Das Sternenkleid

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter
Was ließ ihr die Vergötzung?
Was ließ ihr noch der Neid?
Was blieb von ihrem Leben
als Bodensatz der Zeit?
Kitsch!(*)

Es gibt ein Bild mit welchem man – beinahe auf der ganzen Welt – Kaiserin Elisabeth identifiziert.

Es ist ja auch kein Wunder, pappt es schließlich mittlerweile auf jedem – zum Teil sehr übelst kitschigem Souvenir – quer durch Österreich/Deutschland.


Obwohl das Bundesimmobiliendepot immer wieder betont, „das Winterhalter Bild der Kaiserin darf ausschließlich

„nur für wissenschaftliche Arbeiten“

genutzt werden. Ausgenommen seien die Souvenirs von Schönbrunn und Sisi-Museum Shop, denn das Original würde ja in der Hofburg hängen und somit dürften die als „einzige“ das Bild auf Souvenirs drucken.

Nun gut. Ich frage mich dann, wie das „nicht autorisierte Bild“ quer durch Österreich auf Kochhandschuhen, Socken, Schuhen, abgeänderten hässlichen Hietzingern Gutscheinen, sowie deren Plakaten, Helloween Plakaten, Armbanduhren, Handycovern, Mundnasenschutz, T-Shirts, Notizbücher, Bleistifte, Radiergummi, Spieluhren aller Art, Weihnachtsfiguren und sonstigen zum Teil sehr hässlichen Puppen, Seifen, Badeschaum und allerlei sonstigen Kram landen kann.

Aber laut Auskunft der Bundesimmobilienverwaltung gibt es all diese Dinge nicht. Ähhm.

Nun… einige Fotos habe ich unten zusammengefasst und diese sind nicht im Schönbrunn Shop bzw. Sisi Museum Shop entstanden. Wie kann das dann möglich sein. Illegal? Wahrscheinlich. Aber warum man so derartig die Augen verschließt und behauptet, es gäbe all diese Dinge nicht, ist mir ein Rätsel.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com
Das geschenkte Sternenkleid der Sisi-Straße

Meine ehemalige Begleiterin Sabine Rossegger, die als Sternenkaiserin auftrat, nähte sich ebenfalls das Sternenkleid.

Insgesamt besaß sie 3 solcher Kleider.

Wobei eines davon nicht von ihr war. Dieses wurde ihr von der Sisi-Straße Tourismusvereinigung zur Verfügung gestellt und diente als ihr Ballkleid, wenn sie irgendwo für diese (oder später für uns) unterwegs war.

Sie behauptete zwar immer, sie selbst hätte es genäht, dies stimmt jedoch nicht. Sie änderte es lediglich auf ihre Bedürfnisse um, aber das Kleid selbst, wurde von einer Ungarin genäht, von der Sisi-Straße gekauft und Frau Rossegger geschenkt.

Ihr erstes „Sternenkleid“, war ein Sternchenstoff-Kleid, wie es viele Cosplayer verwenden. Ohne Schleppe und viel zu tiefem Ausschnitt. Sie verwendete es für die Ischler-Kaisertage (kein eigenes Bild vorhanden; fremde verwende ich hier absichtlich nicht!).

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Das dritte war dann das Galakleid, welches wir in verschiedenen Museen oder Schlössern präsentierten.

Das Kleid hatte ein Eigengewicht von ca. 20kg. Dazu die Krinoline (Reifunterrock) mit nochmals 2-3 kg, das Stahlkorsett und sämtliche Unterröcke.

Insgesamt zog ich ihr an diesem Tag ein Gewicht von 25 kg an. 1 Jahr hat sie angeblich daran gearbeitet und die Sterne per Hand auf den Tüll genäht.

Der Urzustand ihres Sternenkleides hatte eine 3m lange Schleppe, die ziemlich „wuselte“, wenn sie länger damit ging.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
das abgeänderte Sternenkleid, mit der 5m Schleppe

Leider änderte sie es dann noch einmal um, da sie eine längere Schleppe haben wollte. Ab da gefiel mir persönlich das Kleid nicht mehr, da es irgendwie komisch am Boden auflag.

Die 5m lange Schleppe mit dem weicheren Tüll, ließen das Kleid nicht mehr so bauschig wirken.

Es sah nun aus, wie alle Krinolinenkleider und es lag flach wie eine Flunder am Boden.

Unsere Begleiterin Tamara (damals bekannt als Maria José) musste immer unter das Kleid kriechen, damit es auf den Fotos bauschig wirkte.

Als ich das erste Mal „das Sternenkleid“ in natura sah hatte ich Tränen in den Augen.

Man muss sich das ungefähr so vorstellen.

Wir waren damals im Unteren Belvedere. Es war das 2te Shooting, 2017. Wir brauchten einige Fotos mit dem Kleid für die Pressemappe, weshalb Frau Rossegger insgesamt an dem Tag 4 Kleider mitnahm. So auch das Sternenkleid. Schon als ich es ihr anzog, zitterten mir die Finger. Als sie sich umdrehte, stockte mir der Atem.

Sie sah wirklich aus wie Kaiserin Elisabeth.

28059127_1903781443265667_7050754293466310578_n - Kopie
Foto: Barbara Prinz, Fotografie mit Herz

Ihre Haare, die sie mit 3 Haarteilen (!) zu der Steckbrieffrisur werden ließ, die 27 Sterne im Haar, das Kleid, die Umgebung… es schien, als hätte wirklich Kaiserin Elisabeth vor mir gestanden.

Nun ist der Zauber der Sternenkaiserin für mich genauso verpufft, wie jener von Helene von Thurn und Taxis.

An jenem Hochzeitstag ihres Bruders Carl Theodor Herzog in Bayern mit Sophie Prinzessin von Sachsen, trug sie dasselbe Kleid, wie ihre berühmte und schöne Schwester Kaiserin Elisabeth.

Ich bin der Meinung, dass sie sich ansonsten genauso hätte malen lassen, wie ihre berühmte Schwester. Hat sie aber nicht.

Doch wo kam das Kleid her? Wer designte es? Und wie kam es zu den Sternen? Und wer hätte je ahnen können, dass es jemals „das Kleid der Kleider“ wird?

Die Geschichte des Sternenkleides

Elisabeth sammelte in einem sogenannten Schönheitsalbum Fotografien von schönen Damen aus der ganzen Welt.

Dies konnten Tänzerinnen, Schauspielerinnen, aber auch „Halbwelt“-Damen sein.

Keine Mühen scheute sie und so bat sie sogar ihre Habsburger-Verwandtschaft auf deren Reisen Bilder für sie zu sammeln und ihr diese zu schicken.

Sogar Offiziere wurden dazu angehalten, der Kaiserin Fotografien von den Garnisonsstädten zu schicken.

Ihr wurde ein Bild von Contessa Virgina di Castiglione (*22.3.1837, 28.11.1899) in einem dunkelblauen Samt-Sternenkleid mit Schmucksternen im Haar zugesandt. Sie war Obgleich Feuer und Flamme von dem Kleid und der Frisur.

Die Idee zu diesem Kleid ließ sie nicht mehr los.

Als nun ihr geliebter Bruder Carl Theodor „Gackel“ in Bayern (*9.8.1839, 30.11.1909) ihrer beider Cousine Sophie Prinzessin von Sachsen (15.3.1845, 9.3.1867) ehelichte, war es soweit. Der herzzerreißende Beitrag zu Sophie Herzogin in Bayern kann hier nachgelesen werden.

Sie beauftragte den mittlerweile berühmt gewordenen Pariser Couturier Charles Worth (*13.10.1825, 10.3.1895) ein Kleid im Stile der Contessa zu schneidern.

Foto: Wikimedia/Commons
Charles Worth

Doch zur allgemeinen Überraschung, sollte das Kleid nicht nur einmal genäht werden: es wurde 2x genäht.

Elisabeths Lieblingsschwester Helene „Néné“ von Thurn und Taxis (*4.4.1834,†16.5.1890) sollte das gleiche Kleid zur Abendgesellschaft tragen und damit Braut und Bräutigam überraschen.

Luzi-Wuzi, also Erzherzog Ludwig Victor (*15.5.1842, †18.1.1919) der Bruder von Kaiser Franz Joseph, befand sich ebenso in Dresden und schrieb eilends an seine Mutter:

„Sisi sei blendend schön, auch waren die Leute wie verrückt hier. Ich habe noch nie so einen Effekt machen sehen. Helene ein sehr schlechter Abklatsch von der Kaiserin, auch Sternenkleid.“ (1)

Von Hofjuwelier A.E.Köchert (*17.3.1828, †3.9.1879) ließ sie sich Diamantsterne für ihre Haare anfertigen.

Diese Art Schmuck war eine absolute Neuheit, denn üblicherweise trugen die Damen Diademe als Haarschmuck.

Die Haarsterne, die vermutlich ebenso berühmt sind wie das Kleid selbst, waren ein Geschenk des Kaisers.

27 Diamantsterne sind es geworden. Warum genau diese Zahl und warum diese Ansammlung ist nicht überliefert.

Einige der Sterne verschenkte Kaiserin Elisabeth später an Hofdamen, ihre Kinder und wieder weitere wurde an andere Familienmitglieder vererbt.

Sowohl Erzherzogin Gisella (*12.7.1856, 27.7.1932), als auch Erzherzogin Elisabeth Marie „Erzsi“ (*2.9.1883, 16.3.1963) (Tochter von Kronprinz Rudolf), als auch Prinzessin Elisabeth von Bayern (*8.1.1874, 4.3.1957) (Tochter von Gisela) trugen jeweils Elisabeths Sterne zu ihren Hochzeiten bzw. für schöne Fotoaufnahmen.

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Marie Gräfin Seefried auf Buttenheim geb.
Prinzessin von Bayern mit 3 Diamantsternen ihrer Großmutter

Erst dieses Kleid und diese Frisur, sollte Elisabeth, Zeit ihres Lebens von ihrer Familie „Sisi“ genannt, zu dem machen was sie bis heute ist:

Ein schöner unerreichbarer Engel.

Nicht umsonst nannte Kaiser Franz Joseph sie immer seine

Engels-Sisi

Zeitzeugen beschrieben das Kleid wie folgt

„Ein weißes, mit Sternen besticktes Kleid, Diamantsterne im Haar und an der Brust ein Camelienbouquet.“

Sisi war zu diesem Zeitpunkt 27 Jahre alt und Mutter von 2 Kindern.

Marie, Königin von Sachsen schrieb an eine Freundin:

„Von der Begeisterung, welche die Schönheit und Liebenswürdigkeit der Kaiserin erregte, kannst Du Dir keine Vorstellung machen; noch nie sah ich meine ruhigen Sachsen in solcher Aufregung! Man dachte, sprach, hörte nur ihr Lob.“ (2)

Wie die meisten vermutlich wissen, gibt es von der Kaiserin nur wenige echte Fotografien und noch weniger echte Bilder, wo sie einem Maler Model stand. Der Rest wurde aus alten Fotographien, Ölbildern, Lithographien, Holz- und Stahlstichen „zusammengebastelt“. Heute würde man es Photoshop nennen.

Die Ehre des Modelstehens wurde daher einem zu Teil, der damals ganz groß war und ein Meister seiner Zeit:

Foto: Wikimedia/Commons
F.X. Winterhalter

Franz Xaver Winterhalter (*20.4.1805, 8.7.1873).

Durch Protektion König Louis Philippes stieg Winterhalter zum gefragtesten Porträtmaler in Frankreich auf.

Als französischer Hofmaler malte er Bildnisse der gesamten königlichen Familie und der führenden Mitglieder des Hofes. 1852 folgte er dem Ruf von Königin Isabella nach Spanien. Nach der Thronbesteigung Napoléons III ging er zurück nach Paris.

Zu seinen Kunden gehörten auch das belgische Königshaus und die kaiserlichen Höfe in Sankt Petersburg und Wien.

Elisabeth ließ sich von F.X.Winterhalter 1865 im Sternenkleid malen, und machte dieses Kleid somit unsterblich. Dieses Gemälde könnt ihr immer noch in der Wiener Hofburg bewundern.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter

Von Winterhalter gibt es noch 2 weitere Bilder, die in die Geschichte eingehen sollten.

Diese Bilder waren für die damalige Zeit sehr intim. Eines davon wurde zu Kaiser Franz Josephs Lieblingsbild.

Es stand Zeit seines Lebens vor seinem Schreibtisch (und dort steht es heute noch).
Beide wurden erst nach seinem Ableben entdeckt.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene von Thurn und Taxis
Bild: Erich Correns, 1859

Immer wieder werde ich gefragt, ob auch Néné, also Helene von Thurn und Taxis sich im Sternenkleid malen ließ.

Ich denke, wäre dies der Fall gewesen, wäre das Bild bekannt. Das einzige bekannte Ölgemälde, ist jenes, im „roten Samtkleid“ und dieses ist geschönt. Wer ihre Fotografien kennt, weiß, dass Néné eher herb und männliche Gesichtszüge hatte und nicht so lieblich wie Marie, Mathilde „Spatz“, Sophie und schon gar nicht wie Sisi war.

Selbst die Anwesenden auf der Hochzeit fanden Néné als „Abklatsch“ zu Elisabeth. Wie mag sie sich wohl gefühlt haben, als sie bemerkte, dass wieder einmal aller Augen auf der Kaiserin lagen?

Sternenkleid mit schwarzen Spitzenbesatz – Matthias Aigner

Foto: docplayer.org
Bild: J. Matthias Aigner

Bisher dachte ich, obiges Bild sei ein von Schloss Schönbrunn gephotoshoptes Bild, da sie ja die einzigen sind, die für Souvenirs die Rechte haben und so auch die Bilder verändern dürfen wie sie wollen.

Sogar sämtliche im Netz herumschwirrenden kolorierten und nun bewegten Bilder bzw. Videos, wo Kaiser Franz Joseph mit toten Augen oder Kaiserin Elisabeth den Kopf hebt und lächelt sind und bleiben ohne schriftliche Genehmigung illegal.

Als ich im Sommer durch die derzeitige Elisabeth-Ausstellung im Schloss Niederweiden vor dem Bild stand war allerdings meine Neugierde geweckt.

Leider war keine wie immer geartete Information beim Bild zu finden und so notierte ich mir das spärliche was neben dem Bild stand auf einen Zettel. Fotos sind ja in sämtlichen Schönbrunn-Häusern verboten. Dazu gehören auch Schloss Niederweiden und Schloss Hof.

Irgendwann fand ich den Zettel mit der Notiz

„Matthias Aigner, 1868“

wieder.

Nun gut.

Detektiv, der ich in diesen Dingen nun mal geworden bin und ohne diese die Seite nicht leben könnte, fand ich nun folgendes heraus:

Josef (!) Matthias Aigner wurde am 18.2.1818 in Wien geboren. Sein gleichnamiger Vater war Goldschmied, von dem er die Begabung des Zeichnens gelernt hatte.

Bei niemand geringerem als Friedrich von Amerling lernte er die Perfektion des Zeichnens und Malens. Er ehelichte die Burgschauspielerin Fanny Matras.

Bevor Erzherzog Ferdinand Maximilian als Kaiser Maximilian I von Mexiko nach Mexiko fuhr, bat er den mittlerweile durch seine Kopien berühmt gewordenen Maler, die im Schloss Belvedere befindlichen Bilder nachzumalen. Diese nahm er nach Mexiko mit, um sie dort im Nationalmuseum aufzuhängen und dem Volk zu zeigen.

Weiters bat er Aigner die Familie zu malen, so unter anderem seinen Bruder Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth usw.

Wie genau es nun zu dem Portait zum „Sternenkleid mit schwarzen Spitzenbesatz“ kam, wie sich das Werk nennt, konnte ich bei allen Bemühungen nicht herausfinden.


Auch nach dem Kaiser Maximilian schon längst tot war, ließ sich Kaiser Franz Joseph nochmals von Aigner portraitieren.


Anzunehmen ist, dass durch diese Sitzungen beim Kaiser, Aigner das im Jahre 1865 entstandene Portrait von F.X.Winterhalter „Kaiserin Elisabeth im Sternenkleid“ sah und mit dem schwarzen Spitzenbesatz kopierte.

Das Sternenkleid in Verfilmungen, auf der Theaterbühne bzw. im Musical Elisabeth

Die Beliebtheit von Elisabeth kam erst weit nach ihrem Tod.

Als Elisabeth lebte, nahm die Bevölkerung zunehmend kaum noch Notiz von ihr.

Da sie sich immer mehr vor den Augen der Welt verhüllte, war sie irgendwann in den heimischen Gazetten kaum mehr als eine Zeitungsnotiz „Kaiserin Elisabeth weilt in …“ hieß es dort. Oder „Kaiserin Elisabeth feiert ihren … Geburtstag auf Mallorca“.

Viel mehr Interesse und Aufmerksamkeit bekam sie von den Menschen ihrer Zeit nicht mehr. Erst der Mord an ihr bewegte ihre Untertanen wieder. Zigtausende Bürger nahmen Abschied von ihrer einst so wunderschönen Kaiserin, die so gar keine Kaiserin sein wollte. Ihr tragischer Tod kann hier nachgelesen werden.

Es folgte der 1. Weltkrieg und das Ende der Monarchie. Es folgte der 2. Weltkrieg und viele Entbehrungen und Leid für die Menschheit jener Zeit.

Aber am 21.12.1955 folgte eine Filmpremiere die alles verändern sollte:
Sissi


Engagiert wurde die blutjunge 16jährige Romy Schneider, die keinerlei Schauspielerfahrungen hatte und gerade einmal einen Film mit ihrer Mutter Magda gedreht hatte.

Doch ihr Liebreiz und ihre Schönheit sollten Weltgeschichte schreiben.

Was störte schon daran, dass an Sissi gar nichts stimmt und sowohl der falsche Name an unserer Kaiserin seitdem wie ein Grießbrei pappt, als auch Romy an dieser Rolle zugrunde gehen sollte.

Draußen vor den Toren war Wien von schrecklichen Bomben zerstört, drinnen im Kino hörte man eine schrille Musik, gefolgt von einer süßlichen Stimme, sah schöne – zum Teil aus Vorhängen genäht – Kleider und die Besucher träumten sich in eine längst vergangene Zeit:

der Kaiser und die Kaiserin waren auferstanden

Dass die Geschichte an den Haaren herbeigezogen war, teils völlig wirr und stupide erzählt, störte niemanden.

Kaum jemand hatte die reale Biografie von „Elisabeth, die seltsame Frau“ von E.C.Conte Corti (*2.4.1886, 17.9.1953), welche er 1934 veröffentlichte, gelesen.

Foto: imago images/Mary Evans
Romy Schneider als Sissi
Foto: Jupiterfilm.at
Romy Schneider als Sissi

Wen interessierte schon, dass sie Szene bei Tisch mit dem Sternenkleid und Sternen in den Haaren vermeintlich in Schönbrunn gedreht, völlig falsch dargestellt ist?

Romy Schneider würde sich im Grab umdrehen, würde sie wissen, dass ihre Sissi Fotos täglich auf den Social Media Kanälen „als süß und unvergesslich“ hingestellt werden und die Follower kaum ein Interesse daran haben, dass sie noch andere Rollen spielte.

Auch die echte Kaiserin Elisabeth leidet sehr unter dem Film.

Zu oft wird Elisabeth als „Sissi“ geschrieben, man nennt sie respektlos „Kaiserin Sissi“ (mir dreht es jedes Mal den Magen um) und wenn es dann schon mal richtig geschrieben wird, nennt man sie „Kaiserin Sisi“ (was genauso schlimm und falsch ist wie Kaiserin Sissi).

Diese Anrede ist grundlegend falsch, inkorrekt, unhöflich und respektlos. Wer sich mit dem Hofzeremoniell beschäftigen möchte und wie die korrekte Anrede war, ist hier richtig.

So süßlich schön die Filme sein mögen,

für die breite Masse sind sie leider immer noch viel zu viel Realität und zu wenig

„ich interessiere mich – danach – für die echte Kaiserin“.

Doch noch lange bevor Romy Schneider an ihrem Sissi-Image schwer zu kämpfen hatte und nach Frankreich floh, gab es schon Filme über das Leben der Kaiserin.

Wer sich näher mit den Filmen beschäftigen will, den verweise ich an meine liebe Kollegin und Elisabeth-Film-Kennerin Stefanie

https://www.sissi-sammlung.de/index.htm

Natürlich gab es auch Theaterstücke, die das Thema „Sisi“ aufgriffen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Oskar Werner (als Kaiser Franz Joseph) und Elfriede Ott (als Kaiserin Elisabeth) v.l.n.r.

Ernst Décsey und Gustav Horn schrieben das Theaterstück „Sissys Brautfahrt“ (man beachte die Schreibweise).

1931 kaufte Hubert Marischka die Rechte an diesem Stück. Aus diesem wurde dann das Singstück „Sissy“. Ernst Marischka (!) versah es mit einem Libretto und Fritz Kreisler untermalte das ganze musikalisch.

1932 wurde Sissy uraufgeführt. 1938 spielten Elfriede Ott und Oskar Werner im Burgtheater die Hauptrollen.

Elfriede Ott in der Mitte ist im „Bühnen-Sternenkleid“ zu bewundern.
Die Sterne im Haar sind am Foto ebenfalls zu erkennen.

Ebenfalls eine misslungene Verfilmung ist der 2-Teiler „Sisi“ von Xaver Schwarzenberger.

Foto: ORF Media
Cristiana Capotondi in Sisi

Was war das für eine Aufregung 2009, als die Miniserie mit Cristiana Capotondi ins TV kam.

Von „der echten“ Geschichte der Kaiserin war die Rede. Endlich eine „andere Kaiserin“ usw.

Wenn Elisabeth in Venedig mit Andrássy fremd geht und von einer blödsinnigen Verschwörung die Rede ist, kann nicht ernsthaft geglaubt werden, dass man diese Serie auch nur eine Minute ernst nimmt, oder?

Zu Recht ist diese in der Versenkung verschwunden und taucht auch hoffentlich nie wieder auf. Leider ging dieser Wunsch nicht in Erfüllung. Der Disney Channel hat die Serie mit ins Programm genommen.

Das Sternenkleid hatte auch hier wieder – wie sollte es anders sein – seinen Auftritt. Aber was möchte man erwarten, wenn sich eine Serie die „wahre Sisi“ nennt und man Elisabeth in Venedig eine Affäre mit Andrássy andichtet, wobei sämtliche Historiker diese mittlerweile seit Jahrzehnten schon aus der Welt schafften.

Natürlich gibt es immer noch Leute, die das glauben. Aber es gibt in allem Verschwörungstheoretiker. Man darf so manches in dieser Welt nicht ernst nehmen.

Eines der Höhepunkte im Musical Elisabeth ist sicherlich der Auftritt der jeweiligen Elisabeth-Interpretin im sogenannten „Bilderrahmen“.

Eine Reprise mit dem Tod, Kaiser Franz Joseph und Elisabeth und dem Song „Ich gehör nur mir“.

Voilá die Kaiserin erscheint auf der dunklen Bühne, nur mit einem Scheinwerfer angestrahlt: „im Sternenkleid stehend im Bilderrahmen“. Pause.

Foto: Jean-Marie Bottequin
Pia Douwes als Elisabeth

Der Applaus kennt keine Grenzen. Und der Höhepunkt des 1. Teils ist somit erreicht, bevor der Kitsch! im Teil 2 mit Luigi Lucheni Einzug hält.

Mit Bauchladen und Glitzerhut singt der Interpret von der Scheinwelt einer Frau die sich selber nicht verstand und lieber Titania spielte, anstatt ihr Volk zu betüteln und warf – zumindest war das von 1992 – 2000 so – Schokolade ins Publikum.

Und somit befinde ich mich wieder am Anfang:

Nehmt ein hübsches Souvenir mit
aus der kaiserlichen Welt!
Alles innig,
lieb und sinnig,
so wie es euch gefällt -
Kitsch!(*)

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Jean-Marie Bottequin, ORF Media, imago images/Mary Evans, Jupiterfilm.at, Prinz Barbara, docplayer.org


Literatur Hinweise:

(*) Zitate:
Musical Elisabeth
Lied: Kitsch
Liedtext: Michael Kunze
Musik: Sylvester Levay

1 – S 198, 2 – S 199
Brigitte Hamann:
Kaiserin wider Willen , Amalthea, 1992, 11. Auflage

Dr. Martina Winkelhofer
Sisi, Kronen Zeitung-Heft (vergriffen)

Helga Kessler Aurisch, Laure Chabanne,
Tilmann von Stockhausen und Mirja Straub
High Society (englischer Bildband über F.X. Winterhalter)
The Portraits of Franz Xaver Winterhalter
The Museum of Fine Arts, Houston,
Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart, 2015 1. Ausgabe (nur noch antiquarisch erhältlich)

Marita A. Panzer
Fürstinnen von Thurn und Taxis
Verlag Friedrich Pustet, 1. Auflage 2008 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Schloss Wallsee

Foto: Prinz Barbara
Schloss Wallsee

Vorwort Petra:

August 2018, als wir gerade einmal 8 Monate als Sternenkaiserin zusammen waren, plante ich eine Reise durch Niederösterreich. Es war eine 4-Schlösser Tour.

Begonnen hatte die Tour mit Schloss Wallsee, später ging es am selben Tag weiter zum Wasserschloss Totzenbach.

Tags darauf fuhren wir zum Renaissanceschloss Greillenstein und wieder einen Tag später zum Schloss Ruegers, dass uns bis in den September 2020 begleiten sollte.

Immer wieder waren wir im Letzteren zu Gast. Mittlerweile gibt es das Schloss Ruegers genauso nicht mehr, wie uns. Schloss Ruegers schloss zwar 2019 seine Pforten, ließ uns aber immer wieder shooten, das letzte Mal im September 2020. Im April 2021 trennten wir uns, im September 2021 wurde Schloss Ruegers verkauft.

Seit dem gibt es im Internet statt die Sternenkaiserin, die Mythos Kaiserin Elisabeth Seite. Die Beiträge zu den restlichen Schlössern habe ich gelöscht, da die mit Kaiserin Elisabeth nichts gemeinsam hatten.

Auch wenn im Renaissanceschloss Greillenstein eine gebürtige Elisabeth Prinzessin von Bayern, verheiratete Elisabeth Gräfin von Kuefstein lebt, hat das Schloss per se nichts mit Kaiserin Elisabeth zu tun. Gräfin Kuefstein stammt im übrigen von der Linie Erzherzogin Marie Valérie ab.

Schloss Wallsee hat deshalb etwas gemeinsam mit Kaiserin Elisabeth, da hier ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie mit ihrem Mann lebte.

Ich erspare euch die Einzelheiten zu Bauzeit, Bauherren und Grundrissen. Diesen Teil des Beitrages von Sabine habe ich gelöscht. Fakt ist, 1895 kaufte Erzherzog Franz Salvator das Schloss von Alfred Herzog Sachsen-Coburg und Gotha, da das Wasserschloss Lichtenegg in Wels aus allen Nähten platzte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Lichtenegg, Wels

Bei 4 Kindern stand Kaiserin Elisabeth an Valéries Seite.

Dazu reiste sie jedes Mal kurz vor den Geburten ins Wasserschloss Lichtenegg an und blieb bis zur Taufe oder zumindest bis kurz davor.

Sabine Rossegger ehemalige Sternenkaiserin:

Das Schloss war allerdings nicht im besten Zustand, als es Franz kaufte.

MarieValerieFranzSalvator
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Valerie und Erzherzog Franz Salvator

Das gesamte obere Geschoß war zu dem Zeitpunkt unbewohnbar, im Westteil des Schlosses waren alle Decken und Gewölbe in derart schlechtem Zustand, dass sie nicht mehr zu retten waren und daher erneuert werden mussten.

Ebenso mussten alle Fenster, Fußböden, Türen und die Holzstiege repariert werden, so auch das Dach. Der gesamte heutige Verputz wurde damals aufgebracht.

2 Jahre lang wurde das Schloss renoviert, bevor Erzherzogin Marie Valerie (*22.4.1868,†6.9.1924) und Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) und die immer größer werdende Familie am 4.9.1897 einzogen.

Die Bevölkerung des kleines Ortes freuten sich sehr über den Zuzug, galt die Kaisertochter für wohltätig und wohlwollend der Bevölkerung gegenüber.

Bald schon hatte sie den Beinamen

„der Engel von Wallsee“

Als Kaiserin Elisabeth das erste Mal zu Gast war, beschrieb dies Hofdame Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863,†3.9.1940) wie folgt: 

„Am 28. September (1897) verließen wir Meran und waren am nächsten Morgen in Wallsee, im neuen Heim der Erzherzogin Valérie. Die erzherzogliche Familie war erst vor kurzem hierher übersiedelt und es ist daher natürlich, dass die Kaiserin das herrliche Schloß und dessen Einrichtung mit größtem Interesse und auf das eingehendste besichtigte.
Wallsee übertraf alle unsere Erwartungen. Unser kurzer Aufenthalt war ein würdiger Abschluß dieser mit mancherlei angenehmen Erinnerungen verknüpften Reise, für deren prächtigen Erfolg am besten die freudige Überraschung sprach, die Seine Majestät bekundete, als er im Ofener Bahnhofe meine teure Kaiserin von mir übernahm.“
(1)

Das Schloss befindet sich nach wie vor im Besitz der Familie Habsburg-Lothringen und wird auch von ihr ständig bewohnt.

Zur Zeit von Ing. Andreas & Margaretha Habsburg Lothringen (Ur-Enkelin von Marie Valérie und Ur-Ur-Enkelin von Kaiserin Elisabeth) und deren 3 Kindern.

Das Schloss ist nicht öffentlich zugänglich!

Lediglich für Hochzeiten (Standesamt und eine kleine gotische Kapelle) wird ein kleiner Teilbereich des Schlosses geöffnet. 

Foto: Prinz Barbara

Den Besuch in Wallsee hatte Petra bis ins letzte Detail geplant, die Kleiderauswahl, den Hut – ein Originalstück aus 1897, ja sogar der Schirm – alles war von ihr festgelegt und vorgeplant.

Nichts wurde dem Zufall überlassen und wurde auf das Jahr abgestimmt 1897 in dem die Kaisertochter nach Wallsee zog.



Als wir auf das schwere schmiedeeiserne Tor zuschritten, an dem weithin sichtbar die Wappen von Marie Valerie und Franz Salvator erkennbar sind, öffnete es sich uns wie von selbst.

Am Eingang wurden wir von Margaretha Habsburg-Lothringen der Ur-Ur-Enkelin von Marie Valérie und ihrem jüngsten Sohn Alexander begrüßt.

Wir spazierten durch den Garten die lange Auffahrt zum Schlosstor entlang, an deren rechten Seite ist noch die steinerne Reithalle erhalten.

Durch das große Haupttor des Burgturms, auf dessen großen Mosaik die Brüder Eberhard und Heinrich von Wallsee dargestellt sind, gelangten wir in den großen Innenhof des Schlosses.

Durch ein weiteres Tor gelangten wir in einen zweiten, kleineren Innenhof in dem sich heute noch die privaten Wohnräume der Familie befinden.

In einer Ecke dieses Innenhofes steht ein alter Brunnen, der an die Zeit erinnert, als noch mit Holzleitungen das Wasser ins Schloss transportiert wurde.

Betritt man das Schloss, glaubt man, die Zeit wäre stehen geblieben.

Foto: Prinz Barbara
Bisquitstatute von Gödöllö
Kaiserin Elisabeth
Foto: Prinz Barbara
Lebensgroß
Erzherzog Franz Salvator

Das zweite Schloss erinnert eher an eine Burg aus dem Mittelalter und so ist der Innenraum eher dunkel und das dunkle Mahagoni und die kleinen Fenster, durch das die Sonne drang, erhellten den Raum nicht sonderlich.

Im gesamten Gebäude ist die kaiserliche Familie allgegenwärtig.

Petra entdeckte sogar eine Statuette vom Denkmal aus Gödöllö.

Kaiser Franz Joseph ließ von den schönsten Denkmälern kleinere Repliken anfertigen und verteilte diese in der Familie und an seine engsten Vertrauten.

Foto: Prinz Barbara

Deshalb gelangen solche Statuetten auch immer wieder z.B. ins Dorotheum Wien.

Eine Vitrine mit Andenken an die Kaiserin erinnert an deren Besuche bei ihrer Tochter (Anmerkung Petra: aus Respekt zeige ich diese Fotos nicht).

Am oberen Treppenende erinnert ein lebensgroßes Gemälde an Erzherzog Franz Salvator.

Danach war unser Besuch auch schon wieder vorbei und wir verabschiedeten uns von Margaretha Habsburg, ihrem Mann Andreas und den Kindern, die nach und nach von der Schule nach Hause kamen.

Sabine Rossegger



Nachwort Petra:

Nach dem Tod ihrer geliebten Mutter (der Beitrag kann hier gelesen werden) versuchte Valérie gemeinsam mit ihrer Schwester Gisela Prinzessin von Bayern (*12.7.1856,27.7.1932) den trauernden Kaiser zu trösten.

Er war gerne in Wallsee zu Gast war, um dort mit seinen Enkelkindern Zeit zu verbringen.

Marievalaustria12
Foto: Wikimedia/Commons
Die gesamte Familie; ca. 1905
unterm_weihnachtsbaum_in_wallsee_zeitungsillustration_1916_original_1
Foto: Wikimedia/Commons
Unterm Weihnachtsbaum in Wallsee, Zeitungsillustration, 1916

Am 10.12.1918 verstarb Erzherzog Franz Karl, der älteste Sohn von Valérie, im Schloss Wallsee an der Spanischen Grippe. Zuvor hatte sie ihn noch aufopferungsvoll gepflegt.

In der Entbehrungsreichen Nachkriegszeit half der „Engel von Wallsee“ der Bevölkerung wo sie konnte und versorgte diese mit Essen, Kleidung und Medikamenten.

Leider erkrankte sie selbst an Lymphdrüsenkrebs.

Erzherzogin Marie Valérie starb am 6.4.1924 im Kreise ihrer Familie in Wallsee. Sie ruht am örtlichen Friedhof von Sindelburg-Wallsee.

Sohn Theodor Salvator (*9.10.1899,8.4.1978) übernahm nach dem Tod seiner Eltern Schloss Wallsee. Seit dem ist es immer noch im Familienbesitz.

– Petra –


Im Ort Wallsee entdeckte ich eine Kuriosität, die ich hier in diesem Beitrag anschließen möchte.

Es gibt ein Kaiser Franz Joseph Denkmal mit dem falschen (!) Sterbejahr.

Niemand (!) konnte mir bis heute die Frage beantworten, wieso dieser Fehler passiert ist.

Ausgerechnet im Wohnort der Tochter, steht dieses Denkmal.

Meines Erachtens eine Peinlichkeit, die wirklich nicht sein müsste!

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Rechtliche Hinweise:

Vorwort + Nachwort + Layout: Petra
Text: Sabine Rossegger
Bildrechte: Prinz Barbara, Wikimedia/Commons, habsburger.net, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweis:

1 – S 166,
Irma Gräfin von Sztáray
Aus den letzten Jahren der Kaiserin Elisabeth
Amalthea Verlag, 3te Auflage, 2005