Elisabeth – ein Musical geht um die Welt

Als 1955 der Sissi Film mit Romy Schneider über die Kinoleinwand flimmerte, konnte keiner erahnen, was das einmal auslösen würde. Was 1956 und 1957 mit Teil 2 und 3 noch weiter verkitscht wurde, wurde 1992 komplett anders dargestellt. Fans von Kaiserin Elisabeth haben zuerst das Musical gesehen und sich danach erst mit Elisabeth als Person beschäftigt.

Foto: Amazon.de

Das Musical hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Einen Hype, der bis heute ungebremst ist.

Am 3.9.1992 wurde in Wien im Theater an der Wien, unter dem scheidenden Intendanten Peter Weck, das Musical Elisabeth aus der Taufe gehoben. Ein Welterfolg, der anfangs so gar nicht die Kritiker ansprach. Im Gegenteil. Nach der Premiere war der Hohn und Spott hoch. Aber beginnen wir von vorne.

Peter Weck, Foto: @APA (Archiv)

„Mit Michael Kunze hatte ich die Idee für ein neues Musical besprochen, das wir in den Vereinigten Bühnen Wien produzieren wollten. Bei unseren Gesprächen landeten wir plötzlich bei – Michael Kunze brachte diese Idee ein – Kaiserin Elisabeth. Da ich selbst ja beim ersten Teil der Sissi-Filme mitgewirkt hatte, war es mir ein Anliegen, Kaiserin Elisabeth in unserer Version ohne jede Kitschverbrämung, als nicht als lieblich verzuckertes Geschöpf, sondern auf Basis der damals dank Historikerin Brigitte Hamann neu vorliegenden historischen Erkenntnis mit allen ihren Eigenheiten auf die Bühne zu bringen.“ (1) Peter Weck über die Entstehungszeit von Elisabeth, an der er selbst 2 Jahre beteiligt war.

„Alle tanzen mit dem Tod, doch niemand wie Elisabeth…“ Ihre Zeitgenossen stehen in Lumpen und mit schwarzem Spitzentuch über dem Gesicht auf der Bühne und reden „immer noch von Elisabeth“.
So beginnt das Stück – naja mehr oder weniger. Eigentlich ist zuvor noch ein Prolog mit Lucheni, der von einem unsichtbaren Richter gefragt wird, warum er ausgerechnet Kaiserin Elisabeth umgebracht habe. Er beantwortet die Frage mit „…weil sie es wollte“.

Man mag glauben, dass dies ein Satz ist, den tatsächlich ihre Zeitgenossen über sie gesagt haben. Aber die Texte und die Musik stammen von niemand geringeren als von Michael Kunze und Sylvester Levay, die zuvor die Schlagergemeinde mit ihren Songtexten und Musiktitel aufzumischen wussten. „Fly Robin fly“ wurde (und ist) ein Welthit.

Michael Kunze, Foto: Alexander Ch. Wulz

„Mit dem Blick auf die bevorstehende Milleniumswende wollte ich etwas über den Untergang des Habsburgerreiches schreiben. Ich bin studierter Historiker, und daher interessierten mich die Parallelen von Gegenwart und Vergangenheit. … Auch „Sisi“ wurde zwangsläufig erwähnt. Ich hatte allerdings nicht die geringste Lust, die unglückliche Kaiserin zur Hauptfigur einer Dramatisierung zu machen. Zu abschreckend war die Vorstellung, gegen das Klischee einer Filmfigur der 50er Jahre ankämpfen zu müssen. … Ich las alles über die Zeit vor und nach 1900, was mir in die Hände kam. Darunter waren die Tagebuchblätter des Vorlesers Constantin Christomanos. Darin fesselte mich eine Episode. Christomanos schildert, wie er Elisabeth nach einem Sturm an der Reling ihrer Jacht trifft. Sie weist ihn auf einen Möwenscharm hin, der dem Schiff folgt. Es seien immer dieselben Möwen, behauptet sie. Woran sie das erkenne, fragt der Vorleser. An der schwarzen Möwe in der vorderen Reihe. Die sei ihr vertraut. Als ich das las, wurde mir schlagartig klar, dass Elisabeth sich selbst als schwarze Möwe sah. Als Symbol des Untergangs. Von diesem Moment an wollte ich sie, allen Problemen zum Trotz, zur Hauptfigur des Werkes machen. ….“ (2) Michael Kunze im Interview, wie Elisabeth – das Musical entstand. 7 Jahre sollte die Entstehung dauern; man kann also nicht sagen, dass sich Michael Kunze und Sylvester Levay das Stück leicht gemacht haben.

Harry Kupfer, Foto: Lewin-Management.com

Harry Kupfer, der kongeniale Regisseur dieses Erstlingswerks von Peter Wecks „Vereinigte Bühnen Wien“, erinnert sich an die Begegnung und wie alles begann: „Die Oper ist mein eigentliches Spezialgebiet. … Ich hatte in Wien eine Produktion an der Staatsoper, wir hatten nachts gefeiert und auf dem Weg zur U-Bahn traf ich Peter Weck. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt nicht persönlich, doch er sprach mich an. … Er fragte mich: „Haben Sie nicht mal Lust, ein Musical zu machen?“, und meine Antwort war: „Ja, wenn es ein gutes Stück ist, nicht so etwas, wo Musiknummern zu einer dürftigen Handlung zusammengeschmissen sind, würde ich das machen. Darauf er: „Ich hab eins, „Elisabeth“. Da ist mir erst einmal der Kamm geschwollen, weil ich natürlich gleich an diese schrecklichen Sissi-Filme mit Romy Schneider dachte. Doch Weck meinte, das sei ganz anders, Michael Kunze und Sylvester Levay seien die Autoren und er würde mir das Libretto gleich morgen ins Hotel schicken. Das hat er dann auch getan, ich habe es gelesen und fand es gar nicht so schlecht….“ (3)

Der Rest ist Weltgeschichte.

Als er die Rolle von Elisabeth schrieb, musste er nach einem roten Faden im Stück suchen. Und so betrachtete Michael Kunze das Bild von Luigi Lucheni, der grinsend in die Kamera sah. Der jemanden getötet hatte, den er weder kannte, noch verstand. Das Opfer sollte jemand ganz anderer (Herzog d’Orléans) werden, als dieses nicht auftauchte, stach er auf die berühmte Frau ein, die weltpolitisch nie in Erscheinung trat.

Ethan Freeman, Foto: Jean-Marie Bottequin

Lucheni wurde der Erzähler eines Lebens. Ihres Lebens. Er verhöhnt ihr Leben und alle die sich rund um sie scharrten. Mit Gemeinheiten – auch in Richtung Publikums – spart er nicht. In „Kitsch“ bekommt das Publikum das zu spüren, was bis heute gilt: Die Sammelleidenschaft und die Begaffung einer Frau, die bis heute ein Geheimnis ist, ebnete zumindest nach 1955 nie wieder ab.

Gerade bei der jungen Kaiserin Elisabeth war das Interesse anfangs riesengroß. Das Volk wollte sein Recht an der jungen schönen Kaiserin haben; als diese floh und sogar ihre Kinder zurückließ, ebnete das Interesse immer mehr ab. Zu ihrem 50sten Geburtstag erschien lediglich ein kleiner Artikel in der Zeitung, dass die Kaiserin Geburtstag habe. Das Volk in der Dynastie Österreich-Ungarn nahm sie überhaupt nicht mehr wahr.

Mit den Sissi-Filmen jedoch begann ein Hype, der auch Elisabeth – das Musical nicht töten konnte. Bis heute stehen Elisabeth Häferl weltweit in Kästen, hängen Bilder an den Wänden und Postkarten stehen an Souvenirständen zum Kauf bereit. Auch Tattoos mit Sisi Schriftzug oder Konterfei sind mir schon begegnet.

Der „Kitsch“ kennt keine Grenzen. Luigi Lucheni hat im Stück recht, wenn er Schokolade in die Menge schmeißt und höhnisch dabei lacht, wenn er sieht, dass die Menge im Publikum gierig danach greift.

Ethan Freemann Foto: @angelofmusical

Aber lassen wir Ethan Freeman zu Wort kommen: „Ich flog zu den Auditions nach Wien. … Ich wurde mit einem musikalischen Leiter weggeschickt, um mit ihm „Kitsch“ zu erlernen, was ich dann noch am selben Tag mit den Noten in der Hand präsentiert habe. Ich kann mich erinnern, dass ich vorm letzten „Kitsch“ so richtig fies gelacht habe, das war wohl infektiös und damit war die Sache wohl entschieden. Ich hatte scheinbar für die Kreativen die richtige Kombination von Kraft, Gewalt-Potential, Aussehen und Stimme…“ (4)

Sylvester Levay verstand es wie kein anderer, das Stück mit seiner Musik zu beseelen. Man meint manchmal sogar, die reale Elisabeth von hören, wenn sie von dem „Kirschbaum“ träumt, auf den sie nicht darf, weil Maman eine Gesellschaft erwarte und ihr Vater die Zither nimmt und aus Possenhofen flüchtet. Die 15jährige Sisi sitzt verlassen am Boden und träumt von „Gedichten schreiben und Reiten mit dem Wind“ und hofft darauf, dass ihr geliebter, von ihr angehimmelter Vater sie mitnimmt.

Uwe Kröger Foto: Alexander Ch. Wulz

Doch Herzog Max hat wie immer kein Einsehen mit seiner Lieblingstochter. Sisi bleibt traurig zurück und muss sich dem strengen Ton ihrer Gouvernante hingeben und sich umziehen gehen…

Michael Kunze tat sicherlich Recht daran, Elisabeth mit dem Tod kokettieren zu lassen. Ihre Todessehnsucht erahnt man schon an ihren frühen Gedichten. Als ihr Schwarm Richard Graf von Schwarzenberg stirbt, schreibt sie Wehklagen in ihr Tagebuch. Hier ist das erste Mal von einer Todessehnsucht zu lesen. Elisabeth war zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt.

Wie sehr sich das verstärkt, sieht man im späteren Verlauf ihres Lebens. Der Tod sollte also ihr Liebhaber sein. Einer der sie versteht, nach dem sie greifen kann, wenn sie ihn braucht, aber ihr niemals zu Nahe kommen darf. Michael Kunze wählte bewusst die Gestalt von Heinrich Heine, um den jungen attraktiven Dichter in Szene zu setzen.

Uwe Kröger, Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Langhaarig, blond, androgyn – so schritt der erste Tod 1992 von der Feile zum Totentanz der Zeitzeugen herab. Niemand geringerer als Uwe Kröger besetzte diese Rolle. Dass er der erste Rusty in Starlight Express war, sollte damals niemanden interessieren. Kröger spielte mit der Rolle, mit dem Publikum und löste einen wahren Hype aus – einen den er sich später – nach dem seine Fans sogar Selbstmorddrohungen ausstießen, als er sich die Haare für die Rolle von Chris für Miss Saigon abschneiden ließ – bitter bereuen sollte.

Der Tod der uns alle im gewissen Sinne begleitet, löst einen Machtkampf mit dem Publikum aus. Folgt man ihm oder kann man sich ihm entziehen? In 25 Jahren waren alle Tod-Darsteller blond oder zumindest brünett. Fast alle langhaarig. Nach Uwe Kröger folgten Paul Kribbe, Addo Kruizinga, Felix Martin, Máté Kamarás, Rob Fowler und natürlich der letzte Tod: Mark Seibert – er ist das momentane Sexsymbol der Musicalwelt.

Pia Douwes, Foto: @Alexander Ch. Wulz

Pia Douwes war die erste Elisabeth. Sie lieh ihr Stimme, Aussehen, Charakter und Eigenschaften, die die wahre Elisabeth zu haben schien. Ihre Darstellung ist bis heute unangefochten mit dieser Rolle verwoben und verbunden.

Viele Elisabeths folgten auf 25 Jahre Welterfolg. Die bekanntesten neben Pia Douwes sind natürlich Maya Hakvoort, Annemieke van Dam und die letzte Roberta Valentini.

Fragt man Musicalfans der ganzen Welt, sind sich diese uneinig, wer nun „DIE“ Elisabeth sei. Fragt man mich, würde ich uneingeschränkt Maya Hakvoort nennen. Ihre Stimme hat mich von der ersten Minute an gepackt und ließ mich nicht mehr los. Aber auch Roberta Valentinis Darstellung behagt mir sehr. Sie ist vor allem konstant durchgehend eine Elisabeth, der man jede Station abnimmt. Derselbe „Streit“ entsteht bei den Rollen von Der Tod und Luigi Lucheni. Hier gibt es eigentlich auch nur 2 Antworten für mich: Paul Kribbe war und wird immer „mein“ Tod sein, danach folgt für mich persönlich Mark Seibert. Bei Luigi Lucheni tendiere ich zwischen Bruno Grassini und Kurosch Abbasi, aber auch Serkan Kaya gefiel mir außerordentlich gut. 

Aber was ist nun mit Kaiser Franz Joseph, Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Sophie, Graf Grünne, Kardinal Rauscher, Herzogin Ludovika, Néné usw. Viele von ihnen haben eine Stimme bekommen, ein paar sind nur Nebendarsteller und erscheinen wirklich nur am Rande.

Im Prinzip erstrahlt das Musical mit 3 Hauptdarstellern: Elisabeth, Der Tod, Luigi Lucheni. Der Rest ist in Nebenrollen oder winzigen Sequenzen zu sehen.

Pia Douwes, Foto: Jean-Marie Bottequin

Das Hauptlied des ersten Teils ist mit Sicherheit der Song „Ich gehör nur mir“. Hier bricht Elisabeth aus. Hier zeigt sie, dass sie nicht die Person ist, die sich einsperren, quälen, begaffen und berichtigen lässt, wie es allen anderen am Wiener Hofe passen würde. Allen voran natürlich Erzherzogin Sophie oder auch dem Kaiser, der sich weder gegen seine Frau, noch gegen seine übermächtige Mutter durchsetzen kann.

Der Text von „Ich gehör nur mir“, könnte genauso gut aus der Feder von Kaiserin Elisabeth per se stammen. Man könnte meinen, dem Schreiberduo ist dies aufs Notenblatt diktiert worden.
Egal wer dieses Lied im Stück singt – Gänsehaut ist vorprogrammiert. Dieses Lied ist das Herzstück des ersten Teiles, dass was Elisabeth ausmacht.

Aber auch Lieder wie „Milch“ (1992 noch an anderer Stelle als heute), Kaffeehaus-Szene oder „Nichts nichts gar nichts“ sind bezeichnend für den Weg von Elisabeth.

Der wütende Mob vor der Hofburg, der mit Milchkannen beinahe wie auf die Bastille zustürmt und um „Milch“ schreit, während die Kaiserin darin badet. Bezeichnend für ihren Schönheitskult „Unsre Kais’rin soll sich wiegen,
kämmen, pflegen und erfrischen“.

Was wir alle an Sisi bewundern ist ihre Schönheit, ihr ambivalenter Charakter, ihr exzessives Leben. Das Leben des Volkes aber berücksichtigen wir im Grunde unseres Herzens nicht, wenn wir die Bilder dieser strahlenden Schönheit in den Krinolinenkleidern bewundern. Das Volk hungert, friert und hat kaum das Nötigste, während Sisi in Milch badet, weil das ihrem Teint zu Gute kommt.

Wer jetzt das ungarische Krönungslied „Wenn ich tanzen will“ in der Aufzählung vermisst, wird bitter enttäuscht sein, wenn ich sage, dass dieser Song 1992 noch nicht auf der Welt war.

Uwe Kröger mit Rudolf-Darsteller, Foto: Alexander Ch. Wulz

Erst im späteren Verlauf der Geschichte kommt Kronprinz Rudolf vor. Zuerst als kleiner Junge, der verzweifelt nach seiner Mutter weint. Natürlich ist es „der Tod“ der den Kleinen tröstet, denn Rudolf hat die Melancholie seiner Mutter geerbt.

Im weiteren Verlauf wird im Duett „Wenn ich dein Spiegel wär“ klar, dass die Mutter ihren Sohn weder verstehen will, noch ihn jemals verstanden hat. Ihre Arroganz und Verbitterung gegenüber dem verzweifelnden Sohn wird mit Minute zu Minute klarer.

Bezeichnend ist es natürlich, dass der Tod in Gestalt mit einem verkleideten Todesengel der Mary Vetsera darstellt, auf Rudolf lauert. Der Schuss ist nur der Anfang von einem Ende, das schon lange vorher eingeläutet wurde.

Wenn Elisabeth weinend am Sarg ihres Sohnes, der sich durch die Bühnenkonstruktion langsam in die Erde absenkt, zusammenbricht ist meistens ein Raunen im Publikum zu hören: „Die arme Mutter…“
Die arme Mutter die mit „Rudolf, wo bist du“ ihre letzten Jahre einläutet. Depressiv, einsam, schwarz gekleidet, flieht sie vor ihrem eigenen Ich.

Pia Douwes, Viktor Gernot Foto: Alexander Ch. Wulz

Auf Cap Martin versucht ein alter, gebrochener, wehklagender, zerbrechlich wirkender Kaiser Franz Joseph seine Sisi noch einmal zur Umkehr zu bitten. Das Duett „Zwei Boote in der Nacht“ ist bezeichnend für das letzte Kapitel, für die Verbitterung Elisabeths niemals Verzeihen zu können.

Danach folgt unweigerlich Luigi Lucheni, der nach einem fürchterlichen Alptraum Kaiser Franz Josephs, wo er den Tod Elisabeths vor Augen hat, vom Tod die Feile in die Hand geworfen bekommt und losstürmt.

Bim-bim… die Schiffsglocke. Elisabeth und „der Schleier fällt“. Der Tod hat endlich seine Sisi im Arm, sie gibt sich dem hin, was sie Jahrzehntelang erträumt und sich nicht getraut hat: zu sterben…

Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Im Grunde ist damit die Geschichte erzählt, auch wenn ich hier natürlich Szenen ausgelassen habe, die unweigerlich dazugehören; aber wir möchten euch ja noch den Triumphzug quer durch die Welt erzählen…

Die komplette Cast der Weltpremiere am 3.9.1992 war:

Kaiserin Elisabeth                               Pia Douwes
Der Tod                                                  Uwe Kröger
Luigi Lucheni                                        Ethan Freeman
Kaiser Franz Joseph                            Viktor Gernot
Erzherzogin Sophie                              Else Ludwig
Kronprinz Rudolf                                 Andreas Bieber
Kronprinz Rudolf Kind                       Markus Neubauer
Herzog Max in Bayern                        Wolfgang Pamperl
Herzogin Ludovika/Frau Wolf          Christa Wettstein
Helene von Wittelsbach                      Rebecca Rashid
Ludwig Graf Grünne                            Peter Faerber
Kardinal Rauscher                                Dean Welterlin
Felix Fürst zu Schwarzenberg            Harald Hofbauer
Baron Hübner                                       Günther Schulz
Baron Kempen                                      Eric Minsk
Gräfin Sztáray                                       Nicole Sieger
Gräfin Esterhazy-Liechtenstein        Isabella Fritdum
Maximilian von Mexiko                      Stanislaus Meus
Mary Vetsera                                         Marion Wilmer
Junger Ungarischer Adeliger             Frank Lohmann
Graf Andrássy und Graf Bathyány    Aris Sas
Fanny Feifalik                                       Gabriela Kuhn
Eine Hofdame                                       Marika Lichter
Eine Gouvernante                                 Ina Retzbach
Ein Professor                                         Christian Hauser
Fräulein Windisch                                Jasna Ivir
Todesengel                                             Michael Bernhard, Steven Bernier, Theresa Bommer, Daniela Colantuono

Kreativ Team
Regie                                                       Harry Kupfer
Musikalische Leitung                          Caspar Richter
Choreographie/Musical Staging       Dennis Callahan
Bühnenbild                                            Hans Schavernoch
Kostüme                                                 Reinhard Heinrich
Lichtgestaltung                                     Hans Toelstede
Tongestaltung                                       Erich Dorfinger

Nach dem tosenden Applaus des Premierenpublikums der Schock. Die Presse verriss das Stück, Peter Weck und alle Darsteller. In den Feuilletons der Zeitungen stand sowas wie: „Was für ein Kaiserinnen-Schmarren“ (Presse), die weiter schrieb: „Nichts, aber auch wirklich gar nicht, haben die Autoren unternommen, um der Gefahr der Verkitschung zu entgehen.“ „Munter geht die Sissi unter“, hieß die andere Schlagzeile. „Sie sind aber auch allesamt, die Darsteller von geringem Format (Kurier). „Was einst vom Hauch der Hohen Kunst umfächelt war, hier brettert Kupfer die gleichen Mittel, nur etwas angeschmuddelt auf die Bühne“  (Der Standard), „Kunzes Text macht Elisabeth zum Nachtschattengewächs. Ein großer Musicalwurf ist es nicht! (Kronen Zeitung) usw.

Doch was die Kritiker nicht bedachten war das Publikum. Elisabeth wurde wie kein 2tes Musical zuvor und danach geliebt. Einzig „Tanz der Vampire“ kann denselben Erfolg verbuchen, wie Elisabeth 1992. Aber Tanz der Vampire eröffnete erst am 4.10.1997, mit einem grandiosen Steve Barton, die Pforten. Übrigens – Happy Birthday Tanz der Vampire – zum 20. Geburtstag. Aber ich schweife ab…

Peter Weck erzählt: „Das Medienecho war für die Darsteller natürlich furchtbar deprimierend. Um mein Ensemble zu trösten und zu beruhigen, allen das verdiente Lob auszusprechen, ging ich damals von Garderobe zu Garderobe und habe Künstlerinnen und Künstler aufgebaut und ihnen versichert, dass diese Kritiken nicht gegen sie, sondern einzig und allein gegen mich gerichtet seien. … Der Erfolg beim Publikum aber wog alles auf, und Elisabeth hat letztendlich bewiesen, dass ein „Kaiserinnen-Schmarrn“ kein Schmarrn sein muss.“ (5)

Maya Hakvoort Foto: Alexander Ch. Wulz

Die Saison von Elisabeth dauerte 4 Jahre und wurde bis am 25.4.1998 gespielt. Mozart löste Elisabeth im Elisabeth Jahr ab – zum 100jährigen Todestag von Kaiserin Elisabeth (10.9.1998) ertönte Mozart aus den Mikrophonen der VBW Darsteller.

Ab 1994 übernahm Maya Hakvoort die Rolle der Elisabeth und spielte diese bis zum 25.4.1998. Mit ihr gingen und kamen neue Gesichter. Uwe Kröger spielte noch eine Zeitlang, genauso wie Andi Bieber, Viktor Gernot, aber auch sie wurden durch Paul Kribbe, Thomas Harke oder Leon van Leeuwenberg mit der Zeit ersetzt und auch hier gab es später wieder Castwechsel.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Foto: Theater des Westens

Pia Douwes über ihre Rolle: „Ich war zunächst platt, ich war fertig. Diese Rolle hat mich sehr mitgenommen – aber auch diese Frau. Ich erkenne mich in ihr. Ich verstehe ihre Depressivität, und wie es ist, manchmal überfordert zu sein, mit zu vielen Menschen. Ich verstehe ihre Tierliebe, Liebe zur Natur und zu Sprachen. Ich habe sie so gut verstanden, dass ich sie mit nach Haus genommen habe, und musste erst nach und nach lernen, sie im Theater zu lassen.“ (6)

Über die Rolle zum „Tod“ befragt, die er nachhaltig kreiert hatte, gab Uwe Kröger die Antwort: „Bei der Erarbeitung der Rolle hat mir sehr geholfen, dass Harry Kupfer eine ganz präzise Vorstellung von dem hatte, was der Tod macht – vor allem in „Der letzte Tanz“. Das ist der Bruch des Surrealen – ein Geist zu sein, für den es sich seltsam anfühlt, menschlich zu sein. Man ist ein Gott des Universums, der unfassbare Gevatter Tod – und doch hat man so etwas wie menschliche Gefühle. Die Figur darf nie eindimensional werden – das war Harry Kupfer ganz wichtig.“ (7)

Ichiro Maki (Tod), Hanafusa Mari (Elisabeth) 1996, Japan, Foto: @Takarazuka Revue Theater

Was danach folgte, ist legendär für dieses Stück. Es ging um die Welt.

Seit 16.2.1996 (immer wieder mit Unterbrechungen) spielt Elisabeth in Takarazuka Revue Theater in Takarazuka; also in Japan.

Ungarische Aufführung Foto: RoseDiMontague

Am 17.8.1996 folgte die Aufführung in Ungarn. Die Freilichtbühne Szeged war dabei das Ziel. Ab 6.10.1996 wurde es dann im Operettenhaus Budapest gespielt.

Die schwedische Aufführung fand am 30.9.1999 ihre Premiere. Im Musikteatern i Vármland in Karlstad wurde es dann bis zum 9.1.2000 gezeigt.

Pia Douwes in Scheveningen, Foto: Joop van den Ende Theaterproducties

Auch in Holland hielt das Stück Einzug. Genauer gesagt in Scheveningen im Circustheater wurde es ab 21.11.1999 bis 22.7.2001 gespielt. 1999 übernahm die Rolle niemand geringerer als Pia Douwes.

Am 6.6.2000 war im Imperial Garden Theater in Tokio/Japan die Premiere.

Uwe Kröger und Pia Douwes in Essen, Foto: tansytrading.weebly.com

Deutschland musste bis zu seiner Erstaufführung bis ins Jahr 2003 warten. Essen war das auserkorene Ziel. Das Colosseum Theater lud ab 22.3.2001 bis 29.6.2003 zum Musical ein. Elisabeth und Der Tod wurden von Pia Douwes und Uwe Kröger dargestellt.

Zum 10. Jahrestag des Stückes, lud man die illustren Gäste ins Wiener Konzerthaus. Das Konzert fand am 21.10.2002 statt. Besetzung waren u.a. Pia Doues, Maya Hakvoort, Uwe Kröger, Felix Martin, Ethan Freemann, Thomas Borchert, Viktor Gernot, Else Ludwig, Andi Bieber und Wolfgang Pampel. Viktor Gernot schlüpfte zum definitiv letzten Mal in die Uniformsjacke. Er verließ bereits 1997 das Genre Musical, um ab diesem Zeitpunkt mit den Hektikern Karriere zu machen. Mittlerweile ist er ein gefeierter Comedian und Solokünstler.

Maya Hakvoort und Maté Kamarás, Foto: @VBW

Ab 6.10.2003 bis 4.12.2005 kam Elisabeth wieder zurück nach Wien. Maya Hakvoort übernahm erneut die Elisabeth. Máté Kamarás wurde Der Tod und Serkan Kaya Luigi Lucheni.

André Bauer, Maté Kamarás, Maya Hakvoort, Foto: Alexander Ch. Wulz

Maya Hakvoort über die Rolle ihres Lebens: „Ich wollte so nah wie möglich an das Original herankommen. Ich wollte zeigen, wer Elisabeth wirklich war. Um das auf der Bühne glaubhaft zu vermitteln, habe ich wahnsinnig viel über sie gelesen und bin an viele Orte, an, welchen sie auch war, gereist. Ich war auf Korfu, Madeira, natürlich in Bad Ischl und Wien. Aber auch im Schloss Gödöllö in Ungarn und auch sonst bin ich viel durch Ungarn gereist, da ich wusste, wie viel Elisabeth dieses Land bedeutete.“ (8)

Maya Hakvoort vor dem Schloss Miramare in Triest, Foto: Rolf Bock

2x gastierte Elisabeth in Triest im Schloss Miramare. Vom 21.7. – 27.7.2004 und vom 31.7. – 6.8.2005. Beide Male begrüßte Maya Hakvoort ihr Publikum. Ihr zur Seite standen Thomas Borchert als Der Tod und Bruno Grassini als Luigi Lucheni.

Nach Deutschland kehrte es am 6.3.2005 zurück. Im Apollo Theater in Stuttgart gastierte es bis zum 17.9.2006. Nur einige Gastvorstellungen wurden von Pia Douwes gespielt.

Thérèse Karlsson, Tomi Metsäketo. Foto: Turun kaupunginteatteri, Robert Seger

Auch das finnische Publikum durfte sich über unsere Kaiserin Elisabeth freuen. Vom 23.9.2005 bis 30.12.2006 wurde es in Turku im Turun Kaupunginteatteri gespielt.

 

 

 

Willemijn Verkalk, Christoph Goetten, Foto: Thuner Seespiele

Die Schweizer Fangemeinde freute sich über Elisabeth in Thun bei den Thuner-Seespielen. Es gastierte vom 19.7. bis 30.8.2006 auf der wunderschönen Seebühne.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Berlin Foto: Theater des Westens

Uwe Kröger und Pia Douwes kehrten als Der Tod und Elisabeth nach Berlin auf die Bühne zurück. Vom 20.4. bis 27.9.2008 feierten sie im Theater des Westens furiose Erfolge.

 

 

 

Annemieke van Dam, Foto: @VBW

Annemieke van Dam übernahm erstmalig die Rolle bei der großen Europatournee, die sie vom 17.10.2008 bis 25.4.2010 durch Zürich, Antwerpen, München, Frankfurt, Bremen, Bregenz und Düsseldorf führen sollte. Der Tod wurde Oliver Arno, aber auch Uwe Kröger übernahm immer wieder Gastauftritte.

Die zweite Europatournee wurde am 11.10.2011 gestartet und lief bis zum 6.5.2012. Die Städte waren: Köln, Frankfurt, München, Basel, Essen, Bremen, Chemnitz, Erfurt, Leipzig, Dresden, Triest.

Annemieke van Dam übernahm wieder die Elisabeth und Der Tod wurde niemand geringerer als Mark Seibert. Man kann sagen: Er kam – sang – und siegte. Nach Uwe Kröger sollte kein weiterer Tod diesen Hype miterleben, wie Mark Seibert. Seine weitere Karriere ist bis heute grenzenlos: Mozart, Schikaneder, Tanz der Vampire – um nur einige Stationen zu nennen.

Mark Seibert Foto: @Herbert Schulze

Mark Seibert über die Rolle: „In einem Musical sind die Rollen in gewisser Weise wie ein Korsett vorgegeben. Man hat die Texte, die Songs und auch das „Staging“ – also die Form, wie ein Darsteller in der Szene agieren muss. Die technischen Abläufe sind im Musical sehr klar festgelegt, und diese Vorgaben bieten nicht sehr viel Freiraum. Doch bei der Interpretation einer Rolle wird einem immer ein gewisser Spielraum eingeräumt, innerhalb dessen man agieren und sich entfalten kann. So durfte ich die Rolle des Todes trotzdem mit meiner eigenen Note versehen und sie zu der meinen machen.“ (9)

Und wer glaubt, dass dieser Triumphzug schon alles war, irrt.

Korea Foto: @SCE.PLAY.ssongbs

Selbst Korea war im Elisabeth Fieber. Vom 9.2. bis 13.5.2012, 26.7. bis 7.9.2013 und 14.9. bis 20.10.2013 wurde es an verschiedenen Theatern und Orten aufgeführt. Mit dabei Seoul, Busan, Daegu, Gwangju und Changwon.

Daniela Ziegler, Annemieke van Dam, Foto: @barbara2446

Die 20jährige Jubliäumsproduktion wurde wieder in Wien – diesmal im Raimundtheater – eingeläutet. Vom 5.9.2012 bis 1.2.2014 durfte das Publikum wieder „ihre“ Elisabeth in Wien sehen. Cast war niemand anderer als Annemieke van Dam als Elisabeth, Der Tod Mark Seibert und als Luigi Lucheni war erstmals Kurosch Abbasi in Wien zu sehen. Hier gab es eine ganz besondere Erzherzogin Sophie zu hören. Niemand geringerer als die Grand Dame des Schauspiels und Gesangs Daniela Ziegler – „die“ Norma Desmond aus Sunset Boulevard – übernahm diesen Part.

Roberta Valentini, Maximilian Mann in Shanghai/China, Foto: @Liza Makepise
Plakat zum Konzert in Osaka mit Maya Hakvoort, 2012, Foto: @kultur-channel.at

Aber auch Osaka/Japan durfte sich über ein 20jähriges Jubiläumskonzert freuen. Vom 15.10. bis 22.10.2012 und vom 26.10. bis 31.10.2012 gastierte es erneut in Japan. Mit dabei waren Maya Hakvoort, Máté Kamarás, Lukas Perman, Bruno Grassini, André Bauer usw. 

Als es endlich nach China kam, war der Aufschrei in der Presse riesengroß. Niemals zuvor hat es ein Stück der VBW nach China geschafft. Vom 12.12.2014 bis 11.1.2015 gastierte in Shanghai Elisabeth. Und hier treffen wir auf die vorletzt letzte Elisabeth: Roberta Valentini. „Ihr“ Tod war natürlich Mark Seibert, Luigi Lucheni Kurosch Abbasi.

Roberta Valentini Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Roberta Valentini über Elisabeth: „Sie ist eine starke, selbstbewusste und liebende Frau. Viele sagen, dass sie egoistisch sei, was sicher auch in gewisser Weise stimmt. Aber sie ist auch eine einfühlsame und liebende Frau. Diese Balance zu spielen ist schwer und gleichzeitig auch das Reizvolle daran.“ (10)

Mit dieser Besetzung ging die 3te und vorläufig letzte Europatournee los. Vom 25.2.2015 bis 14.2.2016 führte die Tournee nach Essen, München, Linz, Frankfurt und Berlin

Und wer Elisabeth jemals gesehen hat, wird wissen, dass dies nicht die letzte Aufführung gewesen sein wird.

Auch wenn sich das Stück im Laufe der Zeit verändert hat, Lieder hinzugeschrieben, Szenen verschwanden oder umgeändert oder neu platziert wurden, so ist dieses Musical etwas ganz besonderes. Auch, wenn mir persönlich nicht alle Änderungen gefallen und ich so manch Kostüm scheußlich finde – der Charakter ist geblieben. Aber 1992, ja 1992 war etwas ganz besonderes. Und wer dabei war, wird jetzt ein kleines Lächeln auf den Lippen haben… 

Zum Schluss möchte ich noch Sylvester Levay zu Wort kommen lassen, der sicherlich am meisten geprägt wurde. Seine Frau Monika Levay ist eine anerkannte Expertin und Sammlerin. Ihre Original Exponate waren schon oftmals in mehreren Ausstellungen zu sehen; oft wird sie zu Expertisen rund um Kaiserin Elisabeth herangezogen. Sylvester Levay kann Kaiserin Elisabeth gar nicht entfliehen – immerhin bewohnt er einen Teil im Schloss Schönbrunn und hat sie somit täglich vor Augen.

Sylvester Levay Foto: @Privat über ooe.orf.at

„Wir wollten kein Musical, wie es auch wunderbare Stücke am Broadway gibt, schreiben, in denen Lieder von kurzen Texten, in denen die Geschichte erzählt wird, unterteilt werden. Bei uns sollten nur die wichtigsten, kurze Sätze in der Stille wirken, sonst wollten wir immer eine Untermalung, damit die emotioniale Bedeutung und Tiefe der gesprochen Worte durch die Musik noch besser vermittelt wird.“ (11)

Und das können wir so stehen lassen…

Wir Zuseher müssen auch mal DANKE sagen!

Danke lieber Michael Kunze, Sylvester Levay, Peter Weck, Harry Kupfer, Pia Douwes, Uwe Kröger, Ethan Freemann, Maya Hakvoort, Máté Kamarás, Roberta Valentini, Mark Seibert und ALLE anderen (wer nicht aufgezählt wurde, soll sich bitte nicht benachteiligt fühlen).

Danke für wunderbare Theaterstunden. Wir freuen uns bis zur nächsten Aufführung, wenn es heißt…


Alle tanzen mit dem Tod, doch niemand wie …

 

Foto: sternenkaiserin

 

 

~ Marie ~

 


Literarische Hinweise: 

1 – S 299/300, 5 – S 303
Peter Weck
War’s das?
Amalthea 2010, 1. Auflage

2 – S 4, 3 – S 10, 4 – S 35, 6 – S 21, 7 – 27, 8- 99, 9 – S 171, 11 – S 8
Blickpunkt Musical
Elisabeth

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Blickpunkt Musical
Elisabeth – Shanghai & Europa Tournee 2015/16


Text: Marie Festetics, Blickpunkt Musical

Bildrechte: Privat, Privat über ooe.orf.at, La Belle/Juliane Bischoff, Liza Makepise, barbara2446, SCE.PLAY.ssongbs, VBW, Thuner Festspiele, Theater des Westens, Robert Seger, Rolf Bock, Alexander Ch. Wulz, tansytrading.weebly.com, tansytrading.weebly.com, Joop van den Ende Theaterproductions, Jean-Marie Bottequin, Amazon.de, angelofthemusical, APA (Privat), lewin-management.de, Takarazuka Revue Theater, Sternenkaiserin
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Erzherzogin Sophie

Copyright Archiv, frei lt. Hrn Georg Markus
Erzherzogin Sophie, Foto:  Wikimedia/Commons

„Und eine Kaiserin gehört zum Kaiser.“
Wer hört sie nicht? Dieses „Singsang“  in der Stimme von Vilma Degischer, die in der Sissi-Trilogie mit Romy Schneider die böse intrigante Schwiegermutter dargestellt hat und man sie als Sissi – Fan so richtig schön hassen konnte. Wirklich viel wusste man von Erzherzogin Sophie nicht zum Zeitpunkt der Filme, aber mittlerweile gibt es 2 Biografien, die so ein ganz anderes Bild der Kaiserin Mutter zeigen; aber leider ist das Bild der bösen Schwiegermutter auf ewig geprägt.

Hier erfolgt ein Versuch, das etwas andere Bild der Erzherzogin Sophie zu zeigen, die eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, kurz Maximilian Joseph I. oder König Max, hatte bereits 5 Kinder aus erster Ehe, aber Königin Auguste Wilhelmine Marie von Hessen-Darmstadt starb am 30.3.1796.

Stammbaum von Vater Max mit seiner 1. Ehefrau Auguste Wilhelmine, Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: sternenkaiserin.com – Marie 

Am 9.3.1797 ehelichte der König Prinzessin Friedericke Karoline Wilhelmine von Baden.

Prinzessin Sophie Friederike Dorothea Wilhelmine von Bayern kam mit ihrer Zwillingsschwester Maria Anna Leopoldine Elisabeth von Bayern (spätere Königin Maria Anna von Sachsen, † 13.9.1877) am 27.1.1805 in München zur Welt. Ihre Schwester Ludovika kam 1808 zur Welt und wurde in späterer Folge die Mutter von Kaiserin Elisabeth. Unser Beitrag zu Ludovika kann hier nachgelesen werden.

Stammbaum Erzherzogin Sophie Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum – sternenkaiserin.com – Marie 
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Luise (Ludovika), Sophie und Maria Anna, Bild nach Joseph Karl Stieler, 1812, Foto: Wikimedia/Commons 

Sophie und ihre Geschwister wuchsen sehr liebevoll auf. Ihre Eltern haben sich beide – zumindest es deren Zeit zuließ – außerordentlich liebevoll um die Kinder gekümmert. Bereits mit 5 Jahren konnte Sophie lesen und schreiben und schrieb ihrem Vater und ihrer Mutter heiße Liebesbriefe, wenn diese abwesend waren. Sophie wurde in der Familie Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer genannt. (1)

Ab ihrem 4. Lebensjahr bekam Sophie Unterricht in Französisch, Physik, Geschichte, Lesen/Schreiben usw.; auch Theater- und Ballettabende standen auf dem Programm. Sophie war Zeit ihres Lebens eine glühende Verehrerin von den schönen Künsten. Sie ging ausgesprochen gerne ins Theater und in die Oper.

Sophie und Maria Anna waren die erklärten Lieblingskinder ihres Vaters, Sophie verehrte Zeit ihres Lebens ihre Mutter, was zahlreiche Briefe belegen. Als ihre Mutter am 13.11.1841 starb, fing Sophie an, ihre Gedanken in ein Tagebuch zu schreiben.

Schon zu Kinderzeiten schrieb sie glühende Briefe an ihre Eltern:

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Elisabeth und Amalie mit der kleinen Maximiliane „Nini“, 1814 nach Joseph Karl Stieler, Foto: Wikimedia/Commons

An ihre Mutter, die mit ihrem Mann König Max, zum Wiener Kongress 1814/15 in Wien weilte schrieb die 9jährige Sophie:
„Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (2)

Schon zu Kinderzeiten musste Sophie einen herben Verlust verarbeiten. Das Nesthäckchen, Maximiliane Josepha Karoline von Bayern, welche am 21.7.1810 geboren wurde und der erklärte Liebling von Mutter und Kindern war, starb am 4.2.1821 11jährig an Typhus. Zeit ihres Lebens gedachte Sophie ihrer geliebten „Nini“, wie sie genannt wurde, zum Todestag.

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Erzherzogin Sophie, nach einer Lithographie von Josef Kriehuber 1836, Foto: erzherzoginsophie.at

Als Sophie 19 Jahre alt war, wurde sie mit Erzherzog Franz Karl vom Österreichischen Kaiserhaus verlobt. Franz Karl soll angeblich gleich Feuer und Flamme gewesen sein, als er seine zukünftige Braut erblickte. Bei Sophie war es eher Fügung in ein Schicksal. Ihr zukünftiger Ehegemahl war leider geistig schwach und auch sonst nicht wirklich fähig, eine große Karriere einzuschlagen. Unser Beitrag zu Erzherzog Franz Karl kann hier nachgelesen werden.

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Erzherzog Franz Karl, Lithographie, 1850 Josef Kriehuber, Foto: Wikimedia/Commons

Sein Bruder Ferdinand, der in die Geschichte als Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“ einging, traf es noch schlimmer. Seine geistigen Eigenschaften waren noch weniger vorhanden als bei Franz Karl.  Wobei auch hier die Mythen um sich ranken. Die einen Biografen schreiben, er sei geistig minderbemittelt gewesen, die anderen, er hatte überaus geistige Fähigkeiten, da er 5 Sprachen sprach. Fakt ist, Ferdinand hatte schwere epileptische Anfälle, in späteren Jahren schrieb Sophie sehr spöttische Briefe über sein Aussehen und sein Verhalten.

Am 4. November 1824 wurde die Hochzeit in Wien in der Augustinerkirche abgehalten und Sophie nahm einen sehr tränenreichen Abschied von München, ihrer Mutter und ihren verbliebenen Geschwistern. Sie schrieb lange, auch 3 Jahre später, immer noch tränenreiche Briefe an ihre Mutter, wie sehr ihr die Heimat fehlen würde.

Wenn man dazu die Szenen mit Vilma Degischer und Karlheinz Böhm vergleicht, wo Vilma Degischer als Erzherzogin Sophie ihrem Sohn Kaiser Franz Joseph das Tagebuch von Kaiserin Elisabeth vorlegt, wo diese über Heimatweh klagte, vermag man sich das kaum vorstellen, dass Erzherzogin Sophie kein Verständnis für diese überaus schwierige Situation gehabt haben mochte. In den Biografien lassen sich hier nur ein paar Kapitel finden, wo Sophie mit Sisi nicht zufrieden war, aber Erzherzogin Sophie hasste Sisi nicht so sehr, wie allgemein die Auffassung war. Aber dazu kommen wir später.

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Kaiser Franz II/I 1832, Ölgemälde, Friedrich von Amerling, Foto: habsburg.net, Schloss Schönbrunn

Auch die echte Erzherzogin Sophie litt unter der Trennung und konnte den Schmerz kaum verarbeiten. Ein glühender Sophie Verehrer wurde ihr Schwiegervater Kaiser Franz II./I. „…der Kaiser überhäuft mich mit seiner Güte und es scheint, als wolle er mir den zärtlichen, den besten Vater ersetzen, den ich verloren habe.“ (Brief an Großmama) (3)

Auch über ihre Ehe und ihre Schwangerschaftsfortschritte schrieb sie viele Briefe, vor allem an ihre Mutter Königin Karoline und Großmama „…man kann nicht liebenswürdiger sein als mein Gemahl – und er liebt mich so zärtlich – ….“ (4)

Sophie erlitt insgesamt 11 Fehlgeburten. Die erste Zeit machte sie sich noch keine allzu große Sorgen, doch auch nach 6 Jahren Ehe wollte sich kein Thronfolger einstellen und sowohl Sophie, als auch Kaiser Franz II./I. wurden nervös. Sie wurde auf verschiedene Kuren geschickt, u.a. ins gerade entdeckte Bad Ischl zu den Solebädern. So kurte Sophie in Bad Ischl und 1830 stellte sich endlich der ersehnte Erfolg ein.

Am 18.8.1830 kam jedenfalls der ersehnte Sohn und Thronerbe Erzherzog Franz Joseph Karl, nach einem 2 Tage und Nächte dauernden Geburtsmarathon zur Welt. Sophie war trotz schwerster Strapazen im 7ten Himmel. Der Thronfolger wurde mit 101 Kanonenschüssen begrüßt.

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Stammbaum mit den überlebenden Kindern von Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie, Fotos: Wikimedia/Commons 
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Gustav, Prinz von Wasa, Lithographie von Josef Kriehuber ca. 1830, Foto: Wikimedia/Commons

Zeit seines Lebens, wurde gemunkelt und getuschelt, dass nicht die Kuren in Bad Ischl für den Erfolg der Kindsgeburt zuständig waren, sondern Gustav von Holstein-Gottorp, Prinz von Schweden, ab 1829 Prinz von Wasa (*9. Nov. 1799, † 4.8.1877). Dieser lebte im Exil in Wien und ging bei Hofe ein und aus. Sophie und Prinz Wasa wurde eine heftige, leidenschaftliche Affäre nachgesagt. Nicht nur Erzherzog Franz Joseph, auch Erzherzog Ferdinand Maximilian sollen angeblich die Kinder dieser Affäre sein. Bestätigt werden konnte das Gerücht nie. Sophie war eine sehr strenggläubige Frau und in ihren Tagebuchaufzeichnungen lassen sich keine Hinweise zu einem Betrug finden. Trotzdem wurden beide Söhne „Wasa-Buben“ genannt.

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Napoleon Franz Bonaparte, Herzog von Reichstadt, Radierung, Bild: Habsburg.net, Schloss Schönbrunn

Bei Erzherzog Ferdinand Maximilian wurde aber auch Napoelon Franz Bonaparte, besser bekannt als Herzog von Reichstadt (*20.3.1811, † 22.7.1832) als Vater gehandelt. Herzog von Reichstadt war ein inniger Vertrauter von Sophie und ging Privat bei ihr Ein und Aus. Um diese Freundschaft näher zu beleuchten, werden wir in weiterer Zukunft einen eigenen Beitrag zu Herzog von Reichstadt veröffentlichen.

Das Gerücht, dass er der Vater sei, wurde sogar von Erzherzog Ferdinand Maximilian, der Kaiser von Mexiko werden wollte, selbst wieder angeheizt. Auch dieses Gerücht bestätigte sich nie.

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Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Joseph; Joseph Karl Stieler, etwa 1831, Foto: Wikimedia/Commons

Sophie war eine sehr liebende Mutter, etwas übervorsichtig und leicht hysterisch. So durfte der kleine Erzherzog einmal sein Zimmer im gesamten Winter bis fast Ende März nicht verlassen, weil er sich mit einer Verkühlung anstecken hätte können. Heute würde man zu einer solchen Mutter „Helikopter-Mutter“ sagen. Aber den Ausdruck gab es damals noch lange nicht und man hätte sich sowieso nicht getraut, am Wiener Hofe so etwas auszusprechen.

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Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia, 1837, Lithographie Josef Kriehuber Foto: Wikimedia/Commons

Herbe Verluste erfuhr Sophie als ihr inniger Vertrauter Herzog von Reichstadt, Napoleon Franz Bonaparte, mit 21 Jahren am 22.7.1832 in Schloss Schönbrunn an Tuberkulose starb. Sophie trauerte lange um ihren Freund. Als 1840 ihr kleines Mädchen, Erzherzogin Maria Anna starb (unser Beitrag zu Maria Anna Carolina Pia) war Sophie untröstlich. Auch musste sie 1840 eine Totgeburt (Sohn) hinnehmen, ihr Körper war zu diesem Zeitpunkt stark geschwächt. Die vielen Fehlgeburten und Verluste nagten an Sophie und ihre Krankheiten kurierte sie nicht mehr so richtig aus. Auch nach der Geburt von Erzherzog Ludwig Viktor (1842) erlitt Sophie noch Fehlgeburten, die ihr immer mehr zu schaffen machten.

 

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Erzherzog Franz Karl, Erzherzogin Sophie mit Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzogin Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna, ca. 1836, Bild: Donaumonarchie.com

Sie liebte alle ihre Kinder, aber bei keinem verschwendete sie so viel Energie und Aufmerksamkeit wie an Franzi. Franzi wurde teilweise sogar abgesondert, durfte mit den Kindern der am Hof lebenden Familien nicht spielen und wurde immer als „etwas Höheres“ gesehen. Sophie wurde in späteren Jahren immer vorgeworfen, dass genau das der Grund sei, warum Kaiser Franz Joseph mit anderen Menschen nur schwer oder gar nicht umgehen konnte. Zeit seines Lebens tat er sich mit Small Talk schwer und hatte kaum, bis gar kein Feingefühl für andere Menschen. Er galt als gefühlsarm und oberflächlich. Franzi war ein einsames Kind und Kaiser Franz Joseph sollte es bis zum Tod bleiben.

Sophie glaubte an die Monarchie und war immer davon überzeugt, dass die Monarchie die einzig Wahre ist. Der Monarch hatte die Macht und das Volk hatte dankbar zu sein. Auch wenn sie Zeit ihres Lebens Schirmherrin für verschiedene Vereine und Institutionen Geld aus ihrem Privatvermögen spendete, stand sie auf dem Standpunkt: „Das Volk habe dem Kaiser zu dienen.“ Dass aber das Volk nach einer Änderung dürstete und die Knechtschaft unter den Habsburgern satt hatte, sah sie nicht. Sie lehnte jede Reform ab. Allerdings geriet ihre Welt ein paar Mal ins Wanken, vor allem, als ihr Schwiegervater Kaiser Franz II./I. am 2.3.1835 starb. Ihr größtes Problem wurde es, Kaiser Ferdinand I. anzuerkennen. Ihr einziger Triumpf am Wiener Hofe, waren die Kinder. Vor allem Franz Joseph, da er als Thronfolger galt. Schon Kaiser Franz II./I. nahm keine Reformen an, Ferdinand I. war dazu noch weniger in der Lage. Die erste Zeit lobte Sophie die Regentschaft ihres Schwiegervaters. Erst Jahre später ärgerte sie sich sehr, dass Kaiser Franz II/I so langsam und stagnativ seine Herrschaft betrieben hatte. An Änderungen war sie selbst aber nicht interessiert. Auch Franz Joseph sollte keine Reformen zulassen und steckte genauso in den alten starren Gepflogenheiten seines Großvaters fest.

 

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Erzherzogin Sophie, 1866 Foto: Wikimedia/Commons

Sophie legte Wert auf einen geregelten Tagesablauf: 7.00 Uhr – 7.30 Uhr Aufstehen, Messe, danach Frühstück mit den Kindern. Nachdem sie die Post erledigt hatte, wurde mit den Kleinen gespielt (Schnick Schnack Schnuck, Schwarzer Peter usw.). Bei Franz Joseph und Max wohnte sie beim Unterricht bei. Mittagessen um 16.00 Uhr (was sehr spät war). Hier empfing sie Gäste. Abends empfing sie in ihrem Salon weitere Gäste und hielt „Thee“stunde ab. Sophie schätzte auch „Diners“, fuhr gerne nach Laxenburg, ging gern im Schlosspark von Schloss Schönbrunn spazieren, liebte die Menagerien und den botanischen Garten. In späteren Jahren ging sie mehrmals am Tag in die Messe. Weiters liebte sie es zu sticken. Bis ins hohe Alter stickte sie Messgewänder.

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Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“, 1847, Leopold Kupelwieser, Bild: Habsburger.net, Schloss Schönbrunn

Sie war auch die Einzige am Wiener Hof, die sich für Politik interessierte. So war sie diejenige, die sehr viele Zeitungen (u.a. Neue Freie Presse, Wiener Zeitung etc.) abonniert hatte, die sie überall mithin nahm, um sie am Tag verteilt zu lesen. Während der Regentschaft von Kaiser Ferdinand I. war sie zum Nichtstun verpflichtet. Sie wusste, wenn sie sich einmischen würde, ihr das sehr Übel genommen werden würde.  Als aber 1848 die Revolution ausbrach, sah sie ihre Chance. Ferdinand, gesundheitlich schwer angeschlagen, musste abdanken. An seiner Stelle wäre Sophies Ehemann, Erzherzog Franz Karl an den Thron gekommen. Doch Sophie dirigierte ihren einfältigen Mann in die andere Richtung. Als der schließlich zustimmte, wurde am 2. Dezember 1848 ihr 18jähriger Sohn Franz Joseph Karl zum Kaiser. Auch der Name von Kaiser Franz Joseph wurde von Sophie bestimmt. Ihr Franzi, sollte einzigartig in der Geschichte sein. Sophie bestimmte den Namen Kaiser Franz Joseph I. Dass dieser Kaiser 68 Jahre regieren würde, konnte damals noch keiner ahnen. Und das es ausgerechnet der nicht allzu sehr beachtete Erzherzog Karl Ludwig sein würde, der mit seinen Kindern die Monarchie retten würde, auch nicht. Aber ich greife viel zu weit vor.

Sophie war auch vor ihrer Mutterschaft eine ausgezeichnete Reiterin, die an Treibjagden teilnahm. Oft und gerne begleitete sie ihren Mann zum Jagen. Allerdings hasste sie es, dass die Tiere getötet wurden und atmete immer auf, wenn Franz Karl nicht traf oder sich kein Wild finden ließ. Das änderte sich aber schlagartig, als sie anfing schwanger zu werden und die Kinder wieder verlor. In späteren Jahren verfiel sie auch den Geisterséancen, die zu dieser Zeit sehr häufiger Zeitvertreib war. Franz Joseph nahm bei einigen Séancen teil, nahm es aber nicht ernst. Dass es gerade ihr Enkel, Kronprinz Rudolf, sein würde, der einem der größten Scharlatane dieser Zeit sein Handwerk legen würde, hätte sich Sophie, die an diesen ganzen Humbug tatsächlich glaubte, niemals gedacht. Aber auch das ist Thema eines anderen Beitrages.

Als Kaiserin Mutter war Sophie eine noch resolutere Erscheinung, als sie ohnehin schon war. Sie erlaubte sich sogar die wichtigsten Gespräche mit Ministern zu unterbrechen, wenn sie meinte, ihren Franz sprechen zu müssen. Es ist nicht verwunderlich, dass der Wiener Hof sie „Der einzige Mann bei Hofe“ nannte. In wie weit Sophie in die Politik von Franz Joseph eingriff ist nicht bekannt; allerdings kann man einen gewissen Einfluss nicht verbergen, denn die Ansichten, die gerade der junge Kaiser vertrat, waren gleichgestellt mit der seiner Mutter.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werden. Uns geht es einzig darum, die Personen und deren Charakter bzw. Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen. Danke!

Als der Kaiser 23 Jahre alt wurde, wurde es Zeit für ihn zu heiraten. Auch hier zeigte sich Sophie als die Strippenzieherin. Sie fackelte nicht lange herum und sah sich in ihrer eigenen Familie um und wurde schnell fündig. Die Auserwählte war Herzogin Helene in Bayern“, Tochter von Herzogin Ludovika in Bayern und Herzog Max in Bayern“ Das es „ausgerechnet“ Elisabeth war, in die sich Franz Joseph verliebte, war von Sophie weder vorhergesehen, noch gewollt. Doch für dieses eine Mal – eines der wenigen Augenblicke im Leben von Franz Joseph – setzte er sich gegen die strenge Mutter durch. Er heiratete Sisi.

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Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Viktor). Fotografie von Ludwig Angerer, 1860, Foto: Wikimedia/Commons

Sophie fügte sich und nahm Sisi unter ihre Fittiche. An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir der Beziehung Elisabeth und Sophie einen eigenen Beitrag widmen werden.

Auch bei Erzherzog Ferdinand Maximilian, Sophies erklärter Lieblingssohn und Erzherzog Karl Ludwig ging sie auf Brautschau. Erzherzog Karl Ludwig musste insgesamt sogar 3x heiraten, weil 2 seiner Frauen verstarben, dies arbeiten wir jedoch gesondert beim Beitrag zu Karl Ludwig auf. Erzherzog Ludwig Viktor sollte nie verheiratet werden, warum und weshalb, wird auch in seinem Beitrag näher erörtert werden.

Sophies größter Verlust war, als sich ihr Sohn Ferdinand Maximilian, genannt Max, 1864 entschloss nach Mexiko zu gehen, um Kaiser von Mexiko zu werden. Sophie und Sisi waren entsetzt und versuchten den ehrgeizigen Bruder/Schwager aufzuhalten. Doch dessen Frau Charlotte war enorm ehrgeizig. Sie wollte Kaiserin werden und stand damit in direkter Linie zur Rivalität zu Elisabeth. Das einst sehr gute Verhältnis zu Max änderte sich schlagartig mit der Hochzeit mit Charlotte. Sisi hasste fortan die belgische Prinzessin, die zu dem auch als Schönheit bekannt war. Aber auch Max war sehr ehrgeizig. Zwischen Max und Franz bestand immer eine gewisse Rivalität und er konnte es nicht ertragen, dass Franz Joseph den höheren Status hatte, er wollte ebenso Kaiser eines Landes sein. Auch zu Max, wird es noch einen eigenen Beitrag geben.

Als Sophie 1867 vom Tod des Sohnes in Mexiko erfuhr, brach sie zusammen. Ihr Schmerz war grenzenlos. Sie zog sich nach Bad Ischl zurück, allerdings fand sie keine Ruhe.

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Erzherzogin Sophie, 1872, von Vinzenz Katzler, Foto: Wikimedia/Commons

Hofdame Fürstenberg schrieb an ihre Schwester: „Meine arme Erzherzogin ist recht gealtert, das Wort cassée (gebrochen) ist das richtige. Es ist ein stiller Schmerz, voll Ergebung, ohne Bitterkeit und dabei das Bestreben, keinem Menschen damit zur Last zu fallen. Fremde sind ihr peinlich, sie meidet sie und ging Sonntag um 7 Uhr in die Messe, zur Betrübnis der Ischler, die gerne gesehen und sich erzählt hätten, welches Gesicht sie macht. Das hübsche kleine Gartl, in das ihr niemand sehen kann, ist jetzt die wahre Wohltat für sie.“ (5)

Der Schmerz war so enorm, dass sich Sophie für lange Zeit nach Possenhofen zurückzog, wo gerade Helene Thurn und Taxis (Nénè) den Tod ihres Mannes Maximilian Anton und Carl Theodor den Tod seiner Frau Sophie betrauerte. Dort empfing sie Admiral Wilhelm Tegetthoff, der ihr die Jacke von Max brachte. Nach und nach trafen auch die letzten Briefe von Max ein, in denen er sich für die Liebe und Freundschaft bedankte.

Sophie notierte in ihr Tagebuch: „Aber die Erinnerung an die Martern, durch die er gehen musste, an seine Verlassenheit fern von uns geht mit mir durchs Leben und ist ein unbeschreiblicher Schmerz.“ (6)

Kronprinz Rudolf schrieb seiner Großmutter seinen süßen Brief: „Meine liebe, liebe Großmama! Mir ist um den Onkel Max sehr leid und ich bedaure Dich, liebe Großmama sehr, weil du wieder so viel Kummer und Schmerz hast. Ich will alles Mögliche tun, um Dir, liebe Großmama Freude zu bereiten.“ (7) (Marie Anmerkung – Kronprinz Rudolf war zum Zeitpunkt des Todes von Onkel Max 9 Jahre alt).

3 Monate dauerte die Überstellung des Leichnams von Mexiko nach Wien. Der Leichnam war in einem exorbitanten Zustand. Leider sind sich hier die Biografen nicht einig. Ingrid Haslinger beschreibt in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs“ -, dass Sophie den Leichnam, aufgrund der monatelangen Odyssee der Überstellung, nicht mehr zu Gesicht bekam.  Anna Ehrlich und Christa Bauer schreiben in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof“, dass Sophie den Leichnam ihres Sohnes zu Gesichte bekam und der „Leichnam in einem wohl erhaltenen Zustand sei“. Das vermag ich persönlich kaum zu Glauben. Wie auch immer; beide Varianten waren für die gramgebeugte Mutter wohl zuviel.

Sarkophag, Kapuzinergruft Foto: sternenkaiserin.com – Marie
Tafel zum Sarkophag, Kapuzinergruft Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Nach diesem schweren Schicksal erholte sich Sophie nicht mehr. Sie zog sich komplett zurück, ging noch mehr zur Messe und nahm auch die Eskapaden ihrer Schwiegertochter Sisi nicht mehr ernst. Eine Krankheit jagte die andere, keine wurde mehr richtig kuriert.

Nur 5 Jahre nach Max verließen Sophie die Kräfte. Am 28. Mai 1872 starb sie in der Wiener Hofburg. Sie wurde in der Kapuzinergruft beerdigt. ∏

~ Marie ~

 

 

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: habsburg.net, erzherzoginsophie.at, donaumonarchie.at, Peter Geymayer, Forum.Alexanderpalace.org, Wikimedia/Commons
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at
Stammbaum: Marie 
Textrechte: Marie Festetics, Ingrid Haslinger, Anna Ehrlich und Christa Bauer, Michaela und Karl Vocelka


Literaturhinweise:

Zitate: 1 – S. 23, 2 – S 25, 3 – S 35, 4 – 35
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

Zitate 5 – S 176, 6 – S 273, 7 – S 274
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof, Amalthea, 2016, 1. Ausgabe

Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich König von Ungarn