der Hofstaat und die Kardinäle anwesend. Deswegen existieren auch hier keine genauen Aufzeichnungen wie Elisabeth am Tag ihrer Hochzeit aussah.

Der Bericht zum Vespermantel zum Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth kann hier nachgelesen werden.

Wenn man sich aber diese Aufzeichnungen ansieht, kann man ungefähr das genaue Ausmaß erahnen:

Ihre königliche Hoheit trug ein Schleppenkleid und einen Mantel von Moire antique, prachtvoll mit Gold und Silber gestickt und reich mit Myrthen verziert.

Auf ihrem Haupte glänzte das nämliche Diadem, welches ihre durchlauchtigste Schwiegermutter, die Erzherzogin Sophie, an ihrem Vermählungstage getragen hatte. Über die Schultern der kaiserlichen Braut wallte ein Spitzenschleier herab und die Brust schmückte ein frischer Rosenstrauß. (2)

In Sophies Tagebuch fanden sich folgende Passagen (alle abzuschreiben, würden jeglichen Rahmen sprengen, aber die wichtigsten gebe ich wieder):


Montag, 24. April […] gegen 7h 3/4 suchte mich der Kaiser nach seiner Beichte auf und fand Louise (Ludovika, Sisis Mutter) in meinem Salon vor, die auf das Ende von Sisis Beichte bei Bischof Zenner in meinem Oratorium wartete. Begleitet von ihrer Mutter nahm Sisi mit dem Kaiser an der Heiligen Messe […] in der Josephskapelle teil. – Franz, unsere 3 Jüngsten, ich und Carl in meinem Oratorium. Dort habe ich gebetet und aus ganzem Herzen geweint. (6)

Das Frühstück im roten Kabinett mit meinen 4 Kindern, ihrem Vater, Louise [und] ihren Töchtern: [Herzog] Max und Ludwig kamen dazu. Der Kaiser, so glücklich und verliebt. […] (7)

Nach 3h: das Diner bei mir mit meinen 4 Kindern und ihrem Vater. Gute und fröhliche Unterhaltung. Wir tranken auf das Wohl der jungen Brautleute, auf Marie und Fritz von Sachsen, die Hochzeitstag hatten. […] (8)

Um 5h Toilette:: Kleid aus weißem Stoff und Gold von Franz; Mantel aus amarantfarbenen Stoff, den ich mit Gold und Silber besticken ließ. (9)

Gegen 6h 1/2: mit meinem Sohn und seinem Vater zu Louise , wo wir 4 Väter und Mütter das junge schöne Paar segneten. Mein liebes Kind strahlte vor Glück. Sisi war schön und elegant. Nachdem mich mein Sohn fest umarmt hatte, umarmte er seine Braut, während er sanft ihre Hand drückte, sagte er ihr liebevolle Dinge und wie er auf ihr Wohlergehen bedacht war. Ich war so glücklich. (10)

Im Spiegelsalon fanden wir die gesamte kaiserliche Familie vor. Langes und immenses Gefolge (alle Palastdamen hatten Dienst) (Anmerkung Petra: meinen Beitrag zum Hofzeremoniell könnt ihr hier nachlesen) bis zur Augustinerkirche, der Gang übermäßig heiß, die jungen Leute der Neustädter Akademie standen zu ihrer großen Freude Spalier. […] der Erzbischof, assistiert von den Bischöfen von Linz und St. Pölten, segnete die Vermählung nach einer langen Predigt […], Nachdem die Ringe getauscht waren, läutete es 7h 1/2. In diesem schönen Moment führte der Kaiser die Kaiserin zum Thron und ließ sie an seiner Seite Platz nehmen, ihre Mutter neben mir, die Augen geschlossen, die Hände gefaltet, mit einem Ausdruck von Bescheidenheit und christlicher Demut – sehr ergreifend. (11)

Foto: Wikimedia/Commons
Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Elisabeth wird zur Kaiserin
man erkennt gut das beschriebene Rosenbouquet, das Diadem und den Brautschleier

Die Kirche wurde mit 15.000 Kerzen erleuchtet und die junge Braut betrat die Augustinerkirche, wo 70 Kardinäle, Bischöfe und Prälaten auf sie warteten.

Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher (*6.10.1797, † 24.11.1875) nahm die Trauung vor.

Auch Wien erstrahlte im schönsten Licht. Kerzen, Gasflammen und elektrische Glühlampen wurden angezündet.

Danach zog der Hochzeitszug zurück in die Hofburg, wo wieder das steife Zeremoniell begann.

Foto: Nationalbiblithek.at
Große Cour im Zeremoniensaal der Wiener Hofburg anlässlich der Vermählung Kaiser Franz Josefs I. mit Elisabeth in Bayern am 24. 4. 1854; Repronegativ nach einer Xylographie von Eduard Kretzschmar
in der „Illustrierten Zeitung“
vom 6. Mai 1854

Nun in Form der Huldigungen und Glückwünsche die auf die ermüdete und erschöpfte Braut zukamen.

Eine Pause oder gar eine Erfrischung gab es nicht.

Gräfin Esterházy stellte die „Palast- und appartementmäßigen Damen“ und Oberhofmeister Lobkowitz die „Kavaliere des Hofstaates“ vor. Die Damen durften nun zum Handkuss vorgelassen werden.

Kaiserin Elisabeth vollkommen übermüdet, verwirrt und verweint reagierte natürlich falsch und wartete, dass die Damen das Wort an sie richteten.

Man kann sich lebhaft vorstellen, was das wiederum für ein Getuschel und Getratsche war, als die Kaiserin nicht selbst das Wort an die Damen richtete. Das Hofprotokoll sah vor, dass man die Kaiserin nicht ansprechen durfte. Nur die Kaiserin selbst durfte das Gespräch beginnen.

Die nächste Peinlichkeit ließ nicht lange auf sich warten. Als zwei Cousinen sah, zog sie ihre Hand zum Handkuss zurück und umarmte die beiden. Ihre Obersthofmeistern war so echauffiert, dass sie die Kaiserin coram publico aufforderte, nur streng nach Zeremoniell zu handeln.

Elisabeth durfte nur noch die Hand für den Handkuss reichen. Vor lauter Scham brach sie in Tränen aus und verließ den Saal.

Die peinliche Szene konnte der ganze Wiener Hof beobachten, man mag sich dies auch in der heutigen Zeit gar nicht ausmalen. Der Skandal war perfekt, auf Monate hin, war für Hohn und Spott gesorgt.

Nach 23.00 Uhr waren endlich alle Feierlichkeiten abgeschlossen und die „Bettlägeszene“ wurde vorbereitet.

Ludovika und Sophie begleiteten Elisabeth in ihr Schlafzimmer und halfen ihr sich für die Hochzeitsnacht herzurichten.

Sophie schrieb in ihr Tagebuch:

Zwischen 10 und 11h: Tee und Souper bei mir, wir 4 Väter und Mütter und unsere Kinder. Nachdem alle gegangen waren, führten wir, Louise und ich, die frisch Vermählte in ihrer Gemächer. Ich ließ sie mit ihrer Mutter allein und richtete mich im Kabinett neben dem Schlafzimmer ein, bis sie zu Bett gegangen war; ich suchte meinen Sohn auf und begleitete ihn zu seiner jungen Frau, die, als ich ihr gute Nacht sagte, ihr hübsches von reichem, schönen Haar umrahmtes Gesicht im Opfpolster verbarg, wie ein erschreckter Vogel, der sich in seinem Nest versteckt. Ich ging mit Louise […] (3)

Die Ehe wurde nicht vollzogen.

Am nächsten Tag tauchte Sophie beim gemeinsamen Frühstück auf und ließ sich von ihrem Franzi erzählen, wie die Hochzeitsnacht gelaufen sei. Franz Joseph musste mit hochrotem Kopf zugeben, dass diese nicht stattgefunden hatte.

Auch die Kammerzofen und Lakaien wussten bereits, dass es keinen Vollzug gab. Das verräterische Bettzeug wurde entfernt und neu bespannt.

Kaiserin Elisabeth schämte sich zu Tode.

Auch am zweiten Tag konnte kein Erfolg vermeldet werden.

Mittlerweile tuschelte schon der gesamte Hof und Kaiser Franz Joseph wurde zum Gespött von ganz Schönbrunn und der Hofburg. Die Offiziere und Soldaten von den Regimentern schlossen schon Wetten ab, „wann die Kaiserin fallen würde“. Eine Schande für den jungen Kaiser und natürlich noch mehr für die junge Frau.

Erst am dritten Tag wurde die Ehe vollzogen.

Ob sich der Kaiser nahm, was ihm nicht zustand, oder ob ihn Elisabeth tatsächlich ließ ist nicht überliefert. Liest man sich aber die Aussagen, seiner späteren Liebhaberinnen durch, so zählte Franz Joseph zu den „groben Liebhabern“, die nichts von Liebe und Zärtlichkeit verstanden.

Ich nehme also einmal an, dass Elisabeth in ihrer dritten Ehenacht gelitten hat. Und dies auch der Grund war, warum sie Zeit ihres Lebens ein Trauma diesbezüglich hatte und von weiteren Liebesnächten nicht viel hielt.

Auch die peinlichen Berichte an seine Mutter waren sicherlich ein Grund für die junge Frau, sich später zu entziehen. Sie wollte einfach nicht der Guten Morgen-Tratsch bei ihrer Tante und Schwiegermutter sein.

Kaiser Franz Joseph fand sich nun also zum Frühstück bei seiner Mutter ein und bat auch seine Frau zu kommen. Dort berichtete er von dem Vollzug.

Die Kaiserin aber blieb noch eine Weile im Bett, weil sie sich schämte. Sie folgte erst später und hoffte, dem peinlichen Gespräch auszuweichen.

Elisabeth erzählte folgendes später Marie Festetics:

Der Kaiser war so gewohnt, zu folgen, daß er sich auch darin ergab. Aber mir war das gräßlich. Ihm zu lieb ging auch ich.“ (4)

Bis zum 30.4.1854 zogen sich die Hochzeitsfestlichkeiten. Es fand noch ein Hofball, Theateraufführungen, ein Staatsdinner mit 160 geladenen Gästen uvm. mehr statt.

Foto: Schloss Laxenburg
Schloss Laxenburg, Franzenburg

Die Flitterwochen wurden in Schloss Laxenburg verbracht.

Doch diese verbrachte Elisabeth mit ihren fremden Hofdamen zum größten Teil allein.

Franz Joseph musste jeden Morgen zurück, um die Staatsgeschäfte zu erledigen. Kaiserin Elisabeth litt unter großem Heimweh.

Hinzu kam das strenge Protokoll. Als bayrische Herzogin wurde sie frei und unkonventionell erzogen.

Ab sofort durfte sie sich nicht mehr alleine anziehen, ausreiten oder gar Spazierengehen.

Sogar ihre Mahlzeiten musste sie in „fremder“ Gesellschaft einnehmen. Elisabeth musste das Protokoll einhalten und die dafür vorhergesehen Personen mitnehmen.

Eine Qual, wenn man bedenkt, dass Elisabeth auf die Aufgabe einer Kaiserin nicht vorbereitet wurde.

Bereits im Juni 1854 musste Elisabeth bei einer Repräsentationsreise nach Böhmen und Mähren ihren Kaiserinnenpflichten nachgehen.


25. Jahre später
25.4.1879
- Silberhochzeit
Foto: Wikimedia/Commons
Bild: Georg Raab
Diamantenbesticktes Kleid zum 25. Hochzeitstag, 24.4.1879.
Kaiserin Elisabeth war 41 Jahre alt
das letzte offizielle Bild auf dem sie sich malen ließ

Kaiserin Elisabeth lebte bereits lange ihr eigenes Leben. Sie war mittlerweile 41 Jahre alt und schön wie eh und je.

Foto: Wikimedia/Commons
Huldigungsblatt zum 25jährigen Hochzeitstag eines Lithographen
Phantasieabbildung

Kaiser Franz Joseph lebte immer noch das steife Leben eines Monarchen, der nicht anders konnte, als seine Pflicht zu erfüllen.

Er verehrte seine „Engels Sisi“ und hoffte immer noch, dass sie ein Leben zusammen führen könnten. Die Wiener hofften auch immer noch, eine Kaiserin zu bekommen, die endlich ihre Pflichten wahrnahm und ihrer Stellung ein Tun einhauchte.

Kaiserin Elisabeth nahm das Fest mit eisiger Kälte und einer demonstrativer Teilnahmslosigkeit hin.

Die Ehe galt im inneren Kreis längst als zerrüttet. Elisabeth wollte nicht einmal mehr den äußeren Schein wahren.

Die zahlreichen Affären ihres Mannes, die noch während der glücklichen ersten Jahre begannen und sie damals noch zu Tränen rührten , tangierten sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Mit wem der Kaiser verkehrte und welchen Tratsch es darüber gab kann hier nachgelesen werden.

Im Hintergrund liefen die Vorbereitungen für ihren Irland Aufenthalt auf Hochtouren.

Ein Gedicht von Kaiserin Elisabeth, dass sie für „ihre Zukunftsseelen“ hinterließ, zeigen sehr genau, wie sie über ihre Ehe dachte:

Nur staune nicht, wenn beim Verrichten
Nach altem Patriarchenbrauch
Der legitimen Ehepflichten
Dich streift ein eisigkalter Hauch. (5)

zeugt von ihrem Hass auf ihre Ehe und alles was damit verbunden war.

Auch das Gedicht

Für mich keine Liebe
Für mich keinen Wein,
Die eine macht übel,
der andere macht spei’n

Die Liebe wird sauer,
Die Liebe wird herb;
Der Wein wird gefälschet;
Zu schnöden Erwerb.
Doch falscher als Weine
Ist oft noch die Lieb‘;
Man küsst sich zum Scheine
Und fühlt sich ein Dieb!

Für mich keine Liebe,
Für mich keinen Wein;
Die eine macht übel,
Der and’re macht spei’n!
(12)

lässt im Nachhinein nichts Gutes erahnen.

Foto: Wikimedia/Commons
Ausschnitt des Altarbildes von Hans Canon; 25.4.1879, Zu erkennen: Madonna mit dem Jesuskind, link hl. Franz von Assisi, rechts hl. Elisabeth Josefskapelle Wien Foto:
Foto: Wikimedia/Commons
Selbstportrait Hans Canon

Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Marie Valerie schenkten den Eltern ein Altarbild.

Ein Tryptichon, welches von Rubin inspiriert wurde. Der Maler war niemand geringerer als Hans Canon (*15.3.1829, †12.9.1885).

Das Bild zeigt die heilige Elisabeth, den heiligen Franz von Aissisi (beide die jeweiligen Namenspatronen) und die heilige Madonna mit dem Jesuskind.

Links und rechts des Bildes sind jeweils Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Marie Valèrie, sowie Prinzessin Gisela von Bayern kniend vor ihrem Mann Leopold Prinz von Bayern zu sehen. Das Bild wurde in der Josefskapelle in der Hofburg aufgestellt und kann heute besichtigt werden.

Foto: myheimat.de
Kopie des Silberhochzeitskleid Kaiserin Elisabeth, Ausstellung 2016, Sisi Schloss Aichach
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Vespermantel, Maria Taferl

Das Kleid selbst trägt seine eigene Geschichte. Laut Prager Tagesblatt vom 27.4.1879 ist es das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth, welches sie am 25.4.1854 getragen hat. Bis dahin wurde es in Possenhofen aufbewahrt.

Das Kleid wurde nach Prag gebracht, wo es aufwändig und nach den Wünschen der Kaiserin umgearbeitet wurde.

Es war Diamantenbestickt mit Gold- und Silberfäden versehen. Danach wurde das Kleid der Wallfahrtsbasilika Maria Taferl gespendet.

Aus den Nähten der Bestickung des Hochzeitskleides, wurde nun der berühmte Vespermantel gemacht. Hier noch einmal der Link zum Vespermantel.

Die fast fertiggestellte Ringstraße sollte Kulisse für das Prunkfest sein. Otto Wagner persönlich gestaltete das Kaiserfestzelt vor dem Äußeren Burgtor. Hans Markart gestaltete das Fest.

Foto: Österreichische Nationalbibliothek
Festplatz vor dem Äußeren Burgtor