Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Johann Joseph Graf Radetzky
Johann Joseph Wenzel Anton Franz Karl Graf Radetzky von Radetz wurde am 2.11.1766 auf Schloss Trebnitz in Böhmen geboren.
Sein Vater war Peter Eusebius II Graf Radetzky von Radetz. Seine Mutter war Maria Venantia Freiherrin Bechyne von Lazan.
Joseph verlor sehr früh seine Eltern, weshalb er zur Vollwaise wurde und in die Obhut seines Onkels kam. Dieser ließ ihn bei den Piaristen einschulen, später folgte das Theresianum in Wien. Nach der Matura studierte er Rechtswissenschaften.
1784 trat er als Kadett in die k.u.k. Armee ein, wo er sehr schnell Karriere machte. Zahlreiche Schlachten folgten, viele davon siegreich. Er diente unter dem Stab von Fürst Schwarzenberg und organisierte das österreichische Heer vollkommen um.
Am 5.4.1798 ehelichte er Franziska Gräfin Strassoldo-Graffenberg und bekam mit ihr 5 Söhne und 3 Töchter. Nur ein Sohn und eine Tochter sollten den Vater überleben.
Zeit seines Lebens war Radetzky verschuldet, da seine Frau sehr verschwendungssüchtig war.
Am 17.12.1856 – 90jährig (!) – suchte er bei Kaiser Franz Joseph um seine Pensionierung an. Der Wortlaut lautete:
„„Euer Majestaet, die Gesetze der Natur zwingen mich nach 72 Dienstjahren und 90 Lebensjahren Euer Majestaet um die Allergnaedigste Enthebung von meinem Dienstposten Allerunterthänigst zu bitten. Geruhen Euer Majestaet mir diese Enthebung mit jener Allerhöchsten Huld und Gnade zu gewähren, mit welcher Allerhöchst dieselben mich schon so vielfach überschütteten und gestatten mir Euer Majestaet bei diesem Anlaße Allerhöchst Der Huld und kaiserliches Wohlwollen […] Mein Greisen Alter hat zwar meine Thätigkeit gelähmt, aber bis zum letzten Athem zuge werde ich des Allmächtigen Segen für das erhabene Hauß und den herrlichen Thron Meines geliebten Monarchen erflehen, der ich in tiefster Demut ersterbe.“ (1)
Am 28.2.1857 genehmigte Kaiser Franz Joseph den Ruhestand. Radetzky diente unter 5 Kaiser und er- und überlebte 17 Feldzüge. Er brachte es bis zum Feldmarschall und gilt als der bedeutendste Heerführer des 19. Jahrhunderts.
Johann Strauß Vater komponierte 1848 ihm zu Ehren den berühmten Radetzkymarsch. Er ist heute noch das Highlight und gleichzeitig der Abschluss eines jeden Neujahrskonzerts.
Joseph Graf von Radetzky starb am 5.1.1858 92jährig an einer Lungenentzündung in Mailand. Er ruht am Heldenberg.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Nach der Überführung des Leichnams, wurde dieser im Arsenal aufgebahrt und unter Anführung des jungen Kaiser Franz Josephs im Wiener Stephandsdom eingesegnet.
Kaiser Franz Joseph wollte ihn in der Kapuzinergruft zu Grabe tragen. Doch Radetzky überließ dies seinem guten Freund Joseph Gottfried Pargfrieder, der ihm jahrzehntelang die Schulden tilgte und so verfügte dieser, dass er auf dem neu gegründeten Heldenberg beerdigt werden sollte. Joseph Graf von Radetzky ruht direkt unter dem Obelisken.
Johann Strauß (Vater) hat 1848 zu Ehren des großen Feldherren den „Radetzky-Marsch“ komponiert, welcher am 31.8.1848 im Wasserglacis uraufgeführt wurde. Der Kurpavillon steht heute noch im „Stadtpark von Wien“, welcher im 18. Jahrhundert zur Erholung für die Bürger gebaut wurde.
Der Marsch ist weltweit durch das jährliche „Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker“ bekannt.
Otto Treßler spielte Radetzky im berühtem Sissi-Film. Erzherzogin Maria Josepha, Ehefrau von Erzherzog „Bolla“ war jahrelang mit Otto liiert und wollte sogar die Scheidung, als plötzlich alles anders kam und ihr Sohn Karl Thronfolger wurde.
Petra Schimbäck
Text + Recherchen: Petra Schimbäck Bildnachweise: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Literatur Hinweise:
1 HGM, Wien/Graz 1960, S. 51 Handschriftlicher Brief
Ernst Molden Radetzky. Nach Briefen, Berichten und autobiographischen Skizzen Insel-Verlag, Leipzig 1916
Oskar Regele Feldmarschall Radetzky. Leben, Leistung, Erbe Herold, Wien/München 1957
Manfried Rauchensteiner Radetzky, Josef Wenzel Graf Neue Deutsche Biographie Duncker & Humblot, Band 21
Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern
Elisabeth Herzogin in Bayern als Verlobte dahinter der Starnbergersee Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht?
Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen.
Leider gibt es tatsächlich bis heute (!) Menschen, die diese Szene glauben und auch mich immer wieder fragen, „wo denn dieser Angelplatz in Ischl sei“.
Gerade die Kennenlernszene und alles weitere bis zur Verlobung, ist nichts weiter, als der reine Kitsch und eine hübsche Mär, um den von krisengebeutelten 1950er Jahren ein bisschen Idylle einzuhauchen.
Denn leider sind die Filme bis heute zu viel in den Köpfen der – vor allem Frauenwelt – verankert, die diese glauben und für die volle Realität halten.
Hier also die reale und wahre Geschichte wie Herzogin Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph gewann:
Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag Seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern.
Foto: Wikimedia/Commons Helene Herzogin in Bayern
Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene „Néné“ Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890).
Kürzlich hat ein Ludovika Biograph gemeint herausgefunden zu haben, dass die Geschichte mit Néné gar nicht stimme.
Es soll immer schon Elisabeth gewesen sein, die für Franz Joseph bestimmt gewesen sei und alle Historiker würden sich irren.
Schon Egon C. Conte Corti (+2.4.1866, †17.9.1953) hatte 1934 die Geschichte in seiner sehr gut recherchierten Biographie „Elisabeth, eine seltsame Frau“, welche damals noch mit lebenden Augenzeugen gespickt war, aufgegriffen und erzählt.
Er bekam als Einziger Einsicht in mitterweile längst verschwundene, verbrannte oder absichtlich zerstörte Unterlagen und so stützen sich Historiker aus aller Welt bis heute auf seine Bücher.
Vor Conte Cortis Biographie gab es kleinere Bücher oder Erinnerungsblätter welche im Auftrag von Kaiser Franz Joseph direkt nach dem Tode seiner geliebten „Engels-Sisi“ nur intern für seine Familie und als Erinnerung für die Offiziere veröffentlicht wurden.
Tief vergraben in so mancher Bibliothek kann man sie finden und ich habe sie gefunden. Auch hierin ist zu lesen, dass nicht Elisabeth die erste Wahl war, sondern Néné Kaiserin werden sollte.
Foto: Wikimedia/Commons Sidonie Prinzessin von Sachsen
Doch dem Kaiser gefiel sie nicht, wie zuvor schon die arme Sidonie von Sachsen (*16.8.1834, †1.3.1862), die als Jungfrau sterben musste, weil sie Franz Joseph nicht schön genug war.
Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers.
Natürlich war Helene in Bayern nicht die schönste Tochter von Ludovika, dies kann auf den Bildern von ihr sogar heute noch gesehen werden.
In vielen Biografien ist sogar zu lesen, dass sie wie eine Bauernmagd ausgesehen hat, sie geschielt habe und generell grobschlächtig war.
Sophie suchte also fieberhaft in ihren eigenen Reihen eine geeignete Braut und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war.
„Die Mutter hat ihn ganz in der Hand, er wird ihr völlig gehorchen. Wer weiß, wie lange noch. Jetzt wird er vielleicht ohne Widerspruch die Braut annehmen, die sie, Sophie, für ihn ausgesucht hat. Schon längst hat sie mit ihrer Schwester in München den Plan besprochen, deren älteste Tochter Néné mit ihrem Sohne Franz Joseph zu vermählen. Das Projekt einer Verbindung mit der schönen und klugen Tochter des Palatins Joseph von Ungarn findet nicht ihrer Billigung.“ (1a)
Anmerkung Petra: gemeint war Erzherzogin Elisabeth Franziska
Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth mit.
Elisabeth wurde als Kind ausschließlich von ihren Eltern, Tanten, Geschwistern usw. „Elise“ genannt.
Aus Elise wurde schön langsam aber sicher Sisi.
Laut Michaela Lindinger, der Hermesvilla-Kuratorin stammt Sisi von Erzherzogin Sophie. Sie soll gemeint haben, eine Kaiserin die „Liesl“ gerufen wurde, könne es nicht geben. Sie soll – wenn es nach Frau Lindinger geht – aus Liesl „Sisi“ gemacht haben.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra kaum bekanntes Bild der 15jährigen Elisabeth im Reitkleid – da im Privatbesitz! Ölbild: Friedrich von von Kaulbach
Dem widerspricht aber ein Brief von Ludovika an ihre Schwester Königin Auguste von Sachsen von 1853:
„Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich als ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre [Prinz Georg, wohl der zweite Sohn des sächsischen Königs Johann], wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen… hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug“. 1b)
Anmerkung Petra: Elisabeth wurde auf Brautschau nach Dresden geschickt, kam aber ohne Bräutigam nach Hause; worauf hin sich Louise schwere Sorgen machte. Es ist aber eindeutig bewiesen, dass 1 Jahr vor der Verlobung ihre eigene Mutter Elisabeth „Sisi“ nannte.
Warum also Erzherzogin Sophie dafür verantwortlich sein soll, dass aus „Liesl“ – was im übrigen nirgendwo in der Korrespondenz, sondern erstmals 1903 in den „Erinnerungsblättern“ auftaucht, Sisi wurde, ist mir wieder einmal ein Rätsel.
Elisabeth jedenfalls sollte abgelenkt werden. Ihre unstandesgemäße Liebe zu Richard Graf von Schwarzenberg, welcher ihr den Kopf gehörig verdrehte, musste unter allen Umständen verboten werden.
Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Elisabeths Umfeld entfernt. Er wurde zum Militär geschickt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später.
Elisabeth war untröstlich.
Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:
Die Würfel sind gefallen,Ach, Richard ist nicht mehr!Die Trauerglocken schallen -Oh, hab Erbarmen, Herr!Es steht am kleinen FensterDie blondgelockte Maid.Es rührt selbst die GespensterIhr banges Herzeleid. (1)
Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie.
Zeit ihres Lebens sollte sie ihren Jugendfreund, der nie näher deklariert wurde, vergessen.
Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Elisabeth als 14jährige; das Erste bekannte Foto von ihr Foto: Alois Löcherer
Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, †19.5.1896) die Wunden heilen könne.
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber
Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus.
Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Elisabeth ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab.
Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Ludovika Königin von Preußen und Firmpatin Elisabeths
Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Ischl.
Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester.
Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.
Foto: Wikimedia/Commons König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter,
Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura (= in Abwesenheit) Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie).
Sie folgte am 13.8.1853 nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Victor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.
Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an.
Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen.
Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen.
Das Unglück nahm seinen Lauf.
Foto: Wikimedia/Commons Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum
Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten.
Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht.
Sophie schrieb ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen:
„Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“ (2)
Herzogin Helene wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in
Foto(montage): W. Hain Souvenir des Verlobungspaares (Der Kaiser wurde größer gemacht).
Sisi.
Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Elisabeth verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest:
„In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3)
Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth als Verlobte
Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853
Elisabeth ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.
Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch:
„Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)
Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern.
Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.
Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth als Verlobte
Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah.
Herzogin Elisabeth trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi.
Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern.
Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu:
„Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)
Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Elisabeth bat, wussten alle im Raum Bescheid.
Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.
Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Elisabeth nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde.
Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser
„sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)
Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz:
„Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.
Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Herzogin Elisabeth verlobt hatte.
Der kleine Ort war außer Rand und Band.
Foto: Wikimedia/Commons Siriuskogel
Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E.
Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren.
Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Herzogin Elisabeth war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schrieb sie:
„Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)
Ludovika notierte:
„Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)
Foto: Peter Füssl Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes
Foto: Peter Füssl Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes
Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ.
Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten.
Elisabeth war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.
Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.
Foto: Wikimedia/Commons Karl Ludwig Graf von Grünne
Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte.
So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar.
Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.
Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute ein Museum).
Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.
In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen.
So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Kaiservilla
Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen.
Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn.
Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.
Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.
Elisabeth wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet.
Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org
Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben.
Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at
Elisabeth verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete.
Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.
Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch:
„Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.
Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Elisabeth auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt:
„Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10)
Foto: fuenfseenland.de Das junge Paar
Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Elisabeths Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen.
Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen.
Das Gerücht, dass Kaiserin Elisabeth schlechte Zähne hatte, hält sich bis heute. Dem ist ebenfalls die Szene aus „Sissi“ geschuldet. Elisabeth hatte mitnichten schlechte Zähne, dies ist auch in ihrem Autopsiebericht bestätigt.
Weiters wurde an Elisabeth herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus.
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph
Sie musste stundenlang Modell stehen, ihr war langweilig und sie wurde unruhig. Der teure Schmuck, der aus Wien eintraf, wurde in einer ihrer Schubladen verstaut. In diesem Alter konnte sie mit teurem Schmuck noch nicht viel anfangen.
Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:
Lebet wohl, ihr stillen Räume, Lebe wohl, du altes Schloß, Und ihr ersten Liebesträume, ruht so sanft in Seesschoß.
Lebet wohl, ihr kahlen Bäume, Und ihr Sträucher, klein und groß, Treibt ihr wieder frische Keime, Bin ich weit von diesem Schoß. (12)
Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte 1,5 Tage.
An ihrem 16. Geburtstag, am 24.12.1853, überreichte Elisabeth Kaiser Franz Joseph sein Weihnachtsgeschenk, welches sie vor Possenhofen und Hoch zu Roß zeigen sollte.
Die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer.
60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valérie übergab. Mittlerweile hängt es wieder an jener Stelle, an welcher es 60 Jahre lang hing: über dem ehemaligen Bett von Kaiser Franz Joseph – im Sisi Museum zu sehen.
Foto: dorotheum.com Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert. Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty
Foto: Wikimedia/Commons Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel,
Kaiser Franz Joseph schenkte ihr zu ihrem 16. Geburtstag und somit zu Weihnachten ein silbernes Tee-Reiseservice, in welches er ein „E“ mit „Kaiserkrone“ eingravieren ließ, er brachte aus der Menagerie von Schönbrunn einen bunten Papagei mit, über welchen sich seine Verlobte am allermeisten freute und ein Diadem, welches einen Tag vor der Hochzeit für einen kleinen Fauxpas sorgen sollte.
Elisabeths Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen.
Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877):
„Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13)
Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung.
Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Elisabeths Schmuck und Aussehen.
Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten.
In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet.
Doch bevor Elisabeth nach Wien fuhr, gab es natürlich noch einen gebührenden Abschied in München.
Im Depot des Kunsthistorischen Museums Wien befindet sich liegend ein Kleid, welches überaus wertvoll ist. Es kann nicht mehr ausgestellt weden, weshalb eine teure 1:1 Replik angefertig und im Sisi Museum ausgestellt wurde.
Foto: Sisi Museum „Polterabendkleid“ von Herzogin Elisabeth Replik
Zu Ehren der Braut wurde am Münchner Hof ein Ball abgehalten. Dieser Ball nannte sich „Winterabend“. Warum das Kleid ausgerechnet bis heute „Polterabend“-Kleid heißt, ist nicht mehr eruierbar.
Denn mit einem „Polterabend“, wie wir ihn heute kennen, hatte der „Winterball“ nichts zu tun.
Das Kleid wird von Martina Winkelhofer im Buch „Sisis Weg“ wie folgt beschrieben:
„Es ist über hundertsechzig Jahre alt und aus weißem Baumwollstoff mit grün-goldenen Einfassungen an Ausschnitt, Ärmeln, Taille und Volant. Über Oberteil und Rock ranken sich zwarte, aus grüner Floss-Seide gestickte Blätter- und Blumenornamente. Inmitten der floralen Ornamente ist ein arabischer Schriftzug eingestickt, der ins Deutsche übersetzt bedeutet: „Oh, mein Herr, welch‘ schöner Traum“. Der Schnitt des Kleides verrät, dass sein Trägerin von sehr schlanker, zarter Statur war, denn die Taille ist außerordentlich schmal. Auch die Maße des Oberteils und die Ärmelöffnungen verstärken den Eindruck: Das kunstvolle Kleid wurde für ein blutjunges Mädchen geschneidert.“ (14)
Durch den Ausschnitt am Kleid, dass sich „Runde“ nennt, erkennt man, dass dieser für ein Ballkleid für die Wintersaison angefertigt wurde. Kaiser Franz Joseph weilte im Winter 1853 in München.
Das Kleid besteht aus einem Baumwollstoff, welches am Ausschnitt, Ärmeln. Taille und am Volant grün-goldene Einfassungen enthält.
Über dem Oberteil und Rock ranken zarte gestickte Blätter- und Blumenornamente, welche mit Floss-Seide bestickt wurden. Die Blätter stellen „Rebenblätter“ dar.
Diese wurden von verschiedenen Stickerinnen bestickt. Dies ist deshalb ersichtlich, da eine der Stickerinnen die Rebenblätter doppelt und die andere einfach bestickt hatte.
Dies zeigt, dass das Kleid in windeseile fertig werden musste. Die Näherinnen und die Stickerinnen hatten nur knapp 3 Monate Zeit um das Kleid für die Trägerin anzupassen.
Dies alles kann man am Originalkleid erkennen, welches in einem Depot im Kunsthistorischen Museum aufbewahrt wird. Das Kleid ist mittlerweile in so einem schlechten Zustand, dass es nie wieder öffentlich ausgestellt werden kann.
Am Originalkleid erkennt man auch, dass es für eine sehr zierliche, schlanke Person geschneidert wurde.
Das sogenannte „Polterabendkleid“, der Name ist sehr irreführend, wurde vermutlich an jenem Winterabend der Ballsaison in München am Hofe von König Maximilian II von Bayern von Elisabeth getragen.
Dieser Ball wurde zu Ehren der Kaiser-Braut abgehalten, um sie im großen Stil zu verabschieden.
König Maximilian II war der Onkel von Herzogin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph. Sein Vater König Ludwig I von Bayern war der (Halb)Bruder von Erzherzogin Sophie und Herzogin Ludovika. Einige Historikerinnen gehen aber auch davon aus, dass der Ball im Frühjahr abgehalten wurde.
Dies passt aber mit dem „runden“ Ausschnitt des Kleides nicht zusammen. Der Ausschnitt war ausschließlich für die Wintersaison bestimmt, weshalb es jener Ball sein musste, an welchem auch Kaiser Franz Joseph teilnahm und seine Braut mit seinem Kommen überraschte. Da es keinen Polterabend, wie wir es heute kennen, gab, ist der Name des Kleides äußerst irreführend.
Wieso sich dieser Name in der Historie festgesetzt hat ist leider nicht bekannt.
Besonders hervorzuheben sind die arabischen Schriftzüge welche auf dem Kleid (ebenfalls per Hand) eingestickt wurden.
Diese bedeuten:
„Oh mein Herr, welch‘ schöner Traum.“
Dies deswegen, da eine junge Herzogin aus niedrigem Adelsstand zur Kaiserin gemacht wurde.
Wer den Ton im Video anmacht, hört ein Gedicht von Herzogin Elisabeth, welches sie vor ihrer Abreise nach Wien schrieb.
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Es ist daher anzunehmen, dass beide (!) auf diesem Ball zugegen waren und Kaiser Franz Joseph seine Braut am Ball mit diesem Winterballkleid erblickt hat.
Somit verbrachte Kaiser Franz Joseph nicht nur den 16. Geburtstag mit seiner Braut, sondern auch Weihnachten. Er brachte „weiße Rosen“ als Geschenk von Erzherzogin Sophie mit. Es ist nicht ganz überliefert, ob dies ein „Kranz“ oder „Strauß“ war, hier streiten sich die Historiker in beinahe jedem Buch.
Schwierig waren die Rosen auf jedenfall, denn diese mussten extra verpackt werden, da der Winter 1853 besonders kalt war und sehr viel Schnee lag.
„Wien, 20.December 1853 Liebe Eva!(*) Heute um 2 Uhr vor Tisch besuchte mich Erzherzog Carl um Abschied zu nehmen. Er reist diesen Abend 10 Uhr nach Lemberg auf seinen Posten und bleibt bis zur Vermählung des Kaisers dort. Erzherzog Max ist in Triest und Seine Majestät reisten heute nach München. Die vortreffliche Erzherzogin Sophie ist beinahe verweist, aber schöne Hoffnungen bleiben ihr, zieht erst die Kaiserbraut in Wien ein. Gott erfülle alle Hoffnungen! Deine Sophie. (15)
Und am 8.Jänner 1854 ist zu lesen:
„Wien, 8.Jenner 1854 Liebe Eva! Der Kaiser soll sehr heiter und zufieden von seiner beglückenden Reise zurückgekehrt sein und sich wie ich höre vorgenommen haben diesen Carneval nicht zu tanzen, was seinen ritterlichen Gefühlen sehr entspricht.“ … Deine Sophie (16)
Doch mit den überreichten Blumen zogen dunkle Wolken über Elisabeth auf. Beigefügt lag ein Brief, in welchem Erzherzogin Sophie auch einen Rosenkranz legte und Elisabeth aufforderte, ab sofort mehr zu beten. Gleichzeit bat sie darum, nicht mehr „Tante Sophie“ und „Du“ zu ihr zu sagen, sondern „Erzherzogin Sophie“ und „kaiserliche Hoheit“.
Kaiser Franz Joseph und seine Brüder waren Zeit ihres Lebens mit ihren Eltern per Sie. Dies war durchaus ein Umstand, der sich durch alle Jahrhunderte zog, also definitiv nicht unüblich war. Das bayrische Königshaus war diesbezüglich bereits „lockerer“ und so durften die Kinder mit ihren Eltern per Du sein. Als Tante und Nichte stand dies also – im Grunde – auch Elisabeth zu. Doch ab sofort, wurde die förmliche Anrede gefordert, das erste Zeichen, dass Elisabeth unter dem strengen Kuratel von Erzherzogin Sophie stand.
Hochzeitseinladung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte der gesamte Wiener Hof und eine zitternde Elisabeth, welche mit den Nerven völlig am Ende war, stieg im April 1854 auf ein Schiff Richtung Wien.
Den Beitrag zur Hochzeit könnt ihr sowohl unter Kaiserin Elisabeth, als auch unter Kaiser Franz Joseph, in der jeweiligen Kategorie lesen.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra „Die Rose aus dem Bayernland“ Herzogin Elisabeth als Verlobte nicht so gelungene Replik des Originals von Anton Einsle, 1854 Dieses Bild hängt zur Erinnerung an die Anwesenheit der Braut Elisabeth im Landhaus Linz – kann nicht öffentlich besichtigt werden!
Petra Schimbäck
(*) Wichtige Anmerkung: In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.
In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.
Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.
Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, †3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, †23.5.1913) verheiratet.
Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau
Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, †7.3.1855) geheiratet.
Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.
Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.
Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.
Bis heute zum Beispiel konnte ich keine Daten von Sophie Gräfin von Scharnhorst auffinden. Sie ist auch Thema im Beitrag „Spanisches Hofzeremoniell – Hofetikette“.
Rechtliche Hinweise:
Text + Recherchen: Petra Schimbäck Bildrechte: Wikimedia/Commons, dorotheum.com, fuenfseenland.de, anno.onb.ac.at, oocities.org, Peter Füssl, Sisi Museum, W. Hain,mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Literatur Hinweise:
1a – S 23 E.C.Conte Corti Elisabeth von Österreich Tragik einer Unpolitischen Heyne Verlag, 15. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)
1 – S 30, 1b – S. 18, 2 – S 31, 3 – 4 – S 32, 5 – S 34, 6 – 7 – S 35, 8 – S 38, 9 – S 37, 11 – S 47, 12 – S 48, 13 – S 52 Brigitte Hamann Elisabeth: Kaiserin wider Willen Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992
10 – S 153 Ingrid Haslinger Erzherzogin Sophie Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs Residenz Verlag, 1. Auflage, 2016
14 – S.72 Martina Winkelhofer Sisis Weg Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeths erste Jahre am Wiener Hof Piper Verlag, 1. Auflage 2021
15 – S.259/60, 16 – S.260 Hofdamen-Briefe Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert Gesammelt von B.von.S. Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)
Als 1955 der Sissi Film mit Romy Schneider über die Kinoleinwand flimmerte, konnte keiner erahnen, was das einmal auslösen würde. Was 1956 und 1957 mit Teil 2 und 3 noch weiter verkitscht wurde, wurde 1992 komplett anders dargestellt. Fans von Kaiserin Elisabeth haben zuerst das Musical gesehen und sich danach erst mit Elisabeth als Person beschäftigt.
Foto: Amazon.de
Das Musical hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Einen Hype, der bis heute ungebremst ist.
Am 3.9.1992 wurde in Wien im Theater an der Wien, unter dem scheidenden Intendanten Peter Weck, das Musical Elisabeth aus der Taufe gehoben. Ein Welterfolg, der anfangs so gar nicht die Kritiker ansprach. Im Gegenteil. Nach der Premiere war der Hohn und Spott hoch.
Aber beginnen wir von vorne:
Peter Weck, Foto: APA (Archiv)
„Mit Michael Kunze hatte ich die Idee für ein neues Musical besprochen, das wir in den Vereinigten Bühnen Wien produzieren wollten. Bei unseren Gesprächen landeten wir plötzlich bei – Michael Kunze brachte diese Idee ein – Kaiserin Elisabeth. Da ich selbst ja beim ersten Teil der Sissi-Filme mitgewirkt hatte, war es mir ein Anliegen, Kaiserin Elisabeth in unserer Version ohne jede Kitschverbrämung, als nicht als lieblich verzuckertes Geschöpf, sondern auf Basis der damals dank Historikerin Brigitte Hamann neu vorliegenden historischen Erkenntnis mit allen ihren Eigenheiten auf die Bühne zu bringen.“ (1)
Peter Weck über die Entstehungszeit von Elisabeth, an der er selbst 2 Jahre beteiligt war.
„Alle tanzen mit dem Tod, doch niemand wie Elisabeth…“ Ihre Zeitgenossen stehen in Lumpen und mit schwarzem Spitzentuch über dem Gesicht auf der Bühne und reden „immer noch von Elisabeth“. So beginnt das Stück – naja mehr oder weniger. Eigentlich ist zuvor noch ein Prolog mit Lucheni, der von einem unsichtbaren Richter gefragt wird, warum er ausgerechnet Kaiserin Elisabeth umgebracht habe.
Er beantwortet die Frage mit „…weil sie es wollte“.
Man mag glauben, dass dies ein Satz ist, den tatsächlich ihre Zeitgenossen über sie gesagt haben. Aber die Texte und die Musik stammen von niemand geringeren als von Michael Kunze und Sylvester Levay, die zuvor die Schlagergemeinde mit ihren Songtexten und Musiktitel aufzumischen wussten. „Fly Robin fly“ wurde (und ist) ein Welthit.
Michael Kunze, Foto: Alexander Ch. Wulz
(2) Michael Kunze im Interview, wie Elisabeth – das Musical entstand. 7 Jahre sollte die Entstehung dauern; man kann also nicht sagen, dass sich Michael Kunze und Sylvester Levay das Stück leicht gemacht haben.
„Mit dem Blick auf die bevorstehende Milleniumswende wollte ich etwas über den Untergang des Habsburgerreiches schreiben. Ich bin studierter Historiker, und daher interessierten mich die Parallelen von Gegenwart und Vergangenheit. … Auch „Sisi“ wurde zwangsläufig erwähnt. Ich hatte allerdings nicht die geringste Lust, die unglückliche Kaiserin zur Hauptfigur einer Dramatisierung zu machen. Zu abschreckend war die Vorstellung, gegen das Klischee einer Filmfigur der 50er Jahre ankämpfen zu müssen. … Ich las alles über die Zeit vor und nach 1900, was mir in die Hände kam. Darunter waren die Tagebuchblätter des Vorlesers Constantin Christomanos. Darin fesselte mich eine Episode. Christomanos schildert, wie er Elisabeth nach einem Sturm an der Reling ihrer Jacht trifft. Sie weist ihn auf einen Möwenscharm hin, der dem Schiff folgt. Es seien immer dieselben Möwen, behauptet sie. Woran sie das erkenne, fragt der Vorleser. An der schwarzen Möwe in der vorderen Reihe. Die sei ihr vertraut. Als ich das las, wurde mir schlagartig klar, dass Elisabeth sich selbst als schwarze Möwe sah. Als Symbol des Untergangs. Von diesem Moment an wollte ich sie, allen Problemen zum Trotz, zur Hauptfigur des Werkes machen. ….“ (2)
Harry Kupfer, Foto: Lewin-Management.com
Harry Kupfer, der kongeniale Regisseur dieses Erstlingswerks von Peter Wecks „Vereinigte Bühnen Wien“, erinnert sich an die Begegnung und wie alles begann: „Die Oper ist mein eigentliches Spezialgebiet. … Ich hatte in Wien eine Produktion an der Staatsoper, wir hatten nachts gefeiert und auf dem Weg zur U-Bahn traf ich Peter Weck. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt nicht persönlich, doch er sprach mich an. …
Er fragte mich: „Haben Sie nicht mal Lust, ein Musical zu machen?“, und meine Antwort war: „Ja, wenn es ein gutes Stück ist, nicht so etwas, wo Musiknummern zu einer dürftigen Handlung zusammengeschmissen sind, würde ich das machen. Darauf er:
„Ich hab eins, „Elisabeth“. Da ist mir erst einmal der Kamm geschwollen, weil ich natürlich gleich an diese schrecklichen Sissi-Filme mit Romy Schneider dachte. Doch Weck meinte, das sei ganz anders, Michael Kunze und Sylvester Levay seien die Autoren und er würde mir das Libretto gleich morgen ins Hotel schicken. Das hat er dann auch getan, ich habe es gelesen und fand es gar nicht so schlecht….“ (3)
Der Rest ist Weltgeschichte.
Als er die Rolle von Elisabeth schrieb, musste er nach einem roten Faden im Stück suchen. Und so betrachtete Michael Kunze das Bild von Luigi Lucheni, der grinsend in die Kamera sah. Der jemanden getötet hatte, den er weder kannte, noch verstand. Das Opfer sollte jemand ganz anderer (Herzog d’Orléans) werden, als dieses nicht auftauchte, stach er auf die berühmte Frau ein, die weltpolitisch nie in Erscheinung trat.
Ethan Freeman, Foto: Jean-Marie Bottequin
Lucheni wurde der Erzähler eines Lebens. Ihres Lebens. Er verhöhnt ihr Leben und alle die sich rund um sie scharrten. Mit Gemeinheiten – auch in Richtung Publikums – spart er nicht. In „Kitsch“ bekommt das Publikum das zu spüren, was bis heute gilt: Die Sammelleidenschaft und die Begaffung einer Frau, die bis heute ein Geheimnis ist, ebnete zumindest nach 1955 nie wieder ab.
Gerade bei der jungen Kaiserin Elisabeth war das Interesse anfangs riesengroß. Das Volk wollte sein Recht an der jungen schönen Kaiserin haben; als diese floh und sogar ihre Kinder zurückließ, ebnete das Interesse immer mehr ab. Zu ihrem 50sten Geburtstag erschien lediglich ein kleiner Artikel in der Zeitung, dass die Kaiserin Geburtstag habe. Das Volk in der Dynastie Österreich-Ungarn nahm sie überhaupt nicht mehr wahr.
Mit den Sissi-Filmen jedoch begann ein Hype, der auch Elisabeth – das Musical nicht töten konnte. Bis heute stehen Elisabeth Häferl weltweit in Kästen, hängen Bilder an den Wänden und Postkarten stehen an Souvenirständen zum Kauf bereit. Auch Tattoos mit Sisi Schriftzug oder Konterfei sind mir schon begegnet.
Der „Kitsch“ kennt keine Grenzen. Luigi Lucheni hat im Stück recht, wenn er Schokolade in die Menge schmeißt und höhnisch dabei lacht, wenn er sieht, dass die Menge im Publikum gierig danach greift.
Ethan Freemann Foto: angelofmusical
Aber lassen wir Ethan Freeman zu Wort kommen:
„Ich flog zu den Auditions nach Wien. … Ich wurde mit einem musikalischen Leiter weggeschickt, um mit ihm „Kitsch“ zu erlernen, was ich dann noch am selben Tag mit den Noten in der Hand präsentiert habe. Ich kann mich erinnern, dass ich vorm letzten „Kitsch“ so richtig fies gelacht habe, das war wohl infektiös und damit war die Sache wohl entschieden. Ich hatte scheinbar für die Kreativen die richtige Kombination von Kraft, Gewalt-Potential, Aussehen und Stimme…“ (4)
Sylvester Levay verstand es wie kein anderer, das Stück mit seiner Musik zu beseelen. Man meint manchmal sogar, die reale Elisabeth von hören, wenn sie von dem „Kirschbaum“ träumt, auf den sie nicht darf, weil Maman eine Gesellschaft erwarte und ihr Vater die Zither nimmt und aus Possenhofen flüchtet. Die 15jährige Sisi sitzt verlassen am Boden und träumt von „Gedichten schreiben und Reiten mit dem Wind“ und hofft darauf, dass ihr geliebter, von ihr angehimmelter Vater sie mitnimmt.
Uwe Kröger Foto: Alexander Ch. Wulz
Doch Herzog Max hat wie immer kein Einsehen mit seiner Lieblingstochter. Sisi bleibt traurig zurück und muss sich dem strengen Ton ihrer Gouvernante hingeben und sich umziehen gehen…
Michael Kunze tat sicherlich Recht daran, Elisabeth mit dem Tod kokettieren zu lassen. Ihre Todessehnsucht erahnt man schon an ihren frühen Gedichten. Als ihr Schwarm Richard Graf von Schwarzenberg stirbt, schreibt sie Wehklagen in ihr Tagebuch. Hier ist das erste Mal von einer Todessehnsucht zu lesen. Elisabeth war zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt.
Wie sehr sich das verstärkt, sieht man im späteren Verlauf ihres Lebens. Der Tod sollte also ihr Liebhaber sein. Einer der sie versteht, nach dem sie greifen kann, wenn sie ihn braucht, aber ihr niemals zu Nahe kommen darf. Michael Kunze wählte bewusst die Gestalt von Heinrich Heine, um den jungen attraktiven Dichter in Szene zu setzen.
Uwe Kröger, Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz
Langhaarig, blond, androgyn – so schritt der erste Tod 1992 von der Feile zum Totentanz der Zeitzeugen herab. Niemand geringerer als Uwe Kröger besetzte diese Rolle. Dass er der erste Rusty in Starlight Express war, sollte damals niemanden interessieren. Kröger spielte mit der Rolle, mit dem Publikum und löste einen wahren Hype aus – einen den er sich später – nach dem seine Fans sogar Selbstmorddrohungen ausstießen, als er sich die Haare für die Rolle von Chris für Miss Saigon abschneiden ließ – bitter bereuen sollte.
Der Tod der uns alle im gewissen Sinne begleitet, löst einen Machtkampf mit dem Publikum aus. Folgt man ihm oder kann man sich ihm entziehen? In 25 Jahren waren alle Tod-Darsteller blond oder zumindest brünett. Fast alle langhaarig. Nach Uwe Kröger folgten Paul Kribbe, Addo Kruizinga, Felix Martin, Máté Kamarás, Rob Fowler und natürlich der letzte Tod: Mark Seibert – er ist das momentane Sexsymbol der Musicalwelt.
Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz
Pia Douwes war die erste Elisabeth. Sie lieh ihr Stimme, Aussehen, Charakter und Eigenschaften, die die wahre Elisabeth zu haben schien. Ihre Darstellung ist bis heute unangefochten mit dieser Rolle verwoben und verbunden.
Viele Elisabeths folgten auf 25 Jahre Welterfolg. Die bekanntesten neben Pia Douwes sind natürlich Maya Hakvoort, Annemieke van Dam und die letzte Roberta Valentini.
Fragt man Musicalfans der ganzen Welt, sind sich diese uneinig, wer nun „DIE“ Elisabeth sei.
Fragt man mich, würde ich uneingeschränkt Maya Hakvoort nennen. Ihre Stimme hat mich von der ersten Minute an gepackt und ließ mich nicht mehr los. Aber auch Roberta Valentinis Darstellung behagt mir sehr.
Sie ist vor allem konstant durchgehend eine Elisabeth, der man jede Station abnimmt. Derselbe „Streit“ entsteht bei den Rollen von Der Tod und Luigi Lucheni. Hier gibt es eigentlich auch nur 2 Antworten für mich: Paul Kribbe war und wird immer „mein“ Tod sein, danach folgt für mich persönlich Mark Seibert. Bei Luigi Lucheni tendiere ich zwischen Bruno Grassini und Kurosch Abbasi, aber auch Serkan Kaya gefiel mir außerordentlich gut.
Aber was ist nun mit Kaiser Franz Joseph, Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Sophie, Graf Grünne, Kardinal Rauscher, Herzogin Ludovika, Néné usw. Viele von ihnen haben eine Stimme bekommen, ein paar sind nur Nebendarsteller und erscheinen wirklich nur am Rande.
Im Prinzip erstrahlt das Musical mit 3 Hauptdarstellern: Elisabeth, Der Tod, Luigi Lucheni. Der Rest ist in Nebenrollen oder winzigen Sequenzen zu sehen.
Pia Douwes, Foto: Jean-Marie Bottequin
Das Hauptlied des ersten Teils ist mit Sicherheit der Song „Ich gehör nur mir“. Hier bricht Elisabeth aus. Hier zeigt sie, dass sie nicht die Person ist, die sich einsperren, quälen, begaffen und berichtigen lässt, wie es allen anderen am Wiener Hofe passen würde. Allen voran natürlich Erzherzogin Sophie oder auch dem Kaiser, der sich weder gegen seine Frau, noch gegen seine übermächtige Mutter durchsetzen kann.
Der Text von „Ich gehör nur mir“, könnte genauso gut aus der Feder von Kaiserin Elisabeth per se stammen. Man könnte meinen, dem Schreiberduo ist dies aufs Notenblatt diktiert worden. Egal wer dieses Lied im Stück singt – Gänsehaut ist vorprogrammiert. Dieses Lied ist das Herzstück des ersten Teiles, dass was Elisabeth ausmacht.
Aber auch Lieder wie „Milch“ (1992 noch an anderer Stelle als heute), Kaffeehaus-Szene oder „Nichts nichts gar nichts“ sind bezeichnend für den Weg von Elisabeth.
Der wütende Mob vor der Hofburg, der mit Milchkannen beinahe wie auf die Bastille zustürmt und um „Milch“ schreit, während die Kaiserin darin badet. Bezeichnend für ihren Schönheitskult „Unsre Kais’rin soll sich wiegen, kämmen, pflegen und erfrischen“.
Was wir alle an Sisi bewundern ist ihre Schönheit, ihr ambivalenter Charakter, ihr exzessives Leben. Das Leben des Volkes aber berücksichtigen wir im Grunde unseres Herzens nicht, wenn wir die Bilder dieser strahlenden Schönheit in den Krinolinenkleidern bewundern. Das Volk hungert, friert und hat kaum das Nötigste, während Sisi in Milch badet, weil das ihrem Teint zu Gute kommt.
Wer jetzt das ungarische Krönungslied „Wenn ich tanzen will“ in der Aufzählung vermisst, wird bitter enttäuscht sein, wenn ich sage, dass dieser Song 1992 noch nicht auf der Welt war.
Uwe Kröger mit Rudolf-Darsteller, Foto: Alexander Ch. Wulz
Erst im späteren Verlauf der Geschichte kommt Kronprinz Rudolf vor. Zuerst als kleiner Junge, der verzweifelt nach seiner Mutter weint. Natürlich ist es „der Tod“ der den Kleinen tröstet, denn Rudolf hat die Melancholie seiner Mutter geerbt.
Im weiteren Verlauf wird im Duett „Wenn ich dein Spiegel wär“ klar, dass die Mutter ihren Sohn weder verstehen will, noch ihn jemals verstanden hat. Ihre Arroganz und Verbitterung gegenüber dem verzweifelnden Sohn wird mit Minute zu Minute klarer.
Bezeichnend ist es natürlich, dass der Tod in Gestalt mit einem verkleideten Todesengel der Mary Vetsera darstellt, auf Rudolf lauert. Der Schuss ist nur der Anfang von einem Ende, das schon lange vorher eingeläutet wurde.
Wenn Elisabeth weinend am Sarg ihres Sohnes, der sich durch die Bühnenkonstruktion langsam in die Erde absenkt, zusammenbricht ist meistens ein Raunen im Publikum zu hören: „Die arme Mutter…“
Die arme Mutter die mit „Rudolf, wo bist du“ ihre letzten Jahre einläutet. Depressiv, einsam, schwarz gekleidet, flieht sie vor ihrem eigenen Ich.
Pia Douwes, Viktor Gernot Foto: Alexander Ch. Wulz
Auf Cap Martin versucht ein alter, gebrochener, wehklagender, zerbrechlich wirkender Kaiser Franz Joseph seine Sisi noch einmal zur Umkehr zu bitten. Das Duett „Zwei Boote in der Nacht“ ist bezeichnend für das letzte Kapitel, für die Verbitterung Elisabeths niemals Verzeihen zu können.
Danach folgt unweigerlich Luigi Lucheni, der nach einem fürchterlichen Alptraum Kaiser Franz Josephs, wo er den Tod Elisabeths vor Augen hat, vom Tod die Feile in die Hand geworfen bekommt und losstürmt.
Bim-bim… die Schiffsglocke. Elisabeth und „der Schleier fällt“. Der Tod hat endlich seine Sisi im Arm, sie gibt sich dem hin, was sie Jahrzehntelang erträumt und sich nicht getraut hat: zu sterben…
Im Grunde ist damit die Geschichte erzählt, auch wenn ich hier natürlich Szenen ausgelassen habe, die unweigerlich dazugehören; aber ich möchte euch ja noch den Triumphzug quer durch die Welt erzählen…
Die komplette Cast der Weltpremiere am 3.9.1992 war:Darsteller:Kaiserin Elisabeth Pia DouwesDer Tod Uwe KrögerLuigi Lucheni Ethan FreemanKaiser Franz Joseph Viktor GernotErzherzogin Sophie Else LudwigKronprinz Rudolf Andreas BieberKronprinz Rudolf Kind Markus NeubauerHerzog Max in Bayern Wolfgang PamperlHerzogin Ludovika/Frau Wolf Christa WettsteinHelene von Wittelsbach Rebecca RashidLudwig Graf Grünne Peter FaerberKardinal Rauscher Dean WelterlinFelix Fürst zu Schwarzenberg Harald HofbauerBaron Hübner Günther SchulzBaron Kempen Eric MinskGräfin Sztáray Nicole SiegerGräfin Esterhazy-Liechtenstein Isabella FritdumMaximilian von Mexiko Stanislaus MeusMary Vetsera Marion WilmerJunger Ungarischer Adeliger Frank LohmannGraf Andrássy und Graf Bathyány Aris SasFanny Feifalik Gabriela KuhnEine Hofdame Marika LichterEine Gouvernante Ina RetzbachEin Professor Christian HauserFräulein Windisch Jasna IvirTodesengel Michael BernhardSteven BernierTheresa Bomme Daniela Colantuanto
Kreativ Team: Regie Harry Kupfer Musikalische Leitung Caspar Richter Choreographie/Musical Staging Dennis Callahan Bühnenbild Hans Schavernoch Kostüme Reinhard Heinrich Lichtgestaltung Hans Toelstede Tongestaltung Erich Dorfinger
Nach dem tosenden Applaus des Premierenpublikums der Schock. Die Presse verriss das Stück, Peter Weck und alle Darsteller. In den Feuilletons der Zeitungen stand sowas wie:
„Was für ein Kaiserinnen-Schmarren“ (Presse), die weiter schrieb: „Nichts, aber auch wirklich gar nicht, haben die Autoren unternommen, um der Gefahr der Verkitschung zu entgehen.“
„Munter geht die Sissi unter“, hieß die andere Schlagzeile. „Sie sind aber auch allesamt, die Darsteller von geringem Format (Kurier).
„Was einst vom Hauch der Hohen Kunst umfächelt war, hier brettert Kupfer die gleichen Mittel, nur etwas angeschmuddelt auf die Bühne“ (Der Standard).
„Kunzes Text macht Elisabeth zum Nachtschattengewächs.Ein großer Musicalwurf ist es nicht! (Kronen Zeitung) usw.
Doch was die Kritiker nicht bedachten war das Publikum.
Elisabeth wurde wie kein zweites Musical zuvor und danach geliebt. Einzig „Tanz der Vampire“ kann denselben Erfolg verbuchen, wie Elisabeth 1992.
Aber Tanz der Vampire eröffnete erst am 4.10.1997, mit einem grandiosen Steve Barton, die Pforten.
Peter Weck erzählt:
„Das Medienecho war für die Darsteller natürlich furchtbar deprimierend. Um mein Ensemble zu trösten und zu beruhigen, allen das verdiente Lob auszusprechen, ging ich damals von Garderobe zu Garderobe und habe Künstlerinnen und Künstler aufgebaut und ihnen versichert, dass diese Kritiken nicht gegen sie, sondern einzig und allein gegen mich gerichtet seien. … Der Erfolg beim Publikum aber wog alles auf, und Elisabeth hat letztendlich bewiesen, dass ein „Kaiserinnen-Schmarrn“ kein Schmarrn sein muss.“ (5)
Maya Hakvoort Foto: Alexander Ch. Wulz
Die Saison von Elisabeth dauerte 4 Jahre und wurde bis am 25.4.1998 gespielt. Mozart löste Elisabeth im Elisabeth Jahr ab – zum 100jährigen Todestag von Kaiserin Elisabeth (10.9.1998) ertönte Mozart aus den Mikrophonen der VBW Darsteller.
Ab 1994 übernahm Maya Hakvoort die Rolle der Elisabeth und spielte diese bis zum 25.4.1998. Mit ihr gingen und kamen neue Gesichter. Uwe Kröger spielte noch eine Zeitlang, genauso wie Andi Bieber, Viktor Gernot, aber auch sie wurden durch Paul Kribbe, Thomas Harke oder Leon van Leeuwenberg mit der Zeit ersetzt und auch hier gab es später wieder einen Castwechsel.
Pia Douwes, Uwe Kröger, Foto: Theater des Westens
Pia Douwes über ihre Rolle:
„Ich war zunächst platt, ich war fertig. Diese Rolle hat mich sehr mitgenommen – aber auch diese Frau. Ich erkenne mich in ihr. Ich verstehe ihre Depressivität, und wie es ist, manchmal überfordert zu sein, mit zu vielen Menschen. Ich verstehe ihre Tierliebe, Liebe zur Natur und zu Sprachen. Ich habe sie so gut verstanden, dass ich sie mit nach Haus genommen habe, und musste erst nach und nach lernen, sie im Theater zu lassen.“ (6)
Über die Rolle zum „Tod“ befragt, die er nachhaltig kreiert hatte, gab Uwe Kröger die Antwort:
„Bei der Erarbeitung der Rolle hat mir sehr geholfen, dass Harry Kupfer eine ganz präzise Vorstellung von dem hatte, was der Tod macht – vor allem in „Der letzte Tanz“. Das ist der Bruch des Surrealen – ein Geist zu sein, für den es sich seltsam anfühlt, menschlich zu sein. Man ist ein Gott des Universums, der unfassbare Gevatter Tod – und doch hat man so etwas wie menschliche Gefühle. Die Figur darf nie eindimensional werden – das war Harry Kupfer ganz wichtig.“ (7)
Was danach folgte, ist legendär für dieses Stück. Es ging um die Welt.
Seit 16.2.1996 (immer wieder mit Unterbrechungen) spielt Elisabeth in Takarazuka Revue Theater in Takarazuka; also in Japan.
Ungarische Aufführung Foto: RoseDiMontague
Am 17.8.1996 folgte die Aufführung in Ungarn. Die Freilichtbühne Szeged war dabei das Ziel. Ab 6.10.1996 wurde es dann im Operettenhaus Budapest gespielt.
Die schwedische Aufführung fand am 30.9.1999 ihre Premiere. Im Musiktheater i Vármland in Karlstad wurde es dann bis zum 9.1.2000 gezeigt.
Pia Douwes in Scheveningen, Foto: Joop van den Ende Theaterproducties
Auch in Holland hielt das Stück Einzug. Genauer gesagt in Scheveningen im Circustheater wurde es ab 21.11.1999 bis 22.7.2001 gespielt. 1999 übernahm die Rolle niemand geringerer als Pia Douwes.
Am 6.6.2000 war im Imperial Garden Theater in Tokio/Japan die Premiere.
Uwe Kröger und Pia Douwes in Essen, Foto: tansytrading.weebly.com
Deutschland musste bis zu seiner Erstaufführung bis ins Jahr 2003 warten. Essen war das auserkorene Ziel.
Das Colosseum Theater lud ab 22.3.2001 bis 29.6.2003 zum Musical ein. Elisabeth und Der Tod wurden von Pia Douwes und Uwe Kröger dargestellt.
Zum 10. Jahrestag des Stückes, lud man die illustren Gäste ins Wiener Konzerthaus. Das Konzert fand am 21.10.2002 statt. Besetzung waren u.a. Pia Doues, Maya Hakvoort, Uwe Kröger, Felix Martin, Ethan Freemann, Thomas Borchert, Viktor Gernot, Else Ludwig, Andi Bieber und Wolfgang Pampel. Viktor Gernot schlüpfte zum definitiv letzten Mal in die Uniformsjacke. Er verließ bereits 1997 das Genre Musical, um ab diesem Zeitpunkt mit den Hektikern Karriere zu machen. Mittlerweile ist er ein gefeierter Comedian und Solokünstler.
Maya Hakvoort und Maté Kamarás, Foto: VBW
Ab 6.10.2003 bis 4.12.2005 kam Elisabeth wieder zurück nach Wien. Maya Hakvoort übernahm erneut die Elisabeth. Máté Kamarás wurde Der Tod und Serkan Kaya Luigi Lucheni.
André Bauer, Maté Kamarás, Maya Hakvoort, Foto: Alexander Ch. Wulz
Maya Hakvoort über die Rolle ihres Lebens: „Ich wollte so nah wie möglich an das Original herankommen. Ich wollte zeigen, wer Elisabeth wirklich war. Um das auf der Bühne glaubhaft zu vermitteln, habe ich wahnsinnig viel über sie gelesen und bin an viele Orte, an, welchen sie auch war, gereist. Ich war auf Korfu, Madeira, natürlich in Bad Ischl und Wien. Aber auch im Schloss Gödöllö in Ungarn und auch sonst bin ich viel durch Ungarn gereist, da ich wusste, wie viel Elisabeth dieses Land bedeutete.“ (8)
Maya Hakvoort vor dem Schloss Miramare in Triest, Foto: Rolf Bock
2x gastierte Elisabeth in Triest im Schloss Miramare. Vom 21.7. – 27.7.2004 und vom 31.7. – 6.8.2005. Beide Male begrüßte Maya Hakvoort ihr Publikum. Ihr zur Seite standen Thomas Borchert als Der Tod und Bruno Grassini als Luigi Lucheni.
Nach Deutschland kehrte es am 6.3.2005 zurück. Im Apollo Theater in Stuttgart gastierte es bis zum 17.9.2006. Nur einige Gastvorstellungen wurden von Pia Douwes gespielt.
Thérèse Karlsson, Tomi Metsäketo. Foto: Turun kaupunginteatteri, Robert Seger
Auch das finnische Publikum durfte sich über unsere Kaiserin Elisabeth freuen. Vom 23.9.2005 bis 30.12.2006 wurde es in Turku im Turun Kaupunginteatteri gespielt.
Die Schweizer Fangemeinde freute sich über Elisabeth in Thun bei den Thuner-Seespielen. Es gastierte vom 19.7. bis 30.8.2006 auf der wunderschönen Seebühne.
Pia Douwes, Uwe Kröger, Berlin Foto: Theater des Westens
Uwe Kröger und Pia Douwes kehrten als Der Tod und Elisabeth nach Berlin auf die Bühne zurück. Vom 20.4. bis 27.9.2008 feierten sie im Theater des Westens furiose Erfolge.
Annemieke van Dam, Foto: VBW
Annemieke van Dam übernahm erstmalig die Rolle bei der großen Europatournee, die sie vom 17.10.2008 bis 25.4.2010 durch Zürich, Antwerpen, München, Frankfurt, Bremen, Bregenz und Düsseldorf führen sollte. Der Tod wurde Oliver Arno, aber auch Uwe Kröger übernahm immer wieder Gastauftritte.
Die zweite Europatournee wurde am 11.10.2011 gestartet und lief bis zum 6.5.2012. Die Städte waren: Köln, Frankfurt, München, Basel, Essen, Bremen, Chemnitz, Erfurt, Leipzig, Dresden, Triest.
Annemieke van Dam übernahm wieder die Elisabeth und Der Tod wurde niemand geringerer als Mark Seibert. Man kann sagen: Er kam – sang – und siegte. Nach Uwe Kröger sollte kein weiterer Tod diesen Hype miterleben, wie Mark Seibert. Seine weitere Karriere ist bis heute grenzenlos: Mozart, Schikaneder, Tanz der Vampire – um nur einige Stationen zu nennen.
Mark Seibert Foto: Herbert Schulze
Mark Seibert über die Rolle: „In einem Musical sind die Rollen in gewisser Weise wie ein Korsett vorgegeben. Man hat die Texte, die Songs und auch das „Staging“ – also die Form, wie ein Darsteller in der Szene agieren muss. Die technischen Abläufe sind im Musical sehr klar festgelegt, und diese Vorgaben bieten nicht sehr viel Freiraum. Doch bei der Interpretation einer Rolle wird einem immer ein gewisser Spielraum eingeräumt, innerhalb dessen man agieren und sich entfalten kann. So durfte ich die Rolle des Todes trotzdem mit meiner eigenen Note versehen und sie zu der meinen machen.“ (9)
Und wer glaubt, dass dieser Triumphzug schon alles war, irrt.
Korea Foto: SCE.PLAY.ssongbs
Selbst Korea war im Elisabeth Fieber. Vom 9.2. bis 13.5.2012, 26.7. bis 7.9.2013 und 14.9. bis 20.10.2013 wurde es an verschiedenen Theatern und Orten aufgeführt. Mit dabei Seoul, Busan, Daegu, Gwangju und Changwon.
Daniela Ziegler, Annemieke van Dam, Foto: barbara2446
Die 20jährige Jubliäumsproduktion wurde wieder in Wien – diesmal im Raimundtheater – eingeläutet. Vom 5.9.2012 bis 1.2.2014 durfte das Publikum wieder „ihre“ Elisabeth in Wien sehen. Cast war niemand anderer als Annemieke van Dam als Elisabeth, Der Tod Mark Seibert und als Luigi Lucheni war erstmals Kurosch Abbasi in Wien zu sehen. Hier gab es eine ganz besondere Erzherzogin Sophie zu hören.
Niemand geringerer als die Grand Dame des Schauspiels und Gesangs Daniela Ziegler – „die“ Norma Desmond aus Sunset Boulevard – übernahm diesen Part.
Roberta Valentini, Maximilian Mann in Shanghai/China, Foto: Liza Makepise
Plakat zum Konzert in Osaka mit Maya Hakvoort, 2012, Foto: kultur-channel.at
Aber auch Osaka/Japan durfte sich über ein 20jähriges Jubiläumskonzert freuen. Vom 15.10. bis 22.10.2012 und vom 26.10. bis 31.10.2012 gastierte es erneut in Japan. Mit dabei waren Maya Hakvoort, Máté Kamarás, Lukas Perman, Bruno Grassini, André Bauer usw.
Als es endlich nach China kam, war der Aufschrei in der Presse riesengroß. Niemals zuvor hat es ein Stück der VBW nach China geschafft. Vom 12.12.2014 bis 11.1.2015 gastierte in Shanghai Elisabeth. Und hier treffen wir auf die vorletzt letzte Elisabeth: Roberta Valentini. „Ihr“ Tod war natürlich Mark Seibert, Luigi Lucheni Kurosch Abbasi.
Roberta Valentini Foto: La Belle/Juliane Bischoff
Roberta Valentini über Elisabeth: „Sie ist eine starke, selbstbewusste und liebende Frau. Viele sagen, dass sie egoistisch sei, was sicher auch in gewisser Weise stimmt. Aber sie ist auch eine einfühlsame und liebende Frau. Diese Balance zu spielen ist schwer und gleichzeitig auch das Reizvolle daran.“ (10)
Mit dieser Besetzung ging die 3te und vorläufig letzte Europatournee los. Vom 25.2.2015 bis 14.2.2016 führte die Tournee nach Essen, München, Linz, Frankfurt und Berlin
Und wer Elisabeth jemals gesehen hat, wird wissen, dass dies nicht die letzte Aufführung gewesen sein wird.
Auch Schloss Schönbrunn führte die „konzertante“ Version von „Elisabeth“ mehrfach auf. 2019 fand das erste Mal im Ehrenhof des Schlosses die Aufführung statt, 2024 wurde es zum Letzten Mal aufgeführt.
Foto: SHOW FACTORY Entertainment
Die Rolle der Elisabeth wurde geteilt. Die „junge“ Elisabeth wurde von Abla Alaoui gespielt, die „alternde“ Kaiserin übernahmen (je nach Jahr) die Damen Maya Hakvoort und Annemieke van Dam. Bei „Ich gehör nur mir“ war der sensationelle Wechsel, der dem Zuschauer im Ehrenhof Gänsehaut Momente bescherte.
Einen eigenartigen Aufschrei gab es als Gino Emnes, der gefeierte Musicaldarsteller aus „Rocky“ (Hamburg) die Rolle des „Tod“ übernahm. Dass immer noch eine Hautfarbe abhängig von einer Schauspielleistung ist, werde ich niemals verstehen.
Foto: VBW/Manfred Szieber Gino Emnes mit Annemieke van Dam Foto: VBW/Manfred Szieber Abla Alaoui als „junge“ Elisabeth
Foto: SHOW FACTORY Entertainment/Katharina Schiffl André Bauer und Abla Alaoui
Die einzige Anmerkung die ich dazu geben möchte ist, wenn man schon die Rolle der Kaiserin teilt, dann sollte man auch die des Kaisers teilen. André Bauer spielt schon seit Jahren Kaiser Franz Joseph und er macht das wirklich sehr gut. Allerdings sei hinzugefügt, dass André nun ebenfalls in einem Alter ist, in welchem die „junge“ Elisabeth eher wie seine Enkelin aussieht und nicht wie seine Frau. Immerhin war Elisabeth im realen Leben nur 7 (!) Jahre jünger, als der reale Franz Joseph.
Auch wenn sich das Stück im Laufe der Zeit verändert hat, Lieder hinzugeschrieben, Szenen verschwanden oder umgeändert oder neu platziert wurden, so ist dieses Musical etwas ganz besonderes.
Auch, wenn mir persönlich nicht alle Änderungen gefallen und ich so manch Kostüm scheußlich finde – der Charakter ist geblieben. Aber 1992, ja 1992 war etwas ganz besonderes. Und wer dabei war, wird jetzt ein kleines Lächeln auf den Lippen haben…
Zum Schluss möchte ich noch Sylvester Levay zu Wort kommen lassen, der sicherlich am meisten geprägt wurde. Seine Frau Monika Levay ist eine anerkannte Expertin und Sammlerin. Ihre Original Exponate waren schon oftmals in mehreren Ausstellungen zu sehen; oft wird sie zu Expertisen rund um Kaiserin Elisabeth herangezogen. Sylvester Levay kann Kaiserin Elisabeth gar nicht entfliehen – immerhin bewohnt er einen Teil im Schloss Schönbrunn und hat sie somit täglich vor Augen.
„Wir wollten kein Musical, wie es auch wunderbare Stücke am Broadway gibt, schreiben, in denen Lieder von kurzen Texten, in denen die Geschichte erzählt wird, unterteilt werden. Bei uns sollten nur die wichtigsten, kurze Sätze in der Stille wirken, sonst wollten wir immer eine Untermalung, damit die emotioniale Bedeutung und Tiefe der gesprochen Worte durch die Musik noch besser vermittelt wird.“ (11)
Sylvester Levay Foto: ooe.orf.at
Und das können wir so stehen lassen…
Bleibt nur noch eines, was es zu sagen gibt:
Wir Zuseher müssen auch mal DANKE sagen:
DANKE LIEBER MICHAEL KUNZE, SYLVESTER LEVAY, PETER WECK, HARRY KUPFER, PIA DOUWES, UWE KRÖGER, ETHAN FREEMANN, MAYA HAKVOORT, MÁTÉ KAMARÁS, ROBERTA VALENTINI, MARK SEIBERT UND ALLE ANDEREN
(WER NICHT AUFGEZÄHLT WURDE, SOLL SICH BITTE NICHT BENACHTEILIGT FÜHLEN).
Danke für die wunderbaren Theaterstunden. Wir freuen uns bis zur nächsten Aufführung, wenn es wieder heißt:
Alle tanzten mit dem Tod, doch niemand wie …
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Petra Schimbäck
Rechtliche Hinweise:
Text + Recherchen: Petra Schimbäck Bildrechte: ooe.orf.at, La Belle/Juliane Bischoff, Liza Makepise, barbara2446, SCE.PLAY.ssongbs, VBW, Thuner Festspiele, Theater des Westens, Robert Seger, Rolf Bock, Alexander Ch. Wulz, tansytrading.weebly.com, tansytrading.weebly.com, Joop van den Ende Theaterproductions, Jean-Marie Bottequin, Amazon.de, angelofthemusical, APA (Privat), lewin-management.de, Takarazuka Revue Theater, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Literatur Hinweise:
1 – S 299/300, 5 – S 303 Peter Weck War’s das? Amalthea 2010, 1. Auflage
2 – S 4, 3 – S 10, 4 – S 35, 6 – S 21, 7 – 27, 8- 99, 9 – S 171, 11 – S 8 Blickpunkt Musical Elisabeth
10 – S 7 Blickpunkt Musical Elisabeth – Shanghai & Europa Tournee 2015/16
Peter Back-Vega Theater an der Wien: 40 Jahre Musical Amalthea Verlag, Wien 2008
Attila E Láng 200 Jahre Theater an der Wien Holzhausen Verlag, 2001
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth Bild: F.X: Winterhalter
– wie soll man aufbegehren, wenn man kaum atmen kann?
Dieses Zitat in der InStyle Dezember 2025 von Zoë Bleu war die Inspiration für mich, euch diesen Beitrag zusammenzustellen, den es in ähnlicher Form bereits einmal gab.
Das gesamte Zitat lautet:
„Das Korsett aus dem 19. Jahrhundert, die Mina trägt sind optisch toll, aber sehr einengend für den Körper. Aber das war damals natürlich Sinn der Sache. Frauen wie Mina sollten kleingehalten werden – wie soll man aufbegehren, wenn man kaum atmen kann?
Zoë Bleu (Tochter von Patricia Arquette) spielt die Doppelrolle von „Mina & Prinzessin Elisabeta“ im neuen Dracula-Film „Dracula – Die Auferstehung“.
Natürlich geht es hier nicht um Filmkleidung, sondern um die echte, reale Kleidung jener Person, um die es hier immer geht: Kaiserin Elisabeth
Jedoch stimmt das Zitat mehr, als man jemals das 19. Jahrhundert beschreiben konnte. Es gilt für alles: es gab keine Rechte für die Frauen! Sie hatten Schön zu sein, Kinder zu bekommen, sich karitativen Zwecken kümmern (sofern überhaupt schon vorhanden) und das Wichtigste überhaupt: Still zu sein!
Die Schönheit der Kaiserin wird ein eigenes Thema darstellen, ebenso das Frauenbild des 19. Jahrhunderts, welches ihr allerdings schon als #1 Folge des Podcasts „Sisi – der Podcast“ anhören könnt.
Deshalb widme ich diesen Beitrag der Qual des Korsetts, der Krinoline und der Tournüre.
Aber natürlich muss ich auch hierzu weit ausholen, denn das Modethema ist komplex.
Foto: Wikimedia/Commons Charlotte Prinzessin von Belgien, 3jährig Bild: F.X.Winterhalter
Wir beginnen mit der Kindheit von Herzogin Elisabeth, welche bestimmt wurde durch die Mode des Biedermeiers, man verzichtete teilweise auf das Korsett, oder zumindest auf eine übermäßig feste Schnürung .
In unserer Zeit können wir auf Instagram und Co Accounts folgen, auf welchem Töchter und Mütter die gleichen Kleider tragen. Das „mini me“ sozusagen. Doch das ist keine Erfindung der Social Media Kanäle, dies gab es schon immer und vor allem in den vergangenen Jahrhunderten. Die Töchter aus adeligem Haus oder gutem Bürgertum, wurden wie die großen „Vorbilder“ Mutter eingekleidet. Selbstverständlich immer von Bediensteten!
Foto: Wikimedia/Commons Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Gisella
Die weiten Röcke der Kleider waren kurz, so dass die mit Rüschen und Spitzen verzierten Beinkleider sichtbar waren und zumindest ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit erlaubten.
Foto: Wikimedia/Commons
Die Buben trugen lange Hosen und darüber ein kurzes Kleid. Wer es sich leisten konnte, kleidete seinen Sohn mit einem Matrosenanzug, der uns das gesamte restliche 19. Jahrhundert als beliebtestes Kleidungsstück für Knaben begleiten wird.
Die Damenmode veränderte sich etwa ab der Mitte der 1830er Jahre wesentlich und zeichnete sich durch eine Silhouette aus, die vor allem ein kegelförmiger, weiter Rock ausmachte.
Der wiederum wurde durch eine Vielzahl von Unterröcken in eine immer breitere Form gebracht.
Foto: Wikimedia/Commons
Ab etwa 1835 wurde wieder eine deutliche Taillenbetonung sichtbar, denn auch die Biedermeier-Mode änderte sich innerhalb ihrer Epoche.
Durch das Korsett rückte die Taille wieder optisch an ihren Platz und wurde so im Vergleich zur Zeit des vergangenen Empire-Stils, in der sie gar nicht zu sehen gewesen war, wieder sichtbar.
Reifröcke und Korsetts waren ab sofort wieder Kleidungsteile, die in keinem Fall fehlen durften, um die Weite der Röcke zu erreichen und außerdem eine schlanke Taille zu vermitteln.
Das absolute Highlight dieser Zeit waren jedoch die ausgefallenen Ärmeln.
Man nannte sie nicht nur Ballon- bzw. Schinkenärmel oder sogar Hammelkeulenärmel, sie sahen auch tatsächlich so aus. Um diese aufgebauschte Form zu erreichen, musste man diese Ärmel mit Rosshaar- und/oder Fischbeinstäbchen verstärken. Über diesen Unterbau drapierte man dann den Stoff, der in Falten gelegt wurde. Einen ähnlichen Faltenwurf hatte das Kleid dann auch am Dekolleté.
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Sophie
Die verwendeten Stoffe waren gemustert. Man bevorzugte Karos, Streifen und auch diverse Blumenmuster.
Einfarbige, glänzende Stoffe waren für die Abendgarderobe bestimmt. Dafür wurden dann hauptsächlich Seidenstoffe oder andere edle Materialien verarbeitet.
Was aber besonders charakteristisch für diese Mode war die Schute.
Foto: Wikimedia/Commons
Ein Hut der unter der Kinnpartie mit Bändern gebunden wurde, so dass eine Schleife entstand. Die Krempe das Gesicht. Es gab die Schute aus geflochtenem Stroh oder aus Stoff. Die Hüte aus Stoff hatten einen Unterbau aus Drahtgestell, über das der Stoff gespannt wurde. Je nach Jahreszeit wurden die Hüte sogar wattiert oder mit einem wärmenden Polster ausgestattet. Solche Hüte wurden aufwendig mit Blumen und Federn, mit Früchten und Tüll verziert.
Zu allen Zeiten versuchte man den weiblichen Körper der Mode anzupassen, anstatt wie es in vielen Fällen bestimmt gesünder gewesen wäre, die Mode an den Körper der Frau anzupassen. Es war also nicht „nur“ Kaiserin Elisabeth, welche Wert auf eine schmale Taille legte. Generationen von Frauen taten dies vor ihr. Nur ihr, wird das immer noch – bis heute (!) – vorgeworfen!
Wenn ihr nicht wisst, wie man eine Wespentaille von 50 cm bekommt, dann werde ich euch das jetzt ein wenig erklären.
Die Definition für das Korsett lautet: „als Korsett bezeichnet man ein steifes, zur Unterkleidung gehöriges Kleidungsstück, dass eng am Körper anliegt, und diesen den jeweiligen Modelinien entsprechend formt“
Das Wort Korsett wurde in Frankreich geboren. Aus dem lateinischen „corpus“ wurde der Körper frz. „le corps“ zu „le corpsette” verkleinert, um diesem Kleidungsstück einen eigenen Namen zu geben und daraus entstand schließlich „le corset“.
Oft werden auch die Begriffe Schnürleib, Schnürbrust und Mieder genannt, der Unterschied besteht darin, dass Schnürleib bzw. Schnürbrust als eigenständiges Kleidungsstück unter der sichtbaren Kleidung getragen, das Mieder jedoch als sichtbares Kleidungsstück außen getragen wurde. Wir kennen es heute vor allem in der Trachtenmode immer noch.
Auch wenn es in der Antike nicht üblich war, fand man Hinweise, dass an hohen Feiertagen korsettähnliche Kleidungsstücke getragen wurden.
Foto: muellerundsohn.com
Auf Knossos fand man eine Statuette der Schlangengöttin, das Besondere daran ist ihre dargestellte Kleidung. Sie zeigt eine stark geschnürte Taille durch eine Art Mieder, welches die nackten Brüste fest umschloss und zum anderen die Aufteilung in Rock und Oberteil, eine Ausnahme in dieser Zeit.
Die Griechen und Römer verwendeten Bänder und Gürtel, um die Taille schmal und den Busen hoch zu halten.
Man unterschied zwischen:
1. Brustbänder, die über dem Hemd getragen wurden 2. Brustbänder, die direkt auf dem Körper getragen wurden 3. Bänder (Gürtel), die um die Taille gelegt wurden
Im Mittelalter trug man möglicherweise korsettartige Unterwäsche, die nur zur Haltungskorrektur, aber nicht zur Körperformung diente. Man verwendete Leibbinden um den Körper zu formen und den Busen zu heben. Die Kleider wurden mit aussenliegenden Schnürwerk zusätzlich in Form gebracht.
Im 15.Jahrhundert war das Schnürmieder noch relativ weich. Es bestand aus verzierten Baumwollstoffen oder aus Ziegenleder und wurde mit Bändern geschnürt. Es endete unter der Brust und reichte knapp bis zur Hüfte.
Ab 1500 n.Chr. wurde das Mieder aus zwei oder mehreren Schichten gestärkten Leinens mit Fischbein-, Eisen oder Holzschienen versteift um zusätzlichen Halt zu erreichen, in die vordere Mitte wurde das Blankscheit, ein oftmals kostbar verziertes Holzstück eingeführt.
Dieses versteifte Oberteil nannte man in Frankreich cors, im neufranzösischen dann corps.
Foto: Wikimedia/Commons Queen Eliszabeth I. *7.9.1533, Greenwich; †24.4.1603, Richmond
An kleinen angenähten Ösen konnte man die Strümpfe befestigen. Die vordere Mitte nannte man Schneppe, sie lief spitz zu. Manche Modelle drückten die Brüste flach mittels eingearbeiteter Bleiplatten und sollte somit die weibliche Form aufheben.
Aus dem 16., Anfang 17. Jahrhundert ist bekannt, dass es auch aus Eisen geschmiedete und mit Samt ausgelegte Korsettmodelle mit eingearbeiteter Brust oder unterhalb des Busens endend, gab. Diese Metallkorsetts dienten aber eher medizinischen Zwecken.
Bis zur französischen Revolution blieb diese Form annähernd gleich, wobei man damals nicht von einem Korsett sprach, sondern von einer „Schnürbrust“ oder „steifen Mieder“.
Foto: muellerundsohn.com
Zu Beginn der Barock (ca. 1615-1715) bekam der bis dahin flach geschnürte Busen wieder mehr Bedeutung, durch eingearbeitete Rundungen und teilweise sogar Polsterungen wurde er nun wieder bewusst betont.
Die Dekolletés wurden immer tiefer, so dass man gegen Ende des 17. Jahrhunderts fast vollständig entblößte Brüste hatte. Eigens eingearbeitete „Steißrollen“ dienten dazu, die ausladenden, schweren Röcke zu stützen. Die Modelle dieser Zeit wurden bereits aus kostbareren Materialien hergestellt und mit Rohr oder Fischbein verstärkt.
Foto: muellerundsohn.com
Mitte des 17. Jahrhunderts trug man zb in Spanien das Korsett sichtbar als Oberteil des Kleides. Es hatte eine überlange spitze Schneppe und war in der Brustmitte stark ausgepolstert, um eine gerade Fläche zu erzielen. Ein solches Stück reichte von der Hüfte bis zur Achsel und glich eher einer Rüstung als heutiger Unterwäsche.
Der Unterschied zu späteren Modellen liegt hauptsächlich darin, dass man bei der sogenannten Schnürbrust jedes Mal die Kordel zur Gänze entfernen musste.
Im Rokoko (ca. 1715-1790) kam der Beruf des Tailleur de corps à baleine (Fischbeinleibschneider) auf, man entwickelte bessere Passformen durch die Verlängerung über die Hüfte und das Einsetzen von Laschen um den Körper gezielter zu formen. Zu dieser Zeit wurde die Schnürbrust wieder hauptsächlich als Untergewand getragen.
Foto: muellerundsohn.com
Mehrlagiges Leinen durch eng aneinander liegende Stäbe versteiften es fast vollständig, in der vorderen Mitte wurde nach wie vor ein Blankscheit eingesetzt. Die Oberbekleidung bestand aus Brokat, Seide, Satin, Atlas und Spitze und wurde mit Goldstickerei verziert.
In England distanzierte man sich zum französischen Modestil und begann nur noch am Rücken und auch nicht mehr ganz so straff zu schnüren
Während des Klassizismus (ca. 1789–1814) wurde, auch durch die französische Revolution das Korsett so gut wie abgeschafft und man trug lediglich einen Brustgurt. Ab 1810 bevorzugte man dehnbare Untermieder aus Baumwolltrikot.
Foto: muellerundsohn.com
Im Biedermeier wurde das Korsett schon bald zum gesellschaftlichen Ausdruck von Moral und Anstand und somit zum zwingenden Bestandteil jeglicher Damengarderobe.
Vom Hochadel bis zum Mittelstand schnürten sich die Damen auf bis zu 40 cm Taillenumfang. Das Korsett wurde als eigenständiges Wäschestück nur noch unter dem eigentlichen Kleid getragen, war aber dennoch aufwendig verstickt oder bestickt. Es reichte weiterhin über die Hüfte, die nun durch angepasste Zwickel noch stärker geformt werden konnte. Insgesamt bestand ein solches Korsett aus bis zu 13 Einzelteilen. Ab 1828 wurden die Schnürlöcher, die bisher mit Seidenfäden umnäht wurden durch Metallösen verstärkt.
Foto: muellerundsohn.com
Man ersetzte das hölzerne Blankscheit durch ein zweigeteiltes mit Haken und Ösen versehenes Metallstück, wodurch das An- und Ausziehen wesentlich erleichtert wurde!
Wurde ein Korsett bisher maßangefertigt, begann man nun, sie industriell herzustellen und sie zusätzlich durch Dampf in Form zu pressen.
Gegen Ende des 19. Jahrhundert wurden Federstahlbänder, Stahlspiralen oder Hornstäbe dazu verwendet den Körper in Form zu zwingen. Durch die industrielle Fertigung wurde das Korsett zur Massenware und somit für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich. Eigene Webtechniken ermöglichten die Fertigung in einem Stück wodurch der Tragekomfort durch das Wegfallen störender Nähte erheblich stieg.
Foto: muellerundsohn.com
Das Aufkommen der Krinoline ließ das Formen der Hüfte unnötig werden und somit wurde auch das Korsett wieder kürzer! Die Korsettstäbe in Vorder- und Rückenteil waren in der Taille stark konkav gebogen und verstärkten somit den Eindruck der Wespentaille zusätzlich.
Die Erfindung der Nähmaschine 1863, löste die Webtechnik ab und revolutionierte die Korsettfertigung, da die aus Einzelteilen zusammengenähten Korsetts eine wesentlich höhere Passform aufwiesen und preiswerter in der Herstellung waren. Man achtete mehr auf Hygiene und begann das Korsett über einem weiterem Wäschestück zu tragen.
Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erwies sich Fischbein, das aus den Barten des Wales gewonnen wurde, als ideales Versteifungsmaterial. Dieses sehr steife und zugleich biegsame Material trug nicht unwesentlich dazu bei, dass diese großen Meeressäuger gejagt wurden.
Zwischen 1870-1890 änderte das Korsett erneut die Form, die „Kürass Taille“ war höher gelegen und sehr lang gezogen. Es war vorne stark verlängert und schloss den Bauch rund ein, auch die Hüften wurden wieder mit geformt, da die Kleider nun enger wurden.
Foto: muellerundsohn.com
Die Brust wurde bewusst angehoben um die Taille optisch weiter zu verlängern, dadurch benötigte man ein eigens entwickeltes Löffelblankscheit aus Metall um ausreichend Stützung zu erhalten. Die ideale Taille lag zu dieser Zeit zwischen 43 und 53 cm!
In der Zeit des Belle Epoche bekam das Korsett eine gerade Form, die sogenannte „Sans Ventre“ (frz. ohne Bauch) Korsettform. Diese wurde als S-Linie bekannt, da sie den Körper in eine S-förmige Haltung zwang.
Foto: muellerundsohn.com
Der Oberkörper wurde dadurch nach vorne gedrückt und man so ins Hohlkreuz gezwungen wurde, was wiederum das Gesäß zusätzlich betonte! Am Korsett waren zu dieser Zeit direkt Strumpfhalter angebracht.
Spätestens mit Ausbruch des ersten Weltkrieges war auch dieses Korsett endgültig Geschichte und machte so Platz für moderne Damenunterwäsche.
Welche Auswirkungen diese Art der Mode auf den weiblichen Körper hatte, kann man noch anhand von erhaltenen, anatomischen Zeichnungen erahnen.
Der Brustkorb verformte sich, Organe verschoben sich nach oben und unten. Besonders wenn bereits während der Wachstumsphase mit dem Tragen eines Korsetts begonnen wurde!
Die Folgen waren Deformierungen im Brust und Bauchbereich, Kurzatmigkeit durch die Bewegungseinschränkung des Brustkorbes bei der Ein- und Ausatmung. Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule durch Verlust der Rückenmuskulatur, da das angelegte Korsett ja eine Haltefunktion übernahm, die ohne nicht mehr gegeben war.
Foto: vitorianssecret.com
Der eine ohne andere Ohnmachtsanfall war sicher dem Tragen des Korsetts geschuldet.
Auch heute noch gibt es einige wenige Damen die sich freiwillig diesem extremen Modediktat längst vergangener Zeiten unterwerfen.
Je länger man ein Korsett trägt, desto mehr verformt sich natürlich auch der Körper. Die Organe rutschen nach oben bzw. unten, die Rippen derfomieren sich und auch die Wirbelsäule wird belastet. Damen, so auch Kaiserin Elisabeth, die täglich mehrere Stunden lang ein Korsett trugen, mussten dieses ununterbrochen tragen, also auch nachts. Es gab keine andere Möglichkeit mehr, den derformierten Körper anders zu stützen.
Auch hier möchte ich betonen, dass dies Kaiserin Elisabeth nicht zum Spaß tat, sondern, dass sie dazu gezwungen wurde. Dieses Schönheitsideal wurde von jeder Frau im 19. Jahrhundert verlangt!
Ethel Granger besaß die wohl schmälste dokumentierte Taille mit 13 Zoll bzw 33 cm Umfang!
Zum Vergleich: Die Taille von Kaiserin Elisabeth betrug 50 cm!
Foto: peoplestrive.com Cathie Jung In The Guinness Book Of Records
Den zweifelhaften Weltrekord an einer lebenden Frau, hält die Amerikanerin Cathie Jung, die sich zu besonderen Anlässen auf 38 cm Umfang schnürt.
Nun war das Korsett aber nur der formgebende Teil der Unterbekleidung und längst nicht das Einzige was eine Dame „darunter“ trug.
Als unterste Schicht trug man eine Chemise, eine Art Unterhemd, als Schutz für das Korsett, dieses „Unterkleid“ wurde oft auch als Nachtgewand verwendet. Man trug es Tag und Nacht, am nächsten Morgen legte man ein Neues an.
Foto: neheleniapatterns.com
Natürlich immer abhängig von Stand und finanziellen Mitteln, so war es durchaus nicht ungewöhnlich das diese Wäschestücke 2 bis 3 Tage oder manchmal auch länger getragen wurden. Gefertigt wurde dieses Wäschestück meist aus feinem Leinen, oftmals mit Biesen und Spitzen verziert. Am Halsausschnitt wurde ein Zugband einzogen, um die Passform zu optimieren.
Die Unterhosen der damaligen Zeit waren, wohl auch auf Grund der Reifröcke im Schritt offen, um den Damen den Gang zur Toilette zu erleichtern.
Auch heute noch, erweist es sich als vorteilhaft auf ein solches „offenes Beinkleid“ zu setzen, wenn man Korsett und Krinoline trägt. Ihr könnt mir glauben, eine „moderne Unterhose“ unter ein geschnürtes Korsett zu stopfen und das unter einer Vielzahl von Unterröcken, dazu noch Krinoline und Kleid in einem viel zu kleinen WC, ist beinahe unmöglich!
Da die Beine des guten Stücks recht weit geschnitten sind, überlappt der Stoff derart, dass es weder kalt wird, noch in irgendeiner Weise unangenehm zu tragen ist.
Auch hierbei wurden oftmals Biesen als Verzierung an den Beinabschlüssen angebracht, Spitzen waren Geschmackssache und mit Sicherheit auch eine Geldfrage. Die Hose wurde am Rücken durch ein Zugband verschlossen.
Foto: Dorotheum Wien Unterwäsche und Strümpfe von Kaiserin Elisabeth
Das Korsett war Pflicht, die Wespentaille ein Muss, das schnüren an sich war alleine unmöglich und konnte sich schon mal über mehrere Stunden hinziehen.
Foto: Wikimedia/Commons
Es waren edle Stoffe gefragt. Aufwändige Schnitte wurden aus Brokat oder Atlas, aus Samt oder Seide, Taft und Moiré gefertigt.
Foto: Wikimedia/Commons
Unmengen Stoff waren nötig, um die weiten Rockteile besonders üppig aussehen zu lassen. Im gesamten Viktorianischen Zeitalter, benannt nach der Regierungszeit der britischen Königin Viktoria (1819-1901) von 1831-1901, versuchten die Damen der feinen Gesellschaft sich auf diese Art und Weise zu übertrumpfen.
Doch in Zeiten der Influencerinnen die alle gleich aussehen, ist uns auch dies nicht Fremd geworden.
Abends trug man Schulterfrei, tagsüber hauptsächlich hochgeschlossen.
Schirm, Fächer und Hut rundeten das Aussehen ab und waren untrennbar miteinander verbunden.
Foto: Wikimedia/CommonsFoto: Wikimedia/Commons
Eine Schwangerschaft im 19. Jahrhundert wurde nicht vertuscht in dem Sinne, aber auch nicht stolz präsentiert, wie man es heute kennt. Der nackte Bauch wäre ein no go gewesen. Hier war die amerikanische Schauspielerin Demi Moore für viele Nachahmerinnen auf der ganzen Welt Vorreiterin.
Das Korsett musste auch in der Schwangerschaft getragen werden, wuchs aber während dieser mit.
D.h. die Schnürung wurde immer wieder erweitert und ein sogenanntes „wachsendes Korsett“ wurde umgelegt.
Foto: Wikimedia/Commons Queen Victoria F.X. Winterhalter
Als man das Bild von Kaiserin Elisabeth im Morgenmantel mit offenen Haaren im Arbeitszimmer von Kaiser Franz Joseph fand (nach seinem Tod), war man sehr verwundert.
Dieses Bild war für die Entstehungszeit (1865) sehr frivol und freizügig.
Schon Königin Victoria sorgte mit ihrem Bild und den offenen Haaren für einen Skandal, als es öffentlich wurde (sie ließ es für ihren Albert zum Geburtstag anfertigen).
Wir befinden uns in den Jahren 1860–1870, der Zeit des Höhepunktes der Schönheit von Elisabeth!
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth mit offenem Haar Bild: F.X.Winterhalter (dieses Bild steht bis heute am selben Platz – am Schreibtisch von Kaiser Franz Joseph. Heute im Sisi-Museum zu sehen).
Modisch betrachtet nennt man dieses Jahrzehnt auch das 2. Rokkoko.
Drei Namen prägten dieses Jahrzehnt wie niemand anderes.
Königin Eugenie von Frankreich, Kaiserin Elisabeth von Österreich und Charles Frederick Worth
Foto: Wikimedia/Commons Königin Eugenie von Frankreich Bild: F.X.WinterhalterFoto: ÖNB Kaiserin ElisabethFoto: Wikimedia/Commons Charles Worth
Die edlen Materialien, die Worth verwendete waren Tüll, Spitze, Pailletten, Samt, Seide, Brokat u. a. machten die Kleider so teuer, dass selbst die Damen von hohem Rang den neuesten Trends nur folgen konnten, in dem sie vorhandene Kleider wieder ändern ließen, anstatt stets neue zu bestellen.
Kein anderer verstand es, Kleider mit solch perfektem Sitz zu kreieren. Hier zeige ich euch also zwei Skizzen die noch nie öffentlich gezeigt wurden. Diese Kleider wurden für Kaiserin Elisabeth von Charles Worth angefertigt.
Noch nie gezeigte Skizze von Charles Worth KLeid für Kaiserin Elisabeth Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraNoch nie gezeigte Skizze von Charles Worth Kleid für Kaiserin Elisabeth Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Alle Kleider waren Einzelanfertigungen, nie gab es ein Modell zweimal!
Foto: Sascha Rieger ungarisches Krönungskleid, 1867 Entwurf: Charles Worth
Immer wieder werde ich nach „Schnittmustern“ der Kleider von Kaiserin Elisabeth gefragt: es gibt keine! Die Schneider der hohen Herrschaften verwendeten aufs Maß genau ebensolche Schneiderpuppen, um die Kleider direkt an diese anzufertigen. Erst dann wurde an der hohen Frau anprobiert. Bedenkt bitte, dass eine Zofe weder Kaiserin Elisabeth, noch eine Königin jemals berühren durfte! Wie diese also tatsächlich die Damen angezogen haben, ist nicht überliefert!
Gegen Ende der 60er Jahre beschäftige Worth mehr als 1200 Näherinnen und erschuf unvergessliche Kreationen, wie z.B. das Sternenkleid!
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth im berühmten Sternenkleid Bild: F.X.Winterhalter, 1865
Es war das Jahrzehnt der Krinoline, die 1865 ihren Höhepunkt erreichte.
Durch Rosshaar und Stahlbänder erreichte man enorme Umfänge, wodurch man natürlich dementsprechende Mengen an Stoff und Aufputz benötigte.
1867 kam man langsam von diesen extremen Umfängen ab, 1869 wurde die Krinoline fast vollständig durch die Tournüre ersetzt.
Foto: Wikimedia/Commons
Während die Röcke im Prinzip immer gleich waren, variierten die Oberteile je nach Anlass und Tageszeit. Ein Ausschnitt, der die Schultern zeigte, war ebenso möglich wie ein kleines spitzes Dekolleté oder eine hochgeschlossene Variante.
Auch die Ärmelschnitte ließen zahlreiche Varianten zu. Am Unterarm waren sie meist anliegend. Es gab Kleider, die durch einen halben Ärmel auffielen und es gab Kleider, die lange Ärmelschleppen hatten, besonders in Russland beliebt.
Foto: Wikimedia/Commons
Je nach Wetter und Anlass wurden über diese riesigen Krinolinenkleider halblange Mäntel getragen. Mit Hut und Fächer war eine Dame letztendlich perfekt gekleidet.
Die Chemise und das Beinkleid zählt man aus dem einfachen Grund zur „Wäsche“ da diese im Gegensatz zum Korsett gewaschen werden konnten.
Was nun aber noch fehlt ist die Krinoline, auch Reifrock genannt.
Foto: neheleniapatterns.com
Im Biedermeier trugen die Damen mehrere Stoffunterröcke übereinander. Man begann Rosshaar in diese Röcke einzunähen, daraus entstand dann die Krinoline.
Ca. 1850 begann man diese Rosshaarkrinolinen durch Federstahl zu ersetzen. Der Saumumfang der Röcke stieg auf bis zu unglaubliche 8 Meter an.
Man kann sich vorstellen, wie unpraktisch das sein musste. Sogar damals gab es schon Karikaturen und Photographien in den Zeitungen, die sich über diese Art der Extreme lustig machten.
Foto: Wikimedia/Commons
Der Hauptunterschied zwischen modernen Reifröcken wie man sie heutzutage unter Brautkleidern trägt, ist die Gestaltung der Form. Heutzutage haben die gängigen Unterröcke eine sogenannte „A“ Form, während die Krinolinen des 19. Jhd. kuppelförmig waren. Heute verwendet man Großteils leichte Kunststoffstäbe um die schweren Stahlbänder zu ersetzen. Denn ihr könnt mir glauben, 60 m Stahlbänder sind auch nicht leicht zu tragen.
Foto: ÖNB Kaiserin Elisabeth
Kaiserin Elisabeth trug lange und gerne Krinolinen, selbst dann noch eine Zeit lang, als längst die „Tornüre“ Einzug hielt.
Hier in einem weißen, hochgeschlossenen Tageskleid, mit Rüschen, Brosche am Hals, Schmuck und Volantärmel.
Dieses Bild ist knapp vor ihrer Madeira-Reise 1859 von Ludwig Angerer aufgenommen worden. Man sieht ihr die Blässe und die magere Gestalt an. Zu dieser Zeit hatte sie gerade das Laxenburg-Lazarett hinter sich gebracht, in welchem Sie sich aufopferungsvoll um ihre Tochter Gisella, welche auch noch krank wurde, und die Massen an Soldaten, gekümmert, welcher ihr Kaiser Franz Joseph aus dem Solferino-Krieg täglich per Zug schickte.
Zu Beginn waren Krinolinen gleichmäßig rund, ab ca. 1860 wurden sie jedoch mehr und mehr elliptisch.
Doch die elliptische Form setzte sich nicht wirklich durch, weshalb man diese kaum sah.
Kaiserin Elisabeth trug diese Form genauso.
Foto: neheleniapatterns.com
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth Foto: Ludwig Angerer
Ab 1870 wurde die Krinoline von der Tournüre abgelöst.
Die Krinoline, war fast vollständig aus der Damenbekleidung verschwunden. In der Modegeschichte ist die Rede von der „Ersten Tournüre“.
Foto: Wikimedia/Commons
Die „zweite Tournüre“ kam erst ab 1880 auf und war dann längst nicht mehr so pompös gestaltet. Aber zunächst war noch die Erste Tournüre modisch aktuell und zwar bis etwa 1875. Dieses halbkreisförmige Gestell, das zumeist aus Stahl- und/oder Fischbeinstäbchen gefertigt war und dessen Polsterungen aus Rosshaar bestanden, wurde über das Gesäß gelegt und befestigt, so dass der Rock, der darüber getragen wurde, eine gewaltige hintere Auswuchtung erhielt. Vorne war das Kleid eng anliegend und der Blick automatisch auf das riesige Hinterteil gelenkt.
Foto: Wikimedia/Commons
Das eng geschnürte Korsett, das zwingend zur Grundausstattung jeder Frau gehörte, drückte die Brust nach oben und sorgte so in den spitzen oder viereckigen Ausschnitten für ein gut gefülltes Dekolleté.
Foto: Wikimedia/Commons
Eine Besonderheit dieses Jahrzehnts sind die Falten und Raffungen am Unterleib, die bald wieder aus der Modewelt verschwanden, da sie den Anschein einer möglichen Schwangerschaft erwecken konnten. Ein Zustand, der zu dieser Zeit jedoch nicht öffentlich zur Schau getragen wurde.
Ein wichtiges Accessoire auch dieser Zeit war der Fächer.
Die spitzenbesetzten Sonnenschirme mussten unbedingt zu den Farben der Kleider passen. Handschuhe und Schleier waren ebenso angesagt.
Foto: Wikimedia/Commons
Die hauptsächlich hochgesteckten Frisuren waren mit einem Hütchen geschmückt, an dem schulterlange Bänder zur Verzierung angebracht waren. Das Hütchen wurde entweder ein wenig keck seitlich getragen oder auf dem Hinterkopf platziert, konnte aber auch gerade vorn auf dem Kopf getragen werden. In jedem Fall hielten es zwei Bänder, die am Hals vorn zu einer Schleife gebunden waren.
Tagsüber im Freien waren die Kleider hochgeschlossen geknöpft und endeten am Hals mit einem kleinen Kragen.
Foto: Wikimedia/Commons Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie
Für die Abendgarderobe gab es zu jener Zeit bereits die Haute Couture, die ein Engländer ins Leben gerufen hatte – Charles Frederich Worth (1826-1895).
Die zweite Tournüre wurde zwischen 1880-1890 modern.
Eine große Gesäßauflage, die Tournure, wurde fixer Teil der Damenunterbekleidung
Ein Gestell aus Fischbeinstäbchen oder auch aus formte den Rock und verlieh ihm eine Gesäßaufbauschung.
Foto: Wikimedia/Commons
Foto: Wikimedia/Commons
Die Kleider waren am Oberteil und nun auch im Rockteil relativ eng anliegend, wobei der Rock meist noch mit Querfalten versehen war, die nach hinten ausliefen und in einer Schleppe endeten. Zu dieser Zeit war das Korsett zwar Pflicht, hatte aber keine besondere Formung der Taille zur Aufgabe, sondern diente eher dazu, die Haltung zu korrigieren und unerwünschte Pölsterchen verschwinden zu lassen.
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth als Reiterin in Irland
Die Betonung einer sehr schlanken Figur war in den beiden ersten Jahren des Jahrzehnts jedoch durchaus erwünscht. In diesen beiden Jahren wurden die Kleider den Damen, nicht nur unserer Kaiserin, wortwörtlich auf den Körper genäht.
Das Atmen war schwer, das Essen unmöglich, wenn die Damen in dieser Garderobe erschienen. Die Kleider waren schmerzhaft eng und erschwerten auch das Gehen, dabei war das plaudernde Herumstehen immer noch leichter als das Sitzen.
Diese Art von Mode war schon mehrfach in der Vergangenheit aufgetaucht und hatte für den einen oder anderen Witz gesorgt.
In diesem Jahrzehnt waren sie jedoch fast ausschließlich den vermögenden Frauen vorbehalten, die sich dadurch deutlich sichtbar von den normalen Bevölkerungsschichten abgrenzten. Die Betonung des weiblichen Hinterteils blieb mehr oder weniger bis zum Ende dieses Jahrzehnts. Der übliche Aufputz verschwand und man setzte neue Stoffkombinationen ein, bei denen gelegte Falten und Raffungen mit Volants Hauptbestandteil waren.
Foto: Wikimedia/Commons
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Tuchstoffe wurden mit Samt zusammen getragen oder auch mit Seide. Das Oberteil lag eng am Körper und war hochgeschlossen. Geschlossen wurde das Oberteil mit einer langen Knopfleiste, deren Knöpfe meist aus besonders edlem Material bestanden. Diese Knöpfe und die Spitzen am Kragen waren die einzige Zierde an der Damenbluse. Die langen, selten auch halblangen Ärmel, lagen eng an.
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Die Hüte, die die Damen trugen und die unbedingt zur vollständigen Kleidung gehörten, änderten ihr Aussehen schneller als die Bekleidung selbst. Trug man erst noch Hüte mit aufgeschlagenen Krempen, so wichen diese bald Modellen mit Federn und Bändern.Ältere Damen trugen gedeckte Farben und die Jugend bevorzugte hellere, auffälligere Farben.
Am Land hielt man sich keineswegs an die vorgegebenen Trends sondern trug weiterhin zeitlose Trachten für den Alltag und auch für die Arbeit. Diese waren in dezenten Farben gehalten. Die Trachten an Sonn- und Feiertagen waren dagegen meist besonders farbig und mit viel Zierrat versehen.
Foto: Wikimedia/Commons
Am Land hielt man sich keineswegs an die vorgegebenen Trends sondern trug weiterhin zeitlose Trachten für den Alltag und auch für die Arbeit. Diese waren in dezenten Farben gehalten. Die Trachten an Sonn- und Feiertagen waren dagegen meist besonders farbig und mit viel Zierrat versehen.
Verglichen mit der Biedermeierzeit und dem folgenden zweiten Rokoko, war die Mode im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts weit weniger aufwändig in der Fertigung und im Materialaufwand.
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Nur eines hatte sich nicht verändert – immer noch war das Korsett wichtiger Bestandteil der Damenmode um die Figur dem jeweiligen Schönheitsideal anzupassen.
In den 1890er Jahren formte man mittels Korsett vorwiegende eine gerade Front, es gibt kaum Einsätze für die Brust. Innerhalb weniger Jahre veränderte sich diese modische Silhouette jedoch, bis zum Ende des Jahrhunderts setzte sich die Sans-Ventre-Linie (ohne Bauch), die sogenannte S-Form, durch.
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Immer stärker werdende Versuche von Ärzten, Künstlern oder Frauenrechtlerinnen die Frau aus dem Korsett zu befreien scheiterten. Wer schön sein wollte, der musste auch weiterhin leiden.
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Wesentlich stärker veränderten sich die Röcke der Damen, die an der Hüfte anliegend und später ab Höhe der Knie immer mehr an Weite zunahmen. Stützdende Unterröcke oder gar Reifkonstruktionen verschwanden zur Gänze. Die glatt fallende Rockschnitte oder auch die glockig geschnittenen Röcke waren auf den ersten Blick an Taille und Hüfte leicht anliegend. Der weibliche Körper wurde immer mehr in die Form einer „Sanduhr“ gezwungen. Tatsächlich gab man dieser trichterförmigen Silhouette diesen Namen, der die Sans-Ventre-Linie sehr passend beschrieb.
Sogar eine kleine Schleppe war noch am hinteren Rockteil sichtbar. Die Vorderpartie hatte Bodenlänge, erst am Ende des Jahrzehnts war es denkbar, dass ein wenig von den Schuhen oder Stiefeletten sichtbar wurde.
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Zu Beginn dieses Jahrzehnts lagen die Ärmel der Blusen und Kleideroberteile relativ eng an wurden aber mit jedem Jahr auffälliger und breiter. Die Manschetten lagen eng am Handgelenk, teilweise reichten sie über den ganzen Unterarm.
Keulenärmel, Schinkenärmel und sogar Elefantenärmel waren als Begriffe für diese Formen durchaus gebräuchlich. Allmählich wurden die Oberärmel sogar noch üppiger. Sie erreichten eine ballonartige Form. In der Mitte des Jahrzehnts hatten sie ihr größtes Ballonausmaß erreicht. In den letzten zwei bis drei Jahren vor 1900 kehrte man wieder zu zierlicheren Puffärmeln zurück.
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Bei allen Veränderungen, die hauptsächlich die Ärmelsilhouette betrafen, änderte sich eines nicht – der Hut. Eine Dame war erst vollständig bekleidet, wenn sie einen Hut trug. Der gehörte ebenso dazu wie der Sonnen- oder Regenschirm. Auch der war ein unverzichtbares Accessoire, auf das eine Frau bei der ansonsten großen Vielfalt von Farben und Materialien nicht verzichtete.
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Kaiserin Elisabeth durfte die ersten Jahre ihre Schuhe nur ein (!) einziges Mal tragen. Das heißt täglich wurden die Schuhe erneuert. Egal welche! Was für eine Qual muss das auch für die Füße gewesen sein, wenn man bedenkt, dass es ein richtiges Fußbeet noch gar nicht gab. Die Schuhe waren zwar maßgeschneidert, aber weitem nicht angepasst.
Wie ihre Kleider, musste sie also auch ihre Schuhe täglich erneuern. Um die Verschwendung diesbezüglich so gering wie möglich zu halten, wurden Kleider, Hüte, Schuhe usw. an das Personal wie Hofdamen, Kammerfrauen und natürlich Verwandtschaft geschenkt.
Noch heute tauchen Kleider auf, welche das Emblem der Kaiserin tragen, aber ihr gar nicht gepasst hätten. Diese wurden für die jeweils neue Trägerin umgeändert und so sieht man manchmal noch Kleider oder Schuhe, die plötzlich von der großen Verwandtschaft für Ausstellungen verleiht werden.
Foto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn Group
Und die Männer?
Nicht nur die Mode der Damen änderte sich im Lauf der Zeit, sondern auch die der Männer.
Auch die Männer trugen ein Korsett. Dies nicht nur, um die Figur zu betonen, sondern auch, damit die Uniform eine besonders schöne Form erhielt. Bis 1850 war es modern, dass Männer „Korsetts“ trugen. Kaiser Franz Joseph trug seine ein ganzes Leben, allerdings waren die Korsetts vollkommen abgeschwächt zu den der Frauen. Das „Männerkorsett“ wurde „Schnürgürtel“ genannt.
Foto: Wikimedia/Commons Kaiser Franz Joseph
Zu den langen Hosen, die meistens gestreift waren, trug Mann nun ein Sakko, das den Frack im Alltag abgelöste, wobei Hose und Sakko nicht zwangsläufig dieselbe Farbe hatten.
Foto: Wikimedia/Commons
Auch Gehröcke wurden gerne getragen. Die obligatorische Weste, die zur Männermode gehörte, war meist einfarbig. Mit niedereren, nicht mehr einengenden Kragenformen wurde auch die Herrenmode bequemer. Es gab Umlegekragen, Kragen zum Anknöpfen, die Manschetten wichen und die Hemdärmel schauten aus dem Sakkoärmel heraus.
Anfangs nur als Bekleidung für den Herrensalon gedacht, in dem geraucht wurde, setzte sich der Smoking, der Raucheranzug, auch in der Kleidung innerhalb der Gesellschaft durch.
Neben dem Zylinder trug man die Melone – ein runder, schwarzer, steifer Hut, als typische Kopfbedeckung. Zur schlichten und einfarbigen Bekleidung wählte man farbige Krawatten oder ein leicht übereinandergeschlagenen Halstuches, das Plastron.
Die Mode der Männer hatte den englischen Stil zum Vorbild, während die Damenmode ihre Richtlinien aus Paris bekam.
Die Herrenmode der kommenden Jahrzehnte sollte sich nicht wesentlich verändern, man spielte mit Accessoires und auch ein wenig mit den Farben, der Grundstock blieb jedoch unverändert und bestand aus Frack und Gehrock.
Anders als bei den Damen trugen die Herren zu dieser Zeit kein Korsett, sondern behalfen sich mit einem Schnürgürtel, der einen ähnlichen Effekt hatte.
Foto: Wikimedia/Commons
Die Krägen der Hemden nannte man nicht umsonst „Vatermörder“ denn sie waren so eng um den Hals geschlossen, dass jeder Mann froh war, ihn abends ablegen zu können.
Seit etwa 1815 trug der Herr sogenannte Pantalons, also lange Hosen.
Um perfekt gekleidet zu sein brauchte Mann noch einen Zylinder, einen Stock und Handschuhe die im besten Fall aus Leder waren.
Im Gegensatz zu den Damen bevorzugten die Herren eher Zweckmäßigkeit an ihrer Kleidung.
Die Stoffe waren zwar edel, es wurden hauptsächlich dunkle Materialien gewählt. Man trug schwarze, braune, graue und auch dunkelblaue Farbtöne.
Die Sakkos, die dem Frack begannen den Rang abzulaufen, waren aus Wollstoffen und feinen Tuchen. Der Gehrock, auch als Cutaway oder kurz Cut genannt, hatte im vorderen Bereich abgeschnittene Schoßteile.
Die Hose war häufig in einer anderen Farbe als der Gehrock oder das Sakko. Hier waren Streifen besonders beliebt.
Die Weste, Krawatten und Bindetücher fielen nicht mehr auf und waren nun in dezenten Farben gehalten.
Verbreitet war bereits das Vorhemd, das unter der Weste wie ein Hemd aussah.
Foto: Wikimedia/Commons
Anstelle von Vorhemd war allerdings der Begriff „Chemisette“ geläufig. Das französische Wort „Chemise“ steht für Hemd. In abgewandelter Form nannte man das Vorhemd, deshalb Chemisette.
Der Herr der Zeit trug im Alltag zum Anfang des Jahrzehnts noch den traditionellen Frack, stets mit einer Weste, die entweder durch Schottenkaros oder anderes abstechendes, buntgefärbtes Material auffielen, darunter trug man ein schlichtes helles Hemd, das mit einem Halsschmuck versehen war, der ein gebundenes Tuch als Vorläufer der Krawatte war.
Außerdem kam ein Kragen zum Anknöpfen auf. Die Hosen waren bodenlang und gerade geschnitten.
Es gehörte zum guten Ton Zylinder zu tragen und schon war Mann perfekt gekleidet.
Eine absolute Neuheit in der Männerwelt war der Herrenanzug, der zu Beginn des Jahrzehnts in Mode kam und bei dem alle Teile (Rock, Weste und Hose) dieselbe Farbe haben mussten und dessen Teile sich auch in den Materialien glichen.
Ein „must have“ war der Stock, der oftmals über aufwendig verzierte Griffe verfügte.
Foto: Wikimedia/Commons
Was trug „Mann“ zwischen 1870 und 1880?
Das modische Vorbild der Herren lag in England.
Der Frack verschwand allmählich aus der alltäglichen Garderobe der Herren, der Gehrock (Cutaway) hatte sich als zweckmäßiger erwiesen.
Bei festlichen Anlässen fand der Frack jedoch weiterhin Verwendung.
Die Farben waren gedeckt, mit bunten Krawatten setzte man jedoch farbige Akzente und so entstanden bereits die ersten Läden für Herren Accessoires, die diese „Binder“ herstellten.
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Die Herren waren bereits gut gekleidet, wenn sie ein frisch gebügeltes Hemd trugen, einen Frack oder einen Gehrock. Das Ensemble wurde, wie auch bei den Damen stets mit einem Hut komplettiert.
Herren, die finanziell nicht dem gehobenen Stand angehörten, trugen mitunter anstatt eines Hemdes nur ein Vorhemd. Das war ein steifes Wäscheteil, das unter der stets geschlossenen Weste den Eindruck eines Hemdes suggerierte.
Wir kennen es heute noch beim Frack. Durch diese Erfindung konnte man sich das aufwendige waschen eines Hemdes ersparen, ein Vorhemd wurde nach Gebrauch entsorgt und kam so den Junggesellen meist sehr zu Gute.
Neben dem Frack zählte der Cut (Gehrock oder Cutaway) zum fixen Bestandteil der Männermode und hatte vorn abgerundete Schöße.
Foto: Wikimedia/Commons
Die ersten Smokings, die sogenannten Raucheranzüge, kamen in Mode.
Etwas mehr Auswahl gab es bei den Mänteln: Der Ulster war stets doppelreihig, der Chesterfield hatte eine verdeckte Knopfleiste und der taillierte Paletot, der dem der Damen vom Schnitt her ähnlich.
Die wichtigsten Farben waren Schwarz, Braun, Dunkel- oder Hellgrau und Blau.
Zu den langen Hosen, die meistens gestreift waren, trug Mann nun ein Sakko, das den Frack im Alltag abgelöste, wobei Hose und Sakko nicht zwangsläufig dieselbe Farbe hatten.
Auch Gehröcke wurden gerne getragen. Die obligatorische Weste, die zur Männermode gehörte, war meist einfarbig. Mit niedereren, nicht mehr einengenden Kragenformen wurde auch die Herrenmode bequemer. Es gab Umlegekragen, Kragen zum Anknöpfen, die Manschetten wichen und die Hemdärmel schauten aus dem Sakkoärmel heraus.
Foto: Wikimedia/Commons
Anfangs nur als Bekleidung für den Herrensalon gedacht, in dem geraucht wurde, setzte sich der Smoking, der Raucheranzug, auch in der Kleidung innerhalb der Gesellschaft durch.
Neben dem Zylinder trug man die Melone – ein runder, schwarzer, steifer Hut, als typische Kopfbedeckung. Zur schlichten und einfarbigen Bekleidung wählte man farbige Krawatten oder ein leicht übereinandergeschlagenen Halstuches, das Plastron.
Bleibt zum Schluss nur noch, wie zB. Kaiserin Elisabeth angekleidet wurde. Wie bereits erwähnt, durfte sie beim Ankleiden nicht berührt werden. Wer mich noch mit Sabine Rossegger als „Sternenkaiserin“ kennt, wird wissen, dass wir dies mehr als nur 1x versucht haben. Es ist mir nie gelungen! Ich berührte Sabine wirklich immer, zu dem musste ich sie auch, wie schon Elisabeth, in manche Kleider einnähen. Das Anziehen hat gut und gerne 2 Stunden gedauert. Es war oft Zeitdruck, da wir für ein Shooting fertig werden mussten, aber tatsächlich war diese Kleideranzieherei immer eine große Herausforderung. Vom Garten, Parkplatz, Abstellkammer, Toilette bis zum Ballsaal oder Hotelzimmer war alles dabei. Sabine mit Krinoline oder Tournüre ins Auto zu verfrachten, war die nächste Herausforderung und oft saß sie stocksteif mit geneigtem Kopf auf der Rückbank, da sie weder vor noch zurück konnte.
Auch wenn wir uns 2021 getrennt haben, wird mir diese Zeit immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Deswegen lasse ich zum Schluss auch jene Reihenfolge in dem Beitrag, wie sich „Frau“ im 19. Jahrhundert von ihren Zofen anziehen lassen musste.
Sabine wird hier von unserer damaligen Freundin Tamara „bedient“, welche die Rolle der Zofe inne hatte.
Sabine als Sternenkaiserin in ihren eigenen Worten:
Zuerst die Unterwäsche, Strümpfe und Schuhe, sollte man keine Zofe dabei haben die einem anschließend die Schuhe bindet, sollte man sie tunlichst vorher anziehen, denn unter all den Schichten ist es nicht so einfach jemals wieder an die Schuhe zu kommen.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
oto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Über die Unterwäsche legt man das Korsett an, je nachdem wie fest man es schnüren möchte, empfiehlt es sich, dies auf mehrere Etappen zu tun, nur so nebenbei erwähnt, dass Schnüren der Kaiserin dauerte oft bis zu 3 Stunden!
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, dass es tatsächlich so ist, dass man nach einem gewissen Zeitraum das Korsett durchaus noch enger schnüren könnte, da sich der Körper scheinbar daran gewöhnt.
Hat man dann den gewünschten Taillenumfang erreicht, kommt die Krinoline. Darüber mehrere Unterröcke aus steifen Material um ein Abzeichnen der Metallstäbe durch das Kleid zu verhindern, letztendlich das eigentliche Kleid!
Oft werde ich gefragt: „Tut es weh ein Korsett zu tragen?“
Die Frage kann nicht so einfach mit „ja“ oder „nein“ beantworten werden? Ich kann Euch nur sagen, wenn das Korsett auf Maß gefertigt ist und es gut sitzt, ist es nicht wirklich unangenehm. Wobei es natürlich immer darauf ankommt, wie fest man geschnürt wurde und wie lange man es trägt.
Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, irgendwann – auch wenn man seine Kleider noch so gerne trägt – ist der Zeitpunkt erreicht, an dem man froh ist sie endlich wieder ausziehen zu dürfen.
Grundsätzlich und mit ein wenig Übung kann man sich in dieser Kleidung völlig normal bewegen, ob man nun durch eine Tür geht, den Fahrstuhl benutzt, in eine Kutsche oder ein Taxi steigt, möglich ist alles. Der Komfort blieb damals wie heute auf der Strecke.
„Schönheit muss leiden“ hat hier sicherlich so manches Mal seine Berechtigung, allerdings verliert meiner Meinung nach das schönstes historische Kleid seine Wirkung und Originalität, wenn das „Darunter“ nicht korrekt ist.
Eines könnt ihr mir glauben, auch wenn so wie bei mir manches Mal über 100 Meter Stoff darüber sind, man erkennt den Unterschied.
Für alle Damen, die im Damensattel reiten kann ich nur empfehlen, sich ein etwas kürzer geschnittenes Reitkorsett fertigen zu lassen, ansonsten könnte es unangenehm werden.
Somit hoffe ich, ein wenig Klarheit ins „Darunter“ gebracht zu haben, und wünsch Euch viel Spaß beim Selbstversuch.
Sabine Rossegger
Das war die Mode aus dem 19. Jahrhundert. Ich hoffe, dass ihr Freude an diesem Beitrag habt und euch jetzt besser in die Kleidung von Kaiserin Elisabeth und allen adeligen Damen und Herren der früheren Jahre, hineinversetzen könnt.
Petra Schimbäck
Rechtliche Hinweise: Text + Recherchen: Petra Schimbäck, Sabine Rossegger Bildrechte: neheleniapatterns.com, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Cathie Jung In The Guinness Book Of Records, peoplestrive.com; Ethel Granger, vogue-italia.it, Sascha Rieger, muellerundsohn.com, mythoskaiserinelisabeth – Petra vormals Sternenkaiserin
Literatur:
InStyle Dezember 2025
Blog Frühes 19. Jahrhundert – epochs-of-fashion: Costume and Dress throughout History
Erika Thiel Geschichte des Kostüms Henschel Verlag, 2010
Blog Der letzte Schrei: Damenmode aus dem 18. und 19. Jahrhundert
Sonja Duska Modegeschichten: Die Damenwelt des 19. Jahrhunderts Morio Verlag, 2019
Chantal Tollu, Françoise Tétart-Vittu, Jean-Marie Martin-Hattemberg, Fabrice Olivieri, Christian Lacroix (Vorwort) La maison Worth – Naissance de la haute couture, 1858-1954 (französisch) BiP Verlag, 2017
Stephen Clarke, Bérengère Viennot Charles Frederick Worth L’Anglais qui a inventé la haute (französisch) pAF Verlag, 2025
Foto: Golfhotel Kaiserin Elisabeth Feldafing Kaiserin Elisabeth
Vorwort:
Oftmals entstehen auf Facebook hitzige Diskussionen, wenn es um die Eignung Elisabeths als Mutter geht.
Viele Followerinnen bzw. Leserinnen sind der Meinung, dass Kaiserin Elisabeth eine schlechte Mutter war.
Ich halte dagegegen.
Viele von ihnen, sehen die Mutterschaft mit dem Auge und überkompensieren das mit dem Zustand von Heute.
Eine Mutter im 19. Jahrhundert hatte jedoch nicht den Stellenwert, wie es eine Mutter im 21. Jahrhundert hat. Dieses Phänomen begleitet uns erst so richtig seit den 1950er Jahren.
Ich habe schon in den Berichten zu Herzogin Ludovika und Erzherzogin Sophie versucht zu erklären, wie eine Mutterschaft im 19. Jahrhundert aussah.
Bei Kaiserin Elisabeth kam noch hinzu, dass sich ihre Tante und Schwiegermutter derartig ins Geschehen einmischte und sie die Trauer über ihre verstorbene Tochter, noch dazu schwanger, nicht verwand, dass sie aufgab. Danach entfremdete sie sich von ihren Kindern und konnte das Versäumte nie wieder aufholen. Was sie bei Gisella und Rudolf falsch machte, wollte sie bei Marie Valérie richtig machen: deshalb ließ sie Erzherzogin Sophie nicht mehr an ihre Tochter.
Doch um dem Ganzen ein Bild zu geben, beginne ich meine Geschichte von Anfang an.
Ein kleiner Hinweis vorab: Dieser Beitrag dient als Vorabgeschichte zu den jeweiligen Beiträgen zu den Kaisertöchtern und dem Kronprinzen die noch folgen werden.
Er dient als Gesamteindruck für die Eignung Elisabeths als Mutter.
Viel zum Mythos der liebenden und verhätschelnden Mutter, haben natürlich auch die Sissi-Filme mit Romy Schneider beigetragen. Immer wieder ist das Entsetzen groß, wenn man bei mir liest, dass Elisabeth ihre Töchter (bis auf Marie Valérie) nicht so verwöhnt und verhätschelt hat, wie dies in dieser Trilogie gezeigt wird.
Elisabeth als Mutter
Nach der Verlobung und der aufwändigen Hochzeit war die einzige Pflicht, die Kaiserin Elisabeth hatte, ein Kind zu bekommen.
Foto: Wikimedia/Commons Sophie Gräfin von Esterházy
Die Flitterwochen verbrachte das junge Paar im Schloss und Schlosspark Laxenburg, welches Elisabeth zwar ans Herz wuchs, sie allerdings auch an Einsamkeit beinahe zu Grunde gehen ließ.
Foto: Schloss Laxenburg Schlosspark Laxenburg mit der Franzensburg
Kaiser Franz Joseph hatte kaum Zeit für seine junge schöne Braut und so musste sie sich mit den ihr völlig fremden Hofdamen begnügen, allen voran die verhasste Erzherzogin Sophie Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha, bekannt als „Gräfin Esterházy“ (*5.9.1798, †17.6.1896).
Pünktlich um 5.00 Uhr früh verließ der junge Kaiser Laxenburg, fuhr mit der Kutsche zurück nach Wien, entweder in die Hofburg oder nach Schloss Schönbrunn, um an seinem Schreibtisch Staatsgeschäfte zu verrichten und kam erst abends zum Diner, welches um 18.00 Uhr serviert wurde, zurück.
Elisabeth blieb allein. Also allein in ihrem Kummer.
Denn vollkommen fremde Personen hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das junge, verschüchterte, von Heimweh geplagten Mädchen zu zähmen und die Hofetikette einzudrillen.
Von Erzherzogin Sophie beauftragt, wurde jeder Fauxpas, den die junge Kaiserin betrieb, an diese gemeldet.
Kein Reiten ohne Begleitung, kein Spazieren gehen ohne neugierige Blicke ihrer ihr fremden Hofdamen. Sogar am Abend, während des Diners, durfte sie mit ihrem Mann nicht alleine Speisen. Flügeladjutant Hugo von Weckbecker (*1820, †1866) wurde neben Elisabeth platziert, damit die schüchterne Kaiserin endlich sprechen lerne.
Eine Kaiserin habe schließlich die Gäste des Kaisers charmant zu unterhalten. Und auch hier war Sophie von Esterházy stets an Elisabeths Seite. Jeder Fehler wurde sofort korrigiert. Auch coram publico. Ich glaube, es kann sich jeder selbst vorstellen, wie unangenehm dies ist.
Vierzehn Tage nach ihrer Hochzeit, schrieb sie verzweifelt in ihr Tagebuch:
Es kehrt der junge Frühling wieder Und schmückt den Baum mit frischen Grün Und lehrt den Vögeln neue Lieder Und macht die Blumen schöner blüh'n.
Doch was ist mir die Frühlingwonne Hier in dem fernen, fremden Land? Ich sehn' mich nach der Heimat Sonne, Ich sehn' mich nach der Isar Strand. (1)
Auch die ersten Wehklagen über ihre verlorene und einzig wahrhaften Liebe kamen wieder ans Tageslicht. Wir erinnern uns an ihren Jugendfreund Richard, der ihr seitens ihrer Mutter entrissen wurde.
Nur einmal konnt ich wahrhaft lieben Es war das erstemal. Nichts konnte meine Wonne trüben Bis Gott mein Glück mir stahl...
Nur kurz warn diese schönsten Stunden, Nur kurz die schönste Zeit. Nun ist mein Hoffen all entschwunden, Ihn geb ich nicht in Ewigkeit. (2)
Foto: Wikimedia/Commons Marie von Festetics
Viel später kehrte sie mit ihrer Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923) zurück und zeigte ihr den Schreibtisch, an dem sie stundenlang Briefe und Gedichte schrieb und sich die Seele aus dem Leib weinte.
Marie von Festetics notierte in ihr Tagebuch:
„Elisabeth ging von Zimmer zu Zimmer – sagte von jedem, was es war – aber ohne näheren Commentar, bis Sie endlich in einem Eckzimmer stehen blieb, wo ein Schreibtisch zwischen Fenstern stand u. ein Schreibsessel davor; lange stand Sie mäuschentill da – plötzlich sagte Sie: … Hier habe ich viel geweint, Marie. Allein der Gedanke an diese Zeit preßt mein Herz zusammen. Hier war ich nach meiner Hochzeit… Ich fühlte mich so verlassen, so einsam. Der Kaiser konnte tagsüber natürlich nicht hier sein, er ist täglich in der Früh nach Wien gegangen. Um sechs Uhr ist er zum Diner zurückgekehrt. Bis dahin war ich den ganzen Tag allein und hatte Angst vor dem Augenblick, da Erzherzogin Sophie kam. Denn sie kam jeden Tag, um jede Stunde zu spionieren, was ich tue. Ich war ganz à la merci dieser ganz bösartigen Frau. Alles war schlecht was ich tat. Sie urteilte abfällig über jeden, den ich liebte. Alles hat sie herausbekommen, weil sie ständig gespitzelt hat. Das ganze Haus hat sie so gefürchtet, daß alle zitterten. Natürlich haben sie ihr alles mitgeteilt. Die kleinste Sache war eine Staatsaffäre…“ (3)
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Sophie
Elisabeth, welche in Possenhofen immer vor Gesundheit strotzte, wurde labil.
Ihre Stimmungsschwankungen waren enorm. Ihr Leiden wurde täglich mehr. Erzherzogin Sophie nahm dieses Leiden als Kränkung auf. Sie selbst, die immer Kaiserin werden wollte, musste zusehen, wie dieses Kind die Stellung die man ihr auftrug als Bürde ansah. Erzherzogin Sophie (*27.1805, †28.5.1872) kümmerte die instabile Lage ihrer Schwiegertochter nicht.
Sie sah nur das glückliche Gesicht ihres Sohnes und schrieb Briefe an ihre Schwestern nach Bayern und Sachsen, wo sie vom „glücklichsten Ehepaar aller Zeiten“ schrieb.
Auch die Flitterwochen erwähnte sie als
„ländliche Idylle“ und „herzerquickender Anblick der beiden glücklichen Kinder“.
Kaiserin Elisabeth sah dies jedoch ganz anders. Auch Erzherzogin Marie Valérie schrieb später darüber in ihrem Tagebuch.
Nach dem „ländlichen Idyll“ der Flitterwochen, fingen die Pflichten der jungen Kaiserin an. Die erste Reise des Kaiserpaares führte Anfang Juni nach Mähren und Böhmen, wo ihnen ein wohlgesonnenes Volk entgegen winkte.
Foto: Wikimedia/Commons Carl Graf von Grünne
Foto: Wikimedia/Commons Dr. Johann Nepomuk Seeburger
Elisabeth sollte als erstes Böhmisch lernen, doch die Sprache war ihr verhasst, weshalb es außer dem Zählen bis 10 nicht recht voranging. Auch hier reiste das Paar natürlich nicht allein.
Neben demFlügeladjutant, reiste auch das Militär mit, Leibarzt Freiherr Dr. Johann Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) , Graf Karl Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884) und natürlich die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister Ihrer Majestät, sowie zwei Hofdamen und ein Sekretär.
All diese Personen brachten natürlich wiederum ihre Diener, Friseure und Lakaien mit. Auch das Dienstpersonal des Kaiserpaares durfte nicht fehlen. Ein Tross der Unendlichkeit ritt dem Kaiserpaar voraus und hinten nach.
Ziemlich befremdlich für eine 16jährige, die gerade einmal ein paar Wochen Kaiserin war.
Elisabeth trat als charmante und liebreizende Kaiserin auf, deren Art mit den „einfachen“ Leuten zu sprechen auffiel.
Die Hoffnung stieg bei Hofe, dass aus ihr doch noch einmal eine gute Kaiserin werden möge, die sich dem sozialen Engagement annehmen würde.
Auf dieser Reise wurde sichtbar, dass Elisabeth mit Böhmen und der böhmischen Aristokratie, die immerhin auch in Wien den Ton angab, nichts anfangen konnte.
Hauptsächlich waren sie es, die über die einfache herzögliche Abstammung die Nase rümpften und Elisabeth in allen Belangen auslachten. Kein Adel war ihr weniger Wohlgesonnen als der Böhmische. Immerhin waren dies aber die bekanntesten Namen des Landes: Schwarzenberg, Waldstein, Lobkowitz, Kinsky, Khevenhueller, Liechtenstein, Auersperg und einige andere.
Foto: habsburger.net Kaiser Ferdinand
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Maria Anna
Ein kleiner Höhepunkt der Reise sollte der Besuch beim abgedankten Kaiser Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) und Kaiserin Maria Anna (*19.9.1803, †4.5.1884) werden, welche nun in Prag lebten.
Der kleine, gutmütige Mann, dessen Kopf schief auf seinem Körper hing, stundenlang Domino spielte und mit seinem Neffen Franz Joseph wenig anfangen konnte, freute sich über den Besuch der hübschen Nachfolgerin seiner Frau. Maria Anna war ebenfalls entzückt, hatte aber am Wiener Hof nichts mehr zu melden.
14 Tage sollte die Reise dauern, welche an Strapazen kaum zu überbieten war.
Doch zurück in Wien, wurde Elisabeth keine Ruhe gegönnt.
Fronleichnam stand vor der Türe, weshalb eine große Prozession geplant war.
Elisabeths Einwand noch nicht alt genug für diese Bürde zu sein, wurde abgeschmettert. Obwohl ihr die Verbindung Kirche und Politik völlig fremd war, erwartete man von ihr, dass sie eine große Staatstoilette trug.
Kaiserin Maria Anna hatte jahrelang diese Aufgabe mit vollem Glanz und Hingabe absolviert. Kaiserin Elisabeth fürchtete sich in die Fußstapfen der beliebten Kaiserin zu treten. Doch Kaiser Franz Joseph und seine Mutter Erzherzogin Sophie hatten kein Mitleid mit ihr.
Elisabeth galt als die große Hauptattraktion.
Mit Schleppkleid und Brilliantendiadem geschmückt, stieg sie in den Hofgalawagen, der mit acht Schimmeln bespannt war. Doch Elisabeths Sorgen waren unbegründet. In frommer, demütiger Haltung überstand sie den Tag gekonnt und meisterlich, als habe sie nie etwas anderes zuvor gemacht.
Foto: sammlung.belvedere.at Kaiserin Elisabeth in großer Staatsrobe, 1869 Bild: Franz Russ der Jüngere
Die ersten Zeichen einer Schwangerschaft stellten sich ein, welche Sophie mit Argusaugen beobachtete. Die junge Kaiserin litt unter schweren Schwangerschaftsproblemen:
sie erbrach ständig, litt an Schwindelgefühl und Müdigkeit.
Foto: Wikimedia/Commons Herzogin Ludovika
Elisabeth, die weiterhin Tanzstunden und Sprachunterricht nahm und immer noch gerne Ausritt, musste dies bald einstellen.
Die meiste Zeit vom Tag musste sie liegend verbringen. Mutter Ludovika wurde Bang um ihre Tochter, doch traute sie sich nicht nach Wien. Der Dank, dass ihre Schwester die junge Elisabeth als Heiratskandidatin ihres Sohnes anerkannte, war so enorm, dass Ludovika Sophie devot begegnete.
Foto: Wikimedia/Commons Gräfin Mathilde
Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor Herzog in Bayern
Der Sommer stand bevor und so zog die Familie nach Ischl. Hier kam es zu einem lustigen Vorfall, den ich euch unbedingt erzählen möchte: Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) telegrafierte nach Ischl, um Elisabeth die Ankunft von Spatz, Gackel und sich selbst anzukündigen.
Sie unterschrieb das Telegramm mit Mimi, da dies der Spitzname war, mit dem Elisabeth ihre Mutter seit ihrer Kindheit ansprach. Mimi gab noch den Zug und die Ankunftszeit in Lambach bekannt, da der Zug dort halten würde. Von dort sollte eine Kutsche für die Familie bereitstehen, um diese zur frisch umgebauten Kaiservilla zu bringen. So der Plan. Doch das Telegramm kam nicht in der Kaiservilla, sondern im Hotel Elisabeth an.
Als Herzogin Ludovika, Schwester Herzogin Mathilde und Bruder Herzog Carl Theodor in Lambach ankamen, stand jedoch keine Kutsche bereit. Helle Aufregung entstand, noch dazu in einer Zeit ohne Telefon. Wir können uns das heute kaum noch vorstellen, oder? Zumindest eine Telefonzelle haben wir älteren Leser schon gekannt.
Plötzlich erschien ein Hotelpage des Hotels Elisabeth in Ischl.
Er hielt in der Hand 3 Käfige. Diese sollten für die Vögel „Mimi“, „Spatz“ und „Gackel“ sein.
Foto: ÖNB Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph
Um hier eine kleine Erklärung abzugeben.
Ludovika hatte für alle Kinder Kosenamen. Spatz war Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925), Gackel war Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) und Mimi war, wie gesagt, sie selbst.
Man mag sich das Gesicht des Pagen gar nicht vorstellen, als er den Irrtum bemerkte. Noch dazu wo er die Mutter und Geschwister Ihrer Majestät vor sich stehen hatte.
Natürlich klärte sich der Irrtum als baldigst auf und so wurde die Familie mit der grell lackierten Hotelkutsche zur Kaiservilla gebracht.
Schon während der Schwangerschaft zogen dunkle Wolken über das Mutterglück auf.
Erzherzogin Sophie riss alles an sich. Sie bestimmte, wo die Kindskammer eingerichtet wurde. Diese wurde so eng an ihre eigenen Appartements gelegt, so dass es Elisabeth niemals gelingen würde, ohne dem Wissen von Sophie ihr Kind zu besuchen. Auch die Einrichtung suchte Sophie aus.
Kaiserin Elisabeth wurde von Erzherzogin Sophie angeherrscht, sich beim Volk zu zeigen.
Später erzählte sie dies ihrer Hofdame, welche die Geschichte in ihr Tagebuch notierte:
„Kaum war sie da, schleppte sie mich schon hinunter in den Garten und erklärte, es sei meine Pflicht, meinen Bauch zu produzieren, damit das Volk sehe, daß ich tatsächlich schwanger bin. Es war schrecklich.“ (4)
Sobald Kaiserin Elisabeth allein war, weinte sie sich in den Schlaf. Allein und von niemanden verstanden, durfte sie sich auch keinem in ihrer Umgebung anvertrauen.
Es wurde ihr von Sophie verboten, irgendjemand als Freund oder Freundin anzusehen.
Einzig Graf Grünne kümmerte sich väterlich um die junge verzweifelte Kaiserin, die das Hofleben immer mehr und mehr verabscheute.
Auch die Aja wurde von Erzherzogin Sophie gewählt.
Freifrau von Welden, kinderlos und Witwe, ohne Kindererfahrung wurde aus politischen Gründen dazu auserkoren, das erste gemeinsame Kind von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph zu erziehen.
Die Einwände seiner Frau konnte Franz Joseph weder verstehen, noch hörte er ihr richtig zu. Was Mutter entschied, wird schon gut für alle sein, so sein unumstößliches Motto zu allen Dingen die Sophie entschied.
Umso mehr weinte sich die junge Frau immer mehr und mehr in den Schlaf.
Foto: ÖNB Huldigungsblatt zur Geburt der kleinen Tochter Sophie
Erzherzogin Sophie Friedericke
Am 5.3.1855 kam Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha um 3.00 Uhr nachts zur Welt.
Wir sind also vom Sissi-Film Kitsch wirklich weit entfernt. Die (Film)Tochter, die auf die Namen Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria getauft wurde, hat nichts gemeinsam mit der kleinen Erzherzogin, welche am 5.3.1855 zur Welt kam. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs an falschen Informationen aus den Filmen, der Weltruhm erlangen und leider bis heute als der Inbegriff einer Sis(s)i am Wiener Hof gelten.
Auch das zweite „s“ im Namen von Sisi hält sich hartnäckig. Elisabeth hat sich niemals SiSSi genannt. Vielleicht kann ich mit dem Kitsch endlich ein wenig aufräumen.
Die erste Zeit verbrachte Elisabeth mit der kleinen Sophie in Laxenburg. Kaiser Franz Joseph schrieb beinahe täglich an seine Mutter und kündigte an, dass seine Frau im Juni für 10 Tage das Land verlassen würde, um nach Possenhofen zu fahren. Die kleine Sophie lernte also schon recht früh ihre bayrische Verwandtschaft kennen.
Am 7.8.1855 telegrafierte ein liebevoller Vater an seine Mutter:
„Wir sind sehr wohl und die Kleine war besonders heute sehr lustig. Sie jauchzte in einem fort und war sehr damit beschäftigt, ihren Fuß in den Mund zu stecken und daran zu schnullen. Sie scheint viele gymnastische Anlagen zu haben. Ich küsse Ihnen und dem Papa mit Sisi die Hände und bleibe Ihr treuer Sohn Franz.“ (5)
Erzherzogin Gisella
Schon bald machten sich die nächsten Schwangerschaftszeichen bemerkbar.
Sobald diese öffentlich wurden, las der Erzbischof von Wien und der Bischof von Linz eine Messe, um eine glückliche Entbindung zu erbitten.
Selbstverständlich nicht ganz uneigennützig um einen Thronfolger zu bitten.
Foto: Dorotheum Wien Erzherzogin Gisella
Erzherzogin Sophies Gesicht soll starr gewesen sein, als man ihr mitteilte, dass am 12.7.1856 um 6.35 Uhr in Schloss Laxenburg eine kleine Erzherzogin zur Welt kam.
Auch bei dieser Geburt war Herzogin Ludovika nicht anwesend.
Ebenso erschien sie zur Taufe nicht, obwohl sie offiziell die Taufpatin war.
Am 13.7.1856 wurde die kleine Erzherzogin auf die Namen Gisella Ludovika Marie getauft.
Die Namen entstanden wie folgt: Gisel(l)a nach der Ehefrau des ersten Königs von Ungarn Stephan I. (*969,†15.8.1038), welche eine bayrische Herzogin war und diesen 10jährig heiraten musste. Königin Gisela I von Ungarn (*984/5,†7.5.1065) wird heute als Selige verehrt. Ludovika nach Herzogin Ludovika, ihrer Großmutter und Marie war die modernere Form der hl. Maria.
Gisella wurde nach ihrer Hochzeit (!) mit Leopold Prinz von Bayern zu Gisela und Ludovika zu Louise, weshalb man heute in sämtlichen Geschichtsbüchern über Erzherzogin Gisela Louise Marie lesen kann.
Korrekt wäre aber: Erzherzogin Gisella und Gisela Prinzessin von Bayern; aber anscheinend ist das den Historikern/innen zu kompliziert.
Erzherzogin Sophie wurde als Taufpatin-Stellvertreterin bestimmt. Sie selbst hatte schon Sophie Friedericke getauft.
Elisabeth, nun stärker und selbstbewusster, fing an, um Sophie und Gisela zu kämpfen.
Die Enttäuschung ihrer Schwiegermutter, dass sie keinen Thronfolger auf die Welt gebracht habe, nutzte sie aus, um die Kinderzimmer in die „Radetzky-Räume“ der Hofburg verlegen zu lassen.
Sophie tobte, doch diesmal hatte Elisabeth Schützenhilfe durch ihren Mann Franz Joseph.
Er stellte sich nicht nur vor seine Gemahlin, so nannte er sie auch eine hingebungsvolle Mutter.
Sophie drohte mit Auszug, was Franz Joseph verstimmte. Er schrieb einen Bettelbrief an seine Mutter:
„Nie würde ich es zugeben, daß Sie Ihre jetzige Wohnung verlassen oder gar, was ich nicht gelesen haben will, ganz aus der Burg ziehen würden. Ich hoffe noch immer, daß sich alles sehr gut machen wird; die Kinder bekommen eine viel bessere Wohnung, in der sie auch künftig bleiben können, und Alles wird zufrieden sein.“ (6)
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Sophie Friederike
1856 unternahm das Kaiserpaar eine 4monatige Reise nach Italien. Kaiser Franz Joseph wollte Lombardo-Venetien wieder mehr an das österreichische Reich binden.
Obwohl Erzherzogin Sophie massive Einwände hatte, nahm Kaiserin Elisabeth die kleine Sophie mit auf die Reise.
Baby Gisella verblieb bei ihrer Großmutter in Wien. Das Weihnachtsfest verbrachte die Familie getrennt. Sophie mit Gisella in Wien, Franz Joseph, Elisabeth und Sophie Friedericke in Venedig.
Als Weihnachtsgeschenk wurde die Kaiserin mit einem Portrait von Gisella überrascht. Elisabeth wurde auf dieser Reise zum ersten Mal ernsthaft krank.
Ihre Lungen machten ihr große Probleme. Sie hustete unentwegt, was Kaiser Franz Joseph schwere Sorgen bereitete. Er kündigte bei seiner Mutter die Rückkehr für den 12.3.1857 an.
Erzherzogin Sophie Friedericke wurde bereits am 2.3.1857 mit ihrer Kinderfrau Anna Kathrein auf die Reise geschickt. Franz Joseph schrieb in einem Brief an seine Mutter, dass er hoffte, dass die Kleine ihr die Hände küssen möge und sie artig sei.
Wenige Monate später kam es in Ungarn zu einem folgenschweren Schicksal, von dem sich Elisabeth – vor allem als Mutter – nie wieder erholen sollte.
Aus Trotz setzte sie sich gegen ihre Schwiegermutter durch und nahm beide Kinder mit auf die Ungarnreise. Nicht nur, dass Erzherzogin Sophie Ungarn aus tiefstem Herzen hasste, so riet sie dem Kaiserpaar, die Kinder in Wien zu lassen.
Das Unheil nahm seinen Lauf. Kaiserin Elisabeth verfiel das erste Mal in ihrem Leben in tiefe Trauer.
Kronprinz Rudolf
Im Dezember 1857 wurde erneut an Kaiserin Elisabeth eine Schwangerschaft festgestellt.
Zur unendlichen Trauer, mischte sich freudige Erwartung, welche Elisabeth mit ihren üblichen Schwangerschaftsleiden quittierte.
Sie erbrach ständig, war müde und bettlägrig. Die Abnabelung zu ihrer Tochter Gisella begann. Immer öfter war die junge Frau unpässlich, wollte das kleine Mädchen nicht sehen und machte sich selbst die größten Vorwürfe, ihre Tochter Sophie umgebracht zu haben.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Kaiser Maximilian I von Mexiko und Kaiserin Carlota
Als am 27.7.1858 auch noch ihr Lieblingsschwager Erzherzog Ferdinand Maximilian, genannt Max (*6.7.1832, †19.6.1867), die schöne belgische Prinzessin Charlotte (*7.6.1840, †19.1.1927) heiratete und diese ab sofort ihr vorgezogen wurde, verfiel Elisabeth noch mehr in Depressionen.
Charlotte kam aus einem unfassbar reichen Haus, war gebildet und schön. Erzherzogin Sophie und ihre gesamte Anhängerschaft ließen keine Möglichkeit aus, um die Eheattin von Max zu loben, zu huldigen oder zu bezirzen.
Der labilen, schüchternen und unbeliebten Kaiserin muss das bis ins Mark erschüttert haben.
Noch mehr als jemals zuvor, zog sie sich zurück. Leider auch vor ihrer Tochter.
Mittlerweile vergingen Wochen bis sie Gisella wieder an sich ran ließ oder nach dem kleinen Töchterchen fragte.
Am 21.8.1858 setzten gegen 22.00 Uhr die letzten Wehen ein. Beide Mädchen waren leichte Geburten, kaum eine Wehe war zu spüren und schon waren die Kinder auf der Welt. So war es im August nicht. Erzherzogin Sophie und Gräfin Esterházy knieten am Boden und beteten, während sich Elisabeth die Seele aus dem Leib schrie. Um 22.15 Uhr war es endlich soweit. Der Thronfolger wurde geboren.
Völlig erschöpft fragte die Kaiserin ihren am Bett sitzenden Mann ob es ein Bub sei. Dieser erwiderte, dass die Hebamme Gruber es noch nicht so genau wisse. In Wirklichkeit wollte Kaiser Franz Joseph seine Frau schonen.
Die Geburt hatte sie stark geschwächt. Man wollte ihr jede Aufregung ersparen. Vor lauter Enttäuschung, dass sie keine Antwort bekam, glaubte sie, wieder „nur“ ein Mädchen zur Welt gebracht zu haben. Doch Franz Joseph verneinte dies mit dem Satz
„Nun, und wenn es ein Knabe wäre?“ (7)
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (Privatbesitz; Besitzer will nicht genannt werden) Lithografie Kaiserliche Familie mit Kronprinz Rudolf in der Wiege und Erzherzogin Gisella, Engel über dem Paar symbolisiert Sophie
Das ganze Land feierte die Geburt von Kronprinz Rudolf Franz Karl Joseph, dessen Vorname genauso aus den Habsburger Vorfahren gewählt wurde, wie Gisellas.
Nicht nur Wien feierte, auch das ganze Reich schloss sich den Huldigungen an. Kaiser Franz Joseph der seinen Sohn zwar nicht hübsch fand, dafür aber kräftig und stark, weinte jedes Mal vor Freude, wenn ihm ein Minister, das Militär oder ein Bediensteter gratulierte.
Seine Freude kannte kaum eine Grenze.
Elisabeth, die wieder einmal nicht stillen durfte, hatte extreme Probleme mit dem Milcheinfluss. Sie bekam hohes Fieber. Trotzdem wurde ihr nicht erlaubt den Sohn zu stillen.
Sie gab jeden Widerstand auf. Sie ließ die Kinderzimmer in die Räumlichkeiten von Erzherzogin Sophie verlegen und übergab die gesamte Erziehung in ihre Hände.
Foto: ÖNB Karoline Freifrau von Welden „Wowo“, die Kinderfrau von Erzherzogin Gisel(l)a und Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth
Ab sofort waren sich Gisella und Rudolf am Nächsten. „Wowo“, wie Aja Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1892) und „Nono“, wie die Kammerfrau Leopoldine Nischer (*1813, †1883) von den Kindern genannt wurden, wurden für die beiden zum Lebensmittelpunkt.
Noch als Erwachsene sprachen beide überaus liebevoll über Wowo und Nono.
Gisella, die etwas herb wirkte und das stämmige Wesen von Franz Joseph geerbte hatte und Rudolf, der das Aussehen seiner Mutter, sowie deren Intelligenz und Sensibilität geerbt hatte, wurden unzertrennlich.
Obwohl Rudolf es nicht leiden konnte, wenn Gisella mit seinen Sachen spielte und sie sich beschwerte, wenn er die ihren versteckte, hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel.
Foto: Wikimedia/Commons Gisela und Rudolf als Kinder
Die ersten Jahre fiel ihnen die Abwesenheit von Elisabeth gar nicht auf. Großmutter Sophie, Nono und Wowo kümmerten sich rührend um die Kinder und Kaiser Franz Joseph nahm sich so viel Zeit wie möglich.
Mittlerweile hatte sich die Beziehung zwischen Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth zu einer ambivalenten Ehe entwickelt.
Um die Abnabelung von ihren Kindern zu verstehen, muss ich ins Jahr 1860 springen und euch bitten den Ehe-Beitrag zu lesen.
Kaiserin Elisabeth fing an, sich immer mehr gegen ihren Mann durchzusetzen, kränkelte aber stets vor sich hin.
Wie in meinem Bericht erwähnt, ist die Wahrheit über den Bruch zwischen Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth bis heute nicht erforscht. In allen Filmen wird es vereinfacht mit einer Lungenkrankheit dargestellt. So steht es auch in (wirklich) allen Geschichtsbüchern, dennoch bleiben Zweifel.
Schon der erste Biograf Conte Corti sprach vom „Deckmantel der Krankheit“. Ich bleibe ebenfalls dabei.
Im November 1860 verließ Kaiserin Elisabeth Laxenburg und kehrte erst am 16.8.1862 nach Wien zurück. Nur in Venedig hatte Elisabeth ihre Kinder gesehen. Viel zu kurz, wenn man bedenkt, wie klein die Kinder damals noch waren.
Foto: ÖNB kaiserliche Familie
Gisella war zum Zeitpunkt der Rückkehr bereits 6 Jahre alt, Kronprinz Rudolf knapp 4 Jahre alt.
Auch als Kaiserin Elisabeth zurück war, kümmerte sie sich nicht um die Kinder, die sie so sehr vermissten.
Vor allem der kleine Rudolf hing sehr an seiner Mutter. Er vergötterte sie Zeit seines Lebens und buhlte immer um ihre Liebe. Vergeblich.
Als er 6 Jahre alt war, wurde er von Gisella getrennt.
ACHTUNG TRIGGERWARNUNG! Kindesmisshandlung
Er sollte ab sofort von Graf Leopold Gondrecourt (*1816, †22.5.1888) militärisch erzogen werden.
Den Buben traf damit ein hartes Schicksal. Rudolf, der überhaupt nicht für den militärischen Drill geeignet war, weinte sich jeden Abend isoliert in den Schlaf. Er fürchtete sich allein vor der Dunkelheit, zitterte vor Angst vor dem Knallen der Pistolen und konnte die Einsamkeit nicht ertragen. Er wurde physisch und psychisch von Gondrecourt misshandelt.
Elisabeth weilte außerhalb von Wien, weshalb sie von den Qualen die Rudolf erlitt zunächst nichts wusste.
Vater Kaiser Franz Joseph sah geflissentlich weg und nannte seinen Sohn einen
„Krepierl“.
Erzherzogin Sophie vor Treue zur Krone blind, sah über den Leidensdruck des geliebten Enkels hinweg.
Gondrecourt sah seine Macht und quälte den Buben bis aufs Blut. Er zerrte ihn früh morgens mit Trompetenklänge neben dem Bett aus selbigen, ließ ihn bis zum Umfallen stehen und tränkte ihn für Disziplin und Ordnung im eiskalten Wasser. Rudolf wurde kränker und blasser als jemals zuvor in seinem Leben.
Eine der beliebtesten Übungen von Gondrecourt war, den Kronprinzen um 3.00 Uhr morgens aus dem Bett zu zerren, ihn in den Lainzer Tierpark oder irgendwo im Schönbrunner Park zu bringen und von dort musste der kleine Bub mutterseelenallein, mitten in der Nacht und ohne Anhaltspunkt wo er überhaupt war, ins Schloss zurück finden.
Foto: Wikimedia/Commons Graf Leopold Gondrecourt
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth weilen gerade in Ischl, als Elisabeth von der Wildschwein-Affäre erfuhr, war das Maß voll.
Rudolf wurde von Gondrecourt zum Tierpark Lainz geschliffen, dort hinter die Mauer gestellt, während sich der General in Sicherheit brachte, schrie er, dass ein Wildschwein käme. Das Kind schrie in Todesangst wie am Spieß und je lauter es schrie, desto nervöser wurden die Wildschweine, die in der Nähe ihr Revier hatten.
ACHTUNG TRIGGERWARNUNG! Ende
Sie eilte zum Kaiser und schrie ihn förmlich an:
„Entweder Gondrecourt oder ich!“ (8).
Danach eilte sie in ihr Zimmer und schrieb das berühmte förmliche Ulitimatum:
Ich wünsche, dass mir vorbehalten bleibe, unumschränkte Vollmacht in Allem, was die Kinder betrifft, die Wahl ihrer Umgebung, den Ort ihres Aufenthaltes, die complette Leitung ihrer Erziehung, mit einem Wort, alles bleibt mir ganz allein zu bestimmen, bis zum Moment der Volljährigkeit. Ferner wünsche ich, dass, was immer meine persönlichen Angelegenheiten betrifft, wie unter anderem die Anordnungen im Haus p.p. mir allein zu bestimmen vorbehalten bleibt.
Elisabeth, Ischl, 27.8.1865(9)
Foto: Wikimedia/Commons Josef Latour
Foto: Wikimedia/Commons Dr. Hermann Widerhofer
Kaiser Franz Joseph gab nach. Rudolf wurde aus den Klauen des Folterers befreit.
Zuerst wurde er in die ärztliche Obhut von Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901) aufgenommen, danach übernahm ihn Josef Latour von Thurmburg (*2.2.1820, †28.12.1903), zu dem Kaiserin Elisabeth ein freundschaftliches Verhältnis hatte.
Doch es war zu spät. Gondrecourt hatte ganze Arbeit geleistet. Das Trauma begleitete Rudolf Zeit seines Lebens.
Erzherzogin Marie Valérie
Erzherzogin Gisella und Kronprinz Rudolf bekamen, als sie knapp 12 und 10 Jahre alt waren, noch eine Schwester.
Kaiserin Elisabeth war zum Zeitpunkt der erneuten Schwangerschaft 30 Jahre alt.
Foto: ÖNB Kaiserin Elisabeth im Krönungskleid
Am 8.6.1867 fand in Budapest die Krönung zur Königin von Ungarn statt.
Am 11.6.1867 fuhr das Königspaar nach Schloss Gödöllo, welches ihnen als Krönungsgeschenk übergeben worden war.
Im November 1867 wurde in Wien die Schwangerschaft bekanntgegeben.
Es stellte sich zum ersten Mal seit Jahren so etwas wie ein Familienleben ein, an welchem auch die Kinder Gisella und Rudolf teilnehmen durften. Im Jänner 1868 erfuhr Herzogin Ludovika von Sophie in einem Brief von der freudigen Botschaft.
Die Schwangerschaft verlief ruhig und ohne gröbere Vorkommnisse.
Elisabeth hatte es sich zum Ziel gesetzt, ihr Kind in Ungarn zur Welt zu bringen, weshalb sie sich im Februar 1868 Richtung Ofen auf machte.
Sollte es ein Bub werden, beschloss sie, sollte er Stefan heißen.
Stefan war der erste heilige König und beim ungarischen Volk sehr beliebt.
Kaiser Franz Joseph befürchtete, dass die Geburt in Ungarn ihr in Wien viele Minuspunkte einbringen würde.
Seine Frau war mittlerweile sehr unpopulär geworden. Nur noch Randnotizen in den Zeitungen und beim Volk nicht sonderlich beliebt.
Foto: Wikimedia/Commons Königin Marie von Neapel
Ihre Schwester Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) war angereist, um ihr bei der Geburt beizustehen. Die Geburt selbst war musterhaft.
Erst kurz vor der Geburt, musste die Hebamme helfen, bis dahin hatte es Marie allein geschafft. Am 22.4.1868 wurde das letzte Kind des Paares, Erzherzogin Marie Valérie Mathilde Amalie geboren.
Kaiser Franz Joseph, stolz nochmals Vater geworden zu sein, telegraphierte an die daheim gebliebenen Kinder:
„Sie ist recht hübsch, hat große, dunkelblaue Augen, eine noch etwas zu dicke Nase, sehr kleinen Mund, ungeheuer dicke Backen und so dichte dunkle Haare, daß man sie jetzt schon frisieren könnte. Auch am Körper ist sehr stark, und sie schlägt sehr frisch mit den Händen und Füßen herum… sie schreit sehr selten…und stinkt …“ (10)
Foto: ÖNB Erzherzogin Marie Valérie
Die Kinder erschrocken über so viel Liebe in wenigen Sätzen, rückten noch näher zusammen, da sie befürchteten, die neue Schwester würde alle Aufmerksamkeit auf sich lenken. Doch es kam für die beiden noch viel schlimmer.
Das „ungarische Kind“ wie Marie Valérie bald genannt wurde, bekam vom
Wiener Hof den Beinamen „die Einzige“.
Elisabeth selbst hatte ihr also den „Beinamen“ nicht gegeben. Wieder eine bösartige Mär mehr, die sich bis heute hartnäckig hält.
„Das ungarische Kind“ bzw. „die Einzige“ entstand dadurch, dass der Wiener Hof unter dem Volk den Tratsch verbreitete, dass Kaiserin Elisabeth eine Affäre mit Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890) hatte.
Dieser unfassbare Tratsch hält sich bis heute noch! Hier kann man definitiv davon ausgehen, dass diejenigen die ihn heute noch verbreiten, nur böswillig irgend etwas nachplappern, ohne sich jemals mit dem Thema tatsächlich beschäftigt zu haben.
Aber der Tratsch war auch im eigenen Haus sehr groß. Dafür sorgte alleine schon die Gouvernante von Valérie Mary Throckmorton, genannt Minny (*1832, †11.12.1919).
Foto: National Gallery London Mary „Minnie“ Throckmorton
Minny war eine gefürchtete Intrigantin und gleichzeitig das Kindermädchen von Marie Valérie.
So sehr Elisabeth Klatsch und Tratsch hasste, so sehr hielt sie aber an Minny fest. Marie Valérie wurde von ihr verzogen und verwöhnt, so dass sie bei der Kaiserin gut dastand. Marie war das ein Gräuel. Sie schrieb am 2.1.1872:
„Gräßlich allein bin ich! Throckmorton und ich passen nicht zusammen. Die weiß gar nichts zu reden als fort von dem, was alles geschehen und nicht geschehen sollte und die Lily und die Helene und die Ludwiga gesagt und erzählt! Ich bin den Tratsch gar nicht gewöhnt. … Ich will auch nichts voraus wissen, nicht voreingenommen sein, es bleibt doch von jedem Geschichterl etwas kleben!“ (3)
Dies war gleich in der Anfangsphase von Marie im Dienste der Kaiserin. Aber auch später wurden Marie und Minny keine „Freundinnen.
Elisabeth sorgte mit großem Pflichteifer dafür, dass Erzherzogin Sophie „ihr“ Kind nicht in die Obhut bekam.
Die nächsten Jahre tat Kaiserin Elisabeth keinen Schritt ohne ihrer Valérie.
Entweder war sie in der Obhut ihr vertrauter Menschen oder direkt bei Elisabeth selbst. Kein Tag verging, an dem sie Valérie nicht zu Bett brachte oder dafür sorgte, dass es ihr gut ging.
Wollten die Geschwister sie sehen, war Elisabeth stets an der Seite ihrer Tochter. Rudolf und Gisella eiferten sehr und bemühten sich nicht sonderlich um ihre Schwester. Dies nahm ihnen ihre Mutter sehr übel.
Schon mit drei Wochen begann für Marie Valérie das Reisen.
Von Ofen nach Gödöllö, von Gödöllö nach Ischl, von Ischl nach Possenhofen usw.
In Schloss Garatshausen, wo Elisabeth zu Gast ihrer Schwester Helene von Thurn und Taxis (*4.4.1834, †16.5.1890) war, schrieb sie halb hysterisch an Franz Joseph, dass Valérie kränkelte.
Sie habe das grässliche Gefühl von unverlässlichen Menschen umzingelt zu sein, denn sie befürchtete, dass „ihr teuerster Schatz“ durch die Amme die schlechte Milch abgebe, vergiftet worden sei.
Sie entledigte sich derer und stellte eine Neue ein. Über die Ungarin, die eine Männerstimme hatte, permanente Csárdás Lieder sang und fürchterliche Angst vor Mäusen hatte, amüsierte sie sich allerdings königlich, wenn nicht sogar kaiserlich.
Fotos: Wikimedia/Commons Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Während sie sich fürsorglich um Marie Valérie kümmerte, vergaß sie leider vollends Gisella und Rudolf und sah diese nur ab und an in Wien oder Gödöllö, wenn sie diese besuchten.
Kurz Information zu Erzherzogin Gisella
Foto: Wikimedia/Commons Gisela und Leopold von Bayern
Erzherzogin Gisella verheiratete sie mit 16 Jahren an Leopold Prinz von Bayern (*9.2.1846, †28.9.1930) damit dieser nicht Amélie von Sachsen-Coburg und Gotha (*23.10.1848, †6.5.1894) ehelichen konnte.
Foto: Wikimedia/Commons Max Emmanuel und Amélie in Bayern,
In diese hatte sich ihr Bruder Max Emmanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893) verliebt.
Um Leopold von seiner Braut loszusagen, musste sie eingreifen und ihm die Hand ihrer Tochter anbieten.
Da Prinz Leopold diese nicht verwehren konnte, wurde alsbaldigst Hochzeit gefeiert. Die Trennung von Bruder Rudolf war tränenreich und kaum zu ertragen. Der 14jährige war ab nun wirklich auf sich allein gestellt. Sie starb am 27.7.1932.
Kurz Information zu Kronprinz Rudolf
Foto: Wikimedia/Commons Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie
Kronprinz Rudolf ehelichte auf Druck seines Vaters die belgische Prinzessin Stephanie (*21.5.1864, †23.8.1945) und ging mit ihr eine lieblose Ehe ein, die in kräftezehrenden Streitigkeiten ausartete.
Als er für sich keine andere Wahl mehr sah (lieblose Ehe, keinen politischen Einfluss, sein Vater ließ ihn bespitzeln, krank usw.) brachte er sich am 30.1.1889 in Mayerling um.
Kaiserin Elisabeth trug ab diesem Zeitpunkt nur noch schwarz, zumindest wenn sie in der Öffentlichkeit stand und nur, wenn sie sich beobachtet fühlte.
Mit dem Tod des Sohnes verlor sie das zweite Kind. Sie versank in Selbstmitleid und schweren Depressionen. Sie wurde rastlos und reiste von Land zu Land, um nirgendwo zu bleiben.
Ihr Tod war eine Erlösung für sie.
Kurz Information zu Erzherzogin Marie Valérie
Foto: Wikimedia/Commons Marie Valérie und Franz Salvator,
Erzherzogin Marie Valérie verliebte sich auf einem Ball in Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) und musste lange für diese Liebe kämpfen.
Im Trauerjahr von Kronprinz Rudolf feierte sie in Bad Ischl Hochzeit.
Kaiserin Elisabeth trauerte sehr um ihre Tochter und konnte deren Entscheidung so früh zu heiraten nicht verstehen.
Sie reiste zu den Geburten der ersten Kinder an, was sowohl Prinzessin Gisela, als auch Schwiegertochter Stephanie versagt blieb.
Erzherzogin Marie Valérie war Zeit ihres Lebens ihrer Mutter für die tiefempfundene Liebe dankbar und bemühte sich nach deren Tod um ein Familienleben am Wiener Hof. Sie starb am 6.9.1924.
Alles in allem war Kaiserin Elisabeth eine Mutter die viel zu geben hatte, aber durch die frühen Schwangerschaften einfach zu überfordert war.
Auch das strenge spanische Hofzeremoniell, mit dem die Kinder aufgezogen werden sollten, war ihr fremd.
Sie selbst wurde frei und ohne großartige konventionelle Erziehungsmaßnahmen erzogen, sollte ein strenges Protokoll abhalten, was sie selbst hasste.
Nur mit Marie Valérie und gereifter durch ihr Alter, konnte sie die Mutter sein, die sie sein wollte und konnte.
Petra Schimbäck
Foto: Wikimedia/Commons kaiserliche Familie vor dem Schloss Gödöllö Kronprinz Rudolf, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth mit Erzherzogin Marie Valérie und Erzherzogin Gisella (gestellte Idylle; so ein Foto hat es nie gegeben)
Rechtliche Hinweise: Text: Petra Schimbäck Recherchen: Petra Schimbäck Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Bildrechte: Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), habsburger.net, sammlung.belvedere.at, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Golfhotel Kaiserin Elisabeth Feldafing, Wikimedia/Commons, Dorotheum Wien, Schloss Laxenburg, National Gallery London
Literarische Hinweise:
1 – S. 75/76, 2 – S. 76/77, 3 – S. 79/80, 4 – S. 91 Elisabeth Hamann Elisabeth Kaiserin wider Willen Piper Verlag, TB, 8. Auflage 2017,
5 – S 22, 6 – S. 29, 10 – S 92 Martha Schad Kaiserin Elisabeth und ihre Töchter Piper Verlag, TB, 2. Auflage 2013
7 – S 79, 8 – S 121 E.C. Conte Corti Elisabeth von Österreich, Tragik einer Unpolitischen Wilhelm Heyne Verlag, 15. Auflage, 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)
9 – S 26 Sisi Magazin, Kronen Zeitung – vergriffen (nur noch antiquarisch erhältlich)
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