Nora Fürstin von Fugger

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Nora von Fugger

Eleonora Aloysia Maria Prinzessin zu Hohenlohe-Bartenstein und Jagstberg, bekannt als Nora Fürstin von Fugger wurde am 4.10.1864 in Bartenstein geboren. 

Ihr Vater war Karl Ludwig Fürst Hohenlohe-Bartenstein. Ihre Mutter Rosa Karoline Gräfin von Sternberg. 

Eleonora wurde in der Familie immer schon „Nora“ genannt und wuchs schon als Baby mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern bei ihren Großeltern in Böhmen auf, da ihr Vater unheilbar an „Schwermut“ erkrankt war. 

Ihr Großvater besaß in Prag ein prachtvolles Haus, mehrere Schlösser und Landschlösser und gehörte zur Hocharistokratie des Landes. 

Nora erhielt selbstverständlich Privatunterricht und war bei den Jagdgesellschaften zugegen, um zu lernen, wie man sich in der Hocharistokratie bewegte und benahm. Diese Zeit prägte sie sehr. 

Ihr Großvater starb am 18.7.1874, weshalb ihre Mutter die Wintermonate von nun an in Wien verbrachte, wo auch Rosas engste Freundin Pauline von Metternich lebte und in der Wiener Gesellschaft den Ton angab. Das gefiel der jungen Nora sehr. Die Sommermonate verbrachte die Familie auf dem Schloss in Weiß Politschan, welches ihr Großvater kurz vor seinem Tod noch extra für seine Tochter Rosa kaufte. 

Am 4.10.1881 wurde die 17jährige Nora für Volljährig erklärt und am 22.2.1882 am Hofball bei Hofe eingeführt. Dort wurde sie Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph vorgestellt. 

Etwa zur selben Zeit begann sie mit ihrer Autobiographie, welche pointiert und den Hof entsprechend beobachtend geschrieben wurde. Teilweise natürlich auch boshaft und aus dem eigenen Blickwinkel heraus, weshalb es manchmal zu hinterfragen ist. Vor allem das Kapitel über Mayerling. 

Am 8.1.1887 ehelichte sie Karl Georg Fürst Fugger von Babbenhausen (leider gibt es kein Foto von ihm), welcher ein Kammerherr von Kaiser Franz Joseph war. Das Paar lernte sich 1884 bei einem Hofball kennen. Cary, wie der Gardeoffizier genannt wurde, war nicht nur ihr Cousin 1. Grades, sondern auch sofort Feuer und Flamme ob der Schönen. Beinahe aber wäre es zu keiner Verlobung gekommen, als sich Cary 1885 kurzfristig am Ball bei den Vetseras in die kaum 16jährige Mary verschaut hatte, die ihm offensichtlich den Hof machte. Nora nannte sie in ihrem Buch „Nixe“. 

Doch Cary besann sich wo er hingehörte, das Paar versöhnte sich und so konnte die Verlobung und ein Jahr darauf die Hochzeit gefeiert werden. Der Ehe folgten insgesamt 6 Kinder. 

Das zweite Kind war Sohn Georg Constantin, welche am 24.7.1889 in Klagenfurt geboren wurde. Vor den Toren des Schlosses Babenhauses wurden Kanonenschüsse abgefeuert, um den Stammhalter der Fugger-Familie zu begrüßen. Der Schwiegervater war überglücklich, da das erstgeborene Kind des Paares „nur“ ein Mädchen war. Ein paar Tage später eilte zur Taufe sogar der damalige Obersthofmeister Seiner Majestät Konstantin Prinz zu Hohenlohe, um die Patenschaft zu übernehmen. Somit galt Kaiser Franz Joseph als Taufpate des zukünftigen Fürsten Georg Constantin von Fugger. 

In vielen historischen Büchern wird erwähnt, dass Nora in die Geheimnisse von Mayerling eingeweiht wurde. Liest man sich aber das Kapitel durch, findet man Bezeichnungen wie „Ich habe gehört…“, „Ich habe es von … gehört, weil…“, „Mir wurde berichtet…, weil der gesehen hat, als es…., aber mit eigenhändigen Augen habe ich es auch nicht gesehen…“, „Es wurde mir von …. verraten….“ usw. 

Das Paar von Fugger weilte während der Tragödie in der Garnisonstadt Ödenburg, also weit weg von Wien und Mayerling (ca. 70 km außerhalb). Nora erfuhr vom Selbstmord des Kronprinzen und Mary Vetsera am 31.1.1889 von ihrem Mann, der die Zeitung aufschlug. 

Einer ihrer engsten Freunde wurde Erzherzog Franz Ferdinand, welchen sie auf einem der Hofbälle kennenlernte. Er wurde nicht nur ein Vertrauter, sondern auch ein Brieffreund, den sie während seiner schweren Lungenkrankheit auf seiner Reise immer wieder aufheitertete oder es zumindest versuchte. 

Ebenfalls eine Intima war Katharina Schratt, welche ganz in ihrer Nähe wohnte. In den späten 1890er Jahren zog die von Fugger Familie in eine Villa Nahe Hietzing, weshalb auch der Kaiser mitsamt Schratt des Öfteren bei Nora zu Besuch war.

1906 starb ihr Schwiegervater und die Familie zog auf ihren Stammsitz auf Schloss Babenhausen. Als der 1. Weltkrieg ausbrach, war überall die Not auch auf Schloss Babenhausen zu spüren und die Familie musste einige Schicksalsschläge hinnehmen. Sohn Georg Constantin zog für die Deutsche Armee in den Krieg und wurde Flieger, überlebte aber und kam mit 8 Orden nach Hause (starb aber 1934). Die jüngste Tochter Helena, welche am 21.6.1908 geboren wurde, starb mit 6,5 Jahren im Winter 1915 an einer undefinierten Krankheit. Nora ging in ihrem Buch nicht näher darauf ein. 

Als Kaiser Franz Joseph starb, fuhr die Familie nach Wien, um Abschied von ihrem Freund und Vertrauten zu nehmen. Nora war traurig, dass es keinen offenen Sarg gab. Tausende Menschen säumten die Straßen. Mit ihm begrub sie jene Zeit, die sie einst so geliebt hatte. Die glamourösen Hofbälle, die durchtanzten Nächte, die Gespräche mit Kaiserin Elisabeth, die glanzvollen, im Kerzenschein erhellten Spiegelsäle. 

Am 15.3.1918 starb ihre geliebte Mutter an einem Schlaganfall, nach dem sie 2 Jahre bereits ein Pflegefall war. Als das Adelsaufhebungsgesetz in Kraft trat, blieb die Familie in Österreich und verzichtete auf die Wörter „Fürst“ und „von“. Sie wurden zur Familie „Fugger“. Cary starb schließlich am 5.7.1925 in Klagenfurt. Nora verließ und zog nach Wien zurück, um die letzten 20 Jahre als Witwe in jener Stadt zu verbringen, die sei einst so geliebt hatte. Doch der 2te Weltkrieg verlangte ihr noch einmal alles ab; das Ende erlebte sie nicht mehr. 

Nora Fürstin von Fugger starb am 1.3.1945 80jährig in Wien. Sie ruht in der Fugger-Familiengruft auf Schloss Babenhausen. 

Fugger wird vor allem in Augsburg ein Begriff sein. Das Fugger-Imperium besteht seit dem Mittelalter und ist bis heute – wie die Familie Habsburg – (über)lebend.

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck 
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Literatur Hinweis:

Nora Fugger
Im Glanz der Kaiserzeit
Amalthea, Wien 1989

Helene von Vetsera

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Helene von Vetsera

Helene Baronin von Vetsera, geb. Baltazzi wurde am 29.5.1847 in Marseille geboren. 

Ihr Vater war Theodore Baltazzi. Ihre Mutter Elizabeth Sarell. 

Sie kam aus einer Bankiersfamilie und wuchs in Konstantinopel auf. Sie galt als unermesslich reich und unglaublich schön. 

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Helene und Albin Vetsera

Dieser Reichtum und ihre Schönheit zog auch den österreichischen Diplomaten Albin Ritter von Vetsera an, der bei Hof um die Hand der jungen Helene bat und gleich mitteilte, dass diese aus reichem Hause kam. 

Die Hochzeit wurde erlaubt und so ehelichte am 2.4.1864 in Konstantinopel die 16jährige den um 20 Jahre älteren Albin und zog mit ihm nach Wien. 

Durch ihre Mitgift konnte sich das Paar ein Palais anmieten. Das Paar bekam 4 Kinder, wovon der erstgeborene Ladislaus (1865; Bericht folgt) und die drittgeborene Mary (1871) in die Weltgeschichte eingehen sollten. 

Helene hatte in Wien nur ein einziges Ziel: Sie wollte in der Hocharistokratie aufgenommen werden. Dazu war ihr jedes Mittel Recht. 

Da sie nicht adelig geboren war und ihr Mann erst 1870 den Titel eines Freiherrstandes erhielt, war dies ihre einzige Beschäftigung.

Um ihr Ziel zu erreichen, ließ sie sich auf zahlreiche Affären ein, u.a. mit Erzherzog Wilhelm. Obwohl die Adelswelt ihre Soireen stürmten (das Geld zog schließlich diese Herrschaften an), so rümpften sie über Helene dennoch ihre feinen Nasen. 

Ihre Brüder hatten es da etwas einfacher. Vor allem Alexander und Hector waren bald die Lieblinge der Frauen und der Reitgesellschaft, so gehörten diese zu den Reitfreunden von Kaiserin Elisabeth. Helene erhoffte sich über Alexander und Hector Zugang zu den höchsten Kreisen. 

Am 8.12.1881 ereilte sie der erste große Schicksalsschlag. Ihr 16jähriger Sohn Ladislaus kehrte nach dem Theaterbesuch nicht mehr zurück. Er war einer der zahlreichen Toten beim Ringtheaterbrand. 

Am 17.11.1887 starb ihr Ehemann Albin in Kairo. 

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Mary Vetsera

Ihr Bruder Alexander Baltazzi (Reitbegleiter und -freund von Elisabeth) wurde das Familienoberhaupt und Vormund der Kinder. 

Um ihr Ziel zu erreichen, machte sich Helene sogar an den 18jährigen Kronprinz Rudolf heran, den sie auf Schritt und Tritt verfolgte und bei jedem Ausritt auftauchte. 

Immer wieder taucht in der Literatur auf, dass Kaiser Franz Joseph mit Helene von Vetsera eine Affäre gehabt haben soll. Doch das konnte ich durch zahlreiche Nachforschungen widerlegen. 

Die Affäre soll, laut Historikern und heischenden Gazetten 1850 stattgefunden haben. 

Kaiser Franz Joseph war zu diesem Zeitpunkt 20 Jahre alt, Helene allerdings 3 (!) Jahre alt! 

Wie dies also jemals stattgefunden haben könnte (noch dazu wuchs Helene in Konstantinopel auf), ist genauso ein haushoher Schwachsinn, wie das Mary Vetsera eine uneheliche Tochter von Kaiser Franz Joseph war. 

Auch die angebliche Affäre zu dem 14jährigen Rudolf ist allenfalls eine Mär, allerdings lauerte Helene dem blutjungen Kronprinzen einmal auf und überreichte ihm ein Geschenk. 

Als er mit diesem nach Hause kam, echauffierte sich Kaiser Franz Joseph über diese impertinente Person lautstark und verbat dem gesamten Haus jeglichen Kontakt. Leider sollte es anders kommen. 

Ebenso absurd, ist immer wieder die seltsame Verschwörungstheorie, dass Kronprinz Rudolf der Vater von Mary und sich „das Vater-Tochter-Liebespaar“ deswegen töten musste. 

Ich frage mich wirklich, wie und warum man auf solche Geschichten kommt, ohne einmal Daten und Fakten zu überprüfen. 

Zurück zu den Fakten:

Mary kam am 19.3.1871 zur Welt, die nachgesagte Affäre soll aber mit dem 18jährigen Rudolf stattgefunden haben. 

Demnach 1876. 

Wie er also dann bereits 1870 das Kind gezeugt haben möchte, dürfen mir besagte Historiker gerne erklären. 

Kronprinz Rudolf war damals 12 Jahre alt und wurde – nach den Schriften seines Lehrers – erst mit 15 durch Fischzucht (!) aufgeklärt. 

Mit 18 wurde er den „hygienischen Damen“ am Wiener Hof zugeführt. 

Als ihre Kinder, vor allem ihr Lieblingskind Mary, in jenem Alter war, um bei Hofe eingeführt zu werden, wurde ihr allerdings von Kaiser Franz Joseph persönlich der Zutritt verwehrt. 

Da ihr Bruder Heinrich Baltazzi eine Affäre mit Marie Gräfin von Larisch hatte – diese war wiederum die Lieblingsnichte von Kaiserin Elisabeth – führten beide auf großem Wunsch von Mary Kronprinz Rudolf zu. 

Die Tragödie nahm seinen Lauf. Als Helene jedoch hinter das Verhältnis ihrer Tochter kam, zog sie einen Schlussstrich und ging mit ihr auf eine ausgedehnte Englandreise, um ihr die Flausen auszutreiben. 

Doch zu spät. Mary war unsterblich in Rudolf verliebt und nahm nach der Reise sofort wieder Kontakt auf. 

Das Unglück nahm seinen Lauf. 

Nach dem Todesdrama verständigte Kaiserin Elisabeth persönlich Helene. Die beiden unterhielten sich privat. 

Bisher wurde in beinahe jedem – vor allem neueren – Mayerling-Buch behauptet, dass Helene erst nach Wochen zum Grab ihrer Tochter durfte. 

Das ist nicht korrekt. 

Ich habe herausgefunden, dass Helene sofort nach Heiligenkreuz fuhr, um das Grab zu besuchen. Täglich legte sie Kamelien auf dieses. Obwohl Ministerpräsident Graf von Taaffe sie eindringlich bat, dies aufgrund der Belagerung der Journalisten, Fotografen, Kripo und tausenden Schaulustiger zu unterlassen, gehorchte sie nicht! 

Polizeikommissär Kraus bespitzelte Freiherrin von Vetsera und berichtete täglich an Graf Taaffe. 

=> die Berichte liegen mir mittlerweile vor, ich bitte um Geduld, bis ich all meine Forschungsergebnisse zusammengetragen habe und veröffentliche. 

Da Mary nur in einem einfachen Holzsarg auf die schnelle am 1.2.1889 begraben wurde (der gesamte Bericht darüber liegt mir zwischenzeitlich vor), gab sie einen ordentlichen Sarg und ein richtiges Grab in Auftrag. 

Ein gesamter Rundgang durch das Karmel Mayerling findet ihr in diesem Video:

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Daraufhin wurde ihre Tochter exhumiert, umgebettet und wieder in ihr Grab gelegt. 

Doch nach Mayerling war das öffentliche Leben der Familie Vetsera komplett vorbei. 

Sie wurde von Allen gemieden und verachtet. Obwohl sie immer beteuerte, dass nur einzig allein Marie von Larisch der Drahtzieher der Affäre zwischen Mary und Kronprinz Rudolf gewesen sei, wollte Kaiser Franz Joseph von diesem Gerede nichts (mehr) hören und stieß sie endgültig aus der Gesellschaft aus. 

All (!) ihre Kinder starben vor ihr. Ladislaus und Mary, wie im Bericht erwähnt. Tochter Hanna an Tuberkulose und Sohn Franz „Feri“ an der Ostfront im Ersten Weltkrieg. Sie wurde ein sehr einsamer Mensch, der sich nach und nach völlig isoliert in ihr Palais zurückzog. 

Marys Grab in Heiligenkreuz – in diesem Video findet ihr alle Informationen:

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Als der Erste Weltkrieg ausbrach verlor Helene durch die Inflation ihr gesamtes Vermögen und ihr gemietetes Palais. 

Helene Baronin von Vetsera starb 78jährig am 1.2.1925 völlig verarmt in Wien. Sie ruht im Grab ihres Sohnes Franz, am Friedhof in Payerbach, Niederösterreich. 

Petra Schimbäck


Info nebenbei: 

Im Grunde ist es erschreckend, wie nahe die Todestage von Mizzi, Mary, Kronprinz Rudolf und Helene beieinander liegen. 

Wer an Mythologie glaubt, kann hier wahrscheinlich einen Zusammenhang erkennen. Da Mizzi und Helene an natürlichen Tode gestorben sind, ist es umso erstaunlicher. 


Text + Recherchen: Petra Schimbäck 
Bildnachweise: Wikimedia/Commons, gw.geneanet.org
Videonachweise: Petra Schimbäck
Ich danke dem Karmel Mayerling, für die Foto- und Videoerlaubnis!


Literatur Hinweise:

Heinrich Baltazzi-Scharschmid, Hermann Swistun
Die Familien Baltazzi-Vetsera im kaiserlichen Wien
Böhlau, 1980

Brigitte Sokop
Jene Gräfin Larisch
Marie Louise Gräfin Larisch-Wallersee, Vertraute der Kaiserin – Verfemte nach Mayerling
Böhlau, 1980

Hermann Swistun
Mary Vetsera. Gefährtin für den Tod
Ueberreuter, 1999

Johann Joseph Graf Radetzky

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Johann Joseph Graf Radetzky

Johann Joseph Wenzel Anton Franz Karl Graf Radetzky von Radetz wurde am 2.11.1766 auf Schloss Trebnitz in Böhmen geboren. 

Sein Vater war Peter Eusebius II Graf Radetzky von Radetz. Seine Mutter war Maria Venantia Freiherrin Bechyne von Lazan. 

Joseph verlor sehr früh seine Eltern, weshalb er zur Vollwaise wurde und in die Obhut seines Onkels kam. Dieser ließ ihn bei den Piaristen einschulen, später folgte das Theresianum in Wien. Nach der Matura studierte er Rechtswissenschaften. 

1784 trat er als Kadett in die k.u.k. Armee ein, wo er sehr schnell Karriere machte. Zahlreiche Schlachten folgten, viele davon siegreich. Er diente unter dem Stab von Fürst Schwarzenberg und organisierte das österreichische Heer vollkommen um. 

Am 5.4.1798 ehelichte er Franziska Gräfin Strassoldo-Graffenberg und bekam mit ihr 5 Söhne und 3 Töchter. Nur ein Sohn und eine Tochter sollten den Vater überleben. 

Zeit seines Lebens war Radetzky verschuldet, da seine Frau sehr verschwendungssüchtig war. 

Am 17.12.1856 – 90jährig (!) – suchte er bei Kaiser Franz Joseph um seine Pensionierung an. Der Wortlaut lautete:

„„Euer Majestaet, die Gesetze der Natur zwingen mich nach 72 Dienstjahren und 90 Lebensjahren Euer Majestaet um die Allergnaedigste Enthebung von meinem Dienstposten Allerunterthänigst zu bitten. Geruhen Euer Majestaet mir diese Enthebung mit jener Allerhöchsten Huld und Gnade zu gewähren, mit welcher Allerhöchst dieselben mich schon so vielfach überschütteten und gestatten mir Euer Majestaet bei diesem Anlaße Allerhöchst Der Huld und kaiserliches Wohlwollen […] Mein Greisen Alter hat zwar meine Thätigkeit gelähmt, aber bis zum letzten Athem zuge werde ich des Allmächtigen Segen für das erhabene Hauß und den herrlichen Thron Meines geliebten Monarchen erflehen, der ich in tiefster Demut ersterbe.“ (1)

Am 28.2.1857 genehmigte Kaiser Franz Joseph den Ruhestand. Radetzky diente unter 5 Kaiser und er- und überlebte 17 Feldzüge. Er brachte es bis zum Feldmarschall und gilt als der bedeutendste Heerführer des 19. Jahrhunderts.

Johann Strauß Vater komponierte 1848 ihm zu Ehren den berühmten Radetzkymarsch. Er ist heute noch das Highlight und gleichzeitig der Abschluss eines jeden Neujahrskonzerts. 

Joseph Graf von Radetzky starb am 5.1.1858 92jährig an einer Lungenentzündung in Mailand. Er ruht am Heldenberg. 

Nach der Überführung des Leichnams, wurde dieser im Arsenal aufgebahrt und unter Anführung des jungen Kaiser Franz Josephs im Wiener Stephandsdom eingesegnet. 

Kaiser Franz Joseph wollte ihn in der Kapuzinergruft zu Grabe tragen. Doch Radetzky überließ dies seinem guten Freund Joseph Gottfried Pargfrieder, der ihm jahrzehntelang die Schulden tilgte und so verfügte dieser, dass er auf dem neu gegründeten Heldenberg beerdigt werden sollte. Joseph Graf von Radetzky ruht direkt unter dem Obelisken. 

Johann Strauß (Vater) hat 1848 zu Ehren des großen Feldherren den „Radetzky-Marsch“ komponiert, welcher am 31.8.1848 im Wasserglacis uraufgeführt wurde. Der Kurpavillon steht heute noch im „Stadtpark von Wien“, welcher im 18. Jahrhundert zur Erholung für die Bürger gebaut wurde. 

Der Marsch ist weltweit durch das jährliche „Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker“ bekannt. 

Otto Treßler spielte Radetzky im berühtem Sissi-Film. Erzherzogin Maria Josepha, Ehefrau von Erzherzog „Bolla“ war jahrelang mit Otto liiert und wollte sogar die Scheidung, als plötzlich alles anders kam und ihr Sohn Karl Thronfolger wurde. 

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Bildnachweise: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise:

1
HGM, Wien/Graz 1960, S. 51
Handschriftlicher Brief 

Ernst Molden 
Radetzky. Nach Briefen, Berichten und autobiographischen Skizzen  Insel-Verlag, Leipzig 1916

Oskar Regele
Feldmarschall Radetzky. Leben, Leistung, Erbe 
Herold, Wien/München 1957

Manfried Rauchensteiner
Radetzky, Josef Wenzel Graf
Neue Deutsche Biographie
Duncker & Humblot, Band 21

Johann Graf Mailath von Székhely

Foto: oocities.org
Johann Graf Mailath von Székhely

Johann Graf Mailath von Székhely, bekannt als Geschichtsprofessor von Herzogin Elisabeth in Bayern, wurde am 3.10.1786 in Pest geboren. 

Johann war eines von 18 Kindern, welche sein Vater Janos mit 2 Ehefrauen zeugte. 

Schon schnell war klar, dass der kleine Johann eine Beamtenlaufbahn einzuschlagen hatte. Er wurde deshalb am Erzbischöflichen Lyzeum von Erlau unterrichtet. Er studierte danach Philosophie und Jura an der Rechtsakademie in Raab. 

1808 übersiedelte er nach Wien und trat als Konzipist in die Hofkanzlei in Wien ein, wo er 1812 zum Sekretär wurde. 

In dieser Zeit lernte er Gräfin Anna Revay kennen und heiratete sie. 1811 wurde Tochter Henriette, 1815 Sohn Kálmán geboren. 

Ein schweres Augenleiden verhinderte eine große Beamtenlaufbahn. Graf Mailath versuchte sich als freier Schriftsteller, was aber misslang. 

Als Graf von Székhely war er zwar adelig, hatte aber bei 17 Geschwistern keine Güter mehr zu erwarten. Er verarmte daher fast, da ihm auch seine Arbeit als Schriftsteller nicht genügend einbrachte. 

Seine Gedichte, Sagen und Märchen waren nicht mit großem Erfolg gesegnet. Ab 1842 beschäftigte er sich mit Randthemen der Wissenschaft und der Kunst, was allerdings als Dilettantismus angesehen werden muss. Ab 1851 etablierte er sich allerdings als Autor und Vermittler historischer ungarischer Literatur, welche er übersetzte. 

Graf Mailath galt als überaus intelligent und dürfte ein fotografisches Gedächtnis gehabt haben: er rezitierte Gedichte, die er nur ein einziges Mal gehört hatte verkehrt herum. Er begann demnach mit der letzten Zeile und endete mit der Ersten. Auch Würfelspiele, mit locker 200 Würfelfolgen, konnte er der Reihe nach aufsagen, ohne einen Fehler zu machen. 

Er galt als eloquenter Erzähler und war in der Gesellschaft gerne gesehen, obwohl er kein Geld vorweisen konnte. Graf Mailath verfolgte die „österreichische Gesamtstaatsidee“. Er hielt den Adel und die Kaiserzeit für veraltet. Er schrieb Artikel für die Zeitschrift „Iris“, in welcher auch (erstmals) Adalbert Stifter und Franz Grillparzer veröffentlichten. 

1848 übersiedelte er nach München, wo er auf eine bessere Verdienstmöglichkeit hoffte. Er wurde in die Gelehrtenkreise aufgenommen und war viel- und gerngesehener Gast. 

Sein ganzes Bestreben und sein ganzes Handeln wurde von der Liebe zur Tochter Henriette bestimmt. Sie formte er. Sie schrieb seine Schriften nieder und er widmete ihr jedes Werk. Henriette war von blinder Ergebenheit an ihren Vater gebunden. 

1853/54 wurde Professor Mailath an den herzöglichen Hof gerufen. Er sollte die Verlobte von Kaiser Franz Joseph, Herzogin Elisabeth in Bayern, in ungarischer und österreichischer Geschichte unterrichten. 

Dabei prägte Graf Mailath Elisabeth so sehr, dass sie später immer wieder ihren Professor aus der Verlobungszeit zitierte und die Gesellschaft mit Aussagen, dass der Adel veraltet sei in höchsten Schrecken versetzte. 

Nach der Anstellung am herzöglichen Hofe, verarmte Professor Mailath komplett. Fast 70jährig und mittlerweile fast erblindet, sah er keinen anderen Ausweg mehr. Seine Tochter, aus Liebe und Hingabe zum Vater, wollte nicht alleine zurückbleiben. 

Am 3.1.1855 fuhren die beiden von München an den Starnberger See, nicht unweit vom Schloss Possenhofen, füllten ihre dürftigen Kleider mit Steine, banden sich ein großes Tuch um die Hände und ertränkten sich gemeinsam – 69jährig und 44jährig – im See. 

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck 
Bildrechte: oocities.org


Literatur Hinweise:

Constantin von Wurzbach 
Majláth, Johann Graf
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
16. Theil.
kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1867, S. 300–305

Hofdame Marie Gräfin von Festetics

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Marie Gräfin von Festetics

Sie war eine der intimsten und engsten Vertrauten von Kaiserin Elisabeth:

Hofdame Marie Gräfin von Festetics


Mária Theresia Festetics, Gräfin von Tolna wurde am 20.10.1839 in Tolna, Ungarn geboren. Ihre Eltern waren Sándor Vilibald Teodor Festetics, Graf von Tolna (*14.1.1805, †26.4.1877) und Maria Josefa Walburga Adelheid Baronin von Boxberg (*7.5.1810, †8.2.1892). Sie war das 8te Kind, von insgesamt 10 Kindern.

Das Adelsgeschlecht hatte eine lange Tradition und eine sehr große Geschichte. Leider starb der Zweig von Marie Festetics mit ihrer Nichte Elisabeth 1909 aus. Die Kleine wurde kein Jahr alt.

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Antal Festetics

Ein Großneffe von Marie ist der bekannte Wildbiologe und ORF Star Antal Festetics (*12.6.1937).

Maria (genannt Marie) ist die ersten Jahre in Tolna aufgewachsen. Die Familie lebte gerne nach ihrem „Titel“, allerdings hatte sie kaum Ahnung von Geldangelegenheiten, weshalb das Gut in Tolna aufgegeben werden musste. Sie zogen mit den Kindern nach Söjtör.

Marie wuchs sehr liebevoll auf und hatte Zeit ihres Lebens ein enges Verhältnis zu ihren Eltern und Geschwistern. Die Familie wurde von vielen Schicksalsschlägen getroffen. Als Mutter Josefa am 8.2.1892 starb,

lebte von ihren 10 Kindern nur noch Marie Festetics, welche durch ihre Verpflichtung bei Hof weder heiraten, noch Kinder bekommen durfte.

Marie bekam Privatunterricht und wurde früh in ungarisch, deutsch, englisch und französisch unterrichtet. Weiters lernte sie Handarbeit, Klavier und Gesang. Sie war außerordentlich wissbegierig, las Zeitungen und Bücher, war an Geschichte interessiert, ging gerne ins Theater, Konzerte und in diverse Ausstellungen in Museen. 

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Ferenc Deák, Lithographie Josef Kriehuber 1830

Zu den engsten Freunden der Familie zählten Ferenc Deák (*17.10.1803, †28.1.1876) und später Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890), die sie beide sehr prägten. Sowohl Deák als auch Gyula Andrássy nahmen später eine große und wichtige Rolle im Kaiserhaus, sowie in Kaiserin Elisabeths Leben ein.

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Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszua-Horka

Graf Andrássy hatte in Maries Leben einen großen Stellenwert. Er war es, der Marie Kaiserin Elisabeth als Hofdame vorschlug. Schon alleine deswegen, weil er eine Verbündete im Kaiserhaus haben wollte und er von der Loyalität Maries überzeugt war.

Marie übernahm die Stelle von Maria Helene Sophie von Thurn und Taxis (*16.5.1836, †13.11.1901), welche am 15.5.1871 Wolfgang Kinsky von Wchnitz und Tettau (*19.7.1836, †14.12.1885) heiratete und somit aus dem Hofdienst ausschied. 

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Erzherzogin Klothilde von Sachsen-Coburg

Die erste Aufzeichnung die man über die Bestellung zur Hofdame am Wiener Hof zu Kaiserin Elisabeth findet, ist vom 3.7.1871. An diesem Tag erfuhr Marie, dass Kaiserin Elisabeth Prinzessin Maria Dorothea Amalie von Österreich (*14.6.1867 Alcsút, †6.4.1934 Alscút) bat, Marie freizugeben, da sie eine neue Hofdame brauchen würde.

Amalie war die Tochter von Erzherzogin Marie Adelheid Amalie Clothilde von Sachsen-Coburg (*8.7.1849 Neuilly-sur-Seine, †3.6.1927 Alcsút).

Marie wurde Angst und Bang, denn ihr gefiel das sehr ruhige Leben bei ihrer Herrin Erzherzogin Klothilde.

Graf Andrássy jedoch besuchte am 4.7.1871 Marie und bat sie eindringlich Kaiserin Elisabeth nicht im Stich zu lassen. Am 21.8.1871 wurde Marie Festetics bei Kaiserin Elisabeth anstellig, bis sie ihren Dienst aufnahm, verging aber noch eine ganze Weile, da sich Kaiserin Elisabeth in Meran aufhielt.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Gräfin von Festetics

Am 21.12.1871 wurde sie also schließlich persönlich bei Kaiserin Elisabeth vorstellig.

Sie notierte:

Die Kaiserin stand in einem blauen Kleid in der Mitte des Zimmers, eine große Dogge neben ihr. Die Kaiserin lächelte, der Hund kam auf mich zu, beschnupperte mich und wedelte er mit dem Schweife. … Sie reichte mir freundlich die Hand und sagte:

Ihnen tut es leid um die Erzherzogin, nicht wahr? Ich weiß, Sie wollten nicht zu mir kommen. Das ist nicht besonders schmeichelhaft für mich, aber natürlich, weil ich höre, daß die Familie Sie sehr lieb gewonnen hat“. ……

Danach kam sie auf Andrássy zu sprechen. „Andrássy sagte mir, daß Sie ehrlich und wahrhaft sind. Bitte verhalten Sie sich mir gegenüber auch so. Wenn Sie etwas sagen wollen, tun Sie das direkt. Wenn Sie etwas wissen wollen, fragen Sie mich, niemals jemand anderen. Wenn über mich schlecht geredet wird, das ist eine Gewohnheit im Hause, dann glauben Sie es nicht. Freunden Sie sich vorerst mit niemanden an, Sie können Ida vollkommen vertrauen. Duzen Sie sie aber nicht. Sie ist keine Hofdame und ich will nicht, daß sie mit den Damen intim wird.

Vielleicht thun sie es nur aus Neugier, aber mit Ihnen ist es anders. Durch Andrássy kenn ich Ihren Charakter. Am 27. fahren wir ab, ich nehme Sie mit. Bis dahin können Sie bei Ihrer Erzherzogin bleiben.“ (1)

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Marie Festetics und Ida Ferenczy

Ab diesem Zeitpunkt beginnt das Tagebuch, dass seit 2014 veröffentlicht ist.

Marie Festetics war eine ausgezeichnete Beobachterin und durch ihr Tagebuch bekommt man einen sehr guten Einblick in das Kaiserhaus und in das Leben von Kaiserin Elisabeth.

Aber nicht nur in das der Kaiserin, sondern auch das gesamte Umfeld wird beschrieben. 

Schon bald war Marie von ihrer Majestät begeistert. Sie schrieb am 17.1.1872 in ihr Tagebuch:

„Es war ein Hofball. Der Kaiser war auch dort. Er sieht mich recht freundlich an, grüßt mich so flüchtig, und nie habe ich noch ein freundliches Wort von ihm gehört. Sie war so schön, daß ich das Gefühl hatte, eine Fee stünde vor mir. Als ich wieder hinaus kam, fragten mich die Suiten, was die Kaiserin an hätte? Ich wußte es nicht, so sehr hat mich das, was über Ihr war, das Hoheitsvolle, Liebliche, Feenhafte, der Ausdruck der verkörperten Majestät, gefangen genommen.“ (2)

Einzig mit Mary Throckmorton, genannt Minny (*1832, †11.12.1919) verstand sie sich überhaupt nicht.

Minny war eine gefürchtete Intrigantin und gleichzeitig das Kindermädchen von Marie Valérie.

Foto: National Gallery London
Mary „Minny“ Throckmorton

So sehr Elisabeth Klatsch und Tratsch hasste, so sehr hielt sie aber an Minny fest. Marie Valérie wurde von ihr verzogen und verwöhnt, so dass sie bei der Kaiserin gut dastand. Marie war das ein Gräuel. Sie schrieb am 2.1.1872:

„Gräßlich allein bin ich! Throckmorton und ich passen nicht zusammen. Die weiß gar nichts zu reden als fort von dem, was alles geschehen und nicht geschehen sollte und die Lily und die Helene und die Ludwiga gesagt und erzählt! Ich bin den Tratsch gar nicht gewöhnt. … Ich will auch nichts voraus wissen, nicht voreingenommen sein, es bleibt doch von jedem Geschichterl etwas kleben!“ (3)

Dies war gleich in der Anfangsphase von Marie im Dienste der Kaiserin. Aber auch später wurden Marie und Minny keine „Freundinnen“.

Marie Festetics stellte sich als Glücksfall für Kaiserin Elisabeth heraus. Nicht nur, dass sie mit Marie nur ungarisch sprach, so hatte sie in ihr eine treue Freundin und Begleiterin gefunden. Egal wohin Kaiserin Elisabeth fuhr und wer sie umgab: Marie Festetics und Ida Ferenczy waren stets an ihrer Seite.

Die einzigen Bezugspersonen die Marie blieben waren Ida und Kaiserin Elisabeth. Erzherzogin Sophie hasste alles was mit Ungarn zu tun hatte. Sie schnitt Marie aufs Gröbste, auch deren Hofdamen und der gesamte Anhang wollten mit ihr nichts zu tun haben.

Doch auch Kaiserin Elisabeth wachte über ihre beiden Lieblingsdamen. Sie verhinderte aus Eifersucht, dass Gräfin Marie Festetics heiraten konnte. 

Foto: Wikimedia/Commons
Fürst Nikolai Dolgorukow

Schon im Jahr 1871 – noch im Dienste bei Erzherzogin Klothilde – lernte sie 32jährig in Franzensbad den gutaussehenden Flügeladjutanten von Zar Alexander II kennen: Fürst Nikolai Dolgorucky (*1840, †1913). Er machte Gräfin Festetics auffallend den Hof, doch die beiden trennten sich ohne ein weiteres Wort.

Im Zuge der Weltausstellung in Wien und bereits im Dienst am Wiener Hofe, begegnete Marie dem hübschen Russen noch einmal.

Sie notierte:

„Er hatte die Keckheit, von Franzensbad zu sprechen:Ah, Madame welch ein Glück, Sie wiederzusehen, noch einmal bei Nacht! Welche Gelegenheit! Ich habe bis jezt noch nicht Ihre Bekanntschaft gemacht. Aber nein! Ich kenne Sie von einer Kur vor einigen Jahren, ich kenne Sie zur Gänze! Ihre Seele, jeden Ausdruck Ihrer Augen, jede Linie Ihres Körpers, ich kenne Ihr Lächeln, den Ausdruck Ihres Mundes, endlich alles, alles von Ihnen! Nicht die geringste Ihrer Bewegungen ist mir entgangen. Sagen sie nicht, daß Sie nicht bemerkt haben. Aber ja! Ich weiß, daß Sie verärgert sind!“ So und noch unglaublicher ging es fort! Kein Wort hatte ich noch gesagt, alle Leute glaubten, wir seien alte Bekannte und wollten nicht heran.“ (3a)

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Graf Alexander Carl Stürler

Schließlich lernten sich die beiden bei den Festivitäten zu der Weltausstellung näher kennen und Maries Herz entflammte.

Der gemeinsame Freund Alexander Carl Graf Stürler (*9.5.1825, †3.6.1901) erzählte Marie die Lebensgeschichte des armen Fürsten, welcher sich mit einem Oberst duellieren musste, daraufhin seinen Adelstitel verlor und in den Kaukasus geschickt wurde.

Dort musste er bis zum Krieg ausharren, diente in jenem und bekam den Georgsorden für besondere Verdienste. Daraufhin wurde er von Zar Alexander II begnadigt, erhielt seinen Titel zurück und wurde sein Flügeladjutant.

Weiters wusste Graf Stürler folgendes:

Denken sie gutes über diesen armen Jungen, Gräfin. Er denkt an sie seit Franzensbad und Sie haben ihn sehr berührt. Er liebt Sie seither. Ich werde ihm sagen, daß ich eine Thräne in Ihren Augen gesehen habe.“ Ja, ich hatte eine Thräne im Auge gehabt. (3b) 

Marie erzählte Kaiserin Elisabeth davon, die gar nicht begeistert war:

Sich mit ihm zu amüsieren, erlaube ich, aber nicht lieben, noch weniger ihn zu heiraten! Das dürfen Sie nicht! Es wäre auch nicht schicklich, mich wegen eines fremden Mannes zu verlaßen, ich erlaube es Ihnen ausdrücklich nicht!“ Wie sah sie mich an! „Sie sollten nicht einmal hinhören, wenn er anfängt über so etwas zu reden.“ (3c)

Nikolai wusste das Marie mit sich haderte. Marie notierte das gesagte Wort vom Fürst in ihr Tagebuch:

„Für noch weniger würde man nach Sibiren kommen. Darf ich offen sprechen, Madame? Sie bewundern die Kaiserin sehr, ich verstehe, daß Sie bleiben wollen. Sie erscheint wie ein Engel, mit diesem Ausdruck, dieser außergewöhnlichen Schönheit. Sie lieben Sie sehr, Madame, ich habe es deutlich gesehen. Für einen anderen wäre das ein Glück. so ein schönes Gefühl, das Sie vielleicht gar nicht zu würdigen weiß in dieser Größe, dieser völligen „Selbstverleugnung“. Mir wurde siedenheiß. Hat er recht? „Denken Sie darüber nach, Madame, denken Sie darüber nach, ich beschwöre Sie!“ 

Kurz vor einem Diner traf sie Kaiserin Elisabeth, die sie den ganzen Tag noch nicht gesehen hatte.

Dabei fiel nur ein einziger Satz, den Kaiserin Elisabeth ihr sagte:

„Sie dürfen nicht!“
(3d)

Am 7.6.1873 versuchte es Nikolai noch einmal. Er wagte Gräfin Festetics seine Liebe zu gestehen und bat sie eindringlich Kaiserin Elisabeth zu verlassen und mit ihm nach Russland zu gehen. Ihr werde an nichts fehlen, versprach er und er würde sie glücklich machen. Marie haderte schwer mit sich.

Am 9.6.1873 reiste Zar Alexander II ab, mit samt Graf Stürler und Fürst Dolgorukow. Zum Entsetzen Maries sahen sich die beiden am Morgen noch einmal:

„Sagen sie mir etwas Gutes, Madame! …. Daß Sie sich mir verschließen, bedeutet mir viel Schmerz!“ (3e)

Nikolai verbeugte sich, gab Gräfin Festetics einen Handkuss und ließ diese verstört zurück.

Sie haderte mich sich, wusste nicht so Recht, ob die Entscheidung rechtens war. Dennoch hatte sie sich für die Kaiserin entschieden. 

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Paul Almássy
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Karoly Kerkápoly

Da Marie eine Schönheit war, blieb Fürst Nikolai nicht der einzige glühende Verehrer.

Unter ihnen war auch Graf „Mucky“ Mikos (näheres leider nicht bekannt) und der alternde Politiker Paul Almássy (*1818, †1883).

Doch keiner unter ihnen wurde Marie Festetics noch einmal so gefährlich wie Nikolai; mit einer Ausnahme: Karoly Kerkápoly (*13.5.1824, †31.12.1891), Anwalt und Politiker

Bereits im Dezember 1873 lernte sie Karoly kennen. Durch Graf Andrássy lernte sie fast jeden Politiker in Ungarn kennen. Noch immer haderte sie wegen ihrem „schönen Russen“, wie sie ihn in ihrem Tagebuch nannte. 

Am 6.2.1874 notierte sie:

„Stefanie Wickenburg erschien, als Brautwerber nochmals für Mucki Mikos, der von Mexiko zurück, behauptet, er kann mich nicht vergeßen! Wenn ich „Sie“ verlaßen könnte, hätte ich doch meinen interessanten Russen geheirathet! Konnte ich mich in den stillen Tagen, meinem Söjtör, zu diesem Opfer nicht entschließen, warum jezt? Wo „Sie“ mich braucht, kaum ein Tag vergeht, wo Sie es nicht sagt? Alles könnt ich aufgeben, nur „Sie“ nicht….“ (3f) 

Am 9.4.1874 gestand Karoly Kerkápoly ihr die Liebe:

„Kerkapoly war da, das gibt mir zu denken, denn er sagte mir schlicht und einfach, daß er mich liebt. Ich erschrack darüber so sehr, daß er es merkte. Ich sah, es that ihm weh. Ich las einst ein Buch, da stand so etwas drin: Ein älterer Mann, der in späten Jahren den Traum der Jugend träumt. Wie leid thut er mir! Er sagte mir, als er mich das erste Mal in Szölöske bei Andrássy sah, wußte er, daß sein Schicksal vor ihm stünde. Er bat mich gar, nicht desperate zu sein! Mich begegnet zu haben sei Glück genug für ihn. Es bleibe, wie es ist, er lebe davon! Zu was das, frage ich das Schicksal?? (3g) 

Jahrelang sollte Karoly nicht aufgeben. Doch es endete genauso traurig, wie bei Nikolai, den Marie Zeit ihres Lebens nicht vergessen konnte.

Marie blieb im Dienste der Kaiserin.

Karoly wurde nach seiner Politikerkarriere ein sehr reicher Weinbauer, blieb aber unverheiratet und kinderlos. 

Immer wieder haderte Marie mit ihrem Schicksal. Sie liebte Kinder über alles, ihre Familie starb mehr und mehr aus. Niemand schien übrig zu bleiben, der den Namen weitergeben konnte. Sie war oft allein und blieb an ihren Gedanken hängen. Doch

„wenn Ihr sonnenheller Blick auf mich fällt, kömmt mir vor, es wäre das Schwerste leicht zu tragen.“ (3h)

Marie zog sich, wenn sie nicht gerade gebraucht wurde, zurück und schrieb ihr Tagebuch. Marie Valerie war oft Bang, dass dieses Tagebuch in falsche Hände geriet, denn egal über wen, Marie schrieb es auf. Insgesamt 10 Bücher und 2000 Seiten schrieb sie von 1871 – 1884.

Danach geht das Tagebuch erst ab 1904 weiter. Ob die Bücher tatsächlich 1884 aufhörten oder absichtlich „vernichtet“ oder bis heute „versteckt“ wurden (werden), ist nicht überliefert. Leider fehlt daher auch die Beobachtung zu Kronprinz Rudolfs Tod. Erst 1906 schrieb Marie einen Eintrag in ihr Tagebuch:

„Der Kronprinzen Wundergarten! Wie ein Bouquet auf blauer Fluth gewiegt liegt es in Sonnenlicht. Und Er? In des Lebens voller Blüthe von eigner Hand geknickt, schläft neben seiner gemordeten Mutter seinen ewigen Schlaf.“ (4)

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Marie Gräfin von Festetics

Marie Festetics war in ihrem Denken der Zeit weit voraus.

Sie schrieb die Tagebücher, um der Nachwelt zu beweisen, wie wunderbar Kaiserin Elisabeth war, wissend, dass der tratschende Wiener Hof kein gutes Haar an ihr lassen würde.

Doch bei all ihrer Loyalität und innigen Freundschaft, manchmal kann man auch leise Kritik lesen. Die Kaiserin sei oft schwermütig, in Gedanken versunken, ohne Aufgabe, ohne Lebensinhalt. Die eine Aufgabe, die sie hatte, die wollte sie nicht und was anderes findet sie nicht. Solche Passagen findet man des Öfteren.

Marie war also sehr wohl bewusst, dass sich Kaiserin Elisabeth zu Tode langweilte und sich genau deswegen in ihre Wahnvorstellungen flüchtete. Alles was Elisabeth anpackte wurde mit großer Manie betrieben: Reiten, Wandern, Reisen oder die Kindeserziehung von Marie Valérie.

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Irma, Gräfin Szátary von Sztára und Nagy-Mihály

Egal wohin Elisabeth fuhr, Marie fuhr mit. Meran, Gödöllö, Triest, Paris, Budapest, Sassetot, Irland, England, Korfu und Mittelasien.

Doch irgendwann wurden auch Marie und Ida alt. In den frühen 90er Jahren schaffte Marie die vielen Reisen und stundenlangen Fußmärsche der Kaiserin nicht mehr.

Marie und Ida verblieben deshalb ab 1894 im Innendienst, während Irma, Gräfin Szátary von Sztára und Nagy-Mihály (*10.7.1864, †3.9.1940) mit Kaiserin Elisabeth auf Reisen ging.

Zu diesem Zeitpunkt ließ Elisabeth niemand anderen mehr an sich ran, als Marie Valérie und Irma bzw. Marie.

Zwischen 1894 und 1898 hatte Kaiserin Elisabeth nur noch 2 Hofdamen. Immer wenn Elisabeth vor Ort war, vertrat Marie Irma, bzw. übernahm deren Aufgaben.

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Kaiserin Elisabeth im Milleniumskleid für die 1000 Jahr Feier in Ungarn 1896

Marie vertrat Irma, während ihres Urlaubes und begleitete Kaiserin Elisabeth zu den Milleniumsfeierlichkeiten nach Ungarn, welche im Mai/Juni 1896 stattfanden.

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Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth empfangen den ungarischen Reichsrat 1896. Heliogravure nach Gemälde, mit Originalunterschrift des Künstlers Benczúr Gyula

Dies war der letzte öffentliche Auftritt von Kaiserin Elisabeth.

Marie und Kaiserin Elisabeth sahen sich zum letzten Mal im Juli 1898 in Bad Ischl.

Während sich Elisabeth mit Irma Richtung Bad Nauheim zur Kur und die Schweiz aufmachte, zog sich Marie nach Söjtör zurück. Sie kaufte nach und nach die Ländereien der Festetics zurück.

Der Tod der Kaiserin traf sie sehr schwer.

Marie Valérie nahm ihr im November 1898 das Versprechen ab, die Tagebücher testamentarisch zu hinterlassen.

Erzherzogin Marie Valérie konnte Marie Festetics nie leiden. Sie machte sie für das oft falsche Handeln ihrer Mutter verantwortlich.

Als die Kaiserin gestorben war, mussten Ida und sie sofort ihre Wiener Wohnungen in der Hofburg räumen. Ihre jahrelangen Hetzer hatten endlich ihren Triumpf.

Marie hatte vorgesorgt und sich in der Reisnerstrasse, im 3. Wiener Gemeindebezirk eine Wohnung gekauft. Ida zog in die Nachbarwohnung ein. 

Die Trauer war grenzenlos, doch Marie verfiel weder in Depressionen, noch in Schwermut.

Um sich an die guten Zeiten mit Kaiserin Elisabeth zu erinnern, fuhr sie an jene Orte, an denen sie glücklich war. Sie besuchte auch Ida häufig in Budapest, diese hatte dort ein Kaiserin Elisabeth Museum eröffnet. 

Ab 1906 ist zu lesen, dass sie insgeheim Irma für den Tod Elisabeths verantwortlich machte.

Als der 1. Weltkrieg ausbrach und sie den Untergang des Kaiserreichs mit ansehen musste, wurde die bereits 79jährige Gräfin krank.

Aber auch privat musste sie herbe Rückschläge einstecken. Sie selbst, die sich jahrelang für ihre Familie aufgeopfert hatte und mit ihrem Geld ihren alten Besitz zurückerlangte, wurde 1920 von ihrem Besitz enteignet. Dieses Land wurde unter den mittellosen Bauern aufgeteilt.

Nur einen Bruchteil des gekauften Landes konnte sie ihrem Neffen Karl hinterlassen; als dieser starb und die Witwe das Land ebenfalls 1943 verlor, musste dies Marie zum Glück nicht mehr miterleben.

Marie Gräfin von Festetics starb am 16.4.1923 in Sjötör. Mit ihrem Tod starb ihr Zweig der Familie Festetics aus. Sie ruht im Familiengrab der Festetics in Tolna.

Petra Schimbäck


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra Schimbäck
Recherchen: Petra Schimbäck
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Literatur Hinweis:

1 – S 46, 2 – S 49,  3 – S. 48, 3a – S. 159, 3b – S. 162, 3c – 161, 3d – S. 163, 3e – S. 166, 3f – S. 167/8, 3g – S. 168, 3h – S. 170, 4 – S 286
Gudula Walterskirchen, Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics
Residenz Verlag, 3. Auflage, 2014