August 2018, als wir gerade einmal 8 Monate als Sternenkaiserin zusammen waren, plante ich eine Reise durch Niederösterreich. Es war eine 4-Schlösser Tour.
Begonnen hatte die Tour mit Schloss Wallsee, später ging es am selben Tag weiter zum Wasserschloss Totzenbach.
Tags darauf fuhren wir zum Renaissanceschloss Greillenstein und wieder einen Tag später zum Schloss Ruegers, dass uns bis in den September 2020 begleiten sollte.
Immer wieder waren wir im Letzteren zu Gast. Mittlerweile gibt es das Schloss Ruegers genauso nicht mehr, wie uns. Schloss Ruegers schloss zwar 2019 seine Pforten, ließ uns aber immer wieder shooten, das letzte Mal im September 2020. Im April 2021 trennten wir uns, im September 2021 wurde Schloss Ruegers verkauft.
Seit dem gibt es im Internet statt die Sternenkaiserin, die Mythos Kaiserin Elisabeth Seite. Die Beiträge zu den restlichen Schlössern habe ich gelöscht, da die mit Kaiserin Elisabeth nichts gemeinsam hatten.
Auch wenn im Renaissanceschloss Greillenstein eine gebürtige Elisabeth Prinzessin von Bayern, verheiratete Elisabeth Gräfin von Kuefstein lebt, hat das Schloss per se nichts mit Kaiserin Elisabeth zu tun. Gräfin Kuefstein stammt im übrigen von der Linie Erzherzogin Marie Valérie ab.
Schloss Wallsee hat deshalb etwas gemeinsam mit Kaiserin Elisabeth, da hier ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie mit ihrem Mann lebte.
Ich erspare euch die Einzelheiten zu Bauzeit, Bauherren und Grundrissen. Diesen Teil des Beitrages von Sabine habe ich gelöscht. Fakt ist, 1895 kaufte Erzherzog Franz Salvator das Schloss von Alfred Herzog Sachsen-Coburg und Gotha, da das Wasserschloss Lichtenegg in Wels aus allen Nähten platzte.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Schloss Lichtenegg, Wels
Bei 4 Kindern stand Kaiserin Elisabeth an Valéries Seite.
Sabine Rossegger ehemalige Sternenkaiserin:
Das Schloss war allerdings nicht im besten Zustand, als es Franz kaufte.
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Valerie und Erzherzog Franz Salvator
Das gesamte obere Geschoß war zu dem Zeitpunkt unbewohnbar, im Westteil des Schlosses waren alle Decken und Gewölbe in derart schlechtem Zustand, dass sie nicht mehr zu retten waren und daher erneuert werden mussten.
Ebenso mussten alle Fenster, Fußböden, Türen und die Holzstiege repariert werden, so auch das Dach. Der gesamte heutige Verputz wurde damals aufgebracht.
2 Jahre lang wurde das Schloss renoviert, bevor Erzherzogin Marie Valerie (*22.4.1868,†6.9.1924) und Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) und die immer größer werdende Familie am 4.9.1897 einzogen.
Die Bevölkerung des kleines Ortes freuten sich sehr über den Zuzug, galt die Kaisertochter für wohltätig und wohlwollend der Bevölkerung gegenüber.
Bald schon hatte sie den Beinamen
„der Engel von Wallsee“
Als Kaiserin Elisabeth das erste Mal zu Gast war, beschrieb dies Hofdame Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863,†3.9.1940) wie folgt:
„Am 28. September (1897) verließen wir Meran und waren am nächsten Morgen in Wallsee, im neuen Heim der Erzherzogin Valérie. Die erzherzogliche Familie war erst vor kurzem hierher übersiedelt und es ist daher natürlich, dass die Kaiserin das herrliche Schloß und dessen Einrichtung mit größtem Interesse und auf das eingehendste besichtigte. Wallsee übertraf alle unsere Erwartungen. Unser kurzer Aufenthalt war ein würdiger Abschluß dieser mit mancherlei angenehmen Erinnerungen verknüpften Reise, für deren prächtigen Erfolg am besten die freudige Überraschung sprach, die Seine Majestät bekundete, als er im Ofener Bahnhofe meine teure Kaiserin von mir übernahm.“ (1)
Das Schloss befindet sich nach wie vor im Besitz der Familie Habsburg-Lothringen und wird auch von ihr ständig bewohnt.
Zur Zeit von Ing. Andreas & Margaretha Habsburg Lothringen (Ur-Enkelin von Marie Valérie und Ur-Ur-Enkelin von Kaiserin Elisabeth) und deren 3 Kindern.
Foto: Prinz Barbara gothische KapelleFoto: Prinz Barbara Standesamt
Das Schloss ist nicht öffentlich zugänglich!
Foto: Prinz Barbara
Den Besuch in Wallsee hatte Petra bis ins letzte Detail geplant, die Kleiderauswahl, den Hut – ein Originalstück aus 1897, ja sogar der Schirm – alles war von ihr festgelegt und vorgeplant.
Nichts wurde dem Zufall überlassen und wurde auf das Jahr abgestimmt 1897 in dem die Kaisertochter nach Wallsee zog.
Als wir auf das schwere schmiedeeiserne Tor zuschritten, an dem weithin sichtbar die Wappen von Marie Valerie und Franz Salvator erkennbar sind, öffnete es sich uns wie von selbst.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: Prinz BarbaraFoto: Prinz BarbaraFoto: Prinz Barbara ehemalige ReithalleFoto: Prinz Barbara ehemalige GärtnerhausFoto: Prinz Barbara Mosaik am Burgturm
Am Eingang wurden wir von Margaretha Habsburg-Lothringen der Ur-Ur-Enkelin von Marie Valérie und ihrem jüngsten Sohn Alexander begrüßt.
Wir spazierten durch den Garten die lange Auffahrt zum Schlosstor entlang, an deren rechten Seite ist noch die steinerne Reithalle erhalten.
Durch das große Haupttor des Burgturms, auf dessen großen Mosaik die Brüder Eberhard und Heinrich von Wallsee dargestellt sind, gelangten wir in den großen Innenhof des Schlosses.
Foto: Prinz Barbara 1. Innenhof, Schloss WallseeFoto: Prinz Barbara 2. Innenhof, Schloss Wallsee
Durch ein weiteres Tor gelangten wir in einen zweiten, kleineren Innenhof in dem sich heute noch die privaten Wohnräume der Familie befinden.
In einer Ecke dieses Innenhofes steht ein alter Brunnen, der an die Zeit erinnert, als noch mit Holzleitungen das Wasser ins Schloss transportiert wurde.
Betritt man das Schloss, glaubt man, die Zeit wäre stehen geblieben.
Foto: Prinz Barbara Bisquitstatute von Gödöllö Kaiserin Elisabeth
Foto: Prinz Barbara Lebensgroß Erzherzog Franz Salvator
Das zweite Schloss erinnert eher an eine Burg aus dem Mittelalter und so ist der Innenraum eher dunkel und das dunkle Mahagoni und die kleinen Fenster, durch das die Sonne drang, erhellten den Raum nicht sonderlich.
Im gesamten Gebäude ist die kaiserliche Familie allgegenwärtig.
Petra entdeckte sogar eine Statuette vom Denkmal aus Gödöllö.
Kaiser Franz Joseph ließ von den schönsten Denkmälern kleinere Repliken anfertigen und verteilte diese in der Familie und an seine engsten Vertrauten.
Foto: Prinz Barbara
Deshalb gelangen solche Statuetten auch immer wieder z.B. ins Dorotheum Wien.
Eine Vitrine mit Andenken an die Kaiserin erinnert an deren Besuche bei ihrer Tochter (Anmerkung Petra: aus Respekt zeige ich diese Fotos nicht).
Am oberen Treppenende erinnert ein lebensgroßes Gemälde an Erzherzog Franz Salvator.
Danach war unser Besuch auch schon wieder vorbei und wir verabschiedeten uns von Margaretha Habsburg, ihrem Mann Andreas und den Kindern, die nach und nach von der Schule nach Hause kamen.
Sabine Rossegger
Nachwort Petra:
Nach dem Tod ihrer geliebten Mutter versuchte Valérie gemeinsam mit ihrer Schwester Gisela Prinzessin von Bayern (*12.7.1856,†27.7.1932) den trauernden Kaiser zu trösten.
Er war gerne in Wallsee zu Gast war, um dort mit seinen Enkelkindern Zeit zu verbringen.
Foto: Wikimedia/Commons Die gesamte Familie; ca. 1905
Foto: Wikimedia/Commons Unterm Weihnachtsbaum in Wallsee, Zeitungsillustration, 1916
Am 10.12.1918 verstarb Erzherzog Franz Karl, der älteste Sohn von Valérie, im Schloss Wallsee an der Spanischen Grippe. Zuvor hatte sie ihn noch aufopferungsvoll gepflegt.
In der Entbehrungsreichen Nachkriegszeit half der „Engel von Wallsee“ der Bevölkerung wo sie konnte und versorgte diese mit Essen, Kleidung und Medikamenten.
Leider erkrankte sie selbst an Lymphdrüsenkrebs.
Erzherzogin Marie Valérie starb am 6.9.1924 im Kreise ihrer Familie in Wallsee.Sie ruht am örtlichen Friedhof von Sindelburg-Wallsee.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Sohn Theodor Salvator (*9.10.1899,†8.4.1978) übernahm nach dem Tod seiner Eltern Schloss Wallsee. Seit dem ist es immer noch im Familienbesitz.
Erst ein Anruf des Heimatmuseumleiters von Wallsee und eines aufmerksamen Lesers meines Blogs, führten zufällig – zeitgleich (!) – zum gewünschten Ergebnis.
Im Ort Wallsee entdeckte ich ein Denkmal von Kaiser Franz Joseph, dass mich jahrelang zum Staunen brachte und sich erst im Jahr 2022 auflöste. Seit 2018 stand ein von mir gedrehtes Video falsch im Netz und obwohl ich auf dem Gemeindeamt von Wallsee nachfrug, was es mit dem „falschen“ Datum auf dem Kaiser Franz Joseph Denkmal auf sich hatte, bekam ich keine Antwort.
Auch Umfragen in nahegelegenen Geschäften, im Gasthaus usw. ergab kein Ergebnis.
Es gibt ein Kaiser Franz Joseph Denkmal mit dem „falschen Sterbejahr“.
Fotos: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Kaiser Franz Joseph Denkmal, Wallsee Fotos: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Kaiser Franz Joseph Denkmal, Wallsee Fotos: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Kaiser Franz Joseph Denkmal, Wallsee
In Wirklichkeit soll das ein Jubiläumsjahr gewesen sein, der in Wallsee mit einem Denkmal gefeiert wurde. Leider hat man es bis heute (!) versäumt eine Tafel mit der Erklärung aufzustellen. Die Menschen vor Ort wissen nichts (!) über das Denkmal und so glaubt jeder Besucher, dass dies das „falsche Sterbejahr“ anzeigt.
Schade, dass man bis heute diese Information nicht direkt beim Denkmal angibt.
Petra Schimbäck
Rechtliche Hinweise:
Vorwort + Nachwort + Layout: Petra Schimbäck Recherchen: Petra Schimbäck Text + Recherchen: Sabine Rossegger Bildrechte: Prinz Barbara, Wikimedia/Commons, habsburger.net, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Literatur Hinweis:
1 – S 166, Irma Gräfin von Sztáray Aus den letzten Jahren der Kaiserin Elisabeth Amalthea Verlag, 3te Auflage, 2005
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth Bild: F.X: Winterhalter
– wie soll man aufbegehren, wenn man kaum atmen kann?
Dieses Zitat in der InStyle Dezember 2025 von Zoë Bleu war die Inspiration für mich, euch diesen Beitrag zusammenzustellen, den es in ähnlicher Form bereits einmal gab.
Das gesamte Zitat lautet:
„Das Korsett aus dem 19. Jahrhundert, die Mina trägt sind optisch toll, aber sehr einengend für den Körper. Aber das war damals natürlich Sinn der Sache. Frauen wie Mina sollten kleingehalten werden – wie soll man aufbegehren, wenn man kaum atmen kann?
Zoë Bleu (Tochter von Patricia Arquette) spielt die Doppelrolle von „Mina & Prinzessin Elisabeta“ im neuen Dracula-Film „Dracula – Die Auferstehung“.
Natürlich geht es hier nicht um Filmkleidung, sondern um die echte, reale Kleidung jener Person, um die es hier immer geht: Kaiserin Elisabeth
Jedoch stimmt das Zitat mehr, als man jemals das 19. Jahrhundert beschreiben konnte. Es gilt für alles: es gab keine Rechte für die Frauen! Sie hatten Schön zu sein, Kinder zu bekommen, sich karitativen Zwecken kümmern (sofern überhaupt schon vorhanden) und das Wichtigste überhaupt: Still zu sein!
Die Schönheit der Kaiserin wird ein eigenes Thema darstellen, ebenso das Frauenbild des 19. Jahrhunderts, welches ihr allerdings schon als #1 Folge des Podcasts „Sisi – der Podcast“ anhören könnt.
Deshalb widme ich diesen Beitrag der Qual des Korsetts, der Krinoline und der Tournüre.
Aber natürlich muss ich auch hierzu weit ausholen, denn das Modethema ist komplex.
Foto: Wikimedia/Commons Charlotte Prinzessin von Belgien, 3jährig Bild: F.X.Winterhalter
Wir beginnen mit der Kindheit von Herzogin Elisabeth, welche bestimmt wurde durch die Mode des Biedermeiers, man verzichtete teilweise auf das Korsett, oder zumindest auf eine übermäßig feste Schnürung .
In unserer Zeit können wir auf Instagram und Co Accounts folgen, auf welchem Töchter und Mütter die gleichen Kleider tragen. Das „mini me“ sozusagen. Doch das ist keine Erfindung der Social Media Kanäle, dies gab es schon immer und vor allem in den vergangenen Jahrhunderten. Die Töchter aus adeligem Haus oder gutem Bürgertum, wurden wie die großen „Vorbilder“ Mutter eingekleidet. Selbstverständlich immer von Bediensteten!
Foto: Wikimedia/Commons Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Gisella
Die weiten Röcke der Kleider waren kurz, so dass die mit Rüschen und Spitzen verzierten Beinkleider sichtbar waren und zumindest ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit erlaubten.
Foto: Wikimedia/Commons
Die Buben trugen lange Hosen und darüber ein kurzes Kleid. Wer es sich leisten konnte, kleidete seinen Sohn mit einem Matrosenanzug, der uns das gesamte restliche 19. Jahrhundert als beliebtestes Kleidungsstück für Knaben begleiten wird.
Die Damenmode veränderte sich etwa ab der Mitte der 1830er Jahre wesentlich und zeichnete sich durch eine Silhouette aus, die vor allem ein kegelförmiger, weiter Rock ausmachte.
Der wiederum wurde durch eine Vielzahl von Unterröcken in eine immer breitere Form gebracht.
Foto: Wikimedia/Commons
Ab etwa 1835 wurde wieder eine deutliche Taillenbetonung sichtbar, denn auch die Biedermeier-Mode änderte sich innerhalb ihrer Epoche.
Durch das Korsett rückte die Taille wieder optisch an ihren Platz und wurde so im Vergleich zur Zeit des vergangenen Empire-Stils, in der sie gar nicht zu sehen gewesen war, wieder sichtbar.
Reifröcke und Korsetts waren ab sofort wieder Kleidungsteile, die in keinem Fall fehlen durften, um die Weite der Röcke zu erreichen und außerdem eine schlanke Taille zu vermitteln.
Das absolute Highlight dieser Zeit waren jedoch die ausgefallenen Ärmeln.
Man nannte sie nicht nur Ballon- bzw. Schinkenärmel oder sogar Hammelkeulenärmel, sie sahen auch tatsächlich so aus. Um diese aufgebauschte Form zu erreichen, musste man diese Ärmel mit Rosshaar- und/oder Fischbeinstäbchen verstärken. Über diesen Unterbau drapierte man dann den Stoff, der in Falten gelegt wurde. Einen ähnlichen Faltenwurf hatte das Kleid dann auch am Dekolleté.
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Sophie
Die verwendeten Stoffe waren gemustert. Man bevorzugte Karos, Streifen und auch diverse Blumenmuster.
Einfarbige, glänzende Stoffe waren für die Abendgarderobe bestimmt. Dafür wurden dann hauptsächlich Seidenstoffe oder andere edle Materialien verarbeitet.
Was aber besonders charakteristisch für diese Mode war die Schute.
Foto: Wikimedia/Commons
Ein Hut der unter der Kinnpartie mit Bändern gebunden wurde, so dass eine Schleife entstand. Die Krempe das Gesicht. Es gab die Schute aus geflochtenem Stroh oder aus Stoff. Die Hüte aus Stoff hatten einen Unterbau aus Drahtgestell, über das der Stoff gespannt wurde. Je nach Jahreszeit wurden die Hüte sogar wattiert oder mit einem wärmenden Polster ausgestattet. Solche Hüte wurden aufwendig mit Blumen und Federn, mit Früchten und Tüll verziert.
Zu allen Zeiten versuchte man den weiblichen Körper der Mode anzupassen, anstatt wie es in vielen Fällen bestimmt gesünder gewesen wäre, die Mode an den Körper der Frau anzupassen. Es war also nicht „nur“ Kaiserin Elisabeth, welche Wert auf eine schmale Taille legte. Generationen von Frauen taten dies vor ihr. Nur ihr, wird das immer noch – bis heute (!) – vorgeworfen!
Wenn ihr nicht wisst, wie man eine Wespentaille von 50 cm bekommt, dann werde ich euch das jetzt ein wenig erklären.
Die Definition für das Korsett lautet: „als Korsett bezeichnet man ein steifes, zur Unterkleidung gehöriges Kleidungsstück, dass eng am Körper anliegt, und diesen den jeweiligen Modelinien entsprechend formt“
Das Wort Korsett wurde in Frankreich geboren. Aus dem lateinischen „corpus“ wurde der Körper frz. „le corps“ zu „le corpsette” verkleinert, um diesem Kleidungsstück einen eigenen Namen zu geben und daraus entstand schließlich „le corset“.
Oft werden auch die Begriffe Schnürleib, Schnürbrust und Mieder genannt, der Unterschied besteht darin, dass Schnürleib bzw. Schnürbrust als eigenständiges Kleidungsstück unter der sichtbaren Kleidung getragen, das Mieder jedoch als sichtbares Kleidungsstück außen getragen wurde. Wir kennen es heute vor allem in der Trachtenmode immer noch.
Auch wenn es in der Antike nicht üblich war, fand man Hinweise, dass an hohen Feiertagen korsettähnliche Kleidungsstücke getragen wurden.
Foto: muellerundsohn.com
Auf Knossos fand man eine Statuette der Schlangengöttin, das Besondere daran ist ihre dargestellte Kleidung. Sie zeigt eine stark geschnürte Taille durch eine Art Mieder, welches die nackten Brüste fest umschloss und zum anderen die Aufteilung in Rock und Oberteil, eine Ausnahme in dieser Zeit.
Die Griechen und Römer verwendeten Bänder und Gürtel, um die Taille schmal und den Busen hoch zu halten.
Man unterschied zwischen:
1. Brustbänder, die über dem Hemd getragen wurden 2. Brustbänder, die direkt auf dem Körper getragen wurden 3. Bänder (Gürtel), die um die Taille gelegt wurden
Im Mittelalter trug man möglicherweise korsettartige Unterwäsche, die nur zur Haltungskorrektur, aber nicht zur Körperformung diente. Man verwendete Leibbinden um den Körper zu formen und den Busen zu heben. Die Kleider wurden mit aussenliegenden Schnürwerk zusätzlich in Form gebracht.
Im 15.Jahrhundert war das Schnürmieder noch relativ weich. Es bestand aus verzierten Baumwollstoffen oder aus Ziegenleder und wurde mit Bändern geschnürt. Es endete unter der Brust und reichte knapp bis zur Hüfte.
Ab 1500 n.Chr. wurde das Mieder aus zwei oder mehreren Schichten gestärkten Leinens mit Fischbein-, Eisen oder Holzschienen versteift um zusätzlichen Halt zu erreichen, in die vordere Mitte wurde das Blankscheit, ein oftmals kostbar verziertes Holzstück eingeführt.
Dieses versteifte Oberteil nannte man in Frankreich cors, im neufranzösischen dann corps.
Foto: Wikimedia/Commons Queen Eliszabeth I. *7.9.1533, Greenwich; †24.4.1603, Richmond
An kleinen angenähten Ösen konnte man die Strümpfe befestigen. Die vordere Mitte nannte man Schneppe, sie lief spitz zu. Manche Modelle drückten die Brüste flach mittels eingearbeiteter Bleiplatten und sollte somit die weibliche Form aufheben.
Aus dem 16., Anfang 17. Jahrhundert ist bekannt, dass es auch aus Eisen geschmiedete und mit Samt ausgelegte Korsettmodelle mit eingearbeiteter Brust oder unterhalb des Busens endend, gab. Diese Metallkorsetts dienten aber eher medizinischen Zwecken.
Bis zur französischen Revolution blieb diese Form annähernd gleich, wobei man damals nicht von einem Korsett sprach, sondern von einer „Schnürbrust“ oder „steifen Mieder“.
Foto: muellerundsohn.com
Zu Beginn der Barock (ca. 1615-1715) bekam der bis dahin flach geschnürte Busen wieder mehr Bedeutung, durch eingearbeitete Rundungen und teilweise sogar Polsterungen wurde er nun wieder bewusst betont.
Die Dekolletés wurden immer tiefer, so dass man gegen Ende des 17. Jahrhunderts fast vollständig entblößte Brüste hatte. Eigens eingearbeitete „Steißrollen“ dienten dazu, die ausladenden, schweren Röcke zu stützen. Die Modelle dieser Zeit wurden bereits aus kostbareren Materialien hergestellt und mit Rohr oder Fischbein verstärkt.
Foto: muellerundsohn.com
Mitte des 17. Jahrhunderts trug man zb in Spanien das Korsett sichtbar als Oberteil des Kleides. Es hatte eine überlange spitze Schneppe und war in der Brustmitte stark ausgepolstert, um eine gerade Fläche zu erzielen. Ein solches Stück reichte von der Hüfte bis zur Achsel und glich eher einer Rüstung als heutiger Unterwäsche.
Der Unterschied zu späteren Modellen liegt hauptsächlich darin, dass man bei der sogenannten Schnürbrust jedes Mal die Kordel zur Gänze entfernen musste.
Im Rokoko (ca. 1715-1790) kam der Beruf des Tailleur de corps à baleine (Fischbeinleibschneider) auf, man entwickelte bessere Passformen durch die Verlängerung über die Hüfte und das Einsetzen von Laschen um den Körper gezielter zu formen. Zu dieser Zeit wurde die Schnürbrust wieder hauptsächlich als Untergewand getragen.
Foto: muellerundsohn.com
Mehrlagiges Leinen durch eng aneinander liegende Stäbe versteiften es fast vollständig, in der vorderen Mitte wurde nach wie vor ein Blankscheit eingesetzt. Die Oberbekleidung bestand aus Brokat, Seide, Satin, Atlas und Spitze und wurde mit Goldstickerei verziert.
In England distanzierte man sich zum französischen Modestil und begann nur noch am Rücken und auch nicht mehr ganz so straff zu schnüren
Während des Klassizismus (ca. 1789–1814) wurde, auch durch die französische Revolution das Korsett so gut wie abgeschafft und man trug lediglich einen Brustgurt. Ab 1810 bevorzugte man dehnbare Untermieder aus Baumwolltrikot.
Foto: muellerundsohn.com
Im Biedermeier wurde das Korsett schon bald zum gesellschaftlichen Ausdruck von Moral und Anstand und somit zum zwingenden Bestandteil jeglicher Damengarderobe.
Vom Hochadel bis zum Mittelstand schnürten sich die Damen auf bis zu 40 cm Taillenumfang. Das Korsett wurde als eigenständiges Wäschestück nur noch unter dem eigentlichen Kleid getragen, war aber dennoch aufwendig verstickt oder bestickt. Es reichte weiterhin über die Hüfte, die nun durch angepasste Zwickel noch stärker geformt werden konnte. Insgesamt bestand ein solches Korsett aus bis zu 13 Einzelteilen. Ab 1828 wurden die Schnürlöcher, die bisher mit Seidenfäden umnäht wurden durch Metallösen verstärkt.
Foto: muellerundsohn.com
Man ersetzte das hölzerne Blankscheit durch ein zweigeteiltes mit Haken und Ösen versehenes Metallstück, wodurch das An- und Ausziehen wesentlich erleichtert wurde!
Wurde ein Korsett bisher maßangefertigt, begann man nun, sie industriell herzustellen und sie zusätzlich durch Dampf in Form zu pressen.
Gegen Ende des 19. Jahrhundert wurden Federstahlbänder, Stahlspiralen oder Hornstäbe dazu verwendet den Körper in Form zu zwingen. Durch die industrielle Fertigung wurde das Korsett zur Massenware und somit für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich. Eigene Webtechniken ermöglichten die Fertigung in einem Stück wodurch der Tragekomfort durch das Wegfallen störender Nähte erheblich stieg.
Foto: muellerundsohn.com
Das Aufkommen der Krinoline ließ das Formen der Hüfte unnötig werden und somit wurde auch das Korsett wieder kürzer! Die Korsettstäbe in Vorder- und Rückenteil waren in der Taille stark konkav gebogen und verstärkten somit den Eindruck der Wespentaille zusätzlich.
Die Erfindung der Nähmaschine 1863, löste die Webtechnik ab und revolutionierte die Korsettfertigung, da die aus Einzelteilen zusammengenähten Korsetts eine wesentlich höhere Passform aufwiesen und preiswerter in der Herstellung waren. Man achtete mehr auf Hygiene und begann das Korsett über einem weiterem Wäschestück zu tragen.
Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erwies sich Fischbein, das aus den Barten des Wales gewonnen wurde, als ideales Versteifungsmaterial. Dieses sehr steife und zugleich biegsame Material trug nicht unwesentlich dazu bei, dass diese großen Meeressäuger gejagt wurden.
Zwischen 1870-1890 änderte das Korsett erneut die Form, die „Kürass Taille“ war höher gelegen und sehr lang gezogen. Es war vorne stark verlängert und schloss den Bauch rund ein, auch die Hüften wurden wieder mit geformt, da die Kleider nun enger wurden.
Foto: muellerundsohn.com
Die Brust wurde bewusst angehoben um die Taille optisch weiter zu verlängern, dadurch benötigte man ein eigens entwickeltes Löffelblankscheit aus Metall um ausreichend Stützung zu erhalten. Die ideale Taille lag zu dieser Zeit zwischen 43 und 53 cm!
In der Zeit des Belle Epoche bekam das Korsett eine gerade Form, die sogenannte „Sans Ventre“ (frz. ohne Bauch) Korsettform. Diese wurde als S-Linie bekannt, da sie den Körper in eine S-förmige Haltung zwang.
Foto: muellerundsohn.com
Der Oberkörper wurde dadurch nach vorne gedrückt und man so ins Hohlkreuz gezwungen wurde, was wiederum das Gesäß zusätzlich betonte! Am Korsett waren zu dieser Zeit direkt Strumpfhalter angebracht.
Spätestens mit Ausbruch des ersten Weltkrieges war auch dieses Korsett endgültig Geschichte und machte so Platz für moderne Damenunterwäsche.
Welche Auswirkungen diese Art der Mode auf den weiblichen Körper hatte, kann man noch anhand von erhaltenen, anatomischen Zeichnungen erahnen.
Der Brustkorb verformte sich, Organe verschoben sich nach oben und unten. Besonders wenn bereits während der Wachstumsphase mit dem Tragen eines Korsetts begonnen wurde!
Die Folgen waren Deformierungen im Brust und Bauchbereich, Kurzatmigkeit durch die Bewegungseinschränkung des Brustkorbes bei der Ein- und Ausatmung. Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule durch Verlust der Rückenmuskulatur, da das angelegte Korsett ja eine Haltefunktion übernahm, die ohne nicht mehr gegeben war.
Foto: vitorianssecret.com
Der eine ohne andere Ohnmachtsanfall war sicher dem Tragen des Korsetts geschuldet.
Auch heute noch gibt es einige wenige Damen die sich freiwillig diesem extremen Modediktat längst vergangener Zeiten unterwerfen.
Je länger man ein Korsett trägt, desto mehr verformt sich natürlich auch der Körper. Die Organe rutschen nach oben bzw. unten, die Rippen derfomieren sich und auch die Wirbelsäule wird belastet. Damen, so auch Kaiserin Elisabeth, die täglich mehrere Stunden lang ein Korsett trugen, mussten dieses ununterbrochen tragen, also auch nachts. Es gab keine andere Möglichkeit mehr, den derformierten Körper anders zu stützen.
Auch hier möchte ich betonen, dass dies Kaiserin Elisabeth nicht zum Spaß tat, sondern, dass sie dazu gezwungen wurde. Dieses Schönheitsideal wurde von jeder Frau im 19. Jahrhundert verlangt!
Ethel Granger besaß die wohl schmälste dokumentierte Taille mit 13 Zoll bzw 33 cm Umfang!
Zum Vergleich: Die Taille von Kaiserin Elisabeth betrug 50 cm!
Foto: peoplestrive.com Cathie Jung In The Guinness Book Of Records
Den zweifelhaften Weltrekord an einer lebenden Frau, hält die Amerikanerin Cathie Jung, die sich zu besonderen Anlässen auf 38 cm Umfang schnürt.
Nun war das Korsett aber nur der formgebende Teil der Unterbekleidung und längst nicht das Einzige was eine Dame „darunter“ trug.
Als unterste Schicht trug man eine Chemise, eine Art Unterhemd, als Schutz für das Korsett, dieses „Unterkleid“ wurde oft auch als Nachtgewand verwendet. Man trug es Tag und Nacht, am nächsten Morgen legte man ein Neues an.
Foto: neheleniapatterns.com
Natürlich immer abhängig von Stand und finanziellen Mitteln, so war es durchaus nicht ungewöhnlich das diese Wäschestücke 2 bis 3 Tage oder manchmal auch länger getragen wurden. Gefertigt wurde dieses Wäschestück meist aus feinem Leinen, oftmals mit Biesen und Spitzen verziert. Am Halsausschnitt wurde ein Zugband einzogen, um die Passform zu optimieren.
Die Unterhosen der damaligen Zeit waren, wohl auch auf Grund der Reifröcke im Schritt offen, um den Damen den Gang zur Toilette zu erleichtern.
Auch heute noch, erweist es sich als vorteilhaft auf ein solches „offenes Beinkleid“ zu setzen, wenn man Korsett und Krinoline trägt. Ihr könnt mir glauben, eine „moderne Unterhose“ unter ein geschnürtes Korsett zu stopfen und das unter einer Vielzahl von Unterröcken, dazu noch Krinoline und Kleid in einem viel zu kleinen WC, ist beinahe unmöglich!
Da die Beine des guten Stücks recht weit geschnitten sind, überlappt der Stoff derart, dass es weder kalt wird, noch in irgendeiner Weise unangenehm zu tragen ist.
Auch hierbei wurden oftmals Biesen als Verzierung an den Beinabschlüssen angebracht, Spitzen waren Geschmackssache und mit Sicherheit auch eine Geldfrage. Die Hose wurde am Rücken durch ein Zugband verschlossen.
Foto: Dorotheum Wien Unterwäsche und Strümpfe von Kaiserin Elisabeth
Das Korsett war Pflicht, die Wespentaille ein Muss, das schnüren an sich war alleine unmöglich und konnte sich schon mal über mehrere Stunden hinziehen.
Foto: Wikimedia/Commons
Es waren edle Stoffe gefragt. Aufwändige Schnitte wurden aus Brokat oder Atlas, aus Samt oder Seide, Taft und Moiré gefertigt.
Foto: Wikimedia/Commons
Unmengen Stoff waren nötig, um die weiten Rockteile besonders üppig aussehen zu lassen. Im gesamten Viktorianischen Zeitalter, benannt nach der Regierungszeit der britischen Königin Viktoria (1819-1901) von 1831-1901, versuchten die Damen der feinen Gesellschaft sich auf diese Art und Weise zu übertrumpfen.
Doch in Zeiten der Influencerinnen die alle gleich aussehen, ist uns auch dies nicht Fremd geworden.
Abends trug man Schulterfrei, tagsüber hauptsächlich hochgeschlossen.
Schirm, Fächer und Hut rundeten das Aussehen ab und waren untrennbar miteinander verbunden.
Foto: Wikimedia/CommonsFoto: Wikimedia/Commons
Eine Schwangerschaft im 19. Jahrhundert wurde nicht vertuscht in dem Sinne, aber auch nicht stolz präsentiert, wie man es heute kennt. Der nackte Bauch wäre ein no go gewesen. Hier war die amerikanische Schauspielerin Demi Moore für viele Nachahmerinnen auf der ganzen Welt Vorreiterin.
Das Korsett musste auch in der Schwangerschaft getragen werden, wuchs aber während dieser mit.
D.h. die Schnürung wurde immer wieder erweitert und ein sogenanntes „wachsendes Korsett“ wurde umgelegt.
Foto: Wikimedia/Commons Queen Victoria F.X. Winterhalter
Als man das Bild von Kaiserin Elisabeth im Morgenmantel mit offenen Haaren im Arbeitszimmer von Kaiser Franz Joseph fand (nach seinem Tod), war man sehr verwundert.
Dieses Bild war für die Entstehungszeit (1865) sehr frivol und freizügig.
Schon Königin Victoria sorgte mit ihrem Bild und den offenen Haaren für einen Skandal, als es öffentlich wurde (sie ließ es für ihren Albert zum Geburtstag anfertigen).
Wir befinden uns in den Jahren 1860–1870, der Zeit des Höhepunktes der Schönheit von Elisabeth!
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth mit offenem Haar Bild: F.X.Winterhalter (dieses Bild steht bis heute am selben Platz – am Schreibtisch von Kaiser Franz Joseph. Heute im Sisi-Museum zu sehen).
Modisch betrachtet nennt man dieses Jahrzehnt auch das 2. Rokkoko.
Drei Namen prägten dieses Jahrzehnt wie niemand anderes.
Königin Eugenie von Frankreich, Kaiserin Elisabeth von Österreich und Charles Frederick Worth
Foto: Wikimedia/Commons Königin Eugenie von Frankreich Bild: F.X.WinterhalterFoto: ÖNB Kaiserin ElisabethFoto: Wikimedia/Commons Charles Worth
Die edlen Materialien, die Worth verwendete waren Tüll, Spitze, Pailletten, Samt, Seide, Brokat u. a. machten die Kleider so teuer, dass selbst die Damen von hohem Rang den neuesten Trends nur folgen konnten, in dem sie vorhandene Kleider wieder ändern ließen, anstatt stets neue zu bestellen.
Kein anderer verstand es, Kleider mit solch perfektem Sitz zu kreieren. Hier zeige ich euch also zwei Skizzen die noch nie öffentlich gezeigt wurden. Diese Kleider wurden für Kaiserin Elisabeth von Charles Worth angefertigt.
Noch nie gezeigte Skizze von Charles Worth KLeid für Kaiserin Elisabeth Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraNoch nie gezeigte Skizze von Charles Worth Kleid für Kaiserin Elisabeth Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Alle Kleider waren Einzelanfertigungen, nie gab es ein Modell zweimal!
Foto: Sascha Rieger ungarisches Krönungskleid, 1867 Entwurf: Charles Worth
Immer wieder werde ich nach „Schnittmustern“ der Kleider von Kaiserin Elisabeth gefragt: es gibt keine! Die Schneider der hohen Herrschaften verwendeten aufs Maß genau ebensolche Schneiderpuppen, um die Kleider direkt an diese anzufertigen. Erst dann wurde an der hohen Frau anprobiert. Bedenkt bitte, dass eine Zofe weder Kaiserin Elisabeth, noch eine Königin jemals berühren durfte! Wie diese also tatsächlich die Damen angezogen haben, ist nicht überliefert!
Gegen Ende der 60er Jahre beschäftige Worth mehr als 1200 Näherinnen und erschuf unvergessliche Kreationen, wie z.B. das Sternenkleid!
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth im berühmten Sternenkleid Bild: F.X.Winterhalter, 1865
Es war das Jahrzehnt der Krinoline, die 1865 ihren Höhepunkt erreichte.
Durch Rosshaar und Stahlbänder erreichte man enorme Umfänge, wodurch man natürlich dementsprechende Mengen an Stoff und Aufputz benötigte.
1867 kam man langsam von diesen extremen Umfängen ab, 1869 wurde die Krinoline fast vollständig durch die Tournüre ersetzt.
Foto: Wikimedia/Commons
Während die Röcke im Prinzip immer gleich waren, variierten die Oberteile je nach Anlass und Tageszeit. Ein Ausschnitt, der die Schultern zeigte, war ebenso möglich wie ein kleines spitzes Dekolleté oder eine hochgeschlossene Variante.
Auch die Ärmelschnitte ließen zahlreiche Varianten zu. Am Unterarm waren sie meist anliegend. Es gab Kleider, die durch einen halben Ärmel auffielen und es gab Kleider, die lange Ärmelschleppen hatten, besonders in Russland beliebt.
Foto: Wikimedia/Commons
Je nach Wetter und Anlass wurden über diese riesigen Krinolinenkleider halblange Mäntel getragen. Mit Hut und Fächer war eine Dame letztendlich perfekt gekleidet.
Die Chemise und das Beinkleid zählt man aus dem einfachen Grund zur „Wäsche“ da diese im Gegensatz zum Korsett gewaschen werden konnten.
Was nun aber noch fehlt ist die Krinoline, auch Reifrock genannt.
Foto: neheleniapatterns.com
Im Biedermeier trugen die Damen mehrere Stoffunterröcke übereinander. Man begann Rosshaar in diese Röcke einzunähen, daraus entstand dann die Krinoline.
Ca. 1850 begann man diese Rosshaarkrinolinen durch Federstahl zu ersetzen. Der Saumumfang der Röcke stieg auf bis zu unglaubliche 8 Meter an.
Man kann sich vorstellen, wie unpraktisch das sein musste. Sogar damals gab es schon Karikaturen und Photographien in den Zeitungen, die sich über diese Art der Extreme lustig machten.
Foto: Wikimedia/Commons
Der Hauptunterschied zwischen modernen Reifröcken wie man sie heutzutage unter Brautkleidern trägt, ist die Gestaltung der Form. Heutzutage haben die gängigen Unterröcke eine sogenannte „A“ Form, während die Krinolinen des 19. Jhd. kuppelförmig waren. Heute verwendet man Großteils leichte Kunststoffstäbe um die schweren Stahlbänder zu ersetzen. Denn ihr könnt mir glauben, 60 m Stahlbänder sind auch nicht leicht zu tragen.
Foto: ÖNB Kaiserin Elisabeth
Kaiserin Elisabeth trug lange und gerne Krinolinen, selbst dann noch eine Zeit lang, als längst die „Tornüre“ Einzug hielt.
Hier in einem weißen, hochgeschlossenen Tageskleid, mit Rüschen, Brosche am Hals, Schmuck und Volantärmel.
Dieses Bild ist knapp vor ihrer Madeira-Reise 1859 von Ludwig Angerer aufgenommen worden. Man sieht ihr die Blässe und die magere Gestalt an. Zu dieser Zeit hatte sie gerade das Laxenburg-Lazarett hinter sich gebracht, in welchem Sie sich aufopferungsvoll um ihre Tochter Gisella, welche auch noch krank wurde, und die Massen an Soldaten, gekümmert, welcher ihr Kaiser Franz Joseph aus dem Solferino-Krieg täglich per Zug schickte.
Zu Beginn waren Krinolinen gleichmäßig rund, ab ca. 1860 wurden sie jedoch mehr und mehr elliptisch.
Doch die elliptische Form setzte sich nicht wirklich durch, weshalb man diese kaum sah.
Kaiserin Elisabeth trug diese Form genauso.
Foto: neheleniapatterns.com
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth Foto: Ludwig Angerer
Ab 1870 wurde die Krinoline von der Tournüre abgelöst.
Die Krinoline, war fast vollständig aus der Damenbekleidung verschwunden. In der Modegeschichte ist die Rede von der „Ersten Tournüre“.
Foto: Wikimedia/Commons
Die „zweite Tournüre“ kam erst ab 1880 auf und war dann längst nicht mehr so pompös gestaltet. Aber zunächst war noch die Erste Tournüre modisch aktuell und zwar bis etwa 1875. Dieses halbkreisförmige Gestell, das zumeist aus Stahl- und/oder Fischbeinstäbchen gefertigt war und dessen Polsterungen aus Rosshaar bestanden, wurde über das Gesäß gelegt und befestigt, so dass der Rock, der darüber getragen wurde, eine gewaltige hintere Auswuchtung erhielt. Vorne war das Kleid eng anliegend und der Blick automatisch auf das riesige Hinterteil gelenkt.
Foto: Wikimedia/Commons
Das eng geschnürte Korsett, das zwingend zur Grundausstattung jeder Frau gehörte, drückte die Brust nach oben und sorgte so in den spitzen oder viereckigen Ausschnitten für ein gut gefülltes Dekolleté.
Foto: Wikimedia/Commons
Eine Besonderheit dieses Jahrzehnts sind die Falten und Raffungen am Unterleib, die bald wieder aus der Modewelt verschwanden, da sie den Anschein einer möglichen Schwangerschaft erwecken konnten. Ein Zustand, der zu dieser Zeit jedoch nicht öffentlich zur Schau getragen wurde.
Ein wichtiges Accessoire auch dieser Zeit war der Fächer.
Die spitzenbesetzten Sonnenschirme mussten unbedingt zu den Farben der Kleider passen. Handschuhe und Schleier waren ebenso angesagt.
Foto: Wikimedia/Commons
Die hauptsächlich hochgesteckten Frisuren waren mit einem Hütchen geschmückt, an dem schulterlange Bänder zur Verzierung angebracht waren. Das Hütchen wurde entweder ein wenig keck seitlich getragen oder auf dem Hinterkopf platziert, konnte aber auch gerade vorn auf dem Kopf getragen werden. In jedem Fall hielten es zwei Bänder, die am Hals vorn zu einer Schleife gebunden waren.
Tagsüber im Freien waren die Kleider hochgeschlossen geknöpft und endeten am Hals mit einem kleinen Kragen.
Foto: Wikimedia/Commons Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie
Für die Abendgarderobe gab es zu jener Zeit bereits die Haute Couture, die ein Engländer ins Leben gerufen hatte – Charles Frederich Worth (1826-1895).
Die zweite Tournüre wurde zwischen 1880-1890 modern.
Eine große Gesäßauflage, die Tournure, wurde fixer Teil der Damenunterbekleidung
Ein Gestell aus Fischbeinstäbchen oder auch aus formte den Rock und verlieh ihm eine Gesäßaufbauschung.
Foto: Wikimedia/Commons
Foto: Wikimedia/Commons
Die Kleider waren am Oberteil und nun auch im Rockteil relativ eng anliegend, wobei der Rock meist noch mit Querfalten versehen war, die nach hinten ausliefen und in einer Schleppe endeten. Zu dieser Zeit war das Korsett zwar Pflicht, hatte aber keine besondere Formung der Taille zur Aufgabe, sondern diente eher dazu, die Haltung zu korrigieren und unerwünschte Pölsterchen verschwinden zu lassen.
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth als Reiterin in Irland
Die Betonung einer sehr schlanken Figur war in den beiden ersten Jahren des Jahrzehnts jedoch durchaus erwünscht. In diesen beiden Jahren wurden die Kleider den Damen, nicht nur unserer Kaiserin, wortwörtlich auf den Körper genäht.
Das Atmen war schwer, das Essen unmöglich, wenn die Damen in dieser Garderobe erschienen. Die Kleider waren schmerzhaft eng und erschwerten auch das Gehen, dabei war das plaudernde Herumstehen immer noch leichter als das Sitzen.
Diese Art von Mode war schon mehrfach in der Vergangenheit aufgetaucht und hatte für den einen oder anderen Witz gesorgt.
In diesem Jahrzehnt waren sie jedoch fast ausschließlich den vermögenden Frauen vorbehalten, die sich dadurch deutlich sichtbar von den normalen Bevölkerungsschichten abgrenzten. Die Betonung des weiblichen Hinterteils blieb mehr oder weniger bis zum Ende dieses Jahrzehnts. Der übliche Aufputz verschwand und man setzte neue Stoffkombinationen ein, bei denen gelegte Falten und Raffungen mit Volants Hauptbestandteil waren.
Foto: Wikimedia/Commons
Foto: Wikimedia/Commons
Tuchstoffe wurden mit Samt zusammen getragen oder auch mit Seide. Das Oberteil lag eng am Körper und war hochgeschlossen. Geschlossen wurde das Oberteil mit einer langen Knopfleiste, deren Knöpfe meist aus besonders edlem Material bestanden. Diese Knöpfe und die Spitzen am Kragen waren die einzige Zierde an der Damenbluse. Die langen, selten auch halblangen Ärmel, lagen eng an.
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Die Hüte, die die Damen trugen und die unbedingt zur vollständigen Kleidung gehörten, änderten ihr Aussehen schneller als die Bekleidung selbst. Trug man erst noch Hüte mit aufgeschlagenen Krempen, so wichen diese bald Modellen mit Federn und Bändern.Ältere Damen trugen gedeckte Farben und die Jugend bevorzugte hellere, auffälligere Farben.
Am Land hielt man sich keineswegs an die vorgegebenen Trends sondern trug weiterhin zeitlose Trachten für den Alltag und auch für die Arbeit. Diese waren in dezenten Farben gehalten. Die Trachten an Sonn- und Feiertagen waren dagegen meist besonders farbig und mit viel Zierrat versehen.
Foto: Wikimedia/Commons
Am Land hielt man sich keineswegs an die vorgegebenen Trends sondern trug weiterhin zeitlose Trachten für den Alltag und auch für die Arbeit. Diese waren in dezenten Farben gehalten. Die Trachten an Sonn- und Feiertagen waren dagegen meist besonders farbig und mit viel Zierrat versehen.
Verglichen mit der Biedermeierzeit und dem folgenden zweiten Rokoko, war die Mode im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts weit weniger aufwändig in der Fertigung und im Materialaufwand.
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Nur eines hatte sich nicht verändert – immer noch war das Korsett wichtiger Bestandteil der Damenmode um die Figur dem jeweiligen Schönheitsideal anzupassen.
In den 1890er Jahren formte man mittels Korsett vorwiegende eine gerade Front, es gibt kaum Einsätze für die Brust. Innerhalb weniger Jahre veränderte sich diese modische Silhouette jedoch, bis zum Ende des Jahrhunderts setzte sich die Sans-Ventre-Linie (ohne Bauch), die sogenannte S-Form, durch.
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Immer stärker werdende Versuche von Ärzten, Künstlern oder Frauenrechtlerinnen die Frau aus dem Korsett zu befreien scheiterten. Wer schön sein wollte, der musste auch weiterhin leiden.
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Wesentlich stärker veränderten sich die Röcke der Damen, die an der Hüfte anliegend und später ab Höhe der Knie immer mehr an Weite zunahmen. Stützdende Unterröcke oder gar Reifkonstruktionen verschwanden zur Gänze. Die glatt fallende Rockschnitte oder auch die glockig geschnittenen Röcke waren auf den ersten Blick an Taille und Hüfte leicht anliegend. Der weibliche Körper wurde immer mehr in die Form einer „Sanduhr“ gezwungen. Tatsächlich gab man dieser trichterförmigen Silhouette diesen Namen, der die Sans-Ventre-Linie sehr passend beschrieb.
Sogar eine kleine Schleppe war noch am hinteren Rockteil sichtbar. Die Vorderpartie hatte Bodenlänge, erst am Ende des Jahrzehnts war es denkbar, dass ein wenig von den Schuhen oder Stiefeletten sichtbar wurde.
Foto: Wikimedia/Commons
Zu Beginn dieses Jahrzehnts lagen die Ärmel der Blusen und Kleideroberteile relativ eng an wurden aber mit jedem Jahr auffälliger und breiter. Die Manschetten lagen eng am Handgelenk, teilweise reichten sie über den ganzen Unterarm.
Keulenärmel, Schinkenärmel und sogar Elefantenärmel waren als Begriffe für diese Formen durchaus gebräuchlich. Allmählich wurden die Oberärmel sogar noch üppiger. Sie erreichten eine ballonartige Form. In der Mitte des Jahrzehnts hatten sie ihr größtes Ballonausmaß erreicht. In den letzten zwei bis drei Jahren vor 1900 kehrte man wieder zu zierlicheren Puffärmeln zurück.
Foto: Wikimedia/Commons
Bei allen Veränderungen, die hauptsächlich die Ärmelsilhouette betrafen, änderte sich eines nicht – der Hut. Eine Dame war erst vollständig bekleidet, wenn sie einen Hut trug. Der gehörte ebenso dazu wie der Sonnen- oder Regenschirm. Auch der war ein unverzichtbares Accessoire, auf das eine Frau bei der ansonsten großen Vielfalt von Farben und Materialien nicht verzichtete.
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth durfte die ersten Jahre ihre Schuhe nur ein (!) einziges Mal tragen. Das heißt täglich wurden die Schuhe erneuert. Egal welche! Was für eine Qual muss das auch für die Füße gewesen sein, wenn man bedenkt, dass es ein richtiges Fußbeet noch gar nicht gab. Die Schuhe waren zwar maßgeschneidert, aber weitem nicht angepasst.
Wie ihre Kleider, musste sie also auch ihre Schuhe täglich erneuern. Um die Verschwendung diesbezüglich so gering wie möglich zu halten, wurden Kleider, Hüte, Schuhe usw. an das Personal wie Hofdamen, Kammerfrauen und natürlich Verwandtschaft geschenkt.
Noch heute tauchen Kleider auf, welche das Emblem der Kaiserin tragen, aber ihr gar nicht gepasst hätten. Diese wurden für die jeweils neue Trägerin umgeändert und so sieht man manchmal noch Kleider oder Schuhe, die plötzlich von der großen Verwandtschaft für Ausstellungen verleiht werden.
Foto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn Group
Und die Männer?
Nicht nur die Mode der Damen änderte sich im Lauf der Zeit, sondern auch die der Männer.
Auch die Männer trugen ein Korsett. Dies nicht nur, um die Figur zu betonen, sondern auch, damit die Uniform eine besonders schöne Form erhielt. Bis 1850 war es modern, dass Männer „Korsetts“ trugen. Kaiser Franz Joseph trug seine ein ganzes Leben, allerdings waren die Korsetts vollkommen abgeschwächt zu den der Frauen. Das „Männerkorsett“ wurde „Schnürgürtel“ genannt.
Foto: Wikimedia/Commons Kaiser Franz Joseph
Zu den langen Hosen, die meistens gestreift waren, trug Mann nun ein Sakko, das den Frack im Alltag abgelöste, wobei Hose und Sakko nicht zwangsläufig dieselbe Farbe hatten.
Foto: Wikimedia/Commons
Auch Gehröcke wurden gerne getragen. Die obligatorische Weste, die zur Männermode gehörte, war meist einfarbig. Mit niedereren, nicht mehr einengenden Kragenformen wurde auch die Herrenmode bequemer. Es gab Umlegekragen, Kragen zum Anknöpfen, die Manschetten wichen und die Hemdärmel schauten aus dem Sakkoärmel heraus.
Anfangs nur als Bekleidung für den Herrensalon gedacht, in dem geraucht wurde, setzte sich der Smoking, der Raucheranzug, auch in der Kleidung innerhalb der Gesellschaft durch.
Neben dem Zylinder trug man die Melone – ein runder, schwarzer, steifer Hut, als typische Kopfbedeckung. Zur schlichten und einfarbigen Bekleidung wählte man farbige Krawatten oder ein leicht übereinandergeschlagenen Halstuches, das Plastron.
Die Mode der Männer hatte den englischen Stil zum Vorbild, während die Damenmode ihre Richtlinien aus Paris bekam.
Die Herrenmode der kommenden Jahrzehnte sollte sich nicht wesentlich verändern, man spielte mit Accessoires und auch ein wenig mit den Farben, der Grundstock blieb jedoch unverändert und bestand aus Frack und Gehrock.
Anders als bei den Damen trugen die Herren zu dieser Zeit kein Korsett, sondern behalfen sich mit einem Schnürgürtel, der einen ähnlichen Effekt hatte.
Foto: Wikimedia/Commons
Die Krägen der Hemden nannte man nicht umsonst „Vatermörder“ denn sie waren so eng um den Hals geschlossen, dass jeder Mann froh war, ihn abends ablegen zu können.
Seit etwa 1815 trug der Herr sogenannte Pantalons, also lange Hosen.
Um perfekt gekleidet zu sein brauchte Mann noch einen Zylinder, einen Stock und Handschuhe die im besten Fall aus Leder waren.
Im Gegensatz zu den Damen bevorzugten die Herren eher Zweckmäßigkeit an ihrer Kleidung.
Die Stoffe waren zwar edel, es wurden hauptsächlich dunkle Materialien gewählt. Man trug schwarze, braune, graue und auch dunkelblaue Farbtöne.
Die Sakkos, die dem Frack begannen den Rang abzulaufen, waren aus Wollstoffen und feinen Tuchen. Der Gehrock, auch als Cutaway oder kurz Cut genannt, hatte im vorderen Bereich abgeschnittene Schoßteile.
Die Hose war häufig in einer anderen Farbe als der Gehrock oder das Sakko. Hier waren Streifen besonders beliebt.
Die Weste, Krawatten und Bindetücher fielen nicht mehr auf und waren nun in dezenten Farben gehalten.
Verbreitet war bereits das Vorhemd, das unter der Weste wie ein Hemd aussah.
Foto: Wikimedia/Commons
Anstelle von Vorhemd war allerdings der Begriff „Chemisette“ geläufig. Das französische Wort „Chemise“ steht für Hemd. In abgewandelter Form nannte man das Vorhemd, deshalb Chemisette.
Der Herr der Zeit trug im Alltag zum Anfang des Jahrzehnts noch den traditionellen Frack, stets mit einer Weste, die entweder durch Schottenkaros oder anderes abstechendes, buntgefärbtes Material auffielen, darunter trug man ein schlichtes helles Hemd, das mit einem Halsschmuck versehen war, der ein gebundenes Tuch als Vorläufer der Krawatte war.
Außerdem kam ein Kragen zum Anknöpfen auf. Die Hosen waren bodenlang und gerade geschnitten.
Es gehörte zum guten Ton Zylinder zu tragen und schon war Mann perfekt gekleidet.
Eine absolute Neuheit in der Männerwelt war der Herrenanzug, der zu Beginn des Jahrzehnts in Mode kam und bei dem alle Teile (Rock, Weste und Hose) dieselbe Farbe haben mussten und dessen Teile sich auch in den Materialien glichen.
Ein „must have“ war der Stock, der oftmals über aufwendig verzierte Griffe verfügte.
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Was trug „Mann“ zwischen 1870 und 1880?
Das modische Vorbild der Herren lag in England.
Der Frack verschwand allmählich aus der alltäglichen Garderobe der Herren, der Gehrock (Cutaway) hatte sich als zweckmäßiger erwiesen.
Bei festlichen Anlässen fand der Frack jedoch weiterhin Verwendung.
Die Farben waren gedeckt, mit bunten Krawatten setzte man jedoch farbige Akzente und so entstanden bereits die ersten Läden für Herren Accessoires, die diese „Binder“ herstellten.
Foto: Wikimedia/Commons
Die Herren waren bereits gut gekleidet, wenn sie ein frisch gebügeltes Hemd trugen, einen Frack oder einen Gehrock. Das Ensemble wurde, wie auch bei den Damen stets mit einem Hut komplettiert.
Herren, die finanziell nicht dem gehobenen Stand angehörten, trugen mitunter anstatt eines Hemdes nur ein Vorhemd. Das war ein steifes Wäscheteil, das unter der stets geschlossenen Weste den Eindruck eines Hemdes suggerierte.
Wir kennen es heute noch beim Frack. Durch diese Erfindung konnte man sich das aufwendige waschen eines Hemdes ersparen, ein Vorhemd wurde nach Gebrauch entsorgt und kam so den Junggesellen meist sehr zu Gute.
Neben dem Frack zählte der Cut (Gehrock oder Cutaway) zum fixen Bestandteil der Männermode und hatte vorn abgerundete Schöße.
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Die ersten Smokings, die sogenannten Raucheranzüge, kamen in Mode.
Etwas mehr Auswahl gab es bei den Mänteln: Der Ulster war stets doppelreihig, der Chesterfield hatte eine verdeckte Knopfleiste und der taillierte Paletot, der dem der Damen vom Schnitt her ähnlich.
Die wichtigsten Farben waren Schwarz, Braun, Dunkel- oder Hellgrau und Blau.
Zu den langen Hosen, die meistens gestreift waren, trug Mann nun ein Sakko, das den Frack im Alltag abgelöste, wobei Hose und Sakko nicht zwangsläufig dieselbe Farbe hatten.
Auch Gehröcke wurden gerne getragen. Die obligatorische Weste, die zur Männermode gehörte, war meist einfarbig. Mit niedereren, nicht mehr einengenden Kragenformen wurde auch die Herrenmode bequemer. Es gab Umlegekragen, Kragen zum Anknöpfen, die Manschetten wichen und die Hemdärmel schauten aus dem Sakkoärmel heraus.
Foto: Wikimedia/Commons
Anfangs nur als Bekleidung für den Herrensalon gedacht, in dem geraucht wurde, setzte sich der Smoking, der Raucheranzug, auch in der Kleidung innerhalb der Gesellschaft durch.
Neben dem Zylinder trug man die Melone – ein runder, schwarzer, steifer Hut, als typische Kopfbedeckung. Zur schlichten und einfarbigen Bekleidung wählte man farbige Krawatten oder ein leicht übereinandergeschlagenen Halstuches, das Plastron.
Bleibt zum Schluss nur noch, wie zB. Kaiserin Elisabeth angekleidet wurde. Wie bereits erwähnt, durfte sie beim Ankleiden nicht berührt werden. Wer mich noch mit Sabine Rossegger als „Sternenkaiserin“ kennt, wird wissen, dass wir dies mehr als nur 1x versucht haben. Es ist mir nie gelungen! Ich berührte Sabine wirklich immer, zu dem musste ich sie auch, wie schon Elisabeth, in manche Kleider einnähen. Das Anziehen hat gut und gerne 2 Stunden gedauert. Es war oft Zeitdruck, da wir für ein Shooting fertig werden mussten, aber tatsächlich war diese Kleideranzieherei immer eine große Herausforderung. Vom Garten, Parkplatz, Abstellkammer, Toilette bis zum Ballsaal oder Hotelzimmer war alles dabei. Sabine mit Krinoline oder Tournüre ins Auto zu verfrachten, war die nächste Herausforderung und oft saß sie stocksteif mit geneigtem Kopf auf der Rückbank, da sie weder vor noch zurück konnte.
Auch wenn wir uns 2021 getrennt haben, wird mir diese Zeit immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Deswegen lasse ich zum Schluss auch jene Reihenfolge in dem Beitrag, wie sich „Frau“ im 19. Jahrhundert von ihren Zofen anziehen lassen musste.
Sabine wird hier von unserer damaligen Freundin Tamara „bedient“, welche die Rolle der Zofe inne hatte.
Sabine als Sternenkaiserin in ihren eigenen Worten:
Zuerst die Unterwäsche, Strümpfe und Schuhe, sollte man keine Zofe dabei haben die einem anschließend die Schuhe bindet, sollte man sie tunlichst vorher anziehen, denn unter all den Schichten ist es nicht so einfach jemals wieder an die Schuhe zu kommen.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
oto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Über die Unterwäsche legt man das Korsett an, je nachdem wie fest man es schnüren möchte, empfiehlt es sich, dies auf mehrere Etappen zu tun, nur so nebenbei erwähnt, dass Schnüren der Kaiserin dauerte oft bis zu 3 Stunden!
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, dass es tatsächlich so ist, dass man nach einem gewissen Zeitraum das Korsett durchaus noch enger schnüren könnte, da sich der Körper scheinbar daran gewöhnt.
Hat man dann den gewünschten Taillenumfang erreicht, kommt die Krinoline. Darüber mehrere Unterröcke aus steifen Material um ein Abzeichnen der Metallstäbe durch das Kleid zu verhindern, letztendlich das eigentliche Kleid!
Oft werde ich gefragt: „Tut es weh ein Korsett zu tragen?“
Die Frage kann nicht so einfach mit „ja“ oder „nein“ beantworten werden? Ich kann Euch nur sagen, wenn das Korsett auf Maß gefertigt ist und es gut sitzt, ist es nicht wirklich unangenehm. Wobei es natürlich immer darauf ankommt, wie fest man geschnürt wurde und wie lange man es trägt.
Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, irgendwann – auch wenn man seine Kleider noch so gerne trägt – ist der Zeitpunkt erreicht, an dem man froh ist sie endlich wieder ausziehen zu dürfen.
Grundsätzlich und mit ein wenig Übung kann man sich in dieser Kleidung völlig normal bewegen, ob man nun durch eine Tür geht, den Fahrstuhl benutzt, in eine Kutsche oder ein Taxi steigt, möglich ist alles. Der Komfort blieb damals wie heute auf der Strecke.
„Schönheit muss leiden“ hat hier sicherlich so manches Mal seine Berechtigung, allerdings verliert meiner Meinung nach das schönstes historische Kleid seine Wirkung und Originalität, wenn das „Darunter“ nicht korrekt ist.
Eines könnt ihr mir glauben, auch wenn so wie bei mir manches Mal über 100 Meter Stoff darüber sind, man erkennt den Unterschied.
Für alle Damen, die im Damensattel reiten kann ich nur empfehlen, sich ein etwas kürzer geschnittenes Reitkorsett fertigen zu lassen, ansonsten könnte es unangenehm werden.
Somit hoffe ich, ein wenig Klarheit ins „Darunter“ gebracht zu haben, und wünsch Euch viel Spaß beim Selbstversuch.
Sabine Rossegger
Das war die Mode aus dem 19. Jahrhundert. Ich hoffe, dass ihr Freude an diesem Beitrag habt und euch jetzt besser in die Kleidung von Kaiserin Elisabeth und allen adeligen Damen und Herren der früheren Jahre, hineinversetzen könnt.
Petra Schimbäck
Rechtliche Hinweise: Text + Recherchen: Petra Schimbäck, Sabine Rossegger Bildrechte: neheleniapatterns.com, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Cathie Jung In The Guinness Book Of Records, peoplestrive.com; Ethel Granger, vogue-italia.it, Sascha Rieger, muellerundsohn.com, mythoskaiserinelisabeth – Petra vormals Sternenkaiserin
Literatur:
InStyle Dezember 2025
Blog Frühes 19. Jahrhundert – epochs-of-fashion: Costume and Dress throughout History
Erika Thiel Geschichte des Kostüms Henschel Verlag, 2010
Blog Der letzte Schrei: Damenmode aus dem 18. und 19. Jahrhundert
Sonja Duska Modegeschichten: Die Damenwelt des 19. Jahrhunderts Morio Verlag, 2019
Chantal Tollu, Françoise Tétart-Vittu, Jean-Marie Martin-Hattemberg, Fabrice Olivieri, Christian Lacroix (Vorwort) La maison Worth – Naissance de la haute couture, 1858-1954 (französisch) BiP Verlag, 2017
Stephen Clarke, Bérengère Viennot Charles Frederick Worth L’Anglais qui a inventé la haute (französisch) pAF Verlag, 2025
Foto: Golfhotel Kaiserin Elisabeth Feldafing Kaiserin Elisabeth
Vorwort:
Oftmals entstehen auf Facebook hitzige Diskussionen, wenn es um die Eignung Elisabeths als Mutter geht.
Viele Followerinnen bzw. Leserinnen sind der Meinung, dass Kaiserin Elisabeth eine schlechte Mutter war.
Ich halte dagegegen.
Viele von ihnen, sehen die Mutterschaft mit dem Auge und überkompensieren das mit dem Zustand von Heute.
Eine Mutter im 19. Jahrhundert hatte jedoch nicht den Stellenwert, wie es eine Mutter im 21. Jahrhundert hat. Dieses Phänomen begleitet uns erst so richtig seit den 1950er Jahren.
Ich habe schon in den Berichten zu Herzogin Ludovika und Erzherzogin Sophie versucht zu erklären, wie eine Mutterschaft im 19. Jahrhundert aussah.
Bei Kaiserin Elisabeth kam noch hinzu, dass sich ihre Tante und Schwiegermutter derartig ins Geschehen einmischte und sie die Trauer über ihre verstorbene Tochter, noch dazu schwanger, nicht verwand, dass sie aufgab. Danach entfremdete sie sich von ihren Kindern und konnte das Versäumte nie wieder aufholen. Was sie bei Gisella und Rudolf falsch machte, wollte sie bei Marie Valérie richtig machen: deshalb ließ sie Erzherzogin Sophie nicht mehr an ihre Tochter.
Doch um dem Ganzen ein Bild zu geben, beginne ich meine Geschichte von Anfang an.
Ein kleiner Hinweis vorab: Dieser Beitrag dient als Vorabgeschichte zu den jeweiligen Beiträgen zu den Kaisertöchtern und dem Kronprinzen die noch folgen werden.
Er dient als Gesamteindruck für die Eignung Elisabeths als Mutter.
Viel zum Mythos der liebenden und verhätschelnden Mutter, haben natürlich auch die Sissi-Filme mit Romy Schneider beigetragen. Immer wieder ist das Entsetzen groß, wenn man bei mir liest, dass Elisabeth ihre Töchter (bis auf Marie Valérie) nicht so verwöhnt und verhätschelt hat, wie dies in dieser Trilogie gezeigt wird.
Elisabeth als Mutter
Nach der Verlobung und der aufwändigen Hochzeit war die einzige Pflicht, die Kaiserin Elisabeth hatte, ein Kind zu bekommen.
Foto: Wikimedia/Commons Sophie Gräfin von Esterházy
Die Flitterwochen verbrachte das junge Paar im Schloss und Schlosspark Laxenburg, welches Elisabeth zwar ans Herz wuchs, sie allerdings auch an Einsamkeit beinahe zu Grunde gehen ließ.
Foto: Schloss Laxenburg Schlosspark Laxenburg mit der Franzensburg
Kaiser Franz Joseph hatte kaum Zeit für seine junge schöne Braut und so musste sie sich mit den ihr völlig fremden Hofdamen begnügen, allen voran die verhasste Erzherzogin Sophie Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha, bekannt als „Gräfin Esterházy“ (*5.9.1798, †17.6.1896).
Pünktlich um 5.00 Uhr früh verließ der junge Kaiser Laxenburg, fuhr mit der Kutsche zurück nach Wien, entweder in die Hofburg oder nach Schloss Schönbrunn, um an seinem Schreibtisch Staatsgeschäfte zu verrichten und kam erst abends zum Diner, welches um 18.00 Uhr serviert wurde, zurück.
Elisabeth blieb allein. Also allein in ihrem Kummer.
Denn vollkommen fremde Personen hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das junge, verschüchterte, von Heimweh geplagten Mädchen zu zähmen und die Hofetikette einzudrillen.
Von Erzherzogin Sophie beauftragt, wurde jeder Fauxpas, den die junge Kaiserin betrieb, an diese gemeldet.
Kein Reiten ohne Begleitung, kein Spazieren gehen ohne neugierige Blicke ihrer ihr fremden Hofdamen. Sogar am Abend, während des Diners, durfte sie mit ihrem Mann nicht alleine Speisen. Flügeladjutant Hugo von Weckbecker (*1820, †1866) wurde neben Elisabeth platziert, damit die schüchterne Kaiserin endlich sprechen lerne.
Eine Kaiserin habe schließlich die Gäste des Kaisers charmant zu unterhalten. Und auch hier war Sophie von Esterházy stets an Elisabeths Seite. Jeder Fehler wurde sofort korrigiert. Auch coram publico. Ich glaube, es kann sich jeder selbst vorstellen, wie unangenehm dies ist.
Vierzehn Tage nach ihrer Hochzeit, schrieb sie verzweifelt in ihr Tagebuch:
Es kehrt der junge Frühling wieder Und schmückt den Baum mit frischen Grün Und lehrt den Vögeln neue Lieder Und macht die Blumen schöner blüh'n.
Doch was ist mir die Frühlingwonne Hier in dem fernen, fremden Land? Ich sehn' mich nach der Heimat Sonne, Ich sehn' mich nach der Isar Strand. (1)
Auch die ersten Wehklagen über ihre verlorene und einzig wahrhaften Liebe kamen wieder ans Tageslicht. Wir erinnern uns an ihren Jugendfreund Richard, der ihr seitens ihrer Mutter entrissen wurde.
Nur einmal konnt ich wahrhaft lieben Es war das erstemal. Nichts konnte meine Wonne trüben Bis Gott mein Glück mir stahl...
Nur kurz warn diese schönsten Stunden, Nur kurz die schönste Zeit. Nun ist mein Hoffen all entschwunden, Ihn geb ich nicht in Ewigkeit. (2)
Foto: Wikimedia/Commons Marie von Festetics
Viel später kehrte sie mit ihrer Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923) zurück und zeigte ihr den Schreibtisch, an dem sie stundenlang Briefe und Gedichte schrieb und sich die Seele aus dem Leib weinte.
Marie von Festetics notierte in ihr Tagebuch:
„Elisabeth ging von Zimmer zu Zimmer – sagte von jedem, was es war – aber ohne näheren Commentar, bis Sie endlich in einem Eckzimmer stehen blieb, wo ein Schreibtisch zwischen Fenstern stand u. ein Schreibsessel davor; lange stand Sie mäuschentill da – plötzlich sagte Sie: … Hier habe ich viel geweint, Marie. Allein der Gedanke an diese Zeit preßt mein Herz zusammen. Hier war ich nach meiner Hochzeit… Ich fühlte mich so verlassen, so einsam. Der Kaiser konnte tagsüber natürlich nicht hier sein, er ist täglich in der Früh nach Wien gegangen. Um sechs Uhr ist er zum Diner zurückgekehrt. Bis dahin war ich den ganzen Tag allein und hatte Angst vor dem Augenblick, da Erzherzogin Sophie kam. Denn sie kam jeden Tag, um jede Stunde zu spionieren, was ich tue. Ich war ganz à la merci dieser ganz bösartigen Frau. Alles war schlecht was ich tat. Sie urteilte abfällig über jeden, den ich liebte. Alles hat sie herausbekommen, weil sie ständig gespitzelt hat. Das ganze Haus hat sie so gefürchtet, daß alle zitterten. Natürlich haben sie ihr alles mitgeteilt. Die kleinste Sache war eine Staatsaffäre…“ (3)
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Sophie
Elisabeth, welche in Possenhofen immer vor Gesundheit strotzte, wurde labil.
Ihre Stimmungsschwankungen waren enorm. Ihr Leiden wurde täglich mehr. Erzherzogin Sophie nahm dieses Leiden als Kränkung auf. Sie selbst, die immer Kaiserin werden wollte, musste zusehen, wie dieses Kind die Stellung die man ihr auftrug als Bürde ansah. Erzherzogin Sophie (*27.1805, †28.5.1872) kümmerte die instabile Lage ihrer Schwiegertochter nicht.
Sie sah nur das glückliche Gesicht ihres Sohnes und schrieb Briefe an ihre Schwestern nach Bayern und Sachsen, wo sie vom „glücklichsten Ehepaar aller Zeiten“ schrieb.
Auch die Flitterwochen erwähnte sie als
„ländliche Idylle“ und „herzerquickender Anblick der beiden glücklichen Kinder“.
Kaiserin Elisabeth sah dies jedoch ganz anders. Auch Erzherzogin Marie Valérie schrieb später darüber in ihrem Tagebuch.
Nach dem „ländlichen Idyll“ der Flitterwochen, fingen die Pflichten der jungen Kaiserin an. Die erste Reise des Kaiserpaares führte Anfang Juni nach Mähren und Böhmen, wo ihnen ein wohlgesonnenes Volk entgegen winkte.
Foto: Wikimedia/Commons Carl Graf von Grünne
Foto: Wikimedia/Commons Dr. Johann Nepomuk Seeburger
Elisabeth sollte als erstes Böhmisch lernen, doch die Sprache war ihr verhasst, weshalb es außer dem Zählen bis 10 nicht recht voranging. Auch hier reiste das Paar natürlich nicht allein.
Neben demFlügeladjutant, reiste auch das Militär mit, Leibarzt Freiherr Dr. Johann Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) , Graf Karl Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884) und natürlich die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister Ihrer Majestät, sowie zwei Hofdamen und ein Sekretär.
All diese Personen brachten natürlich wiederum ihre Diener, Friseure und Lakaien mit. Auch das Dienstpersonal des Kaiserpaares durfte nicht fehlen. Ein Tross der Unendlichkeit ritt dem Kaiserpaar voraus und hinten nach.
Ziemlich befremdlich für eine 16jährige, die gerade einmal ein paar Wochen Kaiserin war.
Elisabeth trat als charmante und liebreizende Kaiserin auf, deren Art mit den „einfachen“ Leuten zu sprechen auffiel.
Die Hoffnung stieg bei Hofe, dass aus ihr doch noch einmal eine gute Kaiserin werden möge, die sich dem sozialen Engagement annehmen würde.
Auf dieser Reise wurde sichtbar, dass Elisabeth mit Böhmen und der böhmischen Aristokratie, die immerhin auch in Wien den Ton angab, nichts anfangen konnte.
Hauptsächlich waren sie es, die über die einfache herzögliche Abstammung die Nase rümpften und Elisabeth in allen Belangen auslachten. Kein Adel war ihr weniger Wohlgesonnen als der Böhmische. Immerhin waren dies aber die bekanntesten Namen des Landes: Schwarzenberg, Waldstein, Lobkowitz, Kinsky, Khevenhueller, Liechtenstein, Auersperg und einige andere.
Foto: habsburger.net Kaiser Ferdinand
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Maria Anna
Ein kleiner Höhepunkt der Reise sollte der Besuch beim abgedankten Kaiser Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) und Kaiserin Maria Anna (*19.9.1803, †4.5.1884) werden, welche nun in Prag lebten.
Der kleine, gutmütige Mann, dessen Kopf schief auf seinem Körper hing, stundenlang Domino spielte und mit seinem Neffen Franz Joseph wenig anfangen konnte, freute sich über den Besuch der hübschen Nachfolgerin seiner Frau. Maria Anna war ebenfalls entzückt, hatte aber am Wiener Hof nichts mehr zu melden.
14 Tage sollte die Reise dauern, welche an Strapazen kaum zu überbieten war.
Doch zurück in Wien, wurde Elisabeth keine Ruhe gegönnt.
Fronleichnam stand vor der Türe, weshalb eine große Prozession geplant war.
Elisabeths Einwand noch nicht alt genug für diese Bürde zu sein, wurde abgeschmettert. Obwohl ihr die Verbindung Kirche und Politik völlig fremd war, erwartete man von ihr, dass sie eine große Staatstoilette trug.
Kaiserin Maria Anna hatte jahrelang diese Aufgabe mit vollem Glanz und Hingabe absolviert. Kaiserin Elisabeth fürchtete sich in die Fußstapfen der beliebten Kaiserin zu treten. Doch Kaiser Franz Joseph und seine Mutter Erzherzogin Sophie hatten kein Mitleid mit ihr.
Elisabeth galt als die große Hauptattraktion.
Mit Schleppkleid und Brilliantendiadem geschmückt, stieg sie in den Hofgalawagen, der mit acht Schimmeln bespannt war. Doch Elisabeths Sorgen waren unbegründet. In frommer, demütiger Haltung überstand sie den Tag gekonnt und meisterlich, als habe sie nie etwas anderes zuvor gemacht.
Foto: sammlung.belvedere.at Kaiserin Elisabeth in großer Staatsrobe, 1869 Bild: Franz Russ der Jüngere
Die ersten Zeichen einer Schwangerschaft stellten sich ein, welche Sophie mit Argusaugen beobachtete. Die junge Kaiserin litt unter schweren Schwangerschaftsproblemen:
sie erbrach ständig, litt an Schwindelgefühl und Müdigkeit.
Foto: Wikimedia/Commons Herzogin Ludovika
Elisabeth, die weiterhin Tanzstunden und Sprachunterricht nahm und immer noch gerne Ausritt, musste dies bald einstellen.
Die meiste Zeit vom Tag musste sie liegend verbringen. Mutter Ludovika wurde Bang um ihre Tochter, doch traute sie sich nicht nach Wien. Der Dank, dass ihre Schwester die junge Elisabeth als Heiratskandidatin ihres Sohnes anerkannte, war so enorm, dass Ludovika Sophie devot begegnete.
Foto: Wikimedia/Commons Gräfin Mathilde
Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor Herzog in Bayern
Der Sommer stand bevor und so zog die Familie nach Ischl. Hier kam es zu einem lustigen Vorfall, den ich euch unbedingt erzählen möchte: Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) telegrafierte nach Ischl, um Elisabeth die Ankunft von Spatz, Gackel und sich selbst anzukündigen.
Sie unterschrieb das Telegramm mit Mimi, da dies der Spitzname war, mit dem Elisabeth ihre Mutter seit ihrer Kindheit ansprach. Mimi gab noch den Zug und die Ankunftszeit in Lambach bekannt, da der Zug dort halten würde. Von dort sollte eine Kutsche für die Familie bereitstehen, um diese zur frisch umgebauten Kaiservilla zu bringen. So der Plan. Doch das Telegramm kam nicht in der Kaiservilla, sondern im Hotel Elisabeth an.
Als Herzogin Ludovika, Schwester Herzogin Mathilde und Bruder Herzog Carl Theodor in Lambach ankamen, stand jedoch keine Kutsche bereit. Helle Aufregung entstand, noch dazu in einer Zeit ohne Telefon. Wir können uns das heute kaum noch vorstellen, oder? Zumindest eine Telefonzelle haben wir älteren Leser schon gekannt.
Plötzlich erschien ein Hotelpage des Hotels Elisabeth in Ischl.
Er hielt in der Hand 3 Käfige. Diese sollten für die Vögel „Mimi“, „Spatz“ und „Gackel“ sein.
Foto: ÖNB Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph
Um hier eine kleine Erklärung abzugeben.
Ludovika hatte für alle Kinder Kosenamen. Spatz war Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925), Gackel war Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) und Mimi war, wie gesagt, sie selbst.
Man mag sich das Gesicht des Pagen gar nicht vorstellen, als er den Irrtum bemerkte. Noch dazu wo er die Mutter und Geschwister Ihrer Majestät vor sich stehen hatte.
Natürlich klärte sich der Irrtum als baldigst auf und so wurde die Familie mit der grell lackierten Hotelkutsche zur Kaiservilla gebracht.
Schon während der Schwangerschaft zogen dunkle Wolken über das Mutterglück auf.
Erzherzogin Sophie riss alles an sich. Sie bestimmte, wo die Kindskammer eingerichtet wurde. Diese wurde so eng an ihre eigenen Appartements gelegt, so dass es Elisabeth niemals gelingen würde, ohne dem Wissen von Sophie ihr Kind zu besuchen. Auch die Einrichtung suchte Sophie aus.
Kaiserin Elisabeth wurde von Erzherzogin Sophie angeherrscht, sich beim Volk zu zeigen.
Später erzählte sie dies ihrer Hofdame, welche die Geschichte in ihr Tagebuch notierte:
„Kaum war sie da, schleppte sie mich schon hinunter in den Garten und erklärte, es sei meine Pflicht, meinen Bauch zu produzieren, damit das Volk sehe, daß ich tatsächlich schwanger bin. Es war schrecklich.“ (4)
Sobald Kaiserin Elisabeth allein war, weinte sie sich in den Schlaf. Allein und von niemanden verstanden, durfte sie sich auch keinem in ihrer Umgebung anvertrauen.
Es wurde ihr von Sophie verboten, irgendjemand als Freund oder Freundin anzusehen.
Einzig Graf Grünne kümmerte sich väterlich um die junge verzweifelte Kaiserin, die das Hofleben immer mehr und mehr verabscheute.
Auch die Aja wurde von Erzherzogin Sophie gewählt.
Freifrau von Welden, kinderlos und Witwe, ohne Kindererfahrung wurde aus politischen Gründen dazu auserkoren, das erste gemeinsame Kind von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph zu erziehen.
Die Einwände seiner Frau konnte Franz Joseph weder verstehen, noch hörte er ihr richtig zu. Was Mutter entschied, wird schon gut für alle sein, so sein unumstößliches Motto zu allen Dingen die Sophie entschied.
Umso mehr weinte sich die junge Frau immer mehr und mehr in den Schlaf.
Foto: ÖNB Huldigungsblatt zur Geburt der kleinen Tochter Sophie
Erzherzogin Sophie Friedericke
Am 5.3.1855 kam Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha um 3.00 Uhr nachts zur Welt.
Wir sind also vom Sissi-Film Kitsch wirklich weit entfernt. Die (Film)Tochter, die auf die Namen Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria getauft wurde, hat nichts gemeinsam mit der kleinen Erzherzogin, welche am 5.3.1855 zur Welt kam. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs an falschen Informationen aus den Filmen, der Weltruhm erlangen und leider bis heute als der Inbegriff einer Sis(s)i am Wiener Hof gelten.
Auch das zweite „s“ im Namen von Sisi hält sich hartnäckig. Elisabeth hat sich niemals SiSSi genannt. Vielleicht kann ich mit dem Kitsch endlich ein wenig aufräumen.
Die erste Zeit verbrachte Elisabeth mit der kleinen Sophie in Laxenburg. Kaiser Franz Joseph schrieb beinahe täglich an seine Mutter und kündigte an, dass seine Frau im Juni für 10 Tage das Land verlassen würde, um nach Possenhofen zu fahren. Die kleine Sophie lernte also schon recht früh ihre bayrische Verwandtschaft kennen.
Am 7.8.1855 telegrafierte ein liebevoller Vater an seine Mutter:
„Wir sind sehr wohl und die Kleine war besonders heute sehr lustig. Sie jauchzte in einem fort und war sehr damit beschäftigt, ihren Fuß in den Mund zu stecken und daran zu schnullen. Sie scheint viele gymnastische Anlagen zu haben. Ich küsse Ihnen und dem Papa mit Sisi die Hände und bleibe Ihr treuer Sohn Franz.“ (5)
Erzherzogin Gisella
Schon bald machten sich die nächsten Schwangerschaftszeichen bemerkbar.
Sobald diese öffentlich wurden, las der Erzbischof von Wien und der Bischof von Linz eine Messe, um eine glückliche Entbindung zu erbitten.
Selbstverständlich nicht ganz uneigennützig um einen Thronfolger zu bitten.
Foto: Dorotheum Wien Erzherzogin Gisella
Erzherzogin Sophies Gesicht soll starr gewesen sein, als man ihr mitteilte, dass am 12.7.1856 um 6.35 Uhr in Schloss Laxenburg eine kleine Erzherzogin zur Welt kam.
Auch bei dieser Geburt war Herzogin Ludovika nicht anwesend.
Ebenso erschien sie zur Taufe nicht, obwohl sie offiziell die Taufpatin war.
Am 13.7.1856 wurde die kleine Erzherzogin auf die Namen Gisella Ludovika Marie getauft.
Die Namen entstanden wie folgt: Gisel(l)a nach der Ehefrau des ersten Königs von Ungarn Stephan I. (*969,†15.8.1038), welche eine bayrische Herzogin war und diesen 10jährig heiraten musste. Königin Gisela I von Ungarn (*984/5,†7.5.1065) wird heute als Selige verehrt. Ludovika nach Herzogin Ludovika, ihrer Großmutter und Marie war die modernere Form der hl. Maria.
Gisella wurde nach ihrer Hochzeit (!) mit Leopold Prinz von Bayern zu Gisela und Ludovika zu Louise, weshalb man heute in sämtlichen Geschichtsbüchern über Erzherzogin Gisela Louise Marie lesen kann.
Korrekt wäre aber: Erzherzogin Gisella und Gisela Prinzessin von Bayern; aber anscheinend ist das den Historikern/innen zu kompliziert.
Erzherzogin Sophie wurde als Taufpatin-Stellvertreterin bestimmt. Sie selbst hatte schon Sophie Friedericke getauft.
Elisabeth, nun stärker und selbstbewusster, fing an, um Sophie und Gisela zu kämpfen.
Die Enttäuschung ihrer Schwiegermutter, dass sie keinen Thronfolger auf die Welt gebracht habe, nutzte sie aus, um die Kinderzimmer in die „Radetzky-Räume“ der Hofburg verlegen zu lassen.
Sophie tobte, doch diesmal hatte Elisabeth Schützenhilfe durch ihren Mann Franz Joseph.
Er stellte sich nicht nur vor seine Gemahlin, so nannte er sie auch eine hingebungsvolle Mutter.
Sophie drohte mit Auszug, was Franz Joseph verstimmte. Er schrieb einen Bettelbrief an seine Mutter:
„Nie würde ich es zugeben, daß Sie Ihre jetzige Wohnung verlassen oder gar, was ich nicht gelesen haben will, ganz aus der Burg ziehen würden. Ich hoffe noch immer, daß sich alles sehr gut machen wird; die Kinder bekommen eine viel bessere Wohnung, in der sie auch künftig bleiben können, und Alles wird zufrieden sein.“ (6)
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Sophie Friederike
1856 unternahm das Kaiserpaar eine 4monatige Reise nach Italien. Kaiser Franz Joseph wollte Lombardo-Venetien wieder mehr an das österreichische Reich binden.
Obwohl Erzherzogin Sophie massive Einwände hatte, nahm Kaiserin Elisabeth die kleine Sophie mit auf die Reise.
Baby Gisella verblieb bei ihrer Großmutter in Wien. Das Weihnachtsfest verbrachte die Familie getrennt. Sophie mit Gisella in Wien, Franz Joseph, Elisabeth und Sophie Friedericke in Venedig.
Als Weihnachtsgeschenk wurde die Kaiserin mit einem Portrait von Gisella überrascht. Elisabeth wurde auf dieser Reise zum ersten Mal ernsthaft krank.
Ihre Lungen machten ihr große Probleme. Sie hustete unentwegt, was Kaiser Franz Joseph schwere Sorgen bereitete. Er kündigte bei seiner Mutter die Rückkehr für den 12.3.1857 an.
Erzherzogin Sophie Friedericke wurde bereits am 2.3.1857 mit ihrer Kinderfrau Anna Kathrein auf die Reise geschickt. Franz Joseph schrieb in einem Brief an seine Mutter, dass er hoffte, dass die Kleine ihr die Hände küssen möge und sie artig sei.
Wenige Monate später kam es in Ungarn zu einem folgenschweren Schicksal, von dem sich Elisabeth – vor allem als Mutter – nie wieder erholen sollte.
Aus Trotz setzte sie sich gegen ihre Schwiegermutter durch und nahm beide Kinder mit auf die Ungarnreise. Nicht nur, dass Erzherzogin Sophie Ungarn aus tiefstem Herzen hasste, so riet sie dem Kaiserpaar, die Kinder in Wien zu lassen.
Das Unheil nahm seinen Lauf. Kaiserin Elisabeth verfiel das erste Mal in ihrem Leben in tiefe Trauer.
Kronprinz Rudolf
Im Dezember 1857 wurde erneut an Kaiserin Elisabeth eine Schwangerschaft festgestellt.
Zur unendlichen Trauer, mischte sich freudige Erwartung, welche Elisabeth mit ihren üblichen Schwangerschaftsleiden quittierte.
Sie erbrach ständig, war müde und bettlägrig. Die Abnabelung zu ihrer Tochter Gisella begann. Immer öfter war die junge Frau unpässlich, wollte das kleine Mädchen nicht sehen und machte sich selbst die größten Vorwürfe, ihre Tochter Sophie umgebracht zu haben.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Kaiser Maximilian I von Mexiko und Kaiserin Carlota
Als am 27.7.1858 auch noch ihr Lieblingsschwager Erzherzog Ferdinand Maximilian, genannt Max (*6.7.1832, †19.6.1867), die schöne belgische Prinzessin Charlotte (*7.6.1840, †19.1.1927) heiratete und diese ab sofort ihr vorgezogen wurde, verfiel Elisabeth noch mehr in Depressionen.
Charlotte kam aus einem unfassbar reichen Haus, war gebildet und schön. Erzherzogin Sophie und ihre gesamte Anhängerschaft ließen keine Möglichkeit aus, um die Eheattin von Max zu loben, zu huldigen oder zu bezirzen.
Der labilen, schüchternen und unbeliebten Kaiserin muss das bis ins Mark erschüttert haben.
Noch mehr als jemals zuvor, zog sie sich zurück. Leider auch vor ihrer Tochter.
Mittlerweile vergingen Wochen bis sie Gisella wieder an sich ran ließ oder nach dem kleinen Töchterchen fragte.
Am 21.8.1858 setzten gegen 22.00 Uhr die letzten Wehen ein. Beide Mädchen waren leichte Geburten, kaum eine Wehe war zu spüren und schon waren die Kinder auf der Welt. So war es im August nicht. Erzherzogin Sophie und Gräfin Esterházy knieten am Boden und beteten, während sich Elisabeth die Seele aus dem Leib schrie. Um 22.15 Uhr war es endlich soweit. Der Thronfolger wurde geboren.
Völlig erschöpft fragte die Kaiserin ihren am Bett sitzenden Mann ob es ein Bub sei. Dieser erwiderte, dass die Hebamme Gruber es noch nicht so genau wisse. In Wirklichkeit wollte Kaiser Franz Joseph seine Frau schonen.
Die Geburt hatte sie stark geschwächt. Man wollte ihr jede Aufregung ersparen. Vor lauter Enttäuschung, dass sie keine Antwort bekam, glaubte sie, wieder „nur“ ein Mädchen zur Welt gebracht zu haben. Doch Franz Joseph verneinte dies mit dem Satz
„Nun, und wenn es ein Knabe wäre?“ (7)
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (Privatbesitz; Besitzer will nicht genannt werden) Lithografie Kaiserliche Familie mit Kronprinz Rudolf in der Wiege und Erzherzogin Gisella, Engel über dem Paar symbolisiert Sophie
Das ganze Land feierte die Geburt von Kronprinz Rudolf Franz Karl Joseph, dessen Vorname genauso aus den Habsburger Vorfahren gewählt wurde, wie Gisellas.
Nicht nur Wien feierte, auch das ganze Reich schloss sich den Huldigungen an. Kaiser Franz Joseph der seinen Sohn zwar nicht hübsch fand, dafür aber kräftig und stark, weinte jedes Mal vor Freude, wenn ihm ein Minister, das Militär oder ein Bediensteter gratulierte.
Seine Freude kannte kaum eine Grenze.
Elisabeth, die wieder einmal nicht stillen durfte, hatte extreme Probleme mit dem Milcheinfluss. Sie bekam hohes Fieber. Trotzdem wurde ihr nicht erlaubt den Sohn zu stillen.
Sie gab jeden Widerstand auf. Sie ließ die Kinderzimmer in die Räumlichkeiten von Erzherzogin Sophie verlegen und übergab die gesamte Erziehung in ihre Hände.
Foto: ÖNB Karoline Freifrau von Welden „Wowo“, die Kinderfrau von Erzherzogin Gisel(l)a und Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth
Ab sofort waren sich Gisella und Rudolf am Nächsten. „Wowo“, wie Aja Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1892) und „Nono“, wie die Kammerfrau Leopoldine Nischer (*1813, †1883) von den Kindern genannt wurden, wurden für die beiden zum Lebensmittelpunkt.
Noch als Erwachsene sprachen beide überaus liebevoll über Wowo und Nono.
Gisella, die etwas herb wirkte und das stämmige Wesen von Franz Joseph geerbte hatte und Rudolf, der das Aussehen seiner Mutter, sowie deren Intelligenz und Sensibilität geerbt hatte, wurden unzertrennlich.
Obwohl Rudolf es nicht leiden konnte, wenn Gisella mit seinen Sachen spielte und sie sich beschwerte, wenn er die ihren versteckte, hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel.
Foto: Wikimedia/Commons Gisela und Rudolf als Kinder
Die ersten Jahre fiel ihnen die Abwesenheit von Elisabeth gar nicht auf. Großmutter Sophie, Nono und Wowo kümmerten sich rührend um die Kinder und Kaiser Franz Joseph nahm sich so viel Zeit wie möglich.
Mittlerweile hatte sich die Beziehung zwischen Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth zu einer ambivalenten Ehe entwickelt.
Um die Abnabelung von ihren Kindern zu verstehen, muss ich ins Jahr 1860 springen und euch bitten den Ehe-Beitrag zu lesen.
Kaiserin Elisabeth fing an, sich immer mehr gegen ihren Mann durchzusetzen, kränkelte aber stets vor sich hin.
Wie in meinem Bericht erwähnt, ist die Wahrheit über den Bruch zwischen Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth bis heute nicht erforscht. In allen Filmen wird es vereinfacht mit einer Lungenkrankheit dargestellt. So steht es auch in (wirklich) allen Geschichtsbüchern, dennoch bleiben Zweifel.
Schon der erste Biograf Conte Corti sprach vom „Deckmantel der Krankheit“. Ich bleibe ebenfalls dabei.
Im November 1860 verließ Kaiserin Elisabeth Laxenburg und kehrte erst am 16.8.1862 nach Wien zurück. Nur in Venedig hatte Elisabeth ihre Kinder gesehen. Viel zu kurz, wenn man bedenkt, wie klein die Kinder damals noch waren.
Foto: ÖNB kaiserliche Familie
Gisella war zum Zeitpunkt der Rückkehr bereits 6 Jahre alt, Kronprinz Rudolf knapp 4 Jahre alt.
Auch als Kaiserin Elisabeth zurück war, kümmerte sie sich nicht um die Kinder, die sie so sehr vermissten.
Vor allem der kleine Rudolf hing sehr an seiner Mutter. Er vergötterte sie Zeit seines Lebens und buhlte immer um ihre Liebe. Vergeblich.
Als er 6 Jahre alt war, wurde er von Gisella getrennt.
ACHTUNG TRIGGERWARNUNG! Kindesmisshandlung
Er sollte ab sofort von Graf Leopold Gondrecourt (*1816, †22.5.1888) militärisch erzogen werden.
Den Buben traf damit ein hartes Schicksal. Rudolf, der überhaupt nicht für den militärischen Drill geeignet war, weinte sich jeden Abend isoliert in den Schlaf. Er fürchtete sich allein vor der Dunkelheit, zitterte vor Angst vor dem Knallen der Pistolen und konnte die Einsamkeit nicht ertragen. Er wurde physisch und psychisch von Gondrecourt misshandelt.
Elisabeth weilte außerhalb von Wien, weshalb sie von den Qualen die Rudolf erlitt zunächst nichts wusste.
Vater Kaiser Franz Joseph sah geflissentlich weg und nannte seinen Sohn einen
„Krepierl“.
Erzherzogin Sophie vor Treue zur Krone blind, sah über den Leidensdruck des geliebten Enkels hinweg.
Gondrecourt sah seine Macht und quälte den Buben bis aufs Blut. Er zerrte ihn früh morgens mit Trompetenklänge neben dem Bett aus selbigen, ließ ihn bis zum Umfallen stehen und tränkte ihn für Disziplin und Ordnung im eiskalten Wasser. Rudolf wurde kränker und blasser als jemals zuvor in seinem Leben.
Eine der beliebtesten Übungen von Gondrecourt war, den Kronprinzen um 3.00 Uhr morgens aus dem Bett zu zerren, ihn in den Lainzer Tierpark oder irgendwo im Schönbrunner Park zu bringen und von dort musste der kleine Bub mutterseelenallein, mitten in der Nacht und ohne Anhaltspunkt wo er überhaupt war, ins Schloss zurück finden.
Foto: Wikimedia/Commons Graf Leopold Gondrecourt
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth weilen gerade in Ischl, als Elisabeth von der Wildschwein-Affäre erfuhr, war das Maß voll.
Rudolf wurde von Gondrecourt zum Tierpark Lainz geschliffen, dort hinter die Mauer gestellt, während sich der General in Sicherheit brachte, schrie er, dass ein Wildschwein käme. Das Kind schrie in Todesangst wie am Spieß und je lauter es schrie, desto nervöser wurden die Wildschweine, die in der Nähe ihr Revier hatten.
ACHTUNG TRIGGERWARNUNG! Ende
Sie eilte zum Kaiser und schrie ihn förmlich an:
„Entweder Gondrecourt oder ich!“ (8).
Danach eilte sie in ihr Zimmer und schrieb das berühmte förmliche Ulitimatum:
Ich wünsche, dass mir vorbehalten bleibe, unumschränkte Vollmacht in Allem, was die Kinder betrifft, die Wahl ihrer Umgebung, den Ort ihres Aufenthaltes, die complette Leitung ihrer Erziehung, mit einem Wort, alles bleibt mir ganz allein zu bestimmen, bis zum Moment der Volljährigkeit. Ferner wünsche ich, dass, was immer meine persönlichen Angelegenheiten betrifft, wie unter anderem die Anordnungen im Haus p.p. mir allein zu bestimmen vorbehalten bleibt.
Elisabeth, Ischl, 27.8.1865(9)
Foto: Wikimedia/Commons Josef Latour
Foto: Wikimedia/Commons Dr. Hermann Widerhofer
Kaiser Franz Joseph gab nach. Rudolf wurde aus den Klauen des Folterers befreit.
Zuerst wurde er in die ärztliche Obhut von Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901) aufgenommen, danach übernahm ihn Josef Latour von Thurmburg (*2.2.1820, †28.12.1903), zu dem Kaiserin Elisabeth ein freundschaftliches Verhältnis hatte.
Doch es war zu spät. Gondrecourt hatte ganze Arbeit geleistet. Das Trauma begleitete Rudolf Zeit seines Lebens.
Erzherzogin Marie Valérie
Erzherzogin Gisella und Kronprinz Rudolf bekamen, als sie knapp 12 und 10 Jahre alt waren, noch eine Schwester.
Kaiserin Elisabeth war zum Zeitpunkt der erneuten Schwangerschaft 30 Jahre alt.
Foto: ÖNB Kaiserin Elisabeth im Krönungskleid
Am 8.6.1867 fand in Budapest die Krönung zur Königin von Ungarn statt.
Am 11.6.1867 fuhr das Königspaar nach Schloss Gödöllo, welches ihnen als Krönungsgeschenk übergeben worden war.
Im November 1867 wurde in Wien die Schwangerschaft bekanntgegeben.
Es stellte sich zum ersten Mal seit Jahren so etwas wie ein Familienleben ein, an welchem auch die Kinder Gisella und Rudolf teilnehmen durften. Im Jänner 1868 erfuhr Herzogin Ludovika von Sophie in einem Brief von der freudigen Botschaft.
Die Schwangerschaft verlief ruhig und ohne gröbere Vorkommnisse.
Elisabeth hatte es sich zum Ziel gesetzt, ihr Kind in Ungarn zur Welt zu bringen, weshalb sie sich im Februar 1868 Richtung Ofen auf machte.
Sollte es ein Bub werden, beschloss sie, sollte er Stefan heißen.
Stefan war der erste heilige König und beim ungarischen Volk sehr beliebt.
Kaiser Franz Joseph befürchtete, dass die Geburt in Ungarn ihr in Wien viele Minuspunkte einbringen würde.
Seine Frau war mittlerweile sehr unpopulär geworden. Nur noch Randnotizen in den Zeitungen und beim Volk nicht sonderlich beliebt.
Foto: Wikimedia/Commons Königin Marie von Neapel
Ihre Schwester Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) war angereist, um ihr bei der Geburt beizustehen. Die Geburt selbst war musterhaft.
Erst kurz vor der Geburt, musste die Hebamme helfen, bis dahin hatte es Marie allein geschafft. Am 22.4.1868 wurde das letzte Kind des Paares, Erzherzogin Marie Valérie Mathilde Amalie geboren.
Kaiser Franz Joseph, stolz nochmals Vater geworden zu sein, telegraphierte an die daheim gebliebenen Kinder:
„Sie ist recht hübsch, hat große, dunkelblaue Augen, eine noch etwas zu dicke Nase, sehr kleinen Mund, ungeheuer dicke Backen und so dichte dunkle Haare, daß man sie jetzt schon frisieren könnte. Auch am Körper ist sehr stark, und sie schlägt sehr frisch mit den Händen und Füßen herum… sie schreit sehr selten…und stinkt …“ (10)
Foto: ÖNB Erzherzogin Marie Valérie
Die Kinder erschrocken über so viel Liebe in wenigen Sätzen, rückten noch näher zusammen, da sie befürchteten, die neue Schwester würde alle Aufmerksamkeit auf sich lenken. Doch es kam für die beiden noch viel schlimmer.
Das „ungarische Kind“ wie Marie Valérie bald genannt wurde, bekam vom
Wiener Hof den Beinamen „die Einzige“.
Elisabeth selbst hatte ihr also den „Beinamen“ nicht gegeben. Wieder eine bösartige Mär mehr, die sich bis heute hartnäckig hält.
„Das ungarische Kind“ bzw. „die Einzige“ entstand dadurch, dass der Wiener Hof unter dem Volk den Tratsch verbreitete, dass Kaiserin Elisabeth eine Affäre mit Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890) hatte.
Dieser unfassbare Tratsch hält sich bis heute noch! Hier kann man definitiv davon ausgehen, dass diejenigen die ihn heute noch verbreiten, nur böswillig irgend etwas nachplappern, ohne sich jemals mit dem Thema tatsächlich beschäftigt zu haben.
Aber der Tratsch war auch im eigenen Haus sehr groß. Dafür sorgte alleine schon die Gouvernante von Valérie Mary Throckmorton, genannt Minny (*1832, †11.12.1919).
Foto: National Gallery London Mary „Minnie“ Throckmorton
Minny war eine gefürchtete Intrigantin und gleichzeitig das Kindermädchen von Marie Valérie.
So sehr Elisabeth Klatsch und Tratsch hasste, so sehr hielt sie aber an Minny fest. Marie Valérie wurde von ihr verzogen und verwöhnt, so dass sie bei der Kaiserin gut dastand. Marie war das ein Gräuel. Sie schrieb am 2.1.1872:
„Gräßlich allein bin ich! Throckmorton und ich passen nicht zusammen. Die weiß gar nichts zu reden als fort von dem, was alles geschehen und nicht geschehen sollte und die Lily und die Helene und die Ludwiga gesagt und erzählt! Ich bin den Tratsch gar nicht gewöhnt. … Ich will auch nichts voraus wissen, nicht voreingenommen sein, es bleibt doch von jedem Geschichterl etwas kleben!“ (3)
Dies war gleich in der Anfangsphase von Marie im Dienste der Kaiserin. Aber auch später wurden Marie und Minny keine „Freundinnen.
Elisabeth sorgte mit großem Pflichteifer dafür, dass Erzherzogin Sophie „ihr“ Kind nicht in die Obhut bekam.
Die nächsten Jahre tat Kaiserin Elisabeth keinen Schritt ohne ihrer Valérie.
Entweder war sie in der Obhut ihr vertrauter Menschen oder direkt bei Elisabeth selbst. Kein Tag verging, an dem sie Valérie nicht zu Bett brachte oder dafür sorgte, dass es ihr gut ging.
Wollten die Geschwister sie sehen, war Elisabeth stets an der Seite ihrer Tochter. Rudolf und Gisella eiferten sehr und bemühten sich nicht sonderlich um ihre Schwester. Dies nahm ihnen ihre Mutter sehr übel.
Schon mit drei Wochen begann für Marie Valérie das Reisen.
Von Ofen nach Gödöllö, von Gödöllö nach Ischl, von Ischl nach Possenhofen usw.
In Schloss Garatshausen, wo Elisabeth zu Gast ihrer Schwester Helene von Thurn und Taxis (*4.4.1834, †16.5.1890) war, schrieb sie halb hysterisch an Franz Joseph, dass Valérie kränkelte.
Sie habe das grässliche Gefühl von unverlässlichen Menschen umzingelt zu sein, denn sie befürchtete, dass „ihr teuerster Schatz“ durch die Amme die schlechte Milch abgebe, vergiftet worden sei.
Sie entledigte sich derer und stellte eine Neue ein. Über die Ungarin, die eine Männerstimme hatte, permanente Csárdás Lieder sang und fürchterliche Angst vor Mäusen hatte, amüsierte sie sich allerdings königlich, wenn nicht sogar kaiserlich.
Fotos: Wikimedia/Commons Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Während sie sich fürsorglich um Marie Valérie kümmerte, vergaß sie leider vollends Gisella und Rudolf und sah diese nur ab und an in Wien oder Gödöllö, wenn sie diese besuchten.
Kurz Information zu Erzherzogin Gisella
Foto: Wikimedia/Commons Gisela und Leopold von Bayern
Erzherzogin Gisella verheiratete sie mit 16 Jahren an Leopold Prinz von Bayern (*9.2.1846, †28.9.1930) damit dieser nicht Amélie von Sachsen-Coburg und Gotha (*23.10.1848, †6.5.1894) ehelichen konnte.
Foto: Wikimedia/Commons Max Emmanuel und Amélie in Bayern,
In diese hatte sich ihr Bruder Max Emmanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893) verliebt.
Um Leopold von seiner Braut loszusagen, musste sie eingreifen und ihm die Hand ihrer Tochter anbieten.
Da Prinz Leopold diese nicht verwehren konnte, wurde alsbaldigst Hochzeit gefeiert. Die Trennung von Bruder Rudolf war tränenreich und kaum zu ertragen. Der 14jährige war ab nun wirklich auf sich allein gestellt. Sie starb am 27.7.1932.
Kurz Information zu Kronprinz Rudolf
Foto: Wikimedia/Commons Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie
Kronprinz Rudolf ehelichte auf Druck seines Vaters die belgische Prinzessin Stephanie (*21.5.1864, †23.8.1945) und ging mit ihr eine lieblose Ehe ein, die in kräftezehrenden Streitigkeiten ausartete.
Als er für sich keine andere Wahl mehr sah (lieblose Ehe, keinen politischen Einfluss, sein Vater ließ ihn bespitzeln, krank usw.) brachte er sich am 30.1.1889 in Mayerling um.
Kaiserin Elisabeth trug ab diesem Zeitpunkt nur noch schwarz, zumindest wenn sie in der Öffentlichkeit stand und nur, wenn sie sich beobachtet fühlte.
Mit dem Tod des Sohnes verlor sie das zweite Kind. Sie versank in Selbstmitleid und schweren Depressionen. Sie wurde rastlos und reiste von Land zu Land, um nirgendwo zu bleiben.
Ihr Tod war eine Erlösung für sie.
Kurz Information zu Erzherzogin Marie Valérie
Foto: Wikimedia/Commons Marie Valérie und Franz Salvator,
Erzherzogin Marie Valérie verliebte sich auf einem Ball in Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) und musste lange für diese Liebe kämpfen.
Im Trauerjahr von Kronprinz Rudolf feierte sie in Bad Ischl Hochzeit.
Kaiserin Elisabeth trauerte sehr um ihre Tochter und konnte deren Entscheidung so früh zu heiraten nicht verstehen.
Sie reiste zu den Geburten der ersten Kinder an, was sowohl Prinzessin Gisela, als auch Schwiegertochter Stephanie versagt blieb.
Erzherzogin Marie Valérie war Zeit ihres Lebens ihrer Mutter für die tiefempfundene Liebe dankbar und bemühte sich nach deren Tod um ein Familienleben am Wiener Hof. Sie starb am 6.9.1924.
Alles in allem war Kaiserin Elisabeth eine Mutter die viel zu geben hatte, aber durch die frühen Schwangerschaften einfach zu überfordert war.
Auch das strenge spanische Hofzeremoniell, mit dem die Kinder aufgezogen werden sollten, war ihr fremd.
Sie selbst wurde frei und ohne großartige konventionelle Erziehungsmaßnahmen erzogen, sollte ein strenges Protokoll abhalten, was sie selbst hasste.
Nur mit Marie Valérie und gereifter durch ihr Alter, konnte sie die Mutter sein, die sie sein wollte und konnte.
Petra Schimbäck
Foto: Wikimedia/Commons kaiserliche Familie vor dem Schloss Gödöllö Kronprinz Rudolf, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth mit Erzherzogin Marie Valérie und Erzherzogin Gisella (gestellte Idylle; so ein Foto hat es nie gegeben)
Rechtliche Hinweise: Text: Petra Schimbäck Recherchen: Petra Schimbäck Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Bildrechte: Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), habsburger.net, sammlung.belvedere.at, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Golfhotel Kaiserin Elisabeth Feldafing, Wikimedia/Commons, Dorotheum Wien, Schloss Laxenburg, National Gallery London
Literarische Hinweise:
1 – S. 75/76, 2 – S. 76/77, 3 – S. 79/80, 4 – S. 91 Elisabeth Hamann Elisabeth Kaiserin wider Willen Piper Verlag, TB, 8. Auflage 2017,
5 – S 22, 6 – S. 29, 10 – S 92 Martha Schad Kaiserin Elisabeth und ihre Töchter Piper Verlag, TB, 2. Auflage 2013
7 – S 79, 8 – S 121 E.C. Conte Corti Elisabeth von Österreich, Tragik einer Unpolitischen Wilhelm Heyne Verlag, 15. Auflage, 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)
9 – S 26 Sisi Magazin, Kronen Zeitung – vergriffen (nur noch antiquarisch erhältlich)
Foto: Wikimedia/Commons Herzogin Sophie d‘ Alençon
Vorwort:
Wo ihr Biograph aufhörte, fange ich an zu erzählen. Ihr Leben ist beinahe so tragisch, wie das von ihrer berühmten Schwester Kaiserin Elisabeth. Ich habe mich eine Zeit lang mit Sophie beschäftigt und muss sagen, dass sie Zeit ihres Lebens eine todunglückliche Frau war. Von König Ludwig verschmäht, musste sie einen ungeliebten Mann auf ihrer Seite ertragen, der sie wie Besitz behandelte. Als sie ausbrechen wollte, steckte man sie in die Psychiatrie, kaum erholte sie sich von diesen Strapazen, starb sie qualvoll im Feuer.
Als ich ihren Tod beleuchtete, fand ich erschütternde Schicksale.
Doch Sophie ging mit Frieden im Gesicht in den Tod.
So zumindest wird dies von Augenzeugen berichtet die dem Feuertod entkommen konnten.
Um sie von den vielen Sophies zu unterscheiden hatte man im 20.(!) Jahrhundert damit begonnen das Charlotte anzuhängen.
Doch sie wurde Zeit ihres Lebens niemals Sophie Charlotte gerufen. Ich bleibe daher bei ihrem Namen „Sophie“.
Triggerwarnung!Was ihr hier lesen werdet, wird drastisch sein. Die Bilder die ich euch zeige sind einzigartig, weshalb sie mit extra großem Logo geschützt wurden.
Ich habe mich 2018 auf den Weg nach Paris und Dreux gemacht, um den Tod von Herzogin Sophie d’Alençon zu erzählen.
Sophie Herzogin in Bayern – Kurzbiographie
Foto: Wikimedia/Commons Herzog Max
Foto: Wikimedia/Commons Herzogin Ludovika
Sophie Charlotte Auguste Herzogin in Bayernwurde am 22.2.1847 im Herzog Max Palais in München geboren.
Ihr Vater war Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888). Ihre Mutter war Ludovika Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892).
Sophie war das neunte Kind des Paares und somit Kaiserin Elisabeths jüngste Schwester und die Cousine von Kaiser Franz Joseph.
Sie wuchs ebenso unbeschwert in München, als auch in Possenhofen auf, wie all ihre Geschwister.
Ludovika legte nicht den größten Wert auf Bildung, eher auf eine gute Verbindung. Sie hatte bereits eine Kaiserin und eine Königin vermittelt.
Sophie lehnte allerdings einige Brautwerber ab. Unter ihnen soll auch Erzherzog Ludwig Victor (*15.5.1842, †18.1.1919), der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, gewesen sein.
Da sie eine Freundschaft zu König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886), der gleichzeitig ihr Cousin 2. Grades war, unterhielt, verlobten sich die beiden im Jänner 1867.
Während eines Fototermines, „als Verlobte Ludwigs“ verliebte sie sich in den unstandesgemäßen Edgar Hanfstaengel (*15.7.1842, †28.5.1910), welcher der Sohn des Fotografen war.
König Ludwig selbst den Frauen nicht zugetan, erkannte, dass nur eine Freundschaft einer Ehe nicht förderlich wäre und löste kurzerhand die Verlobung im Oktober 1867 wieder auf. Auch deshalb, da Ludwig 2x den Hochzeitstermin verschob und Herzog Max ein Machtwort sprach.
Um die Schmach der gelösten Verlobung nicht lange ertragen zu müssen, suchte Ludovika fieberhaft nach einem neuen Kandidaten. Sie fand ihn im Enkel des letzten französischen Königs und arrangierte ein Treffen am sächsischen Königshof.
Ferdinand Philippe Marie Herzog d‘Alençon (*12.7.1844, †29.6.1910) war begeistert von der überaus hübschen Sophie und hielt alsbaldig um ihre Hand an.
Foto: Wikimedia/Commons Ferdinand d’Orléans, duc d’Alençon Ehemann von SophieFoto: Wikimedia/Commons Louise Victoire Tochter von SophieFoto: Wikimedia/Commons Philippe Emanuel Sohn von Sophie
Am 28.9.1868 fand in einem Saal in Possenhofen die Vermählung statt.
Die Ehe begann von Seiten Sophies mit Gleichgültigkeit.
Trotzdem gebar sie zwei Kinder. Tochter Louise Victoire (*19.7.1869, †4.2.1952) kam in England zur Welt, Sohn Philippe Emanuel (*18.1.1872, †1.2.1931) in Meran. Vor allem Louise war ihrer Mutter sehr zugetan.
Die Familie hatte keinen festen Wohnsitz und so reiste diese durch halb Europa: London, Wien, Paris, Meran, München waren nur einige der Wohnorte.
Foto: Wikimedia/Commons Richard von Krafft-Ebing
Während der Zeit in München musste sie sich von einer schweren Krankheit erholen und verliebte sich dabei in ihren Allgemeinmediziner Dr. Franz Glaser. Die Affäre ging soweit, dass Sophie sich scheiden lassen wollte.
Ein absoluter Skandal zu jener Zeit.
Foto: Wikimedia/Commons Privatsanatorium Maria Grün
Ferdinand war so entsetzt, dass er seinen Schwager Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) (Bruder von Sophie und Elisabeth) um Hilfe bat und seine Frau wegen
„sexueller Abartigkeit“
in die Nervenheilanstalt Maria Grün in Graz einliefern ließ.
Dort fiel sie dem weltberühmten, aber auch berüchtigten PsychiaterRichard von Krafft-Ebing in die Hände. Seine Methoden könnten nicht grausamer gewesen sein. Eiswasser-Behandlungen waren noch die harmlosen Therapien, die er seinen Patientinnen zu Teil werden ließ.
Während dieser Zeit wandte sich auch ihre Schwester Kaiserin Elisabeth ab. Diese verfasste garstige Gedichte über ihre Schwester.
7 Monate später war Sophies Wille gebrochen.
Die Scheidungspläne hatte sie aufgegeben und so durfte sie das Sanatorium verlassen. Abgemagert und seelisch gebrochen traf sie 1888 Kaiserin Elisabeth und ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie wieder, die „vom blühenden Leben Tante Sophies“ schrieb, sowie „von Eintracht“ zwischen Ferdinand und ihrer Tante.
Man kann davon ausgehen, dass Erzherzogin Marie Valérie weder eine Ahnung hatte, was Sophie mitmachen musste, noch, dass diese jemals wieder öffentlich über ihre Ehe gesprochen hätte.
Foto: jourfixe-muenchen-ev.com eine abgemagerte und gebrochene Herzogin Sophie
Das Paar ließ sich nun endgültig in Paris nieder.
Sophie wandte sie sich ihrer Gläubigkeit zu.
Sie trat 1880 sogar einem „Dritten Orden der Dominikanerinnen“ bei und nannte sich dort „Schwester Marie Madeleine.“
Der „Dritte Orden“ war eine Gruppe von Laien, die kein Gelübde abzulegen brauchten und sich die meiste Zeit außerhalb ihres Ordens aufhielten. Aufgabe dieser Orden war es, sich um die Armen der Stadt zu kümmern. Kaiser Franz Joseph blieb wirklich nichts erspart, denn die Schwester seiner Frau, half jetzt den Clochards (Obdachlose) der Stadt oder half „gefallenen Frauen“ (Dirnen mit Kindern oder ledige Frauen mit Kindern).
Sophie legte auf den Titel „Herzogin d’Alençon“ kaum noch Wert und wollte mit „Tochter des heiligen Dominikus“ angesprochen werden.
Am 4.10.1895 machte sie ihr Testament, in welchem sie die Bedingungen ihrer Beerdigung festlegte.
Sie wünschte sich ein Begräbnis ohne Schmuck, ohne Musik und ohne Blumen.
Sie wollte in ihrem weißen Ordensgewand beerdigt werden.
Ihre Haare sollten verbrannt werden.(*)
Nur, wenn ihr „vielgeliebter Gatte“ eine Erinnerung für sich wünschte, sollte man ein wenig davon abschneiden.
Sollte Ferdinand nach ihr Sterben, wünschte sie, dass „ihr Schutzengel im Leben“ neben ihr bestattet werden möge. Ob sie dies wirklich so meinte oder nur schrieb, da sie wusste, es würde ihr sowieso nichts anderes übrig bleiben, wird für immer ihr Geheimnis bleiben.
(Anmerkung Petra: Haare galten damals als das Sexsymbol der Frau. Es gab zu jener Zeit keine Frau die ihre Haare kurz trug. Die Frauen zur Zeit Kaiserin Elisabeths hatten alle knielange oder fersenlange Haare, da diese nie in ihrem Leben geschnitten, und wenn nur für „Spliss“-Schneiden, wurden.)
Doch derWunsch, dass ihre Haare verbrannt werden sollen, löst heute noch ein Erschaudern in mir aus.
Wir nähern uns somit dem tragischen Ende von Herzogin Sophie d‘Alençon am 4.5.1897.
!Achtung Triggerwarung! Nur weiterlesen, wenn man gute Nerven hat und nicht schwanger ist! Kindssterben im Feuer!
Bazar de la Charité
Foto: Chapelle Bazar de la Charité Theaterkulisse
Seit Jahren fand in Paris der Bazar de la Charité statt.
Da jedoch die Weltausstellung geplant wurde, musste dieser an seinem angestammten Standort im Palais de l’Industrie weichen.
Der Platz wurde in der Rue Jean Goujon gefunden. Auf diesem Grundstück baute man ein 80 Meter langes und 30 Meter breites Gebäude aus Holz.
Um das Innere besonders schön zu gestalten, wurde eine alte Theaterkulisse, welche Paris im 15. Jahrhundert darstellen sollte, aufgebaut.
Diese bestand allerdings aus Pappdeckeln und vielen Leinwänden, welche mit Ölfarben bemalt waren.
Ein Unding, wenn man es aus heutiger Sicht betrachtet. Als Dach diente ein altes Segeltuch, der Boden wurde mit Fichtenholz gebaut. Alles in allem eine Verkettung von brennbaren Stoffen.
Das Gebäude verfügte über 5 Ausgänge und 2 große Türen, welche direkt auf die Straße hinausgingen.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Fotos: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Eines der großen Highlights dieses Bazars war eine kleine, mit Wasserstoff gefüllte Montgolfière (Heißluftballon), welche im Raum schwebte (siehe Foto oben).
Ein weiteres Großereignis war der Kinematograph der Brüder Lumière. Dieser zeigte die ersten Filmaufnahmen. Eine der größten Errungenschaften dieser Zeit. Noch nie zuvor hat man „bewegte Bilder“ gesehen.
Hätten die Brüder gewusst, was auf sie zukommt, hätten sie ihr Gerät wohl nie dort aufgestellt. Das Unglück brach mit diesem Apparat aus.
Am 4.5.1897 nahm das Unglück seinen Lauf.
Ein Helfer des Filmvorführers verschüttete beim Befüllen einer Lampe Ether, welches in Kontakt mit einer Lampe kam, die noch nicht abgekühlt war.
Das Feuer brannte schnell, heiß und breitete sich innerhalb von Sekunden aus.
Foto: Wikimedia/Commons zeitgenössische Darstellung des Feuers
Herzog Ferdinand d‘Alençon befand sich mit Sophie im Bazar, löste sich aber von ihr, da er an einem Stand einen Bekannten gesehen hatte.
Während er sich unterhielt, ging Sophie weiter. Ein Fehler, der ihr das Leben kostete.
Das Feuer breitete sich rasend schnell aus und das Schreien der Menschen war bis weit nach draußen zu hören. Als Ferdinand realisierte, dass es brannte, wollte er zu Sophie.
Doch die Massen, die nach draußen drängten, das Feuer, die Hitze und der beißende Rauch machten ein Zurück unmöglich.
Während Ferdinand hinausgedrängt wurde, ging Sophie immer mehr in das Feuer hinein.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin) Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp
Gemeinsam mit Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp (*28.2.1867, †4.5.1897) versuchte Sophie so vielen Frauen und Kindern wie möglich aus dem Feuer zu helfen.
Während draußen die Menschen zum Helfen zum Bazar de la Charité eilten, um Verletzte zu bergen, Frauen und Kinder durch die Türen und Fenster zu zerren und in die Krankenhäuser zu bringen, lief ein aufgeregter Ferdinand auf und ab und hoffte, dass seine Frau aus einer der Türen heraustrat.
Foto: Meisterdrucke.at
Mittlerweile konnte man den Brand quer durch die ganze Stadt sehen.
Als Ferdinand nach Hause ging, welches sich nur wenige Schritte vom Bazar de la Charité befand, ist er schnell dort.
Mittlerweile haben sich Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) (Schwester von Kaiserin Elisabeth und Sophie), Gräfin Mathilde von Trani (*30.9.1843, †18.6.1925) (ebenfalls eine Schwester) bei den d‘Alençons eingefunden.
Foto: Chapelle Bazar de la Charité
Beide lebten zu dieser Zeit in Paris.
Ferdinand war sichtlich im Schock, konnte kaum Atmen und war schwer verletzt.
Draußen tobte das Feuer und die Bemühungen es einzudämmen.
Die Schreie der Opfer gellten durch die einbrechende Nacht.
Ca. 1500 Menschen befanden sich in den Räumlichkeiten des Bazars. Hauptsächlich Frauen und Kinder.
Bis heute ist nicht ganz klar, wie viele Opfer es tatsächlich gab.
Die Zahl schwankt zwischen 126 – 140 Personen.
Hauptsächliche Opfer waren Frauen und Kinder, zum Teil sehr jung.
Bitte beachtet, dass die Bazar de la Charité nicht öffentlich zugänglich ist. Mir wurde der Zugang exklusiv gewährt und dafür bin ich sehr dankbar. Was ich euch hier zeigen darf, ist somit einmalig!
Traurige Tafeln mit den Namen und Alter der Opfer in der Chapelle Bazar de la Charité (nicht öffentlich zugänglich!).
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Fotos: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Herzogin Sophies Gedenktafel befindet sich links in der Kapelle:
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Am nächsten Tag sind Helfer aus jeder Schicht, Polizei und Rettungshelfer mit Fackeln vor Ort eingetroffen, um die verkohlten Leichen und vielleicht doch noch Überlebende zu bergen.
Ich möchte mir weder den Gestank, noch die gespenstische Atmosphäre vorstellen, die geherrscht haben muss.
Verkohlte Leichenteile überall. Zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Die Chapelle Bazar de la Charité hat einige Gegenstände gesammelt, die gefunden wurden. Die Puppe ist das traurige Überbleibsel eines verlorenen Kinderlebens.
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Während Ferdinand Sophie suchte, kam es zu den ersten polizeilichen Einvernahmen.
Diese sind zum Teil wirr und zum Teil völlig wertlos.
Man muss sich die Angst, die Panik, dazu das Schreien, die Hitze und den Gestank vorstellen.
Der beißende Rauch nahm nicht nur die Sicht, sondern legte sich auch auf die Lunge. Wer sollte hier einen klaren Kopf bewahren, um danach korrekte Aussagen zu tätigen?
Eine Aussage jedoch ist herzzerreißend. Ob es sich wirklich so zugetragen hat oder nur eine Legende ist, dürft ihr selbst wählen. Ich für meinen Teil glaube bis zu einem gewissen Punkt, dass Sophie die Situation wahr genommen hat, um ihren traurigen Leben ein Ende zu setzen.
Mathilde d’Anlau erzählte, dass sie in den Wirren Herzogin Sophie getroffen habe, die mit anderen auf Kopfhöhe einige Bretter aus der Wand gerissen hatte, um dort Kinder und deren Mütter in Sicherheit zu bringen.
Eine andere Dame berichtete, dass Sophie auf sie gedrückt wurde. Ihr Gesicht sei ängstlich aber völlig ruhig gewesen. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, sich zu retten, in dem sie durch eine der Türen hätte fliehen können.
Eine weitere Augenzeugin berichtete, dass Sophie vor der Menschenmasse Angst hatte und zurückwich. Sie sei wieder Richtung Feuer gelaufen.
Wieder Madame d’Anlau war es, die später Sophie noch einmal gesehen haben will, als diese bereits vom Feuer umringt war.
Sie sei dabei friedlich gewesen.
Sie soll dabei nach dem Feuer gegriffen und irgendwas gemurmelt haben was sich wie
„la feu“ (Feuer)
anhörte. Danach warf Mathilde mit ihrer Gürtelschnalle ein Fenster ein und konnte sich so retten.
Sophie sah sie nie wieder.
Egal wer von dem Feuer berichtete und wie wirr manche Aussagen auch waren.
Alle waren sich einig, dass Sophie eine Gotterhabenheit ausstrahlte und so viele Kinder und Frauen rettete, während sie gemeinsam mit Valerie den Tod fand.
Auf der Kupel der Chapelle Bazar de la Charité sind Sophie und Valerie abgebildet, wie sie nach der Hand Marias greifen.
„Aufgefahren in den Himmel“
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Fotos: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Am 8.5.1897 fand ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Brandes in der Notre Dame de Paris statt.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin) GedenkschriftFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin) GedenkschriftFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin) kleiner Altar
Mitglieder der königlichen Familie, Frankreichs Präsident und viele Angehörige nahmen an dem Gedenkgottesdienstes teil.
Kaiserin Elisabeth schickte eine Krone aus weißen Lilien und weißen Rosen. Diese ließ sie mit den Farben der bayrischen und österreichischen Fahnen umschlingen.
Das berühmteste Opfer dieser Katastrophe war Herzogin Sophie, gefolgt von Victomesse Valerie. Sie hinterließ drei Kleinkinder.
Als die Chapelle Bazar de la Charité errichtet wird, baut man in den hinteren Gängen Gedenkmonumente für die Opfer.
Geht man den Gang entlang, wird man stummer Zeuge so sinnlos verlorener Leben(nicht öffentlich zugänglich!). Es nimmt einem bis heute den Atem und ich war unglaublich ergriffen von dieser Katastrophe.
In der Krypta der Kirche werden bis heute Kerzen angezündet. Auch ich habe eine Kerze angezündet.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Das schönste Gedenkmonument ist aber für mich jenes von Herzogin Sophie d’Alençon.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin) Diese Fotos sind exklusiv! Wer mein Urheberrecht missachtet wird zur Anzeige gebracht. Ausnahmslos!
Dreux – St. Louis Chapelle und Musee de la Historie
Wir verlassen nun die Chapelle de la Charité und wenden uns der Grabstätte von Sophie zu.
Sie ruht neben ihrem Mann Ferdinand und umringt von ihrer Enkelin, ihrer Schwiegertochter und ihrem Sohn in der St. Louis Chapelle in Dreux (öffentlich zugänglich!).
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Ihr Begräbnis fand im Stillen statt, jedoch ließ Ferdinand eine Grabplatte gestalten, die an seine wunderschöne Frau mit Haaren erinnern sollte.
Nur Sophies Schädel wurde gefunden.
Ob die beigelegten Knochen wirklich ihre sind, ist wissenschaftlich nicht belegt. Ihr Schädel wurde anhand ihrer Zähne als solcher anerkannt.
Ihre Grabplatte wurde allerdings 2x gestaltet.
Die erste Gestaltung (1904) ließ Herzog Ferdinand das Blut in den Adern gefrieren. Nach seiner Meinung war Sophie zu drastisch in ihrer Todesqual dargestellt. Er ließ die Grabplatte entfernen und gab eine neue in Auftrag.
Da die Grabplatte aber viel zu wertvoll war, ließ man sie ins Musee de la Historie in Dreux (öffentlich zugänglich) bringen.
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Wer die Chapelle St. Louis in Dreux besucht, wird die lieblichere Grabplatte von Sophie sehen.
In Dreux erzählt man sich, dass Sophie manchmal zu hören sei und weine, da sie ewig ihren Gatten Ferdinand anzusehen habe.
Er selbst hat es so gewählt. Wer sich die Statue ansieht, wird eindeutig die Haare erkennen, die Ferdinand extra herausarbeiten ließ. Ein kleines Vermächtnis dessen, was Sophie partout nicht wollte.
Vielleicht hört man sie auch deshalb weinen.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Sarkophag Sophie Herzogin d’Alençon Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Sarkophag Sophie Herzogin d’Alençon Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Sarkophag Sophie Herzogin d’Alençon Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Sarkophag Sophie Herzogin d’Alençon Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Sarkophag Sophie Herzogin d’Alençon Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Sarkophag Sophie Herzogin d’Alençon Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Sarkophag Sophie Herzogin d’Alençon Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Sarkophag Sophie Herzogin d’Alençon Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Sarkophag von Herzog Ferdinand d’Alençon Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Sarkophag Sophie Herzogin d’Alençon, dahinter ihr Mann Ferdinand, den sie im Tode ansehen „muss“ Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Bevor ich diesen Bericht abschließe, möchte ich euch noch das Grab am Pere Lachaise Friedhof jener Personen zeigen, die nicht mehr identifiziert werden konnten.
Es dient gleichzeitig aus als Denkmal.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin) Grab „nicht identifizierter Leichen“ am Pere Lachaise Friedhof, Paris
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin) Grab „nicht identifizierter Leichen“ am Pere Lachaise Friedhof, Paris
Nachsatz: So interessant die Recherchen zu diesem Beitrag waren, so beklemmend waren sie auch.
Ich habe 2018 an zwei Tagen vor Ort die Recherchen gemacht. Nachgehallt hat die Geschichte über Monate.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin) Sterbebild
Und auch 2021 lässt mich das traurige Schicksal von Sophie nicht los. Als auf Ebay eine deutsche Zeitung zu ersteigern war, welche über den Brand berichtete, habe ich den Zuschlag erhalten.
Ich möchte sie euch natürlich nicht vorenthalten. Die Zeitung ist Original vom Mai 1897! (Die Bilder sind natürlich mit Logo gesichert!)
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Original Zeitung 1897 Besitz + Fotos: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Die hier zur Verfügung gestellte Zeitung befindet sich in meinem Besitz. Ich zeige sie euch deshalb exklusiv.
Rechtliche Hinweise: Text: Petra Schimbäck Recherchen: Petra Schimbäck Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Chapelle Bazar de la Charité, Jourfixe-muenchen-ev.com, Meisterdrucke.at, Joseph Albert via Wikimedia/Commons Videorechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Je remercie tout particulièrement le personnel de la Chapelle Bazar de la Charité.
Literatur Hinweise:
L’incendie du Bazar de la Charité (in französisch) Dominique Paoli (Geschenk des Hauses) Eigenverlag Bazar de la Charité
Christian Sepp (HC-Ausgabe) (nur noch antiquarisch erhältlich) Sophie Charlotte: Sisis leidenschaftliche Schwester August Dreesbach Verlag, 1. Auflage 2014
Foto: Wikimedia/Commons Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth, 1854 Hochzeitsbild Bild: Anonym
*… du, glückliches Österreich, heirate!
Der Hochzeitstag von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern, welche mit dieser Hochzeit zum Hochadel avancierte und Kaiserin von Österreich wurde, ging in die Geschichte ein.
Die kleine Elisabeth verzauberte Kaiser Franz Joseph im August 1853 in Ischl so sehr, dass nach 3 Tagen am 18.8.1853 bereits die Verlobung gefeiert wurde.
Seit dem wurde die Hochzeit auf Hochtouren geplant. Die junge Braut wurde nicht lange gefragt.
Unglückliche Gedichte schrieb sie in ihr Tagebuch, doch es half alles nichts. Anfang März 1854 unterschrieb ihr Vater Herzog Max den Ehe Pakt.
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Fotos: Antiquitäten kunst-bail.de Einladungskarte von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern
Direkt nach der Verlobung erhielt Elisabeth Heiratsgut im Wert von
50.000 Gulden = ca. € 670.000 Weitere 100.000 Gulden = ca. € 1,340.000
wurden als Absicherung der Witwenschaft ausgehandelt, vorausgesetzt Franz Joseph würde vor ihr versterben.
Als Morgengabe wurden 12.000 Dukaten vereinbart.
Kaiser Franz Joseph verpflichtete sich weiters seiner Gattin jährlich eine Apanage von 100.000 Gulden (etwa € 1,340.000) zu bezahlen. Elisabeth sollte also nicht „arm“ in der Ehe sein.
In den späteren Jahren richtete sich Kaiserin Elisabeth in der Schweiz ein Konto ein, so dass sie fernab vom Wiener Hof sehr gut Leben konnte. Sie war zeitweilig sogar reicher als ihr Ehemann.
Weiters wurde Wäsche und Schmuck als Ausstattung vereinbart, wobei diese sehr ärmlich war.
Ludovika hatte mit der Hochzeit mit Helene gerechnet.
Elisabeth warbei der Verlobung erst 15 Jahre alt und ihre Ausstattung war weder komplett und schon gar nicht edel genug für den feinen Wiener Hof. Das Kaiserhaus war nur edelste Stoffe und Juwelen gewohnt.
Die 25 Koffer die vor der Braut in Wien eintrafen, waren daher dem Gespött ausgesetzt. Elisabeth galt als „keine gute Partie“, noch bevor sie Wien erreichte. Ihre Silberausstattung galt als „bescheiden“.
Die Silberausstattung, die damals als ein „Muss“ galt, hatte einen Gesamtwert von ca. 700 Gulden = ca. € 9.380.
Handspiegel, Waschkanne und Silberteller bereits miteingerechnet.
Einzig der Schmuck hatte einen höheren Wert, dieser wurde ihr jedoch im Laufe der Verlobungszeit von Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Sophie geschenkt. Der Wert des Schmuckes wurde auf
60.000 Gulden = € 804.000 geschätzt.
Die Kleider hatten einen Wert von
50.000 Gulden = ca. € 670.000.
Elisabeth besaß: 4 Ballkleider 17 Putzkleider (Kleider mit Schleppe wurden Putzkleider genannt) 14 Seidenkleider 19 Sommerkleider 1 Trauerkleid
Das Wertvollste – ein blauer Samtmantel mit Zobelbesatz, sowie Zobelmuff – war natürlich wieder ein Geschenk von Franz Joseph.
Zum Vergleich:
Ein Arbeitslohn für Männer betrug jährlich 300 Gulden = € 4.020, Frauen nur die Hälfte, Kinder nur ein Bruchteil.
Ein Leutnant hatte 24 Gulden monatlich = ca. € 321,60 zu erwarten, Soldaten dementsprechend weniger, Offiziere demnach mehr.
Zwar waren diese Beträge für jeden Bürgerlichen immer noch horrend und nicht zu erreichen, aber reiche Kaufleute konnten ihre Töchter weitaus besser ausstatten.
Der „vulgäre“ Landadel von den Herzogs „in“ Bayern wurde von jeher als „nicht standesgemäß“ betrachtet.
Das Datum der Hochzeit wurde auf den
24.4.1854
angesetzt.
Obwohl Ludovika um eine Hochzeit in München kämpfte, verlor sie auch diesen Punkt gegen ihren zukünftigen Schwiegersohn.
Foto: Antiquitäten kunst-bail.de Einladungskarte von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern mit dem gesamten inneren Text
Er ließ nicht mit sich Handeln. Die Hochzeit sollte in Wien, in der Augustinerkirche, stattfinden.
In Wien wurde derweil alles für dieses Großereignis vorbereitet. Obwohl die Gefahr eines Krimkrieges bevorstand und kaum abgewendet werden konnte, setzte man große Hoffnungen auf die Hochzeit mit Elisabeth.
Wien wurde herausgeputzt.
Die ersten Lithographien trudelten in Wien ein und so sind es wieder die Zeitzeugen, die uns davon erzählen:
„Wien, 11.November 1853 Liebe Eva! … Ich sah den Kaiser einigemale bei seiner Fau Mutter; er sieht wohl und freudestrahlend aus. Es sind einige Lithographieen von der Kaiserbraut in den Kunsthandlungen ausgestellt, die viel zu wünschen übrig lassen. Das Oehl-Gemälde von Türl aus München, welches der Kaiser erhalten soll sprechend ähnlich und ein sehr schönes Portrait sein. Es steht in seinem Schreibcabinet.“ … Deine Sophie (13a)
Anmerkung Petra: Herzlichst erfrischend, dass nicht nur ich Schreibfehler mache. Auch Sophie verschrieb sich des Öfteren in ihren Briefen. Hier ist z.B. Lithographieen mit doppel „e“ geschrieben. Herrlich, dass dies erhalten blieb!
Nicht nur Wien, auch der gesamte Wiener Hof, die Erzherzogin und natürlich die zukünftigen Hofdamen wurden für das Fest vorbereitet.
Die Schneider und Näherinnen ihrer Zeit hatten alle Hände zu Tun, um den Ansprüchen dieser Hochzeit gerecht zu werden.
Sophie Baronin von Scharnhorst(*) (*/†unbekannt) lässt uns wieder einmal an ihren Gedanken teilhaben.
„Wien, 12.Jenner 1854 Liebe Eva! Wegen der Hochzeitsfeierlichkeiten hielt ich gestern Conferenz mit Paula Bellegarde (Anmerkung Petra: zukünftige Hofdame von Kaiserin Elisabeth Paula Gräfin von Bellegarde, später von Königsegg-Aulendorf und ihre Obersthofmeisterin) und ihrer zufällig anwesenden Mutter. Beide finden, daß mit Silbernen Rosen gestickte Tüllkleid zu zwei Röcken Schöner für Caroline (Anmerkung Petra: Tochter von Eva) als mit volants. Silbergestickte Bandeaus sind sehr elegant, Paula wird sich auch solcher bedienen weil Brüßler Blonden zu gepfeffert sind und für 1-2mal anziehen sind sie zu theuer – außer für Königin Victoria! Die Manteaux erfordern eine Länge von 11/4 und 11/2 metre Länge. … Die Gemüther der Diplomaten und Geschäftsleute sind ängstlich mit den immer drohender werdenen kriegerischen Aussichten – beschäftigt. Der liebe Gott wende das Unglück ab!! (Anmerkung Petra: Damit ist der oben erwähnte Krimkrieg gemeint) Sophie. (13)
Auch eine zusätzliche Strophe für die Kaiserhymne wurde geschrieben:
An des Kaisers Seite waltet,
Ihm verwandt durch Stamm und Sinn,
Reich an Reiz, der nie veraltet,
Uns're holde Kaiserin.
Was als Glück zu höchst gepriesen
Ström' auf sie der Himmel aus:
Heil Franz Joseph, Heil Elisen,
Segen Habsburgs ganzem Haus!
Musik: Joseph Haydn
Text: Johann Gabriel Seidl
Baronin von Scharnhorst hält die Weihnachtsfeiertage für uns fest:
„Wien, 20.December 1853 Liebe Eva! ….. Heute um 2 Uhr vor Tisch besuchte mich Erzherzog Karl (Anmerkung Petra: Karl Ludwig war gemeint, Bruder von Franz Joseph) um Abschied zu nehmen. Er reist diesen Abend 10 Uhr nach Lemberg auf Seinen Posten und bleibt bis zur Vermählung des Kaisers dort. Erzherzog Max (Anmerkung Petra: ebenfalls ein Bruder vom Kaiser) ist in Triest und Seine Majestät reisten heute nach München. Die vortreffliche Erzherzogin ist beinahe ganz verwaist, aber schöne Hoffnungen bleiben ihr, wenn erst die Kaiserbraut in Wien einzieht. Gott erfülle alle Hoffnungen! Deine Sophie (14)
Kaiser Franz Joseph besuchte seine Elisabeth zu Weihnachten in München und brachte der Braut und dem Geburtstagskind einen Kranz aus weißen Rosen mit. Ein Unding zur damaligen Zeit und im Winter noch dazu.
„Wien, 8. Jenner 1854 Der Kaiser soll sehr heiter und zufrieden von seiner beglückenden Reise zurückgekehrt sein auch wie ich höre vorgenommen haben diesen Carneval nicht zu tanzen, was seinen ritterlichen Gefühlen sehr entspricht. … Deine Sophie“ (15)
Am 20.4.1854 bestieg Herzogin Elisabeth mit ihrer Mutter Ludovika eine Kutsche um eine 3tägige Reise anzutreten. Gefolgt von ihrem Vater und den Geschwistern. Zuvor wurde noch groß Abschied in München genommen.
Sie verabschiedete sich von dem gesamten Personal, ihrem Stief-Onkel Ex-König Ludwig I. (der 1848 wegen dem Lola Montez-Skandal abdanken musste), dem regierenden König Maximilian II und der gesamten Verwandtschaft. Die junge Braut war in Tränen aufgelöst.
Foto: Wikimedia/Commons Schiff „Austria“ bei der Ankunft in Linz 21.4.1854
Am 21.4.1854 bestieg sie das Dampfschiff „Austria“ und fuhr von Straubing Richtung Linz.
Franz Joseph entschied sich spontan seine Braut in Linz zu begrüßen und fuhr ihr mit einer Kutsche aufgeregt entgegen.
Das war nicht nur gegen das Protokoll, sondern auch eine ziemliche Überraschung für die Linzer, die mit der Ankunft des Kaisers so gar nicht gerechnet hatten.
Schwiegermutter in spe und Tante Erzherzogin Sophie, muss einer Ohnmacht nahe gewesen sein als sie davon erfuhr.
Kaiser Franz Joseph verstieß damit gegen jede Etikette. Auch das Busserl, dass er seiner Braut Elisabeth vor lauter Freude auf die Wange drückte, hätte nicht stattfinden dürfen.
Es geziemte sich nicht in der Öffentlichkeit zu „Busslern“ – schon gar nicht für einen Kaiser.
Linz begrüßte die zukünftige Kaiserin mit gebührlichem Programm:
Das Theaterstück
„Die Rosen der Elisabeth“
wurde aufgeführt, danach ein Chorgesang und ein Fackelzug durch die Stadt.
Obwohl die junge Braut zu diesem Zeitpunkt schon erschöpft war, stand aber alle Huldigungen mit Bravour durch.
Elisabeth übernachtete mit ihrer Gefolgschaft im Landhaus Linz. Ihr Zimmer ist heute noch erhalten, allerdings ist das Gebäude selbst ein Regierungsgebäude; es ist öffentlich nicht zugänglich.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Ich durfte jedoch den Meetingsaal mit den Original erhaltenen Möbeln und Tapeten besuchen.
Gegen 4.30 Uhr früh verließ der Kaiser Linz, um seine Elisabeth am Abend in Wien erneut zu begrüßen.
Foto: Wikimedia/Commons Ankunft in Nussdorf
Der Raddampfer „Franz Joseph“ nahm am 22.4. erneut die Brautgesellschaft auf und fuhr pünktlich um 8.00 Uhr morgens ab.
Die ganze Zeit musste Herzogin Elisabeth am Schiff stehen, um mit einem Spitzentaschentuch den tausenden Leuten, die die Straßen und Ufer säumten, zu winken.
Wie sehr das an den Nerven der 16jährigen zerren musste, kann man sich kaum vorstellen. Verschüchtert und voller Angst fuhr sie dem Ungewissen entgegen.
Unter Glockengeläut (alle Glocken in Wien läuteten) und Kanonendonner legte das Schiff in Nußdorf an und Franz Joseph gab Elisabeth wieder ein Busserl auf die Wangen.
Und obwohl das junge Mädchen sicherlich Ruhe gebraucht hätte, nahm man auf die erschöpfte Braut keine Rücksicht. Der Marathon ging weiter. Der Wagenzug mit dem Brautgefolge, Bräutigam und Eltern zogen von Nußdorf nach Schloss Schönbrunn wo ein großes Dinner statt fand.
„Ich habe den Kaiser schon lieb. Wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (1a)
Diesen Satz soll Elisabeth gesagt haben, bevor sie sich mit dem Kaiser verlobt hat.
Sie hat geahnt, was auf sie zukommen wird.
Ich würde persönlich gerne wissen, was sie gedacht hat, als sie den Prunk und den Protz in Schloss Schönbrunn mit seinen 1400 Zimmern erblickte. Als sie erfuhr, dass in Schönbrunn ca. 4000 Personen permanent wohnten.
Foto: myhtoskaiserinelisabeth.com – Petra Herzogin Elisabeth wie sie sich als Braut sah eigenhändige Skizze, 1854
Plötzlich waren Menschen um sie herum, die ihr von einer Sekunde auf die nächste die Hand küssen wollten/mussten.
„…man begafft mich wie ein seltenes Tier…“
Diese Textzeile aus dem Musical Elisabeth ist wohl noch harmlos ausgedrückt.
Mit großer Feierlichkeit überreichte Franz Joseph sein Brautgeschenk.
Eine Diamantenkrone, die extra für 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) überarbeitet wurde.
Hierzu ist im Musical Elisabeth eine Textzeile überliefert:
„In der Schatzkammer fiel die Krone zu Boden…“
Dies galt als schlechtes Omen und wurde für eine schlechte Ehe vorausgesehen. Danach wurden alle anderen Geschenke überreicht. Ex-Kaiser Ferdinand überreichte ihr ebenfalls ein Diamantendiadem.
Einzug der Braut Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Foto: Wikimedia/Commons Sophie Gräfin Esterházy Lithographie: Josef Kriehuber, 1833
Foto: Wikimedia/Commons Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. Gräfin von Bellegarde
Zu all dem wurden ihr noch ihr völlig fremde Personen zugeteilt. Alle Damen, die sie bis jetzt betreuten, wurden ihres Dienstes enthoben.
Statt dessen wurde ihr als Obersthofmeisterin Sophie Maria Josepha Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha (*5.9.1798, †17.6.1869) zur Seite gestellt.
Gräfin Esterházy war Hofdame bei Erzherzogin Sophie und eine ihrer engsten Vertrauten. Elisabeth hat Gräfin Esterházy vom ersten Anblick an abgelehnt.
Zu Recht, denn die Gräfin hatte nichts besseres zu tun, als jede kleine Verfehlung die sich die junge Kaiserin erlaubte an Erzherzogin Sophie weiterzuerzählen.
Sie behandelte die junge Kaiserin wie ein unmündiges kleines Kind und erzählte ihr weiters den gesamten Tratsch vom Hof, der die Kaiserin nicht im geringsten interessierte.
Weiters wurde ihr Obersthofmeister Fürst Lobkowitz zur Seite gestellt.
Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. von Bellegarde (Gräfin Bellegarde) (*2.4.1830, †27.5.1912) und Gräfin Lamberg vervollständigten das direkte Personal von Elisabeth.
Zusätzlich zogen ein Sekretär, eine Kammerfrau, ein Kammerthürhüter, vier Leiblakeien, ein Hausknecht und ein Kammerweib mit Elisabeth in die Hofburg bzw. Schloss Schönbrunn. Das dies die kleine Herzogin aus Bayern einschüchterte wird jedem verständlich sein.
Am 23.4. wurde der Hochzeitsmarathon fortgesetzt.
Vom heutigen Theresianum (damals „Favorita“ und von Franz Joseph kaum noch benützt) wurde das strenge Zeremoniell gestartet, wo Elisabeth bereits seit einigen Stunden für dieses Ereignis hergerichtet wurde.
Die von 8 Lipizzanern gezogene Prachtkutsche, wurde mit Leibgardisten in Paradeuniform begleitet. Weiters folgten dem Tross 6spännige Kutschen mit den Geheimen Räten, Palastdamen und der Familie. Neben den Wägen gingen die Diener.
Wienmuseum.at die neu erbaute Elisabethbrücke Kutsche mit Herzogin Elisabeth und Herzogin Ludovika, dahinter die Karlskirche
Der Zug führte über die neue Elisabethbrücke, welche 1898 abgerissen wurde.
Sie trug ein rosa Putzkleid mit Schleppe, welches mit Rosengirlanden geschmückt war. Das neue Diamantendiadem wurde ihr auf den Kopf gesetzt. Herzogin Elisabeth war überaus verängstigt und schluchzte leise vor sich hin. Aber auch Ludovika schüchterte diese enorme Zeremonie ein.
Als der Zug vor der Kirche ankam erklangen wieder alle Glocken, um den Einzug der Braut zu würdigen. Die Straßen waren voll von Schaulustigen, die sich alle einen Blick auf die baldige Kaiserin erhofften.
Als sie endlich bei der Hofburg ankam, war sie zu Tode erschöpft.
Beim Ausstieg aus der Kutsche, passierte ihr deswegen ein kleiner Fauxpas. Sie blieb mit der Diamantenkrone an der Türfassung der Kutsche hängen und strauchelte daher beim Aussteigen.
Der Wiener Hof hatte gleich wieder zu lachen und zu tratschen, da dieses Missgeschick natürlich ausgerechnet vor allen Augen passierte.
Im Amalienhof (Trakt der Hofburg) angekommen, durfte sich die junge Braut endlich ausruhen.
Elisabeth notierte in ihr Tagebuch:
Ich bin erwacht in einem Kerker, Und Fesseln sind an meiner Hand. Und meine Sehnsucht immer stärker – Und Freiheit! Du, mir abgewandt. (1)
Am nächsten Morgen gingen die Hochzeitsvorbereitungen erneut los.
Foto: Wikimedia/Commons „Eine Vorstellung wie die Hochzeitszeremonie aussah“, Neue Illustrierte Zeitung, 1879 zum 25. Hochzeitstag veröffentlicht, Holzstich, Anonym
Die Hochzeit war für 19.00 Uhr am Abend angesetzt.
Jede Braut kennt die Vorbereitungen die an diesem Tag auf sie warten. Eine 16jährige Braut und noch dazu die zukünftige Kaiserin, musste noch strengere Vorbereitungen über sich ergehen lassen.
Foto: Kunsthistorisches Museum Wien Wagenburg Schloss Schönbrunn 3,80m Schleppe vom Brautkleid, als einzige komplett erhalten
Bis heute weiß niemand genau wie das Hochzeitskleid von Herzogin Elisabeth in Bayern genau aussah. Dazu mehr weiter unten…
Es gab vor einigen Jahren von Schloss Schönbrunn einen öffentlichen Aufruf ob jemand am Dachboden oder sonst wo, von seinen Ur-Urgroßeltern Zeichnungen zum Brautkleid von Kaiserin Elisabeth liegen hat. Diese Zeichnungen hätten demjenigen viel Geld eingebracht. Leider verhallte der Aufruf ungehört. Und so müssen wir bis heute ungefähr erahnen, wie das Kleid ausgesehen haben könnte.
Aber warum war das so?
Es waren nur geladene Gäste in die Kirche vorgelassen und die platzte schon aus allen Nähten. Das gemeine Fußvolk musste natürlich vor der Türe warten und wer tatsächlich einen Blick erhaschen konnte, konnte das Kleid vermutlich nicht richtig sehen. Maler, Zeichner usw. waren sicherlich positioniert, aber keiner hätte es genau treffen können. Und ein Maler war an diesem Tag leider keiner bestellt.
Bei der Hochzeit in der Augustinerkirche selbst waren nur die engsten Familienangehörigen, der Hofstaat und die Kardinäle anwesend. Deswegen existieren auch hier keine genauen Aufzeichnungen wie Elisabeth am Tag ihrer Hochzeit aussah.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Augustinerkirche, 2017
Nach der Trauung wurde das Kleid noch 25 Jahre aufbewahrt, um daraus das 25jährige Hochzeitskleid zu nähen.
Danach wurde das Kleid nach Maria Taferl und in die Matthiaskirche in Budapest gespendet und je zu einem Vespermantel verarbeitet.
Doch ihr kennt mich. Ich lasse keine Ruhe und gehe immer wieder auf die Suche und so bin ich auf folgenden Brief gestoßen, den ich hier wiedergeben möchte.
Baronin von Scharnhorst ist es wieder, die folgendes berichtet:
„8ten December 1853 Liebe Eva! Die Erzherzogin hat mich schon vor 8 Tagen zum Christbaum eingeladen und dieser Gnade auch manche andere beigefügt. Gestern brachte ich Mal wieder einen herrlichen Abend bei der hochverehrten Erzherzogin Sophie zu im engen Familienkreis am trautlichen Theetisch. Erzherzog Max erheiterte die Gesellschaft, – die nur aus der hochverehrten Erzherzogin, dem kleinen Ludwig (Anmerkung Petra: Luzi-Wuzi, Bruder von Kaiser Franz Joseph), mir und Antoinette Auersperg bestand – durch das jugendliche Spiel seiner Phantasie. … Die theure Erzherzogin zeigte uns herrliche Gold- und Silber-Brocatstoffe die ihr zu den Vermählungsfeierlichkeiten vom Gemahl geschenkt wurden, wahre Meisterwerke des guten Geschmacks und der Weberei, das Hochzeitskleid ist weißer Damast mit Gold reich broschirt dazu wird ein cerise schwerer Stoffmanteau mit Gold gestickt genommen. Das 2te Kleid blauer Damast mit Silber-Quirlanden und Medaillons brochirt, ist über alle Beschreibung schön. Jedes Kleid hält 10 Ellen und kostet 300 fl C.M. (Anmerkung Petra: fl = Gulden, C.M. = Conventionsmünze 300 Gulden = ca. € 4.640.74) was ich sehr wenig finde. Demetre ist in den Sachen reich fournirt. – Es wird eine blendende Pracht werden! Die Büste der Kaiserin(*) ist nun auch von München angekommen, und ganz vortrefflich ausgefallen! als pendant zur Kaiserbraut. Beide Büsten sind besser wie alle Portraits des hohen Brautpaares. Sophie“ (16)
(*)Anmerkung Petra: Ich vermute, dass es sich hier um einen Schreibfehler der Baronin handelt und es nicht „der Kaiserin“, sondern „des Kaisers“ heißen soll. Anders ergibt es nämlich überhaupt keinen Sinn. Im Buch von Richard Kühn, der leider die Briefe nicht Wort für Wort abgeschrieben und vieles hinzugedichtet hat, wurde auf S. 339 das Wort Kaiserin schon in Kaiser verbessert. Weitere Anmerkungen am Ende des Artikels!
Hier haben wir also das Kleid wunderbar beschrieben:
Gold und Silber-Brocatstoff, ein guter Geschmack der Weberei, weißer Damast, mit Gold reich broschirt und ein schwerer Stoffmanteaeu...
Genau wie er in der Wagenburg zu sehen ist; zumindest noch ein Teil davon.
Der Rest wird wohl leider wirklich immer im Verborgenen bleiben.
Der üppige Haarschmuck von Elisabeth. Mir persönlich gefällt er nicht, aber das ist immer Geschmackssache.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Haar-Brautschmuck: Blütenkranz aus Goldgespinst und 2 Steckkämme Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Haar-Brautschmuck: Blütenkranz aus Goldgespinst und 2 SteckkämmeFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Haar-Brautschmuck: Blütenkranz aus Goldgespinst und 2 SteckkämmeHerzogin Elisabeths Goldgespinst-Haarschmuck – Leihgabe
Wenn man sich aber diese Aufzeichnungen ansieht, kann man ungefähr das genaue Ausmaß erahnen:
Ihre königliche Hoheit trug ein Schleppenkleid und einen Mantel von Moire antique, prachtvoll mit Gold und Silber gestickt und reich mit Myrthen verziert.
In Sophies Tagebuch fanden sich folgende Passagen (alle abzuschreiben, würden jeglichen Rahmen sprengen, aber die wichtigsten gebe ich wieder):
Montag, 24. April […] gegen 7h 3/4 suchte mich der Kaiser nach seiner Beichte auf und fand Louise (Ludovika, Sisis Mutter) in meinem Salon vor, die auf das Ende von Sisis Beichte bei Bischof Zenner in meinem Oratorium wartete. Begleitet von ihrer Mutter nahm Sisi mit dem Kaiser an der Heiligen Messe […] in der Josephskapelle teil. – Franz, unsere 3 Jüngsten, ich und Carl in meinem Oratorium. Dort habe ich gebetet und aus ganzem Herzen geweint. (6)
Das Frühstück im roten Kabinett mit meinen 4 Kindern, ihrem Vater, Louise [und] ihren Töchtern: [Herzog] Max und Ludwig kamen dazu. Der Kaiser, so glücklich und verliebt. […] (7)
Nach 3h: das Diner bei mir mit meinen 4 Kindern und ihrem Vater. Gute und fröhliche Unterhaltung. Wir tranken auf das Wohl der jungen Brautleute, auf Marie und Fritz von Sachsen, die Hochzeitstag hatten. […] (8)
Um 5h Toilette:: Kleid aus weißem Stoff und Gold von Franz; Mantel aus amarantfarbenen Stoff, den ich mit Gold und Silber besticken ließ. (9)
Gegen 6h 1/2: mit meinem Sohn und seinem Vater zu Louise , wo wir 4 Väter und Mütter das junge schöne Paar segneten. Mein liebes Kind strahlte vor Glück. Sisi war schön und elegant. Nachdem mich mein Sohn fest umarmt hatte, umarmte er seine Braut, während er sanft ihre Hand drückte, sagte er ihr liebevolle Dinge und wie er auf ihr Wohlergehen bedacht war. Ich war so glücklich. (10)
Im Spiegelsalon fanden wir die gesamte kaiserliche Familie vor. Langes und immenses Gefolge (alle Palastdamen hatten Dienst) (Anmerkung Petra: meinen Beitrag zum Hofzeremoniell könnt ihr hier nachlesen) bis zur Augustinerkirche, der Gang übermäßig heiß, die jungen Leute der Neustädter Akademie standen zu ihrer großen Freude Spalier. […] der Erzbischof, assistiert von den Bischöfen von Linz und St. Pölten, segnete die Vermählung nach einer langen Predigt […], Nachdem die Ringe getauscht waren, läutete es 7h 1/2. In diesem schönen Moment führte der Kaiser die Kaiserin zum Thron und ließ sie an seiner Seite Platz nehmen, ihre Mutter neben mir, die Augen geschlossen, die Hände gefaltet, mit einem Ausdruck von Bescheidenheit und christlicher Demut – sehr ergreifend. (11)
Foto: Wikimedia/Commons Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher
Foto: Wikimedia/Commons Herzogin Elisabeth wird zur Kaiserin man erkennt gut das beschriebene Rosenbouquet, das Diadem und den Brautschleier
Die Kirche wurde mit 15.000 Kerzen erleuchtet und die junge Braut betrat die Augustinerkirche, wo 70 Kardinäle, Bischöfe und Prälaten auf sie warteten.
Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher (*6.10.1797, † 24.11.1875) nahm die Trauung vor.
Auch Wien erstrahlte im schönsten Licht. Kerzen, Gasflammen und elektrische Glühlampen wurden angezündet.
Danach zog der Hochzeitszug zurück in die Hofburg, wo wieder das steife Zeremoniell begann.
Foto: Nationalbiblithek.at Große Cour im Zeremoniensaal der Wiener Hofburg anlässlich der Vermählung Kaiser Franz Josefs I. mit Elisabeth in Bayern am 24. 4. 1854; Repronegativ nach einer Xylographie von Eduard Kretzschmar in der „Illustrierten Zeitung“ vom 6. Mai 1854
Nun in Form der Huldigungen und Glückwünsche die auf die ermüdete und erschöpfte Braut zukamen.
Gräfin Esterházy stellte die „Palast- und appartementmäßigen Damen“ und Oberhofmeister Lobkowitz die „Kavaliere des Hofstaates“ vor. Die Damen durften nun zum Handkuss vorgelassen werden.
Kaiserin Elisabeth vollkommen übermüdet, verwirrt und verweint reagierte natürlich falsch und wartete, dass die Damen das Wort an sie richteten.
Man kann sich lebhaft vorstellen, was das wiederum für ein Getuschel und Getratsche war, als die Kaiserin nicht selbst das Wort an die Damen richtete. Das Hofprotokoll sah vor, dass man die Kaiserin nicht ansprechen durfte. Nur die Kaiserin selbst durfte das Gespräch beginnen.
Die nächste Peinlichkeit ließ nicht lange auf sich warten. Als zwei Cousinen sah, zog sie ihre Hand zum Handkuss zurück und umarmte die beiden. Ihre Obersthofmeistern war so echauffiert, dass sie die Kaiserin coram publico aufforderte, nur streng nach Zeremoniell zu handeln.
Elisabeth durfte nur noch die Hand für den Handkuss reichen. Vor lauter Scham brach sie in Tränen aus und verließ den Saal.
Die peinliche Szene konnte der ganze Wiener Hof beobachten, man mag sich dies auch in der heutigen Zeit gar nicht ausmalen. Der Skandal war perfekt, auf Monate hin, war für Hohn und Spott gesorgt.
Nach 23.00 Uhr waren endlich alle Feierlichkeiten abgeschlossen und die „Bettlägeszene“ wurde vorbereitet.
Ludovika und Sophie begleiteten Elisabeth in ihr Schlafzimmer und halfen ihr sich für die Hochzeitsnacht herzurichten.
Sophie schrieb in ihr Tagebuch:
Zwischen 10 und 11h: Tee und Souper bei mir, wir 4 Väter und Mütter und unsere Kinder. Nachdem alle gegangen waren, führten wir, Louise und ich, die frisch Vermählte in ihrer Gemächer. Ich ließ sie mit ihrer Mutter allein und richtete mich im Kabinett neben dem Schlafzimmer ein, bis sie zu Bett gegangen war; ich suchte meinen Sohn auf und begleitete ihn zu seiner jungen Frau, die, als ich ihr gute Nacht sagte, ihr hübsches von reichem, schönen Haar umrahmtes Gesicht im Opfpolster verbarg, wie ein erschreckter Vogel, der sich in seinem Nest versteckt. Ich ging mit Louise […](3)
Die Ehe wurde nicht vollzogen.
Am nächsten Tag tauchte Sophie beim gemeinsamen Frühstück auf und ließ sich von ihrem Franzi erzählen, wie die Hochzeitsnacht gelaufen sei. Franz Joseph musste mit hochrotem Kopf zugeben, dass diese nicht stattgefunden hatte.
Auch die Kammerzofen und Lakaien wussten bereits, dass es keinen Vollzug gab. Das verräterische Bettzeug wurde entfernt und neu bespannt.
Kaiserin Elisabeth schämte sich zu Tode.
Auch am zweiten Tag konnte kein Erfolg vermeldet werden.
Mittlerweile tuschelte schon der gesamte Hof und Kaiser Franz Joseph wurde zum Gespött von ganz Schönbrunn und der Hofburg. Die Offiziere und Soldaten von den Regimentern schlossen schon Wetten ab,
„wann die Kaiserin fallen würde“.
Eine Schande für den jungen Kaiser und natürlich noch mehr für die junge Frau.
Erst am dritten Tag wurde die Ehe vollzogen.
Ob sich der Kaiser nahm, was ihm nicht zustand, oder ob ihn Elisabeth tatsächlich ließ ist nicht überliefert.
Liest man sich aber die Aussagen, seiner späteren Liebhaberinnen durch, so zählte Franz Joseph zu den „groben Liebhabern“, die nichts von Liebe und Zärtlichkeit verstanden.
Ich nehme also einmal an, dass Elisabeth in ihrer dritten Ehenacht gelitten hat. Und dies auch der Grund war, warum sie Zeit ihres Lebens ein Trauma diesbezüglich hatte und von weiteren Liebesnächten nicht viel hielt.
Auch die peinlichen Berichte an seine Mutter waren sicherlich ein Grund für die junge Frau, sich später zu entziehen. Sie wollte einfach nicht der Guten Morgen-Tratsch bei ihrer Tante und Schwiegermutter sein.
Kaiser Franz Joseph fand sich nun also zum Frühstück bei seiner Mutter ein und bat auch seine Frau zu kommen.
Dort berichtete er von dem Vollzug.
Die Kaiserin aber blieb noch eine Weile im Bett, weil sie sich schämte. Sie folgte erst später und hoffte, dem peinlichen Gespräch auszuweichen.
Elisabeth erzählte folgendes später Marie Festetics:
„Der Kaiser war so gewohnt, zu folgen, daß er sich auch darin ergab. Aber mir war das gräßlich. Ihm zu lieb ging auch ich.“ (4)
Bis zum 30.4.1854 zogen sich die Hochzeitsfestlichkeiten. Es fand noch ein Hofball, Theateraufführungen, ein Staatsdinner mit 160 geladenen Gästen uvm. mehr statt.
Foto: Schloss Laxenburg Schloss Laxenburg, Franzenburg
Die Flitterwochen wurden in Schloss Laxenburg verbracht.
Doch diese verbrachte Elisabeth mit ihren fremden Hofdamen zum größten Teil allein.
Franz Joseph musste jeden Morgen zurück, um die Staatsgeschäfte zu erledigen. Kaiserin Elisabeth litt unter großem Heimweh.
Hinzu kam das strenge Protokoll. Als bayrische Herzogin wurde sie frei und unkonventionell erzogen.
Ab sofort durfte sie sich nicht mehr alleine Anziehen, Ausreiten oder gar Spazierengehen.
Sogar ihre Mahlzeiten musste sie in „fremder“ Gesellschaft einnehmen. Elisabeth musste das Protokoll einhalten und die dafür vorhergesehen Personen mitnehmen.
Eine Qual, wenn man bedenkt, dass Elisabeth auf die Aufgabe einer Kaiserin nicht vorbereitet wurde.
Bereits im Juni 1854 musste Elisabeth bei einer Repräsentationsreise nach Böhmen und Mähren ihren Kaiserinnenpflichten nachgehen.
Das Hochzeitskleid
In diesem Video seht ihr nicht nur die Original-Hochzeitsschleppe, sondern auch das „Mystery Wedding-Dress“
Bis heute weiß niemand genau wie das Hochzeitskleid tatsächlich ausgesehen hat.
WARUM?
Damals waren nur hochrangige Gäste zur Hochzeit geladen. Der höchste Adel, der höchste Militärrang, Eltern, Geschwister und die katholische Kirche. Die Kirche war viel zu klein um für all die Gäste Platz zu bieten, nicht einmal die hochrangigen Gäste hatten alle Platz, so dass einige dicht an dicht stehen mussten.
Das Volk und all die Schaulustigen waren vor den Toren, die durch ein unglaubliches Aufgebot an Polizei, Bedienstete, Lakaien, Kutscher, Diener usw. ebenfalls kaum etwas sahen.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra via Dorotheum Wien Kaiserin Elisabeth als Braut der Efeu soll die Jungfräulichkeit widerspiegeln Bild: Franz SchrotzbergFoto: Wikimedia/Commons das glückliche Brautpaar
Und natürlich war die Fotografie noch nicht erfunden, weshalb es auch kein Foto vom Hochzeitskleid der Kaiserin bzw. der blutjungen Herzogin gab.
Wer einen Blick auf die junge Braut erheischen konnte, konnte sich glücklich schätzen.
Das Kleid wurde mehrfach skizziert, aber korrekt sind alle nicht, es ist vielmehr der damaligen Mode entsprechend angepasst.
Wir wissen, dass es ein Kleid mit Gold und Silberfäden gewesen sein muss, denn die Brautkleid-Schleppe ist komplett erhalten geblieben.
Sie wurde wie ein Gürtel um das eigentliche Kleid getragen und nach der Zeremonie abgenommen.
Erzherzogin Marie Valérie erbte von ihrer Mutter das edle Stück der Schleppe, welche 1989 von den Nachfahren an das Kunsthistorische Museum Wien übergeben wurde und bis heute dort ausgestellt ist.
Sogar Schloss Schönbrunn machte vor ein paar Jahren einen internationalen Aufruf und bat Nachfahren um Hilfe. Es sollten Tagebücher und Zeichnungen durchwühlt werden, ob sich nicht doch irgendwo ein/e authentischer Bericht oder Skizze, Stich oder sonstiges vom Brautkleid der Kaiserin findet. Leider vergeblich. Schloss Schönbrunn wollte die Aufzeichnung sogar honorieren.
Foto: Wikimedia/Commons Trauung Herzogin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph von Kardinal Rauscher, Augustinerkirche 24.4.1854
Laut Prager Tagblatt vom 27.4.1879 trug Kaiserin Elisabeth das Kleid noch einmal zu ihrem 25. Hochzeitstag.
Für diese Festlichkeit, wurde ihr Hochzeitskleid, das bis dato in Possenhofen aufbewahrt wurde, nach Prag gebracht und dort nach den Wünschen der Kaiserin umgeändert.
Es wurde zum berühmten 25sten Hochzeitstagskleid umgeändert, welches auf vielen Bildern von Kaiserin Elisabeth zu bewundern ist.
Es ist im übrigen das letzte Bild, für das sie Model gestanden ist.
Foto: myheimat.de Silberhochzeitskleid Kaiserin Elisabeth Ausstellung 2016, Sisi Schloss Aichach Foto: Wikimedia/Commons Silberne Hochzeit, Kaiserin Elisabeth, 24.4.1879 Bild: Georg Raab
Die erste Aufzeichnung als Inventarium in der Basilika Maria Taferl ist von 1890.
Das Kleid selbst wurde zerlegt und der Silberfaden herausgetrennt.
1895 wurde der daraus entstehende Vespermantel der Öffentlichkeit präsentiert.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Heute befindet sich der Mantel noch immer in der Schatzkammer von Maria Taferl, allerdings kann er nur zeitweilig besichtigt werden.
Weitere Teile wurden in die Matthiaskirche nach Budapest gebracht, wo der Goldfaden für ein Messgewand verwendet wurde.
Dieser Mantel wurde bereits 1867 zur Krönung von König Franz Joseph und Königin Elisabeth von Ungarngetragen.
25 Jahre später – 25.4.1879 Silberhochzeit
Foto: Wikimedia/Commons Bild: Georg Raab Diamantenbesticktes Kleid zum 25. Hochzeitstag, 24.4.1879. Kaiserin Elisabeth war 41 Jahre alt das letzte offizielle Bild auf dem sie sich malen ließ
Kaiserin Elisabeth lebte bereits lange ihr eigenes Leben.
Foto: Wikimedia/Commons Huldigungsblatt zum 25jährigen Hochzeitstag eines Lithographen Fantasieabbildung
Kaiser Franz Joseph lebte immer noch das steife Leben eines Monarchen, der nicht anders konnte, als seine Pflicht zu erfüllen.
Er verehrte seine „Engels Sisi“ und hoffte immer noch, dass sie ein Leben zusammen führen könnten. Die Wiener hofften auch immer noch, eine Kaiserin zu bekommen, die endlich ihre Pflichten wahrnahm und ihrer Stellung ein Tun einhauchte.
Kaiserin Elisabeth nahm das Fest mit eisiger Kälte und einer demonstrativer Teilnahmslosigkeit hin.
Die Ehe galt im inneren Kreis längst als zerrüttet. Elisabeth wollte nicht einmal mehr den äußeren Schein wahren.
Die zahlreichen Affären ihres Mannes, die noch während der glücklichen ersten Jahre begannen und sie damals noch zu Tränen rührten , tangierten sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.
Doch Elisabeth tangierte das nicht mehr. Was sie früher kränkte, ließ sie mittlerweile kalt. Im Hintergrund liefen ihre Vorbereitungen für ihren Irland Aufenthalt auf Hochtouren.
Ein Gedicht von Kaiserin Elisabeth, dass sie für „ihre Zukunftsseelen“ hinterließ, zeigen sehr genau, wie sie über ihre Ehe dachte:
Nur staune nicht, wenn beim Verrichten
Nach altem Patriarchenbrauch
Der legitimen Ehepflichten
Dich streift ein eisigkalter Hauch. (5)
Es zeigt auch den Hass auf ihre Ehe und alles was damit verbunden war.
Auch das Gedicht
Für mich keine Liebe
Für mich keinen Wein,
Die eine macht übel,
der andere macht spei'n
Die Liebe wird sauer,
Die Liebe wird herb;
Der Wein wird gefälschet;
Zu schnöden Erwerb.
Doch falscher als Weine
Ist oft noch die Lieb';
Man küsst sich zum Scheine
Und fühlt sich ein Dieb!
Für mich keine Liebe,
Für mich keinen Wein;
Die eine macht übel,
Der and're macht spei'n! (12)
lässt im Nachhinein nichts Gutes erahnen.
Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Marie Valerie schenkten den Eltern ein Altarbild.
Ein Tryptichon, welches von Rubin inspiriert wurde. Der Maler war niemand geringerer als Hans Canon (*15.3.1829, †12.9.1885).
Foto: Wikimedia/Commons Ausschnitt des Altarbildes von Hans Canon; 25.4.1879, Zu erkennen: Madonna mit dem Jesuskind, link hl. Franz von Assisi, rechts hl. Elisabeth Josefskapelle Wien Foto
Foto: Wikimedia/Commons Selbstportrait Hans Canon
Links und rechts des Bildes sind jeweils Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Marie Valèrie, sowie Prinzessin Gisela von Bayern kniend vor ihrem Mann Leopold Prinz von Bayern zu sehen.
Das Bild wurde in der Josefskapelle in der Hofburg aufgestellt und kann heute besichtigt werden.
Das Bild zeigt die heilige Elisabeth, den heiligen Franz von Aissisi (beide die jeweiligen Namenspatronen) und die heilige Madonna mit dem Jesuskind.
Das berühmte Silberhochzeitskleid – Tornürenkleid
Das Kleid selbst trägt seine eigene Geschichte. Laut Prager Tagesblatt vom 27.4.1879 ist es das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth, welches sie am 25.4.1854 getragen hat. Bis dahin wurde es in Possenhofen aufbewahrt.
Das Kleid wurde nach Prag gebracht, wo es aufwändig und nach den Wünschen der Kaiserin umgearbeitet wurde.
Es war Diamantenbestickt mit Gold- und Silberfäden versehen. Danach wurde das Kleid der Wallfahrtsbasilika Maria Taferl gespendet.
Foto: myheimat.de Kopie des Silberhochzeitskleid Kaiserin Elisabeth, Ausstellung 2016, Sisi Schloss Aichach
Aus den Nähten der Bestickung des Hochzeitskleides, wurde nun der berühmte Vespermantel gemacht.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Die fast fertiggestellte Ringstraße sollte Kulisse für das Prunkfest sein. Otto Wagner (*13.4.1841, †11.4.1918) persönlich gestaltete das Kaiserfestzelt vor dem Äußeren Burgtor. Hans Markart (*28.5.1840, †3.10.1884) gestaltete das Fest.
Foto: architektenlexikon.at Otto WagnerFoto: wien.gv.wiki Hans Markart
Foto: Österreichische Nationalbibliothek Festplatz vor dem Äußeren Burgtor
Foto: habsburg.net Festzug zum 25. Hochzeitstag, Xylografie 1879
300.000 Menschen säumten die Wiener Ringstraße, 120 Festbühnen und das gesamte Kaiserreich war auf den Beinen.
Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Illustriertes Festprogramm zum 25. Hochzeitstag Der Besitzer M.W. ist mir bekannt, möchte allerdings nicht näher erwähnt werden.
Eines der seltenen Anlässe, wo man Kaiserin Elisabeth „bestaunen“ konnte. Und die Wiener taten dies mit Freuden.
Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Huldigungsfestumzug-Programm zum 25. Hochzeitstag Der Besitzer M.W. ist mir bekannt, möchte allerdings nicht näher erwähnt werden.Foto: M.W. Eintrittskarte für den Festzug zum 25. Hochzeitstag des Kaiserpaares Der Besitzer M.W. ist mir bekannt, möchte allerdings nicht näher erwähnt werden.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Foto: M.W.Der Festumzug in Bildern Der Besitzer M.W. ist mir bekannt, möchte allerdings nicht näher erwähnt werden.
Foto: bildarchivaustria.at Votivkirche ca. 1900
Foto: Wikimedia/Commons Votivkirche, Innen
Ebenfalls an diesem Tag wurde die Votivkirche eingeweiht.
Zum Dank, dass Kaiser Franz Joseph das Attentatsversuch durch János Libényi überlebt hatte, wurde von Erzherzog Ferdinand Maximilian am 24.4.1856 eine Kirche in Auftrag gegeben.
Nach 23 Jahren Bauzeit war sie endlich fertig und konnte eingeweiht werden. Meinen Beitrag zum Libényi-Attentat kann hier nachgelesen werden.
Dies alles half aber nichts mehr.
Kaiserin Elisabeth floh sofort nach diesem Festakt und kehrte immer nur für kurze Zeit nach Wien zurück.
Es sollte niemals mehr eine Verbundenheit mit dieser Stadt geben.
Der Wiener Hof, sein Hohn und Spott, den die junge Braut zu spüren bekam, sollten sie auch noch im Alter verfolgen.
Sie hasste regelrecht die Wiener Gesellschaft und alles was damit verbunden war.
– Petra –
(*) Wichtige Anmerkung:
Sophie Gräfinvon Scharnhorst war die Hofdame von Amalie Prinzessin von Schweden (*22.2.1800, †20.9.1850).
Amalie war, wie ihr Bruder Prinz von Wasa, eine enge Freundin des Erzhauses und begleitete beinahe ständig Sophie überall hin. So erlebte Sophie von Scharnhorst die kaiserliche und erzherzögliche Familie.
Kein schlechtes Wort kam der Gräfin über ihre Herrin jemals über ihre Lippen. Ihre Briefe sind eine einzige Lobeshymne an die hohe Frau.
Die Briefe erreichten alle ihre enge Freundin Eveline Gräfin von Sickingen-Hohenberg(*) (*24.11.1809, †27.11.1895), welche in Ischl lebte und eine enge Vertraute des hohen Adels war. So auch von Erzherzogin Sophie.
In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.
In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.
Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.
Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, †3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, †23.5.1913) verheiratet.
Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau
Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, †7.3.1855) geheiratet.
Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.
Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.
Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.
Rechtliche Hinweise:
Text: Petra Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Bildrechte: habsburg.net, Österreichische Nationalbibliothek, wienmuseum.at, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Kunsthistorisches Museum Wien, Wikimedia/Commons, Schloss Laxenburg, Antiquariat kunst-bail, wien.gv.wiki.at, architektenlexikon.at, mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara
Vielen lieben Dank an Maria Taferl für die Fotoerlaubnis zum Vespermantel und die Infos dazu.
Literatur Hinweise:
1 – S.39 Franz Joseph I Kaiser von Österreich Presse Geschichte – Magazin (nur noch antiquarisch erhältlich)
5 – S.63 Werner Schima Sisi – Die ganze Wahrheit Magazin (nur noch antiquarisch erhältlich)
2 – S.53, 6 – S.11 – S.65/6 Michael Budde Sisis Hochzeit und das Elisabeth Fest Album Michael Imhof Verlag, 2012, 1. Auflage mit CD
12 – S.80/1 Kaiserin Elisabeth Das poetische Tagebuch Brigitte Hamann Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1995, 3. Auflage
13 – S.260/1, 13a – S.254, 14 – S.259/60, 15 – S.260, 16 – S.258/59 Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert Gesammelt von B.v.S. Verlag von Caesar Schmidt, 1903 1. Auflage (nicht mehr erhältlich)
Hofdamen-Briefe Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert Gesammelt von B.von.S. Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)
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