Der grausame Tod von Herzogin Sophie d’Alençon

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Sophie
d‘ Alençon

Vorwort: 

Wo ihr Biograph aufhörte, fange ich an zu erzählen. Ihr Leben ist beinahe so tragisch, wie das von ihrer berühmten Schwester Kaiserin Elisabeth. Ich habe mich eine Zeit lang mit Sophie beschäftigt und muss sagen, dass sie Zeit ihres Lebens eine todunglückliche Frau war. Von König Ludwig verschmäht, musste sie einen ungeliebten Mann auf ihrer Seite ertragen, der sie wie Besitz behandelte. Als sie ausbrechen wollte, steckte man sie in die Psychiatrie, kaum erholte sie sich von diesen Strapazen, starb sie qualvoll im Feuer. 

Als ich ihren Tod beleuchtete, fand ich erschütternde Schicksale.

Doch Sophie ging mit Frieden im Gesicht in den Tod.

So zumindest wird dies von Augenzeugen berichtet die dem Feuertod entkommen konnten. 

Um sie von den vielen Sophies zu unterscheiden hatte man im 20.(!) Jahrhundert damit begonnen das Charlotte anzuhängen.

Doch sie wurde Zeit ihres Lebens niemals Sophie Charlotte gerufen.

Ich bleibe daher bei ihrem Namen „Sophie“. 

Triggerwarnung! Was ihr hier lesen werdet, wird drastisch sein.
Die Bilder die ich euch zeige sind einzigartig, weshalb sie mit extra großem Logo geschützt wurden.

Ich habe mich 2018 auf den Weg nach Paris und Dreux gemacht, um den Tod von Herzogin Sophie d’Alençon zu erzählen.

Sophie Herzogin in Bayern – Kurzbiographie

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max
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Herzogin Ludovika

Sophie Charlotte Auguste Herzogin in Bayern wurde am 22.2.1847 im Herzog Max Palais in München geboren.

Ihr Vater war Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888). Ihre Mutter war Ludovika Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892).

Sophie war das neunte Kind des Paares und somit Kaiserin Elisabeths jüngste Schwester und die Cousine von Kaiser Franz Joseph.

Sie wuchs ebenso unbeschwert in München, als auch in Possenhofen auf, wie all ihre Geschwister.

Ludovika legte nicht den größten Wert auf Bildung, eher auf eine gute Verbindung. Sie hatte bereits eine Kaiserin und eine Königin vermittelt.

Ihr Bestreben nach „einer guten Partie“ stand weit über dem Glück ihrer Kinder.

Sophie lehnte allerdings einige Brautwerber ab. Unter ihnen soll auch Erzherzog Ludwig Victor (*15.5.1842, †18.1.1919), der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, gewesen sein. Seine Biografie kann hier nachgelesen werden.

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offizielles Verlobungsfoto
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Edgar Hanfstaengel
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König Ludwig II

Da sie eine Freundschaft zu König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886), der gleichzeitig ihr Cousin 2. Grades war, unterhielt, verlobten sich die beiden im Jänner 1867.

Während eines Fototermines, „als Verlobte Ludwigs“ verliebte sie sich in den unstandesgemäßen Edgar Hanfstaengel (*15.7.1842, †28.5.1910), welcher der Sohn des Fotografen war.

König Ludwig selbst den Frauen nicht zugetan, erkannte, dass nur eine Freundschaft einer Ehe nicht förderlich wäre und löste kurzerhand die Verlobung im Oktober 1867 wieder auf. Auch deshalb, da Ludwig 2x den Hochzeitstermin verschob und Herzog Max ein Machtwort sprach.

Um die Schmach der gelösten Verlobung nicht lange ertragen zu müssen, suchte Ludovika fieberhaft nach einem neuen Kandidaten. Sie fand ihn im Enkel des letzten französischen Königs und arrangierte ein Treffen am sächsischen Königshof.

Ferdinand Philippe Marie Herzog d‘Alençon (*12.7.1844, †29.6.1910) war begeistert von der überaus hübschen Sophie und hielt alsbaldig um ihre Hand an.

Am 28.9.1868 fand in einem Saal in Possenhofen die Vermählung statt.

Sophies Ja-Wort glich einem

„Ja, von mir aus.“

Die Ehe begann von Seiten Sophies mit Gleichgültigkeit.

Trotzdem gebar sie zwei Kinder. Tochter Louise Victoire (*19.7.1869, †4.2.1952) kam in England zur Welt, Sohn Philippe Emanuel (*18.1.1872, †1.2.1931) in Meran. Vor allem Louise war ihrer Mutter sehr zugetan. 

Die Familie hatte keinen festen Wohnsitz und so reiste diese durch halb Europa: London, Wien, Paris, Meran, München waren nur einige der Wohnorte.

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Richard von Krafft-Ebing

Während der Zeit in München musste sie sich von einer schweren Krankheit erholen und verliebte sich dabei in ihren Allgemeinmediziner Dr. Franz Glaser. Die Affäre ging soweit, dass Sophie sich scheiden lassen wollte.

Ein absoluter Skandal zu jener Zeit.

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Privatsanatorium Maria Grün

Ferdinand war so entsetzt, dass er seinen Schwager Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) (Bruder von Sophie und Elisabeth) um Hilfe bat und seine Frau wegen

„sexueller Abartigkeit“

in die Nervenheilanstalt Maria Grün in Graz einliefern ließ.

Dort fiel sie dem weltberühmten, aber auch berüchtigten Psychiater Richard von Krafft-Ebing in die Hände. Seine Methoden könnten nicht grausamer gewesen sein. Eiswasser-Behandlungen waren noch die harmlosen Therapien, die er seinen Patientinnen zu Teil werden ließ. 

Während dieser Zeit wandte sich auch ihre Schwester Kaiserin Elisabeth ab. Diese verfasste garstige Gedichte über ihre Schwester.

7 Monate später war Sophies Wille gebrochen.

Die Scheidungspläne hatte sie aufgegeben und so durfte sie das Sanatorium verlassen. Abgemagert und seelisch gebrochen traf sie 1888 Kaiserin Elisabeth und ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie wieder, die „vom blühenden Leben Tante Sophies“ schrieb, sowie „von Eintracht“ zwischen Ferdinand und ihrer Tante.

Man kann davon ausgehen, dass Erzherzogin Marie Valérie weder eine Ahnung hatte, was Sophie mitmachen musste, noch, dass diese jemals wieder öffentlich über ihre Ehe gesprochen hätte.

Foto: jourfixe-muenchen-ev.com
eine abgemagerte und gebrochene Herzogin Sophie

Das Paar ließ sich nun endgültig in Paris nieder.

Sophie wandte sie sich ihrer Gläubigkeit zu.

Sie trat 1880 sogar einem „Dritten Orden der Dominikanerinnen“ bei und nannte sich dort „Schwester Marie Madeleine.“

Der „Dritte Orden“ war eine Gruppe von Laien, die kein Gelübde abzulegen brauchten und sich die meiste Zeit außerhalb ihres Ordens aufhielten. Aufgabe dieser Orden war es, sich um die Armen der Stadt zu kümmern. Kaiser Franz Joseph blieb wirklich nichts erspart, denn die Schwester seiner Frau, half jetzt den Clochards (Obdachlose) der Stadt oder half „gefallenen Frauen“ (Dirnen mit Kindern oder ledige Frauen mit Kindern).

Sophie legte auf den Titel „Herzogin d’Alençon“ kaum noch Wert und wollte mit „Tochter des heiligen Dominikus“ angesprochen werden. 

Am 4.10.1895 machte sie ihr Testament, in welchem sie die Bedingungen ihrer Beerdigung festlegte.

Sie wünschte sich ein Begräbnis ohne Schmuck, ohne Musik und ohne Blumen.

Sie wollte in ihrem weißen Ordensgewand beerdigt werden.

Ihre Haare sollten verbrannt werden.(*)

Nur, wenn ihr „vielgeliebter Gatte“ eine Erinnerung für sich wünschte, sollte man ein wenig davon abschneiden.

Sollte Ferdinand nach ihr Sterben, wünschte sie, dass „ihr Schutzengel im Leben“ neben ihr bestattet werden möge. Ob sie dies wirklich so meinte oder nur schrieb, da sie wusste, es würde ihr sowieso nichts anderes übrig bleiben, wird für immer ihr Geheimnis bleiben.

(Anmerkung Petra: Haare galten damals als das Sexsymbol der Frau. Es gab zu jener Zeit keine Frau die ihre Haare kurz trug. Die Frauen zur Zeit Kaiserin Elisabeths hatten alle knielange oder fersenlange Haare, da diese nie in ihrem Leben geschnitten, und wenn nur für „Spliss“-Schneiden, wurden.)

Doch der Wunsch, dass ihre Haare verbrannt werden sollen, löst heute noch ein Erschaudern in mir aus. 

Wir nähern uns somit dem tragischen Ende von Herzogin Sophie d‘Alençon am 4.5.1897.

!Achtung Triggerwarung!
Nur weiterlesen, wenn man gute Nerven hat und nicht schwanger ist! Kindssterben im Feuer!

Bazar de la Charité

Foto: Chapelle Bazar de la Charité
Theaterkulisse

Seit Jahren fand in Paris der Bazar de la Charité statt.

Da jedoch die Weltausstellung geplant wurde, musste dieser an seinem angestammten Standort im Palais de l’Industrie weichen.

Der Platz wurde in der Rue Jean Goujon gefunden. Auf diesem Grundstück baute man ein 80 Meter langes und 30 Meter breites Gebäude aus Holz.

Um das Innere besonders schön zu gestalten, wurde eine alte Theaterkulisse, welche Paris im 15. Jahrhundert darstellen sollte, aufgebaut.

Diese bestand allerdings aus Pappdeckeln und vielen Leinwänden, welche mit Ölfarben bemalt waren.

Ein Unding, wenn man es aus heutiger Sicht betrachtet. Als Dach diente ein altes Segeltuch, der Boden wurde mit Fichtenholz gebaut. Alles in allem eine Verkettung von brennbaren Stoffen.

Das Gebäude verfügte über 5 Ausgänge und 2 große Türen, welche direkt auf die Straße hinausgingen.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Eines der großen Highlights dieses Bazars war eine kleine, mit Wasserstoff gefüllte Montgolfière (Heißluftballon), welche im Raum schwebte (siehe Foto oben).

Ein weiteres Großereignis war der Kinematograph der Brüder Lumière. Dieser zeigte die ersten Filmaufnahmen. Eine der größten Errungenschaften dieser Zeit. Noch nie zuvor hat man „bewegte Bilder“ gesehen.

Hätten die Brüder gewusst, was auf sie zukommt, hätten sie ihr Gerät wohl nie dort aufgestellt. Das Unglück brach mit diesem Apparat aus.

Am 4.5.1897 nahm das Unglück seinen Lauf.

Ein Helfer des Filmvorführers verschüttete beim Befüllen einer Lampe Ether, welches in Kontakt mit einer Lampe kam, die noch nicht abgekühlt war.

Das Feuer brannte schnell, heiß und breitete sich innerhalb von Sekunden aus.

Foto: Wikimedia/Commons
zeitgenössische Darstellung des Feuers

Herzog Ferdinand d‘Alençon befand sich mit Sophie im Bazar, löste sich aber von ihr, da er an einem Stand einen Bekannten gesehen hatte.

Während er sich unterhielt, ging Sophie weiter.
Ein Fehler, der ihr das Leben kostete. 

Das Feuer breitete sich rasend schnell aus und das Schreien der Menschen war bis weit nach draußen zu hören. Als Ferdinand realisierte, dass es brannte, wollte er zu Sophie.

Doch die Massen, die nach draußen drängten, das Feuer, die Hitze und der beißende Rauch machten ein Zurück unmöglich.

Während Ferdinand hinausgedrängt wurde, ging Sophie immer mehr in das Feuer hinein.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp

Gemeinsam mit Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp (*28.2.1867, †4.5.1897) versuchte Sophie so vielen Frauen und Kindern wie möglich aus dem Feuer zu helfen.

Während draußen die Menschen zum Helfen zum Bazar de la Charité eilten, um Verletzte zu bergen, Frauen und Kinder durch die Türen und Fenster zu zerren und in die Krankenhäuser zu bringen, lief ein aufgeregter Ferdinand auf und ab und hoffte, dass seine Frau aus einer der Türen heraustrat.

Foto: Meisterdrucke.at

Mittlerweile konnte man den Brand quer durch die ganze Stadt sehen.

Foto: Chapelle Bazar de la Charité

Als Ferdinand nach Hause ging, welches sich nur wenige Schritte vom Bazar de la Charité befand, ist er schnell dort.

Mittlerweile haben sich Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) (Schwester von Kaiserin Elisabeth und Sophie), Gräfin Mathilde von Trani (*30.9.1843, †18.6.1925) (ebenfalls eine Schwester) bei den d‘Alençons eingefunden.

Beide lebten zu dieser Zeit in Paris.

Ferdinand war sichtlich im Schock, konnte kaum Atmen und war schwer verletzt.

Er trug Brandwunden im Gesicht und Kopf, sein Haar und Bart waren versengt. 

Draußen tobte das Feuer und die Bemühungen es einzudämmen.

Die Schreie der Opfer gellten durch die einbrechende Nacht.

Ca. 1500 Menschen befanden sich in den Räumlichkeiten des Bazars. Hauptsächlich Frauen und Kinder.

Bis heute ist nicht ganz klar, wie viele Opfer es tatsächlich gab.

Die Zahl schwankt zwischen 126 – 140 Personen.

Hauptsächliche Opfer waren Frauen und Kinder, zum Teil sehr jung.

Bitte beachtet, dass die Bazar de la Charité nicht öffentlich zugänglich ist. Mir wurde der Zugang exklusiv gewährt und dafür bin ich sehr dankbar. Was ich euch hier zeigen darf, ist somit einmalig!

Traurige Tafeln mit den Namen und Alter der Opfer in der Chapelle Bazar de la Charité (nicht öffentlich zugänglich!).

Herzogin Sophies Gedenktafel befindet sich links in der Kapelle:

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Am nächsten Tag sind Helfer aus jeder Schicht, Polizei und Rettungshelfer mit Fackeln vor Ort eingetroffen, um die verkohlten Leichen und vielleicht doch noch Überlebende zu bergen.

Ich möchte mir weder den Gestank, noch die gespenstische Atmosphäre vorstellen, die geherrscht haben muss.

Verkohlte Leichenteile überall. Zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. 

Die Chapelle Bazar de la Charité hat einige Gegenstände gesammelt, die gefunden wurden. Die Puppe ist das traurige Überbleibsel eines verlorenen Kinderlebens.

Während Ferdinand Sophie suchte, kam es zu den ersten polizeilichen Einvernahmen.

Diese sind zum Teil wirr und zum Teil völlig wertlos.

Man muss sich die Angst, die Panik, dazu das Schreien, die Hitze und den Gestank vorstellen.

Der beißende Rauch nahm nicht nur die Sicht, sondern legte sich auch auf die Lunge. Wer sollte hier einen klaren Kopf bewahren, um danach korrekte Aussagen zu tätigen?

Eine Aussage jedoch ist herzzerreißend.
Ob es sich wirklich so zugetragen hat oder nur eine Legende ist, dürft ihr selbst wählen.
Ich für meinen Teil glaube bis zu einem gewissen Punkt, dass Sophie die Situation wahr genommen hat, um ihren traurigen Leben ein Ende zu setzen.

Mathilde d’Anlau erzählte, dass sie in den Wirren Herzogin Sophie getroffen habe, die mit anderen auf Kopfhöhe einige Bretter aus der Wand gerissen hatte, um dort Kinder und deren Mütter in Sicherheit zu bringen.

Eine andere Dame berichtete, dass Sophie auf sie gedrückt wurde. Ihr Gesicht sei ängstlich aber völlig ruhig gewesen. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, sich zu retten, in dem sie durch eine der Türen hätte fliehen können.

Eine weitere Augenzeugin berichtete, dass Sophie vor der Menschenmasse Angst hatte und zurückwich. Sie sei wieder Richtung Feuer gelaufen.

Wieder Madame d’Anlau war es, die später Sophie noch einmal gesehen haben will, als diese bereits vom Feuer umringt war.

Sie sei dabei friedlich gewesen.

Sie soll dabei nach dem Feuer gegriffen und irgendwas gemurmelt haben was sich wie

„la feu“ (Feuer)

anhörte. Danach warf Mathilde mit ihrer Gürtelschnalle ein Fenster ein und konnte sich so retten.

Sophie sah sie nie wieder.

Egal wer von dem Feuer berichtete und wie wirr manche Aussagen auch waren.

Alle waren sich einig, dass Sophie eine Gotterhabenheit ausstrahlte und so viele Kinder und Frauen rettete, während sie gemeinsam mit Valerie den Tod fand.

Auf der Kupel der Chapelle Bazar de la Charité sind Sophie und Valerie abgebildet, wie sie nach der Hand Marias greifen.

„Aufgefahren in den Himmel“

Am 8.5.1897 fand ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Brandes in der Notre Dame de Paris statt.

Mitglieder der königlichen Familie, Frankreichs Präsident und viele Angehörige nahmen an dem Gedenkgottesdienstes teil.

Kaiserin Elisabeth schickte eine Krone aus weißen Lilien und weißen Rosen.
Diese ließ sie mit den Farben der bayrischen und österreichischen Fahnen umschlingen.

Das berühmteste Opfer dieser Katastrophe war Herzogin Sophie, gefolgt von Victomesse Valerie. Sie hinterließ drei Kleinkinder.

Als die Chapelle Bazar de la Charité errichtet wird, baut man in den hinteren Gängen Gedenkmonumente für die Opfer.

Geht man den Gang entlang, wird man stummer Zeuge so sinnlos verlorener Leben (nicht öffentlich zugänglich!). Es nimmt einem bis heute den Atem und ich war unglaublich ergriffen von dieser Katastrophe.

In der Krypta der Kirche werden bis heute Kerzen angezündet. Auch ich habe eine Kerze angezündet.

Das schönste Gedenkmonument ist aber für mich jenes von Herzogin Sophie d’Alençon. 

Dreux – St. Louis Chapelle und Musee de la Historie

Wir verlassen nun die Chapelle de la Charité und wenden uns der Grabstätte von Sophie zu.

Sie ruht neben ihrem Mann Ferdinand und umringt von ihrer Enkelin, ihrer Schwiegertochter und ihrem Sohn in der St. Louis Chapelle in Dreux (öffentlich zugänglich!).

Ihr Begräbnis fand im Stillen statt, jedoch ließ Ferdinand eine Grabplatte gestalten, die an seine wunderschöne Frau mit Haaren erinnern sollte.

Nur Sophies Schädel wurde gefunden.

Ob die beigelegten Knochen wirklich ihre sind, ist wissenschaftlich nicht belegt. Ihr Schädel wurde anhand ihrer Zähne als solcher anerkannt.

Ihre Grabplatte wurde allerdings 2x gestaltet.

Die erste Gestaltung (1904) ließ Herzog Ferdinand das Blut in den Adern gefrieren. Nach seiner Meinung war Sophie zu drastisch in ihrer Todesqual dargestellt. Er ließ die Grabplatte entfernen und gab eine neue in Auftrag.

Da die Grabplatte aber viel zu wertvoll war, ließ man sie ins Musee de la Historie in Dreux (öffentlich zugänglich) bringen.

Video: mythoskaiserielisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Wer die Chapelle St. Louis in Dreux besucht, wird die lieblichere Grabplatte von Sophie sehen.

In Dreux erzählt man sich, dass Sophie manchmal zu hören sei und weine, da sie ewig ihren Gatten Ferdinand anzusehen habe.

Er selbst hat es so gewählt. Wer sich die Statue ansieht, wird eindeutig die Haare erkennen, die Ferdinand extra herausarbeiten ließ. Ein kleines Vermächtnis dessen, was Sophie partout nicht wollte.

Vielleicht hört man sie auch deshalb weinen.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Bevor ich diesen Bericht abschließe, möchte ich euch noch das Grab am Pere Lachaise Friedhof jener Personen zeigen, die nicht mehr identifiziert werden konnten.

Es dient gleichzeitig aus als Denkmal. 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Grab „nicht identifizierter Leichen“ am Pere Lachaise Friedhof, Paris
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Grab „nicht identifizierter Leichen“ am Pere Lachaise Friedhof, Paris

Nachsatz:
So interessant die Recherchen zu diesem Beitrag waren, so beklemmend waren sie auch.

Ich habe 2018 an zwei Tagen vor Ort die Recherchen gemacht. Nachgehallt hat die Geschichte über Monate.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Sterbebild

Und auch 2021 lässt mich das traurige Schicksal von Sophie nicht los. Als auf Ebay eine deutsche Zeitung zu ersteigern war, welche über den Brand berichtete, habe ich den Zuschlag erhalten.

Ich möchte sie euch natürlich nicht vorenthalten. Die Zeitung ist Original vom Mai 1897! (Die Bilder sind natürlich mit Logo gesichert!)


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Chapelle Bazar de la Charité, Jourfixe-muenchen-ev.com, Meisterdrucke.at, Joseph Albert via Wikimedia/Commons
Videorechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Je remercie tout particulièrement le personnel de la Chapelle Bazar de la Charité. 


Literatur Hinweise:

L’incendie du Bazar de la Charité (in französisch)
Dominique Paoli (Geschenk des Hauses)
Eigenverlag Bazar de la Charité

Christian Sepp (HC-Ausgabe) (nur noch antiquarisch erhältlich)
Sophie Charlotte: Sisis leidenschaftliche Schwester
August Dreesbach Verlag, 1. Auflage 2014

Bernhard Graf
Sisis Geschwister (Bildband)
Allitera Verlag//edition monacensia, 1. Auflage 2017

Erika Bestenreiner
Sisi und ihre Geschwister
Piper Verlag, 1. Auflage 2002

Martha Schad
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth 1878–1899
Piper Verlag, 7. Auflage 2013


Kaiserin Elisabeth – als Mutter

Foto: Golfhotel Kaiserin Elisabeth Feldafing
Kaiserin Elisabeth

Vorwort:

Oftmals entstehen auf Facebook hitzige Diskussionen, wenn es um die Eignung Elisabeths als Mutter geht.

Viele Followerinnen bzw. Leserinnen sind der Meinung, dass Kaiserin Elisabeth eine schlechte Mutter war.

Ich halte dagegegen.

Viele von ihnen, sehen die Mutterschaft mit dem Auge und überkompensieren das mit dem Zustand von Heute.

Eine Mutter im 19. Jahrhundert hatte jedoch nicht den Stellenwert, wie es eine Mutter im 21. Jahrhundert hat. Dieses Phänomen begleitet uns erst so richtig seit den 1950er Jahren.

Ich habe schon in den Berichten zu Herzogin Ludovika (hier) und Erzherzogin Sophie (hier) versucht zu erklären, wie eine Mutterschaft im 19. Jahrhundert aussah.

Bei Kaiserin Elisabeth kam noch hinzu, dass sich ihre Tante und Schwiegermutter derartig ins Geschehen einmischte und sie die Trauer über ihre verstorbene Tochter, noch dazu schwanger, nicht verwand, dass sie aufgab. Danach entfremdete sie sich von ihren Kindern und konnte das Versäumte nie wieder aufholen. Was sie bei Gisella und Rudolf falsch machte, wollte sie bei Marie Valérie richtig machen: deshalb ließ sie Erzherzogin Sophie nicht mehr an ihre Tochter.

Doch um dem Ganzen ein Bild zu geben, beginne ich meine Geschichte von Anfang an.

Ein kleiner Hinweis vorab:
Dieser Beitrag dient als Vorabgeschichte zu den jeweiligen Beiträgen zu den Kaisertöchtern und dem Kronprinzen die noch folgen werden.

Er dient als Gesamteindruck für die Eignung Elisabeths als Mutter.

Viel zum Mythos der liebenden und verhätschelnden Mutter, haben natürlich auch die Sissi-Filme mit Romy Schneider beigetragen. Immer wieder ist das Entsetzen groß, wenn man bei mir liest, dass Elisabeth ihre Töchter (bis auf Marie Valérie) nicht so verwöhnt und verhätschelt hat, wie dies in dieser Trilogie gezeigt wird.

Elisabeth als Mutter

Nach der Verlobung (hier) und der aufwändigen Hochzeit (hier) war die einzige Pflicht, die Kaiserin Elisabeth hatte, ein Kind zu bekommen.

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie Gräfin von Esterházy

Die Flitterwochen verbrachte das junge Paar im Schloss und Schlosspark Laxenburg, welches Elisabeth zwar ans Herz wuchs, sie allerdings auch an Einsamkeit beinahe zu Grunde gehen ließ.

Foto: Schloss Laxenburg
Schlosspark Laxenburg mit der Franzensburg

Kaiser Franz Joseph hatte kaum Zeit für seine junge schöne Braut und so musste sie sich mit den ihr völlig fremden Hofdamen begnügen, allen voran die verhasste Erzherzogin Sophie Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha, bekannt als „Gräfin Esterházy“ (*5.9.1798, †17.6.1896).

Pünktlich um 5.00 Uhr früh verließ der junge Kaiser Laxenburg, fuhr mit der Kutsche zurück nach Wien, entweder in die Hofburg oder nach Schloss Schönbrunn, um an seinem Schreibtisch Staatsgeschäfte zu verrichten und kam erst abends zum Diner, welches um 18.00 Uhr serviert wurde, zurück.

Elisabeth blieb allein. Also allein in ihrem Kummer.

Denn vollkommen fremde Personen hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das junge, verschüchterte, von Heimweh geplagten Mädchen zu zähmen und die Hofetikette einzudrillen.

Von Erzherzogin Sophie beauftragt, wurde jeder Fauxpas, den die junge Kaiserin betrieb, an diese gemeldet.

Kein Reiten ohne Begleitung, kein Spazieren gehen ohne neugierige Blicke ihrer ihr fremden Hofdamen. Sogar am Abend, während des Diners, durfte sie mit ihrem Mann nicht alleine Speisen. Flügeladjutant Hugo von Weckbecker (*1820, †1866) wurde neben Elisabeth platziert, damit die schüchterne Kaiserin endlich sprechen lerne.

Eine Kaiserin habe schließlich die Gäste des Kaisers charmant zu unterhalten. Und auch hier war Sophie von Esterházy stets an Elisabeths Seite. Jeder Fehler wurde sofort korrigiert. Auch coram publico. Ich glaube, es kann sich jeder selbst vorstellen, wie unangenehm dies ist.

Vierzehn Tage nach ihrer Hochzeit, schrieb sie verzweifelt in ihr Tagebuch:

Es kehrt der junge Frühling wieder
Und schmückt den Baum mit frischen Grün
Und lehrt den Vögeln neue Lieder
Und macht die Blumen schöner blüh'n. 


Doch was ist mir die Frühlingwonne
Hier in dem fernen, fremden Land?
Ich sehn' mich nach der Heimat Sonne, 
Ich sehn' mich nach der Isar Strand. (1)

Auch die ersten Wehklagen über ihre verlorene und einzig wahrhaften Liebe kamen wieder ans Tageslicht. Wir erinnern uns an ihren Jugendfreund Richard, der ihr seitens ihrer Mutter entrissen wurde. Die glücklichen Kindertage könnt ihr hier nachlesen.

Nur einmal konnt ich wahrhaft lieben
Es war das erstemal. 
Nichts konnte meine Wonne trüben
Bis Gott mein Glück mir stahl...

Nur kurz warn diese schönsten Stunden, 
Nur kurz die schönste Zeit. 
Nun ist mein Hoffen all entschwunden, 
Ihn geb ich nicht in Ewigkeit. (2)
Foto: Wikimedia/Commons
Marie von Festetics

Viel später kehrte sie mit ihrer Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923) zurück und zeigte ihr den Schreibtisch, an dem sie stundenlang Briefe und Gedichte schrieb und sich die Seele aus dem Leib weinte.

Marie von Festetics notierte in ihr Tagebuch:

„Elisabeth ging von Zimmer zu Zimmer – sagte von jedem, was es war – aber ohne näheren Commentar, bis Sie endlich in einem Eckzimmer stehen blieb, wo ein Schreibtisch zwischen Fenstern stand u. ein Schreibsessel davor; lange stand Sie mäuschentill da – plötzlich sagte Sie: … Hier habe ich viel geweint, Marie. Allein der Gedanke an diese Zeit preßt mein Herz zusammen. Hier war ich nach meiner Hochzeit… Ich fühlte mich so verlassen, so einsam. Der Kaiser konnte tagsüber natürlich nicht hier sein, er ist täglich in der Früh nach Wien gegangen. Um sechs Uhr ist er zum Diner zurückgekehrt. Bis dahin war ich den ganzen Tag allein und hatte Angst vor dem Augenblick, da Erzherzogin Sophie kam. Denn sie kam jeden Tag, um jede Stunde zu spionieren, was ich tue. Ich war ganz à la merci dieser ganz bösartigen Frau. Alles war schlecht was ich tat. Sie urteilte abfällig über jeden, den ich liebte. Alles hat sie herausbekommen, weil sie ständig gespitzelt hat. Das ganze Haus hat sie so gefürchtet, daß alle zitterten. Natürlich haben sie ihr alles mitgeteilt. Die kleinste Sache war eine Staatsaffäre…“ (3)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie

Elisabeth, welche in Possenhofen immer vor Gesundheit strotzte, wurde labil.

Ihre Stimmungsschwankungen waren enorm. Ihr Leiden wurde täglich mehr. Erzherzogin Sophie nahm dieses Leiden als Kränkung auf. Sie selbst, die immer Kaiserin werden wollte, musste zusehen, wie dieses Kind die Stellung die man ihr auftrug als Bürde ansah. Erzherzogin Sophie (*27.1805, †28.5.1872) kümmerte die instabile Lage ihrer Schwiegertochter nicht.

Sie sah nur das glückliche Gesicht ihres Sohnes und schrieb Briefe an ihre Schwestern nach Bayern und Sachsen, wo sie vom „glücklichsten Ehepaar aller Zeiten“ schrieb.

Auch die Flitterwochen erwähnte sie als

„ländliche Idylle“ und „herzerquickender Anblick der beiden glücklichen Kinder“.

Kaiserin Elisabeth sah dies jedoch ganz anders. Auch Erzherzogin Marie Valérie schrieb später darüber in ihrem Tagebuch.

Nach dem „ländlichen Idyll“ der Flitterwochen, fingen die Pflichten der jungen Kaiserin an. Die erste Reise des Kaiserpaares führte Anfang Juni nach Mähren und Böhmen, wo ihnen ein wohlgesonnenes Volk entgegen winkte.

Foto: Wikimedia/Commons
Carl Graf von Grünne
Foto: Wikimedia/Commons
Dr. Johann Nepomuk Seeburger

Elisabeth sollte als erstes Böhmisch lernen, doch die Sprache war ihr verhasst, weshalb es außer dem Zählen bis 10 nicht recht voranging. Auch hier reiste das Paar natürlich nicht allein.

Neben dem Flügeladjutant, reiste auch das Militär mit, Leibarzt Freiherr Dr. Johann Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) , Graf Karl Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884) und natürlich die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister Ihrer Majestät, sowie zwei Hofdamen und ein Sekretär.

All diese Personen brachten natürlich wiederum ihre Diener, Friseure und Lakaien mit. Auch das Dienstpersonal des Kaiserpaares durfte nicht fehlen. Ein Tross der Unendlichkeit ritt dem Kaiserpaar voraus und hinten nach.

Ziemlich befremdlich für eine 16jährige, die gerade einmal ein paar Wochen Kaiserin war.

Elisabeth trat als charmante und liebreizende Kaiserin auf, deren Art mit den „einfachen“ Leuten zu sprechen auffiel.

Die Hoffnung stieg bei Hofe, dass aus ihr doch noch einmal eine gute Kaiserin werden möge, die sich dem sozialen Engagement annehmen würde.

Auf dieser Reise wurde sichtbar, dass Elisabeth mit Böhmen und der böhmischen Aristokratie, die immerhin auch in Wien den Ton angab, nichts anfangen konnte.

Hauptsächlich waren sie es, die über die einfache herzögliche Abstammung die Nase rümpften und Elisabeth in allen Belangen auslachten. Kein Adel war ihr weniger Wohlgesonnen als der Böhmische. Immerhin waren dies aber die bekanntesten Namen des Landes: Schwarzenberg, Waldstein, Lobkowitz, Kinsky, Khevenhueller, Liechtenstein, Auersperg und einige andere.

Foto: habsburger.net
Kaiser Ferdinand
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Maria Anna

Ein kleiner Höhepunkt der Reise sollte der Besuch beim abgedankten Kaiser Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) und Kaiserin Maria Anna (*19.9.1803, †4.5.1884) werden, welche nun in Prag lebten.

Der kleine, gutmütige Mann, dessen Kopf schief auf seinem Körper hing, stundenlang Domino spielte und mit seinem Neffen Franz Joseph wenig anfangen konnte, freute sich über den Besuch der hübschen Nachfolgerin seiner Frau. Maria Anna war ebenfalls entzückt, hatte aber am Wiener Hof nichts mehr zu melden.

14 Tage sollte die Reise dauern, welche an Strapazen kaum zu überbieten war.

Doch zurück in Wien, wurde Elisabeth keine Ruhe gegönnt.

Fronleichnam stand vor der Türe, weshalb eine große Prozession geplant war.

Elisabeths Einwand noch nicht alt genug für diese Bürde zu sein, wurde abgeschmettert. Obwohl ihr die Verbindung Kirche und Politik völlig fremd war, erwartete man von ihr, dass sie eine große Staatstoilette trug.

Kaiserin Maria Anna hatte jahrelang diese Aufgabe mit vollem Glanz und Hingabe absolviert. Kaiserin Elisabeth fürchtete sich in die Fußstapfen der beliebten Kaiserin zu treten. Doch Kaiser Franz Joseph und seine Mutter Erzherzogin Sophie hatten kein Mitleid mit ihr.

Elisabeth galt als die große Hauptattraktion.

Mit Schleppkleid und Brilliantendiadem geschmückt, stieg sie in den Hofgalawagen, der mit acht Schimmeln bespannt war. Doch Elisabeths Sorgen waren unbegründet. In frommer, demütiger Haltung überstand sie den Tag gekonnt und meisterlich, als habe sie nie etwas anderes zuvor gemacht.

Foto: sammlung.belvedere.at
Kaiserin Elisabeth in großer Staatsrobe, 1869
Bild: Franz Russ der Jüngere

Die ersten Zeichen einer Schwangerschaft stellten sich ein, welche Sophie mit Argusaugen beobachtete. Die junge Kaiserin litt unter schweren Schwangerschaftsproblemen:

sie erbrach ständig, litt an Schwindelgefühl und Müdigkeit.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Elisabeth, die weiterhin Tanzstunden und Sprachunterricht nahm und immer noch gerne Ausritt, musste dies bald einstellen.

Die meiste Zeit vom Tag musste sie liegend verbringen. Mutter Ludovika wurde Bang um ihre Tochter, doch traute sie sich nicht nach Wien. Der Dank, dass ihre Schwester die junge Elisabeth als Heiratskandidatin ihres Sohnes anerkannte, war so enorm, dass Ludovika Sophie devot begegnete.

Foto: Wikimedia/Commons
Gräfin Mathilde
Foto: Wikimedia/Commons
Carl Theodor Herzog in Bayern

Der Sommer stand bevor und so zog die Familie nach Ischl. Hier kam es zu einem lustigen Vorfall, den ich euch unbedingt erzählen möchte: Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) telegrafierte nach Ischl, um Elisabeth die Ankunft von Spatz, Gackel und sich selbst anzukündigen.

Sie unterschrieb das Telegramm mit Mimi, da dies der Spitzname war, mit dem Elisabeth ihre Mutter seit ihrer Kindheit ansprach. Mimi gab noch den Zug und die Ankunftszeit in Lambach bekannt, da der Zug dort halten würde. Von dort sollte eine Kutsche für die Familie bereitstehen, um diese zur frisch umgebauten Kaiservilla zu bringen. So der Plan. Doch das Telegramm kam nicht in der Kaiservilla, sondern im Hotel Elisabeth an.

Als Herzogin Ludovika, Schwester Herzogin Mathilde und Bruder Herzog Carl Theodor in Lambach ankamen, stand jedoch keine Kutsche bereit. Helle Aufregung entstand, noch dazu in einer Zeit ohne Telefon. Wir können uns das heute kaum noch vorstellen, oder? Zumindest eine Telefonzelle haben wir älteren Leser schon gekannt.

Plötzlich erschien ein Hotelpage des Hotels Elisabeth in Ischl.

Er hielt in der Hand 3 Käfige.
Diese sollten für die Vögel „Mimi“, „Spatz“ und „Gackel“ sein.

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph

Um hier eine kleine Erklärung abzugeben.

Ludovika hatte für alle Kinder Kosenamen. Spatz war Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925), Gackel war Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) und Mimi war, wie gesagt, sie selbst.

Man mag sich das Gesicht des Pagen gar nicht vorstellen, als er den Irrtum bemerkte. Noch dazu wo er die Mutter und Geschwister Ihrer Majestät vor sich stehen hatte.

Natürlich klärte sich der Irrtum als baldigst auf und so wurde die Familie mit der grell lackierten Hotelkutsche zur Kaiservilla gebracht.

Schon während der Schwangerschaft zogen dunkle Wolken über das Mutterglück auf.

Erzherzogin Sophie riss alles an sich. Sie bestimmte, wo die Kindskammer eingerichtet wurde. Diese wurde so eng an ihre eigenen Appartements gelegt, so dass es Elisabeth niemals gelingen würde, ohne dem Wissen von Sophie ihr Kind zu besuchen. Auch die Einrichtung suchte Sophie aus.

Kaiserin Elisabeth wurde von Erzherzogin Sophie angeherrscht, sich beim Volk zu zeigen.

Später erzählte sie dies ihrer Hofdame, welche die Geschichte in ihr Tagebuch notierte:

„Kaum war sie da, schleppte sie mich schon hinunter in den Garten und erklärte, es sei meine Pflicht, meinen Bauch zu produzieren, damit das Volk sehe, daß ich tatsächlich schwanger bin. Es war schrecklich.“ (4)

Sobald Kaiserin Elisabeth allein war, weinte sie sich in den Schlaf. Allein und von niemanden verstanden, durfte sie sich auch keinem in ihrer Umgebung anvertrauen.

Es wurde ihr von Sophie verboten, irgendjemand als Freund oder Freundin anzusehen.

Einzig Graf Grünne kümmerte sich väterlich um die junge verzweifelte Kaiserin, die das Hofleben immer mehr und mehr verabscheute.

Auch die Aja wurde von Erzherzogin Sophie gewählt.

Freifrau von Welden, kinderlos und Witwe, ohne Kindererfahrung wurde aus politischen Gründen dazu auserkoren, das erste gemeinsame Kind von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph zu erziehen.

Die Einwände seiner Frau konnte Franz Joseph weder verstehen, noch hörte er ihr richtig zu. Was Mutter entschied, wird schon gut für alle sein, so sein unumstößliches Motto zu allen Dingen die Sophie entschied.

Umso mehr weinte sich die junge Frau immer mehr und mehr in den Schlaf.

Foto: ÖNB
Huldigungsblatt zur Geburt der kleinen Tochter Sophie

Erzherzogin Sophie Friedericke

Am 5.3.1855 kam Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha um 3.00 Uhr nachts zur Welt.

Die Geburt und warum das kleine Mädchen bereits am 29.5.1857 wieder verstarb, könnt ihr hier nachlesen.

Wir sind also vom Sissi-Film Kitsch wirklich weit entfernt. Die (Film)Tochter, die auf die Namen Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria getauft wurde, hat nichts gemeinsam mit der kleinen Erzherzogin, welche am 5.3.1855 zur Welt kam. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs an falschen Informationen aus den Filmen, der Weltruhm erlangen und leider bis heute als der Inbegriff einer Sis(s)i am Wiener Hof gelten.

Auch das zweite „s“ im Namen von Sisi hält sich hartnäckig. Elisabeth hat sich niemals SiSSi genannt. Vielleicht kann ich mit dem Kitsch endlich ein wenig aufräumen.

Die erste Zeit verbrachte Elisabeth mit der kleinen Sophie in Laxenburg. Kaiser Franz Joseph schrieb beinahe täglich an seine Mutter und kündigte an, dass seine Frau im Juni für 10 Tage das Land verlassen würde, um nach Possenhofen zu fahren. Die kleine Sophie lernte also schon recht früh ihre bayrische Verwandtschaft kennen.

Am 7.8.1855 telegrafierte ein liebevoller Vater an seine Mutter:

„Wir sind sehr wohl und die Kleine war besonders heute sehr lustig. Sie jauchzte in einem fort und war sehr damit beschäftigt, ihren Fuß in den Mund zu stecken und daran zu schnullen. Sie scheint viele gymnastische Anlagen zu haben. Ich küsse Ihnen und dem Papa mit Sisi die Hände und bleibe Ihr treuer Sohn Franz.“ (5)

Erzherzogin Gisella

Schon bald machten sich die nächsten Schwangerschaftszeichen bemerkbar.

Sobald diese öffentlich wurden, las der Erzbischof von Wien und der Bischof von Linz eine Messe, um eine glückliche Entbindung zu erbitten.

Selbstverständlich nicht ganz uneigennützig um einen Thronfolger zu bitten.

Foto: Dorotheum Wien
Erzherzogin Gisella

Erzherzogin Sophies Gesicht soll starr gewesen sein, als man ihr mitteilte, dass am 12.7.1856 um 6.35 Uhr in Schloss Laxenburg eine kleine Erzherzogin zur Welt kam.

Auch bei dieser Geburt war Herzogin Ludovika nicht anwesend.

Ebenso erschien sie zur Taufe nicht, obwohl sie offiziell die Taufpatin war.

Am 13.7.1856 wurde die kleine Erzherzogin auf die Namen Gisella Ludovika Marie getauft.

Gisella wurde nach ihrer Hochzeit (!) mit Leopold Prinz von Bayern zu Gisela und Ludovika zu Louise, weshalb man heute in sämtlichen Geschichtsbüchern über Erzherzogin Gisela Louise Marie lesen kann.

Korrekt wäre aber: Erzherzogin Gisella und Gisela Prinzessin von Bayern; aber anscheinend ist das den Historikern/innen zu kompliziert.

Erzherzogin Sophie wurde als Taufpatin-Stellvertreterin bestimmt. Sie selbst hatte schon Sophie Friedericke getauft.

Elisabeth, nun stärker und selbstbewusster, fing an, um Sophie und Gisela zu kämpfen.

Die Enttäuschung ihrer Schwiegermutter, dass sie keinen Thronfolger auf die Welt gebracht habe, nutzte sie aus, um die Kinderzimmer in die „Radetzky-Räume“ der Hofburg verlegen zu lassen.

Sophie tobte, doch diesmal hatte Elisabeth Schützenhilfe durch ihren Mann Franz Joseph.

Er stellte sich nicht nur vor seine Gemahlin, so nannte er sie auch eine hingebungsvolle Mutter.

Sophie drohte mit Auszug, was Franz Joseph verstimmte. Er schrieb einen Bettelbrief an seine Mutter:

„Nie würde ich es zugeben, daß Sie Ihre jetzige Wohnung verlassen oder gar, was ich nicht gelesen haben will, ganz aus der Burg ziehen würden. Ich hoffe noch immer, daß sich alles sehr gut machen wird; die Kinder bekommen eine viel bessere Wohnung, in der sie auch künftig bleiben können, und Alles wird zufrieden sein.“ (6)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie Friederike

1856 unternahm das Kaiserpaar eine 4monatige Reise nach Italien. Kaiser Franz Joseph wollte Lombardo-Venetien wieder mehr an das österreichische Reich binden.

Obwohl Erzherzogin Sophie massive Einwände hatte, nahm Kaiserin Elisabeth die kleine Sophie mit auf die Reise.

Baby Gisella verblieb bei ihrer Großmutter in Wien. Das Weihnachtsfest verbrachte die Familie getrennt. Sophie mit Gisella in Wien, Franz Joseph, Elisabeth und Sophie Friedericke in Venedig.

Als Weihnachtsgeschenk wurde die Kaiserin mit einem Portrait von Gisella überrascht. Elisabeth wurde auf dieser Reise zum ersten Mal ernsthaft krank.

Ihre Lungen machten ihr große Probleme. Sie hustete unentwegt, was Kaiser Franz Joseph schwere Sorgen bereitete. Er kündigte bei seiner Mutter die Rückkehr für den 12.3.1857 an.

Erzherzogin Sophie Friedericke wurde bereits am 2.3.1857 mit ihrer Kinderfrau Anna Kathrein auf die Reise geschickt. Franz Joseph schrieb in einem Brief an seine Mutter, dass er hoffte, dass die Kleine ihr die Hände küssen möge und sie artig sei.

Wenige Monate später kam es in Ungarn zu einem folgenschweren Schicksal, von dem sich Elisabeth – vor allem als Mutter – nie wieder erholen sollte.

Aus Trotz setzte sie sich gegen ihre Schwiegermutter durch und nahm beide Kinder mit auf die Ungarnreise. Nicht nur, dass Erzherzogin Sophie Ungarn aus tiefstem Herzen hasste (das Libényi-Attentat hatte sie nie vergessen; hier nachzulesen), so riet sie dem Kaiserpaar, die Kinder in Wien zu lassen.

Das Unheil nahm seinen Lauf. Kaiserin Elisabeth verfiel das erste Mal in ihrem Leben in tiefe Trauer.

Kronprinz Rudolf

Im Dezember 1857 wurde erneut an Kaiserin Elisabeth eine Schwangerschaft festgestellt.

Zur unendlichen Trauer, mischte sich freudige Erwartung, welche Elisabeth mit ihren üblichen Schwangerschaftsleiden quittierte.

Sie erbrach ständig, war müde und bettlägrig. Die Abnabelung zu ihrer Tochter Gisella begann. Immer öfter war die junge Frau unpässlich, wollte das kleine Mädchen nicht sehen und machte sich selbst die größten Vorwürfe, ihre Tochter Sophie umgebracht zu haben.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiser Maximilian I von Mexiko und Kaiserin Carlota

Als am 27.7.1858 auch noch ihr Lieblingsschwager Erzherzog Ferdinand Maximilian, genannt Max (*6.7.1832, †19.6.1867), die schöne belgische Prinzessin Charlotte (*7.6.1840, †19.1.1927) heiratete und diese ab sofort ihr vorgezogen wurde, verfiel Elisabeth noch mehr in Depressionen.

Charlotte kam aus einem unfassbar reichen Haus, war gebildet und schön. Erzherzogin Sophie und ihre gesamte Anhängerschaft ließen keine Möglichkeit aus, um die Eheattin von Max zu loben, zu huldigen oder zu bezirzen.

Der labilen, schüchternen und unbeliebten Kaiserin muss das bis ins Mark erschüttert haben.

Noch mehr als jemals zuvor, zog sie sich zurück. Leider auch vor ihrer Tochter.

Mittlerweile vergingen Wochen bis sie Gisella wieder an sich ran ließ oder nach dem kleinen Töchterchen fragte.

Am 21.8.1858 setzten gegen 22.00 Uhr die letzten Wehen ein. Beide Mädchen waren leichte Geburten, kaum eine Wehe war zu spüren und schon waren die Kinder auf der Welt. So war es im August nicht. Erzherzogin Sophie und Gräfin Esterházy knieten am Boden und beteten, während sich Elisabeth die Seele aus dem Leib schrie. Um 22.15 Uhr war es endlich soweit. Der Thronfolger wurde geboren.

Völlig erschöpft fragte die Kaiserin ihren am Bett sitzenden Mann ob es ein Bub sei. Dieser erwiderte, dass die Hebamme Gruber es noch nicht so genau wisse. In Wirklichkeit wollte Kaiser Franz Joseph seine Frau schonen.

Die Geburt hatte sie stark geschwächt. Man wollte ihr jede Aufregung ersparen. Vor lauter Enttäuschung, dass sie keine Antwort bekam, glaubte sie, wieder „nur“ ein Mädchen zur Welt gebracht zu haben. Doch Franz Joseph verneinte dies mit dem Satz

„Nun, und wenn es ein Knabe wäre?“ (7)

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
(Privatbesitz; Besitzer will nicht genannt werden)
Lithografie Kaiserliche Familie mit Kronprinz Rudolf in der Wiege und Erzherzogin Gisella, Engel über dem Paar symbolisiert Sophie

Das ganze Land feierte die Geburt von Kronprinz Rudolf Franz Karl Joseph, dessen Vorname genauso aus den Habsburger Vorfahren gewählt wurde, wie Gisellas.

Nicht nur Wien feierte, auch das ganze Reich schloss sich den Huldigungen an. Kaiser Franz Joseph der seinen Sohn zwar nicht hübsch fand, dafür aber kräftig und stark, weinte jedes Mal vor Freude, wenn ihm ein Minister, das Militär oder ein Bediensteter gratulierte.

Seine Freude kannte kaum eine Grenze.

Elisabeth, die wieder einmal nicht stillen durfte, hatte extreme Probleme mit dem Milcheinfluss. Sie bekam hohes Fieber.

Trotzdem wurde ihr nicht erlaubt den Sohn zu stillen.

Sie gab jeden Widerstand auf. Sie ließ die Kinderzimmer in die Räumlichkeiten von Erzherzogin Sophie verlegen und übergab die gesamte Erziehung in ihre Hände.

Foto: ÖNB
Karoline Freifrau von Welden „Wowo“, die Kinderfrau von Erzherzogin Gisel(l)a und Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth

Ab sofort waren sich Gisella und Rudolf am Nächsten. „Wowo“, wie Aja Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1892) und „Nono“, wie die Kammerfrau Leopoldine Nischer (*1813, †1883) von den Kindern genannt wurden, wurden für die beiden zum Lebensmittelpunkt.

Noch als Erwachsene sprachen beide überaus liebevoll über Wowo und Nono.

Gisella, die etwas herb wirkte und das stämmige Wesen von Franz Joseph geerbte hatte und Rudolf, der das Aussehen seiner Mutter, sowie deren Intelligenz und Sensibilität geerbt hatte, wurden unzertrennlich.

Obwohl Rudolf es nicht leiden konnte, wenn Gisella mit seinen Sachen spielte und sie sich beschwerte, wenn er die ihren versteckte, hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel.

Foto: Wikimedia/Commons
Gisela und Rudolf als Kinder

Die ersten Jahre fiel ihnen die Abwesenheit von Elisabeth gar nicht auf. Großmutter Sophie, Nono und Wowo kümmerten sich rührend um die Kinder und Kaiser Franz Joseph nahm sich so viel Zeit wie möglich.

Mittlerweile hatte sich die Beziehung zwischen Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth zu einer ambivalenten Ehe entwickelt (der Beitrag kann hier nachgelesen werden).

Um die Abnabelung von ihren Kindern zu verstehen, muss ich ins Jahr 1860 springen und euch bitten den Ehe-Beitrag zu lesen.

Kaiserin Elisabeth fing an, sich immer mehr gegen ihren Mann durchzusetzen, kränkelte aber stets vor sich hin.

Wie in meinem Bericht erwähnt, ist die Wahrheit über den Bruch zwischen Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth bis heute nicht erforscht. In allen Filmen wird es vereinfacht mit einer Lungenkrankheit dargestellt. So steht es auch in (wirklich) allen Geschichtsbüchern, dennoch bleiben Zweifel.

Schon der erste Biograf Conte Corti sprach vom „Deckmantel der Krankheit“. Ich bleibe ebenfalls dabei.

Im November 1860 verließ Kaiserin Elisabeth Laxenburg und kehrte erst am 16.8.1862 nach Wien zurück. Nur in Venedig hatte Elisabeth ihre Kinder gesehen. Viel zu kurz, wenn man bedenkt, wie klein die Kinder damals noch waren.

Foto: ÖNB
kaiserliche Familie

Gisella war zum Zeitpunkt der Rückkehr bereits 6 Jahre alt, Kronprinz Rudolf knapp 4 Jahre alt.

Auch als Kaiserin Elisabeth zurück war, kümmerte sie sich nicht um die Kinder, die sie so sehr vermissten.

Vor allem der kleine Rudolf hing sehr an seiner Mutter. Er vergötterte sie Zeit seines Lebens und buhlte immer um ihre Liebe. Vergeblich.

Als er 6 Jahre alt war, wurde er von Gisella getrennt.

Er sollte ab sofort von Graf Leopold Gondrecourt (*1816, †22.5.1888) militärisch erzogen werden.

Den Buben traf damit ein hartes Schicksal. Rudolf, der überhaupt nicht für den militärischen Drill geeignet war, weinte sich jeden Abend isoliert in den Schlaf. Er fürchtete sich allein vor der Dunkelheit, zitterte vor Angst vor dem Knallen der Pistolen und konnte die Einsamkeit nicht ertragen. Er wurde physisch und psychisch von Gondrecourt misshandelt.

Elisabeth weilte außerhalb von Wien, weshalb sie von den Qualen die Rudolf erlitt zunächst nichts wusste.

Vater Kaiser Franz Joseph sah geflissentlich weg und nannte seinen Sohn einen

„Kepierl“.

Erzherzogin Sophie vor Treue zur Krone blind, sah über den Leidensdruck des geliebten Enkels hinweg.

Gondrecourt sah seine Macht und quälte den Buben bis aufs Blut. Er zerrte ihn früh morgens mit Trompetenklänge neben dem Bett aus selbigen, ließ ihn bis zum Umfallen stehen und tränkte ihn für Disziplin und Ordnung im eiskalten Wasser. Rudolf wurde kränker und blasser als jemals zuvor in seinem Leben.

Foto: Wikimedia/Commons
Graf Leopold Gondrecourt

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth weilen gerade in Bad Ischl, als Elisabeth von der Wildschwein-Affäre erfuhr, war das Maß voll.

Rudolf wurde von Gondrecourt zum Tierpark Lainz geschliffen, dort hinter die Mauer gestellt, während sich der General in Sicherheit brachte, schrie er, dass ein Wildschwein käme. Das Kind schrie in Todesangst wie am Spieß und je lauter es schrie, desto nervöser wurden die Wildschweine, die in der Nähe ihr Revier hatten.

Sie eilte zum Kaiser und schrie ihn förmlich an:

„Entweder Gondrecourt oder ich!“ (8).

Danach eilte sie in ihr Zimmer und schrieb das berühmte förmliche Ulitimatum:

Ich wünsche, dass mir vorbehalten bleibe, unumschränkte Vollmacht in Allem, was die Kinder betrifft, die Wahl ihrer Umgebung, den Ort ihres Aufenthaltes, die complette Leitung ihrer Erziehung, mit einem Wort, alles bleibt mir ganz allein zu bestimmen, bis zum Moment der Volljährigkeit. Ferner wünsche ich, dass, was immer meine persönlichen Angelegenheiten betrifft, wie unter anderem die Anordnungen im Haus p.p. mir allein zu bestimmen vorbehalten bleibt. 

Elisabeth, Ischl, 27.8.1865 (9)

Foto: Wikimedia/Commons
Josef Latour
Foto: Wikimedia/Commons
Dr. Hermann Widerhofer

Kaiser Franz Joseph gab nach. Rudolf wurde aus den Klauen des Folterers befreit.

Zuerst wurde er in die ärztliche Obhut von Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901) aufgenommen, danach übernahm ihn Josef Latour von Thurmburg (*2.2.1820, †28.12.1903), zu dem Kaiserin Elisabeth ein freundschaftliches Verhältnis hatte.

Doch es war zu spät. Gondrecourt hatte ganze Arbeit geleistet. Das Trauma begleitete Rudolf Zeit seines Lebens.

Erzherzogin Marie Valérie

Erzherzogin Gisella und Kronprinz Rudolf bekamen, als sie knapp 12 und 10 Jahre alt waren, noch eine Schwester.

Kaiserin Elisabeth war zum Zeitpunkt der erneuten Schwangerschaft 30 Jahre alt.

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth im Krönungskleid

Am 8.6.1867 fand in Budapest die Krönung zur Königin von Ungarn statt.

Am 11.6.1867 fuhr das Königspaar nach Schloss Gödöllo, welches ihnen als Krönungsgeschenk übergeben worden war.

Im November 1867 wurde in Wien die Schwangerschaft bekanntgegeben.

Es stellte sich zum ersten Mal seit Jahren so etwas wie ein Familienleben ein, an welchem auch die Kinder Gisella und Rudolf teilnehmen durften. Im Jänner 1868 erfuhr Herzogin Ludovika von Sophie in einem Brief von der freudigen Botschaft.

Die Schwangerschaft verlief ruhig und ohne gröbere Vorkommnisse.

Elisabeth hatte es sich zum Ziel gesetzt, ihr Kind in Ungarn zur Welt zu bringen, weshalb sie sich im Februar 1868 Richtung Ofen auf machte.

Sollte es ein Bub werden, beschloss sie, sollte er Stefan heißen.

Stefan war der erste heilige König und beim ungarischen Volk sehr beliebt.

Kaiser Franz Joseph befürchtete, dass die Geburt in Ungarn ihr in Wien viele Minuspunkte einbringen würde.

Seine Frau war mittlerweile sehr unpopulär geworden. Nur noch Randnotizen in den Zeitungen und beim Volk nicht sonderlich beliebt.

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Marie von Neapel

Ihre Schwester Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) war angereist, um ihr bei der Geburt beizustehen. Die Geburt selbst war musterhaft.

Erst kurz vor der Geburt, musste die Hebamme helfen, bis dahin hatte es Marie allein geschafft. Am 22.4.1868 wurde das letzte Kind des Paares, Erzherzogin Marie Valérie Mathilde Amalie geboren.

Kaiser Franz Joseph, stolz nochmals Vater geworden zu sein, telegraphierte an die daheim gebliebenen Kinder:

Sie ist recht hübsch, hat große, dunkelblaue Augen, eine noch etwas zu dicke Nase, sehr kleinen Mund, ungeheuer dicke Backen und so dichte dunkle Haare, daß man sie jetzt schon frisieren könnte. Auch am Körper ist sehr stark, und sie schlägt sehr frisch mit den Händen und Füßen herum… sie schreit sehr selten…und stinkt …“ (10)

Foto: ÖNB
Erzherzogin Marie Valérie

Die Kinder erschrocken über so viel Liebe in wenigen Sätzen, rückten noch näher zusammen, da sie befürchteten, die neue Schwester würde alle Aufmerksamkeit auf sich lenken. Doch es kam für die beiden noch viel schlimmer.

Das „ungarische Kind“ wie Marie Valérie bald genannt wurde,

bekam vom Wiener Hof den Beinamen

„die Einzige“.

Elisabeth selbst hatte ihr also den „Beinamen“ nicht gegeben. Wieder eine bösartige Mär mehr, die sich bis heute hartnäckig hält.

„Das ungarische Kind“ bzw. „die Einzige“ entstand dadurch, dass der Wiener Hof unter dem Volk den Tratsch verbreitete, dass Kaiserin Elisabeth eine Affäre mit Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890) hatte.

Dieser unfassbare Tratsch hält sich bis heute noch! Hier kann man definitiv davon ausgehen, dass diejenigen die ihn heute noch verbreiten, nur böswillig irgend etwas nachplappern, ohne sich jemals mit dem Thema tatsächlich beschäftigt zu haben.

Elisabeth sorgte mit großem Pflichteifer dafür, dass Erzherzogin Sophie „ihr“ Kind nicht in die Obhut bekam.

Die nächsten Jahre tat Kaiserin Elisabeth keinen Schritt ohne ihrer Valérie.

Entweder war sie in der Obhut ihr vertrauter Menschen oder direkt bei Elisabeth selbst. Kein Tag verging, an dem sie Valérie nicht zu Bett brachte oder dafür sorgte, dass es ihr gut ging.

Wollten die Geschwister sie sehen, war Elisabeth stets an der Seite ihrer Tochter. Rudolf und Gisella eiferten sehr und bemühten sich nicht sonderlich um ihre Schwester. Dies nahm ihnen ihre Mutter sehr übel.

Schon mit drei Wochen begann für Marie Valérie das Reisen.

Von Ofen nach Gödöllö, von Gödöllö nach Ischl, von Ischl nach Possenhofen usw.

In Schloss Garatshausen, wo Elisabeth zu Gast ihrer Schwester Helene von Thurn und Taxis (*4.4.1834, †16.5.1890) war, schrieb sie halb hysterisch an Franz Joseph, dass Valérie kränkelte.

Sie habe das grässliche Gefühl von unverlässlichen Menschen umzingelt zu sein, denn sie befürchtete, dass „ihr teuerster Schatz“ durch die Amme die schlechte Milch abgebe, vergiftet worden sei.

Sie entledigte sich derer und stellte eine Neue ein. Über die Ungarin, die eine Männerstimme hatte, permanente Csárdás Lieder sang und fürchterliche Angst vor Mäusen hatte, amüsierte sie sich allerdings königlich, wenn nicht sogar kaiserlich.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Während sie sich fürsorglich um Marie Valérie kümmerte, vergaß sie leider vollends Gisella und Rudolf und sah diese nur ab und an in Wien oder Gödöllö, wenn sie diese besuchten.

Kurz Information zu Erzherzogin Gisella

Foto: Wikimedia/Commons
Gisela und Leopold von Bayern

Erzherzogin Gisella verheiratete sie mit 16 Jahren an Leopold Prinz von Bayern (*9.2.1846, †28.9.1930) damit dieser nicht Amélie von Sachsen-Coburg und Gotha (*23.10.1848, †6.5.1894) ehelichen konnte.

Foto: Wikimedia/Commons
Max Emmanuel und Amélie in Bayern,

In diese hatte sich ihr Bruder Max Emmanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893) verliebt.

Um Leopold von seiner Braut loszusagen, musste sie eingreifen und ihm die Hand ihrer Tochter anbieten.

Da Prinz Leopold diese nicht verwehren konnte, wurde alsbaldigst Hochzeit gefeiert. Die Trennung von Bruder Rudolf war tränenreich und kaum zu ertragen. Der 14jährige war ab nun wirklich auf sich allein gestellt. Sie starb am 27.7.1932. 

Kurz Information zu Kronprinz Rudolf

Foto: Wikimedia/Commons
Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie

Kronprinz Rudolf ehelichte auf Druck seines Vaters die belgische Prinzessin Stephanie (*21.5.1864, †23.8.1945) und ging mit ihr eine lieblose Ehe ein, die in kräftezehrenden Streitigkeiten ausartete.

Als er für sich keine andere Wahl mehr sah (lieblose Ehe, keinen politischen Einfluss, sein Vater ließ ihn bespitzeln, krank usw.) brachte er sich am 30.1.1889 in Mayerling um.

Kaiserin Elisabeth trug ab diesem Zeitpunkt nur noch schwarz, zumindest wenn sie in der Öffentlichkeit stand und nur, wenn sie sich beobachtet fühlte.

Mit dem Tod des Sohnes verlor sie das zweite Kind. Sie versank in Selbstmitleid und schweren Depressionen. Sie wurde rastlos und reiste von Land zu Land, um nirgendwo zu bleiben.

Ihr Tod war eine Erlösung für sie.

Kurz Information zu Erzherzogin Marie Valérie

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Valérie und Franz Salvator,

Erzherzogin Marie Valérie verliebte sich auf einem Ball in Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) und musste lange für diese Liebe kämpfen.

Im Trauerjahr von Kronprinz Rudolf feierte sie in Bad Ischl Hochzeit.

Kaiserin Elisabeth trauerte sehr um ihre Tochter und konnte deren Entscheidung so früh zu heiraten nicht verstehen.

Sie reiste zu den Geburten der ersten Kinder an, was sowohl Prinzessin Gisela, als auch Schwiegertochter Stephanie versagt blieb.

Erzherzogin Marie Valérie war Zeit ihres Lebens ihrer Mutter für die tiefempfundene Liebe dankbar und bemühte sich nach deren Tod um ein Familienleben am Wiener Hof. Sie starb am 6.9.1924. 

Alles in allem war Kaiserin Elisabeth eine Mutter die viel zu geben hatte, aber durch die frühen Schwangerschaften einfach zu überfordert war.

Auch das strenge spanische Hofzeremoniell, mit dem die Kinder aufgezogen werden sollten, war ihr fremd (hier nachzulesen).

Sie selbst wurde frei und ohne großartige konventionelle Erziehungsmaßnahmen erzogen, sollte ein strenges Protokoll abhalten, was sie selbst hasste.

Nur mit Marie Valérie und gereifter durch ihr Alter, konnte sie die Mutter sein, die sie sein wollte und konnte. 

– Petra –

Foto: Wikimedia/Commons
kaiserliche Familie vor dem Schloss Gödöllö
Kronprinz Rudolf, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth mit Erzherzogin Marie Valérie und Erzherzogin Gisella
(gestellte Idylle; so ein Foto hat es nie gegeben)

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Bildrechte: Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), habsburger.net, sammlung.belvedere.at, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Golfhotel Kaiserin Elisabeth Feldafing, Wikimedia/Commons, Dorotheum Wien, Schloss Laxenburg


Literarische Hinweise:

1 – S. 75/76, 2 – S. 76/77, 3 – S. 79/80, 4 – S. 91
Elisabeth Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, TB, 8. Auflage 2017,

5 – S 22, 6 – S. 29, 10 – S 92
Martha Schad
Kaiserin Elisabeth und ihre Töchter
Piper Verlag, TB, 2. Auflage 2013

7 – S 79, 8 – S 121
E.C. Conte Corti
Elisabeth von Österreich, Tragik einer Unpolitischen
Wilhelm Heyne Verlag, 15. Auflage, 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

9 – S 26
Sisi Magazin, Kronen Zeitung – vergriffen (nur noch antiquarisch erhältlich)

Das Sternenkleid

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter
Was ließ ihr die Vergötzung?
Was ließ ihr noch der Neid?
Was blieb von ihrem Leben
als Bodensatz der Zeit?
Kitsch!(*)

Es gibt ein Bild mit welchem man – beinahe auf der ganzen Welt – Kaiserin Elisabeth identifiziert.

Es ist ja auch kein Wunder, pappt es schließlich mittlerweile auf jedem – zum Teil sehr übelst kitschigem Souvenir – quer durch Österreich/Deutschland.


Obwohl das Bundesimmobiliendepot immer wieder betont, „das Winterhalter Bild der Kaiserin darf ausschließlich

„nur für wissenschaftliche Arbeiten“

genutzt werden. Ausgenommen seien die Souvenirs von Schönbrunn und Sisi-Museum Shop, denn das Original würde ja in der Hofburg hängen und somit dürften die als „einzige“ das Bild auf Souvenirs drucken.

Nun gut. Ich frage mich dann, wie das „nicht autorisierte Bild“ quer durch Österreich auf Kochhandschuhen, Socken, Schuhen, abgeänderten hässlichen Hietzingern Gutscheinen, sowie deren Plakaten, Helloween Plakaten, Armbanduhren, Handycovern, Mundnasenschutz, T-Shirts, Notizbücher, Bleistifte, Radiergummi, Spieluhren aller Art, Weihnachtsfiguren und sonstigen zum Teil sehr hässlichen Puppen, Seifen, Badeschaum und allerlei sonstigen Kram landen kann.

Aber laut Auskunft der Bundesimmobilienverwaltung gibt es all diese Dinge nicht. Ähhm.

Nun… einige Fotos habe ich unten zusammengefasst und diese sind nicht im Schönbrunn Shop bzw. Sisi Museum Shop entstanden. Wie kann das dann möglich sein. Illegal? Wahrscheinlich. Aber warum man so derartig die Augen verschließt und behauptet, es gäbe all diese Dinge nicht, ist mir ein Rätsel.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com
Das geschenkte Sternenkleid der Sisi-Straße

Meine ehemalige Begleiterin Sabine Rossegger, die als Sternenkaiserin auftrat, nähte sich ebenfalls das Sternenkleid.

Insgesamt besaß sie 3 solcher Kleider.

Wobei eines davon nicht von ihr war. Dieses wurde ihr von der Sisi-Straße Tourismusvereinigung zur Verfügung gestellt und diente als ihr Ballkleid, wenn sie irgendwo für diese (oder später für uns) unterwegs war.

Sie behauptete zwar immer, sie selbst hätte es genäht, dies stimmt jedoch nicht. Sie änderte es lediglich auf ihre Bedürfnisse um, aber das Kleid selbst, wurde von einer Ungarin genäht, von der Sisi-Straße gekauft und Frau Rossegger geschenkt.

Ihr erstes „Sternenkleid“, war ein Sternchenstoff-Kleid, wie es viele Cosplayer verwenden. Ohne Schleppe und viel zu tiefem Ausschnitt. Sie verwendete es für die Ischler-Kaisertage (kein eigenes Bild vorhanden; fremde verwende ich hier absichtlich nicht!).

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Das dritte war dann das Galakleid, welches wir in verschiedenen Museen oder Schlössern präsentierten.

Das Kleid hatte ein Eigengewicht von ca. 20kg. Dazu die Krinoline (Reifunterrock) mit nochmals 2-3 kg, das Stahlkorsett und sämtliche Unterröcke.

Insgesamt zog ich ihr an diesem Tag ein Gewicht von 25 kg an. 1 Jahr hat sie angeblich daran gearbeitet und die Sterne per Hand auf den Tüll genäht.

Der Urzustand ihres Sternenkleides hatte eine 3m lange Schleppe, die ziemlich „wuselte“, wenn sie länger damit ging.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
das abgeänderte Sternenkleid, mit der 5m Schleppe

Leider änderte sie es dann noch einmal um, da sie eine längere Schleppe haben wollte. Ab da gefiel mir persönlich das Kleid nicht mehr, da es irgendwie komisch am Boden auflag.

Die 5m lange Schleppe mit dem weicheren Tüll, ließen das Kleid nicht mehr so bauschig wirken.

Es sah nun aus, wie alle Krinolinenkleider und es lag flach wie eine Flunder am Boden.

Unsere Begleiterin Tamara (damals bekannt als Maria José) musste immer unter das Kleid kriechen, damit es auf den Fotos bauschig wirkte.

Als ich das erste Mal „das Sternenkleid“ in natura sah hatte ich Tränen in den Augen.

Man muss sich das ungefähr so vorstellen.

Wir waren damals im Unteren Belvedere. Es war das 2te Shooting, 2017. Wir brauchten einige Fotos mit dem Kleid für die Pressemappe, weshalb Frau Rossegger insgesamt an dem Tag 4 Kleider mitnahm. So auch das Sternenkleid. Schon als ich es ihr anzog, zitterten mir die Finger. Als sie sich umdrehte, stockte mir der Atem.

Sie sah wirklich aus wie Kaiserin Elisabeth.

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Foto: Barbara Prinz, Fotografie mit Herz

Ihre Haare, die sie mit 3 Haarteilen (!) zu der Steckbrieffrisur werden ließ, die 27 Sterne im Haar, das Kleid, die Umgebung… es schien, als hätte wirklich Kaiserin Elisabeth vor mir gestanden.

Nun ist der Zauber der Sternenkaiserin für mich genauso verpufft, wie jener von Helene von Thurn und Taxis.

An jenem Hochzeitstag ihres Bruders Carl Theodor Herzog in Bayern mit Sophie Prinzessin von Sachsen, trug sie dasselbe Kleid, wie ihre berühmte und schöne Schwester Kaiserin Elisabeth.

Ich bin der Meinung, dass sie sich ansonsten genauso hätte malen lassen, wie ihre berühmte Schwester. Hat sie aber nicht.

Doch wo kam das Kleid her? Wer designte es? Und wie kam es zu den Sternen? Und wer hätte je ahnen können, dass es jemals „das Kleid der Kleider“ wird?

Die Geschichte des Sternenkleides

Elisabeth sammelte in einem sogenannten Schönheitsalbum Fotografien von schönen Damen aus der ganzen Welt.

Dies konnten Tänzerinnen, Schauspielerinnen, aber auch „Halbwelt“-Damen sein.

Keine Mühen scheute sie und so bat sie sogar ihre Habsburger-Verwandtschaft auf deren Reisen Bilder für sie zu sammeln und ihr diese zu schicken.

Sogar Offiziere wurden dazu angehalten, der Kaiserin Fotografien von den Garnisonsstädten zu schicken.

Ihr wurde ein Bild von Contessa Virgina di Castiglione (*22.3.1837, 28.11.1899) in einem dunkelblauen Samt-Sternenkleid mit Schmucksternen im Haar zugesandt. Sie war Obgleich Feuer und Flamme von dem Kleid und der Frisur.

Die Idee zu diesem Kleid ließ sie nicht mehr los.

Als nun ihr geliebter Bruder Carl Theodor „Gackel“ in Bayern (*9.8.1839, 30.11.1909) ihrer beider Cousine Sophie Prinzessin von Sachsen (15.3.1845, 9.3.1867) ehelichte, war es soweit. Der herzzerreißende Beitrag zu Sophie Herzogin in Bayern kann hier nachgelesen werden.

Sie beauftragte den mittlerweile berühmt gewordenen Pariser Couturier Charles Worth (*13.10.1825, 10.3.1895) ein Kleid im Stile der Contessa zu schneidern.

Foto: Wikimedia/Commons
Charles Worth

Doch zur allgemeinen Überraschung, sollte das Kleid nicht nur einmal genäht werden: es wurde 2x genäht.

Elisabeths Lieblingsschwester Helene „Néné“ von Thurn und Taxis (*4.4.1834,†16.5.1890) sollte das gleiche Kleid zur Abendgesellschaft tragen und damit Braut und Bräutigam überraschen.

Luzi-Wuzi, also Erzherzog Ludwig Victor (*15.5.1842, †18.1.1919) der Bruder von Kaiser Franz Joseph, befand sich ebenso in Dresden und schrieb eilends an seine Mutter:

„Sisi sei blendend schön, auch waren die Leute wie verrückt hier. Ich habe noch nie so einen Effekt machen sehen. Helene ein sehr schlechter Abklatsch von der Kaiserin, auch Sternenkleid.“ (1)

Von Hofjuwelier A.E.Köchert (*17.3.1828, †3.9.1879) ließ sie sich Diamantsterne für ihre Haare anfertigen.

Diese Art Schmuck war eine absolute Neuheit, denn üblicherweise trugen die Damen Diademe als Haarschmuck.

Die Haarsterne, die vermutlich ebenso berühmt sind wie das Kleid selbst, waren ein Geschenk des Kaisers.

27 Diamantsterne sind es geworden. Warum genau diese Zahl und warum diese Ansammlung ist nicht überliefert.

Einige der Sterne verschenkte Kaiserin Elisabeth später an Hofdamen, ihre Kinder und wieder weitere wurde an andere Familienmitglieder vererbt.

Sowohl Erzherzogin Gisella (*12.7.1856, 27.7.1932), als auch Erzherzogin Elisabeth Marie „Erzsi“ (*2.9.1883, 16.3.1963) (Tochter von Kronprinz Rudolf), als auch Prinzessin Elisabeth von Bayern (*8.1.1874, 4.3.1957) (Tochter von Gisela) trugen jeweils Elisabeths Sterne zu ihren Hochzeiten bzw. für schöne Fotoaufnahmen.

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Marie Gräfin Seefried auf Buttenheim geb.
Prinzessin von Bayern mit 3 Diamantsternen ihrer Großmutter

Erst dieses Kleid und diese Frisur, sollte Elisabeth, Zeit ihres Lebens von ihrer Familie „Sisi“ genannt, zu dem machen was sie bis heute ist:

Ein schöner unerreichbarer Engel.

Nicht umsonst nannte Kaiser Franz Joseph sie immer seine

Engels-Sisi

Zeitzeugen beschrieben das Kleid wie folgt

„Ein weißes, mit Sternen besticktes Kleid, Diamantsterne im Haar und an der Brust ein Camelienbouquet.“

Sisi war zu diesem Zeitpunkt 27 Jahre alt und Mutter von 2 Kindern.

Marie, Königin von Sachsen schrieb an eine Freundin:

„Von der Begeisterung, welche die Schönheit und Liebenswürdigkeit der Kaiserin erregte, kannst Du Dir keine Vorstellung machen; noch nie sah ich meine ruhigen Sachsen in solcher Aufregung! Man dachte, sprach, hörte nur ihr Lob.“ (2)

Wie die meisten vermutlich wissen, gibt es von der Kaiserin nur wenige echte Fotografien und noch weniger echte Bilder, wo sie einem Maler Model stand. Der Rest wurde aus alten Fotographien, Ölbildern, Lithographien, Holz- und Stahlstichen „zusammengebastelt“. Heute würde man es Photoshop nennen.

Die Ehre des Modelstehens wurde daher einem zu Teil, der damals ganz groß war und ein Meister seiner Zeit:

Foto: Wikimedia/Commons
F.X. Winterhalter

Franz Xaver Winterhalter (*20.4.1805, 8.7.1873).

Durch Protektion König Louis Philippes stieg Winterhalter zum gefragtesten Porträtmaler in Frankreich auf.

Als französischer Hofmaler malte er Bildnisse der gesamten königlichen Familie und der führenden Mitglieder des Hofes. 1852 folgte er dem Ruf von Königin Isabella nach Spanien. Nach der Thronbesteigung Napoléons III ging er zurück nach Paris.

Zu seinen Kunden gehörten auch das belgische Königshaus und die kaiserlichen Höfe in Sankt Petersburg und Wien.

Elisabeth ließ sich von F.X.Winterhalter 1865 im Sternenkleid malen, und machte dieses Kleid somit unsterblich. Dieses Gemälde könnt ihr immer noch in der Wiener Hofburg bewundern.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter

Von Winterhalter gibt es noch 2 weitere Bilder, die in die Geschichte eingehen sollten.

Diese Bilder waren für die damalige Zeit sehr intim. Eines davon wurde zu Kaiser Franz Josephs Lieblingsbild.

Es stand Zeit seines Lebens vor seinem Schreibtisch (und dort steht es heute noch).
Beide wurden erst nach seinem Ableben entdeckt.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene von Thurn und Taxis
Bild: Erich Correns, 1859

Immer wieder werde ich gefragt, ob auch Néné, also Helene von Thurn und Taxis sich im Sternenkleid malen ließ.

Ich denke, wäre dies der Fall gewesen, wäre das Bild bekannt. Das einzige bekannte Ölgemälde, ist jenes, im „roten Samtkleid“ und dieses ist geschönt. Wer ihre Fotografien kennt, weiß, dass Néné eher herb und männliche Gesichtszüge hatte und nicht so lieblich wie Marie, Mathilde „Spatz“, Sophie und schon gar nicht wie Sisi war.

Selbst die Anwesenden auf der Hochzeit fanden Néné als „Abklatsch“ zu Elisabeth. Wie mag sie sich wohl gefühlt haben, als sie bemerkte, dass wieder einmal aller Augen auf der Kaiserin lagen?

Sternenkleid mit schwarzen Spitzenbesatz – Matthias Aigner

Foto: docplayer.org
Bild: J. Matthias Aigner

Bisher dachte ich, obiges Bild sei ein von Schloss Schönbrunn gephotoshoptes Bild, da sie ja die einzigen sind, die für Souvenirs die Rechte haben und so auch die Bilder verändern dürfen wie sie wollen.

Sogar sämtliche im Netz herumschwirrenden kolorierten und nun bewegten Bilder bzw. Videos, wo Kaiser Franz Joseph mit toten Augen oder Kaiserin Elisabeth den Kopf hebt und lächelt sind und bleiben ohne schriftliche Genehmigung illegal.

Als ich im Sommer durch die derzeitige Elisabeth-Ausstellung im Schloss Niederweiden vor dem Bild stand war allerdings meine Neugierde geweckt.

Leider war keine wie immer geartete Information beim Bild zu finden und so notierte ich mir das spärliche was neben dem Bild stand auf einen Zettel. Fotos sind ja in sämtlichen Schönbrunn-Häusern verboten. Dazu gehören auch Schloss Niederweiden und Schloss Hof.

Irgendwann fand ich den Zettel mit der Notiz

„Matthias Aigner, 1868“

wieder.

Nun gut.

Detektiv, der ich in diesen Dingen nun mal geworden bin und ohne diese die Seite nicht leben könnte, fand ich nun folgendes heraus:

Josef (!) Matthias Aigner wurde am 18.2.1818 in Wien geboren. Sein gleichnamiger Vater war Goldschmied, von dem er die Begabung des Zeichnens gelernt hatte.

Bei niemand geringerem als Friedrich von Amerling lernte er die Perfektion des Zeichnens und Malens. Er ehelichte die Burgschauspielerin Fanny Matras.

Bevor Erzherzog Ferdinand Maximilian als Kaiser Maximilian I von Mexiko nach Mexiko fuhr, bat er den mittlerweile durch seine Kopien berühmt gewordenen Maler, die im Schloss Belvedere befindlichen Bilder nachzumalen. Diese nahm er nach Mexiko mit, um sie dort im Nationalmuseum aufzuhängen und dem Volk zu zeigen.

Weiters bat er Aigner die Familie zu malen, so unter anderem seinen Bruder Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth usw.

Wie genau es nun zu dem Portait zum „Sternenkleid mit schwarzen Spitzenbesatz“ kam, wie sich das Werk nennt, konnte ich bei allen Bemühungen nicht herausfinden.


Auch nach dem Kaiser Maximilian schon längst tot war, ließ sich Kaiser Franz Joseph nochmals von Aigner portraitieren.


Anzunehmen ist, dass durch diese Sitzungen beim Kaiser, Aigner das im Jahre 1865 entstandene Portrait von F.X.Winterhalter „Kaiserin Elisabeth im Sternenkleid“ sah und mit dem schwarzen Spitzenbesatz kopierte.

Das Sternenkleid in Verfilmungen, auf der Theaterbühne bzw. im Musical Elisabeth

Die Beliebtheit von Elisabeth kam erst weit nach ihrem Tod.

Als Elisabeth lebte, nahm die Bevölkerung zunehmend kaum noch Notiz von ihr.

Da sie sich immer mehr vor den Augen der Welt verhüllte, war sie irgendwann in den heimischen Gazetten kaum mehr als eine Zeitungsnotiz „Kaiserin Elisabeth weilt in …“ hieß es dort. Oder „Kaiserin Elisabeth feiert ihren … Geburtstag auf Mallorca“.

Viel mehr Interesse und Aufmerksamkeit bekam sie von den Menschen ihrer Zeit nicht mehr. Erst der Mord an ihr bewegte ihre Untertanen wieder. Zigtausende Bürger nahmen Abschied von ihrer einst so wunderschönen Kaiserin, die so gar keine Kaiserin sein wollte. Ihr tragischer Tod kann hier nachgelesen werden.

Es folgte der 1. Weltkrieg und das Ende der Monarchie. Es folgte der 2. Weltkrieg und viele Entbehrungen und Leid für die Menschheit jener Zeit.

Aber am 21.12.1955 folgte eine Filmpremiere die alles verändern sollte:
Sissi


Engagiert wurde die blutjunge 16jährige Romy Schneider, die keinerlei Schauspielerfahrungen hatte und gerade einmal einen Film mit ihrer Mutter Magda gedreht hatte.

Doch ihr Liebreiz und ihre Schönheit sollten Weltgeschichte schreiben.

Was störte schon daran, dass an Sissi gar nichts stimmt und sowohl der falsche Name an unserer Kaiserin seitdem wie ein Grießbrei pappt, als auch Romy an dieser Rolle zugrunde gehen sollte.

Draußen vor den Toren war Wien von schrecklichen Bomben zerstört, drinnen im Kino hörte man eine schrille Musik, gefolgt von einer süßlichen Stimme, sah schöne – zum Teil aus Vorhängen genäht – Kleider und die Besucher träumten sich in eine längst vergangene Zeit:

der Kaiser und die Kaiserin waren auferstanden

Dass die Geschichte an den Haaren herbeigezogen war, teils völlig wirr und stupide erzählt, störte niemanden.

Kaum jemand hatte die reale Biografie von „Elisabeth, die seltsame Frau“ von E.C.Conte Corti (*2.4.1886, 17.9.1953), welche er 1934 veröffentlichte, gelesen.

Foto: imago images/Mary Evans
Romy Schneider als Sissi
Foto: Jupiterfilm.at
Romy Schneider als Sissi

Wen interessierte schon, dass sie Szene bei Tisch mit dem Sternenkleid und Sternen in den Haaren vermeintlich in Schönbrunn gedreht, völlig falsch dargestellt ist?

Romy Schneider würde sich im Grab umdrehen, würde sie wissen, dass ihre Sissi Fotos täglich auf den Social Media Kanälen „als süß und unvergesslich“ hingestellt werden und die Follower kaum ein Interesse daran haben, dass sie noch andere Rollen spielte.

Auch die echte Kaiserin Elisabeth leidet sehr unter dem Film.

Zu oft wird Elisabeth als „Sissi“ geschrieben, man nennt sie respektlos „Kaiserin Sissi“ (mir dreht es jedes Mal den Magen um) und wenn es dann schon mal richtig geschrieben wird, nennt man sie „Kaiserin Sisi“ (was genauso schlimm und falsch ist wie Kaiserin Sissi).

Diese Anrede ist grundlegend falsch, inkorrekt, unhöflich und respektlos. Wer sich mit dem Hofzeremoniell beschäftigen möchte und wie die korrekte Anrede war, ist hier richtig.

So süßlich schön die Filme sein mögen,

für die breite Masse sind sie leider immer noch viel zu viel Realität und zu wenig

„ich interessiere mich – danach – für die echte Kaiserin“.

Doch noch lange bevor Romy Schneider an ihrem Sissi-Image schwer zu kämpfen hatte und nach Frankreich floh, gab es schon Filme über das Leben der Kaiserin.

Wer sich näher mit den Filmen beschäftigen will, den verweise ich an meine liebe Kollegin und Elisabeth-Film-Kennerin Stefanie

https://www.sissi-sammlung.de/index.htm

Natürlich gab es auch Theaterstücke, die das Thema „Sisi“ aufgriffen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Oskar Werner (als Kaiser Franz Joseph) und Elfriede Ott (als Kaiserin Elisabeth) v.l.n.r.

Ernst Décsey und Gustav Horn schrieben das Theaterstück „Sissys Brautfahrt“ (man beachte die Schreibweise).

1931 kaufte Hubert Marischka die Rechte an diesem Stück. Aus diesem wurde dann das Singstück „Sissy“. Ernst Marischka (!) versah es mit einem Libretto und Fritz Kreisler untermalte das ganze musikalisch.

1932 wurde Sissy uraufgeführt. 1938 spielten Elfriede Ott und Oskar Werner im Burgtheater die Hauptrollen.

Elfriede Ott in der Mitte ist im „Bühnen-Sternenkleid“ zu bewundern.
Die Sterne im Haar sind am Foto ebenfalls zu erkennen.

Ebenfalls eine misslungene Verfilmung ist der 2-Teiler „Sisi“ von Xaver Schwarzenberger.

Foto: ORF Media
Cristiana Capotondi in Sisi

Was war das für eine Aufregung 2009, als die Miniserie mit Cristiana Capotondi ins TV kam.

Von „der echten“ Geschichte der Kaiserin war die Rede. Endlich eine „andere Kaiserin“ usw.

Wenn Elisabeth in Venedig mit Andrássy fremd geht und von einer blödsinnigen Verschwörung die Rede ist, kann nicht ernsthaft geglaubt werden, dass man diese Serie auch nur eine Minute ernst nimmt, oder?

Zu Recht ist diese in der Versenkung verschwunden und taucht auch hoffentlich nie wieder auf. Leider ging dieser Wunsch nicht in Erfüllung. Der Disney Channel hat die Serie mit ins Programm genommen.

Das Sternenkleid hatte auch hier wieder – wie sollte es anders sein – seinen Auftritt. Aber was möchte man erwarten, wenn sich eine Serie die „wahre Sisi“ nennt und man Elisabeth in Venedig eine Affäre mit Andrássy andichtet, wobei sämtliche Historiker diese mittlerweile seit Jahrzehnten schon aus der Welt schafften.

Natürlich gibt es immer noch Leute, die das glauben. Aber es gibt in allem Verschwörungstheoretiker. Man darf so manches in dieser Welt nicht ernst nehmen.

Eines der Höhepunkte im Musical Elisabeth ist sicherlich der Auftritt der jeweiligen Elisabeth-Interpretin im sogenannten „Bilderrahmen“.

Eine Reprise mit dem Tod, Kaiser Franz Joseph und Elisabeth und dem Song „Ich gehör nur mir“.

Voilá die Kaiserin erscheint auf der dunklen Bühne, nur mit einem Scheinwerfer angestrahlt: „im Sternenkleid stehend im Bilderrahmen“. Pause.

Foto: Jean-Marie Bottequin
Pia Douwes als Elisabeth

Der Applaus kennt keine Grenzen. Und der Höhepunkt des 1. Teils ist somit erreicht, bevor der Kitsch! im Teil 2 mit Luigi Lucheni Einzug hält.

Mit Bauchladen und Glitzerhut singt der Interpret von der Scheinwelt einer Frau die sich selber nicht verstand und lieber Titania spielte, anstatt ihr Volk zu betüteln und warf – zumindest war das von 1992 – 2000 so – Schokolade ins Publikum.

Und somit befinde ich mich wieder am Anfang:

Nehmt ein hübsches Souvenir mit
aus der kaiserlichen Welt!
Alles innig,
lieb und sinnig,
so wie es euch gefällt -
Kitsch!(*)

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Jean-Marie Bottequin, ORF Media, imago images/Mary Evans, Jupiterfilm.at, Prinz Barbara, docplayer.org


Literatur Hinweise:

(*) Zitate:
Musical Elisabeth
Lied: Kitsch
Liedtext: Michael Kunze
Musik: Sylvester Levay

1 – S 198, 2 – S 199
Brigitte Hamann:
Kaiserin wider Willen , Amalthea, 1992, 11. Auflage

Dr. Martina Winkelhofer
Sisi, Kronen Zeitung-Heft (vergriffen)

Helga Kessler Aurisch, Laure Chabanne,
Tilmann von Stockhausen und Mirja Straub
High Society (englischer Bildband über F.X. Winterhalter)
The Portraits of Franz Xaver Winterhalter
The Museum of Fine Arts, Houston,
Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart, 2015 1. Ausgabe (nur noch antiquarisch erhältlich)

Marita A. Panzer
Fürstinnen von Thurn und Taxis
Verlag Friedrich Pustet, 1. Auflage 2008 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Elisabeth – Das Musical

Als 1955 der Sissi Film mit Romy Schneider über die Kinoleinwand flimmerte, konnte keiner erahnen, was das einmal auslösen würde. Was 1956 und 1957 mit Teil 2 und 3 noch weiter verkitscht wurde, wurde 1992 komplett anders dargestellt. Fans von Kaiserin Elisabeth haben zuerst das Musical gesehen und sich danach erst mit Elisabeth als Person beschäftigt.

Foto: Amazon.de

Das Musical hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Einen Hype, der bis heute ungebremst ist.

Am 3.9.1992 wurde in Wien im Theater an der Wien, unter dem scheidenden Intendanten Peter Weck, das Musical Elisabeth aus der Taufe gehoben. Ein Welterfolg, der anfangs so gar nicht die Kritiker ansprach. Im Gegenteil. Nach der Premiere war der Hohn und Spott hoch.

Aber beginnen wir von vorne:

Peter Weck, Foto: APA (Archiv)

„Mit Michael Kunze hatte ich die Idee für ein neues Musical besprochen, das wir in den Vereinigten Bühnen Wien produzieren wollten. Bei unseren Gesprächen landeten wir plötzlich bei – Michael Kunze brachte diese Idee ein – Kaiserin Elisabeth. Da ich selbst ja beim ersten Teil der Sissi-Filme mitgewirkt hatte, war es mir ein Anliegen, Kaiserin Elisabeth in unserer Version ohne jede Kitschverbrämung, als nicht als lieblich verzuckertes Geschöpf, sondern auf Basis der damals dank Historikerin Brigitte Hamann neu vorliegenden historischen Erkenntnis mit allen ihren Eigenheiten auf die Bühne zu bringen.“ (1)

Peter Weck über die Entstehungszeit von Elisabeth, an der er selbst 2 Jahre beteiligt war.

„Alle tanzen mit dem Tod, doch niemand wie Elisabeth…“ Ihre Zeitgenossen stehen in Lumpen und mit schwarzem Spitzentuch über dem Gesicht auf der Bühne und reden „immer noch von Elisabeth“.
So beginnt das Stück – naja mehr oder weniger. Eigentlich ist zuvor noch ein Prolog mit Lucheni, der von einem unsichtbaren Richter gefragt wird, warum er ausgerechnet Kaiserin Elisabeth umgebracht habe.

Er beantwortet die Frage mit „…weil sie es wollte“.

Man mag glauben, dass dies ein Satz ist, den tatsächlich ihre Zeitgenossen über sie gesagt haben. Aber die Texte und die Musik stammen von niemand geringeren als von Michael Kunze und Sylvester Levay, die zuvor die Schlagergemeinde mit ihren Songtexten und Musiktitel aufzumischen wussten. „Fly Robin fly“ wurde (und ist) ein Welthit.

Michael Kunze, Foto: Alexander Ch. Wulz

(2) Michael Kunze im Interview, wie Elisabeth – das Musical entstand. 7 Jahre sollte die Entstehung dauern; man kann also nicht sagen, dass sich Michael Kunze und Sylvester Levay das Stück leicht gemacht haben.

„Mit dem Blick auf die bevorstehende Milleniumswende wollte ich etwas über den Untergang des Habsburgerreiches schreiben. Ich bin studierter Historiker, und daher interessierten mich die Parallelen von Gegenwart und Vergangenheit. … Auch „Sisi“ wurde zwangsläufig erwähnt. Ich hatte allerdings nicht die geringste Lust, die unglückliche Kaiserin zur Hauptfigur einer Dramatisierung zu machen. Zu abschreckend war die Vorstellung, gegen das Klischee einer Filmfigur der 50er Jahre ankämpfen zu müssen. … Ich las alles über die Zeit vor und nach 1900, was mir in die Hände kam. Darunter waren die Tagebuchblätter des Vorlesers Constantin Christomanos. Darin fesselte mich eine Episode. Christomanos schildert, wie er Elisabeth nach einem Sturm an der Reling ihrer Jacht trifft. Sie weist ihn auf einen Möwenscharm hin, der dem Schiff folgt. Es seien immer dieselben Möwen, behauptet sie. Woran sie das erkenne, fragt der Vorleser. An der schwarzen Möwe in der vorderen Reihe. Die sei ihr vertraut. Als ich das las, wurde mir schlagartig klar, dass Elisabeth sich selbst als schwarze Möwe sah. Als Symbol des Untergangs. Von diesem Moment an wollte ich sie, allen Problemen zum Trotz, zur Hauptfigur des Werkes machen. ….“ (2)

Harry Kupfer, Foto: Lewin-Management.com

Harry Kupfer, der kongeniale Regisseur dieses Erstlingswerks von Peter Wecks „Vereinigte Bühnen Wien“, erinnert sich an die Begegnung und wie alles begann: „Die Oper ist mein eigentliches Spezialgebiet. … Ich hatte in Wien eine Produktion an der Staatsoper, wir hatten nachts gefeiert und auf dem Weg zur U-Bahn traf ich Peter Weck. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt nicht persönlich, doch er sprach mich an. …

Er fragte mich: „Haben Sie nicht mal Lust, ein Musical zu machen?“, und meine Antwort war: „Ja, wenn es ein gutes Stück ist, nicht so etwas, wo Musiknummern zu einer dürftigen Handlung zusammengeschmissen sind, würde ich das machen. Darauf er:

„Ich hab eins, „Elisabeth“. Da ist mir erst einmal der Kamm geschwollen, weil ich natürlich gleich an diese schrecklichen Sissi-Filme mit Romy Schneider dachte. Doch Weck meinte, das sei ganz anders, Michael Kunze und Sylvester Levay seien die Autoren und er würde mir das Libretto gleich morgen ins Hotel schicken. Das hat er dann auch getan, ich habe es gelesen und fand es gar nicht so schlecht….“ (3)

Der Rest ist Weltgeschichte.

Als er die Rolle von Elisabeth schrieb, musste er nach einem roten Faden im Stück suchen. Und so betrachtete Michael Kunze das Bild von Luigi Lucheni, der grinsend in die Kamera sah. Der jemanden getötet hatte, den er weder kannte, noch verstand. Das Opfer sollte jemand ganz anderer (Herzog d’Orléans) werden, als dieses nicht auftauchte, stach er auf die berühmte Frau ein, die weltpolitisch nie in Erscheinung trat.

Ethan Freeman, Foto: Jean-Marie Bottequin

Lucheni wurde der Erzähler eines Lebens. Ihres Lebens. Er verhöhnt ihr Leben und alle die sich rund um sie scharrten. Mit Gemeinheiten – auch in Richtung Publikums – spart er nicht. In „Kitsch“ bekommt das Publikum das zu spüren, was bis heute gilt: Die Sammelleidenschaft und die Begaffung einer Frau, die bis heute ein Geheimnis ist, ebnete zumindest nach 1955 nie wieder ab.

Gerade bei der jungen Kaiserin Elisabeth war das Interesse anfangs riesengroß. Das Volk wollte sein Recht an der jungen schönen Kaiserin haben; als diese floh und sogar ihre Kinder zurückließ, ebnete das Interesse immer mehr ab. Zu ihrem 50sten Geburtstag erschien lediglich ein kleiner Artikel in der Zeitung, dass die Kaiserin Geburtstag habe. Das Volk in der Dynastie Österreich-Ungarn nahm sie überhaupt nicht mehr wahr.

Mit den Sissi-Filmen jedoch begann ein Hype, der auch Elisabeth – das Musical nicht töten konnte. Bis heute stehen Elisabeth Häferl weltweit in Kästen, hängen Bilder an den Wänden und Postkarten stehen an Souvenirständen zum Kauf bereit. Auch Tattoos mit Sisi Schriftzug oder Konterfei sind mir schon begegnet.

Der „Kitsch“ kennt keine Grenzen. Luigi Lucheni hat im Stück recht, wenn er Schokolade in die Menge schmeißt und höhnisch dabei lacht, wenn er sieht, dass die Menge im Publikum gierig danach greift.

Ethan Freemann Foto: angelofmusical

Aber lassen wir Ethan Freeman zu Wort kommen:

„Ich flog zu den Auditions nach Wien. … Ich wurde mit einem musikalischen Leiter weggeschickt, um mit ihm „Kitsch“ zu erlernen, was ich dann noch am selben Tag mit den Noten in der Hand präsentiert habe. Ich kann mich erinnern, dass ich vorm letzten „Kitsch“ so richtig fies gelacht habe, das war wohl infektiös und damit war die Sache wohl entschieden. Ich hatte scheinbar für die Kreativen die richtige Kombination von Kraft, Gewalt-Potential, Aussehen und Stimme…“ (4)

Sylvester Levay verstand es wie kein anderer, das Stück mit seiner Musik zu beseelen. Man meint manchmal sogar, die reale Elisabeth von hören, wenn sie von dem „Kirschbaum“ träumt, auf den sie nicht darf, weil Maman eine Gesellschaft erwarte und ihr Vater die Zither nimmt und aus Possenhofen flüchtet. Die 15jährige Sisi sitzt verlassen am Boden und träumt von „Gedichten schreiben und Reiten mit dem Wind“ und hofft darauf, dass ihr geliebter, von ihr angehimmelter Vater sie mitnimmt.

Uwe Kröger Foto: Alexander Ch. Wulz

Doch Herzog Max hat wie immer kein Einsehen mit seiner Lieblingstochter. Sisi bleibt traurig zurück und muss sich dem strengen Ton ihrer Gouvernante hingeben und sich umziehen gehen…

Michael Kunze tat sicherlich Recht daran, Elisabeth mit dem Tod kokettieren zu lassen. Ihre Todessehnsucht erahnt man schon an ihren frühen Gedichten. Als ihr Schwarm Richard Graf von Schwarzenberg stirbt, schreibt sie Wehklagen in ihr Tagebuch. Hier ist das erste Mal von einer Todessehnsucht zu lesen. Elisabeth war zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt.

Wie sehr sich das verstärkt, sieht man im späteren Verlauf ihres Lebens. Der Tod sollte also ihr Liebhaber sein. Einer der sie versteht, nach dem sie greifen kann, wenn sie ihn braucht, aber ihr niemals zu Nahe kommen darf. Michael Kunze wählte bewusst die Gestalt von Heinrich Heine, um den jungen attraktiven Dichter in Szene zu setzen.

Uwe Kröger, Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Langhaarig, blond, androgyn – so schritt der erste Tod 1992 von der Feile zum Totentanz der Zeitzeugen herab. Niemand geringerer als Uwe Kröger besetzte diese Rolle. Dass er der erste Rusty in Starlight Express war, sollte damals niemanden interessieren. Kröger spielte mit der Rolle, mit dem Publikum und löste einen wahren Hype aus – einen den er sich später – nach dem seine Fans sogar Selbstmorddrohungen ausstießen, als er sich die Haare für die Rolle von Chris für Miss Saigon abschneiden ließ – bitter bereuen sollte.

Der Tod der uns alle im gewissen Sinne begleitet, löst einen Machtkampf mit dem Publikum aus. Folgt man ihm oder kann man sich ihm entziehen? In 25 Jahren waren alle Tod-Darsteller blond oder zumindest brünett. Fast alle langhaarig. Nach Uwe Kröger folgten Paul Kribbe, Addo Kruizinga, Felix Martin, Máté Kamarás, Rob Fowler und natürlich der letzte Tod: Mark Seibert – er ist das momentane Sexsymbol der Musicalwelt.

Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Pia Douwes war die erste Elisabeth. Sie lieh ihr Stimme, Aussehen, Charakter und Eigenschaften, die die wahre Elisabeth zu haben schien. Ihre Darstellung ist bis heute unangefochten mit dieser Rolle verwoben und verbunden.

Viele Elisabeths folgten auf 25 Jahre Welterfolg. Die bekanntesten neben Pia Douwes sind natürlich Maya Hakvoort, Annemieke van Dam und die letzte Roberta Valentini.

Fragt man Musicalfans der ganzen Welt, sind sich diese uneinig, wer nun „DIE“ Elisabeth sei.

Fragt man mich, würde ich uneingeschränkt Maya Hakvoort nennen. Ihre Stimme hat mich von der ersten Minute an gepackt und ließ mich nicht mehr los. Aber auch Roberta Valentinis Darstellung behagt mir sehr.

Sie ist vor allem konstant durchgehend eine Elisabeth, der man jede Station abnimmt. Derselbe „Streit“ entsteht bei den Rollen von Der Tod und Luigi Lucheni. Hier gibt es eigentlich auch nur 2 Antworten für mich: Paul Kribbe war und wird immer „mein“ Tod sein, danach folgt für mich persönlich Mark Seibert. Bei Luigi Lucheni tendiere ich zwischen Bruno Grassini und Kurosch Abbasi, aber auch Serkan Kaya gefiel mir außerordentlich gut. 

Aber was ist nun mit Kaiser Franz Joseph, Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Sophie, Graf Grünne, Kardinal Rauscher, Herzogin Ludovika, Néné usw. Viele von ihnen haben eine Stimme bekommen, ein paar sind nur Nebendarsteller und erscheinen wirklich nur am Rande.

Im Prinzip erstrahlt das Musical mit 3 Hauptdarstellern: Elisabeth, Der Tod, Luigi Lucheni. Der Rest ist in Nebenrollen oder winzigen Sequenzen zu sehen.

Pia Douwes, Foto: Jean-Marie Bottequin

Das Hauptlied des ersten Teils ist mit Sicherheit der Song „Ich gehör nur mir“. Hier bricht Elisabeth aus. Hier zeigt sie, dass sie nicht die Person ist, die sich einsperren, quälen, begaffen und berichtigen lässt, wie es allen anderen am Wiener Hofe passen würde. Allen voran natürlich Erzherzogin Sophie oder auch dem Kaiser, der sich weder gegen seine Frau, noch gegen seine übermächtige Mutter durchsetzen kann.

Der Text von „Ich gehör nur mir“, könnte genauso gut aus der Feder von Kaiserin Elisabeth per se stammen. Man könnte meinen, dem Schreiberduo ist dies aufs Notenblatt diktiert worden.
Egal wer dieses Lied im Stück singt – Gänsehaut ist vorprogrammiert. Dieses Lied ist das Herzstück des ersten Teiles, dass was Elisabeth ausmacht.

Aber auch Lieder wie „Milch“ (1992 noch an anderer Stelle als heute), Kaffeehaus-Szene oder „Nichts nichts gar nichts“ sind bezeichnend für den Weg von Elisabeth.

Der wütende Mob vor der Hofburg, der mit Milchkannen beinahe wie auf die Bastille zustürmt und um „Milch“ schreit, während die Kaiserin darin badet. Bezeichnend für ihren Schönheitskult „Unsre Kais’rin soll sich wiegen,
kämmen, pflegen und erfrischen“.

Was wir alle an Sisi bewundern ist ihre Schönheit, ihr ambivalenter Charakter, ihr exzessives Leben. Das Leben des Volkes aber berücksichtigen wir im Grunde unseres Herzens nicht, wenn wir die Bilder dieser strahlenden Schönheit in den Krinolinenkleidern bewundern. Das Volk hungert, friert und hat kaum das Nötigste, während Sisi in Milch badet, weil das ihrem Teint zu Gute kommt.

Wer jetzt das ungarische Krönungslied „Wenn ich tanzen will“ in der Aufzählung vermisst, wird bitter enttäuscht sein, wenn ich sage, dass dieser Song 1992 noch nicht auf der Welt war.

Uwe Kröger mit Rudolf-Darsteller, Foto: Alexander Ch. Wulz

Erst im späteren Verlauf der Geschichte kommt Kronprinz Rudolf vor. Zuerst als kleiner Junge, der verzweifelt nach seiner Mutter weint. Natürlich ist es „der Tod“ der den Kleinen tröstet, denn Rudolf hat die Melancholie seiner Mutter geerbt.

Im weiteren Verlauf wird im Duett „Wenn ich dein Spiegel wär“ klar, dass die Mutter ihren Sohn weder verstehen will, noch ihn jemals verstanden hat. Ihre Arroganz und Verbitterung gegenüber dem verzweifelnden Sohn wird mit Minute zu Minute klarer.

Bezeichnend ist es natürlich, dass der Tod in Gestalt mit einem verkleideten Todesengel der Mary Vetsera darstellt, auf Rudolf lauert. Der Schuss ist nur der Anfang von einem Ende, das schon lange vorher eingeläutet wurde.

Wenn Elisabeth weinend am Sarg ihres Sohnes, der sich durch die Bühnenkonstruktion langsam in die Erde absenkt, zusammenbricht ist meistens ein Raunen im Publikum zu hören: „Die arme Mutter…“

Die arme Mutter die mit „Rudolf, wo bist du“ ihre letzten Jahre einläutet. Depressiv, einsam, schwarz gekleidet, flieht sie vor ihrem eigenen Ich.

Pia Douwes, Viktor Gernot Foto: Alexander Ch. Wulz

Auf Cap Martin versucht ein alter, gebrochener, wehklagender, zerbrechlich wirkender Kaiser Franz Joseph seine Sisi noch einmal zur Umkehr zu bitten. Das Duett „Zwei Boote in der Nacht“ ist bezeichnend für das letzte Kapitel, für die Verbitterung Elisabeths niemals Verzeihen zu können.

Danach folgt unweigerlich Luigi Lucheni, der nach einem fürchterlichen Alptraum Kaiser Franz Josephs, wo er den Tod Elisabeths vor Augen hat, vom Tod die Feile in die Hand geworfen bekommt und losstürmt.

Bim-bim… die Schiffsglocke. Elisabeth und „der Schleier fällt“. Der Tod hat endlich seine Sisi im Arm, sie gibt sich dem hin, was sie Jahrzehntelang erträumt und sich nicht getraut hat: zu sterben…

Im Grunde ist damit die Geschichte erzählt, auch wenn ich hier natürlich Szenen ausgelassen habe, die unweigerlich dazugehören; aber ich möchte euch ja noch den Triumphzug quer durch die Welt erzählen…

Die komplette Cast der Weltpremiere am 3.9.1992 war:

Darsteller:
Kaiserin Elisabeth                  Pia Douwes
Der  Tod                            Uwe Kröger
Luigi Lucheni                       Ethan Freeman
Kaiser Franz Joseph                 Viktor Gernot
Erzherzogin Sophie                  Else Ludwig
Kronprinz Rudolf                    Andreas Bieber
Kronprinz Rudolf Kind               Markus Neubauer
Herzog Max in Bayern                Wolfgang Pamperl
Herzogin Ludovika/Frau Wolf         Christa Wettstein
Helene von Wittelsbach              Rebecca Rashid
Ludwig Graf Grünne                  Peter Faerber
Kardinal Rauscher                   Dean Welterlin
Felix Fürst zu Schwarzenberg        Harald Hofbauer
Baron Hübner                        Günther Schulz
Baron Kempen                        Eric Minsk
Gräfin Sztáray                      Nicole Sieger
Gräfin Esterhazy-Liechtenstein      Isabella Fritdum
Maximilian von Mexiko               Stanislaus Meus
Mary Vetsera                        Marion Wilmer
Junger Ungarischer Adeliger         Frank Lohmann
Graf Andrássy und Graf Bathyány     Aris Sas
Fanny Feifalik                      Gabriela Kuhn
Eine Hofdame                        Marika Lichter
Eine Gouvernante                    Ina Retzbach
Ein Professor                       Christian Hauser
Fräulein Windisch                   Jasna Ivir
Todesengel                          Michael Bernhard
                                    Steven Bernier
                                    Theresa Bomme 
                                    Daniela Colantuanto

Kreativ Team:
Regie                            Harry Kupfer
Musikalische Leitung             Caspar Richter
Choreographie/Musical Staging    Dennis Callahan
Bühnenbild                       Hans Schavernoch
Kostüme                         Reinhard Heinrich
Lichtgestaltung                  Hans Toelstede
Tongestaltung                   Erich Dorfinger

Nach dem tosenden Applaus des Premierenpublikums der Schock. Die Presse verriss das Stück, Peter Weck und alle Darsteller. In den Feuilletons der Zeitungen stand sowas wie:

„Was für ein Kaiserinnen-Schmarren“ (Presse), die weiter schrieb: „Nichts, aber auch wirklich gar nicht, haben die Autoren unternommen, um der Gefahr der Verkitschung zu entgehen.“

„Munter geht die Sissi unter“, hieß die andere Schlagzeile. „Sie sind aber auch allesamt, die Darsteller von geringem Format (Kurier).

„Was einst vom Hauch der Hohen Kunst umfächelt war, hier brettert Kupfer die gleichen Mittel, nur etwas angeschmuddelt auf die Bühne“ (Der Standard).

„Kunzes Text macht Elisabeth zum Nachtschattengewächs. Ein großer Musicalwurf ist es nicht! (Kronen Zeitung) usw.

Doch was die Kritiker nicht bedachten war das Publikum.

Elisabeth wurde wie kein zweites Musical zuvor und danach geliebt. Einzig „Tanz der Vampire“ kann denselben Erfolg verbuchen, wie Elisabeth 1992.

Aber Tanz der Vampire eröffnete erst am 4.10.1997, mit einem grandiosen Steve Barton, die Pforten.

Peter Weck erzählt:

„Das Medienecho war für die Darsteller natürlich furchtbar deprimierend. Um mein Ensemble zu trösten und zu beruhigen, allen das verdiente Lob auszusprechen, ging ich damals von Garderobe zu Garderobe und habe Künstlerinnen und Künstler aufgebaut und ihnen versichert, dass diese Kritiken nicht gegen sie, sondern einzig und allein gegen mich gerichtet seien. … Der Erfolg beim Publikum aber wog alles auf, und Elisabeth hat letztendlich bewiesen, dass ein „Kaiserinnen-Schmarrn“ kein Schmarrn sein muss.“ (5)

Maya Hakvoort Foto: Alexander Ch. Wulz

Die Saison von Elisabeth dauerte 4 Jahre und wurde bis am 25.4.1998 gespielt. Mozart löste Elisabeth im Elisabeth Jahr ab – zum 100jährigen Todestag von Kaiserin Elisabeth (10.9.1998) ertönte Mozart aus den Mikrophonen der VBW Darsteller.

Ab 1994 übernahm Maya Hakvoort die Rolle der Elisabeth und spielte diese bis zum 25.4.1998. Mit ihr gingen und kamen neue Gesichter. Uwe Kröger spielte noch eine Zeitlang, genauso wie Andi Bieber, Viktor Gernot, aber auch sie wurden durch Paul Kribbe, Thomas Harke oder Leon van Leeuwenberg mit der Zeit ersetzt und auch hier gab es später wieder einen Castwechsel.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Foto: Theater des Westens

Pia Douwes über ihre Rolle:

„Ich war zunächst platt, ich war fertig. Diese Rolle hat mich sehr mitgenommen – aber auch diese Frau. Ich erkenne mich in ihr. Ich verstehe ihre Depressivität, und wie es ist, manchmal überfordert zu sein, mit zu vielen Menschen. Ich verstehe ihre Tierliebe, Liebe zur Natur und zu Sprachen. Ich habe sie so gut verstanden, dass ich sie mit nach Haus genommen habe, und musste erst nach und nach lernen, sie im Theater zu lassen.“ (6)

Über die Rolle zum „Tod“ befragt, die er nachhaltig kreiert hatte, gab Uwe Kröger die Antwort:

„Bei der Erarbeitung der Rolle hat mir sehr geholfen, dass Harry Kupfer eine ganz präzise Vorstellung von dem hatte, was der Tod macht – vor allem in „Der letzte Tanz“. Das ist der Bruch des Surrealen – ein Geist zu sein, für den es sich seltsam anfühlt, menschlich zu sein. Man ist ein Gott des Universums, der unfassbare Gevatter Tod – und doch hat man so etwas wie menschliche Gefühle. Die Figur darf nie eindimensional werden – das war Harry Kupfer ganz wichtig.“ (7)

Ichiro Maki (Tod), Hanafusa Mari (Elisabeth) 1996, Japan, Foto: Takarazuka Revue Theater

Was danach folgte, ist legendär für dieses Stück. Es ging um die Welt.

Seit 16.2.1996 (immer wieder mit Unterbrechungen) spielt Elisabeth in Takarazuka Revue Theater in Takarazuka; also in Japan.

Ungarische Aufführung Foto: RoseDiMontague

Am 17.8.1996 folgte die Aufführung in Ungarn. Die Freilichtbühne Szeged war dabei das Ziel. Ab 6.10.1996 wurde es dann im Operettenhaus Budapest gespielt.

Die schwedische Aufführung fand am 30.9.1999 ihre Premiere. Im Musiktheater i Vármland in Karlstad wurde es dann bis zum 9.1.2000 gezeigt.

Pia Douwes in Scheveningen, Foto: Joop van den Ende Theaterproducties

Auch in Holland hielt das Stück Einzug. Genauer gesagt in Scheveningen im Circustheater wurde es ab 21.11.1999 bis 22.7.2001 gespielt. 1999 übernahm die Rolle niemand geringerer als Pia Douwes.

Am 6.6.2000 war im Imperial Garden Theater in Tokio/Japan die Premiere.

Uwe Kröger und Pia Douwes in Essen, Foto: tansytrading.weebly.com

Deutschland musste bis zu seiner Erstaufführung bis ins Jahr 2003 warten. Essen war das auserkorene Ziel.

Das Colosseum Theater lud ab 22.3.2001 bis 29.6.2003 zum Musical ein. Elisabeth und Der Tod wurden von Pia Douwes und Uwe Kröger dargestellt.

Zum 10. Jahrestag des Stückes, lud man die illustren Gäste ins Wiener Konzerthaus. Das Konzert fand am 21.10.2002 statt. Besetzung waren u.a. Pia Doues, Maya Hakvoort, Uwe Kröger, Felix Martin, Ethan Freemann, Thomas Borchert, Viktor Gernot, Else Ludwig, Andi Bieber und Wolfgang Pampel. Viktor Gernot schlüpfte zum definitiv letzten Mal in die Uniformsjacke. Er verließ bereits 1997 das Genre Musical, um ab diesem Zeitpunkt mit den Hektikern Karriere zu machen. Mittlerweile ist er ein gefeierter Comedian und Solokünstler.

Maya Hakvoort und Maté Kamarás, Foto: VBW

Ab 6.10.2003 bis 4.12.2005 kam Elisabeth wieder zurück nach Wien. Maya Hakvoort übernahm erneut die Elisabeth. Máté Kamarás wurde Der Tod und Serkan Kaya Luigi Lucheni.

André Bauer, Maté Kamarás, Maya Hakvoort, Foto: Alexander Ch. Wulz

Maya Hakvoort über die Rolle ihres Lebens: „Ich wollte so nah wie möglich an das Original herankommen. Ich wollte zeigen, wer Elisabeth wirklich war. Um das auf der Bühne glaubhaft zu vermitteln, habe ich wahnsinnig viel über sie gelesen und bin an viele Orte, an, welchen sie auch war, gereist. Ich war auf Korfu, Madeira, natürlich in Bad Ischl und Wien. Aber auch im Schloss Gödöllö in Ungarn und auch sonst bin ich viel durch Ungarn gereist, da ich wusste, wie viel Elisabeth dieses Land bedeutete.“ (8)

Maya Hakvoort vor dem Schloss Miramare in Triest, Foto: Rolf Bock

2x gastierte Elisabeth in Triest im Schloss Miramare. Vom 21.7. – 27.7.2004 und vom 31.7. – 6.8.2005. Beide Male begrüßte Maya Hakvoort ihr Publikum. Ihr zur Seite standen Thomas Borchert als Der Tod und Bruno Grassini als Luigi Lucheni.

Nach Deutschland kehrte es am 6.3.2005 zurück. Im Apollo Theater in Stuttgart gastierte es bis zum 17.9.2006. Nur einige Gastvorstellungen wurden von Pia Douwes gespielt.

Thérèse Karlsson, Tomi Metsäketo. Foto: Turun kaupunginteatteri, Robert Seger

Auch das finnische Publikum durfte sich über unsere Kaiserin Elisabeth freuen. Vom 23.9.2005 bis 30.12.2006 wurde es in Turku im Turun Kaupunginteatteri gespielt.

Die Schweizer Fangemeinde freute sich über Elisabeth in Thun bei den Thuner-Seespielen. Es gastierte vom 19.7. bis 30.8.2006 auf der wunderschönen Seebühne.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Berlin Foto: Theater des Westens

Uwe Kröger und Pia Douwes kehrten als Der Tod und Elisabeth nach Berlin auf die Bühne zurück. Vom 20.4. bis 27.9.2008 feierten sie im Theater des Westens furiose Erfolge.

Annemieke van Dam, Foto: VBW

Annemieke van Dam übernahm erstmalig die Rolle bei der großen Europatournee, die sie vom 17.10.2008 bis 25.4.2010 durch Zürich, Antwerpen, München, Frankfurt, Bremen, Bregenz und Düsseldorf führen sollte. Der Tod wurde Oliver Arno, aber auch Uwe Kröger übernahm immer wieder Gastauftritte.

Die zweite Europatournee wurde am 11.10.2011 gestartet und lief bis zum 6.5.2012. Die Städte waren: Köln, Frankfurt, München, Basel, Essen, Bremen, Chemnitz, Erfurt, Leipzig, Dresden, Triest.

Annemieke van Dam übernahm wieder die Elisabeth und Der Tod wurde niemand geringerer als Mark Seibert. Man kann sagen: Er kam – sang – und siegte. Nach Uwe Kröger sollte kein weiterer Tod diesen Hype miterleben, wie Mark Seibert. Seine weitere Karriere ist bis heute grenzenlos: Mozart, Schikaneder, Tanz der Vampire – um nur einige Stationen zu nennen.

Mark Seibert Foto: Herbert Schulze

Mark Seibert über die Rolle: „In einem Musical sind die Rollen in gewisser Weise wie ein Korsett vorgegeben. Man hat die Texte, die Songs und auch das „Staging“ – also die Form, wie ein Darsteller in der Szene agieren muss. Die technischen Abläufe sind im Musical sehr klar festgelegt, und diese Vorgaben bieten nicht sehr viel Freiraum. Doch bei der Interpretation einer Rolle wird einem immer ein gewisser Spielraum eingeräumt, innerhalb dessen man agieren und sich entfalten kann. So durfte ich die Rolle des Todes trotzdem mit meiner eigenen Note versehen und sie zu der meinen machen.“ (9)

Und wer glaubt, dass dieser Triumphzug schon alles war, irrt.

Korea Foto: SCE.PLAY.ssongbs

Selbst Korea war im Elisabeth Fieber. Vom 9.2. bis 13.5.2012, 26.7. bis 7.9.2013 und 14.9. bis 20.10.2013 wurde es an verschiedenen Theatern und Orten aufgeführt. Mit dabei Seoul, Busan, Daegu, Gwangju und Changwon.

Daniela Ziegler, Annemieke van Dam, Foto: barbara2446

Die 20jährige Jubliäumsproduktion wurde wieder in Wien – diesmal im Raimundtheater – eingeläutet. Vom 5.9.2012 bis 1.2.2014 durfte das Publikum wieder „ihre“ Elisabeth in Wien sehen. Cast war niemand anderer als Annemieke van Dam als Elisabeth, Der Tod Mark Seibert und als Luigi Lucheni war erstmals Kurosch Abbasi in Wien zu sehen. Hier gab es eine ganz besondere Erzherzogin Sophie zu hören.

Niemand geringerer als die Grand Dame des Schauspiels und Gesangs Daniela Ziegler – „die“ Norma Desmond aus Sunset Boulevard – übernahm diesen Part.

Roberta Valentini, Maximilian Mann in Shanghai/China, Foto: Liza Makepise
Plakat zum Konzert in Osaka mit Maya Hakvoort, 2012, Foto: kultur-channel.at

Aber auch Osaka/Japan durfte sich über ein 20jähriges Jubiläumskonzert freuen. Vom 15.10. bis 22.10.2012 und vom 26.10. bis 31.10.2012 gastierte es erneut in Japan. Mit dabei waren Maya Hakvoort, Máté Kamarás, Lukas Perman, Bruno Grassini, André Bauer usw. 

Als es endlich nach China kam, war der Aufschrei in der Presse riesengroß. Niemals zuvor hat es ein Stück der VBW nach China geschafft. Vom 12.12.2014 bis 11.1.2015 gastierte in Shanghai Elisabeth. Und hier treffen wir auf die vorletzt letzte Elisabeth: Roberta Valentini. „Ihr“ Tod war natürlich Mark Seibert, Luigi Lucheni Kurosch Abbasi.

Roberta Valentini Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Roberta Valentini über Elisabeth: „Sie ist eine starke, selbstbewusste und liebende Frau. Viele sagen, dass sie egoistisch sei, was sicher auch in gewisser Weise stimmt. Aber sie ist auch eine einfühlsame und liebende Frau. Diese Balance zu spielen ist schwer und gleichzeitig auch das Reizvolle daran.“ (10)

Mit dieser Besetzung ging die 3te und vorläufig letzte Europatournee los. Vom 25.2.2015 bis 14.2.2016 führte die Tournee nach Essen, München, Linz, Frankfurt und Berlin

Und wer Elisabeth jemals gesehen hat, wird wissen, dass dies nicht die letzte Aufführung gewesen sein wird.

Auch wenn sich das Stück im Laufe der Zeit verändert hat, Lieder hinzugeschrieben, Szenen verschwanden oder umgeändert oder neu platziert wurden, so ist dieses Musical etwas ganz besonderes. Auch, wenn mir persönlich nicht alle Änderungen gefallen und ich so manch Kostüm scheußlich finde – der Charakter ist geblieben. Aber 1992, ja 1992 war etwas ganz besonderes. Und wer dabei war, wird jetzt ein kleines Lächeln auf den Lippen haben… 

Zum Schluss möchte ich noch Sylvester Levay zu Wort kommen lassen, der sicherlich am meisten geprägt wurde. Seine Frau Monika Levay ist eine anerkannte Expertin und Sammlerin. Ihre Original Exponate waren schon oftmals in mehreren Ausstellungen zu sehen; oft wird sie zu Expertisen rund um Kaiserin Elisabeth herangezogen. Sylvester Levay kann Kaiserin Elisabeth gar nicht entfliehen – immerhin bewohnt er einen Teil im Schloss Schönbrunn und hat sie somit täglich vor Augen.

„Wir wollten kein Musical, wie es auch wunderbare Stücke am Broadway gibt, schreiben, in denen Lieder von kurzen Texten, in denen die Geschichte erzählt wird, unterteilt werden. Bei uns sollten nur die wichtigsten, kurze Sätze in der Stille wirken, sonst wollten wir immer eine Untermalung, damit die emotioniale Bedeutung und Tiefe der gesprochen Worte durch die Musik noch besser vermittelt wird.“ (11)

Sylvester Levay Foto:  ooe.orf.at

Und das können wir so stehen lassen…

Bleibt nur noch eines, was es zu sagen gibt:

Wir Zuseher müssen auch mal DANKE sagen:

DANKE LIEBER MICHAEL KUNZE, SYLVESTER LEVAY, PETER WECK, HARRY KUPFER, PIA DOUWES, UWE KRÖGER, ETHAN FREEMANN, MAYA HAKVOORT, MÁTÉ KAMARÁS, ROBERTA VALENTINI, MARK SEIBERT UND ALLE ANDEREN

(WER NICHT AUFGEZÄHLT WURDE, SOLL SICH BITTE NICHT BENACHTEILIGT FÜHLEN).


Danke für die wunderbaren Theaterstunden. Wir freuen uns bis zur nächsten Aufführung, wenn es wieder heißt:

Alle tanzten mit dem Tod,

doch niemand wie …

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 

– Petra –


Rechtliche Hinweise: 

Text: Petra 
Bildrechte: ooe.orf.at, La Belle/Juliane Bischoff, Liza Makepise, barbara2446, SCE.PLAY.ssongbs, VBW, Thuner Festspiele, Theater des Westens, Robert Seger, Rolf Bock, Alexander Ch. Wulz, tansytrading.weebly.com, tansytrading.weebly.com, Joop van den Ende Theaterproductions, Jean-Marie Bottequin, Amazon.de, angelofthemusical, APA (Privat), lewin-management.de, Takarazuka Revue Theater, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise: 

1 – S 299/300, 5 – S 303
Peter Weck
War’s das?
Amalthea 2010, 1. Auflage

2 – S 4, 3 – S 10, 4 – S 35, 6 – S 21, 7 – 27, 8- 99, 9 – S 171, 11 – S 8
Blickpunkt Musical
Elisabeth

10 – S 7
Blickpunkt Musical
Elisabeth – Shanghai & Europa Tournee 2015/16

Verlobung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern

Elisabeth Herzogin in Bayern als Verlobte
dahinter der Starnbergersee
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht?

Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen.

Das die Sissi Filme an den Haaren herbeigezogen sind, erwähne ich beinahe in jedem Beitrag.

Dass aber gerade die Kennenlernszene und alles weitere bis zur Verlobung, nichts als der reine Kitsch und eine hübsche Mär ist, um den von krisengebeutelten Land ein bisschen Idylle einzuhauchen, möchte ich heute gerne erzählen.

Denn leider sind die Filme bis heute zu viel in den Köpfen der – vor allem Frauenwelt – verankert, die diese glauben und für die volle Realität halten.

Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag Seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene Herzogin in Bayern

Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene „Néné“ Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890).

Kürzlich hat ein Ludovika Biograph gemeint herausgefunden zu haben, dass die Geschichte mit Néné gar nicht stimme.

Es soll immer schon Elisabeth gewesen sein, die für Franz Joseph bestimmt gewesen sei und alle Historiker würden sich irren. (Kein weiterer Kommentar)

Ich vermag mir den Seitenhieb nicht verwehren, dass auch Historiker irren können, oft genug habe ich dies in meinen Beiträgen schon bewiesen und auch jetzt muss ich wieder etwas richtigstellen.

Manches Mal wird über das Ziel hinaus geschossen und Papier ist bekanntlich geduldig und so mancher Lektor leider nicht imstande das Gelesene zu verbessern.

Denn schon Egon C. Conte Corti (+2.4.1866, 17.9.1953) hatte 1934 die Geschichte in seiner sehr gut recherchierten Biographie „Elisabeth, eine seltsame Frau“, welche damals noch mit lebenden Augenzeugen gespickt war, aufgegriffen und erzählt.

Er bekam als Einziger Einsicht in mitterweile längst verschwundene, verbrannte oder absichtlich zerstörte Unterlagen und so stützen sich Historiker aus aller Welt bis heute auf seine Bücher.

Vor Conte Cortis Biographie gab es kleinere Bücher oder Erinnerungsblätter welche im Auftrag von Kaiser Franz Joseph direkt nach dem Tode seiner geliebten „Engels-Sisi“ nur intern für seine Familie und als Erinnerung für die Offiziere veröffentlicht wurden.

Tief vergraben in so mancher Bibliothek kann man sie finden und ich habe sie gefunden. Auch hierin ist zu lesen, dass nicht Elisabeth die erste Wahl war, sondern Néné Kaiserin werden sollte.

Foto: Wikimedia/Commons
Sidonie Prinzessin von Sachsen

Doch dem Kaiser gefiel sie nicht, wie zuvor schon die arme Sidonie von Sachsen (*16.8.1834, 1.3.1862), die als Jungfrau sterben musste, weil sie Franz Joseph nicht schön genug war.

Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers. 

Der Bericht zu Franz Josef und seine Frauen kann hier nachgelesen werden. Natürlich war Helene in Bayern nicht die schönste Tochter von Ludovika, dies kann auf den Bildern von ihr sogar heute noch gesehen werden.

In vielen Biografien ist sogar zu lesen, dass sie wie eine Bauernmagd ausgesehen hat, sie geschielt habe und generell grobschlächtig war.

Auf Seite 434 der Ludovika Biografie listet der Autor Fehler von Autoren auf, die in weiterer Folge auch von anderen Historikern übernommen wurden.

Nun gut, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, denn er selbst schreibt, dass die Verlobung am 19.8.1853 stattgefunden habe.

Ich finde es generell schade, wenn ein Historiker, andere verheizt und er selbst greift immer wieder Autorin Praschl-Bichler an, nimmt sich aber nun heraus, diese in seinem Ludovika-Buch immer und immer wieder zu zitieren. In seinem Kapitel „4 Tage in August“ geht es nur darum, Hamann, Conte Corti, Haslinger, Praschl-Bichler, Graf usw. mit seiner These, dass Helene nie für Franz Joseph vorgesehen war, anzugreifen.

Mir liegt das Buch der Grazer Universitätsbiblithek vor und zu Recht bin ich wohl die Erste, die das Buch in Händen hält, denn es ist völlig ungebraucht und ungelesen. Mittlerweile ist das Buch auch nicht mehr erhältlich am Markt. Manches regelt sich von allein.

Nun aber zurück zur Verlobung und zu den Historikern, denen ich vertraue: Dr. Bernhard Graf, Alfons Schweiggert, Egon Conte Corti, Dr. Martina Winkelhofer und Beatrix Meyer.

Sophie suchte also fieberhaft in ihren eigenen Reihen eine geeignete Braut und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war.

„Die Mutter hat ihn ganz in der Hand, er wird ihr völlig gehorchen. Wer weiß, wie lange noch. Jetzt wird er vielleicht ohne Widerspruch die Braut annehmen, die sie, Sophie, für ihn ausgesucht hat. Schon längst hat sie mit ihrer Schwester in München den Plan besprochen, deren älteste Tochter Néné mit ihrem Sohne Franz Joseph zu vermählen. Das Projekt einer Verbindung mit der schönen und klugen Tochter des Palatins Joseph von Ungarn findet nicht ihrer Billigung.“ (1a)

Anmerkung Petra: gemeint war Erzherzogin Elisabeth Franziska; die Geschichte dazu, könnte ihr hier nachlesen.

Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth mit.

Elisabeth wurde als Kind ausschließlich von ihren Eltern, Tanten, Geschwistern usw. „Elise“ genannt. Doch ob ihre Kindheit wirklich gar so glücklich war, kann hier nachgelesen werden.

Aus Elise wurde schön langsam aber sicher Sisi.

Laut Michaela Lindinger, der Hermesvilla-Kuratorin stammt Sisi von Erzherzogin Sophie. Sie soll gemeint haben, eine Kaiserin die „Liesl“ gerufen wurde, könne es nicht geben. Sie soll – wenn es nach Frau Lindinger geht – aus Liesl „Sisi“ gemacht haben.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
kaum bekanntes Bild der 15jährigen Elisabeth im Reitkleid – da im Privatbesitz!
Ölbild: Friedrich von von Kaulbach

Dem widerspricht aber ein Brief von Ludovika an ihre Schwester Königin Auguste von Sachsen von 1853:

„Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich als ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre [Prinz Georg, wohl der zweite Sohn des sächsischen Königs Johann], wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen… hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug“. 1b)

Anmerkung Petra: Elisabeth wurde auf Brautschau nach Dresden geschickt, kam aber ohne Bräutigam nach Hause; worauf hin sich Louise schwere Sorgen machte. Es ist aber eindeutig bewiesen, dass 1 Jahr vor der Verlobung ihre eigene Mutter Elisabeth „Sisi“ nannte.

Warum also Erzherzogin Sophie dafür verantwortlich sein soll, dass aus „Liesl“ – was im übrigen nirgendwo in der Korrespondenz, sondern erstmals 1903 in den „Erinnerungsblättern“ auftaucht, Sisi wurde, ist mir wieder einmal ein Rätsel.

Elisabeth jedenfalls sollte abgelenkt werden. Ihre unstandesgemäße Liebe zu Richard Graf von Schwarzenberg, welcher ihr den Kopf gehörig verdrehte, musste unter allen Umständen verboten werden.

Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Elisabeths Umfeld entfernt. Er wurde zum Militär geschickt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später.

Elisabeth war untröstlich.

Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen -
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (1)
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Elisabeth als 14jährige; das Erste bekannte Foto von ihr

Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie.

Zeit ihres Lebens sollte sie ihren Jugendfreund, der nie näher deklariert wurde, vergessen.

Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte.

Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, 19.5.1896) die Wunden heilen könne.

Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus.

Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Elisabeth ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab. 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Ludovika Königin von Preußen und Firmpatin Elisabeths

Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Ischl.

Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester.

Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter,

Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura (= in Abwesenheit) Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie).

Sie folgte am 13.8.1853 nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Victor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.

Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an.

Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen.

Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen.

Das Unglück nahm seinen Lauf.

Foto: Wikimedia/Commons
Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum

Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten.

Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht.

Sophie schrieb ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen:

„Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“  (2)

Néné wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in

Foto(montage): W. Hain
Souvenir des Verlobungspaares (Der Kaiser wurde größer gemacht).

Sisi.

Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Elisabeth verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest: 

„In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3) 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte
Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853
Elisabeth ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.

Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch:

„Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)

Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern.

Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte

Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah.

Herzogin Elisabeth trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi.

Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern.

Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu:

„Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)

Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Elisabeth bat, wussten alle im Raum Bescheid.

Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.

Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Elisabeth nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde.

Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser

„sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)

Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz:

„Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.

Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Herzogin Elisabeth verlobt hatte. 

Der kleine Ort war außer Rand und Band.

Foto: Wikimedia/Commons
Siriuskogel

Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E.

Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren.

Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Herzogin Elisabeth war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schrieb sie:

„Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)

Ludovika notierte:

„Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)

Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes
Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes

Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ.

Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten.

Elisabeth war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.

Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.

Foto: Wikimedia/Commons
Karl Ludwig Graf von Grünne

Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte.

So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar.

Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.

Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute ein Museum).

Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.

In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen.

So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiservilla

Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen.

Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn.

Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.

Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.

Elisabeth wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet.

Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org

Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben.

Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at

Elisabeth verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete.

Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.

Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch:

„Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.

Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Elisabeth auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt:

„Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10) 

Foto: fuenfseenland.de
Das junge Paar

Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Sisis Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen.

Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen.

Sie ließ Sisi Eisenpräperate zukommen, die diese einzunehmen hatte. Diese jedoch färbten die Zähne unweigerlich schwarz. 

Elisabeth litt darauf hin ein Leben lang unter ihren schlechten Zähnen, weshalb sie den Mund beim sprechen nie ganz aufmachte und niemals lächelte. 

Weiters wurde an Elisabeth herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus.

Sie musste stundenlang Modell stehen, ihr war langweilig und sie wurde unruhig. Der teure Schmuck, der aus Wien eintraf, wurde in die Schublade verstaut, einzig der Papagei von Kaiser Franz Joseph, der ihr nach Bayern geschickt wurde, bereitete ihr Freude.

Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:

Lebet wohl, ihr stillen Räume,
Lebe wohl, du altes Schloß,
Und ihr ersten Liebesträume,
ruht so sanft in Seesschoß.
Lebet wohl, ihr kahlen Bäume,
Und ihr Sträucher, klein und groß,
Treibt ihr wieder frische Keime,
Bin ich weit von diesem Schoß. (12)

Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte 1,5 Tage.

Bei einem dieser Besuche, überreichte ihm Sisi ihr Verlobungsgeschenk. Stolz und hoch zu Roß, im Hintergrund Schloss Possenhofen,

die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer.

60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valerie übergab. 

Foto: dorotheum.com
Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert.
Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty

Beim selben Besuch, brachte Kaiser Franz Joseph mitten im Winter ein Bukett aus weißen Rosen mit – ein ungeheurer Aufwand für die damalige Zeit!

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel,

Elisabeths Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen.

Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877):

„Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13)

Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung. 

Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Elisabeths Schmuck und Aussehen.

Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten. 

In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet. 

Doch bevor Elisabeth nach Wien fuhr, gab es natürlich noch einen gebührenden Abschied in München.

Im Depot des Kunsthistorischen Museums Wien befindet sich liegend ein Kleid, welches überaus wertvoll ist. Es kann nicht mehr ausgestellt weden, weshalb eine teure 1:1 Replik angefertig und im Sisi Museum ausgestellt wurde.

Foto: Sisi Museum
„Polterabendkleid“ von Herzogin Elisabeth
Replik

Zu Ehren der Braut wurde am Münchner Hof ein Ball abgehalten. Dieser Ball nannte sich „Polterabend“, weshalb das Kleid vielsagend „Polterabendkleid“ genannt wird.

Doch mit einem „Polterabend“, wie wir ihn heute kennen, hat er nichts zu tun.

Das Kleid wird von Martina Winkelhofer im Buch „Sisis Weg“ wie folgt beschrieben:

„Es ist über hundertsechzig Jahre alt und aus weißem Baumwollstoff mit grün-goldenen Einfassungen an Ausschnitt, Ärmeln, Taille und Volant. Über Oberteil und Rock ranken sich zwarte, aus grüner Floss-Seide gestickte Blätter- und Blumenornamente. Inmitten der floralen Ornamente ist ein arabischer Schriftzug eingestickt, der ins Deutsche übersetzt bedeutet: „Oh, mein Herr, welch‘ schöner Traum“.
Der Schnitt des Kleides verrät, dass sein Trägerin von sehr schlanker, zarter Statur war, denn die Taille ist außerordentlich schmal. Auch die Maße des Oberteils und die Ärmelöffnungen verstärken den Eindruck: Das kunstvolle Kleid wurde für ein blutjunges Mädchen geschneidert.“ (14)

Doch auch hier ist der Leser im Irrtum, wenn er glaubt, dass der „Polterabend“ erst kurz vor der Abfahrt Elisabeths stattgefunden hätte.

Durch den Ausschnitt am Kleid, dass sich „Runde“ nennt, erkennt man, dass dieser für ein Ballkleid für die Wintersaison angefertigt wurde. Wie ihr wahrscheinlich im meinem Bericht „Kaiser Franz Joseph ein Kind von Gottes Gnaden“ (der Bericht ist hier) gelesen habt, war dieser zu Weihnachten in München bei seiner Braut.

Es ist daher anzunehmen, dass beide (!) auf diesem Ball zugegen waren und Kaiser Franz Joseph seine Braut am Ball mit diesem Winterballkleid erblickt hat.

„Wien, 20.December 1853
Liebe Eva!(*)
Heute um 2 Uhr vor Tisch besuchte mich Erzherzog Carl um Abschied zu nehmen. Er reist diesen Abend 10 Uhr nach Lemberg auf seinen Posten und bleibt bis zur Vermählung des Kaisers dort. Erzherzog Max ist in Triest und Seine Majestät reisten heute nach München. Die vortreffliche Erzherzogin Sophie ist beinahe verweist, aber schöne Hoffnungen bleiben ihr, zieht erst die Kaiserbraut in Wien ein. Gott erfülle alle Hoffnungen!
Deine Sophie. (15)

Und am 8.Jänner 1854 ist zu lesen:

„Wien, 8.Jenner 1854
Liebe Eva!
Der Kaiser soll sehr heiter und zufieden von seiner beglückenden Reise zurückgekehrt sein und sich wie ich höre vorgenommen haben diesen Carneval nicht zu tanzen, was seinen ritterlichen Gefühlen sehr entspricht.“

Deine Sophie (16)

Doch als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte der gesamte Wiener Hof und eine zitternde Elisabeth, welche mit den Nerven völlig am Ende war, stieg im April 1854 auf ein Schiff Richtung Wien. (Zur Hochzeit geht es hier weiter). 

Petra –

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
„Die Rose aus dem Bayernland“ Herzogin Elisabeth als Verlobte
nicht so gelungene Replik des Originals von Anton Einsle, 1854
Dieses Bild hängt zur Erinnerung an die Anwesenheit der Braut Elisabeth im Landhaus Linz –
kann nicht öffentlich besichtigt werden!

(*) Wichtige Anmerkung:
In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wie