Marie Sophie Amalie Herzogin in Bayern

Foto: rct.uk, Königin Marie von Neapel-Sizilien

Wir gedenken heute des Todestages von Marie Sophie Amalie Herzogin in Bayern, bekannt als Marie Sophie Königin von Neapel-Sizilien. Sie wurde am 4.10.1841 im Schloss Possenhofen geboren.

Foto: Wikimedia/Commons Herzog Max und Herzogin Ludovika, 50. Hochzeitstag

Ihr Vater war Herzog Max in Bayern. Ihre Mutter Ludovika Prinzessin von Bayern.

Marie wuchs, wie alle Kinder des Paares frei und liebevoll in Schloss Possenhofen und im Palais Max in München auf. Sie war eine Schwester von Kaiserin Elisabeth und Schwägerin von Kaiser Franz Joseph.

Obwohl ihr Vater nicht oft zugegen war, war Ludovika eine liebevolle Mutter, die sich um die immer größer werdende Kinderschar kümmerte. Sie engagierte Hauslehrer, ließ die Kinder auch in Sport unterrichten, so dass diese Schwimmen, Bergwandern und die Buben Jagen lernten. Selbstverständlich gehörte der Reitunterricht dazu. Gerade Sisi perfektionierte diesen Sport in der Zirkusarena im Palais Max bis zum Umfallen.

Herzogin Ludovika kannte allerdings keine Gnade, wenn es um die Wahl ihrer Schwiegersöhne ging. Von Ehrgeiz zerfressen ihre Töchter so hoch wie möglich zu verheiraten, war ihr jedes Mittel Recht. Ob diese dabei glücklich wurden, spielte dabei keine Rolle. Erst im Nachhinein jammerte sie in ihren Briefen wie viel Unglück sowohl Sisi, Marie, Sophie und Mathilde mit ihren Ehen erfuhren. Dabei wurde sie jedes Mal zuvor gewarnt.

Auch bei der Wahl auf den neapolitanischen Kronprinzen Francesco (Franz) schlug der bayrische Gesandte Freiherr von Verger Alarm. Er warnte das Herzogspaar ausdrücklich vor dem völlig ungebildeten 16jährigen, der auch noch körperliche Mängel vorzuweisen hatte. Nicht nur, dass das Reich Neapel auf dünnen Beinen stand (die Aufständischen wurden immer mehr im Land), so könne der schwache Jüngling auf lange Zeit gesehen weder regieren, noch das Reich erhalten. Er sei weder geistig, noch körperlich in der Lage dazu. Marie musste ob dieser Worte Angst und Bang werden. Doch ihre Eltern kannten kein Erbarmen.

Nach einem Kaiser, sollte ein König Einzug ins Herzogshaus halten. Max und Ludovika schlugen als erste Begegnung wieder Ischl vor. Doch die Schwiegereltern erschienen ohne ihren Sohn. Diese hatten in weiser Voraussicht den Jüngling nicht mitgenommen. Marie weinte sich in den Schlaf. Elisabeth merkte, dass etwas nicht stimmte, doch es half nichts. Ihr Vater verkündete am 2.9.1857 die Verlobung. Als Marie dann noch ein Bild ihres Verlobten geschenkt bekam, ahnte sie nicht, dass dieses geschönt war.

Zwischenzeitig fand noch am 24.8.1858 die Hochzeit zwischen Néné (Helene in Bayern) und Maximilian von Thurn und Taxis auf Possenhofen statt. Das Paar war sich in Liebe zugeneigt und wurde – als einziges der Mädchen – sehr glücklich. Marie weinte bei der Hochzeit beinahe ununterbrochen.

Foto: Wikimedia/Commons, König Franz II von Neapel-Sizilien

Am 8.1.1859 fand in der Allerheiligen-Hofkirche der Residenz München die Trauung per procurationem (in Abwesenheit des Bräutigams) statt. Die 17jährige Marie trug ein wunderschönes weißes Spitzenkleid, auf der Brust ein Medaillon ihres Bräutigams. Als Stellvertreter führte sie ihr Cousin Luitpold Prinz von Bayern vor den Altar. Schenkt man Beobachtern Glauben, war sie eine sehr unglückliche Braut, die mit Ungewissen in ihre Zukunft ging und ihren Bräutigam noch immer nicht persönlich kannte.

Am 13.1.1859 war es so weit. Sie reiste mit ihrer Familie nach Bari, Italien, um Franz endlich persönlich gegenüber zu stehen. Es muss für die wunderschöne, gertenschlanke, Elisabeth unglaublich ähnlich sehende Marie ein unfassbarer Schock gewesen sein, als sie den Kronprinzen zu Gesicht bekam.

Er war nicht nur um einen Kopf kleiner als sie (gut, dass war Kaiser Franz Joseph gegenüber von Kaiserin Elisabeth auch), aber er war auch noch unsagbar hässlich. Mit stoischer Miene ehelichte sie am 3.2.1859 in Bari den Kronprinzen noch einmal.

In der Hochzeitsnacht dann die große Überraschung. Die Ehe konnte nicht vollzogen werden. Franz litt an einer Vorhautverengung. Ganze 10 Jahre ließ er sich nicht operieren und die Ehe blieb nicht vollzogen.

Marie litt unter schrecklicher Einsamkeit und trauerte ihrer Kindheit hinterher. Wie in dieser Zeit üblich, durfte auch sie von ihrem alten Leben nichts mitnehmen, so dass ihr alle Personen fremd waren und auch die Kleider nicht die ihren waren. So kam sie auf die Idee den Bruder von Franz Ludwig Graf von Trani mit ihrer Schwester Mathilde „Spatz“ zu verheiraten. Der Verkupplungsversuch gelang und schon bald wurde Hochzeit gefeiert, so dass Spatz wieder bei ihr war und sie gemeinsam leben konnten.

Kurz nach der Trauung starb ihr Schwiegervater König Ferdinand II am 22.5.1859, weshalb ihre Schwiegermutter Königin Maria Theresia, eine geborene von Habsburg „pro forma“ die Regierungsgeschäfte übernahm. Dies deshalb, da Franz geistig nicht fähig war zu regieren. Marie wurde „pro forma“ Königin.

Die Aufständischen Giuseppe Garibaldi und Francesco Crispi planten einen Putschversuch um die Bourbonen zu entthronen. Die Armee und eine Horde Freiwilliger halfen ihnen bei ihrem Plan und stürmten den Palast.

Marie wandte sich hilfesuchend an ihren Schwager Kaiser Franz Joseph und ihre Schwester Kaiserin Elisabeth. Doch Österreich unterlag dem Sardinischen Krieg, Hilfe war daher ausgeschlossen.

General Felix von Schumacher, Marie und Franz fanden Zuflucht auf der Festung Gaeta, die allerdings kurz darauf ebenso beschossen wurde. Ihr schwachsinniger Mann wollte sich ergeben. Doch er hatte nicht mit dem Kampfgeist seiner schönen Frau gerechnet. Die 19jährige Marie versorgte die Verwundeten, verteilte die Vorräte und schoss sogar selbst mit einem Gewehr auf die Aufständischen. Tag und Nacht verteidigte sie die Festung vor den Rebellen.

Doch der Kampf war zwecklos. Am 13.2.1861 musste König Francesco die Kapitulation unterzeichnen. Dem königlichen Paar wurde ein feierlicher Abgang beschert. Die Aufständischen hatten den allergrößten Respekt vor Königin Marie, die so viel Kampfgeist bewiesen hatte. Auf einem französischen Schiff fuhr die Familie Richtung Rom, wo sie zunächst im Vatikan ihr Exil fanden.

Danach blühte Marie erst so richtig auf. Kein Skandal war ihr zu klein. Am 24.11.1862 bekam sie ein uneheliches Kind. Laut Marie Gräfin von Larisch Zwillinge. Der Vater soll ein gewisser Armand Graf de Lavayss gewesen sein; der in der päpstlichen Armee gearbeitet haben soll. Doch Larisch Biografin Brigitte Sokop konnte dies widerlegen. Es gab weder im Vatikan einen Lavayss, noch gab jemals dieses Adelsgeschlecht. Historiker Dr. Graf fand heraus, dass die Mädchen die angeblich auf die Namen Marie Luise und Luise Marie im Dominikanerinnenorden St. Ursula in Augsburg getauft worden waren, kein Eintrag finden ließ. Der Name des Pfarrers der die Taufe vollzogen haben soll, war derselbe Name, der Marie von Wallersee getauft hat, bekannt als verheiratete Marie von Larisch, welche später von Kaiserin Elisabeth durch die Kronprinz Rudolf Affäre Zeit ihres Lebens geschnitten wurde.

Dennoch wird heute noch dieser Name als Vater des Kindes von vielen Biografen übernommen.

Sokop fand heraus, dass das Mädchen vom Gesandten Salvador Bermudez de Castro oder aber von Ludwig von Trani abstammen könnte. Ludwig von Trani war niemand geringer als der Ehemann ihrer Schwester Mathilde. Was aus dem Kind wurde, ist bis heute ungeklärt.

Aus Dankbarkeit für die monatelange Versorgung schenkte Marie dem Orden ihr italienisches Brautkleid, ihren Spitzenschleier und eine wertvolle Alabaster Petrusstatue. Weiters übergab sie jedem Kind der dazugehörigen Volksschule eine Silbermedaille mit der Aufschrift „Zur Erinnerung an den hohen Besuch Marie Königin von Neapel“. Immerhin gehörten 500 Kinder zur Schule.

Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth zu Pferd

Danach zog sie sich nach München ins Schloss Biederstein zurück, um sich auf die Annullierung ihrer Ehe vorzubereiten. Doch die Familie Wittelsbach zeigte sich entsetzt und redete vehement auf Marie ein und so kehrte sie zu Franz nach Rom zurück, der sie mit offenen Armen empfing. Das Paar sprach sich aus und rückte nun näher zusammen. Ab sofort sollte so etwas wie ein Eheleben stattfinden.

1869 ließ sich ihr Mann endlich operieren, so dass nach 10jähriger Ehe diese nun vollzogen werden konnte. Das gemeinsame Kind Maria Christina Pia kam am 7.12.1869 zur Welt, starb allerdings bereits am 28.3.1870. Danach war Marie eine Zeitlang nicht mehr zu bändigen.

Sie ging oft und gerne mit ihrer Schwester Mathilde auf Europa-Reise. Dabei begegnete sie allzu häufig ihrer Schwester Kaiserin Elisabeth.

Als diese ihre Reitleidenschaft für England und Irland entdeckte, lernte Marie auch Bay Middleton kennen. Was nun folgte war eine Beispiellosigkeit an Neid, Eifersucht und Intrigen.

Foto: Wikimedia/Commons Kronprinz Rudolf hoch zu Pferd Ölbild Tadeuz Ajdukiewicz

Marie von Festetitcs, Hofdame und Vertraute gab diese Intrige und neidvollen Tage seitens Marie in ihrem Tagebuch wieder. Von Anfang an war Marie außer Rand und Band, als sie den rothaarigen, kleinen Reitlehrer von Elisabeth sah. Obwohl Franz sie zu dieser Reise begleitete und das Paar mittlerweile sich versöhnt hatte und auch in Liebe zugetan war, missachtete sie Franz und herrschte ihn in einer Tour an. Sie brüskierte ihn vor allen Leuten, machte ihn zum Hanswurst und flirtete vor allen mit Bay herum, der sie links liegen ließ.

Als Kronprinz Rudolf anreiste, von seiner Mutter eingeladen und stolz darauf, bei der Reitleidenschaft und -tagen dabei sein zu dürfen, ahnte er nicht, was auf ihn zukommen würde. Von Anbeginn an, merkte er, dass etwas nicht stimmte. Marie okkupierte ihn beinahe und ließ ihn nicht aus. Sie führte ihn vor wie einen Dackel und Elisabeth konnte kaum an ihren eigenen Sohn heran.

Foto: Wikimedia/Commons Bay Middleton

Am Reittag selbst sprang Kronprinz Rudolf mit Bay herum, als sei er ein Diener und nicht einmal würdig, ihm die Schuhe auszuziehen und nicht der 1. Reiter und höchste Reitlehrer seiner Mutter. Doch Elisabeth merkte nichts, da sie Voranritt, dem Tode näher, als dem Leben, denn am Pferd war sie wie eine Wilde und alle rund um sie hatten um sie Todesangst.

Marie von Festetics sah den Kronprinz in einem Salon und nach einem längeren Gespräch, gestand ihr dieser, dass ihm seine Tante zur Seite genommen und ihn aufgeklärt habe, dass eine Mutter eine Affäre mit Bay hätte. Die Hofdame, die Marie sowieso nicht leiden konnte, da sie alle von oben herab behandelte, fiel beinahe in Ohnmacht. Sie versicherte mit allen Schwüren die ihr einfielen, dass ihre Herrschaft, auf infamste diffamiert worden sei. Noch am selben Abend klärte Marie von Festetics die Kaiserin auf.

Schon am nächsten Tag stellte Kaiserin Elisabeth ihre Schwester persönlich zur Rede. Zuerst stritt Marie alles ab. Diese war so beleidigt, dass Bay die Kaiserin trainierte, Marie aber weder trainieren, noch eines Blickes würdigte, dass sie diese Intrigen sponn. Der Neid und die Eifersucht floss Marie beinahe aus den Augen. Denn auch sonst ließ sie kein Fettnäpfchen aus. Sie rauchte öffentlich Zigarillos, ging nackt baden und brüskierte wo sie nur konnte.

Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons
Foto: Wikimedia/Commons Mathilde Gräfin von Trani

Um Rudolf zu zeigen, dass es Elisabeth ernst und sie vollkommen unschuldig war, brach sie mit ihrer Schwester Marie. Da Spatz Marie zu Hilfe eilte und sich auf die Seite von Marie stellte, brach Elisabeth auch mit ihr. Zeit ihres Lebens sprach Elisabeth kein Wort mehr mit Marie. Dies ging so weit, dass Marie nach dem gewaltsamen Tod von Kaiserin Elisabeth nicht zu den Begräbnisfeierlichkeiten eingeladen wurde.

Marie zog sich mit Franz nach Paris zurück, wo sie mit Sophie Herzogin von Alençon zusammen traf. Das Paar kaufte in Neuilly-sur-Seine eine Villa und wohnte von da an feudal. Immer mehr freundeten sie sich an, bis sie nicht mehr voneinander lassen konnten. Von nun an, sah man die beiden nur noch gemeinsam. Franz und Marie hatten endlich zueinander gefunden.

Im Gegensatz zu Marie, konnte Mathilde das Verhältnis zu Sisi wieder aufnehmen. Spatz und Elisabeth waren wieder Schwestern, Marie und Elisabeth blieben Todfeinde. Sophie unglücklich in ihrer Ehe mit Ferdinand Herzog d’Alençon und auch Mathilde ließ sich in Paris nieder, als ihr Mann Ludwig sich schließlich umbrachte. Die drei Schwestern sahen sich jeden Tag und verbrachten viel Zeit miteinander. Umso härter traf es Marie, als ihr Franz am 27.12.1894 starb. Sie sollte ihn als Witwe um 31 Jahre überleben. Von nun an zog sie sich aus dem öffentlichen Leben zurück.

Herzogin Sophie
Foto: jourfixe-muenchen-ev.com

Als Sophie 1897 beim Brand im Bazar de la Charité zu Tode kam, nahm es ihr beinahe den Atem. Mathilde und Marie verließen Paris für immer und zogen nach München zurück, wo sie auch die Strapazen des 1. Weltkrieges gemeinsam erlebten.

Königin Marie von Neapel-Sizilien starb 83jährig am 19.1.1925 in München. Sie ruht neben ihrem Mann und Tochter in Rom in der Kirche „Via Giulia“.

~ Marie ~

Info nebenbei:

Wer die Geschichte rund um Bay Middleton lesen möchte, kann dies gerne hier tun:

https://sternenkaiserin.com/2017/04/09/william-george-bay-middleton/

Wer die Geschichte von Sophie Herzogin d‘ Alençon lesen möchte (Achtung, die Geschichte ist nicht für Jedermann!) ist hier richtig:

https://sternenkaiserin.com/2020/05/04/der-grausame-tod-von-herzogin-sophie-charlotte/


Text: Marie
Blogbeiträge: Marie
Bildrechte: rct.uk, Wikimedia/Commons, jourfixe-muenchen-ev.com


Literarische Hinweise: 

Hermann von Witzleben 
Herzöge in Bayern (nur noch antiquarisch erhältlich 

Bernhard Graf 
Sisis Geschwister Bildband (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Herzogin Ludovika Wilhelmine in Bayern

ludovika
Herzogin Ludovika Foto: Wikimedia/Commons

Wer die „Sissi“ Filme kennt, wird natürlich auch Herzogin Ludovika, dargestellt von Magda Schneider (Mutter von Romy Schneider) verehren. Die gütige liebende Mutter, die ihrer Tochter Sissi versucht beizustehen, als sich der Kaiser für die „Lisl von Possenhofen“ entscheidet.

In vielerlei Hinsicht haben die Filme sogar Recht. Ludovika war eine liebende Mutter, allerdings auch hier gibt es zur Darstellung von Magda Schneider relativ wenig Bezug zur realen Person Ludovika Wilhelmine, die aber in die Geschichte nur als Herzogin Ludovika eingehen sollte.

Ihr Vater König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, bekannt als König Max(imilian) I. Joseph (*27.5.1756, †13.10.1825) ehelichte am 30.9.1785 Prinzessin Auguste Wilhelmine (*14.4.1765, †30.3.1796). Mit ihr bekam er 5 Kinder.

Durch politische Unruhen durchs Land getrieben und geschwächt durch die Geburten, starb Auguste Wilhelmine schließlich in Rohrbach 31jährig am 30.3.1796 an Lungentuberkulose.

Max der Verzweiflung nahe, da er nicht nur mit 4 Kindern alleine dastand, sondern auch um seine geliebte Frau trauerte, lernte im Exil in Ansbach Prinzessin Karoline von Baden (*13.7.1776, †13.11.1841) kennen und lieben.

 

Stammbaum von König Maximilian I und Prinzessin Auguste Wilhelmine, Fotos: Wikimedia/Commons

 

König Max Joseph I, Foto: Wikimedia/Commons

Max war bereits 41 Jahre alt, als er die junge Prinzessin kennenlernte. Er bat deren Mutter Amalie von Hessen-Darmstadt (*20.6.1754, †21.7.1832) in einem rührenden Brief und die Hand der Tochter. Karoline war anfangs nicht sehr begeistert, stimmte einer Hochzeit – wohl weil die Mutter sie überredet hatte – zu. Sie war erst 21 Jahre alt, als sie am 9.3.1797 die Ehe mit Max einging. Karoline und Max bekamen 8 Kinder, wovon 2 Zwillingspärchen waren. Die Ehe galt als ausgesprochen glücklich und liebenswert. 

Ludovikas Halbgeschwister wurden zum Teil sehr berühmte Menschen; u.a. wurde der Erstgeborene (üchHalb)Bruder Ludwig I. von Bayern, König von Bayern, der mit der unleidlichen Affäre mit Lola Montez in die Annalen der Geschichtsber einging. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Stammbaum von Herzogin Ludovika, Fotos: @Wikimedia/Commons

Königin Karoline Foto: Wikimedia/Commons

Luise (Ludovika), Sophie und Maria Anna, Foto: Wikimedia/Commons 

Ludovika wurde am 30.8.1808 auf Schloss Nymphenburg geboren. Ihre älteren Geschwister waren die Zwillinge Elisabeth und Amalie Auguste und die Zwillinge Maria Anna und Sophie Friedericke. Auch hier werden die Geschwister Berühmtheiten; allerdings ist Sophie Friederike sicherlich die Berühmteste. Sie wurde Erzherzogin Sophie – die Mutter von Kaiser Franz Joseph. Nach Ludovika erblickte nur noch Nesthäkchen Maximiliane Josepha (*21.7.1810, †4.2.1821) das Licht der Welt. Die beiden Brüder überleben das Kindheitsalter leider nicht. Der erste Sohn stirbt gleich bei der Geburt, Maximilian stirbt mit 3 Jahren.

 

 

Schloss Nymphenburg in München, Foto: samot/shutterstock.com

Ludovika wuchs in Schloss Nymphenburg sehr liebevoll auf. Ihre Eltern waren fürsorglich, die sich gut um die Kinderschar kümmerte. Ein seltenes Familienidyll in jener Zeit – vor allem für Königshäuser.

Königin Karoline wurde Zeit ihres Lebens von ihren Kindern sehr verehrt und geliebt. Wie sehr die Eltern vergöttert wurden, bezeugen Liebesbriefe der Kinder an die Eltern, die in Wien am Wiener Kongress (1814/15) ihre Pflicht taten. 8 Monate waren sie von zu Hause weg. Die 9jährige Sophie schrieb verzweifelt: „Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (1)

Die Kinder hatten lustige Kosenamen für sich – vor allem Sophie wurde damit reich beschenkt: Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer, Ludovika wurde zu „Louise“ und Nesthäkchen Maximiliane Josepha wurde von allen nur „Ni“ gerufen. 

Die Innschrift des Grabreliefs von Prinzessin Maximiliane Josepha Caroline von Bayern: „Innigst geliebt und heftigst beweint“ Foto: Wikimedia/Commons

Die kleine Ni war generell der erklärte Liebling der Familie, aber am meisten von ihrer Mutter. Während Max seine Kinder Sophie und Anna Maria am meisten liebte. Ni war Zeit ihres Lebens immer kränklich gewesen. Als sie aber am 4.2.1821 im 11ten Lebensjahr an Schleimfieber verstarb, brach für die Familie eine Welt zusammen. Karoline trauerte lange und tief. Auch die Kinderschar musste diesen Verlust erst verarbeiten. Sophie nagte Zeit ihres Lebens am Verlust ihrer Schwester. Wie tief der Schock über den viel zu frühen Tod gewesen sein muss, zeigt das Grabrelief der kleinen Ni.

Trotz allem mussten Ludovika und ihre Geschwister schon sehr früh (ab dem 4. Lebensjahr) am Hofleben teilnehmen; sie mussten das Hofzeremoniell lernen, ins Theater gehen und Pflichten des höfischen Lebens erlernen.

Sie wurde in Französisch (Hofsprache), Deutsch, Literatur, Geschichte und Geographie unterrichtet. Die Kinder durften im Schlossgarten toben und auch allerlei Streiche oder Unsinn machen. Die Liebe zur Freiheit und Ungezwungenheit war es, welche Ludovika auch ihren Kindern weitergeben sollte. Aber ich greife vor.

König Michael I. von Portugal „Dom Miguel“, Foto: geneall.net

Ludovika verliebte sich in Miguel Maria do Patrocínio João Carlos Francisco de Assis Xavier de Paula Pedro de Alcântara António Rafael Gabriel Joaquim José Gonzaga Evaristo de Bragança e Bourbon, kurz Dom Miguel (*26.10.1802, †14.11.1866), der aber von ihren Eltern abgelehnt wurde. Den Schmerz über dieses Verbot, vergaß sie nie.

St. Quirinus, Tegernsee Foto: Christian Sepp

Ludovika wurde gegen ihren Willen mit dem sehr lebhaften Herzog Max in Bayern verlobt. Angeblich war er Prinzessin Maximiliane Josepha versprochen, als diese aber starb, rückte Ludovika nach. Ob dies der Wahrheit entspricht, ist sehr schwer zu glauben. Viel glaubwürdiger ist die Tatsache, dass „eine“ Königstochter geheiratet werden sollte, welche war dabei wohl eher nebensächlich. Wie auch immer. Auf alle Fälle gab es kein Wehklagen und kein Zetern: am 9.9.1828 wurde in der Schlosskapelle St. Quirinus der Bund der Ehe geschlossen.

Max entstammte aus der Linie „in“ Bayern (Beitrag kann hier nachgelesen werden), weshalb Ludovika zur Herzogin „in“ Bayern degradiert wurde. Dieser Titel war ihr Zeit ihres Lebens verhasst. 

Herzog Max in Bayern, vom Volk „Zithermaxl“ genannt. Foto: @Wikimedia/Comons

Der unglückliche Spruch, den Ludovika am Tag ihrer Hochzeit ausgestoßen haben soll: „Dieser Ehe und allem, was daraus hervorgeht, soll der Segen Gottes fehlen bis ans Ende“, der auf Wikipedia zu lesen ist, ist wohl der reinen Erfindung der gekränkten und verstoßenen Gräfin Marie Larisch zu verdanken; die hat sich in ihren beiden Büchern nach der Verbannung (wegen Kronprinz Rudolfs Tod) an ihrer Familie bitter gerächt hat. Das sie dabei ihre Großmutter in Verruf brachte, dürfte Gräfin Larisch billigend in Kauf genommen haben. Ich greife aber wieder einmal viel zu weit vor. 

Tatsache war allerdings, dass Ludovika todunglücklich war. Sie fand ihren Mann nicht einmal sympathisch. Für Max wiederum war Ludovika hausbacken und langweilig. Trotzdem bekam das Paar 10 Kinder, wovon 8 Kinder das Erwachsenen Alter erlebten.

 

 

Stammbaum Herzog Max und Herzogin Ludovika, Fotos: Wikimedia/Commons

Herzog Max und Herzogin Ludovika, 50. Hochzeitstag Foto: Wikimedia/Commons

Die Ehe verlief Zeit ihres Lebens unglücklich, das Paar sah sich kaum. Erst im Alter und bei der goldenen Hochzeit versöhnte sich das Ehepaar. Marie von Redwitz (*9.12.1856, †11.4.1933), Hofdame der Tochter von Carl Theodor, Herzogin Amalie in Bayern (*24.12.1865, †26.5.1912), schreibt dazu in ihrer Hofchronik 1888: „Einmal nur erwähnte die alte Hoheit, die ihn besuchte, sie finde ihn nicht gut aussehend, und daß er auch am Tage bei geschlossenen Läden bei Licht säße, mache ihr einen traurigen Eindruck. Er behauptete, in seinen Zimmern (den Hochparterreräumen des Palais) würde es doch nie recht hell. Die Hofdamen haben den „alten Herrn“, wie er meist genannt wurde, seit zehn Jahren nicht gesehen, selbst die Dienerschaft, die nicht speziell in seinen Diensten stand, kannte ihn nicht. Er verließ das Haus und seine Zimmer nie mehr.“ (2)

Die erste Zeit reiste das Paar viel und zog schließlich in das bombastische Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße in München. 1834 kaufte Herzog Max schließlich das Sommerschloss Possenhofen, von allen nur liebevoll Possi genannt und gab damit den Kindern und Ludovika ein zu Hause, das diese sehr liebten.

Schloss Possenhofen, heute, Eigentumswohnungen, Betreten verboten, Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Possi und Ludovika wurden zum Lebensmittelpunkt der Kinder. Herzogin Ludovika hielt nichts vom strengen Hofzeremoniell und ließ die Kinder zu Hause von Hauslehrern unterrichten.

Schloss Possenhofen, Aquarell Franz Xaver Nachtmann, 1839, Foto: Wikimedia/Commons

Wichtigste Stütze als Freund und Erzieher der Kinder ist ihr dabei Baron Carl von Wulffen, den sie später zu ihrem Obersthofmeister macht.

Der Unterricht wurde auch oft in die Natur verlegt, denn der große Garten, der See und die umliegenden Wälder luden zum Toben, Reiten und Schwimmen ein. Auch wenn es sich nicht ziemte, aber die Kinder lernten alle Schwimmen. Vor allem Kaiserin Elisabeth sollte dies ihr Leben lang beibehalten.

Herzog Max-Palais, München Foto: Wikimedia/Commons

Ludovika liebte lange Spaziergänge, den Wald, die Tiere und so ging sie mit den Kindern stundenlang spazieren und brachte ihnen die Natur näher. Sie sprach mit den Kindern hauptsächlich deutsch, was auch nicht dem strengen Hofzeremionell entgegenkam, da man dort französisch sprach. Und so lernten die Kinder bayrischen Dialekt.

Possi wurde für die Kinder der Inbegriff von Freiheit, von Liebe und von Heimat. Alle Kinder kamen immer gerne nach Possenhofen zurück und hatten Zeit ihres Lebens schweres Heimweh. Keiner von den Kindern konnte die Freiheit so derartig bewahren, wie sie es als Kinder genossen haben.

Ludovika selbst ging in ihrer Aufgabe als Mutter voll auf. Sie legte Wert darauf, die Kinder selbst zu erziehen und beschäftigte sich viel mit ihnen. Auch zu ihren zahlreichen Enkelkinder hatte „Großmama“ ein äußerst gutes Verhältnis. Marie von Redwitz schreibt folgendes in ihr Tagebuch, als sie 1888 die alte Dame kennenlernt: „Ich war erstaunt über die Erscheinung, und die einst schöne und große Frau kam mir mit der gebeugten Gestalt ihrer einundachtzig Jahre um den verwelkten Zügen wie ein Spitalweibchen vor. Das noch dicke melierte Haar war um den Kopf gelegt, und da sie keine Haarnadeln ertrug, mit einem schwarzen Filetnetz gehalten. Das grüne schlafrockartige Kleid hatte auffallendes gelbes Muster. Sie sprach mich liebenswürdig an, mit schwachem Lächeln auf den Lippen und den gesenkten Augen der getrübten Sehkraft.“ (3)

19f351c6915b257fb34a78269d79f01b
Herzogin Ludovika Foto: Wikimedia/Commons

Um Ludovika jedoch näher kennenzulernen, müsste man sich mit ihren Briefen beschäftigen. Sie schrieb an alle ihre Lieben und hielt auch bis ins hohe Alter mit allen Schwestern und Brüdern engen Kontakt. Als ihre Augen immer schlechter wurden, ließ sie ihre jüngste Tochter Sophie Charlotte ihre Korrespondenz erledigen. 

Auch wenn die alte Patriarchin ihre Sprösslinge gut im Griff hatte, so war sie Zeit ihres Lebens mit der Lebensweise ihrer Kindern „etwas“ überfordert.

Als Sophie Charlotte im heiratsfähigen Alter war, war ihre ältere Schwester Elisabeth bereits seit Jahren Kaiserin von Österreich. Ludovika hielt engen Kontakt mit Erzherzogin Sophie, die ihre Schwester und gleichzeitig die Mutter von Kaiser Franz Joseph war. 

Und genau hier unterscheidet sich auch wieder die Filmvorlage Ludovika von Magda Schneider zur realen Herzogin. Es war nicht Ludovikas Aufgabe zwischen Elisabeth und Erzherzogin Sophie zu vermitteln. Im Gegenteil. Immer wieder schrieb Ludovika traurige Briefe nach Wien, um sich bei ihrer Schwester zu entschuldigen:„…wenn man nur erkennte, was Du Alles thust, wie gut Du es mit anderen meinst! Gott, gebe, daß es noch einmal anders wird.“ (4)

Damit kritisierte sie Elisabeths ablehnende Haltung gegenüber Erzherzogin Sophie. Ludovika zeigte sich deren ganzes Leben dankbar, dass sie die junge unerfahrene Elisabeth in Obhut genommen hatte.

Herzogin Sophie Charlotte Foto: Wikimedia/Commons

Als – um auf Sophie Charlotte (*22.2.1847, †4.5.1897) zurückzukommen – nun die jüngste, schöne Tochter zu verheiraten war, wurde noch einmal der Wiener Hof zur Brautschau herangenommen. Erzherzog Ludwig Viktor (*15.5.1842, †18.1.1919) der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, sollte der Ehemann werden. Doch Sophie Charlotte lehnte entrüstet ab.

Erzherzog Ludwig Viktor Foto: Wikimedia/Commons

Und wieder schrieb Ludovika an Sophie: …“es hat mir viele Thränen gekostet, ein solcher Schwiegersohn wäre ein Glück für mich gewesen. Aber Gott meine es mit Dir, Du viel geprüfte Schwester, gut, wenn nicht auch noch die kapriziöse Sophie in die Wiener Hofburg einzöge. Vielleicht hätte Sophie, trotz ihrer gewiß guten Eigenschaften, Deiner Erwartung nicht in Allem entsprochen, und der liebe Gott führt Dir eine verzüglichere zu, die Dich und Deinen guten Ludwig recht glücklich macht, wie Ihr beide es verdient.! Gott gebe Dir einen heiteren, ruhigen, friedlichen Lebensabend und reichen Ersatz für so viele stille Opfer, die Dein armes Herz hat bringen müssen…. und Deinem Ludwig eine schöne Zukunft.“ (5)

Sophie Charlottes Leben verlief sehr tragisch. Sie ging als „Kurzzeitverlobte“ von König Ludwig II von Bayern (25.8.1845, †13.6.1886) in die Geschichte ein. Ludwig und Sophie waren vom 22.1.1867 bis zum 7.10.1867 verlobt. Danach ehelichte sie am 28.9.1868 relativ gleichgültig Herzog Ferdinand von Alençon (12.7.1844, †29.6.1910), mit dem sie 2 Kinder bekam.

Extrem schwer verkraftete sie den Tod der geliebten Schwiegertochter Sophie von Sachsen (*15.3.1845), welche kurz nach der großen Verlobungsfeier von Ludwig und Sophie Charlotte kaum 22jährig am 9.3.1867 verstarb. Der Verlust traf Ludovika und ihren Lieblingssohn Gackel – Carl Theodor – mit voller Wucht. Noch dazu, weil die kleine Amalie, gerade einmal im 2ten Lebensjahr war. Den Bericht über Sophie von Sachsen könnt ihr hier nachlesen. 

Herzog Carl Theodor mit Maria José, Foto: @Wikimedia/Commons

Erst am 29.4.1874 heiratete Carl Theodor erneut. Um sich doch noch mit dem portugiesischen Haus zu vereinen (Miguel war allerdings bereits seit 1866 verstorben), verheiratete sie ihren Sohn Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) in 2ter Ehe mit Miguels Tochter Maria Josepha (Maria José) von Portugal (*19.3.1857, †11.3.1943). 

Herzogin Marie Sophie Foto: Wikimedia/Commons

Herzogin Mathilde Foto: Wikimedia/Commons

Die beiden anderen Töchter Marie Sophie (*4.10.1841, †19.1.25) und Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925) verheiratete sie unglücklich. Um kurz einen Einblick zu gewähren:
Marie Sophie wurde nach Neapel verheiratet, wo ein kleinwüchsiger König auf sie wartete, das Unglück nahm seinen Lauf. Marie Sophie gebar ein uneheliches Kind, von dem man bis heute nicht weiß, wo es nach der Geburt verblieben ist. Und Mathilde wurde mit einem schweren Alkoholiker verheiratet, der sich schließlich 50jährig in Paris das Leben nahm. 

Wie man sieht, besaß Ludovika in der Wahl der Ehemänner kein gutes Händchen. Sie war sehr ehrgeizig auf Titel und Krone und so war ihr der Titel Königin von Neapel (Marie) wichtiger, als das Glück der Tochter. Immerhin hätte schon Sophie Charlotte Königin von Bayern werden sollen. 

220px-ludovika_hzgin_in_bayern
Hezogin Ludovika mit Spitz Lupa, ca. 1890 Foto: Wikimedia/Commons

Herzogin Ludovika in Mitten ihrer Lieben (v.l.n.r.) Sophie Charlotte, Mathilde (stehend), Carl Theodor und Max Emanuel Foto: Wikimedia/Commons

Eine weitere Liebe von Ludovika waren ihre Hunde. Sie liebte Spitze über alles, vor allem weiße. Und die durften im Haus alles, sogar bei Tisch sitzen, was bei so manchem Gast großen Ekel erregte, denn die Flöhe der Hunde sprangen auf den Tellern herum, die zwar sofort ausgetauscht, dennoch die Hunde nicht vom Tisch entfernt wurden.

Während der großen Trauer um Sophie von Sachsen, kam auch Erzherzogin Sophie nach Possenhofen. Der Tod ihres geliebten Sohnes Ferdinand Maximilian (Kaiser Max von Mexiko) (*6.7.1832, †19.6.1867) traf die alte Frau sehr. 

Und so war Ludovika immer der Ruhepol der Familie. Wer Schutz, Trost oder Heimweh hatte, war jederzeit bei Ludovika willkommen.

Sophie von Sachsen Foto: Wikipedia/Commons

Auch Kaiserin Elisabeth weilte sehr gerne bei ihrer Mutter in Possi, belegte aber das gesamte „Kaiserin Elisabeth Hotel“ in Feldafing, da ihre Gefolgschaft für das kleine Schloss zu groß war. Kaiserin Elisabeth war zufällig in Feldafing anwesend, als am 13.6.1886 König Ludwig vis á vis im Starnberger See ums Leben kam.

Zum 80. Geburtstag der alten Dame kamen alle Kinder und Enkelkinder von fern und nah, um den großen Ehrentag mit ihr zu feiern. Nur Herzog Max erscheint zum Geburtstag nicht. Der alte Herr hatte einen Schlaganfall erlitten, sein Gesundheitszustand ließ keine Reise nach Possenhofen zu. 

Kaiserin Elisabeth schrieb ein rührendes Gedicht für ihre Mutter zum 80. Geburtstag, welches allerdings erst weit nach dem Ableben aller beteiligten Personen an die Öffentlichkeit kam:

Ich bitte Gott, Er möge gnädig senden
Dir manchen Sommer noch, wie du ihn liebst, 
Wo Frische dir die Sonnenstrahlen spenden
Und Stunden du im Buchenhain verbliebst. 
Nachts aber soll der Mond sein Antlitz wenden
Dir zu, wie Du entzückt mir jüngst beschriebst. 
Wem die Natur so lieblich weiss zu blühen, 
Vor dem wird lange noch das Alter fliehen! (6)

Herzogin Ludovika Foto: Wikimedia/Commons

Am 24.1.1892 erkrankte Ludovika jedoch schwer. Eine Lungenentzündung schwächte die alte Dame, sie war mittlerweile knapp 84 Jahre alt, so sehr, dass sie am 25.1. das Bett nicht mehr verlassen konnte. Sofort wurde die gesamte Familie benachrichtigt.

Sophie Charlotte ist die erste bei ihr, da sie gerade in München weilte, Erzherzog Ludwig Viktor und sogar der Sohn von Miguel, Miguel II. von Bragança, Albert Thurn und Thaxis (Enkelsohn/Helene), Carl Theodor, Maria Josè und alle anderen eilten herbei.

Nur Kaiserin Elisabeth ließ sich entschuldigen: Marie Valérie kränkelte und war hochschwanger. Die Kaiserin halb hysterisch vor Angst um die Tochter, fuhr deswegen nicht nach München.

Marie von Redwitz schreibt: „Der Morgen des 25. verlief ruhig, die Kranke stand sogar auf, weil es ihr schrecklich war, im Bette zu sein, das ihr immer wie ein Sarg vorkam. Alle Töchter wurden telegraphisch berufen und kamen, bis auf die Kaiserin, die Erzhogin Valérie in diesem Moment nicht verlassen konnte.
Herzog Carl geht es sehr nahe, erregt und ängstlich war er mit der Herzogin beständig bei der Leidenen. Die Ärzte gingen ein und aus.
Nach aufgehobener Tafel blieben wir alle in den Nebenräumen, schauten auch selbst wieder zur Kranken hinein, die schlummernd und ruhig atmend dalag, und der man die letzte Ölung erteilt. Wie sehr hat sie sich vor dem Tode gefürchtet, und wie unbemerkt ist er ihr genaht. Um vier Uhr morgens hat sie den letzten Atemzug getan, und sie lag nun wie eine Schlummernde auf der Chaiselongue friedlich und unverändert. Ihre immer noch dichten Flechten hingen herab, und man ließ sie im Schlafrock, in dem sie gestorben.“ (7) 

Herzogin Ludovika Wilhelmine in Bayern starb am 26.1.1892 im Herzog Max-Palais. Sie wurde in der Familiengruft im Kloster Tegernsee bestattet.

 

~ Marie ~

 


Danksagung:
Ich möchte dem Historiker Christian Sepp danken, der mir mit Rat und Tat und vielen Hinweisen durchgeholfen hat. Seine Biografie über Herzogin Ludovika wird im Frühjahr 2018 im August Dreesbach Verlag erscheinen. 


Rechtliche Hinweise:
Stammbaum: Marie 
Textrechte: Marie, Brigitte Hamann, Christian Sepp, Marie von Redwitz 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, geneall.net, samot/shutterstock.com, Christian Sepp, sternenkaiserin.com – Marie


Literaturhinweis:

Christian Sepp

Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester
August Dreesbach Verlag, 2014, 1. Auflage

1 – S 35
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

2 – S 21, 3 – S 13/14, 7 – S 136 
Marie von Redwitz
Hofchronik 1888 – 1921 (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Kulturpolitik, München 1924

4 – S 133, 5 – S 416, 6 – S 432
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen,
Amalthea, 1992, 11. Ausgabe


 

Herzog Max Joseph in Bayern

max_in_bayern_zither
Herzog Max mit Zither, im Hintergrund Sisi-Schloss, Aichach, Foto: Wikimedia/Commons

Bis heute ist der Mythos Herzog Max in Bayern lebendig. Nicht allein deshalb, weil Gustav Knuth ihn so prachtvoll in den berühmten Sissi-Filmen mit Romy Schneider dargestellt hat.

Doch so prachtvoll und liebevoll, wie er in den Filmen dargestellt wurde, war natürlich der reale Max nicht.

Pius August Herzog in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Amalie Luise von Arenberg, Foto: Wikimedia/Commons

Max Joseph in Bayern wurde am 4.12.1808 in Bamberg geboren. Seine Mutter war Amalie Luise von Arenberg (*10.4.1789, †4.4.1823) , sein Vater Herzog Pius August in Bayern (*1.8.1768, †3.8.1837). Max entstammte der Linie „in“ Bayern. Wie dieser Titel zustande kam, kann hier nachgelesen werden. 

Seine Eltern waren ein sehr unglückliches Paar. Pius neigte zu cholerischen Anfällen und fing sehr gerne Schlägereien an (ob er Frau und Kind geschlagen hat, ist nicht bekannt).

Um seine Erziehung kümmerte sich deshalb sein liberal denkender Großvater Wilhelm in Bayern. Seine Mutter übergab ihn deshalb ganz in dessen Obhut und konnte ihren Sohn erst nach fast drei Jahren 1820 besuchen. Nach dem zweiten Besuch, 1823 starb Amalie Luise in Bayern. Pius zog sich daraufhin komplett privat zurück.

ahnentafel-max
Stammbaum von Herzog Max, Fotos: Wikimedia/Commons

b-geburtshaus-xl
Herzog Max Palais, München Foto: Wikimedia/Commons

Max erbte im Jahr 1824 ein beträchtliches Vermögen, da sein Großvater starb. So ließ er sich 1828 das berühmte Palais Herzog Max in der Ludwigstraße in München bauen. Eine Residenz, wie sie bis dahin kaum einer je gesehen hat. Leo von Klenzes setzte den Prachtbau um; es galt bis zu seinem Abriss 1937 als das schönste Palais Münchens und war bis über die Grenzen hinaus bekannt. Das Palais wurde 1833 noch um eine kleine Zirkusarena erweitert. Diese Zirkusarena wurde der Grundstein für Kaiserin Elisabeths Reitleidenschaft, aber ich hole zu weit nach vorne aus.

220px-herzog_max_in_bayern
Herzog Max, ca. 1850, Unbekannt Foto: Wikimedia/Commons

Max war ein freiheitsdenkender Mensch. Alle höfischen Konventionen und Zwänge gingen ihm auf die Nerven. Der regierende König Ludwig I. von Bayern (Stiefbruder seiner Ehefrau) sah dieses freie Denken und Leben ohne Konventionen nicht gern, konnte aber nichts dagegen tun.

Ludovika Herzogin in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Am 9.9.1828 fand die arrangierte Hochzeit mit Ludovika Wilhelmine Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892) statt.

Ludovika wurde von allen immer nur Luise genannt und ging als Herzogin Ludovika n Bayern in die Geschichte ein.

Eigentlich war Max der jüngeren Schwester Maximiliane Josepha Karoline Prinzessin von Bayern (*27.1.1810, †4.2.1821) versprochen, doch diese verstarb 11jährig an Thyphus. So rückte Ludovika nach. Ihre Biografie kann hier nachgelesen werden.

Ludovika und Max bekamen 10 Kinder.

Stammbaum Herzog Max und Herzogin Ludovika in Bayern Fotos: Wikimedia/Commons

zither-zwischen-tradition-und-avantgarde-khosh-amoz-106_v-img__3__4__xl_-f4c197f4ebda83c772171de6efadd3b29843089f
Herzog Max, Foto: Wikimedia/Commons

Max war ein geübter Zither Spieler. Die Zither galt als „Lumpeninstrument“ und erst Max war es, der dieses Musikinstrument in die höfischen Kreise einführte. Deshalb wurde er von allen „Zither-Maxl“ genannt. Seine freie Denkweise war beim Volk sehr beliebt. Er galt als Volksnah und gab viel auf bürgerliche Volksstücke und Kartenspiel. Zu seinen besten Freunden zählten oft normale Bürger, wie Kaufleute, Postmeister oder Wirtsleute. Max schrieb Horrorgeschichten, las viel Literatur und dichtete boshafte Gedichte auf die Gesellschaft. Er liebte das Reiten, das Theater und generell alles was mit Vergnügen zu tun hatte. An seine väterlichen Pflichten dachte er dabei sehr wenig, bis gar nicht. Einzig seine Tochter Sisi stand ihm am Nächsten. Wie ähnlich sie ihm war, sollte der Wiener Hof, in den Elisabeth als Kaiserin einheiraten sollte, bald erfahren. Gerade im Alter entwickelte Sisi fast eine manische Passion, die sehr ihrem Vater ähnelte. Doch auch hier greife ich wieder vor. Max jedenfalls genoss sein Leben in vollen Zügen und am liebsten war es ihm, wenn seine Frau und Kinder in Possenhofen weilten.

Natürlich war Gustav Knuth in den Filmen der liebende Vater, der Patriarch der Familie, der es schätzte wenn alle seine Schäfchen glücklich waren.

Ganz so real war dies natürlich nicht. Herzog Max konnte ein ziemlicher Despot sein. Seine Wutausbrüche waren berüchtigt. War ihm der Trubel zu viel oder merkte er, dass er nicht im Mittelpunkt war, schrie er herum und sei es nur, weil ihn ein Hühnerauge drückte.
Seine Kinderschar ging ihm (meist) auf die Nerven und wirklich viel unternahm er mit ihnen nicht. Mit den Mädchen allerdings unternahm er lange Bergtouren, denn es war ihm wichtig, dass die Mädchen „ordentlich Gehen lernten.“ Mit den Söhnen ging er richtig Bergsteigen und das über Stunden und Tage.

Herzog Max führte auch sehr viele außerehelichen Liebschaften und so entstanden zahlreiche Kinder außerhalb der Ehe. Von 2 Töchtern weiß man, ebenso wie von Max Kolb, der 1829 geboren wurde. Letzterer könnte aber auch ev. ein Sohn von König Maximilian II von Bayern gewesen sein, wird aber eher Herzog Max zugewiesen. Max Kolb wurde ein berühmter Gartenarchitekt und seine Tochter Annette Kolb war eine deutsche Schriftstellerin († 1967).

Als seine Tochter Königin Marie von Neapel ein uneheliches Kind gebar, war es Max, der seine Frau Ludovika zur Räson brachte, in dem er sagte, dass dies in den besten Familien vorkäme. Aber ich greife vor.

Schloss Possenhofen  Eigentumswohnungen, Betreten verboten Foto: sternenkaiserin.com – Marie

1834 erwarb er für die große Familie den Landsitz in Possenhofen, wo Ludovika und die Kinder die meiste Zeit des Jahres verbrachten. Nur in den Wintermonaten musste die Familie nach München ins Herzog Max Palais, da das Sommerschloss über keine ausreichenden Öfen verfügte. Das Schloss wurde in der Familie liebevoll „Possi“ genannt.

Schloss Possenhofen ist heute ein für öffentliche Zutritte versperrtes Schloss, in dem Eigentumswohnungen errichtet wurden. Das Schloss kann daher nur von Außen besichtigt werden und ist weiträumig eingezäunt.

Sisi Schloss, Aichach, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

1838 erwarb Max das Wasserschloss Unterwittelsbach, das berühmte Sisi-Schloss. Dieses ist Teil der Sisi-Straße, welches durch jährliche Ausstellungen besichtigt werden kann.

Zum Besitz gehörte auch das Kloster Banz und das Kloster Tegernsee, wo Herzog Max und Herzogin Ludovika begraben sind.

Die längste und berühmteste Reise die Max mit kleinem Gefolge unternahm, war sicherlich die Reise ins „Heilige Land“, das heutige Israel. Die Route führte ihn von München, Venedig, Korfu, Patras, Athen, Alexandria und Kairo, schließlich nach Jerusalem. Nach 8 Monaten kam er zurück. Als Mitbringsel hatte er 4 schwarze Sklaven mit dabei, die er am Sklavenmarkt freikaufte. Da die Münchner Gesellschaft bis dahin noch keine schwarzen Bürger gesehen hatte, waren diese Menschen eine Sensation. Die Männer verblieben Zeit ihres Lebens im Dienste der Familie.

06_f_maximilian
Herzog Max und Herzogin Ludovika, anlässlich der goldenen Hochzeit, Foto: Wikimedia/Commons

Das alles hatte zur Folge, dass Max und Ludovika sich nie wirklich annäherten. Erst im Alter und bei der goldenen Hochzeit (50 Jahre Ehe) söhnten sich die beiden aus. Trotzdem blieben ihm die Kinder und die zahlreichen Enkelkinder fremd.

Max starb nach zwei Schlaganfällen am 15.11.1888. Der Tod des Patriarchen wurde sehr unterschiedlich aufgenommen. Kaiser Franz Joseph und Kronprinz Rudolf, sowie alle Kinder und Enkel nahmen an der Bestattung teil. Nur eine fehlte: Kaiserin Elisabeth. Sie weilte auf Korfu und sagte „aus gesundheitlichen Gründen“ ab.

~ Marie ~

 

 

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: sternenkaiserin, Wikimedia/Commons
Stammbaum: Marie 
Textrechte: Marie


Literaturhinweise:
Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern: Sisis wilder Vater

Christian Sepp
Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester


Reiseinformationen:
Sisi Straße – Sisi Schloss
Sisi-Straße – Reiseroute