Das Spanische Hofzeremoniell – Hofetikette

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Herzog Phillip „der Gute“

Das spanische Hofzeremoniell, wie es Romy Schneider als „Sissi, die junge Kaiserin“ seitenweise von Hofdame Esterházy (Helene Lauterböck) in die Hand gedrückt bekam, um den „Unsinn“ auswendig zu lernen, gab es nicht.

Es wurde zwar am Wiener Hof sehr streng das „Hofzeremoniell“ abgehalten, doch wie so vieles in der Sissi-Trilogie ist auch das „Spanische Hofzeremoniell“ eine reine Erfindung eines windigen 50er Jahre Regisseurs.

Das „Spanische Hofzeremoniell“ wurde am Wiener Hof bis zu Kaiser Joseph II (*13.3.1741, †20.2.1790) praktiziert, danach wurde es immer wieder erweitert und nur noch „Hofetikette“ oder „Hofzeremoniell“ genannt. Dabei handelte es sich auch nicht um ein Heft oder Buch mit Paragraphen, welches auswendig gelernt werden musste – und schon gar nicht von Sisi – ergo von Kaiserin Elisabeth.

Das „Hofzeremoniell“ wurde von den Herzögen von Burgund im 15. Jahrhundert entwickelt. Diese Herzöge entstammten aus einer Nebenlinie aus dem französischen Königshaus und herrschten über die Niederlande. Herzog Philipp „der Gute“ (*31.7.1396, †15.6.1467) erweiterte das „Hofzeremoniell“ in dem in weiterer Folge das „Goldene Vlies“ und der „Ritterorden“ dazu gehörte. Damit wollte er seine höchsten Untertanen adeln und auszeichnen.

Durch die Erbfolge gelangte die Niederlande an die Habsburger und so an Kaiser Karl V (*24.2.1500, †21.9.1558), der zuerst das Heilige Römische Reich und später in Spanien regierte. Er übernahm das Hofzeremoniell, nahm es nach Spanien mit und perfektionierte es. Sein Bruder Ferdinand (*10.3.1503, †25.7.1564), der zwischenzeitig Kaiser Ferdinand vom Heiligen Römischen Reich war, übernahm das

„Spanische Hofzeremoniell“

seines Bruders, welches bis zu Kaiser Joseph am Wiener Hof als Hofetikette verblieb.

Der Rest ist ein Ammenmärchen eines hübschen kitschigen Nachkriegsfilmes, der nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat und leider bis heute den Unsinn verbreitet real zu sein.

Jeder Obersthofmeister gab sein Wissen an den neuen Obersthofmeister weiter und so wurde die Hofetikette erweitert und „etikettiert“. Von Audienzen, Hochzeiten, Staatstrauer, Begräbnissen, Huldigungen usw. war alles bis aufs Strengste festgelegt. Wer durfte wie lange vor den Kaiser treten, wie musste die Verbeugung aussehen und wer durfte das Goldene Vlies erhalten.

Wie kam es aber zum Goldenen Vlies oder was ist ein Obersthofmeister oder ein Flügeladjutant. Und welche Aufgabe hat genau eine Hofdame und warum musste diese unverheiratet sein? All diesen Fragen versuche ich mit diesem Beitrag auf die Spur zu gehen.

Beginnen wir mit der höfischen Anrede

Kaiserin Eisabeth
Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth

Kaiserin Elisabeth wird heute vielerorts, vor allem im Internet, Facebook, Instagram, TV, Medien, Zeitschriften, Büchern und sogar in historischen Büchern Kaiserin Sisi genannt.

Ein Fauxpas und ein Frevel sondergleichen.

Kaiserin Sisi gab es nicht!

Sisi war ihr Kosename und den durften nur ihre aller engsten Vertrauten verwenden.

Diese waren ihr Mann Franz (Joseph), ihre Mutter, ihre Geschwister, ihre Schwägerinnenn und die Personen, denen sie das „Du“ gestattete, usw.

Ihre Nichten und Neffen nannten sie „Tante Sisi“ oder „Tante Elisabeth“.

Gisela, Rudolf und ihre geliebte Valérie nannten sie Mama.

Das Volk hatte ausdrücklich „Kaiserin Elisabeth“ zu sagen.
Die Anrede war ausdrücklich Ihre Majestät oder Ihre kaiserliche Hoheit.

Die Anrede der Dritten Person „Eure Hoheit“ stimmt auch noch insofern, da es die Ausdrucksweise im 19. Jahrhundert durchaus noch gab und diese im Gespräch mit der Kaiserin verwendet wurde; also zB. „Darf ich Eurer Hoheit oder Eurer Majestät den Tee servieren lassen“.

Kaiser Franz Joseph moderne Schreibweise auch gerne Kaiser Franz Josef, wurde allseits als „Majestät“ angesprochen. Die Anrede war allseits Seine Majestät oder Seine kaiserliche Hoheit. Auch hier galt noch die Anrede der Dritten Person „Eure Majestät“, vor allem, wenn seine Minister und Adjutanten im Raum waren.

Als Kind wurde er Franzi genannt. Diese Koseform, blieb dem inneren Kreis vorbehalten. Mutter, Vater, seine Brüder nannten ihn Franz(i) oder Majestät.

Elisabeth nannte ihren Mann Franz.

Er selbst unterschrieb seine Briefe an sie in den ersten Jahren mit Franz, später mit „Kleiner“, was in den letzten Jahrzehnten mit „Kl“ abgekürzt wurde. Aber auch mit „Männeken“ (was so viel wie Männchen bedeutet) unterschrieb er seine Briefe, die von 1859 – 1898 alle veröffentlicht sind.

Seine Neffen und Nichten durften ihn Onkel nennen, die meisten nannten ihn trotz allem „Majestät“, waren danach aber zumindest per du. Gisela, Rudolf, Valérie nannten ihn Papa.

Kommen wir nun zum
Wirr Warr der Begrifflichkeiten

Adjutant

Foto: Wikimedia/Commons Maximilian Graf von O’Donnell,
Flügeladjutant bei Kaiser Franz Joseph

Hier musste man unterscheiden zwischen „Flügeladjutant“ und von Generaladjutanten. Ein Flügeladjutant stand im Rang eines Stabsoffiziers und wurde zur Unterstützung von zB. Kaiser Franz Joseph oder Kronprinz Rudolf eingesetzt. Flügeladjutant waren auch Feldmarschällen unterstellt.

Die Aufgabe eines Flügeladjutanten war es Befehle entgegenzunehmen, diese auszuführen, dem Kaiser oder dem Kronprinz rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen (deshalb waren mehrere im Dienst).

Gab es eine Botschaft an den Kaiser oder den Kronprinz, war es die Aufgabe des Flügeladjutanten, diese an den Kaiser oder an den Kronprinz persönlich zu überbringen.

Die Stelle beinhaltete eine Vertrauens- und Verschwiegenheitsklausel. Wurde diese gebrochen, wurde die Person sofort aus dem k.u.k. Dienst entlassen.

Ein berühmt gewordener Flügeladjutant ist sicherlich Maximilian Graf von O‘ Donnell (*29.10.1812, †14.7.1895) der Kaiser Franz Joseph 1853 vor dem Libényí Attentat bewahrt hat. Die Geschichte kann hier nachgelesen werden.

Ahnenprobe

Es gab ein unglaublich strenges Aufnahmereglement am „Wiener Hof“ zB. für die Ernennung zum „Kämmerer“ oder zur Aufnahme als „Hofdame“. Dabei wurde urkundlich geprüft, ob die eheliche Abstammung der Eltern einer gewissen Anzahl der Adeligen Urahnen bestätigt werden konnte.

8 Adelige Urahnen musste die Stammtafel aufweisen. Nur so durfte es zur Aufnahme als „Hofdame“ bei einer Herrschaft oder als „Kämmerer“ bei der Herrschaft kommen. Dabei war es wichtig, dass diese 8 Urahnen sowohl von der mütterlichen, als auch von der väterlichen Seite nachgewiesen werden konnten.

Aja/Ajo

ist spanisch und heißt Kindermädchen/Kindermann. Im Kaiserhaus wurden so die Erzieherinnen der Kaiserkinder genannt.

Diese verblieben bis zum 6. Lebensjahr bei ihren Zöglingen und mussten sich dann verabschieden.

Bei den männlichen Thronerben wurden dann Erzieher eingesetzt, meist aus dem Militär.

Beiden weiblichen Erzherzoginnen wurden danach Erzieherinnen gewählt, die ihnen das weitere Weltgeschehen beibrachten wie zB. das tadellose Benehmen, Tee trinken in guter Gesellschaft usw.

Ajas waren stets Adelige Damen, manchmal sogar Witwen, meistens nicht einmal selbst Mütter.

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Louise Baronin von Sturmfeder
Aja von Franzi, Maxi, Karli, Ännchen und Luzi-Wuzi
den Kindern von Erzherzogin Sophie
Kaiser Franz Joseph verehrte sie Zeit ihres Lebens

Züchtigung gehörte zum „guten Ton“ und durfte von Ajas auch in der Öffentlichkeit durchgeführt werden. Später wurde die Züchtigung vom militärischen Erzieher übernommen (ich möchte an die Peinigung von z.B. Herzog Max oder Kronprinz Rudolf erinnern). Herzog Max kann hier nachgelesen werden.

Kaiser Franz Joseph schrieb stets liebevoll von seiner Aja Louise Baronin von Sturmfeder (*3.10.1789, †10.9.1866).

Die Kindheit von „Gottes Gnaden bis zum Thron“ von Kaiser Franz Joseph kann hier nachgelesen werden.

Foto: ÖNB, Karoline Freifrau von Welden „Wowo“
Kinderfrau von Erzherzogin Gisella und Kronprinz Rudolf mit Mutter
Kaiserin Elisabeth in Venedig

Auch die Kaiserkinder Erzherzogin Gisela (*12.7.1856, †27.7.1932) und Kronprinz Rudolf (*21.8.1858, †30.1.1889) verehrten ihre Aja so sehr, dass sie ihr sogar einen Kosenamen gaben.

Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1912) „Wowo“ wurde innig geliebt und gerade Rudolf, der ihr entrissen und Leopold Graf Gondrecourt (*13.5.1816, †22.5.1888) zum militärischen Drill übergeben wurde, litt Zeit seines Lebens unter diesem Liebesentzug und Züchtigungen dieses bösartigen Grafen.

Wobei man mit der Wahl der Freifrau von Welden außerhalb der Hofburg wieder einmal ätzte:

„Würzburg, 1862
Liebe Eva!
Aber sage mir ganz unter uns „Welche Wahl von einer Aja!“ Die gute Welden, die in ihrem Leben kein kleines Kind noch gesehen hat, die gar nicht davon versteht und etwas sehr Unentschlossenes hat! dabei eine schwache Gesundheit –
in München ging sie zur Kurheim um nur zu lernen, ein Kind auf den Arm zu nehmen!
Sie war diesen Herbst hier, ich sah sie – ohne den Titel des Mannes wäre Sie unbedeutend wie früher! Sie ist herzlich gut, aber langweilig – aber halt mir meinen Mund – wer ist denn auf diesen Gedanken gekommen? Sie hat aber vermuthlich nur den Namen ohne die Pflichten anordnen zu müssen.
Es fiel ihr sehr schwer – die die Stelle anzunehmen, sagt man!

Crescenz (5)

Crescenz Baronin von Speth war die Schwägerin der Briefeempfängerin. Nähere Erläuterungen dazu am Berichtsende.

Über die ambivalente Ehe und das Schicksal der Kinder kann hier nachgelesen werden.

Audienz

Foto: hofburg-wien.at
Audienzraum mit Stehpult, Hofburg Wien

Jeder Bürger durfte dem Kaiser zweimal pro Woche persönlich vorsprechen. In streng reglementierten Audienztagen wurden die Namen in die Audienzbücher (heute im Sisi Museum zu besichtigen) eingetragen.

Jeder Bürger bekam einen festen Termin für seine Vorsprache. Die Bittstellung musste vorher dem Ministerium vorgelegt werden, welche danach vom Kaiser persönlich geprüft wurde.

Dies konnte eine persönliche Danksagung sein, eine Fürbitte, ein Wunsch oder eine Art Begutachtung. Die Wiener Zeitung veröffentlichte zweimal in der Woche die Audienznehmer, so dass die Bürgernähe des Kaisers demonstrativ vorgeführt wurde.

Die Audienz selbst war streng reglementiert und brachte per se nichts mehr Neues:

Um Punkt 10.00 Uhr morgens begann Kaiser Franz Joseph die Audienz, so dass sich die Bittsteller in den Warteräumen der Hofburg oder von Schloss Schönbrunn einzufinden hatte (je nach dem wo sich Kaiser Franz Joseph gerade aufhielt).

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph

Dabei war eine strenge Kleiderordnung einzuhalten:
Die Herren mussten Frack tragen. Herren vom Militär selbstverständlich ihre Uniform. Die Damen vom Volk ein hochgeschlossenes Kleid.

Jeder Bürger und die Herren vom Militär hatten Handschuhe zu tragen. Bürger aus den ländlichen Orten mussten ihre jeweilige Landestracht tragen, was zuweilen ein buntes Bild in den Wartesälen abgab.

Ein Mitarbeiter des Obersthofmeisters machte den Audienznehmer mit den Grundregeln der Audienz vertraut:

– den Kaiser niemals von sich aus ansprechen
– dem Kaiser niemals den Rücken zukehren
– dem Kaiser niemals persönliche Fragen stellen

Danach wurde der Bürger mit dem Namen aufgerufen und vom Adjutant in einen Vorraum gebracht, wo der Name erneut mit dem Audienzbuch verglichen wurde.

Schließlich rief ihn der Kammeransager laut auf. Die Türe wurde aufgemacht und der Audienznehmer stand vor dem Kaiser.

Sofort nach dem Eintreten hatte der Bürger eine tiefe Verbeugung und die Bürgerin einen tiefen Knicks zu machen. Konnte dies der Bürger oder die Bürgerin nicht, wurde dieser zuvor im Wartesaal mit einem Mitarbeiter des Hofes geübt.

Erst nach der Aufforderung des Kaisers durfte sich der Bürger oder die Bürgerin erheben.

Danach fragte der Kaiser nach dem Namen und sah in seinem Audienzbuch nach, ob der Name darin stimmte.

Danach durfte der Besuch sein/ihr Anliegen vortragen und bekam die Antwort von Seiner Majestät.

Nach exakt 3 Minuten wurde die Türe geöffnet und die Audienz war vorbei.

Der Besuch hatte sich nochmals zu verbeugen und mit dem Gesicht zum Kaiser, mit dem Rücken zur Tür, hinauszugehen.

Über 100 Personen schaffte Kaiser Franz Joseph so an einem Audienztag.

Erst im hohen Alter reduzierte er auf die Hälfte. Bis zuletzt stand der Kaiser all die Stunden an seinem Pult während der Audienz.

Nach den Audienzen fanden die offiziellen Gespräche mit Ministern, Abgeordneten und Statthaltern statt, welche von Kaiser Franz Joseph persönlich eingeladen wurden.

Es war unumgänglich, dass die Herren gut vorbereitet auf das Gespräch waren, denn der Kaiser liebte es, gut informiert zu sein und war auf jede Antwort gewappnet und konnte die Herren immer wieder aus der Fassung bringen, in dem er mehr wusste, als sie selbst.

Er fragte mehrere Personen zum gleichen Thema, um sich so ein besseres Bild von einem Problem zu machen.

Er wusste, dass er viele „Speichellecker“ um sich hatte, die ihm nicht die Wahrheit sagen wollten.

Cortège

ist das französische Wort für Prozession.

Dieses Wort wurde eingesetzt für das Gefolge unter einem Herrscher oder Herrscherin bei offiziellen Anlässen.

Das heißt nichts anderes, als wenn es zu öffentlichen Auftritten des Königs, der Königin, des Kaisers oder der Kaiserin kam, folgten ihnen 100erte von Adeligen Leuten – der sogenannte Hofstaat.

Dieses nannte man Cortège. Unter ihnen befanden sich: Hofdamen (bei Königin/Kaiserin), Geheime Räte, Kämmerer (bei König/Kaiser), Palastdamen, Truchessen (bei König/Kaiser) (weiter unten erklärt) usw.

Dies war einerseits eine große Ehre, andererseits auch eine lästige Pflicht. Die Damen hatten jedes Mal in schönster Toilette zu erscheinen, was einen unheimlichen teuren Aufwand mit sich brachte.

Goldene Vlies

Foto: KHM Wien
Großmeistermantel
Foto: Wikimedia/Commons
Goldene Vlies

Wie oben beschrieben, rief Herzog Philipp „der Gute“ den Orden anlässlich seiner Hochzeit ins Leben.

Er wurde der Heiligen Jungfrau Maria gewidmet und steht für den Schutz der Kirche und die unbefleckte Ehre des Rittertums.

An einer Collane (Ordenskette) hängt ein goldenes Widderfell.

Sowohl das Haus Habsburg, als auch das Haus Bourbonen, also der spanische König tragen das Goldene Vlies.

Heute ist es Karl (von) Habsburg (*11.1.1961) und König Felipe (*30.1.1968). Sie sind die Großmeister des Ordens und können bis heute Ordensmitglieder aufnehmen.

In Wien leistet man bis heute den Schwur vor dem Schwurkreuz, welches in der Schatzkammer Wien zu sehen ist.
Der Ordenstag ist der 30.11., an dem bis heute feierlich Messen zelebriert und neue Mitglieder aufgenommen werden.

Kaiser Franz Joseph war zu seiner Zeit Großmeister und vergab nicht nur an seine Familie den Orden, sondern auch an jene Personen die seiner Meinung nach die Tugend und Ehre hatten, diesen zu Erlangen.

Die Verleihung wurde von Kaiser Franz Joseph in einem Großmeistermantel zelebriert und die zukünftigen Ritter des Ordens sahen dies als Privileg für ihre Verdienste rund ums Hause Habsburg an.

Das Goldene Vlies war demnach kein Geburtsrecht.

Alle Ordensmitglieder halten wie ein unzertrennliches Band zusammen und sind gleichberechtigt.

Bei allen Feierlichkeiten bei Hofe waren diese nicht nur eingeladen, sondern hatten in allem auch Vorrang und Vortritt.

Es gab nur eine Ausnahme: waren gekrönte Häupter anwesend, mussten diese zuerst begrüßt oder bedient werden.

In Wien sind bis heute nur katholische Ordensmitglieder erlaubt, in Spanien nimmt man mittlerweile auch protestantische Gläubige auf.

Der Orden des Goldenen Vlieses ist der älteste und bedeutendste Ritterorden der Welt. Obwohl es in Österreich keine Monarchie mehr gibt, wird der Orden im Hause Habsburg bis heute hochgehalten.

Hofdame

Eine Hofdame war ein hoch angesehener Beruf und nur Frauen aus dem Adel vorbehalten.

Anders als bei Palastdamen, der rein ehrenamtlich durchgeführt wurde, wurde eine Hofdame entlohnt, bekam eine Abfertigung und wenn sie wegen zu hohen Alters aus dem Dienst ausschied, sogar eine Pension ausbezahlt.

Bevor eine Hofdame aufgenommen wurde, musste diese die strenge Ahnenprobe überstehen, welche die Voraussetzung für den Dienst bei Hofe war.

Die Hofdame hatte aus gutem Haus zu sein, eine fundierte Ausbildung zu haben, musste mehrere Sprachen sprechen und musste unverheiratet sein.

Sie konnte sich für diesen Posten nie bewerben, sondern sie wurde ernannt. Die Hofdame die auserkoren wurde, erhielt ein formelles „Ernennungsdekret“.

Thema Hofdame wird weiter unten ausführlicher erläutert.

Hoffähigkeit

Diese wurde streng reglementiert und war nicht Jedermann gestattet.

Den Zutritt zur kaiserlichen Familie war Familien erlaubt, die die Ahnenprobe bestand (die strenge Variante). Diese wurde auch zu Festlichkeiten wie zB. auf Hofbällen eingeladen.

Es gab aber auch noch andere Personen die Zutritt erhielten. Diese waren durch ihre besondere Stellung bei Hofe dazu würdig der kaiserlichen Familie vorgestellt zu werden oder an den Festlichkeiten teilzunehmen.

Diese waren Diplomaten, Offiziere der Wiener Garnison und Ordensritter. Ansonsten stand der engere Kreis nur standesherrlichen Familien und Hofwürdenträgern zu.

Da diese Mitglieder alter Adelsfamilien allerdings zahlreich waren, tummelten sich auf diesen Veranstaltungen zahlreiche Personen und dienten u.a. zur Heiratsvermittlung.

Mehr als 300 (!) Familien zählten damals zur ständigen Hocharistokratie und somit zur Hoffähigkeit.

Anders als bei anderen Höfen Europas, hatte man in Wien die Türen für den Geldadel noch nicht geöffnet.

Kaiser Franz Joseph liebte es aber ihm treue Bürger in den Adelsstand zu erheben und so Zutritt zum Kaiserhaus zu verschaffen.

Dabei war es egal ob diese reich waren oder nicht.

Kaiser Franz Joseph erhob so manchen als „Truchsessen“ (weiter unten erklärt), diese durften dann auch an der Hoftafel oder an großen Festlichkeiten teilnehmen, was das Hofzeremoniell ziemlich durcheinander brachte.

Es war von „wer wo gehen, stehen und sitzen durfte“ alles geregelt. Je älter eine Adelsfamilie war, desto höher der Rang bei Hofe. Eine schiere Mammutaufgabe für den Obersthofmeister.

Hofsprache

Schon unter Maria Theresia sprach man am Wiener Hof französisch. Dies erklärt, warum so viele Begriffe in französischer Sprache sind.

Allerdings war es schon bei (Kaiserin) Maria Theresia so, dass ein sehr lockerer Umgangston herrschte und der Wiener Dialekt vorrangig gesprochen wurde.

Nur wenn das Personal so gar nicht mitbekommen sollte, was besprochen wurde, sprach das Kaiserpaar französisch miteinander.

Unter Kaiser Franz Joseph war dies nicht anders, wenn auch die französische Sprache schön langsam aus dem Alltag verschwand.

Nunmehr zog die ungarische Sprache ins Haus ein. Nicht nur wegen Kaiserin Elisabeth, die dadurch Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) eins auswischte.

Die meisten Bediensteten, Erzherzogin Sophie, sowie ihr Mann und der Wiener Adel verstand kein ungarisch. Nur Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Marie Valérie sprachen fließend die Landessprache.

Am Wiener Hof wurde deutsch, böhmisch, ein bisschen ungarisch (Bedienstete und beim Militär) und natürlich französisch gesprochen.

Kaiser Joseph II machte die deutsche Sprache – bzw. das Wienerische – am Hof salonfähig. Er setzte sich auch dafür ein, dass Mozart die Opern in deutscher Sprache schrieb.

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Kaiserin Elisabeth und Helene von Thurn und Taxis (Néné)

Eine völlige unbekannte Sprache war damals noch die englische Sprache. Kaiserin Elisabeth und ihre Schwester Helene „Nénè in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890), verheiratete Thurn und Taxis sprachen Zeit ihres Lebens nur englisch miteinander. Schon allein deshalb, da sie wussten, dass niemand sie belauschen konnte.

Kämmerer

Nur ein Mann durfte beim Kaiser „Kämmerer“ werden. Zuvor hatte man die strenge Ahnenprobe zu bestehen.

Das Amt des „Kämmerers“ war ein Ehrenamt und wurde bereits im Mittelalter gegründet. Dieser hatte den „Goldenen Schlüssel“ über.

Seine Aufgabe war es bei Festen zu erscheinen, Botschaften und Gratulationen entgegenzunehmen und bei Begräbnissen das Geleit innerhalb der Kaiserfamilie zu übernehmen.

Die Aufgabe eines „Kämmerers“ wurde sehr ernst genommen und war eine ehrenvolle Tätigkeit.

Wer „Kämmerer“ werden durfte, konnte sich glücklich schätzen.

Marschallstafel

Zu dieser Tafel wurden jene Gäste geladen, die nicht an der Haupttafel mit der kaiserlichen Familie geladen waren. Hier speiste man nicht mit dem Kaiser oder der Kaiserin, sondern mit dem Obersthofmarschall oder einem Kammerherr.

Obersthofmarschall

Er war zuständig für die Fideikommisse der gebundenen Vermögen etlicher adeliger Familien (heute würde man es Familienstiftung nennen) und diente als Zivilgerichtsbehörde der kaiserlichen Familie und anderer Familien die diesen Sonderstatus genossen.

Obersthofmeister

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Franz Freiherr von Nopcsa
Obersthofmeister
Ihrer Majestät

Der Obersthofmeister unterstand dem Kaiser und war der engste Mitarbeiter des gesamtes Hofstaates.

Ihm unterstand nicht nur das gesamte Dienstpersonal, sondern auch die Verwaltung der Finanzen und die Garde.

Sein Einfluss reichte bis hinunter in die Hofküche und bis zur Hofoper. Was er sagte, war Gesetz.

Ab 1895 wurde sogar das Hofmarschallamt in Ungarn dem Obersthofmeister in Wien unterstellt.

Diese Stelle war hochbezahlt und hochangesehen.

Das Amt wurde hochpolitisch angesehen, hatte der Obersthofmeister direkten Zugang zum Kaiser und so auch enormen Einfluss auf diesen.

Obersthofmeisterin

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Pauline von Aulendorf-Königsegg
geb. Bellegarde

Die Obersthofmeisterin war das Pendant zum Obersthofmeister und der Kaiserin unterstellt, wobei die Kaiserin auch einen Obersthofmeister, der Kaiser jedoch keine Obersthofmeisterin hatte.

Sie hatte den gesamten Hofstaat der Kaiserin inne. Sie stellte das Personal ein, kündigte es wieder, sorgte für die Einhaltung der Etikette, bearbeitete Urlaubsanträge und sorgte bei Krankheitsausfällen für Ersatz.

Was die Obersthofmeisterin anordnete musste geschehen, so wollte es das Gesetz des Wiener Hofes.

Sie sorgte für Zucht und Ordnung. Die Stelle war nicht nur hochbezahlt und -angesehen, sondern auch enorm anstrengend.

Kaiserin Elisabeth verlangte äußerste Disziplin und hatte nicht öfters Querelen mit ihren Obersthofmeisterinnen auszufechten. 
Diese nahm - in allen Belangen - großen Einfluss auf sie.

Im Gegensatz zu Hofdamen, durften Obersthofmeister und Obersthofmeisterinnen verheiratet oder gar Witwe/r mit Kindern sein.

Oftmals sogar miteinander, wie das Beispiel „Gräfin Bellegarde“ zeigte:

Zuvor war Pauline Gräfin von Bellegarde (*2.4.1830, †27.5.1912) Hofdame. Da Pauline Elisabeth wichtig wurde, schied diese, als sie heiraten wollte, nicht wie sonst üblich aus dem Dienst aus, sondern wurde ihre Obersthofmeisterin.

Sie hatte sich in den schneidigen Flügeladjutant von Kaiser Franz Joseph Alfred von Königsegg-Aulendorf (*30.6.1817, †27.10.1898) verliebt und dieser hielt um ihre Hand an. Am 15.7.1857 heiratete das Paar.

Um ihre Vertraute nicht zu verlieren, machte die Kaiserin Alfred kurzerhand zu ihrem Obersthofmeister.

Obersthofmeisterin Pauline Gräfin Aulendorf-Königsegg und Obersthofmeister Alfred Graf Aulendorf-Königsegg verblieben somit im Dienste Ihrer Majestät, auch wenn das Verhältnis danach nicht mehr ganz so vertraut war.

Auch hier ist der Sissi-Film mit Romy Schneider eine nicht recherchierte Filmphantasie.
Graf Bellegard wurde nicht während des Ungarn Aufstandes erschossen, sondern Gräfin Bellegarde war einfach der Mädchenname der Hofdame.

Ein Schicksal einer Obersthofmeisterin möchte ich hier erwähnen, dass mich schlichtweg traurig stimmte.

Jenes von Maria Theresia Landgräfin zu Fürstenberg, geb. Prinzessin zu Schwarzenberg (*14.10.1780, †9.11.1870).

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Kaiserin Maria Anna

Sie war mit Friedrich Landgraf zu Fürstenberg (*26.1.1774, †4.2.1856) per Liebesehe verheiratet und hatte mit ihm 10 Kinder.

Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, †2.3.1835) hatte Maria Theresia 1831 zur Obersthofmeisterin von Maria Anna Prinzessin von Savoyen bestimmt.

Prinzessin Maria Anna (*19.9.1803, †4.5.1884) wurde mit dem geistesschwachen und jähzornigen Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) verheiratet und ertrug ihr Schicksal bravourös. Am 2.3.1835 starb Kaiser Franz II/I und Ferdinand und Maria Anna wurden zum neuen Kaiserpaar.

Die Familie Landgraf zu Fürstenberg lebte auf Schloss Weitra im Waldviertel und so musste Vater Friedrich sich um die große Kinderschar (natürlich mit Personal) alleine kümmern.

Nur in ihren Urlauben sah die Mutter ihre Kinder.

Ein Glück im Unglück hatte das Ganze.

Friedrich konnte nicht gut mit Geld umgehen und verspekulierte sich ein paar Mal, so dass er viel Geld verlor. Das hohe Gehalt seiner Gattin bot der großen Familie einen guten Lebensstil.

Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass die Familie zu Fürstenberg, damals schon eine moderne Ehe führte.

Die Frau brachte das Geld nach Hause und der Mann kümmerte sich dafür um die Kinder.

Oberzeremonienmeister – Zeremonienmeister

Foto: habsburger.net
Kaiser Franz Joseph ist hier in Begleitung des adeligen Cortèges abgebildet: Voranschreitend der Oberzeremonienmeister und der Obersthofmeister, danach Franz Joseph mit seiner Tochter Marie Valérie, gefolgt vom Adel des Hofes, nach Rang geordnet.

Der Oberzeremonienmeister hatte die Aufgabe bei den Hofbällen oder Ball bei Hofe die organisatorische, logistische und repräsentative Aufgabe zu übernehmen.

Der Oberzeremonienmeister hatte unter sich noch Zeremonienmeister die ihm halfen die Aufgaben zu bewältigen. Alle unterstanden aber dem Obersthofmeister.

Am Tag des Balles war es seine Aufgabe das Eintreten der Herrschaft anzukündigen.

Palastdame

Im Gegensatz zur Hofdame, war die Palastdame ein Ehrenamt und durfte von verheirateten Frauen ausgeübt werden.

Die Palastdame war ein sehr begehrtes Amt, allerdings auch sehr kostspielig (wie übrigens auch jenes der Hofdame, doch untenstehend mehr dazu).

Wie die Kämmerer hatten die Palastdamen zu gewissen Terminen pflichtmäßig zu erscheinen, weshalb diese im Turnus Dienst hatten und verschiedene Repräsentationsaufgaben übernahmen.

So mussten die Palastdamen zu den Hofbällen erscheinen, zum Ball bei Hof, Neujahrscours (Neujahrsempfang des Kaisers), allen hohen kirchlichen festlichen Feiertagen und zur Fronleichnamsprozession.

Dies war insofern kostspielig, da jedes Mal eine neue Toilette sein musste. Die Palastdame konnte/durfte nicht im selben Kleid auf jedem Fest erscheinen.

Standesgemäß

Foto: Wikimedia/Commons Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Wurde in einem Kaiser- oder Königshaus geheiratet, musste die Ahnenprobe gemacht werden.

Diese war jetzt nicht so streng, wie bei der Aufnahme zur „Hofdame“, allerdings, musste die Heiratskandidatin „standesgemäß“ sein.

Das hieß hier musste sie aus einem regierenden standesherrlichen Herrscherhaus kommen. War dies nicht der Fall, wurde die Ehe als „morganatisch“ – also nicht ebenbürtig (unstandesgemäß) – eingestuft.

Diese morganatische Ehe hatte oft zur Folge, dass die Kinder nicht als Thronerben eingesetzt werden durften oder die Ehe gar nicht zustande kam. Beispiele dieser Art gab es viele.

Foto: Wikimedia/Commons Ferdinand und Berta Burg

Erzherzogin Isabella (*17.11.1888, †6.12.1973) die ihren Arzt nicht heiraten durfte und lieber unverheiratet blieb, Erzherzog Franz Ferdinand der sich in die Hofdame Sophie von Chotek verliebte, diese ehelichen durfte, allerdings mit der Auflage, dass die Kinder keine Thronansprüche stellen dürften. Seine Frau wurde Fürstin von Hohenberg. Die Geschichte dazu findet ihr hier.

Es gab aber auch traurige Fälle von morganatischen Ehen.

Es gab deswegen Ausschlüsse aus dem Kaiserhaus, wie zB. Erzherzog Ferdinand Karl, der sich in Berta Czuber verliebte. Die unglückliche Geschichte, könnt ihr in der Biografie seiner Mutter nachlesen (hier).

Sternkreuzdame – Sternkreuzorden

Foto: Wikimedia/Commons Sternkreuzorden

Der Sternkreuzorden wurde am 3.5.1668 von Kaiserin Eleonore (*18.11.1628, †6.12.1686) gegründet. Papst Clemens IX gab am 28.7.1668 seinen Segen dazu.

Dieser sollte zur Andacht „zum heiligen Kreuz, des tugendhaften Lebens und wohltätiger Handlungen in Wien“ gestiftet werden.

Die Aufnahme in den Sternkreuzorden entsprach in etwa dem Ehrentitel eines Kämmerers, der zur selben Zeit gegründet wurde.

Die Anzahl der Sternkreuzdamen wurde wie die eines Kämmerers nicht beschränkt, allerdings wurde auch hier eine strenge Ahnenprobe vorgeschrieben.

Die Ernennung zu einer Sternkreuzdame darf immer nur von einer österreichischen Erzherzogin vorgenommen werden. Immer noch steht die Verehrung des Heiligen Kreuzes und die Barmherzigkeit an oberster Stelle.

Der Orden besteht bis heute.

Seit 2010 trägt diese Würde Gabriela (von) Habsburg-Lothringen (*14.10.1956).

Stiftsdamen

Foto: Wikimedia/Commons Ordensgewand einer Kanonissin

Dies waren klosterähnliche Stifte in denen adelige Damen, meistens Witwen oder unverheiratete adelige Frauen lebten, die sich Gott widmeten (oder Gott widmen mussten).

Die adelige Äbtissin (Oberste des weltlichen Stiftes) nahm der adeligen Kanonissin (die eintretende Gläubige) das Gelübde ab.

Hierbei handelte es sich lediglich um das Keuschheits- und das Gehorsamkeitsgelübde des weltlichen Klosters. Die Einrichtung des Stiftes war komfortabler als jenes eines geistlichen Klosters.

Die Damen durften ein paar ihrer eigenen Möbel mitnehmen, die Dienerschaft durfte in anliegenden Häusern unterkommen, das Essen war nahrhafter und mit Pfründen (Schenkungen) wurde das Stift erhalten.

Vor allem Witwen nahmen dies gerne als Alterssitz in Anspruch.

Familien deren Tochter unverheiratet blieb, steckten diese oft in solche weltliche Klöster, weil sie hofften, dass sie aus diesem doch noch verheiratet wurden. Oftmals hatten die Familien Erfolg. Stiftsdamen hatten das Glück heiraten zu dürfen.

Suite

bedeutet „Gefolge“ und kommt ebenfalls aus dem Französischen.

Die Suite ist die Begleitung eines jeden Feldherren durch seinen Adjutanten oder seiner höchsten Offiziere, die ihn stets begleiten.

Zum Teil ist in historischen Büchern von „a la suite“ zu lesen. Hier ist das gesamte Gefolge des Feldherren gemeint (falls es nicht übersetzt wurde, wisst ihr jetzt was gemeint ist).

Truchsessen

Foto: Wikimedia/Commons
Verleihung der Truchsessen-Würde im Königreich Ungarn für Anton Pongracz, 1780

Auch dieser Begriff kam aus dem Mittelalter, hatte aber im Gegensatz zu diesem im 19. Jahrhundert unter Kaiser Franz Joseph bereits eine andere Funktion.

Während es im Mittelalter noch der Aufseher für die fürstliche Tafel war und sich dies im Laufe der Zeit zum Vorsteher der Hofhaltung geändert hatte, nahm der Verlauf im 19. Jahrhundert eine völlig andere.

Das Amt wurde ehrenamtlich ausgeführt, weshalb Kaiser Franz Joseph die Freiheit hatte tausende Bürger in den Adelsstand zu erheben und ihnen diesen Titel und damit Zugang bei Hofe zu gestatten.

Selbstverständlich war auch hier dieses Amt dem Obersthofmeister unterstellt. Man kann diesen Titel heute mit einem Beamtenstand oder einem Ministerialsekretär vergleichen.

Kaiser Franz Joseph ernannte die Truchesse mit dem Erlag einer vorgeschriebenen Gebühr und danach wurde diesem das Truchessenehrenabzeichen ausgehändigt. Dies galt Lebenslang.

Somit konnte der Besitzer bei Hofe Ein und Ausgehen und wurde zur Hoftafel und zu Festlichkeiten geladen. Es galt im Bürgertum als höchste Ehre diese Auszeichnung zu erhalten. Natürlich wäre ein Ritterschlag noch besser gewesen, aber immerhin bekam der Ernannte die Erlaubnis bei Hofe Ein und Auszugehen.

Mehr als so manchem „Geldadel“ ermöglicht wurde. 

Hofdamen

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferenczy

Wie schon in der Erklärung erwähnt, war das Amt der Hofdame eine Ehre für die Familie, allerdings auch eine finanzielle Last.

Obwohl die Stellung bezahlt wurde, musste die adelige Familie ihrer Tochter finanziell immer aushelfen.

In den Hofdamen Briefen rund um Sophie von Scharnhorst(*) (*/unbekannt) wird die Ernennung, die Aufgaben und die Ehre für die Familie genau beschrieben. Allerdings auch die hohe Belastung, welche diese Arbeit mit sich brachte.

Gräfin Schönborn(**) (*/unbekannt) verrät folgendes:

Ischl, 11.September 1857,
Liebe Gräfin!
Ihre königl.(*) Hoheit die Frau Erzherzogin machen nun täglich so große Promenaden daß höchstdieselben mir den Auftrag gaben Ihnen zu sagen liebe Gräfin daß es Ihr nicht möglich wird Sie vor Mittwoch zu empfangen, – sollten Sie also an diesem Tage (ohne alle gêne) wirklich noch hier sein, so würde es Sie freuen Sie um Dreiviertel auf 2 Uhr bei sich zu sehen. Genehmigen Sie in aller Eile liebe Gräfin die Versicherung meiner innigsten Hochachtung.
Gräfin Schönborn
Hofdame der Erzherzogin Sophie (1)

(*)Anmerkung Petra: Im Originalbuch von 1903 steht königl. Hoheit = königliche Hoheit, was auf den Geburtstitel von Erzherzogin Sophie hinweist.
Richard Kühn hat in seiner 1942 Version auf S.342 kaiserliche Hoheit gemacht.

„Wien, 4.Jenner 1858
Liebe Eva!
Ich freue mich unendlich daß die gute Erzherzogin Deine Caroline (Anmerkung Petra: Caroline von Sickingen, Tochter der Briefeempfängerin; Anmerkungen am Beitragsende) als Hofdame angenommen hat, mit Beruhigung kannst Du ihrer Zukunft entgegensehen. Wem die Erzherzogin die Hand reicht der kann sie unverzichtlich ergreifen denn Sie leitet nur zum Guten. Ich nicht nicht in Sorgen, denn bei Carolines Tüchtigkeit und ihren Talenten wird Sie ihren ehrenvollen Beruf sicher ganz erfüllen. Im Anfang gibt es Schwierigkeiten, dem kann Sie vorarbeiten um sich leiter hineinzufügen. So möchte ich ihr z.B. rathen sich im Vorlesen zu üben und ihre Stimme zu kräftigen, welche sonst durch Befangenheit leich unsicher wird. Ich spreche aus Erfahrung!
Ich war bei Gräfin Königsegg (Anmerkung Petra: ehemalige Hofdame Gräfin Bellegarde; weiter oben im Text erläutert) um mir ein Verzeichnis ihres Hofdamen-Trousseau (Anmerkung Petra: Hofdamen „Uniform“ Unterlagen) zu nehmen. Es ist zweckmäßig ohne Verschwendung gehalten, was bei dem ewigen Wechsel der Mode sehr weise und praktisch ist. Paula (Anmerkung Petra: Gräfin Königsegg; ehemals Bellegarde) sagte mir aber daß Sie zu wenig gehabt und bald nachschaffen mußte. – Da Caroline im Frühling eintritt, so scheinen mir Sommer-Toiletten für Schönbrunn nothwendig. Zwei hübsche Seidenkleider, 1 für Mittag, 1 Frühkleid und Alles für angegebene Hof-Trauer, wozu ein schwarzer Spitzen-Hutz nothwendig, dann muß Sie eine hübsche Applications-Mantille und Ueberchemisettes (Anmerkung Petra: Unterkleider) samt Ärmeln und Krgen haben zu farbigen und schwarzen Toiletten assortirt. Hast Du eine gute Adresse für Spitzen in Brüssel? Sonst empfehle ich Dir Mme. Pannal die in Sanssouci verkauft.
Vergiß nicht feine Schwarze Spitzen nach der Elle, zum Aufputz der Taille, das braucht man wie das liebe Brodt.
Uebrigens hat ja Caroline einen Fonde de toilette was ihr sehr zu Statten kommen wird, denn man raucht zum toilettiren s e h r v i e l sans etre une Elegante fondée.
Ein Dutzend gestickte Sacktücher, 3 Stück s u p e r l a t i f, 3 Stück mit Valenciennes, Schön moderen geschlungen 3 Stück en somme 12 Stück. Sie muß eine Kammerjungfer und ein Stubenmädchen haben, Letztere soll kochen können. Ja wir Hofdamen brauchen mehr als wir dürfe und müssen stets parat sein!
Eine Excursion vorher mit Cäcilie nach Salzburg zu machen- dafür schwärme ich nicht. Mir scheint Eure Villa das Beste für eine angehende Hofdame. –
Deine Sophie (2)

Im Februar ging es weiter.

„Oldenburg, 2. Februar 1858
Erlauben Sie meine sehr liebe Gräfin daß auch ich mich in die Reihen der Gratulirenden Stelle, und Ihnen so wie der Comtesse Caroline meine recht herzlichen Glückwünsche vorbringe! – ich habe die Kunde der Ernennung der liebenswürdigen Comtesse zur Hofdame, von meiner Schwester Sophie erfahren und ihre Freude darüber, recht lebhaft getheilt.
Es ist gewiß ebenso beglückend als ehrenvoll der hochverehrten Erzherzogin Sophie seine Dienste zu weihen und ebenso bin ich überzeugt daß die junge Hofdame den Anforderungen ihres neuen Berufes vollkommen entsprechen wird, möge dieselbe nur so recht heiter und muthig in die neue Laufbahn eintreten. –
Ihrem gütigen Andenken meine theure Gräfin empfehle ich mich auch ferner und werde es stes mit warmer Verehrung und Ergebenheit erwiedern.
Christa von Scharnhorst (3)

Wir nähern uns dem Ende der Briefe, welche ich trotzdem nicht vorenthalten möchte, da ich sie interessant finde.

„Wien, 17.März 1858
Liebe Eva!
Die Gnade Gottes waltet über Dir! Die Ernennung Cara’s (Anmerkung: Caroline) hat ein mächtiges Echo nach allen Seiten hervorgerufen! Kürzlich passirte ich den Abend bei der hochverehrten Erzherzogin Sophie, die Eurer gedachte und fragte, wann Ihr kommen werdet?
Kaiser und Kaiserin erschienen unerwartet und verschönten den Abend mit Ihrer Gegenwart am Theetisch. Die Kaiserin, obgleich etwas blaß, ist wunderschön!! Sie trug ein weißes poult de soie Kleid mit Mantille mit Hermelin garnirt, in den schönen Haaren Diamant Nadeln und sah herrlich in der einfachen, geschmackvollen Toilette aus.
Die Hofdamen-Ausstattung ist kostspielig, denn der Hof gibt nur das Nothwendige, der Mensch braucht gar Vieles. Bei Deinem Hiersein werden wir Alles besprechen.
Sophie (4)

Baronin von Scharnhorst schrieb am 17.3.1858 einen Brief an Karoline von Sickingen. Dieser Brief ist im Buch von 1903 (unten in den Anmerkungen ist die Erläuterung dazu) nicht enthalten. Es ist daher anzunehmen, dass folgender Wortlaut von Richard Kühn wieder verfälscht wiedergegeben wurde.

„Wien, 17.3.1858
Du wirst wie alle Hofdamen die Erfahrung machen, daß eine gutgewählte Ausstattung, besonders Spitzen und Bräusche, einen Grund der Toilette legt, den man in der Hofkarriere aus eigenen Mitteln nicht legen kann. Die täglichen Bedürfnisse, der Wechsel der Mode und die Ehrenausgaben erschlpfen die Kasse. Darum küsse Deiner Mama tausendmal die freigebigen Hände, daß sie Dich so gut versorgt zu Deinem neuen Beruf ausstattet.
Ich habe in Beziehung der Wohnung noch keine genügende Antwort zu geben. Bei Munsch ist der erste und zweite Stock bis Ende Mai eingenommen und keine Aussicht, daß Platz gemacht wird.
Ich habe in der „Stadt Frankfurt“ nachgesehen. Es ist eine der besten Gasthöfe, sehr zu empfehlen wegen der Kost und der Bereitwilligkeit des Wirts. Prinz Karl von Baden wohnt immer dort, wenn er in Wien ist. Man hat dort alles; hübsche Zimmer, Equipage, gute Bedienung. Er liegt im Zentrum der Stadt, ganz nahe bei den Theatern und der Burg. Obgleich jetzt alles besetzt ist, will der Wirt sein mögliches tun. Allein vor dem 22./23. kann er nicht bestimmen, ob im ersten oder zweiten Stock etwas frei wird.
Der zweite Stock ist viel hübscher und angenehmer, wie in jedem Hotel, weil man nicht au bénéfice der Speiselokalitäten dem Geruch un den Launen der Tischgäste ausgesetzt ist.
Der Preis kann erst bestimmt werden, wenn die Zimmer genommen werden.
Vielleicht entschließt sich Mama, außer den Schlafzimmern einen kleinen Salon zu nehmen. Denn Ihr werdet sehr viele Visiten haben inklusive derjenigen, die die Hofdame angehen.
Die können doch nicht in die Geheimnisse des Schlafzimmers eingeführt werden. In diesem Fall wären es vier Zimmer: ein Salon, eins mit zwei Betten, eins mit drei ditto und für die Kammerjungfern eins mit zwei Betten. Die großmächtige Mama, hochgeborene Gräfin Sickingen, mit Schätzen und einer Hofdame beladen, möge gnädigst ihre Entscheidung sobald als möglich geben. (6)

Deshalb war es nicht nur von Nöten, dass die Hofdame die Ahnenprobe bestand, sondern auch die Familie reich genug war, die Tochter finanziell zu unterstützen.

Ein Umstand, der zB. bei Hofdame und Vertrauter Marie von Festetics ein unabdingbarer „Fehler“ war, denn ihre Familie hatte durch viele Spekulationen beinahe ihr gesamtes Vermögen verloren.

Elisabeth war es, die Marie immer wieder unter die Arme griff.

Zu jedem Anlass – und es gab derer viele – verlangte die Etikette ein neues Kleid.

Dies durfte zwar nicht schöner sein, als das der Kaiserin oder eben der Herrschaft wo man diente, musste aber zumindest gleichwertig sein.

Es war dabei wichtig, die Toilette genau abzustimmen. Schmuck, Haare, Kleid hatten genau zueinander zu passen. Ein kostspieliges und aufwendiges Vorhaben, dass vom Gehalt einer Hofdame nicht bezahlt werden konnte, wenn man bedenkt, dass die Hofdame auch ständig mit ihrer Dame auf Reisen war. Hofdamen gab es ja nicht nur bei der Kaiserin, sondern auch bei Königinnen, bei den Erzherzoginnen, bei Herzoginnen, bei Fürstinnen usw.

Hofdamen begleiteten ihre Herrschaft überall hin. Auf die Reisen, ins Hotel, zu Soireen, zu Teegesellschaften, zu Dinnerpartys, zu Hofbällen, zu Bällen und Einladungen aller Art, zu karitativen Besuchen, in die Kirche, zum Lunch und zum Frühstück.

Es gab im Prinzip keine Minute des Tages, an dem keine Hofdame zugegen war, außer die Herrschaft wünschte dies ausdrücklich und dann nur, wenn diese zu Hause war.

Ansonsten fungierte die Hofdame natürlich als Anstandsdame und durfte erst recht das Zimmer nicht verlassen. Deshalb gab es immer mehrere Hofdamen, um im Turnusdienst zu arbeiten.

Kaiserin Elisabeth begleiteten an die 10 Hofdamen permanent auf Reisen, allerdings waren nur 2-3 wirklich ihre engsten Vertrauten.

Alle anderen versahen ihren Dienst und gingen wieder. Nie hätte Elisabeth Privates mit ihnen besprochen.

Marie und Ida (beide weiter unten) sind die berühmtesten Namen unter ihnen und waren beinahe rund um die Uhr für „ihre“ Kaiserin da.

Da am kaiserlichen Hof es nur so von Offizieren, Diplomaten, Ministern, Bediensteten usw. wimmelte, war dies ein großer Heiratsmarkt.

In Schloss Schönbrunn lebten rund ums Jahr an die 4000 Personen. So verliebten sich natürlich auch die jungen, bei Kaiserin Elisabeth immer sehr hübschen Hofdamen. Kaum hatte diese den Wunsch geäußert sich zu verloben und ehelichte dann ihren Verlobten, wurde die Hofdame aus dem Dienst entlassen.

Eine verheiratete Hofdame war bei Hofe nicht zugelassen.

Heiratete eine Hofdame, wurde diese bis an ihre Lebensende vom Hofe unterstützt. Sie bekam eine Art Pension. Auch dann, wenn die Herrin verstarb, wurde die Hofdame weiterhin bezahlt.

berühmte und weniger berühmte Hofdamen bzw. eine Vorleserin unter Kaiserin Elisabeth

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferency und Marie von Festetics auf Maultieren

Nehmen wir das größte Beispiel Vorleserin Ida von Ferency (*7.4.1839, †28.6.1928).

Wie ihr Name 1864 auf jene Liste kam, als Kaiserin Elisabeth eine Gesellschafterin suchte, ist ein ungelöstes Rätsel, welches sich nach so vielen Jahren nicht mehr klären lässt.

Ihr Posten musste erst geschaffen werden. Zuerst wurde sie zur Gesellschafterin und Sprachlehrerin.

Da aber Max von Falk den vertrauensvollen Posten des ungarischen Sprachlehrers inne hatte, war es schnell vorbei mit diesem Synonym. Also erfand man den Posten „Vorleserin“, da Ida die Ahnenprobe nicht bestand.

Sie kam aus dem einfachen Landadel und hatte weder 8 Urahnen vorzuweisen, noch generell einen Hofdamen-Posten zu erhalten. Ihr Rang war viel zu niedrig. Kaiserin Elisabeth ob ihrer Schönheit allerdings Feuer und Flamme, wollte sie unbedingt behalten.

Zu dem waren sich die beiden Frauen vom ersten Moment an sympathisch.

So wurde der am Hof einzigartige Posten der „Vorleserin“ geschaffen.

In manchen historischen Büchern ist von der Hofdame Ferenczy zu lesen. Das ist falsch. Ida blieb bis zu ihrer Pension „Vorleserin“.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie von Festetics

Hofdame Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †16.4.1923) reiht sich in die berühmten Namen der Hofdamen ein, die man sicherlich unter Kaiserin Elisabeth kennt.

Niemand geringerer als Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890) schlug 1871 Marie als Hofdame vor.

Marie war ursprünglich auf einem anderen Posten und gar nicht glücklich als sie die Ernennung für die Kaiserin erhielt.

Doch Gyula bekniete sie hinzugehen.

Als sie Elisabeth das erste Mal sah, schrieb sie wahre Entzückungen über die Kaiserin in ihr Tagebuch, welches sie über die Jahrzehnte fleißig schrieb. Sie sollte zwei Heiratsanträge ablehnen, um bei ihrer geliebten Kaiserin bleiben zu können.

Es nahm niemand so viel Einfluss auf Elisabeth wie Marie von Festetics. In der Familie wurde Marie deshalb argwöhnisch beäugt. Erzherzogin Sophie und sogar Elisabeths Tochter Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924) hassten Marie regelrecht. Der gesamte Beitrag zu Marie von Festetics kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commons
die Geschwister Lily und Imre von Hunyady

Berühmt wurde auch Lily von Hunyady (*26.12.1836, †28.2.1907), welche Elisabeth nach Madeira begleitete.

Leider auch ihr Bruder, der sich in Elisabeth verliebte und sofort aus ihren Augen entfernt wurde.

Lily verliebte sich selbst zu guter Letzt und musste den Hofdienst verlassen. Der Beitrag zu ihr kann hier nachgelesen werden.

Eine ganz andere Geschichte, war jene, als mich eine Followerin auf Facebook bat, die Hofdame auf jenem Bild hinter Kaiserin Elisabeth ausfindig zu machen.

Dies war gar nicht so einfach, wie anfangs gedacht. Doch wenn ich mich einmal in Recherchen verbeiße, dann so lange, bis ich ein Ergebnis habe.

Auf einem Rundgang durch Schloss Moosburg wurde ich zum ersten Mal auf einen Namen aufmerksam, der mich schlussendlich ans Ziel brachte.

So kurz wie hier jetzt dargestellt, waren die Recherchen natürlich nicht. Mehr als ein 3/4 Jahr dauerten sie an und ich hatte ein riesen Glück, dass ich ausgerechnet in jenes Schloss eingeladen wurde.

Und so fand ich jene Hofdame, die gesucht war.

Marie Johanna Gräfin von Welsersheimb Freiin von Gumpenstein, verheiratete Marie Gräfin von Goëss (*6.5.1824, 4.12.1896). 1852 starb Maries Mann und schon bald danach ereilte sie der Ruf zur Hofdame für Kaiserin Elisabeth. Später wurde sie zur Obersthofmeisterin.

Besagtes Bild zeigt die beiden am 19.4.1875 als sie die neuen Volksküche in der Schönlaterngasse besuchten, da ihr diese von ihrem Gemahl Kaiser Franz Joseph ans Herz getragen wurden. Er war dort zu Gast, speiste vor Ort, lobte die gute Küche, ließ sich alles zeigen und lobte die neue Art der Gemeinnützigkeit in Wien.

Elisabeth wollte sich selbst ein Bild machen, allerdings ohne sich anzumelden. Alleine und ohne Entourage und nur mit Gräfin von Goëss besuchte sie besagte Küche.

Der zufällig anwesende Maler August Heinrich Mansfeld hielt diesen Augenblick in Skizzen fest und malte danach ein Bild. Elisabeth gefiel die Suppenküche ebenso gut wie ihrem Mann und sie übernahm die Schirmherrenschaft.

Hofdamen im Dienste anderer hoher Personen

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Marie von Redwitz, Enthüllung der Oskar von Redwitz Statue vor dem Hotel Austria, Meran, 22.10.1894

Marie von Redwitz* (*9.12.1856, †11.4.1933) wiederum ist berühmt, da sie die Hofchronik von der Bayern-Linie aus schrieb.

Sie war die Hofdame von Amelie von Urach, besser bekannt als Amelie Herzogin in Bayern (*24.12.1865, †26.51912).

Ihr Vater war Carl Theodor in Bayern „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) und Sophie Prinzessin von Sachsen (*15.3.1845, †9.3.1867).

Carl Theodor war ein Bruder von Kaiserin Elisabeth und Sophie war ihre Cousine und Schwägerin. Leider starb die geliebte Ehefrau und Mutter recht bald, so dass Carl Theodor einige Jahre später noch einmal heiraten musste.

Die traurige Geschichte zu Sophie kann hier nachgelesen werden.

Amelie heiratete später Wilhelm von Urach (*30.5.1864, †24.3.1928) und so wurde Marie von Redwitz ihre Hofdame.

Doch auch sie war anfangs gar nicht so begeistert ihre Freiheit aufzugeben und wehrte sich lange der „Berufung“ nachzugeben. Doch es half natürlich nichts. Die Damen jener Zeiten hatten keine Wahl und so trat Marie ihre Stelle an und schrieb von Anfang an Tagebuch.

Ihre Hofchronik ist heute in keinem historischen Buch (und auch bei mir) wegzudenken.

Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Prinzessin von Schweden
Lithographie: Josef Kriehuber

Sophie von Scharnhorst* sei erwähnt. Sie schrieb die Hofdamenbriefe, die ebenfalls eine unglaubliche Quelle ihrer Zeit sind.

Sie arbeitete bei Prinzessin Amalie Marie von Schweden (*22.2.1805, †22.9.1853°), die über vielfache Ecken mit dem Kaiserhaus verwandt war und dort ein und aus ging.

Sie selbst lebte in Wien und war bei fast allen kaiserlichen familiären Anlässen eingeladen.

Baronin von Scharnhorst schrieb alles nieder und so erhält der Leser einen guten Einblick in jene Zeit rund um Erzherzogin Sophie als noch Erzherzog Franzi, Maxi, Karli und Luzi-Wuzi klein waren. Natürlich erwähne ich hier niemand geringeren als Kaiser Franz Joseph und dessen Brüder.

Erwähnenswert ist auch noch Clementine Gräfin von Taaffe(***) (*20.10.1827, †13.9.1882), der Name wird aufmerksamen Habsburg Kennern vor allem durch Eduard Taaffe (*24.2.1833, †29.11.1895) ein Begriff sein.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Hildegard

Er war der einzige lebenslange Freund und Vertraute von Kaiser Franz Joseph.

Kaiser Franz Joseph übergab ihm nach der Mayerling Affäre Dokumente von Rudolf, die bis heute nicht mehr aufgetaucht sind.

Taaffe war für die Bespitzelung von Kronprinz Rudolf verantwortlich, da dieser die liberale Einstellung des Kronprinzen nicht ertragen konnte und ihn hasste wie die Pest.

Clementine Gräfin von Taaffe wurde am 31.10.1856 29jährig Hofdame bei Erzherzogin Hildegard (*10.6.1825, †2.4.1864).

Empfohlen hatte sie die heißgeliebte Aja von Kaiser Franz Joseph Louise Baronin von Sturmfeder. Sie ehelichte am 1.5.1844 in der Allerheiligen-Hofkirche in München Erzherzog Albrecht (*3.8.1817, †18.2.1895) und war eine Cousine von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph.

Hildegard war die Tochter von König Ludwig I von Bayern, der der (Halb)Bruder von Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) und Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †26.1.1892) in Bayern war.

Zuerst wurde sie Hofdame und als Erzherzogin Hildegard an einer Rippenfellentzündung starb, blieb sie auf Wunsch von Albrecht bei den Kindern und zog diese auf.

Clementine war nicht nur äußerst gebildet, sie interessierte sich sehr für Geschichte und für die Theologie. Die Kinder des Paares liebten sie sehr und schrieben ihr häufig Briefe oder zeichneten ihr Bilder.

Am 26.6.1864 wurde sie Sternkreuzordensdame und in der Marienkapelle „St. Christoph“ in Baden bei Wien hängt links neben dem Eingang eine Gedenktafel für Clementine von Taaffe „Gesellschaft der adeligen Frauen“. 

Das war es nun vorläufig aus dem Reich der Hofetikette und dem Wirr Wirr der Begrifflichkeiten.

Wenn euch ein Begriff auffällt oder einfällt den ihr erklärt haben wollt, scheut euch nicht mir zu schreiben.

Ich werde ihn gerne in die Liste aufnehmen. 

– Petra – 

Foto: abebooks.com
Amalie Prinzessin von Schweden eigenhändige Unterschrift
Quittung über 2500 Thaler Preußischer Courant durch den Gesandten von Arnim

Anmerkungen:

(*) Wichtige Anmerkung:

Sophie Gräfin von Scharnhorst war die Hofdame von Amalie Prinzessin von Schweden (*22.2.1800, 21.9.1853). (°)Im gesamten Internet ist das Sterbedatum von Amalie Prinzessin von Schweden falsch.

Sophie von Scharnhorst notiert den Todestag und die restlichen Trauertage ganz genau. Wieso auch hier die Daten im Netz nicht übereinstimmen (und wahrscheinlich in vielen historischen Büchern), ist mir ein Rätsel.

Amalie war, wie ihr Bruder Prinz von Wasa, eine enge Freundin des Erzhauses und begleitete beinahe ständig Sophie überall hin. So erlebte Sophie von Scharnhorst die kaiserliche und erzherzögliche Familie.

Kein schlechtes Wort kam der Gräfin über ihre Herrin jemals über ihre Lippen. Ihre Briefe sind eine einzige Lobeshymne an die hohe Frau.

Die Briefe erreichten alle ihre enge Freundin Eveline Gräfin von Sickingen-Hohenberg(*) (*24.11.1809, †27.11.1895), welche in Ischl lebte und eine enge Vertraute des hohen Adels war. So auch von Erzherzogin Sophie.

In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, 3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, 23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, 7.3.1855) geheiratet.

Ebenfalls ein Rätsel war ihre Tochter Caroline, da mit der falschen Schreibweise auch Caroline, welche bei Richard Kühn Karoline geschrieben wurde, nicht aufgefunden werden konnte.

Erst ein Stammbaum auf einer holländischen Seite brachte mich weiter. Caroline von Hohenburg-Sickingen (*5.2.1835, 2.8.1909) wurde zur Hofdame bei Erzherzogin Sophie 1858 einberufen. Ungefähr 2 Jahre übte sie diesen Dienst aus, bevor sie Conrad Graf von Sternberg-Rudelsdorf (*6.6.1825, 2.9.1876) ehelichte und Tochter Eveline (*13.5.1861, 17.10.1881) gebar.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name von Eveline von Hohenburg-Sickingen falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

(**) Auf Seite 279 findet sich in den Hofdamen Briefe von Baronin von Scharnhorst der Name „Gräfin Schönborn“. Weitere Angaben gab es nicht.

Auch jetzt machte ich mich wieder auf die Suche nach der Hofdame von Erzherzogin Sophie und wurde nach langer und intensiver Suche fündig:
Zuerst fand ich
Maria Anna Josephine Caroline von Schönborn-Buchheim, welche Hofdame bei Kaiserin Elisabeth wurde und oben ebenfalls Thema ist. Da dies 1857 passierte, diese aber nicht von jene Gräfin war, die Eveline von Hohenburg-Sickingen schrieb, suchte ich weiter.

Über Caroline fand ich Obersthofmeisterin Ernestine Schönborn (*1800, 1850). Wer 1850 gestorben ist, kann nun mal 1857 keine Briefe schreiben, also war auch das eine Sackgasse. Ich vermute, dass es sich um Gräfin Schönborn, um Charlotte Sophie handelt (*12.2.1796, 1864), konnte es aber noch nicht beweisen. Sobald mir das gelungen ist, werde ich es bekannt geben.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, Caroline, Ernestine, Charlotte Sophie, noch zu den anderen Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Bis heute konnte ich auch keine Daten zu Sophie Baronin von Scharnhorst finden.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.

Nicht von jeder Hofdame gibt es Fotos. Ich hatte schon Schwierigkeiten die Daten herauszufinden.

(***) Bei Clementine von Taaffe darf ich mich rühmen, dass ich die erste und einzige bin, die herausgefunden hat, wann sie geboren wurde und wann sie bei Hofe ihre Anstellung fand. In keinem historischen Buch fand ich diese Daten. Es hat mich stundenlange detektivische Arbeit gekostet, die sich schließlich ausgezahlt hat.

Marie von Redwitz ist mein begehrtes Ziel für ein Foto. Ich besitze ein Familienfoto bei der Enthüllung des Oskar von Redwitz-Denkmals vor dem Hotel Austria in Meran, welches heute das Hotel Adria ist. Oskar von Redwitz (*28.6.1823, †6.7.1891) war ein berühmter Dichter und Schriftsteller und ihr Vater. Nicht nur, dass Marie Hofdame war, so trat sie auch in die Fußstapfen ihres Vaters. Sollte ich jemals in den Besitz eines besseren Fotos kommen, werde ich es hier einfügen.


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: hofburg-wien.at, habsburger.net, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Kunsthistorisches Museum Wien (KHM), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), abebooks.com


Literatur Hinweise:

1 – S.279, 2 – 280/1, 3 – S.282/3, 4 – S.284, 5 – S.284/5,
Hofdamenbriefe
Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Verlag Caesar Schmidt, 1903, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

6 – S.376/7
Richard Kühn
Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865)
Oswald Arnold Verlag Berlin, 1. Auflage 1942 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859-1898 Band I und Band II
Herold Verlag, Wien 1966 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Gudula Walterskirchen
Der Franzi war ein wenig unartig
Hofdamen der Habsburger erzählen
Residenz Verlag, 2013, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

Karin Schneider
Norm und Zeremoniell
Das Etiquette-Normale für den Wiener Hof von circa 1812
Böhlau Verlag, 2019, 1. Auflage (in jeder Buchhandlung erhältlich)

Der Hofstaat des Hauses Österreich
Ivan Zolger
Deuticke, Wien, 1917 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Kaiserin Elisabeth ganz privat
Briefe an ihre intimste Vertraute Ida Ferenczy
Beatrix Meyer
Allitera Verlag, 1. Auflage 2020 (in jeder Buchhandlung erhältlich)

Jahresbericht des ersten allgemeinen St. Annen Kinderspitals für 1857
Interner Bericht

Christa Diemel
Adelige Frauen im bürgerlichen Jahrhundert
Hofdamen, Stiftsdamen, Salondamen 1800 – 1870
Fischer Verlag, 1. Auflage 2015


Hochzeit – Tu felix Austria nube*

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth, 1854
Hochzeitsbild
Bild: Anonym

*… du, glückliches Österreich, heirate!

Der Hochzeitstag von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern, welche mit dieser Hochzeit zum Hochadel avancierte und Kaiserin von Österreich wurde, ging in die Geschichte ein.

Die kleine Elisabeth verzauberte Kaiser Franz Joseph im August 1853 in Ischl so sehr, dass nach 3 Tagen am 18.8.1853 bereits die Verlobung gefeiert wurde. Mein Beitrag zur Verlobung kann hier nachgelesen werden. 

Seit dem wurde die Hochzeit auf Hochtouren geplant. Die junge Braut wurde nicht lange gefragt.

Unglückliche Gedichte schrieb sie in ihr Tagebuch, welche ebenfalls im Beitrag zur Verlobung nachgelesen werden können.

Es half alles nichts. Anfang März 1854 unterschrieb ihr Vater Herzog Max den Ehe Pakt.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Fotos: Antiquitäten kunst-bail.de
Einladungskarte von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern

Direkt nach der Verlobung erhielt Elisabeth Heiratsgut im Wert von

50.000 Gulden = ca. € 670.000
Weitere
100.000 Gulden = ca. € 1,340.000

wurden als Absicherung der Witwenschaft ausgehandelt, vorausgesetzt Franz Joseph würde vor ihr versterben.

Als Morgengabe wurden 12.000 Dukaten vereinbart.

Kaiser Franz Joseph verpflichtete sich weiters seiner Gattin jährlich eine Apanage von 100.000 Gulden (etwa € 1,340.000) zu bezahlen. Elisabeth sollte also nicht „arm“ in der Ehe sein.

In den späteren Jahren richtete sich Kaiserin Elisabeth in der Schweiz ein Konto ein, so dass sie fernab vom Wiener Hof sehr gut Leben konnte. Sie war zeitweilig sogar reicher als ihr Ehemann.
Mein Beitrag „eine Kaiserin zu Pferde“ kann hier nachgelesen werden.

Weiters wurde Wäsche und Schmuck als Ausstattung vereinbart, wobei diese sehr ärmlich war.

Ludovika hatte mit der Hochzeit mit Helene gerechnet.

Elisabeth war bei der Verlobung erst 15 Jahre alt und ihre Ausstattung war weder komplett und schon gar nicht edel genug für den feinen Wiener Hof. Das Kaiserhaus war nur edelste Stoffe und Juwelen gewohnt.

Die 25 Koffer die vor der Braut in Wien eintrafen, waren daher dem Gespött ausgesetzt.
Elisabeth galt als „keine gute Partie“, noch bevor sie Wien erreichte. Ihre Silberausstattung galt als „bescheiden“.

Die Silberausstattung, die damals als ein „Muss“ galt, hatte einen Gesamtwert von ca. 700 Gulden = ca. € 9.380.

Handspiegel, Waschkanne und Silberteller bereits miteingerechnet.

Einzig der Schmuck hatte einen höheren Wert, dieser wurde ihr jedoch im Laufe der Verlobungszeit von Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Sophie geschenkt. Der Wert des Schmuckes wurde auf

60.000 Gulden = € 804.000 geschätzt.

Die Kleider hatten einen Wert von

50.000 Gulden = ca. € 670.000.

Dabei besaß Elisabeth 4 Ballkleider, 17 Putzkleider, 14 Seidenkleider und 19 Sommerkleider, 1 Trauerkleid. Das Wertvollste – ein blauer Samtmantel mit Zobelbesatz, sowie Zobelmuff – war natürlich wieder ein Geschenk von Franz Joseph.

Zum Vergleich: Ein Arbeitslohn für Männer betrug jährlich 300 Gulden = € 4.020, Frauen nur die Hälfte, Kinder nur ein Bruchteil.

Ein Leutnant hatte 24 Gulden monatlich = ca. € 321,60 zu erwarten, Soldaten dementsprechend weniger, Offiziere demnach mehr.

Zwar waren diese Beträge für jeden Bürgerlichen immer noch horrend und nicht zu erreichen, aber reiche Kaufleute konnten ihre Töchter weitaus besser ausstatten.

Der „vulgäre“ Landadel von den Herzogs „in“ Bayern wurde von jeher als „nicht standesgemäß“ betrachtet. Der Unterschied zur Erblinie kann hier nachgelesen werden.

Das Datum der Hochzeit wurde auf den

24.4.1854

angesetzt.

Obwohl Ludovika um eine Hochzeit in München kämpfte, verlor sie auch diesen Punkt gegen ihren zukünftigen Schwiegersohn.

Foto: Antiquitäten kunst-bail.de
Einladungskarte von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern
mit dem gesamten inneren Text

Er ließ nicht mit sich Handeln. Die Hochzeit sollte in Wien, in der Augustinerkirche, stattfinden.

In Wien wurde derweil alles für dieses Großereignis vorbereitet. Obwohl die Gefahr eines Krimkrieges bevorstand und kaum abgewendet werden konnte, setzte man große Hoffnungen auf die Hochzeit mit Elisabeth.

Wien wurde herausgeputzt.

Die ersten Lithographien trudelten in Wien ein und so sind es wieder die Zeitzeugen, die uns davon erzählen:

„Wien, 11.November 1853
Liebe Eva!

Ich sah den Kaiser einigemale bei seiner Fau Mutter; er sieht wohl und freudestrahlend aus. Es sind einige Lithographieen von der Kaiserbraut in den Kunsthandlungen ausgestellt, die viel zu wünschen übrig lassen. Das Oehl-Gemälde von Türl aus München, welches der Kaiser erhalten soll sprechend ähnlich und ein sehr schönes Portrait sein. Es steht in seinem Schreibcabinet.“

Deine Sophie (13a)

Anmerkung Petra: Herzlichst erfrischend, dass nicht nur ich Schreibfehler mache. Auch Sophie verschrieb sich des Öfteren in ihren Briefen. Hier ist z.B. Lithographieen mit doppel „e“ geschrieben. Herrlich, dass dies erhalten blieb!

Nicht nur Wien, auch der gesamte Wiener Hof, die Erzherzogin und natürlich die zukünftigen Hofdamen wurden für das Fest vorbereitet.

Die Schneider und Näherinnen ihrer Zeit hatten alle Hände zu Tun, um den Ansprüchen dieser Hochzeit gerecht zu werden.

Sophie Baronin von Scharnhorst(*) (*/unbekannt) lässt uns wieder einmal an ihren Gedanken teilhaben.

„Wien, 12.Jenner 1854
Liebe Eva!
Wegen der Hochzeitsfeierlichkeiten hielt ich gestern Conferenz mit Paula Bellegarde (Anmerkung Petra: zukünftige Hofdame von Kaiserin Elisabeth Paula Gräfin von Bellegarde, später von Königsegg-Aulendorf und ihre Obersthofmeisterin) und ihrer zufällig anwesenden Mutter. Beide finden, daß mit Silbernen Rosen gestickte Tüllkleid zu zwei Röcken Schöner für Caroline (Anmerkung Petra: Tochter von Eva) als mit volants. Silbergestickte Bandeaus sind sehr elegant, Paula wird sich auch solcher bedienen weil Brüßler Blonden zu gepfeffert sind und für 1-2mal anziehen sind sie zu theuer – außer für Königin Victoria! Die Manteaux erfordern eine Länge von 11/4 und 11/2 metre Länge.

Die Gemüther der Diplomaten und Geschäftsleute sind ängstlich mit den immer drohender werdenen kriegerischen Aussichten – beschäftigt. Der liebe Gott wende das Unglück ab!! (Anmerkung Petra: Damit ist der oben erwähnte Krimkrieg gemeint)
Sophie. (13)

Auch eine zusätzliche Strophe für die Kaiserhymne wurde geschrieben:

An des Kaisers Seite waltet,
Ihm verwandt durch Stamm und Sinn,
Reich an Reiz, der nie veraltet,
Uns're holde Kaiserin.
Was als Glück zu höchst gepriesen
Ström' auf sie der Himmel aus:
Heil Franz Joseph, Heil Elisen,
Segen Habsburgs ganzem Haus!

Musik: Joseph Haydn
Text: Johann Gabriel Seidl

Baronin von Scharnhorst hält die Weihnachtsfeiertage für uns fest:

„Wien, 20.December 1853
Liebe Eva!
…..
Heute um 2 Uhr vor Tisch besuchte mich Erzherzog Karl (Anmerkung Petra: Karl Ludwig war gemeint, Bruder von Franz Joseph) um Abschied zu nehmen. Er reist diesen Abend 10 Uhr nach Lemberg auf Seinen Posten und bleibt bis zur Vermählung des Kaisers dort. Erzherzog Max (Anmerkung Petra: ebenfalls ein Bruder vom Kaiser) ist in Triest und Seine Majestät reisten heute nach München. Die vortreffliche Erzherzogin ist beinahe ganz verwaist, aber schöne Hoffnungen bleiben ihr, wenn erst die Kaiserbraut in Wien einzieht. Gott erfülle alle Hoffnungen!
Deine Sophie (14)

Kaiser Franz Joseph besuchte seine Elisabeth zu Weihnachten in München und brachte der Braut und dem Geburtstagskind einen Kranz aus weißen Rosen mit. Ein Unding zur damaligen Zeit und im Winter noch dazu.

„Wien, 8. Jenner 1854
Der Kaiser soll sehr heiter und zufrieden von seiner beglückenden Reise zurückgekehrt sein auch wie ich höre vorgenommen haben diesen Carneval nicht zu tanzen, was seinen ritterlichen Gefühlen sehr entspricht.

Deine Sophie“ (15)

Am 20.4.1854 bestieg Herzogin Elisabeth mit ihrer Mutter Ludovika eine Kutsche um eine 3tägige Reise anzutreten. Gefolgt von ihrem Vater und den Geschwistern. Zuvor wurde noch groß Abschied in München genommen.

Sie verabschiedete sich von dem gesamten Personal, ihrem Stief-Onkel Ex-König Ludwig I. (der 1848 wegen dem Lola Montez-Skandal abdanken musste), dem regierenden König Maximilian II und der gesamten Verwandtschaft. Die junge Braut war in Tränen aufgelöst.

Foto: Wikimedia/Commons
Schiff „Austria“ bei der Ankunft in Linz 21.4.1854 

Am 21.4.1854 bestieg sie das Dampfschiff „Austria“ und fuhr von Straubing Richtung Linz.

Franz Joseph entschied sich spontan seine Braut in Linz zu begrüßen und fuhr ihr mit einer Kutsche aufgeregt entgegen.

Das war nicht nur gegen das Protokoll, sondern auch eine ziemliche Überraschung für die Linzer, die mit der Ankunft des Kaisers so gar nicht gerechnet hatten.

Schwiegermutter in spe und Tante Erzherzogin Sophie, muss einer Ohnmacht nahe gewesen sein als sie davon erfuhr.

Kaiser Franz Joseph verstieß damit gegen jede Etikette. Auch das Busserl, dass er seiner Braut Elisabeth vor lauter Freude auf die Wange drückte, hätte nicht stattfinden dürfen.

Es geziemte sich nicht in der Öffentlichkeit zu „Busslern“ – schon gar nicht für einen Kaiser. 

Linz begrüßte die zukünftige Kaiserin mit gebührlichem Programm:

Das Theaterstück

„Die Rosen der Elisabeth“

wurde aufgeführt, danach ein Chorgesang und ein Fackelzug durch die Stadt.

Obwohl die junge Braut zu diesem Zeitpunkt schon erschöpft war, stand aber alle Huldigungen mit Bravour durch.

Elisabeth übernachtete mit ihrer Gefolgschaft im Landhaus Linz. Ihr Zimmer ist heute noch erhalten, allerdings ist das Gebäude selbst ein Regierungsgebäude; es ist öffentlich nicht zugänglich.

Ich durfte jedoch den Meetingsaal mit den Original erhaltenen Möbeln und Tapeten besuchen. 

Gegen 4.30 Uhr früh verließ der Kaiser Linz, um seine Elisabeth am Abend in Wien erneut zu begrüßen.

Foto: Wikimedia/Commons
Ankunft in Nussdorf

Der Raddampfer „Franz Joseph“ nahm am 22.4. erneut die Brautgesellschaft auf und fuhr pünktlich um 8.00 Uhr morgens ab.

Die ganze Zeit musste Herzogin Elisabeth am Schiff stehen, um mit einem Spitzentaschentuch den tausenden Leuten, die die Straßen und Ufer säumten, zu winken.

Wie sehr das an den Nerven der 16jährigen zerren musste, kann man sich kaum vorstellen. Verschüchtert und voller Angst fuhr sie dem Ungewissen entgegen.

Unter Glockengeläut (alle Glocken in Wien läuteten) und Kanonendonner legte das Schiff in Nußdorf an und Franz Joseph gab Elisabeth wieder ein Busserl auf die Wangen.

Die Menschenschar raste vor Begeisterung.

Nie zuvor und nie wieder danach, wurde eine Braut so derartig huldvoll begrüßt und empfangen.

Und obwohl das junge Mädchen sicherlich Ruhe gebraucht hätte, nahm man auf die erschöpfte Braut keine Rücksicht. Der Marathon ging weiter. Der Wagenzug mit dem Brautgefolge, Bräutigam und Eltern zogen von Nußdorf nach Schloss Schönbrunn wo ein großes Dinner statt fand.

Ich habe den Kaiser schon lieb. Wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (1a)

Diesen Satz soll Elisabeth gesagt haben, bevor sie sich mit dem Kaiser verlobt hat.

Sie hat geahnt, was auf sie zukommen wird.

Foto: myhtoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth wie sie sich als Braut sah
eigenhändige Skizze, 1854
Mit freundlicher Genehmigung k.u.k.Museum Bad Egart

Ich würde persönlich gerne wissen, was sie gedacht hat, als sie den Prunk und den Protz in Schloss Schönbrunn mit seinen 1400 Zimmern erblickte. Als sie erfuhr, dass in Schönbrunn ca. 4000 Personen permanent wohnten.

Plötzlich waren Menschen um sie herum, sie ihr von einer Sekunde auf die nächste die Hand küssen wollten/mussten. All das ist natürlich nicht überliefert.

„…man begafft mich wie ein seltenes Tier…“

Diese Textzeile aus dem Musical Elisabeth ist wohl noch harmlos ausgedrückt. 

Mit großer Feierlichkeit überreichte Franz Joseph sein Brautgeschenk.

Eine Diamantenkrone, die extra für 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) überarbeitet wurde.

Hierzu ist im Musical Elisabeth eine Textzeile überliefert:

„In der Schatzkammer fiel die Krone zu Boden…“

Dies galt als schlechtes Omen und wurde für eine schlechte Ehe vorausgesehen. Danach wurden alle anderen Geschenke überreicht. Ex-Kaiser Ferdinand überreichte ihr ebenfalls ein Diamantendiadem.

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie Gräfin Esterházy
Lithographie: Josef Kriehuber, 1833
Foto: Wikimedia/Commons
Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. Gräfin von Bellegarde

Zu all dem wurden ihr noch ihr völlig fremde Personen zugeteilt. Alle Damen, die sie bis jetzt betreuten, wurden ihres Dienstes enthoben.

Statt dessen wurde ihr als Obersthofmeisterin Sophie Maria Josepha Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha (*5.9.1798, †17.6.1869) zur Seite gestellt.

Gräfin Esterházy war Hofdame bei Erzherzogin Sophie und eine ihrer engsten Vertrauten. Elisabeth hat Gräfin Esterházy vom ersten Anblick an abgelehnt.

Zu Recht, denn die Gräfin hatte nichts besseres zu tun, als jede kleine Verfehlung die sich die junge Kaiserin erlaubte an Erzherzogin Sophie weiterzuerzählen.

Sie behandelte die junge Kaiserin wie ein unmündiges kleines Kind und erzählte ihr weiters den gesamten Tratsch vom Hof, der die Kaiserin nicht im geringsten interessierte.

Weiters wurde ihr Obersthofmeister Fürst Lobkowitz zur Seite gestellt.

Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. von Bellegarde (Gräfin Bellegarde) (*2.4.1830, †27.5.1912) und Gräfin Lamberg vervollständigten das direkte Personal von Elisabeth.

Zusätzlich zogen ein Sekretär, eine Kammerfrau, ein Kammerthürhüter, vier Leiblakeien, ein Hausknecht und ein Kammerweib mit Elisabeth in die Hofburg bzw. Schloss Schönbrunn. Das dies die kleine Prinzessin aus Bayern einschüchterte wird jedem verständlich sein.

Am 23.4. wurde der Hochzeitsmarathon fortgesetzt.

Vom heutigen Theresianum (damals „Favorita“ und von Franz Joseph kaum noch benützt) wurde das strenge Zeremoniell gestartet, wo Elisabeth bereits seit einigen Stunden für dieses Ereignis hergerichtet wurde.

Die von 8 Lipizzanern gezogene Prachtkutsche, wurde mit Leibgardisten in Paradeuniform begleitet. Weiters folgten dem Tross 6spännige Kutschen mit den Geheimen Räten, Palastdamen und der Familie. Neben den Wägen gingen die Diener.

Wienmuseum.at
die neu erbaute Elisabethbrücke
Kutsche mit Herzogin Elisabeth und Herzogin Ludovika, dahinter die Karlskirche

Der Zug führte über die neue Elisabethbrücke, welche 1898 abgerissen wurde.

Sie trug ein rosa Putzkleid mit Schleppe, welches mit Rosengirlanden geschmückt war. Das neue Diamantendiadem wurde ihr auf den Kopf gesetzt. Herzogin Elisabeth war überaus verängstigt und schluchzte leise vor sich hin. Aber auch Ludovika schüchterte diese enorme Zeremonie ein.

Als der Zug vor der Kirche ankam erklangen wieder alle Glocken, um den Einzug der Braut zu würdigen. Die Straßen waren voll von Schaulustigen, die sich alle einen Blick auf die baldige Kaiserin erhofften.

Als sie endlich bei der Hofburg ankam, war sie zu Tode erschöpft.

Beim Ausstieg aus der Kutsche, passierte ihr deswegen ein kleiner Fauxpas. Sie blieb mit der Diamantenkrone an der Türfassung der Kutsche hängen und strauchelte daher beim Aussteigen. 

Der Wiener Hof hatte gleich wieder zu lachen und zu tratschen, da dieses Missgeschick natürlich ausgerechnet vor allen Augen passierte.

Im Amalienhof (Trakt der Hofburg) angekommen, durfte sich die junge Braut endlich ausruhen.

Elisabeth notierte in ihr Tagebuch:

Ich bin erwacht in einem Kerker,
Und Fesseln sind an meiner Hand.
Und meine Sehnsucht immer stärker –
Und Freiheit! Du, mir abgewandt. (1)

Foto: Wikimedia/Commons
„Eine Vorstellung wie die Hochzeitszeremonie aussah“, Neue Illustrierte Zeitung, 1879 zum 25. Hochzeitstag veröffentlicht, Holzstich, Anonym

Am nächsten Morgen gingen die Hochzeitsvorbereitungen erneut los.

Die Hochzeit war für 19.00 Uhr am Abend angesetzt.

Jede Braut kennt die Vorbereitungen die an diesem Tag auf sie warten. Eine 16jährige Braut und noch dazu die zukünftige Kaiserin, musste noch strengere Vorbereitungen über sich ergehen lassen.
Foto: Kunsthistorisches Museum Wien
Wagenburg Schloss Schönbrunn
3,80m Schleppe vom Brautkleid, als einzige komplett erhalten

Bis heute weiß niemand genau wie das Hochzeitskleid von Herzogin Elisabeth in Bayern genau aussah.

Es gab vor einigen Jahren von Schloss Schönbrunn einen öffentlichen Aufruf ob jemand am Dachboden oder sonst wo, von seinen Ur-Urgroßeltern Zeichnungen zum Brautkleid von Kaiserin Elisabeth liegen hat. Diese Zeichnungen hätten demjenigen viel Geld eingebracht. Leider verhallte der Aufruf ungehört. Und so müssen wir bis heute ungefähr erahnen, wie das Kleid ausgesehen haben könnte.

Aber warum war das so?

Es waren nur geladene Gäste in die Kirche vorgelassen und die platzte schon aus allen Nähten. Das gemeine Fußvolk musste natürlich vor der Türe warten und wer tatsächlich einen Blick erhaschen konnte, konnte das Kleid vermutlich nicht richtig sehen. Maler, Zeichner usw. waren sicherlich positioniert, aber keiner hätte es genau treffen können. Und ein Maler war an diesem Tag leider keiner bestellt.

Bei der Hochzeit in der Augustinerkirche selbst waren nur die engsten Familienangehörigen, der Hofstaat und die Kardinäle anwesend. Deswegen existieren auch hier keine genauen Aufzeichnungen wie Elisabeth am Tag ihrer Hochzeit aussah.

Nach der Trauung wurde das Kleid noch 25 Jahre aufbewahrt, um daraus das 25jährige Hochzeitskleid zu nähen.

Danach wurde das Kleid nach Maria Taferl und in die Matthiaskirche in Budapest gespendet und je zu einem Vespermantel verarbeitet. Der Bericht kann hier nachgelesen werden.

Doch ihr kennt mich. Ich lasse keine Ruhe und gehe immer wieder auf die Suche und so bin ich auf folgenden Brief gestoßen, den ich hier wiedergeben möchte.

Baronin von Scharnhorst ist es wieder, die folgendes berichtet:

„8ten December 1853
Liebe Eva!
Die Erzherzogin hat mich schon vor 8 Tagen zum Christbaum eingeladen und dieser Gnade auch manche andere beigefügt.
Gestern brachte ich Mal wieder einen herrlichen Abend bei der hochverehrten Erzherzogin Sophie zu im engen Familienkreis am trautlichen Theetisch. Erzherzog Max erheiterte die Gesellschaft, – die nur aus der hochverehrten Erzherzogin, dem kleinen Ludwig (Anmerkung Petra: Luzi-Wuzi, Bruder von Kaiser Franz Joseph), mir und Antoinette Auersperg bestand – durch das jugendliche Spiel seiner Phantasie.

Die theure Erzherzogin zeigte uns herrliche Gold- und Silber-Brocatstoffe die ihr zu den Vermählungsfeierlichkeiten vom Gemahl geschenkt wurden, wahre Meisterwerke des guten Geschmacks und der Weberei, das Hochzeitskleid ist weißer Damast mit Gold reich broschirt dazu wird ein cerise schwerer Stoffmanteau mit Gold gestickt genommen.
Das 2te Kleid blauer Damast mit Silber-Quirlanden und Medaillons brochirt, ist über alle Beschreibung schön. Jedes Kleid hält 10 Ellen und kostet 300 fl C.M. (Anmerkung Petra: fl = Gulden, C.M. = Conventionsmünze 300 Gulden = ca. € 4.640.74) was ich sehr wenig finde. Demetre ist in den Sachen reich fournirt. – Es wird eine blendende Pracht werden!
Die Büste der Kaiserin(*) ist nun auch von München angekommen, und ganz vortrefflich ausgefallen! als pendant zur Kaiserbraut. Beide Büsten sind besser wie alle Portraits des hohen Brautpaares.
Sophie“ (16)

(*)Anmerkung Petra: Ich vermute, dass es sich hier um einen Schreibfehler der Baronin handelt und es nicht „der Kaiserin“, sondern „des Kaisers“ heißen soll. Anders ergibt es nämlich überhaupt keinen Sinn.
Im Buch von Richard Kühn, der leider die Briefe nicht Wort für Wort abgeschrieben und vieles hinzugedichtet hat, wurde auf S. 339 das Wort Kaiserin schon in Kaiser verbessert.
Weitere Anmerkungen am Ende des Artikels!

Hier haben wir also das Kleid wunderbar beschrieben:

Gold und Silber-Brocatstoff, ein guter Geschmack der Weberei, weißer Damast, mit Gold reich broschirt und ein schwerer Stoffmanteaeu... 
Genau wie er in der Wagenburg zu sehen ist; zumindest noch ein Teil davon. 
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Der Rest wird wohl leider wirklich immer im Verborgenen bleiben.

Der üppige Haarschmuck von Elisabeth. Mir persönlich gefällt er nicht, aber das ist immer Geschmackssache.

Wenn man sich aber diese Aufzeichnungen ansieht, kann man ungefähr das genaue Ausmaß erahnen:

Ihre königliche Hoheit trug ein Schleppenkleid und einen Mantel von Moire antique, prachtvoll mit Gold und Silber gestickt und reich mit Myrthen verziert.

Auf ihrem Haupte glänzte das nämliche Diadem, welches ihre durchlauchtigste Schwiegermutter, die Erzherzogin Sophie, an ihrem Vermählungstage getragen hatte. Über die Schultern der kaiserlichen Braut wallte ein Spitzenschleier herab und die Brust schmückte ein frischer Rosenstrauß. (2)

In Sophies Tagebuch fanden sich folgende Passagen (alle abzuschreiben, würden jeglichen Rahmen sprengen, aber die wichtigsten gebe ich wieder):


Montag, 24. April […] gegen 7h 3/4 suchte mich der Kaiser nach seiner Beichte auf und fand Louise (Ludovika, Sisis Mutter) in meinem Salon vor, die auf das Ende von Sisis Beichte bei Bischof Zenner in meinem Oratorium wartete. Begleitet von ihrer Mutter nahm Sisi mit dem Kaiser an der Heiligen Messe […] in der Josephskapelle teil. – Franz, unsere 3 Jüngsten, ich und Carl in meinem Oratorium. Dort habe ich gebetet und aus ganzem Herzen geweint. (6)

Das Frühstück im roten Kabinett mit meinen 4 Kindern, ihrem Vater, Louise [und] ihren Töchtern: [Herzog] Max und Ludwig kamen dazu. Der Kaiser, so glücklich und verliebt. […] (7)

Nach 3h: das Diner bei mir mit meinen 4 Kindern und ihrem Vater. Gute und fröhliche Unterhaltung. Wir tranken auf das Wohl der jungen Brautleute, auf Marie und Fritz von Sachsen, die Hochzeitstag hatten. […] (8)

Um 5h Toilette:: Kleid aus weißem Stoff und Gold von Franz; Mantel aus amarantfarbenen Stoff, den ich mit Gold und Silber besticken ließ. (9)

Gegen 6h 1/2: mit meinem Sohn und seinem Vater zu Louise , wo wir 4 Väter und Mütter das junge schöne Paar segneten. Mein liebes Kind strahlte vor Glück. Sisi war schön und elegant. Nachdem mich mein Sohn fest umarmt hatte, umarmte er seine Braut, während er sanft ihre Hand drückte, sagte er ihr liebevolle Dinge und wie er auf ihr Wohlergehen bedacht war. Ich war so glücklich. (10)

Im Spiegelsalon fanden wir die gesamte kaiserliche Familie vor. Langes und immenses Gefolge (alle Palastdamen hatten Dienst) (Anmerkung Petra: meinen Beitrag zum Hofzeremoniell könnt ihr hier nachlesen) bis zur Augustinerkirche, der Gang übermäßig heiß, die jungen Leute der Neustädter Akademie standen zu ihrer großen Freude Spalier. […] der Erzbischof, assistiert von den Bischöfen von Linz und St. Pölten, segnete die Vermählung nach einer langen Predigt […], Nachdem die Ringe getauscht waren, läutete es 7h 1/2. In diesem schönen Moment führte der Kaiser die Kaiserin zum Thron und ließ sie an seiner Seite Platz nehmen, ihre Mutter neben mir, die Augen geschlossen, die Hände gefaltet, mit einem Ausdruck von Bescheidenheit und christlicher Demut – sehr ergreifend. (11)

Foto: Wikimedia/Commons
Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Elisabeth wird zur Kaiserin
man erkennt gut das beschriebene Rosenbouquet, das Diadem und den Brautschleier

Die Kirche wurde mit 15.000 Kerzen erleuchtet und die junge Braut betrat die Augustinerkirche, wo 70 Kardinäle, Bischöfe und Prälaten auf sie warteten.

Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher (*6.10.1797, † 24.11.1875) nahm die Trauung vor.

Auch Wien erstrahlte im schönsten Licht. Kerzen, Gasflammen und elektrische Glühlampen wurden angezündet.

Danach zog der Hochzeitszug zurück in die Hofburg, wo wieder das steife Zeremoniell begann.

Foto: Nationalbiblithek.at
Große Cour im Zeremoniensaal der Wiener Hofburg anlässlich der Vermählung Kaiser Franz Josefs I. mit Elisabeth in Bayern am 24. 4. 1854; Repronegativ nach einer Xylographie von Eduard Kretzschmar
in der „Illustrierten Zeitung“
vom 6. Mai 1854

Nun in Form der Huldigungen und Glückwünsche die auf die ermüdete und erschöpfte Braut zukamen.

Eine Pause oder gar eine Erfrischung gab es nicht.

Gräfin Esterházy stellte die „Palast- und appartementmäßigen Damen“ und Oberhofmeister Lobkowitz die „Kavaliere des Hofstaates“ vor. Die Damen durften nun zum Handkuss vorgelassen werden.

Kaiserin Elisabeth vollkommen übermüdet, verwirrt und verweint reagierte natürlich falsch und wartete, dass die Damen das Wort an sie richteten.

Man kann sich lebhaft vorstellen, was das wiederum für ein Getuschel und Getratsche war, als die Kaiserin nicht selbst das Wort an die Damen richtete. Das Hofprotokoll sah vor, dass man die Kaiserin nicht ansprechen durfte. Nur die Kaiserin selbst durfte das Gespräch beginnen.

Die nächste Peinlichkeit ließ nicht lange auf sich warten. Als zwei Cousinen sah, zog sie ihre Hand zum Handkuss zurück und umarmte die beiden. Ihre Obersthofmeistern war so echauffiert, dass sie die Kaiserin coram publico aufforderte, nur streng nach Zeremoniell zu handeln.

Elisabeth durfte nur noch die Hand für den Handkuss reichen. Vor lauter Scham brach sie in Tränen aus und verließ den Saal.

Die peinliche Szene konnte der ganze Wiener Hof beobachten, man mag sich dies auch in der heutigen Zeit gar nicht ausmalen. Der Skandal war perfekt, auf Monate hin, war für Hohn und Spott gesorgt.

Nach 23.00 Uhr waren endlich alle Feierlichkeiten abgeschlossen und die „Bettlägeszene“ wurde vorbereitet.

Ludovika und Sophie begleiteten Elisabeth in ihr Schlafzimmer und halfen ihr sich für die Hochzeitsnacht herzurichten.

Sophie schrieb in ihr Tagebuch:

Zwischen 10 und 11h: Tee und Souper bei mir, wir 4 Väter und Mütter und unsere Kinder. Nachdem alle gegangen waren, führten wir, Louise und ich, die frisch Vermählte in ihrer Gemächer. Ich ließ sie mit ihrer Mutter allein und richtete mich im Kabinett neben dem Schlafzimmer ein, bis sie zu Bett gegangen war; ich suchte meinen Sohn auf und begleitete ihn zu seiner jungen Frau, die, als ich ihr gute Nacht sagte, ihr hübsches von reichem, schönen Haar umrahmtes Gesicht im Opfpolster verbarg, wie ein erschreckter Vogel, der sich in seinem Nest versteckt. Ich ging mit Louise […] (3)

Die Ehe wurde nicht vollzogen.

Am nächsten Tag tauchte Sophie beim gemeinsamen Frühstück auf und ließ sich von ihrem Franzi erzählen, wie die Hochzeitsnacht gelaufen sei. Franz Joseph musste mit hochrotem Kopf zugeben, dass diese nicht stattgefunden hatte.

Auch die Kammerzofen und Lakaien wussten bereits, dass es keinen Vollzug gab. Das verräterische Bettzeug wurde entfernt und neu bespannt.

Kaiserin Elisabeth schämte sich zu Tode.

Auch am zweiten Tag konnte kein Erfolg vermeldet werden.

Mittlerweile tuschelte schon der gesamte Hof und Kaiser Franz Joseph wurde zum Gespött von ganz Schönbrunn und der Hofburg. Die Offiziere und Soldaten von den Regimentern schlossen schon Wetten ab,

„wann die Kaiserin fallen würde“.

Eine Schande für den jungen Kaiser und natürlich noch mehr für die junge Frau.

Erst am dritten Tag wurde die Ehe vollzogen.

Ob sich der Kaiser nahm, was ihm nicht zustand, oder ob ihn Elisabeth tatsächlich ließ ist nicht überliefert.

Liest man sich aber die Aussagen, seiner späteren Liebhaberinnen durch, so zählte Franz Joseph zu den „groben Liebhabern“, die nichts von Liebe und Zärtlichkeit verstanden.

Ich nehme also einmal an, dass Elisabeth in ihrer dritten Ehenacht gelitten hat. Und dies auch der Grund war, warum sie Zeit ihres Lebens ein Trauma diesbezüglich hatte und von weiteren Liebesnächten nicht viel hielt.

Auch die peinlichen Berichte an seine Mutter waren sicherlich ein Grund für die junge Frau, sich später zu entziehen. Sie wollte einfach nicht der Guten Morgen-Tratsch bei ihrer Tante und Schwiegermutter sein.

Kaiser Franz Joseph fand sich nun also zum Frühstück bei seiner Mutter ein und bat auch seine Frau zu kommen.

Dort berichtete er von dem Vollzug.

Die Kaiserin aber blieb noch eine Weile im Bett, weil sie sich schämte. Sie folgte erst später und hoffte, dem peinlichen Gespräch auszuweichen.

Elisabeth erzählte folgendes später Marie Festetics:

Der Kaiser war so gewohnt, zu folgen, daß er sich auch darin ergab. Aber mir war das gräßlich. Ihm zu lieb ging auch ich.“ (4)

Bis zum 30.4.1854 zogen sich die Hochzeitsfestlichkeiten. Es fand noch ein Hofball, Theateraufführungen, ein Staatsdinner mit 160 geladenen Gästen uvm. mehr statt.

Foto: Schloss Laxenburg
Schloss Laxenburg, Franzenburg

Die Flitterwochen wurden in Schloss Laxenburg verbracht.

Doch diese verbrachte Elisabeth mit ihren fremden Hofdamen zum größten Teil allein.

Franz Joseph musste jeden Morgen zurück, um die Staatsgeschäfte zu erledigen. Kaiserin Elisabeth litt unter großem Heimweh.

Hinzu kam das strenge Protokoll. Als bayrische Herzogin wurde sie frei und unkonventionell erzogen.

Ab sofort durfte sie sich nicht mehr alleine anziehen, ausreiten oder gar Spazierengehen.

Sogar ihre Mahlzeiten musste sie in „fremder“ Gesellschaft einnehmen. Elisabeth musste das Protokoll einhalten und die dafür vorhergesehen Personen mitnehmen.

Eine Qual, wenn man bedenkt, dass Elisabeth auf die Aufgabe einer Kaiserin nicht vorbereitet wurde.

Bereits im Juni 1854 musste Elisabeth bei einer Repräsentationsreise nach Böhmen und Mähren ihren Kaiserinnenpflichten nachgehen.


25 Jahre später – 25.4.1879 Silberhochzeit

Foto: Wikimedia/Commons
Bild: Georg Raab
Diamantenbesticktes Kleid zum 25. Hochzeitstag, 24.4.1879.
Kaiserin Elisabeth war 41 Jahre alt
das letzte offizielle Bild auf dem sie sich malen ließ

Kaiserin Elisabeth lebte bereits lange ihr eigenes Leben.

Sie war mittlerweile 41 Jahre alt und schön wie eh und je.

Foto: Wikimedia/Commons
Huldigungsblatt zum 25jährigen Hochzeitstag eines Lithographen
Fantasieabbildung

Kaiser Franz Joseph lebte immer noch das steife Leben eines Monarchen, der nicht anders konnte, als seine Pflicht zu erfüllen.

Er verehrte seine „Engels Sisi“ und hoffte immer noch, dass sie ein Leben zusammen führen könnten. Die Wiener hofften auch immer noch, eine Kaiserin zu bekommen, die endlich ihre Pflichten wahrnahm und ihrer Stellung ein Tun einhauchte.

Kaiserin Elisabeth nahm das Fest mit eisiger Kälte und einer demonstrativer Teilnahmslosigkeit hin.

Die Ehe galt im inneren Kreis längst als zerrüttet. Elisabeth wollte nicht einmal mehr den äußeren Schein wahren.

Die zahlreichen Affären ihres Mannes, die noch während der glücklichen ersten Jahre begannen und sie damals noch zu Tränen rührten , tangierten sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Mit wem der Kaiser verkehrte und welchen Tratsch es darüber gab kann hier nachgelesen werden.

Doch Elisabeth tangierte das nicht mehr. Was sie früher kränkte, ließ sie mittlerweile kalt. Im Hintergrund liefen ihre Vorbereitungen für ihren Irland Aufenthalt auf Hochtouren. Der Bericht zu ihrer Reitleidenschaft kann hier nachgelesen werden:

Ein Gedicht von Kaiserin Elisabeth, dass sie für „ihre Zukunftsseelen“ hinterließ, zeigen sehr genau, wie sie über ihre Ehe dachte:

Nur staune nicht, wenn beim Verrichten
Nach altem Patriarchenbrauch
Der legitimen Ehepflichten
Dich streift ein eisigkalter Hauch. (5)

Es zeigt auch den Hass auf ihre Ehe und alles was damit verbunden war.

Auch das Gedicht

Für mich keine Liebe
Für mich keinen Wein,
Die eine macht übel,
der andere macht spei'n

Die Liebe wird sauer,
Die Liebe wird herb;
Der Wein wird gefälschet;
Zu schnöden Erwerb.
Doch falscher als Weine
Ist oft noch die Lieb';
Man küsst sich zum Scheine
Und fühlt sich ein Dieb!

Für mich keine Liebe,
Für mich keinen Wein;
Die eine macht übel,
Der and're macht spei'n! (12)

lässt im Nachhinein nichts Gutes erahnen.

Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Marie Valerie schenkten den Eltern ein Altarbild.

Ein Tryptichon, welches von Rubin inspiriert wurde. Der Maler war niemand geringerer als Hans Canon (*15.3.1829, †12.9.1885).

Foto: Wikimedia/Commons
Ausschnitt des Altarbildes von Hans Canon; 25.4.1879, Zu erkennen: Madonna mit dem Jesuskind, link hl. Franz von Assisi, rechts hl. Elisabeth Josefskapelle Wien Foto
Foto: Wikimedia/Commons
Selbstportrait Hans Canon

Links und rechts des Bildes sind jeweils Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Marie Valèrie, sowie Prinzessin Gisela von Bayern kniend vor ihrem Mann Leopold Prinz von Bayern zu sehen.

Das Bild wurde in der Josefskapelle in der Hofburg aufgestellt und kann heute besichtigt werden.

Das Bild zeigt die heilige Elisabeth, den heiligen Franz von Aissisi (beide die jeweiligen Namenspatronen) und die heilige Madonna mit dem Jesuskind.

Das berühmte Silberhochzeitskleid – Tornürenkleid

Das Kleid selbst trägt seine eigene Geschichte. Laut Prager Tagesblatt vom 27.4.1879 ist es das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth, welches sie am 25.4.1854 getragen hat. Bis dahin wurde es in Possenhofen aufbewahrt.

Das Kleid wurde nach Prag gebracht, wo es aufwändig und nach den Wünschen der Kaiserin umgearbeitet wurde.

Es war Diamantenbestickt mit Gold- und Silberfäden versehen. Danach wurde das Kleid der Wallfahrtsbasilika Maria Taferl gespendet.

Foto: myheimat.de
Kopie des Silberhochzeitskleid Kaiserin Elisabeth, Ausstellung 2016, Sisi Schloss Aichach

Aus den Nähten der Bestickung des Hochzeitskleides, wurde nun der berühmte Vespermantel gemacht. Der Beitrag zum Hochzeitskleid kann hier nachgelesen werden:

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Die fast fertiggestellte Ringstraße sollte Kulisse für das Prunkfest sein. Otto Wagner (*13.4.1841, 11.4.1918) persönlich gestaltete das Kaiserfestzelt vor dem Äußeren Burgtor. Hans Markart (*28.5.1840, 3.10.1884) gestaltete das Fest.

Foto: Österreichische Nationalbibliothek
Festplatz vor dem Äußeren Burgtor
Foto: habsburg.net
Festzug zum 25. Hochzeitstag, Xylografie 1879

300.000 Menschen säumten die Wiener Ringstraße, 120 Festbühnen und das gesamte Kaiserreich war auf den Beinen.

Eines der seltenen Anlässe, wo man Kaiserin Elisabeth „bestaunen“ konnte.
Und die Wiener taten dies mit Freuden.

Foto: M.W.
Eintrittskarte für den Festzug zum 25. Hochzeitstag des Kaiserpaares
Der Besitzer M.W. ist mir bekannt, möchte allerdings nicht näher erwähnt werden.

Foto: bildarchivaustria.at
Votivkirche ca. 1900
Foto: Wikimedia/Commons
Votivkirche, Innen

Ebenfalls an diesem Tag wurde die Votivkirche eingeweiht.

Zum Dank, dass Kaiser Franz Joseph das Attentatsversuch durch János Libényi überlebt hatte, wurde von Erzherzog Ferdinand Maximilian am 24.4.1856 eine Kirche in Auftrag gegeben.

Nach 23 Jahren Bauzeit war sie endlich fertig und konnte eingeweiht werden. Meinen Beitrag zum Libényi-Attentat kann hier nachgelesen werden.

Dies alles half aber nichts mehr.

Kaiserin Elisabeth floh sofort nach diesem Festakt und kehrte immer nur für kurze Zeit nach Wien zurück.

Es sollte niemals mehr eine Verbundenheit mit dieser Stadt geben.

Der Wiener Hof, sein Hohn und Spott, den die junge Braut zu spüren bekam, sollten sie auch noch im Alter verfolgen. 

Sie hasste regelrecht die Wiener Gesellschaft und alles was damit verbunden war.

– Petra –


(*) Wichtige Anmerkung:

Sophie Gräfin von Scharnhorst war die Hofdame von Amalie Prinzessin von Schweden (*22.2.1800, 20.9.1850).

Amalie war, wie ihr Bruder Prinz von Wasa, eine enge Freundin des Erzhauses und begleitete beinahe ständig Sophie überall hin. So erlebte Sophie von Scharnhorst die kaiserliche und erzherzögliche Familie.

Kein schlechtes Wort kam der Gräfin über ihre Herrin jemals über ihre Lippen. Ihre Briefe sind eine einzige Lobeshymne an die hohe Frau.

Die Briefe erreichten alle ihre enge Freundin Eveline Gräfin von Sickingen-Hohenberg(*) (*24.11.1809, †27.11.1895), welche in Ischl lebte und eine enge Vertraute des hohen Adels war. So auch von Erzherzogin Sophie.

In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, 3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, 23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, 7.3.1855) geheiratet.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.


Rechtliche Hinweise:

Text: Petra
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildrechte: habsburg.net, Österreichische Nationalbibliothek, wienmuseum.at, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Kunsthistorisches Museum Wien, Wikimedia/Commons, Schloss Laxenburg, Antiquariat kunst-bail, wien.gv.wiki.at, architektenlexikon.at


Literatur Hinweise:

1 – S.39
Franz Joseph I Kaiser von Österreich
Presse Geschichte – Magazin (nur noch antiquarisch erhältlich)

1a – S.35, 3 – S.76, 4 – S.78
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage 1992

5 – S.63
Werner Schima
Sisi – Die ganze Wahrheit
Magazin (nur noch antiquarisch erhältlich)

2 – S.53, 6 – S.11 – S.65/6
Michael Budde
Sisis Hochzeit und das Elisabeth Fest Album
Michael Imhof Verlag, 2012, 1. Auflage mit CD

12 – S.80/1
Kaiserin Elisabeth
Das poetische Tagebuch
Brigitte Hamann
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
1995, 3. Auflage

13 – S.260/1, 13a – S.254, 14 – S.259/60, 15 – S.260, 16 – S.258/59
Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert
Gesammelt von B.v.S.
Verlag von Caesar Schmidt, 1903 1. Auflage (nicht mehr erhältlich)

Hofdamen-Briefe
Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Gesammelt von B.von.S.
Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)



			

Das Libényi Attentat

Foto: Dorotheum  Wien
Kaiser Franz Joseph I, Gemälde nach Eduard Klieber, 1851


„Sei brav, es ist gern geschehen“

mit diesen Worten verabschiedete sich Ex-Kaiser Ferdinand I. von seinem Neffen und jetzigen Kaiser Franz Joseph und übergab ihm ein mehr oder weniger desolates Reich.

Danach war der Kaiser auf sich allein gestellt. Natürlich hatte er seine Minister und seine Mutter um sich, aber der 18jährige Franz Joseph wurde mit einer Herrschaft betraut, die schwieriger nicht hätte sein können.

Meinen Beitrag zur Kindheit von Kaiser Franz Joseph (Teil 1) könnt ihr hier nachlesen.

Foto: Wikimedia/Commons
Maximilian Karl Lamoral Graf O’Donell von Tyrconell, 1853

Damit wenden wir uns vom Jahr 1848 ab und gehen weiter ins Jahr 1853.

Am 18.2.1853 fand ein Attentatsversuch statt, der noch Jahre nachhallen und viele neue Wege bereiten sollte.

Kaiser Franz Joseph ging, wie jeden Tag zu Mittag an der Kärntner Bastei spazieren.

Wie damals üblich begleitete ihn einzig sein Flügeladjutant Maximilian Karl Lamoral Graf O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.10.1895).

Vom Basteiwall aus, wollte der Kaiser den exerzierenden Truppen zusehen, als er plötzlich von hinten, von einem jungen Mann angesprungen wurde. Dieser versuchte ihm ein Messer ins Genick zu stechen.

Was dann wirklich geschah, ist heute kaum noch richtig zu rekonstruieren, aber in den vielen Geschichtsbüchern wurde überliefert, dass eine Frau, die von einem Fenster die Szene beobachtete, laut aufgeschrien hatte und sich deshalb Franz Joseph umdrehte.

Deshalb verfehlte der Attentäter sein Ziel.

Stattdessen erwischte er nur den Uniformkragen. Von der Schnalle auf der Halsbinde glitt die Klinge erneut ab und traf den Kaiser in den Hals.

Foto: Wikimedia/Commons
Lajos Kossuth de Kossuth et Udvard
Lithographie August Prinzhofer, 1848

Dabei rief er laut:

„Eljen Kossuth“. (Es lebe Kossuth).

Lajos Kossuth de Kossuth et Udvard (*19.9.1802, †20.3.1894) war ein Revolutionär, der 1849 die ungarische Republik ausrief und vom Exil aus die Loslösung Ungarns von Österreich propagierte.

Als der Attentäter nochmals zustechen wollte, zog O’Donell sofort seinen Säbel. O’Donell wurde bei dem folgenden Gerangel an der Hand verletzt, als er den Täter zu Boden werfen wollte und dabei vom Messer getroffen wurde.

In dem Augenblick als der Täter am Boden lag, kam der ehemalige Fleischhauer und Privatier Josef Ettenreich vorbei und half O’Donell, in dem er den Täter mit den Fäusten schlug und ihn niederhielt.

Kaiser Franz Josef schrie auf:

„Schlagen Sie ihn nicht, man soll ihn arretieren.“

Foto: Wien Museum Karlsplatz
Attentatsversuch 18.2.1853 v.l.n.r.: Graf O’Donell, Kaiser Franz Joseph, János Libenyi, Josef Ettenreich Gemälde: J.J.Reiner, 1853

Der Kaiser, der kaum verletzt schien, aber stark blutete, beruhigte die versammelten Leute mit den Worten:

„Beruhigt euch, es ist nichts! Ich trage nur das Schicksal meiner braven Soldaten in Mailand.“ (1)

Der Kaiser spielte auf den Verlust der 12 österreichischen Soldaten beim Aufstand in Mailand an, welcher am 6.2.1853 stattfand.

Mittlerweile konnte der Attentäter abgeführt werden. Es handelte sich dabei um János Libényi, welcher im Dezember 1831 in Csákvár, Ungarn geboren wurde. Über seine Kindheit ist mir leider – auch nach der intensivsten Recherche – nichts in die Hände gefallen. In den schwierigen Revolutionsjahren 1848/49 war er Militärschneider für die Aufständischen. Ab 1851 lebte er als Schneider in Wien.

Foto: Wikimedia/Commons
Freiherr Joseph Wattmann von Maëlcamp-Beaulieu
Lithographie Joseph Kriehuber 1844
Foto: Österreichische Nationalbibliothek
Dr. Johann Nepomuk Seeburger

Derweil wurde Kaiser Franz Joseph ins Albrechtspalais gebracht, wo er von den eilig herbeigerufenen Ärzten, dem pensionierten Chirurgen von Kaiser Franz II/I Freiherr Joseph Wattmann von Maëlcamp-Beaulieu (*6.3.1789, †14.9.1866) und dem kaiserlichen Leibarzt Freiherr Johann Nepomuk Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) die beide die Wunde untersuchten.

Da Graf O’Donell leicht hysterisch meinte, die Klinge könnte vergiftet worden sein, saugte Seeburger die Wunde aus.

Diese war 2,54 cm lang und klaffte stark auseinander. Sie blutete heftig, war aber nicht allzu tief. Während alle anderen den Schrecken nur sehr schwer verarbeiteten, war Kaiser Franz Joseph putzmunter.

Als Erzherzog Ferdinand Maximilian im Albrechtspalais ankam, fand er einen kaltblütig wirkenden Kaiser vor.

„Es ist gar nichts … daß nur meine Mutter nichts davon erfährt.“ (2)

Bei der Tatwaffe handelte es sich um ein gewöhnliches Küchenmesser, dem Libényi eine doppelte Klinge geschliffen hatte. 14 Tage saß er täglich auf der selben Bank, um den Kaiser bei seinem Spaziergang zu beobachten. Eine Verschwörung und Mittäterschaft mehrerer Personen konnte nie nachgewiesen werden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Tatwaffe vom Attentatsversuch auf Kaiser Franz Joseph, 18.2.1853, Ausstellung 2016, 100 Jahre Kaiser Franz Joseph – Hofmobiliendepot Wien

Der wahre Grund ist bis heute ungeklärt und wird auch nicht mehr eruiert werden können. Folgendes konnte ich in verschiedenen Büchern herausfinden:

Gabriele Praschl-Bichler beschrieb in ihrem Buch „Kaiser Franz Joseph ganz privat „Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen“, folgende Geschichte, die ich im ganzen Wortlaut wiedergebe:

Eine andere Liebesgeschichte steht in Zusammenhang mit dem am 18.Februar 1853 auf Kaiser Franz Joseph verübten Attentat, als der Schneidergeselle János Libényi aus der Wiener Leopoldstadt ein 41,5 Zentimeter langes, beidseitig geschliffenes Messer gegen den Monarchen führte. Lauf offizieller Aussage hieß es, er sei ungarisher Anarchist gewesen, der sich den Kaiser als prominentes Opfer erwählt hatte. Gemäß der Meinung einier anderer Zeitgenossen hätte hinter diesem Anschlag ein Racheakt gesteckt, der auf eine Liebschaft zwichen dem jungen Kaiser und einer Ungarin zurückzuführen war die ein Familien angehöriger „ins Reine“ bringen sollte.

Monate vor dem Attentat war Kaiser Franz Joseph während eines Praterbesuchs ein Mädchen aufgefallen, das vor einer Schaubude stand und die neugierigen Blicke des jungen Monarchen heftig erwiderte. Um ihn noch mehr für sich zu interessieren, brachte es ihm eine temperamentvolle Csardas-Einlage dar. Der Kaiser erfuhr, daß es eine Nichte der Budenbesitzerin, einer gewissen Frau Danzinger, war, Margit Libényi hiße und aus dem ungarischen Dorf Czakvar stamme. Im Laufe einer folgenden Bekanntschaft soll ihr Kaiser Franz Joseph auch eine Ausbildung als Tänzerin bezahlt haben.

Zu jener Zeit hatt einer der Brüder Kaiser Franz Josephs, Erzherzog (Ferdinand) Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko, das Libretto zu einer Oper verfaßt, deren Aufführung der Kaiser aber zu verhindern wußte. Angeblich hätte nun Erzherzog Max Kontakt zu dieser Tänzerin aufgenommen, ihr eine glanzvolle Tanzrolle in der Oper zugesagt für den Fall, daß es ihr gelänge, den Kaiser umzustimmen. Es kamm dann tatsächlich zur Aufführung des Werkes, die Künstlerin erntete mit ihrer Darstellung großen Beifall und wurde am Tag nach der Premiere zum Mitglied des kaiserlichen Balletts ernannt. Sie nahm einen Künstlernamen an und tanzte fortan unter dem Pseudonym Mizzi Langer.
Der Ruf der Ungarin als Kaiserliebchen war bis in ihr Heimatdorf gedrungen und soll dort viel für Aufruhr unter der Bevölkerung veursacht haben. Die Bitten ihres Bruders, János Libényi, sie möge sich vom Kaiser lossagen, blieben unbeantwortet, und so faßte der „Entehrte“ den Entschluß, die Schuld der Schwester durch ein Attentat auf den Kaiser zu sühnen.
(3)

Nun geht die Geschichte der Historiker auseinander. Während Praschl-Bichler im zitiertem Buch schrieb, dass sich der Kaiser darauf hin von Mizzi Langer trennte und Libényi beim Polizeiverhör den wahren Grund seiner Tat preisgab, so erzählen die restlichen Historiker, dass der Attentäter keinen wirklichen Grund nannte.

Angeblich war er wegen der vielen Hinrichtungen in seinem Land (Ungarn) in den Revolutionsjahren (1848) so aufgebracht gewesen, dass er auf Kaiser Franz Joseph einen unbändigen Hass entwickelt hatte. Er verehrte Kossuth über alle Maße und glaubte, dass dessen Reden die einzig Richtigen wären.

Foto: wien.gv.at
Ubald Tartaruga
(Edmund Otto Ehrenfreund)

Praschl-Bichler behauptete im zitierten Buch weiterhin, dass Franz Joseph, Mizzi und ihre Mutter großzügig mit Geld abgefunden hätte und wollte János begnadigen. Dies verhinderten die Regierungsmitglieder angeblich mit der Drohung eines sofortigen Rücktritts.

Jetzt wird es besonders abstrus, denn 1920 – also 67 Jahre nach dem Attentatsversuch – soll sich der ungarische Kriminalautor Gyula Kemény die Geschichte ausgedacht haben.

1922 – also 69 Jahre nach dem Attentatsversuch (!) – nahm ein Oberpolizeirat und Kriminalschriftsteller die Geschichte von Margit Libényi bzw. Mizzi Langer noch einmal auf. Dieser Oberpolizeirat und Kriminalschriftsteller war Ubald Tartaruga (mit bürgerlichem Namen Edmund Otto Ehrenfreund) (*12.2.1875, †21.11.1941). Er wollte an kein politisches Attentat glauben.

Foto: amazon.de
Gisi Gruber
 

Sämtliche namhafte Historiker sind sich jedoch einig, dass dies Hirngespinste waren, die sich ein paar Leute „ausgedacht“ haben; dennoch geistert der Name Mizzi Langer immer noch durch die Literatur.

Wie nun Kunsthistorikerin Gabriele Praschl-Bichler zu dieser Geschichte kam, kann ich nicht beantworten. Es gibt keine Hinweise und keine Quellen in ihrem Buch. In ihrem Nachwort bedankt sie sich bei Erzherzog Otto, der sich an seine Familiengeschichte erinnert, an dessen Sekretärin und bedankt sich nach Pöcking. Auch andere namhafte Namen werden noch erwähnt. Das Literaturverzeichnis ist das Übliche, dass man in beinahe jedem historischen Buch findet, so auch in meinen Beiträgen.

Gisi Gruber, eine Romanautorin aus den 50er Jahren ließ es sich ebenfalls nicht nehmen und nahm sich dem Thema als Liebesroman an. Ob ein Attentasversuch nun wirklich eine Vorlage für einen Liebesroman ist, mag dahingestellt sein, aber in den 50er Jahren lechtzte man nach dem Kaiserhaus und nach schönen und romantischen Geschichten aus diesem Haus => siehe „Sissi“.
Wer das Buch lesen möchte: Anitquarisch ist es noch immer erhältlich.

Übrigens erzähle ich diese „abstruse“ Geschichte auch im 5ten Teil von „Kaiser Franz Josef und seine Frauen“, die ihr hier nachlesen könnt.

Aber nun zurück zur historischen Geschichte:

Vor seinem Tod nannte Libényi seinen Freund Johann Misits, den man nach seiner Strangulation verständigen sollte.

Am 26.2.1853 wurde er bei der Spinnerin am Kreuz in Favoriten bei Wien (damals noch bei Wien, heute ist Favoriten der 10. Gemeindebezirk) per Galgen hingerichtet.

Und weil die Wiener immer gerne Spottverse dichteten, wurde auch eines auf den Tod des Schneiders gedichtet.

Der Ort „Simmeringer Had“ ist allerdings eine Mär. Libényi wurde eindeutig bei der „Spinnerin am Kreuz“ stranguliert, da damals dort der Galgen stand und in unmittelbarer Nähe die Leichen verscharrt wurden.

Die zweite Zeile zeigte, dass der Kaiser beim Volk noch nicht sehr beliebt war.

Auf der Simmeringer Had', hat's an Schneider verwaht
es g'schicht ihm schon recht, warum sticht er so schlecht.
Auf der Simmeringer Had', hat's an Schneider verwaht
mit der Nadel samt dem Öhr, samt dem Zwirn und der Scher'.
Auf der Simmeringer Had', hat's an Schneider verwaht
allen sei es a Lehr, er lebt nimmermehr
Und Leut'ln hurcht's auf, der Wind hört schon auf,
gang er allerweil so furt, wa ka Schneider mehr durt.

Im übrigen ist das Wiener Mundart. Es zu übersetzen, würde den Wiener Charme zerstören; aber ein paar Worte „übersetze“ ich:
verwaht = veraltet für aufgehängt
g’schicht = geschieht
hurcht’s = aufhorchen

Johann Misits ereilte ein böses Schicksal.

Ob er wirklich an der Verschwörung zur Tat beteiligt war, konnte ich leider nicht herausfinden.

18 weitere Schneidergesellen wurden verhaftet.

Misits wurde zu 20 Jahren Schanzarbeit (schwere Erdarbeiten mit Spaten) in schwerem Eisen verurteilt.

Während der eine starb und der andere vielleicht für eine Tat verurteilt wurde, die er nicht beging, wurden zwei andere gehuldigt und verehrt und der Dritte vergessen.

Foto: Wikimedia/Commons
Johann Baptist Strauss (Johann Strauss „Sohn“),
Lithographie: Josef Kriehuber, 1853

Franz Joseph wurde von vielen Seiten zu seiner Tapferkeit belobigt. Viele Glückwünsche trafen in der Wiener Hofburg ein. Papst Pius IX sendete eine Reliquie des heiligen Petrus, die noch heute in der Schatzkammer bewundert werden kann.

Johann Strauß Sohn komponierte den „Kaiser Franz Joseph I.-Rettungs-Jubelmarsch (Op. 126)“ (3). Nach dem sich der Kaiser von seiner Verletzung erholt hatte (er litt unter Fieber und hatte ein eingeschränktes Sehvermögen).

Da er erstmals am 12.3.1853 wieder ausfahren konnte, bekam er viele Ovationen von den Menschen, die sich auf den Straßen versammelt hatten. Generell hatte sich die Beliebtheit des Kaisers durch diesen Vorfall erhöht.

Nur in Italien und Ungarn ärgerte man sich, dass der Schneider nicht besser getroffen hatte.

Eine Schmähschrift:

 

„Lieber Franz I. Luder und Schelm! Es tut mir Leid vernommen zu haben, daß das schöne Attentat gegen Euch am 18. Februar zunichte geworden ist, denn wäre es gelungen, hätte man in Padua große Freude gehabt, weil ein Barbar weniger auf der Welt wäre, der Italien, den Garten Gottes tyrannisiert.“ (4)

Vergessen hingegen wurde der Flügeladjuant Graf O’Donell. Auch wenn ihm Dankschreiben ereilten und er (und Ettenreich) eine Büste am Heldenberg bekam(en), wurde er nicht so gehuldigt wie Josef Ettenreich.

O’Donell zog sich daraufhin in sein Privatleben zurück. Er war allerdings der einzige, der sich im Mirabellgarten (Salzburg) eine Villa bauen durfte. Dort wohnte er bis zu seinem Lebensende. Sein Grab wurde leider mittlerweile aufgelassen und die seine Villa ist heute eine Galerie.

Mehr dazu erzähle ich in meinem Video:

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Josef Christian Ettenreich (*25.8.1800, †4.2.1875) wurde am 20.2.1853 mit dem Franz Joseph-Orden ausgezeichnet.

Weiters wurde er am 23.4.1853 in den Adelsstand erhoben und hieß ab sofort Josef Ritter von Ettenreich.

Am 25.4.1853 bekam er noch die Salvatormedaille der Stadt Wien verliehen.

Zeit seines Lebens war Franz Joseph dem Fleischhauer für sein Einschreiten dankbar. Als Ettenreich schließlich 1875 starb, bekam er im 10. Wiener Gemeindebezirk seine eigene Gasse, die "Ettenreichgasse".

Foto: wien.gv.at/norahiltl
Nora Hiltl (1954)

Die Zuneigung ging so weit, dass Ettenreichs Tochter Barbara (*18.1.1830, †7.1.1908) als sie Robert Neumann von Spallart heiratete, der Adelstitel „Ritter“ auf den Schwiegersohn übertragen wurde, womit der Name „Ritter Neumann-Ettenreich“ gegründet wurde und einige berühmte Personen hervorbrachte.

Enkel Robert wurde „ständiger Berichterstatter des österreichischen Verfassungsgerichtshofes“, Ur-Enkel Robert wurde Physiker und Ur-Ur-Enkelin Nora Hiltl (*21.6.1905, †2.1.1979) war eine berühmte Politikerin.

Foto: Wikimedia/Commons
Heinrich Freiherr von Ferstel
Lithographie A. Schubert 1880

Zu guter Letzt und zur Erinnerung an das Überleben von Kaiser Franz Joseph, erwirkte sein Bruder Erzherzog Ferdinand Maximilian, dass eine Kathedrale errichtet werden sollte.

Er rief zu einem Spendenaufruf auf, dem 300.000 Bürger folgten. 

Heinrich Freiherr von Ferstel (*7.7.1828, †14.7.1883) der damals mitten in den Bauarbeiten zum Bank- und Börsengebäude (das heutige Palais Ferstl) steckte, wurde mit den Bauarbeiten zur Votivkirche beauftragt.

Ferstl, der einer der besten Architekten seiner Zeit war, hinterließ uns so wunderbare Bauten wie zB das eben erwähnte Palais Ferstl (früher das Gebäude der österreichischen-ungarischen Nationalbank), die Wiener Börse, das Palais Wertheim, das Museum für Angewandte Kunst, das Palazzo del Lloyd (Triest) und das Hauptgebäude der Universität Wien.

Foto: ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Grundsteinlegung Votivkirche. Kolorierte Lithographie F. Kollarz. 1856

Am 24.4.1856 wurde unter dem Beisein von Kaiser Franz Joseph, Kardinal Rauscher und 80 Bischöfen und Erzbischöfen der Grundstein gelegt.

Foto: Wikimedia/Commons
Silberne Hochzeit, Kaiserin Elisabeth, 24.4.1879
Bild: Georg Raab
23 Jahre sollte der Bau dauern. Am 24.4.1879, zum 25. Hochzeitstag von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth wurde sie eingeweiht.

Der Beitrag zur Hochzeit kann hier nachgelesen werden.

Fotorechte:
1. Zeile: von links nach rechts
ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung, Oscar Kramer 1865
2. Zeile von links nach rechts
Bwag/Commons Wilhelm Burger 1880, Bwag/Commons Innenansicht

Der Platz, auf dem die Kirche steht, wurde Maximilianplatz genannt. Zur Erinnerung an den 1869 ermordeten Bruder Kaiser Maximilian von Mexiko.

Ein Attentatsversuch mit großen Folgen für die beteiligten Personen, aber auch für Wien – denn ohne diesem hätte es die Votivkirche nicht gegeben.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra
Bildrechte: mapio.com, viennatouristguide.at, wien.gv.at, Bwag/Commons, ÖNB, Reinmichl, Alex.ryazantsev, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung


Literatur Hinweise:

1 – S 98, 2 – S 99, 3 – S 103, 4 – S 103
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I Kaiser von Österreich und König von Ungarn
C.H.Beck Verlag, 2015, 1. Auflage

Geschichte Magazin
Kaiser Franz Joseph I.
Verlag Die Presse, 2016 (nur noch antiquarisch erhältlich)

3 – S 162-164
Gabriele Praschl-Bichler
„Kaiser Franz Joseph ganz privat
„Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen“
Amalthea Verlag, 3. Auflage, 2005 (nur noch antiquarisch erhältlich)