Das Spanische Hofzeremoniell – Hofetikette

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Herzog Phillip „der Gute“

Das spanische Hofzeremoniell, wie es Romy Schneider als „Sissi, die junge Kaiserin“ seitenweise von Hofdame Esterházy (Helene Lauterböck) in die Hand gedrückt bekam, um den „Unsinn“ auswendig zu lernen, gab es nicht.

Es wurde zwar am Wiener Hof sehr streng das „Hofzeremoniell“ abgehalten, doch wie so vieles in der Sissi-Trilogie ist auch das „Spanische Hofzeremoniell“ eine reine Erfindung eines windigen 50er Jahre Regisseurs.

Das „Spanische Hofzeremoniell“ wurde am Wiener Hof bis zu Kaiser Joseph II (*13.3.1741, †20.2.1790) praktiziert, danach wurde es immer wieder erweitert und nur noch „Hofetikette“ oder „Hofzeremoniell“ genannt. Dabei handelte es sich auch nicht um ein Heft oder Buch mit Paragraphen, welches auswendig gelernt werden musste – und schon gar nicht von Sisi – ergo von Kaiserin Elisabeth.

Das „Hofzeremoniell“ wurde von den Herzögen von Burgund im 15. Jahrhundert entwickelt. Diese Herzöge entstammten aus einer Nebenlinie aus dem französischen Königshaus und herrschten über die Niederlande. Herzog Philipp „der Gute“ (*31.7.1396, †15.6.1467) erweiterte das „Hofzeremoniell“ in dem in weiterer Folge das „Goldene Vlies“ und der „Ritterorden“ dazu gehörte. Damit wollte er seine höchsten Untertanen adeln und auszeichnen.

Durch die Erbfolge gelangte die Niederlande an die Habsburger und so an Kaiser Karl V (*24.2.1500, †21.9.1558), der zuerst das Heilige Römische Reich und später in Spanien regierte. Er übernahm das Hofzeremoniell, nahm es nach Spanien mit und perfektionierte es. Sein Bruder Ferdinand (*10.3.1503, †25.7.1564), der zwischenzeitig Kaiser Ferdinand vom Heiligen Römischen Reich war, übernahm das

„Spanische Hofzeremoniell“

seines Bruders, welches bis zu Kaiser Joseph am Wiener Hof als Hofetikette verblieb.

Der Rest ist ein Ammenmärchen eines hübschen kitschigen Nachkriegsfilmes, der nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat und leider bis heute den Unsinn verbreitet real zu sein.

Jeder Obersthofmeister gab sein Wissen an den neuen Obersthofmeister weiter und so wurde die Hofetikette erweitert und „etikettiert“. Von Audienzen, Hochzeiten, Staatstrauer, Begräbnissen, Huldigungen usw. war alles bis aufs Strengste festgelegt. Wer durfte wie lange vor den Kaiser treten, wie musste die Verbeugung aussehen und wer durfte das Goldene Vlies erhalten.

Wie kam es aber zum Goldenen Vlies oder was ist ein Obersthofmeister oder ein Flügeladjutant. Und welche Aufgabe hat genau eine Hofdame und warum musste diese unverheiratet sein? All diesen Fragen versuche ich mit diesem Beitrag auf die Spur zu gehen.

Beginnen wir mit der höfischen Anrede

Kaiserin Eisabeth
Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth

Kaiserin Elisabeth wird heute vielerorts, vor allem im Internet, Facebook, Instagram, TV, Medien, Zeitschriften, Büchern und sogar in historischen Büchern Kaiserin Sisi genannt.

Ein Fauxpas und ein Frevel sondergleichen.

Kaiserin Sisi gab es nicht!

Sisi war ihr Kosename und den durften nur ihre aller engsten Vertrauten verwenden.

Diese waren ihr Mann Franz (Joseph), ihre Mutter, ihre Geschwister, ihre Schwägerinnenn und die Personen, denen sie das „Du“ gestattete, usw.

Ihre Nichten und Neffen nannten sie „Tante Sisi“ oder „Tante Elisabeth“.

Gisela, Rudolf und ihre geliebte Valérie nannten sie Mama.

Das Volk hatte ausdrücklich „Kaiserin Elisabeth“ zu sagen.
Die Anrede war ausdrücklich Ihre Majestät oder Ihre kaiserliche Hoheit.

Die Anrede der Dritten Person „Eure Hoheit“ stimmt auch noch insofern, da es die Ausdrucksweise im 19. Jahrhundert durchaus noch gab und diese im Gespräch mit der Kaiserin verwendet wurde; also zB. „Darf ich Eurer Hoheit oder Eurer Majestät den Tee servieren lassen“.

Kaiser Franz Joseph moderne Schreibweise auch gerne Kaiser Franz Josef, wurde allseits als „Majestät“ angesprochen. Die Anrede war allseits Seine Majestät oder Seine kaiserliche Hoheit. Auch hier galt noch die Anrede der Dritten Person „Eure Majestät“, vor allem, wenn seine Minister und Adjutanten im Raum waren.

Als Kind wurde er Franzi genannt. Diese Koseform, blieb dem inneren Kreis vorbehalten. Mutter, Vater, seine Brüder nannten ihn Franz(i) oder Majestät.

Elisabeth nannte ihren Mann Franz.

Er selbst unterschrieb seine Briefe an sie in den ersten Jahren mit Franz, später mit „Kleiner“, was in den letzten Jahrzehnten mit „Kl“ abgekürzt wurde. Aber auch mit „Männeken“ (was so viel wie Männchen bedeutet) unterschrieb er seine Briefe, die von 1859 – 1898 alle veröffentlicht sind.

Seine Neffen und Nichten durften ihn Onkel nennen, die meisten nannten ihn trotz allem „Majestät“, waren danach aber zumindest per du. Gisela, Rudolf, Valérie nannten ihn Papa.

Kommen wir nun zum
Wirr Warr der Begrifflichkeiten

Adjutant

Foto: Wikimedia/Commons Maximilian Graf von O’Donnell,
Flügeladjutant bei Kaiser Franz Joseph

Hier musste man unterscheiden zwischen „Flügeladjutant“ und von Generaladjutanten. Ein Flügeladjutant stand im Rang eines Stabsoffiziers und wurde zur Unterstützung von zB. Kaiser Franz Joseph oder Kronprinz Rudolf eingesetzt. Flügeladjutant waren auch Feldmarschällen unterstellt.

Die Aufgabe eines Flügeladjutanten war es Befehle entgegenzunehmen, diese auszuführen, dem Kaiser oder dem Kronprinz rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen (deshalb waren mehrere im Dienst).

Gab es eine Botschaft an den Kaiser oder den Kronprinz, war es die Aufgabe des Flügeladjutanten, diese an den Kaiser oder an den Kronprinz persönlich zu überbringen.

Die Stelle beinhaltete eine Vertrauens- und Verschwiegenheitsklausel. Wurde diese gebrochen, wurde die Person sofort aus dem k.u.k. Dienst entlassen.

Ein berühmt gewordener Flügeladjutant ist sicherlich Maximilian Graf von O‘ Donnell (*29.10.1812, †14.7.1895) der Kaiser Franz Joseph 1853 vor dem Libényí Attentat bewahrt hat. Die Geschichte kann hier nachgelesen werden.

Ahnenprobe

Es gab ein unglaublich strenges Aufnahmereglement am „Wiener Hof“ zB. für die Ernennung zum „Kämmerer“ oder zur Aufnahme als „Hofdame“. Dabei wurde urkundlich geprüft, ob die eheliche Abstammung der Eltern einer gewissen Anzahl der Adeligen Urahnen bestätigt werden konnte.

8 Adelige Urahnen musste die Stammtafel aufweisen. Nur so durfte es zur Aufnahme als „Hofdame“ bei einer Herrschaft oder als „Kämmerer“ bei der Herrschaft kommen. Dabei war es wichtig, dass diese 8 Urahnen sowohl von der mütterlichen, als auch von der väterlichen Seite nachgewiesen werden konnten.

Aja/Ajo

ist spanisch und heißt Kindermädchen/Kindermann. Im Kaiserhaus wurden so die Erzieherinnen der Kaiserkinder genannt.

Diese verblieben bis zum 6. Lebensjahr bei ihren Zöglingen und mussten sich dann verabschieden.

Bei den männlichen Thronerben wurden dann Erzieher eingesetzt, meist aus dem Militär.

Beiden weiblichen Erzherzoginnen wurden danach Erzieherinnen gewählt, die ihnen das weitere Weltgeschehen beibrachten wie zB. das tadellose Benehmen, Tee trinken in guter Gesellschaft usw.

Ajas waren stets Adelige Damen, manchmal sogar Witwen, meistens nicht einmal selbst Mütter.

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Louise Baronin von Sturmfeder
Aja von Franzi, Maxi, Karli, Ännchen und Luzi-Wuzi
den Kindern von Erzherzogin Sophie
Kaiser Franz Joseph verehrte sie Zeit ihres Lebens

Züchtigung gehörte zum „guten Ton“ und durfte von Ajas auch in der Öffentlichkeit durchgeführt werden. Später wurde die Züchtigung vom militärischen Erzieher übernommen (ich möchte an die Peinigung von z.B. Herzog Max oder Kronprinz Rudolf erinnern). Herzog Max kann hier nachgelesen werden.

Kaiser Franz Joseph schrieb stets liebevoll von seiner Aja Louise Baronin von Sturmfeder (*3.10.1789, †10.9.1866).

Die Kindheit von „Gottes Gnaden bis zum Thron“ von Kaiser Franz Joseph kann hier nachgelesen werden.

Foto: ÖNB, Karoline Freifrau von Welden „Wowo“
Kinderfrau von Erzherzogin Gisella und Kronprinz Rudolf mit Mutter
Kaiserin Elisabeth in Venedig

Auch die Kaiserkinder Erzherzogin Gisela (*12.7.1856, †27.7.1932) und Kronprinz Rudolf (*21.8.1858, †30.1.1889) verehrten ihre Aja so sehr, dass sie ihr sogar einen Kosenamen gaben.

Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1912) „Wowo“ wurde innig geliebt und gerade Rudolf, der ihr entrissen und Leopold Graf Gondrecourt (*13.5.1816, †22.5.1888) zum militärischen Drill übergeben wurde, litt Zeit seines Lebens unter diesem Liebesentzug und Züchtigungen dieses bösartigen Grafen.

Wobei man mit der Wahl der Freifrau von Welden außerhalb der Hofburg wieder einmal ätzte:

„Würzburg, 1862
Liebe Eva!
Aber sage mir ganz unter uns „Welche Wahl von einer Aja!“ Die gute Welden, die in ihrem Leben kein kleines Kind noch gesehen hat, die gar nicht davon versteht und etwas sehr Unentschlossenes hat! dabei eine schwache Gesundheit –
in München ging sie zur Kurheim um nur zu lernen, ein Kind auf den Arm zu nehmen!
Sie war diesen Herbst hier, ich sah sie – ohne den Titel des Mannes wäre Sie unbedeutend wie früher! Sie ist herzlich gut, aber langweilig – aber halt mir meinen Mund – wer ist denn auf diesen Gedanken gekommen? Sie hat aber vermuthlich nur den Namen ohne die Pflichten anordnen zu müssen.
Es fiel ihr sehr schwer – die die Stelle anzunehmen, sagt man!

Crescenz (5)

Crescenz Baronin von Speth war die Schwägerin der Briefeempfängerin. Nähere Erläuterungen dazu am Berichtsende.

Über die ambivalente Ehe und das Schicksal der Kinder kann hier nachgelesen werden.

Audienz

Foto: hofburg-wien.at
Audienzraum mit Stehpult, Hofburg Wien

Jeder Bürger durfte dem Kaiser zweimal pro Woche persönlich vorsprechen. In streng reglementierten Audienztagen wurden die Namen in die Audienzbücher (heute im Sisi Museum zu besichtigen) eingetragen.

Jeder Bürger bekam einen festen Termin für seine Vorsprache. Die Bittstellung musste vorher dem Ministerium vorgelegt werden, welche danach vom Kaiser persönlich geprüft wurde.

Dies konnte eine persönliche Danksagung sein, eine Fürbitte, ein Wunsch oder eine Art Begutachtung. Die Wiener Zeitung veröffentlichte zweimal in der Woche die Audienznehmer, so dass die Bürgernähe des Kaisers demonstrativ vorgeführt wurde.

Die Audienz selbst war streng reglementiert und brachte per se nichts mehr Neues:

Um Punkt 10.00 Uhr morgens begann Kaiser Franz Joseph die Audienz, so dass sich die Bittsteller in den Warteräumen der Hofburg oder von Schloss Schönbrunn einzufinden hatte (je nach dem wo sich Kaiser Franz Joseph gerade aufhielt).

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph

Dabei war eine strenge Kleiderordnung einzuhalten:
Die Herren mussten Frack tragen. Herren vom Militär selbstverständlich ihre Uniform. Die Damen vom Volk ein hochgeschlossenes Kleid.

Jeder Bürger und die Herren vom Militär hatten Handschuhe zu tragen. Bürger aus den ländlichen Orten mussten ihre jeweilige Landestracht tragen, was zuweilen ein buntes Bild in den Wartesälen abgab.

Ein Mitarbeiter des Obersthofmeisters machte den Audienznehmer mit den Grundregeln der Audienz vertraut:

– den Kaiser niemals von sich aus ansprechen
– dem Kaiser niemals den Rücken zukehren
– dem Kaiser niemals persönliche Fragen stellen

Danach wurde der Bürger mit dem Namen aufgerufen und vom Adjutant in einen Vorraum gebracht, wo der Name erneut mit dem Audienzbuch verglichen wurde.

Schließlich rief ihn der Kammeransager laut auf. Die Türe wurde aufgemacht und der Audienznehmer stand vor dem Kaiser.

Sofort nach dem Eintreten hatte der Bürger eine tiefe Verbeugung und die Bürgerin einen tiefen Knicks zu machen. Konnte dies der Bürger oder die Bürgerin nicht, wurde dieser zuvor im Wartesaal mit einem Mitarbeiter des Hofes geübt.

Erst nach der Aufforderung des Kaisers durfte sich der Bürger oder die Bürgerin erheben.

Danach fragte der Kaiser nach dem Namen und sah in seinem Audienzbuch nach, ob der Name darin stimmte.

Danach durfte der Besuch sein/ihr Anliegen vortragen und bekam die Antwort von Seiner Majestät.

Nach exakt 3 Minuten wurde die Türe geöffnet und die Audienz war vorbei.

Der Besuch hatte sich nochmals zu verbeugen und mit dem Gesicht zum Kaiser, mit dem Rücken zur Tür, hinauszugehen.

Über 100 Personen schaffte Kaiser Franz Joseph so an einem Audienztag.

Erst im hohen Alter reduzierte er auf die Hälfte. Bis zuletzt stand der Kaiser all die Stunden an seinem Pult während der Audienz.

Nach den Audienzen fanden die offiziellen Gespräche mit Ministern, Abgeordneten und Statthaltern statt, welche von Kaiser Franz Joseph persönlich eingeladen wurden.

Es war unumgänglich, dass die Herren gut vorbereitet auf das Gespräch waren, denn der Kaiser liebte es, gut informiert zu sein und war auf jede Antwort gewappnet und konnte die Herren immer wieder aus der Fassung bringen, in dem er mehr wusste, als sie selbst.

Er fragte mehrere Personen zum gleichen Thema, um sich so ein besseres Bild von einem Problem zu machen.

Er wusste, dass er viele „Speichellecker“ um sich hatte, die ihm nicht die Wahrheit sagen wollten.

Cortège

ist das französische Wort für Prozession.

Dieses Wort wurde eingesetzt für das Gefolge unter einem Herrscher oder Herrscherin bei offiziellen Anlässen.

Das heißt nichts anderes, als wenn es zu öffentlichen Auftritten des Königs, der Königin, des Kaisers oder der Kaiserin kam, folgten ihnen 100erte von Adeligen Leuten – der sogenannte Hofstaat.

Dieses nannte man Cortège. Unter ihnen befanden sich: Hofdamen (bei Königin/Kaiserin), Geheime Räte, Kämmerer (bei König/Kaiser), Palastdamen, Truchessen (bei König/Kaiser) (weiter unten erklärt) usw.

Dies war einerseits eine große Ehre, andererseits auch eine lästige Pflicht. Die Damen hatten jedes Mal in schönster Toilette zu erscheinen, was einen unheimlichen teuren Aufwand mit sich brachte.

Goldene Vlies

Foto: KHM Wien
Großmeistermantel
Foto: Wikimedia/Commons
Goldene Vlies

Wie oben beschrieben, rief Herzog Philipp „der Gute“ den Orden anlässlich seiner Hochzeit ins Leben.

Er wurde der Heiligen Jungfrau Maria gewidmet und steht für den Schutz der Kirche und die unbefleckte Ehre des Rittertums.

An einer Collane (Ordenskette) hängt ein goldenes Widderfell.

Sowohl das Haus Habsburg, als auch das Haus Bourbonen, also der spanische König tragen das Goldene Vlies.

Heute ist es Karl (von) Habsburg (*11.1.1961) und König Felipe (*30.1.1968). Sie sind die Großmeister des Ordens und können bis heute Ordensmitglieder aufnehmen.

In Wien leistet man bis heute den Schwur vor dem Schwurkreuz, welches in der Schatzkammer Wien zu sehen ist.
Der Ordenstag ist der 30.11., an dem bis heute feierlich Messen zelebriert und neue Mitglieder aufgenommen werden.

Kaiser Franz Joseph war zu seiner Zeit Großmeister und vergab nicht nur an seine Familie den Orden, sondern auch an jene Personen die seiner Meinung nach die Tugend und Ehre hatten, diesen zu Erlangen.

Die Verleihung wurde von Kaiser Franz Joseph in einem Großmeistermantel zelebriert und die zukünftigen Ritter des Ordens sahen dies als Privileg für ihre Verdienste rund ums Hause Habsburg an.

Das Goldene Vlies war demnach kein Geburtsrecht.

Alle Ordensmitglieder halten wie ein unzertrennliches Band zusammen und sind gleichberechtigt.

Bei allen Feierlichkeiten bei Hofe waren diese nicht nur eingeladen, sondern hatten in allem auch Vorrang und Vortritt.

Es gab nur eine Ausnahme: waren gekrönte Häupter anwesend, mussten diese zuerst begrüßt oder bedient werden.

In Wien sind bis heute nur katholische Ordensmitglieder erlaubt, in Spanien nimmt man mittlerweile auch protestantische Gläubige auf.

Der Orden des Goldenen Vlieses ist der älteste und bedeutendste Ritterorden der Welt. Obwohl es in Österreich keine Monarchie mehr gibt, wird der Orden im Hause Habsburg bis heute hochgehalten.

Hofdame

Eine Hofdame war ein hoch angesehener Beruf und nur Frauen aus dem Adel vorbehalten.

Anders als bei Palastdamen, der rein ehrenamtlich durchgeführt wurde, wurde eine Hofdame entlohnt, bekam eine Abfertigung und wenn sie wegen zu hohen Alters aus dem Dienst ausschied, sogar eine Pension ausbezahlt.

Bevor eine Hofdame aufgenommen wurde, musste diese die strenge Ahnenprobe überstehen, welche die Voraussetzung für den Dienst bei Hofe war.

Die Hofdame hatte aus gutem Haus zu sein, eine fundierte Ausbildung zu haben, musste mehrere Sprachen sprechen und musste unverheiratet sein.

Sie konnte sich für diesen Posten nie bewerben, sondern sie wurde ernannt. Die Hofdame die auserkoren wurde, erhielt ein formelles „Ernennungsdekret“.

Thema Hofdame wird weiter unten ausführlicher erläutert.

Hoffähigkeit

Diese wurde streng reglementiert und war nicht Jedermann gestattet.

Den Zutritt zur kaiserlichen Familie war Familien erlaubt, die die Ahnenprobe bestand (die strenge Variante). Diese wurde auch zu Festlichkeiten wie zB. auf Hofbällen eingeladen.

Es gab aber auch noch andere Personen die Zutritt erhielten. Diese waren durch ihre besondere Stellung bei Hofe dazu würdig der kaiserlichen Familie vorgestellt zu werden oder an den Festlichkeiten teilzunehmen.

Diese waren Diplomaten, Offiziere der Wiener Garnison und Ordensritter. Ansonsten stand der engere Kreis nur standesherrlichen Familien und Hofwürdenträgern zu.

Da diese Mitglieder alter Adelsfamilien allerdings zahlreich waren, tummelten sich auf diesen Veranstaltungen zahlreiche Personen und dienten u.a. zur Heiratsvermittlung.

Mehr als 300 (!) Familien zählten damals zur ständigen Hocharistokratie und somit zur Hoffähigkeit.

Anders als bei anderen Höfen Europas, hatte man in Wien die Türen für den Geldadel noch nicht geöffnet.

Kaiser Franz Joseph liebte es aber ihm treue Bürger in den Adelsstand zu erheben und so Zutritt zum Kaiserhaus zu verschaffen.

Dabei war es egal ob diese reich waren oder nicht.

Kaiser Franz Joseph erhob so manchen als „Truchsessen“ (weiter unten erklärt), diese durften dann auch an der Hoftafel oder an großen Festlichkeiten teilnehmen, was das Hofzeremoniell ziemlich durcheinander brachte.

Es war von „wer wo gehen, stehen und sitzen durfte“ alles geregelt. Je älter eine Adelsfamilie war, desto höher der Rang bei Hofe. Eine schiere Mammutaufgabe für den Obersthofmeister.

Hofsprache

Schon unter Maria Theresia sprach man am Wiener Hof französisch. Dies erklärt, warum so viele Begriffe in französischer Sprache sind.

Allerdings war es schon bei (Kaiserin) Maria Theresia so, dass ein sehr lockerer Umgangston herrschte und der Wiener Dialekt vorrangig gesprochen wurde.

Nur wenn das Personal so gar nicht mitbekommen sollte, was besprochen wurde, sprach das Kaiserpaar französisch miteinander.

Unter Kaiser Franz Joseph war dies nicht anders, wenn auch die französische Sprache schön langsam aus dem Alltag verschwand.

Nunmehr zog die ungarische Sprache ins Haus ein. Nicht nur wegen Kaiserin Elisabeth, die dadurch Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) eins auswischte.

Die meisten Bediensteten, Erzherzogin Sophie, sowie ihr Mann und der Wiener Adel verstand kein ungarisch. Nur Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Marie Valérie sprachen fließend die Landessprache.

Am Wiener Hof wurde deutsch, böhmisch, ein bisschen ungarisch (Bedienstete und beim Militär) und natürlich französisch gesprochen.

Kaiser Joseph II machte die deutsche Sprache – bzw. das Wienerische – am Hof salonfähig. Er setzte sich auch dafür ein, dass Mozart die Opern in deutscher Sprache schrieb.

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Kaiserin Elisabeth und Helene von Thurn und Taxis (Néné)

Eine völlige unbekannte Sprache war damals noch die englische Sprache. Kaiserin Elisabeth und ihre Schwester Helene „Nénè in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890), verheiratete Thurn und Taxis sprachen Zeit ihres Lebens nur englisch miteinander. Schon allein deshalb, da sie wussten, dass niemand sie belauschen konnte.

Kämmerer

Nur ein Mann durfte beim Kaiser „Kämmerer“ werden. Zuvor hatte man die strenge Ahnenprobe zu bestehen.

Das Amt des „Kämmerers“ war ein Ehrenamt und wurde bereits im Mittelalter gegründet. Dieser hatte den „Goldenen Schlüssel“ über.

Seine Aufgabe war es bei Festen zu erscheinen, Botschaften und Gratulationen entgegenzunehmen und bei Begräbnissen das Geleit innerhalb der Kaiserfamilie zu übernehmen.

Die Aufgabe eines „Kämmerers“ wurde sehr ernst genommen und war eine ehrenvolle Tätigkeit.

Wer „Kämmerer“ werden durfte, konnte sich glücklich schätzen.

Marschallstafel

Zu dieser Tafel wurden jene Gäste geladen, die nicht an der Haupttafel mit der kaiserlichen Familie geladen waren. Hier speiste man nicht mit dem Kaiser oder der Kaiserin, sondern mit dem Obersthofmarschall oder einem Kammerherr.

Obersthofmarschall

Er war zuständig für die Fideikommisse der gebundenen Vermögen etlicher adeliger Familien (heute würde man es Familienstiftung nennen) und diente als Zivilgerichtsbehörde der kaiserlichen Familie und anderer Familien die diesen Sonderstatus genossen.

Obersthofmeister

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Franz Freiherr von Nopcsa
Obersthofmeister
Ihrer Majestät

Der Obersthofmeister unterstand dem Kaiser und war der engste Mitarbeiter des gesamtes Hofstaates.

Ihm unterstand nicht nur das gesamte Dienstpersonal, sondern auch die Verwaltung der Finanzen und die Garde.

Sein Einfluss reichte bis hinunter in die Hofküche und bis zur Hofoper. Was er sagte, war Gesetz.

Ab 1895 wurde sogar das Hofmarschallamt in Ungarn dem Obersthofmeister in Wien unterstellt.

Diese Stelle war hochbezahlt und hochangesehen.

Das Amt wurde hochpolitisch angesehen, hatte der Obersthofmeister direkten Zugang zum Kaiser und so auch enormen Einfluss auf diesen.

Obersthofmeisterin

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Pauline von Aulendorf-Königsegg
geb. Bellegarde

Die Obersthofmeisterin war das Pendant zum Obersthofmeister und der Kaiserin unterstellt, wobei die Kaiserin auch einen Obersthofmeister, der Kaiser jedoch keine Obersthofmeisterin hatte.

Sie hatte den gesamten Hofstaat der Kaiserin inne. Sie stellte das Personal ein, kündigte es wieder, sorgte für die Einhaltung der Etikette, bearbeitete Urlaubsanträge und sorgte bei Krankheitsausfällen für Ersatz.

Was die Obersthofmeisterin anordnete musste geschehen, so wollte es das Gesetz des Wiener Hofes.

Sie sorgte für Zucht und Ordnung. Die Stelle war nicht nur hochbezahlt und -angesehen, sondern auch enorm anstrengend.

Kaiserin Elisabeth verlangte äußerste Disziplin und hatte nicht öfters Querelen mit ihren Obersthofmeisterinnen auszufechten. 
Diese nahm - in allen Belangen - großen Einfluss auf sie.

Im Gegensatz zu Hofdamen, durften Obersthofmeister und Obersthofmeisterinnen verheiratet oder gar Witwe/r mit Kindern sein.

Oftmals sogar miteinander, wie das Beispiel „Gräfin Bellegarde“ zeigte:

Zuvor war Pauline Gräfin von Bellegarde (*2.4.1830, †27.5.1912) Hofdame. Da Pauline Elisabeth wichtig wurde, schied diese, als sie heiraten wollte, nicht wie sonst üblich aus dem Dienst aus, sondern wurde ihre Obersthofmeisterin.

Sie hatte sich in den schneidigen Flügeladjutant von Kaiser Franz Joseph Alfred von Königsegg-Aulendorf (*30.6.1817, †27.10.1898) verliebt und dieser hielt um ihre Hand an. Am 15.7.1857 heiratete das Paar.

Um ihre Vertraute nicht zu verlieren, machte die Kaiserin Alfred kurzerhand zu ihrem Obersthofmeister.

Obersthofmeisterin Pauline Gräfin Aulendorf-Königsegg und Obersthofmeister Alfred Graf Aulendorf-Königsegg verblieben somit im Dienste Ihrer Majestät, auch wenn das Verhältnis danach nicht mehr ganz so vertraut war.

Auch hier ist der Sissi-Film mit Romy Schneider eine nicht recherchierte Filmphantasie.
Graf Bellegard wurde nicht während des Ungarn Aufstandes erschossen, sondern Gräfin Bellegarde war einfach der Mädchenname der Hofdame.

Ein Schicksal einer Obersthofmeisterin möchte ich hier erwähnen, dass mich schlichtweg traurig stimmte.

Jenes von Maria Theresia Landgräfin zu Fürstenberg, geb. Prinzessin zu Schwarzenberg (*14.10.1780, †9.11.1870).

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Kaiserin Maria Anna

Sie war mit Friedrich Landgraf zu Fürstenberg (*26.1.1774, †4.2.1856) per Liebesehe verheiratet und hatte mit ihm 10 Kinder.

Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, †2.3.1835) hatte Maria Theresia 1831 zur Obersthofmeisterin von Maria Anna Prinzessin von Savoyen bestimmt.

Prinzessin Maria Anna (*19.9.1803, †4.5.1884) wurde mit dem geistesschwachen und jähzornigen Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) verheiratet und ertrug ihr Schicksal bravourös. Am 2.3.1835 starb Kaiser Franz II/I und Ferdinand und Maria Anna wurden zum neuen Kaiserpaar.

Die Familie Landgraf zu Fürstenberg lebte auf Schloss Weitra im Waldviertel und so musste Vater Friedrich sich um die große Kinderschar (natürlich mit Personal) alleine kümmern.

Nur in ihren Urlauben sah die Mutter ihre Kinder.

Ein Glück im Unglück hatte das Ganze.

Friedrich konnte nicht gut mit Geld umgehen und verspekulierte sich ein paar Mal, so dass er viel Geld verlor. Das hohe Gehalt seiner Gattin bot der großen Familie einen guten Lebensstil.

Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass die Familie zu Fürstenberg, damals schon eine moderne Ehe führte.

Die Frau brachte das Geld nach Hause und der Mann kümmerte sich dafür um die Kinder.

Oberzeremonienmeister – Zeremonienmeister

Foto: habsburger.net
Kaiser Franz Joseph ist hier in Begleitung des adeligen Cortèges abgebildet: Voranschreitend der Oberzeremonienmeister und der Obersthofmeister, danach Franz Joseph mit seiner Tochter Marie Valérie, gefolgt vom Adel des Hofes, nach Rang geordnet.

Der Oberzeremonienmeister hatte die Aufgabe bei den Hofbällen oder Ball bei Hofe die organisatorische, logistische und repräsentative Aufgabe zu übernehmen.

Der Oberzeremonienmeister hatte unter sich noch Zeremonienmeister die ihm halfen die Aufgaben zu bewältigen. Alle unterstanden aber dem Obersthofmeister.

Am Tag des Balles war es seine Aufgabe das Eintreten der Herrschaft anzukündigen.

Palastdame

Im Gegensatz zur Hofdame, war die Palastdame ein Ehrenamt und durfte von verheirateten Frauen ausgeübt werden.

Die Palastdame war ein sehr begehrtes Amt, allerdings auch sehr kostspielig (wie übrigens auch jenes der Hofdame, doch untenstehend mehr dazu).

Wie die Kämmerer hatten die Palastdamen zu gewissen Terminen pflichtmäßig zu erscheinen, weshalb diese im Turnus Dienst hatten und verschiedene Repräsentationsaufgaben übernahmen.

So mussten die Palastdamen zu den Hofbällen erscheinen, zum Ball bei Hof, Neujahrscours (Neujahrsempfang des Kaisers), allen hohen kirchlichen festlichen Feiertagen und zur Fronleichnamsprozession.

Dies war insofern kostspielig, da jedes Mal eine neue Toilette sein musste. Die Palastdame konnte/durfte nicht im selben Kleid auf jedem Fest erscheinen.

Standesgemäß

Foto: Wikimedia/Commons Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Wurde in einem Kaiser- oder Königshaus geheiratet, musste die Ahnenprobe gemacht werden.

Diese war jetzt nicht so streng, wie bei der Aufnahme zur „Hofdame“, allerdings, musste die Heiratskandidatin „standesgemäß“ sein.

Das hieß hier musste sie aus einem regierenden standesherrlichen Herrscherhaus kommen. War dies nicht der Fall, wurde die Ehe als „morganatisch“ – also nicht ebenbürtig (unstandesgemäß) – eingestuft.

Diese morganatische Ehe hatte oft zur Folge, dass die Kinder nicht als Thronerben eingesetzt werden durften oder die Ehe gar nicht zustande kam. Beispiele dieser Art gab es viele.

Foto: Wikimedia/Commons Ferdinand und Berta Burg

Erzherzogin Isabella (*17.11.1888, †6.12.1973) die ihren Arzt nicht heiraten durfte und lieber unverheiratet blieb, Erzherzog Franz Ferdinand der sich in die Hofdame Sophie von Chotek verliebte, diese ehelichen durfte, allerdings mit der Auflage, dass die Kinder keine Thronansprüche stellen dürften. Seine Frau wurde Fürstin von Hohenberg. Die Geschichte dazu findet ihr hier.

Es gab aber auch traurige Fälle von morganatischen Ehen.

Es gab deswegen Ausschlüsse aus dem Kaiserhaus, wie zB. Erzherzog Ferdinand Karl, der sich in Berta Czuber verliebte. Die unglückliche Geschichte, könnt ihr in der Biografie seiner Mutter nachlesen (hier).

Sternkreuzdame – Sternkreuzorden

Foto: Wikimedia/Commons Sternkreuzorden

Der Sternkreuzorden wurde am 3.5.1668 von Kaiserin Eleonore (*18.11.1628, †6.12.1686) gegründet. Papst Clemens IX gab am 28.7.1668 seinen Segen dazu.

Dieser sollte zur Andacht „zum heiligen Kreuz, des tugendhaften Lebens und wohltätiger Handlungen in Wien“ gestiftet werden.

Die Aufnahme in den Sternkreuzorden entsprach in etwa dem Ehrentitel eines Kämmerers, der zur selben Zeit gegründet wurde.

Die Anzahl der Sternkreuzdamen wurde wie die eines Kämmerers nicht beschränkt, allerdings wurde auch hier eine strenge Ahnenprobe vorgeschrieben.

Die Ernennung zu einer Sternkreuzdame darf immer nur von einer österreichischen Erzherzogin vorgenommen werden. Immer noch steht die Verehrung des Heiligen Kreuzes und die Barmherzigkeit an oberster Stelle.

Der Orden besteht bis heute.

Seit 2010 trägt diese Würde Gabriela (von) Habsburg-Lothringen (*14.10.1956).

Stiftsdamen

Foto: Wikimedia/Commons Ordensgewand einer Kanonissin

Dies waren klosterähnliche Stifte in denen adelige Damen, meistens Witwen oder unverheiratete adelige Frauen lebten, die sich Gott widmeten (oder Gott widmen mussten).

Die adelige Äbtissin (Oberste des weltlichen Stiftes) nahm der adeligen Kanonissin (die eintretende Gläubige) das Gelübde ab.

Hierbei handelte es sich lediglich um das Keuschheits- und das Gehorsamkeitsgelübde des weltlichen Klosters. Die Einrichtung des Stiftes war komfortabler als jenes eines geistlichen Klosters.

Die Damen durften ein paar ihrer eigenen Möbel mitnehmen, die Dienerschaft durfte in anliegenden Häusern unterkommen, das Essen war nahrhafter und mit Pfründen (Schenkungen) wurde das Stift erhalten.

Vor allem Witwen nahmen dies gerne als Alterssitz in Anspruch.

Familien deren Tochter unverheiratet blieb, steckten diese oft in solche weltliche Klöster, weil sie hofften, dass sie aus diesem doch noch verheiratet wurden. Oftmals hatten die Familien Erfolg. Stiftsdamen hatten das Glück heiraten zu dürfen.

Suite

bedeutet „Gefolge“ und kommt ebenfalls aus dem Französischen.

Die Suite ist die Begleitung eines jeden Feldherren durch seinen Adjutanten oder seiner höchsten Offiziere, die ihn stets begleiten.

Zum Teil ist in historischen Büchern von „a la suite“ zu lesen. Hier ist das gesamte Gefolge des Feldherren gemeint (falls es nicht übersetzt wurde, wisst ihr jetzt was gemeint ist).

Truchsessen

Foto: Wikimedia/Commons
Verleihung der Truchsessen-Würde im Königreich Ungarn für Anton Pongracz, 1780

Auch dieser Begriff kam aus dem Mittelalter, hatte aber im Gegensatz zu diesem im 19. Jahrhundert unter Kaiser Franz Joseph bereits eine andere Funktion.

Während es im Mittelalter noch der Aufseher für die fürstliche Tafel war und sich dies im Laufe der Zeit zum Vorsteher der Hofhaltung geändert hatte, nahm der Verlauf im 19. Jahrhundert eine völlig andere.

Das Amt wurde ehrenamtlich ausgeführt, weshalb Kaiser Franz Joseph die Freiheit hatte tausende Bürger in den Adelsstand zu erheben und ihnen diesen Titel und damit Zugang bei Hofe zu gestatten.

Selbstverständlich war auch hier dieses Amt dem Obersthofmeister unterstellt. Man kann diesen Titel heute mit einem Beamtenstand oder einem Ministerialsekretär vergleichen.

Kaiser Franz Joseph ernannte die Truchesse mit dem Erlag einer vorgeschriebenen Gebühr und danach wurde diesem das Truchessenehrenabzeichen ausgehändigt. Dies galt Lebenslang.

Somit konnte der Besitzer bei Hofe Ein und Ausgehen und wurde zur Hoftafel und zu Festlichkeiten geladen. Es galt im Bürgertum als höchste Ehre diese Auszeichnung zu erhalten. Natürlich wäre ein Ritterschlag noch besser gewesen, aber immerhin bekam der Ernannte die Erlaubnis bei Hofe Ein und Auszugehen.

Mehr als so manchem „Geldadel“ ermöglicht wurde. 

Hofdamen

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferenczy

Wie schon in der Erklärung erwähnt, war das Amt der Hofdame eine Ehre für die Familie, allerdings auch eine finanzielle Last.

Obwohl die Stellung bezahlt wurde, musste die adelige Familie ihrer Tochter finanziell immer aushelfen.

In den Hofdamen Briefen rund um Sophie von Scharnhorst(*) (*/unbekannt) wird die Ernennung, die Aufgaben und die Ehre für die Familie genau beschrieben. Allerdings auch die hohe Belastung, welche diese Arbeit mit sich brachte.

Gräfin Schönborn(**) (*/unbekannt) verrät folgendes:

Ischl, 11.September 1857,
Liebe Gräfin!
Ihre königl.(*) Hoheit die Frau Erzherzogin machen nun täglich so große Promenaden daß höchstdieselben mir den Auftrag gaben Ihnen zu sagen liebe Gräfin daß es Ihr nicht möglich wird Sie vor Mittwoch zu empfangen, – sollten Sie also an diesem Tage (ohne alle gêne) wirklich noch hier sein, so würde es Sie freuen Sie um Dreiviertel auf 2 Uhr bei sich zu sehen. Genehmigen Sie in aller Eile liebe Gräfin die Versicherung meiner innigsten Hochachtung.
Gräfin Schönborn
Hofdame der Erzherzogin Sophie (1)

(*)Anmerkung Petra: Im Originalbuch von 1903 steht königl. Hoheit = königliche Hoheit, was auf den Geburtstitel von Erzherzogin Sophie hinweist.
Richard Kühn hat in seiner 1942 Version auf S.342 kaiserliche Hoheit gemacht.

„Wien, 4.Jenner 1858
Liebe Eva!
Ich freue mich unendlich daß die gute Erzherzogin Deine Caroline (Anmerkung Petra: Caroline von Sickingen, Tochter der Briefeempfängerin; Anmerkungen am Beitragsende) als Hofdame angenommen hat, mit Beruhigung kannst Du ihrer Zukunft entgegensehen. Wem die Erzherzogin die Hand reicht der kann sie unverzichtlich ergreifen denn Sie leitet nur zum Guten. Ich nicht nicht in Sorgen, denn bei Carolines Tüchtigkeit und ihren Talenten wird Sie ihren ehrenvollen Beruf sicher ganz erfüllen. Im Anfang gibt es Schwierigkeiten, dem kann Sie vorarbeiten um sich leiter hineinzufügen. So möchte ich ihr z.B. rathen sich im Vorlesen zu üben und ihre Stimme zu kräftigen, welche sonst durch Befangenheit leich unsicher wird. Ich spreche aus Erfahrung!
Ich war bei Gräfin Königsegg (Anmerkung Petra: ehemalige Hofdame Gräfin Bellegarde; weiter oben im Text erläutert) um mir ein Verzeichnis ihres Hofdamen-Trousseau (Anmerkung Petra: Hofdamen „Uniform“ Unterlagen) zu nehmen. Es ist zweckmäßig ohne Verschwendung gehalten, was bei dem ewigen Wechsel der Mode sehr weise und praktisch ist. Paula (Anmerkung Petra: Gräfin Königsegg; ehemals Bellegarde) sagte mir aber daß Sie zu wenig gehabt und bald nachschaffen mußte. – Da Caroline im Frühling eintritt, so scheinen mir Sommer-Toiletten für Schönbrunn nothwendig. Zwei hübsche Seidenkleider, 1 für Mittag, 1 Frühkleid und Alles für angegebene Hof-Trauer, wozu ein schwarzer Spitzen-Hutz nothwendig, dann muß Sie eine hübsche Applications-Mantille und Ueberchemisettes (Anmerkung Petra: Unterkleider) samt Ärmeln und Krgen haben zu farbigen und schwarzen Toiletten assortirt. Hast Du eine gute Adresse für Spitzen in Brüssel? Sonst empfehle ich Dir Mme. Pannal die in Sanssouci verkauft.
Vergiß nicht feine Schwarze Spitzen nach der Elle, zum Aufputz der Taille, das braucht man wie das liebe Brodt.
Uebrigens hat ja Caroline einen Fonde de toilette was ihr sehr zu Statten kommen wird, denn man raucht zum toilettiren s e h r v i e l sans etre une Elegante fondée.
Ein Dutzend gestickte Sacktücher, 3 Stück s u p e r l a t i f, 3 Stück mit Valenciennes, Schön moderen geschlungen 3 Stück en somme 12 Stück. Sie muß eine Kammerjungfer und ein Stubenmädchen haben, Letztere soll kochen können. Ja wir Hofdamen brauchen mehr als wir dürfe und müssen stets parat sein!
Eine Excursion vorher mit Cäcilie nach Salzburg zu machen- dafür schwärme ich nicht. Mir scheint Eure Villa das Beste für eine angehende Hofdame. –
Deine Sophie (2)

Im Februar ging es weiter.

„Oldenburg, 2. Februar 1858
Erlauben Sie meine sehr liebe Gräfin daß auch ich mich in die Reihen der Gratulirenden Stelle, und Ihnen so wie der Comtesse Caroline meine recht herzlichen Glückwünsche vorbringe! – ich habe die Kunde der Ernennung der liebenswürdigen Comtesse zur Hofdame, von meiner Schwester Sophie erfahren und ihre Freude darüber, recht lebhaft getheilt.
Es ist gewiß ebenso beglückend als ehrenvoll der hochverehrten Erzherzogin Sophie seine Dienste zu weihen und ebenso bin ich überzeugt daß die junge Hofdame den Anforderungen ihres neuen Berufes vollkommen entsprechen wird, möge dieselbe nur so recht heiter und muthig in die neue Laufbahn eintreten. –
Ihrem gütigen Andenken meine theure Gräfin empfehle ich mich auch ferner und werde es stes mit warmer Verehrung und Ergebenheit erwiedern.
Christa von Scharnhorst (3)

Wir nähern uns dem Ende der Briefe, welche ich trotzdem nicht vorenthalten möchte, da ich sie interessant finde.

„Wien, 17.März 1858
Liebe Eva!
Die Gnade Gottes waltet über Dir! Die Ernennung Cara’s (Anmerkung: Caroline) hat ein mächtiges Echo nach allen Seiten hervorgerufen! Kürzlich passirte ich den Abend bei der hochverehrten Erzherzogin Sophie, die Eurer gedachte und fragte, wann Ihr kommen werdet?
Kaiser und Kaiserin erschienen unerwartet und verschönten den Abend mit Ihrer Gegenwart am Theetisch. Die Kaiserin, obgleich etwas blaß, ist wunderschön!! Sie trug ein weißes poult de soie Kleid mit Mantille mit Hermelin garnirt, in den schönen Haaren Diamant Nadeln und sah herrlich in der einfachen, geschmackvollen Toilette aus.
Die Hofdamen-Ausstattung ist kostspielig, denn der Hof gibt nur das Nothwendige, der Mensch braucht gar Vieles. Bei Deinem Hiersein werden wir Alles besprechen.
Sophie (4)

Baronin von Scharnhorst schrieb am 17.3.1858 einen Brief an Karoline von Sickingen. Dieser Brief ist im Buch von 1903 (unten in den Anmerkungen ist die Erläuterung dazu) nicht enthalten. Es ist daher anzunehmen, dass folgender Wortlaut von Richard Kühn wieder verfälscht wiedergegeben wurde.

„Wien, 17.3.1858
Du wirst wie alle Hofdamen die Erfahrung machen, daß eine gutgewählte Ausstattung, besonders Spitzen und Bräusche, einen Grund der Toilette legt, den man in der Hofkarriere aus eigenen Mitteln nicht legen kann. Die täglichen Bedürfnisse, der Wechsel der Mode und die Ehrenausgaben erschlpfen die Kasse. Darum küsse Deiner Mama tausendmal die freigebigen Hände, daß sie Dich so gut versorgt zu Deinem neuen Beruf ausstattet.
Ich habe in Beziehung der Wohnung noch keine genügende Antwort zu geben. Bei Munsch ist der erste und zweite Stock bis Ende Mai eingenommen und keine Aussicht, daß Platz gemacht wird.
Ich habe in der „Stadt Frankfurt“ nachgesehen. Es ist eine der besten Gasthöfe, sehr zu empfehlen wegen der Kost und der Bereitwilligkeit des Wirts. Prinz Karl von Baden wohnt immer dort, wenn er in Wien ist. Man hat dort alles; hübsche Zimmer, Equipage, gute Bedienung. Er liegt im Zentrum der Stadt, ganz nahe bei den Theatern und der Burg. Obgleich jetzt alles besetzt ist, will der Wirt sein mögliches tun. Allein vor dem 22./23. kann er nicht bestimmen, ob im ersten oder zweiten Stock etwas frei wird.
Der zweite Stock ist viel hübscher und angenehmer, wie in jedem Hotel, weil man nicht au bénéfice der Speiselokalitäten dem Geruch un den Launen der Tischgäste ausgesetzt ist.
Der Preis kann erst bestimmt werden, wenn die Zimmer genommen werden.
Vielleicht entschließt sich Mama, außer den Schlafzimmern einen kleinen Salon zu nehmen. Denn Ihr werdet sehr viele Visiten haben inklusive derjenigen, die die Hofdame angehen.
Die können doch nicht in die Geheimnisse des Schlafzimmers eingeführt werden. In diesem Fall wären es vier Zimmer: ein Salon, eins mit zwei Betten, eins mit drei ditto und für die Kammerjungfern eins mit zwei Betten. Die großmächtige Mama, hochgeborene Gräfin Sickingen, mit Schätzen und einer Hofdame beladen, möge gnädigst ihre Entscheidung sobald als möglich geben. (6)

Deshalb war es nicht nur von Nöten, dass die Hofdame die Ahnenprobe bestand, sondern auch die Familie reich genug war, die Tochter finanziell zu unterstützen.

Ein Umstand, der zB. bei Hofdame und Vertrauter Marie von Festetics ein unabdingbarer „Fehler“ war, denn ihre Familie hatte durch viele Spekulationen beinahe ihr gesamtes Vermögen verloren.

Elisabeth war es, die Marie immer wieder unter die Arme griff.

Zu jedem Anlass – und es gab derer viele – verlangte die Etikette ein neues Kleid.

Dies durfte zwar nicht schöner sein, als das der Kaiserin oder eben der Herrschaft wo man diente, musste aber zumindest gleichwertig sein.

Es war dabei wichtig, die Toilette genau abzustimmen. Schmuck, Haare, Kleid hatten genau zueinander zu passen. Ein kostspieliges und aufwendiges Vorhaben, dass vom Gehalt einer Hofdame nicht bezahlt werden konnte, wenn man bedenkt, dass die Hofdame auch ständig mit ihrer Dame auf Reisen war. Hofdamen gab es ja nicht nur bei der Kaiserin, sondern auch bei Königinnen, bei den Erzherzoginnen, bei Herzoginnen, bei Fürstinnen usw.

Hofdamen begleiteten ihre Herrschaft überall hin. Auf die Reisen, ins Hotel, zu Soireen, zu Teegesellschaften, zu Dinnerpartys, zu Hofbällen, zu Bällen und Einladungen aller Art, zu karitativen Besuchen, in die Kirche, zum Lunch und zum Frühstück.

Es gab im Prinzip keine Minute des Tages, an dem keine Hofdame zugegen war, außer die Herrschaft wünschte dies ausdrücklich und dann nur, wenn diese zu Hause war.

Ansonsten fungierte die Hofdame natürlich als Anstandsdame und durfte erst recht das Zimmer nicht verlassen. Deshalb gab es immer mehrere Hofdamen, um im Turnusdienst zu arbeiten.

Kaiserin Elisabeth begleiteten an die 10 Hofdamen permanent auf Reisen, allerdings waren nur 2-3 wirklich ihre engsten Vertrauten.

Alle anderen versahen ihren Dienst und gingen wieder. Nie hätte Elisabeth Privates mit ihnen besprochen.

Marie und Ida (beide weiter unten) sind die berühmtesten Namen unter ihnen und waren beinahe rund um die Uhr für „ihre“ Kaiserin da.

Da am kaiserlichen Hof es nur so von Offizieren, Diplomaten, Ministern, Bediensteten usw. wimmelte, war dies ein großer Heiratsmarkt.

In Schloss Schönbrunn lebten rund ums Jahr an die 4000 Personen. So verliebten sich natürlich auch die jungen, bei Kaiserin Elisabeth immer sehr hübschen Hofdamen. Kaum hatte diese den Wunsch geäußert sich zu verloben und ehelichte dann ihren Verlobten, wurde die Hofdame aus dem Dienst entlassen.

Eine verheiratete Hofdame war bei Hofe nicht zugelassen.

Heiratete eine Hofdame, wurde diese bis an ihre Lebensende vom Hofe unterstützt. Sie bekam eine Art Pension. Auch dann, wenn die Herrin verstarb, wurde die Hofdame weiterhin bezahlt.

berühmte und weniger berühmte Hofdamen bzw. eine Vorleserin unter Kaiserin Elisabeth

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferency und Marie von Festetics auf Maultieren

Nehmen wir das größte Beispiel Vorleserin Ida von Ferency (*7.4.1839, †28.6.1928).

Wie ihr Name 1864 auf jene Liste kam, als Kaiserin Elisabeth eine Gesellschafterin suchte, ist ein ungelöstes Rätsel, welches sich nach so vielen Jahren nicht mehr klären lässt.

Ihr Posten musste erst geschaffen werden. Zuerst wurde sie zur Gesellschafterin und Sprachlehrerin.

Da aber Max von Falk den vertrauensvollen Posten des ungarischen Sprachlehrers inne hatte, war es schnell vorbei mit diesem Synonym. Also erfand man den Posten „Vorleserin“, da Ida die Ahnenprobe nicht bestand.

Sie kam aus dem einfachen Landadel und hatte weder 8 Urahnen vorzuweisen, noch generell einen Hofdamen-Posten zu erhalten. Ihr Rang war viel zu niedrig. Kaiserin Elisabeth ob ihrer Schönheit allerdings Feuer und Flamme, wollte sie unbedingt behalten.

Zu dem waren sich die beiden Frauen vom ersten Moment an sympathisch.

So wurde der am Hof einzigartige Posten der „Vorleserin“ geschaffen.

In manchen historischen Büchern ist von der Hofdame Ferenczy zu lesen. Das ist falsch. Ida blieb bis zu ihrer Pension „Vorleserin“.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie von Festetics

Hofdame Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †16.4.1923) reiht sich in die berühmten Namen der Hofdamen ein, die man sicherlich unter Kaiserin Elisabeth kennt.

Niemand geringerer als Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890) schlug 1871 Marie als Hofdame vor.

Marie war ursprünglich auf einem anderen Posten und gar nicht glücklich als sie die Ernennung für die Kaiserin erhielt.

Doch Gyula bekniete sie hinzugehen.

Als sie Elisabeth das erste Mal sah, schrieb sie wahre Entzückungen über die Kaiserin in ihr Tagebuch, welches sie über die Jahrzehnte fleißig schrieb. Sie sollte zwei Heiratsanträge ablehnen, um bei ihrer geliebten Kaiserin bleiben zu können.

Es nahm niemand so viel Einfluss auf Elisabeth wie Marie von Festetics. In der Familie wurde Marie deshalb argwöhnisch beäugt. Erzherzogin Sophie und sogar Elisabeths Tochter Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924) hassten Marie regelrecht. Der gesamte Beitrag zu Marie von Festetics kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commons
die Geschwister Lily und Imre von Hunyady

Berühmt wurde auch Lily von Hunyady (*26.12.1836, †28.2.1907), welche Elisabeth nach Madeira begleitete.

Leider auch ihr Bruder, der sich in Elisabeth verliebte und sofort aus ihren Augen entfernt wurde.

Lily verliebte sich selbst zu guter Letzt und musste den Hofdienst verlassen. Der Beitrag zu ihr kann hier nachgelesen werden.

Eine ganz andere Geschichte, war jene, als mich eine Followerin auf Facebook bat, die Hofdame auf jenem Bild hinter Kaiserin Elisabeth ausfindig zu machen.

Dies war gar nicht so einfach, wie anfangs gedacht. Doch wenn ich mich einmal in Recherchen verbeiße, dann so lange, bis ich ein Ergebnis habe.

Auf einem Rundgang durch Schloss Moosburg wurde ich zum ersten Mal auf einen Namen aufmerksam, der mich schlussendlich ans Ziel brachte.

So kurz wie hier jetzt dargestellt, waren die Recherchen natürlich nicht. Mehr als ein 3/4 Jahr dauerten sie an und ich hatte ein riesen Glück, dass ich ausgerechnet in jenes Schloss eingeladen wurde.

Und so fand ich jene Hofdame, die gesucht war.

Marie Johanna Gräfin von Welsersheimb Freiin von Gumpenstein, verheiratete Marie Gräfin von Goëss (*6.5.1824, 4.12.1896). 1852 starb Maries Mann und schon bald danach ereilte sie der Ruf zur Hofdame für Kaiserin Elisabeth. Später wurde sie zur Obersthofmeisterin.

Besagtes Bild zeigt die beiden am 19.4.1875 als sie die neuen Volksküche in der Schönlaterngasse besuchten, da ihr diese von ihrem Gemahl Kaiser Franz Joseph ans Herz getragen wurden. Er war dort zu Gast, speiste vor Ort, lobte die gute Küche, ließ sich alles zeigen und lobte die neue Art der Gemeinnützigkeit in Wien.

Elisabeth wollte sich selbst ein Bild machen, allerdings ohne sich anzumelden. Alleine und ohne Entourage und nur mit Gräfin von Goëss besuchte sie besagte Küche.

Der zufällig anwesende Maler August Heinrich Mansfeld hielt diesen Augenblick in Skizzen fest und malte danach ein Bild. Elisabeth gefiel die Suppenküche ebenso gut wie ihrem Mann und sie übernahm die Schirmherrenschaft.

Hofdamen im Dienste anderer hoher Personen

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Marie von Redwitz, Enthüllung der Oskar von Redwitz Statue vor dem Hotel Austria, Meran, 22.10.1894

Marie von Redwitz* (*9.12.1856, †11.4.1933) wiederum ist berühmt, da sie die Hofchronik von der Bayern-Linie aus schrieb.

Sie war die Hofdame von Amelie von Urach, besser bekannt als Amelie Herzogin in Bayern (*24.12.1865, †26.51912).

Ihr Vater war Carl Theodor in Bayern „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) und Sophie Prinzessin von Sachsen (*15.3.1845, †9.3.1867).

Carl Theodor war ein Bruder von Kaiserin Elisabeth und Sophie war ihre Cousine und Schwägerin. Leider starb die geliebte Ehefrau und Mutter recht bald, so dass Carl Theodor einige Jahre später noch einmal heiraten musste.

Die traurige Geschichte zu Sophie kann hier nachgelesen werden.

Amelie heiratete später Wilhelm von Urach (*30.5.1864, †24.3.1928) und so wurde Marie von Redwitz ihre Hofdame.

Doch auch sie war anfangs gar nicht so begeistert ihre Freiheit aufzugeben und wehrte sich lange der „Berufung“ nachzugeben. Doch es half natürlich nichts. Die Damen jener Zeiten hatten keine Wahl und so trat Marie ihre Stelle an und schrieb von Anfang an Tagebuch.

Ihre Hofchronik ist heute in keinem historischen Buch (und auch bei mir) wegzudenken.

Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Prinzessin von Schweden
Lithographie: Josef Kriehuber

Sophie von Scharnhorst* sei erwähnt. Sie schrieb die Hofdamenbriefe, die ebenfalls eine unglaubliche Quelle ihrer Zeit sind.

Sie arbeitete bei Prinzessin Amalie Marie von Schweden (*22.2.1805, †22.9.1853°), die über vielfache Ecken mit dem Kaiserhaus verwandt war und dort ein und aus ging.

Sie selbst lebte in Wien und war bei fast allen kaiserlichen familiären Anlässen eingeladen.

Baronin von Scharnhorst schrieb alles nieder und so erhält der Leser einen guten Einblick in jene Zeit rund um Erzherzogin Sophie als noch Erzherzog Franzi, Maxi, Karli und Luzi-Wuzi klein waren. Natürlich erwähne ich hier niemand geringeren als Kaiser Franz Joseph und dessen Brüder.

Erwähnenswert ist auch noch Clementine Gräfin von Taaffe(***) (*20.10.1827, †13.9.1882), der Name wird aufmerksamen Habsburg Kennern vor allem durch Eduard Taaffe (*24.2.1833, †29.11.1895) ein Begriff sein.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Hildegard

Er war der einzige lebenslange Freund und Vertraute von Kaiser Franz Joseph.

Kaiser Franz Joseph übergab ihm nach der Mayerling Affäre Dokumente von Rudolf, die bis heute nicht mehr aufgetaucht sind.

Taaffe war für die Bespitzelung von Kronprinz Rudolf verantwortlich, da dieser die liberale Einstellung des Kronprinzen nicht ertragen konnte und ihn hasste wie die Pest.

Clementine Gräfin von Taaffe wurde am 31.10.1856 29jährig Hofdame bei Erzherzogin Hildegard (*10.6.1825, †2.4.1864).

Empfohlen hatte sie die heißgeliebte Aja von Kaiser Franz Joseph Louise Baronin von Sturmfeder. Sie ehelichte am 1.5.1844 in der Allerheiligen-Hofkirche in München Erzherzog Albrecht (*3.8.1817, †18.2.1895) und war eine Cousine von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph.

Hildegard war die Tochter von König Ludwig I von Bayern, der der (Halb)Bruder von Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) und Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †26.1.1892) in Bayern war.

Zuerst wurde sie Hofdame und als Erzherzogin Hildegard an einer Rippenfellentzündung starb, blieb sie auf Wunsch von Albrecht bei den Kindern und zog diese auf.

Clementine war nicht nur äußerst gebildet, sie interessierte sich sehr für Geschichte und für die Theologie. Die Kinder des Paares liebten sie sehr und schrieben ihr häufig Briefe oder zeichneten ihr Bilder.

Am 26.6.1864 wurde sie Sternkreuzordensdame und in der Marienkapelle „St. Christoph“ in Baden bei Wien hängt links neben dem Eingang eine Gedenktafel für Clementine von Taaffe „Gesellschaft der adeligen Frauen“. 

Das war es nun vorläufig aus dem Reich der Hofetikette und dem Wirr Wirr der Begrifflichkeiten.

Wenn euch ein Begriff auffällt oder einfällt den ihr erklärt haben wollt, scheut euch nicht mir zu schreiben.

Ich werde ihn gerne in die Liste aufnehmen. 

– Petra – 

Foto: abebooks.com
Amalie Prinzessin von Schweden eigenhändige Unterschrift
Quittung über 2500 Thaler Preußischer Courant durch den Gesandten von Arnim

Anmerkungen:

(*) Wichtige Anmerkung:

Sophie Gräfin von Scharnhorst war die Hofdame von Amalie Prinzessin von Schweden (*22.2.1800, 21.9.1853). (°)Im gesamten Internet ist das Sterbedatum von Amalie Prinzessin von Schweden falsch.

Sophie von Scharnhorst notiert den Todestag und die restlichen Trauertage ganz genau. Wieso auch hier die Daten im Netz nicht übereinstimmen (und wahrscheinlich in vielen historischen Büchern), ist mir ein Rätsel.

Amalie war, wie ihr Bruder Prinz von Wasa, eine enge Freundin des Erzhauses und begleitete beinahe ständig Sophie überall hin. So erlebte Sophie von Scharnhorst die kaiserliche und erzherzögliche Familie.

Kein schlechtes Wort kam der Gräfin über ihre Herrin jemals über ihre Lippen. Ihre Briefe sind eine einzige Lobeshymne an die hohe Frau.

Die Briefe erreichten alle ihre enge Freundin Eveline Gräfin von Sickingen-Hohenberg(*) (*24.11.1809, †27.11.1895), welche in Ischl lebte und eine enge Vertraute des hohen Adels war. So auch von Erzherzogin Sophie.

In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, 3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, 23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, 7.3.1855) geheiratet.

Ebenfalls ein Rätsel war ihre Tochter Caroline, da mit der falschen Schreibweise auch Caroline, welche bei Richard Kühn Karoline geschrieben wurde, nicht aufgefunden werden konnte.

Erst ein Stammbaum auf einer holländischen Seite brachte mich weiter. Caroline von Hohenburg-Sickingen (*5.2.1835, 2.8.1909) wurde zur Hofdame bei Erzherzogin Sophie 1858 einberufen. Ungefähr 2 Jahre übte sie diesen Dienst aus, bevor sie Conrad Graf von Sternberg-Rudelsdorf (*6.6.1825, 2.9.1876) ehelichte und Tochter Eveline (*13.5.1861, 17.10.1881) gebar.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name von Eveline von Hohenburg-Sickingen falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

(**) Auf Seite 279 findet sich in den Hofdamen Briefe von Baronin von Scharnhorst der Name „Gräfin Schönborn“. Weitere Angaben gab es nicht.

Auch jetzt machte ich mich wieder auf die Suche nach der Hofdame von Erzherzogin Sophie und wurde nach langer und intensiver Suche fündig:
Zuerst fand ich
Maria Anna Josephine Caroline von Schönborn-Buchheim, welche Hofdame bei Kaiserin Elisabeth wurde und oben ebenfalls Thema ist. Da dies 1857 passierte, diese aber nicht von jene Gräfin war, die Eveline von Hohenburg-Sickingen schrieb, suchte ich weiter.

Über Caroline fand ich Obersthofmeisterin Ernestine Schönborn (*1800, 1850). Wer 1850 gestorben ist, kann nun mal 1857 keine Briefe schreiben, also war auch das eine Sackgasse. Ich vermute, dass es sich um Gräfin Schönborn, um Charlotte Sophie handelt (*12.2.1796, 1864), konnte es aber noch nicht beweisen. Sobald mir das gelungen ist, werde ich es bekannt geben.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, Caroline, Ernestine, Charlotte Sophie, noch zu den anderen Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Bis heute konnte ich auch keine Daten zu Sophie Baronin von Scharnhorst finden.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.

Nicht von jeder Hofdame gibt es Fotos. Ich hatte schon Schwierigkeiten die Daten herauszufinden.

(***) Bei Clementine von Taaffe darf ich mich rühmen, dass ich die erste und einzige bin, die herausgefunden hat, wann sie geboren wurde und wann sie bei Hofe ihre Anstellung fand. In keinem historischen Buch fand ich diese Daten. Es hat mich stundenlange detektivische Arbeit gekostet, die sich schließlich ausgezahlt hat.

Marie von Redwitz ist mein begehrtes Ziel für ein Foto. Ich besitze ein Familienfoto bei der Enthüllung des Oskar von Redwitz-Denkmals vor dem Hotel Austria in Meran, welches heute das Hotel Adria ist. Oskar von Redwitz (*28.6.1823, †6.7.1891) war ein berühmter Dichter und Schriftsteller und ihr Vater. Nicht nur, dass Marie Hofdame war, so trat sie auch in die Fußstapfen ihres Vaters. Sollte ich jemals in den Besitz eines besseren Fotos kommen, werde ich es hier einfügen.


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: hofburg-wien.at, habsburger.net, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Kunsthistorisches Museum Wien (KHM), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), abebooks.com


Literatur Hinweise:

1 – S.279, 2 – 280/1, 3 – S.282/3, 4 – S.284, 5 – S.284/5,
Hofdamenbriefe
Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Verlag Caesar Schmidt, 1903, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

6 – S.376/7
Richard Kühn
Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865)
Oswald Arnold Verlag Berlin, 1. Auflage 1942 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859-1898 Band I und Band II
Herold Verlag, Wien 1966 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Gudula Walterskirchen
Der Franzi war ein wenig unartig
Hofdamen der Habsburger erzählen
Residenz Verlag, 2013, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

Karin Schneider
Norm und Zeremoniell
Das Etiquette-Normale für den Wiener Hof von circa 1812
Böhlau Verlag, 2019, 1. Auflage (in jeder Buchhandlung erhältlich)

Der Hofstaat des Hauses Österreich
Ivan Zolger
Deuticke, Wien, 1917 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Kaiserin Elisabeth ganz privat
Briefe an ihre intimste Vertraute Ida Ferenczy
Beatrix Meyer
Allitera Verlag, 1. Auflage 2020 (in jeder Buchhandlung erhältlich)

Jahresbericht des ersten allgemeinen St. Annen Kinderspitals für 1857
Interner Bericht

Christa Diemel
Adelige Frauen im bürgerlichen Jahrhundert
Hofdamen, Stiftsdamen, Salondamen 1800 – 1870
Fischer Verlag, 1. Auflage 2015


Erzherzog Ludwig Salvator – Mallorca Museumsbericht

Foto: ÖNB
Erzherzog Ludwig Salvator

historische Person:

In diesem ausführlichen Bericht, möchte ich euch

Ludwig Salvator Erzherzog von Österreich, Prinz von Toskana

näher bringen. Er war durch seine freie unkonventionelle Art verhasst am Wiener Hof und natürlich beliebt bei Kaiserin Elisabeth. Sie besuchte ihn und seine Geliebte sogar mehrmals auf Mallorca.

Ein Bericht:

Ludwig Salvator wurde am 4.8.1847 in Brandeis geboren.

Leopold II, Foto: Wikimedia/Commons
Maria Antonia Prinzessin Neapel-Sizilien Foto: Wikimedia/Commons

Sein Vater war Leopold II Großherzog von Toskana, Erzherzog von Österreich (*3.10.1797, †29.1.1870) . Seine Mutter Maria Antonia Prinzessin von Neapel-Sizilien (*19.12.1814, †7.11.1898). 

Ludwig war ein Ur-Enkel von Kaiser Leopold II, der wiederum das neunte Kind von Maria Theresia und Kaiser Franz I Stephan war.

Er war somit ein Cousin von Kaiser Franz Joseph.

Seine Eltern legten wenig Wert auf höfische Etikette und ließen ihre Kinder liberal erziehen. Ludwig hatte Zeit seines Lebens große Interessen an fremden Sprachen, der Natur und des Meeres.

1860 musste die Familie die Toskana verlassen und richtete sich auf Schloss Brandeis ein.

1867 ging er auf Geheiß von Kaiser Franz Joseph auf eine ausgedehnte Seereise, um die relativ unbekannten Baleareninseln zu erforschen. Er verliebte sich auf Anhieb in Mallorca und siedelte 3 Jahre später komplett auf die Insel.

Bis heute wird er auf Mallorca verehrt. Eine seiner Wohnungen wurde ein Museum, welches öffentlich zugänglich ist.

Er interessierte sich für die Flora und Fauna der Insel und begann Bücher zu schreiben, die bis heute naturwissenschaftlichen Zwecken dienen.

Ludwig zog es vor sich leger zu kleiden, weshalb er bald wie ein „armer“ Einheimischer aussah. Obwohl er reich war, scherten ihn solche Dinge wie Kleidung nicht. Er trug abgewetzte Anzüge, geflickte Sakkos und Hosen. Um Geld zu sparen, band er sich seine Manschetten-Hemden mit Bindfaden zu.

Wie leger Ludwig war, zeigt folgende Geschichte:

Ein Bauer blieb mit seinem Karren im Schlamm stecken. Ludwig eilte ihm zu Hilfe. Der Bauer erkannte den berühmten Erzherzog Ludwig nicht und gab ihm nach getaner Arbeit ein Geldstück. Ludwig war Zeit seines Lebens stolz auf sein „erstes selbstverdientes“ Geld.

Er widmete sich intensiv den Studien der Inseln, u.a. auch Menorca und schrieb insgesamt 9 Bücher über die Balearen. Diese sind so umfangreich, dass sie bis heute (!) als Nachschlagewerk und Schulstoff für Kinder verwendet werden.

Der Wiener Hof lehnte den Sonderling ab. Er wurde als Kommunist beschimpft und der bösartige Tratsch kannte kaum eine Grenze. Man rümpfte über ihn die Nase, wo man nur konnte. Nur eine ließ sich vom Spott nicht beirren:

Kaiserin Elisabeth

Im Dezember 1892 – also 3 Jahre nach Kronprinz Rudolfs Tod – besuchte die bereits von Depressionen heimgesuchte Elisabeth ihren (angeheirateten) Cousin, mit dem sie eine große Freundschaft verband.

Ihren 55. Geburtstag (24.12.1892) – also gleichzeitig auch den Weihnachtsabend), verbrachte sie lieber mit Ludwig, als mit ihrer Familie in Wien.

Ein Umstand, den Kaiser Franz Joseph gar nicht gut hieß. Besorgt schrieb er seiner ambivalenten Gattin, ob sich

„der dicke Luiggi auch ordentlich um sie kümmere“.

Da der Dezember 1892 allerdings auf Mallorca stark verregnet war, brach Kaiserin Elisabeth ihren Aufenthalt ab und ließ ihre Yacht „Miramar“ Richtung Griechenland steuern. Im Jänner 1893 kam Kaiserin Elisabeth zurück.

Ludwig Salvator heiratete nie, hatte aber ein reges Liebesleben, das auch einige uneheliche Kinder zur Folge hatte. Alle Kinder ließ er versorgen.

Foto: mallorcamagazin
Catalina Homar

Seine Dauergeliebte und große Liebe war eine einfache Tischlertochter. Catalina Homar (*1869, †1905) war nicht nur sehr schön, sie war auch sehr klug. Sie lernte unter Ludwigs Führung Lesen und Schreiben und so setzte er sie als Verwalterin seines Weingutes „S‘Estaca“ ein.

Er nahm Catalina auch mit auf seine Reisen und sogar am Wiener Hof führte er sie ein. Sehr zum Missfallen des Wiener Hofes, die Damen der adeligen Gesellschaft waren einer Ohnmacht nahe. 

Als Elisabeth starb, war Ludwigs Trauer groß.

1905 ging er mit Catalina auf eine große Reise. In Jerusalem steckte sie sich mit Lepra an und starb 36jährig. Ludwig verfiel in tiefe Trauer.

Seine Trauer überwand er mit dem Schreiben eines Buches, welches einen Skandal im Kaiserhaus auslöste. Das Buch hieß „Catalina Homar“. 

In diesem erfuhr Kaiser Franz Joseph, dass seine geliebte Elisabeth mit Catalina mehrfach zusammen traf und an einem Tisch saß. Sie unterhielten sich so gut, dass man hätte meinen können, die beiden kannten sich schon ewig. Er verbot jede weitere Verbreitung.

Der Skandal, dass seine Engels-Sisi mit einer einfachen mallorquinischen Tischlertochter an einem Tisch sitzen musste, war für den verknöcherten Monarchen zu viel.

Obwohl bereits 1000 Stück im Umlauf waren, sind kaum Exemplare erhalten.

Im Laufe von 30 Jahren erwarb Ludwig zwischen den Orten Valldemossa und Delá einen ganzen Küstenstrich, der er der Natur widmete. Kein Baum durfte gefällt, kein Haus erbaut und kein Tier getötet werden.

Er selbst ließ sich in Son Marroig nieder. Im Landhaus S’Estaca, in welchem er mit Catalina lebte, widmete er sich dem Weinbau und gewann zahlreiche Preise (heute gehört das Gut Hollywood Schauspieler Michael Douglas).

Ludwig wurde im zunehmenden Alter dick, weshalb er bald aus allen Nähten platzte. Sehr zum Hohn des Wiener Hofes, welche ihn noch mehr verspotteten. Selbst Kaiser Franz Joseph stimmte in den Hohn mit ein, als er vom „dicken Luiggi“ sprach.

Als der erste Weltkrieg (1914) ausbrach, befahlKaiser Franz Joseph Ludwig zurück und bat ihn auf Schloss Brandeis zu leben. Mittlerweile litt Ludwig an schwerer Elephantitis und konnte sich kaum noch bewegen.

Ludwig Salvator Erzherzog von Österreich starb 68jährig am 12.10.1915 auf Schloss Brandeis.

Sein letzter Wunsch auf Mallorca beerdigt werden zu wollen, wurde ihm – wie auch Kaiserin Elisabeth, die auf Korfu beerdigt werden wollte – verwehrt.

Anstatt auf einem Grabhügel von der Sonne umsäumt, ruht er in einer Wandnische der Kapuzinergruft.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Grabnische, Erzherzog Ludwig Salvator, Kapuzinergruft

Reisebericht – Mallorca Museumsbesuch

Wir besichtigen nun das ehemalige „Kartäuserkloster von Valldemossa“ in welchem der Erzherzog 4 Jahre lebte, bevor er in seine Villa umzog. Nehmt euch Zeit, das Museum ist größer, als ihr glaubt.

Adresse: Plaça Cartoixa, S/N, 07170 Valldemossa, Illes Balears, Spanien
Öffnungszeiten: Montag – Samstag von 10.00 Uhr – 16.30 Uhr (bitte erkundigt euch aber noch einmal vor Ort; Zeiten könnten variabel sein).

Eintritt: € 4,00 Erwachsene, € 2,00 Kinder

Hier haben übrigens auch Chopin und seine Lebensgefährtin George Sand (Autorin, welche eigentlich „Amantine Aurore de Francueil“ hieß) 3 Monate logiert. Ich zeige euch aber nur die Erzherzog Ludwig Salvator Räume.

Kaiserin Elisabeth besuchte die Insel insgesamt 3x.

1861 war Kaiserin Elisabeth, mit der von Queen Victoria geliehenen Yacht nach Palma de Mallorca gekommen. 

Da sie den Rummel um ihre Person hasste, vermied sie die Öffentlichkeit und besuchte die Hauptstadt „inkognito“.

In Palma wurde ihr zu Ehren in der Kathedrale eine Messe gelesen. Sie besuchte die Innenstadt von Palma und das Schloss Bellver. 

In der Llotja de Palma – auch La Lonja de los Mercaderes genannt – („das“ historische Gebäude von Palma), wartete eine große Menschenmenge und eine Musikkapelle auf die hohe Besucherin. 

Doch Kaiserin Elisabeth wollte ihr Ziel Madeira so schnell als möglich erreichen und zog es vor die Lonja nicht mehr zu besuchen.

Im Dezember 1892 – also 3 Jahre nach Kronprinz Rudolfs Tod – besuchte die bereits von Depressionen heimgesuchte Elisabeth ihren (angeheirateten) Cousin, mit dem sie eine große Freundschaft verband.

Ihren 55. Geburtstag (24.12.1892) – also gleichzeitig auch den Weihnachtsabend) -, verbrachte sie lieber mit Ludwig, als mit ihrer Familie in Wien. Ein Umstand, den Kaiser Franz Joseph gar nicht gut hieß. Besorgt schrieb er seiner ambivalenten Gattin, ob sich „der dicke Luiggi auch ordentlich um sie kümmere“. Da der Dezember 1892 allerdings auf Mallorca stark verregnet war, brach Kaiserin Elisabeth ihren Aufenthalt ab und ließ ihre Yacht „Mariamar“ Richtung Griechenland steuern. 

Im Jänner 1893 kam Kaiserin Elisabeth zurück auf Mallorca, um ihren Cousin zu besuchen. 

Er holte die Kaiserin in der Bucht, in der ihre Yacht ankerte ab. Dabei begleiteten ihn einige Künstler, mit denen er befreundet war.

Wahrscheinlich auf Geheiß Ludwigs entstand dieser heimliche Schnappschuss, der heute im Archiv verwahrt wird. 

Foto: Archiv Son Moragues
Kaiserin Elisabeth, 1893 auf Mallorca

Seine Villa war damals noch nicht so einfach zu erreichen wie heute. Es war ein fast zweistündiger Fußweg der zurückgelegt werden musste. 

In der Villa angekommen, wartete auf Kaiserin Elisabeth ein überladenes Buffet, dass sie angeblich sehr verächtlich gutiert haben soll. Da Ludwig in seinen späteren Jahren sehr wohlgenährt war, war es für die sehr schlanke Kaiserin wohl unangenehm ein solches Mahl vorgesetzt bekommen zu haben. 

Die Finca S’Estaca in Valldemossa ist heute im Privatbesitz von Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones. Es gibt ein paar Einblicke in die Villa S’Estaca, in der auch Kaiserin Elisabeth zwei Mal einkehrte.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:

Text: Petra 
Bildrechte: homeadverts.com, mallorcamagazin, Wikimedia/Commons, ÖNB, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Vielen Dank an die Museumsleitung, welche mir die Dokumentation erlaubt hat.


Eine glückliche Kindheit?

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth als ca. 14jährige,
1. bekannte Fotografie
Bild: Alois Löcherer

Sisi, Elise, Liesl, Lisel, Beta, Sethy, Sissy, Rose vom Bayernland, durch die Filme auch Sissi.

Viele Namen, eigenartige bis schreckliche Schreibweisen von Sisi und noch mehr Anekdoten ranken sich um Kaiserin Elisabeth.

Doch nur eine Schreibweise wurde wirklich bekannt und auch nur mit einer unterschrieb sie ihre private (!) Korrespondenz:

Sisi

Ihr Kosename war nur ihren engsten Vertrauten vorbehalten.

Niemand sonst hätte es gewagt die Kaiserin mit „Sisi“ anzusprechen.

Die Etikette am Wiener Hof war äußerst streng und unbedingt einzuhalten. Wer sich mit dem Spanischen Hofzeremoniell bzw. der Hofetikette auseinander setzen möchte, ist hier richtig.

Zu ihrem Mythos hat Romy Schneider viel in der Sissi-Trilogie beigetragen.

Dass Kaiserin Elisabeth einmal so berühmt wird, verdankt sie im Prinzip dieser „Herz-Schmerz-Trilogie“.

Dass die Darstellerin der Filme ebenso zerbrach, wie das Original, kann man beinahe schon „Schicksalsbehaftet“ nennen. Romy Schneider sagte einst über die Rolle, dass sie in ihrem Leben wie Grießbrei an ihr pappen würde.

Ich glaube, dass ihr Kaiserin Elisabeth Recht gegeben hätte. Nur das es bei ihr keine Rolle war, sondern tatsächlich ihr Leben.

Aber wer war diese Frau, die uns noch heute so fasziniert und beinahe täglich in den Social Media Kanälen zu immer eigenartigeren Fotowettbewerben antreibt?

Wer war diese Frau, von dem jede/r Dritte meint…


Das junge schüchterne sechzehnjährige Mädchen, von dem heute alle Welt denkt, es in- und auswendig zu kennen.
… (1)

Wer war diese Frau, dass man ihr Konterfei auf Seifen, Bierkrüge, Kochhandschuhe, Schokoladen oder Radiergummi (usw.) pappt?

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiserin Elisabeth Wachsfigur Madame Tussauds, Wien
Wer war diese Frau, die man ins Madame Tussauds Museum mit einem grässlichen grauen vorhangartigen Ding das sich Sternenkleid nennen soll (ohne Sterne), entsetzlich frisierter Perücke und einer jung dargestellten Sisi einen Anker auf die Schulter tätowiert, den sie nachweislich erst mit knapp 51 Jahren in Marseille (1888) machen ließ, stellte?

Ich versuche die Spuren dieser uns in dieser Zeit immer noch bewegenden Frau zu finden, nachzugehen und zu erzählen.

Aber wie immer beginnt jede Reise mit einem Anfang:

Schon während oder nach kurz nach der Geburt von Elisabeth gehen die Bücher der Historiker/innen weit auseinander.

Die einen schreiben, Herzog Max sei schon während der Geburt von Elisabeth wieder über alle Berge gewesen, die Anderen sagen, er fuhr erst einen Monat später in den Orient.

Was ist wahr?
Was ist Legende?
Was ist Film?
Was ist erfunden?
Woher kommt dieser enorme Mythos?
Auch ich werde das alles nicht aufdecken können.
Aber ich werde mich bemühen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika
Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max in Bayern

Elisabeth wurde am 24.12.1837 um 22.43 Uhr in ein Herzogshaus geboren.

Ihre Mutter Ludovika, genannt Louise (*30.8.1808, 26.1.1892) wurde als Prinzessin von Bayern geboren und mit Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, 15.11.1888) vermählt.

Der Beitrag von Louise kann hier und von Max hier gelesen werden.

Sie war das vierte Kind von insgesamt 10 Kindern, wobei 8 das Erwachsenenalter erreichten. Der zweite Sohn Wilhelm starb 2 Monate nach der Geburt, weshalb Sisi im Prinzip an dritter Stelle stand.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Louise hatte in ihrem Boudoir im Beisein ihrer Mutter Ex-Königin Caroline von Bayern (*13.7.1776, 13.11.1841), ihrer Obersthofmeisterin Auguste Gräfin von Rottenhan (*/unbekannt), ihrer (Halb)Schwester Auguste von Leuchtenberg (*21.6.1788, 13.5.1851) sowie deren Tochter Eugénie Erbprinzessin von Hohenzollern-Hechingen (*22.12.1808, 1.9.1847) die kleine Wittelsbacherin am Weihnachtsabend, den 24.12.1837 um exakt 22.43 Uhr entbunden.

Zwei Hofdamen hielten sich in den Nebenräumen von Herzogin Ludovikas Privatgemächern auf.

Sehr zum Unwohlsein der Herzogin, kamen in ihr Boudoir (Badezimmer) drei königliche Würdenträger, um die Ankunft der Herzogin zu bezeugen. Anders als früher im französischen Haus und noch immer im englischen Haus üblich, musste zumindest Ludovika vor den fremden Herren keine öffentliche Geburt abhalten.

Foto: Bildarchiv des Bayrischen Landesamts für Denkmalpflege, München
Badezimmer von Herzogin Ludovika
(ohne Badewanne)

Dennoch war natürlich Louise nicht im herzeigbaren Zustand, als sie im Morgenmantel über dem Nachthemd, mit zerzausten Haaren und blass auf ihrer Chaiselongue ruhte.

Die Herren Sebastian Freiherr von Schrenck (*28.9.1774, 16.5.1848) (Staatsminister der Justiz), Ludwig Ritter von Wiesinger (Staatsminister des Inneren) (*/unbekannt) und Friedrich Freiherr von Gise (*17.3.1783, 4.10.1860) (Staatsminister des königlichen Hauses) traten vor die erschöpfte Mutter, um die neue Wittelsbacherin in dem Geburtenbuch einzutragen.

Ein Staatsakt und gleichzeitig eine Beglaubigung, dass es sich hierbei um Mutter und Tochter handelte. So konnte ausgeschlossen werden, dass eine fremde Mutter oder ein fremdes Kind als „Wittelsbach“ untergeschoben wurde.

Königin Marie Antoinette in Frankreich musste noch eine „öffentliche Geburt“ ertragen. D.h. Staatsdiener, Hofdamen, Hebamme, Arzt und Adelige am Versailler Hof durften beim Gebären zusehen. Marie Antoinette hatte sich in weiterer Folge erfolgreich gewehrt.

Am britischen Hof wurde weiterhin „öffentlich“, jedoch mit einer Leinwand zwischen Beinen und Oberkörper entbunden. Die Staatsdiener, Hofdamen standen auf der „nicht familiären Seite“ (also der Oberkörper zugewandten Leinwand) und alle anderen auf der „familiären Seite“ (also der mit den offenen Beinen zugewandten Leinwand).

Diese Peinlichkeit wurde mittlerweile dem gebärenden Haus Wittelsbach erspart.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.

Eine andere jedoch nicht:

Durch das Dekret ihres Halbbruders König Ludwig I (*25.8.1786, 29.2.1886), welches Max kurz vor der Hochzeit erhielt und ihm damit der Titel „königliche Hoheit“ aberkannt wurde, wurde Prinzessin Louise bei der Hochzeit zur Herzogin dekradiert.

Ludwig machte damit etwas zunichte, was sein Vater König Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, 13.10.1825) und Herzog Wilhelm (*10.10.1752, 8.1.1837) jahrelang versuchten aufzubauen.

1799 ändeten die beiden die Erblinie „in Bayern“ und „von Bayern“ so um, dass sich beide Wittelsbacher-Linien „Prinz“ und „Prinzessin“ nennen durften. Mit dem Dekret vom 7.8.1828 war dies schlagartig dahin. Die Erblinie „in“ und „von“ Bayern kann hier nachgelesen werden.

Später sollte genau dieses „in“ Bayern Elisabeth mächtige Probleme bereiten. Was ihr widerfahren ist, würde man heute Mobbing nennen.

Bis zum 7.8.1828 durfte sich Herzog Max in Bayern „königlicher Prinz“ nennen. Ab diesem Datum, verordnete König Ludwig I über sein Staatsministerium und ließ Herzog Max folgende Mitteilung zukommen:

„Bey Gelegenheit der Verehelichung Unseres vielgeliebten Vetters, des Herrn Herzog Maximilian in Bayern, Hoheit, mit Unserer Prinzessin Schwester Königliche Hoheit wollen Wir, daß bey Abfassung der Ehepakten die dem Herrn Herzog gebührende Titular streng einzuhalten, daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört, gebraucht werde.“ (2)

Nach dieser ungeliebten Hochzeit wurde Ludovika nicht mehr wie früher mit „königliche Hoheit“ angesprochen, sondern mit „Herzogin“ oder „Hoheit“

Louise haderte Zeit ihres Lebens mit ihrer Titel-Degradierung.

Demnach war der Titel des neuen Familienmitgliedes

Herzogin in Bayern

Später wurde genau dieses „in Bayern“ Elisabeths größter Feind und lebenslanges Hindernis. Durch diese „Adelstitel-Barriere“ – wie man das schon nennen kann – wurde sie am Wiener Hof nie anerkannt.

Am 26.12.1837 wurde das kleine Mädchen auf die Namen

Elisabeth Amalie Eugenie

in der Stiftskirche St. Kajetan, Theatinerkirche in München getauft.

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Amalie Auguste von Sachsen
Bild: Joseph Stieler, 1823
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Elisabeth von Preussen

Die Paten waren die engen Vertrauten von Louise Elisabeth Kronprinzessin von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873), welche 3 Jahre später Königin werden sollte.

Die zweite Patin war die Zwillingsschwester von Elisabeth, Amalie Auguste Prinzessin von Sachsen (*13.11.1801, †8.11.1877), welche am 9.8.1854 Königin wurde.

Und dank Dr. Martina Winkelhofer und ihrem Buch „Sisis Weg“ ist nun auch endlich bekannt, woher Eugenie stammt. Sie war die Nichte der Patinnen und der Mutter der Neugeborenen, Eugenie Erbprinzessin Hohenzollern-Hechingen, welche unter dem Namen Eugenie Herzogin von Leuchtenberg geboren wurde.

Der Name ist nicht, wie von mir vermutet, nach dem verstorbenen Eugené de Beauharnais (*3.9.1871, †21.2.1824), später Herzog von Leuchtenberg abgeleitet, welcher der vielgeliebte und -beweinte verstorbene Ehemann und Vater von Auguste Amalia von Leuchtenberg und Eugenie war, welche beide bei der Geburt der kleinen Elisabeth anwesend waren (wie weiter oben im Text erzählt).

Prinzessin oder Herzogin – welcher Titel stimmte?

Doch warum schreibe ich so konsequent „Herzogin“, wenn alle anderen immer das Wort „Prinzessin“ oder bei den Brüdern von Elisabeth das Wort „Prinz“ voransetzen.

Auch wenn das Wort „Prinzessin“ und „Prinz“ so hübsch klingen; die herzoglichen Kinder waren nie Prinzessinnen oder Prinzen.

Das Dekret vom 7.8.1828, also einen Monat vor der Hochzeit von Prinzessin Ludovika und Herzog Max, besagte eindeutig, dass sich Max nicht mehr „Prinz“ nennen durfte.

Dies implizierte sich auch auf seine Nachkommen, da sie sowohl seinen Namen, als auch seinen Titel erbten.

…daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört (2)

Anmerkung Petra: nochmaliger Ausschnitt aus obigen Dekret

Warum im Prinzip in beinahe jeder Biografie über Kaiserin Elisabeth (ob alt oder neu ist dabei völlig ohne Belang) von „Prinzessin Elisabeth“ die Rede ist, ist mir nicht erklärbar.

Die Mär der Prinzessin wurde natürlich auch in der Film-Triologie „Sissi“ aufgegriffen und zieht sich durch bis zur gleichnamigen Zeichentrickserie, wo unsere dunkelhaarige Kaiserin, sogar blond gezeichnet ist.

Aber nicht nur die Historiker/innen und Filmregisseure/innen dieser Welt haben diese Mär verbreitet, sondern auch die Hofzeremonienmeister jener Zeit.

Vielleicht kommt dieses „Prinzessin“ auch von daher, da viele Historiker/innen die Einträge von damals als Recherchevorbild nehmen. Oft wird aber nur von einem zum anderen abgeschrieben und so verbreitet sich das natürlich weiter und weiter und weiter…

Eine mögliche Erklärung liefert wahrscheinlich der bayrische Volksmund selbst.

Diese betitelten die herzoglichen Töchter (und zwar nur die Töchter) gerne als „Prinzessin“. Und da später Kaiser Franz Joseph gar keine Herzogin heiraten hätte dürfen (nicht standesgemäß), wurde Elisabeth, wie sie zur Kaiserin wurde, anscheinend zur Prinzessin.

Sieht man sich in späteren Jahren seine strikte Ablehnung bei unstandesgemäßen Hochzeiten an, ist es hier wohl am meisten erstaunlich, dass Kaiser Franz Joseph bei sich selbst wohl die größte Ausnahme machte, seine Verwandten aber gerne ins Unglück rennen ließ.

Anders der militante, elitäre und versnobbte Wiener Adel oder Wiener Hof, der Elisabeth so sehr zum Verhängnis werden sollte. Das Spanische Hofzeremoniell – Hofetikette kann hier nachgelesen werden.

Foto: APA, Sisi Museum Hofburg
Kinderschuhe von Herzogin Elisabeth
mit herzoglichen Wappen

Eine geborene „Herzogin in Bayern“, ja gar ein „Landmädel“ wie sie auch genannt wurde, auf dem kaiserlichen Thron war für die Adeligen jener Zeit ein ungeheures Ausmaß an Abscheulichkeit.

Diese militante Einstellung und Ablehnung, sollte Elisabeth ihr ganzes weiteres Leben zu spüren bekommen. Mit einer der Gründe, warum ihr das Leben als Kaiserin so extrem schwer fiel.

Nach strenger Etikette hätte der Kaiserin-Titel nur einer königlichen Prinzessin (kaiserlich geborene Prinzessinnen gab es nicht) weitergegeben werden dürfen. Hätte also nach dem Hofzeremoniell Kaiser Franz Joseph eine königliche Tochter geheiratet, wäre diese eine geborene Prinzessin gewesen.

So aber galt seine Hochzeit als unstandesgemäß. Da er aber zuvor alle anderen Vorschläge seiner Mutter ablehnte, diese aber auch seine Herzensdame Erzherzogin Elisabeth (*17.1.1831, †14.2.1903), wurde Sophie auf ihre eigene Familie aufmerksam. Der Rest wurde zur Weltgeschichte… (Kaiser Franz Joseph und seine Frauen bis zur Schratt kann hier nachgelesen werden.)

Bereits in der allerersten Biographie die es von Kaiserin Elisabeth gab, wurde sie als „Prinzessin“ betitelt. Diese hatte Kaiser Franz Joseph persönlich in Auftrag gegeben. Sie diente als Erinnerungsschrift und wurde nur am Wiener Hof und den engsten Verwandten zugetragen.

„Auf Schloss Possenhofen erblickte Elisabeth Amalia Eugenia am 24. Dezember 1837 das Licht der Welt. Schon sehr früh zeigte die kleine Prinzessin Elisabeth ein lebhaftes Interesse für die Natur und die Vorgänge derselben, eine Neigung, die von ihren fürstlichen Eltern mit liebevoller Freude genährt und gefördert wurde.“ (4)

1905 hieß es “ ….;

„Prinzeß Elisabeth, als zweites Töchterchen und hochwillkommenes Christkind eingekehrt am 24. Dezember 1837 in München beim glücklichen Elternpaare…“ (5) 

Im Kinderbuch von Sigrid Laube „Sisi, das Kind der Sonne“ liest sich das folgendermaßen:

„Hört, ihr Freunde, was geschehen, an der schönen Isar Strand, hört…“ Die Stimme des Bänkelsängers klang dünn und brüchig durch die Nacht. Der Winter war in diesem Jahr schon früh mit bissiger Kälte über München hergefallen und hatte die Stadt in einen klirrenden Mantel gehüllt. Vor dem Mund des Sängers bildeten sich im Takt des Liedes kleine Wolken, sie zögerten kurz und lösten sich dann in einer eisigen Luft auf. … „Weihnachten ist, da ist das Theater geschlossen, sogar das Café Chantant im Palais Max. Aber wenns wahr ist, sorgt der Allmächtige dort gerade für höchsten Nachwuchs, prinzlichen sozusagen.“ „Oder prinzesslichen, wies der Herrgott halt will“, fügte er hinzu. (6) 

Um es zu vervollständigen, müsste ich hier ca. 25 – 30 Bücher zitieren, was ich mir – ihr verzeiht mir hoffentlich – erspare.

Allerdings möchte ich euch noch ein Zitat aus einem Kinderbuch vorstellen. Geschrieben wurde es von der Historikerin Gabriele Praschl-Bichler:

„Vite! Vite! Les enfants! Viiite!“ („Rasch! Rasch, Kinder! Raaasch!“) Eine Gouvernante treibt die ihr schutzbefohlenen Mädchen zum rascheren Gehen an. Dabei spricht die Erzieherin mit den Kindern französisch, weil das damals alle feinen und gebildeten Leute taten. Vor dem Palast des Herzogs Max in Bayern herrscht reges Leben. Das Einfahrtstor steht weit geöffnet, Bedienstete strömen auf die Straße. Lieferanten, Künstler und andere bunte Gestalten bevölkern den Platz vor dem Gebäude. „Die Herzogin ist wirklich zu bemitleiden! Eben hat sie ein Mädchen geboren und schon ist ihr Mann wieder davon! Ein rechter Zugvogel ist der gute Herzog halt…pardon, wenn man das so sagen darf! Es heißt, dass er sich in Griechenland aufhält, um dort…“ …. Ganz nebenbei, wie heißt das Mädchen eigentlich? „Die kleine Tochter des Herzogs.“ „Man hat sie Elisabeth genannt.“ (7)

Anmerkung Petra: Hier wird das Wort Prinzessin zum ersten Mal nicht erwähnt

Ab 1845 wurde Herzog Max in Bayern die Anrede „königliche Hoheit“ von König Ludwig I. gewährt.

Jetzt sah die Sachlage schon anders aus. Elisabeth wurde nun zur „königlichen Hoheit“, nicht aber zur Prinzessin. Wenn man bedenkt, dass sie 8 Jahre später heiratete, kam für sie diese Ehre zu spät.

Die Anfänge von Herzogin Elisabeth

Der 24.12.1837 war ein Sonntag, weshalb sie von sich selbst immer behauptete, sie sei ein Sonntagskind. Zu dem hatte sie bei der Geburt schon einen Zahn – was damals als Glückssymbol galt.

Ein glückliches Leben wurde der jungen Herzogin immer vorausgesagt. Wie oft hat Sisi wohl davon geträumt?

Aufgewachsen ist die kleine Herzogin zwischen der Ludwigstraße 8 in München und dem idyllischen Schloss Possenhofen am Starnberger See, welches beides schon in der Familie war, als Elisabeth zur Welt kam.

1828 wurde das imposante Palais Herzog Max fertig, welches als das schönste und der prächtigste Bau seiner Zeit galt. 1834 wurde „Possi“ angeschafft, um den Kindern auch frische Luft, einen Ort zum Spielen, Reiten, Jagen, Schwimmen, Fischen und Wandern zu ermöglichen.

Sisi wuchs also zunächst mit Bruder Ludwig „Louis“ (*21.6.1831, †6.11.1920) und Schwester Helene „Néné“ (*4.4.1834, †16.5.1890) auf. Ihr Lieblingsbruder Carl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, 30.11.1909) sollte direkt nach ihr geboren werden.

Die Geschwister Marie (*4.10.1841, 19.1925), Mathilde „Spatz“ (*30.9.1843, 18.6.1925), Sophie (*23.2.1847, 4.5.1897) und Nesthäckchen Maximilian Emanuel „Mapperl“ (*7.12.1849, 12.6.1893) folgten nach.

Ihre größte Liebe wurde jene zu den Pferden, auch wenn Tierschutz und Verhätschelung nicht im Vordergrund war, wie man es heute kennt. Mein großer Beitrag „eine Kaiserin zu Pferde“ kann hier nachgelesen werden.

Bis zu ihrem (ca.) 6ten Lebensjahr besaß ihr Vater im hinteren Teil des riesigen Palais eine Zirkusmanege, wo er als Zirkusdirektor auftrat und seine Kinder als Kunstreiter auftreten ließ.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bild im Privatbesitz, deshalb mit extra großem Logo – der Besitzer möchte nicht genannt werden
Kaiserin Elisabeth auf ihrem Dressurpferd Avolo
Bild: Wilhelm Richter, 1876

Elisabeth sollte 45 Jahre lang auf dem Pferd sitzen. Das Kunstreiten wurde in dieser Zeit ebenfalls perfektioniert und trainiert.

1841, als Sisi also 3 Jahre alt war, hatte die Familie einen Todesfall zu beklagen, den diese wirklich schwer nahm.

Ihr Diener „Osman“, welcher am 17.5.1841 um 1.00 Uhr mittags an „Abzehrung“ verstarb, wurde von Herzog Max auf seiner Orientreise vom Sklavenmarkt freigekauft.

5 Schwarzafrikaner brachte er damals von der Reise mit, welche alle in der Frauenkirche in München getauft wurden und im Dienste des Herzogs standen. Osman, ein „Mohr aus Abessinien“ (so steht es im Sterbebuch) wurde auf den Namen Theodor getauft.

Elisabeth war dadurch schon sehr früh an Schwarzafrikaner in ihrer Umgebung gewöhnt und der Umgang mit ihnen war für sie ganz normal. Sie behandelte diese Menschen auch sehr höflich und zuvorkommend, wie es in der Biografie von Martina Winkelhofer heißt.

Etwas, was bisher auch noch nie in dieser Form zu lesen war. Gerade bei Rustimo stach immer ins Auge, dass Elisabeth es gewesen sein soll, die ihn vom Hof vertrieben habe. Doch Frau Winkelhofer fand heraus, dass sie sich auch später noch um ihn kümmerte.

Osman/Theodor wurde nur 17 Jahre alt.

Was für die kleine Sisi, Néné, Louis und Gackel also völlig normal war, war für die bayrische Gesellschaft naturgemäß ein Schock.

Foto: geschichtewiki.wien.gv.at
Angelo Soliman

Schwarze Menschen in München, waren damals so gut wie noch nie gesehen worden und wenn dann traten diese im Zirkus als „Absonderlichkeiten“ auf.

In Wien lebten im 18. Jahrhundert ca. 200 Schwarzafrikaner, der bekannteste unter ihnen war naturgemäß Angelo Soliman, da er nach seinem Tod ausgestopft wurde. Seine Geschichte kann hier nachgelesen werden: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Angelo_Soliman

Es wird immer wieder davon berichtet, dass Elisabeth ein Wildfang gewesen sei.

Sie konnte nicht stillsitzen, tat sich mit dem Lernen schwer und am liebsten beschäftigte sie sich in der Natur.

Die Eltern und deren Probleme

Am 31.10.1838 kaufte sich Max das kleine Schloss Unterwittelsbach bei Aichach, das heute auf den wohlklingenden Namen „Sisi Schloss“ hört, allerdings gar nichts mit Sisi zu tun hatte.

Es ist umstritten ob sie jemals dort war oder nicht.

Es diente Max als Rückzugs-, Ruhe- und Jagdschlösserl, welches einen kleinen See hatte.

Der Garten ist bis heute nicht wieder erschlossen und völlig verwildert. Die gesamte Einrichtung ist verschwunden.

Selbstverständlich kommt auch dieser Ort nicht ohne „Mythos“ aus, weshalb das ganze „Sisi Schloss Aichach“ auf ein Bild, eine Erzählung des Dorfpfarrers von 1839 und eine Vermutung des Stadtarchivars aufgebaut wird.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Schloss Aichach
Herzog Max im Kahn, Ludovika und „Sisi“ im Eingangsbereich im Schloss, 1841
Bild: Otto Flad

Auf dem Bild von Otto Flad von 1841 ist Herzog Max in einem Kahn zu sehen, während Herzogin Ludovika mit einem Kleinkind, welches natürlich Sisi sein soll, aus dem Schlösschen tritt.

Am 14.11.1839 wurde vom Aichacher Pfarrer überliefert, dass Herzog Max mit der Herzogin und dem 7jährigen Ludwig im Schlösschen angekommen sei.

Der Stadtarchivar Karl Christl von Aichach hat sich natürlich eine wunderbare Idylle zurecht gelegt. Er sah die kleine Sisi Blumen pflücken und ihrer Mama bringen, Max im Kahn fahren, die Buben am nahen Weiher fischen usw.
Es klang ein bisschen wie aus dem Sissi Film und nicht nach dem echten Leben.

Auch wenn man wenig bis gar nichts über die Kindheit von Kaiserin Elisabeth weiß,

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika mit ihren Kindern
Herzog Ludwig, Herzogin Helene und die kleine Herzogin Elisabeth (im Kinderwagen)

es gibt keinerlei Aufzeichnungen, dass sie jemals vor Ort gewesen sei.

Weder von ihr selbst, noch von Ludovika, noch von Max.

Johannes Thiele schrieb in seiner Elisabeth Biografie „Sisi, das Leben der Kaiserin Elisabeth“, dass diese als Kind in Aichach mit Vater Max durch die Gasthäuser zog, als dieser Zither spielte. Dabei warfen ihr die Männeer Geldstürcke zu.

Später soll Elisabeth voller Stolz diese Geldstücke, die sie ein Leben lang bei sich getragen haben soll, ihren Hofdamen gezeigt und behauptet haben, dass das ihr einziges ehrliches verdientes Geld gewesen sei.

Immer mehr wird deutlich, dass Elisabeths Kindheit nicht die von Glück beseelte Kindheit war, die man ihr permanent unterjubeln möchte.

Sisi wurde erst als Erwachsene Sisi genannt, als Kind rief man sie in ihrer Familie ausdrücklich

Elise

Auch der angeblich gute Kontakt zum Vater ist eine erfundene Geschichte der Filme. Dies habe ich schon bei Herzog Max hervorgeholt, dass er sich um seine Kinder nicht kümmerte, nicht kümmern wollte und diese auch nicht in sein Leben passten.

Wie nahe Elisabeth allerdings ihrem Vater im Charakter war, sollte sich erst später herausstellen.

Kam er von seinen vielen Reisen zurück, bevorzugte er z.B. – wie Elisabeth – einen privaten Eingang, um nicht gesehen zu werden. Weder von seinen Kindern, noch von seiner Frau, noch von sonst wem.

Diese Vorliebe nutzte auch Kaiserin Elisabeth Zeit ihres Lebens.

Ihre Gouvernante fragte Elise einmal, ob sie ihren Vater schon begrüßt und gesehen habe, als dieser nach einer längeren Reise wieder heimgekehrt war. Die Antwort:

„Nein, aber ich habe ihn pfeifen gehört.“ (8)

Und dies sagte im Prinzip alles über die Beziehung „Vater-Tochter“ oder „Vater-Kinder“ alles aus.

Wollten die Kinder bzw. Louise ihren Vater bzw. Mann sehen, mussten sie sich bei dessen Diener anmelden!

Obwohl Ludovika die Patriachin im Haus war und alles zusammenhielt, ging sie in ihrer Mutterrolle auf.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie
Bild: Franz Schrotzberg, 1858

Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, 28.5.1872) (der Beitrag zur Erzherzogin ist hier), die selbst einen Mann (der Beitrag zu Erzherzog Franz Karl (*7.12.1802, 8.3.1878) ist hier) zur Seite hatte, der sich nie um die Kinder kümmerte, bemerkte die Ablehnung an ihrem Schwager sofort. Besorgt schrieb sie an ihre Schwester:

„…, dass er sich überhaupt nicht mit seinem wunderbaren Schatz beschäfigt, sei ein Beweis seiner übermäßigen Leichtfertigkeit und zeige, dass sein Herz kaum spricht.“ (9)

Herzog Karl Theodor „Gackel“ sagte später über seinen Vater:

„Dieser sei der „personifizierte Egoismus“ gewesen.“ (10)

Egal wie man die ganze Ehe auch betrachten möchte, gesund war sie auf keinen Fall, auch wenn sie 10 Kinder, 8 davon lebend, hervorgebracht hat.

Wunderbar auf einen Punkt bringt das wieder einmal Martina Winkelhofer in ihrem Buch „Sisis Weg“:

„Ein Gemeinplatz in der Kaiserin-Elisabeth-Forschung besagt, dass die schwierige Ehe ihrer Eltern ein prägendes Element in Elisabeths Biografie darstellt. Die Ehe von Max und Ludovika gilt als Paradebeispiel einer gescheiterten Ehe, mit entsprechenden Folgen für die gemeinsamen Kinder. So wurden von späteren Biografen Elisabeths Kindheitserfahrungen – mit einem nicht nur mental abwesenden Vater – oft zur Erklärung ihres Verhaltens als Erwachsene herangezogen. Eine derlei einfache Argumentation ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Schließlich kann man diese herzogliche Ehe des 19. Jahrhunderts nicht aus der Perspektive des 20. und 21. Jahrhunderts beurteilen, wo man zumindest in der westlichen Welt die Liebe als Voraussetzung einer geglückten Ehe betrachtet. (11)

Diese Meinung vertrete ich auch. Gerade auf Facebook rate ich meinen durchaus weiblichen Followerinnen immer, dass sie – vor allem beim unendlichen oft sehr emotionalen Thema „Elisabeth als Mutter“ (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) die Erfahrungen nicht mit dem „Heute“ zu vergleichen. Das 19. und 21. Jahrhundert sind 2 Paar Schuhe die es auseinander zu halten gilt. Auch beim Thema „Mutter sein“.

Herzogin Ludovika war eine seltene Ausnahme, dass sie sich als Muttertier gab. Zum einen war Königin Caroline eine liebevolle Mutter, die sich nicht nur der fünf Halbwaisen annahm, sondern auch ihren acht eigenen Kindern, zum anderen hatte Ludovika keinen öffentlichen Stellenwert (mehr).

Ihre Zeit als Prinzessin war vorbei und Herzog Max bevorzugte ab seinem 29. Lebensjahr keine öffentlichen Empfänge, sondern illustre Herrenabende, weshalb es auch keine Bälle mehr im Herzog-Max-Palais gab.

Was blieb Louise also? Genau. Ihre Kinder. Und zwar einzig und alleine ihre Kinder.

Foto: Wikimedia/Commons
Elise, Gackel und Bummerl
also Herzogin Elisabeth, Herzog Karl Theodor und Hund Bummerl

Es ist wieder Martina Winkelhofer die Elisabeths Kindheitserfahrungen in deren Ehe transportiert und erklärt:

„Auf Elisabeth dürfte die Ehe ihrer Eltern und die ständige Abwesenheit des Vaters jedoch keine sehr prägende Wirkung entfaltet haben – denn königliche Kinder sahen damals ihre Väter in der Regel selten, und so gut wie keine arrangierte Ehe in königlichen Kreisen zeichnete sich durch große Intimität oder viele gemeinsam verbrachte Stunden aus. Stärke – im Sinne einer prägenden Erfahrung für die spätere österreichische Kaiserin – fiel wohl ins Gewicht, was man „das Phänomen weiblicher Ohnmacht“ nennenkann: Frauen, deren Wünsche und Ziele nicht mit dem gängigen weiblichen Rollenbild harmonierten, mussten in der damaligen Gesellschaft vielfach ihre Machtlosigkeit erkennen. Viele von ihnen resignierten gegenüber der männlichen Übermacht, und nicht wenige entwickelten unbewusst Strategien, um sich ungewollten Situationen entziehen zu können. Und diese Strategien hießen zumeist: Rückzug, innere Emigration und, besonders häufig, Flucht in Krankheit.“ (12)

Eine glückliche Kindheit?

Als Elise 9 Jahre alt war, holte Herzogin Ludovika Luise Baronin Wulffen-Hundt (*/unbekannt) ins Haus, die ihre liebe Not mit dieser hatte.

Wulffen beschrieb Elisabeth als

zart und überempfindlich. (13)

Sie wollte eher ihren Leidenschaften nachgehen, als dem Lernen. Reiten, Gedichte schreiben, stundenlang im See schwimmen und sich dem Müßiggang hinggeben.

Schwimmen war etwas, was der Adel der damaligen Zeit normalerweise nicht konnte. Angeblich soll Herzog Max darauf bestanden haben, dass seine Kinder schwimmen konnten. Ob dies der Wahrheit entspricht, wenn man sich sein Interesse an den Kindern durchliest?

Néné war das hausbackene Kind: brav am Nähen und Sticken, immer bei der Mutter und nie bei den übrigen Kindern.

Elise hingegen tobte mit ihrem Lieblingsbruder Gackel und Louis.

Doch wie frei und glücklich wurde sie tatsächlich erzogen?

Foto: Peter Bierl Buch- & Kunstantiquariat
Schloss „Possi“ Possenhofen

Gab es „Freiheit“ im Hause eines Wittelsbachers überhaupt?

In vielen Büchern kann man von den Historikern/innen den Vergleich zwischen der Erziehung von Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth lesen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Erzherzog Franz(i)
Kaiser Franz Joseph als Jugendlicher

Dieser Vergleich hinkt meiner Meinung nach. Erzherzog Franzi, wie er als Jugendlicher genannt wurde, wurde schon mit dem Ziel ihn als Thronerben heranzuziehen, geboren. Sein Status war bei der Geburt schon „von Gottes Gnaden“ (der Beitrag bis zum Thron kann hier nachgelesen werden).

Viel zu diesem „glücklichen Kindheitsmythos“ hat laut Martina Winkelhofer der Erstbiograph Conte Corti beigetragen.

Von seinem Buch, schreiben bis heute sämtliche Historiker/innen ab.

Er selbst hatte noch mit Zeitzeugen gesprochen bzw. Zugang zu Unterlagen, die heute verschlossen, verschollen, verbrannt oder gar durch die Weltkriege vernichtet wurden.

Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, 6.9.1924), Elisabeths geliebte Tochter, die der Wiener Hof bösartig „die Einzige“ nannte, wollte nach dem Tod eine Biografie über ihre Mutter schreiben.

Um historische Belege über ihre Kindheit zu sammeln, schrieb sie die beiden ehemaligen Vertrauten ihrer Jugend an, welche noch lebten:

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Valerie
  • Baronin Wulffen-Hundt (*/unbekannt)
  • Gouvernante Amalie Baronin Tänzl von Tratzberg (*/unbekannt)

Gegen 1900 findet man in den Unterlagen von Conte Corti (*2.4.1886, 17.9.1953) jene 2 Briefe der beiden betagten Damen an die Tochter Marie Valérie:

„Sie sei der Liebling vom gesamten Haus gewesen, hätte sich mit allen Geschwistern ausgezeichnet verstanden, sei gütig zu der armen Bevölkerung gewesen und habe diesen die Eier der Perlhühner gebracht, außerdem wäre ihr Liebreiz formvollendet gewesen, sie sei gütig und hilfsbereit gegenüber Jedermann gewesen.“

Zurecht ist Frau Winkelhofer skeptisch, ich wäre das auch. Hätten tatsächlich zwei (sehr) alte Damen die Unwahrheit an die geliebte Tochter der ermordeten Kaiserin geschrieben?

Ich verneine dies entschieden!
Wer sagt jemals etwas Schlechtes über Tote?

Doch ich habe noch eine Quelle aufgetan, die weit vor Conte Corti geschrieben wurde:

Erinnerungsblätter, 1903

Foto: pressreader.com
Zeichnungen von Elise in ihrem Notizbuch
eine Geburtstags-Glückwunschkarte von Elise an Gackel

„…
Schon sehr früh zeigte die kleine Prinzessin Elisabeth ein lebhaftes Interesse für Natur und die Vorgänge derselben, eine Neigung die von ihren fürstlichen Eltern mit liebevoller Freude genährt und gefördert wurde. Der weitausgedehnte Park und die Wälder der Umgebung waren die ersten Tummelplätze des sich in der anmutigsten Weise körperlich wie geistig entwickelnden Fürstenkindes, in dessen empfängliche Seele die Gottesnatur des Lebens allererste Eindrücke einprägte. So wurde Prinzessin Elise eine glühende Bewunderin der Natur und blieb dies auch für alle Zeiten. Daß sie, zu einer reizenden Mädchenknospe erblüht, in ihrem ganzen Wesen jene ausgezeichneten Eigenschaften des Herzens und der Seele vereinigte, welche so tausendfach an unserer Kaiserin gepriesen wurden, ist begreiflich, da ihre Eltern mit zarter Aufmerksamkeit und unermüdlicher Fürsorge die Erziehung Elisens leiteten und überwachten. Bereits nach zurückgelegtem fünften Lebensjahre wurde mit dem Unterrichte begonnen. Ein ausgezeichnetes Talent verriet die Prinzessin für die Naturkunde, Erdbeschreibung, für das Zeichnen, Malen und das Klavierspiel. In den späten Jahren wurde den körperlichen Übungen ein gewichtiger Platz im Erziehungsprogramm eingeräumt.
Bei der zahlreichen Familie des volkstümlichen Herzogs Max in Bayern waren die kleine Prinzessin Lisel und ihr ältester Bruder, der schlanke großgewachsene Ludwig die bevorzugten Lieblinge der Eltern. Beide unterschieden sich durch die Lebhaftigkeit, ihren gesunden Humor und ihr tiefes Gemüt von den anderen Geschwistern. Die kleine Lisel erheiterte durch ihre Scherze den Vater, von ihrer Mutter aber wurde sie vollends verhätschelt.
Viel Vergnügen fand die Prinzessin in allerlei körperlichen Sport. Sie saß elegant und sicher zu Pferde, lenkte bei Ausfahrten ihr Gespann fast immer selbst, war eine kühne Schwimmerin und Fechterin. Ihr schlichtes und allzeit freundliches und kindlich frohes Wesen hatte ihr längst die Herzen der Bayern gewonnen. Die Bevölkerung nannte sie „Lisel“. In den traulichen Worten bekundete sich die herzliche Zuneigung der Bevölkerung das innige Verhältnis zwischen Volk und Fürstenhaus.
Als die Prinzessin gerade das fünfzehnte Jahr vollendet hatte, schilderte sie ein deutscher Schriftsteller in folgender Weise: „Prinzessin Elisabeth ist hoch, schlank, leicht und anmutig, ihr Wesen graziös, belebt, bestimmt, das tiefblaue Auge voll träumerischen Glanzes, die schönen Züge, aus denen das dichte, braune Haar in vollen Wellen zurückgestrichen ist, reiz- und ausdrucksvoll und mit rosigem Teint überzogen, der Eindruck im ganzen: milder Ernst und zarte Weiblichkeit.“ (14)

Anmerkungen Petra:
Hier sieht man, dass schon 1903 gelogen wurde, dass sich die Balken biegen. Zum einen war der Lieblingssohn von Ludovika nicht Ludwig, sondern Karl Theodor „Gackel“ und zum anderen diese Familienidylle gab es einfach nicht.

Ich erinnere nur noch einmal daran, dass diese Erinnerungsblätter Kaiser Franz Joseph in Auftrag gab!

Weiters liest man hier die schreibweise „Lisel“, welche in der Korrespondenz nie vorkommt.

1905 hieß es ebenso schwülstig:

„…
Behütet, geleitet vom hochsinnigen Vater, dem für alles Gute und Schöne begeisterten Fürsten, wuchs Elisabeth zur Freude aller, die sie kannten, heran. Frühzeitig äußerte sich ihre Vorliebe zu den Wundern der Natur. Weitaus den größten Teil der wettergünstigen Tage verbrachte die Prinzessin im Schloßpark und in den umliegenden Buchen- und Nadelwäldern, sich erfreuend am Blau des Himmels, dem Gesang der Vögel, dem geheimnisvollen Rauschen des Forstes.
Kaum war das fünfte Lebensjahr überschritten, kam des Lebens Ernst für die kleine Sissy. Für die Zukunft galt es zu lernen, wie solches seit jeher Bayerns Fürstentöchtern oblag. Aufmerksam, fleißig und von eminenter Auffassungsgabe, machte Elisabeth ihren Eltern und Lehrern Freude. Ihre Lieblingsgegenstände hießen Naturwissenschaften, Geographie, Zeichnen und Musik. Eine echte Vater-Tochter!
Später trat das Reiten hinzu. Kaiserin Elisabeth galt als die beste Reiterin der Gegenwart. Man muß sie nur gesehen haben, auf der feurigen, braunen „Helena“ oder dem stählernen „Coral Nimph“ in edlem eifer dahinjagend.
Die „Rose vom Bayerland“ nannte man Elisabeth. Und sie war es auch.“ (15)

Anmerkungen Petra:
Danach folgte wieder obige Beschreibung der Gestalt und der blauen Augen. Autor Kleinschmied musste also Zugang zu den Erinnerungsblättern von 1903 gehabt haben. Warum in weiterer Folge nicht auch Conte Corti?

Hier kann man das erste Mal den Namen „Sissy“ lesen. Diese Schreibweise krampft mich persönlich jedesmal aufs Neue zusammen. In keiner Korrespondenz findet sich diese Schreibweise. Wie also der Autor selbst auf die Idee kam, Elisabeth „Sissy“ zu schreiben, ist mir unbegreiflich.

Auch hier könnt ihr lesen, dass vom Familienidyll einher gegangen wurde. „Eine echte Vater-Tochter“ – weil sie reiten konnte. Das konnte im Prinzip jedes adelige Mädchen. Die eine besser, die andere schlechter. Aber wer einen „von“, „zu“ oder „in“ Titel in seinem Namen trug, lernte Reiten. Das gehörte zum guten Ton.

Auch wenn ich meiner Lieblingshistorikerin Martina Winkelhofer jetzt widerspreche, aber ich glaube, es rührt nicht nur von Conte Corti allein, dass er annahm, Elisabeth habe eine blühende Kindheit und einen tollen Vater gehabt.

Alleine diese schwülstigen Zeilen zeigen, dass ihm diese Schriften zugänglich waren. Ich musste auch tief graben, um sie zu finden. Conte Corti war weitaus näher in seiner Zeit dran, als ich. Er begann in den 1920er Jahren mit seiner Forschung. 1934 erschien seine Elisabeth-Biografie. Zuvor hatte er Kaiser Maximilian und Kaiserin Charlotte von Mexiko biografiert.

Ich befürchte, dass sehr viel von Kaiser Franz Joseph vorgegeben wurde. Die Erinnerungsblätter 1903 sind immerhin in seinem Auftrag entstanden und er gab sie vor der Veröffentlichung frei.

Dass der Hauptmann den Schriftsteller nicht näher benennt, der Elise 15jährig erblickte, ist schade, aber zumindest liegt uns diese Beschreibung der Schönheit vor.

Ich fand auch zwei unterschiedliche Aussagen von Ludovika. Als ihre Tochter 2 Jahre alt war, lobte sie die Kleine für ihre Schönheit, zum anderen machte sie sich, als diese 14jährig war, große Sorgen um Elise, da sie sie nicht hübsch befand. 

In einem Brief an ihre Nichte Theódelinde Gräfin von Württemberg (*13.4.1814, 1.4.1854) schrieb Herzogin Ludovika am 24.8.1839:

„Elise wird sehr hübsch, und sie ist so ein gutes Kind“ (16)

Foto: Wikimedia/Commons König Georg von Sachsen

Herzogin Ludovika an ihre Schwester Königin Auguste von Sachsen:

„Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich als ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre [Prinz Georg, wohl der zweite Sohn des sächsischen Königs Johann], wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen… hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug“. (17)

Übergangslos wurde aus Elise Sisi.

Beide Namen wurden ab jetzt verwendet, um über Elisabeth zu schreiben.

Je älter sie als Kind wurde, desto stiller wurde sie. Man kann definitiv sagen, dass sie die einsamen Momente suchte. Schon früh reifte die Melancholie in Elisabeth heran, welche in ihren späteren Jahren zu schweren Depressionen führen sollte.

Diese Art des Charakters, erbte sie von ihrer Mutter. Sie hatte Scheu vor Menschen, vor allem vor Fremden. Doch diese Momente waren selten in München, weshalb sie sich am liebsten in Possenhofen aufhielt.

Das Herzog Max Palais in München war nur für die Wintermonate, da Schloss Possenhofen nicht beheizbar war.

Kaum in Possi, lief Sisi beinahe jeden Tag ohne Schuhe durch den Schlosspark.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth als 15jährige
Bild: Franz von Schrotzberg, 1853

Contenance und Etikette, Politik und Weltherrschaft, was kümmerte es die kleine Elisabeth und ihre Geschwister? Der königliche Hof nahm keine Notiz von ihr. Die Briefe, die Ludovika mit ihrer Schwester Sophie im fernen Wien schrieb, waren nicht von Interesse.

Frei, ungezwungen, neugierig und lebenslustig, so beschrieb man die junge Sisi in der Literatur, und ich persönlich glaube, dass sie das auch war. Neugierig und reiselustig sollte sie beibehalten bzw. noch hinzukommen.

Fast ein Bauernmädel. Auf alle Fälle ein Landmädel.

Ihre beste Freundin wurde Irene (*24.9.1839, †21.8.1892), die Tochter des Nachbarn Hermann Franz Joseph Carl Graf von Paumgarten (*19.7.1806, †11.1.1846).

Foto. Wikimedia/Commons
eigenhändige Zeichnung von Herzogin Elisabeth
1847

Gackel, Irene, David (Bruder von Irene) und Sisi wurden zu einer Einheit.

Gemeinsam erkundete man die Wälder, den Starnberger See, kletterte auf Bäume und verbrachte viel Zeit – mit Nichtstun.

Ludovika hatte ihre liebe Not, die Kinderschar zum Lernen zu bewegen.

Kam der Vater zu „Besuch“, holte er die Kinder aus dem Unterricht, tobte mit ihnen im Schnee, ging Schwimmen oder stibitzte das Obst von den Bäumen. Bekam Max aber nicht die Aufmerksamkeit seiner Kinder die er wollte, wurde er cholerisch und tobte richtiggehend.

Im Jahre 1843 trafen sich Erzherzog Franz und die junge Sisi das erste Mal. Franzi war 13 Jahre, Elisabeth 5 Jahre alt. Franz schrieb in sein Tagebuch:

2.9.1843
Um 7 Uhr fuhren wir von München weg und kamen um viertel auf zehn in Possenhofen an. Wir fanden dort Herzog Max und alle seine Kinder bis auf Louis, welcher in der Schweiz ist. Wir frühstückten mit der Tante Louise, der Helene, der Elise und dem sehr netten aber fast verzogenen Kakl. Um 10 Uhr ging wir in die dumpfe Kapelle, um die Messe zu hören, wo mir übel wurde, so daß man mich aus der Kapelle zu einem offenen Fenster tragen mußte, wo mir wieder gut wurde; darauf legte ich mich auf das Bett. Um 12 Uhr fischte ich und Graf Bombelles mit dem Herzog, wobey wir 20 Birschlinge und Weißfische fingen.“ (18)

Anmerkung Petra: Graf Bombelles war der Erzieher von Erzherzog Karl Ludwig

Doch schon bald zeigte sich auch die Etikette der Verwandtschaft.

Foto: Wikimedia/Commons
Die Geschwister von Elisabeth auf der Veranda des Schlosses Possenhofen, von links:
Sophie, Max Emanuel „Mapperl“, Karl Theodor „Gackel“, Helene „Néné“, Ludwig „Louis“, 1831-1920), Mathilde „Spatz“ und Marie
Bild: Joseph Karl Stieler, 1855

1848 machte Ludovika mit den Kindern Gackel, Néné und Sisi einen längeren Ausflug, der nach Tirol an den Aachensee führte. Von dort fuhren sie nach Jenbach, um am 10.6.1848 in Innsbruck einzutreffen. In der Hauschronik liest man dazu folgendes:

„Um 9 Uhr Abends langte auf Besuch die Schwester Ihrer k.H. der Erzherzogin Sophie die Gemahlin des Herzogs Maximilian von Baiern I.k.H. die Prinzessin Louise mit Ihrem Sohne Prinz Carl und 2 Prinzessinnen Töchter Helene und Elisabeth und Suite hier an, und wurde an der Burgstiege von Ihrer Familie begrüßt. In Ihrem Gefolge befindet sich Ihr Hofmarschall Baron v. Freyberg. Die Frau Herzog wurde im Damenstifts-Gebäude einlogiert.“ (19)

Am 19.6.1848 findet sich folgender Eintrag:

„Heute ist S.k.H. Prinz Karl von Baiern, und dann später I.k.H. die Herzogin Louise von Baiern mit Sohn und 2 Töchtern k.H. nach München abgereist.“ (20)

In dieser Zeit musste Sisi sicherlich still sitzen und bei Tisch ordentlich essen.

Franz war zu diesem Zeitpunkt knapp 18 Jahre alt, Sisi knapp 11 Jahre.

In der Literatur liest man immer von „die 13jährige“, doch Elisabeth ist am 24.12.1837 auf die Welt gekommen. Sie kann also im Juni 1848 nicht 13 Jahre alt gewesen sein. Außerdem war Kaiser Franz Joseph um 7 Jahre älter als seine geliebte „Engels-Sisi“.

Ebenso liest man häufig „Kaiser Franz Joseph und Elisabeth trafen erstmals 1853 in Ischl aufeinander“. Auch das ist nicht korrekt. Das erste Aufeinandertreffen war 1843. 1848 folgte das nächste Treffen. Erzherzog Franz befand sich mit seiner Familie in Innsbruck, da in Wien eine heftige Revolution stattfand.

In vielerlei Hinsicht konnten die Zwei in Innsbruck nichts miteinander anfangen.

Sisi war noch ein Kind, Erzherzog Franz (Anmerkung Petra: er wurde erst mit dem Titel „Kaiser“ zu Franz Joseph) musste sich mit der politischen Lage beschäftigen.

Ein Umstand, den er vielleicht in späteren Jahren tief bereut hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig 15jährig
Bild: Anton Einsle, 1848

Elisabeth, scheu und sehr schüchtern, freundete sich mit dem knapp 15jährigen Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, †19.5.1896) an.

Sie tobten durch die Hofburg Innsbruck, heckten Streiche aus und ärgerten mit Sicherheit Erzherzogin Sophie. Die beiden waren sich so zugetan, dass sie sich eine zeitlang Briefe schrieben.

Sogar kleinere Geschenke wurden ausgetauscht.

Erzherzogin Sophie beschrieb ihre kleine Nichte damals wie folgt:

„Elise ist ohne schön zu sein – ein gar anziehend – liebes freundliches Wesen – ihr warmer treuer Blick und ihr Lächeln sind unwiderstehlich; ist ist so sanft-weiblich und über ihre Jahre vernünftig.“ (20a)

Da Karl Ludwig schon nach dem Treffen in Possenhofen von seiner kleinen Cousine schwärmte, ließ Kaiser Franz Joseph eine Holzbüste von Elise anfertigen. Diese schenkte er seinem Bruder.

Es gilt in der Elisabeth-Forschung am Wahrscheinlichsten, dass Erzherzog Karl Ludwig persönlich die Büste an seine Schwägerin übergab. Bekannt ist jedenfalls, dass Elisabeth sehr stolz auf diese war und sie in der Hermesvilla verwahrt hat. Dort wurde sie auch gefunden.

Doch das Interesse von Sisi für Karl Ludwig ebbte ab, nach dem ihre Mutter sie immer und immer wieder an ihn erinnerte und sich ihn als Heiratskandidat vorstellen konnte.

1850 besuchte Elisabeth gemeinsam mit ihrem Bruder Ludwig, ihrer Schwester Néné und ihrer Mutter Ludovika das beschauliche Dörfchen Oberammergau.

Doch die Zeiten, wo Elise nur spielen durfte, war relativ bald vorbei. Der Ernst des Lebens zog ins herzogliche Haus und Elisabeth lernte zu Konversieren, sich am Bankett zu bewegen und Theestunden zu geben.

Damals erachtete man Spielzeug noch nicht als pädagogisch wertvoll, weshalb z.B. die Puppenküche der Kinder nur 1x in der Woche im Palais aufgebaut wurde. Am Sonntag nach dem Mittagessen durften die Geschwister miteinander mit der kleinen Küche „kochen“.

Später lernte Elisabeth anhand von kleinen Freunden, die alle vorher ausgesucht und den Adelstest bestehen mussten, „Theestunden“ zu geben. Zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags wurde Tee und Kuchen serviert, als sie erwachsen wurde, war es Likör.

Auch das Briefe schreiben lernte Elisabeth.

Es war unerlässlich ordentliche Konversation zu betreiben und das ging nur über Briefe. Dabei wurde der kleinen Herzogin gelernt, ihren Tag einzuteilen, wann welcher Brief wichtig und welcher noch warten durfte.

Elise lernte sich über Süßigkeiten, Geschenke jeder Art und Portraits zu bedanken.

Da ihr als Frau andere Nachrichten nicht zugänglich waren, waren Briefe die einzige Möglichkeit irgendetwas aus ihrer Umgebung und den Verwandten zu erfahren.

Betätigte man keine Korrespondenz, fiel man aus dem Adressbuch und dem Leben des Adressaten. Das konnte fatale Folgen haben.

Foto: Dorotheum.com
Verschiedene Korrespondenz von Kaiserin Elisabeth

Wie Ludovika, die jeden Vormittag ihre Korrespondenz erledigte, schrieb auch Elisabeth sehr viele Briefe an ihre Verwandtschaft, ihre Gouvernanten, ihre beste Freundin Irene, mit der sie Zeit ihres Lebens in Verbindung blieb, ihren Ehemann Franz Joseph, ihre Vorleserin Ida und natürlich ihre Kinder nicht zu vergessen. Einige der Briefe sind erhalten; leider sind diese nicht öffentlich zugänglich. Die meisten von ihnen sind jedoch verbrannt worden.

Ihre Freundin Irene Gräfin von Paumgarten war es im Übrigen, die Elisabeth und Néné englisch beibrachte. Ihre Mutter war eine englische Adelige. Des Weiteren hatte Elise eine englische Nurse, welche ihr die Sprache beibrachte. Eine Sprache, die man zur damaligen Zeit kaum sprach. Englisch war damals keine Weltsprache.

Aus den Teestunden wurden zu späterer Zeit Tanzstunden. Hier wurde gesichert, dass die Herzogin tanzen lernte. Ein unabdingbarer Bestandteil des Banketts der Wittelsbacher.

Einzig für die Handarbeit konnte sich Sisi nicht erwärmen. Das Sticken war nicht ihre Sache. Das lange Stillsitzen konnte sie nicht leiden und so wurde ihr diese Arbeit verhasst.

Am 24.12.1852 galt die Erziehung von Herzogin Elisabeth als abgeschlossen. Nun hieß es:

sie zu verheiraten.

Am 19.3.1853 wurde Elisabeth gefirmt.

Die Firmung stellte normalerweise einen Wendepunkt im Leben einer jungen adeligen Frau dar.

Es zeigte der Adelswelt „ich bin bereit“.

Genau was ihr denkt, soll es heißen:

die Mädchen hatten ihre Periode bekommen und waren bereit für den Heiratsmarkt

Mit der Firmung wurde das Bankett für die jungen Mädchen geöffnet: sie wurden offiziell auf Bälle geladen, um die Herren anzuziehen, die Eltern „verhandelten“ derweil um die Beziehungen zwischen den Söhnen und den Töchtern. Je besser eine Partie, desto aussichtsreicher die Hochzeit.

Ich schreibe deshalb „normalerweise“, da Elisabeth gefirmt wurde, ohne ihre Periode bekommen zu haben.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth als Braut

Louise war so erpicht darauf, ihre Kleine zu verheiraten, dass sie sie auf den Heiratsmarkt schickte, ohne, dass sie „empfangbar“ war.

Dies stellte später in Ischl die Verlobung vor außergewöhnliche Herausforderungen, denn nur eine empfängnisbereite Dame durfte heiraten.

Die rühmliche Ausnahme stellte wieder einmal die Aussicht auf die Heiratspartie dar.

Ist ein König oder Kaiser auf die Tochter aufmerksam geworden, ohne, dass diese bereits „bereit“ war, wurde trotzdem verhandelt, bis die Periode einsetzte.

Dies nannte man in der Fachsprache

„zähe Verhandlungen“.

Im übrigen fand dies bei Schwester Marie ebenfalls so statt (sie musste den wenig attraktiven Francesco von Neapel (*16.1.1836, 27.12.1894) ehelichen), bei Stephanie von Belgien (*21.5.1864, 23.8.1945) (sie ehelichte in weiterer Folge Kronprinz Rudolf (*21.8.1858, 30.1.1889)) und Prinzessin Charlotte von Belgien (*7.4.1840, 19.1.1927) (welche Erzherzog Max (*6.7.1832, 19.6.1867) ehelichte).

All diese Mädchen wurden vor ihren Perioden, durch die aussichtsreiche Ehe mit einem König, einem Kronprinzen und einem Erzherzog, früher verlobt, mussten aber bis zur Periode mit der Hochzeit noch warten.

Über der Firmung lag also nicht nur der Schatten, dass Elise noch nicht „bereit“ war, so warf sie ein trauriger Vorfall seelisch komplett aus der Bahn.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
So sah sich Elisabeth am Schreibtisch sitzen
Eigenhändige Skizze, 1854
aus ihrem Skizzenbuch
Mit freundlicher Genehmigung k.u.k.Museum Bad Egart

Sie wurde das erste Mal mit dem düsteren Tod konfrontiert.

Ihr langjähriger Spielkamerade David Graf von Paumgartner (*31.1.1838) starb am 20.3.1853 15jährig nach einer Lungenentzündung.

Sisi verfiel in ihre erste tiefe Trauer. Der Tod Davids belastete die 15jährige stark.

Klammheimlich führte sie ein Tagebuch, in welches sie folgendes Gedicht an schrieb:

Du bist so jung gestorben
Und gingst so rein zur Ruh'; 
Ach, wär', mit dir gestorben,
Im Himmel ich wie du. (21)

Von nun an sollte der Tod ihr ständiger Begleiter werden.

Die ersten Wehklagen Richtung Tod waren verfasst, als sich die 15jährige erstmals verliebte.

Am herzoglichen Hof begegnete sie dem jungen, sehr hübschen Richard Graf von Schwarzenberg. Die beiden verliebten sich ineinander und trafen sich heimlich am Tor, wo ihr Richard ein Bild von sich gibt.

Sie schrieb:

Oh, ihr dunkelbraunen Augen, 
Lang hab ich euch angesehn,
Und nun will mir euer Bildnis
Nicht mehr aus dem Herzen gehen... (22)

Doch Ludovika kam den beiden auf die Schliche.

Sie beschlagnahmte sein Bild und verbat Elisabeth jegliche Kontaktaufnahme.

Der junge Mann sei der jungen Herzogin nicht würdig hieß es.

Zur Sicherheit lässt sie Richard aus dem Offiziers-Hofdienst versetzen. Ein schwerer Fehler von Ludovika, wie sich später noch herausstellen sollte.

Sisi verfällt in Wehklagen:

Du frische junge Liebe,
So blühend wie der Mai, 
Nun ist der Herbst gekommen
Und alles ist vorbei. 

Und nun ist er mir so ferne
Und ich seh ihn gar nie. 
Ach, ich wollt zu ihm wohl gerne, 
Wüßt' ich nur, wohin und wie. (23)

Richard kam nie mehr wieder ins Haus der Herzogs. Er wurde in der Armee krank, kehrte ins Elternhaus zurück und starb. Als die 15jährige davon erfuhr, war sie außer sich vor Trauer.

Sie schrieb:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen –
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (24)

Doch mit 15 Jahren ist das Leben noch nicht Trist genug, dass man einem einzigen die Treue schwört und so verliebte sie sich erneut.

Um jetzt nicht noch einmal Gefahr zu laufen, von ihrer Mutter erwischt zu werden, hielt sie den Namen geheim.

Bis heute ist es niemanden gelungen, den Namen des Grafen aus der Nachbarschaft ausfindig zu machen.

Zu lang hab' ich gewendet
Mein Aug' aufs Antlitz dein, 
Und nun bin ich geblendet
Von seiner Schönheit Schein. (25)

Sisi schläft und isst nichts. Ihre Gedanken kreisen nur noch um „ihn“.

Wenn der erste Sonnenstrahl
Mich des Morgens grüßt, 
Frage ich ihn jedesmal, 
Ob er dich geküßt. 

Um den goldenen Mondenschein
Bitt ich jede Nacht, 
Daß von mir er insgeheim
Dir viel Liebes sagt. (26)

Doch der Angehimmelte wollte von Elisabeth nichts wissen. Als sie es merkte, wehklagte sie wieder:

Denn ach, ich kann ja nimmer hoffen 
Daß liebend je Du Dich mir neigst. 
Die harte Wahrheit sah ich offen
's ist Freundlichkeit nur, was Du zeigst. (27)
Foto: Sisi Museum
„Polterabendkleid“
Herzogin Elisabeth

Mittlerweile ist Ludovika für Elisabeth auf Brautschau.

Um geeignete Heiratskandidaten zu finden, lässt sie ihre Tochter fotografieren.

Es ist die erste und einzige Fotografie von Elisabeth, die sie unverheiratet zeigt (Titelbild dieses Artikels).

Ebenfalls 1853 schickte Ludovika sie nach Dresden, zu ihrer Schwester Königin Amalie Auguste von Sachsen. Wie schon weiter oben erwähnt, befand ihre eigene Mutter die Tochter als „nicht hübsch“.

Elisabeth kam ohne Bräutigam von Dresden zurück. Ludovika war verzweifelt.

Doch im August sollte sich das Blatt für die junge Herzogin wenden.

Nicht nur, dass aus dem pausbäckigen Teenager ein schöner Schwan wurde, plötzlich streckte Kaiser Franz Joseph die Fühler nach ihr aus. Er verliebte sich auf den ersten Blick.

„Die liebe Kleine ahnte nichts von dem großen Eindruck, den sie auf Franzi gemacht hatte“ (28)

schrieb Erzherzogin Sophie am 19.8.1853 an Königin Marie von Sachsen (*14.4.1818, 9.1.1907).

Eine Verlobung (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) stand ins Haus und mit ihr nahm das ganze Drama seinen Lauf.

~ Petra ~

Foto: Hickl
Herzogin Elisabeth als Verlobte, mit Miniaturbild mit Kaiser Franz Joseph

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Bildrechte: Wikimedia/Commons, Sisi Museum Hofburg, pressreader, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, k.u.k. Museum Bad Egart, Peter Biel Antiquariat, APA, Hickl
, Dorotheum.com, geschichtewiki.wien.gv.at, jourfixe-muenchen-ev.com, Österreichische Nationalbibliothek, Kaiserin Elisabeth Museum Possenhofen via Merkur.de, Bildarchiv des Bayrischen Landesamtes für Denkmalpflege für München, Albertina.at, filmlocations-bayern.de/W.Boehm, Heritage Image via Getty Images/Heritage Image,


Ich möchte mich ausdrücklich bei Historiker Alfons Schweiggert bedanken, der mir das Wirr-Warr der Adelstitel und das Thema „Herzogin Elisabeth“ und nicht „Prinzessin Elisabeth“ näher brachte.


Literatur Hinweise:

1 – S.13, 8 – S.47, 9 – S.47, 10 – S.47, 11 – S.49, 12 – S.55, 16 – S.60, 20a – S.87, 28 – S.98
Martina Winkelhofer
Sisis Weg
Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeth erste Jahre am Wiener Hof
Piper Verlag, 1. Auflage 2021

4 – S.10, 14 – S.10/11
Hauptmann Robert Rostock
Erinnerungsblätter an Weiland Ihre Majestät Kaiserin und Königin Elisabeth
k.u.k. Hofbuchdruckerei A. Haase, Prag (nicht erhältlich)

5 – S.6, 15 – 6/7
Othmar Kleinschmied
Kaiserin Elisabeth
Druck und Verlag des kathol. Preßvereines, 1905 (nicht erhältlich)

6 – S.20-22
Sigrid Laube
Sisi, das Kind der Sonne
Jungbrunnen, 1. Ausgabe, 2004 (nur noch antiquarisch erhältlich)

19 – S.15, 27 – S.7/8
Gabriele Praschl-Bichler
Elisabeth Kaiserin von Österreich genannt Sisi
Amalthea, 1. Ausgabe, 2003 (nur noch antiquarisch erhältlich)

12 – S.23
Johannes Thiele
Elisabeth Ihr Leben. Ihre Seele. Ihre Welt (Bildband)
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2011

18 – S.23, 20 – S.15
Hans Rödlhammer
Elisabeth Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn
Verlag Kulturverein Schloss Ebelsberg, 1. Auflage, 1983 (nur noch antiquarisch erhältlich)

2 – S.24, 21 – S.25, 22 – S.25, 26 – S.26
E.C. Conte Corti
Elisabeth von Österreich Tragik einer Unpolitischen
Heyne Sachbücher, 15. Auflage, 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

11 – S.53, 12 – S.53/54, 23 – S.54, 24 – S.54, 25 – S.54/55
Johannes Thiele
Elisabeth Das Buch ihres Lebens
List Verlag, 1. Auflage, 1996 (nur noch antiquarisch erhältlich)

17 – S.18
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper TB, 8. Auflage, 2017

Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1835-1839
Münchner Staatsbibliothek

Michaela und Karl Vocelka
Sisi. Leben und Legende einer Kaiserin
C.H.Beck, 1. Auflage 2014

Kaiser Franz Josephs letzter Weg

Foto: SHB
Kaiser Franz Joseph

Nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth war aus Kaiser Franz Joseph ein zunehmend alter, einsamer Mann geworden. Sein Sohn tot, seine Töchter in Bayern und Niederösterreich verheiratet, seine Enkelkinder weit weg.

Von Haus aus kaum privaten Kontakt zu Personen, die es „ehrlich“ mit ihm meinten, wurde es immer ruhiger um ihn.

Foto: Wikimedia/Commons
Katharina Schratt

Katharina Schratt hatte nach dem Tod ihrer Befürworterin einen schweren Stand am Wiener Hof. Sie wurde von den meisten gehasst.

Auch lehnte Erzherzogin Marie Valerie jeglichen Kontakt zur „gnädigen Frau“ ab. Die Schratt ging auf Reisen und ließ ihren einstigen Vertrauten zurück.

Foto: Wikimedia/Commons
Rudolph Prinz von und zu Liechtenstein

Einzig sein Obersthofmeister, Rudolf Prinz von und zu Liechtenstein (*18.4.1838, †15.8.1908), der seine Arbeit eher aus privater Natur liebte, weil er Kaiser Franz Joseph mochte, nicht aber die zeremoniellen Angelegenheiten, kümmerte sich um die Versöhnung der beiden.

Und so vermittelte er zwischen Erzherzogin Marie Valerie, Kaiser Franz Joseph und Katharina Schratt und besuchte diese sogar in der Hietzinger Villa, um den

„Guglhupf-Plausch“,

– wie die Besuche genannt wurden, – zu forcieren. Mit Erfolg.

Erzherzogin Marie Valerie gab nach und Katharina Schratt durfte wieder zu ihrem Vater.

Doch so unbeschwert wie einst wurde die Beziehung nie mehr.

Der Tod seiner Engels-Sisi hatte nicht nur den Schleier über Kaiser Franz Joseph gelegt, sondern auch die Bande zwischen Katharina Schratt und ihm bröckeln lassen.

Foto: Habsburg.net
Kaiser Franz Joseph am Sarg seiner geliebten „Engels-Sisi“ in der Kapuzinergruft,
Öldruck
(Anmerkung Petra: reale Darstellung, da der Sarg tatsächlich geschlossen war)

Als am 21.10.1911 die Hochzeitsglocken für Erzherzog Karl Franz Joseph (*17.8.1887, †1.4.1922) und Zita Maria delle Grazie Adelgonde Micaela Raffaela Gabrielle Giuseppina Antonia Luisa Agnese Prinzessin von Bourbon-Parma (*9.5.1892, †14.3.1989) im Schloss Schwarzau (heute ein Frauengefängnis) läuteten, ahnte niemand von den zahlreichen Ehrengästen, dass sich das Ruder in der Thronfolge noch einmal drehen würde.

Foto: mythoskaiserinelisabeth – Petra
Kaiser Franz Joseph mit dem Brautpaar Erzherzog Karl und Erzherzogin Zita
(Danke an Schloss Eckartsau für die Fotorechte)

Kaiser Franz Joseph, zu diesem Zeitpunkt bereits 81 Jahre alt, reiste zur Hochzeit ins schöne Niederösterreich.

Kaiser Franz Joseph war mit der Wahl der Braut seines Großneffen mehr als nur einverstanden. Die Geschichte, wie die beiden zueinander fanden und wie es weiterging, könnt ihr im großen Kapitel „Karl und Zita“ bei Erzherzogin Marie Therese nachlesen (hier).

Erzherzog Franz Ferdinand, Sophie Herzogin von Hohenberg und die Kinder Sophie, Ernst und Max von Hohenberg

Nachdem ihn sein Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, mit der Hochzeit der unstandesgemäßen Gräfin Chotek, nunmehr Sophie Fürstin von Hohenberg, mehr als nur enttäuscht hatte, hoffte der alternde Kaiser auf die Kinder von Erzherzog Karl.

Als am 28.6.1914 Erzherzog Franz Ferdinand und seine geliebte Frau Sophie in Sarajewo ermordet wurden, bricht für den knapp 84jährigen Kaiser die Welt zusammen. Der Beitrag zu Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie Herzogin von Hohenberg kann hier nachgelesen werden. 

Am 23.7.1914 unterschrieb er in Bad Ischl (*) sein berühmtes Manifest:

(*) Franz Joseph verließ Bad Ischl für immer und kam nie wieder zurück. Sein Schreibtisch in der Kaiservilla sieht so aus, als würde er jeden Moment zurückerwartet.

Seine kaiserliche und königliche Apostolische Majestät haben das nachweisliche Allerhöchste Handschreiben und Manifest Allergnädigst zu erlassen geruht:

Lieber Graf Stürgkh!
Ich habe mich bestimmt gefunden, den Minister Meines Hauses zu beauftragen, der könglich Serbischen Regierung den Eintritt des Kriegszustandes zwischen der Monarchie und Serbien zu notifizieren.
In dieser schicksalsschweren Stunde ist es Mir Bedürfnis, Mich an Meine geliebten Völker zu wenden. Ich beautrage Sie daher, das unverwahrte Manifest zur allgemeinen Verlautbarung zu bringen.
Bad Ischl, am 28. Juli 1914
Franz Joseph m.p. Stürgkh m.p.


An Meine Völker!

Es war Mein sehnlichster Wunsch, die Jahre, die Mir durch Gottes Gnade noch beschieden sind, Werken des Friedens zu weihen und Meine Völker vor den schweren Opfern und Lasten des Krieges zu bewahren.
Im Rate der Vorsehung ward es anders beschlossen.
Die Umtriebe eines haßerfüllten Gegners zwingen Mich, zur Wahrung der Ehre Meiner Monarchie, zum Schutze ihres Ansehens und ihrer Machtstellung, zur Sicherung ihres Besitzstandes nach langen Jahren des Friedens zum Schwerte zu greifen.
Mit rasch vergessendem Undank hat das Königreich Serbien, das von den ersten Anfängen seiner staatlichen Selbständigkeit bis in die neueste Zeit von Meinen Vorfahren und Mir gestützt und gefördert worden war, schon vor Jahren den Weg offener Feindseligkeit gegen Österreich-Ungarn betreten.
Als Ich nach drei Jahrzehnten segensvoller Friedensarbeit in Bosnien und der Hercegovina Meine Herrscherrechte auf diese Länder erstreckte, hat diese Meine Verfügung im Königreiche Serbien, dessen Rechte in keiner Weise verletzt wurden, Ausbrüche zügelloser Leidenschaft und erbittertsten Hasses hervorgerufen. Meine Regierung hat damals von dem schönen Vorrechte des Stärkeren Gebrauch gemacht und in äußerster Nachsicht und Milde von Serbien nur die Herabsetzung seines Heeres auf den Friedensstand und das Versprechen verlangt, in Hinkunft die Bahn des Friedens und der Freundschaft zu gehen.
Von demselben Geiste der Mäßigung geleitet, hat sich Meine Regierung, als Serbien vor zwei Jahren im Kampfe mit dem türkischen Reiche begriffen war, auf die Wahrung der wichtigsten Lebensbedingungen der Monarchie beschränkt. Dieser Haltung hatte Serbien in erster Linie die Erreichung des Kriegszweckes zu verdanken.
Die Hoffnung, daß das serbische Königreich die Langmut und Friedensliebe Meiner Regierung würdigen und sein Wort einlösen werde, hat sich nicht erfüllt.
Immer höher lodert der Haß gegen Mich und Mein Haus empor, immer unverhüllter tritt das Streben zutage, untrennbare Gebiete Österreich-Ungarns gewaltsam loszureißen.
Ein verbrecherisches Treiben greift über die Grenze, um im Südosten der Monarchie die Grundlagen staatlicher Ordnung zu untergraben, das Volk, dem Ich in landesväterlicher Liebe Meine volle Fürsorge zuwende, in seiner Treue zum Herrscherhaus und zum Vaterlande wankend zu machen, die heranwachsende Jugend irrezuleiten und zu frevelhaften Taten des Wahnwitzes und des Hochverrates aufzureizen. Eine Reihe von Mordanschlägen, eine planmäßig vorbereitete und durchgeführte Verschwörung, deren furchtbares Gelingen Mich und Meine Völker ins Herz getroffen hat, bildet die weithin sichtbare blutige Spur jener geheimen Machenschaften, die von Serbien aus ins Werk gesetzt und geleitet wurden.
Diesem unerträglichen Treiben muß Einhalt geboten, den unaufhörlichen Herausforderungen Serbiens ein Ende bereitet werden, soll die Ehre und Würde Meiner Monarchie unverletzt erhalten und ihre staatliche, wirtschaftliche und militärische Entwicklung vor beständigen Erschütterungen bewahrt bleiben.
Vergebens hat Meine Regierung noch einen letzten Versuch unternommen, dieses Ziel mit friedlichen Mitteln zu erreichen, Serbien durch eine ernste Mahnung zur Umkehr zu bewegen.
Serbien hat die maßvollen und gerechten Forderungen Meiner Regierung zurückgewiesen und es abgelehnt, jenen Pflichten nachzukommen, deren Erfüllung im Leben der Völker und Staaten die natürliche und notwendige Grundlage des Friedens bildet.
So muß Ich denn daran schreiten, mit Waffengewalt die unerläßlichen Bürgschaften zu schaffen, die Meinen Staaten die Ruhe im Inneren und den dauernden Frieden nach außen sichern sollen.
In dieser ernsten Stunde bin Ich Mir der ganzen Tragweite Meines Entschlusses und Meiner Verantwortung vor dem Allmächtigen voll bewußt.
Ich habe alles geprüft und erwogen.
Mit ruhigem Gewissen betrete Ich den Weg, den die Pflicht Mir weist.
Ich vertraue auf Meine Völker, die sich in allen Stürmen stets in Einigkeit und Treue um Meinen Thron geschart haben und für die Ehre, Größe und Macht des Vaterlandes zu schwersten Opfern immer bereit waren.
Ich vertraue auf Österreich-Ungarns tapfere und von hingebungsvoller Begeisterung erfüllte Wehrmacht.
Und Ich vertraue auf den Allmächtigen, daß Er Meinen Waffen den Sieg verleihen werde.
Franz Joseph m. p.
Stürgkh m. p.

Dies wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht
Wien, am 28. Juli 1914
(1)

Der 1. Weltkrieg begann.

Es sei erwähnt, dass ich die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werde. Mir geht es einzig darum, die Personen und deren Charakter bzw. Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen.
Danke!

Kaiser Franz Joseph zog 1914 nun endgültig komplett nach Schloss Schönbrunn.

Seine Privatappartements wurden dem Alter entsprechend angepasst.

Er ersparte sich somit längere Kutschen- oder Autofahrten und konnte bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Gärten von Schönbrunn wandeln.

Und obwohl er nun schon weit über 80 Jahre alt war, änderte sich sein 17stündiger Arbeitstag in den Kriegswirren nicht wesentlich.

Nur die Diners mit den Damen und Herren der Gesellschaft lehnte er mittlerweile ab.

Foto: Wikimedia Commons
Lieblings-Leibkammerdiener Eugen Ketterl
Bleistiftzeichnung Theodor Zasche

Im Tagebuch seines Dieners Eugen Ketterl (*1859, †1929) lässt sich zum vorletzten Tag im Leben des Kaisers folgendes lesen:

„Eines Tages fand eine große Hungerdemonstration statt. Auf den Märkten war nichts mehr zu bekommen, auch Mehl und Kartoffeln waren ausgegangen, es kam zu riesigen Krawallen, Lebensmittelgeschäfte wurden demoliert, die Volksmenge rottete sich in Favoriten, ein Arbeiterbezirk von Wien, zusammen und ging nach Schönbrunn. Aus dem lärmenden Getöse konnte man nur die Rufe „Brot“ und „Hunger“ unterscheiden, die Schönbrunner Schloßwache wurde verständigt, die eiserne Gittertür verschlossen.
Der Kammertürsteher rief mich zu sich und zeigte mir vom Fenster aus die aufgeregte, herandrängende Menge.
„Wie könnte ich nur Seine Majestät verständigen?“ dachte ich mir. „Hinein zu ihm kann ich momentan nicht. Wenn er nur läuten würde!“
Und richtig – der Kaiser läutete.
„Geben Sie mir einen leichten Rock!“ befahl mir der Monarch.
„Wie bringe ich ihn dazu, daß er mich fragt?“ grübelte ich nach. Ich positionierte mich mit dem gewünschten Rock in die Nähe des Fensters, so daß der hohe Fürst nicht nur aufstehen, sondern auch in die Nähe des Fensters treten mußte. Als ich ihm nun in den Rock half, sah ich absichtlich und recht auffällig interessiert zum Fenster hinaus. Der Kaiser folgte meinem Blick, sah die Tore geschlossen und die aufgeregte Volksmenge.
„Was geht da vor?“ fragte er.
„Erlauben Euer Majestät, daß ich die Wahrheit sage?“
Der Kaiser nickte erregt.
„Das Volk demonstriert, weil Hungersnot ist. Die Kinder werden von den Lehrern nach Hause geschickt oder fallen vor Entkräftung ohnmächtig in den Schulen um. Selbst die Kinder der Herzogin von Hohenberg leiden, wie wir alle, furchtbar unter dem Lebensmittelmangel. Es gibt keine Milch mehr, kein Mehl, keine Kartoffeln, keinen Kohlen! Wissen Euer Majestät auch, warum Höchstderselbe nicht mehr durch die Mariahilferstraße fahrendürfen? Man sagte Euer Majestät, weil dort Pflasterarbeiten vorgenommen würden. Das ist aber nicht wahr. Man will nicht, daß Euer Majestät sehen, wie endlose Züge von Menschen in doppelten Kolonnen stundenlang vor den Lebensmittelgeschäften stehen, um ein klein wenig Nahrungsmittel zu erhalten. Der Hunger herrscht in Wien!“
Der Kaiser blickte mich an.
„Ich danke Ihnen!“, sagte er mit bewegter Stimme, ließ sich sofort den Flügeladjutanten rufen und befahl, an sämtlichen maßgebenden Stellen zu telephonieren, daß mit diesem „unerhörten Zustand“ sofort Schluß zu machen sei. Die Leute, die die Lebensmittel zurückhielten, seien zu strengster Verantwortung zu ziehen.

Rot vor Zorn schrie der Kaiser und schloß mit den Worten: „Und das muß ich erst von meinem Kammerdiener erfahren!“ (2)

Foto: Wikimedia/Commons
Fürst Nikolaj Nikolajewitsch

Ministerpräsident Ernest Karl Koerber (*6.11.1850, †5.3.1919) berichtete dem Monarchen über das herrschende Elend und erklärte, daß es nicht mehr so weiterginge. Die Menschen würden immer aufrührerischer gesinnt.


„Wenn dem so ist“, erklärte der Kaiser – ich hörte es im Nebenzimmer – , „so wird ohne Rücksicht auf meinen Bundesgenossen der Friede geschlossen.“ (3)

Obwohl er sich 1913 nach einem Besuch von Großfürst Nikolaj Nikolajewitsch (*18.11.1856,†6.1.1929), den er bei Regen und Kälte im offenen Wagen zum Bahnhof begleitete, verkühlte und sich eine schwere Grippe zuzog, arbeitete Kaiser Franz Joseph unermüdlich weiter.

Sein dadurch entstehender Husten wurde chronisch und schwächte ihn.

Ketterl schrieb, dass er Seine Majestät niemals krank sah und dieser weder krank sein wollte, noch krank sein konnte.

Sein Reich, seine Untertanen und sein unermüdlicher Fleiß standen ihm dabei im Weg.

Schwäche konnte und wollte er sich nicht erlauben. Kaiser Franz Joseph stand um 4.00 Uhr Früh auf und ging um 21.00 Uhr zu Bett. Dazwischen lag ein schwerer Arbeitstag vor ihm.

Im November 1916 bekam Kaiser Franz Joseph wieder einen stärkeren Husten, der sich – nach der Diagnose von Dr. Joseph Kerzl – zu einer Lungenentzündung ausgebreitet hatte.

Er wurde immer schwächer und man beobachtete den Kaiser genau.

Nachdem er sich auch noch beim Aufstehen in die Decke verwickelte und hinfiel, bohrte das Personal Löcher in die Wände, um den Kaiser zu beobachten.

Stürze oder sonstige Probleme konnten damit schneller erkannt werden.

Trotz Lungenentzündung und starker Einschränkung schonte sich Franz Joseph nicht.

Sein Reich, die Kriegswirren und die extremen Anspannungen der letzten Jahre hatten den alternden Kaiser müde gemacht.

Oftmals sank er völlig erschöpft auf seine Arme und legte den Kopf auf diese, um am Schreibtisch ein kleines Nickerchen zu machen.

Seine Minister und Adjutanten beobachteten ihn dabei über einen Spiegel, der so aufgestellt wurde, damit man sah, ob Kaiser Franz Joseph schlief oder arbeitete. Wenn er schlief, durfte er nicht gestört werden. Niemand durfte mehr länger als 5 Minuten zu ihm. Der Husten wurde stärker, die Schwächeanfälle häufiger.

Der letzte Tag – 21.11.1916:

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth „Ella“ Gräfin Waldburg zu Zeil
Foto: ÖNB
Erzherzogin Marie Valerie

Erzherzogin Marie Valerie (*22.4.1868, †6.9.1924) und Elisabeth „Ella“ Gräfin Waldburg zu Zeil (*27.1.1892, †29.1.1930) erschienen um 8.30 Uhr morgens, um den Vater und Großvater zu fragen, wie es ihm ginge.

Als die beiden eine zufriedenstellende Antwort bekamen, verabschiedeten sich die beiden gegen 9.00 Uhr wieder.

Erzherzogin Marie Valerie erbat um nochmaliges Kommen, um am Abend „Gute Nacht“ sagen zu dürfen. Kaiser Franz Joseph gestattete dies seiner Tochter.

Foto: Wikimedia/Commons
Eduard von Paar

Danach erschienen Generaloberst Eduard Graf von Paar (*5.12.1837, †1.2.1919) und Generaloberst Alfred Freiherr von Bolfras (*16.4.1838, †19.12.1922) zu Vorträgen.

Nach dem Abgang der Herren, bekam Kaiser Franz Joseph von seinem Burgpfarrer den päpstlichen Segen, den der Heilige Vater geschickt hatte. Der Burgpfarrer nahm ihm die Beichte ab, überreichte ihm die heilige Kommunion und ging voller Freude wieder, dass sich Kaiser Franz Joseph über den Heiligen Segen gefreut hatte.

Um 11.30 Uhr besuchte ihn das Thronfolgerpaar (Anmerkung Petra: Karl und Zita) und jammerte, dass er keine Zeit zum Krank sein habe. Außerdem wurde die politische Lage in Rumänien besprochen.

Um 13.00 Uhr verschlimmerte sich jedoch der Zustand von Kaiser Franz Joseph, so dass er seinen Kabinettsdirektor Franz Freiherr von Schießl (*19.3.1944, †10.3.1932) und Sektionschef Dr. von Daruvary abwies.

Bis 16.00 Uhr schlief Kaiser Franz Joseph in seinem Ohrensessel.

Danach stand er auf, ging zu seinem Schreibtisch und unterschrieb das letzte Dokument seines Lebens.

Um 16.30 Uhr speiste er eine Kleinigkeit.

Um 17.30 Uhr kam Erzherzogin Marie Valerie, die sich um ihren Vater sehr große Sorgen machte.

Sie fand ihn in einem verheerenden Zustand. Er war schwach und konnte kaum atmen. Sein Gesicht fahl und blaß. Er erzählte ihr noch, dass er bereits die Beichte und den Segen des Papstes durch den Burgpfarrer bekommen hatte.

Marie Valerie verließ ihren Vater schweren Herzens.
Sie ahnte wohl, dass es zu Ende ging.

Danach ließ er sich zum Betschemel bringen und betete darauf, längs sitzend.

Ketterl bat Seine Majestät schließlich, sich niederzulegen.


„Ich bin mit meiner Arbeit nicht fertig geworden, morgen um 1/2 4 Uhr wecken Sie mich wie gewöhnlich.“


Seine Majestät schien bald gut zu schlafen, erwachte aber später und verlangte Tee zu trinken.

Niemand vermochte es, ihm eine Tasse Tee einzuflößen. Ketterl nahm die Tasse zur Hand, hob den Polster, auf dem das Haupt des Sterbenden ruhte und flößte ihm ein paar Tropfen des heißen Getränks ein.

Der Kaiser lächelte müde:

„Warum geht’s denn jetzt?“,

meinte er mit leiser Stimme. (4)

Foto: Wikimedia/Commons Dr. Joseph Kerzl

„Nicht lange danach wurde der Atem des Kaisers kurz und Professor Ortner sah sich veranlaßt, eine die Herztätigkeit anregende Injektion zu geben, von welcher der Kaiser nichts mehr merkte; gleichzeitig wurde der Burgpfarrer gerufen.

Nach ½ 9 Uhr wurde er in das Schlafgemach eingelassen und spendete dem Kaiser die letzte Ölung. Bei dieser heiligen Handlung waren das Thronfolgerpaar, Erzherzogin Maria Josepha (Anmerkung Petra: Mutter von Erzherzog Karl), Erzherzogin Maria Theresia (Anmerkung Petra: Erzherzogin Marie Therese; Schwägerin), Erzherzog Franz Salvator und Erzherzogin Marie Valerie, der erste Obersthofmeister Fürst Montenuovo, der Generaladjutant Generaloberst Graf Paar, die in Schönbrunn anwesenden Flügeladjutanten und das Kammerpersonal Seiner Majestät zugegen.

Ihre k.u.k. Hoheit Erzherzogin Marie Valerie kniete zu den Häupten des Kaisers und drückte ihm das Sterbekreuz in die Hand. Seine Majestät empfing noch das vollkommenen Ablaß in articulo mortis. Nicht lange darauf hörte der Kaiser auf zu atmen, ruhig war er hinübergeschlummert. Es war 9 Uhr 5 Minuten. Der Leibarzt seiner Majestät Dr. Ritter v. Kerzl und Professor Dr. Ortner stellten das Ableben fest.

Der Burgpfarrer betete das Responsorium „Subvenite Sancti“, verrichtete die kirchlichen Gebete für den erlauchten Dahingeschiedenen und besprengte ihn mit Weihwasser. Hierauf beteten alle Anwesenden gemeinsam für das Seelenheil des im Herrn Entschlafenen.“

Das war das Ende.

Die Macht des Kaisers von Österreich war gebrochen. Ein Stärkerer, der Tod, hatte ihn bezwungen… Für ihn war der Krieg beendet und er war zum Frieden der ewigen Ruhe eingegangen. (5)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Therese

Obwohl laut Eugen Ketterl seine letzten Worte

„Warum geht’s denn jetzt?“

gewesen waren, sind die Worte:

„Ich bin mit meiner Arbeit nicht fertig geworden, morgen um 1/2 4 Uhr wecken Sie mich wie gewöhnlich“

in die Geschichte eingegangen.

Sie zeigen den vor Fleiß und Eifer strotzenden Kaiser, der sich auch durch eine Lungenentzündung nicht davon abhalten ließ, sein untergehendes Reich zu regieren.


Am 21.11.1916 entschlief nun der 86jährige Kaiser Franz Joseph um 21.05 Uhr sanft und friedlich in seinem Bett. Um ihn herum seine Lieben.

Nur Erzherzogin Gisela musste aus München anreisen, sie konnte sich von ihrem lebenden Vater nicht mehr verabschieden.

Katharina Schratt wurde vom Thronfolger und nunmehrigen Kaiser Karl verständigt und per Arm zum Bett des Toten geleitet.

Kaiser Franz Joseph hatte einen Besuch am Bett abgelehnt, da er sich vor ihr genierte und ihr nicht den alten, kranken Mann zeigen wollte, zu dem er geworden war. Mit dem Tod des Kaisers wurde

aus Erzherzog Karl Kaiser Karl I.

und er wurde ab sofort auch so angesprochen. Aus seiner Frau Erzherzogin Zita wurde natürlich Kaiserin Zita.

Um 22.30 Uhr wurden die Garden vor Schloss Schönbrunn vom Ableben des Kaisers informiert, die wiederum das Volk vor den Toren verständigten.

Am 22.11.1916 druckte die Wiener Zeitung als Erste Zeitung die Verkündigung vom Tod des Kaisers.

Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch Österreich-Ungarn und in die Kriegsgebiete.

Foto: Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek
Die Meldung lautete:
Seine k.u.k. Apostolische Majestät Franz Joseph I sind heute den 21.d.M. um neun Uhr abends im Schlosse zu Schönbrunn sanft in dem Herrn entschlafen.

Ketterl kleidete Kaiser Franz Joseph zum letzten Mal an: Er legte ihm eine Feldmarschalluniform, das Goldene Vlies und die Kriegsmedaille, das Offiziersverdienstkreuz und die zwei Jubiläumsmedaillen zur Erinnerung an die 50. und 60jährige Regierungszeit an. Weiters wurde dem Leichnam sein Ehering und sein Siegelring, die er niemals ablegte, gelassen.

Um den Siegelring wurde allerdings zuvor noch heftig gestritten.

Erzherzogin Marie Valerie und Erzherzogin Gisela wollten den Ring für sich und nahmen ihn dem Toten ab.

Da die beiden sich nicht einigen konnten, wer ihn behalten sollte, entschlossen sie sich, dem Vater den Ring mit ins Grab zu geben und stecken ihn ihm wieder an den Finger.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Gipsabdruck, rechte Hand von Kaiser Franz Joseph, 1917
mit Siegelring und dahinter der schlichte goldene Ehering
Ausstellung zum 100jährigen Todestag von Kaiser Franz Joseph, 2016, Nationalbibliothek Wien
Foto: Wikimedia/Commons
Prof. Dr. Norbert Ortner

Die erste Totenwache übernahmen Eugen Ketterl und Erzherzogin Marie Therese (*24.8.1855, †12.2.1944), Witwe von Erzherzog Karl Ludwig, die Kaiser Franz Joseph über alle Maßen schätzte.

Über den Tag der Aufbahrung kam sie mehrmals am Tag vorbei und schenkte dem Toten frische Alpenblumen, die sie aus dem Garten von Schönbrunn mitbrachte. Es waren des Kaisers Lieblingsblumen.

Am 23.11.1916 wurden Leibarzt Dr. Joseph Kerzl (*28.8.1841, †22./23.6.1919) und Professor Dr. Norbert Ortner (*10.8.1865, †1.3.1935) damit beauftragt, die Einbalsamierung durchzuführen. Im Protokoll ist folgendes zu lesen:

„Die beiden großen Halsschlagadern werden freigelegt, in dieselben werden Kanülen eingebunden und sodann mit Formalin in concentriertem Zustand in den Kopf einerseits, in den Rumpf anderseits eingespritzt in der Menge von 5 Liter. Schließlich werden die gesetzten Halswunden vernäht.“ (6)

Foto: Wikimedia/Commons Obersthofmeister Alfred Monetnuovo

Die Begräbnisfeierlichkeiten wurden zum Staatsakt.

Eigentlich hätte sich der letzte Obersthofmeister Seiner Majestät um das Zeremoniell kümmern sollen. Doch es gab keine wirklichen Überlieferungen dazu. Der letzte Kaiser, der beerdigt wurde, war Kaiser Franz I/II (*12.2.1768, 2.3.1835).

Das Zeremoniell wurde mündlich überliefert und es gab keine lebende Person mehr, die sich an dieses Begräbnis erinnern konnte.

Mit Mühe fand Obersthofmeister Alfred Fürst von Montenuovo (*16.9.1854, †6.9.1927) heraus, wie das Begräbnis abzuwickeln sein könnte, als Kaiser Karl darauf bestand, dass er mit Kaiserin Zita und dem 5jährigen Kronprinz Otto (*20.11.1912, 4.7.2011) hinter dem Sarg herzugehen wünsche.

Außerdem musste sich der neue Obersthofmeister Seiner Majestät Kaiser Karl um die Zeremonie kümmern, weshalb Fürst Montenuovo sich um die internen Angelegenheiten kümmerte.

Während der Vorbereitungen zu den großen Feierlichkeiten wurden auch die testamentarischen Angelegenheiten geregelt.

Kaiser Franz Joseph hinterließ ein Testament, welches er am 6.2.1901 aufsetzte. Zwei weitere Kodizille aus den Jahren 1913 und 1916 wurden hinzugefügt. Am 22.11.1916 wurde dieses im Beisein des Obersthofmarschalls, des Außenministers, des Obersthofmeisters Montenuovo und einiger Beamter geöffnet und verlesen.

Sein gesamtes Privatvermögen wurde zu gleichen Teilen an die Töchter Erzherzogin Marie Valerie und Erzherzogin Gisela aufgeteilt. Ebenso erging eine größere Summe an seine geliebte Enkeltochter Erzherzogin Elisabeth Marie „Erzsi“, der Tochter des unglücklichen Sohnes Kronprinz Rudolf. Erzherzogin Marie Valerie erbte zudem die Villa in Bad Ischl, Erzherzog Franz Salvator, sein Schwiegersohn und somit Ehemann von Erzherzogin Marie Valerie erbte das Jagdhaus Offensee, samt dem dazugehörigen Grundbesitz. Erzherzogin Gisela erbte die Gries-Villa.

Da Kaiser Franz Joseph sein Testament von 1901 nicht mehr änderte, gingen die Kriegswitwen, -waisen und -opfer leer aus.

Gisela und Marie Valerie sollten dafür sorgen, dass der Rest der Familie mit Andenken und kleineren Summen begütet werden sollten; auch die Dienerschaft sollte mit Andenken beschenkt werden. Wer das gesamte Testament lesen möchte, kann das hier tun.

Am 27.11.1916 um 22.00 Uhr wurde der Leichnam in den Leichenwagen gebracht.

Dieser wurde von Rappen gezogen und feierlich von Schloss Schönbrunn in die Hofburg überführt. 50 Personen des Hofes begleiteten den Wagen, nicht aber die Familie. Danach wurde Kaiser Franz Joseph auf das Totenbett – „bed of state“ – gelegt und aufgebahrt.

Foto: Bildarchiv ÖNB
Aufbahrung Kaiser Franz Joseph

Das Herz war von den Ärzten ebenfalls entnommen und entgegen der alten Tradtion, nach welcher die Herzen der verstorbenen Habsburger in der Loretokapelle der Kapuziner bestattet wurden, in die Katakomben des St. Stephansdoms gebracht worden.

Den Kaiser umsäumten die Funeralkronen seiner Länder, viele Orden und Kerzen, und auf ihm wurde eine Decke aus Goldstoff drapiert, auf welche die Kinder der Familie Blumen ablegten.

25.000 Menschen sollen ihrem alten Monarchen die letzte Ehre erwiesen haben.

Laut mehrfacher Überlieferung dürfte bei der Einbalsamierung ein neues Paraffin-Verfahren angewendet worden sein. Das Gesicht von Kaiser Franz Joseph änderte sich dadurch fast stündlich und soll zum Schluss keinesfalls mehr wie der bekannte Monarch ausgesehen haben.


Da sich Österreich-Ungarn mitten im Krieg befand, waren wenige Staatsmänner an den Begräbnisfeierlichkeiten interessiert.

Foto: Deutsches Bundesarchiv
Kaiser Wilhelm II

Kaiser Wilhelm (*27.1.1859, †4.6.1941) zu dem Zeitpunkt selbst krank, kam am 28.11.1916 und legte einen großen Kranz mit weißen Orchideen vor dem aufgebahrten Kaiser Franz Joseph ab.

Am 30.11.1916 wurde das Begräbnis in Wien feierlich begangen.

Außer der Familie, der Dienerschaft, den Offizieren und Staatswürdenträgern, waren noch folgende Personen anwesend: König Ludwig III, Ehefrau Erzherzogin Maria Theresia, König Friedrich August III, Familienmitglieder der Familien Hohenzollern-Sigmaringen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Weimar, Baden, Dänemark, Sachsen-Coburg, sowie Bündnispartner Zar Ferdinand I. und Kronprinz Mehmed VI. Vahideddin mit Ehefrau Emine Nazikeda, ebenso sandten die neutralen Länder Schweden und Spanien Familienmitglieder zum Begräbnis.

Hier zeige ich euch das erste Mal und exklusiv das Begräbnis-Zeremoniell für Kaiser Franz Joseph. Danke an das Dorotheum Wien, dass ich es fotografieren durfte!

Der prächtige Gala-Leichenwagen wurde von acht Rappen gezogen. Jedes Fenster, jeder Straßenzug war gesäumt von Menschen, die dem letzten großen Monarchen ihr Geleit geben wollten.

Foto: khm
Gala-Leichenwagen

10.000 Mann sorgten für die Sicherheit, sperrten Straßen ab und regelten den Verkehr. Der Leichnam im einfachen Sarg wurde aus der Hofburg getragen, auf den Wagen gehoben, um an einem strahlenden warmen Spätherbsttag zum Stephansdom gefahren zu werden. Vor dem Trauerzug fuhren die höchsten Würdenträger, dahinter die Wagen der kaiserlichen Familie.

Der Trauerzug ging von der Hofburg über des Kaisers große Meisterleistung, die „Ringstraße“, wo noch extra einmal eine Huldigung auf ihn wartete, über die Kärntner Straße zum Stephansdom, wo um 15.00 Uhr die feierliche Einsegnung stattfand. Danach wurde der Trauerwagen wieder auf die Kärntner Straße und über den Neuen Markt geführt, um schließlich um 15.30 Uhr vor den Toren der Kapuzinergruft anzuhalten.

Nach dem Festgottesdienst folgten Kaiser Karl, Kaiserin Zita und der in weiß gekleidete, blondgelockte Kronprinz Otto dem Trauerzug zu Fuß.

Kronprinz Otto sollte die Hoffnung des Kaiserreichs darstellen.

Sein Bild hatte sich damals lange in das Gedächtnis der Menschen gebrannt.

Das Bild des kleinen Buben, der eine ganze Monarchie auf seinen kleinen Schultern trug, war Sinnbild des untergehenden Habsburg-Reiches.

Foto: habsburger.net
Kaiser Karl, Kaiserin Zita und der kleine 5jährige Kronprinz Otto

Als Kaiser Franz Joseph vor der Kapuzinergruft ankam, war es Obersthofmeister Montenuovo, der bei Pater Guardian um Einlass bat.

Die Anklopfzeremonie wurde insgesamt 3x wiederholt.

2x wurden alle Titel des Toten aufgesagt.

Doch diese Titel halfen vor Gott, dem Allmächtigen niemanden.

Erst als Obersthofmeister Montenuovo den Satz

„Franz Joseph, ein armer Sünder, dessen Sünden so zahlreich sind wie die Sterne des Himmels, bittet um Einlass“ (7)

sagte, ging die Türe auf und Kaiser Franz Joseph wurde neben seiner Engels-Sisi und neben seinem Sohn Kronprinz Rudolf zur letzten Ruhe geleitet.

Der ewige Kaiser – der ewige Mythos

Foto: Wikimedia/Commons
Filmprogramm Sissi 1955
Foto: ÖW/Wiesenhofer
Souvenirs, Souvenirs

Wie schon bei Kaiserin Elisabeth erlebte der Kaiser nach seinem Tod eine Heldenverehrung.

Dem Monarchen wurden zwar nicht ganz so viele Denkmäler gebaut wie Kaiserin Elisabeth, aber an Bildern, Postkarten und sonstigen Souvenirs, steht er ihr in nichts nach.

Nach dem Krieg erfuhr die Monarchie eine Renaissance.

Sein Bildnis wurde zwar abgenommen, doch in jeder Schublade verwahrt, bis es wieder modern wurde, den Kaiser an den Wänden hängen zu haben.

Spätestens mit den Sissi-Filmen mit Karlheinz Böhm und Romy Schneider hatten die Bürger den Kult rund um das Kaiserhaus wieder zurück.

Auch Kaiser Franz Josephs Konterfei wurde auf allem, was sich verkaufen lässt, abgebildet:

Tassen, Puzzles, Magnete, Schnapsflaschen, Postkarten, Büsten, Uhren usw. werden in die ganze Welt verkauft.

Mindestens zwei Bücher erscheinen pro Jahr mit dem Konterfei des Monarchen.

Auch heute noch lässt sich mit dem alten, greisen, weisen und einsamen Menschen Kaiser Franz Joseph Geld verdienen.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter

Nur eines haben ihm seine Frau Elisabeth und sein Sohn Rudolf voraus – ein Musical.
In beiden kommt er zwar vor, allerdings gibt es noch kein eigenes Franz Joseph-Stück.

Anscheinend war sein Leben dann doch zu langweilig für die Bühne.

Und auch wenn Kaiserin Elisabeth ihm den Bekanntheitsgrad abläuft, so ist es Kaiser Franz Joseph, der diesen Mythos geschaffen hat. Er hatte sich Seinerzeit in sie verliebt und sie, entgegen dem Rat seiner Mutter, geheiratet.

Ohne seiner ambivalenten und schönen Ehefrau Elisabeth wäre das Kaiserhaus zwischenzeitig in Vergessenheit geraten.

Der Kaiser ist tot, lang lebe der Kaiser!

– Petra –

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, SHB, khm-shop.at, Habsburger.net, Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, ÖW/Wiesenhofer, 


Literarische Hinweise:

1 – S 61
Hans Petschar (HG.)
Der ewige Kaiser Franz Joseph I. 1830 – 1916
Österreichische Nationalbibliothek
Ausstellungskatalog zum 100. Todestag (nicht mehr erhältlich)

2 – S. 170, 3 – S 170, 4 – S. 175, 5 – S. 175
Eugen Ketterl
Wie ich Kammerdiener Seiner Majestät wurde (nur noch antiquarisch erhältlich)
Molden Verlag, 1980, 1. Auflage

6 – S 365, 7 – S.367
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I: Kaiser von Österreich und König von Ungarn 1830 – 1916
Verlag C.H.Beck, 2015, 1. Auflage


Eine ambivalente Ehe

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph

Dass die Ehe nicht lange ein süßlicher Kitschfilm war, möchte ich mit diesem Beitrag aufzeigen.

Auch wenn Kaiserin Elisabeth vielleicht anfangs „verliebt“ in ihren „Franz“ war, so zeigte sich bald:

Verständnis hatten beide füreinander nicht

Schon bald nach der strapaziösen Hochzeit (hier), den Flitterwochen, die Elisabeth zumeist, nur in Gesellschaft ihr völlig fremder Hofdamen in Schloss Laxenburg verbringen musste, ging es auf Repräsentationsfahrt durchs halbe Land. Vor allem Böhmen und Mähren standen auf dem Plan. Zwei Monate nach der Hochzeit wurde die junge Kaiserin bereits schwanger.

Die erste Zeit lebten Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph in Schloss Laxenburg. Ein bis drei Mal die Woche besuchten Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl die Schwangere. Sophie machte sich große Sorgen, da sie selbst elf Fehlgeburten ertragen musste.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie Friederike

Die Schwangerschaft verlief komplikationslos und am 5.3.1855 wurde die kleine Erzherzogin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha († 29.5.1857) geboren.

Es ist nicht korrekt, dass sich Erzherzogin Sophie in die Namensgebung einmischte.

Es war damals Brauch, den Namen der Großmutter zu wählen.

In diesem Fall wurde Sophie als Namenspatin auserkoren. 

Zumindest behauptet dies die Sophie-Biografin Ingrid Haslinger. Brigitte Hamann schrieb wiederum, dass Elisabeth sich dem Regiment der Schwiegermutter widerstandlos zu fügen hatte. Das Kind erhielt den Namen Sophie, die Großmutter wurde Patin.

Auffällig war, dass Herzogin Ludovika bei der Erstgeburt nicht dabei war.

„Die Mutter der Kaiserin verweilt auf ihrem Landsitze, worüber man sehr erstaunt ist. Sie soll keine Einladung erhalten haben Jedes Ding hat seine Ursache…“ (1)

Kaiser Franz Joseph war überglücklich seine schöne starke Tochter in Händen zu halten. Sisi war erschöpft, aber überglücklich.

Die traurige Geschichte zu Baby Erzherzogin Sophie könnt ihr hier nachlesen.

Die ersten Jahre der Ehe können als glücklich angesehen werden. Franz Joseph machte aus seiner Verliebtheit keinen Hehl. Auch Elisabeth dürfte ihrem jungen feschen Mann sehr zugetan gewesen sein.

Foto: Dorotheum Wien
Erzherzogin Gisella im Alter von 4 Jahren

Was die Kindeserziehung betrifft, gehen abermals die Biografinnen Haslinger und Hamann weit auseinander.

Obwohl auch Hamann den Zwist relativiert, scheibt Haslinger von Eitel Wonne seitens Sophie.

Der Konflikt nach dem Erzherzogin Gisella Louise Marie (*12.7.1856, †27.6.1932) geboren wurde, verschlechterte sich seitens Kaiserin Elisabeth zusehends. Den Beitrag Elisabeth als Mutter findet ihr hier.

Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) wurde Taufpatin, reiste aber selbst zur Taufe des Kindes nicht an. Es hieße, sie wolle Erzherzogin Sophie nicht im Wege stehen.

Gisella, die sich nach ihrer Hochzeit nur noch Gisela schrieb, wurde ebenso wie die kleine Sophie sofort in die Privaträume von Erzherzogin Sophie verlegt, wo sich Kinderfrau Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1892) aufhielt.

Diese war für die Erziehung zuständig. Sie wurde von Erzherzogin Gisela und später von Kronprinz Rudolf sehr geliebt. Ihr liebevoller Spitzname „Wowo“ blieb ihr für den Rest ihres Lebens.

Ingrid Haslinger schreibt in ihrer Sophie-Biografie, dass Kaiserin Elisabeth selbst ihrer Mutter gegenüber gestanden hätte, nichts mit Kleinkindern anfangen zu können. Dem widerspricht sich wiederum Brigitte Hamann, die darüber philosophiert, wie sehr Elisabeth es genossen hätte, als Marie Valérie zur Welt kam. 

Ich springe allerdings ins Jahr 1856 und berichte euch von der gemeinsamen Reise nach Kärnten und durch die Steiermark.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth erlebten eine Zeit, die vom strengen höfischen Zeremoniell komplett abgewandt war.

Obwohl 116 höfische Personen die beiden begleiteten, versuchten sie so etwas wie ein „Privatleben“.

In Lederhose, mit Gamsbarthut und im knappen Lodenkostüm mit derben Bergschuhen machten sich die beiden auf, das Hochgebirge zu erkunden. Auch der Großglockner wurde bestiegen.

Als Elisabeth nach drei Stunden Bergmarsch eine Pause machte (sie war noch geschwächt von der Geburt ihrer Tochter Gisella), wurde die Wallnerhütte einfach in „Elisabethruhe“ umbenannt.

Kaiser Franz Joseph stieg derweil mit einem Bergführer auf den Hohen Sattel zum Pasterzengletscher, welcher heute „Franz-Joseph-Höhe“ heißt.

Als die beiden zurückkamen, war die Ehe gestärkt und Franz Joseph lehnte sich erst- und gleichzeitig letztmals gegen seine Mutter auf.

Er ließ nach der Ankunft die Kinderzimmer in die Radetzky-Räume verlegen; allerdings ohne dass seine Mutter Sophie dies wusste. Diese befand sich zu dieser Zeit in Bad Ischl.

Als sie zurückkam und die Veränderung sah, reagierte sie mehr als nur erbost. Mehr dazu im Beitrag „Elisabeth als Mutter“ (hier).

Ein Schreiben von Kaiser Franz Joseph an seine Mutter zeugt von dieser Auflehnung:

„Ich bitte Sie jedoch inständigst, Sisi nachsichtig zu behandeln, wenn sie vielleicht eine zu eifersüchtige Mutter ist, – sie ist ja doch so eine hingebende Gattin und Mutter!, Wenn Sie die Gnade haben, die Sache ruhig zu überlegen, so werden Sie vielleicht unser peinliches Gefühl begreifen, unsere Kinder ganz in Ihrer Wohnung eingeschlossen mit fast gemeinschaftlichem Vorzimmer zu sehen… Übrigens fällt es Sisi gar nicht ein, Ihnen die Kinder entziehen zu wollen… Sehr betrübt hat mich alles, was Sie, liebe Mama, an diese einfache Maßregel knüpfen. Nie würde ich es zugeben, daß Sie Ihre jetzige Wohnung verlassen oder gar, was ich nicht gelesen haben will, ganz aus der Hofburg ziehen würden.“ (2)

Wir können also davon ausgehen, dass es hier zu massiven Problemen kam. Sophie drohte mit Auszug, Elisabeth triumphierte.

Sie wurde generell immer stärker. Ihre zurückhaltende Art, ihre Ängste und ihre Weinattacken wurden immer weniger.

Sie bemerkte wohl immer mehr, dass sie mit dem Titel

„Kaiserin“

Macht hatte, die man ihr so leicht nicht mehr wegnehmen konnte.

Dr. Johann Nepomuk Seeburger Foto: Wikimedia/Commons

Dr. Johann Nepomuk Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) stellte zu seinem Entsetzen fest, dass Kaiserin Elisabeth sich auf den Auslandsreisen 1856/7 nach Mailand und Venedig nicht schonte. Auch im strömenden Regen stand sie ihrem Mann bei, während er die endlosen Paraden abnahm.

Kaiser Franz Joseph, der sehr frostig empfangen wurde und mit einigen Attentatsversuchen zu kämpfen hatte, merkte, dass alle Augen auf seine schöne Frau gerichtet waren.

In Staatskleidung stand sie fest hinter ihm. Ihre Lunge machte nicht mehr lange mit. Dr. Seeburger warnte die junge Kaiserin, die nicht hören wollte.

Bei Kaiser Franz Joseph blitzte er vollkommen ab.

„Ein Pantoffelheld sei er“, beklagte er sich.

Der Hass, der Unmut und das Risiko, dass Kaiser Franz Joseph in Italien entgegenschlug bzw. dem man sich aussetzte, waren der jungen Frau völlig fremd.

In Bad Ischl jubelten die Menschenmengen, in Wien huldigte man dem Kaiserpaar, in Kärnten und der Steiermark führten sie beinahe inkognito gemeinsame Bergtouren aus.

Foto: ÖNB
Erzherzog Franz Karl

Was ihr in Wien verhasst war, wurde ihr in Italien recht: Präsentieren, schön sein und im Grunde genommen, wenig Meinung zu haben. Kaiser Franz Joseph verfiel seiner Frau immer mehr. Dass sie absichtlich die Kinder in die Gefahrenzone brachte, bemerkte niemand, außer Erzherzogin Sophie. Der Konflikt ab 1856 war unausweichlich immer mehr zum Problem geworden.

Als Tochter Sophie starb, war die Trauer groß. Elisabeth brach zusammen, Franz Joseph überstand die Krise nur mit Disziplin und innerer Härte.

Erst sehr viele Jahre später, sollte Erzherzogin Marie Valérie ihren Vater um Baby Sophie trauern sehen:

20. – 22.9.1898 „Mit Papas Gutheissung wird Mamas Toilettenzimmer in der Villa Hermes mit all den gewohnten Sachen hergerichtet… Erinnerungen tauchen auf – längst vergangenes Weh – auch an das baby, das ihr vor mehr als 40 Jahren vorausgegangen, nach denen Papa jetzt fragt, die er aufbewahrt wissen und doch nicht sehen will. Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich ihn vom „baby“ sprechen hörte…“ (3)

Foto: ÖNB
Kronprinz Rudolf als Kleinkind

Am 23.8.1858 kam nun endlich der Stammhalter, Kronprinz Erzherzog Rudolf Franz Karl Joseph zur Welt (†30.1.1889).

Erzherzog Franz Karl wurde sein Taufpate. Mit der Geburt von Rudolf änderte sich schlagartig Elisabeths Laune.

Kaiserin Elisabeth wurde auch jetzt wieder nicht von Erzherzogin Sophie gestattet, das Kind selbst zu stillen.

Rudolf wurde in die Arme der bäuerlichen Amme Marianka gelegt. Kaiserin Elisabeth wurde schwer krank. Sie bekam Fieber und litt unter Milchandrang. Als sich ihr Zustand bis zum Winter nicht gelegt hatte, wurde Herzogin Ludovika gerufen.

Kaiser Franz Joseph musste sich seinen Staatsgeschäften hingeben und hatte für die Rekonvaleszenz seiner Frau wenig über.

Der Krieg mit Italien 1859 brach aus. Nach dem Graf Grünne und seine Generäle an einigen Schlachten maßlos scheiterten, reiste Kaiser Franz Joseph selbst an die Front.

Kaiserin Elisabeth brach beinahe zusammen, als sie von dem Vorhaben erfuhr. Sie begleitete, mit den Kindern, ihren Mann bis nach Mürzzuschlag. Dort übernahm Generaladjutant Karl Ludwig Graf von Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884) Kaiser Franz Joseph.

Elisabeth heulte ohne Unterlass.

Sie bettelte Graf Grünne, dem sie zu diesem Zeitpunkt noch vertraute, um Folgendes an:

Foto: Wikimedia/Commons
Graf Karl Ludwig Grünne

 „Sie denken gewiß immerwährend an Ihr Versprechen und geben recht acht auf den Kaiser; das ist mein einziger Trost in dieser schrecklichen Zeit, daß Sie es immer und bei jeder Gelegenheit tun werden. Wenn ich nicht diese Überzeugung hätte, müßte ich mich ja zu Tode ängstigen. Aber was an Ihnen liegt, werden Sie gewiß auch Thun, um den Kaiser zu bewegen, bald zurückzukommen und Ihn bei jeder Gelegenheit daran zu erinnern, daß Er ja auch in Wien so nothwendig ist. Wenn Sie wüßten, wie ich mich gräme, hätten Sie gewiß Mitleid mit Mir.“ (4)

Hier beginnen nun die erhaltenen und veröffentlichten Briefe von Kaiser Franz Joseph an seine Elisabeth.

Diese beginnen am 31.5.1859 und enden am 10.9.1898 (jenen Brief, den Kaiserin Elisabeth nie mehr lesen sollte).

„Verona, 31.5.1859, Meine liebste Engels Sisi, Die ersten Augenblicke nach dem Aufstehen benütze ich, um Dir diese wenigen Zeilen zu schreiben und Dir wieder zu sagen, wie sehr ich dich liebe und wie ich mich nach Dir und den lieben Kindern sehne. Wenn es Dir nur recht gut geht und du Dich so fleißig schonest, wie Du es mir versprochen hast. ……. Es regnet hier alle Tage. Gestern bei meiner Ankunft hat es so gegossen, wie bei unserem nassen Spazierritte. Ich umarme und küsse Dich von ganzem Herzen, mein einziger Engel. Dein treuer Franz – Lasse, bitte, Mama von diesem Briefe wissen, was sie interessirn kann.“ (5)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie

Wochenlang schrieb Kaiser Franz Joseph aus dem Kriegsgebiet.

Teilweise erzählt er von Divisionen, die gerade eingetroffen waren, von Mätressen diverser Generäle, Herzöge oder sonstigen Adeligen, der Sehnsucht nach seiner Engels-Sisi und den Kindern.

Da die Briefe von Kaiserin Elisabeth (angeblich) nicht erhalten sind, kann man an den Antworten, die Kaiser Franz Joseph verfasste, nur erahnen, was ihm seine Frau zurückschrieb.

Foto: ÖNB
Handschrift von Kaiser Franz Joseph

„Verona den 4. Juni 1859 Mein, lieber einziger Engel! Tausend Dank für Deine lieben Briefe vom 31. und 1., die ich gestern und heute erhielt und für das Billet der lieben Gisela. Auch für die Zusendung des Blattes über Land und Meer und des Vergißmeinnichtes danke ich Dir innigst. Wenn ich nur auch über Dich und Deine theure Gesundheit beruhigt sein könnte. Ich beschwöre Dich, mein Engel, schone Dich und gräme Dich nicht zu sehr, denn mir geht es ganz gut, ich gebe Acht auf mich und ich werde nicht vergessen, was ich Dir versprochen habe und was ich Dir, den Kindern und der Monarchie schuldig bin. Schreibe mir doch auch, was Du machst und wie Du und die Kinder den Tag zubringst. Das interessiert mich sehr. Ich lasse auch der Mama vielmals für Ihren Brief vom 31. danken und um Verzeihung bitten, daß ich noch nicht die Zeit gefunden habe zu antworten. Vergesse nicht, dies in Schönbrunn auszurichten. ……  Nun muß ich schliessen, um Schlafen zu gehen. Ich habe gegründete Hoffnung, daß ich Dir bald gute Nachricht telegraphiren kann Küsse unsere lieben Kinder von mir, vertraue auf unseren lieben Herr Gott im Himmel und sei guten Muthes. Dem Papa und der Mama küsse die Hände. In dem ich Dich in Gedanken umarme und küsse, bleibe ich ewig Dein treuer Franz – Theile der Mama die in diesem Briefe enthaltenen Nachrichten mit.“ (6)

Auch hier werden wieder Divisionen und Namen von Personen genannt, die zum Ort des Geschehens kamen.

Der Krieg war unaufhörlich und so zogen sich die Wochen dahin.

Als Verwundete in Wien eintrafen, erbarmte sich Kaiserin Elisabeth und öffnete die Pforten von Schloss Laxenburg, um ein Lazarett einzurichten.

Kaiser Franz Joseph schrieb:

„Verona den 3. Juli 1859 Meine innigstgeliebe, arme Sisi  …… Von hier schaffen wir jetzt so viele Blessierte und Kranke weg, als möglich. Wenn nur für sie gut gesorgt wird und uns hierher recht viel Charpie, Bandagen und Wäsche geschickt wird. Dein Wein ist angekommen. Daß Du ein Spital in Laxenburg etablirst, ist herrlich. Für beides nehme meinen innigsten Dank. Du bist mein guter Engel und hilfst mir sehr viel .… Dein treuer Franz“ (7)

Er schrieb Briefe über Briefe, in denen von einer Krankheit Gisellas zu lesen ist, er machte sich große Sorgen um Elisabeth, die gesundheitlich angeschlagen war und erkundigte sich über das Lazarett in Laxenburg, das sich bald auf alle Gebäude erstrecken sollte.

Kaiser Franz Joseph, zu dem Zeitpunkt der Schlacht von Solferino 29 Jahre alt, scheiterte auf der ganzen Linie.

Obwohl er sich seit seiner Kindheit mit dem Militär auseinandersetzte, war er als Führer der Armee zu unerfahren.

Zehntausende Tote hatte der Krieg zur Folge, ein Gemetzel der besonderen Abscheulichkeit wurde geboten.

Jean-Henri Dunant (*8.5.1828, †30.10.1910) wurde Zeuge der brutalen Schlacht und gründete darauf hin das Rote Kreuz. Es war des Kaisers größte Niederlage.

Der Schlachtenruf

„Löwen von Eseln geführt“,

machte die Runde. Die Untertanen hungerten bis zum Tod, das Land schien dem Untergang geweiht.

Eine Revolution stand kurz bevor, man wollte anstatt Kaiser Franz Joseph den jungen, liberalen Erzherzog Ferdinand Maximilian (*6.7.1832, †19.6.1867)  auf dem Thron sehen.

Franz Joseph, der immer ein schwieriges Verhältnis zu seinem Bruder Max hatte, sah seine Felle davonschwimmen. Napoleon III (*20.4.1808, †9.1.1873) gab Kaiser Franz Joseph die Hauptschuld an der Niederlage.

Henri Dunant, Foto: roteskreuz.at

Solferino sollte aber auch im Privatleben der Untergang des jungvermählten Paares werden.

Elisabeth sah das Ausmaß des Krieges mit voller Wucht. Die Kranken und Verwundeten, die den Weg nach Wien gefunden hatten, fanden kaum noch Aufnahme.

Die Spitäler waren heillos überfordert, weshalb Kirchen, Klöster, Schlösser und Palais aller Art geöffnet wurden, um die Verwundeten aufzunehmen.

Viele Tote musste Kaiserin Elisabeth sehen, Verletzungen behandeln, mit denen sie bis dahin nicht ansatzweise in Berührung kam und das Geschrei der Soldaten ertragen.

Ein Umstand, den die junge Kaiserin sehr mi