Marie Therese Erzherzogin von Braganza

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Marie Therese von Braganza, ca. 1889

Wir gedenken des Todestages von

Maria Theresia Immakulata Ferdinanda Eulalia Leopoldina Adelheid Elisabeth Karoline Michaela Raphaela Gabriele Franziska von Assisi et de Paula de Gonzaga Agnes Sophia Bartolomea ab Angelis de Braganza Infantin von Portugal oder in portugiesisch Donna Maria Teresa da Imaculada Conçeiäo Fernanda Eulália Leopoldina Adelaide Isabel Carolina Micaela Rafaela Gabriela Francisca de Aissis e de Paula Gonzaga Inés Sofia Bartolomea dos Anjos de Bragança Infantin von Portugal

bekannt als

Erzherzogin Marie Therese

Sie wurde am 24.8.1855 in Kleinheubach geboren.

Einige Historiker schreiben über sie auch als Erzherzogin Maria Theresia oder Maria Theresa. Sie selbst unterschrieb aber als Marie Therese (Beweis am Ende des Berichts).

Foto: Wikimedia/Commons König Michael von Portugal
Foto: Wikimedia/Commons Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg

Ihr Vater war König Miquel I von Portugal (*26.12.1802, †14.11.1866). Ihre Mutter Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (*3.4.1831, †16.12.1909).

Marie Therese wuchs bereits im Exil in Deutschland auf. Ihr Vater starb 1866, ohne je wieder an die Macht zu gelangen.

Ihr Bruder Miquel (*19.9.1853, †11.10.1927) ehelichte die schöne Tochter von Helene „Néné“ von Thurn und Taxis, eine Schwester von Kaiserin Elisabeth, Elisabeth (*28.5.1860), welche aber nach 4jähriger Ehe und nach der Geburt des 3ten Kindes 20jährig am 7.2.1881 verstarb.

Sie genoss eine höhere Mädchenausbildung im Sacré-Coeur in Paris, welche sie auch abgeschlossen hatte. Als 17jährige kam sie zur Familie zurück nach Deutschland.

Foto: geneall.net Elisabeth und Michael von Braganza
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Franz Karl

Erzherzog Karl Ludwig, bereits 2facher Witwer, fuhr höchstpersönlich nach Kleinheubach, um bei ihrer Mutter vorstellig zu werden.

Diese ließ ihre Tochter in den Salon bitten. Marie Therese möge sich umziehen, hoher Besuch erwarte sie und bevor sie mit dem Bruder des österreichischen Kaisers in den Garten spazieren ging, möge sie bitte ein schönes Kleid anziehen.

Marie Therese tat wie ihr geheißen.

Was bei diesem Spaziergang besprochen wurde, ist nicht überliefert, es ist nur bekannt, dass Erzherzog Karl Ludwig obgleich Feuer und Flamme ob der Schönen war und sie bat seine Frau zu werden. Marie Therese willigte ein.

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin), Fotos: Wikimedia/Commons

Mit knapp 18 Jahren trat die Prinzessin am 23.7.1873 auf Schloss Heubach vor den Traualtar und gab dem knapp 40jährigen(*) Witwer Erzherzog Karl Ludwig ihre Hand.

Dieser brachte 4 Halbwaisen mit in die Ehe: den 10jährigen Erzherzog Franz Ferdinand, den 8jährigen Erzherzog Otto (seinen Lieblingssohn), den 4jährigen Erzherzog Ferdinand Karl und die 3jährige Erzherzogin Margarete Sophie.

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Fotografie von Ludwig Angerer, 1860
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl
Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth mit Rudolf und Gisela
Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Victor
Das einzige gemeinsame existierende Familienfoto mit Kaiserin Elisabeth!
Foto: Schloss-Artstetten.at
Foto: albertmilde.com
Villa Wartholz, 1877

14 Tage später fand auf Schloss Schönbrunn im Beisein von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph ein großer Empfang für das Brautpaar statt.

Anwesend waren die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister der Kaiserin, der Flügeladjutant des Kaisers und die gesamte Familie, so dass – nun mehr Erzherzogin Marie Therese – standesgemäß in der Familie Willkommen geheißen wurde.

Wohnhaft wurde das Paar mit den Kindern im angekauften Palais Favoriten in Wien Wieden, welches er sich von Heinrich von Ferstel umbauen ließ.

In den Sommermonaten zog man in die Villa Wartholz in Reichenau an der Rax, welches sich Karl Ludwig ebenfalls vom selben Architekt bauen ließ.

Später wohnte die Familie im Sommer auch gerne im Schloss Artstetten.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth von Schönfeld
Foto: Wikimedia/Commons
Gräfin Marie Festetics

Elisabeth Gräfin von Festetics von Tolna (*30.6.1832, †12.3.1904) verheiratete Gräfin von Schönfeld wurde durch Gräfin von Goeß die Obersthofmeisterin von Marie Therese.

Elisabeth war die Schwester der Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics, welche bei Kaiserin Elisabeth anstellig war.

Das Erzherzogspaar wurde von Kaiser Franz Joseph häufig ins Ausland entsandt, um an seiner Statt an allerhand Pflichten teilzunehmen.

Marie Therese galt nicht nur als die Schönste der drei Frauen von Karl Ludwig, sondern auch als die Klügste, Gewinnbringendste und durch ihr liebreizendes Wesen, als äußerst freundlich und zuvorkommend. Wo sie hinkam, wurde sie von den Menschen wohlwollend angenommen und umringt.

Karl Ludwig war oft sehr eifersüchtig und beobachtete seine Frau mit voller Skepsis, wusste er doch, dass er viel älter war als sie. Doch zu Eifersucht bestand keine Sorge.

Marie Therese liebte ihren Mann aus vollem Herzen und nie hätte sie sich zu einer außerehelichen Affäre hinreißen lassen.

Wie – aus sicheren Quellen und absolut nicht üblich zu dieser Zeit – auch Karl Ludwig nicht fremd ging und sich außerehelich vergnügte. Die beiden genügten und liebten sich gleicher Maßen.

Foto: Wikimedia/Commons Zar Alexander III mit seiner Familie

So reisten die beiden auch nach Moskau um an der Krönung von Zar Alexander III teilzunehmen.

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth ca. 1866

Erzherzogin Marie Therese zog alle Blicke auf sich. Sie galt als byzantinische Prinzessin und war eine außerordentliche Schönheit und von hoher Gestalt.

Man konnte sogar beinahe sagen, sie machte Kaiserin Elisabeth Konkurrenz, die sie allerdings nicht als solche ansah. Sie schätzte ihre Schwägerin sehr, hatte sie doch Ruhe vor den lästigen Staatspflichten und konnte ihren Reisen und Reittätigkeiten zu dieser Zeit nachgehen. Es wurde nicht nur ihre Toilette und ihre Kleider, sondern auch der prachtvolle Schmuck bewundert, was im Zarenreich wirklich etwas zu bedeuten hatte. Normalerweise war es genau umgekehrt. Erzherzog Karl Ludwig ließ sich vor der Fahrt nicht lumpen und kleidete seine Frau ordentlich ein.

Durch ihr charmantes Äußeres, ihr kluges Auftreten und ihre witzige Art lag ihr aber nicht nur Russland alsbald zur Füßen, sondern die gesamte adelige Welt.

Kaiserin Elisabeth war sehr zufrieden mit dem was ihr zu Ohren kam.

Auch Kaiser Franz Joseph schätzte seine schöne und kluge Schwägerin sehr, musste aber alsbald merken, dass sie ihren eigenen Kopf durchsetze und für ihre Familie Himmel und Hölle in Bewegung setzte, wenn es darum ging, diese zu beschützen oder wenn ihr etwas am Herzen lag.

Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen, schätzte er sie Zeit seines Lebens. Dies ging so gar so weit, dass man die beiden später verkuppeln wollte. Doch dazu später mehr.

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Erzherzogin Marie Therese

Als Mutter ging sie in ihrer Rolle ebenso auf, wie als Repräsentantin am Staatsbankett.

Erzherzog Franz Ferdinand (*18.2.1863) war ein äußerst stilles und zurückgezogenes Kind, zu dem sehr eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder Otto (*21.4.1865), da dieser der Lieblingssohn seines Vaters war.

Mit beinahe strengem Blick beobachtete er, wenn sich seine Stiefmutter Marie Therese mit seiner kleinen Schwester Margarete Sophie (*13.5.1870) beschäftigte, da er ganz besonders an ihr hing. Sie war sein ganzer Halt und seine große Liebe innerhalb seiner Geschwister. Zeit ihres Lebens waren die beiden sehr verbunden, es traf ihn deshalb besonders hart, als sie so jung sterben musste, aber dazu später mehr.

Ferdinand Karl (*27.12.1868) fiel zwischen seinen Brüdern mehr oder weniger nicht auf. Er war der Dritte im Bunde und der jüngste Sohn.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata 2. Ehefrau und Karl Ludwig
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Maria Annunziata

Mit Geduld und großer Hingabe sorgte die junge Frau, die kaum 8 Jahre älter war, als ihr ältester Stiefsohn Franzi (Ferdinand), dass die Kinder sie annahmen und liebten. Das sie alle 4 begraben sollte, war ein ungeheures Schicksal, dass sie kaum ertrug.

Die Geschichten dazu erzähle ich im einzelnen.

Nur ihre eigenen Kinder sollten sie überleben.

Schon kurze Zeit nach der Hochzeit nannten die Kinder sie „Mama“ und dies sollte bis zum Tode aller Kinder so bleiben.

Die Liebe war so groß, dass sie keinen Unterschied zu ihren eigenen Kindern machte, die dem Paar Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Marie Therese geboren wurden.

Maria Annunziata kam am 13.7.1876 in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax zur Welt. Sie wurde nach der zweiten Ehefrau und der Mutter der vier Halbwaisen benannt.

Maria Annunziata von Neapel-Sizilien „Ciolla“ (*24.3.1843, †4.5.1871) starb an Lungentuberkulose und hatte diese sowohl Erzherzog Franz Ferdinand, als auch Erzherzog Ferdinand Karl vererbt. Vermutlich auch Margarete Sophie, doch genaueres ist hierzu nicht bekannt.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie

Am 7.7.1878 kam ebenfalls in der Villa Wartholz Tochter Elisabeth Amalie Eugenia zur Welt. Elisabeth wurde von Kaiserin Elisabeth getauft, wurde allerdings von Erzherzogin Christine vertreten.

Foto: Wikimedia/Commons Margarete von Sachsen, Karl Ludwigs 1. Ehefrau, Namenspatronin von Tochter Margarete Sophie

Bevor ich zu den Kindern und dem Rest der Geschichte komme, möchte ich noch kurz die erste Ehefrau erwähnen, damit diese auch ihren Abschluss findet.

Margarete von Sachsen (*25.5.1840, †15.9.1858), Cousine von Elisabeth, Franz Joseph und eben von Karl Ludwig wurde von Erzherzogin Sophie zur Ehefrau bestimmt.

Sie starb nach kaum 2jähriger Ehe 18jährig an Typhus. Die Ehe blieb kinderlos. Tochter Margarete Sophie bekam den Namen der 1. Ehefrau.

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Erzherzogin Marie Therese und Erzherzog Karl Ludwig

Als bei Erzherzog Franz Ferdinand die Lungentuberkulose ausbrach und er sich deshalb auf halber Weltreise befand, schrieb sie ihm unentwegt Briefe, um ihn aufzuheitern.

Leider geschah hier ein großes Unglück. In Kairo besuchte ihn die gesamte Familie um den Kranken aufzuheitern.

Karl Ludwig trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan. Der Jordan war aber schon zu dieser Zeit enorm verschmutzt, so dass sich Karl Ludwig schwer vergiftete.

Sofort veranlasste man die Heimfahrt und Marie Therese kümmerte sich rührend um den Schwerkranken. Doch kaum zu Hause, war er schon so geschwächt, dass es kaum noch Hoffnung gab.

Am 18.5.1896 starb Erzherzog Karl Ludwig. Er hinterließ ihr ein immenses Vermögen, allerdings verhielt sich der Wiener Hof absonderlich.

Doch darauf möchte ich später in der Geschichte zurückkommen.

Erzherzog Franz Ferdinand

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Sophie von Hohenberg

Franzi, wie er Zeit seines Lebens von seiner Mama genannt wurde, hatte sich verliebt.

Leider war diese Liebe verboten und so musste diese lange Zeit verheimlicht werden.

Nur wenige Personen wussten Bescheid; u.a. waren eingeweiht Kaiserin Elisabeth, mit der sich Franz Ferdinand außerordentlich gut verstand, seine Schwester Margarete und natürlich Mama Marie Therese.

Die gesamte Geschichte zu Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg kann hier nachgelesen werden.

Ab 1899 half sie ihrem Sohn bei ihrem Schwager Kaiser Franz Joseph zu intervenieren, dass dieser seine große Liebe Sophie von Chotek heiraten dürfe.

Schon zuvor hatte sich Kaiserin Elisabeth dafür eingesetzt, doch diese starb bevor sie etwas erreichen konnte.

Also war Marie Therese auf sich allein gestellt.

Und obwohl Kaiser Franz Joseph von einer morganatischen (unstandesgemäß) Ehe nichts wissen wollte, gab sie sich nicht geschlagen.

Als der Affront aufkam und Erzherzog Franz Ferdinand Sophie im Kloster entdeckte, hielt er eine beeindruckende Rede vor seinem Onkel. Zwar gab dieser nicht nach, doch Franz Ferdinand unterschrieb die Verzichtserklärung, die ihm dieser vorlegte. Diese besagte, dass er zwar Thronfolger blieb, aber Sophie keine Kaiserin werden dürfe und die Kinder den Namen der Mutter tragen müssten und keine Thronfolger werden würden. Franz Ferdinand hatte gesiegt.

Die Hochzeit fand am 1.7.1900 statt.

Kaiser Franz Joseph verbot an der Hochzeit des Sohnes teilzunehmen und verhängte eine lächerliche Staatstrauer einer nebensächlichen Tante.

Fürstin Josephine von Hohenzollern (*21.10.1813, †19.6.1900) war verstorben. 4(!) Tage später wurde eine 12tägige Hoftrauer angeordnet. So hatte der Wiener Hof die Ausrede nicht teilnehmen „zu dürfen“.

Marie Therese und die Stiefschwestern hielten sich jedoch nicht an dieses Verbot. Von Sophies Seite waren ihre Geschwister mit Ehepartnern anwesend.

Jetzt lernte Kaiser Franz Joseph den Sturkopf seiner Schwägerin kennen und noch viele solcher Einsätze sollten folgen.

8 Tage nach der Hochzeit schrieb Erzherzog Franz Ferdinand an seine Stiefmutter folgenden Brief:

Liebste Mama!

Endlich bißl in Ruhe gekommen nach Beantwortung zahlloser Telegramme – Briefe nach Einrichtung unserer Wohnung und Auspackung aller Sachen von Sophie ist es mir Erstes Dir einige Zeilen zu schreiben und Dir in meinem und Sophies Namen auch noch schriftlich von ganzem Herzen zu danken für all die unbeschreibliche Güte und Liebe die Du uns in Reichstadt bewiesen hast! 

Wir sind Dir bis an unser Lebens-Ende dankbar für Alles was Du für uns gethan hast für die zahllosen Beweise Deines goldenen mütterlichen Herzens. 

Ich fühle mich wie neugeboren. Sie schwärmt von Dir und redet nur Deiner Güte und Liebe. Ich habe vollkommen in meinem Inneren das Gefühl daß wir beide bis zu unserem LebensEnde unbeschreiblich glücklich sein werden. 

Gute liebe Mama, Du hast das Richtige getroffen, daß Du mir so geholfen hast! 

Der liebe Gott zu dem ich täglich 2mal in der Capelle mit Soph bete lohne Dir gute Mama Alles was Du für uns gethan. 

Ich umarme Dich und Die Schwestern küsse Dir die Hände und bin ewig

Dein

dankbarster Dich innigst liebender Sohn Franzi. 

9.Juli 1900 (1)

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Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Marie Therese liebte nicht nur ihren Franzi und Soph, wie Sophie liebevoll genannt wurde, sondern auch ihre Enkelkinder, die eigentlich ihre Sitefenkelkinder waren, wenn wir es genau betrachten würden.

Doch dieses Wort stand Marie Therese nie im Weg und deshalb sollte es auch hier nicht im Wege stehen.

Franz Ferdinand und Sophie wurden 3 wunderschöne Kinder geboren, die auf so tragische Weise zu Waisen wurden.

Das Unglück von Sarajevo traf Marie Therese und die Kinder hart.

Doch Zeit ihres Lebens hielt sie den Kontakt zu ihren Enkeln.

  • Sophie (*24.7.1901, †27.10.1990) geboren, war 13 Jahre alt
  • Maximilian (*29.9.1902, †8.1.1962) geboren, 12 Jahre alt
  • Ernst (*27.5.1904, †5.3.1954) geboren, 10 Jahre alt

Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Erzherzog Otto

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Maria Josepha

Dem Zweiten dem sie bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe half, war Erzherzog Otto, als er an Syphilis erkrankte und von der Familie schon lange verstoßen war.

Ottos „Bolla“ oder auch „der Schöne“ Lebensweg war dem eines Dandys.

Er genoss Dirnen, Alkohol, Tänzerinnerinnen und hatte mehrere uneheliche Kinder.

Seine Ehe mit Maria Josepha Prinzessin von Sachsen (*31.5.1867, †28.5.1944) war eine einzige Farce. Lediglich zwei Söhne wurden geboren.

Erstgeborener Karl (*17.8.1887, †1.4.1922) ging in die Weltgeschichte ein. Er wurde zu

Kaiser Karl I.

Bei der Geburt von Karl kam es beinahe zu einem Drama.

Maria Josepha überlebte die Geburt beinahe nicht, so dass sogar ein Priester für die Sterbesakramente gerufen wurde.

Otto vollkommen hilflos in dieser Situation verständigte seine Mutter und diese eilte zu der Sterbenden und half nicht nur ihrem Sohn mit dem Baby, sondern setzte sich an ihr Bett, betete mit ihr und spendete tröstende Worte. Tag und Nacht wachte sie bei ihrer Schwiegertochter, die sich so nach und nach von der Strapaz erholte.

Trotzdem war dies für Otto kein Schuss vor den Bug.

Kaum war Maria Josepha genesen, genoss er schon wieder seine außerehelichen Affären und ließ seine „Nonne“ wie er Maria Josepha nannte, mit dem Baby allein.

Marie Therese hielt trotzdem all die Jahre zu ihm.

Selbst als sich das Verhältnis zu Franzi zusehends verschlechterte, da plötzlich Otto ins Weltgeschehen des Thronerben blickte, als Franz Ferdinand erkrankte.

Franz voller Eifersucht und Hass auf Otto, der ihm den Thron nicht gönnte und Otto voller Sorge und Angst, der den gar nicht wollte.

Als sich dann noch Franzi in Sophie verliebte, war es ausgerechnet Otto, der sich gegen Franz wandte.

Dies war das Ende der ansonsten guten Beziehung der Brüder. Auch wenn sich Marie Therese immer wieder einmischte und vermittelte, eine brüderliche Freundschaft konnte sie nicht mehr erwirken.

Ab 1900 war Ottos Syphilis offenkundig und sichtbar, weshalb man ihn zu Kuren ins Ausland schickte, doch die Lupusherde im Gesicht waren hier bereits so fortgeschritten und nicht mehr heilbar, dass er sich auf sein Schloss in Schönau an der Triesting zurückzog.

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Dr. Viktor Eisenmenger
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Erzherzog Otto „Bolla“

Seine letzte Geliebte, Opernsängerin Luise Robinson (*8.1.1884, †1934) mit der er ebenfalls zwei uneheliche Kinder hatte und seine Mutter blieben bei ihm.

Letztere pflegte ihn so aufopferungsvoll, dass sich Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) um die Erzherzogin schwere Sorgen machte.

Zuerst fiel Otto die Nase ab, so dass er eine Nasenprothese brauchte, um besser atmen zu können.

Als es im Schloss Schönau nicht mehr ging und die Fahrt für Marie Therese zu anstrengend wurde, wurde in Wien Währing eine Villa angemietet.

In der Anton Frank-Gasse 20 wurde Otto heimlich untergebracht und so konnten die beiden Frauen dafür Sorgen, dass sie Tag und Nacht bei ihm sein konnten. Mit Otto ging es immer mehr bergab.

Als er kaum noch atmen konnte, musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden. Dabei wurde ihm eine Kanüle in den Hals geschoben. Das Sprechen fiel ihm unglaublich schwer, er konnte nur noch sitzen, weshalb er aus dem Bett gehoben und in einen Lehnstuhl gesetzt wurde.

So musste er Tag und Nacht verharren. Sobald der Kopf nach vorne sackte, drohte der Patient zu ersticken, weshalb sich Marie Therese und Louise abwechselten und die Tage und Nächte bei Otto verblieben und ihm den Kopf immer wieder gerade rückten.

Otto wurde gewaschen, gefüttert, gewickelt. Und das mit nicht einmal 40 Jahren. Seine Lupusherde waren nun überall am ganzen Körper ausgebrochen, der ganze Raum stank nach Wundbrand.

Marie Therese war so erschöpft, dass sich Dr. Eisenmenger schwere Sorgen um sie machte und ein Verbot aussprach sich weiter um Otto zu kümmern. Doch davon wollte sie nichts hören.

Sobald Otto drohte zu ersticken, wurde der Arzt gerufen und das Röhrchen wurde entfernt und ausgewechselt.

Eines Tages war der Erstickungsanfall so heftig, dass Dr. Eisenmenger zu spät kam.

Erzherzog Otto starb am 1.11.1906 im Beisein von Marie Therese – als einzige der Familie Habsburg. Er war gerade einmal 41 Jahre alt.

Erzherzog Ferdinand Karl

Auch ihrem dritten Sohn Erzherzog Ferdinand Karl (*27.12.1868, †10.3.1915) half sie seine große Liebe zur bürgerlichen Hofratstochter Berta Czuber (*5.12.1879, †5.7.1979) durchzusetzen.

Doch hier versagten alle kläglich. Kaiser Franz Joseph blieb stur.

Die Konsequenzen waren für niemanden absehbar.

Ausgerechnet Erzherzog Franz Ferdinand widersetzte sich dieser Beziehung.

Kennengelernt hatten sich die beiden auf dem Technikerball und schon bald entstand eine Liason, denn Berta war eine ausgesprochene Schönheit und unglaublich gebildet.

Ihr Vater war Mathematikprofessor an der Technischen Universität.

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Berta Czuber
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Ferdinand Karl

Ferdinand Karl fiel weder als Thronfolger ins Gewicht, noch sonst irgendwie auf.

Sein Status im Habsburg Haus war:
er war anwesend.

Ansonsten hatte er einen militärischen Rang, hatte einige Repräsentationsaufgaben und sonst nichts zu tun.

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Maria de la Mercedes

Pläne zur Hochzeit gab es für den 32jährigen erst, als der Junggeselle partout alles ablehnte, was ihm vorgestellt wurde.

So z.B. die spanische Infantin Maria de la Mercedes (*11.9.1880, †17.10.1904), Tochter von Königin Maria Cristina (*21.7.1858, †6.2.1929) und König Alphons XII (*28.11.1857, †25.11.1885).

Königin Maria Christina war immerhin eine Habsburgerin und saß alleine auf dem spanischen Thron, da ihr Mann schon lange an Tuberkulose verstorben war. Doch Ferdinand Karl weigerte sich hartnäckig.

Franz Ferdinand fürchtete schwere Imageschäden fürs Kaiserhaus und schrieb an seinen Onkel einen Brief, in dem er die Beziehung untersagen wollte:

„Ich fürchte immer bei Ferdinand einen Coup de tête(**) und das wäre schrecklich, denn diese Czuber ist eine abgefeimte Canaille.“ (2)

Gerade Franz Ferdinand solle es besser Wissen.

Seine Sophie wurde am Hof geschnitten wo es ging.
Doch er stellte sich quer, wollte nichts hören und nichts sehen.

Hilfesuchend wand sich Ferdinand Karl an seine Mama.

Immer lauter und bösartiger wurden die Stimmen gegen Berta, von der im Kaiserhaus über ein unstetes Leben berichtet wurde.

Ferdinand Karl gab zu Recht nichts auf dieses gemeine Getratschte, kannte er den Wiener Hof nur zu gut.

Es hatte seine Tante Sisi aus dem Hause getrieben, die Zeit ihres Lebens vor dem Adel floh, da sie als „Landadel“ und nicht „gut genug für den Kaiser war“ (der Unterschied zur Erblinie „in“ und „von“ Bayern kann hier nachgelesen werden).

Auch hier intervenierte wieder einmal Mama Marie Therese. Doch je älter ihr Schwager wurde, desto verknöcherter und sturer wurde er.

Einzig zwischen Ferdinand Karl und Franzi konnte sie vermitteln und eine Versöhnung erreichen.

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Berta und Ferdinand Burg

Aus Trotz und Kummer fuhr das schwerverliebte Paar in die Schweiz nach Chur, wo sie am 15.8.1909 heimlich heirateten.

Danach ging das Paar auf Reisen. Ferdinand Karls Tenor lautete: Wenn sein Onkel von der Ehe mit der gebildeten und hübschen Hofratstochter erfahren wird, wird er klein beigeben.

Doch der Tenor blieb aus.

Die Rechnung wurde ohne dem Onkel gemacht.

Kaiser Franz Joseph war es gewohnt als erste Instanz zu gelten und nicht übergangen zu werden.

Als er von der heimlichen Hochzeit zwei Jahre später erfuhr, tobte er.

Den eigenmächtigen Schritt musste Ferdinand Karl teuer bezahlen.

Er wurde aus der Familie ausgeschlossen. Rang und Titel musste er abgeben, das Goldene Vlies verlangte sein Onkel zurück, aus den Jahrbüchern wurde er getilgt.

Lediglich eine jährliche Apanage stand ihm zu. Des Weiteren wurde Ferdinand Karl gebeten nie wieder nach Österreich zurückzukehren.

Die einzige die wieder einmal zu ihrem Sohn und weiterhin Kontakt hielt war seine Mama.

Das Paar Ferdinand und Berta Burg ließ sich in München und Meran nieder, wo sie die beiden immer wieder besuchte. Leider wurde Ferdinand Karl alsbaldig schwer krank. Die Lungenkrankheit seiner Mutter brach auch bei ihm aus.

Als sein Bruder und seine Schwägerin in Sarajevo erschossen wurden, intervenierte sie beim Kaiser und dieser erlaubte für die Begräbnisfeierlichkeit eine Rückkehr des Verbannten.


Ferdinand Karl war kaum noch wiederzuerkennen.
Er zählte erst 46 Jahre, sah aber aus wie ein Greis.

Er konnte sich kaum auf den Beinen halten, so dünn und ausgezehrt war er. Als es mit ihm zu Ende ging, rief Berta Marie Therese und diese eilte nach München und pflegte wieder einmal ihren Sohn bis zum Tode aufopferungsvoll und voller Liebe.

Im Beisein seiner geliebten Berta und seiner Mutter starb er friedlich am 10.3.1915 46jährig.

Marie Therese sorgte für die Überfahrt nach Obermais nach Meran, wo er in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Jahre später sollte Berta ihm folgen.

Erzherzogin Margarete Sophie

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Albrecht Herzog von Württemberg
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Erzherzogin Margarete Sophie

Und auch ihr viertes Stiefkind Margarete Sophie beerdigte sie.

Margarete Sophie (*13.51870, †24.8.1902) wurde zuerst Äbtissin im Damenstift Prag, bevor sie sich zur Hochzeit mit Albrecht Herzog von Württemberg (*23.12.1865, †31.10.1939) entschloss.

Doch noch vor der Verlobung wurde Margarete Sophie schwer krank. Leider ist nicht herauszufinden, an welcher Krankheit sie litt.

Mama Marie Therese eilte auch an dieses Krankenbett und pflegte ihre Tochter bis sie wieder gesund war. Es dauerte monatelang.

Am 24.1.1893 konnte im Beisein von Kaiser Franz Joseph in der Hofkapelle der Hofburg Wien die Hochzeit gefeiert werden.

7 Kinder wurde dem Paar geboren, bevor sie am 24.8.1902 in Gmunden 32jährig starb. Leider ist auch hier nicht überliefert an was Margarete starb.

Franz Ferdinand war untröstlich seine geliebte Schwester zu verlieren.

Marie Therese hatte im Laufe der Zeit zwischen 1902 und 1914 alle ihre Stiefkinder begraben und trotzdem ihren Glauben nicht verloren.

Nun blieben ihr nur noch ihre Enkelkinder und ihre beiden eigenen Töchter.

Erzherzogin Maria Annunziata „Miana“

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Erzherzogin Maria Annunziata und Siegfried Herzog in Bayern
Verlobung in Possenhofen

Maria Annunziata wurde eine äußerst enge Vertraute von Kaiser Franz Joseph.

Sie verlobte sich mit Siegfried in Bayern (*10.7.1876, †12.3.1956) einem Sohn von Max Emanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893), einem Bruder von Kaiserin Elisabeth.

Doch Siegfried zeigte auf der Verlobungsfahrt nach England ein absonderliches Verhalten, so dass Maria Annunziata noch während der Fahrt ihren Onkel bat die Verlobung wieder auflösen zu dürfen.

Siegfried war 1899 vom Pferd gefallen und zeigte seit dem schwere Auffälligkeiten.

Er schrie, zog sich in der Öffentlichkeit aus, pinkelte in die Kajüte oder aufs Essen, onanierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit, auch in der Öffentlichkeit und bot generell einen traurigen Anblick, obwohl er ein sehr hübscher Mann war.

Kaiser Franz Joseph gewährte die Bitte und so wurde diese gelöst und Maria Annunziata kam zurück.

Sie verlobte sich nie mehr, obwohl sie als sehr große Schönheit galt.

Sie wurde die Erste Dame am Wiener Hof, eine schwierige Aufgabe, die schon ihre Mutter übernommen hatte, als diese noch verheiratet war.

Maria Annunziata war es auch, die Karl und Prinzessin Zita von Bourbon Parma (*9.5.1892, †14.3.1989) verkuppelte.

Maria Annunziata und Kaiser Franz Joseph standen sich so nahe, dass er sie sogar ins Vertrauen über die Mayerling Affäre zog.

Sie nahm die Geschichte mit ins Grab.

Erzherzogin Maria Annunziata starb am 7.4.1961 in Vaduz und ruht in Vaduz bei ihrer Schwester.

Erzherzogin Elisabeth Amalie

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie und Alois von und zu Liechtenstein

Elisabeth Amalie Eugenia ehelichte Alois von und zu Prinz Liechtenstein, dem sie in jede Garnison nachfolgte.

Sie war eine Autonärrin und sammelte diese. Insgesamt 8 Kinder wurde dem Paar geboren.

Sie begleitete ihren Mann zu den Garnisonen und ging gerne Jagen. 1909 erbte ihr Mann das schloss Ullersdorf in Mähren, wo sich die Familie niederließ.

1923 verzichtete Alois auf den Thron in Liechtenstein und übergab diesen an seinen Sohn Franz Josef. Im 2. Weltkrieg holte dieser seine betagten Eltern nach Liechtenstein.

Elisabeth von und zu Liechtenstein starb am 13.3.1960 81jährig in Vaduz.

Foto: SHB
Kaiser Franz Joseph 

Erzherzogin Marie Therese war von Anbeginn nach Kaiserin Elisabeth die Erste Dame am Wiener Hof.

Als Kronprinz Rudolf, der seine Tante sehr verehrte und liebte, Kronprinzessin Stephanie ehelichte, wurde Marie Therese von dieser abgelöst.

Als sich Rudolf umbrachte, fiel die Aufgabe wieder Marie Therese zu, denn eine Witwe konnte und durfte nicht Erste Dame des Landes sein.

Als ihr Mann Erzherzog Karl Ludwig starb benahm sich der Wiener Hof absonderlich.

Zuerst umwarb man sie nach Rudolfs Tod als zukünftige Kaiserin und kroch ihr beinahe in den Allerwertesten, da nach Kaiser Franz Joseph Erzherzog Karl Ludwig als Thronfolger feststand.

Als dieser 1896 starb war es mit den Plänen „Kaiserin Marie Therese“ vorbei und die Höflichkeit des Hofes hatte ein Ende.

Die Aufgabe der Ersten Dame fiel nun Erzherzogin Maria Josepha zu. Sie war die Ehefrau von Erzherzog Otto „Bolla“ und Mutter von Karl, obwohl als Thronfolger Franz Ferdinand feststand.

Nun kamen die Pläne der Heiratsvermittler auf dem Plan.

Da sich Kaiser Franz Joseph und seine Schwägerin Marie Therese außerordentlich gut verstanden und sich beide sehr schätzten, wollte man, dass die beiden sich verheiraten.

Dies hätte auch den Mittel zum Zweck gehabt, dass Franz Ferdinand „quasi“ der Sohn von Kaiser Franz Joseph werden konnte und als „Kronprinz“ anerkannt werden könnte.

Doch Marie Therese lehnte diese Pläne ab.

Als 1906 Erzherzog Otto starb war auch die Zeit für Erzherzogin Maria Josepha als Erste Dame des Hauses vorbei und Tochter und Vertraute von Kaiser Franz Joseph Erzherzogin Maria Annunziata trat an diese Stelle.

Diese verschaffte nicht nur wieder das hohe Ansehen für ihre Mutter zurück, sondern hielt auch wie üblich den ersten Teetisch.

Jede Erste Dame des Hofes hatte nicht nur beim Hofball den Circle zu leiten, sondern auch den Ersten Teetisch über.

Da Kaiserin Elisabeth diese Aufgabe zuwider war, überließ sie mit Freude diese Aufgabe Marie Therese, nach deren Tod übernahm dies natürlich zuerst Maria Josepha, danach bis zum Monarchie Ende Maria Annunziata.

Marie Therese war eine Befürworterin des Roten Kreuzes, welches sie tatkräftig mit Spenden und persönlichen Besuchen unterstütze.

Ihre eigene Tochter Maria Annunziata arbeitete bei Erzherzogin Maria Josefa im Palais Augarten und widmete sich den Kranken und Verwundeten. Um nicht erkannt zu werden, haben viele Erzherzoginnen „bürgerliche Namen“ gewählt.

Foto: collections.nlm.nih.gov
Marie Therese als Schwester Michaela

Marie Therese wählte den Namen „Schwester Michaela“ (dieser Name findet sich in ihrem Taufnamen weit hinten).

Sie meldete sich im Vereins-Reservespital Nr. 2 in der Hegelgasse Wien 1. Sie arbeitete als Oberkrankenschwester und half bei Operationen mit.

Sie ließ keinen Dienst aus, war stets freundlich und pflegte aufopferungsvoll und voller Hingabe und trug immer ihre Schwesterntracht.

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Maria Antonia von Portugal

Aber nicht nur in Wien versah sie ihren Dienst, sie ging auch direkt an die Front.

Vor allen die schwer gefürchteten Isonzofronten hatten es ihr angetan. Sie benutzte die Straßen, die unter schweren Beschüssen standen, sammelte Verwundete auf und verlor nie den Mut, waren die Verletzungen – vor allem Kopfverletzungen noch so grausam und schwer.

Zahlreiche Auszeichnungen bezeugen ihre Kriegseinsätze, doch auf diese legte sie keinen Wert.

Bevor Kaiser Franz Joseph entschlief war sie in Österreich zurück, um auch hier bei der Familie zu sein.

Sie begleitete ihren Schwager auf seinem letzten Weg, der hier nachgelesen werden kann.

Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Sie sah wie ihr Enkel Kaiser Karl und ihre Nichte Zita den Thron übernahmen.

Ihre Schwester Maria Antonia Infantin von Portugal (*28.11.1862, †14.5.1959) war immerhin die Mutter von Zita und somit war Marie Therese ihre Tante.

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Marie Therese als Witwe

Als das Ende der Monarchie eingeläutet wurde, befand sich „Schwester Michaela“ an der Südfront um im Lazarett zu helfen.

Sie hörte von Karls Debakel in Österreich und wollte nach Wien, um ihren Enkel zu helfen.

In Deutschland kam sie nicht weiter, da man ihr vorwarf, den Bündnispartner Deutschland nicht wertzuschätzen.

Erzherzogin Marie Therese musste Beweise antreten, dass sie in Deutschland geboren wurde und ihre Mutter eine Deutsche Adelige war.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Unter diesen schwierigen Umständen gar nicht so einfach. Als sie Deutschland verlassen durfte, war ihr Enkel und Zita mit den Kindern bereits über alle Berge.

Sie ging nach Wien zurück, wo sie in einer kleinen 3 Zimmer Wohnung lebte. Ihr gesamtes Personal musste sie entlassen das Palais war im Begriff verkauft zu werden. Die einst so reiche Marie Therese besaß kaum noch etwas. Doch auch jetzt beklagte sie sich nicht.

Am 3.4.1919 verkündete die Republik Österreich das Adelsaufhebungsgesetz.

Daraufhin verließen Erzherzogin Marie Therese und ihre Tochter Erzherzogin Maria Annunziata Österreich in Richtung Schweiz.

Dort erfuhren sie, dass auch Karl und Zita in der Schweiz angekommen waren.

Nun versuchte Kaiser Karl seine Restaurationsversuche, die allerdings allesamt scheiterten.

Nun zog man sich aber den Unmut der Schweiz zu, die sich verraten fühlte und die gesamte Familie auswies.

Maria Annunziata zog zu ihrer Schwester nach Liechtenstein, Maria Josepha, die Mutter von Karl ging nach Deutschland zurück.

Einzig Marie Therese durfte bleiben.

Sie behielt die Kinder von Zita bei sich, um ihnen ein sicheres Leben zu geben.

Aus Madeira erhielt sie Post und erfuhr, dass das Paar in Funchal gelandet war.

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Robert von Habsburg

Als Robert (*8.2.1915, †7.2.1996) an einer schweren Blinddarmentzündung erkrankte, verständigte Marie Therese Zita.

Diese durfte auf Bitten und Drängen bei den Behörden von Marie Therese für 14 Tage das Land Schweiz unter polizeilicher Bewachung wieder betreten.

Als der Kranke noch nicht geheilt war, musste Zita ohne ihrem Kind das Land wieder verlassen.

Diesmal fuhr Marie Therese mit, um Zita eine Stütze zu sein.

Erst am 2.3.1922 konnte Robert mit Gräfin Kerssenbrook, die bei ihm geblieben war, nach Madeira nachkommen.

Doch auch auf Funchal ging alles schief, was nur schief gehen konnte und so musste sie auch ihren Enkel alsbaldig begraben.

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alle Kinder von Karl und Zita

Während es in der Hauptstadt warm und sonnig war, wurden Zita, Karl und die Kinder, welche zu diesem Zeitpunkt bereits geboren waren,

  • Otto von Habsburg (*20.11.1912, †4,7.2011), Österreichs letzter Kronprinz
  • Adelheid (*3.1.1914, †2.10.1971)
  • Robert (*8.2.1915, 7.2.1996)
  • Felix (*31.5.1916, †6.9.2011)
  • Carl Ludwig (*10.3.1918, †11.12.2007)
  • Rudolph (*5.9.1919, †15.5.2010)
  • Charlotte (*1.3.1921, †23.7.1989)

in einem zugigen Haus ohne Licht, Heizung und Wasser nur im Erdgeschoss auf dem „Monte“ untergebracht.

Die eigene Bevölkerung mied im Winter diesen Berg.

Die Dienerschaft, die das Kaiserpaar ebenfalls begleitet hatte, schlug die Hände über den Kopf zusammen, ob des schlechten Zustandes dieses Hauses. Ein Diener fasste sich ein Herz und warnte Marie Therese vor dem Haus, die jedoch bei Karl auf taube Ohren schlug.

Da die Familie kein Geld mehr besaß und sich das Hotel nicht mehr leisten konnte, war man auf die Almosen und Hilfe des Volkes angewiesen. Das Haus wurde dem Paar zur Verfügung gestellt. Das Schicksal schlug unbarmherzig zu.

Kaiser Karl verkühlte sich und konnte sich in dem zugigen, von Schimmel belasteten Haus nicht erholen.

Wieder war es Marie Therese die Tag und Nacht am Krankenlager des Kranken saß, der von Fieber geschüttelt wurde und dem es immer schlechter ging.

Er bat seine mittlerweile wieder schwangere Frau Zita zu sich und bat sie bei König Alfonso XIII in Spanien um Hilfe anzusuchen. Außerdem musste sie ihm versprechen, alles mögliche zu versuchen, das Kaiserreich zurückzuerobern.

Noch am selben Tag starb Kaiser Karl im Beisein seiner Großmutter 34jährig am 1.4.1922.

Nun machte sich Marie Therese also mit der hochschwangeren Zita auf den beschwerlichen Weg von Portugal nach Spanien.

Königin Maria Cristina, eine Großcousine von Kaiser Franz Joseph und ihr Sohn König Alfonso XIII (*17.5.1886, †28.2.1941) nahmen sie im El Pardo Palast in Madrid bereitwillig auf.

Hier brachte Zita ihr letztes Kind Elisabeth Charlotte (*31.5.1922, †6.1.1993) zur Welt.

Während die Familie in Spanien blieb, hieß es für Marie Therese Abschied zu nehmen.

Sie wollte zu ihrer Tochter Maria Annunziata nach Österreich zurück, die zwischenzeitig wieder aus Liechtenstein zurück war.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese im Alter

Das genaue Datum des Übertritts ist nicht bekannt, allerdings half ihr Polizeipräsident Schober nach Wien zurück.

Weder Marie Therese, noch ihre Tochter Maria Annunziata mussten auf ihren Titel „Erzherzogin“ verzichten. Sie stellten für die Republik Österreich keine Gefahr dar.

Zur großen Überraschung konnte ihre Familie das Palais Erzherzog Carl Ludwig (er)halten, weshalb Maria Annunziata und Marie Therese zurückkehren konnten. Sogar vom Personal kamen einige zurück und halfen der mittlerweile betagten Dame im Haushalt.

Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor und Maria José in Bayern

Durch ihre Tätigkeit beim Roten Kreuz gingen viele Ärzte im Palais Ein und Aus.

Auch der „Adel“ von Wien kam ins Palais und Marie Therese stieg quasi wieder zur Ersten Dame der Gesellschaft auf.

Ihre Sommermonate verbrachte sie mit ihrer Schwester Maria José Herzogin in Bayern (*19.3.1857, †11.3.1943) in Gastein, welche den Bruder von Kaiserin Elisabeth Karl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) geheiratet hatte.

1938 erlebte sie noch wie ihre beiden geliebten Enkel Max und Ernst von Hohenberg ins Konzentrationslager Dachau gebracht wurden.

Die von Hohenbergs waren die Kinder von Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie. Während Max auf Intervention seiner Frau nach einem halben Jahr frei kam, musste Ernst 5 Jahre verschiedene Konzentrationslager erdulden.

1944 erlebte sie noch die Freilassung und konnte – Ernst einigermaßen gesund – wieder in die Arme schließen.

Vom Glanz und Gloria der Habsburg-Zeit, der Wiener Hofbälle, Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph, das tragische Ende ihres Neffen Rudolf, bis hin zum Fall der Monarchie, 4 Kinder und einen Enkel begrub sie, Entbehrungen und viel Leid ertrug Marie Therese mit Würde und Stolz, Haltung und viel Eleganz.

Kein Klagen kam je über ihre Lippen. Sie war durch und durch eine Dame und durch und durch die gute Seele des Hauses Habsburg, das ihr viel zu verdanken hatte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Wandnische, Erzherzogin Marie Therese, Kapuzinergruft

Erzherzogin Marie Therese erlebte das Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr.

Sie starb am 12.2.1944 88jährig im Beisein ihrer Töchter Erzherzogin Maria Annunziata, Prinzessin Elisabeth Amalie von und zu Liechtenstein, Max und Ernst Hohenberg in ihrem Palais Erzherzog Carl Ludwig.

Der Nazi-Reichsstatthalter und Gauleiter von Wien Baldur von Schirach hätte ihr beinahe das ordentliche Begräbnis in der Kapuzinergruft verweigert.

Ihr Schwiegersohn Alois von und zu Liechtenstein erwirkte die Erlaubnis und so konnte sie mit allen Ehren einer Erzherzogin ihre letzte Ruhestätte in der Kapuzinergruft antreten. Sie ruht heute in einer Wandnische.

– Petra – 

Foto: Wikimedia/Commons
Unterschrift von Erzherzogin Marie Therese

Fußnoten: 

(*) In jedem (!) historischen Buch ist zu lesen, dass Erzherzog Karl Ludwig, bei der Hochzeit 44 Jahre alt war. Dies stimmt ob seines Geburtsdatums nicht. Er stand ganz knapp vor seinem 40. Geburtstag. 

(**) Coup de tête – aus einer Laune heraus; eine Entscheidung betreffend


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra
Stammbaum: Petra
Fotorechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, collections.nlm.nih.gov, planet-wissen.com, albertmilde.com, ÖNB, schloss-artstetten.at, geneall.net


Literatur Hinweise:

1 – S. 38
Norbert Nemec
Marie Therese von Braganza
Der gute Geist im Hause Habsburg
Editions Praesens, 1. Auflage, 2000 (nur antiquarisch erhältlich)

2 – S. 88
Diana Carmen Albu-Lisson
„….denn…[sie]…ist eine abgefeimte Canaille…“
Kral-Verlag, 2013, 1. Auflage

Sabine Fellner, Katrin Unterreiner 
Morphium, Cannabis und Cocain 
Amalthea Verlag, 2008, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Gabriele Praschl-Bichler 
Kinderjahre Kaiser Karls – Aus unveröffentlichten Tagebüchern seines Großvaters
Amalthea Verlag, 2014, 1. Auflage 

 

Herzogin Ludovika in Bayern

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika mit 22 Jahren
Bild: Josef Stieler, 1830

Wer die „Sissi“ Filme kennt, wird natürlich auch Herzogin Ludovika, dargestellt von Magda Schneider (Mutter von Romy Schneider) verehren.

Die gütige liebende Mutter, die ihrer Tochter Helene versucht beizustehen, als sich der Kaiser für die „Liesl von Possenhofen“ entscheidet.

So wenig die Filme sonst mit der Realität zu tun haben, hier haben sie in einem Punkt eines gemeinsam:

Ludovika war eine liebende Mutter. Wenn auch nicht so fürsorglich, wie von Magda dargestellt; die selbst im realen Leben keine Mutter war. Aber das sei nur eine Randnotiz. Hier geht es schließlich nur um Kaiserin Elisabeths Leben.

Ludovikas Vater war König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, bekannt als König Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, †13.10.1825). Er ehelichte am 30.9.1785 Auguste Wilhelmine Prinzessin von Hessen-Darmstadt (*14.4.1765, †30.3.1796). Mit ihr bekam er 5 Kinder.

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König Maximilian I von Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Auguste Wilhelmine und 2 Kinder

Durch politische Unruhen durchs Land getrieben und geschwächt durch die Geburten, starb Auguste Wilhelmine schließlich in Rohrbach 31jährig am 30.3.1796 an Lungentuberkulose.

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Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Max der Verzweiflung nahe, da er nicht nur mit 4 Kindern alleine dastand, sondern auch um seine geliebte Frau trauerte, lernte im Exil in Ansbach Prinzessin Karoline von Baden (*13.7.1776, †13.11.1841) kennen und lieben.

Foto: Wikimedia/Commons
König Maximilian Joseph I
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Karoline

Allerdings war er bereits 41 Jahre alt, als er die junge Prinzessin kennenlernte.

Er bat deren Mutter Amalie von Hessen-Darmstadt (*20.6.1754, †21.7.1832) in einem rührenden Brief und die Hand der schönen Tochter.

Karoline war anfangs nicht sonderlich begeistert, stimmte einer Hochzeit – wohl weil die Mutter sie überredet hatte – allerdings zu.

Sie war erst 21 Jahre alt, als sie am 9.3.1797 die Ehe mit Maximilian einging.

Was folgte, ist beispielslos in der Welt der Könige und Kaiser. Die Ehe wurde außerordenlich glüklich und harmonisch. Keiner konnte und wollte ohne dem anderen sein.

Karoline und Max bekamen 8 Kinder, wovon 2 Zwillingspärchen waren.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Foto: Wikimedia/Commons
Luise (Ludovika), Sophie und Maria Anna

Ludovika Wilhelmine wurde am 30.8.1808 auf Schloss Nymphenburg geboren. In der Familie wurde sie liebevoll „Luise“ oder „Louise“ genannt.

Ihre älteren Geschwister waren die Zwillinge Elisabeth und Amalie Auguste und die Zwillinge Maria Anna und Sophie Friedericke. Sie wurde Erzherzogin Sophie – die Mutter von Kaiser Franz Joseph.

Nach Ludovika erblickte nur noch Nesthäkchen Maximiliane Josepha (*21.7.1810, †4.2.1821) das Licht der Welt.

Die beiden Brüder überlebten das Kindheitsalter leider nicht. Der erste Sohn starb gleich bei der Geburt, Maximilian starb mit 3 Jahren.

Foto: samot/shutterstock.com
Schloss Nymphenburg in München

Louise wuchs im Schloss Nymphenburg sehr liebevoll auf. Ihre Eltern waren fürsorglich, die sich gut um die Kinderschar kümmerte. Ein seltenes Familienidyll in jener Zeit – vor allem für Königshäuser.

Königin Karoline wurde Zeit ihres Lebens von ihren Kindern sehr verehrt und geliebt. Wie sehr die Eltern vergöttert wurden, bezeugen Liebesbriefe der Kinder an die Eltern, die in Wien am Wiener Kongress (1814/15) ihre Pflicht taten. 8 Monate waren sie von zu Hause weg.

Die 9jährige Sophie schrieb verzweifelt:

„Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (1)

Die Kinder hatten lustige Kosenamen für sich – vor allem Sophie wurde damit reich beschenkt:

Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer, Ludovika wurde zu „Louise“ und Nesthäkchen Maximiliane Josepha wurde von allen nur „Ni“ gerufen. 

Foto: Wikimedia/Commons
Die Innschrift des Grabreliefs von Prinzessin Maximiliane Josepha Caroline von Bayern: „Innigst geliebt und heftigst beweint“

Die kleine Ni war generell der erklärte Liebling der Familie, aber am meisten von ihrer Mutter.

Während Max seine Kinder Sophie und Anna Maria am meisten liebte.

Ni war Zeit ihres Lebens immer kränklich gewesen. Als sie aber am 4.2.1821 im 11ten Lebensjahr an Schleimfieber verstarb, brach für die Familie eine Welt zusammen. Karoline trauerte lange und tief.

Auch die Kinderschar musste diesen Verlust erst verarbeiten. Sophie nagte Zeit ihres Lebens am Verlust ihrer Schwester. Wie tief der Schock über den viel zu frühen Tod gewesen sein muss, zeigt das Grabrelief der kleinen Ni.

Trotz allem mussten Ludovika und ihre Geschwister schon sehr früh (ab dem 4. Lebensjahr) am Hofleben teilnehmen; sie mussten das Hofzeremoniell lernen, ins Theater gehen und Pflichten des höfischen Lebens erlernen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Herzog Max

Luise wurde in Französisch (Hofsprache), Deutsch, Literatur, Geschichte und Geographie unterrichtet. Die Kinder durften im Schlossgarten toben und auch allerlei Streiche oder Unsinn machen. Die Liebe zur Freiheit und Ungezwungenheit war es, welche Ludovika auch ihren Kindern weitergeben sollte.

Schon als 7jähriger wurde Herzog Maximilian in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888) einer Königstochter von König Maximilian I. Bayern versprochen. Dies aus mehreren Gründen. Zum einen wollten sein Großvater Wilhem Herzog in Bayern (*10.11.1752, †8.1.1837) und der König sich der Erblinie „in“ und „von“ Bayern wieder annähern und den 1799 vereinten Pakt, dass auch die „in“-Linie geborene Prinzen und Prinzessinen waren, verhärten. Zum anderen, wurde durch gemeine Intrigen eines Ministers des Königs das Verhältnis zum Herzog sehr getrübt. Die Erblinie „in“ Bayern kann hier nachgelesen werden.

Da Max, durch zerrüttete Familienverhältnisse und den Tod seiner geliebten Mutter, bei König Maximilian und seiner Familie aufwuchs, kannten sich Ludovika und die gesamte Kinderschar aus der Kindheit.

Besonders Louise und Max waren sich sehr zugetan, wie einige Briefe aus der Kindheit beweisen.

„Ich möchte, Du wärest auch hier und könntest mit uns spielen. Adieu lieber Max, es freut sich herzlich Dich wiederzusehen Deine Cousine Louise“. (2)

Manchmal sandte Max ihr lustige Stücke oder heitere Briefe oder anderweitige Dinge, die Louise sehr erheiterten:

„Dein Ballett, lieber Max, für welches ich Dir recht sehr danke, hat mich sehr lachen machen, und wenn Du wieder kommen kannst, so werde ich es aufführen.“ (3)

Als 15jährige schrieb sie ihm:

„Nun lebe wohl, theurer Schawawi, und vergesse nicht Deine Louise!“ (4)

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Ludovika „Louise“, ca. 6jährig
Zeichnung: Ferdinand von Piloty II

Versprochen wurde Max die Königstochter Maximiliane „Ni“, welche aber 11jährig verstarb. Als 1825 die beiden Herren beschlossen, dass nun Ludovika nachzurücken habe, fielen die beiden aus allen Wolken.

So sehr sie sich aus Kindertagen liebten und schätzen, an eine Heirat dachten sie gewiss nicht. Beide hatten andere Partner erwählt. Max hatte sich leider unstandesgemäß in eine Bürgerliche verliebt und Louise verliebte sich in einen portugiesischen Prinzen. Der Beitrag zu Herzog Max kann hier nachgelesen werden.

Foto: geneall.net
König Michael I. von Portugal „Don Miguel“
Ludovika verliebte sich in Miguel Maria do Patrocínio João Carlos Francisco de Assis Xavier de Paula Pedro de Alcântara António Rafael Gabriel Joaquim José Gonzaga Evaristo de Bragança e Bourbon, kurz Don Miguel oder schlicht und ergreifend Prinz Michael (*26.10.1802, †14.11.1866). 

Von 1828 - 1834 regierte er das Land Portugal als König, weshalb sein Titel danach König Miquel oder König Michael war. 

Ihn hatte sie als junges Mädchen bei ihrer Schwester Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, 28.5.1872) in Wien kennengelernt. Der Beitrag zu Sophie kann hier nachgelesen werden.

Es war Liebe auf den ersten Blick und Dom Miquel hiel um die Hand der schönen Prinzessin an.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.

Doch durch politische Querelen lehnte König Maximilian diese Verbindung ab. Zeit ihres Lebens verzieh Louise ihrem Vater dies nie.

Doch bevor noch mit Max Verlobung gefeiert werden konnte, musste die Familie einen herben Verlust hinnehmen. König Maximilian I. Joseph starb am 13.10.1825.

Nun rückte ihr (Halb)Bruder Ludwig I. als König nach (*25.8.1786, †29.2.1868). Selbstverständlich hielt Don Miquel nochmals um die Hand der Schwester an, doch auch Ludwig lehnte die Verbindung ab.

Louise weinte sich ab nun beinahe täglich in den Schlaf, auch wenn ihr Max versicherte sie zu lieben. Die Verbindung wollten in Wirklichkeit beide nicht.

Nach dem Trauerjahr fand im Dezember 1827 die Verlobung statt.

König Ludwig I. schenkte den beiden das stattliche und bekannte Bild seines Hofmalers Joseph Karl Stielers, welches jahrelang in sämtlichen Adelskreisen für große Spekulationen sorgte:

„Stieler hat sie [Ludovika] mit dem Bräutigam gemalt […]. Die hohe schlanke Gestalt in weißem ausgeschnittenen Kleide steht in landschaftlicher Umgebung. Das edle Oval ist dem Beschauer zugekehrt, und die zaghaft blickenden Augen schweifen in unbestimmte Fernen. Dicht gesteckte dunkle Locken decken die Schläfe, und eine reiche Haarkrone liegt um das Haupt. Ihre Hand ruht in der des stattlichen Bräutigams. Es ist ein schönes, vornehmes Paar. Von weitem schimmern der Tegernsee und das breite, helle väterliche Schloß, wo sie am 9.September 1828 beide zwanzigjährig vor dem Altare standen. Die Braut, ein fertiges Weib, reif und ohne Illusion in die Welt schauend, Herzog Max ein Jüngling, der das Leben noch nicht genossen, der es aber kennenlernen wollte und gewiß keine Lust hatte, so früh gebunden zu sein.“ (5)

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Verlobungsbild Prinzessin Ludovika und Herzog Max, 1828 – dahinter Schloss Tegernsee
Bild: Joseph Karl Stieler

Es kein Zetern und kein Wehklagen:

am 9.9.1828 wurde in der Schlosskapelle St. Quirinus der Bund der Ehe geschlossen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Hochzeit Max und Ludovika, 1828
Bild: Lithographie Franz Xaver Nachtmann

Als der Brautstrauß geworfen wurde, soll Ludovika den Ausspruch

„Dieser Ehe und allem, was daraus hervorgeht, soll der Segen Gottes fehlen bis ans Ende“ (6)

der wie ein Fluch klang, gesagt haben. Ob dies jedoch stimmt, sei dahingestellt.

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Gräfin Marie von Larisch

Er könnte in weiterer Folge ein gestreutes Gerücht der gekränkten und verstoßenen Marie Gräfin von Larisch (*24.2.1858, 4.7.1940)sein, welche sich in ihren beiden Büchern nach der Verbannung (wegen Kronprinz Rudolfs Tod) an ihrer Familie bitter gerächt hatte.

Obwohl sie dabei ihre Großmutter in Verruf brachte, nahm dies Gräfin Larisch wieder einmal billigend in Kauf.

Die Hochzeitsnacht wurde für Max zu einer peinlichen Farce und – wenn man es ganz genau betrachtet – wusste Louise nicht, wie die Rache eines Mannes aussehen konnte.

Als die Nacht der Nächte so weit war, zog sich Louise auf den hintersten Winkel des Bettes zurück und fiel völlig erschöpft in einen tiefen Schlaf. Sie hoffte natürlich, dass ihr Ehemann dies genauso tun würde, wie sie selbst.

Doch Max hatte natürlich andere Pläne.

Als er in das gemeinsame Zimmer kam, wachte Louise erschrocken auf, hüpfte aus dem Bett und stieß Max in einen zufällig offenen Schrank.Völlig panisch versperrte sie den Schrank und legte sich wieder zu Bett. Den polternden Max hörte sie nicht oder wollte ihn nicht hören. So verblieb dieser die ganze Nacht in diesem Schrank und schwor sich, seiner Frau schon zu zeigen, was es bedeuten würde, verheiratet zu sein.

Tatsache war allerdings, dass Louise todunglücklich war.

Max fand Louise hausbacken und langweilig. Louise ihren Mann zu umtriebig.

Trotzdem bekam das Paar 10 Kinder, wovon 8 Kinder das Erwachsenen Alter erlebten.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Die erste Zeit reiste das Paar viel und zog schließlich in das bombastische Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße in München.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max-Palais, München

Die wichtigste Stützte als Freund und Erzieher der Kinder war ihr dabei Baron Carl von Wulffen (*/unbekannt), den sie später zu ihrem Obersthofmeister machte.

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Schloss Possenhofen, Aquarell Franz Xaver Nachtmann, 1839

1834 wurde das Schloss Possenhofen am Starnberger See, in der Familie liebevoll „Possi“ genannt, gekauft. Von nun an, verbrachten Louise und die Kinde jede freie Minute in Possi. Vor allem zwischen Oktober und September, da es nicht beheizt werden konnte.

Der Unterricht wurde auch oft in die Natur verlegt, denn der große Garten, der See und die umliegenden Wälder luden zum Toben, Reiten und Schwimmen ein.

Auch wenn es sich nicht ziemte, aber die Kinder lernten alle Schwimmen. Vor allem Kaiserin Elisabeth sollte dies ihr Leben lang beibehalten.

Ludovika liebte lange Spaziergänge, den Wald, die Tiere und so ging sie mit den Kindern stundenlang spazieren und brachte ihnen die Natur näher.

Ludovika sprach mit den Kindern hauptsächlich deutsch, was dem strengen Hofzeremionell nicht entgegenkam, da man am Münchner Hof ausdrücklich nur französisch sprach. Obwohl sie selbst als Prinzessin aufgewachsen war, hielt sie es hier, wie ihr Mann Max, der vom strengen Hofprotokoll nichts wissen wollte.

Sie lernte den Kindern den bayrischen Dialekt, was man später Kaiserin Elisabeth am Wiener Hof sehr Übel nehmen sollte, obwohl sie nichts dafür konnte. Natürlich sprach sie perfektes Französisch und sogar Englisch; trotzdem rümpfte der feine Hof die Nase.

Generell war Louise ein Mensch, der andere Menschen nur schwer an sich ran ließ und sich lieber in der Natur aufhielt.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Possenhofen
heute Eigentumswohnungen und nicht betretbar
Possi und Ludovika wurden zum Lebensmittelpunkt der Kinder. Herzogin Ludovika hielt nichts vom strengen Hofzeremoniell und ließ die Kinder zu Hause von Hauslehrern unterrichten. 

Außer den Familienmitgliedern waren ihr fremde Menschen verhasst. Menschengetümmel und vor allem das Angestarrt werden, war ihr ein Gräuel. Ein Umstand, den sie vor allem an Elisabeth weitergeben sollte.

Dass ausgerechnet diese Kaiserin von Österreich werden würde, war natürlich nicht vorauszuahnen.

Possi wurde für die Kinder der Inbegriff von Freiheit, von Liebe und von Heimat. Alle Kinder kamen immer gerne nach Possenhofen zurück und hatten Zeit ihres Lebens schweres Heimweh. Keiner von den Kindern konnte die Freiheit so derartig bewahren, wie sie es als Kinder genossen haben.

Ludovika selbst ging in ihrer Aufgabe als Mutter voll auf. Sie legte Wert darauf, die Kinder selbst zu erziehen und beschäftigte sich viel mit ihnen.

Am 31.10.1838 kaufte sich Max das kleine Schloss Unterwittelsbach bei Aichach, das heute auf den wohlklingenden Namen „Sisi Schloss“ hört, allerdings gar nichts mit Sisi zu tun hatte.

Es ist umstritten ob sie jemals dort war oder nicht.

Es diente Max als Rückzugs-, Ruhe- und Jagdschlösserl, welches einen kleinen See hatte. Der Garten ist bis heute nicht wieder erschlossen und völlig verwildert.

Die gesamte Einrichtung ist verschwunden. Mittlerweile finden alljährlich Ausstellungen statt, die sich fast immer gleichen, nur anders heißen. 2017 besuchte ich die Herzog Max-Ausstellung und gleichzeitig war auch Elisabeths Hochzeitsschmuck ausgestellt.

Es gibt ein sehr idylisches Bild von Otto Flad, 1841. Darauf ist Herzog Max in einem Kahn zu sehen, während Herzogin Ludovika mit einem Kleinkind, welches natürlich Sisi sein soll, aus dem Schlösschen tritt.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Schloss Aichach
Herzog Max im Kahn, Ludovika und „Sisi“ im Eingangsbereich im Schloss, 1841
Bild: Otto Flad

Am 14.11.1839 wurde vom Aichacher Pfarrer überliefert, dass Herzog Max mit Herzogin und dem 7jährigen Ludwig im Schlösschen angekommen sei.

Der Stadtarchivar Karl Christl von Aichach hat sich natürlich eine wunderbare Idylle zurecht gelegt. Er sah die kleine Sisi Blumen pflücken und ihrer Mama bringen, Max im Kahn fahren, die Buben am nahen Weiher fischen usw. Es klang ein bisschen wie aus dem Sissi Film und nicht nach dem echten Leben.

Auch wenn man wenig bis gar nichts über die Kindheit von Kaiserin Elisabeth weiß, es gibt keinerlei Aufzeichnungen, dass sie jemals vor Ort gewesen sei.

Weder von ihr selbst, noch von Ludovika, noch von Max.

Johannes Thiele schrieb in seiner Elisabeth Biografie "Sisi, das Leben der Kaiserin Elisabeth", dass diese als Kind in Aichach mit Vater Max durch die Gasthäuser zog, als dieser Zither spielte. Dabei warfen ihr die Männer Geldstücke zu. Später soll Elisabeth voller Stolz diese Geldstücke, die sie ein Leben lang bei sich trug, ihren Hofdamen gezeigt und behauptet haben, dass das ihr einziges ehrliches verdientes Geld gewesen sei. 

Auch zu ihren zahlreichen Enkelkindern hatte „Großmama“ ein äußerst gutes Verhältnis.

Marie von Redwitz schrieb folgendes in ihr Tagebuch, als sie 1888 die alte Dame kennenlernte:

„Ich war erstaunt über die Erscheinung, und die einst schöne und große Frau kam mir mit der gebeugten Gestalt ihrer einundachtzig Jahre um den verwelkten Zügen wie ein Spitalweibchen vor. Das noch dicke melierte Haar war um den Kopf gelegt, und da sie keine Haarnadeln ertrug, mit einem schwarzen Filetnetz gehalten. Das grüne schlafrockartige Kleid hatte auffallendes gelbes Muster. Sie sprach mich liebenswürdig an, mit schwachem Lächeln auf den Lippen und den gesenkten Augen der getrübten Sehkraft.“ (8)

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Um Ludovika jedoch näher kennenzulernen, müsste man sich mit ihren Briefen beschäftigen. Sie schrieb an alle ihre Lieben und hielt auch bis ins hohe Alter mit allen Schwestern und Brüdern engen Kontakt. Als ihre Augen immer schlechter wurden, ließ sie ihre jüngste Tochter Sophie ihre Korrespondenz erledigen. 

Einen Teil hat Historiker Christian Sepp in seiner Ludovika Biografie verarbeitet. Nun kamen die „Erinnerungen an Großmama“ in Form des Tagebuchs von Amelie von Urach dran. Hier geht es um die Hinterlassenschaft des Autors Richard Sexau, welcher das Tagebuch der Herzogin von Urach veröffentlichen wollte.

Amelie war, wie bereits erwähnt, die Tochter von Carl Theodor in Bayern, Louises geliebte Enkelin und die beste Freundin von Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, 6.9.1924), der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth.

Sexau starb vor seiner Veröffentlichung und so haben Historiker/innen seit jeher Quellen aus diesen handschriftlichen Werken Sexaus und Amelie von Urach in ihren Wittelsbacher und Habsburger Büchern verwendet.

Christian Sepp machte daraus nach seiner umfangreichen und sehr teuren Ludovika Biografie ein eigenes kleines Büchlein.

Eine Passage, ist mir dabei ins Auge gesprungen, die wieder eine devote Herzogin zeigen würde, allerdings einen völlig agressiven und überforderten Herzog Max.

Vor ab möchte ich noch erwähnen, dass Christian Sepp zwischen Original und Abschrift unterscheidet. Also einmal Sexaus Notizen und einmal zwischen der Abschrift von Amelies Tagebuch.

Nachfolgende Passage ist allerdings in keinem weiterem Buch erwähnt. Weder in den Herzog Max Biografien von Bernhard Graf und Alfons Schweiggert, noch in der Hofchronik von Marie von Redwitz. Amelie von Urach wurde diese Geschichte angeblich von Baron von Wulffen erzählt. Karl von Wulffen, war Louises Obersthofmeister und „intimster“ Freund. Es wurde den beiden sogar ein Verhältnis nachgesagt, da er sich um alles im Haushalt kümmerte, weil Max nie oder kaum zu Hause war. Es ist also gut möglich, dass diese Geschichte, ein Hirngespinst von Baron von Wulffen war.

Auch wenn Herzog Max ein cholerischer Mensch war und aufprausend dazu, so hätte diese Passage schon in anderen Wittelsbacher und/oder Habsburger Büchern auftauchen müssen, wenn auch nur der Funke Wahrheit dran wäre – zumindest ist dies meine Meinung und nicht nur in diesem – für mich doch recht unbedeuteten Büchlein über ein Tagebuch einer Enkelin der Herzogin.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853

VIII. HERZOGIN ELISABETH IN BAYERN ALS VERLOBTE DES KAISERS VON ÖSTERREICH

Abschrift, S. 17:
Tante Sisi war eben noch ein halbes Kind; muss aber doch eine kindliche Neigung für den Kaiser empfunden haben; als er einmal von München abreiste, weinte sie so, dass sie im Gesicht ganz verschwollen war.

Original Heft 2, S. 29:
T[ante] Sisi war eben noch ein halbes Kind; muss aber doch eine Art kindlicher Neigung für den Kaiser empfunden haben, denn (dies eine Erzählung B[aron] Wulffens), als er einmal von München abreiste, weinte sie so, daß sie, im Gesicht ganz verschwollen war. Nun wollte aber Großpapa, daß sie, mit den im anderen Zimmer befindlichen Herren des Kaisers rede, T[ante] Sisi wollte sich denselben nicht mit verweinten Augen zeigen; dies erregte Großpapas Zorn so sehr, daß er sie am Hals packte. Großmama stand ganz unglücklich daneben.“ (9)

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
seltenes Bild von Elisabeth als 15jährige
Ölbild: Friedrich von Kaulbach

Auch wenn die alte Patriarchin ihre Sprösslinge als Kinder gut im Griff hatte, so war sie Zeit ihres Lebens mit ihnen als Erwachsene überfordert. Vor allem mit den Mädchen, die sie alle (bis auf Helene „Néné) unglücklich verheiratete.

Als Sophie im heiratsfähigen Alter war, war ihre ältere Schwester Elisabeth bereits seit Jahren Kaiserin von Österreich. Die (unglückliche) Kindheit von Elise, wie Sisi als Kind genannt wurde, kann hier nachgelesen werden.

Ludovika hielt engen Kontakt mit Erzherzogin Sophie, die ihre Schwester und gleichzeitig die Mutter von Kaiser Franz Joseph war. 

Und genau hier unterscheidet sich auch wieder die Filmvorlage Ludovika von Magda Schneider zur realen Herzogin.

Zeit ihres Lebens vermitteltete Louise nicht zwischen Elisabeth und Erzherzogin Sophie.

Im Gegenteil. Immer wieder schrieb Ludovika traurige und devote Briefe nach Wien, um sich bei ihrer Schwester zu entschuldigen:

„…wenn man nur erkennte, was Du Alles thust, wie gut Du es mit anderen meinst! Gott, gebe, daß es noch einmal anders wird.“ (10)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ludwig Victor
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Sophie

Damit kritisierte sie Elisabeths ablehnende Haltung gegenüber Erzherzogin Sophie. Ludovika zeigte sich deren ganzes Leben dankbar, dass sie die junge unerfahrene Elisabeth in Obhut genommen hatte.

Doch so sehr ihre Kinder sie liebten, in einem kannte Louise kein Pardon. In den Heiratsabsichten ihrer Kinder.

Vor allem die Töchter mussten alle standesgemäß verheiratet werden und hier stand der Adel, Titel und das Ansehen, weit über dem der Liebe oder der Sympathie.

Obwohl sie selbst nicht aus Liebe verheiratet wurde und ihren geliebten Prinzessinnenstand aufgeben musste, war ihr das Glück ihrer Töchter egal. Bis auf ihre Tochter Helene (*4.4.1834, 16.5.1890) in Bayern, wurde keine in ihrer Ehe glücklich. Einige von ihnen endeten sogar im absoluten Desaster.

Als – um auf Sophie (*22.2.1847, †4.5.1897) zurückzukommen – nun die jüngste, schöne Tochter zu verheiraten war, wurde noch einmal der Wiener Hof zur Brautschau herangenommen.

Erzherzog Ludwig Victor (*15.5.1842, †18.1.1919) der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, sollte der Ehemann werden. Doch Sophie lehnte entrüstet ab. Die Biographie von Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“ kann hier nachgelesen werden.

Und wieder schrieb Ludovika an Sophie:
…“es hat mir viele Thränen gekostet, ein solcher Schwiegersohn wäre ein Glück für mich gewesen. Aber Gott meine es mit Dir, Du viel geprüfte Schwester, gut, wenn nicht auch noch die kapriziöse Sophie in die Wiener Hofburg einzöge. Vielleicht hätte Sophie, trotz ihrer gewiß guten Eigenschaften, Deiner Erwartung nicht in Allem entsprochen, und der liebe Gott führt Dir eine verzüglichere zu, die Dich und Deinen guten Ludwig recht glücklich macht, wie Ihr beide es verdient.! Gott gebe Dir einen heiteren, ruhigen, friedlichen Lebensabend und reichen Ersatz für so viele stille Opfer, die Dein armes Herz hat bringen müssen…. und Deinem Ludwig eine schöne Zukunft.“ (11)

Foto: zeno.org
König Ludwig und Sophie Herzogin in Bayern
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Ferdinand d’Orléans, duc d’Alençon

Sophies Leben verlief sehr tragisch. Sie ging als „Kurzzeitverlobte“ von König Ludwig II von Bayern (25.8.1845, †13.6.1886) in die Geschichte ein.

Ludwig und Sophie waren vom 22.1.1867 bis zum 7.10.1867 verlobt.

Danach ehelichte sie am 28.9.1868 relativ gleichgültig Herzog Ferdinand von Alençon (12.7.1844, †29.6.1910), mit dem sie 2 Kinder bekam.

Der Bericht zu Sophie d’Alençon kann hier gelesen werden.

Foto: Wikipedia/Commons
Sophie von Sachsen
Foto: Hauptstaatsarchiv Stuttgart/Archiv der Herzöge von Urach
Amelie von Urach, 1891

Ein Verlust traf Ludovika und ihren Lieblingssohn Carl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, 30.11.1909) mit voller Wucht. Noch dazu, da die kleine Amelie gerade einmal im 2ten Lebensjahr war.

Sophie von Sachsen verkühlte sich auf der großen Verlobungsfeier zwischen Herzogin Sophie und König Ludwig II so schlimm, dass sie 22jährig am 9.3.1867 verstarb.

Ein Verlust, den die Familie kaum verkraftete. Der Bericht über Sophie von Sachsen kann hier nachgelesen werden. 

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Carl Theodor mit Maria José

Erst am 29.4.1874 heiratete Carl Theodor erneut.

Um sich doch noch mit dem portugiesischen Haus zu vereinen (Miguel war allerdings bereits seit 1866 verstorben), verheiratete sie ihren Sohn Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) in zweiter Ehe mit Miguels Tochter Maria Josepha (Maria José) von Portugal (*19.3.1857, †11.3.1943). 

Die Ehe der beiden wurde sehr glücklich. Carl Theodor wurde ein berühmter Augenarzt und Mara José schenkte ihm noch fünf weitere Kinder, wobei einige von ihnen sehr berühmt wurden.

Die Familie lebte zum Teil in Meran und München und Possenhofen, so dass die Kinder ebenso frei und unbeschwert aufwuchsen konnten. Maria José arbeitete zudem in der Augenklinik ihres Mannes als „Sekretärin“ mit. Da er auch die arme Bevölkerung – zum Teil kostenlos – behandelte, wurde er sowohl in Südtirol, als auch in Bayern tief verehrt. Carl Theodor in Bayern war das Familienoberhaupt, da sein Bruder Ludwig „Louis“ auf seine Rechte verzichtete.

Foto: Wikimedia/Commons
Ludwig „Louis“ Herzog in Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Henriette Freifrau von Wallersee mit Tochter Marie

Der erstgeborene Sohn Ludwig „Louis“ (*21.6.1831, 6.11.1920) verliebte sich morganatisch (unstandesgemäß) in Henriette Mendel (*31.7.1833, 12.11.1891). Da sie eine Schauspielerin war, war an Hochzeit nicht zu denken.

Doch Louis, von jeher störrisch und eher der Eigenbrötler in der Familie, dachte nicht daran, sich an die steife Adelsgesetze jener Zeit zu halten.

Er lebte eine Zeit lang „in wilder Ehe“ mit Henriette, was ihm sogar den Kontaktabbruch zu seiner Familie einbrachte. Diese brachte sogar unehelich zwei Kinder auf die Welt, wobei der zweitgeborene Sohn nach 3 Monaten verstarb.

Foto: ÖNB
Kronprinz Rudolf ca. 1867

Nach der Geburt des Sohnes heiratete er jedoch doch noch Henriette und verzichtete auf Titel und Ehre. Durch ihre liebevolle und besonnene Art, schlich sich Henriette Mendel, die in den Freifrau-Stand einer „Wallersee“ erhoben wurde, in die Familie und wurde eine ganz besondere Intima von Kaiserin Elisabeth. Bis zu ihrem Krebstod verstanden sich die beiden ausgezeichnet.

Tochter Marie war Elisabeths Lieblingsnichte. Als sie verheiratet war, hieß sie Marie Gräfin von Larisch. Mit diesem Namen erlangte sie leider traurige Berühmtheit. Sie förderte die Liebelei von Mary von Vetsera zu Kronprinz Rudolf und führte ihm das junge Mädchen zu. Unweigerlich war sie somit in den Selbstmordskandal rund um Kronprinz Rudolf verkettet und von Elisabeth vom Hofe verstoßen. Doch all das, konnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnen.

Die beiden anderen Töchter Marie Sophie (*4.10.1841, †19.1.25) und Mathilde „Spatz“(*30.9.1843, †18.6.1925) verheiratete sie ebenso unglücklich, wie zuvor schon Elisabeth.

Marie Sophie wurde nach Neapel verheiratet, wo ein äußerst kleiner und hässlicher König auf sie wartete, bei dessen Anblick Marie beinahe in Ohnmacht fiel. Das Unglück nahm seinen Lauf.

Marie Sophie gebar ein uneheliches Kind, von dem man bis heute nicht weiß, wo es nach der Geburt verblieben ist.

Da der König selbst eine Vorhautverengung hatte, konnte die Ehe 10 Jahre lang nicht vollzogen werden. Erst nach dieser Zeit ließ sich König Francesco II operieren und dem Paar wurde eine Tochter geboren, welche allerdings 4 Monate später wieder verstarb. Weitere Kinder gebar Marie nicht mehr.

Mathilde wurde mit seinem Bruder Ludwig von Trani verheiratet. Die zuerst aus Liebe geschlossene Heirat ging gründlich schief, als Louis anfing fremd zu gehen und massiv zu trinken.

Mathilde verließ ihren Mann, blieb ihm in weiterer Folge trotzdem treu. Immer wenn er Probleme hatte, war sie zur Stelle. Die gemeinsame Tochter erzog sie selbst, ihren Vater kannte diese so gut wie gar nicht.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene und Max von Thurn und Taxis
mit 2 ihrer 4 Kinder

Am glücklichsten wurde von den Töchtern noch Helene „Néné in Bayern (*4.4.1834, 16.5.1890).

Néné war die Lieblingsschwester von Elisabeth und obwohl diese von Franz Joseph abgelehnt wurde, schadete dies dem Verhältnis zueinander nicht.

Zuerst verfiel Néné in tiefe Depressionen, jedoch lud Herzog Max Maximilian Anton von Thurn und Taxis (*28.9.1831, 26.6.1867) zur Jagd ein.

Der Erbprinz sah die etwas herb wirkende Helene und verliebte sich in sie. Obwohl die Thurn und Taxis unermesslich reich waren, galten sie „unter“ dem Stand für die Herzogsfamilie. Kaiserin Elisabeth legte bei König Ludwig I. ein gutes Wort für ihre Schwester ein und so durfte diese Maximilian Anton heiraten. Das Paar wurde unglaublich glücklich. 4 Kinder wurden dem Paar geboren. Doch das Glück weilte nur kurz. Am 26.6.1867 starb Maximilian Anton an einer Lungenlähmung und Néné musste noch viele Schicksalsschläge bis zu ihrem Krebstod hinnehmen.

Traurig war auch das Schicksal des jüngsten Kindes Max Emanuel „Mapperl“ (*7.12.1849, 12.6.1893). Er verliebte sich in Amalie Prinzessin von Sachsen-Coburg und Gotha (*23.10.1848, 6.5.1894), welche aber schon Leopold Prinz von Bayern (*9.2.1846, 28.9.1930) versprochen war.

Foto: Wikimedia/Commons
Max Emmanuel und Amelie Herzog/in in Bayern
Hochzeitsfoto

Auch hier half wieder Kaiserin Elisabeth. Sie lud mit Hilfe ihrer Hofdame Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, 17.4.1923) Prinz Leopold zu sich auf Schloss Gödöllö ein, auf dem „zufällig“ auch ihre Tochter Erzherzogin Gisella (*12.7.1856, 27.7.1932) anwesend war. Einer Kaisertochter konnte Leopold die Hand nicht verwehren und so war der Weg für Mapperl frei.

3 Kinder bekam das glückliche Paar, doch Mapperl starb völlig überraschend am 12.6.1893 an einer Magenblutung in Feldafing. Herzogin Amalie war so bestürzt über den Tod, dass sie ein gebrochenes Herz hatte.

Als ihr Sohn Siegfried (*10.7.1876, 12.3.1952) an Scharlach erkrankte, hielt sie keine Schutzmaßnahmen ein und pflegte ihren Sohn.

Die Folgen waren verherrend. Siegfried wurde zwar gesund, doch Amalie starb kurz nach ihrem geliebten Mapperl.

Blickt man auf Louises angeblichen Hochzeitsfluch zurück, könnte man beinahe meinen, dass er wahr geworden ist. So er auch ausgesprochen wurde.

Eine weitere Liebe von Ludovika waren Hunde. Besonders weiße Spitze hatten es ihr angetan, die sie wie Kinder behandelte.

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Foto: Wikimedia/Commons
Hezogin Ludovika mit Spitz Lupa, ca. 1890

Diese durften somit auch alles, was Kinder durften und bekamen auch ihren Platz bei Tisch, was so manchen Gast das Würgen vor dem Essen hervorbrachte.

Grund dafür waren die Flöhe, die von den Hunden auf die Teller sprangen und so auf dem Essen landeten. Die Teller wurden zwar entfernt, allerdings nicht die Hunde, was zum Teil ein Spießrutenlauf in die Küche und zurück zum Gast wurde.

Eines der Lieblingsfotos von Herzogin Ludovika war jenes, an dem einige ihrer Kinder rund um sie standen.

Oftmals wird fälscherlicherweise Mathilde (stehend) mit Kaiserin Elisabeth verwechselt.

Direkt unter dem Bild habe ich dazu geschrieben, wer tatsächlich auf dem Bild zu sehen ist. Ins Bild habe ich Pfeile gemacht, wer immer so stark verwechselt wird. Man darf nicht vergessen, dass bei dieser Aufnahme, Elisabeth schon lange verheiratet und außer Haus war.

Das ist nicht Elisabeth, sondern Mathilde
Das ist nicht Marie, sondern Sophie

Foto: v.l.n.r.Mathilde „Spatz“ (stehend), Carl Theodor „Gackel“ (lehnend), Max Emanuel „Mapperl“(stehend), Ludovika (sitzend), Sophie (sitzend)

Sophie wird auch öfter als Marie genannt oder verwechselt. Auch das ist nicht korrekt. Am Boden sitzt Sophie.

Leider bietet das Bild immer wieder Grund für viele Streitigkeiten, wird im Internet, in Museen und in Büchern falsch beschriftet. Es ist aber erwiesen, dass es die Menschen sind, die ich gerade dazugeschrieben habe. Ich habe mich mit einer namhaften Historikerin beraten.

Während der großen Trauer um Sophie von Sachsen und Maximilian Anton von Thurn und Taxis, kam auch Erzherzogin Sophie nach Possenhofen.

Der Tod ihres geliebten Sohnes Ferdinand Maximilian (Kaiser Max von Mexiko) (*6.7.1832, †19.6.1867) traf die alte Erzherzogin sehr. 

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ferdinand Maximilian, Kaiser Maximilian I von Mexiko

Und so war Ludovika immer der Ruhepol der Familie. Wer Schutz, Trost oder Heimweh hatte, war jederzeit bei Ludovika willkommen. Der Beitrag zu Erzherzogin Sophie kann hier nachgelesen werden.

Auch Kaiserin Elisabeth weilte sehr gerne bei ihrer Mutter in Possi, belegte aber das gesamte „Kaiserin Elisabeth Hotel“ in Feldafing, da ihre Gefolgschaft für das kleine Schloss zu groß war.

Foto: Stefano Bianchetti/Corbis
König Ludwig II

Kaiserin Elisabeth war zufällig in Feldafing anwesend, als am 13.6.1886 König Ludwig vis á vis im Starnberger See ums Leben kam. Zeit ihres Lebens ging Elisabeth von Mord aus.

Die Ehe verlief Zeit ihres Lebens unglücklich, das Paar sah sich kaum. Erst im Alter und bei der goldenen Hochzeit versöhnte sich das Ehepaar.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max und Herzogin Ludovika, 50. Hochzeitstag

Marie von Redwitz (*9.12.1856, †11.4.1933), Hofdame der Tochter von Carl Theodor, Herzogin Amalie von Urach (*24.12.1865, †26.5.1912) schrieb dazu in ihrer Hofchronik 1888:

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

„Einmal nur erwähnte die alte Hoheit, die ihn besuchte, sie finde ihn nicht gut aussehend, und daß er auch am Tage bei geschlossenen Läden bei Licht säße, mache ihr einen traurigen Eindruck. Er behauptete, in seinen Zimmern (den Hochparterreräumen des Palais) würde es doch nie recht hell. Die Hofdamen haben den „alten Herrn“, wie er meist genannt wurde, seit zehn Jahren nicht gesehen, selbst die Dienerschaft, die nicht speziell in seinen Diensten stand, kannte ihn nicht. Er verließ das Haus und seine Zimmer nie mehr.“ (7)

Zum 80. Geburtstag der alten Dame kamen alle Kinder und Enkelkinder von fern und nah, um den großen Ehrentag mit ihr zu feiern. Nur Herzog Max erscheint zum Geburtstag nicht. Der alte Herr hatte einen Schlaganfall erlitten, sein Gesundheitszustand ließ keine Reise nach Possenhofen zu. 

Kaiserin Elisabeth schrieb ein rührendes Gedicht für ihre Mutter zum 80. Geburtstag, welches allerdings erst weit nach dem Ableben aller beteiligten Personen an die Öffentlichkeit kam:

Ich bitte Gott, Er möge gnädig senden
Dir manchen Sommer noch, wie du ihn liebst, 
Wo Frische dir die Sonnenstrahlen spenden
Und Stunden du im Buchenhain verbliebst. 
Nachts aber soll der Mond sein Antlitz wenden
Dir zu, wie Du entzückt mir jüngst beschriebst. 
Wem die Natur so lieblich weiss zu blühen, 
Vor dem wird lange noch das Alter fliehen! (12)

Am 24.1.1892 erkrankte Ludovika jedoch schwer. Eine Lungenentzündung schwächte die alte Dame, sie war mittlerweile knapp 84 Jahre alt, so sehr, dass sie am 25.1. das Bett nicht mehr verlassen konnte. Sofort wurde die gesamte Familie benachrichtigt.

Sophie war die erste bei ihr, da sie gerade in München weilte, Erzherzog Ludwig Victor und sogar der Sohn von Miguel, Miguel II. von Bragança, Albert Thurn und Thaxis (Enkelsohn/Helene), Carl Theodor, Maria Josè und alle anderen eilten herbei.

Nur Kaiserin Elisabeth ließ sich entschuldigen: Marie Valérie kränkelte und war hochschwanger. Die Kaiserin halb hysterisch vor Angst um die Tochter, fuhr deswegen nicht nach München.

Marie von Redwitz schrieb:

„Der Morgen des 25. verlief ruhig, die Kranke stand sogar auf, weil es ihr schrecklich war, im Bette zu sein, das ihr immer wie ein Sarg vorkam. Alle Töchter wurden telegraphisch berufen und kamen, bis auf die Kaiserin, die Erzhogin Valérie in diesem Moment nicht verlassen konnte.
Herzog Carl geht es sehr nahe, erregt und ängstlich war er mit der Herzogin beständig bei der Leidenen. Die Ärzte gingen ein und aus.
Nach aufgehobener Tafel blieben wir alle in den Nebenräumen, schauten auch selbst wieder zur Kranken hinein, die schlummernd und ruhig atmend dalag, und der man die letzte Ölung erteilt. Wie sehr hat sie sich vor dem Tode gefürchtet, und wie unbemerkt ist er ihr genaht. Um vier Uhr morgens hat sie den letzten Atemzug getan, und sie lag nun wie eine Schlummernde auf der Chaiselongue friedlich und unverändert. Ihre immer noch dichten Flechten hingen herab, und man ließ sie im Schlafrock, in dem sie gestorben.“ (13) 

Ludovika Herzogin in Bayern starb am 26.1.1892 83jährig im Herzog Max-Palais. Sie ruht in der Familiengruft im Kloster Tegernsee.

Petra –


Mein besonderer Dank gilt Frau Dr. Martina Winkelhofer beim Entwirren der Personen des Lieblingsbildes von Herzogin Ludovika.


Rechtliche Hinweise:

Text Petra
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, geneall.net, samot/shutterstock.com, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Hauptstaatsarchiv Stuttgart/Archiv der Herzöge von Urach, Stefano Bianchetti/Corbis


Literatur Hinweise:

1 – S. 35
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

2 – S. 37/8, 3 – S.38, 4 – S.38, 6 – S. 40
Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern: Sisis wilder Vater
Volk Verlag München, 1. Auflage 2016

5 – S. 30
Bernhard Graf
Sisis Vater
Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Allitera Verlag//edition monadensia, 2. Auflage 2017

7 – S. 21, 8 – S. 13/14, 13 – S. 136 
Marie von Redwitz
Hofchronik 1888 – 1921
Kulturpolitik, München 1924

9 – S. 125
Christian Sepp
Erinnerungen an Großmama
Aufzeichnungen der Amelie von Urach über Herzogin Ludovika in Bayern
Allitera Verlag, 1. Auflage 2021

10 – S. 133, 11 – S. 416, 12 – S. 432
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen,
Amalthea, 1992, 11. Ausgabe