Hermesvilla

Sisis Schloss der Träume

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Titania wandelt unter hohen Bäumen, 
Mit weißen Blüten ist ihr Pfad bestreut, 
Die Buchen rings, die alten Eichen keimen, 

Es scheint der Wald ein Dom dem Mai geweiht. 
Ein Dom, durchweht von märchenhaften Träumen, 

Ein Zauberort verborgen und gefeit, 
Maiglöckchen läuten duftend süße Lieder, 
Und gold'ne Falter schweben auf und nieder. 

Doch nie und nimmer werden zugelassen, 
Die draußen an des Zauberwaldes Thor, 
Um Einlass fleh'n mit Schreien und mit Scharren
Die alten Esel und die jungen Narren. 

Titanias Zauberschloss
Villa Hermes 
Elisabeth von Österreich, Sommer 1888 

Mit diesem Gedicht empfängt man euch mehr oder weniger auf einer weißen großen ungetümen Tafel mit einem Foto von Kaiserin Elisabeth, aus dem Jahr 1865 von Viktor Angerer.

Die Tafeln und viele hässliche Stahl-Glasvitrinen werden euch durch halbleere Räume begleiten. Anstatt die Räume auf sich wirken lassen zu Können und sich vorzustellen, wie hier einmal Elisabeth, Franz Joseph und später Marie Valérie mit Franz Salvator und 7 ihrer Kinder gelebt haben, stehen immer diese Vitrinen im Sichtfeld und nehmen einem die Phantasie.

Leider ist das nicht das Einzige, was an Atmosphäre zerstört wurde.

Die ehemaligen Gisela-Appartements fielen komplett dem Caféhaus zum Opfer.
Man hat sie einfach komplett herausgerissen, um einen Platz zu schaffen, für Erfrischungen und Torten.
Es ist einfach nur traurig, wenn man bedenkt, welches Erbe damit unwiderruflich zerstört wurde.

Betrachtet man das Areal, stehen so viele Nebengebäude herum, dass man gut und gerne dort ein Caféhaus unterbringen hätte können.

Aber nein, es mussten die Gisela-Räume dafür genutzt werden. Auf der eigens gebauten Terrasse, steht heute ein hässliches weißes Plastikpferd. Man wird einfach den Gedanken nicht los, dass man zerstören wollte und hier einfach nicht gewusst hat, was man sonst mit einem ungenutzten Platz tun sollte.

Auf der Toilettenanlage hat man eine Kaiserin Elisabeth Tapete angebracht. Ich weiß noch immer nicht, ob ich das geschmackvoll oder -los finden soll.

Schon von weitem sieht man die gelben Schirme des Caféhauses.

Ich bin der Meinung, dass die Vorderansicht der Hermesvilla damit seinen Charme verloren hat.

Natürlich ist es toll, an heißen Sommertagen ein Glas Wasser, Kaffee und Torte unter den Schirmen zu genießen. Doch wie gesagt, das Areal ist groß genug.

Über das weiße Pferd auf der Terrasse gibt es unterschiedliche Auffassungen. Als ich es damals erblickte, fragte ich natürlich, was dieses Pferd zu bedeuten habe. Der befragte Kellner des Cafés antwortete, dass es eine Hommage an Elisabeths Reitleidenschaft sei. Aha…

Bei meinen Recherchen stieß ich allerdings auf einen Disney-Film von 1969. In der Hermesvilla und im Lainzer Tierpark wurde der Film „Flucht der weißen Pferde“ gedreht. Als Schauspieler waren Curd Jürgens, Lilli Palmer und Rod Taylor im Einsatz.

Foto: amazon.de
Filmplakat zu „Flucht der weißen Pferden“

Es ist also durchaus im Bereich des Möglichen, dass hier an den Film erinnert werden soll und nicht an die Kaiserin. Schade ist, dass weder die Besucher, noch die Mitarbeiter davon in Kenntnis gesetzt werden. Eine Tafel zum Pferd gibt es nicht. Es steht einfach nur da…

Die Hermesvilla war in den 1980er und 1990er Jahre gut besucht. Viele Ausstellungen über Kaiserin Elisabeth und Kronprinz Rudolf waren zu sehen. Ich habe sie selbst alle noch besucht und kann mich an einige noch sehr gut erinnern.

Die letzte Ausstellung dieser Art ist 23 Jahre her, seit dem mangelt es der Villa an Besuchern.

Es gibt keine Werbungen mehr, die Wiener selbst haben die Villa vergessen, wie sollten es dann Besucher erfahren? Für einen 2-3 Tage Wien-Trip extra nach Lainz zu fahren, ist schon enorm weit, da die Hermesvilla nicht gerade günstig liegt.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt man von der Wiener Innenstadt gut und gerne 1 Stunde bis zum Eingang, um dann noch einen 30 – 45 minütigen Fußweg über Stock und Stein zu gehen (gutes Schuhwerk erforderlich). Der Waldweg ist anstrengend, vor allem das letzte Stück.

Für Behinderte nicht zu empfehlen! Es gibt keinen Shuttle mehr zur Villa.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
ehemaliger Badeweiher von Kaiserin Elisabeth

Auf dem Weg zur Villa kommt ihr an einem Weiher vorbei. Auch hier wurde das Badehaus von Kaiserin Elisabeth abgerissen. Diesen nutzte sie, um sich hier umziehen zu lassen, um dann im Weiher zu schwimmen.

Ich bin sicher, dass diesen auch die Kinder von Erzherzogin Marie Valérie zu nutzen wussten. Wenn man genau hinhört, könnt ihr das Kinderlachen von damals noch hören…

Heute ist Baden und Bootfahren verboten. Natürlich! Was sonst?

Hermesvilla
Lainzer Tiergarten
1130 Wien

15.3. bis 1.11:
Dienstag bis Sonntag und Feiertag
Montag geschlossen!
10.00 bis 18.00 Uhr
Die Hermesvilla schließt 30 Min. vor Torsperre des Lainzer Tiergartens, spätestens jedoch um 18.00 Uhr
Eingeschränkte Öffnungszeiten im Herbst/Winter

Preise und weitere Infos findet ihr hier:
https://www.wienmuseum.at/de/standorte/hermesvilla

Bei meinem letzten Besuch, habe ich mit dem Museumsmitarbeitern Kontakt gesucht und erfahren, dass der durchschnittliche Besucher 20 bis maximal 30 Minuten für den Rundgang braucht.

Ich brauche (mindestens) 2 Stunden.

Wenn ihr Glück habt, trefft ihr auf eurem Rundgang noch 2-3 Interessierte, normalerweise hat man die Villa komplett für sich allein.

Fotografieren ist erlaubt. Aber ohne Blitz! Bitte haltet euch daran!

Danach könnt ihr im Museumsshop wirklich gute Raritäten ergattern. Das Personal freut sich immer sehr, wenn sie Menschen treffen, die sich für die Kaiserin wirklich interessieren und auch etwas im Shop kaufen!

Rundgang – Erdgeschoss

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Wie die Villa tatsächlich zu Lebzeiten Kaiserin Elisabths eingerichtet war, ist nicht bekannt.

Sie hat sich abgeschottet und auf ihre Privatspähre mehr als nur geachtet.

Foto: Archiv Künstlerhaus
Julius Deininger

1898 ist der Jubiläumsband „Franz Joseph und seine Zeit“ entstanden. Der Architekt und Publizist Julius Deininger (*23.5.1852, †15.8.1924) und der Maler Rudolf Bernt (*21.2.1844, †24.8.1914) durften nur wenige Räume der Villa betreten, um den Band abzuschließen.

Die vorhandenen Fotos der Villa und der damaligen Einrichtung, sind nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth entstanden.

Damals erlaubte Kaiser Franz Joseph dem Historiker Rudolf Lechner (*/†unbekannt) im Frühjahr 1899 die Villa zu betreten.

Dass ist so von unfassbarer Bedeutung, da Rudolf Lechner die Gisela Appartements fotografieren konnte (wie erwähnt, sind sie dem Caféhaus zum Opfer gefallen) und über dem Kamin noch das alte Kamin-Portrait von Kaiserin Elisabeth zu sehen ist (ich komme im Arbeitszimmer von Kaiser Franz Joseph darauf zurück).

Generell konnte Lechner die gesamte Villa fotografieren. Die Bilder sind in den jeweiligen Räumen ausgestellt und ich füge sie in den Galerien am Schluss hinzu.

Foto: Wikimedia/Commons
Charles F. Fuller

Hinter der „Lichtfee Peri“ von Charles Francis Fuller (*1830, †10.3.1875) sieht man schon von weitem einen imposanten Kristalluster.

1897 entschloss sich Kaiserin Elisabeth ihr Schloss Achilleion auf Korfu aufzugeben (fertiggestellt 1891). Sie ließ zahlreiche Kunstgegenstände verschiffen und in die Hermesvilla bringen. So auch die Lichtfee, die hier in der Eingangshalle ihren Platz fand.

Foto: Wikimedia/Commons
Viktor Tilgner

Dahinter befindet sich ein imposanter Mamorsaal mit einer beeindruckenden Decke. Der Bildhauer Viktor Tilgner (*25.10.1844, †16.4.1896) hat sich hier verewigt, weshalb die ursprüngliche als Sala terrena und Speisesaal genutzer Raum auch „Tilgnersaal“ genannt wird.

An der Decke ist

„Aurora schwebt vor dem Wagen des Sommers durch die Lüfte“

zu sehen.

Links und Rechts sind heutzutage versperrte Türen.

Rechts waren die Marie Valérie-Appartements, links die Gisela-Appartements. Die Valérie Räume sind komplett leer, da sie als Ausstellungsräume genutzt werden. Die Gisela Räume existieren nur noch auf Fotos und sind heute ein Caféhaus.

Nach dem Tod der Mutter erbte Gisela (*12.7.1856,†27.7.1932), welche damals schon lange mit Leopold Prinz von Bayern (*9.2.1846, †28.9.1930) verheiratet war, das Achilleion auf Korfu. Marie Valérie erbte die Hermesvilla.

Prinzessin Gisela verkaufte das Achilleion an Kaiser Wilhelm II (*27.1.1859, †4.6.1941) und ließ die Möbel ihrer Mutter und einige Wertgegenstände in die Hermesvilla bringen.

Als Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924) sich 1911 von der Villa trennte, schaffte sie ein paar der Möbel nach Bayern.

Doch das meiste davon blieb im Besitz von Valérie, welche sich damit ihr neu renoviertes Schloss Wallsee einrichtetete. 1906 übersiedelte die Familie nach Wallsee bei Amstetten, da die Villa aus allen Nähten platzte.

Rundgang – Obergeschoss

Als ich die Fotos auf Facebook zeigte, mokkierten sich viele Followerinnen über die dunklen Holzvertäfelungen in der Villa.

Ich möchte hier einfügen, dass dies dem damaligen Wohndesign geschuldet ist und alle Villen, die im englischen Landhaus-Stil gebaut wurden, dunkle Holzausstattungen hatten.

Dies sieht man auch in alten oder auch neuen Filmen, wenn es um alte Landhaus Villen geht, weshalb ich sehr erstaunt war, dass dies zum Thema wurde. Gerade im 19. Jahrhundert kannte man nichts anderes.

Auch wenn ich normalerweise Filmvergleiche ablehne, möchte ich aufzeigen, dass diese Villen tatsächlich immer so aussahen und hier nicht extra Kaiserin Elisabeth absichtlich „dunkel“ einrichten ließ.

Man sieht diese Villen zB. in Filmen wie „Rebecca“. Manderley ist genau so eine Villa (nur mit Meeresrauschen) (gedreht 1940 von Alfred Hitchcock), in vielen neueren Geisterfilmen kann man diese wunderschönen alten Villen sehen (zB. „Don’t Be Afraid of the Dark“ mit Katie Holmes) oder auch in Liebesfilmen von der Romantik Queen schlechthin Rosamunde Pilcher. Und wer die Filme „Sherlock Holmes“ kennt, egal ob neu oder alt, wird wissen, dass er in einer Villa wohnt, die dunkle Holzvertäfelungen hat.

Kerzenschein, Öllampen und später die ersten kleinen Stehlampen, da die Elektrizität Einzug hielt, machten diese dunklen Wohnräume sehr kuschelig.

Ihr seht ich komme ins Schwärmen. Zu recht.

Mich persönlich zieht so etwas magisch an, da es meistens durch Stuckarbeit, wunderschöne Glasfenster und verzierte Doppeltüren- und sonstige Balkenarbeiten wett gemacht wird. Wenn ich es mir leisten könnte… Ach, ein unerfüllter Traum würde wahr.

Und so war auch die Hermesvilla einmal.

Leider wurde das wunderschöne Flair, durch diese furchtbaren Glasvitrinen gestört. Es sind keine Pflanzen im Raum, die Brunnen wurden abgerissen, Wandteppiche fehlen usw.

Zum Teil wirkt die Villa einsam, müde, verlassen und weit weg von dem, was sie einmal war.

Ich finde es so schade, dass die Museumsverwaltung es seit Jahren nicht zustande bringt, die Villa wieder so herzustellen, wie sie war. Genügend Möbel stehen ja in sämtlichen Depots herum.

(Kleine Info nebenbei: Der Rundgang ist nicht chronologisch.)

Obwohl die Villa zu den Modernsten ihrer Zeit zählte, fühlte sich Elisabeth hier nie wohl.

Doch noch bevor sie „modern“ wurde und „Villa Hermes“ (heute Hermesvilla) hieß, hieß sie „Villa Waldruh“ und sollte in einem 24,5 km2 gro0en ehemaligen Jagdgebiet von Kaiser Franz Joseph erbaut werden.

Der gesamte Lainzer Tiergarten ist mit einer 22 km langen Mauer umzäunt (schon alleine wegen der Wildschweine die hier frei leben).

Foto: habsburger.net
Carl von Hasenauer

Kaiser Franz Joseph entschloss sich 1881 hier einen stattlichen Wohnsitz erbauen zu lassen und holte den Wiener Ringstraßenarchitekten Carl Freiherr von Hasenauer (*20.7.1833, †4.1.1894). Der zweite Entwurf war bereits derjenige, den Kaiser Franz Joseph umsetzen ließ.

4 Jahre dauerte der Bau und kostete

2 Mio Gulden = ca. € 29.350.760,00

welche aus der Privattasche des Kaisers bezahlt wurde.

Doch Franz Joseph entschied sich um und schenkte die Villa Elisabeth. Er war 54 Jahre alt, einsam und hoffte seine „Engels-Sisi“ wieder an sich zu binden. Deshalb ließ er diese – wie er glaubte – nach Elisabeths Geschmack einrichten.

Als die Villa Waldruh fertig war, reiste Elisabeth mit ihrer geliebten Tochter Marie Valérie an, die kaum deutsch sprach.

Die beiden traf fast der Schlag.

Kein Badezimmer, keine Wassertoiletten (so nannte man damals noch ein WC; ansonsten hatte man Plumpsklos,Eimer und Nachttöpfe), keine Elektrizität.

Die Einrichtung war sparsam und öde. Marie Valérie sollte im Erdgeschoss leben, Elisabeth im Obergeschoss. Ein Unding wie Mutter und Tochter festhielten.

Valérie war geschockt und schrieb in ihr Tagebuch, dass weder die Villa, noch die Einrichtung, noch der grausige Geschmack des Kaisers gefallen würde.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph, 1885

„Diesen Standard sind wir nicht gewöhnt“

so das vernichtende Urteil der Kaisertochter.

Elisabeth und ihre Tochter reisten wieder ab. Enttäuscht blieb der Kaiser alleine zurück, der wieder einmal alles falsch gemacht hatte.

Doch die Kaiserin wäre nicht die Kaiserin gewesen, wenn sie nicht der Ehrgeiz gepackt und aus der Villa ein wahres Schmuckstück gemacht hätte.

Ab dem Frühjahr 1888 trafen sich Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth jedes Jahr in ihrer Villa für manchmal mehr oder weniger längere Aufenthalte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Katharina Schratt

Doch auch nach der Modernisierung wurde Elisabeth nicht ruhiger. Spätestens nach 2 Monaten verließ sie die Villa.

Sie fand den Wald zu feucht und die Villa zu düster. Da sie Rheuma hatte, war die Feuchtigkeit natürlich Gift für ihre Glieder.

„Unsere neue Villa im Thiergarten befriedigt uns sehr, sie ist gut und bequem zu bewohnen und die Umgebung jetzt im Frühjahr frisch grün.“

Kaiser Franz Joseph an Katharina Schratt
19.5.1887

Obwohl die kaiserliche Familie sehr gläubig war (Elisabeth haderte allerdigs auch Zeit ihres Lebens mit Gott), wurde keine eigene Kapelle gebaut. An Sonn- und Feiertagen wurde eine abgeschrägte Türe geöffnet, welche sich in der Ecke eines Saales befand. Dahinter befand sich der goldene Altar.

Die Tiergarten-Mitarbeiter, das Villa Personal und die kaiserliche Familie nahm an den Messen teil.

Dass hier eine Napoléon Statue steht, ist durchaus nichts ungewöhnliches für Kaiserin Elisabeth.

Kaiserin Elisabeth bewunderte sein Genie.

Durch die Verehelichung mit Erzherzogin Marie Louise (*12.12.1791, †17.12.1847), welche die Tante von Kaiser Franz Joseph war (Schwester von Vater Erzherzog Franz Karl), wurde Napoléon Bonaparte (*15.8.1769, †5.5.1821) der Onkel des zukünfitigen Kaisers.

Es gibt eine seltsame Episode aus dem Leben der Kaiserin, die ich hier gerne einfügen möchte:

Am 26.9.1875 besuchte Kaiserin Elisabeth mit ihrem enormen Gefolge Paris. Mit Marie von Festetics, ihrer Hofdame, besuchte sie allerdings alleine den Invalidendom, wo Napoléon zwischenzeitig ruhte.

Sie wollte alleine und unerkannt ihrem angeheirateten Onkel huldigen, dessen Genie sie erschaudern ließ. Lange standen die beiden vor dem herrlichen Sarg von Lucien Bonaparte und glaubten den von Napoléon vor sich zu haben. Ein Besucher hörte das Gespräch der beiden Frauen und machte sie auf den Irrtum aufmerksam.

Als sie vor dem schlichten Sarg, der mit frischen Blumen geschmückt war, niederkniete, sagte sie:

„Wenn die Menschen etwas recht Beißendes äußern wollen, sagen sie Napoléon war groß, aber gar rücksichtslos; ich denke immer dabei, das sind gar viele Menschen, ohne dabei groß zu sein. Zum Beispiel auch ich.“ (1)

Still naht sich der Abend wieder,
Länger werden schon die Schatten: 
Diesen Tag auch zu bestatten.
Lässt die dunkle Nacht sich nieder. 

Dunkler Wald - aus grünen Zweigen
Scheinen Monde aufzusteigen. 
Um mit ihrem Licht, dem bleichen, 
Durch dies Labyrinth zu zeigen. 

Doch nun öffnen sich die Bäume
Halbkreisartig rings im Bogen; 
Und mit Mondlicht überzogen, 
Strahlt Titanias Schloss der Träume. 

Kaiserin Elisabeth 
über ihre Ankunft in der Hermesvilla, 16.5.1887

„Wolkenkratzelei“ nannte Kaiser Franz Joseph die Gedichteschreiberei seiner Frau. Auch die Liebe zum „Sommernachtstraum“ von Shakespeare verstand er nie.

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferency und Marie von Festetics auf Maultieren

Nur wenige Personen wussten, dass Kaiserin Elisabeth überhaupt Gedichte schrieb.

Dazu gehörten natürlich ihr Mann, ihre Tochter Valérie, ihre engste Vertraute und Hofdame Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †16.4.1923) und Vorleserin und innige Freundin Ida Gräfin von Ferenczy (*7.4.1839,†28.6.1928).

Die Hermesvilla wurde nach Anweisung von Kaiserin Elisabeth opulent ausgestattet und hatte die schönsten Möbel ihrer Zeit. Doch noch während der Lebensphase von Elisabeth tauschte sie die Möbel immer wieder aus, so dass die heutige Inneneinrichtung nicht mehr nachvollzogen werden kann.

Sie beschäftigte auch die bedeutensten Künstler des „Wiener Historismus“, die der Villa ihren ganz besonderen Charme gaben.

Foto: wien.gv.at
Hans Markart

Am auffälligsten ist natürlich das Schlafzimmer von Kaiserin Elisabeth. Dies wurde von Kaiser Franz Joseph als Überraschung für seine Gattin von Hans Markart (*28.5.1840,†3.10.1884) bemalt. Eine seiner letzten Arbeiten.

Die Malart von Markart nennt sich im übrigen: „Akademische Kunst“

Als Elisabeth und Marie Valérie dies das erste Mal betraten, erstarrten sie zu Eis. Die Kaiserin wusste wohl nicht ob sie lachen oder weinen sollte, Valérie rannte davon.

Zugegeben, das Zimmer ist extrem überladen und kaum anzusehen.

Die Hermesvilla besaß eine opulente Innenausstattung, an der die bedeutendsten Künstler des Wiener Historismus beteiligt waren. Die originale Einrichtung ist allerdings nur zum Teil erhalten. Schon zur Zeit der Kaiserin wurden häufig Gemälde und Möbelstücke ausgewechselt.

Das Prunkbett ist noch von Maria Theresia. Sie hatte es in Amstetten in einer Poststation benutzt, als sie auf dem Weg nach Innsbruck war.

Elisabeth hat keine einzige Nacht in diesem Bett verbracht. Sie ließ sich ein einfaches Bett an die Balkontüre schieben, um jederzeit die Sterne und den Wind sehen bzw. spüren zu können.

Im Schlafzimmer war auch hinter einer Tapetentüre eine Geheimtreppe, welche Kaiserin Elisabeth zur Flucht nutzen konnte. So konnte sie fliehen, wenn ungebetene Gäste kamen.

1894 ließ Kaiserin Elisabeth die Bronzestatue „Melancholie“ aufstellen. Sie sollte als Mahnmal für ihren verstorbenen Sohn Kronprinz Rudolf dienen.

Laut Überlieferung soll die Figur

ihr Seelenheil nach Außen

darstellen.

Das ehemalige Turnzimmer ist ebenfalls von Hans Markart gestaltet worden, doch leider ist nicht mehr erhalten, als die Wandmalereien.

Die Wände sind in Anlehnung an pompejanische Vorbilder mit sieben Darstellungen antiker Sportarten bemalt.

An der Zimmerdecke prangen 4 Gemälde, die eine Hirschjagd, ein Wettrennen, eine Kampfszene sowie ein Wettfahren zeigen.

Da Markart starb, schlossen die Maler August Eisenmenger (*11.2.1830, †7.12.1907), von Hugo Charlemont (*18.3.1830, †18.4.1939) und Adolf Falkenstein (*unbekannt, †31.12.1929) die Arbeiten ab und drückten dem Zimmer nochmals ihren ganz eigenen Stempel auf.

Die ehemalige Einrichtung bestand aus einem Turnapparat, einem Schwebebalken und zwei Garnituren von Ringen. Sie ist weder erhalten, noch wurde sie wieder hergestellt.

Hier wäre es ganz hübsch und das Haus sehr gut bewohnbar, wenn das Wetter etwas günstiger wäre, allein so ist es meistens recht kalt, der häufige Regen macht den Boden feucht und außerdem bläst meistens ein recht heftiger Wind.

Kaiser Franz Joseph an Katharina Schratt, 30.5.1887

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com
goldenes Relief oberhalb der Arbeitszimmertüre von Kaiser Franz Joseph
abgebildet: Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie

Im ehemaligen Arbeitszimmer von Kaiser Franz Joseph ist am auffälligsten das „Jugendstil“-Bild von Kaiserin Elisabeth mit dem weißen Hund oder Pferd; so genau kann man nicht erkennen, was es für ein Tier darstellen soll.

Das Kaminbild wurde ausgetauscht und – wahrscheinlich – von Marie Valérie mitgenommen. Damit der Kamin nicht ohne Bild auskommen muss, hat man dieses – wie ich persönlich finde – abscheuliche Portrait angebracht.

Das ehemalige Gaderobenzimmer der beiden Eheleute ist heute ein Durchgangszimmer.

Am 13.6.1886 ertrank ihr Cousin 2. Grades König Ludwig unter mysteriösen Umständen im Starnberger See. Zu seinem Gedenken ließ sie dieses Bild aufhängen. Kaiserin Elisabeth glaubte ihr Leben lang nicht an die Unfalltheorie.

Die Aufenthaltsdaten von 1887 – 1891 sind nicht erhalten.

Ab 1891:

2.5. – 19.5.1891
25.5. – 30.6.1891

3.5. – 15.6.1892

1.5. – 30.6.1893

23.4. – 23.6.1894

12.5. – 1.7.1894 (mit kurzer Unterbrechung für einige Tage in Gödöllö)
24.8. – 24.9.1894

1.5. – 7.5.1897

1.6. – 2.7.1898

Am 14.10.1898 wurde Erzherzogin Marie Valérie ins Grundbuch eingetragen.

Sie ließ die Villa für ihre 9köpfige Familie (7 Kinder und Ehemann Franz Salvator) adaptieren. Das Ehepaar lebte von 1903 bis 1906 durchgehend in der Hermesvilla im Obergeschoss. Die Kinder bewohnten das Untergeschoss.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Erzherzogin Marie Valérie, Erzherzog Franz Salvator und ihre 7 Kinder
Foto: National Gallery
Prince George and Princess Marina

1904 empfing die Erzherzogin den englischen Thronfolger Prince George (*20.12.1902, †25.8.1942) und Ehefrau Princess Marina (*30.11.1906, †27.8.1968) in der Hermesvilla.

1906 wurde die Villa zu klein und die Familie zog ins neu renovierte Schloss Wallsee.

Die stattliche alte Ansicht der Hermesvilla mit dem Garten. Der gesamte zweite Stock war dem Personal vorbehalten und ist heute gesperrt.

Da die Villa eine private Wohnstätte der Eheleute war, gab es keine Repräsentationsräume.

Obwohl Marie Valérie die Hermesvilla an den Hofärar verkaufte, trug die Erhaltungskosten bis zu seinem Lebensende Kaiser Franz Joseph.

1918/19 wurde ein Invalidenspital für Kriegsversehrte in die Nebengebäude eingerichtet.

Im Jänner 1919 wurde in der Hermesvilla eingebrochen und zahlreiche historische unersetzbare Kostbarkeiten gestohlen.

Aufgrund dieses (unaufgeklärten) Einbruchs wurden 700 Möbelstücke, Bilder und sonstige Kunstgegenstände in das Hofmobiliendepot gebracht.

Das Tafelsilber der Hermesvilla wurde in die Hofsilberkammer der Hofburg Wien zur Aufbewahrung übergeben.

Danach wurde die Villa bis zum zweiten Weltkrieg vergessen.

1922 wurde die Villa an den Kriegsgeschädigenfonds übergeben und 1937 wurde die Republik Österreich die rechtmäßigen Besitzer. Diese richteten im 1. Stock ein kleines Museum ein, doch zu sehen, war kaum etwas.

Als der 2. Weltkrieg ausbrach, wollte Hermann Göring die Villa für sich und seine Jagdgäste beanspruchen; ein Glück, dass es nicht so weit kam.

Die Hermesvilla überstand den 2. Weltkrieg unbeschadet, verfiel aber zusehends. 1945 fiel die russische Wehrmacht in das Schloss ein und bsetzte es bis 1950.

Der schwere Vandalismus der Russen kannte kaum eine Grenze. Die Hermesvilla hatte schwerste Mängel erlitten.

Stimmen wurden laut, dass die Villa abgerissen werden sollte.

Foto: parlament.gv.at
Bruno Marek

Wiens Bürgermeister Bruno Marek (*23.1.1900, †29.1.1991) war nicht nur passionierter Jäger, sondern er wusste auch, dass hier ein Kulturgut zum Schützen war.

Er veranlasste, dass die Hermesvilla gerettet werden müsste.

Der Bürgermeister von Wien ließ 1971 den „Verein der Freunde der Hermesvilla“ gründen und unternahm eine umfangreiche Restaurierung, welche 1979 abgeschlossen war. Seit dem verwaltet die Hermesvilla die Außenstelle des „Historischen Museum der Stadt Wien“, welche heute „Wien Museum“ heißen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Holzstich für die Illustrierte Zeitung, 1888

Die Hermesvilla ähnelt sowohl in der Größe, als auch im Baustil der zur selben Zeit errichteten Schloss Rothschild in Reichenau a.d.Rax.

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Rothschild, Reichenau a.d.Rax

Typisch für die Bauweise der damaligen Zeit ist die Mischung aus Renaissance- und Barockelementen.

Die elektrisch beleuchtete Straße zur Hermesvilla, war die erste in Wien ihrer Art. 1896 erhielt die Villa Sanitäre Räume und wurde an das Telefonnetz von Wien angeschlossen.

Im Stiegenhaus stand einst die berühmte Skulptur vom „Sterbenden Achilles“.

Foto: Wikipedia/Commons
Sterbender Achilles

Gefertigt wurde er 1885 vom Bildhauer Ernst Herter (*14.5.1846, †19.12.1917). 1891 ließ Kaiserin Elisabeth Achilles nach Korfu bringen, wo er heute noch ist.

Foto: eichinger.ch
Mamorstatue Aspasia, Hermesvilla

Seit 1898 steht links unter dem Stiegenhaus, kaum beachtet, die Marmorstatue „Aspasia“.

Sie wurde vom Bildhauer Ignaz Weirich (*22.7.1856, †1.12.1916) geschaffen.

Bevor ihr jetzt zum Tor zurückgeht, werdet ihr noch im Garten ein hässliches weißes Mamorungetüm entdecken.

Dies ist die Kaiserin Elisabeth Statue „Zwang-Flucht-Freiheit“, welche von Ulrike Truger 1998/99 geschaffen und in Wien-Mitte aufgestellt wurde.

Da sie aber für massloses Entsetzen und Beschwerden gesorgt hat, wurde sie zur Hermesvilla gebracht, wo sie relativ versteckt, unter Bäumen ihr Dasein fristet. Ehrlich gesagt: gut so

Das aus Carrara-Marmor gefertigte Monument zum 100. Todestag von Kaiserin Elisabeth hätte auch wirklich anders aussehen können.

Ihr werdet trotz aller Fehler die man hier macht, mit einem tiefen Seufzer des Bedauerns Abschied von der Hermesvilla nehmen.

Und tief in eurem Inneren habt ihr einen Ort aufgesogen, der unumwunden mit Kaiserin Elisabeth verwoben ist.

Und vielleicht hört ihr irgendwo im Gebüsch ein Rascheln von den Wildschweinen, denen man ganz unumwunden im Park begegenen kann.

Aber wer weiß: vielleicht ist es auch der schöne Geist von Kaiserin Elisabeth, die ihren Frieden mit der Villa gemacht hat und hierher kommt und sich nach der Ruhe sehnt, die sie im Leben nie hatte.

Petra Schimbäck

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Poster, Glasfenster Hermesvilla

Rechtliche Hinweise:
Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, amazon.de, Archiv Künstlerhaus, habsburger.net, wien.gv.at, National Gallery, parlament.gv.at, eichinger.ch


Literarische Hinweise:

1 – S.251
E.C.Conti
Kaiserin Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heine Verlag, 2. Auflage 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Zitate, Briefe und Gedichte
Hinweistafeln Hermesvilla

Hermesvilla
Führer Historisches Museum, 1981 (nicht mehr erhältlich)

Wilhelm Beetz
Die „Hermes-Villa“ in Lainz
Mit einer kurzen Geschichte des Tiergartens
Gerlach & Wiedling, 1. Auflage 1929 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Michaela Lindinger
Mein Herz ist aus Stein
Die dunkle Seite der Kaiserin Elisabeth
Amalthea, Wien 1. Auflage 2013 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Johann Graf Mailath von Székhely

Foto: oocities.org
Johann Graf Mailath von Székhely

Johann Graf Mailath von Székhely, bekannt als Geschichtsprofessor von Herzogin Elisabeth in Bayern, wurde am 3.10.1786 in Pest geboren. 

Johann war eines von 18 Kindern, welche sein Vater Janos mit 2 Ehefrauen zeugte. 

Schon schnell war klar, dass der kleine Johann eine Beamtenlaufbahn einzuschlagen hatte. Er wurde deshalb am Erzbischöflichen Lyzeum von Erlau unterrichtet. Er studierte danach Philosophie und Jura an der Rechtsakademie in Raab. 

1808 übersiedelte er nach Wien und trat als Konzipist in die Hofkanzlei in Wien ein, wo er 1812 zum Sekretär wurde. 

In dieser Zeit lernte er Gräfin Anna Revay kennen und heiratete sie. 1811 wurde Tochter Henriette, 1815 Sohn Kálmán geboren. 

Ein schweres Augenleiden verhinderte eine große Beamtenlaufbahn. Graf Mailath versuchte sich als freier Schriftsteller, was aber misslang. 

Als Graf von Székhely war er zwar adelig, hatte aber bei 17 Geschwistern keine Güter mehr zu erwarten. Er verarmte daher fast, da ihm auch seine Arbeit als Schriftsteller nicht genügend einbrachte. 

Seine Gedichte, Sagen und Märchen waren nicht mit großem Erfolg gesegnet. Ab 1842 beschäftigte er sich mit Randthemen der Wissenschaft und der Kunst, was allerdings als Dilettantismus angesehen werden muss. Ab 1851 etablierte er sich allerdings als Autor und Vermittler historischer ungarischer Literatur, welche er übersetzte. 

Graf Mailath galt als überaus intelligent und dürfte ein fotografisches Gedächtnis gehabt haben: er rezitierte Gedichte, die er nur ein einziges Mal gehört hatte verkehrt herum. Er begann demnach mit der letzten Zeile und endete mit der Ersten. Auch Würfelspiele, mit locker 200 Würfelfolgen, konnte er der Reihe nach aufsagen, ohne einen Fehler zu machen. 

Er galt als eloquenter Erzähler und war in der Gesellschaft gerne gesehen, obwohl er kein Geld vorweisen konnte. Graf Mailath verfolgte die „österreichische Gesamtstaatsidee“. Er hielt den Adel und die Kaiserzeit für veraltet. Er schrieb Artikel für die Zeitschrift „Iris“, in welcher auch (erstmals) Adalbert Stifter und Franz Grillparzer veröffentlichten. 

1848 übersiedelte er nach München, wo er auf eine bessere Verdienstmöglichkeit hoffte. Er wurde in die Gelehrtenkreise aufgenommen und war viel- und gerngesehener Gast. 

Sein ganzes Bestreben und sein ganzes Handeln wurde von der Liebe zur Tochter Henriette bestimmt. Sie formte er. Sie schrieb seine Schriften nieder und er widmete ihr jedes Werk. Henriette war von blinder Ergebenheit an ihren Vater gebunden. 

1853/54 wurde Professor Mailath an den herzöglichen Hof gerufen. Er sollte die Verlobte von Kaiser Franz Joseph, Herzogin Elisabeth in Bayern, in ungarischer und österreichischer Geschichte unterrichten. 

Dabei prägte Graf Mailath Elisabeth so sehr, dass sie später immer wieder ihren Professor aus der Verlobungszeit zitierte und die Gesellschaft mit Aussagen, dass der Adel veraltet sei in höchsten Schrecken versetzte. 

Nach der Anstellung am herzöglichen Hofe, verarmte Professor Mailath komplett. Fast 70jährig und mittlerweile fast erblindet, sah er keinen anderen Ausweg mehr. Seine Tochter, aus Liebe und Hingabe zum Vater, wollte nicht alleine zurückbleiben. 

Am 3.1.1855 fuhren die beiden von München an den Starnberger See, nicht unweit vom Schloss Possenhofen, füllten ihre dürftigen Kleider mit Steine, banden sich ein großes Tuch um die Hände und ertränkten sich gemeinsam – 69jährig und 44jährig – im See. 

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck 
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Literatur Hinweise:

Constantin von Wurzbach 
Majláth, Johann Graf
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
16. Theil.
kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1867, S. 300–305

König Friedrich Wilhelm IV von Preußen

Foto: Wikimedia/Commons
König Friedrich Wilhelm IV von Preußen

König Friedrich Wilhelm IV von Preußen wurde am 15.10.1795 in Berlin geboren. 

Sein Vater war Kronprinz Friedrich Wilhelm. Seine Mutter Luise Herzogin zu Mecklenburg. 

Sein Vater bestieg am 16.11.1797 als König Friedrich Wilhelm III von Preußen den Thron, weshalb der 2jährige Kronprinz wurde. 

Er wurde, wie üblich in diesen Kreisen, zu Hause unterrichtet, erlangte aber nicht für ein Studium an einer Universität das benötigte Wissen. Ab seinem 10. Lebensjahr wurde Friedrich militärisch erzogen. 

1810 begann der Kronprinz sich Schloss Charlottenhof bauen zu lassen, was er nach Fertigstellung (20 Jahre später) gerne für Abendgesellschaften nutzte. 

1815 ging er auf Rheinland-Reise und begann den Weiterbau des Kölner Doms, der seit 1560 eingestellt war. 

Ab 1819 musste Prinz Friedrich auf Brautschau gehen, weshalb ihn der bayrische Königshof, König Maximilian I., einlud. Dieser versprach ihm, im Falle einer Wahl, den Übertritt in den protestantischen Glauben. Erst durch diese schriftliche Zusicherung durfte Friedrich die Einladung ans bayrische Königshaus annehmen. 

Er verliebte sich in die schöne, sowie störrische Elisabeth Ludovika Prinzessin von Bayern, welche sich beharrlich weigerte, den Glauben der Preußen anzunehmen. 

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Elisabeth Prinzessin von Bayern, Ehefrau

Prinzessin Elisabeth war eine Schwester von Erzherzogin Sophie und Herzogin Ludovika. Sie war somit eine Tante von Kaiser Franz Joseph und Patentante von Kaiserin Elisabeth. 

Ganze 4 Jahre kämpfte Friedrich um Elisabeth. Sie behielt ihren Glauben, verpflichtete sich aber zum protestantischen Unterricht. 

Am 16.11.1823 vermählten sich Prinz Friedrich und Prinzessin Elisabeth katholisch in der Kapelle der Münchner Residenz und am 29.11.1823 protestantisch in der Berliner Schlosskapelle. 

1828 erlitt Elisabeth eine so schwere Fehlgeburt, dass sie unfruchtbar wurde. Friedrich hielt an seiner Ehefrau fest und machte seinen jüngeren Bruder, Prinz Wilhelm, zum Thronerben. 

Die Ehe der beiden wird in der Literatur als unwahrscheinlich glücklich beschrieben. Die ruhige, besonnene Elisabeth, wirkte sich auf den hibbeligen Friedrich als „Anker“ aus. 

Sein Vater hielt ihn aus allen politischen Tagethemen heraus, weshalb er sich ins Privatleben zurückzog. Und so gingen Friedrich und Elisabeth auf ausgedehnte Italienreisen. 

Am 7.6.1840 bestieg Kronprinz Friedrich Wilhelm, als König Friedrich IV von Preußen, den Thron. Elisabeth wurde Königin. Große Feierlichkeiten folgten, die sich teilweise bis in den September hinzogen. Doch auch Schattenseiten begleiteten die Thronfolge. Es drohte Krieg mit Frankreich. 

1848 erlebte er die Revolution, die von Frankreich aus halb Europa erfasste, weshalb er Briefe an Victoria von Englang, Zar Nikolaus I und Metternich schrieb. Im März 1848 nahm er Otto von Bismarck als Berater auf. Am 3.4.1849 lehnte er die Krönung zum Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“ ab. Dies hätte den Untergang des Habsburg-Reiches ausgelöst, was er kategorisch ablehnte. Danach folgten einige Kriege und politische Schachzüge, sowie Fehleinscheidungen. Außerdem überlebte er 2 Attentatsversuche. 

Ab Juli 1857 erfasste ihn ein persönliches Krankheitsdrama. Er erlitt mehrere Schlaganfälle, die sein Sprachzentrum lahmlegten. Schwergezeichnet von seiner Krankheit, unterschrieb er am 7.10.1858 die Regentschaftsurkunde für Prinz Wilhelm. 

Am 12.10.1858 verließ das Königspaar Deutschland und reiste nach Italien, wo sie noch 2x Papst Pius IX trafen. Danach begab sich das Paar zurück nach Potsdam, ins Schloss Sanssouci. 

Am 24.11.1859 erlitt er erneut einen schweren Schlaganfall, der ihn linksseitig lähmte. Fortan konnte er nur noch halb liegend und halb sitzend im Rollstuhl bewegt werden, eine Rückkehr nach Berlin wurde unmöglich. 

Der König musste in Sanssouci bleiben. Am 4.1.1860 erlitt er den nächsten Schlaganfall, der ihn das Bewusstsein verlieren ließ. Man verständigte die Familie, welche alle nach Potsdam kamen, um Abschied zu nehmen. 

König Friedrich Wilhelm IV starb 66jährig am 2.1.1861 im Schloss Sanssouci. Er ruht, neben seiner Frau, in der Friedenskirche vom Schloss Sanssouci.

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara


Literatur Hinweise:

David E. Barclay
Anarchie und guter Wille. Friedrich Wilhelm IV. und die deutsche Monarchie
Siedler-Verlag, Berlin 1995

Dorothea Minkels: Briefwechsel des Königspaares Friedrich Wilhelm IV. & Elisabeth von Preussen (Baiern) 
Herausgegeben von der Königin Elisabeth von Preussen Gesellschaft Band 1-3
Norderstedt BoD, 2020

Franz Josef Prinz von Windisch-Graetz

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Franz Josef Prinz von Windisch-Graetz

Franz Josef Marie Otto Antonius Ignatius Oktavius Prinz zu Windisch-Graetz wurde am 22.3.1904 in Prag geboren. 

Sein Vater war Otto Prinz zu Windisch-Graetz. Seine Mutter Erzherzogin Elisabeth Marie. Sie war die Tochter von Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie. 

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Erzherzogin Elisabeth Marie „Erzsi“ und Otto von Windisch-Graetz
Hochzeitsfoto

Franz Josef war somit der Enkel vom bereits verstorbenen Kronprinz Rudolf und der erneut verehelichten Stephanie, nunmehr Gräfin Lónyay von Nagy-Lónyay. Er war aber auch der Ur-Enkel der bereits verstorbenen Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph. 

Erzherzogin Marie Valérie eilte an die Geburtsstätte zu Erzsi um ihr beizustehen. Ihr Gatte, Erzherzog Franz Salvator wurde von Kaiser Franz Joseph gebeten ihn als Taufpate zu vertreten. Bereits am 25.3.1904 fand die Taufe statt. Den Namen Franz Josef erbat sich sein Urgroßvater. 

Franzi wie er von seiner Mutter liebevoll genannt wurde, galt wie sein späterer Bruder Ernst, genannt Erni, als besonders schön. „Kinder aus des Olymp entsprungen“, nannte man sie. 

Franz Josef war ein sehr zartes Kind und von leidender Gesundheit. Er litt an Blutarmut und war anfällig für Azetonämie (Kinder erbrechen dabei bis zu 60x am Tag) und Lungentuberkulose, weshalb er oft auf Kur musste. Ihm wurde massenhaft Spinat hineingestopft, weil man glaubte, dass dieser übergesund sei. 

Die erste Schulzeit verbrachte er in der Elementarschule der Marine in Pola. Elisabeth wachte mit Argusaugen über die Lernerfolge, die ausgezeichnet waren. 

Als die Ehe der Eltern zum Scheitern verurteilt war, schenkte Ur-Großvater Kaiser Franz Joseph seiner Mutter das leerstehende Schloss Schönau, welches zuletzt Erzherzog Otto gehörte (Bruder von Erzherzog Franz Ferdinand). Elisabeth zog mit den Kindern von Italien nach Niederösterreich. 

In den 1. Weltkriegs-Wintermonaten 1915/16 wurden Franzi und Erni schwer Lungenkrank. Sie ließ den besten Kinderarzt nach Schönau kommen, der ihr zu einem Ortswechsel am Semmering riet. Der Semmering war damals groß in Mode und der Luftkurort. 

Mit stoischer Ruhe las sie den Kindern vor, ging in Eiseskälte mit ihnen spazieren, spielte mit ihnen, hielt sich an die Therapiepläne der Ärzte, ließ die Hauslehrer kommen und wagte sogar einen Versöhnungsversuch mit Otto. Und das alles, obwohl sie Kälte, Eis, Schnee, das Gebirge und mittlerweile auch Otto hasste. 

Als ihr Großvater im November 1916 starb, wagte sie es die Scheidung zu beantragen. Doch sie hatte mit dem Widerstand von Otto nicht gerechnet. Ein erbitterter Sorgerechtsstreit begann, der darin gipfelte, dass 1921 22 Gendarmen und ein Richter vor Schloss Schönau aufkreuzten um ihr die kreischenden, sich wehrenden Kinder zu entreißen. Bis 1924 sollten die 4 Kinder beim Vater leben. 1924 brachte er die Kinder zu Elisabeth zurück, willigte aber nicht in die Scheidung ein. Die vier Kinderseelen waren für ihr weiteres Leben gebrochen. 

Als Franzi 18 Jahre wurde, schrieb sie ihm einen rührseligen Brief, der allerdings auch Vorhaltungen enthielt. Er solle einen Beruf lernen und sich nicht auf Würde und Titel verlassen, weiters solle er an seiner Religion festhalten und jeden Tag mehrfach zum Kreuz beten. 

Franzi begann in Mödling Landwirtschaft zu studieren, da ihm als Erbe Schloss Schönau versprochen wurde. Doch je älter er wurde, desto mehr nabelte er sich von seiner Mutter ab und entwickelte sich zu einer eigenständigen Persönlichkeit. Dies passte Erzsi so gar nicht. Immer öfter kam es zum Streit. 

Neben dem Studium, war das Jagen und die Zucht der Wolfshunde seiner Mutter sein größtes Hobby. Die Hunde vertrauten ihm blind. 

Als einer der Jäger einen ungehorsamen Hund mit der Kette schlug, schoss Franz Joseph dem Jäger ins Bein. Danach entließ er ihn. 

Der Hund rannte zurück zu Elisabeth und ließ sich von dieser gesund pflegen. 

Doch das gute Verhältnis endete abrupt, als Elisabeth mit Leopold Petznek zusammenzog und aus reiner Bosheit Schloss Schönau verkaufte. Sie hatte weder Geld- noch Versorgungssorgen. 

Doch die Kinder waren ihr entglitten, gingen ihre eigenen Wege und so wurde sie herrisch, despotisch, zynisch, aggressiv, launisch und unzufrieden. 

Als ein Streit eskalierte, zog Franzi mit 30 aus und schmieß das Studium. 

Er zog in eine kleine Garçonniere in ein Palais, das sein Vater vermietet hatte. Da er keinen Beruf erlernt hatte und auch sonst kein Ziel im Leben besaß, wollte er von seiner Mutter eine monatliche Apanage. Als sie diese nicht bezahlen wollte, ging er vor Gericht. Seine Mutter hetzte ihm Anwälte und Detektive auf den Leib, um zu beweisen, dass ihr sehr schöner, 1,90 m groß gewordener Sohn, ein Frauenheld und Lebemann geworden war. 

Foto: Wikimedia/Commons
Ghislaine d’Arschot-Schoenhoven
Ehefrau

Erst der SPÖ Mann Julius Deutsch, mit denen Elisabeth zwischenzeitlich durch ihren Lebenspartner Leopold Petznek verkehrte, brachte sie zur Räson. Sie gab nach und willigte ein, ihrem Sohn eine monatliche Apanage von Schilling 400 zu bezahlen. 

Ohne Wissen seiner Mutter heiratete er am 3.1.1934 Ghislaine d’Arschot-Schoenhoven (*10.3.1912,†6.3.1997) in Brüssel.  Das Paar bekam 2 Kinder, die Ehe wurde sehr glücklich. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ er Europa und ging nach Kenia, um als Großwildjäger Karriere zu machen. 

Als Elisabeth dies erfuhr lenkte sie ein. Sie schrieb ihrem Sohn und dieser kam zurück nach Wien, wo sie zwischenzeitlich mit Leopold wohnte. Mutter und Sohn versöhnten sich und so stellte er ihr Ghislaine und die erstgeborene Enkeltochter Stephanie vor. Von nun an schrieben sich die beiden wöchentlich Briefe. 

8 Monate im Jahr verbrachte Franzi weiterhin mit seiner Familie in Kenia, er besuchte seine Mutter allerdings mindestens einmal im Jahr. 

Franz Josef zu Windisch-Graetz starb 76jährig am 1.1.1981 in Nairobi. Er ruht in Nairobi auf seinem ehemaligen Grundstück. 

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck 
Bildrechte: Wikimedia/Commons


Literatur Hinweise:

Friedrich Weissensteiner
Die rote Erzherzogin
Piper Verlag, 1993

Ghislaine Windisch-Graetz
Kaiseradler und rote Nelken
Das Leben der Tochter des Kronprinzen Rudolf
Amalthea Verlag, 1992

Verlobung im Kaiserhaus

Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern

Elisabeth Herzogin in Bayern als Verlobte
dahinter der Starnbergersee
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht?

Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen.

Leider gibt es tatsächlich bis heute (!) Menschen, die diese Szene glauben und auch mich immer wieder fragen, „wo denn dieser Angelplatz in Ischl sei“.

Gerade die Kennenlernszene und alles weitere bis zur Verlobung, ist nichts weiter, als der reine Kitsch und eine hübsche Mär, um den von krisengebeutelten 1950er Jahren ein bisschen Idylle einzuhauchen.

Denn leider sind die Filme bis heute zu viel in den Köpfen der – vor allem Frauenwelt – verankert, die diese glauben und für die volle Realität halten.

Hier also die reale und wahre Geschichte wie Herzogin Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph gewann:

Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag Seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene Herzogin in Bayern

Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene „Néné“ Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890).

Kürzlich hat ein Ludovika Biograph gemeint herausgefunden zu haben, dass die Geschichte mit Néné gar nicht stimme.

Es soll immer schon Elisabeth gewesen sein, die für Franz Joseph bestimmt gewesen sei und alle Historiker würden sich irren.

Schon Egon C. Conte Corti (+2.4.1866, 17.9.1953) hatte 1934 die Geschichte in seiner sehr gut recherchierten Biographie „Elisabeth, eine seltsame Frau“, welche damals noch mit lebenden Augenzeugen gespickt war, aufgegriffen und erzählt.

Er bekam als Einziger Einsicht in mitterweile längst verschwundene, verbrannte oder absichtlich zerstörte Unterlagen und so stützen sich Historiker aus aller Welt bis heute auf seine Bücher.

Vor Conte Cortis Biographie gab es kleinere Bücher oder Erinnerungsblätter welche im Auftrag von Kaiser Franz Joseph direkt nach dem Tode seiner geliebten „Engels-Sisi“ nur intern für seine Familie und als Erinnerung für die Offiziere veröffentlicht wurden.

Tief vergraben in so mancher Bibliothek kann man sie finden und ich habe sie gefunden. Auch hierin ist zu lesen, dass nicht Elisabeth die erste Wahl war, sondern Néné Kaiserin werden sollte.

Foto: Wikimedia/Commons
Sidonie Prinzessin von Sachsen

Doch dem Kaiser gefiel sie nicht, wie zuvor schon die arme Sidonie von Sachsen (*16.8.1834, 1.3.1862), die als Jungfrau sterben musste, weil sie Franz Joseph nicht schön genug war.

Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers. 

Natürlich war Helene in Bayern nicht die schönste Tochter von Ludovika, dies kann auf den Bildern von ihr sogar heute noch gesehen werden.

In vielen Biografien ist sogar zu lesen, dass sie wie eine Bauernmagd ausgesehen hat, sie geschielt habe und generell grobschlächtig war.

Sophie suchte also fieberhaft in ihren eigenen Reihen eine geeignete Braut und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war.

„Die Mutter hat ihn ganz in der Hand, er wird ihr völlig gehorchen. Wer weiß, wie lange noch. Jetzt wird er vielleicht ohne Widerspruch die Braut annehmen, die sie, Sophie, für ihn ausgesucht hat. Schon längst hat sie mit ihrer Schwester in München den Plan besprochen, deren älteste Tochter Néné mit ihrem Sohne Franz Joseph zu vermählen. Das Projekt einer Verbindung mit der schönen und klugen Tochter des Palatins Joseph von Ungarn findet nicht ihrer Billigung.“ (1a)

Anmerkung Petra: gemeint war Erzherzogin Elisabeth Franziska

Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth mit.

Elisabeth wurde als Kind ausschließlich von ihren Eltern, Tanten, Geschwistern usw. „Elise“ genannt.

Aus Elise wurde schön langsam aber sicher Sisi.

Laut Michaela Lindinger, der Hermesvilla-Kuratorin stammt Sisi von Erzherzogin Sophie. Sie soll gemeint haben, eine Kaiserin die „Liesl“ gerufen wurde, könne es nicht geben. Sie soll – wenn es nach Frau Lindinger geht – aus Liesl „Sisi“ gemacht haben.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
kaum bekanntes Bild der 15jährigen Elisabeth im Reitkleid – da im Privatbesitz!
Ölbild: Friedrich von von Kaulbach

Dem widerspricht aber ein Brief von Ludovika an ihre Schwester Königin Auguste von Sachsen von 1853:

„Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich als ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre [Prinz Georg, wohl der zweite Sohn des sächsischen Königs Johann], wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen… hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug“. 1b)

Anmerkung Petra: Elisabeth wurde auf Brautschau nach Dresden geschickt, kam aber ohne Bräutigam nach Hause; worauf hin sich Louise schwere Sorgen machte. Es ist aber eindeutig bewiesen, dass 1 Jahr vor der Verlobung ihre eigene Mutter Elisabeth „Sisi“ nannte.

Warum also Erzherzogin Sophie dafür verantwortlich sein soll, dass aus „Liesl“ – was im übrigen nirgendwo in der Korrespondenz, sondern erstmals 1903 in den „Erinnerungsblättern“ auftaucht, Sisi wurde, ist mir wieder einmal ein Rätsel.

Elisabeth jedenfalls sollte abgelenkt werden. Ihre unstandesgemäße Liebe zu Richard Graf von Schwarzenberg, welcher ihr den Kopf gehörig verdrehte, musste unter allen Umständen verboten werden.

Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Elisabeths Umfeld entfernt. Er wurde zum Militär geschickt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später.

Elisabeth war untröstlich.

Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen -
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (1)

Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie.

Zeit ihres Lebens sollte sie ihren Jugendfreund, der nie näher deklariert wurde, vergessen.

Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Elisabeth als 14jährige; das Erste bekannte Foto von ihr
Foto: Alois Löcherer

Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, 19.5.1896) die Wunden heilen könne.

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Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber

Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus.

Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Elisabeth ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab. 

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Elisabeth Ludovika Königin von Preußen und Firmpatin Elisabeths

Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Ischl.

Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester.

Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter,

Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura (= in Abwesenheit) Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie).

Sie folgte am 13.8.1853 nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Victor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.

Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an.

Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen.

Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen.

Das Unglück nahm seinen Lauf.

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Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum

Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten.

Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht.

Sophie schrieb ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen:

„Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“  (2)

Herzogin Helene wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in

Foto(montage): W. Hain
Souvenir des Verlobungspaares (Der Kaiser wurde größer gemacht).

Sisi.

Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Elisabeth verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest: 

„In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3) 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte
Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853
Elisabeth ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.

Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch:

„Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)

Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern.

Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte

Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah.

Herzogin Elisabeth trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi.

Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern.

Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu:

„Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)

Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Elisabeth bat, wussten alle im Raum Bescheid.

Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.

Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Elisabeth nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde.

Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser

„sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)

Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz:

„Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.

Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Herzogin Elisabeth verlobt hatte. 

Der kleine Ort war außer Rand und Band.

Foto: Wikimedia/Commons
Siriuskogel

Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E.

Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren.

Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Herzogin Elisabeth war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schrieb sie:

„Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)

Ludovika notierte:

„Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)

Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes
Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes

Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ.

Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten.

Elisabeth war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.

Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.

Foto: Wikimedia/Commons
Karl Ludwig Graf von Grünne

Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte.

So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar.

Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.

Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute ein Museum).

Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.

In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen.

So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiservilla

Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen.

Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn.

Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.

Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.

Elisabeth wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet.

Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org

Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben.

Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at

Elisabeth verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete.

Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.

Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch:

„Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.

Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Elisabeth auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt:

„Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10) 

Foto: fuenfseenland.de
Das junge Paar

Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Elisabeths Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen.

Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen.

Das Gerücht, dass Kaiserin Elisabeth schlechte Zähne hatte, hält sich bis heute. Dem ist ebenfalls die Szene aus „Sissi“ geschuldet. Elisabeth hatte mitnichten schlechte Zähne, dies ist auch in ihrem Autopsiebericht bestätigt.

Weiters wurde an Elisabeth herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph

Sie musste stundenlang Modell stehen, ihr war langweilig und sie wurde unruhig. Der teure Schmuck, der aus Wien eintraf, wurde in einer ihrer Schubladen verstaut. In diesem Alter konnte sie mit teurem Schmuck noch nicht viel anfangen.

Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:

Lebet wohl, ihr stillen Räume,
Lebe wohl, du altes Schloß,
Und ihr ersten Liebesträume,
ruht so sanft in Seesschoß.
Lebet wohl, ihr kahlen Bäume,
Und ihr Sträucher, klein und groß,
Treibt ihr wieder frische Keime,
Bin ich weit von diesem Schoß. (12)

Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte 1,5 Tage.

An ihrem 16. Geburtstag, am 24.12.1853, überreichte Elisabeth Kaiser Franz Joseph sein Weihnachtsgeschenk, welches sie vor Possenhofen und Hoch zu Roß zeigen sollte.

Die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer.

60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valérie übergab. Mittlerweile hängt es wieder an jener Stelle, an welcher es 60 Jahre lang hing: über dem ehemaligen Bett von Kaiser Franz Joseph – im Sisi Museum zu sehen.

Foto: dorotheum.com
Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert.
Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel,

Kaiser Franz Joseph schenkte ihr zu ihrem 16. Geburtstag und somit zu Weihnachten ein silbernes Tee-Reiseservice, in welches er ein „E“ mit „Kaiserkrone“ eingravieren ließ, er brachte aus der Menagerie von Schönbrunn einen bunten Papagei mit, über welchen sich seine Verlobte am allermeisten freute und ein Diadem, welches einen Tag vor der Hochzeit für einen kleinen Fauxpas sorgen sollte.

Elisabeths Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen.

Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877):

„Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13)

Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung. 

Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Elisabeths Schmuck und Aussehen.

Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten. 

In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet. 

Doch bevor Elisabeth nach Wien fuhr, gab es natürlich noch einen gebührenden Abschied in München.

Im Depot des Kunsthistorischen Museums Wien befindet sich liegend ein Kleid, welches überaus wertvoll ist. Es kann nicht mehr ausgestellt weden, weshalb eine teure 1:1 Replik angefertig und im Sisi Museum ausgestellt wurde.

Foto: Sisi Museum
„Polterabendkleid“ von Herzogin Elisabeth
Replik

Zu Ehren der Braut wurde am Münchner Hof ein Ball abgehalten. Dieser Ball nannte sich „Winterabend“. Warum das Kleid ausgerechnet bis heute „Polterabend“-Kleid heißt, ist nicht mehr eruierbar.

Denn mit einem „Polterabend“, wie wir ihn heute kennen, hatte der „Winterball“ nichts zu tun.

Das Kleid wird von Martina Winkelhofer im Buch „Sisis Weg“ wie folgt beschrieben:

„Es ist über hundertsechzig Jahre alt und aus weißem Baumwollstoff mit grün-goldenen Einfassungen an Ausschnitt, Ärmeln, Taille und Volant. Über Oberteil und Rock ranken sich zwarte, aus grüner Floss-Seide gestickte Blätter- und Blumenornamente. Inmitten der floralen Ornamente ist ein arabischer Schriftzug eingestickt, der ins Deutsche übersetzt bedeutet: „Oh, mein Herr, welch‘ schöner Traum“.
Der Schnitt des Kleides verrät, dass sein Trägerin von sehr schlanker, zarter Statur war, denn die Taille ist außerordentlich schmal. Auch die Maße des Oberteils und die Ärmelöffnungen verstärken den Eindruck: Das kunstvolle Kleid wurde für ein blutjunges Mädchen geschneidert.“ (14)

Durch den Ausschnitt am Kleid, dass sich „Runde“ nennt, erkennt man, dass dieser für ein Ballkleid für die Wintersaison angefertigt wurde. Kaiser Franz Joseph weilte im Winter 1853 in München.

Das Kleid besteht aus einem Baumwollstoff, welches am Ausschnitt, Ärmeln. Taille und am Volant grün-goldene Einfassungen enthält.

Über dem Oberteil und Rock ranken zarte gestickte Blätter- und Blumenornamente, welche mit Floss-Seide bestickt wurden. Die Blätter stellen „Rebenblätter“ dar.

Diese wurden von verschiedenen Stickerinnen bestickt. Dies ist deshalb ersichtlich, da eine der Stickerinnen die Rebenblätter doppelt und die andere einfach bestickt hatte.

Dies zeigt, dass das Kleid in windeseile fertig werden musste. Die Näherinnen und die Stickerinnen hatten nur knapp 3 Monate Zeit um das Kleid für die Trägerin anzupassen.

Dies alles kann man am Originalkleid erkennen, welches in einem Depot im Kunsthistorischen Museum aufbewahrt wird. Das Kleid ist mittlerweile in so einem schlechten Zustand, dass es nie wieder öffentlich ausgestellt werden kann.

Am Originalkleid erkennt man auch, dass es für eine sehr zierliche, schlanke Person geschneidert wurde.

Das sogenannte „Polterabendkleid“, der Name ist sehr irreführend, wurde vermutlich an jenem Winterabend der Ballsaison in München am Hofe von König Maximilian II von Bayern von Elisabeth getragen.

Dieser Ball wurde zu Ehren der Kaiser-Braut abgehalten, um sie im großen Stil zu verabschieden.

König Maximilian II war der Onkel von Herzogin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph. Sein Vater König Ludwig I von Bayern war der (Halb)Bruder von Erzherzogin Sophie und Herzogin Ludovika. Einige Historikerinnen gehen aber auch davon aus, dass der Ball im Frühjahr abgehalten wurde.

Dies passt aber mit dem „runden“ Ausschnitt des Kleides nicht zusammen. Der Ausschnitt war ausschließlich für die Wintersaison bestimmt, weshalb es jener Ball sein musste, an welchem auch Kaiser Franz Joseph teilnahm und seine Braut mit seinem Kommen überraschte. Da es keinen Polterabend, wie wir es heute kennen, gab, ist der Name des Kleides äußerst irreführend.

Wieso sich dieser Name in der Historie festgesetzt hat ist leider nicht bekannt.

Besonders hervorzuheben sind die arabischen Schriftzüge welche auf dem Kleid (ebenfalls per Hand) eingestickt wurden.

Diese bedeuten:

„Oh mein Herr, welch‘ schöner Traum.“

Dies deswegen, da eine junge Herzogin aus niedrigem Adelsstand zur Kaiserin gemacht wurde.

Wer den Ton im Video anmacht, hört ein Gedicht von Herzogin Elisabeth, welches sie vor ihrer Abreise nach Wien schrieb.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Es ist daher anzunehmen, dass beide (!) auf diesem Ball zugegen waren und Kaiser Franz Joseph seine Braut am Ball mit diesem Winterballkleid erblickt hat.

Somit verbrachte Kaiser Franz Joseph nicht nur den 16. Geburtstag mit seiner Braut, sondern auch Weihnachten. Er brachte „weiße Rosen“ als Geschenk von Erzherzogin Sophie mit. Es ist nicht ganz überliefert, ob dies ein „Kranz“ oder „Strauß“ war, hier streiten sich die Historiker in beinahe jedem Buch.

Schwierig waren die Rosen auf jedenfall, denn diese mussten extra verpackt werden, da der Winter 1853 besonders kalt war und sehr viel Schnee lag.

„Wien, 20.December 1853
Liebe Eva!(*)
Heute um 2 Uhr vor Tisch besuchte mich Erzherzog Carl um Abschied zu nehmen. Er reist diesen Abend 10 Uhr nach Lemberg auf seinen Posten und bleibt bis zur Vermählung des Kaisers dort. Erzherzog Max ist in Triest und Seine Majestät reisten heute nach München. Die vortreffliche Erzherzogin Sophie ist beinahe verweist, aber schöne Hoffnungen bleiben ihr, zieht erst die Kaiserbraut in Wien ein. Gott erfülle alle Hoffnungen!
Deine Sophie. (15)

Und am 8.Jänner 1854 ist zu lesen:

„Wien, 8.Jenner 1854
Liebe Eva!
Der Kaiser soll sehr heiter und zufieden von seiner beglückenden Reise zurückgekehrt sein und sich wie ich höre vorgenommen haben diesen Carneval nicht zu tanzen, was seinen ritterlichen Gefühlen sehr entspricht.“

Deine Sophie (16)

Doch mit den überreichten Blumen zogen dunkle Wolken über Elisabeth auf. Beigefügt lag ein Brief, in welchem Erzherzogin Sophie auch einen Rosenkranz legte und Elisabeth aufforderte, ab sofort mehr zu beten. Gleichzeit bat sie darum, nicht mehr „Tante Sophie“ und „Du“ zu ihr zu sagen, sondern „Erzherzogin Sophie“ und „kaiserliche Hoheit“.

Kaiser Franz Joseph und seine Brüder waren Zeit ihres Lebens mit ihren Eltern per Sie. Dies war durchaus ein Umstand, der sich durch alle Jahrhunderte zog, also definitiv nicht unüblich war. Das bayrische Königshaus war diesbezüglich bereits „lockerer“ und so durften die Kinder mit ihren Eltern per Du sein. Als Tante und Nichte stand dies also – im Grunde – auch Elisabeth zu. Doch ab sofort, wurde die förmliche Anrede gefordert, das erste Zeichen, dass Elisabeth unter dem strengen Kuratel von Erzherzogin Sophie stand.

Hochzeitseinladung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte der gesamte Wiener Hof und eine zitternde Elisabeth, welche mit den Nerven völlig am Ende war, stieg im April 1854 auf ein Schiff Richtung Wien.

Den Beitrag zur Hochzeit könnt ihr sowohl unter Kaiserin Elisabeth, als auch unter Kaiser Franz Joseph, in der jeweiligen Kategorie lesen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
„Die Rose aus dem Bayernland“ Herzogin Elisabeth als Verlobte
nicht so gelungene Replik des Originals von Anton Einsle, 1854
Dieses Bild hängt zur Erinnerung an die Anwesenheit der Braut Elisabeth im Landhaus Linz –
kann nicht öffentlich besichtigt werden!

Petra Schimbäck

(*) Wichtige Anmerkung:
In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, †3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, †23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, †7.3.1855) geheiratet.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.

Bis heute zum Beispiel konnte ich keine Daten von Sophie Gräfin von Scharnhorst auffinden. Sie ist auch Thema im Beitrag „Spanisches Hofzeremoniell – Hofetikette“.


Rechtliche Hinweise:

Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Bildrechte: Wikimedia/Commons, dorotheum.com, fuenfseenland.de, anno.onb.ac.at, oocities.org, Peter Füssl, Sisi Museum, W. Hain, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise: 

1a – S 23
E.C.Conte Corti
Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heyne Verlag, 15. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

1 – S 30, 1b – S. 18, 2 – S 31, 3 – 4 – S 32, 5 – S 34, 6 – 7 – S 35, 8 – S 38, 9 – S 37, 11 – S 47, 12 – S 48, 13 – S 52 
Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992

10 – S 153 
Ingrid Haslinger 
Erzherzogin Sophie Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 1. Auflage, 2016 

14 – S.72
Martina Winkelhofer
Sisis Weg
Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeths erste Jahre am Wiener Hof
Piper Verlag, 1. Auflage 2021

15 – S.259/60, 16 – S.260
Hofdamen-Briefe
Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Gesammelt von B.von.S.
Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)