Hofburg Innsbruck

Vor zwei Jahren machte ich Urlaub in Tirol und musste natürlich auch die Hofburg in Innsbruck besuchen. Was verbindet ihr mit Innsbruck? Ich muss zugeben, das erste woran ich dachte war natürlich das Goldene Dachl, gleich gefolgt vom Alpenzoo.

Da ich eine Österreich Rundreise machte, suchte und plante ich natürlich bereits Wochen im Voraus kaiserliche Ziele.

Dabei stieß ich dann auf die Sisi Appartements in der Hofburg.

Nun verbinden die meisten vermutlich Wien mit dem Namen Hofburg, ohne zu wissen, dass es in Innsbruck ebenfalls eine solche gibt, die ihrem Wiener Pendant um nichts nachsteht.

Ich besuchte also das Museum und war begeistert von den Räumen der Kaiserin, die ihr Schwager eigens für sie errichten ließ!  Man könnte anhand dieser Räume fast ein wenig den Sissi Filmen Glauben schenken und denken Karl Ludwig wäre ein bisschen in seine Schwägerin verliebt. 

Kaum war ich zu Hause rief ich natürlich mein Mariechen an und schwärmte von diesem Besuch. Nicht nur die Räume für die Kaiserin, sondern auch der Riesensaal hatte mich schwer beeindruckt.

Da wir letztes Jahr nach Meran im Palast Hohenems zu Gast waren, (Link: Gräfin Hohenembs – Ein Pseudonym das Weltruhm erlangte….. – Palast Hohenems)  behielten wir die Möglichkeit im Zuge dieser Reise Westösterreich zu besuchen bei und suchten nach möglichen Zielen.

Schloss Ambrass, Schloss Tratzberg, Schlösser und Burgen gibt es unzählige im Heiligen Land Tirol, eines schöner wie das andere. Irgendwann bei einem unserer fast täglichen Telefonate scherzte ich dann und sagte, „wieso fragen wir nicht gleich in der Hofburg?“

Wie ihr alle wisst, sind meine Wünsche Maries Befehle und so dauerte es nicht lange, dass sie mich zurück rief und erstmal nur ins Telefon quietschte.

Beim ersten Ton war mir sofort der Grund für diesen Ausbruch klar.

Wir hatten tatsächlich die Erlaubnis bekommen in diesen Räumen zu fotografieren.

Aber nicht nur das, man erlaubte uns auch das Benutzen sämtlicher Möbel…

Könnt ihr Euch vorstellen, was das für ein Gefühl war?

Nachdem der erste Schock verdaut war kam sofort der nächste Gedanke… WELCHES KLEID???

Wir gingen gemeinsam alle Kleider durch, fanden ein scheinbar passendes und verwarfen es sofort wieder. Je mehr ich darüber nachdachte, umso deutlicher wurde die Erinnerung an die grellen Farben der Seidentapeten, das bunte Muster des Teppichs und im nächsten Augenblick war eines klar:

„Ich habe nichts anzuziehen, ich brauche ein neues Kleid“

Nun könnte man meinen, bei über 60 Kleidern müsste doch was Passendes dabei sein, aber nein, es war nichts dabei, das dieser Einladung gerecht werden würde.

Historisch korrekt sollte es sein, dezent in den Farben und auf jeden Fall einer Kaiserin würdig. Und schon begann es in meinem Kopf zu rattern. Nun, vielleicht sollte ich dazu sagen, all das geschah ungefähr 3 Wochen vor unserer Abreise. Also könnt ihr Euch denken, wie kurz meine Nächte wurden… Nachdem unsere Mädels davon erfahren haben kam sofort Hilfe aus der Schweiz und unser Minnerl bot im nächsten Augenblick ihre Hilfe an. Denn so weit entfernt Innsbruck von mir ist, so nah ist es in die Schweiz.

Nun zu dritt hatten wir natürlich weit mehr Möglichkeiten und einstimmig beschlossen wir, dass das Sternenkleid in diesem Fall mit musste!

Link:    Das Sternenkleid – Kleid aller Kleider

Keines der Ballkleider würde besser dorthin passen als das weltberühmte Sternenkleid.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wir verließen Meran mit einem lachenden und einem weinenden Auge und machten uns auf den Weg nach Innsbruck.

Die Sonne strahlte und das Kaisergebirge lud ein die Gipfel zu erklimmen.

Nachdem wir im Burghof unsere „Kutsche“ abgestellt hatten wurden wir sofort freundlich empfangen und man zeigte uns die Garderobe.

Minnerl begann die Unterröcke auszubreiten, zog die Schnüre am Korsett an, enger und noch enger…

Dann war es soweit. In einem schwarz weißen Tageskleid, bestehend aus Bluse mit einer Swisswaist und einem aufwendig gerafften Rock mit Spitzenfransen besetzt folgte ich dem Aufsichtspersonal durch die Gänge und durchquerte den Riesensaal.

Die beiden Mädels staunten nicht schlecht und waren kaum dazu zu bewegen sich weiter zu bewegen.

Im Riesensaal begegneten wir der Familie von Maria Theresia, hier sind all ihre Kinder und Enkelkinder verewigt. Der Name Riesensaal stammt allerdings aus früheren Zeiten, als Fresken der griechischen Mythologie die Wände schmückten.


Aber bevor ich Euch jetzt in die Räume der Kaiserin entführe, werfen wir einen Blick auf die eindrucksvolle Geschichte des Hauses.

Bereits 1350 bestand die romanische Stadtmauer, die später in den Osttrakt der Hofburg integriert wurde.

Ab 1396 kaufte Herzog Leopold von Österreich die ersten Grundstücke auf denen nun die heutige Hofburg steht.

Zwischen 1453 und 1463 erbaute Herzog Sigmund der Münzreiche eine rechtwinkelige Burg um das Stadttor.

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Sigismund von Tirol – Foto: wikimedia/commons

Nachdem Kaiser Maximillian die damalige Burg ausbauen und umbauen ließ, galt sie als schönstes Bauwerk der Spätgotik.

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Maximilian I. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches – Foto: wikimedia/commons

Zwischen 1536 und 1570 wurde aus der Burg ein Renaissance Schloss und erhielt Wandmalereien in den Innenhöfen.

1577 ließ Kaiser Ferdinand II. die Silberkapelle im Verbindungsgang zur Hofkirche errichten.

1665 verlegten die Habsburger ihren Regierungssitz nach Wien und somit diente Innsbruck nur noch als kaiserliche Unterkunft auf der Durchreise.

Zwischen 1754 und 1756 wurde die Hofburg erneut umgebaut, Maria Theresia machte aus der Hofburg ein Barockschloss.

Nach einem weiteren Umbau gehörte die Hofburg nun zu den bedeutendsten Repräsentationsbauten von Österreich.

1805 wurde die Hofburg zur bayrischen Nebenresidenz, nachdem Tirol an Bayern gefallen war.

Erst 1815 kam Tirol nach dem Wiener Kongress zurück an Österreich und somit die Hofburg wieder in Habsburger Besitz.

1848 flüchtete Kaiser Ferdinand im März mit der gesamten kaiserlichen Familie nach Innsbruck und kehrte erst im August wieder nach Wien zurück.

1858 kam es dann unter Karl Ludwig dem Stadthalter von Innsbruck zur Neugestaltung der Wohnräume. Die Sisi Appartements wurden errichtet.

1900 wurde ein Großteil der wertvollen Möbel nach Wien überstellt.

Bereits vor dem ersten WK war es erlaubt die Kaiserappartements an gewissen Tagen zu besichtigen.


Durch ein Vorzimmer gelangten wir anschließend in die Wohnräume der Kaiserin.

Der erste Raum war der Salon der Kaiserin, der zeitgemäß im Stil des zweiten Rokokos gestaltet wurde. Die Seidentapeten wurden originalgetreu nach Originalmustern von 1858 in einem aufwendigen Verfahren nachgewebt und wieder hergestellt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Mein absolutes Lieblingszimmer kam als nächstes. Wir betraten das Toilettezimmer ihrer Majestät der Kaiserin von Österreich. Ganz in rosa gehalten ist dieses Zimmer, wohl der Inbegriff jedes Mädchentraumes!  Ab hier begann auch der Privatbereich.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Man nutzte diesen Raum zur Körperpflege, zum Kämmen, zum Wiegen und zum Erfrischen hieß es bereits im Elisabeth Musical, und ich muss sagen, es gibt vermutlich kaum einen schöneren Ort um sich die Haare flechten oder die Hände maniküren zu lassen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Allen Protesten zum Trotz musste ich mich aus der rosa Chaiselongue erheben und mich ins Schreibzimmer begeben, denn mein Mariechen drängte zur Eile. Man wollte ja in jeden Raum, auch wenn sie kaum ein Argument finden konnte um mich von meinem Traum in Rosa weg zu bringen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie es ist in ihren Räumen auf ihren Stühlen zu sitzen, auf ihrer Chaiselongue zu liegen, aus dem Fenster zu sehen und zu träumen…

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nicht nur die Besucher des Museums staunten nicht schlecht, als diese Räume so wieder zu neuem Leben erwachten. Auch die Mitarbeiter, die an Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft nicht zu überbieten waren, kamen um zu helfen und um zu staunen. Wir lachten herzlich als dann irgendwann die Aussage fiel „die Kaiserin ist wieder zu Hause“

Der nächste Raum den ich betreten durfte war das Schreibzimmer der Kaiserin. Ein Turmzimmer vollkommen in Türkis tapeziert.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Fast sah es so aus als würde der Schreibtisch nur darauf warten, benutzt zu werden. Standen doch Tintenfass und andere Gebrauchsgegenstände bereit einen Brief an die Lieben zu verfassen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ein Sofa gegenüber dem Tisch auf dem vielleicht Ida oder Marie gesessen haben und vorlasen, während Marie Valerie auf dem Teppich spielte.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wir verließen das Schreibzimmer und gingen durch das Toilettezimmer weiter in ein kleines Kabinett, das als Ankleidezimmer und Aufenthaltsraum der Dienstboten diente, um das Schlafzimmer der Kaiserin zu betreten.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Elisabeth selbst war 4 Mal in der Hofburg in Innsbruck zu Gast und ganz wie es sich für die damalige Zeit gehörte, stand auch hier neben dem Bett der Kaiserin ein Betstuhl.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wie schon im Toilettezimmer stand auch im Schlafzimmer eine Chaiselongue, die wie man uns erzählte eigens für die Kaiserin gefertigt wurde.

Vielleicht um sich am Nachmittag ein wenig auszuruhen?

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Denn komplett geschnürt und mit Krinoline ist selbst das Sitzen am Sofa nicht sonderlich entspannend.

Ganz anders jedoch auch bei diesem besonderen Stück, auch wenn es diesmal wie der restliche Raum dunkelgrün und nicht rosa war. Es war dennoch ausgesprochen entspannend hier Platz zu nehmen, denn ein kleines Geheimnis will ich Euch nun verraten: man kann natürlich ein Korsett enger oder weniger eng schnüren, was sich massiv auf den Tragekomfort auswirkt.

Wir machen es meist von Ort und Anlass abhängig, nur welchen Ort könnte es geben, der einen höheren Stellenwert als die Hofburg haben würde?

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Dann wurde es Zeit die kaiserlichen Appartements wieder zu verlassen und Lebewohl zu sagen, wenn auch nur um das Kleid zu wechseln.

Denn wir hatten ja noch etwas ganz Besonderes vor.

Wir wollten das Sternenkleid im Riesensaal fotografieren.

Also gingen wir zurück in unser „Kabinett“ und Minnerl begann das Tageskleid zu öffnen, das Korsett nach zu schüren und mir dann Schicht für Schicht das Sternenkleid anzulegen.

Aber seht selbst, ich denke, in diesem Fall sprechen die Bilder für sich….

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ich möchte mich hiermit aufrichtig und aus tiefsten Herzen bei der Burghauptmannschaft Österreich für diese einzigartige Möglichkeit bedanken.

Die Innsbrucker Hofburg wird für immer eines der absoluten Highlights nicht nur für mich, sondern auch für mein Team bleiben!

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Euch, meine Lieben, kann ich nur sagen, „auf nach Tirol!“ besucht die kaiserliche Hofburg, ein Ort an dem die Kaiserin beinahe immer noch spürbar ist ;

Das Museum hat täglich von 9.00 bis. 17.00 geöffnet!

Genau Infos findet ihr unter:  

http://www.hofburg-innsbruck.at/623/php/portal.php?language=de

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Sisi


Rechtliche Hinweise:

Bildrechte: Sternenkaiserin,com – marie, wikimedia/commons, 

Videos: sternenkaiserin.com

Textrechte: Sisi 

Das Sternenkleid – Kleid aller Kleider

Welches Bild habt ihr als erstes vor Augen, wenn ihr an Kaiserin Elisabeth denkt?Vermutlich dasselbe wie Millionen von Menschen auf der ganzen Welt:

Elisabeth im weißen Tüllkleid mit Diamantsternen im Haar!

Bald schon war klar, dass ich dieses Kleid brauchen würde, und so begann ein Näh- und Lernprozess, der bis heute andauert. Aus einem Anfangs schlichten Tüllkleidchen wurde eine pompöse Robe mit einer gigantischen Schleppe. Der erste Versuch war relativ einfach, ein Kleid aus fertigem Sternentüll, nett ja, aber nicht annähernd so, wie es sein sollte.

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Foto sternenkaiserin.com – sisi

Das Problem war damals, ich hatte keine Ahnung und auch nicht das Wissen, woher ich den passenden Stoff bekommen könnte. Einen Stoff mit gestickten oder gewebten Sternen, der dem Original so nahe wie möglich kommen würde?


Das zweite Kleid war zwar näher am Original, aber immer noch zu „mickrig“ und dient heute, nach ebenfalls unzähligen Änderungen als „kleines“ Sternenkleid bei Veranstaltungen, da es einen wesentlich kleineren Umfang und keine Schleppe hat ist es wesentlich „Publikumstauglicher“

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Allerdings war das immer noch nicht DAS Kleid und so begann ich wieder von vorne. Mehr Umfang, mehr Tüll, mehr Sterne!

Ich änderte den kompletten Schnitt, fügte eine Schleppe an, deren wahre Länge am Winterhalter Bild ein Geheimnis bleibt und beschloss, dieses Mal die Sterne zu Sticken.

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Foto: Foto Hofer, Bad Ischl

Auch dieser erste Versuch brachte nicht die völlige Zufriedenheit, es sah zwar prächtiger und eindrucksvoller aus, als das vorherige, aber es fehlte die „Leichtigkeit“


Also erneuerte ich das Oberteil komplett, tauschte die Ärmel, und verdoppelte noch einmal die Tüllmenge um daraus ein Kleid zu erschaffen, dass für meine damaligen Nähkünste das perfekte Kleid zu sein schien.

Wie ja viele von Euch wissen, hab ich die Schneiderkunst nie erlernt, sondern sie mir selbst von Kleid zu Kleid beigebracht.  Inzwischen war ich bei weit mehr als 100 Meter Stoff, und einem Gewicht von über  17 kg angelangt.

Foto: Bertl Jost

Eines meiner ersten wirklich großen Fotoshootings war jenes im Südbahnhotel am Semmering, dort entstand auch das erste wirklich großartige Bild dieses Kleides, dessen Fertigstellung beinahe ein ganzes Jahr in Anspruch genommen hatte.

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Foto: Bertl Jost


Es folgten viele unvergessliche Shootings, in allen Möglichen Kleidern und natürlich war es irgendwann ein Thema zwischen Mariechen und mir, ein „Winterhalter Bild“ zu erschaffen.

Video: sternenkaiserin.com – marie

Und ihr könnt Euch vorstellen, was das bedeutete?

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Foto: Barbara Prinz, Fotografie mit Herz

Richtig, ich begann erneut das Kleid zu optimieren, noch mehr Tüll, noch mehr Sterne, ein weiteres Oberteil, da ich inzwischen gelernt hatte, diese ebenfalls mit Stahl zu versteifen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wir bekamen die Erlaubnis in der Oper Graz einen Tag lang zu shooten und nutzten diesen zauberhaften Ort für genau dieses Kleid.

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Foto: Barbara Prinz, Fotografie mit Herz

Begleitet von unserer Babsi gelangen uns unzählige wundervolle Bilder!

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Foto: Barbara Prinz, Fotografie mit Herz

Aber das sollte immer noch nicht die letzte Änderung sein, denn eines Tages kam eine Einladung aus dem schönen Kärnten. Die Stadt Klagenfurt feierte ihren 500. Geburtstag. Am Abend hatte ich die Ehre Gast auf einem wundervollen, ausgesprochen eleganten Ball zu sein. Und wir wären nicht wir, wenn wir eine solche Gelegenheit nicht gleich mit einem Fotoshooting verbinden würden.

Also trafen wir uns am Nachmittag mit unserem charmanten Gastgeber Hr. Bauer im vermutlich schönsten Saal Kärntens, dem Wappensaal, um dort ein paar Bilder zu machen.

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Foto sternenkaiserin.com – marie

Für diesen Zweck hatte ich ein weiteres Mal die Schleppe des Kleides auf nun 3 Meter verlängert.

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Foto: sternenkaiserin.co – marie

Eine besondere Überraschung für mich war, dass mich in dem Saal ein Chor erwartete und „nur für die Kaiserin“ sang.

Video: sternenkaiserin.com – marie

Ihr könnt Euch vorstellen, welches Gefühl das war. Ich gebe zu, es war gar nicht so leicht, vor Rührung nicht zu weinen 😉


Das nächste Highlight in diesem Kleid war sicherlich die Sisi Nacht im Schloss Eckartsau, dass inzwischen zu einem unserer Stamm- und Lieblingsschlösser wurde.

Wer den unermüdlichen Einsatz unseres Mariechens kennt, ahnt das sie sich natürlich auch dafür etwas Besonderes einfallen ließ.

Sie besorgte die ausdrückliche Erlaubnis der Vereinigten Bühnen Wiens, den Titelsong aus dem Musical Elisabeth verwenden zu dürfen!

Im Sternenkleid im Ballsaal eines so wunderschönen Schlosses zu stehen, dessen Türen sich genau in diesem Moment öffneten, als „Ich gehör nur mir“ erklang, wurde zum nächsten Höhepunkt in meinem Leben als Sternenkaiserin.

Video: Sternenkaiserin.com – marie


Aber wie kam es nun zu diesem Kleid?

Ein Kleid, das zum Symbol für die schöne Kaiserin wurde. Elisabeth sammelte in einem sogenannten Schönheitsalbum Bilder von schönen Damen aus der ganzen Welt. Dies konnten Tänzerinnen, Schauspielerinnen, aber auch „Halbwelt“-Damen sein. Ihr wurde ein Bild von Contessa Virgina di Castiglione in einem Sternenkleid mit Schmucksternen im Haar zugesandt

Virginia Oldoini, Countess Verasis of Castiglione (1837-1899). Ca. 1861-1867.

Virginia Oldoini, Countess Verasis of Castiglione (1837-1899). Ca. 1861-1867. Foto: wikimedia/commons

2 Jahre später ließ sie sich vom Pariser Couturier Charles Worth ein Kleid erschaffen, dass seinen Ursprung in dem der Contessa hatte.

Vom Hofjuwelier A.E.Köchert ließ sie sich Diamantsterne für ihre Haare, jedoch in edlerer und geschmackvollerer Form anfertigen, als die der Mätresse von Napoleon III. Diese Art Schmuck in den Haaren zu tragen war eine absolute Neuheit, denn üblicherweise trugen die Damen Diademe als Haarschmuck.

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Sisi und Florian Köchert mit der Original Zeichnung von den Sisi-Sternen von Alexander Emanuel Köchert
Foto: Michaela Handrek-Rehler

Die Haarsterne, die vermutlich ebenso berühmt sind wie das Kleid selbst sind, waren ein Geschenk des Kaisers. Von den Juwelieren Köchert und Pioté ließ sich Kaiserin Elisabeth ein Set von 27 Haarsternen aus Diamanten herstellen.

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Florian Köchert präsentiert einen original Sisi Stern Foto: the munich show

 

Einige der Sterne verschenkte die Kaiserin später an Hofdamen, die anderen wurden in der Familie vererbt. Die Tochter von Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Elisabeth, trug beispielsweise die Sterne zu ihrer Hochzeit 1902.

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Foto: Barbara Prinz, Fotografie mit Herz

Erst dieses Kleid und diese Frisur, sollte sie zu dem machen, was sie bis heute ist: „Eine schöne unerreichbare Fee aus dem Märchenland.“

Premiere hatte dieses Ensemble am Ball des Abends am 11.2.1865 als ihr Bruder Carl Theodor von Bayern seine geliebte Braut Sophie von Sachsen in Dresden heiratete. Viele von Euch werden vielleicht nicht wissen, dass an diesem Abend auch Sisi´s Schwester im Sternenkleid erschien. Mehr Aufsehen erregte aber Sisi.

Zeitzeugen beschrieben das Kleid wie folgt „Ein weißes, mit Sternen besticktes Kleid, Diamantsterne im Haar und an der Brust ein Camelienbouquet.“  Sisi war zu diesem Zeitpunkt 27 Jahre alt und Mutter von 3 Kindern.

Erzherzog Ludwig Viktor schrieb in einem Brief nach Wien:

„Sisi sei blendend schön, auch waren die Leute wie verrückt hier. Ich habe noch nie so einen Effekt machen sehen. Helene ein sehr schlechter Abklatsch von der Kaiserin, auch Sternenkleid.“ (1)

Marie, Königin von Sachsen schrieb an eine Freundin:

„Von der Begeisterung, welche die Schönheit und Liebenswürdigkeit der Kaiserin erregte, kannst Du Dir keine Vorstellung machen; noch nie sah ich meine ruhigen Sachsen in solcher Aufregung! Man dachte, sprach, hörte nur ihr Lob.“ (2)

Wie die meisten vermutlich wissen, gibt es von der Kaiserin nur wenige Bilder, und noch weniger, bei denen sie tatsächlich Model stand. Diese Ehre wurde allerdings, dem wohl größten Meister seiner Zeit zu Teil. Franz Xaver Winterhalter. Durch Protektion König Louis Philippes stieg Winterhalter zum gefragtesten Porträtmaler in Frankreich auf. Als französischer Hofmaler malte er Bildnisse der gesamten königlichen Familie und der führenden Mitglieder des Hofes. 1852 folgte er dem Ruf von Königin Isabella nach Spanien. Nach der Thronbesteigung Napoléons III. ging er zurück nach Paris. Zu seinen Kunden gehörten auch das belgische Königshaus und die kaiserlichen Höfe in Sankt Petersburg und Wien.

Elisabeth ließ sich von F.X.Winterhalter 1865  im Sternenkleid malen, und machte dieses Kleid somit unsterblich. Dieses Gemälde könnt ihr immer noch in der Wiener Hofburg bewundern.

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Kaiserin Elisabeth von Österreich (Porträt von Franz Xaver Winterhalter, Öl auf Leinwand, 1865 Foto: wikimedia/commons

 

Von F.X.Winterhalter gibt es noch 2 weitere Bilder, die in die Geschichte eingehen sollten. „Sisi mit offenen Haar.“

Diese Bilder waren für die damalige Zeit sehr intim. Eines davon wurde zu Kaiser Franz Josefs Lieblingsbild. Es stand Zeit seines Lebens vor seinem Schreibtisch (und dort steht es heute noch).

Fotos: Wikimedia/commons


Zum Abschluss bleibt nur eines zu sagen, egal wann und wo ich dieses Kleid trage, es ist immer mit unvergesslichen Erinnerungen verbunden.

In diesem Sinne, träumt nicht nur von den Sternen, sondern greift danach 😉

Eure Sisi


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: Bertl Jost, Sternenkaiserin,com – marie, Sternenkaiserin.com – sisi, Barbara Prinz – Fotografie mit Herz; Michaela Handrek-Rehler, the munich show

Videos: sternenkaiserin.com – marie

Textrechte: Sisi, Marie, Brigitte Hamann – Kaiserin wider Willen, Dr. Martina Winkelhofer – Sisi


Literaturhinweise:

Zitate: 1 – S 198, 2 – S 199
Brigitte Hamann:
Kaiserin wider Willen , Amalthea, 1992, 11. Auflage

Dr. Martina Winkelhofer

Rechtliche Hinweise:

Bildrechte: Bertl Jost, Privat, Hofburg Wien, Juwelier Köchert

Textrechte: Sisi, Marie Festetics (historischer Teil), Brigitte Hamann – Kaiserin wider Willen, Dr. Martina Winkelhofer – Sisi

Literaturhinweise:

Zitate: 1 – S 198, 2 – S 199

Brigitte Hamann:

Kaiserin wider Willen , Amalthea, 1992, 11. Auflage

Dr. Martina Winkelhofer

Sisi

Korsett, Krinoline und Tornüre – Ein Leben für die Schönheit

In diesem Betrag möchte ich Euch die verschiedenen Modestile im Leben von Kaiserin Elisabeth etwas näher bringen.

Wir beginnen mit der Kindheit der  Kaiserin, die  bestimmt war durch die Mode des Biedermeiers, man verzichtete teilweise auf das Korsett, oder zumindest auf eine übermäßig feste Schnürung .


1837 – 1850 Die Kindheit einer Kaiserin, oder die Mode der Mode der Schwiegermutter 😉

Was trug also eine kleine Prinzessin im Alter von 3 Jahren?

Im Grunde genommen waren die Mädchen wie auch in den folgenden Zeiten kleine Ebenbilder ihrer Mütter, mit einem Unterschied.

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Charlotte von Belgien im Alter von 3 Jahren – Foto Wikimedia/Commons

Die weiten Röcke der Kleider waren kurz, so dass die mit Rüschen und Spitzen verzierten Beinkleider sichtbar waren und zumindest ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit erlaubten.

Die Buben trugen lange Hosen und darüber ein kurzes Kleid. Wer es sich leisten konnte, kleidete seinen Sohn mit einem Matrosenanzug, der uns das gesamte restliche 19. Jahrhundert als beliebtestes Kleidungsstück für Knaben begleiten wird.

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Foto: Wikimedia/Commons

 

Die Damenmode veränderte sich etwa ab der Mitte der 30er Jahre wesentlich und zeichnete sich durch eine Silhouette aus, die vor allem ein kegelförmiger, weiter Rock ausmachte.

Der wiederum wurde durch eine Vielzahl von Unterröcken in eine immer breitere Form gebracht.

Ab etwa 1835 wurde wieder eine deutliche Taillenbetonung sichtbar, denn auch die Biedermeier-Mode änderte sich innerhalb ihrer Epoche.

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Foto: Wikimedia/Commons

Durch das Korsett rückte die Taille wieder optisch an ihren Platz und wurde so  im Vergleich zur Zeit des vergangenen Empire-Stils, in der sie gar nicht zu sehen gewesen war, wieder sichtbar.

Reifröcke und Korsetts waren ab sofort wieder Kleidungsteile, die in keinem Fall fehlen durften, um die Weite der Röcke zu erreichen und außerdem eine schlanke Taille zu vermitteln.

Das absolute Highlight dieser Zeit waren jedoch die ausgefallenen Ärmeln.

Man nannte sie nicht nur Ballon- bzw. Schinkenärmel oder sogar Hammelkeulenärmel, sie sahen auch tatsächlich so aus. Um diese aufgebauschte Form zu erreichen, musste man diese Ärmel mit Rosshaar- und/oder Fischbeinstäbchen verstärken. Über diesen Unterbau drapierte man  dann den Stoff, der in Falten gelegt wurde. Einen ähnlichen Faltenwurf hatte das Kleid dann auch am Dekolleté.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die verwendeten Stoffe waren gemustert. Man bevorzugte Karos, Streifen und auch diverse Blumenmuster.

Einfarbige, glänzende Stoffe waren für die Abendgarderobe bestimmt. Dafür wurden dann hauptsächlich Seidenstoffe oder andere edle Materialien verarbeitet.

Was aber besonders charakteristisch für diese Mode war die Schute.

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Foto: Wikimedia/Commons

Ein Hut der unter der Kinnpartie mit Bändern gebunden wurde, so dass eine Schleife entstand. Die Krempe das Gesicht. Es gab die Schute aus geflochtenem Stroh oder aus Stoff. Die Hüte aus Stoff hatten einen Unterbau aus Drahtgestell, über das der Stoff gespannt wurde. Je nach Jahreszeit wurden die Hüte sogar wattiert oder mit einem wärmenden Polster ausgestattet.  Solche Hüte wurden aufwendig mit Blumen und Federn, mit Früchten und Tüll verziert.


Die Herrenmode der kommenden Jahrzehnte sollte sich nicht wesentlich verändern, man spielte mit Accessoires und auch ein wenig mit den Farben, der Grundstock blieb jedoch unverändert und bestand aus Frack und Gehrock.

Anders als bei den Damen trugen die Herren zu dieser Zeit kein Korsett, sondern behalfen sich mit einem Schnürgürtel, der einen ähnlichen Effekt hatte.

Die Krägen der Hemden nannte man nicht umsonst „Vatermörder“ denn sie waren so eng um den Hals geschlossen, dass jeder Mann froh war, ihn abends ablegen zu können.

Seit etwa 1815 trug der Herr sogenannte Pantalons, also lange Hosen.

Um perfekt gekleidet zu sein brauchte Mann noch einen Zylinder, einen Stock und Handschuhe die im besten Fall aus Leder waren.

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Foto: Wikimedia/Commons

1850 – 1860 – das Jahrzehnt in dem aus einer kleinen bayrischen Prinzessin eine österreichische Kaiserin wurde.

Die Kleider der Damen wurden aufwendiger und prächtiger als je zuvor, die Krinoline – vom franz „Crin“ (Rosshaar) abgeleitet – trat ihren Siegeszug an und sollte für 2 Jahrzehnte das Leben der Damen zur Qual machen.

Das Korsett war Pflicht, die Wespentaille ein Muss, das schnüren an sich war alleine unmöglich und konnte sich schon mal über mehrere Stunden hinziehen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Es waren edle Stoffe gefragt. Aufwändige Schnitte wurden aus Brokat oder Atlas, aus Samt oder Seide, Taft und Moiré gefertigt.

Unmengen Stoff waren nötig, um die weiten Rockteile besonders üppig aussehen zu lassen. Im gesamten Viktorianischen Zeitalter, benannt nach der Regierungszeit der britischen Königin Viktoria (1819-1901) von 1831 bis 1901, versuchten die Damen der feinen Gesellschaft sich auf diese Art und Weise zu übertrumpfen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Ist auch heute noch so, findet ihr nicht?

Abends trug man Schulterfrei, tagsüber hauptsächlich hochgeschlossen.

Schirm, Fächer und Hut rundeten das Aussehen ab und waren untrennbar miteinander verbunden.


Im Gegensatz zu den Damen bevorzugten die Herren eher Zweckmäßigkeit an ihrer Kleidung.

Die Stoffe waren zwar edel, es wurden hauptsächlich dunkle Materialien gewählt.  Man trug schwarze, braune, graue und auch dunkelblaue Farbtöne.

Die Sakkos, die dem Frack begannen den Rang abzulaufen, waren aus Wollstoffen und feinen Tuchen. Der Gehrock, auch als Cutaway oder kurz Cut genannt, hatte im vorderen Bereich abgeschnittene Schoßteile.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Hose war häufig in einer anderen Farbe als der Gehrock oder das Sakko. Hier waren Streifen besonders beliebt.

Die Weste, Krawatten und Bindetücher fielen nicht mehr auf und waren nun in dezenten Farben gehalten.

Verbreitet war bereits das Vorhemd, das unter der Weste wie ein Hemd aussah.

Anstelle von Vorhemd war allerdings der Begriff „Chemisette“ geläufig. Das französische Wort „Chemise“ steht für Hemd. In abgewandelter Form  nannte man das Vorhemd, deshalb Chemisette.

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Foto: Wikimedia/Commons

Wir befinden uns in den Jahren 1860 – 1870, der Zeit des Höhepunktes der Schönheit von Elisabeth

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Foto: Wikimedia/Commons

Modisch betrachtet nennt man dieses Jahrzehnt auch das 2. Rokkoko.

Drei Namen prägten dieses Jahrzehnt wie niemand anderes.

Eugenie von Frankreich

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Elisabeth von Österreich und

Charles Frederick Worth

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Foto: Wikimedia/Commons

Die edlen Materialien,die Worth verwendete – Tüll, Spitze, Pailletten, Samt, Seide, Brokat u. a. – machten die Kleider so teuer, dass selbst die Damen von hohem Rang den neuesten Trends nur folgen konnten, in dem sie vorhandene Kleider wieder ändern ließen, anstatt stets neue zu bestellen. Kein andere verstand es, Kleider mit solch perfektem Sitz zu kreieren.

Alle Kleider waren Einzelanfertigungen, nie gab es ein Modell zweimal!

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Ungarisches Krönungskleid Foto: Sascha Rieger

Gegen Ende der 60er Jahre beschäftige Worth mehr als 1200 Näherinnen und erschuf unvergessliche Kreationen, ich sage nur Sternenkleid 😉 (der Beitrag zum Kleid kann hier nachgelesen werden)

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Foto: Wikimedia/Commons

Es war das Jahrzehnt der Krinoline, die 1865 ihren Höhepunkt erreichte.

Durch Rosshaar und Stahlbänder erreichte man enorme Umfänge, wodurch man natürlich dementsprechende Mengen an Stoff und Aufputz benötigte.

1867 kam man langsam von diesen extremen Umfängen ab, 1869 wurde die Krinoline fast vollständig durch die Tournüre ersetzt.

Während die Röcke im Prinzip immer gleich waren, variierten die Oberteile je nach Anlass und Tageszeit. Ein Ausschnitt, der die Schultern zeigte, war ebenso möglich wie ein kleines spitzes Dekolleté oder eine hochgeschlossene Variante.

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Foto: Wikimedia/Commons

Auch die Ärmelschnitte ließen zahlreiche Varianten zu. Am Unterarm waren sie meist anliegend. Es gab Kleider, die durch einen halben Ärmel auffielen und es gab Kleider, die lange Ärmelschleppen hatten, besonders in Russland beliebt.

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Je nach Wetter und Anlass wurden über diese riesigen Krinolinenkleider halblange Mäntel getragen. Mit Hut und Fächer war eine Dame letztendlich perfekt gekleidet.

Dass es selbstverständlich war ein Korsett zu tragen muss ich vermutlich nicht erwähnen? 😉


Der Herr der Zeit trug im Alltag zum Anfang des Jahrzehnts noch den traditionellen Frack, stets mit einer Weste, die entweder durch Schottenkaros oder anderes abstechendes, buntgefärbtes Material auffielen, darunter trug man ein schlichtes helles Hemd, das mit einem Halsschmuck versehen war, der ein gebundenes Tuch als Vorläufer der Krawatte war.

 Außerdem kam ein Kragen zum Anknöpfen auf. Die Hosen waren bodenlang und gerade geschnitten.

Es gehörte zum guten Ton Zylinder zu tragen und schon war Mann perfekt gekleidet.

Eine absolute Neuheit in der Männerwelt war der Herrenanzug, der zu Beginn des Jahrzehnts in Mode kam und bei dem alle Teile (Rock, Weste und Hose) dieselbe Farbe haben mussten und dessen Teile sich auch in den Materialien glichen.

Ein „must have“ war der Stock, der oftmals über aufwendig verzierte Griffe verfügte.

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Was trug man zwischen 1870 und 1880

Die Krinoline, war fast vollständig aus der Damenbekleidung verschwunden. In der Modegeschichte ist die Rede von der Ersten Turnüre.

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Die Zweite Turnüre kam erst im 1880er Jahrzehnt auf und war dann längst nicht mehr so pompös gestaltet. Aber zunächst war noch die Erste Turnüre modisch aktuell und zwar bis etwa 1875. Dieses halbkreisförmige Gestell, das zumeist aus Stahl- und/oder Fischbeinstäbchen gefertigt war und dessen Polsterungen aus Rosshaar bestanden, wurde über das Gesäß gelegt und befestigt, so dass der Rock, der darüber getragen wurde, eine gewaltige hintere Auswuchtung erhielt. Vorne war das Kleid eng anliegend und der Blick automatisch auf das riesige Hinterteil gelenkt.

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Das eng  geschnürte Korsett, das zwingend zur Grundausstattung jeder Frau gehörte, drückte die Brust nach oben und sorgte so in den spitzen oder viereckigen Ausschnitten für ein gut gefülltes Dekolleté. 😉

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Foto: Wikimedia/Commons

Eine Besonderheit dieses Jahrzehnts sind die Falten und Raffungen am Unterleib, die bald wieder aus der Modewelt verschwanden, da sie den Anschein einer möglichen Schwangerschaft erwecken konnten. Ein Zustand, der zu dieser Zeit jedoch nicht öffentlich zur Schau getragen wurde.

Ein wichtiges Accessoire auch dieser Zeit war der Fächer.

Die spitzenbesetzten Sonnenschirme mussten unbedingt zu den Farben der Kleider passen. Handschuhe und Schleier waren ebenso angesagt.

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Foto: Wikimedia/Commons

 Die hauptsächlich hochgesteckten Frisuren waren mit einem Hütchen geschmückt, an dem schulterlange Bänder zur Verzierung angebracht waren. Das Hütchen wurde entweder ein wenig keck seitlich getragen oder auf dem Hinterkopf platziert, konnte aber auch gerade vorn auf dem Kopf getragen werden. In jedem Fall hielten es zwei Bänder, die am Hals vorn zu einer Schleife gebunden waren.

Tagsüber  im Freien waren die Kleider hochgeschlossen geknöpft und endeten am Hals mit einem kleinen Kragen.

Für die Abendgarderobe gab es zu jener Zeit bereits die Haute Couture, die ein Engländer ins Leben gerufen hatte – Charles Frederich Worth (1826-1895).


Das modische Vorbild der Herren lag in England.

Der Frack verschwand allmählich aus der alltäglichen Garderobe der Herren,  der Gehrock (Cutaway) hatte sich als zweckmäßiger erwiesen.

Bei festlichen Anlässen fand der Frack jedoch weiterhin Verwendung.

Die Farben waren gedeckt, mit bunten Krawatten setzte man jedoch farbige Akzente und so entstanden bereits die ersten Läden für Herren Accessoires, die diese „Binder“ herstellten.

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Foto: Wikimedia/Commons

1880 – 1890

Die zweite Tournüre

Eine große Gesäßauflage, die Tournure (frz.), wurde fixer  Teil der Damenunterbekleidung

Ein Gestell aus Fischbeinstäbchen oder auch aus formte den Rock und verlieh ihm eine Gesäßaufbauschung.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Kleider waren am Oberteil und nun auch im Rockteil relativ eng anliegend, wobei der Rock meist noch mit Querfalten versehen war, die nach hinten ausliefen und in einer Schleppe endeten. Zu dieser Zeit war das Korsett zwar Pflicht, hatte aber keine besondere Formung der Taille zur Aufgabe, sondern diente eher dazu, die Haltung zu korrigieren und unerwünschte Pölsterchen verschwinden zu lassen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Betonung einer sehr schlanken Figur war in den beiden ersten Jahren des Jahrzehnts jedoch durchaus erwünscht.  In diesen beiden Jahren wurden die Kleider den Damen, nicht nur unserer Kaiserin, wortwörtlich auf den Körper genäht.

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Foto: Wikimedia/Commons

Das Atmen war schwer, das Essen unmöglich, wenn die Damen in dieser Garderobe erschienen. Die Kleider waren schmerzhaft eng und erschwerten auch das Gehen, dabei war das plaudernde Herumstehen immer noch leichter als das Sitzen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Kann ich nur bestätigen 😉 längeres sitzen wird zur Qual!

Diese Art von Mode war schon mehrfach in der Vergangenheit aufgetaucht und hatte für den einen oder anderen Witz gesorgt.  In diesem Jahrzehnt waren sie jedoch fast ausschließlich den vermögenden Frauen vorbehalten, die sich dadurch deutlich sichtbar von den normalen Bevölkerungsschichten abgrenzten. Die Betonung des weiblichen Hinterteils blieb mehr oder weniger bis zum Ende dieses Jahrzehnts. Der übliche Aufputz verschwand und man setzte neue Stoffkombinationen ein, bei denen gelegte Falten und Raffungen mit Volants Hauptbestandteil waren.

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Foto: Wikimedia/Commons

Tuchstoffe wurden mit Samt zusammen getragen oder auch mit Seide. Das Oberteil lag eng am Körper und war hochgeschlossen. Geschlossen wurde das Oberteil mit einer langen Knopfleiste, deren Knöpfe meist aus besonders edlem Material bestanden. Diese Knöpfe und die Spitzen am Kragen waren die einzige Zierde an der Damenbluse. Die langen, selten auch halblangen Ärmel, lagen eng an.

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Die Hüte, die die Damen trugen und die unbedingt zur vollständigen Kleidung gehörten, änderten ihr Aussehen schneller als die Bekleidung selbst. Trug man erst noch Hüte mit aufgeschlagenen Krempen, so wichen diese bald Modellen mit Federn und Bändern.Ältere Damen trugen gedeckte Farben und die Jugend bevorzugte hellere, auffälligere Farben.

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Am Land hielt man sich keineswegs an die vorgegebenen Trends sondern trug weiterhin zeitlose Trachten für den Alltag und auch für die Arbeit. Diese waren in dezenten Farben gehalten. Die Trachten an Sonn- und Feiertagen waren dagegen meist besonders farbig und mit viel Zierrat versehen.


Die Herren waren bereits gut gekleidet, wenn sie ein frisch gebügeltes Hemd trugen, einen Frack oder einen Gehrock. Das Ensemble wurde, wie auch bei den Damen stets mit einem Hut komplettiert.

Herren, die finanziell nicht dem gehobenen Stand angehörten, trugen mitunter anstatt eines Hemdes nur ein Vorhemd. Das war ein steifes Wäscheteil, das unter der stets geschlossenen Weste den Eindruck eines Hemdes suggerierte.

Wir kennen es heute noch beim Frack ;).Durch diese Erfindung konnte man sich das aufwendige waschen eines Hemdes ersparen, ein Vorhemd wurde nach Gebrauch entsorgt und kam so den Junggesellen meist sehr zu Gute.

Neben dem Frack zählte der Cut (Gehrock oder Cutaway) zum fixen Bestandteil der Männermode und hatte vorn abgerundete Schöße.

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Die ersten Smokings, die sogenannten Raucheranzüge, kamen in Mode.

Etwas mehr Auswahl gab es bei den Mänteln: Der Ulster war stets doppelreihig, der Chesterfield hatte eine verdeckte Knopfleiste und der taillierte Paletot, der dem der Damen vom Schnitt her ähnlich.

Die wichtigsten Farben waren Schwarz, Braun, Dunkel- oder Hellgrau und Blau.


Wir sind am Ende des Lebens unserer Kaiserin angelangt und befinden uns nun modisch in den 1890er.

Verglichen mit der Biedermeierzeit und dem folgenden zweiten Rokoko, war die Mode im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts weit weniger aufwändig in der Fertigung und im Materialaufwand.

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Nur eines hatte sich nicht verändert – immer noch war das Korsett wichtiger Bestandteil der Damenmode um die Figur dem jeweiligen Schönheitsideal anzupassen.

In den 1890er Jahren formte man  mittels  Korsett vorwiegende eine gerade Front, es gibt kaum Einsätze für die Brust. Innerhalb weniger Jahre veränderte sich diese modische Silhouette jedoch, bis zum Ende des Jahrhunderts setzte  sich die Sans-Ventre-Linie (ohne Bauch), die sogenannte S-Form, durch.

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Immer stärker werdende Versuche von  Ärzten, Künstlern oder  Frauenrechtlerinnen die Frau aus dem Korsett zu befreien scheiterden. Wer schön sein wollte, der musste auch weiterhin.

Wesentlich stärker veränderten sich die Röcke der Damen, die an der Hüfte anliegend und  später ab Höhe der Knie immer mehr an Weite zunahmen. Stützdende Unterröcke oder gar Reifkonstruktionen verschwanden zur Gänze. Die glatt fallende Rockschnitte oder auch die glockig geschnittenen Röcke waren auf den ersten Blick an Taille und Hüfte leicht anliegend.  Der weibliche Körper wurde immer mehr in die Form einer „Sanduhr“ gezwungen. Tatsächlich gab man dieser trichterförmigen Silhouette diesen Namen, der die Sans-Ventre-Linie sehr passend beschrieb.

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Sogar eine kleine Schleppe war noch am hinteren Rockteil sichtbar. Die Vorderpartie hatte Bodenlänge, erst am Ende des Jahrzehnts war es denkbar, dass ein wenig von den Schuhen oder Stiefeletten sichtbar wurde.

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Zu Beginn dieses Jahrzehnts  lagen die Ärmel der Blusen und Kleideroberteile relativ  eng an wurden aber mit jedem Jahr auffälliger und breiter. Die Manschetten lagen eng am Handgelenk, teilweise reichten sie über den ganzen Unterarm.

Keulenärmel, Schinkenärmel und sogar Elefantenärmel waren als Begriffe für diese Formen durchaus gebräuchlich. Allmählich wurden die Oberärmel sogar noch üppiger. Sie erreichten eine ballonartige Form. In der Mitte des Jahrzehnts hatten sie ihr größtes Ballonausmaß erreicht. In den letzten zwei bis drei Jahren vor 1900 kehrte man wieder zu zierlicheren Puffärmeln zurück.

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Bei allen Veränderungen, die hauptsächlich die Ärmelsilhouette betrafen, änderte sich eines nicht – der Hut. Eine Dame war erst vollständig bekleidet, wenn sie einen Hut trug. Der gehörte ebenso dazu wie der Sonnen- oder Regenschirm. Auch der war ein unverzichtbares Accessoire, auf das eine Frau bei der ansonsten großen Vielfalt von Farben und Materialien nicht verzichtete.

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Nicht nur die Mode der Damen änderte sich im Lauf der Zeit, sondern auch die der Männer

Zu den langen Hosen, die meistens gestreift waren, trug Mann nun ein Sakko, das den Frack im Alltag abgelöste, wobei Hose und Sakko nicht zwangsläufig dieselbe Farbe hatten.

Auch Gehröcke wurden gerne getragen. Die obligatorische Weste, die zur Männermode gehörte, war meist einfarbig. Mit niedereren, nicht mehr einengenden Kragenformen wurde auch die Herrenmode bequemer. Es gab Umlegekragen, Kragen zum Anknöpfen, die Manschetten wichen und die Hemdärmel schauten aus dem Sakkoärmel heraus.

Anfangs nur als Bekleidung für den Herrensalon gedacht, in dem geraucht wurde, setzte sich der Smoking, der Raucheranzug, auch in der Kleidung innerhalb der Gesellschaft durch.

Neben dem Zylinder trug man die Melone – ein runder, schwarzer, steifer Hut, als typische Kopfbedeckung. Zur schlichten und einfarbigen Bekleidung wählte man farbige Krawatten oder ein leicht übereinandergeschlagenen Halstuches, das Plastron.

Die Mode der Männer hatte den englischen Stil zum Vorbild, während die Damenmode ihre Richtlinien aus Paris bekam.

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Ich hoffe mein kleiner Ausflug in die Mode vergangener Zeiten hat Euch ein wenig gefallen und ihr wisst nun, was man wann, wie und wo trug? 😉

*Sisi*


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