Nora Fürstin von Fugger

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Nora von Fugger

Eleonora Aloysia Maria Prinzessin zu Hohenlohe-Bartenstein und Jagstberg, bekannt als Nora Fürstin von Fugger wurde am 4.10.1864 in Bartenstein geboren. 

Ihr Vater war Karl Ludwig Fürst Hohenlohe-Bartenstein. Ihre Mutter Rosa Karoline Gräfin von Sternberg. 

Eleonora wurde in der Familie immer schon „Nora“ genannt und wuchs schon als Baby mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern bei ihren Großeltern in Böhmen auf, da ihr Vater unheilbar an „Schwermut“ erkrankt war. 

Ihr Großvater besaß in Prag ein prachtvolles Haus, mehrere Schlösser und Landschlösser und gehörte zur Hocharistokratie des Landes. 

Nora erhielt selbstverständlich Privatunterricht und war bei den Jagdgesellschaften zugegen, um zu lernen, wie man sich in der Hocharistokratie bewegte und benahm. Diese Zeit prägte sie sehr. 

Ihr Großvater starb am 18.7.1874, weshalb ihre Mutter die Wintermonate von nun an in Wien verbrachte, wo auch Rosas engste Freundin Pauline von Metternich lebte und in der Wiener Gesellschaft den Ton angab. Das gefiel der jungen Nora sehr. Die Sommermonate verbrachte die Familie auf dem Schloss in Weiß Politschan, welches ihr Großvater kurz vor seinem Tod noch extra für seine Tochter Rosa kaufte. 

Am 4.10.1881 wurde die 17jährige Nora für Volljährig erklärt und am 22.2.1882 am Hofball bei Hofe eingeführt. Dort wurde sie Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph vorgestellt. 

Etwa zur selben Zeit begann sie mit ihrer Autobiographie, welche pointiert und den Hof entsprechend beobachtend geschrieben wurde. Teilweise natürlich auch boshaft und aus dem eigenen Blickwinkel heraus, weshalb es manchmal zu hinterfragen ist. Vor allem das Kapitel über Mayerling. 

Am 8.1.1887 ehelichte sie Karl Georg Fürst Fugger von Babbenhausen (leider gibt es kein Foto von ihm), welcher ein Kammerherr von Kaiser Franz Joseph war. Das Paar lernte sich 1884 bei einem Hofball kennen. Cary, wie der Gardeoffizier genannt wurde, war nicht nur ihr Cousin 1. Grades, sondern auch sofort Feuer und Flamme ob der Schönen. Beinahe aber wäre es zu keiner Verlobung gekommen, als sich Cary 1885 kurzfristig am Ball bei den Vetseras in die kaum 16jährige Mary verschaut hatte, die ihm offensichtlich den Hof machte. Nora nannte sie in ihrem Buch „Nixe“. 

Doch Cary besann sich wo er hingehörte, das Paar versöhnte sich und so konnte die Verlobung und ein Jahr darauf die Hochzeit gefeiert werden. Der Ehe folgten insgesamt 6 Kinder. 

Das zweite Kind war Sohn Georg Constantin, welche am 24.7.1889 in Klagenfurt geboren wurde. Vor den Toren des Schlosses Babenhauses wurden Kanonenschüsse abgefeuert, um den Stammhalter der Fugger-Familie zu begrüßen. Der Schwiegervater war überglücklich, da das erstgeborene Kind des Paares „nur“ ein Mädchen war. Ein paar Tage später eilte zur Taufe sogar der damalige Obersthofmeister Seiner Majestät Konstantin Prinz zu Hohenlohe, um die Patenschaft zu übernehmen. Somit galt Kaiser Franz Joseph als Taufpate des zukünftigen Fürsten Georg Constantin von Fugger. 

In vielen historischen Büchern wird erwähnt, dass Nora in die Geheimnisse von Mayerling eingeweiht wurde. Liest man sich aber das Kapitel durch, findet man Bezeichnungen wie „Ich habe gehört…“, „Ich habe es von … gehört, weil…“, „Mir wurde berichtet…, weil der gesehen hat, als es…., aber mit eigenhändigen Augen habe ich es auch nicht gesehen…“, „Es wurde mir von …. verraten….“ usw. 

Das Paar von Fugger weilte während der Tragödie in der Garnisonstadt Ödenburg, also weit weg von Wien und Mayerling (ca. 70 km außerhalb). Nora erfuhr vom Selbstmord des Kronprinzen und Mary Vetsera am 31.1.1889 von ihrem Mann, der die Zeitung aufschlug. 

Einer ihrer engsten Freunde wurde Erzherzog Franz Ferdinand, welchen sie auf einem der Hofbälle kennenlernte. Er wurde nicht nur ein Vertrauter, sondern auch ein Brieffreund, den sie während seiner schweren Lungenkrankheit auf seiner Reise immer wieder aufheitertete oder es zumindest versuchte. 

Ebenfalls eine Intima war Katharina Schratt, welche ganz in ihrer Nähe wohnte. In den späten 1890er Jahren zog die von Fugger Familie in eine Villa Nahe Hietzing, weshalb auch der Kaiser mitsamt Schratt des Öfteren bei Nora zu Besuch war.

1906 starb ihr Schwiegervater und die Familie zog auf ihren Stammsitz auf Schloss Babenhausen. Als der 1. Weltkrieg ausbrach, war überall die Not auch auf Schloss Babenhausen zu spüren und die Familie musste einige Schicksalsschläge hinnehmen. Sohn Georg Constantin zog für die Deutsche Armee in den Krieg und wurde Flieger, überlebte aber und kam mit 8 Orden nach Hause (starb aber 1934). Die jüngste Tochter Helena, welche am 21.6.1908 geboren wurde, starb mit 6,5 Jahren im Winter 1915 an einer undefinierten Krankheit. Nora ging in ihrem Buch nicht näher darauf ein. 

Als Kaiser Franz Joseph starb, fuhr die Familie nach Wien, um Abschied von ihrem Freund und Vertrauten zu nehmen. Nora war traurig, dass es keinen offenen Sarg gab. Tausende Menschen säumten die Straßen. Mit ihm begrub sie jene Zeit, die sie einst so geliebt hatte. Die glamourösen Hofbälle, die durchtanzten Nächte, die Gespräche mit Kaiserin Elisabeth, die glanzvollen, im Kerzenschein erhellten Spiegelsäle. 

Am 15.3.1918 starb ihre geliebte Mutter an einem Schlaganfall, nach dem sie 2 Jahre bereits ein Pflegefall war. Als das Adelsaufhebungsgesetz in Kraft trat, blieb die Familie in Österreich und verzichtete auf die Wörter „Fürst“ und „von“. Sie wurden zur Familie „Fugger“. Cary starb schließlich am 5.7.1925 in Klagenfurt. Nora verließ und zog nach Wien zurück, um die letzten 20 Jahre als Witwe in jener Stadt zu verbringen, die sei einst so geliebt hatte. Doch der 2te Weltkrieg verlangte ihr noch einmal alles ab; das Ende erlebte sie nicht mehr. 

Nora Fürstin von Fugger starb am 1.3.1945 80jährig in Wien. Sie ruht in der Fugger-Familiengruft auf Schloss Babenhausen. 

Fugger wird vor allem in Augsburg ein Begriff sein. Das Fugger-Imperium besteht seit dem Mittelalter und ist bis heute – wie die Familie Habsburg – (über)lebend.

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck 
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Literatur Hinweis:

Nora Fugger
Im Glanz der Kaiserzeit
Amalthea, Wien 1989