Korsett, Krinoline, Tournüre – ein Leben für die Schönheit

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Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X: Winterhalter

– wie soll man aufbegehren, wenn man kaum atmen kann?

Dieses Zitat in der InStyle Dezember 2025 von Zoë Bleu war die Inspiration für mich, euch diesen Beitrag zusammenzustellen, den es in ähnlicher Form bereits einmal gab.

Das gesamte Zitat lautet:

„Das Korsett aus dem 19. Jahrhundert, die Mina trägt sind optisch toll, aber sehr einengend für den Körper. Aber das war damals natürlich Sinn der Sache. Frauen wie Mina sollten kleingehalten werden – wie soll man aufbegehren, wenn man kaum atmen kann?

Zoë Bleu (Tochter von Patricia Arquette) spielt die Doppelrolle von „Mina & Prinzessin Elisabeta“ im neuen Dracula-Film „Dracula – Die Auferstehung“.

Natürlich geht es hier nicht um Filmkleidung, sondern um die echte, reale Kleidung jener Person, um die es hier immer geht: Kaiserin Elisabeth

Jedoch stimmt das Zitat mehr, als man jemals das 19. Jahrhundert beschreiben konnte. Es gilt für alles: es gab keine Rechte für die Frauen! Sie hatten Schön zu sein, Kinder zu bekommen, sich karitativen Zwecken kümmern (sofern überhaupt schon vorhanden) und das Wichtigste überhaupt: Still zu sein!

Die Schönheit der Kaiserin wird ein eigenes Thema darstellen, ebenso das Frauenbild des 19. Jahrhunderts, welches ihr allerdings schon als #1 Folge des Podcasts „Sisi – der Podcast“ anhören könnt.

Deshalb widme ich diesen Beitrag der Qual des Korsetts, der Krinoline und der Tournüre.

Aber natürlich muss ich auch hierzu weit ausholen, denn das Modethema ist komplex.

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Charlotte Prinzessin von Belgien, 3jährig
Bild: F.X.Winterhalter

Wir beginnen mit der Kindheit von Herzogin Elisabeth, welche bestimmt wurde durch die Mode des Biedermeiers, man verzichtete teilweise auf das Korsett, oder zumindest auf eine übermäßig feste Schnürung .

In unserer Zeit können wir auf Instagram und Co Accounts folgen, auf welchem Töchter und Mütter die gleichen Kleider tragen. Das „mini me“ sozusagen. Doch das ist keine Erfindung der Social Media Kanäle, dies gab es schon immer und vor allem in den vergangenen Jahrhunderten. Die Töchter aus adeligem Haus oder gutem Bürgertum, wurden wie die großen „Vorbilder“ Mutter eingekleidet. Selbstverständlich immer von Bediensteten!

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Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Gisella

Die weiten Röcke der Kleider waren kurz, so dass die mit Rüschen und Spitzen verzierten Beinkleider sichtbar waren und zumindest ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit erlaubten.

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Die Buben trugen lange Hosen und darüber ein kurzes Kleid. Wer es sich leisten konnte, kleidete seinen Sohn mit einem Matrosenanzug, der uns das gesamte restliche 19. Jahrhundert als beliebtestes Kleidungsstück für Knaben begleiten wird.

Die Damenmode veränderte sich etwa ab der Mitte der 1830er Jahre wesentlich und zeichnete sich durch eine Silhouette aus, die vor allem ein kegelförmiger, weiter Rock ausmachte.

Der wiederum wurde durch eine Vielzahl von Unterröcken in eine immer breitere Form gebracht.

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Ab etwa 1835 wurde wieder eine deutliche Taillenbetonung sichtbar, denn auch die Biedermeier-Mode änderte sich innerhalb ihrer Epoche.

Durch das Korsett rückte die Taille wieder optisch an ihren Platz und wurde so  im Vergleich zur Zeit des vergangenen Empire-Stils, in der sie gar nicht zu sehen gewesen war, wieder sichtbar.

Reifröcke und Korsetts waren ab sofort wieder Kleidungsteile, die in keinem Fall fehlen durften, um die Weite der Röcke zu erreichen und außerdem eine schlanke Taille zu vermitteln.

Das absolute Highlight dieser Zeit waren jedoch die ausgefallenen Ärmeln.

Man nannte sie nicht nur Ballon- bzw. Schinkenärmel oder sogar Hammelkeulenärmel, sie sahen auch tatsächlich so aus. Um diese aufgebauschte Form zu erreichen, musste man diese Ärmel mit Rosshaar- und/oder Fischbeinstäbchen verstärken. Über diesen Unterbau drapierte man  dann den Stoff, der in Falten gelegt wurde. Einen ähnlichen Faltenwurf hatte das Kleid dann auch am Dekolleté.

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Erzherzogin Sophie

Die verwendeten Stoffe waren gemustert. Man bevorzugte Karos, Streifen und auch diverse Blumenmuster.

Einfarbige, glänzende Stoffe waren für die Abendgarderobe bestimmt. Dafür wurden dann hauptsächlich Seidenstoffe oder andere edle Materialien verarbeitet.

Was aber besonders charakteristisch für diese Mode war die Schute.

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Ein Hut der unter der Kinnpartie mit Bändern gebunden wurde, so dass eine Schleife entstand. Die Krempe das Gesicht. Es gab die Schute aus geflochtenem Stroh oder aus Stoff. Die Hüte aus Stoff hatten einen Unterbau aus Drahtgestell, über das der Stoff gespannt wurde. Je nach Jahreszeit wurden die Hüte sogar wattiert oder mit einem wärmenden Polster ausgestattet.  Solche Hüte wurden aufwendig mit Blumen und Federn, mit Früchten und Tüll verziert.

Zu allen Zeiten versuchte man den weiblichen Körper der Mode anzupassen, anstatt wie es in vielen Fällen bestimmt gesünder gewesen wäre, die Mode an den Körper der Frau anzupassen. Es war also nicht „nur“ Kaiserin Elisabeth, welche Wert auf eine schmale Taille legte. Generationen von Frauen taten dies vor ihr. Nur ihr, wird das immer noch – bis heute (!) – vorgeworfen!

Wenn ihr nicht wisst, wie man eine Wespentaille von 50 cm bekommt, dann werde ich euch das jetzt ein wenig erklären.

Die Definition für das Korsett lautet: „als Korsett bezeichnet man ein steifes, zur Unterkleidung gehöriges Kleidungsstück, dass eng am Körper anliegt, und diesen den jeweiligen Modelinien entsprechend formt“

Das Wort Korsett wurde in Frankreich geboren. Aus dem lateinischen „corpus“ wurde der Körper frz. „le corps“  zu „le corpsette” verkleinert, um diesem Kleidungsstück einen eigenen Namen zu geben und daraus entstand schließlich „le corset“.

Oft werden auch die Begriffe Schnürleib, Schnürbrust und Mieder genannt, der Unterschied besteht darin, dass Schnürleib bzw. Schnürbrust als eigenständiges Kleidungsstück unter der sichtbaren Kleidung getragen, das Mieder jedoch als sichtbares Kleidungsstück außen getragen wurde. Wir kennen es heute vor allem in der Trachtenmode immer noch.

Auch wenn es in der Antike nicht üblich war, fand man Hinweise, dass an hohen Feiertagen korsettähnliche Kleidungsstücke getragen wurden.

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Foto: muellerundsohn.com

Auf Knossos fand man eine Statuette der Schlangengöttin, das Besondere daran ist ihre dargestellte Kleidung. Sie zeigt eine stark geschnürte Taille durch eine Art Mieder, welches die nackten Brüste fest umschloss und zum anderen die Aufteilung in Rock und Oberteil, eine Ausnahme in dieser Zeit.

Die Griechen und Römer verwendeten Bänder und Gürtel, um die Taille schmal und den Busen hoch zu halten.

Man unterschied zwischen:

1. Brustbänder, die über dem Hemd getragen wurden
2. Brustbänder, die direkt auf dem Körper getragen wurden
3. Bänder (Gürtel), die um die Taille gelegt wurden

Im Mittelalter trug man möglicherweise korsettartige Unterwäsche, die nur zur Haltungskorrektur, aber nicht zur Körperformung diente. Man verwendete Leibbinden um den Körper zu formen und den Busen zu heben. Die Kleider wurden mit aussenliegenden Schnürwerk zusätzlich in Form gebracht.

Im 15.Jahrhundert war das Schnürmieder noch relativ weich. Es bestand aus verzierten Baumwollstoffen oder aus Ziegenleder und wurde mit Bändern geschnürt. Es endete unter der Brust und reichte knapp bis zur Hüfte.

Ab 1500 n.Chr. wurde das Mieder aus zwei oder mehreren Schichten gestärkten Leinens mit Fischbein-, Eisen oder Holzschienen versteift um zusätzlichen Halt zu erreichen, in die vordere Mitte wurde das Blankscheit, ein oftmals kostbar verziertes Holzstück eingeführt.

Dieses versteifte Oberteil nannte man in Frankreich cors, im neufranzösischen dann corps. 

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Foto: Wikimedia/Commons
Queen Eliszabeth I. *7.9.1533, Greenwich; †24.4.1603, Richmond

An kleinen angenähten Ösen konnte man die Strümpfe befestigen. Die vordere Mitte nannte man Schneppe, sie lief spitz zu. Manche Modelle drückten die Brüste flach mittels eingearbeiteter Bleiplatten und sollte somit die weibliche Form aufheben.

Aus dem 16., Anfang 17. Jahrhundert ist bekannt, dass es auch aus Eisen geschmiedete und mit Samt ausgelegte Korsettmodelle mit eingearbeiteter Brust oder unterhalb des Busens endend, gab. Diese Metallkorsetts dienten aber eher medizinischen Zwecken. 

Bis zur französischen Revolution blieb diese Form annähernd gleich, wobei man damals nicht von einem Korsett sprach, sondern von einer „Schnürbrust“ oder „steifen Mieder“.

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Foto: muellerundsohn.com

Zu Beginn der Barock (ca. 1615-1715) bekam der bis dahin flach geschnürte Busen wieder mehr Bedeutung, durch eingearbeitete Rundungen und teilweise sogar Polsterungen wurde er nun wieder bewusst betont.

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Foto: muellerundsohn.com

Mitte des 17. Jahrhunderts trug man zb in Spanien das Korsett sichtbar als Oberteil des Kleides. Es hatte eine überlange spitze Schneppe und war in der Brustmitte stark ausgepolstert, um eine gerade Fläche zu erzielen. Ein solches Stück reichte von der Hüfte bis zur Achsel und glich eher einer Rüstung als heutiger Unterwäsche. 

Der Unterschied zu späteren Modellen liegt hauptsächlich darin, dass man bei der sogenannten Schnürbrust jedes Mal die Kordel zur Gänze entfernen musste.

Im Rokoko (ca. 1715-1790) kam der Beruf des  Tailleur de corps à baleine (Fischbeinleibschneider) auf, man entwickelte bessere Passformen durch die Verlängerung über die Hüfte und das Einsetzen von Laschen um den Körper gezielter zu formen. Zu dieser Zeit wurde die Schnürbrust wieder hauptsächlich als Untergewand getragen. 

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Foto: muellerundsohn.com

Mehrlagiges Leinen durch eng aneinander liegende Stäbe versteiften es fast vollständig, in der vorderen Mitte wurde nach wie vor ein Blankscheit eingesetzt. Die Oberbekleidung bestand aus Brokat, Seide, Satin, Atlas und Spitze und wurde mit Goldstickerei verziert.

In England distanzierte man sich zum französischen Modestil und begann nur noch am Rücken und auch nicht mehr ganz so straff zu schnüren

Während des Klassizismus (ca. 1789–1814) wurde, auch durch die französische Revolution das Korsett so gut wie abgeschafft und man trug lediglich einen Brustgurt. Ab 1810 bevorzugte man dehnbare Untermieder aus Baumwolltrikot. 

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Foto: muellerundsohn.com

Im Biedermeier wurde das Korsett schon bald zum gesellschaftlichen Ausdruck von Moral und Anstand und somit zum zwingenden Bestandteil jeglicher Damengarderobe.

Vom Hochadel bis zum Mittelstand schnürten sich die Damen auf bis zu 40 cm Taillenumfang. Das Korsett wurde als eigenständiges Wäschestück nur noch unter dem eigentlichen Kleid getragen, war aber dennoch aufwendig verstickt oder bestickt. Es reichte weiterhin über die Hüfte, die nun durch angepasste Zwickel noch stärker geformt werden konnte. Insgesamt bestand ein solches Korsett aus bis zu 13 Einzelteilen. Ab 1828 wurden die Schnürlöcher, die bisher mit Seidenfäden umnäht wurden durch Metallösen verstärkt.

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Foto: muellerundsohn.com

Man ersetzte das hölzerne Blankscheit durch ein zweigeteiltes mit Haken und Ösen versehenes Metallstück, wodurch das An- und Ausziehen wesentlich erleichtert wurde! 

Wurde ein Korsett bisher maßangefertigt, begann man nun, sie industriell herzustellen und sie zusätzlich durch Dampf in Form zu pressen. 

Gegen Ende des 19. Jahrhundert wurden Federstahlbänder, Stahlspiralen oder Hornstäbe dazu verwendet den Körper in Form zu zwingen. Durch die industrielle Fertigung wurde das Korsett zur Massenware und somit für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich. Eigene Webtechniken ermöglichten die Fertigung in einem Stück wodurch der Tragekomfort durch das Wegfallen störender Nähte erheblich stieg. 

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Foto: muellerundsohn.com

Das Aufkommen der Krinoline ließ das Formen der Hüfte unnötig werden und somit wurde auch das Korsett wieder kürzer! Die Korsettstäbe in Vorder- und Rückenteil waren in der Taille stark konkav gebogen und verstärkten somit den Eindruck der Wespentaille zusätzlich. 

Die Erfindung der Nähmaschine 1863, löste die Webtechnik ab und revolutionierte die Korsettfertigung, da die aus Einzelteilen zusammengenähten Korsetts eine wesentlich höhere Passform aufwiesen und preiswerter in der Herstellung waren. Man achtete mehr auf Hygiene und begann das Korsett über einem weiterem Wäschestück zu tragen.

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erwies sich Fischbein, das aus den Barten des Wales gewonnen wurde, als ideales Versteifungsmaterial. Dieses sehr steife und zugleich biegsame Material trug nicht unwesentlich dazu bei, dass diese großen Meeressäuger gejagt wurden.

Zwischen 1870-1890 änderte das Korsett erneut die Form, die „Kürass Taille“ war höher gelegen und sehr lang gezogen. Es war vorne stark verlängert und schloss den Bauch rund ein, auch die Hüften wurden wieder mit geformt, da die Kleider nun enger wurden.

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Foto: muellerundsohn.com

Die Brust wurde bewusst angehoben um die Taille optisch weiter zu verlängern, dadurch benötigte man ein eigens entwickeltes Löffelblankscheit aus Metall um ausreichend Stützung zu erhalten. Die ideale Taille lag zu dieser Zeit zwischen 43 und 53 cm! 

In der Zeit des Belle Epoche bekam das Korsett eine gerade Form, die sogenannte  „Sans Ventre“ (frz. ohne Bauch) Korsettform. Diese wurde als S-Linie bekannt, da sie den Körper in eine S-förmige Haltung zwang. 

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Foto: muellerundsohn.com

Der Oberkörper wurde dadurch nach vorne gedrückt und man so ins Hohlkreuz gezwungen wurde, was wiederum das Gesäß zusätzlich betonte! Am Korsett waren zu dieser Zeit direkt Strumpfhalter angebracht. 

Spätestens mit Ausbruch des ersten Weltkrieges war auch dieses Korsett endgültig Geschichte und machte so Platz für moderne Damenunterwäsche.

Welche Auswirkungen diese Art der Mode auf den weiblichen Körper hatte, kann man noch anhand von erhaltenen, anatomischen Zeichnungen erahnen.

Der Brustkorb verformte sich, Organe verschoben sich nach oben und unten. Besonders wenn bereits während der Wachstumsphase mit dem Tragen eines Korsetts begonnen wurde!

Die Folgen waren Deformierungen im Brust und Bauchbereich, Kurzatmigkeit durch die Bewegungseinschränkung des Brustkorbes bei der Ein- und Ausatmung. Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule durch Verlust der Rückenmuskulatur, da das angelegte Korsett ja eine Haltefunktion übernahm, die ohne nicht mehr gegeben war.

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Foto: vitorianssecret.com

Der eine ohne andere Ohnmachtsanfall war sicher dem Tragen des Korsetts geschuldet.

Auch heute noch gibt es einige wenige Damen die sich freiwillig diesem extremen Modediktat längst vergangener Zeiten unterwerfen.

Je länger man ein Korsett trägt, desto mehr verformt sich natürlich auch der Körper. Die Organe rutschen nach oben bzw. unten, die Rippen derfomieren sich und auch die Wirbelsäule wird belastet. Damen, so auch Kaiserin Elisabeth, die täglich mehrere Stunden lang ein Korsett trugen, mussten dieses ununterbrochen tragen, also auch nachts. Es gab keine andere Möglichkeit mehr, den derformierten Körper anders zu stützen.

Auch hier möchte ich betonen, dass dies Kaiserin Elisabeth nicht zum Spaß tat, sondern, dass sie dazu gezwungen wurde. Dieses Schönheitsideal wurde von jeder Frau im 19. Jahrhundert verlangt!

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Foto: vogue-italia.it 
Ethel Granger (1905-1982)

Ethel Granger besaß die wohl schmälste dokumentierte Taille mit 13 Zoll bzw 33 cm Umfang!

Zum Vergleich: Die Taille von Kaiserin Elisabeth betrug 50 cm!

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Foto: peoplestrive.com
Cathie Jung In The Guinness Book Of Records

Den zweifelhaften Weltrekord an einer lebenden Frau, hält die Amerikanerin Cathie Jung, die sich zu besonderen Anlässen auf 38 cm Umfang schnürt.

Nun war das Korsett aber nur der formgebende Teil der Unterbekleidung und längst nicht das Einzige was eine Dame „darunter“ trug.

Als unterste Schicht trug man eine Chemise, eine Art Unterhemd, als Schutz für das Korsett, dieses „Unterkleid“  wurde oft auch als Nachtgewand verwendet. Man trug es Tag und Nacht, am nächsten Morgen legte man ein Neues an.

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Foto: neheleniapatterns.com

Natürlich immer abhängig von Stand und finanziellen Mitteln, so war es durchaus nicht ungewöhnlich das diese Wäschestücke 2 bis 3 Tage oder manchmal auch länger getragen wurden. Gefertigt wurde dieses Wäschestück meist aus feinem Leinen, oftmals mit Biesen und Spitzen verziert. Am Halsausschnitt wurde ein Zugband einzogen, um die Passform zu optimieren.

Die Unterhosen der damaligen Zeit waren, wohl auch auf Grund der Reifröcke im Schritt offen, um den Damen den Gang zur Toilette zu erleichtern.

Auch heute noch, erweist es sich als vorteilhaft auf ein solches „offenes Beinkleid“ zu setzen, wenn man Korsett und Krinoline trägt. Ihr könnt mir glauben, eine „moderne Unterhose“ unter ein geschnürtes Korsett zu stopfen und das unter einer Vielzahl von Unterröcken, dazu noch Krinoline und Kleid in einem viel zu kleinen WC, ist beinahe unmöglich!

Da die Beine des guten Stücks recht weit geschnitten sind, überlappt der Stoff derart, dass es weder kalt wird, noch in irgendeiner Weise unangenehm zu tragen ist.

Auch hierbei wurden oftmals Biesen als Verzierung an den Beinabschlüssen angebracht, Spitzen waren Geschmackssache und mit Sicherheit auch eine Geldfrage. Die Hose wurde am Rücken durch ein Zugband verschlossen.

Foto: Dorotheum Wien
Unterwäsche und Strümpfe von Kaiserin Elisabeth

Das Korsett war Pflicht, die Wespentaille ein Muss, das schnüren an sich war alleine unmöglich und konnte sich schon mal über mehrere Stunden hinziehen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Es waren edle Stoffe gefragt. Aufwändige Schnitte wurden aus Brokat oder Atlas, aus Samt oder Seide, Taft und Moiré gefertigt.

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Foto: Wikimedia/Commons

Unmengen Stoff waren nötig, um die weiten Rockteile besonders üppig aussehen zu lassen. Im gesamten Viktorianischen Zeitalter, benannt nach der Regierungszeit der britischen Königin Viktoria (1819-1901) von 1831-1901, versuchten die Damen der feinen Gesellschaft sich auf diese Art und Weise zu übertrumpfen.

Doch in Zeiten der Influencerinnen die alle gleich aussehen, ist uns auch dies nicht Fremd geworden.

Abends trug man Schulterfrei, tagsüber hauptsächlich hochgeschlossen.

Schirm, Fächer und Hut rundeten das Aussehen ab und waren untrennbar miteinander verbunden.

Eine Schwangerschaft im 19. Jahrhundert wurde nicht vertuscht in dem Sinne, aber auch nicht stolz präsentiert, wie man es heute kennt. Der nackte Bauch wäre ein no go gewesen. Hier war die amerikanische Schauspielerin Demi Moore für viele Nachahmerinnen auf der ganzen Welt Vorreiterin.

Das Korsett musste auch in der Schwangerschaft getragen werden, wuchs aber während dieser mit.

D.h. die Schnürung wurde immer wieder erweitert und ein sogenanntes „wachsendes Korsett“ wurde umgelegt.

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Queen Victoria
F.X. Winterhalter

Als man das Bild von Kaiserin Elisabeth im Morgenmantel mit offenen Haaren im Arbeitszimmer von Kaiser Franz Joseph fand (nach seinem Tod), war man sehr verwundert.

Dieses Bild war für die Entstehungszeit (1865) sehr frivol und freizügig.

Schon Königin Victoria sorgte mit ihrem Bild und den offenen Haaren für einen Skandal, als es öffentlich wurde (sie ließ es für ihren Albert zum Geburtstag anfertigen).

Wir befinden uns in den Jahren 1860–1870, der Zeit des Höhepunktes der Schönheit von Elisabeth!

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Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth mit offenem Haar
Bild: F.X.Winterhalter
(dieses Bild steht bis heute am selben Platz – am Schreibtisch von Kaiser Franz Joseph. Heute im Sisi-Museum zu sehen).

Modisch betrachtet nennt man dieses Jahrzehnt auch das 2. Rokkoko.

Drei Namen prägten dieses Jahrzehnt wie niemand anderes.

Königin Eugenie von Frankreich, Kaiserin Elisabeth von Österreich und Charles Frederick Worth

Die edlen Materialien, die Worth verwendete waren Tüll, Spitze, Pailletten, Samt, Seide, Brokat u. a. machten die Kleider so teuer, dass selbst die Damen von hohem Rang den neuesten Trends nur folgen konnten, in dem sie vorhandene Kleider wieder ändern ließen, anstatt stets neue zu bestellen.

Kein anderer verstand es, Kleider mit solch perfektem Sitz zu kreieren. Hier zeige ich euch also zwei Skizzen die noch nie öffentlich gezeigt wurden. Diese Kleider wurden für Kaiserin Elisabeth von Charles Worth angefertigt.

Alle Kleider waren Einzelanfertigungen, nie gab es ein Modell zweimal!

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Foto: Sascha Rieger
ungarisches Krönungskleid, 1867
Entwurf: Charles Worth

Immer wieder werde ich nach „Schnittmustern“ der Kleider von Kaiserin Elisabeth gefragt: es gibt keine!
Die Schneider der hohen Herrschaften verwendeten aufs Maß genau ebensolche Schneiderpuppen, um die Kleider direkt an diese anzufertigen. Erst dann wurde an der hohen Frau anprobiert. Bedenkt bitte, dass eine Zofe weder Kaiserin Elisabeth, noch eine Königin jemals berühren durfte! Wie diese also tatsächlich die Damen angezogen haben, ist nicht überliefert!

Gegen Ende der 60er Jahre beschäftige Worth mehr als 1200 Näherinnen und erschuf unvergessliche Kreationen, wie z.B. das Sternenkleid!

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Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth im berühmten Sternenkleid
Bild: F.X.Winterhalter, 1865

Es war das Jahrzehnt der Krinoline, die 1865 ihren Höhepunkt erreichte.

Durch Rosshaar und Stahlbänder erreichte man enorme Umfänge, wodurch man natürlich dementsprechende Mengen an Stoff und Aufputz benötigte.

1867 kam man langsam von diesen extremen Umfängen ab, 1869 wurde die Krinoline fast vollständig durch die Tournüre ersetzt.

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Foto: Wikimedia/Commons

Während die Röcke im Prinzip immer gleich waren, variierten die Oberteile je nach Anlass und Tageszeit. Ein Ausschnitt, der die Schultern zeigte, war ebenso möglich wie ein kleines spitzes Dekolleté oder eine hochgeschlossene Variante.

Auch die Ärmelschnitte ließen zahlreiche Varianten zu. Am Unterarm waren sie meist anliegend. Es gab Kleider, die durch einen halben Ärmel auffielen und es gab Kleider, die lange Ärmelschleppen hatten, besonders in Russland beliebt.

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Foto: Wikimedia/Commons

Je nach Wetter und Anlass wurden über diese riesigen Krinolinenkleider halblange Mäntel getragen. Mit Hut und Fächer war eine Dame letztendlich perfekt gekleidet.

Die Chemise und das Beinkleid zählt man aus dem einfachen Grund zur „Wäsche“ da diese im Gegensatz zum Korsett gewaschen werden konnten.

Was nun aber noch fehlt ist die Krinoline, auch Reifrock genannt.

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Foto: neheleniapatterns.com

Im Biedermeier trugen die Damen mehrere Stoffunterröcke übereinander. Man begann Rosshaar in diese Röcke einzunähen, daraus entstand dann die Krinoline.

Ca. 1850 begann man diese Rosshaarkrinolinen durch Federstahl zu ersetzen. Der Saumumfang der Röcke stieg auf bis zu unglaubliche 8 Meter an.

Man kann sich vorstellen, wie unpraktisch das sein musste. Sogar damals gab es schon Karikaturen und Photographien in den Zeitungen, die sich über diese Art der Extreme lustig machten.

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Foto: Wikimedia/Commons

Der Hauptunterschied zwischen modernen Reifröcken wie man sie heutzutage unter Brautkleidern trägt, ist die Gestaltung der Form. Heutzutage haben die gängigen Unterröcke eine sogenannte „A“ Form, während die Krinolinen des 19. Jhd. kuppelförmig waren. Heute verwendet man Großteils leichte Kunststoffstäbe um die schweren Stahlbänder zu ersetzen. Denn ihr könnt mir glauben, 60 m Stahlbänder sind auch nicht leicht zu tragen.  

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Foto: ÖNB Kaiserin Elisabeth

Kaiserin Elisabeth trug lange und gerne Krinolinen, selbst dann noch eine Zeit lang, als längst die „Tornüre“ Einzug hielt.

Hier in einem weißen, hochgeschlossenen Tageskleid, mit Rüschen, Brosche am Hals, Schmuck und Volantärmel.

Dieses Bild ist knapp vor ihrer Madeira-Reise 1859 von Ludwig Angerer aufgenommen worden. Man sieht ihr die Blässe und die magere Gestalt an. Zu dieser Zeit hatte sie gerade das Laxenburg-Lazarett hinter sich gebracht, in welchem Sie sich aufopferungsvoll um ihre Tochter Gisella, welche auch noch krank wurde, und die Massen an Soldaten, gekümmert, welcher ihr Kaiser Franz Joseph aus dem Solferino-Krieg täglich per Zug schickte.

Zu Beginn waren Krinolinen gleichmäßig rund, ab ca. 1860 wurden sie jedoch mehr und mehr elliptisch.

Doch die elliptische Form setzte sich nicht wirklich durch, weshalb man diese kaum sah.

Kaiserin Elisabeth trug diese Form genauso.

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Foto: neheleniapatterns.com
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Foto: Ludwig Angerer

Ab 1870 wurde die Krinoline von der Tournüre abgelöst.

Die Krinoline, war fast vollständig aus der Damenbekleidung verschwunden. In der Modegeschichte ist die Rede von der „Ersten Tournüre“.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die „zweite Tournüre“ kam erst ab 1880 auf und war dann längst nicht mehr so pompös gestaltet. Aber zunächst war noch die Erste Tournüre modisch aktuell und zwar bis etwa 1875. Dieses halbkreisförmige Gestell, das zumeist aus Stahl- und/oder Fischbeinstäbchen gefertigt war und dessen Polsterungen aus Rosshaar bestanden, wurde über das Gesäß gelegt und befestigt, so dass der Rock, der darüber getragen wurde, eine gewaltige hintere Auswuchtung erhielt. Vorne war das Kleid eng anliegend und der Blick automatisch auf das riesige Hinterteil gelenkt.

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Foto: Wikimedia/Commons

Das eng geschnürte Korsett, das zwingend zur Grundausstattung jeder Frau gehörte, drückte die Brust nach oben und sorgte so in den spitzen oder viereckigen Ausschnitten für ein gut gefülltes Dekolleté.

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Foto: Wikimedia/Commons

Eine Besonderheit dieses Jahrzehnts sind die Falten und Raffungen am Unterleib, die bald wieder aus der Modewelt verschwanden, da sie den Anschein einer möglichen Schwangerschaft erwecken konnten. Ein Zustand, der zu dieser Zeit jedoch nicht öffentlich zur Schau getragen wurde.

Ein wichtiges Accessoire auch dieser Zeit war der Fächer.

Die spitzenbesetzten Sonnenschirme mussten unbedingt zu den Farben der Kleider passen. Handschuhe und Schleier waren ebenso angesagt.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die hauptsächlich hochgesteckten Frisuren waren mit einem Hütchen geschmückt, an dem schulterlange Bänder zur Verzierung angebracht waren. Das Hütchen wurde entweder ein wenig keck seitlich getragen oder auf dem Hinterkopf platziert, konnte aber auch gerade vorn auf dem Kopf getragen werden. In jedem Fall hielten es zwei Bänder, die am Hals vorn zu einer Schleife gebunden waren.

Tagsüber  im Freien waren die Kleider hochgeschlossen geknöpft und endeten am Hals mit einem kleinen Kragen.

Foto: Wikimedia/Commons
Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie

Für die Abendgarderobe gab es zu jener Zeit bereits die Haute Couture, die ein Engländer ins Leben gerufen hatte – Charles Frederich Worth (1826-1895).

Die zweite Tournüre wurde zwischen 1880-1890 modern.

Eine große Gesäßauflage, die Tournure, wurde fixer Teil der Damenunterbekleidung

Ein Gestell aus Fischbeinstäbchen oder auch aus formte den Rock und verlieh ihm eine Gesäßaufbauschung.

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Foto: Wikimedia/Commons
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Foto: Wikimedia/Commons

Die Kleider waren am Oberteil und nun auch im Rockteil relativ eng anliegend, wobei der Rock meist noch mit Querfalten versehen war, die nach hinten ausliefen und in einer Schleppe endeten. Zu dieser Zeit war das Korsett zwar Pflicht, hatte aber keine besondere Formung der Taille zur Aufgabe, sondern diente eher dazu, die Haltung zu korrigieren und unerwünschte Pölsterchen verschwinden zu lassen.

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Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth als Reiterin in Irland

Die Betonung einer sehr schlanken Figur war in den beiden ersten Jahren des Jahrzehnts jedoch durchaus erwünscht.  In diesen beiden Jahren wurden die Kleider den Damen, nicht nur unserer Kaiserin, wortwörtlich auf den Körper genäht.

Das Atmen war schwer, das Essen unmöglich, wenn die Damen in dieser Garderobe erschienen. Die Kleider waren schmerzhaft eng und erschwerten auch das Gehen, dabei war das plaudernde Herumstehen immer noch leichter als das Sitzen.

Diese Art von Mode war schon mehrfach in der Vergangenheit aufgetaucht und hatte für den einen oder anderen Witz gesorgt.  

In diesem Jahrzehnt waren sie jedoch fast ausschließlich den vermögenden Frauen vorbehalten, die sich dadurch deutlich sichtbar von den normalen Bevölkerungsschichten abgrenzten. Die Betonung des weiblichen Hinterteils blieb mehr oder weniger bis zum Ende dieses Jahrzehnts. Der übliche Aufputz verschwand und man setzte neue Stoffkombinationen ein, bei denen gelegte Falten und Raffungen mit Volants Hauptbestandteil waren.

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Tuchstoffe wurden mit Samt zusammen getragen oder auch mit Seide. Das Oberteil lag eng am Körper und war hochgeschlossen. Geschlossen wurde das Oberteil mit einer langen Knopfleiste, deren Knöpfe meist aus besonders edlem Material bestanden. Diese Knöpfe und die Spitzen am Kragen waren die einzige Zierde an der Damenbluse. Die langen, selten auch halblangen Ärmel, lagen eng an.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Hüte, die die Damen trugen und die unbedingt zur vollständigen Kleidung gehörten, änderten ihr Aussehen schneller als die Bekleidung selbst. Trug man erst noch Hüte mit aufgeschlagenen Krempen, so wichen diese bald Modellen mit Federn und Bändern.Ältere Damen trugen gedeckte Farben und die Jugend bevorzugte hellere, auffälligere Farben.

Am Land hielt man sich keineswegs an die vorgegebenen Trends sondern trug weiterhin zeitlose Trachten für den Alltag und auch für die Arbeit. Diese waren in dezenten Farben gehalten. Die Trachten an Sonn- und Feiertagen waren dagegen meist besonders farbig und mit viel Zierrat versehen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Am Land hielt man sich keineswegs an die vorgegebenen Trends sondern trug weiterhin zeitlose Trachten für den Alltag und auch für die Arbeit. Diese waren in dezenten Farben gehalten. Die Trachten an Sonn- und Feiertagen waren dagegen meist besonders farbig und mit viel Zierrat versehen.

Verglichen mit der Biedermeierzeit und dem folgenden zweiten Rokoko, war die Mode im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts weit weniger aufwändig in der Fertigung und im Materialaufwand.

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Foto: Wikimedia/Commons

Nur eines hatte sich nicht verändert – immer noch war das Korsett wichtiger Bestandteil der Damenmode um die Figur dem jeweiligen Schönheitsideal anzupassen.

In den 1890er Jahren formte man  mittels  Korsett vorwiegende eine gerade Front, es gibt kaum Einsätze für die Brust. Innerhalb weniger Jahre veränderte sich diese modische Silhouette jedoch, bis zum Ende des Jahrhunderts setzte  sich die Sans-Ventre-Linie (ohne Bauch), die sogenannte S-Form, durch.

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Foto: Wikimedia/Commons

Immer stärker werdende Versuche von Ärzten, Künstlern oder  Frauenrechtlerinnen die Frau aus dem Korsett zu befreien scheiterten. Wer schön sein wollte, der musste auch weiterhin leiden.

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Foto: Wikimedia/Commons

Wesentlich stärker veränderten sich die Röcke der Damen, die an der Hüfte anliegend und  später ab Höhe der Knie immer mehr an Weite zunahmen. Stützdende Unterröcke oder gar Reifkonstruktionen verschwanden zur Gänze. Die glatt fallende Rockschnitte oder auch die glockig geschnittenen Röcke waren auf den ersten Blick an Taille und Hüfte leicht anliegend.  Der weibliche Körper wurde immer mehr in die Form einer „Sanduhr“ gezwungen. Tatsächlich gab man dieser trichterförmigen Silhouette diesen Namen, der die Sans-Ventre-Linie sehr passend beschrieb.

Sogar eine kleine Schleppe war noch am hinteren Rockteil sichtbar. Die Vorderpartie hatte Bodenlänge, erst am Ende des Jahrzehnts war es denkbar, dass ein wenig von den Schuhen oder Stiefeletten sichtbar wurde.

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Foto: Wikimedia/Commons

Zu Beginn dieses Jahrzehnts lagen die Ärmel der Blusen und Kleideroberteile relativ  eng an wurden aber mit jedem Jahr auffälliger und breiter. Die Manschetten lagen eng am Handgelenk, teilweise reichten sie über den ganzen Unterarm.

Keulenärmel, Schinkenärmel und sogar Elefantenärmel waren als Begriffe für diese Formen durchaus gebräuchlich. Allmählich wurden die Oberärmel sogar noch üppiger. Sie erreichten eine ballonartige Form. In der Mitte des Jahrzehnts hatten sie ihr größtes Ballonausmaß erreicht. In den letzten zwei bis drei Jahren vor 1900 kehrte man wieder zu zierlicheren Puffärmeln zurück.

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Foto: Wikimedia/Commons

Bei allen Veränderungen, die hauptsächlich die Ärmelsilhouette betrafen, änderte sich eines nicht – der Hut. Eine Dame war erst vollständig bekleidet, wenn sie einen Hut trug. Der gehörte ebenso dazu wie der Sonnen- oder Regenschirm. Auch der war ein unverzichtbares Accessoire, auf das eine Frau bei der ansonsten großen Vielfalt von Farben und Materialien nicht verzichtete.

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Kaiserin Elisabeth durfte die ersten Jahre ihre Schuhe nur ein (!) einziges Mal tragen. Das heißt täglich wurden die Schuhe erneuert. Egal welche! Was für eine Qual muss das auch für die Füße gewesen sein, wenn man bedenkt, dass es ein richtiges Fußbeet noch gar nicht gab. Die Schuhe waren zwar maßgeschneidert, aber weitem nicht angepasst.

Wie ihre Kleider, musste sie also auch ihre Schuhe täglich erneuern. Um die Verschwendung diesbezüglich so gering wie möglich zu halten, wurden Kleider, Hüte, Schuhe usw. an das Personal wie Hofdamen, Kammerfrauen und natürlich Verwandtschaft geschenkt.

Noch heute tauchen Kleider auf, welche das Emblem der Kaiserin tragen, aber ihr gar nicht gepasst hätten. Diese wurden für die jeweils neue Trägerin umgeändert und so sieht man manchmal noch Kleider oder Schuhe, die plötzlich von der großen Verwandtschaft für Ausstellungen verleiht werden.


Und die Männer?

Nicht nur die Mode der Damen änderte sich im Lauf der Zeit, sondern auch die der Männer.

Auch die Männer trugen ein Korsett. Dies nicht nur, um die Figur zu betonen, sondern auch, damit die Uniform eine besonders schöne Form erhielt. Bis 1850 war es modern, dass Männer „Korsetts“ trugen. Kaiser Franz Joseph trug seine ein ganzes Leben, allerdings waren die Korsetts vollkommen abgeschwächt zu den der Frauen. Das „Männerkorsett“ wurde „Schnürgürtel“ genannt.

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Kaiser Franz Joseph

Zu den langen Hosen, die meistens gestreift waren, trug Mann nun ein Sakko, das den Frack im Alltag abgelöste, wobei Hose und Sakko nicht zwangsläufig dieselbe Farbe hatten.

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Foto: Wikimedia/Commons

Auch Gehröcke wurden gerne getragen. Die obligatorische Weste, die zur Männermode gehörte, war meist einfarbig. Mit niedereren, nicht mehr einengenden Kragenformen wurde auch die Herrenmode bequemer. Es gab Umlegekragen, Kragen zum Anknöpfen, die Manschetten wichen und die Hemdärmel schauten aus dem Sakkoärmel heraus.

Anfangs nur als Bekleidung für den Herrensalon gedacht, in dem geraucht wurde, setzte sich der Smoking, der Raucheranzug, auch in der Kleidung innerhalb der Gesellschaft durch.

Neben dem Zylinder trug man die Melone – ein runder, schwarzer, steifer Hut, als typische Kopfbedeckung. Zur schlichten und einfarbigen Bekleidung wählte man farbige Krawatten oder ein leicht übereinandergeschlagenen Halstuches, das Plastron.

Die Mode der Männer hatte den englischen Stil zum Vorbild, während die Damenmode ihre Richtlinien aus Paris bekam.

Die Herrenmode der kommenden Jahrzehnte sollte sich nicht wesentlich verändern, man spielte mit Accessoires und auch ein wenig mit den Farben, der Grundstock blieb jedoch unverändert und bestand aus Frack und Gehrock.

Anders als bei den Damen trugen die Herren zu dieser Zeit kein Korsett, sondern behalfen sich mit einem Schnürgürtel, der einen ähnlichen Effekt hatte.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Krägen der Hemden nannte man nicht umsonst „Vatermörder“ denn sie waren so eng um den Hals geschlossen, dass jeder Mann froh war, ihn abends ablegen zu können.

Seit etwa 1815 trug der Herr sogenannte Pantalons, also lange Hosen.

Um perfekt gekleidet zu sein brauchte Mann noch einen Zylinder, einen Stock und Handschuhe die im besten Fall aus Leder waren.

Im Gegensatz zu den Damen bevorzugten die Herren eher Zweckmäßigkeit an ihrer Kleidung.

Die Stoffe waren zwar edel, es wurden hauptsächlich dunkle Materialien gewählt.  Man trug schwarze, braune, graue und auch dunkelblaue Farbtöne.

Die Sakkos, die dem Frack begannen den Rang abzulaufen, waren aus Wollstoffen und feinen Tuchen. Der Gehrock, auch als Cutaway oder kurz Cut genannt, hatte im vorderen Bereich abgeschnittene Schoßteile.

Die Hose war häufig in einer anderen Farbe als der Gehrock oder das Sakko. Hier waren Streifen besonders beliebt.

Die Weste, Krawatten und Bindetücher fielen nicht mehr auf und waren nun in dezenten Farben gehalten.

Verbreitet war bereits das Vorhemd, das unter der Weste wie ein Hemd aussah.

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Foto: Wikimedia/Commons

Anstelle von Vorhemd war allerdings der Begriff „Chemisette“ geläufig. Das französische Wort „Chemise“ steht für Hemd. In abgewandelter Form nannte man das Vorhemd, deshalb Chemisette.

Der Herr der Zeit trug im Alltag zum Anfang des Jahrzehnts noch den traditionellen Frack, stets mit einer Weste, die entweder durch Schottenkaros oder anderes abstechendes, buntgefärbtes Material auffielen, darunter trug man ein schlichtes helles Hemd, das mit einem Halsschmuck versehen war, der ein gebundenes Tuch als Vorläufer der Krawatte war.

Außerdem kam ein Kragen zum Anknöpfen auf. Die Hosen waren bodenlang und gerade geschnitten.

Es gehörte zum guten Ton Zylinder zu tragen und schon war Mann perfekt gekleidet.

Eine absolute Neuheit in der Männerwelt war der Herrenanzug, der zu Beginn des Jahrzehnts in Mode kam und bei dem alle Teile (Rock, Weste und Hose) dieselbe Farbe haben mussten und dessen Teile sich auch in den Materialien glichen.

Ein „must have“ war der Stock, der oftmals über aufwendig verzierte Griffe verfügte.

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Foto: Wikimedia/Commons

Was trug „Mann“ zwischen 1870 und 1880?

Das modische Vorbild der Herren lag in England.

Der Frack verschwand allmählich aus der alltäglichen Garderobe der Herren,  der Gehrock (Cutaway) hatte sich als zweckmäßiger erwiesen.

Bei festlichen Anlässen fand der Frack jedoch weiterhin Verwendung.

Die Farben waren gedeckt, mit bunten Krawatten setzte man jedoch farbige Akzente und so entstanden bereits die ersten Läden für Herren Accessoires, die diese „Binder“ herstellten.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Herren waren bereits gut gekleidet, wenn sie ein frisch gebügeltes Hemd trugen, einen Frack oder einen Gehrock. Das Ensemble wurde, wie auch bei den Damen stets mit einem Hut komplettiert.

Herren, die finanziell nicht dem gehobenen Stand angehörten, trugen mitunter anstatt eines Hemdes nur ein Vorhemd. Das war ein steifes Wäscheteil, das unter der stets geschlossenen Weste den Eindruck eines Hemdes suggerierte.

Wir kennen es heute noch beim Frack. Durch diese Erfindung konnte man sich das aufwendige waschen eines Hemdes ersparen, ein Vorhemd wurde nach Gebrauch entsorgt und kam so den Junggesellen meist sehr zu Gute.

Neben dem Frack zählte der Cut (Gehrock oder Cutaway) zum fixen Bestandteil der Männermode und hatte vorn abgerundete Schöße.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die ersten Smokings, die sogenannten Raucheranzüge, kamen in Mode.

Etwas mehr Auswahl gab es bei den Mänteln: Der Ulster war stets doppelreihig, der Chesterfield hatte eine verdeckte Knopfleiste und der taillierte Paletot, der dem der Damen vom Schnitt her ähnlich.

Die wichtigsten Farben waren Schwarz, Braun, Dunkel- oder Hellgrau und Blau.

Zu den langen Hosen, die meistens gestreift waren, trug Mann nun ein Sakko, das den Frack im Alltag abgelöste, wobei Hose und Sakko nicht zwangsläufig dieselbe Farbe hatten.

Auch Gehröcke wurden gerne getragen. Die obligatorische Weste, die zur Männermode gehörte, war meist einfarbig. Mit niedereren, nicht mehr einengenden Kragenformen wurde auch die Herrenmode bequemer. Es gab Umlegekragen, Kragen zum Anknöpfen, die Manschetten wichen und die Hemdärmel schauten aus dem Sakkoärmel heraus.

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Foto: Wikimedia/Commons

Anfangs nur als Bekleidung für den Herrensalon gedacht, in dem geraucht wurde, setzte sich der Smoking, der Raucheranzug, auch in der Kleidung innerhalb der Gesellschaft durch.

Neben dem Zylinder trug man die Melone – ein runder, schwarzer, steifer Hut, als typische Kopfbedeckung. Zur schlichten und einfarbigen Bekleidung wählte man farbige Krawatten oder ein leicht übereinandergeschlagenen Halstuches, das Plastron.

Bleibt zum Schluss nur noch, wie zB. Kaiserin Elisabeth angekleidet wurde. Wie bereits erwähnt, durfte sie beim Ankleiden nicht berührt werden. Wer mich noch mit Sabine Rossegger als „Sternenkaiserin“ kennt, wird wissen, dass wir dies mehr als nur 1x versucht haben. Es ist mir nie gelungen! Ich berührte Sabine wirklich immer, zu dem musste ich sie auch, wie schon Elisabeth, in manche Kleider einnähen. Das Anziehen hat gut und gerne 2 Stunden gedauert. Es war oft Zeitdruck, da wir für ein Shooting fertig werden mussten, aber tatsächlich war diese Kleideranzieherei immer eine große Herausforderung. Vom Garten, Parkplatz, Abstellkammer, Toilette bis zum Ballsaal oder Hotelzimmer war alles dabei. Sabine mit Krinoline oder Tournüre ins Auto zu verfrachten, war die nächste Herausforderung und oft saß sie stocksteif mit geneigtem Kopf auf der Rückbank, da sie weder vor noch zurück konnte.

Auch wenn wir uns 2021 getrennt haben, wird mir diese Zeit immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Deswegen lasse ich zum Schluss auch jene Reihenfolge in dem Beitrag, wie sich „Frau“ im 19. Jahrhundert von ihren Zofen anziehen lassen musste.

Sabine wird hier von unserer damaligen Freundin Tamara „bedient“, welche die Rolle der Zofe inne hatte.

Sabine als Sternenkaiserin in ihren eigenen Worten:

Zuerst die Unterwäsche, Strümpfe und Schuhe, sollte man keine Zofe dabei haben die einem anschließend die Schuhe bindet, sollte man sie tunlichst vorher anziehen, denn unter all den Schichten ist es nicht so einfach jemals wieder an die Schuhe zu kommen.

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Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin) 
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oto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin) 

Über die Unterwäsche legt man das Korsett an, je nachdem wie fest man es schnüren möchte, empfiehlt es sich, dies auf mehrere Etappen zu tun, nur so nebenbei erwähnt, dass Schnüren der Kaiserin dauerte oft bis zu 3 Stunden!

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, dass es tatsächlich so ist, dass man nach einem gewissen Zeitraum das Korsett durchaus noch enger schnüren könnte, da sich der Körper scheinbar daran gewöhnt.

Hat man dann den gewünschten Taillenumfang erreicht, kommt die Krinoline. Darüber mehrere Unterröcke aus steifen Material um ein Abzeichnen der Metallstäbe durch das Kleid zu verhindern, letztendlich das eigentliche Kleid!

Oft werde ich gefragt: „Tut es weh ein Korsett zu tragen?“

Die Frage kann nicht so einfach mit „ja“ oder „nein“ beantworten werden?  Ich kann Euch nur sagen, wenn das Korsett auf Maß gefertigt ist und es gut sitzt, ist es nicht wirklich unangenehm. Wobei es natürlich immer darauf ankommt, wie fest man geschnürt wurde und wie lange man es trägt.

Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, irgendwann – auch wenn man seine Kleider noch so gerne trägt – ist der Zeitpunkt erreicht, an dem man froh ist sie endlich wieder ausziehen zu dürfen.

Grundsätzlich und mit ein wenig Übung kann man sich in dieser Kleidung völlig normal bewegen, ob man nun durch eine Tür geht, den Fahrstuhl benutzt, in eine Kutsche oder ein Taxi steigt, möglich ist alles. Der Komfort blieb damals wie heute auf der Strecke.

„Schönheit muss leiden“ hat hier sicherlich so manches Mal seine Berechtigung, allerdings verliert meiner Meinung nach das schönstes historische Kleid seine Wirkung und Originalität, wenn das „Darunter“ nicht korrekt ist.

Eines könnt ihr mir glauben, auch wenn so wie bei mir manches Mal über 100 Meter Stoff darüber sind, man erkennt den Unterschied.

Für alle Damen, die im Damensattel reiten kann ich nur empfehlen, sich ein etwas kürzer geschnittenes Reitkorsett fertigen zu lassen, ansonsten könnte es unangenehm werden.

Somit hoffe ich, ein wenig Klarheit ins „Darunter“ gebracht zu haben, und wünsch Euch viel Spaß beim Selbstversuch.

Sabine Rossegger


Das war die Mode aus dem 19. Jahrhundert. Ich hoffe, dass ihr Freude an diesem Beitrag habt und euch jetzt besser in die Kleidung von Kaiserin Elisabeth und allen adeligen Damen und Herren der früheren Jahre, hineinversetzen könnt.

Petra Schimbäck


Rechtliche Hinweise:

Text + Recherchen: Petra Schimbäck, Sabine Rossegger

Bildrechte: neheleniapatterns.com, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Cathie Jung In The Guinness Book Of Records, peoplestrive.com; Ethel Granger, vogue-italia.it, Sascha Rieger, muellerundsohn.com, mythoskaiserinelisabeth – Petra vormals Sternenkaiserin


Literatur:

InStyle
Dezember 2025

Blog
Frühes 19. Jahrhundert – epochs-of-fashion: Costume and Dress throughout History

Erika Thiel
Geschichte des Kostüms
Henschel Verlag, 2010

Gertraud Rakewitz, Gisela Krause, Gertrud Lenning
Kleine Kostümkunde
Schiele & Schoen Verlag, 2010

Blog
Der letzte Schrei: Damenmode aus dem 18. und 19. Jahrhundert

Sonja Duska
Modegeschichten: Die Damenwelt des 19. Jahrhunderts
Morio Verlag, 2019

Chantal Tollu, Françoise Tétart-Vittu, Jean-Marie Martin-Hattemberg, Fabrice Olivieri, Christian Lacroix (Vorwort)
La maison Worth – Naissance de la haute couture, 1858-1954 (französisch)
BiP Verlag, 2017

Stephen Clarke, Bérengère Viennot
Charles Frederick Worth
L’Anglais qui a inventé la haute (französisch)
pAF Verlag, 2025

Sandra Lembke
Scheuersand & Schnürkorsett
Steffen-Verlag, 2.Auflage, 2020


Hochzeit – Tu felix Austria nube*

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth, 1854
Hochzeitsbild
Bild: Anonym

*… du, glückliches Österreich, heirate!

Der Hochzeitstag von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern, welche mit dieser Hochzeit zum Hochadel avancierte und Kaiserin von Österreich wurde, ging in die Geschichte ein.

Die kleine Elisabeth verzauberte Kaiser Franz Joseph im August 1853 in Ischl so sehr, dass nach 3 Tagen am 18.8.1853 bereits die Verlobung gefeiert wurde.

Seit dem wurde die Hochzeit auf Hochtouren geplant. Die junge Braut wurde nicht lange gefragt.

Unglückliche Gedichte schrieb sie in ihr Tagebuch, doch es half alles nichts. Anfang März 1854 unterschrieb ihr Vater Herzog Max den Ehe Pakt.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Fotos: Antiquitäten kunst-bail.de
Einladungskarte von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern

Direkt nach der Verlobung erhielt Elisabeth Heiratsgut im Wert von

50.000 Gulden = ca. € 670.000
Weitere
100.000 Gulden = ca. € 1,340.000

wurden als Absicherung der Witwenschaft ausgehandelt, vorausgesetzt Franz Joseph würde vor ihr versterben.

Als Morgengabe wurden 12.000 Dukaten vereinbart.

Kaiser Franz Joseph verpflichtete sich weiters seiner Gattin jährlich eine Apanage von 100.000 Gulden (etwa € 1,340.000) zu bezahlen. Elisabeth sollte also nicht „arm“ in der Ehe sein.

In den späteren Jahren richtete sich Kaiserin Elisabeth in der Schweiz ein Konto ein, so dass sie fernab vom Wiener Hof sehr gut Leben konnte. Sie war zeitweilig sogar reicher als ihr Ehemann.

Weiters wurde Wäsche und Schmuck als Ausstattung vereinbart, wobei diese sehr ärmlich war.

Ludovika hatte mit der Hochzeit mit Helene gerechnet.

Elisabeth war bei der Verlobung erst 15 Jahre alt und ihre Ausstattung war weder komplett und schon gar nicht edel genug für den feinen Wiener Hof. Das Kaiserhaus war nur edelste Stoffe und Juwelen gewohnt.

Die 25 Koffer die vor der Braut in Wien eintrafen, waren daher dem Gespött ausgesetzt.
Elisabeth galt als „keine gute Partie“, noch bevor sie Wien erreichte. Ihre Silberausstattung galt als „bescheiden“.

Die Silberausstattung, die damals als ein „Muss“ galt, hatte einen Gesamtwert von ca. 700 Gulden = ca. € 9.380.

Handspiegel, Waschkanne und Silberteller bereits miteingerechnet.

Einzig der Schmuck hatte einen höheren Wert, dieser wurde ihr jedoch im Laufe der Verlobungszeit von Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Sophie geschenkt. Der Wert des Schmuckes wurde auf

60.000 Gulden = € 804.000 geschätzt.

Die Kleider hatten einen Wert von

50.000 Gulden = ca. € 670.000.

Elisabeth besaß:
4 Ballkleider
17 Putzkleider (Kleider mit Schleppe wurden Putzkleider genannt)
14 Seidenkleider
19 Sommerkleider
1 Trauerkleid

Das Wertvollste – ein blauer Samtmantel mit Zobelbesatz, sowie Zobelmuff – war natürlich wieder ein Geschenk von Franz Joseph.

Zum Vergleich:

Ein Arbeitslohn für Männer betrug jährlich 300 Gulden = € 4.020, Frauen nur die Hälfte, Kinder nur ein Bruchteil.

Ein Leutnant hatte 24 Gulden monatlich = ca. € 321,60 zu erwarten, Soldaten dementsprechend weniger, Offiziere demnach mehr.

Zwar waren diese Beträge für jeden Bürgerlichen immer noch horrend und nicht zu erreichen, aber reiche Kaufleute konnten ihre Töchter weitaus besser ausstatten.

Der „vulgäre“ Landadel von den Herzogs „in“ Bayern wurde von jeher als „nicht standesgemäß“ betrachtet.

Das Datum der Hochzeit wurde auf den

24.4.1854

angesetzt.

Obwohl Ludovika um eine Hochzeit in München kämpfte, verlor sie auch diesen Punkt gegen ihren zukünftigen Schwiegersohn.

Foto: Antiquitäten kunst-bail.de
Einladungskarte von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern
mit dem gesamten inneren Text

Er ließ nicht mit sich Handeln. Die Hochzeit sollte in Wien, in der Augustinerkirche, stattfinden.

In Wien wurde derweil alles für dieses Großereignis vorbereitet. Obwohl die Gefahr eines Krimkrieges bevorstand und kaum abgewendet werden konnte, setzte man große Hoffnungen auf die Hochzeit mit Elisabeth.

Wien wurde herausgeputzt.

Die ersten Lithographien trudelten in Wien ein und so sind es wieder die Zeitzeugen, die uns davon erzählen:

„Wien, 11.November 1853
Liebe Eva!

Ich sah den Kaiser einigemale bei seiner Fau Mutter; er sieht wohl und freudestrahlend aus. Es sind einige Lithographieen von der Kaiserbraut in den Kunsthandlungen ausgestellt, die viel zu wünschen übrig lassen. Das Oehl-Gemälde von Türl aus München, welches der Kaiser erhalten soll sprechend ähnlich und ein sehr schönes Portrait sein. Es steht in seinem Schreibcabinet.“

Deine Sophie (13a)

Anmerkung Petra: Herzlichst erfrischend, dass nicht nur ich Schreibfehler mache. Auch Sophie verschrieb sich des Öfteren in ihren Briefen. Hier ist z.B. Lithographieen mit doppel „e“ geschrieben. Herrlich, dass dies erhalten blieb!

Nicht nur Wien, auch der gesamte Wiener Hof, die Erzherzogin und natürlich die zukünftigen Hofdamen wurden für das Fest vorbereitet.

Die Schneider und Näherinnen ihrer Zeit hatten alle Hände zu Tun, um den Ansprüchen dieser Hochzeit gerecht zu werden.

Sophie Baronin von Scharnhorst(*) (*/unbekannt) lässt uns wieder einmal an ihren Gedanken teilhaben.

„Wien, 12.Jenner 1854
Liebe Eva!
Wegen der Hochzeitsfeierlichkeiten hielt ich gestern Conferenz mit Paula Bellegarde (Anmerkung Petra: zukünftige Hofdame von Kaiserin Elisabeth Paula Gräfin von Bellegarde, später von Königsegg-Aulendorf und ihre Obersthofmeisterin) und ihrer zufällig anwesenden Mutter. Beide finden, daß mit Silbernen Rosen gestickte Tüllkleid zu zwei Röcken Schöner für Caroline (Anmerkung Petra: Tochter von Eva) als mit volants. Silbergestickte Bandeaus sind sehr elegant, Paula wird sich auch solcher bedienen weil Brüßler Blonden zu gepfeffert sind und für 1-2mal anziehen sind sie zu theuer – außer für Königin Victoria! Die Manteaux erfordern eine Länge von 11/4 und 11/2 metre Länge.

Die Gemüther der Diplomaten und Geschäftsleute sind ängstlich mit den immer drohender werdenen kriegerischen Aussichten – beschäftigt. Der liebe Gott wende das Unglück ab!! (Anmerkung Petra: Damit ist der oben erwähnte Krimkrieg gemeint)
Sophie. (13)

Auch eine zusätzliche Strophe für die Kaiserhymne wurde geschrieben:

An des Kaisers Seite waltet,
Ihm verwandt durch Stamm und Sinn,
Reich an Reiz, der nie veraltet,
Uns're holde Kaiserin.
Was als Glück zu höchst gepriesen
Ström' auf sie der Himmel aus:
Heil Franz Joseph, Heil Elisen,
Segen Habsburgs ganzem Haus!

Musik: Joseph Haydn
Text: Johann Gabriel Seidl

Baronin von Scharnhorst hält die Weihnachtsfeiertage für uns fest:

„Wien, 20.December 1853
Liebe Eva!
…..
Heute um 2 Uhr vor Tisch besuchte mich Erzherzog Karl (Anmerkung Petra: Karl Ludwig war gemeint, Bruder von Franz Joseph) um Abschied zu nehmen. Er reist diesen Abend 10 Uhr nach Lemberg auf Seinen Posten und bleibt bis zur Vermählung des Kaisers dort. Erzherzog Max (Anmerkung Petra: ebenfalls ein Bruder vom Kaiser) ist in Triest und Seine Majestät reisten heute nach München. Die vortreffliche Erzherzogin ist beinahe ganz verwaist, aber schöne Hoffnungen bleiben ihr, wenn erst die Kaiserbraut in Wien einzieht. Gott erfülle alle Hoffnungen!
Deine Sophie (14)

Kaiser Franz Joseph besuchte seine Elisabeth zu Weihnachten in München und brachte der Braut und dem Geburtstagskind einen Kranz aus weißen Rosen mit. Ein Unding zur damaligen Zeit und im Winter noch dazu.

„Wien, 8. Jenner 1854
Der Kaiser soll sehr heiter und zufrieden von seiner beglückenden Reise zurückgekehrt sein auch wie ich höre vorgenommen haben diesen Carneval nicht zu tanzen, was seinen ritterlichen Gefühlen sehr entspricht.

Deine Sophie“ (15)

Am 20.4.1854 bestieg Herzogin Elisabeth mit ihrer Mutter Ludovika eine Kutsche um eine 3tägige Reise anzutreten. Gefolgt von ihrem Vater und den Geschwistern. Zuvor wurde noch groß Abschied in München genommen.

Sie verabschiedete sich von dem gesamten Personal, ihrem Stief-Onkel Ex-König Ludwig I. (der 1848 wegen dem Lola Montez-Skandal abdanken musste), dem regierenden König Maximilian II und der gesamten Verwandtschaft. Die junge Braut war in Tränen aufgelöst.

Foto: Wikimedia/Commons
Schiff „Austria“ bei der Ankunft in Linz 21.4.1854 

Am 21.4.1854 bestieg sie das Dampfschiff „Austria“ und fuhr von Straubing Richtung Linz.

Franz Joseph entschied sich spontan seine Braut in Linz zu begrüßen und fuhr ihr mit einer Kutsche aufgeregt entgegen.

Das war nicht nur gegen das Protokoll, sondern auch eine ziemliche Überraschung für die Linzer, die mit der Ankunft des Kaisers so gar nicht gerechnet hatten.

Schwiegermutter in spe und Tante Erzherzogin Sophie, muss einer Ohnmacht nahe gewesen sein als sie davon erfuhr.

Kaiser Franz Joseph verstieß damit gegen jede Etikette. Auch das Busserl, dass er seiner Braut Elisabeth vor lauter Freude auf die Wange drückte, hätte nicht stattfinden dürfen.

Es geziemte sich nicht in der Öffentlichkeit zu „Busslern“ – schon gar nicht für einen Kaiser. 

Linz begrüßte die zukünftige Kaiserin mit gebührlichem Programm:

Das Theaterstück

„Die Rosen der Elisabeth“

wurde aufgeführt, danach ein Chorgesang und ein Fackelzug durch die Stadt.

Obwohl die junge Braut zu diesem Zeitpunkt schon erschöpft war, stand aber alle Huldigungen mit Bravour durch.

Elisabeth übernachtete mit ihrer Gefolgschaft im Landhaus Linz. Ihr Zimmer ist heute noch erhalten, allerdings ist das Gebäude selbst ein Regierungsgebäude; es ist öffentlich nicht zugänglich.

Ich durfte jedoch den Meetingsaal mit den Original erhaltenen Möbeln und Tapeten besuchen. 

Gegen 4.30 Uhr früh verließ der Kaiser Linz, um seine Elisabeth am Abend in Wien erneut zu begrüßen.

Foto: Wikimedia/Commons
Ankunft in Nussdorf

Der Raddampfer „Franz Joseph“ nahm am 22.4. erneut die Brautgesellschaft auf und fuhr pünktlich um 8.00 Uhr morgens ab.

Die ganze Zeit musste Herzogin Elisabeth am Schiff stehen, um mit einem Spitzentaschentuch den tausenden Leuten, die die Straßen und Ufer säumten, zu winken.

Wie sehr das an den Nerven der 16jährigen zerren musste, kann man sich kaum vorstellen. Verschüchtert und voller Angst fuhr sie dem Ungewissen entgegen.

Unter Glockengeläut (alle Glocken in Wien läuteten) und Kanonendonner legte das Schiff in Nußdorf an und Franz Joseph gab Elisabeth wieder ein Busserl auf die Wangen.

Und obwohl das junge Mädchen sicherlich Ruhe gebraucht hätte, nahm man auf die erschöpfte Braut keine Rücksicht. Der Marathon ging weiter. Der Wagenzug mit dem Brautgefolge, Bräutigam und Eltern zogen von Nußdorf nach Schloss Schönbrunn wo ein großes Dinner statt fand.

Ich habe den Kaiser schon lieb. Wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (1a)

Diesen Satz soll Elisabeth gesagt haben, bevor sie sich mit dem Kaiser verlobt hat.

Sie hat geahnt, was auf sie zukommen wird.

Ich würde persönlich gerne wissen, was sie gedacht hat, als sie den Prunk und den Protz in Schloss Schönbrunn mit seinen 1400 Zimmern erblickte. Als sie erfuhr, dass in Schönbrunn ca. 4000 Personen permanent wohnten.

Foto: myhtoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth wie sie sich als Braut sah
eigenhändige Skizze, 1854

Plötzlich waren Menschen um sie herum, die ihr von einer Sekunde auf die nächste die Hand küssen wollten/mussten.

„…man begafft mich wie ein seltenes Tier…“

Diese Textzeile aus dem Musical Elisabeth ist wohl noch harmlos ausgedrückt. 

Mit großer Feierlichkeit überreichte Franz Joseph sein Brautgeschenk.

Eine Diamantenkrone, die extra für 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) überarbeitet wurde.

Hierzu ist im Musical Elisabeth eine Textzeile überliefert:

„In der Schatzkammer fiel die Krone zu Boden…“

Dies galt als schlechtes Omen und wurde für eine schlechte Ehe vorausgesehen. Danach wurden alle anderen Geschenke überreicht. Ex-Kaiser Ferdinand überreichte ihr ebenfalls ein Diamantendiadem.

Einzug der Braut
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Foto: Wikimedia/Commons
Sophie Gräfin Esterházy
Lithographie: Josef Kriehuber, 1833
Foto: Wikimedia/Commons
Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. Gräfin von Bellegarde

Zu all dem wurden ihr noch ihr völlig fremde Personen zugeteilt. Alle Damen, die sie bis jetzt betreuten, wurden ihres Dienstes enthoben.

Statt dessen wurde ihr als Obersthofmeisterin Sophie Maria Josepha Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha (*5.9.1798, †17.6.1869) zur Seite gestellt.

Gräfin Esterházy war Hofdame bei Erzherzogin Sophie und eine ihrer engsten Vertrauten. Elisabeth hat Gräfin Esterházy vom ersten Anblick an abgelehnt.

Zu Recht, denn die Gräfin hatte nichts besseres zu tun, als jede kleine Verfehlung die sich die junge Kaiserin erlaubte an Erzherzogin Sophie weiterzuerzählen.

Sie behandelte die junge Kaiserin wie ein unmündiges kleines Kind und erzählte ihr weiters den gesamten Tratsch vom Hof, der die Kaiserin nicht im geringsten interessierte.

Weiters wurde ihr Obersthofmeister Fürst Lobkowitz zur Seite gestellt.

Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. von Bellegarde (Gräfin Bellegarde) (*2.4.1830, †27.5.1912) und Gräfin Lamberg vervollständigten das direkte Personal von Elisabeth.

Zusätzlich zogen ein Sekretär, eine Kammerfrau, ein Kammerthürhüter, vier Leiblakeien, ein Hausknecht und ein Kammerweib mit Elisabeth in die Hofburg bzw. Schloss Schönbrunn. Das dies die kleine Herzogin aus Bayern einschüchterte wird jedem verständlich sein.

Am 23.4. wurde der Hochzeitsmarathon fortgesetzt.

Vom heutigen Theresianum (damals „Favorita“ und von Franz Joseph kaum noch benützt) wurde das strenge Zeremoniell gestartet, wo Elisabeth bereits seit einigen Stunden für dieses Ereignis hergerichtet wurde.

Die von 8 Lipizzanern gezogene Prachtkutsche, wurde mit Leibgardisten in Paradeuniform begleitet. Weiters folgten dem Tross 6spännige Kutschen mit den Geheimen Räten, Palastdamen und der Familie. Neben den Wägen gingen die Diener.

Wienmuseum.at
die neu erbaute Elisabethbrücke
Kutsche mit Herzogin Elisabeth und Herzogin Ludovika, dahinter die Karlskirche

Der Zug führte über die neue Elisabethbrücke, welche 1898 abgerissen wurde.

Sie trug ein rosa Putzkleid mit Schleppe, welches mit Rosengirlanden geschmückt war. Das neue Diamantendiadem wurde ihr auf den Kopf gesetzt. Herzogin Elisabeth war überaus verängstigt und schluchzte leise vor sich hin. Aber auch Ludovika schüchterte diese enorme Zeremonie ein.

Als der Zug vor der Kirche ankam erklangen wieder alle Glocken, um den Einzug der Braut zu würdigen. Die Straßen waren voll von Schaulustigen, die sich alle einen Blick auf die baldige Kaiserin erhofften.

Als sie endlich bei der Hofburg ankam, war sie zu Tode erschöpft.

Beim Ausstieg aus der Kutsche, passierte ihr deswegen ein kleiner Fauxpas. Sie blieb mit der Diamantenkrone an der Türfassung der Kutsche hängen und strauchelte daher beim Aussteigen. 

Der Wiener Hof hatte gleich wieder zu lachen und zu tratschen, da dieses Missgeschick natürlich ausgerechnet vor allen Augen passierte.

Im Amalienhof (Trakt der Hofburg) angekommen, durfte sich die junge Braut endlich ausruhen.

Elisabeth notierte in ihr Tagebuch:

Ich bin erwacht in einem Kerker,
Und Fesseln sind an meiner Hand.
Und meine Sehnsucht immer stärker –
Und Freiheit! Du, mir abgewandt. (1)

Am nächsten Morgen gingen die Hochzeitsvorbereitungen erneut los.

Foto: Wikimedia/Commons
„Eine Vorstellung wie die Hochzeitszeremonie aussah“, Neue Illustrierte Zeitung, 1879 zum 25. Hochzeitstag veröffentlicht, Holzstich, Anonym

Die Hochzeit war für 19.00 Uhr am Abend angesetzt.

Jede Braut kennt die Vorbereitungen die an diesem Tag auf sie warten. Eine 16jährige Braut und noch dazu die zukünftige Kaiserin, musste noch strengere Vorbereitungen über sich ergehen lassen.
Foto: Kunsthistorisches Museum Wien
Wagenburg Schloss Schönbrunn
3,80m Schleppe vom Brautkleid, als einzige komplett erhalten

Bis heute weiß niemand genau wie das Hochzeitskleid von Herzogin Elisabeth in Bayern genau aussah. Dazu mehr weiter unten…

Es gab vor einigen Jahren von Schloss Schönbrunn einen öffentlichen Aufruf ob jemand am Dachboden oder sonst wo, von seinen Ur-Urgroßeltern Zeichnungen zum Brautkleid von Kaiserin Elisabeth liegen hat. Diese Zeichnungen hätten demjenigen viel Geld eingebracht. Leider verhallte der Aufruf ungehört. Und so müssen wir bis heute ungefähr erahnen, wie das Kleid ausgesehen haben könnte.

Aber warum war das so?

Es waren nur geladene Gäste in die Kirche vorgelassen und die platzte schon aus allen Nähten. Das gemeine Fußvolk musste natürlich vor der Türe warten und wer tatsächlich einen Blick erhaschen konnte, konnte das Kleid vermutlich nicht richtig sehen. Maler, Zeichner usw. waren sicherlich positioniert, aber keiner hätte es genau treffen können. Und ein Maler war an diesem Tag leider keiner bestellt.

Bei der Hochzeit in der Augustinerkirche selbst waren nur die engsten Familienangehörigen, der Hofstaat und die Kardinäle anwesend. Deswegen existieren auch hier keine genauen Aufzeichnungen wie Elisabeth am Tag ihrer Hochzeit aussah.

Nach der Trauung wurde das Kleid noch 25 Jahre aufbewahrt, um daraus das 25jährige Hochzeitskleid zu nähen.

Danach wurde das Kleid nach Maria Taferl und in die Matthiaskirche in Budapest gespendet und je zu einem Vespermantel verarbeitet.

Doch ihr kennt mich. Ich lasse keine Ruhe und gehe immer wieder auf die Suche und so bin ich auf folgenden Brief gestoßen, den ich hier wiedergeben möchte.

Baronin von Scharnhorst ist es wieder, die folgendes berichtet:

„8ten December 1853
Liebe Eva!
Die Erzherzogin hat mich schon vor 8 Tagen zum Christbaum eingeladen und dieser Gnade auch manche andere beigefügt.
Gestern brachte ich Mal wieder einen herrlichen Abend bei der hochverehrten Erzherzogin Sophie zu im engen Familienkreis am trautlichen Theetisch. Erzherzog Max erheiterte die Gesellschaft, – die nur aus der hochverehrten Erzherzogin, dem kleinen Ludwig (Anmerkung Petra: Luzi-Wuzi, Bruder von Kaiser Franz Joseph), mir und Antoinette Auersperg bestand – durch das jugendliche Spiel seiner Phantasie.

Die theure Erzherzogin zeigte uns herrliche Gold- und Silber-Brocatstoffe die ihr zu den Vermählungsfeierlichkeiten vom Gemahl geschenkt wurden, wahre Meisterwerke des guten Geschmacks und der Weberei, das Hochzeitskleid ist weißer Damast mit Gold reich broschirt dazu wird ein cerise schwerer Stoffmanteau mit Gold gestickt genommen.
Das 2te Kleid blauer Damast mit Silber-Quirlanden und Medaillons brochirt, ist über alle Beschreibung schön. Jedes Kleid hält 10 Ellen und kostet 300 fl C.M. (Anmerkung Petra: fl = Gulden, C.M. = Conventionsmünze 300 Gulden = ca. € 4.640.74) was ich sehr wenig finde. Demetre ist in den Sachen reich fournirt. – Es wird eine blendende Pracht werden!
Die Büste der Kaiserin(*) ist nun auch von München angekommen, und ganz vortrefflich ausgefallen! als pendant zur Kaiserbraut. Beide Büsten sind besser wie alle Portraits des hohen Brautpaares.
Sophie“ (16)

(*)Anmerkung Petra: Ich vermute, dass es sich hier um einen Schreibfehler der Baronin handelt und es nicht „der Kaiserin“, sondern „des Kaisers“ heißen soll. Anders ergibt es nämlich überhaupt keinen Sinn.
Im Buch von Richard Kühn, der leider die Briefe nicht Wort für Wort abgeschrieben und vieles hinzugedichtet hat, wurde auf S. 339 das Wort Kaiserin schon in Kaiser verbessert.
Weitere Anmerkungen am Ende des Artikels!

Hier haben wir also das Kleid wunderbar beschrieben:

Gold und Silber-Brocatstoff, ein guter Geschmack der Weberei, weißer Damast, mit Gold reich broschirt und ein schwerer Stoffmanteaeu... 
Genau wie er in der Wagenburg zu sehen ist; zumindest noch ein Teil davon. 

Der Rest wird wohl leider wirklich immer im Verborgenen bleiben.

Der üppige Haarschmuck von Elisabeth. Mir persönlich gefällt er nicht, aber das ist immer Geschmackssache.

Wenn man sich aber diese Aufzeichnungen ansieht, kann man ungefähr das genaue Ausmaß erahnen:

Ihre königliche Hoheit trug ein Schleppenkleid und einen Mantel von Moire antique, prachtvoll mit Gold und Silber gestickt und reich mit Myrthen verziert.

In Sophies Tagebuch fanden sich folgende Passagen (alle abzuschreiben, würden jeglichen Rahmen sprengen, aber die wichtigsten gebe ich wieder):


Montag, 24. April […] gegen 7h 3/4 suchte mich der Kaiser nach seiner Beichte auf und fand Louise (Ludovika, Sisis Mutter) in meinem Salon vor, die auf das Ende von Sisis Beichte bei Bischof Zenner in meinem Oratorium wartete. Begleitet von ihrer Mutter nahm Sisi mit dem Kaiser an der Heiligen Messe […] in der Josephskapelle teil. – Franz, unsere 3 Jüngsten, ich und Carl in meinem Oratorium. Dort habe ich gebetet und aus ganzem Herzen geweint. (6)

Das Frühstück im roten Kabinett mit meinen 4 Kindern, ihrem Vater, Louise [und] ihren Töchtern: [Herzog] Max und Ludwig kamen dazu. Der Kaiser, so glücklich und verliebt. […] (7)

Nach 3h: das Diner bei mir mit meinen 4 Kindern und ihrem Vater. Gute und fröhliche Unterhaltung. Wir tranken auf das Wohl der jungen Brautleute, auf Marie und Fritz von Sachsen, die Hochzeitstag hatten. […] (8)

Um 5h Toilette:: Kleid aus weißem Stoff und Gold von Franz; Mantel aus amarantfarbenen Stoff, den ich mit Gold und Silber besticken ließ. (9)

Gegen 6h 1/2: mit meinem Sohn und seinem Vater zu Louise , wo wir 4 Väter und Mütter das junge schöne Paar segneten. Mein liebes Kind strahlte vor Glück. Sisi war schön und elegant. Nachdem mich mein Sohn fest umarmt hatte, umarmte er seine Braut, während er sanft ihre Hand drückte, sagte er ihr liebevolle Dinge und wie er auf ihr Wohlergehen bedacht war. Ich war so glücklich. (10)

Im Spiegelsalon fanden wir die gesamte kaiserliche Familie vor. Langes und immenses Gefolge (alle Palastdamen hatten Dienst) (Anmerkung Petra: meinen Beitrag zum Hofzeremoniell könnt ihr hier nachlesen) bis zur Augustinerkirche, der Gang übermäßig heiß, die jungen Leute der Neustädter Akademie standen zu ihrer großen Freude Spalier. […] der Erzbischof, assistiert von den Bischöfen von Linz und St. Pölten, segnete die Vermählung nach einer langen Predigt […], Nachdem die Ringe getauscht waren, läutete es 7h 1/2. In diesem schönen Moment führte der Kaiser die Kaiserin zum Thron und ließ sie an seiner Seite Platz nehmen, ihre Mutter neben mir, die Augen geschlossen, die Hände gefaltet, mit einem Ausdruck von Bescheidenheit und christlicher Demut – sehr ergreifend. (11)

Foto: Wikimedia/Commons
Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Elisabeth wird zur Kaiserin
man erkennt gut das beschriebene Rosenbouquet, das Diadem und den Brautschleier

Die Kirche wurde mit 15.000 Kerzen erleuchtet und die junge Braut betrat die Augustinerkirche, wo 70 Kardinäle, Bischöfe und Prälaten auf sie warteten.

Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher (*6.10.1797, † 24.11.1875) nahm die Trauung vor.

Auch Wien erstrahlte im schönsten Licht. Kerzen, Gasflammen und elektrische Glühlampen wurden angezündet.

Danach zog der Hochzeitszug zurück in die Hofburg, wo wieder das steife Zeremoniell begann.

Foto: Nationalbiblithek.at
Große Cour im Zeremoniensaal der Wiener Hofburg anlässlich der Vermählung Kaiser Franz Josefs I. mit Elisabeth in Bayern am 24. 4. 1854; Repronegativ nach einer Xylographie von Eduard Kretzschmar
in der „Illustrierten Zeitung“
vom 6. Mai 1854

Nun in Form der Huldigungen und Glückwünsche die auf die ermüdete und erschöpfte Braut zukamen.

Gräfin Esterházy stellte die „Palast- und appartementmäßigen Damen“ und Oberhofmeister Lobkowitz die „Kavaliere des Hofstaates“ vor. Die Damen durften nun zum Handkuss vorgelassen werden.

Kaiserin Elisabeth vollkommen übermüdet, verwirrt und verweint reagierte natürlich falsch und wartete, dass die Damen das Wort an sie richteten.

Man kann sich lebhaft vorstellen, was das wiederum für ein Getuschel und Getratsche war, als die Kaiserin nicht selbst das Wort an die Damen richtete. Das Hofprotokoll sah vor, dass man die Kaiserin nicht ansprechen durfte. Nur die Kaiserin selbst durfte das Gespräch beginnen.

Die nächste Peinlichkeit ließ nicht lange auf sich warten. Als zwei Cousinen sah, zog sie ihre Hand zum Handkuss zurück und umarmte die beiden. Ihre Obersthofmeistern war so echauffiert, dass sie die Kaiserin coram publico aufforderte, nur streng nach Zeremoniell zu handeln.

Elisabeth durfte nur noch die Hand für den Handkuss reichen. Vor lauter Scham brach sie in Tränen aus und verließ den Saal.

Die peinliche Szene konnte der ganze Wiener Hof beobachten, man mag sich dies auch in der heutigen Zeit gar nicht ausmalen. Der Skandal war perfekt, auf Monate hin, war für Hohn und Spott gesorgt.

Nach 23.00 Uhr waren endlich alle Feierlichkeiten abgeschlossen und die „Bettlägeszene“ wurde vorbereitet.

Ludovika und Sophie begleiteten Elisabeth in ihr Schlafzimmer und halfen ihr sich für die Hochzeitsnacht herzurichten.

Sophie schrieb in ihr Tagebuch:

Zwischen 10 und 11h: Tee und Souper bei mir, wir 4 Väter und Mütter und unsere Kinder. Nachdem alle gegangen waren, führten wir, Louise und ich, die frisch Vermählte in ihrer Gemächer. Ich ließ sie mit ihrer Mutter allein und richtete mich im Kabinett neben dem Schlafzimmer ein, bis sie zu Bett gegangen war; ich suchte meinen Sohn auf und begleitete ihn zu seiner jungen Frau, die, als ich ihr gute Nacht sagte, ihr hübsches von reichem, schönen Haar umrahmtes Gesicht im Opfpolster verbarg, wie ein erschreckter Vogel, der sich in seinem Nest versteckt. Ich ging mit Louise […] (3)

Die Ehe wurde nicht vollzogen.

Am nächsten Tag tauchte Sophie beim gemeinsamen Frühstück auf und ließ sich von ihrem Franzi erzählen, wie die Hochzeitsnacht gelaufen sei. Franz Joseph musste mit hochrotem Kopf zugeben, dass diese nicht stattgefunden hatte.

Auch die Kammerzofen und Lakaien wussten bereits, dass es keinen Vollzug gab. Das verräterische Bettzeug wurde entfernt und neu bespannt.

Kaiserin Elisabeth schämte sich zu Tode.

Auch am zweiten Tag konnte kein Erfolg vermeldet werden.

Mittlerweile tuschelte schon der gesamte Hof und Kaiser Franz Joseph wurde zum Gespött von ganz Schönbrunn und der Hofburg. Die Offiziere und Soldaten von den Regimentern schlossen schon Wetten ab,

„wann die Kaiserin fallen würde“.

Eine Schande für den jungen Kaiser und natürlich noch mehr für die junge Frau.

Erst am dritten Tag wurde die Ehe vollzogen.

Ob sich der Kaiser nahm, was ihm nicht zustand, oder ob ihn Elisabeth tatsächlich ließ ist nicht überliefert.

Liest man sich aber die Aussagen, seiner späteren Liebhaberinnen durch, so zählte Franz Joseph zu den „groben Liebhabern“, die nichts von Liebe und Zärtlichkeit verstanden.

Ich nehme also einmal an, dass Elisabeth in ihrer dritten Ehenacht gelitten hat. Und dies auch der Grund war, warum sie Zeit ihres Lebens ein Trauma diesbezüglich hatte und von weiteren Liebesnächten nicht viel hielt.

Auch die peinlichen Berichte an seine Mutter waren sicherlich ein Grund für die junge Frau, sich später zu entziehen. Sie wollte einfach nicht der Guten Morgen-Tratsch bei ihrer Tante und Schwiegermutter sein.

Kaiser Franz Joseph fand sich nun also zum Frühstück bei seiner Mutter ein und bat auch seine Frau zu kommen.

Dort berichtete er von dem Vollzug.

Die Kaiserin aber blieb noch eine Weile im Bett, weil sie sich schämte. Sie folgte erst später und hoffte, dem peinlichen Gespräch auszuweichen.

Elisabeth erzählte folgendes später Marie Festetics:

Der Kaiser war so gewohnt, zu folgen, daß er sich auch darin ergab. Aber mir war das gräßlich. Ihm zu lieb ging auch ich.“ (4)

Bis zum 30.4.1854 zogen sich die Hochzeitsfestlichkeiten. Es fand noch ein Hofball, Theateraufführungen, ein Staatsdinner mit 160 geladenen Gästen uvm. mehr statt.

Foto: Schloss Laxenburg
Schloss Laxenburg, Franzenburg

Die Flitterwochen wurden in Schloss Laxenburg verbracht.

Doch diese verbrachte Elisabeth mit ihren fremden Hofdamen zum größten Teil allein.

Franz Joseph musste jeden Morgen zurück, um die Staatsgeschäfte zu erledigen. Kaiserin Elisabeth litt unter großem Heimweh.

Hinzu kam das strenge Protokoll. Als bayrische Herzogin wurde sie frei und unkonventionell erzogen.

Ab sofort durfte sie sich nicht mehr alleine Anziehen, Ausreiten oder gar Spazierengehen.

Sogar ihre Mahlzeiten musste sie in „fremder“ Gesellschaft einnehmen. Elisabeth musste das Protokoll einhalten und die dafür vorhergesehen Personen mitnehmen.

Eine Qual, wenn man bedenkt, dass Elisabeth auf die Aufgabe einer Kaiserin nicht vorbereitet wurde.

Bereits im Juni 1854 musste Elisabeth bei einer Repräsentationsreise nach Böhmen und Mähren ihren Kaiserinnenpflichten nachgehen.

Das Hochzeitskleid

In diesem Video seht ihr nicht nur die Original-Hochzeitsschleppe, sondern auch das „Mystery Wedding-Dress“

Bis heute weiß niemand genau wie das Hochzeitskleid tatsächlich ausgesehen hat.

WARUM?

Damals waren nur hochrangige Gäste zur Hochzeit geladen. Der höchste Adel, der höchste Militärrang, Eltern, Geschwister und die katholische Kirche. Die Kirche war viel zu klein um für all die Gäste Platz zu bieten, nicht einmal die hochrangigen Gäste hatten alle Platz, so dass einige dicht an dicht stehen mussten.

Das Volk und all die Schaulustigen waren vor den Toren, die durch ein unglaubliches Aufgebot an Polizei, Bedienstete, Lakaien, Kutscher, Diener usw. ebenfalls kaum etwas sahen.

Und natürlich war die Fotografie noch nicht erfunden, weshalb es auch kein Foto vom Hochzeitskleid der Kaiserin bzw. der blutjungen Herzogin gab.

Wer einen Blick auf die junge Braut erheischen konnte, konnte sich glücklich schätzen.

Das Kleid wurde mehrfach skizziert, aber korrekt sind alle nicht, es ist vielmehr der damaligen Mode entsprechend angepasst.

Wir wissen, dass es ein Kleid mit Gold und Silberfäden gewesen sein muss, denn die Brautkleid-Schleppe ist komplett erhalten geblieben.

Sie wurde wie ein Gürtel um das eigentliche Kleid getragen und nach der Zeremonie abgenommen.

Erzherzogin Marie Valérie erbte von ihrer Mutter das edle Stück der Schleppe, welche 1989 von den Nachfahren an das Kunsthistorische Museum Wien übergeben wurde und bis heute dort ausgestellt ist.

Sogar Schloss Schönbrunn machte vor ein paar Jahren einen internationalen Aufruf und bat Nachfahren um Hilfe. Es sollten Tagebücher und Zeichnungen durchwühlt werden, ob sich nicht doch irgendwo ein/e authentischer Bericht oder Skizze, Stich oder sonstiges vom Brautkleid der Kaiserin findet. Leider vergeblich. Schloss Schönbrunn wollte die Aufzeichnung sogar honorieren.

Foto: Wikimedia/Commons Trauung Herzogin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph von Kardinal Rauscher, Augustinerkirche 24.4.1854

Laut Prager Tagblatt vom 27.4.1879 trug Kaiserin Elisabeth das Kleid noch einmal zu ihrem 25. Hochzeitstag.

Für diese Festlichkeit, wurde ihr Hochzeitskleid, das bis dato in Possenhofen aufbewahrt wurde, nach Prag gebracht und dort nach den Wünschen der Kaiserin umgeändert.

Es wurde zum berühmten 25sten Hochzeitstagskleid umgeändert, welches auf vielen Bildern von Kaiserin Elisabeth zu bewundern ist.

Es ist im übrigen das letzte Bild, für das sie Model gestanden ist.

Die erste Aufzeichnung als Inventarium in der Basilika Maria Taferl ist von 1890.

Das Kleid selbst wurde zerlegt und der Silberfaden herausgetrennt.

1895 wurde der daraus entstehende Vespermantel der Öffentlichkeit präsentiert.

Heute befindet sich der Mantel noch immer in der Schatzkammer von Maria Taferl, allerdings kann er nur zeitweilig besichtigt werden.

Weitere Teile wurden in die Matthiaskirche nach Budapest gebracht, wo der Goldfaden für ein Messgewand verwendet wurde.

Dieser Mantel wurde bereits 1867 zur Krönung von König Franz Joseph und Königin Elisabeth von Ungarn getragen.


25 Jahre später – 25.4.1879 Silberhochzeit

Foto: Wikimedia/Commons
Bild: Georg Raab
Diamantenbesticktes Kleid zum 25. Hochzeitstag, 24.4.1879.
Kaiserin Elisabeth war 41 Jahre alt
das letzte offizielle Bild auf dem sie sich malen ließ

Kaiserin Elisabeth lebte bereits lange ihr eigenes Leben.

Foto: Wikimedia/Commons
Huldigungsblatt zum 25jährigen Hochzeitstag eines Lithographen
Fantasieabbildung

Kaiser Franz Joseph lebte immer noch das steife Leben eines Monarchen, der nicht anders konnte, als seine Pflicht zu erfüllen.

Er verehrte seine „Engels Sisi“ und hoffte immer noch, dass sie ein Leben zusammen führen könnten. Die Wiener hofften auch immer noch, eine Kaiserin zu bekommen, die endlich ihre Pflichten wahrnahm und ihrer Stellung ein Tun einhauchte.

Kaiserin Elisabeth nahm das Fest mit eisiger Kälte und einer demonstrativer Teilnahmslosigkeit hin.

Die Ehe galt im inneren Kreis längst als zerrüttet. Elisabeth wollte nicht einmal mehr den äußeren Schein wahren.

Die zahlreichen Affären ihres Mannes, die noch während der glücklichen ersten Jahre begannen und sie damals noch zu Tränen rührten , tangierten sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Doch Elisabeth tangierte das nicht mehr. Was sie früher kränkte, ließ sie mittlerweile kalt. Im Hintergrund liefen ihre Vorbereitungen für ihren Irland Aufenthalt auf Hochtouren.

Ein Gedicht von Kaiserin Elisabeth, dass sie für „ihre Zukunftsseelen“ hinterließ, zeigen sehr genau, wie sie über ihre Ehe dachte:

Nur staune nicht, wenn beim Verrichten
Nach altem Patriarchenbrauch
Der legitimen Ehepflichten
Dich streift ein eisigkalter Hauch. (5)

Es zeigt auch den Hass auf ihre Ehe und alles was damit verbunden war.

Auch das Gedicht

Für mich keine Liebe
Für mich keinen Wein,
Die eine macht übel,
der andere macht spei'n

Die Liebe wird sauer,
Die Liebe wird herb;
Der Wein wird gefälschet;
Zu schnöden Erwerb.
Doch falscher als Weine
Ist oft noch die Lieb';
Man küsst sich zum Scheine
Und fühlt sich ein Dieb!

Für mich keine Liebe,
Für mich keinen Wein;
Die eine macht übel,
Der and're macht spei'n! (12)

lässt im Nachhinein nichts Gutes erahnen.

Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Marie Valerie schenkten den Eltern ein Altarbild.

Ein Tryptichon, welches von Rubin inspiriert wurde. Der Maler war niemand geringerer als Hans Canon (*15.3.1829, †12.9.1885).

Foto: Wikimedia/Commons
Ausschnitt des Altarbildes von Hans Canon; 25.4.1879, Zu erkennen: Madonna mit dem Jesuskind, link hl. Franz von Assisi, rechts hl. Elisabeth Josefskapelle Wien Foto
Foto: Wikimedia/Commons
Selbstportrait Hans Canon

Links und rechts des Bildes sind jeweils Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Marie Valèrie, sowie Prinzessin Gisela von Bayern kniend vor ihrem Mann Leopold Prinz von Bayern zu sehen.

Das Bild wurde in der Josefskapelle in der Hofburg aufgestellt und kann heute besichtigt werden.

Das Bild zeigt die heilige Elisabeth, den heiligen Franz von Aissisi (beide die jeweiligen Namenspatronen) und die heilige Madonna mit dem Jesuskind.

Das berühmte Silberhochzeitskleid – Tornürenkleid

Das Kleid selbst trägt seine eigene Geschichte. Laut Prager Tagesblatt vom 27.4.1879 ist es das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth, welches sie am 25.4.1854 getragen hat. Bis dahin wurde es in Possenhofen aufbewahrt.

Das Kleid wurde nach Prag gebracht, wo es aufwändig und nach den Wünschen der Kaiserin umgearbeitet wurde.

Es war Diamantenbestickt mit Gold- und Silberfäden versehen. Danach wurde das Kleid der Wallfahrtsbasilika Maria Taferl gespendet.

Foto: myheimat.de
Kopie des Silberhochzeitskleid Kaiserin Elisabeth, Ausstellung 2016, Sisi Schloss Aichach

Aus den Nähten der Bestickung des Hochzeitskleides, wurde nun der berühmte Vespermantel gemacht.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Die fast fertiggestellte Ringstraße sollte Kulisse für das Prunkfest sein. Otto Wagner (*13.4.1841, 11.4.1918) persönlich gestaltete das Kaiserfestzelt vor dem Äußeren Burgtor. Hans Markart (*28.5.1840, 3.10.1884) gestaltete das Fest.

Foto: Österreichische Nationalbibliothek
Festplatz vor dem Äußeren Burgtor
Foto: habsburg.net
Festzug zum 25. Hochzeitstag, Xylografie 1879

300.000 Menschen säumten die Wiener Ringstraße, 120 Festbühnen und das gesamte Kaiserreich war auf den Beinen.

Eines der seltenen Anlässe, wo man Kaiserin Elisabeth „bestaunen“ konnte.
Und die Wiener taten dies mit Freuden.

Foto: M.W.
Eintrittskarte für den Festzug zum 25. Hochzeitstag des Kaiserpaares
Der Besitzer M.W. ist mir bekannt, möchte allerdings nicht näher erwähnt werden.

Foto: bildarchivaustria.at
Votivkirche ca. 1900
Foto: Wikimedia/Commons
Votivkirche, Innen

Ebenfalls an diesem Tag wurde die Votivkirche eingeweiht.

Zum Dank, dass Kaiser Franz Joseph das Attentatsversuch durch János Libényi überlebt hatte, wurde von Erzherzog Ferdinand Maximilian am 24.4.1856 eine Kirche in Auftrag gegeben.

Nach 23 Jahren Bauzeit war sie endlich fertig und konnte eingeweiht werden. Meinen Beitrag zum Libényi-Attentat kann hier nachgelesen werden.

Dies alles half aber nichts mehr.

Kaiserin Elisabeth floh sofort nach diesem Festakt und kehrte immer nur für kurze Zeit nach Wien zurück.

Es sollte niemals mehr eine Verbundenheit mit dieser Stadt geben.

Der Wiener Hof, sein Hohn und Spott, den die junge Braut zu spüren bekam, sollten sie auch noch im Alter verfolgen. 

Sie hasste regelrecht die Wiener Gesellschaft und alles was damit verbunden war.

– Petra –


(*) Wichtige Anmerkung:

Sophie Gräfin von Scharnhorst war die Hofdame von Amalie Prinzessin von Schweden (*22.2.1800, 20.9.1850).

Amalie war, wie ihr Bruder Prinz von Wasa, eine enge Freundin des Erzhauses und begleitete beinahe ständig Sophie überall hin. So erlebte Sophie von Scharnhorst die kaiserliche und erzherzögliche Familie.

Kein schlechtes Wort kam der Gräfin über ihre Herrin jemals über ihre Lippen. Ihre Briefe sind eine einzige Lobeshymne an die hohe Frau.

Die Briefe erreichten alle ihre enge Freundin Eveline Gräfin von Sickingen-Hohenberg(*) (*24.11.1809, †27.11.1895), welche in Ischl lebte und eine enge Vertraute des hohen Adels war. So auch von Erzherzogin Sophie.

In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, 3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, 23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, 7.3.1855) geheiratet.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.


Rechtliche Hinweise:

Text: Petra
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildrechte: habsburg.net, Österreichische Nationalbibliothek, wienmuseum.at, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Kunsthistorisches Museum Wien, Wikimedia/Commons, Schloss Laxenburg, Antiquariat kunst-bail, wien.gv.wiki.at, architektenlexikon.at, mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara

Vielen lieben Dank an Maria Taferl für die Fotoerlaubnis zum Vespermantel und die Infos dazu.


Literatur Hinweise:

1 – S.39
Franz Joseph I Kaiser von Österreich
Presse Geschichte – Magazin (nur noch antiquarisch erhältlich)

1a – S.35, 3 – S.76, 4 – S.78
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage 1992

5 – S.63
Werner Schima
Sisi – Die ganze Wahrheit
Magazin (nur noch antiquarisch erhältlich)

2 – S.53, 6 – S.11 – S.65/6
Michael Budde
Sisis Hochzeit und das Elisabeth Fest Album
Michael Imhof Verlag, 2012, 1. Auflage mit CD

12 – S.80/1
Kaiserin Elisabeth
Das poetische Tagebuch
Brigitte Hamann
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
1995, 3. Auflage

13 – S.260/1, 13a – S.254, 14 – S.259/60, 15 – S.260, 16 – S.258/59
Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert
Gesammelt von B.v.S.
Verlag von Caesar Schmidt, 1903 1. Auflage (nicht mehr erhältlich)

Hofdamen-Briefe
Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Gesammelt von B.von.S.
Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)



			

Herzogin Sophie in Bayern

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie Herzogin in Bayern

Das traurige, sehr kurze Leben von Sophie Maria Friederike Auguste Leopoldine Alexandrine Ernestine Albertine Elisabeth Prinzessin von Sachsen. Sie wurde am 15.3.1845 in Dresden geboren.

Foto: Wikimedia/Commons
König Johann von Sachsen
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Amalie von Sachsen

Ihr Vater war Johann Nepomuk Maria Joseph Anton Xaver Vincenz Aloys Franz de Paula Stanislaus Bernhard Paul Felix Damasus König von Sachsen, bekannt als König Johann I. von Sachsen (*12.12.1801, †29.10.1873).  

Ihre Mutter war Amalie Auguste Prinzessin von Bayern (*13.11.1801, †8.11.1877)

Amalie Auguste wiederum eine Schwester von Herzogin Ludovika und Erzherzogin Sophie war.

Diese war somit die Tante von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph, weshalb Sophie die Cousine der beiden war.

Die Ehe von Johann und Amalie war äußerst glücklich. Dem Paar wurden 9 Kinder geboren, Sophie war das jüngste Kind und die letzte Tochter. 

Als Carl Theodor „Gackel“ Herzog in Bayern (*9.8.1839, †30.11.1909) verheiratet werden sollte, fiel die Wahl von Mutter Ludovika (*30.8.1808, †26.1.1892) wieder einmal aus Eigensucht auf Titel und Ehre auf eine Hohenzollern-Prinzessin.

Therese von Württemberg sollte die Braut von Carl Theodor werden, doch diesmal stellte sich ihr Mann Herzog Max (*4.12.1808, †15.11.1888) eigenhändig quer.

Er schrieb einen erbosten Brief an den Erzieher von Gackel und bat ihn, diese Brautfahrt zu unterbinden. Niemals würde er diese Verbindung gutheißen.

Ludovika musste sich geschlagen geben.

Nun fiel von seitens Carl Theodor die Wahl auf die jüngste sehr schöne Tochter von Johann König von Sachsen und die Schwester von Ludovika Königin Amalie von Sachsen.

Max war hochzufrieden mit der Wahl und gab sein Einverständnis.

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie und Carl Theodor in Bayern

Die Hochzeit fand am 11.2.1865 in der Kapelle des Schlosses in Dresden statt. Der sechsjährige Kronprinz Rudolf war ganz unglücklich, da sich niemand um den Buben kümmerte.

Carl Theodor hatte nur Augen für seine schöne Braut, Néné zog sich permanent um (wie er sich klagend in seinen Briefen äußerte), Mama habe sowieso keine Zeit und Sophie sitze da, ließe sich frisieren, redete ununterbrochen mit dem Angerer (Anmerkung Petra: Fotograf) und ihm (Anmerkung Petra: Rudolf) sei schon ganz schwindelig. Noch 4 ganze Tage müsse er es hier aushalten, zum Glück habe er den Argus (Anmerkung Petra: Hund von Carl Theodor). (1)

Am Abend fand ein großes Festdinner statt, an welchem das berühmte Sternenkleid von Kaiserin Elisabeth und Néné seinen Auftritt hatte.

Foto: Wikimedia/Commmons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter 1867

Sophie von Sachsen war in der Familie äußerst beliebt. Sie war eine lebensfrohe Person, die gern musizierte und dem halbverlassenen Schloss Possenhofen wieder Leben einhauchte.

Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Herzogin in Bayern, verh. von Urach

Kaiserin Elisabeth mochte sie Zeit ihres Lebens von all ihren Schwägerinnen am allerliebsten.

Sophie schrieb gerne Briefe an ihren Vater und beschrieb dabei das Leben in Possenhofen.

Gackel und Sophie musizierten für ihr Leben gerne abends stundenlang, während ihnen Ludovika und die verbliebenen Kinder, der Besuch und sogar die Bediensteten zuhörten. 

Am 24.12.1865 krönte, mit der Geburt der kleinen Tochter Amalie Maria Herzogin in Bayern († 26. Mai 1912), die große Liebe der Eltern.

Doch die Geburt der Tochter war so schwer, dass sich Sophie nicht richtig um ihre kleine Tochter kümmern konnte.

Sie kränkelte permanent, erholte sich nicht mehr richtig.

Ihre Gesundheit schwächelte von diesem Tag an permanent vor sich her.

Carl Theodor machte sich große Sorgen um seine junge, hübsche Frau. 

Am 22.2.1867 wurde die kleine Schwester von Kaiserin Elisabeth, Sophie 20 Jahre alt.

Zu diesem Zeitpunkt war Sophie (*23.2.1847, †4.5.1897) schon mit König Ludwig II (*25.8.1845,†13.6.1886) verlobt. Dieser wiederum wollte seiner Verlobten ein richtiges Fest ausrichten und ließ einen großen und feudalen Hofball veranstalten.

Foto: zeno.org
König Ludwig und Sophie Herzogin in Bayern
als Verlobungspaar

Sophie nahm bei der Veranstaltungen teil und zog sich beim Familiendinner eine Erkältung zu, welche sich rasend schnell zu einer Kehlkopfentzündung ausbreitete.

Einige Tage später schrieb Gackel mehrere besorgniserregende Depeschen an seinen Schwiegervater König Johann von Sachsen: 

„Der gestern eingetretene Kärfteverfall dauert fort, Bewusstsein schwindet, Fieber stärker, Halserscheinungen zwar besser, aber Hoffnung leider gering, Carl“  7.3. 

„Die Krankheitserscheinungen höchst ungüstig. Das Ende bevorstehend. 9.3./8.10 Uhr“ 

„Eben schied der gute Engel von hinnen“ 9.3./9.30 Uhr (1)

Sophie Herzogin in Bayern starb am 9.3.1867 21jährig um 9.30 Uhr im Beisein ihres Mannes und ihrer Schwiegermutter Ludovica.


Ihr 22. Geburtstag wäre am 15.3. gewesen.
Für Carl Theodor, der selbst 22 Jahre alt war und Vater eines 22 Monate alten Kindes war, brach die Welt zusammen.

Wie sollte es nun weitergehen? 

Sophie erhielt von ihrem Verlobten folgenden Brief den sie ihrem Bruder Carl Theodor zeigte: 

„…. Grause Dich nur recht inmitten der grässlichen Leichendüfte, umgeben von einer weinenden Familie, ich fühle mich recht behaglich in meiner schönen Wohnung und schreibe den Inhalt an den guten Gackel, quetsche ihn recht aus, ob er mich noch lieb hat, und versichere ihm meine treue Freundschaft zu Ihm und meine innige Teilnahme an seinem tiefen Schmerz… (2)

In seinem tiefen Schmerz erfuhr er von seinem König, Freund, Vertrauten und Cousin 2. Grades nichts als Hohn. Der Verlobte seiner Schwester spottete über die geliebte Tote.

Die tiefe und innige Freundschaft der beiden zerbrach an jenem Tag und konnte seitens Carl Theodor nie wieder gekittet werden. 

Zu allem Überfluss fanden Sophie und Gackel noch eine beigelegte Zeichnung von Ludwig.

Diese zeigte einen frischen Grabhügel, die einen gekrönten Totenkopf mit einem Kreuz über den Knochen und einem daneben liegenden Schädel zeigte. 

Gackel war außer sich und fühlte sich weder in seiner Trauer ernst genommen, noch hatte Ludwig Respekt vor seiner toten Frau.

Wer aber nun glaubt, dass es ein einmaliger Ausrutscher seitens Ludwigs war, irrt. Mehrerer solcher Briefe folgten, die weiterhin nicht viel einfühlsamer waren.

Aber nicht nur Carl Theodor war entsetzt über Ludwig. Auch Sophie zweifelte mittlerweile ob dieser Briefe immer mehr ob er tatsächlich der Mann ihres Lebens werden sollte.

Drei Tage später, war die Leichenfeier in der Tegernseer Gruft, Ludwig schrieb folgende Zeilen an Sophie, welche diese wieder an Gackel weiterleitete:

Rechte gute Tage, meine liebe Elsa (Anmerkung Petra: Ludwig nannte Sophie nach Wagners Oper Lohengrin Elsa; Sophie hatte eine ausgeprägte Opernstimme und konnte Opernpartien singen), wie geht es Dir? Die Seele Sophieens darf uns recht dankbar dafür sein, dass Wir so entsetzlich lange Zeit ihr zu Liebe in einer wahren Kellerluft gebetete haben. Herrlich war Mozarts berühmtes Requiem, das ich eigens bestellt hatte. O‘ schreibe bald dem theuren Freunde. Was sagte Gackel gestern? 1000 (auf Geldsack) herzliche Grüsse. (3)

Sophie Herzogin in Bayern ruht in der Wittelsbacher Gruft in Tegernsee, welche nicht öffentlich zugänglich ist.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra Schimbäck
Recherchen: Petra Schimbäck
Bildrechte: Wikimedia/Commons, zeno.org


Literatur Hinweise: 

1 – S 78, 2 – S 78, 3 – 78
Bernhard Graf 
Sisis Geschwister 
Allitera Verlag, 2017 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Christian Sepp 
Sophie Charlotte: Sisis leidenschaftliche Schwester 
August Dreesbach Verlag, 2017