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Erzherzogin Elisabeth Marie „Erzsi“

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Elisabeth Marie Fürstin zu Windisch-Graetz „Erzsi“

Elisabeth Marie Henriette Stephanie Gisela Erzherzogin von Österreich, bekannt als Elisabeth Petznek wurde am 2.9.1883 in Schloss Laxenburg geboren. 

Ihr Vater war Kronprinz Rudolf. Ihre Mutter Stephanie Prinzessin von Belgien. 

Kronprinz Rudolf war der einzige Sohn von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph. Sie war somit die Enkelin der beiden, zu dem war Kaiserin Elisabeth ihre Taufpatin. 

Elisabeth, welche nur „Erzsi“ (ungarische Koseform für Elisabeth) genannt wurde, war das einzige Kind des Paares, da Stephanie durch Rudolf unfruchtbar wurde.

Schon ihre Kindheit verlief turbulent. Vom Vater verhätschelt und verwöhnt, von der Mutter zwar geliebt, aber dennoch distanziert, wuchs sie hauptsächlich in der Hofburg und in Laxenburg auf. 

Stephanie wurde in ihrer Kindheit massiv missbraucht, weshalb es ihr schwer fiel, Liebe zu zeigen oder weiterzugeben. Rudolf hasste seine Frau immer mehr und gab sich den Soubretten hin. 

Erzsi liebte ihren Vater über alles und himmelte und betete ihn an, weshalb für die 5jährige die Welt zusammenbrach, als dieser sich in Mayerling das Leben nahm und als Mörder seiner Geliebten Mary Vetsera galt. 

Von jeher die Lieblingsenkelin von Kaiser Franz Joseph verhätschelte der sie weiter und nahm sich ihrer an, als ihre Mutter Wien verließ und jahrelang auf Reisen ging, um den Tratsch und Makel, der nun an ihr haftete zu entgehen. Ihre kleine Tochter nahm sie nicht mit. 

Auch Kaiserin Elisabeth vergaß ihre Enkelin und stürzte sich in Selbstmitleid und floh ab sofort noch mehr aus Wien und ging jahrelang auf Reisen und kam kaum noch zurück.

So wuchs Erzsi unter der Obhut des alternden Großvaters, mit Erzieherinnen, Hofdamen und Hauslehrern auf, die ihre liebe Not mit der sehr eigensinnigen jungen Dame hatten. Erzsi zeigte schon in jungen Jahren ihren eigenen Kopf, ihr Durchsetzungsvermögen und ihre Art Dinge anzupacken oder ihren Großvater gegen andere einzusetzen. Das Spiel spielte sie als Erwachsene bis zur Perfektion und stieß später viele vor den Kopf. 

Als sie zur einer jungen, sehr schönen Frau herangereift war, drehten sich bald alle Männer nach ihr um. Erzsi war 1,85 m groß gewachsen, sehr schlank, hatte rotblonde Haare und galt als unglaubliche Schönheit. Ihr Charakter war aber leider das genaue Gegenteil. Sie war despotisch, herrschsüchtig, eigensinnig, rachsüchtig, machte ihren Kindern das Leben zur Hölle, ging über Leichen, nur um ihren Vorteil zu erlangen und war von Natur aus schwer Eifersüchtig, bis hin zum völligen Kontrollverlust und Raserei. Kurz und gut, sie hatte keinen Funken Anstand in ihrem Leib. Ihre Dienerschaft behandelte sie wie Leibeigene, die es ihr auf ihre Weise dankten, doch dazu später.

Zur Mutter Stephanie hielt sie beinahe Zeit ihres Lebens nur noch schriftlichen Kontakt. Als diese ihre Biografie „Ich sollte Kaiserin werden“ veröffentlichte, ließ Elisabeth die Verbreitung gerichtlich verbieten, weshalb es kaum Exemplare davon gibt. 

Als diese dann noch 1900 morgantisch heiratete, verbat sich Erzsi jeden Kontakt und beschimpfte ihre Mutter als unwürdig. Zeitgleich lernte sie selbst aber den ihr nicht standeswürdigen Otto Prinz zu Windisch-Graetz kennen und verliebte sich.

Kronprinz Wilhelm von Preußen war für die Ehe mit Erzsi vorgesehen. Die Verlobung stand kurz bevor. 

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Otto zu Windisch-Graetz

Doch Erzsi setzte sich wieder einmal bei ihrem Großvater durch. Obwohl sie aus dem Erzhaus ausschied und damit offiziell keine Habsburgerin mehr war, jubilierte sie über den Triumph sich durchgesetzt zu haben. Noch zumindest. Am 23.1.1902 heiratete sie 18jährig den 28jährigen Otto Prinz zu Windisch-Graetz und wurde damit zur Prinzessin zu Windisch-Graetz.

Das Paar zog für eine Weile nach Prag, wo Otto stationiert war. In weiterer Folge bekam Erzsi 4 Kinder: 

Erzsi kann als liebevolle und fürsorgliche Mutter angesehen werden, solange die Kinder Babys und Kleinkinder waren. Doch sobald ein bisschen Selbstständigkeit begann, waren die Kinder für sie nur noch Mittel zum Zweck und zum anherrschen da. Dies begann etwa mit dem 2ten bis 3ten Lebensjahr. 

Die Ehe des Paares ging gründlich schief. Erzsi steigerte sich oft und gerne in ihre Eifersuchtsanfälle. Obwohl Otto und sie sich an Affären nichts schenkten, war Erzsi es, die ihn bis aufs Blut reizte. 

Auf den Bällen tanzte und flirtete sie mit jedem Mann, wohl wissend, dass sie Otto rasend machte, während Otto es ihr mit den schönsten Frauen des Abends gleich tat.

Während sich aber Otto zu Hause zurückzog, schwoll Elisabeths Leidenschaft jetzt erst an. Sie schrie, tobte und ihre Raserei kannte kaum ein Ende. Oft musste Otto seine Frau vor der Ehre retten und sich duellieren. Er wählte dabei meistens den Degen, da er hier für seine Geschicklichkeit bekannt war. Selten wählte er Säbel und noch seltener die Waffe, da er mit Letzterer nicht so gut umgehen und er nicht wissen konnte, wie schnell sein Gegner war. Erzsi lachte immer nur höhnisch, wenn er wieder nach Hause kam. 

Die Ehe von Otto und Elisabeth war nichts als eine einzige Höhe an Sex, Alkohol, Drogen, Eifersuchtsanfällen und miesen Tricks den Partner bei anderen auszuspielen. 

Es gipfelte darin, dass Erzsi eines Tages auf Ottos schoß, als sich dieser wieder einmal zurückzog und ins Bett legte. Sein Diener ließ ausrichten, dass sich der gnädige Herr Ausruhen möchte, als Erzsi in ihrem grenzenlosen Wahn, die Pistole holte, lud, zurückeilte, den Diener zur Seite stieß und schoss. Die Kugel verfehlte nur knapp das Bett. Sie durchschlug das dicke Holz einer Tür und landete schließlich im Parkettboden. Auch auf die Geliebte ihres Mannes Marie Ziegler (Opernsängerin) soll sie geschossen und sie dabei ebenfalls nur knapp verfehlt haben.

Das Ende einer turbulenten Ehe war damit endgültig entschieden. Obwohl sich Otto klar war, dass er seine Frau hätte zähmen können, war er nicht Manns genug, da er sich der Raserei und der Eifersucht von Elisabeth nicht mehr hingeben wollte. Die Trennung wurde 1911 endgültig ausgesprochen. 

Doch nun wurde es prekär. Seit 1909 (!) schrieb sie heimlich mit einem E.L. Briefe, die von sehr intimer Natur waren. E.L. wusste von all ihren Eheproblemen und von Ottos Affären und gab ihr in vielen Dingen Rat. Ihre Schwiegertochter deckte den Namen jenes Mannes auf, der Elisabeths große Liebe werden sollte. Doch auch hier, war ihr das Schicksal nicht hold.

Während E.L. in seinen Briefen bereits von Liebe sprach, gab es noch einen V.W., welcher mit Erzsi schrieb. Dem vertraute sie Geldprobleme an. Otto habe ihr nach der Trennung den Unterhalt gestrichen und hielte sie knausrig, habe sie dem geheimnisvollen Mann erzählt. V.W. liebte sie ebenso, wie E.L. und auch dieser blieb lange Zeit unidentifiziert. Mit beiden hatte sie gleichzeitig ein Verhältnis, entschied sich aber dann nur für E.L. den sie wirklich und wahrhaftig – zumindest was Elisabeth für Liebe hielt – zu lieben begann. 

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Egon Lerch
Geliebter von Erzsi

Um das Rätsel aufzulösen: V.W. stellte sich als Vincenz Windisch (Graetz?) heraus, der sich später umbrachte. Elisabeth triumphierte, weil sie dachte, es sei aus unerwiderter Liebe zu ihr geschehen und weil er sie nicht haben konnte, habe der schwer Depressive, aber loyale Vincenz sich umgebracht. Später erfuhr sie aber, dass er eine verheiratete Dame liebte, die mit ihrem Mann ins Ausland ging, sich dort trennen wollte, aber schwanger zurückkam. Obwohl Erzsi mit E.L. zusammen war, war sie von Trauer erschlagen. Ob aus Kummer, dass sich Vincenz nun doch nicht wegen ihr umgebracht, oder weil sie tatsächlich einen Freund verloren hatte, konnte ich nicht aus den Briefen herauslesen. 

Zurück zu E.L. Es stellte sich heraus, dass es sich um den weit unter ihrem Stand befindlichen Egon Lerch handelte, geboren am 19.6.1886 in Triest. Er war Leutnant auf einem Linienschiff. Begegnet waren sich die beiden auf einem Fest in Pola (Italien). Zuerst betrieben sie die Affäre heimlich. Doch schon bald pfiff Erzsi wieder einmal auf ihren Stand, auf ihre Herkunft und wer ihr Großvater war und zeigte Egon in aller Öffentlichkeit und bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Der Wiener Hof tobte, die Öffentlichkeit zerriß sich das Maul über Elisabeth, Kaiser Franz Joseph rief seine Enkelin zur Räson, Mutter Stephanie war bestürzt und bat einen Pfarrer die Dämonen die ihre Tochter heimsuchten mögen ihr ausgetrieben werden, Ehemann Otto wurde informiert, der ihr machtlos gegenüberstand. Fürstin zu Windisch-Graetz, machte mit Verlaub, was sie wollte. In dieser Zeit stieß sie ihre Familie, ihre Freunde und ihre Kinder vor den Kopf. 

Egon war ihr wichtiger als alles andere in ihrem Leben, weshalb gerade Otto sich fragte, wie sicher sind noch die Kinder bei Elisabeth? Da sie sich auch nicht gerade in ihren eigenen 4 Wände Freunde gemacht hatte, konnte sie nie sicher sein, welche Verfehlung sofort an Otto geschrieben oder telegraphiert wurde. 

Ihre Hausangestellten hassten sie wie die Pest. Sie behandelte diese Zeit ihres Lebens wie ihre Leibeigenen. Herrisch, despotisch, kein Bitte, kein Danke (im Gegensatz zu ihrem Großvater, der immer um alles bat). Sie galt als unhöflich, grob und abweisend. Die Hausangestellten dankten es ihr mit Illoyalität und Informationen an die Presse, ans Kaiserhaus und – an Otto.

Als der 1. Weltkrieg ausbrach wurde Egon am 21.8.1914 UBoot-Kommandant der U12. Er war zu diesem Zeitpunkt 28 Jahre alt und extrem stolz diesen Posten erreicht zu haben. Erzsi selbst war weniger glücklich, musste sie sich von ihrem Liebhaber trennen. Egon wollte seiner großen Liebe, der Tochter von Kronprinz Rudolf, Enkelin von Kaiser Franz Joseph seine Tapferkeit beweisen. Bevor er auslief, machte er ihr einen Heiratsantrag. Obwohl Erzsi nicht mehr zum Erzhaus angehörte, bekam sie monatlich immer noch eine ordentliche Apanage von ihrem Großvater, mehrere Wertgegenstände und sonstige Vergünstigungen. Elisabeth nahm den Heiratsantrag an. Irgendwie würde sie die Scheidung von Otto schon durchsetzen, dessen war sie sich sicher. 

Erzsi und Egon trafen sich so oft es ging, da dieser eine Zeit lang zu „Übungszwecken“ in Triest lag und dann im Mittelmeerraum eingesetzt wurde. Sie pendelte zwischen Triest und Wien, als ihr zu Jahresbeginn ihr Großvater das verwaiste Schloss Schönau schenkte, welches früher Erzherzog Otto „Bolla“ gehörte. 

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Erzsi mit allen Kindern

Kaiser Franz Joseph erhoffte sich dadurch, dass Elisabeth endlich sesshaft werden, ihren Kindern ein ordentliches Heim bieten, den Garten wieder begrünen lassen und wegen Otto und vor allem Egon zur Vernunft kommen würde. Schloss Schönau nahm sie an, die Vernunft nicht. Sie bat Kaiser Franz Joseph um die Scheidung von Otto, doch dieser lehnte ab.

Inmitten des Umzuges nach Schloss Schönau erhielt sie eine Nachricht, die sie bleich werden ließ. Seit 1914-1915 war sie es gewohnt zwischen Wien bzw. Schönau und Triest hin und herzupendeln. Egon telefonierte so oft es ging mit ihr, sogar zum Teil aus dem UBoot. Im Juni 1915 sah sie ihn das letzte Mal. Als sie im August von ihm nichts mehr hörte, befiel sie eine tiefe Unruhe. Als das Telegramm ankam, setzte sie sich umgehend in den Zug und fuhr nach Triest. Als sie am Bahnhof von einem Offizier erwartet wurde und dort Egons Diener sah, wurde ihr alles bewusst. Der Offizier händigte ihr ein Schreiben aus und ihre gute Kinderstube völlig vergessend, rannte sie los, mietete sich ein Hotelzimmer und schloss sich darin ein. 

Einer der besten Freunde Egons teilte ihr mit, dass die U12 am 7.8.1915 in Saba ausgelaufen sei und seit dem nicht mehr mehr zurückgekommen ist. Am 23.8.1915 strich man die U12 von der Flottenliste. Egon Lerch, die große Liebe ihres Lebens, war am tiefen Meeresgrund. Sie schrie sich die Seele aus dem Leib, wollte Sterben.

Erzsi erstarrte in Trauer, Verbitterung und was folgte, war wieder einmal ein Beispiel was Hass in Menschen bewirken kann. Sie ließ es an Menschen aus, die nichts dafür konnten: an Otto und in weiterer Folge an ihren Kindern, die sie mit Lernen traktierte bis aufs Blut. 

Nach dem Tod ihres Großvaters Kaiser Franz Joseph, bat sie Otto um die Scheidung und nun folgte die Rache von Otto: er lehnte ab.  

Nun begann tatsächlich ein erbitterter Sorgerechtsstreit um die Kinder, denn Otto befand, dass Elisabeth labil sei und die Kinder nicht mehr sicher. Zu seinen Gunsten stand, dass damals die Gerichte dies noch so sahen, dass die Väter die besseren Mütter seien und grundsätzlich den Vätern das Recht zusprachen. 

Als die Kinder 1921 (!) aus Schloss Schönau per Gerichtsbeschluss abgeholt werden sollte, eskalierte die Situation aber völlig. Die Kinder weigerten sich beharrlich und vehement, so dass der Richter, der Gerichtsvollzieher und 22 (!) Gendarmen einschreiten mussten. Die Kinder schrien sich die Kehle aus dem Leib (16, 14, 12 Jahre alt)  Ohne Erfolg. Sie zogen zu Otto um.

Ebenfalls 1921 lernte Elisabeth in Mödling Leopold Petznek kennen. Er war der Lehrer ihrer Kinder. Das Paar verliebte sich und in weiterer Folge war Leopold es, der sie zähmte und aus ihr „die rote Erzherzogin“ machte. Da Leopold bei den Sozialdemokraten Mitglied war und sich politisch engagierte, kam Erzsi mit diesem „Publikum“ in Verbindung und begann umzudenken und half plötzlich der Bevölkerung die in den Notstand geraten war. Im Zuge dieser Arbeit lernte sie sogar den jungen Bruno Kreisky (späterer öst. Bundeskanzler) kennen, der später noch ihre Schönheit und ihr soziales Engagement lobte. 

1924 drehte sich das Blatt für Erzsi und die Kinder kehrten zur despotischen Mutter zurück. Nun waren sie endgültig verstört. Sie waren weinerlich, machten wieder ins Bett, wurden depressiv und zeigten Anzeichen von psychischen Auffälligkeiten. Doch Elisabeth kannte kein Pardon. Sie tat dies alles mit einem herrschenden Ton ab. Die Kinder hatten zu gehorchen, zu parieren, zu lernen, still zusein und wenig zu lachen. Die Kinder waren nun 19, 17 und 15. Die Scheidung verweigerte er dennoch.

1924 ließ sie den Schlossgarten von Schönau für die Anwohner öffnen und trat schließlich 1925 selbst der SPÖ bei. In weiterer Folge half Elisabeth der Bevölkerung über die entbehrungsreichen Jahre des 2. Weltkrieges und half mit allem aus. 

Ihren eigenen Kindern jedoch gönnte sie nichts. Sie nahm nicht einmal an deren Hochzeiten teil und schrieb zum Teil garstige Briefe, wenn einer von ihnen krank wurde (…hast es sicher verdient…; jeder trägt sein Kreuz). 

Elisabeth und ihre Mutter Stephanie hatten sich seit 1925 nicht mehr gesehen. Beide beharrten auf ihrem Recht und keiner gab nach. Stephanie war davon überzeugt, dass Elisabeth von einem Dämon besessen sei. Elisabeth wiederum, gab ihrer Mutter die Schuld, am Tod ihres Vaters. Als Stephanie am 23.8.1945 starb, hatten sich die beiden seit 20 Jahren nicht mehr gesehen. Und doch fanden sich zahlreiche Briefe – teils sehr innige und intime – einer insgesamt sehr eigenartigen und schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung. 

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Leopold Petznek
2. Ehemann

1939 musste sie ihren Lieblingssohn Rudi begraben, der bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Mit „Sieg Heil“ Parolen stand die Wehrmacht am Grab in Hütteldorf, welches auch das Grab für Erzsi werden sollte. 

1944 musste Elisabeth erneut um das Leben ihres Geliebten bangen. Leopold wurde ins Konzentrationslager Dachau gebracht, überlebte aber das Martyrium. 1945 nach dem Ende des Krieges konnte er lebend daraus befreit werden. 

1948 willigte Otto nun endlich in die Scheidung ein. Er empfand weder Hass, noch Rache gegenüber seiner Frau. Am 4.5.1948 fand nun nach 27 Jahren „wilder Ehe“ die Hochzeit statt. Elisabeth war vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich angekommen. 

Schönau wurde schließlich aufgegeben und das Paar zog nach Wien zurück, wo sie die Villa Windisch Graetz kauften und umbauen ließen. 

1952 begrub sie ihren Sohn Erni im selben Grab wie Rudi, welcher an einem Herzversagen starb. Vielleicht tat ihr jetzt ihr Brief (….hast es sicher verdient…; jeder trägt sein Kreuz) leid. 

Ab diesem Zeitpunkt verließ sie nicht mehr ihr Zimmer. Sie saß Tag für Tag, Minute für Minute, Stunde für Stunde, in einem großen Fauteuil, eingehüllt in einem großen Mantel aus schwarzen Wollstoff und einen schwarzen Schal, welcher um ihre Schultern geschlungen war. Die Beine waren in dicke Decken gehüllt, um ihr Haupt war ein schwarzer enganliegender Turban gebunden. 

Starkes Rheuma und Migräne begleiteten sie Tag für Tag und kein Medikament konnte ihr Linderung verschaffen. Sie glaubte an Scharlatanerie und zum Teil kamen und gingen komische „Ärzte“. Sie glaubte an Magnetismus, Astrologie, Homöopathie und hatte einen Koffer voller Heilsteine. Auch Morphium und sonstige Opiate fand man in ihrem Arzneikoffer. 

Leopold war ihr in Geduld und Liebe ergeben und gab keinen Mucks von sich. Entweder er saß oder lag neben ihr. Entfernen ohne ihrer Erlaubnis durfte er sich nicht. Ansonsten schrie sie sofort nach ihm und fragte wo er sei und was er mache. Aufopfernd und ohne Klagen ertrug er dies all die Jahre, ohne Widerspruch.

Schon immer war Elisabeth schwierig gewesen. Schon immer hat sich Elisabeth in viele Krankheiten geflüchtet und gewusst, wie sie die Zeit ihres Lebens einzusetzen wusste, wenn sie etwas wollte oder wenn sie despotisch Menschen an sich binden wollte. 

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Erzsi im Alter

1955 zog dann auch endlich die französische Besatzungsmacht ab in deren Viertel das Paar wohnte. Leopold starb schließlich am 27.7.1956 und wieder saß Elisabeth im Rollstuhl am Friedhof. 

Nun blieb Elisabeth nur noch die Einsamkeit. In den Jahren 1957 – 1959 kam die Schwiegertochter von Franzi mit den Kindern jeden Sonntag zum Mittagessen, doch ab 1960 mussten die Besuche eingestellt werden, Erzsi schaffte es nicht mehr. 

Ihre Gärtner mussten ihr tägliche Berichte aus dem Garten abgeben  und ihr erzählen, welche Blumen blühten und welche verblüht waren. Sie selbst konnte ihren Garten, nur noch vom Rollstuhl, vom Balkon im 1. Stock aus sehen. 

Den grausigsten Entschluss fasste sie für ihre geliebten, mehrfach preisgekrönte Schäferhunde Putzi, Libelle und Lido. Obwohl der Tierarzt und alle Personen rund um sie versprachen die Hunde beisammen zulassen und zu übernehmen, herrschte Erzsi den Tierarzt an, dass die Hunde am Tag ihres Todes einzuschläfern seien. Sie wollte, dass ihre Hunde genauso zu sterben, wie sie. Der Tierarzt konnte sich nicht widersetzen. Und so geschah es. 

Elisabeth Petznek starb am 16.3.1963 79jährig in Wien. Sie ruht im Familiengrab Petznek und Windisch – Graetz am Hütteldorfer Friedhof in Wien. 

Lido, Putzi und Libelle wurden tatsächlich eingeschläfert und neben Elisabeth aufgebahrt. Lido lag so, dass Elisabeths Hand ihren toten Körper berührte. Libelle ruhte zu ihren Füßen und Lido lag direkt darunter. Die Hunde waren kaum 8 Jahre alt. 

Das Grab trägt auf Wunsch von Elisabeth keinerlei Inschrift. Das Kreuz gehört nicht zum Grab von Erzsi, sondern einem anderen Grab. Erzsis Grab enthält keinen Stein, keine Inschrift.

Elisabeth erbte von Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph viele persönliche Gegenstände. Trotz Widerstand von Leopold Petznek vererbte sie das aus reiner Bosheit, Hass und Habgier nicht den verbliebenen Kindern Franz Joseph und Stephanie, sondern der Republik Österreich. 

Am Tag ihres Todes (!) kam die Stadt Wien, holte die unglaublich wertvollen Gegenstände, ohne zuvor eine Inventarliste anzulegen, ohne Beisein eines Notars und ohne einen Sachverständigen ab. 

Als Sohn Franz Joseph aus Kenia nochmals die Villa im Beisein eines Rechtsanwaltes betreten durfte, fehlten bereits alle wertvollen Gegenstände. Er sah diese nie wieder. 

Elisabeth besaß: 

🔷 Spitzenbrautschleier von Kaiserin Elisabeth 

🔷 Orientteppiche von Kronprinz Rudolf, welche er aus seiner Orientreise mitgebracht hat

🔷 Schmuck, welcher von Kaiserin Elisabeth Erzsi geschenkt wurde

🔷 280 Originalbilder von Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Kronprinzessin Stephanie, Kronprinz Rudolf und der gesamten kaiserlichen Familie – und einige Ölbilder 

🔷 die gesamte Privatbibliothek von Kaiserin Elisabeth 

🔷 40teiliges Altwiener Porzellan aus dem persönlichen Besitz des Hauses Habsburg 

🔷eine private Kunstsammlung von Kaiser Franz Joseph 

Ein Teil der Sammlung wie zB der Brautschleier, Orientteppiche und Bilder sind bis heute verschwunden; ein Teil taucht manchmal in Ausstellungen auf. 

Ein kleiner Teil des Nachlasses ist im Hofmobiliendepot Wien zu betrachten. Dieses habe ich euch in den Videos gezeigt (Facebook Kategorie Video zu finden). 

Der Großteil jedoch wird in großen Lagern aufbewahrt, welche völlig überfüllt mit konfiszierten Schätzen der Habsburger sind. 

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Bildrechte: akpool.de, Wikimedia Commons, mythoskaiserinelisabeth.com


Literatur Hinweise:

Friedrich Weissensteiner
Die rote Erzherzogin
Piper Verlag, 1993

Ghislaine Windisch-Graetz
Kaiseradler und rote Nelken
Das Leben der Tochter des Kronprinzen Rudolf
Amalthea Verlag, 1992

Michaela Lindinger
Elisabeth Petznek
Rote Erzherzogin, Spiritistin, Skandalprinzessin.
Die Biografie. 
Molden, Wien/Graz 2021

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