Korsett, Krinoline, Tournüre – ein Leben für die Schönheit

Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X: Winterhalter
– wie soll man aufbegehren, wenn man kaum atmen kann?
Dieses Zitat in der InStyle Dezember 2025 von Zoë Bleu war die Inspiration für mich, euch diesen Beitrag zusammenzustellen, den es in ähnlicher Form bereits einmal gab.
Das gesamte Zitat lautet:
„Das Korsett aus dem 19. Jahrhundert, die Mina trägt sind optisch toll, aber sehr einengend für den Körper. Aber das war damals natürlich Sinn der Sache. Frauen wie Mina sollten kleingehalten werden – wie soll man aufbegehren, wenn man kaum atmen kann?
Zoë Bleu (Tochter von Patricia Arquette) spielt die Doppelrolle von „Mina & Prinzessin Elisabeta“ im neuen Dracula-Film „Dracula – Die Auferstehung“.
Natürlich geht es hier nicht um Filmkleidung, sondern um die echte, reale Kleidung jener Person, um die es hier immer geht: Kaiserin Elisabeth
Jedoch stimmt das Zitat mehr, als man jemals das 19. Jahrhundert beschreiben konnte. Es gilt für alles: es gab keine Rechte für die Frauen! Sie hatten Schön zu sein, Kinder zu bekommen, sich karitativen Zwecken kümmern (sofern überhaupt schon vorhanden) und das Wichtigste überhaupt: Still zu sein!
Die Schönheit der Kaiserin wird ein eigenes Thema darstellen, ebenso das Frauenbild des 19. Jahrhunderts, welches ihr allerdings schon als #1 Folge des Podcasts „Sisi – der Podcast“ anhören könnt.
Deshalb widme ich diesen Beitrag der Qual des Korsetts, der Krinoline und der Tournüre.
Aber natürlich muss ich auch hierzu weit ausholen, denn das Modethema ist komplex.

Charlotte Prinzessin von Belgien, 3jährig
Bild: F.X.Winterhalter
Wir beginnen mit der Kindheit von Herzogin Elisabeth, welche bestimmt wurde durch die Mode des Biedermeiers, man verzichtete teilweise auf das Korsett, oder zumindest auf eine übermäßig feste Schnürung .
In unserer Zeit können wir auf Instagram und Co Accounts folgen, auf welchem Töchter und Mütter die gleichen Kleider tragen. Das „mini me“ sozusagen. Doch das ist keine Erfindung der Social Media Kanäle, dies gab es schon immer und vor allem in den vergangenen Jahrhunderten. Die Töchter aus adeligem Haus oder gutem Bürgertum, wurden wie die großen „Vorbilder“ Mutter eingekleidet. Selbstverständlich immer von Bediensteten!
Die weiten Röcke der Kleider waren kurz, so dass die mit Rüschen und Spitzen verzierten Beinkleider sichtbar waren und zumindest ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit erlaubten.

Die Buben trugen lange Hosen und darüber ein kurzes Kleid. Wer es sich leisten konnte, kleidete seinen Sohn mit einem Matrosenanzug, der uns das gesamte restliche 19. Jahrhundert als beliebtestes Kleidungsstück für Knaben begleiten wird.
Die Damenmode veränderte sich etwa ab der Mitte der 1830er Jahre wesentlich und zeichnete sich durch eine Silhouette aus, die vor allem ein kegelförmiger, weiter Rock ausmachte.
Der wiederum wurde durch eine Vielzahl von Unterröcken in eine immer breitere Form gebracht.

Ab etwa 1835 wurde wieder eine deutliche Taillenbetonung sichtbar, denn auch die Biedermeier-Mode änderte sich innerhalb ihrer Epoche.
Durch das Korsett rückte die Taille wieder optisch an ihren Platz und wurde so im Vergleich zur Zeit des vergangenen Empire-Stils, in der sie gar nicht zu sehen gewesen war, wieder sichtbar.
Reifröcke und Korsetts waren ab sofort wieder Kleidungsteile, die in keinem Fall fehlen durften, um die Weite der Röcke zu erreichen und außerdem eine schlanke Taille zu vermitteln.
Das absolute Highlight dieser Zeit waren jedoch die ausgefallenen Ärmeln.
Man nannte sie nicht nur Ballon- bzw. Schinkenärmel oder sogar Hammelkeulenärmel, sie sahen auch tatsächlich so aus. Um diese aufgebauschte Form zu erreichen, musste man diese Ärmel mit Rosshaar- und/oder Fischbeinstäbchen verstärken. Über diesen Unterbau drapierte man dann den Stoff, der in Falten gelegt wurde. Einen ähnlichen Faltenwurf hatte das Kleid dann auch am Dekolleté.

Erzherzogin Sophie
Die verwendeten Stoffe waren gemustert. Man bevorzugte Karos, Streifen und auch diverse Blumenmuster.
Einfarbige, glänzende Stoffe waren für die Abendgarderobe bestimmt. Dafür wurden dann hauptsächlich Seidenstoffe oder andere edle Materialien verarbeitet.
Was aber besonders charakteristisch für diese Mode war die Schute.

Ein Hut der unter der Kinnpartie mit Bändern gebunden wurde, so dass eine Schleife entstand. Die Krempe das Gesicht. Es gab die Schute aus geflochtenem Stroh oder aus Stoff. Die Hüte aus Stoff hatten einen Unterbau aus Drahtgestell, über das der Stoff gespannt wurde. Je nach Jahreszeit wurden die Hüte sogar wattiert oder mit einem wärmenden Polster ausgestattet. Solche Hüte wurden aufwendig mit Blumen und Federn, mit Früchten und Tüll verziert.
Zu allen Zeiten versuchte man den weiblichen Körper der Mode anzupassen, anstatt wie es in vielen Fällen bestimmt gesünder gewesen wäre, die Mode an den Körper der Frau anzupassen. Es war also nicht „nur“ Kaiserin Elisabeth, welche Wert auf eine schmale Taille legte. Generationen von Frauen taten dies vor ihr. Nur ihr, wird das immer noch – bis heute (!) – vorgeworfen!
Wenn ihr nicht wisst, wie man eine Wespentaille von 50 cm bekommt, dann werde ich euch das jetzt ein wenig erklären.
Die Definition für das Korsett lautet: „als Korsett bezeichnet man ein steifes, zur Unterkleidung gehöriges Kleidungsstück, dass eng am Körper anliegt, und diesen den jeweiligen Modelinien entsprechend formt“
Das Wort Korsett wurde in Frankreich geboren. Aus dem lateinischen „corpus“ wurde der Körper frz. „le corps“ zu „le corpsette” verkleinert, um diesem Kleidungsstück einen eigenen Namen zu geben und daraus entstand schließlich „le corset“.
Oft werden auch die Begriffe Schnürleib, Schnürbrust und Mieder genannt, der Unterschied besteht darin, dass Schnürleib bzw. Schnürbrust als eigenständiges Kleidungsstück unter der sichtbaren Kleidung getragen, das Mieder jedoch als sichtbares Kleidungsstück außen getragen wurde. Wir kennen es heute vor allem in der Trachtenmode immer noch.
Auch wenn es in der Antike nicht üblich war, fand man Hinweise, dass an hohen Feiertagen korsettähnliche Kleidungsstücke getragen wurden.

Auf Knossos fand man eine Statuette der Schlangengöttin, das Besondere daran ist ihre dargestellte Kleidung. Sie zeigt eine stark geschnürte Taille durch eine Art Mieder, welches die nackten Brüste fest umschloss und zum anderen die Aufteilung in Rock und Oberteil, eine Ausnahme in dieser Zeit.
Die Griechen und Römer verwendeten Bänder und Gürtel, um die Taille schmal und den Busen hoch zu halten.
Man unterschied zwischen:
1. Brustbänder, die über dem Hemd getragen wurden
2. Brustbänder, die direkt auf dem Körper getragen wurden
3. Bänder (Gürtel), die um die Taille gelegt wurden
Im Mittelalter trug man möglicherweise korsettartige Unterwäsche, die nur zur Haltungskorrektur, aber nicht zur Körperformung diente. Man verwendete Leibbinden um den Körper zu formen und den Busen zu heben. Die Kleider wurden mit aussenliegenden Schnürwerk zusätzlich in Form gebracht.
Im 15.Jahrhundert war das Schnürmieder noch relativ weich. Es bestand aus verzierten Baumwollstoffen oder aus Ziegenleder und wurde mit Bändern geschnürt. Es endete unter der Brust und reichte knapp bis zur Hüfte.
Ab 1500 n.Chr. wurde das Mieder aus zwei oder mehreren Schichten gestärkten Leinens mit Fischbein-, Eisen oder Holzschienen versteift um zusätzlichen Halt zu erreichen, in die vordere Mitte wurde das Blankscheit, ein oftmals kostbar verziertes Holzstück eingeführt.
Dieses versteifte Oberteil nannte man in Frankreich cors, im neufranzösischen dann corps.

Queen Eliszabeth I. *7.9.1533, Greenwich; †24.4.1603, Richmond
An kleinen angenähten Ösen konnte man die Strümpfe befestigen. Die vordere Mitte nannte man Schneppe, sie lief spitz zu. Manche Modelle drückten die Brüste flach mittels eingearbeiteter Bleiplatten und sollte somit die weibliche Form aufheben.
Aus dem 16., Anfang 17. Jahrhundert ist bekannt, dass es auch aus Eisen geschmiedete und mit Samt ausgelegte Korsettmodelle mit eingearbeiteter Brust oder unterhalb des Busens endend, gab. Diese Metallkorsetts dienten aber eher medizinischen Zwecken.
Bis zur französischen Revolution blieb diese Form annähernd gleich, wobei man damals nicht von einem Korsett sprach, sondern von einer „Schnürbrust“ oder „steifen Mieder“.

Zu Beginn der Barock (ca. 1615-1715) bekam der bis dahin flach geschnürte Busen wieder mehr Bedeutung, durch eingearbeitete Rundungen und teilweise sogar Polsterungen wurde er nun wieder bewusst betont.
Die Dekolletés wurden immer tiefer, so dass man gegen Ende des 17. Jahrhunderts fast vollständig entblößte Brüste hatte. Eigens eingearbeitete „Steißrollen“ dienten dazu, die ausladenden, schweren Röcke zu stützen. Die Modelle dieser Zeit wurden bereits aus kostbareren Materialien hergestellt und mit Rohr oder Fischbein verstärkt.

Mitte des 17. Jahrhunderts trug man zb in Spanien das Korsett sichtbar als Oberteil des Kleides. Es hatte eine überlange spitze Schneppe und war in der Brustmitte stark ausgepolstert, um eine gerade Fläche zu erzielen. Ein solches Stück reichte von der Hüfte bis zur Achsel und glich eher einer Rüstung als heutiger Unterwäsche.
Der Unterschied zu späteren Modellen liegt hauptsächlich darin, dass man bei der sogenannten Schnürbrust jedes Mal die Kordel zur Gänze entfernen musste.
Im Rokoko (ca. 1715-1790) kam der Beruf des Tailleur de corps à baleine (Fischbeinleibschneider) auf, man entwickelte bessere Passformen durch die Verlängerung über die Hüfte und das Einsetzen von Laschen um den Körper gezielter zu formen. Zu dieser Zeit wurde die Schnürbrust wieder hauptsächlich als Untergewand getragen.

Mehrlagiges Leinen durch eng aneinander liegende Stäbe versteiften es fast vollständig, in der vorderen Mitte wurde nach wie vor ein Blankscheit eingesetzt. Die Oberbekleidung bestand aus Brokat, Seide, Satin, Atlas und Spitze und wurde mit Goldstickerei verziert.
In England distanzierte man sich zum französischen Modestil und begann nur noch am Rücken und auch nicht mehr ganz so straff zu schnüren
Während des Klassizismus (ca. 1789–1814) wurde, auch durch die französische Revolution das Korsett so gut wie abgeschafft und man trug lediglich einen Brustgurt. Ab 1810 bevorzugte man dehnbare Untermieder aus Baumwolltrikot.

Im Biedermeier wurde das Korsett schon bald zum gesellschaftlichen Ausdruck von Moral und Anstand und somit zum zwingenden Bestandteil jeglicher Damengarderobe.
Vom Hochadel bis zum Mittelstand schnürten sich die Damen auf bis zu 40 cm Taillenumfang. Das Korsett wurde als eigenständiges Wäschestück nur noch unter dem eigentlichen Kleid getragen, war aber dennoch aufwendig verstickt oder bestickt. Es reichte weiterhin über die Hüfte, die nun durch angepasste Zwickel noch stärker geformt werden konnte. Insgesamt bestand ein solches Korsett aus bis zu 13 Einzelteilen. Ab 1828 wurden die Schnürlöcher, die bisher mit Seidenfäden umnäht wurden durch Metallösen verstärkt.

Man ersetzte das hölzerne Blankscheit durch ein zweigeteiltes mit Haken und Ösen versehenes Metallstück, wodurch das An- und Ausziehen wesentlich erleichtert wurde!
Wurde ein Korsett bisher maßangefertigt, begann man nun, sie industriell herzustellen und sie zusätzlich durch Dampf in Form zu pressen.
Gegen Ende des 19. Jahrhundert wurden Federstahlbänder, Stahlspiralen oder Hornstäbe dazu verwendet den Körper in Form zu zwingen. Durch die industrielle Fertigung wurde das Korsett zur Massenware und somit für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich. Eigene Webtechniken ermöglichten die Fertigung in einem Stück wodurch der Tragekomfort durch das Wegfallen störender Nähte erheblich stieg.

Das Aufkommen der Krinoline ließ das Formen der Hüfte unnötig werden und somit wurde auch das Korsett wieder kürzer! Die Korsettstäbe in Vorder- und Rückenteil waren in der Taille stark konkav gebogen und verstärkten somit den Eindruck der Wespentaille zusätzlich.
Die Erfindung der Nähmaschine 1863, löste die Webtechnik ab und revolutionierte die Korsettfertigung, da die aus Einzelteilen zusammengenähten Korsetts eine wesentlich höhere Passform aufwiesen und preiswerter in der Herstellung waren. Man achtete mehr auf Hygiene und begann das Korsett über einem weiterem Wäschestück zu tragen.
Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erwies sich Fischbein, das aus den Barten des Wales gewonnen wurde, als ideales Versteifungsmaterial. Dieses sehr steife und zugleich biegsame Material trug nicht unwesentlich dazu bei, dass diese großen Meeressäuger gejagt wurden.
Zwischen 1870-1890 änderte das Korsett erneut die Form, die „Kürass Taille“ war höher gelegen und sehr lang gezogen. Es war vorne stark verlängert und schloss den Bauch rund ein, auch die Hüften wurden wieder mit geformt, da die Kleider nun enger wurden.

Die Brust wurde bewusst angehoben um die Taille optisch weiter zu verlängern, dadurch benötigte man ein eigens entwickeltes Löffelblankscheit aus Metall um ausreichend Stützung zu erhalten. Die ideale Taille lag zu dieser Zeit zwischen 43 und 53 cm!
In der Zeit des Belle Epoche bekam das Korsett eine gerade Form, die sogenannte „Sans Ventre“ (frz. ohne Bauch) Korsettform. Diese wurde als S-Linie bekannt, da sie den Körper in eine S-förmige Haltung zwang.

Der Oberkörper wurde dadurch nach vorne gedrückt und man so ins Hohlkreuz gezwungen wurde, was wiederum das Gesäß zusätzlich betonte! Am Korsett waren zu dieser Zeit direkt Strumpfhalter angebracht.
Spätestens mit Ausbruch des ersten Weltkrieges war auch dieses Korsett endgültig Geschichte und machte so Platz für moderne Damenunterwäsche.
Welche Auswirkungen diese Art der Mode auf den weiblichen Körper hatte, kann man noch anhand von erhaltenen, anatomischen Zeichnungen erahnen.
Der Brustkorb verformte sich, Organe verschoben sich nach oben und unten. Besonders wenn bereits während der Wachstumsphase mit dem Tragen eines Korsetts begonnen wurde!
Die Folgen waren Deformierungen im Brust und Bauchbereich, Kurzatmigkeit durch die Bewegungseinschränkung des Brustkorbes bei der Ein- und Ausatmung. Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule durch Verlust der Rückenmuskulatur, da das angelegte Korsett ja eine Haltefunktion übernahm, die ohne nicht mehr gegeben war.

Der eine ohne andere Ohnmachtsanfall war sicher dem Tragen des Korsetts geschuldet.
Auch heute noch gibt es einige wenige Damen die sich freiwillig diesem extremen Modediktat längst vergangener Zeiten unterwerfen.
Je länger man ein Korsett trägt, desto mehr verformt sich natürlich auch der Körper. Die Organe rutschen nach oben bzw. unten, die Rippen derfomieren sich und auch die Wirbelsäule wird belastet. Damen, so auch Kaiserin Elisabeth, die täglich mehrere Stunden lang ein Korsett trugen, mussten dieses ununterbrochen tragen, also auch nachts. Es gab keine andere Möglichkeit mehr, den derformierten Körper anders zu stützen.
Auch hier möchte ich betonen, dass dies Kaiserin Elisabeth nicht zum Spaß tat, sondern, dass sie dazu gezwungen wurde. Dieses Schönheitsideal wurde von jeder Frau im 19. Jahrhundert verlangt!





Ethel Granger (1905-1982)
Ethel Granger besaß die wohl schmälste dokumentierte Taille mit 13 Zoll bzw 33 cm Umfang!
Zum Vergleich: Die Taille von Kaiserin Elisabeth betrug 50 cm!

Cathie Jung In The Guinness Book Of Records
Den zweifelhaften Weltrekord an einer lebenden Frau, hält die Amerikanerin Cathie Jung, die sich zu besonderen Anlässen auf 38 cm Umfang schnürt.
Nun war das Korsett aber nur der formgebende Teil der Unterbekleidung und längst nicht das Einzige was eine Dame „darunter“ trug.
Als unterste Schicht trug man eine Chemise, eine Art Unterhemd, als Schutz für das Korsett, dieses „Unterkleid“ wurde oft auch als Nachtgewand verwendet. Man trug es Tag und Nacht, am nächsten Morgen legte man ein Neues an.

Natürlich immer abhängig von Stand und finanziellen Mitteln, so war es durchaus nicht ungewöhnlich das diese Wäschestücke 2 bis 3 Tage oder manchmal auch länger getragen wurden. Gefertigt wurde dieses Wäschestück meist aus feinem Leinen, oftmals mit Biesen und Spitzen verziert. Am Halsausschnitt wurde ein Zugband einzogen, um die Passform zu optimieren.
Die Unterhosen der damaligen Zeit waren, wohl auch auf Grund der Reifröcke im Schritt offen, um den Damen den Gang zur Toilette zu erleichtern.
Auch heute noch, erweist es sich als vorteilhaft auf ein solches „offenes Beinkleid“ zu setzen, wenn man Korsett und Krinoline trägt. Ihr könnt mir glauben, eine „moderne Unterhose“ unter ein geschnürtes Korsett zu stopfen und das unter einer Vielzahl von Unterröcken, dazu noch Krinoline und Kleid in einem viel zu kleinen WC, ist beinahe unmöglich!
Da die Beine des guten Stücks recht weit geschnitten sind, überlappt der Stoff derart, dass es weder kalt wird, noch in irgendeiner Weise unangenehm zu tragen ist.
Auch hierbei wurden oftmals Biesen als Verzierung an den Beinabschlüssen angebracht, Spitzen waren Geschmackssache und mit Sicherheit auch eine Geldfrage. Die Hose wurde am Rücken durch ein Zugband verschlossen.

Unterwäsche und Strümpfe von Kaiserin Elisabeth
Das Korsett war Pflicht, die Wespentaille ein Muss, das schnüren an sich war alleine unmöglich und konnte sich schon mal über mehrere Stunden hinziehen.

Es waren edle Stoffe gefragt. Aufwändige Schnitte wurden aus Brokat oder Atlas, aus Samt oder Seide, Taft und Moiré gefertigt.

Unmengen Stoff waren nötig, um die weiten Rockteile besonders üppig aussehen zu lassen. Im gesamten Viktorianischen Zeitalter, benannt nach der Regierungszeit der britischen Königin Viktoria (1819-1901) von 1831-1901, versuchten die Damen der feinen Gesellschaft sich auf diese Art und Weise zu übertrumpfen.
Doch in Zeiten der Influencerinnen die alle gleich aussehen, ist uns auch dies nicht Fremd geworden.
Abends trug man Schulterfrei, tagsüber hauptsächlich hochgeschlossen.
Schirm, Fächer und Hut rundeten das Aussehen ab und waren untrennbar miteinander verbunden.


Eine Schwangerschaft im 19. Jahrhundert wurde nicht vertuscht in dem Sinne, aber auch nicht stolz präsentiert, wie man es heute kennt. Der nackte Bauch wäre ein no go gewesen. Hier war die amerikanische Schauspielerin Demi Moore für viele Nachahmerinnen auf der ganzen Welt Vorreiterin.
Das Korsett musste auch in der Schwangerschaft getragen werden, wuchs aber während dieser mit.
D.h. die Schnürung wurde immer wieder erweitert und ein sogenanntes „wachsendes Korsett“ wurde umgelegt.




Queen Victoria
F.X. Winterhalter
Als man das Bild von Kaiserin Elisabeth im Morgenmantel mit offenen Haaren im Arbeitszimmer von Kaiser Franz Joseph fand (nach seinem Tod), war man sehr verwundert.
Dieses Bild war für die Entstehungszeit (1865) sehr frivol und freizügig.
Schon Königin Victoria sorgte mit ihrem Bild und den offenen Haaren für einen Skandal, als es öffentlich wurde (sie ließ es für ihren Albert zum Geburtstag anfertigen).
Wir befinden uns in den Jahren 1860–1870, der Zeit des Höhepunktes der Schönheit von Elisabeth!

Kaiserin Elisabeth mit offenem Haar
Bild: F.X.Winterhalter
(dieses Bild steht bis heute am selben Platz – am Schreibtisch von Kaiser Franz Joseph. Heute im Sisi-Museum zu sehen).
Modisch betrachtet nennt man dieses Jahrzehnt auch das 2. Rokkoko.
Drei Namen prägten dieses Jahrzehnt wie niemand anderes.
Königin Eugenie von Frankreich, Kaiserin Elisabeth von Österreich und Charles Frederick Worth

Königin Eugenie von Frankreich
Bild: F.X.Winterhalter

Kaiserin Elisabeth

Die edlen Materialien, die Worth verwendete waren Tüll, Spitze, Pailletten, Samt, Seide, Brokat u. a. machten die Kleider so teuer, dass selbst die Damen von hohem Rang den neuesten Trends nur folgen konnten, in dem sie vorhandene Kleider wieder ändern ließen, anstatt stets neue zu bestellen.
Kein anderer verstand es, Kleider mit solch perfektem Sitz zu kreieren. Hier zeige ich euch also zwei Skizzen die noch nie öffentlich gezeigt wurden. Diese Kleider wurden für Kaiserin Elisabeth von Charles Worth angefertigt.

KLeid für Kaiserin Elisabeth
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Kleid für Kaiserin Elisabeth
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Alle Kleider waren Einzelanfertigungen, nie gab es ein Modell zweimal!

ungarisches Krönungskleid, 1867
Entwurf: Charles Worth
Immer wieder werde ich nach „Schnittmustern“ der Kleider von Kaiserin Elisabeth gefragt: es gibt keine!
Die Schneider der hohen Herrschaften verwendeten aufs Maß genau ebensolche Schneiderpuppen, um die Kleider direkt an diese anzufertigen. Erst dann wurde an der hohen Frau anprobiert. Bedenkt bitte, dass eine Zofe weder Kaiserin Elisabeth, noch eine Königin jemals berühren durfte! Wie diese also tatsächlich die Damen angezogen haben, ist nicht überliefert!
Gegen Ende der 60er Jahre beschäftige Worth mehr als 1200 Näherinnen und erschuf unvergessliche Kreationen, wie z.B. das Sternenkleid!

Kaiserin Elisabeth im berühmten Sternenkleid
Bild: F.X.Winterhalter, 1865
Es war das Jahrzehnt der Krinoline, die 1865 ihren Höhepunkt erreichte.
Durch Rosshaar und Stahlbänder erreichte man enorme Umfänge, wodurch man natürlich dementsprechende Mengen an Stoff und Aufputz benötigte.
1867 kam man langsam von diesen extremen Umfängen ab, 1869 wurde die Krinoline fast vollständig durch die Tournüre ersetzt.

Während die Röcke im Prinzip immer gleich waren, variierten die Oberteile je nach Anlass und Tageszeit. Ein Ausschnitt, der die Schultern zeigte, war ebenso möglich wie ein kleines spitzes Dekolleté oder eine hochgeschlossene Variante.
Auch die Ärmelschnitte ließen zahlreiche Varianten zu. Am Unterarm waren sie meist anliegend. Es gab Kleider, die durch einen halben Ärmel auffielen und es gab Kleider, die lange Ärmelschleppen hatten, besonders in Russland beliebt.

Je nach Wetter und Anlass wurden über diese riesigen Krinolinenkleider halblange Mäntel getragen. Mit Hut und Fächer war eine Dame letztendlich perfekt gekleidet.
Die Chemise und das Beinkleid zählt man aus dem einfachen Grund zur „Wäsche“ da diese im Gegensatz zum Korsett gewaschen werden konnten.
Was nun aber noch fehlt ist die Krinoline, auch Reifrock genannt.

Im Biedermeier trugen die Damen mehrere Stoffunterröcke übereinander. Man begann Rosshaar in diese Röcke einzunähen, daraus entstand dann die Krinoline.
Ca. 1850 begann man diese Rosshaarkrinolinen durch Federstahl zu ersetzen. Der Saumumfang der Röcke stieg auf bis zu unglaubliche 8 Meter an.
Man kann sich vorstellen, wie unpraktisch das sein musste. Sogar damals gab es schon Karikaturen und Photographien in den Zeitungen, die sich über diese Art der Extreme lustig machten.

Der Hauptunterschied zwischen modernen Reifröcken wie man sie heutzutage unter Brautkleidern trägt, ist die Gestaltung der Form. Heutzutage haben die gängigen Unterröcke eine sogenannte „A“ Form, während die Krinolinen des 19. Jhd. kuppelförmig waren. Heute verwendet man Großteils leichte Kunststoffstäbe um die schweren Stahlbänder zu ersetzen. Denn ihr könnt mir glauben, 60 m Stahlbänder sind auch nicht leicht zu tragen.
Kaiserin Elisabeth trug lange und gerne Krinolinen, selbst dann noch eine Zeit lang, als längst die „Tornüre“ Einzug hielt.
Hier in einem weißen, hochgeschlossenen Tageskleid, mit Rüschen, Brosche am Hals, Schmuck und Volantärmel.
Dieses Bild ist knapp vor ihrer Madeira-Reise 1859 von Ludwig Angerer aufgenommen worden. Man sieht ihr die Blässe und die magere Gestalt an. Zu dieser Zeit hatte sie gerade das Laxenburg-Lazarett hinter sich gebracht, in welchem Sie sich aufopferungsvoll um ihre Tochter Gisella, welche auch noch krank wurde, und die Massen an Soldaten, gekümmert, welcher ihr Kaiser Franz Joseph aus dem Solferino-Krieg täglich per Zug schickte.
Zu Beginn waren Krinolinen gleichmäßig rund, ab ca. 1860 wurden sie jedoch mehr und mehr elliptisch.
Doch die elliptische Form setzte sich nicht wirklich durch, weshalb man diese kaum sah.
Kaiserin Elisabeth trug diese Form genauso.

Ab 1870 wurde die Krinoline von der Tournüre abgelöst.
Die Krinoline, war fast vollständig aus der Damenbekleidung verschwunden. In der Modegeschichte ist die Rede von der „Ersten Tournüre“.

Die „zweite Tournüre“ kam erst ab 1880 auf und war dann längst nicht mehr so pompös gestaltet. Aber zunächst war noch die Erste Tournüre modisch aktuell und zwar bis etwa 1875. Dieses halbkreisförmige Gestell, das zumeist aus Stahl- und/oder Fischbeinstäbchen gefertigt war und dessen Polsterungen aus Rosshaar bestanden, wurde über das Gesäß gelegt und befestigt, so dass der Rock, der darüber getragen wurde, eine gewaltige hintere Auswuchtung erhielt. Vorne war das Kleid eng anliegend und der Blick automatisch auf das riesige Hinterteil gelenkt.

Das eng geschnürte Korsett, das zwingend zur Grundausstattung jeder Frau gehörte, drückte die Brust nach oben und sorgte so in den spitzen oder viereckigen Ausschnitten für ein gut gefülltes Dekolleté.

Eine Besonderheit dieses Jahrzehnts sind die Falten und Raffungen am Unterleib, die bald wieder aus der Modewelt verschwanden, da sie den Anschein einer möglichen Schwangerschaft erwecken konnten. Ein Zustand, der zu dieser Zeit jedoch nicht öffentlich zur Schau getragen wurde.
Ein wichtiges Accessoire auch dieser Zeit war der Fächer.
Die spitzenbesetzten Sonnenschirme mussten unbedingt zu den Farben der Kleider passen. Handschuhe und Schleier waren ebenso angesagt.

Die hauptsächlich hochgesteckten Frisuren waren mit einem Hütchen geschmückt, an dem schulterlange Bänder zur Verzierung angebracht waren. Das Hütchen wurde entweder ein wenig keck seitlich getragen oder auf dem Hinterkopf platziert, konnte aber auch gerade vorn auf dem Kopf getragen werden. In jedem Fall hielten es zwei Bänder, die am Hals vorn zu einer Schleife gebunden waren.
Tagsüber im Freien waren die Kleider hochgeschlossen geknöpft und endeten am Hals mit einem kleinen Kragen.
Für die Abendgarderobe gab es zu jener Zeit bereits die Haute Couture, die ein Engländer ins Leben gerufen hatte – Charles Frederich Worth (1826-1895).
Die zweite Tournüre wurde zwischen 1880-1890 modern.
Eine große Gesäßauflage, die Tournure, wurde fixer Teil der Damenunterbekleidung
Ein Gestell aus Fischbeinstäbchen oder auch aus formte den Rock und verlieh ihm eine Gesäßaufbauschung.


Die Kleider waren am Oberteil und nun auch im Rockteil relativ eng anliegend, wobei der Rock meist noch mit Querfalten versehen war, die nach hinten ausliefen und in einer Schleppe endeten. Zu dieser Zeit war das Korsett zwar Pflicht, hatte aber keine besondere Formung der Taille zur Aufgabe, sondern diente eher dazu, die Haltung zu korrigieren und unerwünschte Pölsterchen verschwinden zu lassen.

Kaiserin Elisabeth als Reiterin in Irland
Die Betonung einer sehr schlanken Figur war in den beiden ersten Jahren des Jahrzehnts jedoch durchaus erwünscht. In diesen beiden Jahren wurden die Kleider den Damen, nicht nur unserer Kaiserin, wortwörtlich auf den Körper genäht.
Das Atmen war schwer, das Essen unmöglich, wenn die Damen in dieser Garderobe erschienen. Die Kleider waren schmerzhaft eng und erschwerten auch das Gehen, dabei war das plaudernde Herumstehen immer noch leichter als das Sitzen.
Diese Art von Mode war schon mehrfach in der Vergangenheit aufgetaucht und hatte für den einen oder anderen Witz gesorgt.
In diesem Jahrzehnt waren sie jedoch fast ausschließlich den vermögenden Frauen vorbehalten, die sich dadurch deutlich sichtbar von den normalen Bevölkerungsschichten abgrenzten. Die Betonung des weiblichen Hinterteils blieb mehr oder weniger bis zum Ende dieses Jahrzehnts. Der übliche Aufputz verschwand und man setzte neue Stoffkombinationen ein, bei denen gelegte Falten und Raffungen mit Volants Hauptbestandteil waren.


Tuchstoffe wurden mit Samt zusammen getragen oder auch mit Seide. Das Oberteil lag eng am Körper und war hochgeschlossen. Geschlossen wurde das Oberteil mit einer langen Knopfleiste, deren Knöpfe meist aus besonders edlem Material bestanden. Diese Knöpfe und die Spitzen am Kragen waren die einzige Zierde an der Damenbluse. Die langen, selten auch halblangen Ärmel, lagen eng an.

Die Hüte, die die Damen trugen und die unbedingt zur vollständigen Kleidung gehörten, änderten ihr Aussehen schneller als die Bekleidung selbst. Trug man erst noch Hüte mit aufgeschlagenen Krempen, so wichen diese bald Modellen mit Federn und Bändern.Ältere Damen trugen gedeckte Farben und die Jugend bevorzugte hellere, auffälligere Farben.
Am Land hielt man sich keineswegs an die vorgegebenen Trends sondern trug weiterhin zeitlose Trachten für den Alltag und auch für die Arbeit. Diese waren in dezenten Farben gehalten. Die Trachten an Sonn- und Feiertagen waren dagegen meist besonders farbig und mit viel Zierrat versehen.

Am Land hielt man sich keineswegs an die vorgegebenen Trends sondern trug weiterhin zeitlose Trachten für den Alltag und auch für die Arbeit. Diese waren in dezenten Farben gehalten. Die Trachten an Sonn- und Feiertagen waren dagegen meist besonders farbig und mit viel Zierrat versehen.
Verglichen mit der Biedermeierzeit und dem folgenden zweiten Rokoko, war die Mode im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts weit weniger aufwändig in der Fertigung und im Materialaufwand.

Nur eines hatte sich nicht verändert – immer noch war das Korsett wichtiger Bestandteil der Damenmode um die Figur dem jeweiligen Schönheitsideal anzupassen.
In den 1890er Jahren formte man mittels Korsett vorwiegende eine gerade Front, es gibt kaum Einsätze für die Brust. Innerhalb weniger Jahre veränderte sich diese modische Silhouette jedoch, bis zum Ende des Jahrhunderts setzte sich die Sans-Ventre-Linie (ohne Bauch), die sogenannte S-Form, durch.

Immer stärker werdende Versuche von Ärzten, Künstlern oder Frauenrechtlerinnen die Frau aus dem Korsett zu befreien scheiterten. Wer schön sein wollte, der musste auch weiterhin leiden.

Wesentlich stärker veränderten sich die Röcke der Damen, die an der Hüfte anliegend und später ab Höhe der Knie immer mehr an Weite zunahmen. Stützdende Unterröcke oder gar Reifkonstruktionen verschwanden zur Gänze. Die glatt fallende Rockschnitte oder auch die glockig geschnittenen Röcke waren auf den ersten Blick an Taille und Hüfte leicht anliegend. Der weibliche Körper wurde immer mehr in die Form einer „Sanduhr“ gezwungen. Tatsächlich gab man dieser trichterförmigen Silhouette diesen Namen, der die Sans-Ventre-Linie sehr passend beschrieb.
Sogar eine kleine Schleppe war noch am hinteren Rockteil sichtbar. Die Vorderpartie hatte Bodenlänge, erst am Ende des Jahrzehnts war es denkbar, dass ein wenig von den Schuhen oder Stiefeletten sichtbar wurde.

Zu Beginn dieses Jahrzehnts lagen die Ärmel der Blusen und Kleideroberteile relativ eng an wurden aber mit jedem Jahr auffälliger und breiter. Die Manschetten lagen eng am Handgelenk, teilweise reichten sie über den ganzen Unterarm.
Keulenärmel, Schinkenärmel und sogar Elefantenärmel waren als Begriffe für diese Formen durchaus gebräuchlich. Allmählich wurden die Oberärmel sogar noch üppiger. Sie erreichten eine ballonartige Form. In der Mitte des Jahrzehnts hatten sie ihr größtes Ballonausmaß erreicht. In den letzten zwei bis drei Jahren vor 1900 kehrte man wieder zu zierlicheren Puffärmeln zurück.

Bei allen Veränderungen, die hauptsächlich die Ärmelsilhouette betrafen, änderte sich eines nicht – der Hut. Eine Dame war erst vollständig bekleidet, wenn sie einen Hut trug. Der gehörte ebenso dazu wie der Sonnen- oder Regenschirm. Auch der war ein unverzichtbares Accessoire, auf das eine Frau bei der ansonsten großen Vielfalt von Farben und Materialien nicht verzichtete.

Kaiserin Elisabeth durfte die ersten Jahre ihre Schuhe nur ein (!) einziges Mal tragen. Das heißt täglich wurden die Schuhe erneuert. Egal welche! Was für eine Qual muss das auch für die Füße gewesen sein, wenn man bedenkt, dass es ein richtiges Fußbeet noch gar nicht gab. Die Schuhe waren zwar maßgeschneidert, aber weitem nicht angepasst.
Wie ihre Kleider, musste sie also auch ihre Schuhe täglich erneuern. Um die Verschwendung diesbezüglich so gering wie möglich zu halten, wurden Kleider, Hüte, Schuhe usw. an das Personal wie Hofdamen, Kammerfrauen und natürlich Verwandtschaft geschenkt.
Noch heute tauchen Kleider auf, welche das Emblem der Kaiserin tragen, aber ihr gar nicht gepasst hätten. Diese wurden für die jeweils neue Trägerin umgeändert und so sieht man manchmal noch Kleider oder Schuhe, die plötzlich von der großen Verwandtschaft für Ausstellungen verleiht werden.









Und die Männer?
Nicht nur die Mode der Damen änderte sich im Lauf der Zeit, sondern auch die der Männer.
Auch die Männer trugen ein Korsett. Dies nicht nur, um die Figur zu betonen, sondern auch, damit die Uniform eine besonders schöne Form erhielt. Bis 1850 war es modern, dass Männer „Korsetts“ trugen. Kaiser Franz Joseph trug seine ein ganzes Leben, allerdings waren die Korsetts vollkommen abgeschwächt zu den der Frauen. Das „Männerkorsett“ wurde „Schnürgürtel“ genannt.
Zu den langen Hosen, die meistens gestreift waren, trug Mann nun ein Sakko, das den Frack im Alltag abgelöste, wobei Hose und Sakko nicht zwangsläufig dieselbe Farbe hatten.

Auch Gehröcke wurden gerne getragen. Die obligatorische Weste, die zur Männermode gehörte, war meist einfarbig. Mit niedereren, nicht mehr einengenden Kragenformen wurde auch die Herrenmode bequemer. Es gab Umlegekragen, Kragen zum Anknöpfen, die Manschetten wichen und die Hemdärmel schauten aus dem Sakkoärmel heraus.
Anfangs nur als Bekleidung für den Herrensalon gedacht, in dem geraucht wurde, setzte sich der Smoking, der Raucheranzug, auch in der Kleidung innerhalb der Gesellschaft durch.
Neben dem Zylinder trug man die Melone – ein runder, schwarzer, steifer Hut, als typische Kopfbedeckung. Zur schlichten und einfarbigen Bekleidung wählte man farbige Krawatten oder ein leicht übereinandergeschlagenen Halstuches, das Plastron.
Die Mode der Männer hatte den englischen Stil zum Vorbild, während die Damenmode ihre Richtlinien aus Paris bekam.
Die Herrenmode der kommenden Jahrzehnte sollte sich nicht wesentlich verändern, man spielte mit Accessoires und auch ein wenig mit den Farben, der Grundstock blieb jedoch unverändert und bestand aus Frack und Gehrock.
Anders als bei den Damen trugen die Herren zu dieser Zeit kein Korsett, sondern behalfen sich mit einem Schnürgürtel, der einen ähnlichen Effekt hatte.

Die Krägen der Hemden nannte man nicht umsonst „Vatermörder“ denn sie waren so eng um den Hals geschlossen, dass jeder Mann froh war, ihn abends ablegen zu können.
Seit etwa 1815 trug der Herr sogenannte Pantalons, also lange Hosen.
Um perfekt gekleidet zu sein brauchte Mann noch einen Zylinder, einen Stock und Handschuhe die im besten Fall aus Leder waren.
Im Gegensatz zu den Damen bevorzugten die Herren eher Zweckmäßigkeit an ihrer Kleidung.
Die Stoffe waren zwar edel, es wurden hauptsächlich dunkle Materialien gewählt. Man trug schwarze, braune, graue und auch dunkelblaue Farbtöne.
Die Sakkos, die dem Frack begannen den Rang abzulaufen, waren aus Wollstoffen und feinen Tuchen. Der Gehrock, auch als Cutaway oder kurz Cut genannt, hatte im vorderen Bereich abgeschnittene Schoßteile.
Die Hose war häufig in einer anderen Farbe als der Gehrock oder das Sakko. Hier waren Streifen besonders beliebt.
Die Weste, Krawatten und Bindetücher fielen nicht mehr auf und waren nun in dezenten Farben gehalten.
Verbreitet war bereits das Vorhemd, das unter der Weste wie ein Hemd aussah.

Anstelle von Vorhemd war allerdings der Begriff „Chemisette“ geläufig. Das französische Wort „Chemise“ steht für Hemd. In abgewandelter Form nannte man das Vorhemd, deshalb Chemisette.
Der Herr der Zeit trug im Alltag zum Anfang des Jahrzehnts noch den traditionellen Frack, stets mit einer Weste, die entweder durch Schottenkaros oder anderes abstechendes, buntgefärbtes Material auffielen, darunter trug man ein schlichtes helles Hemd, das mit einem Halsschmuck versehen war, der ein gebundenes Tuch als Vorläufer der Krawatte war.
Außerdem kam ein Kragen zum Anknöpfen auf. Die Hosen waren bodenlang und gerade geschnitten.
Es gehörte zum guten Ton Zylinder zu tragen und schon war Mann perfekt gekleidet.
Eine absolute Neuheit in der Männerwelt war der Herrenanzug, der zu Beginn des Jahrzehnts in Mode kam und bei dem alle Teile (Rock, Weste und Hose) dieselbe Farbe haben mussten und dessen Teile sich auch in den Materialien glichen.
Ein „must have“ war der Stock, der oftmals über aufwendig verzierte Griffe verfügte.

Was trug „Mann“ zwischen 1870 und 1880?
Das modische Vorbild der Herren lag in England.
Der Frack verschwand allmählich aus der alltäglichen Garderobe der Herren, der Gehrock (Cutaway) hatte sich als zweckmäßiger erwiesen.
Bei festlichen Anlässen fand der Frack jedoch weiterhin Verwendung.
Die Farben waren gedeckt, mit bunten Krawatten setzte man jedoch farbige Akzente und so entstanden bereits die ersten Läden für Herren Accessoires, die diese „Binder“ herstellten.

Die Herren waren bereits gut gekleidet, wenn sie ein frisch gebügeltes Hemd trugen, einen Frack oder einen Gehrock. Das Ensemble wurde, wie auch bei den Damen stets mit einem Hut komplettiert.
Herren, die finanziell nicht dem gehobenen Stand angehörten, trugen mitunter anstatt eines Hemdes nur ein Vorhemd. Das war ein steifes Wäscheteil, das unter der stets geschlossenen Weste den Eindruck eines Hemdes suggerierte.
Wir kennen es heute noch beim Frack. Durch diese Erfindung konnte man sich das aufwendige waschen eines Hemdes ersparen, ein Vorhemd wurde nach Gebrauch entsorgt und kam so den Junggesellen meist sehr zu Gute.
Neben dem Frack zählte der Cut (Gehrock oder Cutaway) zum fixen Bestandteil der Männermode und hatte vorn abgerundete Schöße.

Die ersten Smokings, die sogenannten Raucheranzüge, kamen in Mode.
Etwas mehr Auswahl gab es bei den Mänteln: Der Ulster war stets doppelreihig, der Chesterfield hatte eine verdeckte Knopfleiste und der taillierte Paletot, der dem der Damen vom Schnitt her ähnlich.
Die wichtigsten Farben waren Schwarz, Braun, Dunkel- oder Hellgrau und Blau.
Zu den langen Hosen, die meistens gestreift waren, trug Mann nun ein Sakko, das den Frack im Alltag abgelöste, wobei Hose und Sakko nicht zwangsläufig dieselbe Farbe hatten.
Auch Gehröcke wurden gerne getragen. Die obligatorische Weste, die zur Männermode gehörte, war meist einfarbig. Mit niedereren, nicht mehr einengenden Kragenformen wurde auch die Herrenmode bequemer. Es gab Umlegekragen, Kragen zum Anknöpfen, die Manschetten wichen und die Hemdärmel schauten aus dem Sakkoärmel heraus.

Anfangs nur als Bekleidung für den Herrensalon gedacht, in dem geraucht wurde, setzte sich der Smoking, der Raucheranzug, auch in der Kleidung innerhalb der Gesellschaft durch.
Neben dem Zylinder trug man die Melone – ein runder, schwarzer, steifer Hut, als typische Kopfbedeckung. Zur schlichten und einfarbigen Bekleidung wählte man farbige Krawatten oder ein leicht übereinandergeschlagenen Halstuches, das Plastron.
Bleibt zum Schluss nur noch, wie zB. Kaiserin Elisabeth angekleidet wurde. Wie bereits erwähnt, durfte sie beim Ankleiden nicht berührt werden. Wer mich noch mit Sabine Rossegger als „Sternenkaiserin“ kennt, wird wissen, dass wir dies mehr als nur 1x versucht haben. Es ist mir nie gelungen! Ich berührte Sabine wirklich immer, zu dem musste ich sie auch, wie schon Elisabeth, in manche Kleider einnähen. Das Anziehen hat gut und gerne 2 Stunden gedauert. Es war oft Zeitdruck, da wir für ein Shooting fertig werden mussten, aber tatsächlich war diese Kleideranzieherei immer eine große Herausforderung. Vom Garten, Parkplatz, Abstellkammer, Toilette bis zum Ballsaal oder Hotelzimmer war alles dabei. Sabine mit Krinoline oder Tournüre ins Auto zu verfrachten, war die nächste Herausforderung und oft saß sie stocksteif mit geneigtem Kopf auf der Rückbank, da sie weder vor noch zurück konnte.
Auch wenn wir uns 2021 getrennt haben, wird mir diese Zeit immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Deswegen lasse ich zum Schluss auch jene Reihenfolge in dem Beitrag, wie sich „Frau“ im 19. Jahrhundert von ihren Zofen anziehen lassen musste.
Sabine wird hier von unserer damaligen Freundin Tamara „bedient“, welche die Rolle der Zofe inne hatte.
Sabine als Sternenkaiserin in ihren eigenen Worten:
Zuerst die Unterwäsche, Strümpfe und Schuhe, sollte man keine Zofe dabei haben die einem anschließend die Schuhe bindet, sollte man sie tunlichst vorher anziehen, denn unter all den Schichten ist es nicht so einfach jemals wieder an die Schuhe zu kommen.


Über die Unterwäsche legt man das Korsett an, je nachdem wie fest man es schnüren möchte, empfiehlt es sich, dies auf mehrere Etappen zu tun, nur so nebenbei erwähnt, dass Schnüren der Kaiserin dauerte oft bis zu 3 Stunden!

Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, dass es tatsächlich so ist, dass man nach einem gewissen Zeitraum das Korsett durchaus noch enger schnüren könnte, da sich der Körper scheinbar daran gewöhnt.
Hat man dann den gewünschten Taillenumfang erreicht, kommt die Krinoline. Darüber mehrere Unterröcke aus steifen Material um ein Abzeichnen der Metallstäbe durch das Kleid zu verhindern, letztendlich das eigentliche Kleid!
Oft werde ich gefragt: „Tut es weh ein Korsett zu tragen?“
Die Frage kann nicht so einfach mit „ja“ oder „nein“ beantworten werden? Ich kann Euch nur sagen, wenn das Korsett auf Maß gefertigt ist und es gut sitzt, ist es nicht wirklich unangenehm. Wobei es natürlich immer darauf ankommt, wie fest man geschnürt wurde und wie lange man es trägt.
Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, irgendwann – auch wenn man seine Kleider noch so gerne trägt – ist der Zeitpunkt erreicht, an dem man froh ist sie endlich wieder ausziehen zu dürfen.
Grundsätzlich und mit ein wenig Übung kann man sich in dieser Kleidung völlig normal bewegen, ob man nun durch eine Tür geht, den Fahrstuhl benutzt, in eine Kutsche oder ein Taxi steigt, möglich ist alles. Der Komfort blieb damals wie heute auf der Strecke.
„Schönheit muss leiden“ hat hier sicherlich so manches Mal seine Berechtigung, allerdings verliert meiner Meinung nach das schönstes historische Kleid seine Wirkung und Originalität, wenn das „Darunter“ nicht korrekt ist.
Eines könnt ihr mir glauben, auch wenn so wie bei mir manches Mal über 100 Meter Stoff darüber sind, man erkennt den Unterschied.
Für alle Damen, die im Damensattel reiten kann ich nur empfehlen, sich ein etwas kürzer geschnittenes Reitkorsett fertigen zu lassen, ansonsten könnte es unangenehm werden.
Somit hoffe ich, ein wenig Klarheit ins „Darunter“ gebracht zu haben, und wünsch Euch viel Spaß beim Selbstversuch.
Sabine Rossegger
Das war die Mode aus dem 19. Jahrhundert. Ich hoffe, dass ihr Freude an diesem Beitrag habt und euch jetzt besser in die Kleidung von Kaiserin Elisabeth und allen adeligen Damen und Herren der früheren Jahre, hineinversetzen könnt.
Petra Schimbäck
Rechtliche Hinweise:
Text + Recherchen: Petra Schimbäck, Sabine Rossegger
Bildrechte: neheleniapatterns.com, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Cathie Jung In The Guinness Book Of Records, peoplestrive.com; Ethel Granger, vogue-italia.it, Sascha Rieger, muellerundsohn.com, mythoskaiserinelisabeth – Petra vormals Sternenkaiserin
Literatur:
InStyle
Dezember 2025
Blog
Frühes 19. Jahrhundert – epochs-of-fashion: Costume and Dress throughout History
Erika Thiel
Geschichte des Kostüms
Henschel Verlag, 2010
Gertraud Rakewitz, Gisela Krause, Gertrud Lenning
Kleine Kostümkunde
Schiele & Schoen Verlag, 2010
Blog
Der letzte Schrei: Damenmode aus dem 18. und 19. Jahrhundert
Sonja Duska
Modegeschichten: Die Damenwelt des 19. Jahrhunderts
Morio Verlag, 2019
Chantal Tollu, Françoise Tétart-Vittu, Jean-Marie Martin-Hattemberg, Fabrice Olivieri, Christian Lacroix (Vorwort)
La maison Worth – Naissance de la haute couture, 1858-1954 (französisch)
BiP Verlag, 2017
Stephen Clarke, Bérengère Viennot
Charles Frederick Worth
L’Anglais qui a inventé la haute (französisch)
pAF Verlag, 2025
Sandra Lembke
Scheuersand & Schnürkorsett
Steffen-Verlag, 2.Auflage, 2020























































































































































































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