Hermesvilla

Sisis Schloss der Träume

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Titania wandelt unter hohen Bäumen, 
Mit weißen Blüten ist ihr Pfad bestreut, 
Die Buchen rings, die alten Eichen keimen, 

Es scheint der Wald ein Dom dem Mai geweiht. 
Ein Dom, durchweht von märchenhaften Träumen, 

Ein Zauberort verborgen und gefeit, 
Maiglöckchen läuten duftend süße Lieder, 
Und gold'ne Falter schweben auf und nieder. 

Doch nie und nimmer werden zugelassen, 
Die draußen an des Zauberwaldes Thor, 
Um Einlass fleh'n mit Schreien und mit Scharren
Die alten Esel und die jungen Narren. 

Titanias Zauberschloss
Villa Hermes 
Elisabeth von Österreich, Sommer 1888 

Mit diesem Gedicht empfängt man euch mehr oder weniger auf einer weißen großen ungetümen Tafel mit einem Foto von Kaiserin Elisabeth, aus dem Jahr 1865 von Viktor Angerer.

Die Tafeln und viele hässliche Stahl-Glasvitrinen werden euch durch halbleere Räume begleiten. Anstatt die Räume auf sich wirken lassen zu Können und sich vorzustellen, wie hier einmal Elisabeth, Franz Joseph und später Marie Valérie mit Franz Salvator und 7 ihrer Kinder gelebt haben, stehen immer diese Vitrinen im Sichtfeld und nehmen einem die Phantasie.

Leider ist das nicht das Einzige, was an Atmosphäre zerstört wurde.

Die ehemaligen Gisela-Appartements fielen komplett dem Caféhaus zum Opfer.
Man hat sie einfach komplett herausgerissen, um einen Platz zu schaffen, für Erfrischungen und Torten.
Es ist einfach nur traurig, wenn man bedenkt, welches Erbe damit unwiderruflich zerstört wurde.

Betrachtet man das Areal, stehen so viele Nebengebäude herum, dass man gut und gerne dort ein Caféhaus unterbringen hätte können.

Aber nein, es mussten die Gisela-Räume dafür genutzt werden. Auf der eigens gebauten Terrasse, steht heute ein hässliches weißes Plastikpferd. Man wird einfach den Gedanken nicht los, dass man zerstören wollte und hier einfach nicht gewusst hat, was man sonst mit einem ungenutzten Platz tun sollte.

Auf der Toilettenanlage hat man eine Kaiserin Elisabeth Tapete angebracht. Ich weiß noch immer nicht, ob ich das geschmackvoll oder -los finden soll.

Schon von weitem sieht man die gelben Schirme des Caféhauses.

Ich bin der Meinung, dass die Vorderansicht der Hermesvilla damit seinen Charme verloren hat.

Natürlich ist es toll, an heißen Sommertagen ein Glas Wasser, Kaffee und Torte unter den Schirmen zu genießen. Doch wie gesagt, das Areal ist groß genug.

Über das weiße Pferd auf der Terrasse gibt es unterschiedliche Auffassungen. Als ich es damals erblickte, fragte ich natürlich, was dieses Pferd zu bedeuten habe. Der befragte Kellner des Cafés antwortete, dass es eine Hommage an Elisabeths Reitleidenschaft sei. Aha…

Bei meinen Recherchen stieß ich allerdings auf einen Disney-Film von 1969. In der Hermesvilla und im Lainzer Tierpark wurde der Film „Flucht der weißen Pferde“ gedreht. Als Schauspieler waren Curd Jürgens, Lilli Palmer und Rod Taylor im Einsatz.

Foto: amazon.de
Filmplakat zu „Flucht der weißen Pferden“

Es ist also durchaus im Bereich des Möglichen, dass hier an den Film erinnert werden soll und nicht an die Kaiserin. Schade ist, dass weder die Besucher, noch die Mitarbeiter davon in Kenntnis gesetzt werden. Eine Tafel zum Pferd gibt es nicht. Es steht einfach nur da…

Die Hermesvilla war in den 1980er und 1990er Jahre gut besucht. Viele Ausstellungen über Kaiserin Elisabeth und Kronprinz Rudolf waren zu sehen. Ich habe sie selbst alle noch besucht und kann mich an einige noch sehr gut erinnern.

Die letzte Ausstellung dieser Art ist 23 Jahre her, seit dem mangelt es der Villa an Besuchern.

Es gibt keine Werbungen mehr, die Wiener selbst haben die Villa vergessen, wie sollten es dann Besucher erfahren? Für einen 2-3 Tage Wien-Trip extra nach Lainz zu fahren, ist schon enorm weit, da die Hermesvilla nicht gerade günstig liegt.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt man von der Wiener Innenstadt gut und gerne 1 Stunde bis zum Eingang, um dann noch einen 30 – 45 minütigen Fußweg über Stock und Stein zu gehen (gutes Schuhwerk erforderlich). Der Waldweg ist anstrengend, vor allem das letzte Stück.

Für Behinderte nicht zu empfehlen! Es gibt keinen Shuttle mehr zur Villa.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
ehemaliger Badeweiher von Kaiserin Elisabeth

Auf dem Weg zur Villa kommt ihr an einem Weiher vorbei. Auch hier wurde das Badehaus von Kaiserin Elisabeth abgerissen. Diesen nutzte sie, um sich hier umziehen zu lassen, um dann im Weiher zu schwimmen.

Ich bin sicher, dass diesen auch die Kinder von Erzherzogin Marie Valérie zu nutzen wussten. Wenn man genau hinhört, könnt ihr das Kinderlachen von damals noch hören…

Heute ist Baden und Bootfahren verboten. Natürlich! Was sonst?

Hermesvilla
Lainzer Tiergarten
1130 Wien

15.3. bis 1.11:
Dienstag bis Sonntag und Feiertag
Montag geschlossen!
10.00 bis 18.00 Uhr
Die Hermesvilla schließt 30 Min. vor Torsperre des Lainzer Tiergartens, spätestens jedoch um 18.00 Uhr
Eingeschränkte Öffnungszeiten im Herbst/Winter

Preise und weitere Infos findet ihr hier:
https://www.wienmuseum.at/de/standorte/hermesvilla

Bei meinem letzten Besuch, habe ich mit dem Museumsmitarbeitern Kontakt gesucht und erfahren, dass der durchschnittliche Besucher 20 bis maximal 30 Minuten für den Rundgang braucht.

Ich brauche (mindestens) 2 Stunden.

Wenn ihr Glück habt, trefft ihr auf eurem Rundgang noch 2-3 Interessierte, normalerweise hat man die Villa komplett für sich allein.

Fotografieren ist erlaubt. Aber ohne Blitz! Bitte haltet euch daran!

Danach könnt ihr im Museumsshop wirklich gute Raritäten ergattern. Das Personal freut sich immer sehr, wenn sie Menschen treffen, die sich für die Kaiserin wirklich interessieren und auch etwas im Shop kaufen!

Rundgang – Erdgeschoss

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Wie die Villa tatsächlich zu Lebzeiten Kaiserin Elisabths eingerichtet war, ist nicht bekannt.

Sie hat sich abgeschottet und auf ihre Privatspähre mehr als nur geachtet.

Foto: Archiv Künstlerhaus
Julius Deininger

1898 ist der Jubiläumsband „Franz Joseph und seine Zeit“ entstanden. Der Architekt und Publizist Julius Deininger (*23.5.1852, †15.8.1924) und der Maler Rudolf Bernt (*21.2.1844, †24.8.1914) durften nur wenige Räume der Villa betreten, um den Band abzuschließen.

Die vorhandenen Fotos der Villa und der damaligen Einrichtung, sind nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth entstanden.

Damals erlaubte Kaiser Franz Joseph dem Historiker Rudolf Lechner (*/†unbekannt) im Frühjahr 1899 die Villa zu betreten.

Dass ist so von unfassbarer Bedeutung, da Rudolf Lechner die Gisela Appartements fotografieren konnte (wie erwähnt, sind sie dem Caféhaus zum Opfer gefallen) und über dem Kamin noch das alte Kamin-Portrait von Kaiserin Elisabeth zu sehen ist (ich komme im Arbeitszimmer von Kaiser Franz Joseph darauf zurück).

Generell konnte Lechner die gesamte Villa fotografieren. Die Bilder sind in den jeweiligen Räumen ausgestellt und ich füge sie in den Galerien am Schluss hinzu.

Foto: Wikimedia/Commons
Charles F. Fuller

Hinter der „Lichtfee Peri“ von Charles Francis Fuller (*1830, †10.3.1875) sieht man schon von weitem einen imposanten Kristalluster.

1897 entschloss sich Kaiserin Elisabeth ihr Schloss Achilleion auf Korfu aufzugeben (fertiggestellt 1891). Sie ließ zahlreiche Kunstgegenstände verschiffen und in die Hermesvilla bringen. So auch die Lichtfee, die hier in der Eingangshalle ihren Platz fand.

Foto: Wikimedia/Commons
Viktor Tilgner

Dahinter befindet sich ein imposanter Mamorsaal mit einer beeindruckenden Decke. Der Bildhauer Viktor Tilgner (*25.10.1844, †16.4.1896) hat sich hier verewigt, weshalb die ursprüngliche als Sala terrena und Speisesaal genutzer Raum auch „Tilgnersaal“ genannt wird.

An der Decke ist

„Aurora schwebt vor dem Wagen des Sommers durch die Lüfte“

zu sehen.

Links und Rechts sind heutzutage versperrte Türen.

Rechts waren die Marie Valérie-Appartements, links die Gisela-Appartements. Die Valérie Räume sind komplett leer, da sie als Ausstellungsräume genutzt werden. Die Gisela Räume existieren nur noch auf Fotos und sind heute ein Caféhaus.

Nach dem Tod der Mutter erbte Gisela (*12.7.1856,†27.7.1932), welche damals schon lange mit Leopold Prinz von Bayern (*9.2.1846, †28.9.1930) verheiratet war, das Achilleion auf Korfu. Marie Valérie erbte die Hermesvilla.

Prinzessin Gisela verkaufte das Achilleion an Kaiser Wilhelm II (*27.1.1859, †4.6.1941) und ließ die Möbel ihrer Mutter und einige Wertgegenstände in die Hermesvilla bringen.

Als Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924) sich 1911 von der Villa trennte, schaffte sie ein paar der Möbel nach Bayern.

Doch das meiste davon blieb im Besitz von Valérie, welche sich damit ihr neu renoviertes Schloss Wallsee einrichtetete. 1906 übersiedelte die Familie nach Wallsee bei Amstetten, da die Villa aus allen Nähten platzte.

Rundgang – Obergeschoss

Als ich die Fotos auf Facebook zeigte, mokkierten sich viele Followerinnen über die dunklen Holzvertäfelungen in der Villa.

Ich möchte hier einfügen, dass dies dem damaligen Wohndesign geschuldet ist und alle Villen, die im englischen Landhaus-Stil gebaut wurden, dunkle Holzausstattungen hatten.

Dies sieht man auch in alten oder auch neuen Filmen, wenn es um alte Landhaus Villen geht, weshalb ich sehr erstaunt war, dass dies zum Thema wurde. Gerade im 19. Jahrhundert kannte man nichts anderes.

Auch wenn ich normalerweise Filmvergleiche ablehne, möchte ich aufzeigen, dass diese Villen tatsächlich immer so aussahen und hier nicht extra Kaiserin Elisabeth absichtlich „dunkel“ einrichten ließ.

Man sieht diese Villen zB. in Filmen wie „Rebecca“. Manderley ist genau so eine Villa (nur mit Meeresrauschen) (gedreht 1940 von Alfred Hitchcock), in vielen neueren Geisterfilmen kann man diese wunderschönen alten Villen sehen (zB. „Don’t Be Afraid of the Dark“ mit Katie Holmes) oder auch in Liebesfilmen von der Romantik Queen schlechthin Rosamunde Pilcher. Und wer die Filme „Sherlock Holmes“ kennt, egal ob neu oder alt, wird wissen, dass er in einer Villa wohnt, die dunkle Holzvertäfelungen hat.

Kerzenschein, Öllampen und später die ersten kleinen Stehlampen, da die Elektrizität Einzug hielt, machten diese dunklen Wohnräume sehr kuschelig.

Ihr seht ich komme ins Schwärmen. Zu recht.

Mich persönlich zieht so etwas magisch an, da es meistens durch Stuckarbeit, wunderschöne Glasfenster und verzierte Doppeltüren- und sonstige Balkenarbeiten wett gemacht wird. Wenn ich es mir leisten könnte… Ach, ein unerfüllter Traum würde wahr.

Und so war auch die Hermesvilla einmal.

Leider wurde das wunderschöne Flair, durch diese furchtbaren Glasvitrinen gestört. Es sind keine Pflanzen im Raum, die Brunnen wurden abgerissen, Wandteppiche fehlen usw.

Zum Teil wirkt die Villa einsam, müde, verlassen und weit weg von dem, was sie einmal war.

Ich finde es so schade, dass die Museumsverwaltung es seit Jahren nicht zustande bringt, die Villa wieder so herzustellen, wie sie war. Genügend Möbel stehen ja in sämtlichen Depots herum.

(Kleine Info nebenbei: Der Rundgang ist nicht chronologisch.)

Obwohl die Villa zu den Modernsten ihrer Zeit zählte, fühlte sich Elisabeth hier nie wohl.

Doch noch bevor sie „modern“ wurde und „Villa Hermes“ (heute Hermesvilla) hieß, hieß sie „Villa Waldruh“ und sollte in einem 24,5 km2 gro0en ehemaligen Jagdgebiet von Kaiser Franz Joseph erbaut werden.

Der gesamte Lainzer Tiergarten ist mit einer 22 km langen Mauer umzäunt (schon alleine wegen der Wildschweine die hier frei leben).

Foto: habsburger.net
Carl von Hasenauer

Kaiser Franz Joseph entschloss sich 1881 hier einen stattlichen Wohnsitz erbauen zu lassen und holte den Wiener Ringstraßenarchitekten Carl Freiherr von Hasenauer (*20.7.1833, †4.1.1894). Der zweite Entwurf war bereits derjenige, den Kaiser Franz Joseph umsetzen ließ.

4 Jahre dauerte der Bau und kostete

2 Mio Gulden = ca. € 29.350.760,00

welche aus der Privattasche des Kaisers bezahlt wurde.

Doch Franz Joseph entschied sich um und schenkte die Villa Elisabeth. Er war 54 Jahre alt, einsam und hoffte seine „Engels-Sisi“ wieder an sich zu binden. Deshalb ließ er diese – wie er glaubte – nach Elisabeths Geschmack einrichten.

Als die Villa Waldruh fertig war, reiste Elisabeth mit ihrer geliebten Tochter Marie Valérie an, die kaum deutsch sprach.

Die beiden traf fast der Schlag.

Kein Badezimmer, keine Wassertoiletten (so nannte man damals noch ein WC; ansonsten hatte man Plumpsklos,Eimer und Nachttöpfe), keine Elektrizität.

Die Einrichtung war sparsam und öde. Marie Valérie sollte im Erdgeschoss leben, Elisabeth im Obergeschoss. Ein Unding wie Mutter und Tochter festhielten.

Valérie war geschockt und schrieb in ihr Tagebuch, dass weder die Villa, noch die Einrichtung, noch der grausige Geschmack des Kaisers gefallen würde.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph, 1885

„Diesen Standard sind wir nicht gewöhnt“

so das vernichtende Urteil der Kaisertochter.

Elisabeth und ihre Tochter reisten wieder ab. Enttäuscht blieb der Kaiser alleine zurück, der wieder einmal alles falsch gemacht hatte.

Doch die Kaiserin wäre nicht die Kaiserin gewesen, wenn sie nicht der Ehrgeiz gepackt und aus der Villa ein wahres Schmuckstück gemacht hätte.

Ab dem Frühjahr 1888 trafen sich Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth jedes Jahr in ihrer Villa für manchmal mehr oder weniger längere Aufenthalte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Katharina Schratt

Doch auch nach der Modernisierung wurde Elisabeth nicht ruhiger. Spätestens nach 2 Monaten verließ sie die Villa.

Sie fand den Wald zu feucht und die Villa zu düster. Da sie Rheuma hatte, war die Feuchtigkeit natürlich Gift für ihre Glieder.

„Unsere neue Villa im Thiergarten befriedigt uns sehr, sie ist gut und bequem zu bewohnen und die Umgebung jetzt im Frühjahr frisch grün.“

Kaiser Franz Joseph an Katharina Schratt
19.5.1887

Obwohl die kaiserliche Familie sehr gläubig war (Elisabeth haderte allerdigs auch Zeit ihres Lebens mit Gott), wurde keine eigene Kapelle gebaut. An Sonn- und Feiertagen wurde eine abgeschrägte Türe geöffnet, welche sich in der Ecke eines Saales befand. Dahinter befand sich der goldene Altar.

Die Tiergarten-Mitarbeiter, das Villa Personal und die kaiserliche Familie nahm an den Messen teil.

Dass hier eine Napoléon Statue steht, ist durchaus nichts ungewöhnliches für Kaiserin Elisabeth.

Kaiserin Elisabeth bewunderte sein Genie.

Durch die Verehelichung mit Erzherzogin Marie Louise (*12.12.1791, †17.12.1847), welche die Tante von Kaiser Franz Joseph war (Schwester von Vater Erzherzog Franz Karl), wurde Napoléon Bonaparte (*15.8.1769, †5.5.1821) der Onkel des zukünfitigen Kaisers.

Es gibt eine seltsame Episode aus dem Leben der Kaiserin, die ich hier gerne einfügen möchte:

Am 26.9.1875 besuchte Kaiserin Elisabeth mit ihrem enormen Gefolge Paris. Mit Marie von Festetics, ihrer Hofdame, besuchte sie allerdings alleine den Invalidendom, wo Napoléon zwischenzeitig ruhte.

Sie wollte alleine und unerkannt ihrem angeheirateten Onkel huldigen, dessen Genie sie erschaudern ließ. Lange standen die beiden vor dem herrlichen Sarg von Lucien Bonaparte und glaubten den von Napoléon vor sich zu haben. Ein Besucher hörte das Gespräch der beiden Frauen und machte sie auf den Irrtum aufmerksam.

Als sie vor dem schlichten Sarg, der mit frischen Blumen geschmückt war, niederkniete, sagte sie:

„Wenn die Menschen etwas recht Beißendes äußern wollen, sagen sie Napoléon war groß, aber gar rücksichtslos; ich denke immer dabei, das sind gar viele Menschen, ohne dabei groß zu sein. Zum Beispiel auch ich.“ (1)

Still naht sich der Abend wieder,
Länger werden schon die Schatten: 
Diesen Tag auch zu bestatten.
Lässt die dunkle Nacht sich nieder. 

Dunkler Wald - aus grünen Zweigen
Scheinen Monde aufzusteigen. 
Um mit ihrem Licht, dem bleichen, 
Durch dies Labyrinth zu zeigen. 

Doch nun öffnen sich die Bäume
Halbkreisartig rings im Bogen; 
Und mit Mondlicht überzogen, 
Strahlt Titanias Schloss der Träume. 

Kaiserin Elisabeth 
über ihre Ankunft in der Hermesvilla, 16.5.1887

„Wolkenkratzelei“ nannte Kaiser Franz Joseph die Gedichteschreiberei seiner Frau. Auch die Liebe zum „Sommernachtstraum“ von Shakespeare verstand er nie.

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferency und Marie von Festetics auf Maultieren

Nur wenige Personen wussten, dass Kaiserin Elisabeth überhaupt Gedichte schrieb.

Dazu gehörten natürlich ihr Mann, ihre Tochter Valérie, ihre engste Vertraute und Hofdame Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †16.4.1923) und Vorleserin und innige Freundin Ida Gräfin von Ferenczy (*7.4.1839,†28.6.1928).

Die Hermesvilla wurde nach Anweisung von Kaiserin Elisabeth opulent ausgestattet und hatte die schönsten Möbel ihrer Zeit. Doch noch während der Lebensphase von Elisabeth tauschte sie die Möbel immer wieder aus, so dass die heutige Inneneinrichtung nicht mehr nachvollzogen werden kann.

Sie beschäftigte auch die bedeutensten Künstler des „Wiener Historismus“, die der Villa ihren ganz besonderen Charme gaben.

Foto: wien.gv.at
Hans Markart

Am auffälligsten ist natürlich das Schlafzimmer von Kaiserin Elisabeth. Dies wurde von Kaiser Franz Joseph als Überraschung für seine Gattin von Hans Markart (*28.5.1840,†3.10.1884) bemalt. Eine seiner letzten Arbeiten.

Die Malart von Markart nennt sich im übrigen: „Akademische Kunst“

Als Elisabeth und Marie Valérie dies das erste Mal betraten, erstarrten sie zu Eis. Die Kaiserin wusste wohl nicht ob sie lachen oder weinen sollte, Valérie rannte davon.

Zugegeben, das Zimmer ist extrem überladen und kaum anzusehen.

Die Hermesvilla besaß eine opulente Innenausstattung, an der die bedeutendsten Künstler des Wiener Historismus beteiligt waren. Die originale Einrichtung ist allerdings nur zum Teil erhalten. Schon zur Zeit der Kaiserin wurden häufig Gemälde und Möbelstücke ausgewechselt.

Das Prunkbett ist noch von Maria Theresia. Sie hatte es in Amstetten in einer Poststation benutzt, als sie auf dem Weg nach Innsbruck war.

Elisabeth hat keine einzige Nacht in diesem Bett verbracht. Sie ließ sich ein einfaches Bett an die Balkontüre schieben, um jederzeit die Sterne und den Wind sehen bzw. spüren zu können.

Im Schlafzimmer war auch hinter einer Tapetentüre eine Geheimtreppe, welche Kaiserin Elisabeth zur Flucht nutzen konnte. So konnte sie fliehen, wenn ungebetene Gäste kamen.

1894 ließ Kaiserin Elisabeth die Bronzestatue „Melancholie“ aufstellen. Sie sollte als Mahnmal für ihren verstorbenen Sohn Kronprinz Rudolf dienen.

Laut Überlieferung soll die Figur

ihr Seelenheil nach Außen

darstellen.

Das ehemalige Turnzimmer ist ebenfalls von Hans Markart gestaltet worden, doch leider ist nicht mehr erhalten, als die Wandmalereien.

Die Wände sind in Anlehnung an pompejanische Vorbilder mit sieben Darstellungen antiker Sportarten bemalt.

An der Zimmerdecke prangen 4 Gemälde, die eine Hirschjagd, ein Wettrennen, eine Kampfszene sowie ein Wettfahren zeigen.

Da Markart starb, schlossen die Maler August Eisenmenger (*11.2.1830, †7.12.1907), von Hugo Charlemont (*18.3.1830, †18.4.1939) und Adolf Falkenstein (*unbekannt, †31.12.1929) die Arbeiten ab und drückten dem Zimmer nochmals ihren ganz eigenen Stempel auf.

Die ehemalige Einrichtung bestand aus einem Turnapparat, einem Schwebebalken und zwei Garnituren von Ringen. Sie ist weder erhalten, noch wurde sie wieder hergestellt.

Hier wäre es ganz hübsch und das Haus sehr gut bewohnbar, wenn das Wetter etwas günstiger wäre, allein so ist es meistens recht kalt, der häufige Regen macht den Boden feucht und außerdem bläst meistens ein recht heftiger Wind.

Kaiser Franz Joseph an Katharina Schratt, 30.5.1887

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com
goldenes Relief oberhalb der Arbeitszimmertüre von Kaiser Franz Joseph
abgebildet: Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie

Im ehemaligen Arbeitszimmer von Kaiser Franz Joseph ist am auffälligsten das „Jugendstil“-Bild von Kaiserin Elisabeth mit dem weißen Hund oder Pferd; so genau kann man nicht erkennen, was es für ein Tier darstellen soll.

Das Kaminbild wurde ausgetauscht und – wahrscheinlich – von Marie Valérie mitgenommen. Damit der Kamin nicht ohne Bild auskommen muss, hat man dieses – wie ich persönlich finde – abscheuliche Portrait angebracht.

Das ehemalige Gaderobenzimmer der beiden Eheleute ist heute ein Durchgangszimmer.

Am 13.6.1886 ertrank ihr Cousin 2. Grades König Ludwig unter mysteriösen Umständen im Starnberger See. Zu seinem Gedenken ließ sie dieses Bild aufhängen. Kaiserin Elisabeth glaubte ihr Leben lang nicht an die Unfalltheorie.

Die Aufenthaltsdaten von 1887 – 1891 sind nicht erhalten.

Ab 1891:

2.5. – 19.5.1891
25.5. – 30.6.1891

3.5. – 15.6.1892

1.5. – 30.6.1893

23.4. – 23.6.1894

12.5. – 1.7.1894 (mit kurzer Unterbrechung für einige Tage in Gödöllö)
24.8. – 24.9.1894

1.5. – 7.5.1897

1.6. – 2.7.1898

Am 14.10.1898 wurde Erzherzogin Marie Valérie ins Grundbuch eingetragen.

Sie ließ die Villa für ihre 9köpfige Familie (7 Kinder und Ehemann Franz Salvator) adaptieren. Das Ehepaar lebte von 1903 bis 1906 durchgehend in der Hermesvilla im Obergeschoss. Die Kinder bewohnten das Untergeschoss.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Erzherzogin Marie Valérie, Erzherzog Franz Salvator und ihre 7 Kinder
Foto: National Gallery
Prince George and Princess Marina

1904 empfing die Erzherzogin den englischen Thronfolger Prince George (*20.12.1902, †25.8.1942) und Ehefrau Princess Marina (*30.11.1906, †27.8.1968) in der Hermesvilla.

1906 wurde die Villa zu klein und die Familie zog ins neu renovierte Schloss Wallsee.

Die stattliche alte Ansicht der Hermesvilla mit dem Garten. Der gesamte zweite Stock war dem Personal vorbehalten und ist heute gesperrt.

Da die Villa eine private Wohnstätte der Eheleute war, gab es keine Repräsentationsräume.

Obwohl Marie Valérie die Hermesvilla an den Hofärar verkaufte, trug die Erhaltungskosten bis zu seinem Lebensende Kaiser Franz Joseph.

1918/19 wurde ein Invalidenspital für Kriegsversehrte in die Nebengebäude eingerichtet.

Im Jänner 1919 wurde in der Hermesvilla eingebrochen und zahlreiche historische unersetzbare Kostbarkeiten gestohlen.

Aufgrund dieses (unaufgeklärten) Einbruchs wurden 700 Möbelstücke, Bilder und sonstige Kunstgegenstände in das Hofmobiliendepot gebracht.

Das Tafelsilber der Hermesvilla wurde in die Hofsilberkammer der Hofburg Wien zur Aufbewahrung übergeben.

Danach wurde die Villa bis zum zweiten Weltkrieg vergessen.

1922 wurde die Villa an den Kriegsgeschädigenfonds übergeben und 1937 wurde die Republik Österreich die rechtmäßigen Besitzer. Diese richteten im 1. Stock ein kleines Museum ein, doch zu sehen, war kaum etwas.

Als der 2. Weltkrieg ausbrach, wollte Hermann Göring die Villa für sich und seine Jagdgäste beanspruchen; ein Glück, dass es nicht so weit kam.

Die Hermesvilla überstand den 2. Weltkrieg unbeschadet, verfiel aber zusehends. 1945 fiel die russische Wehrmacht in das Schloss ein und bsetzte es bis 1950.

Der schwere Vandalismus der Russen kannte kaum eine Grenze. Die Hermesvilla hatte schwerste Mängel erlitten.

Stimmen wurden laut, dass die Villa abgerissen werden sollte.

Foto: parlament.gv.at
Bruno Marek

Wiens Bürgermeister Bruno Marek (*23.1.1900, †29.1.1991) war nicht nur passionierter Jäger, sondern er wusste auch, dass hier ein Kulturgut zum Schützen war.

Er veranlasste, dass die Hermesvilla gerettet werden müsste.

Der Bürgermeister von Wien ließ 1971 den „Verein der Freunde der Hermesvilla“ gründen und unternahm eine umfangreiche Restaurierung, welche 1979 abgeschlossen war. Seit dem verwaltet die Hermesvilla die Außenstelle des „Historischen Museum der Stadt Wien“, welche heute „Wien Museum“ heißen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Holzstich für die Illustrierte Zeitung, 1888

Die Hermesvilla ähnelt sowohl in der Größe, als auch im Baustil der zur selben Zeit errichteten Schloss Rothschild in Reichenau a.d.Rax.

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Rothschild, Reichenau a.d.Rax

Typisch für die Bauweise der damaligen Zeit ist die Mischung aus Renaissance- und Barockelementen.

Die elektrisch beleuchtete Straße zur Hermesvilla, war die erste in Wien ihrer Art. 1896 erhielt die Villa Sanitäre Räume und wurde an das Telefonnetz von Wien angeschlossen.

Im Stiegenhaus stand einst die berühmte Skulptur vom „Sterbenden Achilles“.

Foto: Wikipedia/Commons
Sterbender Achilles

Gefertigt wurde er 1885 vom Bildhauer Ernst Herter (*14.5.1846, †19.12.1917). 1891 ließ Kaiserin Elisabeth Achilles nach Korfu bringen, wo er heute noch ist.

Foto: eichinger.ch
Mamorstatue Aspasia, Hermesvilla

Seit 1898 steht links unter dem Stiegenhaus, kaum beachtet, die Marmorstatue „Aspasia“.

Sie wurde vom Bildhauer Ignaz Weirich (*22.7.1856, †1.12.1916) geschaffen.

Bevor ihr jetzt zum Tor zurückgeht, werdet ihr noch im Garten ein hässliches weißes Mamorungetüm entdecken.

Dies ist die Kaiserin Elisabeth Statue „Zwang-Flucht-Freiheit“, welche von Ulrike Truger 1998/99 geschaffen und in Wien-Mitte aufgestellt wurde.

Da sie aber für massloses Entsetzen und Beschwerden gesorgt hat, wurde sie zur Hermesvilla gebracht, wo sie relativ versteckt, unter Bäumen ihr Dasein fristet. Ehrlich gesagt: gut so

Das aus Carrara-Marmor gefertigte Monument zum 100. Todestag von Kaiserin Elisabeth hätte auch wirklich anders aussehen können.

Ihr werdet trotz aller Fehler die man hier macht, mit einem tiefen Seufzer des Bedauerns Abschied von der Hermesvilla nehmen.

Und tief in eurem Inneren habt ihr einen Ort aufgesogen, der unumwunden mit Kaiserin Elisabeth verwoben ist.

Und vielleicht hört ihr irgendwo im Gebüsch ein Rascheln von den Wildschweinen, denen man ganz unumwunden im Park begegenen kann.

Aber wer weiß: vielleicht ist es auch der schöne Geist von Kaiserin Elisabeth, die ihren Frieden mit der Villa gemacht hat und hierher kommt und sich nach der Ruhe sehnt, die sie im Leben nie hatte.

Petra Schimbäck

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Poster, Glasfenster Hermesvilla

Rechtliche Hinweise:
Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, amazon.de, Archiv Künstlerhaus, habsburger.net, wien.gv.at, National Gallery, parlament.gv.at, eichinger.ch


Literarische Hinweise:

1 – S.251
E.C.Conti
Kaiserin Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heine Verlag, 2. Auflage 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Zitate, Briefe und Gedichte
Hinweistafeln Hermesvilla

Hermesvilla
Führer Historisches Museum, 1981 (nicht mehr erhältlich)

Wilhelm Beetz
Die „Hermes-Villa“ in Lainz
Mit einer kurzen Geschichte des Tiergartens
Gerlach & Wiedling, 1. Auflage 1929 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Michaela Lindinger
Mein Herz ist aus Stein
Die dunkle Seite der Kaiserin Elisabeth
Amalthea, Wien 1. Auflage 2013 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Nora Fürstin von Fugger

Foto: Wikimedia/Commons
Nora von Fugger

Eleonora Aloysia Maria Prinzessin zu Hohenlohe-Bartenstein und Jagstberg, bekannt als Nora Fürstin von Fugger wurde am 4.10.1864 in Bartenstein geboren. 

Ihr Vater war Karl Ludwig Fürst Hohenlohe-Bartenstein. Ihre Mutter Rosa Karoline Gräfin von Sternberg. 

Eleonora wurde in der Familie immer schon „Nora“ genannt und wuchs schon als Baby mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern bei ihren Großeltern in Böhmen auf, da ihr Vater unheilbar an „Schwermut“ erkrankt war. 

Ihr Großvater besaß in Prag ein prachtvolles Haus, mehrere Schlösser und Landschlösser und gehörte zur Hocharistokratie des Landes. 

Nora erhielt selbstverständlich Privatunterricht und war bei den Jagdgesellschaften zugegen, um zu lernen, wie man sich in der Hocharistokratie bewegte und benahm. Diese Zeit prägte sie sehr. 

Ihr Großvater starb am 18.7.1874, weshalb ihre Mutter die Wintermonate von nun an in Wien verbrachte, wo auch Rosas engste Freundin Pauline von Metternich lebte und in der Wiener Gesellschaft den Ton angab. Das gefiel der jungen Nora sehr. Die Sommermonate verbrachte die Familie auf dem Schloss in Weiß Politschan, welches ihr Großvater kurz vor seinem Tod noch extra für seine Tochter Rosa kaufte. 

Am 4.10.1881 wurde die 17jährige Nora für Volljährig erklärt und am 22.2.1882 am Hofball bei Hofe eingeführt. Dort wurde sie Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph vorgestellt. 

Etwa zur selben Zeit begann sie mit ihrer Autobiographie, welche pointiert und den Hof entsprechend beobachtend geschrieben wurde. Teilweise natürlich auch boshaft und aus dem eigenen Blickwinkel heraus, weshalb es manchmal zu hinterfragen ist. Vor allem das Kapitel über Mayerling. 

Am 8.1.1887 ehelichte sie Karl Georg Fürst Fugger von Babbenhausen (leider gibt es kein Foto von ihm), welcher ein Kammerherr von Kaiser Franz Joseph war. Das Paar lernte sich 1884 bei einem Hofball kennen. Cary, wie der Gardeoffizier genannt wurde, war nicht nur ihr Cousin 1. Grades, sondern auch sofort Feuer und Flamme ob der Schönen. Beinahe aber wäre es zu keiner Verlobung gekommen, als sich Cary 1885 kurzfristig am Ball bei den Vetseras in die kaum 16jährige Mary verschaut hatte, die ihm offensichtlich den Hof machte. Nora nannte sie in ihrem Buch „Nixe“. 

Doch Cary besann sich wo er hingehörte, das Paar versöhnte sich und so konnte die Verlobung und ein Jahr darauf die Hochzeit gefeiert werden. Der Ehe folgten insgesamt 6 Kinder. 

Das zweite Kind war Sohn Georg Constantin, welche am 24.7.1889 in Klagenfurt geboren wurde. Vor den Toren des Schlosses Babenhauses wurden Kanonenschüsse abgefeuert, um den Stammhalter der Fugger-Familie zu begrüßen. Der Schwiegervater war überglücklich, da das erstgeborene Kind des Paares „nur“ ein Mädchen war. Ein paar Tage später eilte zur Taufe sogar der damalige Obersthofmeister Seiner Majestät Konstantin Prinz zu Hohenlohe, um die Patenschaft zu übernehmen. Somit galt Kaiser Franz Joseph als Taufpate des zukünftigen Fürsten Georg Constantin von Fugger. 

In vielen historischen Büchern wird erwähnt, dass Nora in die Geheimnisse von Mayerling eingeweiht wurde. Liest man sich aber das Kapitel durch, findet man Bezeichnungen wie „Ich habe gehört…“, „Ich habe es von … gehört, weil…“, „Mir wurde berichtet…, weil der gesehen hat, als es…., aber mit eigenhändigen Augen habe ich es auch nicht gesehen…“, „Es wurde mir von …. verraten….“ usw. 

Das Paar von Fugger weilte während der Tragödie in der Garnisonstadt Ödenburg, also weit weg von Wien und Mayerling (ca. 70 km außerhalb). Nora erfuhr vom Selbstmord des Kronprinzen und Mary Vetsera am 31.1.1889 von ihrem Mann, der die Zeitung aufschlug. 

Einer ihrer engsten Freunde wurde Erzherzog Franz Ferdinand, welchen sie auf einem der Hofbälle kennenlernte. Er wurde nicht nur ein Vertrauter, sondern auch ein Brieffreund, den sie während seiner schweren Lungenkrankheit auf seiner Reise immer wieder aufheitertete oder es zumindest versuchte. 

Ebenfalls eine Intima war Katharina Schratt, welche ganz in ihrer Nähe wohnte. In den späten 1890er Jahren zog die von Fugger Familie in eine Villa Nahe Hietzing, weshalb auch der Kaiser mitsamt Schratt des Öfteren bei Nora zu Besuch war.

1906 starb ihr Schwiegervater und die Familie zog auf ihren Stammsitz auf Schloss Babenhausen. Als der 1. Weltkrieg ausbrach, war überall die Not auch auf Schloss Babenhausen zu spüren und die Familie musste einige Schicksalsschläge hinnehmen. Sohn Georg Constantin zog für die Deutsche Armee in den Krieg und wurde Flieger, überlebte aber und kam mit 8 Orden nach Hause (starb aber 1934). Die jüngste Tochter Helena, welche am 21.6.1908 geboren wurde, starb mit 6,5 Jahren im Winter 1915 an einer undefinierten Krankheit. Nora ging in ihrem Buch nicht näher darauf ein. 

Als Kaiser Franz Joseph starb, fuhr die Familie nach Wien, um Abschied von ihrem Freund und Vertrauten zu nehmen. Nora war traurig, dass es keinen offenen Sarg gab. Tausende Menschen säumten die Straßen. Mit ihm begrub sie jene Zeit, die sie einst so geliebt hatte. Die glamourösen Hofbälle, die durchtanzten Nächte, die Gespräche mit Kaiserin Elisabeth, die glanzvollen, im Kerzenschein erhellten Spiegelsäle. 

Am 15.3.1918 starb ihre geliebte Mutter an einem Schlaganfall, nach dem sie 2 Jahre bereits ein Pflegefall war. Als das Adelsaufhebungsgesetz in Kraft trat, blieb die Familie in Österreich und verzichtete auf die Wörter „Fürst“ und „von“. Sie wurden zur Familie „Fugger“. Cary starb schließlich am 5.7.1925 in Klagenfurt. Nora verließ und zog nach Wien zurück, um die letzten 20 Jahre als Witwe in jener Stadt zu verbringen, die sei einst so geliebt hatte. Doch der 2te Weltkrieg verlangte ihr noch einmal alles ab; das Ende erlebte sie nicht mehr. 

Nora Fürstin von Fugger starb am 1.3.1945 80jährig in Wien. Sie ruht in der Fugger-Familiengruft auf Schloss Babenhausen. 

Fugger wird vor allem in Augsburg ein Begriff sein. Das Fugger-Imperium besteht seit dem Mittelalter und ist bis heute – wie die Familie Habsburg – (über)lebend.

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck 
Bildrechte: Wikimedia/Commons


Literatur Hinweis:

Nora Fugger
Im Glanz der Kaiserzeit
Amalthea, Wien 1989

Johann Joseph Graf Radetzky

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Johann Joseph Graf Radetzky

Johann Joseph Wenzel Anton Franz Karl Graf Radetzky von Radetz wurde am 2.11.1766 auf Schloss Trebnitz in Böhmen geboren. 

Sein Vater war Peter Eusebius II Graf Radetzky von Radetz. Seine Mutter war Maria Venantia Freiherrin Bechyne von Lazan. 

Joseph verlor sehr früh seine Eltern, weshalb er zur Vollwaise wurde und in die Obhut seines Onkels kam. Dieser ließ ihn bei den Piaristen einschulen, später folgte das Theresianum in Wien. Nach der Matura studierte er Rechtswissenschaften. 

1784 trat er als Kadett in die k.u.k. Armee ein, wo er sehr schnell Karriere machte. Zahlreiche Schlachten folgten, viele davon siegreich. Er diente unter dem Stab von Fürst Schwarzenberg und organisierte das österreichische Heer vollkommen um. 

Am 5.4.1798 ehelichte er Franziska Gräfin Strassoldo-Graffenberg und bekam mit ihr 5 Söhne und 3 Töchter. Nur ein Sohn und eine Tochter sollten den Vater überleben. 

Zeit seines Lebens war Radetzky verschuldet, da seine Frau sehr verschwendungssüchtig war. 

Am 17.12.1856 – 90jährig (!) – suchte er bei Kaiser Franz Joseph um seine Pensionierung an. Der Wortlaut lautete:

„„Euer Majestaet, die Gesetze der Natur zwingen mich nach 72 Dienstjahren und 90 Lebensjahren Euer Majestaet um die Allergnaedigste Enthebung von meinem Dienstposten Allerunterthänigst zu bitten. Geruhen Euer Majestaet mir diese Enthebung mit jener Allerhöchsten Huld und Gnade zu gewähren, mit welcher Allerhöchst dieselben mich schon so vielfach überschütteten und gestatten mir Euer Majestaet bei diesem Anlaße Allerhöchst Der Huld und kaiserliches Wohlwollen […] Mein Greisen Alter hat zwar meine Thätigkeit gelähmt, aber bis zum letzten Athem zuge werde ich des Allmächtigen Segen für das erhabene Hauß und den herrlichen Thron Meines geliebten Monarchen erflehen, der ich in tiefster Demut ersterbe.“ (1)

Am 28.2.1857 genehmigte Kaiser Franz Joseph den Ruhestand. Radetzky diente unter 5 Kaiser und er- und überlebte 17 Feldzüge. Er brachte es bis zum Feldmarschall und gilt als der bedeutendste Heerführer des 19. Jahrhunderts.

Johann Strauß Vater komponierte 1848 ihm zu Ehren den berühmten Radetzkymarsch. Er ist heute noch das Highlight und gleichzeitig der Abschluss eines jeden Neujahrskonzerts. 

Joseph Graf von Radetzky starb am 5.1.1858 92jährig an einer Lungenentzündung in Mailand. Er ruht am Heldenberg. 

Nach der Überführung des Leichnams, wurde dieser im Arsenal aufgebahrt und unter Anführung des jungen Kaiser Franz Josephs im Wiener Stephandsdom eingesegnet. 

Kaiser Franz Joseph wollte ihn in der Kapuzinergruft zu Grabe tragen. Doch Radetzky überließ dies seinem guten Freund Joseph Gottfried Pargfrieder, der ihm jahrzehntelang die Schulden tilgte und so verfügte dieser, dass er auf dem neu gegründeten Heldenberg beerdigt werden sollte. Joseph Graf von Radetzky ruht direkt unter dem Obelisken. 

Johann Strauß (Vater) hat 1848 zu Ehren des großen Feldherren den „Radetzky-Marsch“ komponiert, welcher am 31.8.1848 im Wasserglacis uraufgeführt wurde. Der Kurpavillon steht heute noch im „Stadtpark von Wien“, welcher im 18. Jahrhundert zur Erholung für die Bürger gebaut wurde. 

Der Marsch ist weltweit durch das jährliche „Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker“ bekannt. 

Otto Treßler spielte Radetzky im berühtem Sissi-Film. Erzherzogin Maria Josepha, Ehefrau von Erzherzog „Bolla“ war jahrelang mit Otto liiert und wollte sogar die Scheidung, als plötzlich alles anders kam und ihr Sohn Karl Thronfolger wurde. 

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Bildnachweise: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise:

1
HGM, Wien/Graz 1960, S. 51
Handschriftlicher Brief 

Ernst Molden 
Radetzky. Nach Briefen, Berichten und autobiographischen Skizzen  Insel-Verlag, Leipzig 1916

Oskar Regele
Feldmarschall Radetzky. Leben, Leistung, Erbe 
Herold, Wien/München 1957

Manfried Rauchensteiner
Radetzky, Josef Wenzel Graf
Neue Deutsche Biographie
Duncker & Humblot, Band 21

Verlobung im Kaiserhaus

Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern

Elisabeth Herzogin in Bayern als Verlobte
dahinter der Starnbergersee
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht?

Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen.

Leider gibt es tatsächlich bis heute (!) Menschen, die diese Szene glauben und auch mich immer wieder fragen, „wo denn dieser Angelplatz in Ischl sei“.

Gerade die Kennenlernszene und alles weitere bis zur Verlobung, ist nichts weiter, als der reine Kitsch und eine hübsche Mär, um den von krisengebeutelten 1950er Jahren ein bisschen Idylle einzuhauchen.

Denn leider sind die Filme bis heute zu viel in den Köpfen der – vor allem Frauenwelt – verankert, die diese glauben und für die volle Realität halten.

Hier also die reale und wahre Geschichte wie Herzogin Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph gewann:

Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag Seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene Herzogin in Bayern

Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene „Néné“ Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890).

Kürzlich hat ein Ludovika Biograph gemeint herausgefunden zu haben, dass die Geschichte mit Néné gar nicht stimme.

Es soll immer schon Elisabeth gewesen sein, die für Franz Joseph bestimmt gewesen sei und alle Historiker würden sich irren.

Schon Egon C. Conte Corti (+2.4.1866, 17.9.1953) hatte 1934 die Geschichte in seiner sehr gut recherchierten Biographie „Elisabeth, eine seltsame Frau“, welche damals noch mit lebenden Augenzeugen gespickt war, aufgegriffen und erzählt.

Er bekam als Einziger Einsicht in mitterweile längst verschwundene, verbrannte oder absichtlich zerstörte Unterlagen und so stützen sich Historiker aus aller Welt bis heute auf seine Bücher.

Vor Conte Cortis Biographie gab es kleinere Bücher oder Erinnerungsblätter welche im Auftrag von Kaiser Franz Joseph direkt nach dem Tode seiner geliebten „Engels-Sisi“ nur intern für seine Familie und als Erinnerung für die Offiziere veröffentlicht wurden.

Tief vergraben in so mancher Bibliothek kann man sie finden und ich habe sie gefunden. Auch hierin ist zu lesen, dass nicht Elisabeth die erste Wahl war, sondern Néné Kaiserin werden sollte.

Foto: Wikimedia/Commons
Sidonie Prinzessin von Sachsen

Doch dem Kaiser gefiel sie nicht, wie zuvor schon die arme Sidonie von Sachsen (*16.8.1834, 1.3.1862), die als Jungfrau sterben musste, weil sie Franz Joseph nicht schön genug war.

Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers. 

Natürlich war Helene in Bayern nicht die schönste Tochter von Ludovika, dies kann auf den Bildern von ihr sogar heute noch gesehen werden.

In vielen Biografien ist sogar zu lesen, dass sie wie eine Bauernmagd ausgesehen hat, sie geschielt habe und generell grobschlächtig war.

Sophie suchte also fieberhaft in ihren eigenen Reihen eine geeignete Braut und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war.

„Die Mutter hat ihn ganz in der Hand, er wird ihr völlig gehorchen. Wer weiß, wie lange noch. Jetzt wird er vielleicht ohne Widerspruch die Braut annehmen, die sie, Sophie, für ihn ausgesucht hat. Schon längst hat sie mit ihrer Schwester in München den Plan besprochen, deren älteste Tochter Néné mit ihrem Sohne Franz Joseph zu vermählen. Das Projekt einer Verbindung mit der schönen und klugen Tochter des Palatins Joseph von Ungarn findet nicht ihrer Billigung.“ (1a)

Anmerkung Petra: gemeint war Erzherzogin Elisabeth Franziska

Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth mit.

Elisabeth wurde als Kind ausschließlich von ihren Eltern, Tanten, Geschwistern usw. „Elise“ genannt.

Aus Elise wurde schön langsam aber sicher Sisi.

Laut Michaela Lindinger, der Hermesvilla-Kuratorin stammt Sisi von Erzherzogin Sophie. Sie soll gemeint haben, eine Kaiserin die „Liesl“ gerufen wurde, könne es nicht geben. Sie soll – wenn es nach Frau Lindinger geht – aus Liesl „Sisi“ gemacht haben.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
kaum bekanntes Bild der 15jährigen Elisabeth im Reitkleid – da im Privatbesitz!
Ölbild: Friedrich von von Kaulbach

Dem widerspricht aber ein Brief von Ludovika an ihre Schwester Königin Auguste von Sachsen von 1853:

„Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich als ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre [Prinz Georg, wohl der zweite Sohn des sächsischen Königs Johann], wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen… hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug“. 1b)

Anmerkung Petra: Elisabeth wurde auf Brautschau nach Dresden geschickt, kam aber ohne Bräutigam nach Hause; worauf hin sich Louise schwere Sorgen machte. Es ist aber eindeutig bewiesen, dass 1 Jahr vor der Verlobung ihre eigene Mutter Elisabeth „Sisi“ nannte.

Warum also Erzherzogin Sophie dafür verantwortlich sein soll, dass aus „Liesl“ – was im übrigen nirgendwo in der Korrespondenz, sondern erstmals 1903 in den „Erinnerungsblättern“ auftaucht, Sisi wurde, ist mir wieder einmal ein Rätsel.

Elisabeth jedenfalls sollte abgelenkt werden. Ihre unstandesgemäße Liebe zu Richard Graf von Schwarzenberg, welcher ihr den Kopf gehörig verdrehte, musste unter allen Umständen verboten werden.

Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Elisabeths Umfeld entfernt. Er wurde zum Militär geschickt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später.

Elisabeth war untröstlich.

Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen -
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (1)

Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie.

Zeit ihres Lebens sollte sie ihren Jugendfreund, der nie näher deklariert wurde, vergessen.

Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Elisabeth als 14jährige; das Erste bekannte Foto von ihr
Foto: Alois Löcherer

Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, 19.5.1896) die Wunden heilen könne.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber

Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus.

Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Elisabeth ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab. 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Ludovika Königin von Preußen und Firmpatin Elisabeths

Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Ischl.

Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester.

Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter,

Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura (= in Abwesenheit) Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie).

Sie folgte am 13.8.1853 nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Victor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.

Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an.

Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen.

Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen.

Das Unglück nahm seinen Lauf.

Foto: Wikimedia/Commons
Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum

Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten.

Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht.

Sophie schrieb ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen:

„Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“  (2)

Herzogin Helene wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in

Foto(montage): W. Hain
Souvenir des Verlobungspaares (Der Kaiser wurde größer gemacht).

Sisi.

Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Elisabeth verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest: 

„In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3) 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte
Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853
Elisabeth ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.

Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch:

„Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)

Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern.

Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte

Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah.

Herzogin Elisabeth trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi.

Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern.

Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu:

„Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)

Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Elisabeth bat, wussten alle im Raum Bescheid.

Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.

Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Elisabeth nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde.

Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser

„sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)

Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz:

„Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.

Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Herzogin Elisabeth verlobt hatte. 

Der kleine Ort war außer Rand und Band.

Foto: Wikimedia/Commons
Siriuskogel

Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E.

Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren.

Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Herzogin Elisabeth war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schrieb sie:

„Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)

Ludovika notierte:

„Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)

Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes
Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes

Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ.

Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten.

Elisabeth war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.

Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.

Foto: Wikimedia/Commons
Karl Ludwig Graf von Grünne

Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte.

So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar.

Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.

Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute ein Museum).

Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.

In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen.

So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiservilla

Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen.

Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn.

Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.

Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.

Elisabeth wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet.

Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org

Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben.

Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at

Elisabeth verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete.

Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.

Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch:

„Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.

Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Elisabeth auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt:

„Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10) 

Foto: fuenfseenland.de
Das junge Paar

Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Elisabeths Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen.

Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen.

Das Gerücht, dass Kaiserin Elisabeth schlechte Zähne hatte, hält sich bis heute. Dem ist ebenfalls die Szene aus „Sissi“ geschuldet. Elisabeth hatte mitnichten schlechte Zähne, dies ist auch in ihrem Autopsiebericht bestätigt.

Weiters wurde an Elisabeth herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph

Sie musste stundenlang Modell stehen, ihr war langweilig und sie wurde unruhig. Der teure Schmuck, der aus Wien eintraf, wurde in einer ihrer Schubladen verstaut. In diesem Alter konnte sie mit teurem Schmuck noch nicht viel anfangen.

Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:

Lebet wohl, ihr stillen Räume,
Lebe wohl, du altes Schloß,
Und ihr ersten Liebesträume,
ruht so sanft in Seesschoß.
Lebet wohl, ihr kahlen Bäume,
Und ihr Sträucher, klein und groß,
Treibt ihr wieder frische Keime,
Bin ich weit von diesem Schoß. (12)

Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte 1,5 Tage.

An ihrem 16. Geburtstag, am 24.12.1853, überreichte Elisabeth Kaiser Franz Joseph sein Weihnachtsgeschenk, welches sie vor Possenhofen und Hoch zu Roß zeigen sollte.

Die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer.

60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valérie übergab. Mittlerweile hängt es wieder an jener Stelle, an welcher es 60 Jahre lang hing: über dem ehemaligen Bett von Kaiser Franz Joseph – im Sisi Museum zu sehen.

Foto: dorotheum.com
Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert.
Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel,

Kaiser Franz Joseph schenkte ihr zu ihrem 16. Geburtstag und somit zu Weihnachten ein silbernes Tee-Reiseservice, in welches er ein „E“ mit „Kaiserkrone“ eingravieren ließ, er brachte aus der Menagerie von Schönbrunn einen bunten Papagei mit, über welchen sich seine Verlobte am allermeisten freute und ein Diadem, welches einen Tag vor der Hochzeit für einen kleinen Fauxpas sorgen sollte.

Elisabeths Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen.

Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877):

„Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13)

Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung. 

Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Elisabeths Schmuck und Aussehen.

Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten. 

In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet. 

Doch bevor Elisabeth nach Wien fuhr, gab es natürlich noch einen gebührenden Abschied in München.

Im Depot des Kunsthistorischen Museums Wien befindet sich liegend ein Kleid, welches überaus wertvoll ist. Es kann nicht mehr ausgestellt weden, weshalb eine teure 1:1 Replik angefertig und im Sisi Museum ausgestellt wurde.

Foto: Sisi Museum
„Polterabendkleid“ von Herzogin Elisabeth
Replik

Zu Ehren der Braut wurde am Münchner Hof ein Ball abgehalten. Dieser Ball nannte sich „Winterabend“. Warum das Kleid ausgerechnet bis heute „Polterabend“-Kleid heißt, ist nicht mehr eruierbar.

Denn mit einem „Polterabend“, wie wir ihn heute kennen, hatte der „Winterball“ nichts zu tun.

Das Kleid wird von Martina Winkelhofer im Buch „Sisis Weg“ wie folgt beschrieben:

„Es ist über hundertsechzig Jahre alt und aus weißem Baumwollstoff mit grün-goldenen Einfassungen an Ausschnitt, Ärmeln, Taille und Volant. Über Oberteil und Rock ranken sich zwarte, aus grüner Floss-Seide gestickte Blätter- und Blumenornamente. Inmitten der floralen Ornamente ist ein arabischer Schriftzug eingestickt, der ins Deutsche übersetzt bedeutet: „Oh, mein Herr, welch‘ schöner Traum“.
Der Schnitt des Kleides verrät, dass sein Trägerin von sehr schlanker, zarter Statur war, denn die Taille ist außerordentlich schmal. Auch die Maße des Oberteils und die Ärmelöffnungen verstärken den Eindruck: Das kunstvolle Kleid wurde für ein blutjunges Mädchen geschneidert.“ (14)

Durch den Ausschnitt am Kleid, dass sich „Runde“ nennt, erkennt man, dass dieser für ein Ballkleid für die Wintersaison angefertigt wurde. Kaiser Franz Joseph weilte im Winter 1853 in München.

Das Kleid besteht aus einem Baumwollstoff, welches am Ausschnitt, Ärmeln. Taille und am Volant grün-goldene Einfassungen enthält.

Über dem Oberteil und Rock ranken zarte gestickte Blätter- und Blumenornamente, welche mit Floss-Seide bestickt wurden. Die Blätter stellen „Rebenblätter“ dar.

Diese wurden von verschiedenen Stickerinnen bestickt. Dies ist deshalb ersichtlich, da eine der Stickerinnen die Rebenblätter doppelt und die andere einfach bestickt hatte.

Dies zeigt, dass das Kleid in windeseile fertig werden musste. Die Näherinnen und die Stickerinnen hatten nur knapp 3 Monate Zeit um das Kleid für die Trägerin anzupassen.

Dies alles kann man am Originalkleid erkennen, welches in einem Depot im Kunsthistorischen Museum aufbewahrt wird. Das Kleid ist mittlerweile in so einem schlechten Zustand, dass es nie wieder öffentlich ausgestellt werden kann.

Am Originalkleid erkennt man auch, dass es für eine sehr zierliche, schlanke Person geschneidert wurde.

Das sogenannte „Polterabendkleid“, der Name ist sehr irreführend, wurde vermutlich an jenem Winterabend der Ballsaison in München am Hofe von König Maximilian II von Bayern von Elisabeth getragen.

Dieser Ball wurde zu Ehren der Kaiser-Braut abgehalten, um sie im großen Stil zu verabschieden.

König Maximilian II war der Onkel von Herzogin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph. Sein Vater König Ludwig I von Bayern war der (Halb)Bruder von Erzherzogin Sophie und Herzogin Ludovika. Einige Historikerinnen gehen aber auch davon aus, dass der Ball im Frühjahr abgehalten wurde.

Dies passt aber mit dem „runden“ Ausschnitt des Kleides nicht zusammen. Der Ausschnitt war ausschließlich für die Wintersaison bestimmt, weshalb es jener Ball sein musste, an welchem auch Kaiser Franz Joseph teilnahm und seine Braut mit seinem Kommen überraschte. Da es keinen Polterabend, wie wir es heute kennen, gab, ist der Name des Kleides äußerst irreführend.

Wieso sich dieser Name in der Historie festgesetzt hat ist leider nicht bekannt.

Besonders hervorzuheben sind die arabischen Schriftzüge welche auf dem Kleid (ebenfalls per Hand) eingestickt wurden.

Diese bedeuten:

„Oh mein Herr, welch‘ schöner Traum.“

Dies deswegen, da eine junge Herzogin aus niedrigem Adelsstand zur Kaiserin gemacht wurde.

Wer den Ton im Video anmacht, hört ein Gedicht von Herzogin Elisabeth, welches sie vor ihrer Abreise nach Wien schrieb.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Es ist daher anzunehmen, dass beide (!) auf diesem Ball zugegen waren und Kaiser Franz Joseph seine Braut am Ball mit diesem Winterballkleid erblickt hat.

Somit verbrachte Kaiser Franz Joseph nicht nur den 16. Geburtstag mit seiner Braut, sondern auch Weihnachten. Er brachte „weiße Rosen“ als Geschenk von Erzherzogin Sophie mit. Es ist nicht ganz überliefert, ob dies ein „Kranz“ oder „Strauß“ war, hier streiten sich die Historiker in beinahe jedem Buch.

Schwierig waren die Rosen auf jedenfall, denn diese mussten extra verpackt werden, da der Winter 1853 besonders kalt war und sehr viel Schnee lag.

„Wien, 20.December 1853
Liebe Eva!(*)
Heute um 2 Uhr vor Tisch besuchte mich Erzherzog Carl um Abschied zu nehmen. Er reist diesen Abend 10 Uhr nach Lemberg auf seinen Posten und bleibt bis zur Vermählung des Kaisers dort. Erzherzog Max ist in Triest und Seine Majestät reisten heute nach München. Die vortreffliche Erzherzogin Sophie ist beinahe verweist, aber schöne Hoffnungen bleiben ihr, zieht erst die Kaiserbraut in Wien ein. Gott erfülle alle Hoffnungen!
Deine Sophie. (15)

Und am 8.Jänner 1854 ist zu lesen:

„Wien, 8.Jenner 1854
Liebe Eva!
Der Kaiser soll sehr heiter und zufieden von seiner beglückenden Reise zurückgekehrt sein und sich wie ich höre vorgenommen haben diesen Carneval nicht zu tanzen, was seinen ritterlichen Gefühlen sehr entspricht.“

Deine Sophie (16)

Doch mit den überreichten Blumen zogen dunkle Wolken über Elisabeth auf. Beigefügt lag ein Brief, in welchem Erzherzogin Sophie auch einen Rosenkranz legte und Elisabeth aufforderte, ab sofort mehr zu beten. Gleichzeit bat sie darum, nicht mehr „Tante Sophie“ und „Du“ zu ihr zu sagen, sondern „Erzherzogin Sophie“ und „kaiserliche Hoheit“.

Kaiser Franz Joseph und seine Brüder waren Zeit ihres Lebens mit ihren Eltern per Sie. Dies war durchaus ein Umstand, der sich durch alle Jahrhunderte zog, also definitiv nicht unüblich war. Das bayrische Königshaus war diesbezüglich bereits „lockerer“ und so durften die Kinder mit ihren Eltern per Du sein. Als Tante und Nichte stand dies also – im Grunde – auch Elisabeth zu. Doch ab sofort, wurde die förmliche Anrede gefordert, das erste Zeichen, dass Elisabeth unter dem strengen Kuratel von Erzherzogin Sophie stand.

Hochzeitseinladung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte der gesamte Wiener Hof und eine zitternde Elisabeth, welche mit den Nerven völlig am Ende war, stieg im April 1854 auf ein Schiff Richtung Wien.

Den Beitrag zur Hochzeit könnt ihr sowohl unter Kaiserin Elisabeth, als auch unter Kaiser Franz Joseph, in der jeweiligen Kategorie lesen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
„Die Rose aus dem Bayernland“ Herzogin Elisabeth als Verlobte
nicht so gelungene Replik des Originals von Anton Einsle, 1854
Dieses Bild hängt zur Erinnerung an die Anwesenheit der Braut Elisabeth im Landhaus Linz –
kann nicht öffentlich besichtigt werden!

Petra Schimbäck

(*) Wichtige Anmerkung:
In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, †3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, †23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, †7.3.1855) geheiratet.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.

Bis heute zum Beispiel konnte ich keine Daten von Sophie Gräfin von Scharnhorst auffinden. Sie ist auch Thema im Beitrag „Spanisches Hofzeremoniell – Hofetikette“.


Rechtliche Hinweise:

Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Bildrechte: Wikimedia/Commons, dorotheum.com, fuenfseenland.de, anno.onb.ac.at, oocities.org, Peter Füssl, Sisi Museum, W. Hain, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise: 

1a – S 23
E.C.Conte Corti
Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heyne Verlag, 15. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

1 – S 30, 1b – S. 18, 2 – S 31, 3 – 4 – S 32, 5 – S 34, 6 – 7 – S 35, 8 – S 38, 9 – S 37, 11 – S 47, 12 – S 48, 13 – S 52 
Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992

10 – S 153 
Ingrid Haslinger 
Erzherzogin Sophie Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 1. Auflage, 2016 

14 – S.72
Martina Winkelhofer
Sisis Weg
Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeths erste Jahre am Wiener Hof
Piper Verlag, 1. Auflage 2021

15 – S.259/60, 16 – S.260
Hofdamen-Briefe
Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Gesammelt von B.von.S.
Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)


Elisabeth – Das Musical

Als 1955 der Sissi Film mit Romy Schneider über die Kinoleinwand flimmerte, konnte keiner erahnen, was das einmal auslösen würde. Was 1956 und 1957 mit Teil 2 und 3 noch weiter verkitscht wurde, wurde 1992 komplett anders dargestellt. Fans von Kaiserin Elisabeth haben zuerst das Musical gesehen und sich danach erst mit Elisabeth als Person beschäftigt.

Foto: Amazon.de

Das Musical hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Einen Hype, der bis heute ungebremst ist.

Am 3.9.1992 wurde in Wien im Theater an der Wien, unter dem scheidenden Intendanten Peter Weck, das Musical Elisabeth aus der Taufe gehoben. Ein Welterfolg, der anfangs so gar nicht die Kritiker ansprach. Im Gegenteil. Nach der Premiere war der Hohn und Spott hoch.

Aber beginnen wir von vorne:

Peter Weck, Foto: APA (Archiv)

„Mit Michael Kunze hatte ich die Idee für ein neues Musical besprochen, das wir in den Vereinigten Bühnen Wien produzieren wollten. Bei unseren Gesprächen landeten wir plötzlich bei – Michael Kunze brachte diese Idee ein – Kaiserin Elisabeth. Da ich selbst ja beim ersten Teil der Sissi-Filme mitgewirkt hatte, war es mir ein Anliegen, Kaiserin Elisabeth in unserer Version ohne jede Kitschverbrämung, als nicht als lieblich verzuckertes Geschöpf, sondern auf Basis der damals dank Historikerin Brigitte Hamann neu vorliegenden historischen Erkenntnis mit allen ihren Eigenheiten auf die Bühne zu bringen.“ (1)

Peter Weck über die Entstehungszeit von Elisabeth, an der er selbst 2 Jahre beteiligt war.

„Alle tanzen mit dem Tod, doch niemand wie Elisabeth…“ Ihre Zeitgenossen stehen in Lumpen und mit schwarzem Spitzentuch über dem Gesicht auf der Bühne und reden „immer noch von Elisabeth“.
So beginnt das Stück – naja mehr oder weniger. Eigentlich ist zuvor noch ein Prolog mit Lucheni, der von einem unsichtbaren Richter gefragt wird, warum er ausgerechnet Kaiserin Elisabeth umgebracht habe.

Er beantwortet die Frage mit „…weil sie es wollte“.

Man mag glauben, dass dies ein Satz ist, den tatsächlich ihre Zeitgenossen über sie gesagt haben. Aber die Texte und die Musik stammen von niemand geringeren als von Michael Kunze und Sylvester Levay, die zuvor die Schlagergemeinde mit ihren Songtexten und Musiktitel aufzumischen wussten. „Fly Robin fly“ wurde (und ist) ein Welthit.

Michael Kunze, Foto: Alexander Ch. Wulz

(2) Michael Kunze im Interview, wie Elisabeth – das Musical entstand. 7 Jahre sollte die Entstehung dauern; man kann also nicht sagen, dass sich Michael Kunze und Sylvester Levay das Stück leicht gemacht haben.

„Mit dem Blick auf die bevorstehende Milleniumswende wollte ich etwas über den Untergang des Habsburgerreiches schreiben. Ich bin studierter Historiker, und daher interessierten mich die Parallelen von Gegenwart und Vergangenheit. … Auch „Sisi“ wurde zwangsläufig erwähnt. Ich hatte allerdings nicht die geringste Lust, die unglückliche Kaiserin zur Hauptfigur einer Dramatisierung zu machen. Zu abschreckend war die Vorstellung, gegen das Klischee einer Filmfigur der 50er Jahre ankämpfen zu müssen. … Ich las alles über die Zeit vor und nach 1900, was mir in die Hände kam. Darunter waren die Tagebuchblätter des Vorlesers Constantin Christomanos. Darin fesselte mich eine Episode. Christomanos schildert, wie er Elisabeth nach einem Sturm an der Reling ihrer Jacht trifft. Sie weist ihn auf einen Möwenscharm hin, der dem Schiff folgt. Es seien immer dieselben Möwen, behauptet sie. Woran sie das erkenne, fragt der Vorleser. An der schwarzen Möwe in der vorderen Reihe. Die sei ihr vertraut. Als ich das las, wurde mir schlagartig klar, dass Elisabeth sich selbst als schwarze Möwe sah. Als Symbol des Untergangs. Von diesem Moment an wollte ich sie, allen Problemen zum Trotz, zur Hauptfigur des Werkes machen. ….“ (2)

Harry Kupfer, Foto: Lewin-Management.com

Harry Kupfer, der kongeniale Regisseur dieses Erstlingswerks von Peter Wecks „Vereinigte Bühnen Wien“, erinnert sich an die Begegnung und wie alles begann: „Die Oper ist mein eigentliches Spezialgebiet. … Ich hatte in Wien eine Produktion an der Staatsoper, wir hatten nachts gefeiert und auf dem Weg zur U-Bahn traf ich Peter Weck. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt nicht persönlich, doch er sprach mich an. …

Er fragte mich: „Haben Sie nicht mal Lust, ein Musical zu machen?“, und meine Antwort war: „Ja, wenn es ein gutes Stück ist, nicht so etwas, wo Musiknummern zu einer dürftigen Handlung zusammengeschmissen sind, würde ich das machen. Darauf er:

„Ich hab eins, „Elisabeth“. Da ist mir erst einmal der Kamm geschwollen, weil ich natürlich gleich an diese schrecklichen Sissi-Filme mit Romy Schneider dachte. Doch Weck meinte, das sei ganz anders, Michael Kunze und Sylvester Levay seien die Autoren und er würde mir das Libretto gleich morgen ins Hotel schicken. Das hat er dann auch getan, ich habe es gelesen und fand es gar nicht so schlecht….“ (3)

Der Rest ist Weltgeschichte.

Als er die Rolle von Elisabeth schrieb, musste er nach einem roten Faden im Stück suchen. Und so betrachtete Michael Kunze das Bild von Luigi Lucheni, der grinsend in die Kamera sah. Der jemanden getötet hatte, den er weder kannte, noch verstand. Das Opfer sollte jemand ganz anderer (Herzog d’Orléans) werden, als dieses nicht auftauchte, stach er auf die berühmte Frau ein, die weltpolitisch nie in Erscheinung trat.

Ethan Freeman, Foto: Jean-Marie Bottequin

Lucheni wurde der Erzähler eines Lebens. Ihres Lebens. Er verhöhnt ihr Leben und alle die sich rund um sie scharrten. Mit Gemeinheiten – auch in Richtung Publikums – spart er nicht. In „Kitsch“ bekommt das Publikum das zu spüren, was bis heute gilt: Die Sammelleidenschaft und die Begaffung einer Frau, die bis heute ein Geheimnis ist, ebnete zumindest nach 1955 nie wieder ab.

Gerade bei der jungen Kaiserin Elisabeth war das Interesse anfangs riesengroß. Das Volk wollte sein Recht an der jungen schönen Kaiserin haben; als diese floh und sogar ihre Kinder zurückließ, ebnete das Interesse immer mehr ab. Zu ihrem 50sten Geburtstag erschien lediglich ein kleiner Artikel in der Zeitung, dass die Kaiserin Geburtstag habe. Das Volk in der Dynastie Österreich-Ungarn nahm sie überhaupt nicht mehr wahr.

Mit den Sissi-Filmen jedoch begann ein Hype, der auch Elisabeth – das Musical nicht töten konnte. Bis heute stehen Elisabeth Häferl weltweit in Kästen, hängen Bilder an den Wänden und Postkarten stehen an Souvenirständen zum Kauf bereit. Auch Tattoos mit Sisi Schriftzug oder Konterfei sind mir schon begegnet.

Der „Kitsch“ kennt keine Grenzen. Luigi Lucheni hat im Stück recht, wenn er Schokolade in die Menge schmeißt und höhnisch dabei lacht, wenn er sieht, dass die Menge im Publikum gierig danach greift.

Ethan Freemann Foto: angelofmusical

Aber lassen wir Ethan Freeman zu Wort kommen:

„Ich flog zu den Auditions nach Wien. … Ich wurde mit einem musikalischen Leiter weggeschickt, um mit ihm „Kitsch“ zu erlernen, was ich dann noch am selben Tag mit den Noten in der Hand präsentiert habe. Ich kann mich erinnern, dass ich vorm letzten „Kitsch“ so richtig fies gelacht habe, das war wohl infektiös und damit war die Sache wohl entschieden. Ich hatte scheinbar für die Kreativen die richtige Kombination von Kraft, Gewalt-Potential, Aussehen und Stimme…“ (4)

Sylvester Levay verstand es wie kein anderer, das Stück mit seiner Musik zu beseelen. Man meint manchmal sogar, die reale Elisabeth von hören, wenn sie von dem „Kirschbaum“ träumt, auf den sie nicht darf, weil Maman eine Gesellschaft erwarte und ihr Vater die Zither nimmt und aus Possenhofen flüchtet. Die 15jährige Sisi sitzt verlassen am Boden und träumt von „Gedichten schreiben und Reiten mit dem Wind“ und hofft darauf, dass ihr geliebter, von ihr angehimmelter Vater sie mitnimmt.

Uwe Kröger Foto: Alexander Ch. Wulz

Doch Herzog Max hat wie immer kein Einsehen mit seiner Lieblingstochter. Sisi bleibt traurig zurück und muss sich dem strengen Ton ihrer Gouvernante hingeben und sich umziehen gehen…

Michael Kunze tat sicherlich Recht daran, Elisabeth mit dem Tod kokettieren zu lassen. Ihre Todessehnsucht erahnt man schon an ihren frühen Gedichten. Als ihr Schwarm Richard Graf von Schwarzenberg stirbt, schreibt sie Wehklagen in ihr Tagebuch. Hier ist das erste Mal von einer Todessehnsucht zu lesen. Elisabeth war zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt.

Wie sehr sich das verstärkt, sieht man im späteren Verlauf ihres Lebens. Der Tod sollte also ihr Liebhaber sein. Einer der sie versteht, nach dem sie greifen kann, wenn sie ihn braucht, aber ihr niemals zu Nahe kommen darf. Michael Kunze wählte bewusst die Gestalt von Heinrich Heine, um den jungen attraktiven Dichter in Szene zu setzen.

Uwe Kröger, Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Langhaarig, blond, androgyn – so schritt der erste Tod 1992 von der Feile zum Totentanz der Zeitzeugen herab. Niemand geringerer als Uwe Kröger besetzte diese Rolle. Dass er der erste Rusty in Starlight Express war, sollte damals niemanden interessieren. Kröger spielte mit der Rolle, mit dem Publikum und löste einen wahren Hype aus – einen den er sich später – nach dem seine Fans sogar Selbstmorddrohungen ausstießen, als er sich die Haare für die Rolle von Chris für Miss Saigon abschneiden ließ – bitter bereuen sollte.

Der Tod der uns alle im gewissen Sinne begleitet, löst einen Machtkampf mit dem Publikum aus. Folgt man ihm oder kann man sich ihm entziehen? In 25 Jahren waren alle Tod-Darsteller blond oder zumindest brünett. Fast alle langhaarig. Nach Uwe Kröger folgten Paul Kribbe, Addo Kruizinga, Felix Martin, Máté Kamarás, Rob Fowler und natürlich der letzte Tod: Mark Seibert – er ist das momentane Sexsymbol der Musicalwelt.

Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Pia Douwes war die erste Elisabeth. Sie lieh ihr Stimme, Aussehen, Charakter und Eigenschaften, die die wahre Elisabeth zu haben schien. Ihre Darstellung ist bis heute unangefochten mit dieser Rolle verwoben und verbunden.

Viele Elisabeths folgten auf 25 Jahre Welterfolg. Die bekanntesten neben Pia Douwes sind natürlich Maya Hakvoort, Annemieke van Dam und die letzte Roberta Valentini.

Fragt man Musicalfans der ganzen Welt, sind sich diese uneinig, wer nun „DIE“ Elisabeth sei.

Fragt man mich, würde ich uneingeschränkt Maya Hakvoort nennen. Ihre Stimme hat mich von der ersten Minute an gepackt und ließ mich nicht mehr los. Aber auch Roberta Valentinis Darstellung behagt mir sehr.

Sie ist vor allem konstant durchgehend eine Elisabeth, der man jede Station abnimmt. Derselbe „Streit“ entsteht bei den Rollen von Der Tod und Luigi Lucheni. Hier gibt es eigentlich auch nur 2 Antworten für mich: Paul Kribbe war und wird immer „mein“ Tod sein, danach folgt für mich persönlich Mark Seibert. Bei Luigi Lucheni tendiere ich zwischen Bruno Grassini und Kurosch Abbasi, aber auch Serkan Kaya gefiel mir außerordentlich gut. 

Aber was ist nun mit Kaiser Franz Joseph, Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Sophie, Graf Grünne, Kardinal Rauscher, Herzogin Ludovika, Néné usw. Viele von ihnen haben eine Stimme bekommen, ein paar sind nur Nebendarsteller und erscheinen wirklich nur am Rande.

Im Prinzip erstrahlt das Musical mit 3 Hauptdarstellern: Elisabeth, Der Tod, Luigi Lucheni. Der Rest ist in Nebenrollen oder winzigen Sequenzen zu sehen.

Pia Douwes, Foto: Jean-Marie Bottequin

Das Hauptlied des ersten Teils ist mit Sicherheit der Song „Ich gehör nur mir“. Hier bricht Elisabeth aus. Hier zeigt sie, dass sie nicht die Person ist, die sich einsperren, quälen, begaffen und berichtigen lässt, wie es allen anderen am Wiener Hofe passen würde. Allen voran natürlich Erzherzogin Sophie oder auch dem Kaiser, der sich weder gegen seine Frau, noch gegen seine übermächtige Mutter durchsetzen kann.

Der Text von „Ich gehör nur mir“, könnte genauso gut aus der Feder von Kaiserin Elisabeth per se stammen. Man könnte meinen, dem Schreiberduo ist dies aufs Notenblatt diktiert worden.
Egal wer dieses Lied im Stück singt – Gänsehaut ist vorprogrammiert. Dieses Lied ist das Herzstück des ersten Teiles, dass was Elisabeth ausmacht.

Aber auch Lieder wie „Milch“ (1992 noch an anderer Stelle als heute), Kaffeehaus-Szene oder „Nichts nichts gar nichts“ sind bezeichnend für den Weg von Elisabeth.

Der wütende Mob vor der Hofburg, der mit Milchkannen beinahe wie auf die Bastille zustürmt und um „Milch“ schreit, während die Kaiserin darin badet. Bezeichnend für ihren Schönheitskult „Unsre Kais’rin soll sich wiegen,
kämmen, pflegen und erfrischen“.

Was wir alle an Sisi bewundern ist ihre Schönheit, ihr ambivalenter Charakter, ihr exzessives Leben. Das Leben des Volkes aber berücksichtigen wir im Grunde unseres Herzens nicht, wenn wir die Bilder dieser strahlenden Schönheit in den Krinolinenkleidern bewundern. Das Volk hungert, friert und hat kaum das Nötigste, während Sisi in Milch badet, weil das ihrem Teint zu Gute kommt.

Wer jetzt das ungarische Krönungslied „Wenn ich tanzen will“ in der Aufzählung vermisst, wird bitter enttäuscht sein, wenn ich sage, dass dieser Song 1992 noch nicht auf der Welt war.

Uwe Kröger mit Rudolf-Darsteller, Foto: Alexander Ch. Wulz

Erst im späteren Verlauf der Geschichte kommt Kronprinz Rudolf vor. Zuerst als kleiner Junge, der verzweifelt nach seiner Mutter weint. Natürlich ist es „der Tod“ der den Kleinen tröstet, denn Rudolf hat die Melancholie seiner Mutter geerbt.

Im weiteren Verlauf wird im Duett „Wenn ich dein Spiegel wär“ klar, dass die Mutter ihren Sohn weder verstehen will, noch ihn jemals verstanden hat. Ihre Arroganz und Verbitterung gegenüber dem verzweifelnden Sohn wird mit Minute zu Minute klarer.

Bezeichnend ist es natürlich, dass der Tod in Gestalt mit einem verkleideten Todesengel der Mary Vetsera darstellt, auf Rudolf lauert. Der Schuss ist nur der Anfang von einem Ende, das schon lange vorher eingeläutet wurde.

Wenn Elisabeth weinend am Sarg ihres Sohnes, der sich durch die Bühnenkonstruktion langsam in die Erde absenkt, zusammenbricht ist meistens ein Raunen im Publikum zu hören: „Die arme Mutter…“

Die arme Mutter die mit „Rudolf, wo bist du“ ihre letzten Jahre einläutet. Depressiv, einsam, schwarz gekleidet, flieht sie vor ihrem eigenen Ich.

Pia Douwes, Viktor Gernot Foto: Alexander Ch. Wulz

Auf Cap Martin versucht ein alter, gebrochener, wehklagender, zerbrechlich wirkender Kaiser Franz Joseph seine Sisi noch einmal zur Umkehr zu bitten. Das Duett „Zwei Boote in der Nacht“ ist bezeichnend für das letzte Kapitel, für die Verbitterung Elisabeths niemals Verzeihen zu können.

Danach folgt unweigerlich Luigi Lucheni, der nach einem fürchterlichen Alptraum Kaiser Franz Josephs, wo er den Tod Elisabeths vor Augen hat, vom Tod die Feile in die Hand geworfen bekommt und losstürmt.

Bim-bim… die Schiffsglocke. Elisabeth und „der Schleier fällt“. Der Tod hat endlich seine Sisi im Arm, sie gibt sich dem hin, was sie Jahrzehntelang erträumt und sich nicht getraut hat: zu sterben…

Im Grunde ist damit die Geschichte erzählt, auch wenn ich hier natürlich Szenen ausgelassen habe, die unweigerlich dazugehören; aber ich möchte euch ja noch den Triumphzug quer durch die Welt erzählen…

Die komplette Cast der Weltpremiere am 3.9.1992 war:

Darsteller:
Kaiserin Elisabeth                  Pia Douwes
Der  Tod                            Uwe Kröger
Luigi Lucheni                       Ethan Freeman
Kaiser Franz Joseph                 Viktor Gernot
Erzherzogin Sophie                  Else Ludwig
Kronprinz Rudolf                    Andreas Bieber
Kronprinz Rudolf Kind               Markus Neubauer
Herzog Max in Bayern                Wolfgang Pamperl
Herzogin Ludovika/Frau Wolf         Christa Wettstein
Helene von Wittelsbach              Rebecca Rashid
Ludwig Graf Grünne                  Peter Faerber
Kardinal Rauscher                   Dean Welterlin
Felix Fürst zu Schwarzenberg        Harald Hofbauer
Baron Hübner                        Günther Schulz
Baron Kempen                        Eric Minsk
Gräfin Sztáray                      Nicole Sieger
Gräfin Esterhazy-Liechtenstein      Isabella Fritdum
Maximilian von Mexiko               Stanislaus Meus
Mary Vetsera                        Marion Wilmer
Junger Ungarischer Adeliger         Frank Lohmann
Graf Andrássy und Graf Bathyány     Aris Sas
Fanny Feifalik                      Gabriela Kuhn
Eine Hofdame                        Marika Lichter
Eine Gouvernante                    Ina Retzbach
Ein Professor                       Christian Hauser
Fräulein Windisch                   Jasna Ivir
Todesengel                          Michael Bernhard
                                    Steven Bernier
                                    Theresa Bomme 
                                    Daniela Colantuanto

Kreativ Team:
Regie                            Harry Kupfer
Musikalische Leitung             Caspar Richter
Choreographie/Musical Staging    Dennis Callahan
Bühnenbild                       Hans Schavernoch
Kostüme                         Reinhard Heinrich
Lichtgestaltung                  Hans Toelstede
Tongestaltung                   Erich Dorfinger

Nach dem tosenden Applaus des Premierenpublikums der Schock. Die Presse verriss das Stück, Peter Weck und alle Darsteller. In den Feuilletons der Zeitungen stand sowas wie:

„Was für ein Kaiserinnen-Schmarren“ (Presse), die weiter schrieb: „Nichts, aber auch wirklich gar nicht, haben die Autoren unternommen, um der Gefahr der Verkitschung zu entgehen.“

„Munter geht die Sissi unter“, hieß die andere Schlagzeile. „Sie sind aber auch allesamt, die Darsteller von geringem Format (Kurier).

„Was einst vom Hauch der Hohen Kunst umfächelt war, hier brettert Kupfer die gleichen Mittel, nur etwas angeschmuddelt auf die Bühne“ (Der Standard).

„Kunzes Text macht Elisabeth zum Nachtschattengewächs. Ein großer Musicalwurf ist es nicht! (Kronen Zeitung) usw.

Doch was die Kritiker nicht bedachten war das Publikum.

Elisabeth wurde wie kein zweites Musical zuvor und danach geliebt. Einzig „Tanz der Vampire“ kann denselben Erfolg verbuchen, wie Elisabeth 1992.

Aber Tanz der Vampire eröffnete erst am 4.10.1997, mit einem grandiosen Steve Barton, die Pforten.

Peter Weck erzählt:

„Das Medienecho war für die Darsteller natürlich furchtbar deprimierend. Um mein Ensemble zu trösten und zu beruhigen, allen das verdiente Lob auszusprechen, ging ich damals von Garderobe zu Garderobe und habe Künstlerinnen und Künstler aufgebaut und ihnen versichert, dass diese Kritiken nicht gegen sie, sondern einzig und allein gegen mich gerichtet seien. … Der Erfolg beim Publikum aber wog alles auf, und Elisabeth hat letztendlich bewiesen, dass ein „Kaiserinnen-Schmarrn“ kein Schmarrn sein muss.“ (5)

Maya Hakvoort Foto: Alexander Ch. Wulz

Die Saison von Elisabeth dauerte 4 Jahre und wurde bis am 25.4.1998 gespielt. Mozart löste Elisabeth im Elisabeth Jahr ab – zum 100jährigen Todestag von Kaiserin Elisabeth (10.9.1998) ertönte Mozart aus den Mikrophonen der VBW Darsteller.

Ab 1994 übernahm Maya Hakvoort die Rolle der Elisabeth und spielte diese bis zum 25.4.1998. Mit ihr gingen und kamen neue Gesichter. Uwe Kröger spielte noch eine Zeitlang, genauso wie Andi Bieber, Viktor Gernot, aber auch sie wurden durch Paul Kribbe, Thomas Harke oder Leon van Leeuwenberg mit der Zeit ersetzt und auch hier gab es später wieder einen Castwechsel.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Foto: Theater des Westens

Pia Douwes über ihre Rolle:

„Ich war zunächst platt, ich war fertig. Diese Rolle hat mich sehr mitgenommen – aber auch diese Frau. Ich erkenne mich in ihr. Ich verstehe ihre Depressivität, und wie es ist, manchmal überfordert zu sein, mit zu vielen Menschen. Ich verstehe ihre Tierliebe, Liebe zur Natur und zu Sprachen. Ich habe sie so gut verstanden, dass ich sie mit nach Haus genommen habe, und musste erst nach und nach lernen, sie im Theater zu lassen.“ (6)

Über die Rolle zum „Tod“ befragt, die er nachhaltig kreiert hatte, gab Uwe Kröger die Antwort:

„Bei der Erarbeitung der Rolle hat mir sehr geholfen, dass Harry Kupfer eine ganz präzise Vorstellung von dem hatte, was der Tod macht – vor allem in „Der letzte Tanz“. Das ist der Bruch des Surrealen – ein Geist zu sein, für den es sich seltsam anfühlt, menschlich zu sein. Man ist ein Gott des Universums, der unfassbare Gevatter Tod – und doch hat man so etwas wie menschliche Gefühle. Die Figur darf nie eindimensional werden – das war Harry Kupfer ganz wichtig.“ (7)

Ichiro Maki (Tod), Hanafusa Mari (Elisabeth) 1996, Japan, Foto: Takarazuka Revue Theater

Was danach folgte, ist legendär für dieses Stück. Es ging um die Welt.

Seit 16.2.1996 (immer wieder mit Unterbrechungen) spielt Elisabeth in Takarazuka Revue Theater in Takarazuka; also in Japan.

Ungarische Aufführung Foto: RoseDiMontague

Am 17.8.1996 folgte die Aufführung in Ungarn. Die Freilichtbühne Szeged war dabei das Ziel. Ab 6.10.1996 wurde es dann im Operettenhaus Budapest gespielt.

Die schwedische Aufführung fand am 30.9.1999 ihre Premiere. Im Musiktheater i Vármland in Karlstad wurde es dann bis zum 9.1.2000 gezeigt.

Pia Douwes in Scheveningen, Foto: Joop van den Ende Theaterproducties

Auch in Holland hielt das Stück Einzug. Genauer gesagt in Scheveningen im Circustheater wurde es ab 21.11.1999 bis 22.7.2001 gespielt. 1999 übernahm die Rolle niemand geringerer als Pia Douwes.

Am 6.6.2000 war im Imperial Garden Theater in Tokio/Japan die Premiere.

Uwe Kröger und Pia Douwes in Essen, Foto: tansytrading.weebly.com

Deutschland musste bis zu seiner Erstaufführung bis ins Jahr 2003 warten. Essen war das auserkorene Ziel.

Das Colosseum Theater lud ab 22.3.2001 bis 29.6.2003 zum Musical ein. Elisabeth und Der Tod wurden von Pia Douwes und Uwe Kröger dargestellt.

Zum 10. Jahrestag des Stückes, lud man die illustren Gäste ins Wiener Konzerthaus. Das Konzert fand am 21.10.2002 statt. Besetzung waren u.a. Pia Doues, Maya Hakvoort, Uwe Kröger, Felix Martin, Ethan Freemann, Thomas Borchert, Viktor Gernot, Else Ludwig, Andi Bieber und Wolfgang Pampel. Viktor Gernot schlüpfte zum definitiv letzten Mal in die Uniformsjacke. Er verließ bereits 1997 das Genre Musical, um ab diesem Zeitpunkt mit den Hektikern Karriere zu machen. Mittlerweile ist er ein gefeierter Comedian und Solokünstler.

Maya Hakvoort und Maté Kamarás, Foto: VBW

Ab 6.10.2003 bis 4.12.2005 kam Elisabeth wieder zurück nach Wien. Maya Hakvoort übernahm erneut die Elisabeth. Máté Kamarás wurde Der Tod und Serkan Kaya Luigi Lucheni.

André Bauer, Maté Kamarás, Maya Hakvoort, Foto: Alexander Ch. Wulz

Maya Hakvoort über die Rolle ihres Lebens: „Ich wollte so nah wie möglich an das Original herankommen. Ich wollte zeigen, wer Elisabeth wirklich war. Um das auf der Bühne glaubhaft zu vermitteln, habe ich wahnsinnig viel über sie gelesen und bin an viele Orte, an, welchen sie auch war, gereist. Ich war auf Korfu, Madeira, natürlich in Bad Ischl und Wien. Aber auch im Schloss Gödöllö in Ungarn und auch sonst bin ich viel durch Ungarn gereist, da ich wusste, wie viel Elisabeth dieses Land bedeutete.“ (8)

Maya Hakvoort vor dem Schloss Miramare in Triest, Foto: Rolf Bock

2x gastierte Elisabeth in Triest im Schloss Miramare. Vom 21.7. – 27.7.2004 und vom 31.7. – 6.8.2005. Beide Male begrüßte Maya Hakvoort ihr Publikum. Ihr zur Seite standen Thomas Borchert als Der Tod und Bruno Grassini als Luigi Lucheni.

Nach Deutschland kehrte es am 6.3.2005 zurück. Im Apollo Theater in Stuttgart gastierte es bis zum 17.9.2006. Nur einige Gastvorstellungen wurden von Pia Douwes gespielt.

Thérèse Karlsson, Tomi Metsäketo. Foto: Turun kaupunginteatteri, Robert Seger

Auch das finnische Publikum durfte sich über unsere Kaiserin Elisabeth freuen. Vom 23.9.2005 bis 30.12.2006 wurde es in Turku im Turun Kaupunginteatteri gespielt.

Die Schweizer Fangemeinde freute sich über Elisabeth in Thun bei den Thuner-Seespielen. Es gastierte vom 19.7. bis 30.8.2006 auf der wunderschönen Seebühne.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Berlin Foto: Theater des Westens

Uwe Kröger und Pia Douwes kehrten als Der Tod und Elisabeth nach Berlin auf die Bühne zurück. Vom 20.4. bis 27.9.2008 feierten sie im Theater des Westens furiose Erfolge.

Annemieke van Dam, Foto: VBW

Annemieke van Dam übernahm erstmalig die Rolle bei der großen Europatournee, die sie vom 17.10.2008 bis 25.4.2010 durch Zürich, Antwerpen, München, Frankfurt, Bremen, Bregenz und Düsseldorf führen sollte. Der Tod wurde Oliver Arno, aber auch Uwe Kröger übernahm immer wieder Gastauftritte.

Die zweite Europatournee wurde am 11.10.2011 gestartet und lief bis zum 6.5.2012. Die Städte waren: Köln, Frankfurt, München, Basel, Essen, Bremen, Chemnitz, Erfurt, Leipzig, Dresden, Triest.

Annemieke van Dam übernahm wieder die Elisabeth und Der Tod wurde niemand geringerer als Mark Seibert. Man kann sagen: Er kam – sang – und siegte. Nach Uwe Kröger sollte kein weiterer Tod diesen Hype miterleben, wie Mark Seibert. Seine weitere Karriere ist bis heute grenzenlos: Mozart, Schikaneder, Tanz der Vampire – um nur einige Stationen zu nennen.

Mark Seibert Foto: Herbert Schulze

Mark Seibert über die Rolle: „In einem Musical sind die Rollen in gewisser Weise wie ein Korsett vorgegeben. Man hat die Texte, die Songs und auch das „Staging“ – also die Form, wie ein Darsteller in der Szene agieren muss. Die technischen Abläufe sind im Musical sehr klar festgelegt, und diese Vorgaben bieten nicht sehr viel Freiraum. Doch bei der Interpretation einer Rolle wird einem immer ein gewisser Spielraum eingeräumt, innerhalb dessen man agieren und sich entfalten kann. So durfte ich die Rolle des Todes trotzdem mit meiner eigenen Note versehen und sie zu der meinen machen.“ (9)

Und wer glaubt, dass dieser Triumphzug schon alles war, irrt.

Korea Foto: SCE.PLAY.ssongbs

Selbst Korea war im Elisabeth Fieber. Vom 9.2. bis 13.5.2012, 26.7. bis 7.9.2013 und 14.9. bis 20.10.2013 wurde es an verschiedenen Theatern und Orten aufgeführt. Mit dabei Seoul, Busan, Daegu, Gwangju und Changwon.

Daniela Ziegler, Annemieke van Dam, Foto: barbara2446

Die 20jährige Jubliäumsproduktion wurde wieder in Wien – diesmal im Raimundtheater – eingeläutet. Vom 5.9.2012 bis 1.2.2014 durfte das Publikum wieder „ihre“ Elisabeth in Wien sehen. Cast war niemand anderer als Annemieke van Dam als Elisabeth, Der Tod Mark Seibert und als Luigi Lucheni war erstmals Kurosch Abbasi in Wien zu sehen. Hier gab es eine ganz besondere Erzherzogin Sophie zu hören.

Niemand geringerer als die Grand Dame des Schauspiels und Gesangs Daniela Ziegler – „die“ Norma Desmond aus Sunset Boulevard – übernahm diesen Part.

Roberta Valentini, Maximilian Mann in Shanghai/China, Foto: Liza Makepise
Plakat zum Konzert in Osaka mit Maya Hakvoort, 2012, Foto: kultur-channel.at

Aber auch Osaka/Japan durfte sich über ein 20jähriges Jubiläumskonzert freuen. Vom 15.10. bis 22.10.2012 und vom 26.10. bis 31.10.2012 gastierte es erneut in Japan. Mit dabei waren Maya Hakvoort, Máté Kamarás, Lukas Perman, Bruno Grassini, André Bauer usw. 

Als es endlich nach China kam, war der Aufschrei in der Presse riesengroß. Niemals zuvor hat es ein Stück der VBW nach China geschafft. Vom 12.12.2014 bis 11.1.2015 gastierte in Shanghai Elisabeth. Und hier treffen wir auf die vorletzt letzte Elisabeth: Roberta Valentini. „Ihr“ Tod war natürlich Mark Seibert, Luigi Lucheni Kurosch Abbasi.

Roberta Valentini Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Roberta Valentini über Elisabeth: „Sie ist eine starke, selbstbewusste und liebende Frau. Viele sagen, dass sie egoistisch sei, was sicher auch in gewisser Weise stimmt. Aber sie ist auch eine einfühlsame und liebende Frau. Diese Balance zu spielen ist schwer und gleichzeitig auch das Reizvolle daran.“ (10)

Mit dieser Besetzung ging die 3te und vorläufig letzte Europatournee los. Vom 25.2.2015 bis 14.2.2016 führte die Tournee nach Essen, München, Linz, Frankfurt und Berlin

Und wer Elisabeth jemals gesehen hat, wird wissen, dass dies nicht die letzte Aufführung gewesen sein wird.

Auch Schloss Schönbrunn führte die „konzertante“ Version von „Elisabeth“ mehrfach auf. 2019 fand das erste Mal im Ehrenhof des Schlosses die Aufführung statt, 2024 wurde es zum Letzten Mal aufgeführt.

Foto: SHOW FACTORY Entertainment

Die Rolle der Elisabeth wurde geteilt. Die „junge“ Elisabeth wurde von Abla Alaoui gespielt, die „alternde“ Kaiserin übernahmen (je nach Jahr) die Damen Maya Hakvoort und Annemieke van Dam. Bei „Ich gehör nur mir“ war der sensationelle Wechsel, der dem Zuschauer im Ehrenhof Gänsehaut Momente bescherte.

Einen eigenartigen Aufschrei gab es als Gino Emnes, der gefeierte Musicaldarsteller aus „Rocky“ (Hamburg) die Rolle des „Tod“ übernahm. Dass immer noch eine Hautfarbe abhängig von einer Schauspielleistung ist, werde ich niemals verstehen.

Foto: SHOW FACTORY Entertainment/Katharina Schiffl
André Bauer und Abla Alaoui

Die einzige Anmerkung die ich dazu geben möchte ist, wenn man schon die Rolle der Kaiserin teilt, dann sollte man auch die des Kaisers teilen. André Bauer spielt schon seit Jahren Kaiser Franz Joseph und er macht das wirklich sehr gut. Allerdings sei hinzugefügt, dass André nun ebenfalls in einem Alter ist, in welchem die „junge“ Elisabeth eher wie seine Enkelin aussieht und nicht wie seine Frau. Immerhin war Elisabeth im realen Leben nur 7 (!) Jahre jünger, als der reale Franz Joseph.

Auch wenn sich das Stück im Laufe der Zeit verändert hat, Lieder hinzugeschrieben, Szenen verschwanden oder umgeändert oder neu platziert wurden, so ist dieses Musical etwas ganz besonderes.

Auch, wenn mir persönlich nicht alle Änderungen gefallen und ich so manch Kostüm scheußlich finde – der Charakter ist geblieben. Aber 1992, ja 1992 war etwas ganz besonderes. Und wer dabei war, wird jetzt ein kleines Lächeln auf den Lippen haben… 

Zum Schluss möchte ich noch Sylvester Levay zu Wort kommen lassen, der sicherlich am meisten geprägt wurde. Seine Frau Monika Levay ist eine anerkannte Expertin und Sammlerin. Ihre Original Exponate waren schon oftmals in mehreren Ausstellungen zu sehen; oft wird sie zu Expertisen rund um Kaiserin Elisabeth herangezogen. Sylvester Levay kann Kaiserin Elisabeth gar nicht entfliehen – immerhin bewohnt er einen Teil im Schloss Schönbrunn und hat sie somit täglich vor Augen.

„Wir wollten kein Musical, wie es auch wunderbare Stücke am Broadway gibt, schreiben, in denen Lieder von kurzen Texten, in denen die Geschichte erzählt wird, unterteilt werden. Bei uns sollten nur die wichtigsten, kurze Sätze in der Stille wirken, sonst wollten wir immer eine Untermalung, damit die emotioniale Bedeutung und Tiefe der gesprochen Worte durch die Musik noch besser vermittelt wird.“ (11)

Sylvester Levay Foto:  ooe.orf.at

Und das können wir so stehen lassen…

Bleibt nur noch eines, was es zu sagen gibt:

Wir Zuseher müssen auch mal DANKE sagen:

DANKE LIEBER MICHAEL KUNZE, SYLVESTER LEVAY, PETER WECK, HARRY KUPFER, PIA DOUWES, UWE KRÖGER, ETHAN FREEMANN, MAYA HAKVOORT, MÁTÉ KAMARÁS, ROBERTA VALENTINI, MARK SEIBERT UND ALLE ANDEREN

(WER NICHT AUFGEZÄHLT WURDE, SOLL SICH BITTE NICHT BENACHTEILIGT FÜHLEN).


Danke für die wunderbaren Theaterstunden. Wir freuen uns bis zur nächsten Aufführung, wenn es wieder heißt:

Alle tanzten mit dem Tod,
doch niemand wie …

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Petra Schimbäck


Rechtliche Hinweise: 

Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Bildrechte: ooe.orf.at, La Belle/Juliane Bischoff, Liza Makepise, barbara2446, SCE.PLAY.ssongbs, VBW, Thuner Festspiele, Theater des Westens, Robert Seger, Rolf Bock, Alexander Ch. Wulz, tansytrading.weebly.com, tansytrading.weebly.com, Joop van den Ende Theaterproductions, Jean-Marie Bottequin, Amazon.de, angelofthemusical, APA (Privat), lewin-management.de, Takarazuka Revue Theater, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise: 

1 – S 299/300, 5 – S 303
Peter Weck
War’s das?
Amalthea 2010, 1. Auflage

2 – S 4, 3 – S 10, 4 – S 35, 6 – S 21, 7 – 27, 8- 99, 9 – S 171, 11 – S 8
Blickpunkt Musical
Elisabeth

10 – S 7
Blickpunkt Musical
Elisabeth – Shanghai & Europa Tournee 2015/16

Peter Back-Vega
Theater an der Wien: 40 Jahre Musical
Amalthea Verlag, Wien 2008

Attila E Láng
200 Jahre Theater an der Wien
Holzhausen Verlag, 2001