Louise Prinzessin von Sachsen-Coburg und Gotha
Louise Marie Amélie Prinzessin von Belgien, bekannt als Louise Prinzessin von Sachsen-Coburg und Gotha wurde am 18.2.1858 in Laeken geboren.
Ihr Vater war König Leopold II von Belgien. Ihre Mutter Marie Henriette Erzherzogin von Österreich.

Erzherzogin Henriette

König Leopold II von Belgien
Das Paar war sich im gegenseitigen Hass zugeneigt. Das endete darin, dass Leopold permanent fremd ging und Henriette ihre Kinder quälte. Verschont blieb Thronfolger Leopold, der allerdings 10jährig an einer Lungenentzündung starb und Nesthäcken Clementine, der ganze Stolz des Vaters.
Das Paar erzog ihre Kinder nicht wie Königskinder, sondern wie Kinder aus der untersten Bürgerschicht. Sie quälten diese bis aufs Blut. Waren schon vor dem Tod Leopolds Louise und Stephanie Ziel von Henriettes Gewaltattacken, so wurden diese nach dem Tode grausamer und schlimmer.
‼️ ACHTUNG – TRIGGERWARUNG – KINDESMISSBRAUCH! ‼️
Im Sommer mussten sie um 5.00 Uhr früh, im Winter um 6.00 Uhr aufstehen. Waschen durften sich die beiden Jahr ein, Jahr aus nur mit eiskaltem Wasser, das diente der Abhärtung. Da ihre Zimmer im Winter nicht geheizt wurden, gefror im Winter das Wasser in den Kannen, dann hatten die Mädchen Pech und durften sich gar nicht säubern.
Sie mussten sich ihre Betten selbst machen, sich selbst anziehen und die Möbel, die vom Sperrmüll waren, selbst abstauben. Half ihnen ein Bediensteter, wurde dieser vor den Augen der Kinder gezüchtigt und entlassen.
Jahrein Jahraus mussten die Kinder dasselbe Kleidungsstück tragen, ein sackähnliches Kleid, welches bis zu den Knöcheln ging und mit einem Ledergürtel zusammengehalten wurde.
Um 7.30 Uhr erschien Königin Marie Henriette der sofort die Hände geküsst werden mussten. Dabei bekam jede Tochter eine schallende Ohrfeige, Vorhaltungen und Ermahnungen. Danach ging es zum gemeinsamen Frühstück. Während sich der Elterntisch bog, bekamen die Kinder kaum etwas zu essen.
Wurde ihnen Obst oder Süßigkeiten angeboten, mussten die Kinder dieses ablehnen, da sie Beherrschung lernen mussten. Die Eltern machten sich einen Spaß daraus. Louise aß unglaublich gerne Pfirsiche, welche in den Treibhäusern in Schloss Laeken wuchsen. Eines nachts schlich sie sich hinaus und stahl von einem Pfirsichbaum einen Pfirsich, den sich inmitten des Baumes fand. Am nächsten Tag wurde sie von ihrem Vater schwer verprügelt. Er hatte die Pfirsiche auf den Bäumen gezählt und wusste genau, dass einer fehlte und das Louise ihn gestohlen hatte.
An Ostern und Weihnachten wurden die Mädchen mit Obst und Süßigkeiten beschenkt, allerdings mussten sie den Großteil an die Bediensteten ihrer Eltern abgeben. Gehorchten sie nicht oder versteckten sie etwas, setzte es Prügel von der Mutter.
Am Vormittag mussten die Mädchen bei offenen Fenstern im ungeheizten Raum den Unterricht über sich ergehen lassen. Ihre von Frostbeulen überzogenen Fingern waren so klamm, dass sie kaum schreiben konnten. Ihre Lehrer waren dazu angehalten, sie trotzdem mit dem Rohrstab oder mit der Rute zu züchtigen. Besonders der Klavierlehrer liebte es Louise und Stephanie mit dem Lineal auf die Frostbeulen zu dreschen.
Reichte diese Härte und Disziplinarstrafen nicht aus, mussten noch härtere Strafen her. Dann mussten die Mädchen stundenlang, mit einer Aufsichtsperson im Raum auf Erbsen knien oder wurden für 3 Stunden in der Finsternis zwischen zwei Doppeltüren eingesperrt. Ihre hysterischen angsterfüllten Kinderschreie waren im ganzen Schloss zu hören, doch niemand half den gequälten Kinderseelen.
Die Kinder hatten nichts als Angst vor der Mutter und ihrem Vater. Besonders Louise hing sehr an ihrer Schwester Stephanie, die noch härtere Strafen abbekam, als sie selbst. Hatte eine der Schwestern ein Lieblingsteil aus einem alten genähten Stofffetzen oder eine Lieblingsbeschäftigung für sich entdeckt, wurde ihnen dieses sofort entrissen und verboten. Selbstverständlich mit der dazugehörigen Züchtigung.
Um 18.30 Uhr hatten die Kinder ihrem Vater die Hände zu küssen, was dieser ohne einem Funken an Emotion über sich ergehen ließ. Bis zum Zubettgehen der Eltern hatten die Kinder stumm im Raum zu stehen und zu warten, bis man ihnen einen Wink gab und sie sich entfernen durften.
‼️ – TRIGGERWARNUNG ENDE – ‼️
Mit 6 Jahren lernten die Kinder reiten und 1x Jahr fuhr die Königin mit ihren Kindern auf Wallfahrt nach Hall oder Montaign. Zuvor wurden diese herausgeputzt, denn der Schein musste gewahrt bleiben. Kaum zu Hause, ging der Terror für Louise und Stephanie erneut los.
1873 wendete sich das Blatt für Louise, als sie verheiratet werden sollte. Den ersten Brautwerber Friedrich Prinz Hohenzollern lehnte König Leopold II ab. Den zweiten Brautwerber, den um 14 Jahre älteren, Philipp von Sachsen-Coburg und Gotha nahm Leopold an.
Doch hinter Philipps Besuch steckte ein ganz anderes Ziel. Marie Henriette und Philipp hatten eine heimliche Affäre und dieser war gekommen, um seine Geliebte aufzufordern Leopold zu verlassen. Obwohl Henriette ihren Mann hasste wie die Pest, scheute sie den öffentlichen Skandal und bot ihm stattdessen Louises Hand an.
Am 25.3.1874 wurde Verlobung, am 4.2.1875 die standesamtliche Trauung und 18.2.1875 die kirchliche Zeremonie gefeiert. Louise, die in Brüssel „Rose aus Brüssel“ genannt wurde, war eine unglaubliche Schönheit und 17 Jahre alt, als sie den Geliebten ihrer Mutter ehelichen musste.
Für alles was später in ihrem Leben passierte, machte sie die unaufgeklärte Welt ihrer Zeit mitverantwortlich. In ihrer eigenen Biographie, beschrieb sie ihre misslungene Hochzeitsnacht so, dass sie bestürzt, geschändet und befleckt wieder erwachte. Vor lauter Angst und Scham vor Philipp floh sie mit dem Schlafhemd und nackten Füßen mitten im Winter zu den Triebhäusern in Laeken und ließ nach ihrer Mutter rufen.
Ihre Kammerfrau führte sie in ihre Gemächer zurück und ihre Mutter weihte sie in die Kunst der weiblichen Liebe ein und erklärte ihr nun, dass sie zu wollen habe, wann immer Philipp wolle und tun müsse, was er verlangte. Sie versprach ihrer Mutter von nun nicht mehr so kindisch sein zu wollen.
Ihr späterer Geliebter Geza notierte allerdings in seiner Biografie, dass ihr vom ersten Augenblick an vor Philipp graute. Sie empfand Ekel und Abscheu vor ihm und die Hochzeitsnacht verschlimmerte alles nur noch. Als sie dann nach ihrer Hochzeitsreise ins Wiener Palais kamen und sie dort im Schlafzimmer extrem grauenhafte pornografische Bilder vorfand und er ihr erörterte, diese Stellungen mit ihr noch vorzuhaben, floh sie weinend aus dem Schlafgemach.
Kaum in Wien angekommen, zeigte sich in Wien zudem Philipps rasende Eifersucht. Louise war sehr schön, was natürlich auch der Hocharistokratie der Wiener Gesellschaft nicht verborgen blieb. Während die Frauen eiferten, sahen ihr die Männer hinterher. Der 19jährige Kronprinz Rudolf konnte kaum die Augen von ihr abwenden und der sonst eher Männern zugewandte Erzherzog Ludwig Victor „Luziwuzi“ wollte unbedingt eine Affäre mit ihr. Auf den Hofbällen zum Tanz aufgefordert, lehnte Philipp aus Eifersucht alle Tänze ab. Louise reichte es bald und tanzte bald mit einem ungarischen Husar, was beinahe zum Eklat mit Philipp führte. Nur Kronprinz Rudolf löste die Sache souverän. Er forderte die Schöne zum Tanz auf und der Kronprinz weit über Philipp stand, durfte sich dieser mit ihm nicht anlegen. Später wurde Philipp der beste Freund von Rudolf.
Warum überhaupt die von Gothas am Wiener Hof Ein und Aus gingen und zur Wiener Gesellschaft gehörten erörtere ich am Todestag von Philipp von Sachsen-Coburg und Gotha.
Trotz aller Abscheu bekam Louise 2 Kinder. Prinz Leopold 1878 und Prinzessin Dorothea 1881. Mit Leopold hatte Louise Zeit ihres Lebens kein allzu gutes Verhältnis. Dora war ihr ganzer Halt und ihre große Liebe.
Sie hatte von 1883-1888 eine Affäre mit dem Adjutanten Daniel Baron d‘Ablaing van Giessenburg ihres Mannes. Als dieser starb, unterhielt sie bis 1895 eine Affäre mit dessen Nachfolger Miklós Dōry Baron de Jobahaza. Eine verhängnisvolle Begegnung im Stadtpark, sollte ihr ganzes Leben verändern. Sie lernte Geza Graf von Mattachich kennen und lieben.
Am 1.11 1896 flog die Beziehung zu Geza auf. Das Paar logierte im Sacher und zufällig war auch Ludwig Victor anwesend. Da Luziwuzi nie bei Louise landen konnte, berichtete dieser eifersüchtig und mit spitzer Zunge den Vorfall seinem Bruder Kaiser Franz Joseph. Dieser tobte.
Philipp trat nicht für seine Frau ein, weshalb ihn Louise 1897 verließ. Sie lebte nun eine offfene Beziehung mit Geza. Sie machten horrende Schulden, da beide über ihre Verhältnisse lebten.
Kaiser Franz Joseph befahl Prinz Philipp sich mit Graf Mattachich zu duellieren. Dabei wurde Philipp schwer verletzt (ihm wurde mit dem Schwert die Handsehne durchtrennt), aber nicht getötet. Die Wiener Gazetten berichteten von dem Duell und der anschließenden Genesung.
Kaiser Franz Joseph ließ Louise im Mai 1898 in Kroatien verhaften und in die Irrenanstalt in Döbling einweisen. Ihre Diagnose lautete „intellektuelle und moralische Minderwertigkeit“.
1899 wurde sie von Prof. Richard Krafft-Ebing für schwachsinnig erklärt und unter Kuratel gestellt. Sie durfte die Klinik nie wieder verlassen und wurde dazu nach Dresden in die Anstalt „Lindenhof“ gebracht.
Geza traf es genauso schlimm: Er wurde verhaftet, der Adelstitel aberkannt und 6 Jahre zu schwerem Kerker verurteilt.
1902 kam er frei. 1904 veröffentlichte er seine Memoiren, die ihm viel Presserummel und dem Kaiserhaus den Unmut der Öffentlichkeit einbrachte.
Aufgrund des Druckes der Öffentlichkeit, durfte Louise endlich unter Kuratel zwar, aber dennoch auf Kur fahren. Dort gelang Geza mit Hilfe zweier Fluchthelfer die Befreiung von Louise. Sie flohen nach Frankreich, wo sie sofort ein Gegengutachten anstrebten. Am 28.6.1905 wurde sie vom Obersthofmarschallamt aus dem Kuratel enthoben.
1906 ließ sich Louise von Philipp scheiden. Louise wurde von ihren Eltern verstossen und König Leopold sprach ihr ein lebenslanges Betretungsverbot für Belgien aus.
Geza und Louise ließen sich in Baden bei Wien nieder, verschuldeten sich aber wieder, so dass ihre Gläubiger erneut ein Kuratel „der Verschwendung“ anstrebten.
Im 1. Weltkrieg wurde Geza verhaftet und in ein Internierungslager gebracht. Louise wurde des Landes verwiesen, weshalb sie zuerst nach Dresden, dann nach Ungarn floh.
1919 wurde sie von Bolschewiken wegen angeblicher Spionage verhaftet und zum Tode verurteilt. 6 Tage lang musste sie von ihrer Zelle aus den zahlreichen Erschießungen zuhören. Béla Kun begnadigte sie schließlich.
Zurück in Wien, traf sie wieder auf Geza. Die beiden ließen sich im Parkhotel Schönbrunn nieder, wo sie aber wieder wegen Schulden rausflogen. Das Paar zog nach Paris, wo Geza schließlich 1923 starb. Sie zog ruhelos durch Frankreich und landete 1924 schließlich wieder in Deutschland.
Louise von Sachsen-Coburg starb am 1.3.1924 völlig verarmt 66jährig in Wiesbaden. Sie ruht am Südfriedhof in Wiesbaden.
Petra Schimbäck
Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Fotorechte: Wikimedia/Commons, Colson Michel/findagrave.com, lokalgeschichte.de
Literatur Hinweis:
Louise von Sachsen-Coburg
Throne, die ich stürzen sah
Amalthea, Wien, 1926
Geza Mattachich
Aus den letzten Jahren Memoiren von Geza Mattachich
Kultur-Verlag, Leipzig 1904
Maria Matray, Answald Krüger
Die Liaison,
Scherz Verlag, Bern/München 1973
Gerd Holler
Louise von Sachsen-Coburg. Ihr Kampf um Liebe und Glück
Amalthea, Wien 1991






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