Der grausame Tod von Herzogin Sophie d’Alençon

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Sophie
d‘ Alençon

Vorwort: 

Wo ihr Biograph aufhörte, fange ich an zu erzählen. Ihr Leben ist beinahe so tragisch, wie das von ihrer berühmten Schwester Kaiserin Elisabeth. Ich habe mich eine Zeit lang mit Sophie beschäftigt und muss sagen, dass sie Zeit ihres Lebens eine todunglückliche Frau war. Von König Ludwig verschmäht, musste sie einen ungeliebten Mann auf ihrer Seite ertragen, der sie wie Besitz behandelte. Als sie ausbrechen wollte, steckte man sie in die Psychiatrie, kaum erholte sie sich von diesen Strapazen, starb sie qualvoll im Feuer. 

Als ich ihren Tod beleuchtete, fand ich erschütternde Schicksale.

Doch Sophie ging mit Frieden im Gesicht in den Tod.

So zumindest wird dies von Augenzeugen berichtet die dem Feuertod entkommen konnten. 

Um sie von den vielen Sophies zu unterscheiden hatte man im 20.(!) Jahrhundert damit begonnen das Charlotte anzuhängen.

Doch sie wurde Zeit ihres Lebens niemals Sophie Charlotte gerufen.

Ich bleibe daher bei ihrem Namen „Sophie“. 

Triggerwarnung! Was ihr hier lesen werdet, wird drastisch sein.
Die Bilder die ich euch zeige sind einzigartig, weshalb sie mit extra großem Logo geschützt wurden.

Ich habe mich 2018 auf den Weg nach Paris und Dreux gemacht, um den Tod von Herzogin Sophie d’Alençon zu erzählen.

Sophie Herzogin in Bayern – Kurzbiographie

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Wir gedenken heute an Sophie Charlotte Auguste Herzogin in Bayern. Sie wurde am 22.2.1847 im Herzog Max Palais in München geboren.

Ihr Vater war Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888). Ihre Mutter war Ludovika Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892).

Sophie war das neunte Kind des Paares und somit Kaiserin Elisabeths jüngste Schwester und die Cousine von Kaiser Franz Joseph.

Sie wuchs ebenso unbeschwert in München, als auch in Possenhofen auf, wie all ihre Geschwister.

Ludovika legte nicht den größten Wert auf Bildung, eher auf eine gute Verbindung. Sie hatte bereits eine Kaiserin und eine Königin vermittelt.

Ihr Bestreben nach „einer guten Partie“ stand weit über dem Glück ihrer Kinder.

Sophie lehnte allerdings einige Brautwerber ab. Unter ihnen soll auch Erzherzog Ludwig Victor (*15.5.1842, †18.1.1919), der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, gewesen sein. Seine Biografie kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commons
offizielles Verlobungsfoto
Foto: Wikimedia/Commons
Edgar Hanfstaengel
Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig II

Da sie eine Freundschaft zu König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886), der gleichzeitig ihr Cousin 2. Grades war, unterhielt, verlobten sich die beiden im Jänner 1867.

Während eines Fototermines, „als Verlobte Ludwigs“ verliebte sie sich in den unstandesgemäßen Edgar Hanfstaengel (*15.7.1842, †28.5.1910), welcher der Sohn des Fotografen war.

König Ludwig selbst den Frauen nicht zugetan, erkannte, dass nur eine Freundschaft einer Ehe nicht förderlich wäre und löste kurzerhand die Verlobung im Oktober 1867 wieder auf. Auch deshalb, da Ludwig 2x den Hochzeitstermin verschob und Herzog Max ein Machtwort sprach.

Um die Schmach der gelösten Verlobung nicht lange ertragen zu müssen, suchte Ludovika fieberhaft nach einem neuen Kandidaten. Sie fand ihn im Enkel des letzten französischen Königs und arrangierte ein Treffen am sächsischen Königshof.

Ferdinand Philippe Marie Herzog d‘Alençon (*12.7.1844, †29.6.1910) war begeistert von der überaus hübschen Sophie und hielt alsbaldig um ihre Hand an.

Am 28.9.1868 fand in einem Saal in Possenhofen die Vermählung statt.

Sophies Ja-Wort glich einem

„Ja, von mir aus.“

Die Ehe begann von Seiten Sophies mit Gleichgültigkeit.

Trotzdem gebar sie zwei Kinder. Tochter Louise Victoire (*19.7.1869, †4.2.1952) kam in England zur Welt, Sohn Philippe Emanuel (*18.1.1872, †1.2.1931) in Meran. Vor allem Louise war ihrer Mutter sehr zugetan. 

Die Familie hatte keinen festen Wohnsitz und so reiste diese durch halb Europa: London, Wien, Paris, Meran, München waren nur einige der Wohnorte.

Foto: Wikimedia/Commons
Richard von Krafft-Ebing

Während der Zeit in München musste sie sich von einer schweren Krankheit erholen und verliebte sich dabei in ihren Allgemeinmediziner Dr. Franz Glaser. Die Affäre ging soweit, dass Sophie sich scheiden lassen wollte.

Ein absoluter Skandal zu jener Zeit.

Foto: Wikimedia/Commons
Privatsanatorium Maria Grün

Ferdinand war so entsetzt, dass er seinen Schwager Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) (Bruder von Sophie und Elisabeth) um Hilfe bat und seine Frau wegen

„sexueller Abartigkeit“

in die Nervenheilanstalt Maria Grün in Graz einliefern ließ.

Dort fiel sie dem weltberühmten, aber auch berüchtigten Psychiater Richard von Krafft-Ebing in die Hände. Seine Methoden könnten nicht grausamer gewesen sein. Eiswasser-Behandlungen waren noch die harmlosen Therapien, die er seinen Patientinnen zu Teil werden ließ. 

Während dieser Zeit wandte sich auch ihre Schwester Kaiserin Elisabeth ab. Diese verfasste garstige Gedichte über ihre Schwester.

7 Monate später war Sophies Wille gebrochen.

Die Scheidungspläne hatte sie aufgegeben und so durfte sie das Sanatorium verlassen. Abgemagert und seelisch gebrochen traf sie 1888 Kaiserin Elisabeth und ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie wieder, die „vom blühenden Leben Tante Sophies“ schrieb, sowie „von Eintracht“ zwischen Ferdinand und ihrer Tante.

Man kann davon ausgehen, dass Erzherzogin Marie Valérie weder eine Ahnung hatte, was Sophie mitmachen musste, noch, dass diese jemals wieder öffentlich über ihre Ehe gesprochen hätte.

Foto: jourfixe-muenchen-ev.com
eine abgemagerte und gebrochene Herzogin Sophie

Das Paar ließ sich nun endgültig in Paris nieder.

Sophie wandte sie sich ihrer Gläubigkeit zu.

Sie trat 1880 sogar einem „Dritten Orden der Dominikanerinnen“ bei und nannte sich dort „Schwester Marie Madeleine.“

Der „Dritte Orden“ war eine Gruppe von Laien, die kein Gelübde abzulegen brauchten und sich die meiste Zeit außerhalb ihres Ordens aufhielten. Aufgabe dieser Orden war es, sich um die Armen der Stadt zu kümmern. Kaiser Franz Joseph blieb wirklich nichts erspart, denn die Schwester seiner Frau, half jetzt den Clochards (Obdachlose) der Stadt oder half „gefallenen Frauen“ (Dirnen mit Kindern oder ledige Frauen mit Kindern).

Sophie legte auf den Titel „Herzogin d’Alençon“ kaum noch Wert und wollte mit „Tochter des heiligen Dominikus“ angesprochen werden. 

Am 4.10.1895 machte sie ihr Testament, in welchem sie die Bedingungen ihrer Beerdigung festlegte.

Sie wünschte sich ein Begräbnis ohne Schmuck, ohne Musik und ohne Blumen.

Sie wollte in ihrem weißen Ordensgewand beerdigt werden.

Ihre Haare sollten verbrannt werden.(*)

Nur, wenn ihr „vielgeliebter Gatte“ eine Erinnerung für sich wünschte, sollte man ein wenig davon abschneiden.

Sollte Ferdinand nach ihr Sterben, wünschte sie, dass „ihr Schutzengel im Leben“ neben ihr bestattet werden möge. Ob sie dies wirklich so meinte oder nur schrieb, da sie wusste, es würde ihr sowieso nichts anderes übrig bleiben, wird für immer ihr Geheimnis bleiben.

(Anmerkung Petra: Haare galten damals als das Sexsymbol der Frau. Es gab zu jener Zeit keine Frau die ihre Haare kurz trug. Die Frauen zur Zeit Kaiserin Elisabeths hatten alle knielange oder fersenlange Haare, da diese nie in ihrem Leben geschnitten, und wenn nur für „Spliss“-Schneiden, wurden.)

Doch der Wunsch, dass ihre Haare verbrannt werden sollen, löst heute noch ein Erschaudern in mir aus. 

Wir nähern uns somit dem tragischen Ende von Herzogin Sophie d‘Alençon am 4.5.1897.

!Achtung Triggerwarung!
Nur weiterlesen, wenn man gute Nerven hat und nicht schwanger ist! Kindssterben im Feuer!

Bazar de la Charité

Foto: Chapelle Bazar de la Charité
Theaterkulisse

Seit Jahren fand in Paris der Bazar de la Charité statt.

Da jedoch die Weltausstellung geplant wurde, musste dieser an seinem angestammten Standort im Palais de l’Industrie weichen.

Der Platz wurde in der Rue Jean Goujon gefunden. Auf diesem Grundstück baute man ein 80 Meter langes und 30 Meter breites Gebäude aus Holz.

Um das Innere besonders schön zu gestalten, wurde eine alte Theaterkulisse, welche Paris im 15. Jahrhundert darstellen sollte, aufgebaut.

Diese bestand allerdings aus Pappdeckeln und vielen Leinwänden, welche mit Ölfarben bemalt waren.

Ein Unding, wenn man es aus heutiger Sicht betrachtet. Als Dach diente ein altes Segeltuch, der Boden wurde mit Fichtenholz gebaut. Alles in allem eine Verkettung von brennbaren Stoffen.

Das Gebäude verfügte über 5 Ausgänge und 2 große Türen, welche direkt auf die Straße hinausgingen.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Eines der großen Highlights dieses Bazars war eine kleine, mit Wasserstoff gefüllte Montgolfière (Heißluftballon), welche im Raum schwebte (siehe Foto oben).

Ein weiteres Großereignis war der Kinematograph der Brüder Lumière. Dieser zeigte die ersten Filmaufnahmen. Eine der größten Errungenschaften dieser Zeit. Noch nie zuvor hat man „bewegte Bilder“ gesehen.

Hätten die Brüder gewusst, was auf sie zukommt, hätten sie ihr Gerät wohl nie dort aufgestellt. Das Unglück brach mit diesem Apparat aus.

Am 4.5.1897 nahm das Unglück seinen Lauf.

Ein Helfer des Filmvorführers verschüttete beim Befüllen einer Lampe Ether, welches in Kontakt mit einer Lampe kam, die noch nicht abgekühlt war.

Das Feuer brannte schnell, heiß und breitete sich innerhalb von Sekunden aus.

Foto: Wikimedia/Commons
zeitgenössische Darstellung des Feuers

Herzog Ferdinand d‘Alençon befand sich mit Sophie im Bazar, löste sich aber von ihr, da er an einem Stand einen Bekannten gesehen hatte.

Während er sich unterhielt, ging Sophie weiter.
Ein Fehler, der ihr das Leben kostete. 

Das Feuer breitete sich rasend schnell aus und das Schreien der Menschen war bis weit nach draußen zu hören. Als Ferdinand realisierte, dass es brannte, wollte er zu Sophie.

Doch die Massen, die nach draußen drängten, das Feuer, die Hitze und der beißende Rauch machten ein Zurück unmöglich.

Während Ferdinand hinausgedrängt wurde, ging Sophie immer mehr in das Feuer hinein.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp

Gemeinsam mit Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp (*28.2.1867, †4.5.1897) versuchte Sophie so vielen Frauen und Kindern wie möglich aus dem Feuer zu helfen.

Während draußen die Menschen zum Helfen zum Bazar de la Charité eilten, um Verletzte zu bergen, Frauen und Kinder durch die Türen und Fenster zu zerren und in die Krankenhäuser zu bringen, lief ein aufgeregter Ferdinand auf und ab und hoffte, dass seine Frau aus einer der Türen heraustrat.

Foto: Meisterdrucke.at

Mittlerweile konnte man den Brand quer durch die ganze Stadt sehen.

Foto: Chapelle Bazar de la Charité

Als Ferdinand nach Hause ging, welches sich nur wenige Schritte vom Bazar de la Charité befand, ist er schnell dort.

Mittlerweile haben sich Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) (Schwester von Kaiserin Elisabeth und Sophie), Gräfin Mathilde von Trani (*30.9.1843, †18.6.1925) (ebenfalls eine Schwester) bei den d‘Alençons eingefunden.

Beide lebten zu dieser Zeit in Paris.

Ferdinand war sichtlich im Schock, konnte kaum Atmen und war schwer verletzt.

Er trug Brandwunden im Gesicht und Kopf, sein Haar und Bart waren versengt. 

Draußen tobte das Feuer und die Bemühungen es einzudämmen.

Die Schreie der Opfer gellten durch die einbrechende Nacht.

Ca. 1500 Menschen befanden sich in den Räumlichkeiten des Bazars. Hauptsächlich Frauen und Kinder.

Bis heute ist nicht ganz klar, wie viele Opfer es tatsächlich gab.

Die Zahl schwankt zwischen 126 – 140 Personen.

Hauptsächliche Opfer waren Frauen und Kinder, zum Teil sehr jung.

Bitte beachtet, dass die Bazar de la Charité nicht öffentlich zugänglich ist. Mir wurde der Zugang exklusiv gewährt und dafür bin ich sehr dankbar. Was ich euch hier zeigen darf, ist somit einmalig!

Traurige Tafeln mit den Namen und Alter der Opfer in der Chapelle Bazar de la Charité (nicht öffentlich zugänglich!).

Herzogin Sophies Gedenktafel befindet sich links in der Kapelle:

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Am nächsten Tag sind Helfer aus jeder Schicht, Polizei und Rettungshelfer mit Fackeln vor Ort eingetroffen, um die verkohlten Leichen und vielleicht doch noch Überlebende zu bergen.

Ich möchte mir weder den Gestank, noch die gespenstische Atmosphäre vorstellen, die geherrscht haben muss.

Verkohlte Leichenteile überall. Zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. 

Die Chapelle Bazar de la Charité hat einige Gegenstände gesammelt, die gefunden wurden. Die Puppe ist das traurige Überbleibsel eines verlorenen Kinderlebens.

Während Ferdinand Sophie suchte, kam es zu den ersten polizeilichen Einvernahmen.

Diese sind zum Teil wirr und zum Teil völlig wertlos.

Man muss sich die Angst, die Panik, dazu das Schreien, die Hitze und den Gestank vorstellen.

Der beißende Rauch nahm nicht nur die Sicht, sondern legte sich auch auf die Lunge. Wer sollte hier einen klaren Kopf bewahren, um danach korrekte Aussagen zu tätigen?

Eine Aussage jedoch ist herzzerreißend.
Ob es sich wirklich so zugetragen hat oder nur eine Legende ist, dürft ihr selbst wählen.
Ich für meinen Teil glaube bis zu einem gewissen Punkt, dass Sophie die Situation wahr genommen hat, um ihren traurigen Leben ein Ende zu setzen.

Mathilde d’Anlau erzählte, dass sie in den Wirren Herzogin Sophie getroffen habe, die mit anderen auf Kopfhöhe einige Bretter aus der Wand gerissen hatte, um dort Kinder und deren Mütter in Sicherheit zu bringen.

Eine andere Dame berichtete, dass Sophie auf sie gedrückt wurde. Ihr Gesicht sei ängstlich aber völlig ruhig gewesen. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, sich zu retten, in dem sie durch eine der Türen hätte fliehen können.

Eine weitere Augenzeugin berichtete, dass Sophie vor der Menschenmasse Angst hatte und zurückwich. Sie sei wieder Richtung Feuer gelaufen.

Wieder Madame d’Anlau war es, die später Sophie noch einmal gesehen haben will, als diese bereits vom Feuer umringt war.

Sie sei dabei friedlich gewesen.

Sie soll dabei nach dem Feuer gegriffen und irgendwas gemurmelt haben was sich wie

„la feu“ (Feuer)

anhörte. Danach warf Mathilde mit ihrer Gürtelschnalle ein Fenster ein und konnte sich so retten.

Sophie sah sie nie wieder.

Egal wer von dem Feuer berichtete und wie wirr manche Aussagen auch waren.

Alle waren sich einig, dass Sophie eine Gotterhabenheit ausstrahlte und so viele Kinder und Frauen rettete, während sie gemeinsam mit Valerie den Tod fand.

Auf der Kupel der Chapelle Bazar de la Charité sind Sophie und Valerie abgebildet, wie sie nach der Hand Marias greifen.

„Aufgefahren in den Himmel“

Am 8.5.1897 fand ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Brandes in der Notre Dame de Paris statt.

Mitglieder der königlichen Familie, Frankreichs Präsident und viele Angehörige nahmen an dem Gedenkgottesdienstes teil.

Kaiserin Elisabeth schickte eine Krone aus weißen Lilien und weißen Rosen.
Diese ließ sie mit den Farben der bayrischen und österreichischen Fahnen umschlingen.

Das berühmteste Opfer dieser Katastrophe war Herzogin Sophie, gefolgt von Victomesse Valerie. Sie hinterließ drei Kleinkinder.

Als die Chapelle Bazar de la Charité errichtet wird, baut man in den hinteren Gängen Gedenkmonumente für die Opfer.

Geht man den Gang entlang, wird man stummer Zeuge so sinnlos verlorener Leben (nicht öffentlich zugänglich!). Es nimmt einem bis heute den Atem und ich war unglaublich ergriffen von dieser Katastrophe.

In der Krypta der Kirche werden bis heute Kerzen angezündet. Auch ich habe eine Kerze angezündet.

Das schönste Gedenkmonument ist aber für mich jenes von Herzogin Sophie d’Alençon. 

Dreux – St. Louis Chapelle und Musee de la Historie

Wir verlassen nun die Chapelle de la Charité und wenden uns der Grabstätte von Sophie zu.

Sie ruht neben ihrem Mann Ferdinand und umringt von ihrer Enkelin, ihrer Schwiegertochter und ihrem Sohn in der St. Louis Chapelle in Dreux (öffentlich zugänglich!).

Ihr Begräbnis fand im Stillen statt, jedoch ließ Ferdinand eine Grabplatte gestalten, die an seine wunderschöne Frau mit Haaren erinnern sollte.

Nur Sophies Schädel wurde gefunden.

Ob die beigelegten Knochen wirklich ihre sind, ist wissenschaftlich nicht belegt. Ihr Schädel wurde anhand ihrer Zähne als solcher anerkannt.

Ihre Grabplatte wurde allerdings 2x gestaltet.

Die erste Gestaltung (1904) ließ Herzog Ferdinand das Blut in den Adern gefrieren. Nach seiner Meinung war Sophie zu drastisch in ihrer Todesqual dargestellt. Er ließ die Grabplatte entfernen und gab eine neue in Auftrag.

Da die Grabplatte aber viel zu wertvoll war, ließ man sie ins Musee de la Historie in Dreux (öffentlich zugänglich) bringen.

Video: mythoskaiserielisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Wer die Chapelle St. Louis in Dreux besucht, wird die lieblichere Grabplatte von Sophie sehen.

In Dreux erzählt man sich, dass Sophie manchmal zu hören sei und weine, da sie ewig ihren Gatten Ferdinand anzusehen habe.

Er selbst hat es so gewählt. Wer sich die Statue ansieht, wird eindeutig die Haare erkennen, die Ferdinand extra herausarbeiten ließ. Ein kleines Vermächtnis dessen, was Sophie partout nicht wollte.

Vielleicht hört man sie auch deshalb weinen.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (noch für Sternenkaiserin gedreht)

Bevor ich diesen Bericht abschließe, möchte ich euch noch das Grab am Pere Lachaise Friedhof jener Personen zeigen, die nicht mehr identifiziert werden konnten.

Es dient gleichzeitig aus als Denkmal. 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Grab „nicht identifizierter Leichen“ am Pere Lachaise Friedhof, Paris
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Grab „nicht identifizierter Leichen“ am Pere Lachaise Friedhof, Paris

Nachsatz:
So interessant die Recherchen zu diesem Beitrag waren, so beklemmend waren sie auch.

Ich habe 2018 an zwei Tagen vor Ort die Recherchen gemacht. Nachgehallt hat die Geschichte über Monate.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Sterbebild

Und auch 2021 lässt mich das traurige Schicksal von Sophie nicht los. Als auf Ebay eine deutsche Zeitung zu ersteigern war, welche über den Brand berichtete, habe ich den Zuschlag erhalten.

Ich möchte sie euch natürlich nicht vorenthalten. Die Zeitung ist Original vom Mai 1897! (Die Bilder sind natürlich mit Logo gesichert!)


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Chapelle Bazar de la Charité, Jourfixe-muenchen-ev.com, Meisterdrucke.at, Joseph Albert via Wikimedia/Commons
Videorechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Je remercie tout particulièrement le personnel de la Chapelle Bazar de la Charité. 


Literatur Hinweise:

L’incendie du Bazar de la Charité (in französisch)
Dominique Paoli (Geschenk des Hauses)
Eigenverlag Bazar de la Charité

Christian Sepp (HC-Ausgabe) (nur noch antiquarisch erhältlich)
Sophie Charlotte: Sisis leidenschaftliche Schwester
August Dreesbach Verlag, 1. Auflage 2014

Bernhard Graf
Sisis Geschwister (Bildband)
Allitera Verlag//edition monacensia, 1. Auflage 2017

Erika Bestenreiner
Sisi und ihre Geschwister
Piper Verlag, 1. Auflage 2002

Martha Schad
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth 1878–1899
Piper Verlag, 7. Auflage 2013


Die bayrische Erblinie

Ludovika Prinzessin von Bayern und Max Herzog in Bayern –
die beiden bekanntesten Vertreter dieser Erblinie

Foto: Wikimedia/Commons
Ludovika Herzogin in Bayern
geb. Prinzessin von Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Max Herzog in Bayern

Das kleine Wörtchen „in“ und „von“ Bayern, bereitet vielen Menschen immer wieder Kopfzerbrechen.

Wo war der Unterschied?

Ich habe mich bemüht, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen: 

Wer sich mit Kaiserin Elisabeth beschäftigt, wird immer wieder die Bezeichnung „in“ und „von“ Bayern lesen.

In den meisten Büchern ist das weder ausreichend, noch so erklärt, dass man versteht, worum es ursprünglich ging.

Begonnen hat alles mit Johann Karl Pfalzgraf von Birkenfeld-Gelnhausen (*17.10.1638, †21.2.1704), welcher im Jahr 1685 Sophie Amalie Gräfin von Pfalz-Zweibrücken (15.12.1646, †20.11.1695) ehelichte.

Nach Sophies Tod im Jahr 1695, schloss Johann Karl die morganatische Ehe (unstandesgemäße Hochzeit; Erben hatten keinen Anspruch) mit Esther-Maria von Witzleben (*28.7.1665, †1725).

Johann Karls und Esthers Ehe war sehr glücklich. Das Paar bekam 5 Kinder.

Mit seinem Bruder Christian schloss er darauf hin einen Vertrag, um die Erbfolge zu bestimmen.

Pfalzgraf Johann Karl versuchte bei seinem Bruder seine Ehefrau als Reichsgräfin erheben zu lassen und den zuvor geschlossenen Vertrag bezüglich der morganatischen Ehe für nichtig erklären zu lassen, welches aber durch Johann Karls frühen Tod scheiterte.

Esther klagte beim Reichshofrat und wollte die Anerkennung die ihr und ihren Kindern zustand einzufordern.

1715 wurde deshalb die Erblinie „in“ Bayern gegründet.

Der zweite Sohn aus der Ehe mit Esther und Johann Karl war Johann von Pfalz-Gelnhausen (*24.5.1698, †10.2.1780). Er trug nun mehr den Titel

„Johann von Pfalz-Gelnhausen in Bayern“

Im Jahr 1743 ehelichte dieser Sophie Charlotte von Salm-Dhaum (*29.8.1719, †19.3.1770). Das Paar bekam 8 Kinder. 

Das vierte Kind aus dieser Verbindung war Wilhelm in Bayern  (*10.11.1752, †8.1.1837).

Wilhelm war der einzig lebende Verwandte des (sehr viel späteren) Kurfürsten und ersten Königs von Bayern Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, †13.10.1825), weshalb die beiden den „Ansbacher Hausvertrag“ abschlossen.

Dieser beinhaltete die Einhalt und Unteilbarkeit der Länder der Wittelsbacher.

Am 16.2.1799 wurde Wilhelm von Maximilian Joseph der Titel „Herzog in Bayern“ verliehen. 1803 bekam dieser das Herzogtum Berg und wurde Statthalter. 

Foto: genee.org
Maria Anna Pfalzgräfin von Birkenfeld-Zweibrücken

In diesem Vertrag wurde die Annäherung der Wittelsbacher Linie beschlossen und die Linie „in“ und „von“ Bayern sollten wieder einheitlich mit „königliche Hoheit“ angesprochen werden. Die geborenen Kinder durften sich „Prinz und Prinzessin“ nennen.

Herzog Wilhelm ehelichte Maria Anna Pfalzgräfin von Birkenfeld-Zweibrücken (*18.7.1753, †4.2.1827) und bekam mit ihr 4 Kinder.

Das dritte Kind aus dieser Verbindung, war niemand geringer als Pius August Herzog in Bayern (*1.8.1768, †3.8.1837).

Diesem wenden wir uns jetzt zu.

Pius ehelichte Amalie Luise Prinzessin von Arenberg (*10.4.1789, †4.4.1823).

Das Paar bekam nur ein einziges Kind.
Aber das reichte aus, um die Linie „in“ Bayern weltberühmt zu machen.

Es war niemand geringerer als Maximilian Joseph Herzog in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888), den alle Welt nur als „Herzog Max“ kennt.

Max musste auf Geheiß die Tochter von König Maximilian I. Joseph von Bayern Ludovika Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892) ehelichen.

Doch da König Maximilian I. Joseph völlig unerwartet am 13.10.1825 starb und Ludovikas (Halb)Bruder König Ludwig I (*25.8.1786, 29.2.1886) den Thron übernahm, musste die Verlobung durch das einsetzende Trauerjahr auf das Jahr 1827 verschoben werden.

Erst zu Weihnachten 1827 gab das ungleiche (und unglückliche) Paar die Verlobung bekannt.

Alles was Herzog Wilhelm (Max Großvater) und König Maximilian I. Joseph mühsam aufgebaut hatten, machte Ludwig mit dem Dekret am 7.8.1828 zunichte.

Über sein Staatsministerium ließ der König Herzog Max folgende Mitteilung zukommen:

„Bey Gelegenheit der Verehelichung Unseres vielgeliebten Vetters, des Herrn Herzog Maximilian in Bayern, Hoheit, mit Unserer Prinzessin Schwester Königliche Hoheit wollen Wir, daß bey Abfassung der Ehepakten die dem Herrn Herzog gebührende Titular streng einzuhalten, daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört, gebraucht werde.“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika, Herzog Ludwig „Louis“, Herzogin Helene „Néné“ und die kleine Herzogin Elisabeth „Sisi“ (im Kinderwagen)

Durch die unliebsame Hochzeit wurde sie in eine „in“ Bayern degradiert. Louise hatte Zeit ihres Lebens schwer damit zu kämpfen.

Titel und Ehre war in der Welt der Adeligen damals alles. Je höher der Titel, desto höher der Stand in der Adelsgesellschaft und das Ansehen.

Trotz der unliebsamen Ehe bekamen die beiden 10 Kinder, wobei 8 das Erwachsenenalter erreichten. Der Beitrag zu Herzog Max kann hier nachgelesen werden. Der Beitrag zu Herzogin Ludovika kann hier nachgelesen werden.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Unter den Kinder waren so berühmte Namen wie: Kaiserin Elisabeth, Königin Marie von Neapel, Mathilde Gräfin von Trani, Helene Erbprinzessin von Thurn und Taxis (Néné), Carl Theodor Herzogi in Bayern (Gackel), Max Emanuel Herzog in Bayern (Mapperl) und Sophie Herzogin d’Alençon.

Herzog Pius August und Herzogin Amalie Luise waren natürlich die Großeltern der soeben Genannten.

Durch das Dekret von Louises Bruder Ludwig, hatte nun die bayrische Erblinie wieder einen schweren Stand im königlichen Haus.

Die Linie „in“ Bayern, auch Links genealogische Linie genannt, hatte kein Recht auf die Thronfolge und wurde – seit dem 7.8.1828 – nicht (mehr) mit „königlicher Hoheit“ angesprochen.

Louise, Max und die Kinder wurden mit „Hoheit“ oder „Herzog/in“ angesprochen.

Der ewige Mythos einer

Prinzessin Elisabeth

ist ebenso falsch, wie vieles andere, was sich rund um Elisabeth rankt.
Leider fallen bis heute sämtliche Historiker/innen auf diesen „Prinzessinentitel“ herein.
In jedem (!) historischen Buch (egal ob alt oder neu) ist von der geborenen

Prinzessin Elisabeth

zu lesen.

Wahrscheinlich nahm (und nimmt) man immer an, dass ein Kaiser eine Prinzessin heiraten müsse. Dennoch ist das Dekret nicht von der Hand zu weisen und kein offenes Geheimnis.

Auch ihre Geschwister waren keine Prinzen oder Prinzessinnen. Auch hier durften sich die Kinder „nur“ Herzog“ oder Herzogin“ nennen.

Das war im Grunde der Hauptgrund für Herzogin Ludovikas beinahe akribischen Eifer, aus jedem Mädchen „eine Königin“ machen zu wollen. Nach der Heirat ihrer Elisabeth, die Kaiserin wurde, war ihr jeder weitere Adelsstand zuminder. Als Sophie keine Königin wurde, brach eine Welt für sie zusammen. Helene wurde „nur“ Erbprinzessin. Mathilde Gräfin. Zumindest konnte Marie den Titel Königin holen, dafür war Ludovika sogar die Ehe mit einem hässlichen, kleinen Italiener Recht. Dass Marie beinahe in Ohnmacht fiel, als sie König Francesco von Neapel das erste Mal erblickte, störte die titelwahnsinnige Mutter dabei nicht.

Herzogin Ludovika war nur eines wichtig in ihrem Leben:
Titel, Adelsstand und Ansehen

Völlig abstrus wird es, wenn in historischen Büchern von „Prinzessin Nene“ oder „Prinz Carl Theodor“ berichtet wird. Zum einen war Nene französisch und schrieb sich Néné und zum anderen war sie nie eine Prinzessin. Auch Carl Theodor war nie Prinz. Fehlt nur noch, dass einmal jemand Prinz Gackel oder Prinz Mapperl (Max Emanuel) schreibt. Die Titel der genannten Herrschaften waren:

Helene Herzogin in Bayern später
Helene Erbprinzessin von Thurn und Taxis
Carl Theodor Herzog in Bayern
Max Emanuel Herzog in Bayern

Zuerst wurde immer der Vorname oder die Vornamen genannt, dann der Adelstitel und danach die Herkunft.

Der adelige Nachname zB Wittelsbach oder Habsburg wurde so gut wie nie verwendet; manchmal war auch so gut wie nicht bekannt.

Nur bei Kaiser, Kaiserin, König und Königin standen die Titel vor dem Vornamen und dem Herkunftsland

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.

Kaiser Franz Joseph von Österreich
Kaiserin Elisabeth von Österreich
Queen Victoria von England
Queen Elizabeth I von England
Queen Mary Stuart von Schottland
König Ludwig II von Bayern
König Maximilian I. Joseph von Bayern

Bei Doppeltitel wurde immer der höhere Rang zuerst geschrieben:

Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn
Kaiserin Elisabeth von Österreich,
Königin von Ungarn

Ab 1845 wendete sich das Blatt für die Erblinie „in“ Bayern noch einmal.

König Ludwig I. erlaubte nun den königlichen Titel „königliche Hoheit“, weshalb Herzog Max, Herzogin Ludovika und sämtliche Kinder ab sofort mit (zB)

„königliche Hoheit Herzogin Elisabeth“

angesprochen werden durften; nicht aber mit Prinz oder Prinzessin.

8 Jahre später verlobte sich übrigens ein schüchternes 15jähriges Mädchen mit dem Kaiser von Österreich und sollte ob ihrer Herkunft Zeit ihres Lebes groß verspottet werden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth, ca. 14jährig
das allererste offizielle Foto

Anders als in Österreich, hat es das Adelsaufhebungsgesetz nie gegeben, weshalb sich die Erblinie „in“ Bayern bis heute „königliche Hoheit“ nennen und ansprechen lassen darf.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth

Nur für eine kam die Änderung 1845 zu spät.

Zeit ihres Lebens wurde sie für ihre Herkunft, ihren Titel und ihren bayrischen Dialekt verspottet: Kaiserin Elisabeth

Der Wiener Hof konnte mit ihrer „minderen und bäuerlichen“ Herkunft und weil sie eben keine geborene

Prinzessin

war, nichts anfangen und tratschte vor und hinter ihrem Rücken. Elisabeth dankte es ihnen mit Flucht und eisigem Schweigen.

Petra –


Mein besonderer Dank geht an:
Historiker Alfons Schweiggert

Er brachte mir das Prinzessinnen-Geschreibsel der Autoren näher. Er erklärte mir, warum Kaiserin Elisabeth immer nur vor ihrer Ehe Herzogin war.
Herr Schweiggert ist Autor zahlreicher Bücher über König Ludwig II, die Witteslbacher-Familie usw.
Vielen lieben Dank für die Hilfe und die Erklärungen und die Email-Freundschaft.

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, genee.org, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra  


Literatur Hinweise:

9 – S.28
Bernhard Graf
Sisis Vater Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Allitera Verlag//edition monadensia, 2. Auflage 2017

Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern Sisis wilder Vater
Volk Verlag

Max Spindler 
Handbuch der bayerischen Geschichte 
Verlag C.H.Beck