Hofburg Innsbruck

Vor zwei Jahren machte ich Urlaub in Tirol und musste natürlich auch die Hofburg in Innsbruck besuchen. Was verbindet ihr mit Innsbruck? Ich muss zugeben, das erste woran ich dachte war natürlich das Goldene Dachl, gleich gefolgt vom Alpenzoo.

Da ich eine Österreich Rundreise machte, suchte und plante ich natürlich bereits Wochen im Voraus kaiserliche Ziele.

Dabei stieß ich dann auf die Sisi Appartements in der Hofburg.

Nun verbinden die meisten vermutlich Wien mit dem Namen Hofburg, ohne zu wissen, dass es in Innsbruck ebenfalls eine solche gibt, die ihrem Wiener Pendant um nichts nachsteht.

Ich besuchte also das Museum und war begeistert von den Räumen der Kaiserin, die ihr Schwager eigens für sie errichten ließ!  Man könnte anhand dieser Räume fast ein wenig den Sissi Filmen Glauben schenken und denken Karl Ludwig wäre ein bisschen in seine Schwägerin verliebt. 

Kaum war ich zu Hause rief ich natürlich mein Mariechen an und schwärmte von diesem Besuch. Nicht nur die Räume für die Kaiserin, sondern auch der Riesensaal hatte mich schwer beeindruckt.

Da wir letztes Jahr nach Meran im Palast Hohenems zu Gast waren, (Link: Gräfin Hohenembs – Ein Pseudonym das Weltruhm erlangte….. – Palast Hohenems)  behielten wir die Möglichkeit im Zuge dieser Reise Westösterreich zu besuchen bei und suchten nach möglichen Zielen.

Schloss Ambrass, Schloss Tratzberg, Schlösser und Burgen gibt es unzählige im Heiligen Land Tirol, eines schöner wie das andere. Irgendwann bei einem unserer fast täglichen Telefonate scherzte ich dann und sagte, „wieso fragen wir nicht gleich in der Hofburg?“

Wie ihr alle wisst, sind meine Wünsche Maries Befehle und so dauerte es nicht lange, dass sie mich zurück rief und erstmal nur ins Telefon quietschte.

Beim ersten Ton war mir sofort der Grund für diesen Ausbruch klar.

Wir hatten tatsächlich die Erlaubnis bekommen in diesen Räumen zu fotografieren.

Aber nicht nur das, man erlaubte uns auch das Benutzen sämtlicher Möbel…

Könnt ihr Euch vorstellen, was das für ein Gefühl war?

Nachdem der erste Schock verdaut war kam sofort der nächste Gedanke… WELCHES KLEID???

Wir gingen gemeinsam alle Kleider durch, fanden ein scheinbar passendes und verwarfen es sofort wieder. Je mehr ich darüber nachdachte, umso deutlicher wurde die Erinnerung an die grellen Farben der Seidentapeten, das bunte Muster des Teppichs und im nächsten Augenblick war eines klar:

„Ich habe nichts anzuziehen, ich brauche ein neues Kleid“

Nun könnte man meinen, bei über 60 Kleidern müsste doch was Passendes dabei sein, aber nein, es war nichts dabei, das dieser Einladung gerecht werden würde.

Historisch korrekt sollte es sein, dezent in den Farben und auf jeden Fall einer Kaiserin würdig. Und schon begann es in meinem Kopf zu rattern. Nun, vielleicht sollte ich dazu sagen, all das geschah ungefähr 3 Wochen vor unserer Abreise. Also könnt ihr Euch denken, wie kurz meine Nächte wurden… Nachdem unsere Mädels davon erfahren haben kam sofort Hilfe aus der Schweiz und unser Minnerl bot im nächsten Augenblick ihre Hilfe an. Denn so weit entfernt Innsbruck von mir ist, so nah ist es in die Schweiz.

Nun zu dritt hatten wir natürlich weit mehr Möglichkeiten und einstimmig beschlossen wir, dass das Sternenkleid in diesem Fall mit musste!

Link:    Das Sternenkleid – Kleid aller Kleider

Keines der Ballkleider würde besser dorthin passen als das weltberühmte Sternenkleid.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wir verließen Meran mit einem lachenden und einem weinenden Auge und machten uns auf den Weg nach Innsbruck.

Die Sonne strahlte und das Kaisergebirge lud ein die Gipfel zu erklimmen.

Nachdem wir im Burghof unsere „Kutsche“ abgestellt hatten wurden wir sofort freundlich empfangen und man zeigte uns die Garderobe.

Minnerl begann die Unterröcke auszubreiten, zog die Schnüre am Korsett an, enger und noch enger…

Dann war es soweit. In einem schwarz weißen Tageskleid, bestehend aus Bluse mit einer Swisswaist und einem aufwendig gerafften Rock mit Spitzenfransen besetzt folgte ich dem Aufsichtspersonal durch die Gänge und durchquerte den Riesensaal.

Die beiden Mädels staunten nicht schlecht und waren kaum dazu zu bewegen sich weiter zu bewegen.

Im Riesensaal begegneten wir der Familie von Maria Theresia, hier sind all ihre Kinder und Enkelkinder verewigt. Der Name Riesensaal stammt allerdings aus früheren Zeiten, als Fresken der griechischen Mythologie die Wände schmückten.


Aber bevor ich Euch jetzt in die Räume der Kaiserin entführe, werfen wir einen Blick auf die eindrucksvolle Geschichte des Hauses.

Bereits 1350 bestand die romanische Stadtmauer, die später in den Osttrakt der Hofburg integriert wurde.

Ab 1396 kaufte Herzog Leopold von Österreich die ersten Grundstücke auf denen nun die heutige Hofburg steht.

Zwischen 1453 und 1463 erbaute Herzog Sigmund der Münzreiche eine rechtwinkelige Burg um das Stadttor.

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Sigismund von Tirol – Foto: wikimedia/commons

Nachdem Kaiser Maximillian die damalige Burg ausbauen und umbauen ließ, galt sie als schönstes Bauwerk der Spätgotik.

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Maximilian I. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches – Foto: wikimedia/commons

Zwischen 1536 und 1570 wurde aus der Burg ein Renaissance Schloss und erhielt Wandmalereien in den Innenhöfen.

1577 ließ Kaiser Ferdinand II. die Silberkapelle im Verbindungsgang zur Hofkirche errichten.

1665 verlegten die Habsburger ihren Regierungssitz nach Wien und somit diente Innsbruck nur noch als kaiserliche Unterkunft auf der Durchreise.

Zwischen 1754 und 1756 wurde die Hofburg erneut umgebaut, Maria Theresia machte aus der Hofburg ein Barockschloss.

Nach einem weiteren Umbau gehörte die Hofburg nun zu den bedeutendsten Repräsentationsbauten von Österreich.

1805 wurde die Hofburg zur bayrischen Nebenresidenz, nachdem Tirol an Bayern gefallen war.

Erst 1815 kam Tirol nach dem Wiener Kongress zurück an Österreich und somit die Hofburg wieder in Habsburger Besitz.

1848 flüchtete Kaiser Ferdinand im März mit der gesamten kaiserlichen Familie nach Innsbruck und kehrte erst im August wieder nach Wien zurück.

1858 kam es dann unter Karl Ludwig dem Stadthalter von Innsbruck zur Neugestaltung der Wohnräume. Die Sisi Appartements wurden errichtet.

1900 wurde ein Großteil der wertvollen Möbel nach Wien überstellt.

Bereits vor dem ersten WK war es erlaubt die Kaiserappartements an gewissen Tagen zu besichtigen.


Durch ein Vorzimmer gelangten wir anschließend in die Wohnräume der Kaiserin.

Der erste Raum war der Salon der Kaiserin, der zeitgemäß im Stil des zweiten Rokokos gestaltet wurde. Die Seidentapeten wurden originalgetreu nach Originalmustern von 1858 in einem aufwendigen Verfahren nachgewebt und wieder hergestellt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Mein absolutes Lieblingszimmer kam als nächstes. Wir betraten das Toilettezimmer ihrer Majestät der Kaiserin von Österreich. Ganz in rosa gehalten ist dieses Zimmer, wohl der Inbegriff jedes Mädchentraumes!  Ab hier begann auch der Privatbereich.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Man nutzte diesen Raum zur Körperpflege, zum Kämmen, zum Wiegen und zum Erfrischen hieß es bereits im Elisabeth Musical, und ich muss sagen, es gibt vermutlich kaum einen schöneren Ort um sich die Haare flechten oder die Hände maniküren zu lassen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Allen Protesten zum Trotz musste ich mich aus der rosa Chaiselongue erheben und mich ins Schreibzimmer begeben, denn mein Mariechen drängte zur Eile. Man wollte ja in jeden Raum, auch wenn sie kaum ein Argument finden konnte um mich von meinem Traum in Rosa weg zu bringen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie es ist in ihren Räumen auf ihren Stühlen zu sitzen, auf ihrer Chaiselongue zu liegen, aus dem Fenster zu sehen und zu träumen…

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nicht nur die Besucher des Museums staunten nicht schlecht, als diese Räume so wieder zu neuem Leben erwachten. Auch die Mitarbeiter, die an Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft nicht zu überbieten waren, kamen um zu helfen und um zu staunen. Wir lachten herzlich als dann irgendwann die Aussage fiel „die Kaiserin ist wieder zu Hause“

Der nächste Raum den ich betreten durfte war das Schreibzimmer der Kaiserin. Ein Turmzimmer vollkommen in Türkis tapeziert.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Fast sah es so aus als würde der Schreibtisch nur darauf warten, benutzt zu werden. Standen doch Tintenfass und andere Gebrauchsgegenstände bereit einen Brief an die Lieben zu verfassen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ein Sofa gegenüber dem Tisch auf dem vielleicht Ida oder Marie gesessen haben und vorlasen, während Marie Valerie auf dem Teppich spielte.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wir verließen das Schreibzimmer und gingen durch das Toilettezimmer weiter in ein kleines Kabinett, das als Ankleidezimmer und Aufenthaltsraum der Dienstboten diente, um das Schlafzimmer der Kaiserin zu betreten.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Elisabeth selbst war 4 Mal in der Hofburg in Innsbruck zu Gast und ganz wie es sich für die damalige Zeit gehörte, stand auch hier neben dem Bett der Kaiserin ein Betstuhl.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wie schon im Toilettezimmer stand auch im Schlafzimmer eine Chaiselongue, die wie man uns erzählte eigens für die Kaiserin gefertigt wurde.

Vielleicht um sich am Nachmittag ein wenig auszuruhen?

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Denn komplett geschnürt und mit Krinoline ist selbst das Sitzen am Sofa nicht sonderlich entspannend.

Ganz anders jedoch auch bei diesem besonderen Stück, auch wenn es diesmal wie der restliche Raum dunkelgrün und nicht rosa war. Es war dennoch ausgesprochen entspannend hier Platz zu nehmen, denn ein kleines Geheimnis will ich Euch nun verraten: man kann natürlich ein Korsett enger oder weniger eng schnüren, was sich massiv auf den Tragekomfort auswirkt.

Wir machen es meist von Ort und Anlass abhängig, nur welchen Ort könnte es geben, der einen höheren Stellenwert als die Hofburg haben würde?

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Dann wurde es Zeit die kaiserlichen Appartements wieder zu verlassen und Lebewohl zu sagen, wenn auch nur um das Kleid zu wechseln.

Denn wir hatten ja noch etwas ganz Besonderes vor.

Wir wollten das Sternenkleid im Riesensaal fotografieren.

Also gingen wir zurück in unser „Kabinett“ und Minnerl begann das Tageskleid zu öffnen, das Korsett nach zu schüren und mir dann Schicht für Schicht das Sternenkleid anzulegen.

Aber seht selbst, ich denke, in diesem Fall sprechen die Bilder für sich….

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ich möchte mich hiermit aufrichtig und aus tiefsten Herzen bei der Burghauptmannschaft Österreich für diese einzigartige Möglichkeit bedanken.

Die Innsbrucker Hofburg wird für immer eines der absoluten Highlights nicht nur für mich, sondern auch für mein Team bleiben!

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Euch, meine Lieben, kann ich nur sagen, „auf nach Tirol!“ besucht die kaiserliche Hofburg, ein Ort an dem die Kaiserin beinahe immer noch spürbar ist ;

Das Museum hat täglich von 9.00 bis. 17.00 geöffnet!

Genau Infos findet ihr unter:  

http://www.hofburg-innsbruck.at/623/php/portal.php?language=de

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Sisi


Rechtliche Hinweise:

Bildrechte: Sternenkaiserin,com – marie, wikimedia/commons, 

Videos: sternenkaiserin.com

Textrechte: Sisi 

Gräfin Hohenembs – Ein Pseudonym das Weltruhm erlangte….. – Palast Hohenems

Der Kaiser von Österreich-Ungarn trug unzählige Titel, einer davon war auch „Graf von Hohenembs“. Ein Titel, den auch Elisabeth des Öfteren nutzte, wenn sie unerkannt reisen wollte. Zur traurigen Berühmtheit gelangte er bei ihrer letzten Reise nach Genf…

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Das Attentat, Xylografie, 1898 (c) Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H, Foto: Sascha Rieger

Wie jedes Jahr verbrachten wir den Oktober in Meran, nur setzten wir dieses Mal unsere Reise direkt fort und fuhren weiter über Innsbruck nach Hohenems.

Der Palast Hohenems war das Residenzschloss der Grafen von Hohenems und befindet sich bis heute in Privatbesitz der Familie Waldburg-Zeil.

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Wappen Waldburg-Zeil-Lustenau-Hohenems Foto: wikimedia/commons

Nach einer etwas abenteuerlichen Fahrt kamen wir an diesem verregneten Dienstag Vormittag nach Hohenems, einer Stadt im Bezirk Dornbirn in Vorarlberg in deren Zentrum sich der imposante Palast erhebt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nach kurzer Begrüßung betraten wir die Ausstellungsräume im ersten Stock. Auf Grund des doch recht kühlen Wetters entschlossen wir uns für ein Tageskleid mit Jäckchen, Schirm und Hut.

In der großen Halle erwartete uns dann ein vertrautes Gesicht. Seine Majestät, Kaiser Franz Josef. 😉

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Der Palast Hohenems geht auf eine Vorarlberger Adelsfamilie zurück.

Ihr Aufstieg beruhte einerseits auf militärischen Verdiensten die sich Merk Sittich I. von Ems (1466–1533) als Landsknechtsführer in Diensten Karls V. in Italien erworben hatte, andererseits auf der Verheiratung von Merks Sohn Wolf Dietrich (1507–1538) mit Chiara de Medici. Durch ihre direkte Verwandtschaft zu Giovanni Angelo Medici, der 1559 zum Papst gewählt und am 6. Jänner 1560 als Pius IV. gekrönt wurde, erhielt die Emser Verwandtschaft 1560 den Reichsgrafenstand durch Ferdinand I.

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Marx Sittich von Embs zu der Hohen Embs Ritter und Obrister Foto: wikimedia/commons

Auftraggeber des Renaissancepalastes war Kardinal Mark Sittich III. von Hohenems (1533–1595), Sohn von Wolf Dietrich und der Chiara de Medici.

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Kardinal Markus Sittikus (1578) Foto: wikimedia/commons

Mark Sittich hatte zunächst eine militärische Laufbahn in kaiserlichen Diensten begonnen, wurde dann aber von seinem Onkel Pius IV. zum Bischof von Cassano (27. April 1560) berufen. Er war Statthalter der Mark Ancona (2. Mai 1560) und päpstlicher Legat am Wiener Hof, am 26. Februar 1561 wurde er zum Kardinal der römischen Titelkirche Santi XII Apostoli und anschließend zum Bischof von Konstanz geweiht.

1562 erteilte er den Auftrag zum Bau des neuen Palastes Hohenems an den italienischen Architekten Martino Longhi (“il vecchio”), der von 1562 bis etwa 1567 den Rohbau fertigte.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Im Norden und Süden befinden sich zweiachsige Eckrisalite unter Zeltdächern und die Mittelachse wird durch ein plastisch gegliedertes Rundbogenportal betont.

Damit ist der Palast von Hohenems der bedeutendste Renaissancebau Westösterreichs.

Durch das große Portal betraten wir den wunderschönen Innenhof, wo wir gleich darauf begrüßt wurden.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Erweitert wurde der Palast Anfang des 17. Jahrhunderts (1603–1610) von einem Neffen Mark Sittichs, Graf Kaspar von Hohenems (1573–1640).

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Kaspar von Hohenems (Porträt von Lucas Kilian) Foto: wikimedia/commons

Nach dem Tod des letzten regierenden Reichsgrafen von Hohenems, Franz Wilhelm III., im Jahre 1759 erbte seine Tochter Maria Rebecca (1742–1806) den Besitz. Sie war verheiratet mit dem k.u.k. Feldmarschall Franz Xaver Graf Harrach-Rohrau-Kunewald (1732–1781). Deren einzige Tochter Maria Walburga Erbgräfin Harrach-Lustenau-Hohenems (1762–1828) heiratete 1779 Clemens Alois Reichserbtruchsess Graf Waldburg-Zeil-Trauchburg. Sie wurden 1806 regierende Grafen von Lustenau.

1813 erwarb Clemens Waldburg-Zeil-Lustenau-Hohenems (1753–1817) die Besitzungen Lustenau und Hohenems von seiner Frau.

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Clemens Alois, Porträt um 1785 Foto: wikimedia/commons

Da seine eigenen vier Kinder verstorben waren, adoptierte er noch im selben Jahr seinen Neffen, Sohn des 1. regierenden Fürsten Waldburg-Zeil, den Reichserbtruchsessen Graf Maximilian Clemens Waldburg-Zeil-Hohenems (1799–1869), der nach seinem Tod zu seinem Universalerben bestimmt wurde.

1840 wurde der Palast zur Kaserne umfunktioniert und ab 1882 von Graf Clemens Waldburg-Zeil und seiner Familie renoviert und bewohnt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Im Jahr 1912 heiratete sein zweiter Sohn Georg die Erzherzogin Elisabeth Franziska (1892–1930).

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Verlobungsfoto von Erzherzogin Elisabeth Franziska und Graf Georg von Waldburg-Zeil-Hohenems 1912 Foto: wikimedia/commons

Sie starb mit 38 Jahren an einer Lungenentzündung. Elisabeth, genannt Ella, war die erstgeborene Tochter von Erzherzog Franz Salvator von Österreich-Toskana und Erzherzogin Marie Valerie von Österreich und somit eine Enkelin von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth.

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Erzherzogin Elisabeth Franziska, 1914 Foto: wikimedia/commons

Aus dieser Ehe stammten vier Kinder:

Marie Valerie Waldburg-Zeil (1913–2011)

Klementine Waldburg-Zeil (1914–1941)

Elisabeth Waldburg-Zeil (1917–1979)

Franz Josef Waldburg-Zeil (* 1927)

Begraben wurde Ella am Friedhof in Maria Thann im Allgäu.


Am 29. Dezember 1931 heiratete ihr verwitweter Ehemann Georg ihre Schwester Gertrud. Sie wurde am 23. November 1900 in der Schlosskapelle von Wallsee unter Beisein von Kaiser Franz Josef auf den Namen Gertrude Maria Gisela Elisabeth Ignatia getauft. Taufpatin war Prinzessin Gisela von Bayern, die ältere Schwester ihrer Mutter.

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Ölgemälde von Erzherzogin Gertrud Foto: wikimedia/commons

Mit Gertrud hatte Georg zwei weitere Kinder:

Sophie (* 5. Dezember 1932), ∞ Wessel Freiherr von Loë (* 1928)

Joseph (* 12. April 1934), ∞ Maria Benedikta von Redwitz (* 12. April 1937)

Gertrud starb am 20. Dezember 1962 mit 62 Jahren im oberschwäbischen Ravensburg, sie hinterließ ein Archiv mit Dokumenten und Briefen der kaiserlichen Familie das von Historikern und Autoren wie etwa Egon Caesar Conte Corti oder Richard Sexau verwendet wurde. In diesem Archiv befand sich auch das Tagebuch von Erzherzogin Marie Valerie!


1954 übernahm der aus dieser ersten Ehe stammende älteste Sohn Franz Josef (* 1927; Urenkel von Kaiser Franz Joseph I. und Elisabeth) den Palast sowie das Schloss Glopper.

Beide Immobilien befinden sich bis heute in Besitz und wurden von Franz Josef Waldburg-Zeil und seiner kürzlich verstorbenen Frau Priscilla, geborene Gräfin Schönborn bewohnt. Sie öffneten den Palast für Konzerte, Empfänge und Opern.

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Priscilla und Franz-Josef Waldburg-Zeil. Foto: Neue.at

2016 übernahm Franz Clemens Graf von Waldburg – Zeil mit seiner Frau Stephanie, geborene Gräfin Blanckenstein mit deren 4 Töchtern den Palast.


Im Palast befinden sich ein Standesamt und Veranstaltungsräume.

Die Ausstellungsräume könnt ihr nach Voranmeldung besichtigen.

Besonders interessant fand ich das „Spielzimmer“, Kinderspielzeug aus verschiedenen Epochen, sowie verschiedene Kinderwägen sind dort ausgestellt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

In mehreren Vitrinen sind auch persönliche Dinge der ehemaligen Gräfinnen zu bewundern, von Spitzen über Handschuhen bis hin zu mehreren Fächern, zeigt die Ausstellung in der auch seltene und kaum bekannte Fotografien aus dem Leben der kaiserlichen Familie ausgestellt sind, auch alltägliche Dinge des 19. Jahrhunderts, wie zb eine Nähmaschine.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Eure Sisi


Rechtliche Hinweise:

Bildrechte: Sternenkaiserin,com – marie, wikimedia/commons, Neue.at

Textrechte: Sisi, Palast Hohenems

Schloss Trauttmannsdorff – Die schwarze Frau von Meran

Immer wieder werde ich gefragt, wie viele Kleider ich habe und wie es dazu gekommen ist.

Der erste Anlass für ein „bestimmtes“ Kleid war meine Einladung nach Meran in die Gärten von Trauttmansdorff.

Wenn man die Treppen zum Schloss hinauf steigt, wird man von einer Holzstatue im schwarzen Kleid begrüßt, die am Balkon steht.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Eben dieses Kleid, das Symbol der „schwarzen Frau von Meran“, wie die Kaiserin ab ihrem letzten Besuch in Meran, kurz nach dem Tod des Kronprinzen genannt wurde, diente mir als Vorlage. Denn eines war klar, wenn ich dort hinfahren würde, musste ich auch auf diesen Balkon!

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

So begann meine „Leidenschaft“, jeweils das passende Kleid zum passenden Ort zu nähen. Inzwischen sind dadurch an die 60 verschiedene Kleider entstanden. Den genauen Überblick habe ich längst verloren.

Jedes Jahr am dritten Sonntag im Oktober findet in Meran der größte Erntedankumzug von ganz Südtirol statt. An diesem Umzug beteiligt sich auch das Schloss Trauttmansdorff mit drei Wägen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ein Wagen symbolisiert die Gärten, einer das Schloss Trauttmansdorff und der vermutlich aufsehenerregendste ist der Wagen der Kaiserin.

Geschmückt mit roten Begonien und einem goldenen Baldachin, ist dieser Wagen jedes Jahr derjenige, bei dem die Menge zu winken und zu applaudieren beginnt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Als ich zum ersten Mal diesen Wagen erblickte, schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: „Wie soll ich da in diesem Kleid da hinauf kommen ???“. Ich stand im weißen Spitzenkleid vor der Aufgabe, irgendwie auf dieses Gefährt zu kommen, ohne das halb Meran meine Unterwäsche sieht oder gar das Kleid schmutzig wird, oder ich im schlimmsten Falle wieder herunterfalle.

Wer jemals ein Krinolinenkleid trug, kann sich vielleicht vorstellen, wie mir zu Mute war.

Das Problem war schneller gelöst, als ich ahnte, denn ich hatte nicht mit der tatkräftigen Unterstützung der Gärtner gerechnet. Gesagt getan, die Kaiserin wurde kurzerhand auf den Wagen hinauf gehoben und nur wenige Sekunden später saß ich auf meinem „Thron“ und konnte der jubelnden Menge zuwinken.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an „meinen Haus- und Hofgärtner Werner“ der seither jedes Jahr treu zur Stelle ist, um mich auf und auch wieder vom Wagen zu heben.

Könnt ihr Euch vorstellen, wie es ist, wenn man von geschmückten Pferden durch eine Menge von 250.000 winkenden Menschen gezogen wird?

Ich konnte es nicht! Es ist wirklich ein unvergessliches Erlebnis, und ich muss zugeben, ich bin froh darüber, auf dem Wagen zu sitzen, denn sonst müsste ich vermutlich Romy´s Text in den Mund nehmen und am Ende des Tages meinem Mariechen berichten:

„Die Meraner waren so begeistert, sie haben mir beinahe das Kleid zerfetzt“ 😉

Bis zu 50 verschiedene Gruppen aus Italien, Deutschland und Österreich nehmen jedes Jahr an diesem Umzug, begleitet von unzähligen Trachtenkapellen, teil und lassen so ein Stück Brauchtum wieder aufleben.

Für mich ist es jedes Jahr auf’s Neue eine große Ehre, Teil davon zu sein und das Schloss Trauttmansdorff mit seinen wundervollen Gärten repräsentieren zu dürfen.


Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich zum ersten Mal nach Meran kam und sich mir eine malerische Kulisse bot. Palmen, soweit das Auge reicht, umrahmt von einem Bergpanorama, dessen schneebedeckte Gipfel jedes Wandererherz höher schlagen lassen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ich nutzte den Tag vor dem Umzug, um ein wenig durch die Gärten zu wandeln, denn auch wenn diese erst 2001 eröffnet wurden, der Ausblick von der Terrasse in das Meraner Land ist dennoch derselbe, wie ihn Elisabeth 1870 bei ihrem ersten Besuch erlebte.

Aus diesem ursprünglich privaten Tag im Garten wurde im Laufe der Jahre der „Sissi Tag“ in den Gärten von Trauttmansdorff. Ein Tag, an dem der gesamte Garten sowie das Touriseum ganz im Zeichen der Kaiserin stehen.

Sissi Tag in den Gärten von Trauttmansdorff, Fotos: sternenkaiserin.com – marie 

Wie kam es überhaupt dazu, dass die österreichische Kaiserin in dem damals noch recht unbekannten Südtiroler Dorf logierte?

Zwei von insgesamt vier Kuraufenthalten in Meran verbrachte Kaiserin Elisabeth auf Schloss Trauttmansdorff.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Am 16. Oktober 1870  reiste sie mit der neu in Betrieb genommenen Brennerbahn „in strengstem Inkognito“ und mit einem Hofstaat von 102 Personen an und bezog erstmals die eigens für sie prunkvoll eingerichteten und renovierten Räume mit der kleinen, kränkelnden Marie Valerie.

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Unter anderem wurde deswegen sogar ein neues Hoftelegrafenamt mit direkter Verbindung nach Wien errichtet.

Ungewöhnlich für eine Kaiserin, bezog die Monarchin nur wenige Räume des Schlosses, die jedoch wegen der grandiosen Aussicht auf das Etschtal und den wertvollen Kachelöfen, Fresken und kunstvoll verzierten Holzdecken zu den schönsten im gesamten Schloss zählten und die ich Euch nun vorstellen möchte:

Das Kaiserzimmer

Als Elisabeth von Österreich im Herbst 1870 für sieben Monate auf Schloss Trauttmansdorff einzog, kam Kaiser Franz Joseph viermal zu Besuch.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Er bezog einen hell erleuchteten, getäfelten Raum mit Blick ins Etschtal, der von einem blauweißen Kachelofen und einem großen Schreibtisch dominiert wurde. Auch im Herbst 1889, als die Kaiserin für sechs Wochen in dem Schloss wohnte, kam Franz Joseph einmal zu Besuch und bezog erneut dieses Zimmer. Von der damaligen Einrichtung ist nur der Ofen und das Getäfel erhalten geblieben


Das Grafenzimmer:

Elisabeth von Österreich bezog bei ihren beiden Aufenthalten auf Schloss Trauttmansdorff jeweils vier Räume im zweiten Stock. Das einstige Esszimmer von Joseph Graf Trauttmansdorff mit reich verzierter Holzdecke, einem Kachelofen aus dem 17. Jahrhundert und schönem Blick nach Süden nutzte die Kaiserin als Aufenthaltsraum.

In diesem Zimmer wohnte 1886 für einige Wochen auch Königin Carola von Sachsen. Später diente es Baron Friedrich von Deuster als Repräsentationsraum. Holzdecke und Kachelofen sind noch erhalten, sämtliche Möbelstücke aber gingen nach der Enteignung des Schlosses verloren.

Es ist der älteste erhaltene Raum im Schloss mit einer reich verzierten Holzdecke und mit Fresken aus dem Jahr 1564. Sie zeigen elf Szenen aus dem öffentlichen Wirken Christi und werden Bartlme Dill Riemenschneider zugeschrieben.

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Grafenzimmer, Foto: touriseum

Das Freskenzimmer:

Die Fresken gab Franz von Trauttmansdorff in Auftrag, der Sohn von Nikolaus aus der Steiermark. Dieser war um 1520 im Krieg gegen die Venezianer und die Franzosen zu Geld gekommen und hatte sich neben zwei Schlössern bei Trient auch die Burg Neuberg bei Meran zugelegt. Drei Generationen nach Nikolaus, starb dieser Zweig der Trauttmansdorff um 1860 aus, die Burg zerfiel und wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts von Graf Trauttmansdorff wieder aufgebaut. Der Graf nutzt diesen Raum als Schlafzimmer. Beim ersten Aufenthalt von Kaiserin Elisabeth 1870/71 befand sich hier ihr Schlafzimmer, 1889 ihr Toilettezimmer. Die Verzierungen unterhalb der Fresken waren zu Elisabeths Zeiten noch intakt.

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Freskenzimmer, Foto: touriseum

Das Studiolo:

Dieser Raum mit Fenstern gen Westen und Norden ist über mehrere Stufen zu erreichen und wurde von Joseph Graf Trauttmansdorff um 1850 im Stil eines italienischen Studiolo der Renaissance getäfelt. Hier ging der Graf seiner großen Leidenschaft für die Geschichte nach und verwahrte seine vielen Urkunden, Curiosa und bibliophilen Raritäten.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Kaiserin Elisabeth nutzte den Raum 1870 als Toilette- und Ankleidezimmer, 1889 als Schlafzimmer. Baron Friedrich von Deuster, der 1897 Schloss Trauttmansdorff kaufte, folgte dem Sissi-Kult, der nach der Ermordung der Kaiserin aufkam und ließ in der Decke des Studiolo ein großes Wappen der Wittelsbacher und der Habsburger anbringen.


Der Salon:

In diesem Raum an der Nordseite des Schlosses, vorgelagert von einer geräumigen Veranda, hatte Graf Trauttmansdorff seine Sammlungen von Zinngeschirr, Krügen und Venedigerglas untergebracht. Außerdem hingen dort ein Rembrandt, drei Canaletto und antike venezianische Spiegel. Kaiserin Elisabeth nutzte den Raum als Salon und Empfangszimmer.

Während ihres Aufenthalts in Trauttmansdorff lebte die Kaiserin äußerst zurückgezogen, sie liebte ausgiebige Spaziergänge und lange Wanderungen.


Wenn man heute nach Meran kommt, kann man den Spuren der Kaiserin folgen und unter anderem dem „Sissi Weg“ von Trauttmansdorff bis Meran folgen.

Dem Aufenthalt von Kaiserin Elisabeth in Trauttmansdorff und der raschen Genesung ihrer kränkelnden Tochter Marie Valerie ist es zu verdanken, dass das Städtchen Meran als Luftkurort Weltruhm erlangte.

Schloss Trauttmansdorff wurde zu einer begehrten und stets ausgebuchten Unterkunft für Adelige und andere Betuchte.

Erst 18 Jahre nach ihrem ersten Aufenthalt auf Schloss Trauttmansdorff in Meran und ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Sohnes Rudolf gab die österreichische Kaiserin 1889 die Anweisung, das Schloss für einen weiteren Aufenthalt anzumieten.

Dass es sie wieder nach Meran zog, lag wohl an den „Erinnerungen an frühere, glücklichere Zeiten“, wie der Kaiser später über die Besuche auf Trauttmansdorff schrieb. Die Kaiserin bewohnte dieselben Räumlichkeiten wie Jahre zuvor, nun aber als tieftraurige, dunkel gekleidete „Schwarze Frau“.

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Doch schon nach knapp sechs Wochen musste Sisi wegen eines drohenden Unwetters abreisen.


Der Name Trauttmansdorff ist uns ja bisher bereits in einigen Schlössern begegnet, erinnert Euch nur an die Geschichte meines persönlichen Lieblingsschlosses, denn auch das Wasserschloss Totzenbach war in Besitz dieser Familie 😉

Aber lasst uns nun in der Geschichte zurück reisen, weit vor die Zeit der unglücklichen und so wunderschönen Kaiserin. Wir befinden uns nun im 13. Jahrhundert. Um 1300 entstand auf dem Gelände des heutigen Schlosses die kleine Burg Neuberg, die 1327 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Schloss
Burg Neuberg, Foto: touriseum

Von 1307 bis 1354 war die Burg im Besitz der Angerheim. Diesen folgte die Familie von Suppan mit Jakob Suppan von Taransberg bis 1399, danach die Feigenstein durch die Brüder Hans und Ulrich, die auch die erste Kapelle erbauten, von 1400 bis 1488. Danach ging die Burg an die Zwingenstein bis 1537, dies gemeinsam mit der Familie Rästler, die aber schon 1514 wieder ausschied und ihren Anteil an die Santner vermachte, die bis 1537 in Teilbesitz war.

Die Adelsfamilie Trauttmansdorff kaufte die Burg im Jahr 1543.

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Stammwappen derer von Trauttmansdorff, Foto: wikimedia/commons

Die Trauttmansdorffer sollen bereits im 12. Jahrhundert auf Burg Trautmannsdorf in Trautmannsdorf an der Leitha sesshaft gewesen sein. Der Name soll sich von einem Trutman herleiten, der um 1100 unter den Babenbergern diente.

Das tatsächliche, gleichnamige Stammhaus des Geschlechts befand sich jedoch im südoststeirischen Trautmannsdorf bei Feldbach.

Stammvater der Familie war Herrand von Trautmansdorf, der urkundlich von 1308 bis 1325 genannt wird und zu Beginn in Diensten der Ministerialen von Wildon war und dann in die der von Wallsee über ging.

Rasch wurden die Trauttmansdorffer  zu einem der bedeutendsten Ministerialengeschlechter in Österreich und bekamen 1598 in Prag den erbländisch-österreichischen Freiherrnstand zuerkannt.

Zweige waren in der Steiermark und in Tirol, in Niederösterreich wurden die Trauttmansdorff 1513 mit dem Erwerb von Totzenbach ansässig. Wer mehr darüber erfahren will, liest meinen Beitrag über das Wasserschloss Totzdenbach:

Hier

1623 erhielten sie die reichsgräfliche Würde (1625 mit böhmischer Bestätigung und ungarischem Indigenat; 1667 böhmischem Inkolat), sowie 1805 die reichsfürstliche und böhmische fürstliche Würde.

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Adam Freiherr von Trauttmansdorff, kaiserlicher Hofkriegsrat und Kommandant der Militärgrenze gegen Kroatien, Foto: wikimedia/commons

1861 wurde dem Geschlecht Trauttmansdorff die erbliche Mitgliedschaft des Herrenhauses des österreichischen Reichsrats zuteil.

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Maximilian Graf von und zu Trauttmansdorff, kaiserlicher Berater und Minister, Foto: wikimedia/commons

Der Sohn des Käufers, Franz, ließ die Burg in großem Stil erweitern. Nachdem diese Linie der Trauttmansdorffer 1678 ausgestorben war, kam der Besitz 1697 an die Edlen von Stachelburg, die diesen bis 1729 besessen haben sollen.

Später kamen die von Mamming und Mohr in gemeinschaftlichen Lehensbesitz. Im 18. Jahrhundert verfiel die Burg zusehends.

1777 stürzte sogar ein Turm ein, der die Burgkapelle zerstörte. 1805 unter bayerischer Herrschaft wurde der Besitz allodialisiert und an Bauern verkauft.

Im Jahr 1846 zog Joseph von Trauttmansdorff, Graf der Steiermark, ins Meraner Land und kaufte 1847 die bereits zerfallene Burg auf, die 150 Jahre zuvor von seinen Verwandten verlassen worden war. Die neugotische Kapelle an der Nordseite des Schlosses wurde um 1850 von Graf Trauttmansdorff gebaut. 

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Auch Joseph von Trauttmansdorff erweiterte die Burg, viele neogotische Elemente wurden eingeführt. Die seitdem Schloss Trauttmansdorff genannte Burg wurde zum Vorbild für viele neugotische Schlösser in Südtirol. Reichsritter Moritz von Leon, vermutlich ein unehelicher Sohn Josephs, erbte das Schloss 1867 und besaß es bis 1893.

Moritz von Leon, der Gastgeber der Kaiserin, musste schließlich nach und nach all seine Besitztümer verkaufen, darunter auch Schloss Trauttmansdorff.

Nachfolger waren die Gyulay von 1892/1893 bis 1896. Von diesem ging nach Konkurs der Besitz an Friedrich von Deuster aus Kitzingen. Er stockte das Schloss auf, legte Obstwiesen und Gärten an und verlieh dem Schloss einen neuen Glanz. Die Blütezeit des Schlosses wurde durch den Beginn des Ersten Weltkriegs beendet, da Südtirol direkt an der Frontlinie lag.

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Friedrich von Deuster, Deustersaal, Foto: touriseum.it

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Besitzer vom faschistischen Regime enteignet, das Schloss fiel an die Opera Nazionale per i Combattenti, einen Hilfsfonds für italienische Soldaten, und hieß seitdem Castel di Nova. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss von der Wehrmacht genutzt.

Nach Ende des Krieges stand das Schloss leer und die Opera Nazionale per i Combattenti suchte einen Käufer. Als sie im Jahr 1977 aufgelöst wurde und das Schloss noch immer nicht veräußert war, fiel es an die Südtiroler Landesverwaltung, die 1990 endlich eine Verwendung dafür fand:

Im Inneren wurde das Südtiroler Landesmuseum für Tourismus, das Touriseum, eröffnet und rundherum wurde der botanische Garten angelegt. Auf dem zwölf Hektar großen Areal wurden vier Zonen geschaffen, die fließend ineinander übergehen: Waldgärten, Sonnengärten, Wasser- und Terrassengärten und die Landschaften Südtirols.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff wurden als „Schönster Garten Italiens 2005“ ausgezeichnet.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Inzwischen sind diese Tage in Meran fixer Bestandteil in meinem „Sisi-Jahr“ geworden und ich freue mich jedes Jahr aufs Neue, ein paar Tage im schönen Südtirol zu verbringen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Was es mit dem Hotel Austria in Meran und dem Sissi Brunch auf sich hat, werde ich Euch aber in einer meiner nächsten Geschichten verraten.

Bis dahin, merkt Euch schon einmal das Datum vom nächsten Sissi Tag vor:

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Foto: Gärten von Trauttmansdorff

Eure Sisi


 

Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Sisi, Gärten von Trauttmansdorff, Touriseum
Bildrechte: Wikimedia/Commons, sternenkaiserin.com, touriseum.it,                       

Video: sternenkaiserin.com

 

Das Spanische Hofzeremoniell – Hofetikette

Foto: Wikimedia/Commons Herzog Phillip „der Gute“

Das spanische Hofzeremoniell, wie es Romy Schneider als „Sissi, die junge Kaiserin“ seitenweise von Hofdame Esterházy (Helene Lauterböck) in die Hand gedrückt bekam, um den „Unsinn“ auswendig zu lernen, gab es nicht. Es wurde zwar am Wiener Hof sehr streng das „Hofzeremoniell“ abgehalten, doch wie so vieles in der Sissi-Trilogie ist auch das „Spanische Hofzeremoniell“ eine reine Erfindung eines windigen 50er Jahre Regisseurs.

Das „Spanische Hofzeremoniell“ wurde am Wiener Hof bis zu Kaiser Joseph II (*13.3.1741, †20.2.1790) praktiziert, danach wurde es immer wieder erweitert und nur noch „Hofetikette“ oder „Hofzeremoniell“ genannt. Dabei handelte es sich auch nicht um ein Heft oder Buch mit Paragraphen, welches auswendig gelernt werden musste – und schon gar nicht von Sisi – ergo von Kaiserin Elisabeth.

Das „Hofzeremoniell“ wurde von den Herzögen von Burgund im 15. Jahrhundert entwickelt. Diese Herzöge entstammten aus einer Nebenlinie aus dem französischen Königshaus und herrschten über die Niederlande. Herzog Philipp „der Gute“ (*31.7.1396, †15.6.1467) erweiterte das „Hofzeremoniell“ in dem in weiterer Folge das „Goldene Vlies“ und der „Ritterorden“ dazu gehörte. Damit wollte er seine höchsten Untertanen adeln und auszeichnen.

Durch die Erbfolge gelangte die Niederlande an die Habsburger und so an Kaiser Karl V (*24.2.1500, †21.9.1558), der zuerst das Heilige Römische Reich und später in Spanien regierte. Er übernahm das Hofzeremoniell, nahm es nach Spanien mit und perfektionierte es. Sein Bruder Ferdinand (*10.3.1503, †25.7.1564), der zwischenzeitig Kaiser Ferdinand vom Heiligen Römischen Reich war, übernahm das „Spanische Hofzeremoniell“ seines Bruders, welches bis zu Kaiser Joseph am Wiener Hof als Hofetikette verblieb. Der Rest ist ein Ammenmärchen eines hübschen kitschigen Nachkriegsfilmes, der nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat und leider bis heute den Unsinn verbreitet real zu sein.

Jeder Obersthofmeister gab sein Wissen an den neuen Obersthofmeister weiter und so wurde die Hofetikette erweitert und „etikettiert“. Von Audienzen, Hochzeiten, Staatstrauer, Begräbnissen, Huldigungen usw. war alles bis aufs Strengste festgelegt. Wer durfte wie lange vor den Kaiser treten, wie musste die Verbeugung aussehen und wer durfte das Goldene Vlies erhalten.

Wie kam es aber zum Goldenen Vlies oder was ist ein Obersthofmeister oder ein Flügeladjutant. Und welche Aufgabe hat genau eine Hofdame und warum musste diese unverheiratet sein? All diesen Fragen versuche ich mit diesem Beitrag auf die Spur zu gehen.

 

Beginnen wir mit der höfischen Anrede

 

Kaiserin Eisabeth
Foto: ÖNB Kaiserin Elisabeth

Kaiserin Elisabeth wird heute vielerorts, vor allem im Internet, Facebook, Instagram, TV, Medien, Zeitschriften, Büchern und sogar in historischen Büchern Kaiserin Sisi genannt. Ein Fauxpas und ein Frevel sondergleichen. Kaiserin Sisi gab es nicht! Sisi war ihr Kosename und den durften nur ihre aller engsten Vertrauten verwenden. Diese waren ihr Mann Franz (Joseph), ihre Mutter, ihre Geschwister, ihre Schwägerinnen, ihre Nichten und Neffen nannten sie „Tante Sisi“ oder „Tante Elisabeth“. Gisela, Rudolf und ihre geliebte Valérie nannten sie Mama.
Das Volk hatte ausdrücklich „Kaiserin Elisabeth“ zu sagen. Die Anrede war ausdrücklich Ihre Majestät oder Ihre kaiserliche Hoheit.

Die Anrede der Dritten Person „Eure Hoheit“ stimmt auch noch insofern, da es die Ausdrucksweise im 19. Jahrhundert durchaus noch gab und diese im Gespräch mit der Kaiserin verwendet wurde; also zB. „Darf ich Eurer Hoheit oder Eurer Majestät den Tee servieren lassen“.

Kaiser Franz Joseph moderne Schreibweise auch gerne Kaiser Franz Josef, wurde allseits als „Majestät“ angesprochen. Die Anrede war allseits Seine Majestät oder Seine kaiserliche Hoheit. Auch hier gilt noch die Anrede der Dritten Person „Eure Majestät“, vor allem, wenn seine Minister und Adjutanten im Raum waren.

Als Kind wurde er Franzi genannt. Diese Koseform, blieb dem inneren Kreis vorbehalten. Mutter, Vater, seine Brüder nannten ihn Franz(i) oder Majestät. Elisabeth nannte ihren Mann Franz. Er selbst unterschrieb seine Briefe an sie in den ersten Jahren mit Franz, später mit „Kleiner“, was in den letzten Jahrzehnten mit „Kl“ abgekürzt wurde. Aber auch mit „Männeken“ (was so viel wie Männchen bedeutet) unterschrieb er seine Briefe, die von 1859 – 1898 alle veröffentlicht sind. Seine Neffen und Nichten durften ihn Onkel nennen, die meisten nannten ihn trotz allem „Majestät“, waren danach aber zumindest per du. Gisela, Rudolf, Valérie nannten ihn Papa.

 

Kommen wir nun zum Wirr Warr der Begrifflichkeiten

 

Adjutant

Foto: Wikimedia/Commons Maximilian O’Donnell, Flügeladjutant bei Kaiser Franz Joseph

Hier musste man unterscheiden zwischen „Flügeladjutant“ (diesen Begriff lest ihr häufig in meinen Beiträgen) und von Generaladjutanten. Ein Flügeladjutant stand im Rang eines Stabsoffiziers und wurde zur Unterstützung von zB. Kaiser Franz Joseph oder Kronprinz Rudolf eingesetzt. Flügeladjutant waren auch Feldmarschällen unterstellt.

Die Aufgabe eines Flügeladjutanten war es Befehle entgegenzunehmen, diese auszuführen, dem Kaiser oder dem Kronprinz rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen (deshalb waren mehrere im Dienst). Gab es eine Botschaft an den Kaiser oder den Kronprinz, war es die Aufgabe des Flügeladjutanten, diese an den Kaiser oder an den Kronprinz persönlich zu überbringen. Die Stelle beinhaltete eine Vertrauens- und Verschwiegenheitsklausel. Wurde diese gebrochen, wurde die Person sofort aus dem k.u.k. Dienst entlassen.

Ein berühmt gewordener Flügeladjutant ist sicherlich Maximilian Graf von O‘ Donnell (*29.10.1812, †14.7.1895) der Kaiser Franz Joseph 1853 vor dem Libényí Attentat bewahrt hat. Die ganze Geschichte kann hier nachgelesen werden.

Ahnenprobe

Es gab ein unglaublich strenges Aufnahmereglement am „Wiener Hof“ zB. für die Ernennung zum „Kämmerer“ oder zur Aufnahme als „Hofdame“. Dabei wurde urkundlich geprüft, ob die eheliche Abstammung der Eltern einer gewissen Anzahl der Adeligen Urahnen bestätigt werden konnte. 8 Adelige Urahnen musste die Stammtafel aufweisen. Nur so durfte es zur Aufnahme als „Hofdame“ bei einer Herrschaft oder als „Kämmerer“ bei der Herrschaft kommen. Dabei war es wichtig, dass diese 8 Urahnen sowohl von der mütterlichen, als auch von der väterlichen Seite nachgewiesen werden konnten.

Aja/Ajo

Foto: ÖNB, Karoline Freifrau von Welden „Wowo“, die Kinderfrau von Erzherzogin Gisel(l)a und Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth

ist spanisch und heißt Kindermädchen/Kindermann. Im Kaiserhaus wurden so die Erzieherinnen der Kaiserkinder genannt. Diese verblieben bis zum 6. Lebensjahr bei ihren Zöglingen und mussten sich dann verabschieden. Bei den männlichen Thronerben wurden dann Erzieher eingesetzt, meist aus dem Militär. Bei

Foto: Wikimedia/Commons Louise von Sturmfeder

den weiblichen Erzherzoginnen wurden danach Erzieherinnen gewählt, die ihnen das weitere Weltgeschehen beibrachten wie zB. das tadellose Benehmen, Tee trinken in guter Gesellschaft usw. Ajas waren stets Adelige Damen, manchmal sogar Witwen, oft sogar nicht einmal selbst Mütter. Damals war auch noch Züchtigung erlaubt. Kaiser Franz Joseph schrieb stets liebevoll von seiner Aja Louise Baronin von Sturmfeder (*3.10.1789, †10.9.1866). Die Kindheit von Kaiser Franz Joseph kann hier nachgelesen werden.

Auch die Kaiserkinder Erzherzogin Gisela (*12.7.1856, †27.7.1932) und Kronprinz Rudolf (*21.8.1858, †30.1.1889) verehrten ihre Aja so sehr, dass sie ihr sogar einen Kosenamen gaben. Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1912) „Wowo“ wurde innig geliebt und gerade Rudolf, der ihr entrissen und Leopold Graf Gondrecourt (*13.5.1816, †22.5.1888) zum militärischen Drill übergeben wurde, litt Zeit seines Lebens unter diesem Liebesentzug und Züchtigungen dieses bösartigen Grafen. Über die ambivalente Ehe und das Schicksal der Kinder kann hier nachgelesen werden.

 

Foto: hofburg-wien.at Audienzraum mit Stehpult, Hofburg Wien

Audienz

Jeder Bürger durfte dem Kaiser zweimal pro Woche persönlich vorsprechen. In streng reglementierten Audienztagen wurden die Namen in die Audienzbücher (heute im Sisi Museum zu besichtigen) eingetragen. Jeder Bürger bekam einen festen Termin für seine Vorsprache. Die Bittstellung musste vorher dem Ministerium vorgelegt werden, welche danach vom Kaiser persönlich geprüft wurde. Dies konnte eine persönliche Danksagung sein, eine Fürbitte, ein Wunsch oder eine Art Begutachtung. Die Wiener Zeitung veröffentlichte zweimal in der Woche die Audienznehmer, so dass die Bürgernähe des Kaisers demonstrativ vorgeführt wurde.

Die Audienz selbst war streng reglementiert und brachte per se nichts mehr Neues:

Um Punkt 10.00 Uhr morgens begann Kaiser Franz Joseph die Audienz, so dass sich die Bittsteller in den Warteräumen der Hofburg oder von Schloss Schönbrunn einzufinden hatte (je nach dem wo sich Kaiser Franz Joseph gerade aufhielt).

Dabei war eine strenge Kleiderordnung einzuhalten:
Die Herren mussten Frack tragen. Herren vom Militär selbstverständlich ihre Uniform. Die Damen vom Volk ein hochgeschlossenes Kleid. Jeder Bürger und die Herren vom Militär hatten Handschuhe zu tragen. Bürger aus den ländlichen Orten mussten ihre jeweilige Landestracht tragen, was zuweilen ein buntes Bild in den Wartesälen abgab.

Foto: Wikimedia/Commons Kaiser Franz Joseph

Ein Mitarbeiter des Obersthofmeisters machte den Audienznehmer mit den Grundregeln der Audienz vertraut:

– den Kaiser niemals von sich aus ansprechen
– dem Kaiser niemals den Rücken zukehren
– dem Kaiser niemals persönliche Fragen stellen

Danach wurde der Bürger mit dem Namen aufgerufen und vom Adjutant in einen Vorraum gebracht, wo der Name erneut mit dem Audienzbuch verglichen wurde. Schließlich rief ihn der Kammeransager laut auf. Die Türe wurde aufgemacht und der Audienznehmer stand vor dem Kaiser.

Sofort nach dem Eintreten hatte der Bürger eine tiefe Verbeugung und die Bürgerin einen tiefen Knicks zu machen. Konnte dies der Bürger oder die Bürgerin nicht, wurde dieser zuvor im Wartesaal mit einem Mitarbeiter des Hofes geübt. Erst nach der Aufforderung des Kaisers durfte sich der Bürger oder die Bürgerin erheben. Danach fragte der Kaiser nach dem Namen und sah in seinem Audienzbuch nach, ob der Name darin stimmte. Danach durfte der Besuch sein/ihr Anliegen vortragen und bekam die Antwort von Seiner Majestät. Nach exakt 3 Minuten wurde die Türe geöffnet und die Audienz war vorbei. Der Besuch hatte sich nochmals zu verbeugen und mit dem Gesicht zum Kaiser, mit dem Rücken zur Tür, hinauszugehen. Über 100 Personen schaffte Kaiser Franz Joseph so an einem Audienztag. Erst im hohen Alter reduzierte er auf die Hälfte. Bis zuletzt stand der Kaiser all die Stunden an seinem Pult während der Audienz.

Nach den Audienzen fanden die offiziellen Gesprächen mit Ministern, Abgeordneten und

Statthaltern statt, welche von Kaiser Franz Joseph persönlich eingeladen wurde. Es war unumgänglich, dass die Herren gut vorbereitet auf das Gespräch waren, denn der Kaiser liebte es, gut informiert zu sein und war auf jede Antwort gewappnet und konnte die Herren immer wieder aus der Fassung bringen, in dem er mehr wusste, als sie selbst. Er fragte mehrere Personen zum gleichen Thema, um sich so ein besseres Bild von einem Problem zu machen. Er wusste, dass er viele „Speichellecker“ um ihn hatte, die ihm nicht die Wahrheit sagen wollten.

Cortège

ist das französische Wort für Prozession. Dieses Wort wurde eingesetzt für das Gefolge unter einem Herrscher oder Herrscherin bei offiziellen Anlässen. Das heißt nichts anderes, als wenn es zu öffentlichen Auftritten des Königs, der Königin, des Kaisers oder der Kaiserin kam, folgten ihnen 100erte von Adeligen Leuten – der sogenannte Hofstaat. Dieses nannte man Cortège. Unter ihnen befanden sich: Hofdamen (bei Königin/Kaiserin), Geheime Räte, Kämmerer (bei König/Kaiser), Palastdamen, Truchessen (bei König/Kaiser) usw.

Dies war einerseits eine große Ehre, andererseits auch eine lästige Pflicht. Die Damen hatten jedes Mal in schönster Toilette zu erscheinen, was einen unheimlichen teuren Aufwand mit sich brachte.

Goldene Vlies

Foto: Wikimedia/Commons Goldene Vlies
Foto: KHM Wien, Großmeistermantel

Wie oben beschrieben, rief Herzog Philipp „der Gute“ den Orden anlässlich seiner Hochzeit ins Leben. Er wurde der Heiligen Jungfrau Maria gewidmet und steht für den Schutz der Kirche und die unbefleckte Ehre des Rittertums.

An einer Collane (Ordenskette) hängt ein goldenes Widderfell. Sowohl das Haus Habsburg, als auch das Haus Bourbonen, also der spanische König tragen das Goldene Vlies. Heute ist es Karl (von) Habsburg (*11.1.1961) und König Felipe (*30.1.1968). Sie sind die Großmeister des Ordens und können bis heute Ordensmitglieder aufnehmen. In Wien leistet man bis heute den Schwur vor dem Schwurkreuz, welches in der Schatzkammer Wien zu sehen ist. Der Ordenstag ist der 30.11., an dem bis heute feierlich Messen zelebriert und neue Mitglieder aufgenommen werden.

Kaiser Franz Joseph war zu seiner Zeit Großmeister und vergab nicht nur an seine Familie den Orden, sondern auch an jene Personen die seiner Meinung nach die Tugend und Ehre hatten, diesen zu Erlangen. Die Verleihung wurde von Kaiser Franz Joseph in einem Großmeistermantel zelebriert und die zukünftigen Ritter des Ordens sahen dies als Privileg für ihre Verdienste rund ums Hause Habsburg an. Das Goldene Vlies war demnach kein Geburtsrecht.

Alle Ordensmitglieder halten wie ein unzertrennliches Band zusammen und sind gleichberechtigt. Bei allen Feierlichkeiten bei Hofe waren diese nicht nur eingeladen, sondern hatten in allem auch Vorrang und Vortritt. Es gab nur eine Ausnahme: waren gekrönte Häupter anwesend, mussten diese zuerst begrüßt oder bedient werden. In Wien sind bis heute nur katholische Ordensmitglieder erlaubt, in Spanien nimmt man mittlerweile auch protestantische Gläubige auf.

Der Orden des Goldenen Vlieses ist der älteste und bedeutendste Ritterorden der Welt. Obwohl es in Österreich keine Monarchie mehr gibt, wird der Orden im Hause Habsburg bis heute hochgehalten.

Hofdame

Eine Hofdame war ein hoch angesehener Beruf und nur Frauen aus dem Adel vorbehalten. Anders als bei Palastdamen, der rein ehrenamtlich durchgeführt wurde, wurde eine Hofdame entlohnt, bekam eine Abfertigung und wenn sie wegen zu hohen Alters aus dem Dienst ausschied, sogar eine Pension ausbezahlt. Bevor eine Hofdame aufgenommen wurde, musste diese die strenge Ahnenprobe überstehen, welche die Voraussetzung für den Dienst bei Hofe war.

Die Hofdame hatte aus gutem Haus zu sein, eine fundierte Ausbildung zu haben, musste mehrere Sprachen sprechen und musste unverheiratet sein. Man konnte sich für diesen Posten nie bewerben, sondern man wurde ernannt. Die Hofdame die auserkoren wurde, erhielt ein formelles „Ernennungsdekret“.

Ich werde im Anschluss das Thema Hofdame noch ausführlicher erläutern.

Hoffähigkeit

Diese wurde streng reglementiert und war nicht Jedermann gestattet. Den Zutritt zur kaiserlichen Familie war Familien erlaubt, die die Ahnenprobe bestand (die strenge Variante). Diese wurde auch zu Festlichkeiten wie zB. auf Hofbällen eingeladen. Es gab aber auch noch andere Personen die Zutritt erhielten. Diese waren durch ihre besondere Stellung bei Hofe dazu würdig der kaiserlichen Familie vorgestellt zu werden oder an den Festlichkeiten teilzunehmen. Diese waren Diplomaten, Offiziere der Wiener Garnison und Ordensritter. Ansonsten stand der engere Kreis nur standesherrlichen Familien und Hofwürdenträgern zu. Da diese Mitglieder alter Adelsfamilien allerdings zahlreich waren, tummelten sich auf diesen Veranstaltungen zahlreiche Personen und dienten u.a. zur Heiratsvermittlung. Mehr als 300 (!) Familien zählten damals zur ständigen Hocharistokratie und somit zur Hoffähigkeit.

Anders als bei anderen Höfen Europas, hatte man in Wien die Türen für den Geldadel noch nicht geöffnet. Kaiser Franz Joseph liebte es aber ihm treue Bürger in den Adelsstand zu erheben und so Zutritt zum Kaiserhaus zu verschaffen. Dabei war es egal ob diese reich waren oder nicht. Kaiser Franz Joseph erhob so manchen als „Truchsessen“ (weiter unten erklärt), diese durften dann auch an der Hoftafel oder an großen Festlichkeiten teilnehmen, was das Hofzeremoniell ziemlich durcheinander brachte.

Es war von „wer wo gehen, stehen und sitzen durfte“ alles geregelt. Je älter eine Adelsfamilie war, desto höher der Rang bei Hofe. Eine schiere Mammutaufgabe für den Obersthofmeister.

Hofsprache

Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth und Helene von Thurn und Taxis

Schon unter Maria Theresia sprach man am Wiener Hof französisch, weshalb so viele Begriffe auch in französisch sind. Allerdings war es schon bei (Kaiserin) Maria Theresia so, dass ein sehr lockerer Umgangston herrschte und der Wiener Dialekt vorrangig gesprochen wurde. Nur wenn das Personal so gar nicht mitbekommen sollte, was besprochen wurde, wurde französisch gesprochen.

Unter Kaiser Franz Joseph war dies nicht anders, wenn auch die französische Sprache schön langsam aus dem Alltag verschwand. Nunmehr zog ungarisch ins Haus ein, nicht alleine wegen Kaiserin Elisabeth, die dadurch Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) eins auswischte. Die meisten Bediensteten und auch die hohe Herrschaft selbst verstand kein ungarisch. Nur Kaiser Franz Joseph sprach fließend die Landessprache. Am Wiener Hof wurde deutsch, böhmisch, ein bisschen ungarisch (Bedienstete und beim Militär) und natürlich französisch gesprochen. Kaiser Joseph II machte die deutsche Sprache – bzw. das Wienerische – am Hof salonfähig. Er setzte sich auch dafür ein, dass Mozart die Opern in deutscher Sprache schrieb.

Eine völlige unbekannte Sprache war damals noch die englische Sprache. Kaiserin Elisabeth und ihre Schwester Helene „Nénè in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890), verheiratete Thurn und Taxis sprachen Zeit ihres Lebens nur englisch miteinander. Schon allein deshalb, da sie wussten, dass niemand sie belauschen konnte.

Kämmerer

Nur ein Mann durfte beim Kaiser „Kämmerer“ werden. Zuvor hatte man die strenge Ahnenprobe zu bestehen. Das Amt des „Kämmerers“ war ein Ehrenamt und wurde bereits im Mittelalter gegründet. Dieser hatte den „Goldenen Schlüssel“ über. Seine Aufgabe war es bei Festen zu erscheinen, Botschaften und Gratulationen entgegenzunehmen und bei Begräbnissen das Geleit innerhalb der Kaiserfamilie zu übernehmen. Die Aufgabe eines „Kämmerers“ wurde sehr ernst genommen und war eine ehrenvolle Tätigkeit. Wer „Kämmerer“ werden durfte, konnte sich glücklich schätzen.

Marschallstafel

Zu dieser Tafel wurden jene Gäste geladen, die nicht an der Haupttafel mit der kaiserlichen Familie geladen waren. Hier speiste man nicht mit dem Kaiser oder der Kaiserin, sondern mit dem Obersthofmarschall oder einem Kammerherr.

Obersthofmarschall

Er war zuständig für die Fideikommisse der gebundenen Vermögen etlicher adeliger Familien (heute würde man es Familienstiftung nennen) und diente als Zivilgerichtsbehörde der kaiserlichen Familie und anderer Familien die diesen Sonderstatus genossen.

Obersthofmeister

Der Obersthofmeister unterstand dem Kaiser und war der engste Mitarbeiter des gesamtes Hofstaates. Ihm unterstand nicht nur das gesamte Dienstpersonal, sondern auch die Verwaltung der Finanzen und die Garde. Sein Einfluss reichte bis hinunter in die Hofküche und bis zur Hofoper. Was er sagte, war Gesetz. Ab 1895 wurde sogar das Hofmarschallamt in Ungarn dem Obersthofmeister in Wien unterstellt. Diese Stelle war hochbezahlt und hochangesehen. Das Amt wurde hochpolitisch angesehen, hatte der Obersthofmeister direkten Zugang zum Kaiser und so auch enormen Einfluss auf diesen.

Obersthofmeisterin

Foto: Wikimedia/Commons Pauline von Aulendorf-Königsegg geb. Bellegarde

Die Obersthofmeisterin war das Pendant zum Obersthofmeister und der Kaiserin unterstellt. Sie hatte den gesamten Hofstaat der Kaiserin inne, stellte das Personal ein, kündigte ihnen wieder, sorgte für die Einhaltung der Etikette, sorgte für Urlaube und Krankheitsausfälle. Was die Obersthofmeisterin anordnete musste geschehen, so wollte es das Gesetz des Wiener Hofes. Sie sorgte für Zucht und Ordnung. Die Stelle war nicht nur hochbezahlt und hochangesehen, sondern auch enorm anstrengend. Kaiserin Elisabeth verlangte äußerste Disziplin und hatte nicht öfters Querelen mit ihren Obersthofmeisterinnen auszufechten. Diese nahm – in allen Belangen – großen Einfluss auf sie.

Im Gegensatz zu Hofdamen, durften Obersthofmeister und Obersthofmeisterinnen verheiratet oder gar Witwe/r mit Kindern sein. Oftmals sogar miteinander, wie das Beispiel „Gräfin Bellegarde“ zeigt, vormals beliebte Hofdame und Begleiterin nach Madeira.

Die berühmteste Obersthofmeisterin ist sicherlich Pauline Gräfin von Bellegarde (*2.4.1830, †27.5.1912) welche zuvor Hofdame bei Kaiserin Elisabeth war. Ihr einziges Vergehen war, dass sie sich in den schneidigen Flügeladjutant von Kaiser Franz Joseph Alfred von Königsegg-Aulendorf (*30.6.1817, †27.10.1898) verliebte. Um ihre Vertraute nicht zu verlieren (Hofdamen hatten ja aus dem Hofdienst auszuscheiden), machte diese Alfred kurzerhand zu ihrem Obersthofmeister. Obersthofmeisterin Pauline Gräfin Aulendorf-Königsegg und Obersthofmeister Alfred Graf Aulendorf-Königsegg verblieben somit im Dienste Ihrer Majestät, auch wenn das Verhältnis danach nicht mehr ganz so vertraut war. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich in den Todestagen rund um die Personen aufarbeite.

Auch hier ist der Sissi-Film mit Romy Schneider eine nicht recherchierte Filmphantasie. Graf Bellegard wurde nicht während des Ungarn Aufstandes erschossen, sondern Gräfin Bellegarde war einfach der Mädchenname der Hofdame.

Ein Schicksal einer Obersthofmeisterin möchte ich hier erwähnen, dass mich schlichtweg traurig stimmte. Jenes von Maria Theresia Landgräfin zu Fürstenberg, geb. Prinzessin zu Schwarzenberg (*14.10.1780, †9.11.1870). Sie war mit Friedrich Landgraf zu Fürstenberg (*26.1.1774, †4.2.1856) per Liebesehe verheiratet und hatte mit ihm 10 Kinder. Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, †2.3.1835) hatte Maria Theresia 1831 zur Obersthofmeisterin der zukünftigen Kaiserin Maria Anna bestimmt. Maria Anna (*19.9.1803, †4.5.1884) wurde mit dem geistesschwachen und jähzornigen Sohn von Franz Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) verheiratet und ertrug ihr Schicksal bravourös. Die Familie lebte auf Schloss Weitra und so musste Vater Friedrich sich um die Kinderschar kümmern. Nur in ihren Urlauben sah die Mutter ihre Kinder. Ein Glück im Unglück hatte das Ganze. Friedrich konnte nicht gut mit Geld umgehen und spekulierte sich ein paar Mal, so dass er viel Geld verlor. Das hohe Gehalt seiner Gattin bot der großen Familie einen guten Lebensstil. Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass die Familie zu Fürstenberg, damals schon eine moderne Ehe führte. Die Frau brachte das Geld nach Hause und der Mann kümmerte sich dafür um die Kinder.

Oberzeremonienmeister – Zeremonienmeister

Foto: Schloss Schönbrunn Kaiser Franz Joseph ist hier in Begleitung des adeligen Cortèges abgebildet: Voranschreitend der Oberzeremonienmeister und der Obersthofmeister, danach Franz Joseph mit seiner Tochter Marie Valerie, gefolgt vom Adel des Hofes, nach Rang geordnet.

Der Oberzeremonienmeister hatte die Aufgabe bei den Hofbällen oder Ball bei Hofe die organisatorische, logistische und repräsentative Aufgabe zu übernehmen. Der Oberzeremonienmeister hatte unter sich noch Zeremonienmeister die ihm halfen die Aufgaben zu bewältigen. Alle unterstanden aber dem Obersthofmeister.

Am Tag des Balles war es seine Aufgabe das Eintreten der Herrschaft anzukündigen.

Palastdame

Im Gegensatz zur Hofdame, war die Palastdame ein Ehrenamt und durfte von verheirateten Frauen ausgeübt werden. Die Palastdame war ein sehr begehrtes Amt, allerdings auch sehr kostspielig (wie übrigens auch jenes der Hofdame, doch untenstehend mehr dazu). Wie die Kämmerer hatten die Palastdamen zu gewissen Terminen pflichtmäßig zu erscheinen, weshalb diese im Turnus Dienst hatten und verschiedene Repräsentationsaufgaben übernahmen. So mussten die Palastdamen zu den Hofbällen erscheinen, zum Ball bei Hof, Neujahrscours (Neujahrsempfang des Kaisers), allen hohen kirchlichen festlichen Feiertagen und zur Fronleichnamsprozession. Dies war insofern kostspielig, da jedes Mal eine neue Toilette her musste, da die Palastdame nicht im selben Kleid auf jedem Fest erscheinen konnte/durfte.

Standesgemäß

Foto: Wikimedia/Commons Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst
Foto: Wikimedia/Commons Ferdinand und Berta Burg

Wurde in einem Kaiser- oder Königshaus geheiratet, musste die Ahnenprobe gemacht werden. Diese war jetzt nicht so streng, wie bei der Aufnahme zur „Hofdame“, allerdings, musste die Heiratskandidatin „standesgemäß“ sein. Das hieß hier musste sie aus einem regierenden standesherrlichen Herrscherhaus kommen. War dies nicht der Fall, wurde die Ehe als „morganatisch“ – also nicht ebenbürtig – eingestuft.

Diese morganatische Ehe hatte oft zur Folge, dass die Kinder nicht als Thronerben eingesetzt werden durften oder die Ehe gar nicht zustande kam. Beispiele dieser Art gibt es in meinen Beiträgen viele. Erzherzogin Isabella (*17.11.1888, †6.12.1973) die ihren Arzt nicht heiraten durfte und lieber unverheiratet blieb, Erzherzog Franz Ferdinand der sich in die Hofdame Sophie von Chotek verliebte, diese ehelichen durfte, allerdings mit der Auflage, dass die Kinder keine Thronansprüche stellen dürften. Seine Frau wurde Fürstin von Hohenberg. Die ganze Geschichte dazu findet ihr hier.

Es gab aber auch traurige Fälle von morganatischen Ehen. Hier wurde derjenige aus dem Kaiserhaus ausgeschlossen, wie zB. Erzherzog Ferdinand Karl, der sich in Berta Czuber verliebte. Die unglückliche Geschichte, könnt ihr in der Biografie seiner Mutter nachlesen (hier).

Sternkreuzdame – Sternkreuzorden

Der Sternkreuzorden wurde am 3.5.1668 von Kaiserin Eleonore (*18.11.1628, †6.12.1686) gegründet. Papst Clemens IX gab am 28.7.1668

Foto: Wikimedia/Commons Sternkreuzorden

seinen Segen dazu. Dieser sollte zur Andacht „zum heiligen Kreuz, des tugendhaften Lebens und wohltätiger Handlungen in Wien“ gestiftet werden. Die Aufnahme in den Sternkreuzorden entsprach in etwa dem Ehrentitel eines Kämmerers, der zur selben Zeit gegründet wurde.

Die Anzahl der Sternkreuzdamen wurde wie die eines Kämmerers nicht beschränkt, allerdings wurde auch hier eine strenge Ahnenprobe vorgeschrieben. Die Ernennung zu einer Sternkreuzdame darf immer nur von einer österreichischen Erzherzogin vorgenommen werden. Immer noch steht die Verehrung des Heiligen Kreuzes und die Barmherzigkeit an oberster Stelle. Der Orden besteht bis heute. Seit 2010 trägt diese Würde Gabriela (von) Habsburg-Lothringen (*14.10.1956).

Stiftsdamen

Foto: Wikimedia/Commons Ordensgewand einer Kanonissin

Dies waren klosterähnliche Stifte in denen adelige Damen, meistens Witwen oder unverheiratete adelige Frauen lebten, die sich Gott widmeten (oder Gott widmen mussten). Die adelige Äbtissin (Oberste des weltlichen Stiftes) nahm der adeligen Kanonissin (die eintretende Gläubige) das Gelübde ab. Hierbei handelte es sich lediglich um das Keuschheits- und das Gehorsamkeitsgelübde des weltlichen Klosters. Die Einrichtung des Stiftes war komfortabler als jenes eines geistlichen Klosters. Die Damen durften ein paar ihrer eigenen Möbel mitnehmen, die Dienerschaft durfte in anliegenden Häusern unterkommen, das Essen war nahrhafter und mit Pfründen (Schenkungen) wurde das Stift erhalten. Vor allem Witwen nahmen dies gerne als Alterssitz in Anspruch. Familien deren Tochter unverheiratet blieb, steckten sie oft in solche weltliche Klöster, weil sie hofften, dass sie aus diesem doch noch verheiratet wurden. Oftmals hatten die Familien Erfolg. Stiftsdamen hatten das Glück heiraten zu dürfen.

Suite

bedeutet „Gefolge“ und kommt ebenfalls aus dem Französischen. Die Suite ist die Begleitung eines jeden Feldherren durch seinen Adjutanten oder seiner höchsten Offiziere, die ihn stets begleiten. Zum Teil ist in historischen Büchern von „a la suite“ zu lesen. Hier ist das gesamte Gefolge des Feldherren gemeint (falls es nicht übersetzt wurde, wisst ihr jetzt was gemeint ist).


Truchsessen

Foto: Wikimedia/Commons Verleihung der Truchsessen-Würde im Königreich Ungarn für Anton Pongracz, 1780

Auch dieser Begriff kam aus dem Mittelalter, hatte aber im Gegensatz zu diesem im 19. Jahrhundert unter Kaiser Franz Joseph bereits eine andere Funktion. Während es im Mittelalter noch der Aufseher für die fürstliche Tafel war und dies sich im Laufe der Zeit zum Vorsteher der Hofhaltung geändert hatte, nahm der Verlauf im 19. Jahrhundert eine völlig andere.

Das Amt wurde ehrenamtlich ausgeführt, weshalb Kaiser Franz Joseph die Freiheit hatte tausende Bürger in den Adelsstand zu erheben und ihnen diesen Titel und damit Zugang bei Hofe zu gestatten. Selbstverständlich war auch hier dieses Amt dem Obersthofmeister unterstellt. Man kann diesen Titel heute mit einem Beamtenstand oder einem Ministerialsekretär vergleichen.

Kaiser Franz Joseph ernannte die Truchesse mit dem Erlag einer vorgeschriebenen Gebühr und danach wurde diesem das Truchessenehrenabzeichen ausgehändigt. Dies galt Lebenslang. Somit konnte der Besitzer bei Hofe Ein und Ausgehen und wurde zur Hoftafel und zu Festlichkeiten geladen. Es galt im Bürgertum als höchste Ehre diese Auszeichnung zu erhalten. Natürlich wäre ein Ritterschlag noch besser gewesen, aber immerhin bekam der Ernannte die Erlaubnis bei Hofe Ein und Auszugehen. Mehr als so manchem „Geldadel“ ermöglicht wurde. 

 


Hofdamen

Foto: Wikimedia/Commons Ida von Ferenczy

Wie schon in der Erklärung erwähnt, war das Amt der Hofdame eine Ehre für die Familie, allerdings auch eine finanzielle Last. Obwohl die Stellung bezahlt wurde, musste die adelige Familie ihrer Tochter finanziell immer aushelfen. Deshalb war es nicht nur von Nöten, dass die Hofdame die Ahnenprobe bestand, sondern auch die Familie reich genug war, die Tochter finanziell zu unterstützen. Ein Umstand, der zB. bei Hofdame und Vertraute Marie von Festetics ein unabdingbarer „Fehler“ war, denn ihre Familie hatte durch viele Spekulationen beinahe ihr gesamtes Vermögen verloren. Elisabeth war es, die Marie immer wieder unter die Arme griff.

Zu jedem Anlass – und es gab derer viele – verlangte die Etikette ein neues Kleid. Dies durfte zwar nicht schöner sein, als das der Kaiserin oder eben der Herrschaft wo man diente, musste aber zumindest gleichwertig sein. Es war dabei wichtig, die Toilette genau abzustimmen. Schmuck, Haare, Kleid hatten genau zueinanderzupassen. Ein kostspieliges und aufwendiges Vorhaben, dass vom Gehalt einer Hofdame nicht bezahlt werden konnte, wenn man bedenkt, dass die Hofdame auch ständig mit ihrer Dame auf Reisen war. Hofdamen gab es ja nicht nur bei der Kaiserin, sondern auch bei Königinnen, bei den Erzherzoginnen, bei Herzoginnen, bei Fürstinnen usw.

Hofdamen begleiteten ihre Herrschaft überall hin. Auf die Reisen, ins Hotel, zu Soireen, zu Teegesellschaften, zu Dinnerpartys, zu Hofbällen, zu Bällen und Einladungen aller Art, zu karitativen Besuchen, in die Kirche, zum Lunch und zum Frühstück. Es gab im Prinzip keine Minute des Tages, an dem keine Hofdame zugegen war, außer die Herrschaft wünschte dies ausdrücklich und dann nur, wenn diese zu Hause war. Ansonsten fungierte die Hofdame natürlich als Anstandsdame und durfte erst recht das Zimmer nicht verlassen. Deshalb gab es immer mehrere Hofdamen, um im Turnusdienst zu arbeiten. Kaiserin Elisabeth begleiteten an die 10 Hofdamen permanent auf Reisen, allerdings waren nur 2-3 wirklich ihre engsten Vertrauten. Alle anderen versahen ihren Dienst und gingen wieder. Nie hätte Elisabeth Privates mit ihnen besprochen. Marie und Ida (beide weiter unten) sind die berühmtesten Namen unter ihnen und waren beinahe rund um die Uhr für ihre Kaiserin da.

Da am kaiserlichen Hof es nur so von Offizieren, Diplomaten, Ministern, Bediensteten usw. wimmelte, war dies ein großer Heiratsmarkt. In Schloss Schönbrunn lebten rund ums Jahr an die 4000 Personen. So verliebten sich natürlich auch die jungen, bei Kaiserin Elisabeth immer sehr hübschen Hofdamen. Kaum hatte diese den Wunsch geäußert sich zu verloben und ehelichte dann ihren Verlobten, wurde die Hofdame aus dem Dienst entlassen. Eine verheiratete Hofdame war bei Hofe nicht zugelassen.

Beispiele für berühmte Hofdamen gibt es in der Geschichte viele:

Foto: Wikimedia/Commons Ida von Ferency und Marie von Festetics auf Maultieren

Nehmen wir das größte Beispiel Vorleserin Ida von Ferency (*7.4.1839, †28.6.1928). Wie ihr Name 1864 auf jene Liste kam, als Kaiserin Elisabeth eine Gesellschafterin suchte, ist ein ungelöstes Rätsel, welches sich nach so vielen Jahren nicht mehr klären lässt. Ich möchte mich hier auch gar nicht all zu lange mit Ida beschäftigen, da sie einen eigenen Beitrag erhält und sicherlich auch verdient hat; eines sei jedoch erwähnt. Ihr Posten musste erst geschaffen werden. Zuerst wurde sie zur Gesellschafterin und Sprachlehrerin. Da aber Max von Falk den vertrauensvollen Posten des ungarischen Sprachlehrers Innehatte, war es schnell vorbei mit diesem Synonym. Also erfand man den Posten „Vorleserin“, da Ida die Ahnenprobe nicht bestanden hatte. Sie kam aus dem einfachen Landadel und hatte weder 8 Urahnen vorzuweisen, noch generell einen Hofdamen-Posten zu erhalten. Ihr Rang war viel zu niedrig. Kaiserin Elisabeth ob ihrer Schönheit allerdings Feuer und Flamme, wollte sie unbedingt behalten. Zu dem waren sich die beiden Frauen vom ersten Moment an sympathisch. So wurde der am Hof einzigartige Posten der „Vorleserin“ geschaffen. In manchen historischen Büchern ist von der Hofdame Ferenczy zu lesen. Das ist falsch. Ida blieb bis zu ihrer Pension „Vorleserin“. Befreundet blieben die beiden Frauen bis zum Tode der Kaiserin.

Foto: Wikimedia/Commons, Marie von Festetics

Hofdame Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †16.4.1923) reiht sich in die berühmten Namen der Hofdamen ein, die man sicherlich unter Kaiserin Elisabeth kennt. Niemand geringerer als Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890) schlug 1871 Marie als Hofdame vor. Marie war ursprünglich auf einem anderen Posten und gar nicht glücklich zur Ernennung bei der Kaiserin. Doch Gyula bekniete sie hinzugehen und einer Kaiserin gibt man bekanntlich keinen Korb. Als sie Elisabeth das erste Mal sah, schrieb sie wahre Entzückungen über Sisi in ihr Tagebuch. Sie sollte zwei Heiratsanträge ablehnen, um bei ihrer geliebten Kaiserin bleiben zu können. Es nahm niemand so viel Einfluss auf Elisabeth wie Marie von Festetics. In der Familie wurde Marie deshalb argwöhnisch beäugt. Erzherzogin Sophie und sogar Elisabeths Tochter Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924) hassten Marie regelrecht. Der gesamte Beitrag zu Marie von Festetics und warum ich mir ihr Pseudonym ausgesucht habe, kann hier nachgelesen werden.

Dann gab es noch Lily von Hunyady (*26.12.1836, †28.2.1907) die Elisabeth nach Madeira begleitete. Leider auch ihr Bruder, der sich in Elisabeth verliebte und sofort aus ihren Augen entfernt wurde. Lily verliebte sich selbst zu guter Letzt und musste den Hofdienst verlassen. Der Beitrag zu ihr kann hier nachgelesen werden.

 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie Marie von Redwitz, Enthüllung der Oskar von Redwitz Statue vor dem Hotel Austria, Meran, 22.10.1894
Foto: sternenkaiserin.com – Marie Marie von Redwitz, Enthüllung der Oskar von Redwitz Statue vor dem Hotel Austria, Meran, 22.10.1894

Marie von Redwitz* (*9.12.1856, †11.4.1933) wiederum ist berühmt, da sie die Hofchronik von der Bayern-Linie aus schrieb. Sie war die Hofdame von Amelie von Urach, besser bekannt als Amelie Herzogin in Bayern (*24.12.1865, †26.51912). Ihr Vater war Carl Theodor in Bayern „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) und Sophie Prinzessin von Sachsen (*15.3.1845, †9.3.1867) .

Carl Theodor war ein Bruder von Kaiserin Elisabeth und Sophie war ihre Cousine. Leider starb die geliebte Ehefrau und Mutter recht bald, so dass Carl Theodor einige Jahre später noch einmal heiraten musste.

Die traurige Geschichte zu Sophie kann hier nachgelesen werden. Amelie heiratete später Wilhelm von Urach (*30.5.1864, †24.3.1928) und so wurde Marie von Redwitz ihre Hofdame. Diese erlebte natürlich die gesamte Familie Wittelsbach und einen Teil der Familie Habsburg und urteilte darin in ihrer Hofchronik, die nur noch antiquarisch erhältlich ist.

 

Sophie von Scharnhorst* sei erwähnt. Sie schrieb die Hofdamenbriefe, die ebenfalls erhalten und antiquarisch erhältlich sind. Sie arbeitete bei Prinzessin Amalie Marie von Schweden (*22.2.1805, †31.8.1853), die über vielfache Ecken mit dem Kaiserhaus verwandt war und dort ein und aus ging. Sie selbst lebte in Wien und war bei fast allen familiären Anlässen eingeladen. Sophie schrieb alles nieder und so erhält der Leser einen guten Einblick in jene Zeit rund um Erzherzogin Sophie als noch Erzherzog Franzi, Maxi, Karl Ludwig und Luzi-Wuzi klein waren. Natürlich erwähne ich hier niemand geringeren als Kaiser Franz Joseph und dessen Brüder.

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Hildegard

Und dann gabs noch Clementine Gräfin von Taaffe* (*20.10.1827, †13.9.1882), der Name wird aufmerksamen Habsburg Kennern vor allem durch Eduard Taaffe (*24.2.1833, †29.11.1895) ein Begriff sein. Er war der einzige lebenslange Freund und Vertraute von Kaiser Franz Joseph, zumindest nannte ihn dieser so.

Kaiser Franz Joseph übergab ihm nach der Mayerling Affäre Dokumente von Rudolf, die bis heute nicht mehr aufgetaucht sind. Taaffe war für die Bespitzelung von Kronprinz Rudolf verantwortlich, da dieser die liberale Einstellung des Kronprinzen nicht ertragen konnte und ihn hasste wie die Pest.

Clementine Gräfin von Taaffe wurde am 31.10.1856 29jährig Hofdame bei Erzherzogin Hildegard (*10.6.1825, †2.4.1864). Empfohlen hatte sie die heißgeliebte Aja von Kaiser Franz Joseph Louise Baronin von Sturmfeder. Sie ehelichte am 1.5.1844 in der Allerheiligen-Hofkirche in München Erzherzog Albrecht (*3.8.1817, †18.2.1895) und war eine Cousine von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph. Hildegard war die Tochter von König Ludwig I von Bayern, der der (Halb)Bruder von Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) und Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †26.1.1892) in Bayern war.

Zuerst wurde sie Hofdame und als Erzherzogin Hildegard an einer Rippenfellentzündung starb, blieb sie bei auf Wunsch von Albrecht bei den Kindern und zog diese auf. Clementine war nicht nur äußerst gebildet, sie interessierte sich sehr für Geschichte und für die Theologie. Die Kinder des Paares liebten sie sehr und schrieben ihr häufig Briefe oder zeichneten ihr Bilder. Am 26.6.1864 wurde sie Sternkreuzordensdame und in der Marienkapelle „St. Christoph“ in Baden bei Wien hängt links neben dem Eingang eine Gedenktafel für Clementine von Taaffe „Gesellschaft der adeligen Frauen“. 

Das war es nun vorläufig aus dem Reich der Hofetikette und dem Wirr Wirr der Begrifflichkeiten. Wenn euch ein Begriff auffällt oder einfällt den ihr erklärt haben wollt, scheut euch nicht mir zu schreiben. Ich werde ihn gerne in die Liste aufnehmen. 

~ Marie ~ 

 

 

 


*Fußnote: Nicht von jeder Hofdame gibt es Fotos. Ich hatte schon Schwierigkeiten die Daten herauszufinden. Bei Clementine von Taafe darf ich mich rühmen, dass ich die erste und einzige bin, die herausgefunden hat, wann sie geboren wurde und wann sie bei Hofe ihre Anstellung fand. In keinem historischen Buch fand ich diese Daten. Es hat mich stundenlange detektivische Arbeit gekostet, die sich schließlich ausgezahlt hat.

Auch bei Sophie von Scharnhorst bin ich noch auf der Suche, aber hier lässt sich leider wirklich nichts finden. Ich vermute, dass ihr Vorname nicht Sophie, sondern dies ihr 3ter oder 4ter Vorname ist. Sollte ich die Daten noch finden, werde ich diese selbstverständlich ergänzen.

Marie von Redwitz ist ein begehrtes Ziel für ein Foto. Ich besitze ein Familienfoto bei der Enthüllung des Oskar von Redwitz-Denkmals vor dem Hotel Austria in Meran, welches heute das Hotel Adria ist. Oskar von Redwitz (*28.6.1823, †6.7.1891) war ein berühmter Dichter und Schriftsteller und ihr Vater. Nicht nur, dass Marie Hofdame war, so trat sie auch in die Fußstapfen ihres Vaters. Sollte ich jemals in den Besitz eines besseren Fotos kommen, werde ich es hier einfügen.


Rechtliche Hinweise:
Text: Marie
Bildrechte: hofburg-wien.at, Schloss Schönbrunn, sternenkaiserin.com – Marie, Wikimedia/Commons, Kunsthistorisches Museum Wien (KHM), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB)


Literatur Hinweise:

Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859-1898 Band I und Band II
Herold Verlag, Wien 1966 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Gudula Walterskirchen
Der Franzi war ein wenig unartig
Hofdamen der Habsburger erzählen
Residenz Verlag, 2013, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

Karin Schneider
Norm und Zeremoniell
Das Etiquette-Normale für den Wiener Hof von circa 1812
Böhlau Verlag, 2019, 1. Auflage (in jeder Buchhandlung erhältlich)

Hofdamenbriefe
Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Verlag Caesar Schmidt, 1903, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

Der Hofstaat des Hauses Österreich
Ivan Zolger
Deuticke, Wien, 1917 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Kaiserin Elisabeth ganz privat
Briefe an ihre intimste Vertraute Ida Ferenczy
Beatrix Meyer
Allitera Verlag, 1. Auflage 2020 (in jeder Buchhandlung erhältlich)

Marie Therese Erzherzogin von Braganza

Foto: Wikimedia/Commons Marie Therese von Braganza, ca. 1889

Wir gedenken heute des Todestages von Maria Theresia Immakulata Ferdinanda Eulalia Leopoldina Adelheid Elisabeth Karoline Michaela Raphaela Gabriele Franziska von Assisi et de Paula de Gonzaga Agnes Sophia Bartolomea ab Angelis de Braganza Infantin von Portugal oder in portugiesisch Donna Maria Teresa da Imaculada Conçeiäo Fernanda Eulália Leopoldina Adelaide Isabel Carolina Micaela Rafaela Gabriela Francisca de Aissis e de Paula Gonzaga Inés Sofia Bartolomea dos Anjos de Bragança Infantin von Portugal, bekannt als Erzherzogin Marie Therese (auch Maria Theresia, oder Maria Theresa; aber am meisten genannt und bekannt als Marie Therese). Sie wurde am 24.8.1855 in Kleinheubach geboren.

Foto: Wikimedia/Commons König Michael von Portugal
Foto: Wikimedia/Commons Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg

Ihr Vater war König Miquel I von Portugal (*26.12.1802, †14.11.1866). Ihre Mutter Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (*3.4.1831, †16.12.1909).

Marie Therese wuchs bereits im Exil in Deutschland auf. Ihr Vater starb 1866, ohne je wieder an die Macht zu gelangen. Ihr Bruder Miquel (*19.9.1853, †11.10.1927) ehelichte die schöne Tochter von Helene „Néné“ von Thurn und Taxis, einer Schwester von Kaiserin Elisabeth, Elisabeth (*28.5.1860), welche aber nach 4jähriger Ehe und nach der Geburt des 3ten Kindes 20jährig am 7.2.1881 verstarb.

 

 

 

Sie genoss eine höhere Mädchenausbildung im Sacré-Coeur in Paris, welche sie auch abgeschlossen hatte. Als 17jährige kam sie zur Familie zurück nach Deutschland.

Foto: geneall.net Elisabeth und Michael von Braganza
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Franz Karl

Erzherzog Karl Ludwig, bereits 2facher Witwer, fuhr höchstpersönlich nach Kleinheubach, um bei ihrer Mutter vorstellig zu werden. Diese ließ ihre Tochter in den Salon bitten, bat sie sich umzuziehen, bevor sie mit dem Bruder des österreichischen Kaisers in den Garten spazieren ging. Was bei diesem Spaziergang besprochen wurde, ist nicht überliefert, es ist nur bekannt, dass Erzherzog Karl Ludwig obgleich Feuer und Flamme ob der Schönen war und sie bat seine Frau zu werden. Marie Therese willigte ein.

 

 

 

 

 

 

Fotos: Wikipedia/Commons, Stammbaum: Marie

Mit knapp 18 Jahren trat die Prinzessin am 23.7.1873 auf Schloss Heubach vor den Traualtar und gab dem knapp 40jährigen(*) Witwer Erzherzog Karl Ludwig ihre Hand. Dieser brachte 4 Halbwaisen mit in die Ehe: den 10jährigen Erzherzog Franz Ferdinand, den 8jährigen Erzherzog Otto (seinen Lieblingssohn), den 4jährigen Erzherzog Ferdinand Karl und die 3jährige Erzherzogin Margarete Sophie.

 

 

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Viktor). Fotografie von Ludwig Angerer, 1860, Foto: Wikimedia/Commons
Foto: Schloss-Artstetten.at
Foto: albertmilde.com Villa Wartholz, 1877

14 Tage später fand auf Schloss Schönbrunn im Beisein von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph ein großer Empfang für das Brautpaar statt. Anwesend waren die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister der Kaiserin, der Flügeladjutant des Kaisers und die gesamte Familie, so dass – nun mehr Erzherzogin Marie Therese – standesgemäß in der Familie Willkommen geheißen wurde.

Wohnhaft wurde das Paar mit den Kindern im angekauften Palais Favoriten in Wien Wieden, welches er sich von Heinrich von Ferstel umbauen ließ. In den Sommermonaten zog man in die Villa Wartholz in Reichenau, welches sich Karl Ludwig ebenfalls vom selben Architekt bauen ließ. Später wohnte die Familie im Sommer auch gerne im Schloss Artstetten.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth von Schönfeld
Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth Gräfin von Festetics von Tolna (*30.6.1832, †12.3.1904) verheiratete Gräfin von Schönfeld wurde durch Gräfin von Goeß die Obersthofmeisterin von Marie Therese. Elisabeth war die Schwester von der Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics, welche bei Kaiserin Elisabeth anstellig war.

Das Erzherzogspaar wurde von Kaiser Franz Joseph häufig ins Ausland entsandt, um an seiner Statt an allerhand Pflichten teilzunehmen. Marie Therese galt nicht nur als die Schönste der drei Frauen von Karl Ludwig, sondern auch als die Klügste, Gewinnbringendste und durch ihr liebreizendes Wesen, als äußerst freundlich und zuvorkommend. Wo sie hinkam, wurde sie von den Menschen wohlwollend angenommen und umringt. Karl Ludwig war oft sehr eifersüchtig und beobachtete seine Frau mit voller Skepsis, wusste er doch, dass er viel älter war als sie. Doch zu Eifersucht bestand keine Sorge. Marie Therese liebte ihren Mann aus vollem Herzen und nie hätte sie sich zu einer außerehelichen Affäre hinreißen lassen. Wie – aus sicheren Quellen und absolut nicht üblich zu dieser Zeit – auch Karl Ludwig nicht fremd ging und sich außerehelich vergnügte. Die beiden genügten und liebten sich gleicher Maßen.

Foto: Wikimedia/Commons Zar Alexander III mit seiner Familie

So reisten die beiden auch nach Moskau um an der Krönung von Zar Alexander III teilzunehmen.

Foto: ÖNB Kaiserin Elisabeth ca. 1866

Erzherzogin Marie Therese zog alle Blicke auf sich. Sie galt als byzantinische Prinzessin und war eine außerordentliche Schönheit und von hoher Gestalt. Man konnte sogar beinahe sagen, sie machte Kaiserin Elisabeth Konkurrenz, die sie allerdings nicht als solche ansah. Sie schätzte ihre Schwägerin sehr, hatte sie doch Ruhe vor den lästigen Staatspflichten und konnte ihren Reisen und Reittätigkeiten zu dieser Zeit nachgehen. Es wurde nicht nur ihre Toilette und ihre Kleider, sondern auch der prachtvolle Schmuck bewundert, was im Zarenreich wirklich etwas zu bedeuten hatte. Normalerweise war es genau umgekehrt. Erzherzog Karl Ludwig ließ sich vor der Fahrt nicht lumpen und kleidete seine Frau ordentlich ein.

Durch ihr charmantes Äußeres, ihr kluges Auftreten und ihre witzige Art lag ihr aber nicht nur Russland alsbald zur Füßen, sondern die gesamte adelige Welt. Kaiserin Elisabeth war sehr zufrieden mit dem was ihr zu Ohren kam. Auch Kaiser Franz Joseph schätzte seine schöne und kluge Schwägerin sehr, musste aber alsbald merken, dass sie ihren eigenen Kopf durchsetze und für ihre Familie Himmel und Hölle in Bewegung setzte, wenn es darum ging, diese zu beschützen oder wenn ihr etwas am Herzen lag. Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen, schätzte er sie Zeit seines Lebens. Dies ging so gar so weit, dass man die beiden später verkuppeln wollte. Doch dazu später mehr.

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Therese

Als Mutter ging sie in ihrer Rolle ebenso auf, wie als Repräsentantin am Staatsbankett. Erzherzog Franz Ferdinand (*18.2.1863) war ein äußerst stilles und zurückgezogenes Kind, zu dem sehr eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder Otto (*21.4.1865), da dieser der Lieblingssohn seines Vaters war. Mit beinahe strengem Blick beobachtete er, wenn sich seine Stiefmutter Marie Therese mit seiner kleinen Schwester Margarete Sophie (*13.5.1870) beschäftigte, da er ganz besonders an ihr hing. Sie war sein ganzer Halt und seine große Liebe innerhalb seiner Geschwister. Zeit ihres Lebens waren die beiden sehr verbunden, es traf ihn deshalb besonders hart, als sie so jung sterben musste, aber dazu später mehr. Ferdinand Karl (*27.12.1868) fiel zwischen seinen Brüdern mehr oder weniger nicht auf. Er war der Dritte im Bunde und der jüngste Sohn.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata 2. Ehefrau und Karl Ludwig
Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata

Mit Geduld und großer Hingabe sorgte die junge Frau, die kaum 8 Jahre älter war, als ihr ältester Stiefsohn Franzi (Ferdinand), dass die Kinder sie annahmen und liebten. Das sie alle 4 begraben sollte, war ein ungeheures Schicksal, dass sie kaum ertrug. Die Geschichten dazu erzähle ich im einzelnen. Nur ihre eigenen Kinder sollten sie überleben.
Schon kurze Zeit nach der Hochzeit nannten die Kinder sie „Mama“ und dies sollte bis zum Tode aller Kinder so bleiben. Die Liebe war so groß, dass sie keinen Unterschied zu ihren eigenen Kindern machte, die dem Paar Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Marie Therese geboren wurden.

Maria Annunziata kam am 13.7.1876 in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax zur Welt. Sie wurde nach der zweiten Ehefrau und der Mutter der vier Halbwaisen benannt. Maria Annunziata von Neapel-Sizilien „Ciolla“ (*24.3.1843, †4.5.1871) starb an Lungentuberkulose und hatte diese sowohl Erzherzog Franz Ferdinand, als auch Erzherzog Ferdinand Karl vererbt. Vermutlich auch Margarete Sophie, doch genaueres ist hierzu nicht bekannt.

 

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie

Am 7.7.1878 kam ebenfalls in der Villa Wartholz Tochter Elisabeth Amalie Eugenia zur Welt. Elisabeth wurde von Kaiserin Elisabeth getauft, wurde allerdings von Erzherzogin Christine vertreten.

Foto: Wikimedia/Commons Margarete von Sachsen, Karl Ludwigs 1. Ehefrau, Namenspatronin von Tochter Margarete Sophie

Bevor ich zu den Kindern und dem Rest der Geschichte komme, möchte ich noch kurz die erste Ehefrau erwähnen, damit diese auch ihren Abschluss findet. Margarete von Sachsen (*25.5.1840, †15.9.1858), Cousine von Elisabeth, Franz Joseph und eben von Karl Ludwig wurde von Erzherzogin Sophie zur Ehefrau bestimmt. Sie starb nach kaum 2jähriger Ehe 18jährig an Typhus. Die Ehe blieb kinderlos. Tochter Margarete Sophie bekam den Namen der 1. Ehefrau.

 

 

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Therese und Erzherzog Karl Ludwig

Als bei Erzherzog Franz Ferdinand die Lungentuberkulose ausbrach und er sich deshalb auf halber Weltreise befand, schrieb sie ihm unentwegt Briefe, um ihn aufzuheitern. Leider geschah hier ein großes Unglück. In Kairo besuchte ihn sein Vater Karl Ludwig und trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan. Der Jordan war aber schon zu dieser Zeit enorm verschmutzt, so dass sich Karl Ludwig schwer vergiftete. Schwer krank und geschwächt kam ihr Mann nach Hause zurück. Sie pflegte ihren geliebten Mann im Palais aufopferungsvoll, doch er konnte nicht mehr gerettet werden. Am 18.5.1896 starb Erzherzog Karl Ludwig. Er hinterließ ihr ein immenses Vermögen, allerdings verhielt sich der Wiener Hof absonderlich. Doch darauf möchte ich später in der Geschichte zurückkommen.

Foto: Wikimedia/Commons Sophie von Chotek

Franzi, wie er Zeit seines Lebens von seiner Mama genannt wurde, hatte sich verliebt. Leider war diese Liebe verboten und so musste diese lange Zeit verheimlicht werden. Nur wenige Personen wussten Bescheid; u.a. waren eingeweiht Kaiserin Elisabeth, mit der sich Franz Ferdinand außerordentlich gut verstand, seine Schwester Margarete und natürlich Marie Therese. Die gesamte Geschichte zu Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg kann hier nachgelesen werden.

Ab 1899 half sie ihrem Sohn bei ihrem Schwager Kaiser Franz Joseph zu intervenieren, dass dieser seine große Liebe Sophie von Chotek heiraten dürfe. Schon zuvor hatte sich Kaiserin Elisabeth dafür eingesetzt, doch diese starb bevor sie etwas erreichen konnte. Also war Marie Therese auf sich allein gestellt. Und obwohl Kaiser Franz Joseph von einer morganatischen (unstandesgemäß) Ehe nichts wissen wollte, gab sie sich nicht geschlagen. Irgendwann ging ihm die Bettelei derartig auf die Nerven, dass er unter fast brutalen Bedingungen nachgab. Der Rest ist Geschichte. Kaiser Franz Joseph verbot an der Hochzeit des Sohnes teilzunehmen und verhängte eine beinahe lächerliche Staatstrauer einer nebensächlichen Tante. Erzherzogin Marie Therese setzte sich gegen die Anweisung hinweg und nahm an der Hochzeit teil. Jetzt lernte Kaiser Franz Joseph den Sturkopf seiner Schwägerin kennen und noch viele solcher Einsätze sollten folgen.

8 Tage nach der Hochzeit schrieb Erzherzog Franz Ferdinand an seine Stiefmutter folgenden Brief:

Liebste Mama!
Endlich bißl in Ruhe gekommen nach Beantwortung zahlloser Telegramme – Briefe nach Einrichtung unserer Wohnung und Auspackung aller Sachen von Sophie ist es mir Erstes Dir einige Zeilen zu schreiben und Dir in meinem und Sophies Namen auch noch schriftlich von ganzem Herzen zu danken für all die unbeschreibliche Güte und Liebe die Du uns in Reichstadt bewiesen hast! 
Wir sind Dir bis an unser Lebens-Ende dankbar für Alles was Du für uns gethan hast für die zahllosen Beweise Deines goldenen mütterlichen Herzens. 
Ich fühle mich wie neugeboren. Sie schwärmt von Dir und redet nur Deiner Güte und Liebe. Ich habe vollkommen in meinem Inneren das Gefühl daß wir beide bis zu unserem LebensEnde unbeschreiblich glücklich sein werden. 
Gute liebe Mama, Du hast das Richtige getroffen, daß Du mir so geholfen hast! 
Der liebe Gott zu dem ich täglich 2mal in der Capelle mit Soph bete lohne Dir gute Mama Alles was Du für uns gethan. 
Ich umarme Dich und Die Schwestern küsse Dir die Hände und bin ewig
Dein
dankbarster Dich innigst liebender Sohn Franzi. 
9.Juli 1900 (1)

 

Foto: Wikimedia/Commons Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Marie Therese liebte nicht nur ihren Franzi und Soph, wie Sophie liebevoll genannt wurde, sondern auch ihre Enkelkinder, die eigentlich ihre Sitefenkelkinder waren, wenn wir es genau betrachten würden. Doch dieses Wort stand Marie Therese nie im Weg und deshalb sollte es auch hier nicht im Wege stehen.

Franz Ferdinand und Sophie wurden 3 wunderschöne Kinder geboren, die auf so tragische Weise zu Waisen wurden. Das Unglück von Sarajevo traf Marie Therese und die Kinder hart. Doch Zeit ihres Lebens hielt sie den Kontakt zu ihren Enkeln. Sophie (*24.7.1901, †27.10.1990) geboren, war 13 Jahre alt, Maximilian (*29.9.1902, †8.1.1962) geboren, 12 Jahre alt und Ernst (*27.5.1904, †5.3.1954) geboren, 10 Jahre alt. Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Josepha

Dem Zweiten dem sie bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe half, war Erzherzog Otto, als er an Syphilis erkrankte und von der Familie schon lange verstoßen war. Ottos „Bolla“ oder auch „der Schöne“ Lebensweg war dem eines Dandys. Er genoss Dirnen, Alkohol, Tänzerinnerinnen und hatte mehrere uneheliche Kinder. Seine Ehe mit Maria Josepha von Sachsen (*31.5.1867, †28.5.1944) war eine einzige Farce. Lediglich zwei Söhne wurden geboren. Erstgeborener Karl (*17.8.1887, †1.4.1922) ging in die Weltgeschichte ein.

Bei der Geburt von Karl kam es beinahe zu einem Drama. Maria Josepha überlebte die Geburt beinahe nicht, so dass sogar ein Priester für die Sterbesakramente gerufen wurde. Otto vollkommen hilflos in dieser Situation verständigte seine Mutter und diese eilte zu der Sterbenden und half nicht nur ihrem Sohn mit dem Baby, sondern setzte sich an ihr Bett, betete mit ihr und spendete tröstende Worte. Tag und Nacht wachte sie bei ihrer Schwiegertochter, die sich so nach und nach von der Strapaz erholte. Trotzdem war dies für Otto kein Schuss vor den Bug. Kaum war Maria Josepha genesen, genoss er schon wieder seine außerehelichen Affären und ließ seine „Nonne“ wie er Maria Josepha nannte, mit dem Baby allein. Marie Therese hielt trotzdem all die Jahre zu ihm. Selbst als sich das Verhältnis zu Franzi zusehends verschlechterte, da plötzlich Otto ins Weltgeschehen des Thronerben blickte, als Franz Ferdinand erkrankte. Franz voller Eifersucht und Hass auf Otto, der ihm den Thron nicht gönnte und Otto voller Sorge und Angst, der den gar nicht wollte. Als sich dann noch Franzi in Sophie verliebte, war es ausgerechnet Otto, der sich gegen Franz wandte. Dies war das Ende der ansonsten guten Beziehung der Brüder. Auch wenn sich Marie Therese immer wieder einmischte und vermittelte, eine brüderliche Freundschaft konnte sie nicht mehr erwirken.

Ab 1900 war Ottos Syphilis offenkundig und sichtbar, weshalb man ihn zu Kuren ins Ausland schickte, doch die Lupusherde im Gesicht waren hier bereits so fortgeschritten und nicht mehr heilbar, dass er sich auf sein Schloss in Schönau an der Triesting zurückzog.

 

Foto: Wikimedia/Commons Dr. Viktor Eisenmenger
Foto: ÖNB Erzherzog Otto „Bolla“

Seine letzte Geliebte, Opernsängerin Luise Robinson (*8.1.1884, †1934) mit der er ebenfalls zwei uneheliche Kinder hatte und seine Mutter blieben bei ihm. Letztere pflegte ihn so aufopferungsvoll, dass sich Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) um die Erzherzogin schwere Sorgen machte. Zuerst fiel Otto die Nase ab, so dass er eine Nasenprothese brauchte, um besser atmen zu können. Als es im Schloss Schönau nicht mehr ging und die Fahrt für Marie Therese zu anstrengend wurde, wurde in Wien Währing eine Villa angemietet. In der Anton Frank-Gasse 20 wurde Otto heimlich untergebracht und so konnten die beiden Frauen dafür Sorgen, dass sie Tag und Nacht bei ihm sein konnten. Mit Otto ging es immer mehr bergab.

Als er kaum noch atmen konnte, musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden. Dabei wurde ihm eine Kanüle in den Hals geschoben. Das Sprechen fiel ihm unglaublich schwer, er konnte nur noch sitzen, weshalb er aus dem Bett gehoben und in einen Lehnstuhl gesetzt wurde. So musste er Tag und Nacht verharren. Sobald der Kopf nach vorne sackte, drohte der Patient zu ersticken, weshalb sich Marie Therese und Louise abwechselten und die Tage und Nächte bei Otto verblieben und ihm den Kopf immer wieder gerade rückten. Otto wurde gewaschen, gefüttert, gewickelt. Und das mit nicht einmal 40 Jahren. Seine Lupusherde waren nun überall am ganzen Körper ausgebrochen, der ganze Raum stank nach Wundbrand. Marie Therese war so erschöpft, dass sich Dr. Eisenmenger schwere Sorgen um sie machte und ein Verbot aussprach sich weiter um Otto zu kümmern. Doch davon wollte sie nichts hören. Sobald Otto drohte zu ersticken, wurde der Arzt gerufen und das Röhrchen wurde entfernt und ausgewechselt. Eines Tages war der Erstickungsanfall so heftig, dass Dr. Eisenmenger zu spät kam. Erzherzog Otto starb am 1.11.1906 im Beisein von Marie Therese – als einzige der Familie Habsburg. Er war gerade einmal 41 Jahre alt.

Auch ihrem dritten Sohn Erzherzog Ferdinand Karl (*27.12.1868, †10.3.1915) half sie seine große Liebe zur bürgerlichen Hofratstochter Berta Czuber (*5.12.1879, †5.7.1979) durchzusetzen. Doch hier versagten alle kläglich. Kaiser Franz Joseph blieb stur. Die Konsequenzen waren für niemanden absehbar. Ausgerechnet Erzherzog Franz Ferdinand widersetzte sich dieser Beziehung. Kennengelernt hatten sich die beiden auf dem Technikerball und schon bald entstand eine Liason, denn Berta war eine ausgesprochene Schönheit und unglaublich gebildet. Ihr Vater war Mathematikprofessor an der Technischen Universität.

Foto: Wikimedia/Commons Berta Czuber
Foto: Wikimedia/Commons Ferdinand Karl

Ferdinand Karl fiel weder als Thronfolger ins Gewicht, noch sonst irgendwie auf. Sein Status im Habsburg Haus war: er war anwesend. Ansonsten hatte er einen militärischen Rang, hatte einige Repräsentationsaufgaben und sonst nichts zu tun. Pläne zur Hochzeit gab es für den 32jährigen erst, als der Junggeselle partout alles ablehnte, was ihm vorgestellt wurde. So z.B. die spanische Infantin Maria de la Mercedes (*11.9.1880, †17.10.1904), Tochter von Königin Maria Cristina (*21.7.1858, †6.2.1929) und König Alphons XII (*28.11.1857, †25.11.1885). Maria Christina war immerhin eine Habsburgerin und saß alleine auf dem spanischen Thron, da ihr Mann schon lange an Tuberkulose verstorben war. Doch Ferdinand Karl weigerte sich hartnäckig.

Franz Ferdinand fürchtete schwere Imageschäden fürs Kaiserhaus und schrieb an seinen Onkel einen Brief, in dem er die Beziehung untersagen wollte: „Ich fürchte immer bei Ferdinand einen Coup de tête(**) und das wäre schrecklich, denn diese Czuber ist eine abgefeimte Canaille.“ (2) Gerade Franz Ferdinand solle es besser Wissen. Seine Sophie wurde am Hof geschnitten wo es ging. Doch er stellte sich quer, wollte nichts hören und nichts sehen. Hilfesuchend wand sich Ferdinand Karl an seine Mama.

Foto: Wikimedia/Commons Maria de la Mercedes

Immer lauter und bösartiger wurden die Stimmen gegen Berta, von der im Kaiserhaus über ein unstetes Leben berichtet wurde. Ferdinand Karl gab zu Recht nichts auf dieses gemeine Getratschte, kannte er den Wiener Hof nur zu gut. Es hatte seine Tante Sisi aus dem Hause getrieben, die Zeit ihres Lebens vor dem Adel floh, da sie als „Landadel“ und nicht „gut genug für den Kaiser galt“. Auch hier intervenierte wieder einmal Mama Marie Therese. Doch je älter ihr Schwager wurde, desto verknöcherter und sturer wurde er. Einzig zwischen Ferdinand Karl und Franzi konnte sie vermitteln und eine Versöhnung erreichen.

Foto: Wikimedia/Commons Berta und Ferdinand Burg

Aus Trotz und Kummer fuhr das schwerverliebte Paar in die Schweiz nach Chur, wo sie am 15.8.1909 heimlich heirateten. Danach ging es auf Reisen. Ferdinand Karls Tenor lautete: Wenn sein Onkel von der Ehe mit der gebildeten und hübschen Hofratstochter erfahren wird, wird er klein beigeben. Doch der Tenor blieb aus. Die Rechnung wurde ohne dem Onkel gemacht. Kaiser Franz Joseph war es gewohnt als erste Instanz zu gelten und nicht übergangen zu werden. Als er von der heimlichen Hochzeit zwei Jahre später erfuhr, tobte er. Den eigenmächtigen Schritt musste Ferdinand Karl teuer bezahlen. Er wurde aus der Familie ausgeschlossen. Rang und Titel musste er abgeben, das Goldene Vlies verlangte sein Onkel zurück, aus den Jahrbüchern wurde er getilgt. Lediglich eine jährliche Apanage stand ihm zu. Des Weiteren wurde Ferdinand Karl gebeten nie wieder nach Österreich zurückzukehren. Die einzige die wieder einmal zu ihrem Sohn und weiterhin Kontakt hielt war seine Mama. Das Paar Ferdinand und Berta Burg ließ sich in München und Meran nieder, wo sie die beiden immer wieder besuchte. Leider wurde Ferdinand Karl alsbaldig schwer krank. Die Lungenkrankheit seiner Mutter brach auch bei ihm aus.

Als sein Bruder und seine Schwägerin in Sarajevo erschossen wurden, intervenierte sie beim Kaiser und dieser erlaubte für die Begräbnisfeierlichkeit eine Rückkehr des Verbannten. Ferdinand Karl war kaum noch wiederzuerkennen. Er zählte erst 46 Jahre, sah aber aus wie ein Greis. Er konnte sich kaum auf den Beinen halten, so dünn und ausgezehrt war er. Als es mit ihm zu Ende ging, rief Berta Marie Therese und diese eilte nach München und pflegte wieder einmal ihren Sohn bis zum Tode aufopferungsvoll und voller Liebe. Im Beisein seiner geliebten Berta und seiner Mutter starb er friedlich am 10.3.1915 46jährig. Marie Therese sorgte für die Überfahrt nach Obermais nach Meran, wo er in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Jahre später sollte Berta ihm folgen.

Foto: Wikimedia/Commons Albrecht von Württemberg

Und auch ihr viertes Stiefkind Margarete Sophie beerdigte sie. Margarete Sophie

Foto: Wikimedia/Commons Margarete Sophie

(*13.51870, †24.8.1902) wurde zuerst Äbtissin im Damenstift Prag, bevor sie sich zur Hochzeit mit Albrecht Herzog von Württemberg (*23.12.1865, †31.10.1939) entschloss. Doch noch vor der Verlobung wurde Margarete Sophie schwer krank. Leider ist nicht herauszufinden, an welcher Krankheit sie litt. Mama Marie Therese eilte auch an dieses Krankenbett und pflegte ihre Tochter bis sie wieder gesund war. Es dauerte monatelang. Am 24.1.1893 konnte im Beisein von Kaiser Franz Joseph in der Hofkapelle der Hofburg Wien die Hochzeit gefeiert werden. 7 Kinder wurde dem Paar geboren, bevor sie am 24.8.1902 in Gmunden 32jährig starb. Leider ist auch hier nicht überliefert an was Margarete starb. Franz Ferdinand war untröstlich seine geliebte Schwester zu verlieren.

Marie Therese hatte im Laufe der Zeit zwischen 1902 und 1914 alle ihre Stiefkinder begraben und trotzdem ihren Glauben nicht verloren. Nun blieben ihr nur noch ihre Enkelkinder und ihre beiden eigenen Töchter.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata und Siegfried in Bayern in Possenhofen

Maria Annunziata wurde eine äußerst enge Vertraute von Kaiser Franz Joseph. Sie verlobte sich mit Siegfried in Bayern (*10.7.1876, †12.3.1956) einem Sohn von Max Emanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893), einem Bruder von Kaiserin Elisabeth. Doch Siegfried zeigte auf der Verlobungsfahrt nach England ein absonderliches Verhalten, so dass Maria Annunziata noch während der Fahrt ihren Onkel bat die Verlobung wieder auflösen zu dürfen. Siegfried war 1899 vom Pferd gefallen und zeigte seit dem schwere Auffälligkeiten. Er schrie, zog sich in der Öffentlichkeit aus, pinkelte öffentlich oder in die Kajüte aufs Essen, onanierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit, auch in der Öffentlichkeit und bot generell einen traurigen Anblick, obwohl er ein sehr hübscher Mann war. Kaiser Franz Joseph gewährte die Bitte und so wurde diese gelöst und Maria Annunziata kam zurück. Sie verlobte sich nie mehr, obwohl sie als sehr große Schönheit galt. Sie wurde die Erste Dame am Wiener Hof, eine schwierige Aufgabe, die schon ihre Mutter übernommen hatte, als diese noch verheiratet war. Maria Annunziata war es auch, die Karl und Prinzessin Zita von Bourbon Parma (*9.5.1892, †14.3.1989) verkuppelte.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie und Alois von und zu Liechtenstein

Maria Annunziata und Kaiser Franz Joseph standen sich so nahe, dass er sie sogar ins Vertrauen über die Mayerling Affäre zog. Sie nahm die Geschichte mit ins Grab. Sie starb am 7.4.1961 in Vaduz und ruht in Liechtenstein bei ihrer Schwester.

Elisabeth Amalie Eugenia ehelichte Alois von und zu Prinz Liechtenstein, dem sie in jede Garnison nachfolgte. Sie war eine Autonärrin und sammelte diese. Insgesamt 8 Kinder wurde dem Paar geboren.

Erzherzogin Marie Therese war von Anbeginn nach Kaiserin Elisabeth die Erste Dame am Wiener Hof. Als Kronprinz Rudolf, der seine Tante sehr verehrte und liebte, Kronprinzessin Stephanie ehelichte, wurde Marie Therese von dieser abgelöst. Als sich Rudolf umbrachte, fiel die Aufgabe wieder Marie Therese zu, denn eine Witwe konnte und durfte nicht Erste Dame des Landes sein.

Als ihr Mann Erzherzog Karl Ludwig starb benahm sich der Wiener Hof absonderlich. Zuerst umwarb man sie nach Rudolfs Tod als zukünftige Kaiserin und kroch ihr beinahe in den Allerwertesten, da nach Kaiser Franz Joseph Erzherzog Karl Ludwig als Thronfolger feststand. Als dieser 1896 starb war es mit den Plänen „Kaiserin Marie Therese“ vorbei und die Höflichkeit des Hofes hatte ein Ende. Die Aufgabe der Ersten Dame fiel nun Erzherzogin Maria Josepha zu. Sie war die Ehefrau von Erzherzog Otto „Bolla“ und Mutter von Karl, obwohl als Thronfolger Franz Ferdinand feststand.

Foto: SHB Kaiser Franz Joseph 

Nun kamen die Pläne der Heiratsvermittler auf dem Plan. Da sich Kaiser Franz Joseph und seine Schwägerin Marie Therese außerordentlich gut verstanden und sich beide sehr schätzten, wollte man, dass die beiden sich verheiraten. Dies hätte auch den Mittel zum Zweck gehabt, dass Franz Ferdinand „quasi“ der Sohn von Kaiser Franz Joseph werden konnte und als „Kronprinz“ anerkannt werden könnte. Doch Marie Therese lehnte diese Pläne ab.

Als 1906 Erzherzog Otto starb war auch die Zeit für Erzherzogin Maria Josepha als Erste Dame des Hauses vorbei und Tochter und Vertraute von Kaiser Franz Joseph Erzherzogin Maria Annunziata trat an diese Stelle. Diese verschaffte nicht nur wieder das hohe Ansehen für ihre Mutter zurück, sondern hielt auch wie üblich den ersten Teetisch. Jede Erste Dame des Hofes hatte nicht nur beim Hofball den Circle zu leiten, sondern auch den Ersten Teetisch über. Da Kaiserin Elisabeth diese Aufgabe zuwider war, überließ sie mit Freude diese Aufgabe Marie Therese, nach deren Tod übernahm dies natürlich zuerst Maria Josepha, danach bis zum Monarchieende Maria Annunziata.

Foto: collections.nlm.nih.gov Marie Therese als Schwester Michaela

Marie Therese war eine Befürworterin des Roten Kreuzes, welches sie tatkräftig mit Spenden und persönlichen Besuchen unterstütze. Ihre eigene Tochter Maria Annunziata arbeitete bei Erzherzogin Maria Josefa im Palais Augarten und widmete sich den Kranken und Verwundeten. Um nicht erkannt zu werden, haben viele Erzherzoginnen „bürgerliche Namen“ gewählt.

Marie Therese wählte den Namen „Schwester Michaela“ (dieser Name findet sich in ihrem Taufnamen weit hinten). Sie meldete sich im Vereins-Reservespital Nr. 2 in der Hegelgasse Wien 1. Sie arbeitete als Oberkrankenschwester und half bei Operationen mit. Sie ließ keinen Dienst aus, war stets freundlich und pflegte aufopferungsvoll und voller Hingabe und trug immer ihre Schwesterntracht. Aber nicht nur in Wien versah sie ihren Dienst, sie ging auch direkt an die Front.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Antonia von Portugal

Vor allen die schwer gefürchteten Isonzofronten hatten es ihr angetan. Sie benutzte die Straßen, die unter schweren Beschüssen standen, sammelte Verwundete auf und verlor nie den Mut, waren die Verletzungen – vor allem Kopfverletzungen – noch so grausam und schwer. Zahlreiche Auszeichnungen bezeugen ihre Kriegseinsätze, doch auf diese legte sie keinen Wert.

Bevor Kaiser Franz Joseph entschlief war sie in Österreich zurück, um auch hier bei der Familie zu sein. Sie begleitete ihn auf seinen letzten Weg, der hier nachgelesen werden kann. Sie sah wie ihr Enkel Kaiser Karl und ihre Nichte Zita den Thron übernahm. Ihre Schwester Maria Antonia Infantin von Portugal (*28.11.1862, †14.5.1959) war immerhin die Mutter von Zita und somit war Marie Therese ihre Nichte.

Foto: Wikimedia/Commons Marie Therese

Als das Ende der Monarchie eingeläutet wurde, befand sich „Schwester Michaela“ an der Südfront um im Lazarett zu helfen. Sie hörte von Karls Debakel in Österreich und wollte nach Wien, um ihren Enkel zu helfen. In Deutschland kam sie nicht weiter, da man ihr vorwarf, den Bündnispartner Deutschland nicht wertzuschätzen. Erzherzogin Marie Therese musste Beweise antreten, dass sie in Deutschland geboren wurde und ihre Mutter eine Deutsche Adelige war. Unter diesen schwierigen Umständen gar nicht so einfach. Als sie Deutschland verlassen durfte, war ihr Enkel und Zita mit den Kindern bereits über alle Berge. Sie ging nach Wien zurück, wo sie in einer kleinen 3 Zimmer Wohnung lebte. Ihr gesamtes Personal musste sie entlassen das Palais war im Begriff verkauft zu werden. Die einst so reiche Marie Therese besaß kaum noch etwas. Doch auch jetzt beklagte sie sich nicht.

Foto: Wikimedia/Commons Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Am 3.4.1919 verkündete die Republik Österreich das Adelsaufhebungsgesetz. Daraufhin verließen Erzherzogin Marie Therese und ihre Tochter Erzherzogin Maria Annunziata Österreich in Richtung Schweiz. Dort erfuhr sie, dass auch Karl und Zita in der Schweiz angekommen waren. Nun versuchte Kaiser Karl seine Restaurationsversuche, die allerdings allesamt scheiterten. Nun zog man sich aber den Unmut der Schweiz zu, die sich verraten fühlte und die gesamte Familie auswies. Maria Annunziata zog zu ihrer Schwester nach Liechtenstein, Maria Josepha, die Mutter von Karl ging nach Deutschland zurück. Einzig Marie Therese durfte bleiben. Sie behielt die Kinder von Zita bei sich, um ihnen ein sicheres Leben zu geben. Aus Madeira erhielt sie Post und erfuhr, dass das Paar in Funchal gelandet war.

Foto: Wikimedia/Commons Robert von Habsburg

Als Robert (*8.2.1915, †7.2.1996) an einer schweren Blinddarmentzündung erkrankte, verständigte Marie Therese Zita. Diese durfte auf Bitten und Drängen bei den Behörden von Marie Therese für 14 Tage das Land Schweiz unter polizeilicher Bewachung wieder betreten. Als der Kranke noch nicht geheilt war, musste Zita ohne ihrem Kind das Land wieder verlassen. Diesmal fuhr Marie Therese mit, um Zita eine Stütze zu sein. Erst am 2.3.1922 konnte Robert mit Gräfin Kerssenbrook, die bei ihm geblieben war, nach Madeira nachkommen.

Doch auch auf Funchal ging alles schief, was nur schief gehen konnte und so musste sie auch ihren Enkel alsbaldig begraben.

Foto: Wikimedia/Commons alle Kinder von Karl und Zita

Während es in der Hauptstadt warm und sonnig war, wurden Zita, Karl und die Kinder, welche zu diesem Zeitpunkt bereits geboren waren, Otto von Habsburg (*20.11.1912, †4,7.2011), Österreichs letzter Kronprinz, Adelheid (*3.1.1914, †2.10.1971), Robert, Felix (*31.5.1916, †6.9.2011), Carl Ludwig (*10.3.1918, †11.12.2007), Rudolph (*5.9.1919, †15.5.2010), Charlotte (*1.3.1921, †23.7.1989), in einem zugigen Haus ohne Licht, Heizung und Wasser nur im Erdgeschoss auf dem „Monte“ untergebracht. Die eigene Bevölkerung mied im Winter diesen Berg. Die Dienerschaft, die das Kaiserpaar ebenfalls begleitet hatte, schlug die Hände über den Kopf zusammen, ob es schlechten Zustandes dieses Hauses. Ein Diener fasste sich ein Herz und warnte Marie Therese vor dem Haus, die jedoch bei Karl auf taube Ohren schlug. Da die Familie kein Geld mehr besaß und sich das Hotel nicht mehr leisten konnte, war man auf die Almosen und Hilfe des Volkes angewiesen. Das Haus wurde dem Paar zur Verfügung gestellt. Das Schicksal schlug unbarmherzig zu.

Foto: Wikimedia/Commons Marie Therese im Alter

Kaiser Karl verkühlte sich und konnte sich in dem zugigen, von Schimmel belasteten Haus nicht erholen. Wieder war es Marie Therese die Tag und Nacht am Krankenlager des Kranken saß, der von Fieber geschüttelt wurde und dem es immer schlechter ging. Er bat seine mittlerweile wieder schwangere Frau Zita zu sich und bat sie bei König Alfonso XIII in Spanien um Hilfe anzusuchen. Außerdem musste sie ihm versprechen, alles mögliche zu versuchen, das Kaiserreich zurückzuerobern. Noch am selben Tag starb Kaiser Karl im Beisein seiner Großmutter 34jährig am 1.4.1922.

Nun machte sich Marie Therese also mit der hochschwangeren Zita auf den beschwerlichen Weg von Portugal nach Spanien. Königin Maria Cristina, eine Großcousine von Kaiser Franz Joseph und ihr Sohn König Alfonso XIII (*17.5.1886, †28.2.1941) nahmen sie im El Pardo Palast in Madrid bereitwillig auf. Hier brachte Zita ihr letztes Kind Elisabeth Charlotte (*31.5.1922, †6.1.1993) zur Welt.

Während die Familie in Spanien blieb, hieß es für Marie Therese Abschied zu nehmen. Sie wollte zu ihrer Tochter Maria Annunziata nach Österreich zurück, die zwischenzeitig wieder aus Liechtenstein zurück war.

Das genaue Datum des Übertritts ist nicht bekannt, allerdings half ihr Polizeipräsident Schober nach Wien zurück. Weder Marie Therese, noch ihre Tochter Maria Annunziata mussten auf ihren Titel „Erzherzogin“ verzichten. Sie stellten für die Republik Österreich keine Gefahr dar. Zur großen Überraschung konnte ihre Familie das Palais Erzherzog Carl Ludwig erhalten, weshalb Maria Annunziata und Marie Therese zurückkehren konnten. Sogar vom Personal kamen einige zurück und halfen der mittlerweile betagten Dame im Haushalt.

Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor und Maria José in Bayern

Durch ihre Tätigkeit beim Roten Kreuz gingen viele Ärzte im Palais Ein und Aus. Auch der „Adel“ von Wien kam ins Palais und Marie Therese stieg quasi wieder zur Ersten Dame der Gesellschaft auf. Ihre Sommermonate verbrachte sie mit ihrer Schwester Maria José Herzogin in Bayern (*19.3.1857, †11.3.1943) in Gastein, welche den Bruder von Kaiserin Elisabeth Karl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) geheiratet hatte.

1938 erlebte sie noch wie ihre beiden geliebten Enkel Max und Ernst von Hohenberg ins Konzentrationslager Dachau gebracht wurden. Die von Hohenbergs waren die Kinder von Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie. Während Max auf Intervention seiner Frau nach einem halben Jahr frei kam, musste Ernst 5 Jahre verschiedene Konzentrationslager erdulden. 1944 erlebte sie noch die Freilassung und konnte – Ernst einigermaßen gesund – wieder in die Arme schließen.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie Wandnische, Marie Therese, Kapuzinergruft

Vom Glanz und Gloria der Habsburg-Zeit, der Wiener Hofbälle, Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph, das tragische Ende ihres Neffen Rudolf, bis hin zum Fall der Monarchie, 4 Kinder und einen Enkel begrub sie, Entbehrungen und viel Leid ertrug Marie Therese mit Würde und Stolz, Haltung und viel Eleganz. Kein Klagen kam je über ihre Lippen. Sie war durch und durch eine Dame und durch und durch die gute Seele des Hauses Habsburg, das ihr viel zu verdanken hatte.

Erzherzogin Marie Therese erlebte das Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr. Sie starb am 12.2.1944 88jährig im Beisein ihrer Töchter Erzherzogin Maria Annunziata, Prinzessin Elisabeth Amalie von und zu Liechtenstein, Max und Ernst Hohenberg in ihrem Palais Erzherzog Carl Ludwig. Der Nazi-Reichsstatthalter und Gauleiter von Wien Baldur von Schirach hätte ihr beinahe das ordentliche Begräbnis in der Kapuzinergruft verweigert. Ihr Schwiegersohn Alois von und zu Liechtenstein erwirkte die Erlaubnis und so konnte sie mit allen Ehren einer Erzherzogin ihre letzte Ruhestätte in der Kapuzinergruft antreten. Sie ruht heute in einer Wandnische.

 

~Marie~

 

Foto: Wikimedia/Commons Unterschrift von Erzherzogin Marie Therese

 

 


Fußnoten: 

(*) In jedem historischen Buch ist zu lesen, dass Erzherzog Karl Ludwig, bei der Hochzeit 44 Jahre alt war. Dies stimmt ob seines Geburtsdatums nicht. Er stand ganz knapp vor seinem 40. Geburtstag. 

(**) Coup de tête – aus einer Laune heraus; eine Entscheidung betreffend


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Marie
Stammbaum: Marie
Fotorechte: sternenkaiserin.com – Marie, Wikimedia/Commons, collections.nlm.nih.gov, planet-wissen.com, albertmilde.com, ÖNB, schloss-artstetten.at, geneall.net


Literatur Hinweise:

1 – S. 38
Norbert Nemec
Marie Therese von Braganza
Der gute Geist im Hause Habsburg
Editions Praesens, 1. Auflage, 2000 (nur antiquarisch erhältlich)

2 – S. 88
Diana Carmen Albu-Lisson
„….denn…[sie]…ist eine abgefeimte Canaille…“
Kral-Verlag, 2013, 1. Auflage

Sabine Fellner, Katrin Unterreiner 
Morphium, Cannabis und Cocain 
Amalthea Verlag, 2008, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Gabriele Praschl-Bichler 
Kinderjahre Kaiser Karls – Aus unveröffentlichten Tagebüchern seines Großvaters
Amalthea Verlag, 2014, 1. Auflage 

Albert Maria Joseph Maximilian Fürst von Thurn und Taxis

Foto: Wikimedia/Commons Albert von Thurn und Taxis

Wir gedenken heute des Todestages von Albert Maria Joseph Maximilian von Thurn und Taxis. Er wurde am 8.5.1867 in Regensburg geboren.

Foto: Wikimedia/CommonsHelene und Max von Thurn und Taxis mit Kindern

Sein Vater war Erbprinz Maximilian Thurn und Taxis. Seine Mutter Helene „Néné“ Herzogin in Bayern. Sie war eine Schwester von Kaiserin Elisabeth.

Er war somit der Neffe von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph.

Sein Vater starb kurz nach seiner Geburt (28.6.1867) an einer Lungenlähmung.

Mit 22 Jahren starb sein älterer Bruder Maximilian und somit wurde Albert mit 18 Jahren Fürst.

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Margarete Klementine

Am 15.7.1890 heiratete er Margarethe Klementine Erzherzogin von Österreich. Sie kam aus der ungarischen Linie der Habsburger. Ihr Großvater war Erzherzog Josef, Palatin von Ungarn (sein Beitrag ist hier). Sie bekamen 8 Kinder (7 Söhne, 1 Tochter).

Er engagierte sich rund um Regensburg. Er förderte die Kunst und Kultur, war Bauherr und Wohltäter. 1919 gründete er die Notstandsküche, um der notleidenden Bevölkerung nach dem 1. WK Essen zu spenden. 1923 wurde eine permanente Wohltätigkeit daraus, die bis heute anhält.

Im 2. Weltkrieg war er gegen die Nazis, widersetzte sich aber nicht. Sein Sohn Karl August wurde 1944 von der Gestapo verhaftet. 1945 wurde er befreit.

Unter großem Interesse der Bevölkerung feierten Albert und Margarethe am 15.7.1950 Diamantene Hochzeit.

Fürst Albert von Thurn und Taxis starb am 22.1.1952 84jährig auf Schloss Emmeram in Regensburg. Er ruht in der Familiengruft (nicht öffentlich zugänglich).

~ Marie ~


Rechtliche Hinweise: 
Text: Marie
Bildrechte: Wikimedia/Commons 


Literatur Hinweise: 

Martha Schad, Martin Dallmeier
Das Fürstliche Haus Thurn und Taxis, 300 Jahre Geschichte in Bildern

Queen Victoria

Foto: Wikimedia/Commons Queen Victoria

Wir gedenken heute des Todestages von Alexandrina Victoria von Kent, bekannt als Queen Victoria. Sie wurde am 24.5.1819 im Kensington Palast geboren.

Foto: Wikimedia/Commons Edward Duke of Kent
Foto: Wikimedia/Commons Marie Louise Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld

Ihr Vater war Prince Edward Augustus, Duke of Kent and Strathearn. Ihre Mutter Marie Louise Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld.

Ihre Jugend verlief turbulent. Man griff von allen Seiten nach dem Thron. Ihr Vater verstarb früh und hinterließ große Schulden. Victoire konnte sich das Leben in England nur leisten, da ihr ihr Bruder Leopold I von Belgien finanziell immer wieder half. Er war auch der einzige zu dem Alexandrina, genannt „Drina“ Vertrauen hatte. 

Ihre Mutter begann eine Affäre mit dem Whig John Conroy und schottete ihre Tochter komplett von der Außenwelt ab. Drina musste in ihrem Bett schlafen, durfte keine gleichaltrigen Personen sehen und durfte nur unter strenger Aufsicht nach draußen. Zusehends hasste Drina ihre Mutter und Conroy, der ihr versuchte ein Blatt unterzuschieben, der ihm nach der Thronübernahme eine Arbeitsstelle als Sekretär zusicherte. Drina weigerte sich dieses zu unterzeichnen und versuchte sich aus der Enge zu befreien.

Ihre Gouvernante Baronin Lehzen half ihr dabei. Ab dem 17. Lebensjahr bestand Drina auf ihr eigenes Bett, was zu Ohnmachtsanfällen und Heulkrämpfen ihrer Mutter führte. Doch die junge Frau ließ sich nicht beirren und ging ihren Weg. Allein. 

Am 20.6.1837 um 6.00 Uhr morgens erfuhr Alexandrina, dass sie nun die Thronerbin sein würde. Am 28.6.1837 wurde die 18jährige wurde zur Königin gekrönt.

Sie legte den ungeliebten Namen Alexandrina „Drina“ ab und nannte sich nur noch Victoria. Niemand durfte sie mehr Drina nennen. Sie sprach jahrelang mit ihrer Mutter kaum noch ein Wort. Conroy fand unter Queen Victoria keine Arbeitsstelle.

Ihr erster Premierminister Lord Melbourne (nach ihm ist die australische Stadt Melbourne benannt) wurde ihr väterlicher Freund und enger Vertrauter, so dass ihr zu dem 58jährigen Witwer eine Liebelei nachgesagt wurde. Lord Melbourne beriet sie in modischen Angelegenheiten genauso wie in politischen Fragen.

Foto: Albert Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha, Bild: F.X. Winterhalter 1842

Am 10.10.1839 kamen Prinz Albert von Sachsen Coburg und Gotha und sein Bruder Prinz Ernst zu Besuch nach London. Victoria verliebte sich augenblicklich in Albert und schwärmte bei Lord Melbourne ausführlich „er ist schön“. Lord Melbourne betrachtete dies mit großem Zutun, da er Albert als ihren Ehemann auserkoren hatte. Am 15.10.1839 bat Victoria Albert um seine Hand.

Am 10.2.1840 heiratete Queen Victoria Prinz Albert in der Chapel Royal des St. James Palace. Queen Victoria betrat als erste Braut in einem weißen Brautkleid die Kapelle. Sie setzte damit einen Trend, der bis heute (!) anhält. Bis dahin waren Brautkleider schwarz, rot, bunt oder goldfarben.

Das Paar bekam 9 Kinder in 17 Ehejahren. Erst als sie Mutter wurde, versöhnte sie sich mit ihrer eigenen, die ihr danach eine wichtige Beraterin wurde.

Albert wurde im ersten Ehejahr politisch von Victoria abgeschottet. Er langweilte sich fast zu Tode. Mit der englischen Gesellschaft konnte er nichts anfangen, da diese an seine Intelligenz nicht heranreichte und er aber wiederum mit dem Reiten und Jagdsport nicht so vertraut war. Lord Melbourne beobachtete dies mit großer Skepsis.

Sein ganzer Zorn richtete sich gegen Baronin Lehzen, die seit der Kindheit an der Seite von Victoria stand. Sie schottete die Queen komplett ab. „Der feuerspeiende Drache“, wie sie Albert nannte, hatte dafür gesorgt, dass er nur zu „gewissen Stunden“ an die Seite seiner Frau durfte.

Am 30.8.1841 nahm Lord Melbourne Abschied von der Politik und riet Victoria ihren Ehemann als persönlichen Berater einzustellen, da er merkte, dass sich der Prinz massivst langweilte. Der hochintelligente Prinz war zum „Königsgemahl“ degradiert und vegetierte geistig neben Victoria dahin. Victoria war unglaublich traurig über den Abgang ihres besten Freundes, nahm aber den sehr persönlichen Rat an.

Am 21.11.1840 wurde Kronprinzessin Victoria geboren. In den ersten 6 Ehejahren, sollten insgesamt 5 Kinder geboren werden. Während Victoria jede Schwangerschaft als Qual, Zeitvergeudung und Zumutung ansah, war Albert ein liebevoller Vater. Victoria selbst konnte mit den froschartigen Wesen nichts anfangen.

ich Bereits am 9.11.1841 erlaubte Victoria Albert den Zugriff zu allen Dokumenten und wurde somit ihr wichtigster politischer Berater.

Nun geschah die unangenehme Lehzen-Affäre, an der Victoria lange zu knabbern hatte:

Als das Paar nach einer Auslandsreise zurückkam, fanden sie die kleine Kronprinzessin Vicky abgemagert und schwer krank im Bett vor. Lehzen weigerte sich den Arzt zu holen. Als sich Victoria an ihre Seite stellte, verließ Albert wortlos das Zimmer. Er schrieb einen Brief und warnte sie vor den Folgen (sollte das Kind sterben, bist du Schuld). Victoria rief einen Arzt, der das kleine Mädchen in letzter Minute retten konnte. Lehzen wurde nun der Dienst quittiert.

Am 24.11.1848 starb Lord Melbourne in seinem Landsitz Brocket Hall. Victoria trauerte sehr um ihren Freund, dem sie nach wie vor Briefe schrieb, ihn um Rat fragte und ihn – oftmals unangekündigt – besuchte.

Im März 1861 starb Victorias Mutter, weshalb Victoria in tiefe Trauer verfiel. Die gesamte Arbeit blieb an Albert hängen.

Den größten Verlust in ihrem Leben, von dem sie sich nie wieder erholte, erlitt sie am 14.12.1861.

Prince Albert machte sich etwas kränklich auf den Weg zu seinem Sohn Albert nach Cambridge, um diesen von seinem allzu lockeren Studentenleben zur Räson zu bringen. Erbarmungslos schlug das Schicksal zu. Albert kam schwer krank zurück, sollte sich nicht mehr erholen. Er starb mit 42 Jahren am 14.12.1861 im Buckingham Palace. Victoria schrie sich die Seele aus dem Leib.

Sie verfiel nach dem Tod ihres Vertrauten, Geliebten und Ehemannes in Schockstarre und sollte sich im Grunde davon nie wieder erholen. Sie trug ab diesem Zeitpunkt bis zu ihrem Tod – 40 Jahre später – nur noch tief schwarze Witwenkleidung.

Sie betrieb einen regelrechten Totenkult: das Zimmer von Prince Albert durfte nicht mehr verändert werden, jeden Abend wurde auf den Nachttisch warmes Wasser gestellt, sein Sitzplatz am Tisch wurde eingedeckt, seine Kleidung wurde für den nächsten Tag hergerichtet, die Schuhe geputzt usw. Und das täglich bis zu ihrem eigenen Tod.

Queen Victoria machte ihren Sohn Prince Albert für den Tod des Vaters verantwortlich. Zeit ihres Lebens sollte sich das Verhältnis nie wieder bessern; sie verspottete und demütigte ihn und seine Familie bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Man kann sogar sagen, dass hier Hass im Spiel war. Sie konnte ihn nicht mehr ertragen.

Sie verließ den Buckingham Palace für immer und zog sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Queen Victoria wohnte abwechselnd im Osborne House oder in Balmoral.

Einzig der langjährige Diener ihres Mannes John Brown war derjenige der ihre Düsternis aufhellen konnte. Er galt als typischer Schotte, war ungehobelt, ungepflegt und sprach Queen Victoria als Einziger mit „Woman“ an, was grob übersetzt die derbe Ausdrucksweise für „Frau“ ist. (Auch wenn Woman im englischen Frau bedeutet, hat es im englischen Königshaus nochmals eine andere Bedeutung; hier ist es eine derbe Ausdrucksweise.)

Er wurde ihr persönlicher Freund und ständiger Begleiter und durfte unangemeldet in ihre Privatgemächer. John holte Victoria aus ihrer starren Lethargie. Man konnte sagen: mit John hatte Victoria wieder Freude am Leben

Er wurde von der Familie äußerst kritisch betrachtet und man versuchte ihn permanent zu boykottieren und ihn hinauszubefördern. Dabei ging es der Familie ums übliche. John hätte es nur aufs Geld, auf die Juwelen und die Antiquitäten abgesehen. Doch der ungehobelte Bursche war einfach nur glücklich, dass „Woman“ wieder am Leben teilnahm.

1872 konnte er ein auf Queen Victoria verübtes Attentat verhindern, was die Queen nur noch mehr zum Anlass nahm an ihm festzuhalten.

Ab 1872 nahm sie wieder mehr am öffentlichen Leben teil und wurde vom Volk „als Landesmutter“ angesehen. Sie regierte das Land wieder, was wohlwollend aufgenommen wurde.

John war es auch, der ihr den Tod der Tochter Alice, am Todestag von Albert, am 14.12.1878 beibrachte. Victoria brach zusammen, John fing sie aber auf.

Als John selbst am 29.3.1883 starb, verdüsterte sich ihre Welt wieder.

Während Victorias Regierungszeit von 63 Jahren, hatte sie 10 Premierminister. Sie feierte ihr 50. und 60jähriges Thronjubiläum jeweils mit riesigen Festen.

Kaiserin Elisabeth besuchte Queen Victoria 2x. Einmal völlig unangemeldet und einmal angemeldet. Beide Frauen waren sich zutiefst unsympathisch. Kaiserin Elisabeth befand Queen Victoria als hässlich, fett und klein. Queen Victoria befand Kaiserin Elisabeth als oberflächlich und nicht sehr intelligent.

Foto: Scott Michaels via findagrave.com Sarkophag Queen Victoria neben Prince Albert, Mausoleum Frogmore im Park von Windsor Castle

Am 30.7.1900 starb ihr Lieblingssohn „Affi“ Prinz Alfred mit 56 Jahren an Kehlkopfkrebs. Wieder verdüsterte sich ihre Welt in Trauer und Tränen. Sie selbst war schwer krank geworden.

Victoria selbst wurde immer mehr von Rheumaschüben geplagt, sie konnte seit Jahren den Rollstuhl nicht mehr verlassen. Als man ihr dann noch mitteilte, dass ihre Tochter Vicky schwer krank sei, verdüsterte sich ihre Welt nochmals.

Nach dem Tod von Affi ging es immer mehr bergab. Sie aß kaum noch, konnte nicht schlafen und war rastlos.

Queen Victoria starb am 22.1.1901 um 18.30 Uhr 82jährig im Beisein der verbliebenen Kinder und Enkelkinder. Sie ruht neben ihrem Albert im Mausoleum Frogmore im Park von Windsor Castle.

~ Marie ~


Info am Rande:

Queen Elizabeth II übertraf die 63jährige 7monatige und 2 Tage anhaltende Regentschaft von Queen Victoria am 9.9.2015.

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise: 
Text: Marie
Bildrechte: Wikimedia/Commons 


Literatur Hinweise: 

Victoria Zoubkoff
Was mir das Leben gab – und nahm
Mit einem Nachwort von Horst-Jürgen Winkel (in jeder Buchhandlung erhältlich) 

Hans-Joachim Netzer
Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (nur noch antiquarisch erhältlich) 

 

Marie Sophie Amalie Herzogin in Bayern

Foto: rct.uk, Königin Marie von Neapel-Sizilien

Wir gedenken heute des Todestages von Marie Sophie Amalie Herzogin in Bayern, bekannt als Marie Sophie Königin von Neapel-Sizilien. Sie wurde am 4.10.1841 im Schloss Possenhofen geboren.

Foto: Wikimedia/Commons Herzog Max und Herzogin Ludovika, 50. Hochzeitstag

Ihr Vater war Herzog Max in Bayern. Ihre Mutter Ludovika Prinzessin von Bayern.

Marie wuchs, wie alle Kinder des Paares frei und liebevoll in Schloss Possenhofen und im Palais Max in München auf. Sie war eine Schwester von Kaiserin Elisabeth und Schwägerin von Kaiser Franz Joseph.

Obwohl ihr Vater nicht oft zugegen war, war Ludovika eine liebevolle Mutter, die sich um die immer größer werdende Kinderschar kümmerte. Sie engagierte Hauslehrer, ließ die Kinder auch in Sport unterrichten, so dass diese Schwimmen, Bergwandern und die Buben Jagen lernten. Selbstverständlich gehörte der Reitunterricht dazu. Gerade Sisi perfektionierte diesen Sport in der Zirkusarena im Palais Max bis zum Umfallen.

Herzogin Ludovika kannte allerdings keine Gnade, wenn es um die Wahl ihrer Schwiegersöhne ging. Von Ehrgeiz zerfressen ihre Töchter so hoch wie möglich zu verheiraten, war ihr jedes Mittel Recht. Ob diese dabei glücklich wurden, spielte dabei keine Rolle. Erst im Nachhinein jammerte sie in ihren Briefen wie viel Unglück sowohl Sisi, Marie, Sophie und Mathilde mit ihren Ehen erfuhren. Dabei wurde sie jedes Mal zuvor gewarnt.

Auch bei der Wahl auf den neapolitanischen Kronprinzen Francesco (Franz) schlug der bayrische Gesandte Freiherr von Verger Alarm. Er warnte das Herzogspaar ausdrücklich vor dem völlig ungebildeten 16jährigen, der auch noch körperliche Mängel vorzuweisen hatte. Nicht nur, dass das Reich Neapel auf dünnen Beinen stand (die Aufständischen wurden immer mehr im Land), so könne der schwache Jüngling auf lange Zeit gesehen weder regieren, noch das Reich erhalten. Er sei weder geistig, noch körperlich in der Lage dazu. Marie musste ob dieser Worte Angst und Bang werden. Doch ihre Eltern kannten kein Erbarmen.

Nach einem Kaiser, sollte ein König Einzug ins Herzogshaus halten. Max und Ludovika schlugen als erste Begegnung wieder Ischl vor. Doch die Schwiegereltern erschienen ohne ihren Sohn. Diese hatten in weiser Voraussicht den Jüngling nicht mitgenommen. Marie weinte sich in den Schlaf. Elisabeth merkte, dass etwas nicht stimmte, doch es half nichts. Ihr Vater verkündete am 2.9.1857 die Verlobung. Als Marie dann noch ein Bild ihres Verlobten geschenkt bekam, ahnte sie nicht, dass dieses geschönt war.

Zwischenzeitig fand noch am 24.8.1858 die Hochzeit zwischen Néné (Helene in Bayern) und Maximilian von Thurn und Taxis auf Possenhofen statt. Das Paar war sich in Liebe zugeneigt und wurde – als einziges der Mädchen – sehr glücklich. Marie weinte bei der Hochzeit beinahe ununterbrochen.

Foto: Wikimedia/Commons, König Franz II von Neapel-Sizilien

Am 8.1.1859 fand in der Allerheiligen-Hofkirche der Residenz München die Trauung per procurationem (in Abwesenheit des Bräutigams) statt. Die 17jährige Marie trug ein wunderschönes weißes Spitzenkleid, auf der Brust ein Medaillon ihres Bräutigams. Als Stellvertreter führte sie ihr Cousin Luitpold Prinz von Bayern vor den Altar. Schenkt man Beobachtern Glauben, war sie eine sehr unglückliche Braut, die mit Ungewissen in ihre Zukunft ging und ihren Bräutigam noch immer nicht persönlich kannte.

Am 13.1.1859 war es so weit. Sie reiste mit ihrer Familie nach Bari, Italien, um Franz endlich persönlich gegenüber zu stehen. Es muss für die wunderschöne, gertenschlanke, Elisabeth unglaublich ähnlich sehende Marie ein unfassbarer Schock gewesen sein, als sie den Kronprinzen zu Gesicht bekam.

Er war nicht nur um einen Kopf kleiner als sie (gut, dass war Kaiser Franz Joseph gegenüber von Kaiserin Elisabeth auch), aber er war auch noch unsagbar hässlich. Mit stoischer Miene ehelichte sie am 3.2.1859 in Bari den Kronprinzen noch einmal.

In der Hochzeitsnacht dann die große Überraschung. Die Ehe konnte nicht vollzogen werden. Franz litt an einer Vorhautverengung. Ganze 10 Jahre ließ er sich nicht operieren und die Ehe blieb nicht vollzogen.

Marie litt unter schrecklicher Einsamkeit und trauerte ihrer Kindheit hinterher. Wie in dieser Zeit üblich, durfte auch sie von ihrem alten Leben nichts mitnehmen, so dass ihr alle Personen fremd waren und auch die Kleider nicht die ihren waren. So kam sie auf die Idee den Bruder von Franz Ludwig Graf von Trani mit ihrer Schwester Mathilde „Spatz“ zu verheiraten. Der Verkupplungsversuch gelang und schon bald wurde Hochzeit gefeiert, so dass Spatz wieder bei ihr war und sie gemeinsam leben konnten.

Kurz nach der Trauung starb ihr Schwiegervater König Ferdinand II am 22.5.1859, weshalb ihre Schwiegermutter Königin Maria Theresia, eine geborene von Habsburg „pro forma“ die Regierungsgeschäfte übernahm. Dies deshalb, da Franz geistig nicht fähig war zu regieren. Marie wurde „pro forma“ Königin.

Die Aufständischen Giuseppe Garibaldi und Francesco Crispi planten einen Putschversuch um die Bourbonen zu entthronen. Die Armee und eine Horde Freiwilliger halfen ihnen bei ihrem Plan und stürmten den Palast.

Marie wandte sich hilfesuchend an ihren Schwager Kaiser Franz Joseph und ihre Schwester Kaiserin Elisabeth. Doch Österreich unterlag dem Sardinischen Krieg, Hilfe war daher ausgeschlossen.

General Felix von Schumacher, Marie und Franz fanden Zuflucht auf der Festung Gaeta, die allerdings kurz darauf ebenso beschossen wurde. Ihr schwachsinniger Mann wollte sich ergeben. Doch er hatte nicht mit dem Kampfgeist seiner schönen Frau gerechnet. Die 19jährige Marie versorgte die Verwundeten, verteilte die Vorräte und schoss sogar selbst mit einem Gewehr auf die Aufständischen. Tag und Nacht verteidigte sie die Festung vor den Rebellen.

Doch der Kampf war zwecklos. Am 13.2.1861 musste König Francesco die Kapitulation unterzeichnen. Dem königlichen Paar wurde ein feierlicher Abgang beschert. Die Aufständischen hatten den allergrößten Respekt vor Königin Marie, die so viel Kampfgeist bewiesen hatte. Auf einem französischen Schiff fuhr die Familie Richtung Rom, wo sie zunächst im Vatikan ihr Exil fanden.

Danach blühte Marie erst so richtig auf. Kein Skandal war ihr zu klein. Am 24.11.1862 bekam sie ein uneheliches Kind. Laut Marie Gräfin von Larisch Zwillinge. Der Vater soll ein gewisser Armand Graf de Lavayss gewesen sein; der in der päpstlichen Armee gearbeitet haben soll. Doch Larisch Biografin Brigitte Sokop konnte dies widerlegen. Es gab weder im Vatikan einen Lavayss, noch gab jemals dieses Adelsgeschlecht. Historiker Dr. Graf fand heraus, dass die Mädchen die angeblich auf die Namen Marie Luise und Luise Marie im Dominikanerinnenorden St. Ursula in Augsburg getauft worden waren, kein Eintrag finden ließ. Der Name des Pfarrers der die Taufe vollzogen haben soll, war derselbe Name, der Marie von Wallersee getauft hat, bekannt als verheiratete Marie von Larisch, welche später von Kaiserin Elisabeth durch die Kronprinz Rudolf Affäre Zeit ihres Lebens geschnitten wurde.

Dennoch wird heute noch dieser Name als Vater des Kindes von vielen Biografen übernommen.

Sokop fand heraus, dass das Mädchen vom Gesandten Salvador Bermudez de Castro oder aber von Ludwig von Trani abstammen könnte. Ludwig von Trani war niemand geringer als der Ehemann ihrer Schwester Mathilde. Was aus dem Kind wurde, ist bis heute ungeklärt.

Aus Dankbarkeit für die monatelange Versorgung schenkte Marie dem Orden ihr italienisches Brautkleid, ihren Spitzenschleier und eine wertvolle Alabaster Petrusstatue. Weiters übergab sie jedem Kind der dazugehörigen Volksschule eine Silbermedaille mit der Aufschrift „Zur Erinnerung an den hohen Besuch Marie Königin von Neapel“. Immerhin gehörten 500 Kinder zur Schule.

Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth zu Pferd

Danach zog sie sich nach München ins Schloss Biederstein zurück, um sich auf die Annullierung ihrer Ehe vorzubereiten. Doch die Familie Wittelsbach zeigte sich entsetzt und redete vehement auf Marie ein und so kehrte sie zu Franz nach Rom zurück, der sie mit offenen Armen empfing. Das Paar sprach sich aus und rückte nun näher zusammen. Ab sofort sollte so etwas wie ein Eheleben stattfinden.

1869 ließ sich ihr Mann endlich operieren, so dass nach 10jähriger Ehe diese nun vollzogen werden konnte. Das gemeinsame Kind Maria Christina Pia kam am 7.12.1869 zur Welt, starb allerdings bereits am 28.3.1870. Danach war Marie eine Zeitlang nicht mehr zu bändigen.

Sie ging oft und gerne mit ihrer Schwester Mathilde auf Europa-Reise. Dabei begegnete sie allzu häufig ihrer Schwester Kaiserin Elisabeth.

Als diese ihre Reitleidenschaft für England und Irland entdeckte, lernte Marie auch Bay Middleton kennen. Was nun folgte war eine Beispiellosigkeit an Neid, Eifersucht und Intrigen.

Foto: Wikimedia/Commons Kronprinz Rudolf hoch zu Pferd Ölbild Tadeuz Ajdukiewicz

Marie von Festetitcs, Hofdame und Vertraute gab diese Intrige und neidvollen Tage seitens Marie in ihrem Tagebuch wieder. Von Anfang an war Marie außer Rand und Band, als sie den rothaarigen, kleinen Reitlehrer von Elisabeth sah. Obwohl Franz sie zu dieser Reise begleitete und das Paar mittlerweile sich versöhnt hatte und auch in Liebe zugetan war, missachtete sie Franz und herrschte ihn in einer Tour an. Sie brüskierte ihn vor allen Leuten, machte ihn zum Hanswurst und flirtete vor allen mit Bay herum, der sie links liegen ließ.

Als Kronprinz Rudolf anreiste, von seiner Mutter eingeladen und stolz darauf, bei der Reitleidenschaft und -tagen dabei sein zu dürfen, ahnte er nicht, was auf ihn zukommen würde. Von Anbeginn an, merkte er, dass etwas nicht stimmte. Marie okkupierte ihn beinahe und ließ ihn nicht aus. Sie führte ihn vor wie einen Dackel und Elisabeth konnte kaum an ihren eigenen Sohn heran.

Foto: Wikimedia/Commons Bay Middleton

Am Reittag selbst sprang Kronprinz Rudolf mit Bay herum, als sei er ein Diener und nicht einmal würdig, ihm die Schuhe auszuziehen und nicht der 1. Reiter und höchste Reitlehrer seiner Mutter. Doch Elisabeth merkte nichts, da sie Voranritt, dem Tode näher, als dem Leben, denn am Pferd war sie wie eine Wilde und alle rund um sie hatten um sie Todesangst.

Marie von Festetics sah den Kronprinz in einem Salon und nach einem längeren Gespräch, gestand ihr dieser, dass ihm seine Tante zur Seite genommen und ihn aufgeklärt habe, dass eine Mutter eine Affäre mit Bay hätte. Die Hofdame, die Marie sowieso nicht leiden konnte, da sie alle von oben herab behandelte, fiel beinahe in Ohnmacht. Sie versicherte mit allen Schwüren die ihr einfielen, dass ihre Herrschaft, auf infamste diffamiert worden sei. Noch am selben Abend klärte Marie von Festetics die Kaiserin auf.

Schon am nächsten Tag stellte Kaiserin Elisabeth ihre Schwester persönlich zur Rede. Zuerst stritt Marie alles ab. Diese war so beleidigt, dass Bay die Kaiserin trainierte, Marie aber weder trainieren, noch eines Blickes würdigte, dass sie diese Intrigen sponn. Der Neid und die Eifersucht floss Marie beinahe aus den Augen. Denn auch sonst ließ sie kein Fettnäpfchen aus. Sie rauchte öffentlich Zigarillos, ging nackt baden und brüskierte wo sie nur konnte.

Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons
Foto: Wikimedia/Commons Mathilde Gräfin von Trani

Um Rudolf zu zeigen, dass es Elisabeth ernst und sie vollkommen unschuldig war, brach sie mit ihrer Schwester Marie. Da Spatz Marie zu Hilfe eilte und sich auf die Seite von Marie stellte, brach Elisabeth auch mit ihr. Zeit ihres Lebens sprach Elisabeth kein Wort mehr mit Marie. Dies ging so weit, dass Marie nach dem gewaltsamen Tod von Kaiserin Elisabeth nicht zu den Begräbnisfeierlichkeiten eingeladen wurde.

Marie zog sich mit Franz nach Paris zurück, wo sie mit Sophie Herzogin von Alençon zusammen traf. Das Paar kaufte in Neuilly-sur-Seine eine Villa und wohnte von da an feudal. Immer mehr freundeten sie sich an, bis sie nicht mehr voneinander lassen konnten. Von nun an, sah man die beiden nur noch gemeinsam. Franz und Marie hatten endlich zueinander gefunden.

Im Gegensatz zu Marie, konnte Mathilde das Verhältnis zu Sisi wieder aufnehmen. Spatz und Elisabeth waren wieder Schwestern, Marie und Elisabeth blieben Todfeinde. Sophie unglücklich in ihrer Ehe mit Ferdinand Herzog d’Alençon und auch Mathilde ließ sich in Paris nieder, als ihr Mann Ludwig sich schließlich umbrachte. Die drei Schwestern sahen sich jeden Tag und verbrachten viel Zeit miteinander. Umso härter traf es Marie, als ihr Franz am 27.12.1894 starb. Sie sollte ihn als Witwe um 31 Jahre überleben. Von nun an zog sie sich aus dem öffentlichen Leben zurück.

Herzogin Sophie
Foto: jourfixe-muenchen-ev.com

Als Sophie 1897 beim Brand im Bazar de la Charité zu Tode kam, nahm es ihr beinahe den Atem. Mathilde und Marie verließen Paris für immer und zogen nach München zurück, wo sie auch die Strapazen des 1. Weltkrieges gemeinsam erlebten.

Königin Marie von Neapel-Sizilien starb 83jährig am 19.1.1925 in München. Sie ruht neben ihrem Mann und Tochter in Rom in der Kirche „Via Giulia“.

~ Marie ~

Info nebenbei:

Wer die Geschichte rund um Bay Middleton lesen möchte, kann dies gerne hier tun:

https://sternenkaiserin.com/2017/04/09/william-george-bay-middleton/

Wer die Geschichte von Sophie Herzogin d‘ Alençon lesen möchte (Achtung, die Geschichte ist nicht für Jedermann!) ist hier richtig:

https://sternenkaiserin.com/2020/05/04/der-grausame-tod-von-herzogin-sophie-charlotte/


Text: Marie
Blogbeiträge: Marie
Bildrechte: rct.uk, Wikimedia/Commons, jourfixe-muenchen-ev.com


Literarische Hinweise: 

Hermann von Witzleben 
Herzöge in Bayern (nur noch antiquarisch erhältlich 

Bernhard Graf 
Sisis Geschwister Bildband (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Charlotte Prinzessin von Belgien oder auch Erzherzogin Charlotte oder auch Kaiserin Carlota von Mexiko

Foto: sternenkaiserin.com – Marie (*) Erzherzogin Charlotte

Wir gedenken heute des Todestages von Marie Charlotte Amélie Augustine Victoire Clémentine Prinzessin von Belgien, Erzherzogin Charlotte von Österreich, später Kaiserin Carlota von Mexiko. Sie wurde am 7.6.1840 auf Schloss Laeken geboren.

Foto: Wikimedia/Commons König Leopold I von Belgien, Bild: F.X. Winterhalter
Foto: Wikimedia/Commons Prinzessin Louise von Orléans

Ihr Vater war König Leopold I von Belgien. Ihre Mutter Prinzessin Louise von Orléans.

Ihr Vater war vernarrt in die kleine Prinzessin. Auch deshalb, weil sie besonders schön war. Als Charlotte mit 10 Jahren ihre geliebte Mutter verlor, ließ ihr Vater sie beinahe nicht mehr aus den Augen.

Sie wuchs mit ihren Geschwistern sehr liebevoll und behütet auf. Ihre Cousine war Prinzessin Alexandrina, welche später als Queen Victoria in die Annalen einging. Aber auch Victorias Ehemann Albert war ein Cousin 1. Grades.

Leopold war nicht nur in der eigenen Familie sehr beliebt. So war er auch bei Alexandrina, ihr Lieblingsonkel.

Von ihren Geschwistern ist uns lediglich Leopold II bekannt, welcher als Teufel vom Kongo Angst und Schrecken verbreitete. Bei all der Fürsorglichkeit und Liebe im Elternhaus vermag man es sich nicht vorzustellen, warum aus ihm so ein Tyrann wurde.

Charlotte war 16 Jahre alt, als sie Erzherzog Ferdinand Maximilian, genannt Max, einen Bruder von Kaiser Franz Joseph kennenlernte und sich in ihn verliebte. Die Mär vom verliebten Max, der die schöne Charlotte fand, ist leider nicht der Wahrheit entsprechend. Max hatte hohe Schulden und das belgische Königshaus war schwer reich. Max verhandelte hart um Charlottes Mitgift.

Erzherzog Ferdinand Maximilian, Kaiser Maximilian I von Mexiko, Foto: Wikimedia/Commons

Am 27.7.1857 heiratete das Paar schließlich in Brüssel. Charlotte wurde somit die Schwägerin von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Das Paar zog nach Triest ins Schloss Miramare. Als Hochzeitsgeschenk machte ihn Kaiser Franz Joseph zum Generalgouverneur von Lombardo-Venetien.

Kaiserin Elisabeth sah sie als Konkurrentin, da Charlotte sehr schön und äußerst liebenswürdig war. Erzherzogin Sophie bevorzugte Charlotte bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Aufgrund von falschen Versprechungen und auf Drängen von Napoleon III und seiner Frau Eugénie nahm Max die mexikanische Krone an.

Am 10.4.1864 wurden Max und Charlotte zu Kaiser und Kaiserin von Mexiko. Gekrönt wurden die beiden im eigens dafür eingerichteten Krönungszimmer in Schloss Miramare in Triest.

Max wurde damit zum Kaiser Maximilian I von Mexiko. Charlotte zur Kaiserin Carlota von Mexiko.

Charlottes Lebenstraum ging damit in Erfüllung. Charlotte galt als sehr ehrgeizig und wollte denselben Status erreichen wie ihre schöne und berühmte Schwägerin Kaiserin Elisabeth. Alle Mittel waren ihr dazu Recht. Dass Elisabeth keine Kaiserin sein wollte, entging ihr dabei völlig.

Das Paar hatte keine Kinder. Um Thronfolger zu haben adoptierten sie 1865 Augustin de Itúrbide y Green und Salvador de Itúrbide y de Marzan.

Die Ehe der beiden wurde schnell zur Farce. Max ging permanent fremd und soll mit der Frau seines Gärtners ein uneheliches Kind gezeugt haben. Sein Kammerdiener Grill erzählte, dass Charlotte ihn so angewidert habe, dass er die Schlafzimmertüre zumauern ließ. Ab diesem Zeitpunkt galt die Ehe auch in der Öffentlichkeit als zerrüttet.

Charlotte selbst soll sich mit Alfred Baron van der Smissen getröstet haben. Max wusste von der Affäre und tolerierte sie.

1865 endete der Amerikanische Bürgerkrieg, was die Truppen veranlasste Mexiko zu verlassen.

Charlotte fuhr mit dem Schiff nach Europa um bei Kaiser Napoleon III und Papst Pius IX Hilfe zu erbitten. Vergeblich. Pius ließ sie mit den Worten „er werde um Max Seele beten“ abblitzen. Sie erlitt einen schweren Nervenzusammenbruch, da ihr niemand Gehör schenkte.

Laut Gerüchten zufolge soll Charlotte zu diesem Zeitpunkt schwanger gewesen sein. Am 21.1.1867 wurde ein unehelicher Sohn geboren, welcher später als General Maxime Weygand identifiziert und in Frankreich berühmt wurde. Er weigerte sich jedoch Zeit seines Lebens den Namen seiner Eltern preiszugeben, weshalb das Geheimnis mit ins Grab genommen wurde.

Foto: David Conway via findagrave.com, Grab Kaiserin Carlota von Mexiko

Von dem schweren Zusammenbruch erholte sie sich nicht mehr und ihr Bruder Leopold zwischenzeitig König von Belgien ließ sie für Unzurechnungsfähig erklären.

Sie lebte völlig abgeschottet eine Zeitlang auf Miramare und wurde dann ins Wasserschloss Bouchout in Belgien gebracht.

Bis zu ihrem Tod glaubte sie, dass sie noch Kaiserin von Mexiko war. Vom Tod ihres Mannes erfuhr sie ihr Leben lang nichts.

Kaiserin Carlota von Mexiko starb am 19.1.1927 87jährig auf Schloss Bouchout in Meise. Sie ruht in der Notre Dame Kirche in Laeken in Belgien.

~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Text: Marie
Bildrechte: David Conway via findagrave.com, (*) Mit herzlichen Dank für die Fotorechte an Schloss Artstetten, sternenkaiserin.com – Marie, Wikimedia/Commons 


Literarische Hinweise: 

Egon Conte Corti 
Maximilian und Charlotte von Mexiko Nach dem bisher unveröffentlichten Geheimarchive des Kaisers Maximilian und sonstigen unbekannten Quellen (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Brigitte Hamann 
Mit Kaiser Max in Mexiko Aus den Tagebüchern des Fürsten Carl Khevenhüller 1864 – 1867 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Brigitte Hamann 
Die Habsburger: Ein biografisches Lexikon (nur noch antiquarisches erhältlich) 

Maximilian Eugen Ludwig Friedrich Philipp Ignatius Joseph Maria Erzherzog von Österreich

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Maximilian Eugen

Wir gedenken heute des Todestages von Maximilian Eugen Ludwig Friedrich Philipp Ignatius Joseph Maria Erzherzog von Österreich. Er wurde am 13.4.1895 in Wien geboren.

Foto: ÖNB Erzherzog Otto
Foto: Wikimedia/Commons Maria Josepha Prinzessin von Sachsen

Sein Vater war Erzherzog Otto Franz. Seine Mutter Maria Josepha Prinzessin von Sachsen. Er war der 2te Sohn des Paares.

Erzherzog Otto war ein Sohn von Erzherzog Karl Ludwig. Er wiederum ein Bruder von Kaiser Franz Joseph. Otto war somit der Neffe von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth.

Maximilian Eugen war somit der Großneffe von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Gleichzeitig war er aber auch der Neffe von Erzherzog Franz Ferdinand und der Bruder vom letzten Kaiser von Österreich, Karl I.

Erzherzog Maximilian durfte das Schottengymnasium besuchen und studierte – sehr zum Missfallen von Kaiser Franz Joseph- danach Rechtswissenschaften. Habsburger hatten zu dieser Zeit keine weitere Ausbildung zu haben, als eine militärische. Sie lernten zwar noch einen Handwerksberuf „für den Fall der Fälle“, aber das galt eher dem Alibi.

Während der Kriegszeit diente er teilweise an der Front und stieg bis zum Major auf.

Foto: Wikimedia/Commons Franziska zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst

Am 29.11.1917 heiratete er in Schloss Laxenburg Franziska zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Sein Bruder Kaiser Karl hielt sich in der Kriegszeit hauptsächlich in Laxenburg auf, weshalb die Hochzeit dort stattfand. Das Paar bekam 2 Söhne.

Erzherzog Maximilian wollte sich dem Adelsaufhebungsgesetz von 1919 nicht unterwerfen und wurde – obwohl weiterhin österreichischer Staatsbürger – des Landes für immer verwiesen.

Er promovierte noch als Dr. jur und ließ sich als Rechtsanwalt in Bayern und der Schweiz nieder.

Während des 2. Weltkrieges flüchtete die Familie in die Schweiz und nannte sich vorsichtshalber „Grafen von Kyburg“.

Erzherzog Maximilian Eugen starb 56jährig am 19.1.1952 in Nizza. Er ruht in der St. Michael Kirche, Schloss Altshausen in Baden Württemberg.

~ Marie ~

 

 


Rechtliche Hinweise:
Text: Marie
Bildrechte: Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Wikimedia/Commons


Literarische Hinweise: 

Brigitte Hamann
Die Habsburger: Ein biografisches Lexikon (nur noch antiquarisch erhältlich)