Ludwig Viktor Joseph Anton Erzherzog von Österreich oder auch Luzi-Wuzi

Foto: Wikimedia/Commons, Bild: Victor Angerer Erzherzog Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“

Wir gedenken heute des Todestages von Ludwig Victor Joseph Anton Erzherzog von Österreich. Er wurde am 15.5.1842 in Wien geboren.

Nach dem Erzherzog Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) und Erzherzog Franz Karl (*7.12.1802, †8.3.1878) zwei Jahre zuvor ihre geliebte Tochter Ännchen (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) verloren hatten, hofften sie, dass die erneute Schwangerschaft eine Tochter hervorbringen würde. Etwas Enttäuschung war der Mutter anzusehen, als sie den vierten Buben entbunden hatte. Trotzdem wurde er schnell der Star in der Familie.

Sophie verhätschelte „Luzi-Wuzi“ oder „Luziwuzi“ (beide Schreibweisen sind korrekt) – wie er in der Familie und auch als Erwachsener genannt wurde – bis auf Äußerste, weshalb das Nesthäkchen von Franzi, Maxi und Karli misstrauisch und neidvoll beäugt wurde. Die drei Buben waren natürlich niemand geringere als der zukünftige Kaiser Franz Joseph (Franzi), Lieblingssohn und Sophies Herzipinki Erzherzog Ferdinand Maximilian (Maxi) und Erzherzog Karl Ludwig (Karli).

Ludwig Victor erhielt dieselbe schulische Ausbildung wie seine Brüder, allerdings war seine Mutter bei weitem nicht mehr so streng und mit Drill dahinter wie bei Franzi und Maxi, weshalb sich der Bub so manche Späße mit seinen Hauslehrern erlaubte. Schon Max hatte einige Freiheiten mehr, als der von Gott begnadete auserwählte erstgeborene Franz, der zum Teil völlig isoliert aufwachsen musste.

Schon früh fiel bei Luzi-Wuzi jene Begabung auf, die später gefürchtet war. Er konnte sehr gut mit seiner spitzen Zunge zynische Bemerkungen fallen lassen. Als Bub diente dies noch der Belustigung der Hofdamen von Sophie, zumal der blondgelockte Ludwig Victor ein sehr hübscher Knabe war. Später war er für seine spitze Zunge, pointierten Aussagen, tiefschwarzen Bemerkungen, gesponnenen Intrigen und hinterlistigen Geschichten über das Kaiserhaus gefürchtet.

Foto: Wikimedia/Commons, Luzi-Wuzi bei der Aufführung eines Bühnenstücks

Ebenfalls zeitig fiel seine Passion auf, sich in Frauenkleidern zu zeigen. Zuerst verkleidete er sich nur im Fasching oder wenn er jemanden nachäffen und diese Darstellung besonders treffend darstellen wollte. Franzi, Maxi und Karli kringelten sich oft vor Lachen, wenn Luzi-Wuzi mit verstellter Stimme, in Mädchenkleidung irgendeine Cousine nachäffte. Nicht umsonst nannte ihn Elisabeth später und heimlich in ihren Gedichten auch „Affe“.

Völlig aus dem Kontext gerissen ist allerdings nebenstehendes Foto, welches gut und gerne immer wieder verwendet wird, um Luzi-Wuzis Ruf heute noch in Verruf zu bringen, oder ihn generell zu verspotten. Dieses Foto bzw. die Fotoreihe (es gibt mehrere davon) entstand bei einem Rollenspiel zum Bühnenstück „Eine Vorlesung bei der Hausmeisterin“, bei dem sämtliche weibliche Rollen von Männern gespielt werden. Dieses Stück wurde in der Hofburg aufgeführt, welches die Schriftstellerin Marie Gordon (*1810, †13.11.1863) unter ihrem männlichen Pseudonym Alexander Bergen schrieb. 

Foto: Wikimedia/Commons Fürstin Pauline von Metternich
Bild: F.X. Winterhalter
Foto: geni.com
Sophie von Metternich

15jährig wurde er der Taufpate von Fürstin Pauline Metternichs (*25.2.1836, †28.9.1921) Tochter Sophie (*17.5.1857,†11.1.1941). Erzherzogin Sophie, welche mit Pauline eng befreundet war, trug sich an, die Taufpatin von deren erstgeborenen Kind zu werden. Da es eine Tochter wurde, erhielt sie den Namen Sophie. Da aber kurz darauf ihr Enkelkind Sophie (†29.5.1857, die ganze tragische Geschichte kann hier nachgelesen werden) starb, trat sie die Reise nach Dresden nicht an und ließ sich von ihrem 15jährigen vertreten, der stolzer hätte nicht sein können. Mit Bravour überstand er seine erste offizielle Aufgabe und taufte im Namen seiner Mutter und des Kaiserhauses die kleine Sophie von Metternich.

Wie seine Brüder wurde auch er militärisch erzogen. Er brachte es bis zum General eines Infanterieregiments, schied aber nach dieser Ernennung aus selbigen wieder aus, da er mit dem Militär nichts anfangen konnte. Das Regiment erhielt trotzdem seinen Namen.

Luzi-Wuzi war beliebt bei seinen Tanten vor allem bei Tante Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) in Bayern und gern gesehener Gast bei den Kaffeekränzchen. Er vergaß nie einen Geburts-, einen Namens-, einen Hochzeits- oder sonst einen Ehrentag der Damen oder der Herrschaft, schickte Blumen, Karten und Pralinen.

Luzi-Wuzi wusste immer den neusten Tratsch aus dem Kaiserhaus, vor allem über seine Schwägerin Sisi, die ihn dafür regelrecht verachtete und hasste.

Nicht nur einmal beschwerte sie sich bei ihrem Ehemann über ihren Schwager, dass er Missstimmung in die Familie brächte und er es sei, der die Familie entzweien würde. Doch Kaiser Franz Joseph hielt an seinem Bruder genauso fest, wie an Sisi oder an seiner Mutter. Sie stieß bei Franz Joseph genauso auf taube Ohren, wie Sophie bei den Beschwerden über Elisabeth (und natürlich umgekehrt). Franz Joseph ignorierte alles und vermittelte auch nicht.

Obwohl Katrin Unterreiner in ihrem Buch „Luzi-Wuzi“ schrieb, dass sich Kaiserin Elisabeth mit ihrem Schwager blendend verstand, konnte ich keinen Hinweis darauf finden. Schon früh begann der Zwist der beiden.

Er befand sie zwar in Dresden auf der Hochzeit am 11.2.1865 von Carl Theodor in Bayern (*9.8.1839,30.11.1909) mit Sophie Prinzessin in Sachsen (*15.3.1845,†9.3.1867) als „eine schöne unerreichbare Fee aus dem Märchenland“, als sie gleichzeitig mit Helene (Nènè) von Thurn und Taxis (*4.4.1834,†16.5.1890) (geb. Herzogin in Bayern) auf der Abendgesellschaft erschien, (die traurige Geschichte zu Sophie in Bayern kann hier nachgelesen werden) verfiel jedoch zurück in Wien alsbaldig wieder in seinen gewohnten Umgang mit ihr. Jedoch von Dresden aus, erreichte Erzherzogin Sophie folgender Brief:

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth im Sternenkleid
Bild: F.X. Winterhalter

„Sisi sei blendend schön, auch waren die Leute wie verrückt hier. Ich habe noch nie so einen Effekt machen sehen. Helene ein sehr schlechter Abklatsch von der Kaiserin, auch Sternenkleid.“ (10)

Kaiserin Elisabeth hasste ihn, da er immer wieder Geschichten über sie erfand. Er dichtete ihr Affären mit ihrem Reitlehrer und mit Hofdamen an, kein Tratsch war ihm fremd, Hauptsache irgendwas erzählen. Als Titania verfasste sie heimlich mehrmals über ihn Gedichte. Alle Gedichte in voller Länge wiederzugeben, würde den Rahmen sprengen, deshalb gebe ich nur die wichtigsten Passagen wieder:

Familienmahl:

….

Erster zu erscheinen pflegt
Ob’rons jüngster Bruder.
(Und der grosse Erdball trägt
Kein solch‘ zweites Luder). (7)

….

Zu Oberons* Wiegenfest:

….

Ekelhaft ist mir der Affe,
Boshaft, wie kein andres Vieh;
Solcher Tag, schein wahre Strafe,
Seh‘ ich ihn, den ich sonst flieh‘.

Hässlich, wie es anzuschauen,
Ist sein Maul auch lästerhaft,
Stets erfasst mich innres Grauen
Trifft mich seine Nachbarschaft.


Nur der Letzte kann so bleiben,
Macht auch keinen Unterschied,
Ob das Volk sein äffisch Treiben
In der Affenhaut besieht.
(8)

(*Anmerkung Petra: Oberon war Kaiser Franz Joseph; geschrieben wurde dieses Gedicht am 18.8.1887 in der Kaiservilla in Ischl; am Abend fand ein großes Familiendinner mit 25 Mitgliedern der Familie statt)

Ins Stammbuch:*

Dir soll ich in dein Stammbuch schreiben?
Nein, die Idee ist kollossal!
Könnt‘ viel an die Nase reiben,
Doch Bruder bist du dem Gemahl.
So viel nur sage ich dir heute,
Nach sechzig Jahren werde wach,
Es singen dir’s dann alle Leute,
Die Spatzen pfeifen’s auf dem Dach,
Was du für ein Reptil gewesen
Mit giftig gleisnerischem Schleim;
dann, in der Nachwelt Interessen,
Kehr‘ in die Erde schleunigst heim!
(9)

(*Anmerkung Petra: Es könnte Ludwig Victor gewidmet sein, allerdings stört die Zahl 60 in diesem Gedicht. Elisabeth schrieb die Zeilen in Ischl im Jahre 1887 und Ludwig Victor wurde in diesem Jahr keine 60. Es könnte daher auch mit „Bruder“ ein Militär“bruder“ gemeint sein und damit Franz Josephs guter Freund Erzherzog Rainer oder Wilhelm, die beide in diesem Jahr 60 wurden. Vom Text her, wäre es allerdings wiederum auf Luzi-Wuzi abgestimmt. Es wird wohl für immer Elisabeths Geheimnis bleiben, wem sie diese Zeilen gewidmet hat.)

Außer der Militärausbildung hatte Ludwig Victor nicht viel zu tun. Im Grunde war ihm furchtbar langweilig. Erzherzog Ferdinand Maximilian hielt dies für eine erbärmliche Existenz und wollte lieber lebendig sterben, als ein apanagierter Prinz sein zu sein, der eine sorglose Existenz führen könne, ohne Aufgabe und Ziel im Leben zu haben. Max Ziel im Leben kennen wir ja nun alle; 2 Jahre später bezahlte er diese mit seinem Leben.

Durch dieses Müßiggang und die Langeweile die durchaus Luzi-Wuzis Leben erfüllen musste, kam er auf dumme Ideen. Da er mit Geld überhaupt nicht umgehen konnte, lebte er schwer über seine Verhältnisse und machte permanent Schulden. Diese Schulden tilgte eine Zeitlang seine Mutter. Um ihn auf andere Gedanken zu bringen, sollte er heiraten. Doch dem Kaiserhaus war natürlich längst seine „Andersartigkeit“ aufgefallen. Trotzdem glaubten sie, dass eine Ehe, das „heilen“ könnte. Und so ging die Brautschau los. Diese begann natürlich in: Bayern

Foto: Wikimedia/Commons Sophie in Bayern

Er sollte Elisabeths Schwester Sophie in Bayern (*22.2.1847, †4.5.1897) ehelichen, welche aber brüskiert ablehnte.

Die devote Herzogin Ludovika schrieb wieder einmal ein Entschuldigungsschreiben an ihre Schwester Sophie nach Wien: ….“es hat mir viele Thränen gekostet, ein solcher Schwiegersohn wäre ein Glück für mich gewesen. Sie sah aber einen „einzigen Trost“ darin, daß es Gott für „Mit Dir, Du viel geprüfte Schwester „gut meine“, wenn nicht auch noch die kaprizöse Sophie in die Wiener Hofburg einzöge: vielleicht hätte Sophie, trotz ihrer gewiß guten Eigenschaften, Deiner Erwartungen nicht in Allem entsprochen, um der liebe Gott führt Dir eine vorzüglichere zu, die Dich und Deinen guten Ludwig recht glücklich macht, wie Ihr beide es verdient! Gott gebe Dir einen heiteren, ruhigen Lebensabend und reichen Ersatz für so viele stille Opfer, die Dein armes Herz hat bringen müssen…. und Deinem Ludwig eine schöne Zukunft.“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons Isabel von Brasilien

Sein Bruder Max wünschte sich als Ehefrau Isabel Prinzessin von Brasilien (*29.7.1846,†14.11.1912). Dies hätte die Länder Mexiko und Brasilien (wieder) vereint.

Doch Luzi-Wuzi lehnte eine Ehe sowieso kategorisch ab. Es blieb natürlich dem Beobachter nicht verborgen, dass Ludwig Victor mit den Damen nicht viel anzufangen wusste. Obwohl im 19. Jahrhundert 5 Jahre Gefängnis auf Geschlechtsverkehr mit dem anderen Geschlecht stand und dies z.B. der englische Schriftsteller Oscar Wilde (*16.10.1854, 30.11.1900) schwer hat büßen müssen, lebte der Erzherzog relativ frei seine Neigung aus. Ob, weil er ein Habsburger war oder weil er es nicht verstecken konnte, kann heute nicht mehr eruiert werden.

Die Historiker sind sich hier uneinig. Denn Kaiser Franz Joseph stand durchaus nicht positiv dem Homosexuellen-Thema gegenüber.

Eine aufkommende

„Macht der Schwulen“ wurde herbeigeredet, wobei diese „Abartigen“ nichts Besseres zu tun hätten, als das „Verderben des Volkes“ zu planen.

Während den einen eine Emanzipation oder vielleicht wenigstens eine Entkriminalisierung der männlichen Homosexuellen nahe schien, steigerte sich auf der anderen Seite die Schwulen Angst. (5)


Nach dem Fall Oberst Redl (Selbstmord 25.5.1913) soll Franz Joseph gesagt haben: „Das also ist die neue Zeit? Und das die Kreaturen, die sie hervorbringt? In unseren alten Tagen wäre so etwas nicht einmal denkbar gewesen!“
(Anmerkung Petra: Oberst Redl wurde der Spionage überführt, richtete sich selbst und hatte homosexuelle Handlungen durchgeführt).

Auch sein Patenkind, der sehr hübsche Franz Joseph von Braganza (*7.9.1879, 15.6.1919) war dem alten Kaiser ein Dorn im Auge. Franz Joseph war der Sohn von Elisabeth von Thurn und Taxis (*28.5.1860,7.2.1881) und Michael von Braganza (*19.9.1853,11.10.1927).

Elisabeth war die Tochter von Helene von Thurn und Taxis, geb. Herzogin in Bayern. Franz Joseph war homosexuell und lieferte einen Skandal nach dem anderen. Während der Krönung von Prince Edward VII (*8.11.1841, 6.5.1910) in England, verführte er mit einem 17jährigen Offizier im Hotel einen 15jährigen und wurde dafür vor Gericht gestellt (Freispruch).

Später allerdings wurde er wieder verhaftet, da es immer wieder Vorfälle wegen „unzüchtigen Verhaltens“ gab. Er wurde unehrenhaft auf der k.u.k. Armee entlassen, für „unzurechnungsfähig“ erklärt und unter Kuratel gestellt. Er durfte von nun an keine Geschäfte mehr ohne seinen Onkel abwickeln, der alles unterschreiben musste. Und das nur, weil er es wagte, Homosexuell zu sein.

Es herrschte Anfang des 20. Jahrhunderts Panik und Angst vor den Schwulen in der Aristokratie. „Staatsgefährdung“, „Hochsicherheitsgefährdung“, „Verschwörerclique“ usw. sind nur einige der Namen die man den jungen Männern gab, die einfach nichts anderes wollten, als ihr Leben genießen und zu lieben.

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Joseph von Braganza

Nach all den Recherchen dich ich betrieb, bin ich aber sicher, dass Luzi-Wuzis Mutter Erzherzogin Sophie von der Neigung ihres Sohnes gewusst und akzeptiert hat. Obwohl sie natürlich anfangs versucht hat, ihren Sohn zu verheiraten, hat sie es sehr schnell wieder aufgegeben. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass Ludwig Victor nicht in das „Geheimnis der weiblichen Liebe“ eingeweiht wurde. Dazu wurden „hygienische Damen“ den Erzherzögen zugeführt. Hygienische Damen waren am Wiener Hof sehr angesehen. Diese Damen waren zwar (meist) nicht aus dem Adel, aber gesunde Witwen, mit einer animalischen Konstitution, die den Herren die Dinge beibrachten, die sie wissen sollten, um mit einer Ehefrau die erhofften Thronfolger zu zeugen. Sie kamen meist aus dem Theater oder waren verwitwete Gräfinnen, falls man doch auf den Adel zurückgreifen wollte.

Foto: Wien Museum, Michael Frankenstein, um 1870,
Ludwig-Viktor-Palais

Auch Kronprinz Rudolf wusste von der Lebenssituation seines Onkels, wenn man sich die Episode des Neujahrstages von 1889 genauer ansieht. Am Silvesterabend 1888 erkrankte Luzi-Wuzi wieder einmal, so dass er am gemeinsam Familiendinner nicht teilnehmen konnte. Das Drama kannte die Familie schon, weshalb am nächsten Tag Rudolf zu seinem Onkel ins Palais fuhr.

Erbost kam er zu seiner Frau Stephanie nach Hause und berichtete ihr,

dass er einen eleganten parfümierten Onkel im Schlafkostüm vorfand, aufgebahrt wie eine alternde Cocotte, die nicht an Diarrhöe erkrankt war, sondern an Sprechruhr.

Foto: theatermuseum.at Claudia Couqui
Bild: Carl Mahlknecht

Zu einer Frau dürfte Ludwig Victor jedoch doch eine nähere Beziehung gehabt haben: Claudia Couqui und sie war Balletttänzerin. Sie lebte mit ihm in seinem Wiener-Palais und ging bei ihm Ein und Aus. Doch auch sie zog schließlich wieder nach einigen Jahren unverheiratet aus.

Da nun das Heiratsthema wieder vom Tisch war, hing er wieder den ganzen Tag herum und langweilte sich. Er besuchte Kunstausstellungen. Kaiser Franz Joseph übergab ihm kleinere Aufgaben, dort oder da das Kaiserhaus zu vertreten, aber ansonsten hatte der vierte Bruder nicht viel zu tun.

Derweil war Luzi-Wuzi überaus intelligent; allerdings verkümmerte er zusehends. So gab er halt Geld aus, dass er nicht hatte und seine Mutter tilgte die Schulden wieder. 

1861 wurde Ludwig Victor auf das Geheiß seines Bruders Franz Joseph nach Salzburg geschickt, um ihn dort zu vertreten.

Völlig obskur und falsch ist bis heute die sinnlose Behauptung, dass Ludwig Victor verbannt worden wäre. Leider hält sich das beschämende und beleidigende Gerücht bis heute, da namhafte Historiker lieber Legenden und Ammenmärchen in ihre Bücher schreiben, als zu recherchieren und die richtigen Bilder dazuzusetzen (siehe Verkleidungsfoto oben). 

Fakt ist: Die Korrespondenz der beiden Brüder zeigt weder einen Zwist, noch Streitigkeiten. Von Verbannung kann daher keine Rede sein. 

Ludwig Victor ging nicht so gerne aus Wien fort, wie man meinen mag. Er hing unwahrscheinlich an seiner großen Familie, an seinem großen Bruder, an seiner Mutter und an Max. Mama Sophie schenkte ihm ein Medaillon mit dem Spruch „Sei fromm u. pflichtgetreu u. wahr, u. halte Seele und Gewissen klar.“ 
Er vermisste wie wahnsinnig seine große Familie und kompensierte dies wieder mit einem großen Lebensstil, in dem er sich „Freunde“ einlud. Dies kam natürlich seiner Mutter zu Ohren, die ihm Briefe schrieb. Vorwürfe und Schelte blieben nicht aus. 

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Karolina Augusta von Österreich

Sophies und Ludovikas Schwester Kaiserin Karolina Augusta (*8.2.1792,†9.2.1873) Witwe von Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, †2.3.1835) lebte in der Residenz Salzburg und bot Ludwig Victor zumindest so etwas wie ein familiäres Umfeld. Sie trafen sich täglich.  

Des Öfteren fuhr er nach Ischl, das damals ein großes gesellschaftliches Leben bot. Salzburg war weitaus ruhiger und beschaulicher, als das mondäne Ischl – heute ist es genau umgekehrt. Ludwig Victor gab Partys und fühlte sich unbeobachtet.

Er war nicht „ein Habsburger“, er war „der Habsburger“.

Doch das alles blieb nicht lange unbeobachtet und Erzherzogin Sophie ermahnte erbost ihren außer Rand und Band geratenen Sohn sich zu mäßigen. Ludwig Victor beherzigte die Worte seiner Mutter, fuhr nach Salzburg zurück und züchtigte wieder seinen Lebensstil. Er hatte Angst davor, „isoliert“ zu werden. Schon früher konnte man ihn damit bestrafen. von der Familie zu isolieren und das wollte er auf keinen Fall riskieren.

Während seiner Dienstzeit in Salzburg ergab sich eine witzige Episode und zeigte den „Arbeitsfleiß“ des Erzherzoges:
Ein Regierungsleiter übersandte ihm Akten zur Durchsicht. Einige Tage später sandte Ludwig Victor mit dem Worten „höchst interessant“ oder „verbindlichen Dank“ zurück. Der Regierungsleiter erkannte natürlich sofort, dass die Knoten der Akten nicht gelöst wurden.

Ebenfalls ab 1861 ließ er in Wien sein wunderschönes Erzherzog-Ludwig-Victor-Palais bauen (Wien 1., Schwarzenbergplatz 1). Es hatte nicht nur eine exklusive Adresse, sondern auch einen exklusiven Bauherrn. Niemand geringeren als Heinrich von Ferstel ließ er als Architekten an sein Palais heran. Er pendelte ab sofort zwischen Salzburg und Wien und lebte Abwechslungsweise in Schloss Klessheim und in seinem LV-Palais.

Foto: Akpool.de
Erzherzogin Charlotte bzw. Kaiserin Carlota von Mexiko

1866 baute er das Winterschloss „Kavaliershaus“ in Klessheim aus, so dass er auch im Winter in Salzburg bleiben konnte. Hier feierte Luzi-Wuzi ausschweifende Partys, die bald über Salzburg hinaus berüchtig waren. Die Offiziere hatten bald vom Militärcasino Verbot beim Erzherzog aufzutauchen, da es Gerüchte für „einseitige Ausschweifungen“ gab.

Die Salzburger selbst begannen ihren Erzherzog an zu lieben. Wo er auftauchte floss das Geld. Er half den Bürgern wo er konnte. Er baute Krankenhäuser, Schulen und Universitäten. Er setzte sich für die Armen ein und ließ Frauen- und Waisenhäuser bauen. Er war sich nicht zu Schade dafür den Kranken der Stadt einen Besuch abzustatten, ihnen die Hand zu schütteln und Geld für Medizin dazulassen. Es gab keinen Habsburger vor und nach ihm, der sich so für die Belange der Menschen einsetzte wie Luzi-Wuzi.

1865 fuhr Ludwig Victor nach Schloss Miramare, um bei seinem Bruder Erzherzog Ferdinand Maximilian zu sein, der gerade zum König Maximilian I von Mexiko (*6.7.1832, †19.6.1867) gekrönt wurde. Seiner immer noch fassungslosen und gramgebeugten Mutter schrieb er folgende Worte nach Hause:

„Vielleicht 60.000 Menschen waren im Schloß und Garten, wo auch Ehrencompanie mit Musik aufgestellt war, die zuerst die Volkshymne und dann ein mexikanisches Lied spielte (es war schrecklich!). Max ging rechts und führte Charlotte links; er war in Thränen aufgelöst, sie eben vom Gabelfrühstück gekommen, seelencontent (empörend). Ich hab’s ihr auch gesagt. Denn ich selbst ging von dem Moment an beinahe zu Grunde. So sein Heimat, seinen gnädigen Kaiser, alle Lieben zu verlassen, ist ja schrecklich; er fühlte das auch sehr… Max grüßte noch einmal das ganze überfüllte Ufer entlang, sah noch einmal seine liebe Schöpfung an und verschwand für längere Zeit in seiner Cabine… auf seinem Schreibtisch hat er die Photographie von uns Vier und von Dir und ober seinem Bett das Heiligenbild, das Du ihm beim Abschied schenktest. Er kann gar nicht von Dir sprechen, ohne Thränen in den Augen…“ (3)

Bis Rom begleitete Ludwig Victor seinen Bruder, dann hieß es endgültig Abschied nehmen. „Wir nahmen herzzerreißenden Abschied, heulten beide fürchterlich. Es war ganz schrecklich, er sagte mir noch für alle sehr hübsche, liebe Sachen die ich Euch mündlich mittheilen will.“ (4)

Dass es ein Abschied für immer wird, konnte er nicht ahnen.


Als die Familie vom Ableben von Max erfuhr, war es wieder Erzherzog Ludwig Victor der auf die Reise nach Schloss Miramare geschickt wurde. Dort hielt sich Erzherzogin Charlotte (*7.6.1840, †19.1.1927) Max Ehefrau bzw. Witwe auf. Von ihr wollte er erfahren, was passiert war.

Doch er fand sie einem Zustand höchster psychischer Verwirrtheit vor, die Zeit ihres Lebens andauern sollte. Nie wieder sollte sie sich von den Vorfällen in Mexiko erholen. Zeit ihres Lebens wusste sie nichts vom Ableben ihres Mannes, Zeit ihres Lebens sprach man sie mit kaiserlicher Hoheit an, da sie glaubte, noch immer in Mexiko und Kaiserin zu sein.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig, Kaiser Franz Joseph (sitzend), Kaiser Maximilian von Mexiko (dahinter), Erzherzog Ludwig Victor
Bild: Ludwig Angerer

Ludwig Victor war es, der den Sarg mit Max von der SMS Novara entgegennahm, ihn in Triest auf den Sonderzug hieven ließ und ihn nach Wien begleitete.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ferdinand Maximilian, Kaiser
Maximilian I von Mexiko

Im August 1867 trafen sich Kaiser Franz Joseph und Kaiser Napoleon III (*20.4.1808,†9.1.1873) zu Gesprächen in Salzburg. Letzterer war zwischenzeitig zum erklärten Feind geworden, da er Max so kläglich im Stich gelassen hatte. Gerade Erzherzogin Sophie verzieh ihm das nicht. Ludwig Victor stand seinem Bruder bei diesem äußerst heiklem Gespräch im Schloss Klessheim zur Seite. Abends ließ Luzi-Wuzi den Park in einen spektakulären Garten verwandeln mit Beleuchtung, Feuerwerk und einer Regatta im Schlossteich.

Foto: Wikimedia/Commons
Napoleon III
Bild: F.X. Winterhalter

Im Oktober 1867 fand in Paris der offizielle Gegenbesuch statt. Kaiserin Elisabeth blieb in Wien, da ihr die Reise zu dieser Zeit zu strapaziös gewesen wäre, da sie schwanger war. Kaiser Franz Joseph nahm seinen Bruder Ludwig Victor mit und Kaiserin Eugénie (*5.5.1826, †11.7.1920) war ganz entzückt von ihm. Am darauffolgenden Tag schrieb Franz Joseph seiner daheimgebliebenen Frau:

„Die Kaiserin (Anmerkung Petra: Eugénie) hat mit Ludwig verabredet, heut mit ihm im Luftballon, der täglich vom Ausstellungsgarten aufsteigt, zu fahren. Es ist keine Gefahr dabei, da der Ballon an einem Stricke gehalten wird, allein der Kaiser (Anmerkung Petra: Napoleon III) darf nichts davon wissen. So etwas hättest Du nicht hinter meinem Rücken….“ Doch zu guter Letzt entschied sich Eugenie um und fuhr mit Ludwig Victor richtig ohne Strick Ballon. (2)

1870 verließ er Salzburg wieder und zog für einige Zeit in seine Sommerresidenz in die Penzingerstraße 9. Heute ist es das Max-Reinhardt Seminar. Diese Villa war angemietet und diente zum Zweck, dass sie in unmittelbarer Nähe von Schloss Schönbrunn war, aber doch weit genug entfernt, um machen zu können was er wollte.

Vor allem als der langjährige Freund und Vertraute, sein Kämmerer k.u.k. Rittmeister 32jährig schwer erkrankte. Paul Merveldt lebte mit Ludwig Victor zusammen und die Literatur geht hier auseinander: Waren sie oder waren sie nicht – ein Paar.

Fakt ist, es gibt 2 Geschichten, warum Paul verstarb. Eine offizielle Version, die auch durch die Gazetten ging und die ehrliche, richtige Version.

Paul Merveldt wurde am 24.4.1838 geboren. Sein Vater war Maximilian Graf Merveldt und Adjutant bei Erzherzog Karl Ludwig. Seine Mutter war Octavia Gräfin von Czernin von Chudenitz.

Schon als Kinder kannten sich die beiden und schließlich wurde Paul bei Ludwig Victor Kämmerer. Laut Gazetten verschluckte Paul Merveldt beim Essen ein Knochenteilchen und erstickte 3 Tage später daran, da es niemand schaffte, ihn von dem Knochen zu befreien.

Dem entgegenzusetzen ist, dass es eine Korrespondenz zwischen Sophie und Luzi-Wuzi gibt, wo dieser über die schwere Erkrankung von Paul berichtet, lange bevor Paul den dubiosen Knochen verschluckt haben soll. Ebenfalls hielt Ludwig Victor Korrespondenz mit dessen Mutter. Da nichts zu helfen schien, wurden die besten Ärzte hinzugezogen und sogar Kaiserin Elisabeth stellte ihren Leibarzt zur Verfügung.

Paul war bettlägerig und musste mehrfach operiert werden.

Katrin Unterreiner diagnostiziert in ihrem Buch „Luzi-Wuzi“, dass Paul aufgrund der Briefe von Ludwig Victor an seine Mutter Sophie an Syphilis litt, da dieser bereits schlecht hören, kaum noch sehen konnte und der stinkende Wundbrand einsetze.

Foto: styriabooks.at
Erzherzog Ludwig Victor mit Paul Merveldt und einem Merveldt-Bruder

Studiert man allerdings die Tagebücher von Erzherzogin Sophie, liest man, dass am 23.4.1870 eine OP gelungen ist, die ein junger Chirurg namens Billroth durchgeführt hatte.

Dabei wurde eine eitrige Leberzyste geöffnet, die durch einen „Leberwurm“ hervorgerufen wurde. Sophie notierte entsetzt, dass ein ganzer Pferdestallkübel mit einer grünlichen Flüssigkeit abgegangen ist.

Dieser wichtige Eintrag von Sophie, lässt die Vermutung zu, dass Paul an einem Hunde- oder Fuchsbandwurm litt (Echinokokkose). Bei Ein- oder Austritt der Flüssigkeiten können die Zysten auch in andere Organe – auch ins Gehirn – abwandern.

Nach dieser Operationen reichte es Ludwig Victor und er veranlasste den Transport zu sich nach Penzing, wo er die Pflege von Paul übernahm. Er kümmerte sich um den Kranken bei Tag und Nacht. Leider kam trotzdem jede Hilfe zu spät.

Paul erlag seiner schweren Krankheit mit 32 Jahren in Wien Penzing am 3.6.1870.

Ludwig Victor war untröstlich und Mama Sophie tröstete ihren Sohn wo sie nur konnte.

Immerhin war ihr Luzi-Wuzi die größte Stütze gewesen, als ihr Liebling Max starb. Er zog quasi zurück in die Hofburg. Las ihr beinahe Tag und Nacht vor, sah zu, dass sie aß, ging mit ihr spazieren, las ihr stundenlang ein- und dieselben alten Briefe von Max vor und erzählte ihr immer wieder von den schönen Augenblicken in der Kinderzeit, der Hochzeit, den schönen Erinnerungen in der Hofburg und Schönbrunn und natürlich an die Besuche in Miramare. Dies dankte sie ihm jetzt, in dem sie nach Pauls Tod für ihn da war.

Als am 25.8. und 26.8.1877 Salzburg von einem der schlimmsten Hochwasserkatastrophen des Jahrhunderts betroffen war, war Ludwig Victor sofort zur Stelle. Er half nicht nur finanziell aus, sondern auch den Menschen direkt vor Ort.

Die Salzach trat über das Ufer am Elisabethkai, Rudolfskai und Franz-Josefskai, so dass die Altstadt völlig überschwemmt und abgeschnitten war. Erzherzog Ludwig Victor kaufte sofort Boote an, um die Menschen retten lassen zu können und ließ frisches Wasser, sowie Essen verteilen.

Sein 60. Geburtstag wurde am 15.5.1902 in Salzburg groß gefeiert. Alles war vor Ort was Rang und Titel hatte. Am 24.8.1902 eröffnete er die „Erzherzog-Ludwig-Viktor-Brücke“ über der Salzach und der „Alte Markt“ wurde in „Ludwig-Viktor-Platz“ umgetauft (heißen heute beide anders).

Danach zog er sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Er pendelte zwar noch zwischen Wien und Salzburg hin und her, aber die wilden Partys gingen zurück. Es wurde still um den einst so wilden Erzherzog.

Am 1.2.1904 kam es dann doch noch zu einer Verbannung von Wien nach Salzburg und Erzherzog Ludwig Victor sollte nie wieder nach Wien zurückkommen. Sein schönes Palais zerfiel zusehends und in Klessheim wurde es noch ruhiger.

Zuerst fuhr Erzherzog Ludwig Victor 3 Monate auf Kur nach Meran in den Meranerhof, danach ging es direkt weiter nach Schloss Klessheim. Die Wiener erfuhren nie den wahren Grund. Nun aber ist die berühmte Kaiserbründlbad-Geschichte doch noch dran.

Das ist die Geschichte die jeder kennt und die bis heute noch in wirklich jedem Buch verbreitet wird:
Zu einem Affront kam es, als es im Kaiserbründlbad zu einer Schlägerei kam. Dort irrte sich der Erzherzog bei einem jungen Mann ob seiner sexuellen Orientierung und bekam eine Ohrfeige. Da der Mann Ludwig Victor erkannte, drohte er mit einem Skandal und einer öffentlichen Kundmachung. Um dieser zu entgehen, schickte Kaiser Franz Joseph Luzi-Wuzi nach Salzburg.

Foto: readymap.at
Kaiserbründl Bad

Das ist die Wahrheit zu jener Geschichte:
Erzherzog Ludwig Victor war gegen die morganatische Ehe von Erzherzog Franz Ferdinand (*18.12.1863,†28.6.1914) und wurde auch nicht müde, dies immer wieder zu betonen. Er wurde auch nicht müde, dies bei seinem Bruder kundzutun. Obwohl es ihn im Prinzip gar nichts anging, mischte er sich allzu gerne ein. Dies war seine Natur. Kaiser Franz Joseph aber, war auch seiner Meinung, und quälte Franz Ferdinand tatsächlich jahrelang bis er sein Einverständnis gab und dieser endlich seine Sophie von Chotek (*1.3.1868, †28.6.1914) heiraten durfte. Erzherzog Franz Ferdinand, der Luzi-Wuzi sowieso hasste wie die Pest, rächte sich bitterlich.

Das Wiener Palais hatte alles nur kein Schwimmbad und so wusste jeder im Umfeld des Erzherzogs lebte, dass er das öffentliche Kaiserbründbad aufsuchte. Gemeinsam mit seinem Adjutant ging er wie so oft in besagte Bad, um sich zu entspannen. Obwohl die Herrensauna nicht vereinbar war, mit den strengen Regeln des Wiener Hofes, sah man immer wieder den Hofwagen in der Weihburggasse stehen und jeder Wiener wusste, dass es jener des Erzherzoges Ludwig Victors war. Was nun wirklich geschah, kann heute nicht mehr korrekt wiedergegeben werden.

Korrekt ist aber, dass es eine Intrige von Erzherzog Franz Ferdinand war, der seine Spitzel postiert hatte und der Herr der sich „belästigt“ fühlte, ein persönlicher Freund von Sophie und Franz Ferdinand war.

Doch Kaiser Franz Joseph wollte nichts mehr hören. Sein Bruder ging diesmal zu weit. Schweigegeld wurde bezahlt und Luzi-Wuzi wurde verbannt. Franz Ferdinand hatte seinen Widersacher besiegt, mit Ludwig Victor aber ging es bergab.

Ab diesem Zeitpunkt litt er seelische Höllenqualen. Immer wieder bat er seinen Bruder zurückkommen zu dürfen, doch Franz Joseph war unerbittlich. Kein Wort wollte er hören und zurück nach Wien durfte Ludwig Victor auch nicht. Ab dem 13.8.1904 ging Primar Dr. Schweighofer von der nahen „Landesheilanstalt für Irrenkrankheiten“ beim Erzherzog Ein und Aus.

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Gisela
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Valérie

Traf man Ludwig Victor war sein Blick oft starr, leer und er konnte dem Gespräch nicht folgen. Anderntags dann war er wieder klar, lustig, machte Späße und lud zum Tee und Kuchen. Doch die Partys wurden weniger, die Leute und die vielen Besuche blieben aus.

Nur noch Erzherzogin Marie Valérie (22.4.1868,†6.9.1924), ihre Kinder, Prinzessin Gisela von Bayern (*12.7.1856, †27.7.1932), ihre Kinder und die Ehemänner kamen ihren Onkel besuchen. Sie wurden sein ganzer Halt.

1905 kam es zur großen Versöhnung mit seinem Bruder, der sich auf den Weg nach Ischl befand und bei Luzi-Wuzi vorbeischaute.

Niemand war je so glücklich wie Ludwig Victor, hatte ihm sein Bruder verziehen – im Grunde hatte er gar nichts getan.

Doch nach Wien kam er nie wieder zurück. Sein Palais verfiel zusehends. 1911 ließ es Kaiser Franz Joseph in ein Militärcasino umwidmen. Immer häufiger zeigten sich geistige Verwirrung und beginnende „Demenz“.

Foto: geni.com
Nora Fugger von Babenhausen

Obwohl Fürstin (Ele)Nora Fugger von Babenhausen (*4.10.1864,†1.3.1945) in ihrer eigenen Biografie gar garstige Worte über Luzi-Wuzi fand, so war sie Zeit seines Lebens mit ihm in Kontakt und sogar befreundet. Sei es per Brief oder auf zahlreichen Festen.

„Er war grundverschieden von seinen Brüdern, war weder militärisch noch kunstverständig, schwächlich, unmännlich, geziert und von garstigem Äußeren. Er führte ein sehr weltliches Leben, war über alles – nicht immer richtig – unterrichtet, seine Zunge war scharf wie die einer Giftschlange. In alles mischte er sich ein, spann darauf Intriguen und freute sich, wenn kleine Skandälchen daraus wurden…“ (6)

Bereits 1912 wurde die Dienerschaft verringert, die Autofahrten wurden eingestellt, der Chauffeur wurde entlassen, die Tore zu Klessheim wurden versperrt und Zulass bekam man nur noch mit Genehmigung von Hofrat Gautsch, der bei Erzherzog Ludwig Victor als Betreuer lebte.

1915 wurde Erzherzog Eugen (*21.5.1863, †30.12.1954) als Sachwalter bestellt, doch leider interessierte sich dieser weder für den Kranken, noch hielt er Nachschau. Und so übernahm Hofrat Gautsch das Kuratel und die alleinige Aufsicht.

In dieser Zeit vegetierte Ludwig Victor schon vor sich hin; unter der Fuchtel von Gautsch.

Ihm wurden nur noch die Zugänge zu 3 Zimmern gestattet, der Rest des einst so prachtvoll ausgestatteten Schlosses war für den Erzherzog versperrt.

Schließlich ließ er die Fenster und die Eingangstüre vergittern und Ludwig Victor lebte wie in einem Gefängnis. Zugang hatte nur ein Pfleger und der Hofrat, nicht einmal mehr seine Nichten Marie Valérie oder Gisela durften mehr zu ihm; es würde den Onkel zu sehr aufregen, so der Hofrat.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Eugen

Als Gautsch an das Vermögen des Erzherzoges und ihn endgültig ins Irrenhaus abschieben wollte, ließ das Primar Schweighofer nicht zu. Er verständigte Erzherzogin Marie Valérie die den sofortigen Einlass forderte.

Sie fand ihren Onkel in einem grauenhaften Zustand. Normalerweise musste sie sich beinahe 1 Woche schriftlich vorher anmelden, weshalb Gautsch reichlich Zeit hatte Luzi-Wuzi herauszuputzen.

Dr. Schweighofer und Marie Valérie konnten zwar nichts gegen Gautsch unternehmen, wohl aber dafür Sorgen, dass es Ludwig Victor etwas besser gehen würde. Das Vermögen wurde nicht an Gautsch ausgehändigt. Außerdem kam von nun täglich ein Pfleger der von Dr. Schweighofer ausgesucht wurde, ins Haus.

Prinzessin Gisela und Erzherzogin Marie Valérie machten es sich zur Aufgabe, unangekündigt zu erscheinen. Dennoch vegetierte Ludwig Victor geistig umnachtet vor sich hin. Er erkannte zusehends weder seine Umgebung, noch seine Nichten.

1916 konnte oder durfte Erzherzog Ludwig Victor nicht mehr am Begräbnis von Kaiser Franz Joseph teilnehmen. Obwohl Kaiser Karl sein Erbe war, kümmerte dieser sich überhaupt nicht um den Kranken. Er erkundigte sich nicht ein einziges Mal nach seinem Großonkel.

Obwohl Ludwig Victor das Ende der Monarchie erlebte, blieb er von dieser unbeeindruckt. Er bekam sie geistig nicht mehr mit. Er war bettlägrig und konnte Klessheim nicht mehr verlassen. Er war vollends auf die Hilfe von Gautsch und seinem Pfleger angewiesen. Ob ihn diese nun gut versorgten und ob das Schloss in einem guten Zustand war, kann heute nicht mehr eruiert werden.

Erzherzog Ludwig Victor starb, als letzter der 4 Brüder, am 18.1.1919 76jährig in Schloss Klessheim. Er ruht am öffentlichen Friedhof in Siezenheim.

Bereits 6 Jahre zuvor hatte er dafür gesorgt, dass jenes Grab angekauft wurde, in dem er heute ruht. Er wollte partout nicht in die Kapuzinergruft überstellt werden. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt.

– Petra –

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Video: Tamara
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara, Wikimedia/Commons, Wien Museum, Theatermuseum, Akpool.de, styriabook.at, readymap.at, geni.com, Österreich Werbung Weinhäupl



Literatur Hinweise:

1 – S.403,
Brigitte Hamann
Die Habsburger: Ein biografisches Lexikon (nur noch antiquarisch erhältlich)
Piper Verlag

2 – S. 78/79, 3 – S. 61, 4 – S. 61
Katrin Unterreiner 
Luzi Wuzi Das provokante Leben des Kaiserbruders Ludwig Viktor
Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG, 1. Auflage

5 – S. 41
Michaela Lindinger
Sonderlinge, Außenseiter, Femmes fatales: Das „andere“ Wien um 1900
Amalthea Verlag, 1. Auflage

6 – S. 126
Nora Fugger
Im Glanz der Kaiserzeit (nur noch antiquarisch erhältlich)
Amalthea Verlag

7 – S. 148, 8 – S 263/4, 9 – S 266
Brigitte Hamann
Kaiserin Elisabeth Das poetische Tagebuch
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 3. Auflage 1995 (nur noch antiquarisch erhältlich)

10 – S 198
Brigitte Hamann:
Kaiserin wider Willen , Amalthea, 1992, 11. Auflage

Elisabeth – Das Musical

Als 1955 der Sissi Film mit Romy Schneider über die Kinoleinwand flimmerte, konnte keiner erahnen, was das einmal auslösen würde. Was 1956 und 1957 mit Teil 2 und 3 noch weiter verkitscht wurde, wurde 1992 komplett anders dargestellt. Fans von Kaiserin Elisabeth haben zuerst das Musical gesehen und sich danach erst mit Elisabeth als Person beschäftigt.

Foto: Amazon.de

Das Musical hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Einen Hype, der bis heute ungebremst ist.

Am 3.9.1992 wurde in Wien im Theater an der Wien, unter dem scheidenden Intendanten Peter Weck, das Musical Elisabeth aus der Taufe gehoben. Ein Welterfolg, der anfangs so gar nicht die Kritiker ansprach. Im Gegenteil. Nach der Premiere war der Hohn und Spott hoch.

Aber beginnen wir von vorne:

Peter Weck, Foto: APA (Archiv)

„Mit Michael Kunze hatte ich die Idee für ein neues Musical besprochen, das wir in den Vereinigten Bühnen Wien produzieren wollten. Bei unseren Gesprächen landeten wir plötzlich bei – Michael Kunze brachte diese Idee ein – Kaiserin Elisabeth. Da ich selbst ja beim ersten Teil der Sissi-Filme mitgewirkt hatte, war es mir ein Anliegen, Kaiserin Elisabeth in unserer Version ohne jede Kitschverbrämung, als nicht als lieblich verzuckertes Geschöpf, sondern auf Basis der damals dank Historikerin Brigitte Hamann neu vorliegenden historischen Erkenntnis mit allen ihren Eigenheiten auf die Bühne zu bringen.“ (1)

Peter Weck über die Entstehungszeit von Elisabeth, an der er selbst 2 Jahre beteiligt war.

„Alle tanzen mit dem Tod, doch niemand wie Elisabeth…“ Ihre Zeitgenossen stehen in Lumpen und mit schwarzem Spitzentuch über dem Gesicht auf der Bühne und reden „immer noch von Elisabeth“.
So beginnt das Stück – naja mehr oder weniger. Eigentlich ist zuvor noch ein Prolog mit Lucheni, der von einem unsichtbaren Richter gefragt wird, warum er ausgerechnet Kaiserin Elisabeth umgebracht habe.

Er beantwortet die Frage mit „…weil sie es wollte“.

Man mag glauben, dass dies ein Satz ist, den tatsächlich ihre Zeitgenossen über sie gesagt haben. Aber die Texte und die Musik stammen von niemand geringeren als von Michael Kunze und Sylvester Levay, die zuvor die Schlagergemeinde mit ihren Songtexten und Musiktitel aufzumischen wussten. „Fly Robin fly“ wurde (und ist) ein Welthit.

Michael Kunze, Foto: Alexander Ch. Wulz

(2) Michael Kunze im Interview, wie Elisabeth – das Musical entstand. 7 Jahre sollte die Entstehung dauern; man kann also nicht sagen, dass sich Michael Kunze und Sylvester Levay das Stück leicht gemacht haben.

„Mit dem Blick auf die bevorstehende Milleniumswende wollte ich etwas über den Untergang des Habsburgerreiches schreiben. Ich bin studierter Historiker, und daher interessierten mich die Parallelen von Gegenwart und Vergangenheit. … Auch „Sisi“ wurde zwangsläufig erwähnt. Ich hatte allerdings nicht die geringste Lust, die unglückliche Kaiserin zur Hauptfigur einer Dramatisierung zu machen. Zu abschreckend war die Vorstellung, gegen das Klischee einer Filmfigur der 50er Jahre ankämpfen zu müssen. … Ich las alles über die Zeit vor und nach 1900, was mir in die Hände kam. Darunter waren die Tagebuchblätter des Vorlesers Constantin Christomanos. Darin fesselte mich eine Episode. Christomanos schildert, wie er Elisabeth nach einem Sturm an der Reling ihrer Jacht trifft. Sie weist ihn auf einen Möwenscharm hin, der dem Schiff folgt. Es seien immer dieselben Möwen, behauptet sie. Woran sie das erkenne, fragt der Vorleser. An der schwarzen Möwe in der vorderen Reihe. Die sei ihr vertraut. Als ich das las, wurde mir schlagartig klar, dass Elisabeth sich selbst als schwarze Möwe sah. Als Symbol des Untergangs. Von diesem Moment an wollte ich sie, allen Problemen zum Trotz, zur Hauptfigur des Werkes machen. ….“ (2)

Harry Kupfer, Foto: Lewin-Management.com

Harry Kupfer, der kongeniale Regisseur dieses Erstlingswerks von Peter Wecks „Vereinigte Bühnen Wien“, erinnert sich an die Begegnung und wie alles begann: „Die Oper ist mein eigentliches Spezialgebiet. … Ich hatte in Wien eine Produktion an der Staatsoper, wir hatten nachts gefeiert und auf dem Weg zur U-Bahn traf ich Peter Weck. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt nicht persönlich, doch er sprach mich an. …

Er fragte mich: „Haben Sie nicht mal Lust, ein Musical zu machen?“, und meine Antwort war: „Ja, wenn es ein gutes Stück ist, nicht so etwas, wo Musiknummern zu einer dürftigen Handlung zusammengeschmissen sind, würde ich das machen. Darauf er:

„Ich hab eins, „Elisabeth“. Da ist mir erst einmal der Kamm geschwollen, weil ich natürlich gleich an diese schrecklichen Sissi-Filme mit Romy Schneider dachte. Doch Weck meinte, das sei ganz anders, Michael Kunze und Sylvester Levay seien die Autoren und er würde mir das Libretto gleich morgen ins Hotel schicken. Das hat er dann auch getan, ich habe es gelesen und fand es gar nicht so schlecht….“ (3)

Der Rest ist Weltgeschichte.

Als er die Rolle von Elisabeth schrieb, musste er nach einem roten Faden im Stück suchen. Und so betrachtete Michael Kunze das Bild von Luigi Lucheni, der grinsend in die Kamera sah. Der jemanden getötet hatte, den er weder kannte, noch verstand. Das Opfer sollte jemand ganz anderer (Herzog d’Orléans) werden, als dieses nicht auftauchte, stach er auf die berühmte Frau ein, die weltpolitisch nie in Erscheinung trat.

Ethan Freeman, Foto: Jean-Marie Bottequin

Lucheni wurde der Erzähler eines Lebens. Ihres Lebens. Er verhöhnt ihr Leben und alle die sich rund um sie scharrten. Mit Gemeinheiten – auch in Richtung Publikums – spart er nicht. In „Kitsch“ bekommt das Publikum das zu spüren, was bis heute gilt: Die Sammelleidenschaft und die Begaffung einer Frau, die bis heute ein Geheimnis ist, ebnete zumindest nach 1955 nie wieder ab.

Gerade bei der jungen Kaiserin Elisabeth war das Interesse anfangs riesengroß. Das Volk wollte sein Recht an der jungen schönen Kaiserin haben; als diese floh und sogar ihre Kinder zurückließ, ebnete das Interesse immer mehr ab. Zu ihrem 50sten Geburtstag erschien lediglich ein kleiner Artikel in der Zeitung, dass die Kaiserin Geburtstag habe. Das Volk in der Dynastie Österreich-Ungarn nahm sie überhaupt nicht mehr wahr.

Mit den Sissi-Filmen jedoch begann ein Hype, der auch Elisabeth – das Musical nicht töten konnte. Bis heute stehen Elisabeth Häferl weltweit in Kästen, hängen Bilder an den Wänden und Postkarten stehen an Souvenirständen zum Kauf bereit. Auch Tattoos mit Sisi Schriftzug oder Konterfei sind mir schon begegnet.

Der „Kitsch“ kennt keine Grenzen. Luigi Lucheni hat im Stück recht, wenn er Schokolade in die Menge schmeißt und höhnisch dabei lacht, wenn er sieht, dass die Menge im Publikum gierig danach greift.

Ethan Freemann Foto: angelofmusical

Aber lassen wir Ethan Freeman zu Wort kommen:

„Ich flog zu den Auditions nach Wien. … Ich wurde mit einem musikalischen Leiter weggeschickt, um mit ihm „Kitsch“ zu erlernen, was ich dann noch am selben Tag mit den Noten in der Hand präsentiert habe. Ich kann mich erinnern, dass ich vorm letzten „Kitsch“ so richtig fies gelacht habe, das war wohl infektiös und damit war die Sache wohl entschieden. Ich hatte scheinbar für die Kreativen die richtige Kombination von Kraft, Gewalt-Potential, Aussehen und Stimme…“ (4)

Sylvester Levay verstand es wie kein anderer, das Stück mit seiner Musik zu beseelen. Man meint manchmal sogar, die reale Elisabeth von hören, wenn sie von dem „Kirschbaum“ träumt, auf den sie nicht darf, weil Maman eine Gesellschaft erwarte und ihr Vater die Zither nimmt und aus Possenhofen flüchtet. Die 15jährige Sisi sitzt verlassen am Boden und träumt von „Gedichten schreiben und Reiten mit dem Wind“ und hofft darauf, dass ihr geliebter, von ihr angehimmelter Vater sie mitnimmt.

Uwe Kröger Foto: Alexander Ch. Wulz

Doch Herzog Max hat wie immer kein Einsehen mit seiner Lieblingstochter. Sisi bleibt traurig zurück und muss sich dem strengen Ton ihrer Gouvernante hingeben und sich umziehen gehen…

Michael Kunze tat sicherlich Recht daran, Elisabeth mit dem Tod kokettieren zu lassen. Ihre Todessehnsucht erahnt man schon an ihren frühen Gedichten. Als ihr Schwarm Richard Graf von Schwarzenberg stirbt, schreibt sie Wehklagen in ihr Tagebuch. Hier ist das erste Mal von einer Todessehnsucht zu lesen. Elisabeth war zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt.

Wie sehr sich das verstärkt, sieht man im späteren Verlauf ihres Lebens. Der Tod sollte also ihr Liebhaber sein. Einer der sie versteht, nach dem sie greifen kann, wenn sie ihn braucht, aber ihr niemals zu Nahe kommen darf. Michael Kunze wählte bewusst die Gestalt von Heinrich Heine, um den jungen attraktiven Dichter in Szene zu setzen.

Uwe Kröger, Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Langhaarig, blond, androgyn – so schritt der erste Tod 1992 von der Feile zum Totentanz der Zeitzeugen herab. Niemand geringerer als Uwe Kröger besetzte diese Rolle. Dass er der erste Rusty in Starlight Express war, sollte damals niemanden interessieren. Kröger spielte mit der Rolle, mit dem Publikum und löste einen wahren Hype aus – einen den er sich später – nach dem seine Fans sogar Selbstmorddrohungen ausstießen, als er sich die Haare für die Rolle von Chris für Miss Saigon abschneiden ließ – bitter bereuen sollte.

Der Tod der uns alle im gewissen Sinne begleitet, löst einen Machtkampf mit dem Publikum aus. Folgt man ihm oder kann man sich ihm entziehen? In 25 Jahren waren alle Tod-Darsteller blond oder zumindest brünett. Fast alle langhaarig. Nach Uwe Kröger folgten Paul Kribbe, Addo Kruizinga, Felix Martin, Máté Kamarás, Rob Fowler und natürlich der letzte Tod: Mark Seibert – er ist das momentane Sexsymbol der Musicalwelt.

Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Pia Douwes war die erste Elisabeth. Sie lieh ihr Stimme, Aussehen, Charakter und Eigenschaften, die die wahre Elisabeth zu haben schien. Ihre Darstellung ist bis heute unangefochten mit dieser Rolle verwoben und verbunden.

Viele Elisabeths folgten auf 25 Jahre Welterfolg. Die bekanntesten neben Pia Douwes sind natürlich Maya Hakvoort, Annemieke van Dam und die letzte Roberta Valentini.

Fragt man Musicalfans der ganzen Welt, sind sich diese uneinig, wer nun „DIE“ Elisabeth sei.

Fragt man mich, würde ich uneingeschränkt Maya Hakvoort nennen. Ihre Stimme hat mich von der ersten Minute an gepackt und ließ mich nicht mehr los. Aber auch Roberta Valentinis Darstellung behagt mir sehr.

Sie ist vor allem konstant durchgehend eine Elisabeth, der man jede Station abnimmt. Derselbe „Streit“ entsteht bei den Rollen von Der Tod und Luigi Lucheni. Hier gibt es eigentlich auch nur 2 Antworten für mich: Paul Kribbe war und wird immer „mein“ Tod sein, danach folgt für mich persönlich Mark Seibert. Bei Luigi Lucheni tendiere ich zwischen Bruno Grassini und Kurosch Abbasi, aber auch Serkan Kaya gefiel mir außerordentlich gut. 

Aber was ist nun mit Kaiser Franz Joseph, Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Sophie, Graf Grünne, Kardinal Rauscher, Herzogin Ludovika, Néné usw. Viele von ihnen haben eine Stimme bekommen, ein paar sind nur Nebendarsteller und erscheinen wirklich nur am Rande.

Im Prinzip erstrahlt das Musical mit 3 Hauptdarstellern: Elisabeth, Der Tod, Luigi Lucheni. Der Rest ist in Nebenrollen oder winzigen Sequenzen zu sehen.

Pia Douwes, Foto: Jean-Marie Bottequin

Das Hauptlied des ersten Teils ist mit Sicherheit der Song „Ich gehör nur mir“. Hier bricht Elisabeth aus. Hier zeigt sie, dass sie nicht die Person ist, die sich einsperren, quälen, begaffen und berichtigen lässt, wie es allen anderen am Wiener Hofe passen würde. Allen voran natürlich Erzherzogin Sophie oder auch dem Kaiser, der sich weder gegen seine Frau, noch gegen seine übermächtige Mutter durchsetzen kann.

Der Text von „Ich gehör nur mir“, könnte genauso gut aus der Feder von Kaiserin Elisabeth per se stammen. Man könnte meinen, dem Schreiberduo ist dies aufs Notenblatt diktiert worden.
Egal wer dieses Lied im Stück singt – Gänsehaut ist vorprogrammiert. Dieses Lied ist das Herzstück des ersten Teiles, dass was Elisabeth ausmacht.

Aber auch Lieder wie „Milch“ (1992 noch an anderer Stelle als heute), Kaffeehaus-Szene oder „Nichts nichts gar nichts“ sind bezeichnend für den Weg von Elisabeth.

Der wütende Mob vor der Hofburg, der mit Milchkannen beinahe wie auf die Bastille zustürmt und um „Milch“ schreit, während die Kaiserin darin badet. Bezeichnend für ihren Schönheitskult „Unsre Kais’rin soll sich wiegen,
kämmen, pflegen und erfrischen“.

Was wir alle an Sisi bewundern ist ihre Schönheit, ihr ambivalenter Charakter, ihr exzessives Leben. Das Leben des Volkes aber berücksichtigen wir im Grunde unseres Herzens nicht, wenn wir die Bilder dieser strahlenden Schönheit in den Krinolinenkleidern bewundern. Das Volk hungert, friert und hat kaum das Nötigste, während Sisi in Milch badet, weil das ihrem Teint zu Gute kommt.

Wer jetzt das ungarische Krönungslied „Wenn ich tanzen will“ in der Aufzählung vermisst, wird bitter enttäuscht sein, wenn ich sage, dass dieser Song 1992 noch nicht auf der Welt war.

Uwe Kröger mit Rudolf-Darsteller, Foto: Alexander Ch. Wulz

Erst im späteren Verlauf der Geschichte kommt Kronprinz Rudolf vor. Zuerst als kleiner Junge, der verzweifelt nach seiner Mutter weint. Natürlich ist es „der Tod“ der den Kleinen tröstet, denn Rudolf hat die Melancholie seiner Mutter geerbt.

Im weiteren Verlauf wird im Duett „Wenn ich dein Spiegel wär“ klar, dass die Mutter ihren Sohn weder verstehen will, noch ihn jemals verstanden hat. Ihre Arroganz und Verbitterung gegenüber dem verzweifelnden Sohn wird mit Minute zu Minute klarer.

Bezeichnend ist es natürlich, dass der Tod in Gestalt mit einem verkleideten Todesengel der Mary Vetsera darstellt, auf Rudolf lauert. Der Schuss ist nur der Anfang von einem Ende, das schon lange vorher eingeläutet wurde.

Wenn Elisabeth weinend am Sarg ihres Sohnes, der sich durch die Bühnenkonstruktion langsam in die Erde absenkt, zusammenbricht ist meistens ein Raunen im Publikum zu hören: „Die arme Mutter…“

Die arme Mutter die mit „Rudolf, wo bist du“ ihre letzten Jahre einläutet. Depressiv, einsam, schwarz gekleidet, flieht sie vor ihrem eigenen Ich.

Pia Douwes, Viktor Gernot Foto: Alexander Ch. Wulz

Auf Cap Martin versucht ein alter, gebrochener, wehklagender, zerbrechlich wirkender Kaiser Franz Joseph seine Sisi noch einmal zur Umkehr zu bitten. Das Duett „Zwei Boote in der Nacht“ ist bezeichnend für das letzte Kapitel, für die Verbitterung Elisabeths niemals Verzeihen zu können.

Danach folgt unweigerlich Luigi Lucheni, der nach einem fürchterlichen Alptraum Kaiser Franz Josephs, wo er den Tod Elisabeths vor Augen hat, vom Tod die Feile in die Hand geworfen bekommt und losstürmt.

Bim-bim… die Schiffsglocke. Elisabeth und „der Schleier fällt“. Der Tod hat endlich seine Sisi im Arm, sie gibt sich dem hin, was sie Jahrzehntelang erträumt und sich nicht getraut hat: zu sterben…

Im Grunde ist damit die Geschichte erzählt, auch wenn ich hier natürlich Szenen ausgelassen habe, die unweigerlich dazugehören; aber ich möchte euch ja noch den Triumphzug quer durch die Welt erzählen…

Die komplette Cast der Weltpremiere am 3.9.1992 war:

Darsteller:
Kaiserin Elisabeth                  Pia Douwes
Der  Tod                            Uwe Kröger
Luigi Lucheni                       Ethan Freeman
Kaiser Franz Joseph                 Viktor Gernot
Erzherzogin Sophie                  Else Ludwig
Kronprinz Rudolf                    Andreas Bieber
Kronprinz Rudolf Kind               Markus Neubauer
Herzog Max in Bayern                Wolfgang Pamperl
Herzogin Ludovika/Frau Wolf         Christa Wettstein
Helene von Wittelsbach              Rebecca Rashid
Ludwig Graf Grünne                  Peter Faerber
Kardinal Rauscher                   Dean Welterlin
Felix Fürst zu Schwarzenberg        Harald Hofbauer
Baron Hübner                        Günther Schulz
Baron Kempen                        Eric Minsk
Gräfin Sztáray                      Nicole Sieger
Gräfin Esterhazy-Liechtenstein      Isabella Fritdum
Maximilian von Mexiko               Stanislaus Meus
Mary Vetsera                        Marion Wilmer
Junger Ungarischer Adeliger         Frank Lohmann
Graf Andrássy und Graf Bathyány     Aris Sas
Fanny Feifalik                      Gabriela Kuhn
Eine Hofdame                        Marika Lichter
Eine Gouvernante                    Ina Retzbach
Ein Professor                       Christian Hauser
Fräulein Windisch                   Jasna Ivir
Todesengel                          Michael Bernhard
                                    Steven Bernier
                                    Theresa Bomme 
                                    Daniela Colantuanto

Kreativ Team:
Regie                            Harry Kupfer
Musikalische Leitung             Caspar Richter
Choreographie/Musical Staging    Dennis Callahan
Bühnenbild                       Hans Schavernoch
Kostüme                         Reinhard Heinrich
Lichtgestaltung                  Hans Toelstede
Tongestaltung                   Erich Dorfinger

Nach dem tosenden Applaus des Premierenpublikums der Schock. Die Presse verriss das Stück, Peter Weck und alle Darsteller. In den Feuilletons der Zeitungen stand sowas wie:

„Was für ein Kaiserinnen-Schmarren“ (Presse), die weiter schrieb: „Nichts, aber auch wirklich gar nicht, haben die Autoren unternommen, um der Gefahr der Verkitschung zu entgehen.“

„Munter geht die Sissi unter“, hieß die andere Schlagzeile. „Sie sind aber auch allesamt, die Darsteller von geringem Format (Kurier).

„Was einst vom Hauch der Hohen Kunst umfächelt war, hier brettert Kupfer die gleichen Mittel, nur etwas angeschmuddelt auf die Bühne“ (Der Standard).

„Kunzes Text macht Elisabeth zum Nachtschattengewächs. Ein großer Musicalwurf ist es nicht! (Kronen Zeitung) usw.

Doch was die Kritiker nicht bedachten war das Publikum.

Elisabeth wurde wie kein zweites Musical zuvor und danach geliebt. Einzig „Tanz der Vampire“ kann denselben Erfolg verbuchen, wie Elisabeth 1992.

Aber Tanz der Vampire eröffnete erst am 4.10.1997, mit einem grandiosen Steve Barton, die Pforten.

Peter Weck erzählt:

„Das Medienecho war für die Darsteller natürlich furchtbar deprimierend. Um mein Ensemble zu trösten und zu beruhigen, allen das verdiente Lob auszusprechen, ging ich damals von Garderobe zu Garderobe und habe Künstlerinnen und Künstler aufgebaut und ihnen versichert, dass diese Kritiken nicht gegen sie, sondern einzig und allein gegen mich gerichtet seien. … Der Erfolg beim Publikum aber wog alles auf, und Elisabeth hat letztendlich bewiesen, dass ein „Kaiserinnen-Schmarrn“ kein Schmarrn sein muss.“ (5)

Maya Hakvoort Foto: Alexander Ch. Wulz

Die Saison von Elisabeth dauerte 4 Jahre und wurde bis am 25.4.1998 gespielt. Mozart löste Elisabeth im Elisabeth Jahr ab – zum 100jährigen Todestag von Kaiserin Elisabeth (10.9.1998) ertönte Mozart aus den Mikrophonen der VBW Darsteller.

Ab 1994 übernahm Maya Hakvoort die Rolle der Elisabeth und spielte diese bis zum 25.4.1998. Mit ihr gingen und kamen neue Gesichter. Uwe Kröger spielte noch eine Zeitlang, genauso wie Andi Bieber, Viktor Gernot, aber auch sie wurden durch Paul Kribbe, Thomas Harke oder Leon van Leeuwenberg mit der Zeit ersetzt und auch hier gab es später wieder einen Castwechsel.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Foto: Theater des Westens

Pia Douwes über ihre Rolle:

„Ich war zunächst platt, ich war fertig. Diese Rolle hat mich sehr mitgenommen – aber auch diese Frau. Ich erkenne mich in ihr. Ich verstehe ihre Depressivität, und wie es ist, manchmal überfordert zu sein, mit zu vielen Menschen. Ich verstehe ihre Tierliebe, Liebe zur Natur und zu Sprachen. Ich habe sie so gut verstanden, dass ich sie mit nach Haus genommen habe, und musste erst nach und nach lernen, sie im Theater zu lassen.“ (6)

Über die Rolle zum „Tod“ befragt, die er nachhaltig kreiert hatte, gab Uwe Kröger die Antwort:

„Bei der Erarbeitung der Rolle hat mir sehr geholfen, dass Harry Kupfer eine ganz präzise Vorstellung von dem hatte, was der Tod macht – vor allem in „Der letzte Tanz“. Das ist der Bruch des Surrealen – ein Geist zu sein, für den es sich seltsam anfühlt, menschlich zu sein. Man ist ein Gott des Universums, der unfassbare Gevatter Tod – und doch hat man so etwas wie menschliche Gefühle. Die Figur darf nie eindimensional werden – das war Harry Kupfer ganz wichtig.“ (7)

Ichiro Maki (Tod), Hanafusa Mari (Elisabeth) 1996, Japan, Foto: Takarazuka Revue Theater

Was danach folgte, ist legendär für dieses Stück. Es ging um die Welt.

Seit 16.2.1996 (immer wieder mit Unterbrechungen) spielt Elisabeth in Takarazuka Revue Theater in Takarazuka; also in Japan.

Ungarische Aufführung Foto: RoseDiMontague

Am 17.8.1996 folgte die Aufführung in Ungarn. Die Freilichtbühne Szeged war dabei das Ziel. Ab 6.10.1996 wurde es dann im Operettenhaus Budapest gespielt.

Die schwedische Aufführung fand am 30.9.1999 ihre Premiere. Im Musiktheater i Vármland in Karlstad wurde es dann bis zum 9.1.2000 gezeigt.

Pia Douwes in Scheveningen, Foto: Joop van den Ende Theaterproducties

Auch in Holland hielt das Stück Einzug. Genauer gesagt in Scheveningen im Circustheater wurde es ab 21.11.1999 bis 22.7.2001 gespielt. 1999 übernahm die Rolle niemand geringerer als Pia Douwes.

Am 6.6.2000 war im Imperial Garden Theater in Tokio/Japan die Premiere.

Uwe Kröger und Pia Douwes in Essen, Foto: tansytrading.weebly.com

Deutschland musste bis zu seiner Erstaufführung bis ins Jahr 2003 warten. Essen war das auserkorene Ziel.

Das Colosseum Theater lud ab 22.3.2001 bis 29.6.2003 zum Musical ein. Elisabeth und Der Tod wurden von Pia Douwes und Uwe Kröger dargestellt.

Zum 10. Jahrestag des Stückes, lud man die illustren Gäste ins Wiener Konzerthaus. Das Konzert fand am 21.10.2002 statt. Besetzung waren u.a. Pia Doues, Maya Hakvoort, Uwe Kröger, Felix Martin, Ethan Freemann, Thomas Borchert, Viktor Gernot, Else Ludwig, Andi Bieber und Wolfgang Pampel. Viktor Gernot schlüpfte zum definitiv letzten Mal in die Uniformsjacke. Er verließ bereits 1997 das Genre Musical, um ab diesem Zeitpunkt mit den Hektikern Karriere zu machen. Mittlerweile ist er ein gefeierter Comedian und Solokünstler.

Maya Hakvoort und Maté Kamarás, Foto: VBW

Ab 6.10.2003 bis 4.12.2005 kam Elisabeth wieder zurück nach Wien. Maya Hakvoort übernahm erneut die Elisabeth. Máté Kamarás wurde Der Tod und Serkan Kaya Luigi Lucheni.

André Bauer, Maté Kamarás, Maya Hakvoort, Foto: Alexander Ch. Wulz

Maya Hakvoort über die Rolle ihres Lebens: „Ich wollte so nah wie möglich an das Original herankommen. Ich wollte zeigen, wer Elisabeth wirklich war. Um das auf der Bühne glaubhaft zu vermitteln, habe ich wahnsinnig viel über sie gelesen und bin an viele Orte, an, welchen sie auch war, gereist. Ich war auf Korfu, Madeira, natürlich in Bad Ischl und Wien. Aber auch im Schloss Gödöllö in Ungarn und auch sonst bin ich viel durch Ungarn gereist, da ich wusste, wie viel Elisabeth dieses Land bedeutete.“ (8)

Maya Hakvoort vor dem Schloss Miramare in Triest, Foto: Rolf Bock

2x gastierte Elisabeth in Triest im Schloss Miramare. Vom 21.7. – 27.7.2004 und vom 31.7. – 6.8.2005. Beide Male begrüßte Maya Hakvoort ihr Publikum. Ihr zur Seite standen Thomas Borchert als Der Tod und Bruno Grassini als Luigi Lucheni.

Nach Deutschland kehrte es am 6.3.2005 zurück. Im Apollo Theater in Stuttgart gastierte es bis zum 17.9.2006. Nur einige Gastvorstellungen wurden von Pia Douwes gespielt.

Thérèse Karlsson, Tomi Metsäketo. Foto: Turun kaupunginteatteri, Robert Seger

Auch das finnische Publikum durfte sich über unsere Kaiserin Elisabeth freuen. Vom 23.9.2005 bis 30.12.2006 wurde es in Turku im Turun Kaupunginteatteri gespielt.

Die Schweizer Fangemeinde freute sich über Elisabeth in Thun bei den Thuner-Seespielen. Es gastierte vom 19.7. bis 30.8.2006 auf der wunderschönen Seebühne.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Berlin Foto: Theater des Westens

Uwe Kröger und Pia Douwes kehrten als Der Tod und Elisabeth nach Berlin auf die Bühne zurück. Vom 20.4. bis 27.9.2008 feierten sie im Theater des Westens furiose Erfolge.

Annemieke van Dam, Foto: VBW

Annemieke van Dam übernahm erstmalig die Rolle bei der großen Europatournee, die sie vom 17.10.2008 bis 25.4.2010 durch Zürich, Antwerpen, München, Frankfurt, Bremen, Bregenz und Düsseldorf führen sollte. Der Tod wurde Oliver Arno, aber auch Uwe Kröger übernahm immer wieder Gastauftritte.

Die zweite Europatournee wurde am 11.10.2011 gestartet und lief bis zum 6.5.2012. Die Städte waren: Köln, Frankfurt, München, Basel, Essen, Bremen, Chemnitz, Erfurt, Leipzig, Dresden, Triest.

Annemieke van Dam übernahm wieder die Elisabeth und Der Tod wurde niemand geringerer als Mark Seibert. Man kann sagen: Er kam – sang – und siegte. Nach Uwe Kröger sollte kein weiterer Tod diesen Hype miterleben, wie Mark Seibert. Seine weitere Karriere ist bis heute grenzenlos: Mozart, Schikaneder, Tanz der Vampire – um nur einige Stationen zu nennen.

Mark Seibert Foto: Herbert Schulze

Mark Seibert über die Rolle: „In einem Musical sind die Rollen in gewisser Weise wie ein Korsett vorgegeben. Man hat die Texte, die Songs und auch das „Staging“ – also die Form, wie ein Darsteller in der Szene agieren muss. Die technischen Abläufe sind im Musical sehr klar festgelegt, und diese Vorgaben bieten nicht sehr viel Freiraum. Doch bei der Interpretation einer Rolle wird einem immer ein gewisser Spielraum eingeräumt, innerhalb dessen man agieren und sich entfalten kann. So durfte ich die Rolle des Todes trotzdem mit meiner eigenen Note versehen und sie zu der meinen machen.“ (9)

Und wer glaubt, dass dieser Triumphzug schon alles war, irrt.

Korea Foto: SCE.PLAY.ssongbs

Selbst Korea war im Elisabeth Fieber. Vom 9.2. bis 13.5.2012, 26.7. bis 7.9.2013 und 14.9. bis 20.10.2013 wurde es an verschiedenen Theatern und Orten aufgeführt. Mit dabei Seoul, Busan, Daegu, Gwangju und Changwon.

Daniela Ziegler, Annemieke van Dam, Foto: barbara2446

Die 20jährige Jubliäumsproduktion wurde wieder in Wien – diesmal im Raimundtheater – eingeläutet. Vom 5.9.2012 bis 1.2.2014 durfte das Publikum wieder „ihre“ Elisabeth in Wien sehen. Cast war niemand anderer als Annemieke van Dam als Elisabeth, Der Tod Mark Seibert und als Luigi Lucheni war erstmals Kurosch Abbasi in Wien zu sehen. Hier gab es eine ganz besondere Erzherzogin Sophie zu hören.

Niemand geringerer als die Grand Dame des Schauspiels und Gesangs Daniela Ziegler – „die“ Norma Desmond aus Sunset Boulevard – übernahm diesen Part.

Roberta Valentini, Maximilian Mann in Shanghai/China, Foto: Liza Makepise
Plakat zum Konzert in Osaka mit Maya Hakvoort, 2012, Foto: kultur-channel.at

Aber auch Osaka/Japan durfte sich über ein 20jähriges Jubiläumskonzert freuen. Vom 15.10. bis 22.10.2012 und vom 26.10. bis 31.10.2012 gastierte es erneut in Japan. Mit dabei waren Maya Hakvoort, Máté Kamarás, Lukas Perman, Bruno Grassini, André Bauer usw. 

Als es endlich nach China kam, war der Aufschrei in der Presse riesengroß. Niemals zuvor hat es ein Stück der VBW nach China geschafft. Vom 12.12.2014 bis 11.1.2015 gastierte in Shanghai Elisabeth. Und hier treffen wir auf die vorletzt letzte Elisabeth: Roberta Valentini. „Ihr“ Tod war natürlich Mark Seibert, Luigi Lucheni Kurosch Abbasi.

Roberta Valentini Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Roberta Valentini über Elisabeth: „Sie ist eine starke, selbstbewusste und liebende Frau. Viele sagen, dass sie egoistisch sei, was sicher auch in gewisser Weise stimmt. Aber sie ist auch eine einfühlsame und liebende Frau. Diese Balance zu spielen ist schwer und gleichzeitig auch das Reizvolle daran.“ (10)

Mit dieser Besetzung ging die 3te und vorläufig letzte Europatournee los. Vom 25.2.2015 bis 14.2.2016 führte die Tournee nach Essen, München, Linz, Frankfurt und Berlin

Und wer Elisabeth jemals gesehen hat, wird wissen, dass dies nicht die letzte Aufführung gewesen sein wird.

Auch wenn sich das Stück im Laufe der Zeit verändert hat, Lieder hinzugeschrieben, Szenen verschwanden oder umgeändert oder neu platziert wurden, so ist dieses Musical etwas ganz besonderes. Auch, wenn mir persönlich nicht alle Änderungen gefallen und ich so manch Kostüm scheußlich finde – der Charakter ist geblieben. Aber 1992, ja 1992 war etwas ganz besonderes. Und wer dabei war, wird jetzt ein kleines Lächeln auf den Lippen haben… 

Zum Schluss möchte ich noch Sylvester Levay zu Wort kommen lassen, der sicherlich am meisten geprägt wurde. Seine Frau Monika Levay ist eine anerkannte Expertin und Sammlerin. Ihre Original Exponate waren schon oftmals in mehreren Ausstellungen zu sehen; oft wird sie zu Expertisen rund um Kaiserin Elisabeth herangezogen. Sylvester Levay kann Kaiserin Elisabeth gar nicht entfliehen – immerhin bewohnt er einen Teil im Schloss Schönbrunn und hat sie somit täglich vor Augen.

„Wir wollten kein Musical, wie es auch wunderbare Stücke am Broadway gibt, schreiben, in denen Lieder von kurzen Texten, in denen die Geschichte erzählt wird, unterteilt werden. Bei uns sollten nur die wichtigsten, kurze Sätze in der Stille wirken, sonst wollten wir immer eine Untermalung, damit die emotioniale Bedeutung und Tiefe der gesprochen Worte durch die Musik noch besser vermittelt wird.“ (11)

Sylvester Levay Foto:  ooe.orf.at

Und das können wir so stehen lassen…

Bleibt nur noch eines, was es zu sagen gibt:

Wir Zuseher müssen auch mal DANKE sagen:

DANKE LIEBER MICHAEL KUNZE, SYLVESTER LEVAY, PETER WECK, HARRY KUPFER, PIA DOUWES, UWE KRÖGER, ETHAN FREEMANN, MAYA HAKVOORT, MÁTÉ KAMARÁS, ROBERTA VALENTINI, MARK SEIBERT UND ALLE ANDEREN

(WER NICHT AUFGEZÄHLT WURDE, SOLL SICH BITTE NICHT BENACHTEILIGT FÜHLEN).


Danke für die wunderbaren Theaterstunden. Wir freuen uns bis zur nächsten Aufführung, wenn es wieder heißt:

Alle tanzten mit dem Tod,

doch niemand wie …

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 

– Petra –


Rechtliche Hinweise: 

Text: Petra 
Bildrechte: ooe.orf.at, La Belle/Juliane Bischoff, Liza Makepise, barbara2446, SCE.PLAY.ssongbs, VBW, Thuner Festspiele, Theater des Westens, Robert Seger, Rolf Bock, Alexander Ch. Wulz, tansytrading.weebly.com, tansytrading.weebly.com, Joop van den Ende Theaterproductions, Jean-Marie Bottequin, Amazon.de, angelofthemusical, APA (Privat), lewin-management.de, Takarazuka Revue Theater, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise: 

1 – S 299/300, 5 – S 303
Peter Weck
War’s das?
Amalthea 2010, 1. Auflage

2 – S 4, 3 – S 10, 4 – S 35, 6 – S 21, 7 – 27, 8- 99, 9 – S 171, 11 – S 8
Blickpunkt Musical
Elisabeth

10 – S 7
Blickpunkt Musical
Elisabeth – Shanghai & Europa Tournee 2015/16