Reiten wie der Wind …*

Foto: dorotheum.com
Sisi als 15jährige Hoch zu Roß.
Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert.
Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty

*Mit dem Zitat aus dem Musical Elisabeth möchte ich diesen Beitrag beginnen.

Kaiserin Elisabeth war für 2 Dinge bekannt:

Für ihre Schönheit und ihre außergewöhnliche Reitbegabung

Beides hatte sie zwischen den 1870er und 1880er Jahren perfektioniert. Sie war nicht nur zur schönsten Frau Europas erstrahlt, sie war auch zur besten Reiterin geworden.

Foto: Münchner Stadtmuseum Bildarchiv
Herzog Max und Herzogin Ludovika beim gemeinsamen Ausritt
Bild: Heinrich von Mayr, 1833

Diese Passion und Liebe wurde ihr bereits in die Wiege gelegt. Schon ihr Vater Herzog Max (*4.12.1808, †15.11.1888) liebte die Pferde.

Klein-Sisi wuchs von 1837 – 1844 mit einer kleinen Zirkusmanege im Herzog Max-Palais auf.

Als sie ca. 6 Jahre alt war, musste diese für ein Herrenzimmer weichen.

Herzog Max hatte den Spaß am Zirkus verloren und widmete sich zusehends seiner „Arthus-Runde“. Der Beitrag zu Elisabeths Vater kann hier nachgelesen werden.

Aber auch ihre Mutter Herzogin Ludovika, geborene Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892) liebte das Reiten und Pferde. Vor allem als junge Frau ritt sie gerne aus. Doch je größer die Kinderschar mit Max wurde, desto weniger Zeit hatte sie für ihr Hobby. Alle zwei Jahre schwanger zu sein forderten von Ludovika körperlich so manchen Tribut. Ihr Beitrag kann hier nachgelesen werden.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Possenhofen

Elisabeth lernte also schon sehr früh reiten.
Da es bereits seit 1834 das Schloss Possenhofen am Starnberger See in der Familie gab, konnte die kleine Sisi ihre Passion natürlich auch in der freien Natur ausleben und perfektionieren.

Schon als junges Mädchen galt sie als ausgezeichnete Reiterin. Ihre hohe und schlanke Gestalt, schenkte ihr dazu zusätzlich Aufmerksamkeit.

Als sich Kaiser Franz Joseph in die ansonsten damals noch unscheinbare 15jährige verliebte, konnte er nicht ahnen, welch wunderschöne Frau einmal aus ihr werden sollte.

Ihr Verlobungsgeschenk, welches sie zu Weihnachten 1853 ihrem Franz übergab (obiges Titelbild), zeigte sie stolz am Pferd, dahinter Schloss Possenhofen. Die 3 Tauben am Bild sollen ihr Zimmer anzeigen.

Als sie in Wien ankam, war sicherlich eines ihrer Hobbies ihr Reiten weiterhin zu perfektionieren.

Foto: Nationalbibliothek.at
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth bei der gemeinsamen Jagd
Lithographie: Eduard Kaiser, 1854

Elisabeths Können in den reiterlichen Disziplinen war enorm. Sie konnte

Dressur-, Jagd- und Zirkusreiten

und das alles im Damensattel!

Foto: srs.at
Winterschule der Spanischen Hofreitschule

Die Dressur trainierte sie in der Winterschule der Spanischen Hofreitschule der Wiener Hofburg. Dort lernte sie von den Oberbereitern die Hohe Kunst wie man Piaffe, Passage und Levade perfekt reiten konnte.

Oberbereiter Franz Gebhardt sagte einst über Kaiserin Elisabeth:

„…, dass die Kaiserin ein übersinnliches Verständnis für Pferde habe, eine besonders talentierte Reiterin sei und er keine bessere Dame zu Pferd kenne.“ (1)

Elisabeths Perfektion beschränkte sich dabei nicht nur auf die Pferde und ihr Können, sondern auch auf ihr Aussehen.

Sie trug in ihren frühen Zeiten oftmals braune, dunkelgrüne oder dunkelblaue Reitkleidung, später wurde dies in tiefschwarz gewechselt, da sie wusste, dass dies für noch mehr Aufsehen sorgte.

Dabei achtete sie genau darauf, dass nichts dem Zufall überlassen wurde.

Die Reitkleidung hatte aus weichem Rehleder zu sein und die Schneiderin wurde jedesmal in den frühen Morgenstunden gerufen, damit sie die Kaiserin in das Kleid hineinnähte.

Das sah folgendermaßen aus:

Elisabeth stand bereits in – Skandal! – beiger Rehleder-Unterhose, enggeschnürtem Korsett und Oberteil vor der Schneiderin, welche nun den Rock an das Oberteil anzunähen hatte.

Dabei durfte – nach strengster Etikette – der Körper von Kaiserin Elisabeth nicht berührt werden!

Normalerweise trugen die Damen unter ihrem Reitkleid ebenfalls Reitunterröcke.

Dies fand Elisabeth absolut unpraktisch, weshalb sie auf lange Reitunterhosen umstieg.

Sie trug 3 Paar Handschuhe (wegen dem Verschleiß), wobei auch diese aus Rehleder bestanden und meistens weiß oder beige waren. Ihre Stiefel waren bis zu den Waden geschnürt, an den Fersen trug sie kleine Sporen.

Ihr geflochtenes Haar krönte ein Zylinder der aus Biberfell hergestellt wurde.

Foto: pressreader.com
Kaiserin Elisabeth in perfekter Reitkleidung am Pferd
1875, England

Sie verbrachte Stunden bei der Schneiderin.
Diese stellte extra ein Holzpferd vor einen großen Spiegel, damit Elisabeth jedes Detail der Reitkleidung mit der Schneiderin besprechen konnte.

Kaiserin Elisabeth war äußerst penibel auf ihr Aussehen. Sie wollte nicht nur als die beste Reiterin Europas gelten, sondern auch als die Schönste.

Beides gelang ihr natürlich ohne Unterlass.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max Ausstellung – Schloss Aichach 2017
Herzog Max in Bayern

Doch bevor noch in England und Irland aufgetrumpft wurde, lernte Elisabeth zirzensische (= Zirkus) Kunststücke. Wie eingangs erwähnt, hatte sie dies als Kind bei ihrem Vater gesehen und Max war ein Liebhaber der Zirkusse.

Am 19.5.1833, nach der ersten Vorstellung in seinem Zirkuszelt, soll Herzog Max vor dem nicht (!) adeligen Publikum ausgerufen haben:

„Wenn wir koane Prinzn waarn, waar ma Kunstreiter worn!“ (2)

Natürlich war Elisabeth 1833 noch nicht auf der Welt, aber von 1837 – 1844 war sie sehr wohl vom Zirkus im Herzog Max-Palais in München fasziniert. Und gerade in der frühen Kindheit beginnen solche Leidenschaften.

Kurz nachdem sie nach Wien kam und Kaiser Franz Joseph geheiratet hatte, fand im Wiener Prater im Zirkus Renz zu Ehren des Brautpaares eine Aufführung statt.

Foto: Wikimedia/Commons
Ernst Renz und Danielo, 1866
Foto: Bezirksmuseum Wien 2
Zirkus Renz 1856

Johann Strauß komponierte eigens die „Elisabethklänge“ und dazu gab es eine pompöse Galavorstellung.

60 Pferde, welche in verschiedene Gruppen eingeteilt wurden, liefen vor dem begeisterten Publikum und dem Kaiserpaar und zeigten ihre Kunst.

Unter anderem wurde auf 12 Schimmeln und Rappen eine Quadrille aus der Renaissance geritten.

Als dann noch der Besitzer selbst, Ernst Renz (*18.5.1815, †3.4.1892), auf seinem Araberschimmel eine Solonummer ritt, war es um die junge Braut geschehen.

Einige Anwesende wollen gehört haben, wie Elisabeth verzückt rief:

„Zu schön, nein, doch zu schön, diesen Mann muss ich kennenlernen!“ (3)

Doch erst 1867 sollten sich Ernst Renz, seine Artisten und Kaiserin Elisabeth wiedersehen.

Es stand das ganz große Ereignis der ungarischen Königskrönung vor der Türe.

Die kaiserliche und neu gekrönte königliche Pflicht sah es vor, dass Kaiser Franz Joseph eine vierfache Levade ritt.

Foto: dorotheum.com
König Franz Joseph
am Krönungshügel
Bild: Bauer sen.

Dieses eigenartige Ritual war seit Jahrzehnten Brauch in Ungarn und konnten nur sehr geübte Reiter bewältigen.

Kaiser Franz Joseph bzw. der dann schon gekrönte König Franz Joseph musste in vollem Krönungsornat und mit gezogenem schwerem Zeremonialschwert, welches er parallel zum Kopf des Pferdes halten musste, auf einem Schimmelhengst einen steilen Erdhügel hinaufreiten, der aus allen Provinzen Ungarns bestand.

Die Levade bestand aus 4 Himmelsrichtungen und musste demnach 4x geritten werden. (8x wenn man das Hinunterreiten mitrechnet.)

Da die Krönung von höchster politischer Bedeutung war, durfte sich Kaiser Franz Joseph kein noch so kleines Hoppala erlauben.

Foto: Wikimedia/Commons
Levade ohne Erdhügel
Bild: Ludwig Koch

Obwohl Kaiser Franz Joseph ein ausgezeichneter Reiter war, war ihm die Hohe Kunst des Dressurreitens fremd.

Kaiserin Elisabeth wusste von der Wichtigkeit dieses Ritts und bat deshalb Zirkusdirektor Ernst Renz zu sich.

Dieser baute im Hof der Wiener Hofburg einen genauso hohen Erdhügel auf und ließ einen sehr zahmen Schimmelhengst 2 Monate die Levade üben. Erst eine Woche vor der Krönung stieg Kaiser Franz Joseph auf das Pferd.

Die Levade klappte – auch am Tag der Krönung (8.6.1867) – ohne den kleinsten Fehler und König Franz Joseph und sein Pferd hatten keinen Grund zur Klage.

Um die Krönung nicht zu verpassen, fuhr auch der Zirkus mit nach Ungarn und so hatte auch Kaiserin Elisabeth ihren Spaß.

Foto: austria-forum.org
Elisa Petzold

Die Dressurreiterin Elise Petzold (*1850, †unbekannt), die von allen nur Fräulein Elisa genannt wurde, lehrte Kaiserin Elisabeth die zirzensischen Kunststücke.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Krönungsgeschenk Schloss Gödöllö
Innenhof

Als Krönungsgeschenk erhielt Kaiserin Elisabeth ihr geliebtes Schloss Gödöllö und dort ließ sie eine Reithalle und eine Zirkusmanege bauen.

Elisa lehrte ihr nicht nur die hohe Kunst der Dressur, sondern wurde ihr auch eine gute Freundin. Elisabeth schenkte ihr daraufhin ihr Lieblingspferd „Lord Byron“ und lud sie auf die feine Jagdgesellschaft in Ungarn ein.

Foto: gnm.de/museum/abteilungen-anlaufstellen/deutsches-kunstarchiv
Emilie Loisset

Auch Emilie Loisset (*1856, †7.1.1882) war eine Kunstreiterin aus dem Zirkus Renz und lehrte gemeinsam mit Elisa Elisabeth die Dressur. Als diese später in der Manege 25jährig tödlich verunglückte, war die Kaiserin zu Tode betrübt. Die Zeitungen schlachteten das Thema „Emilie, die Vertraute der Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, ist tödlich verunglückt“ weitgehendst aus.

Fräulein Elisa wurde von der berühmten Kunstreiterin Clara Rasch abgelöst, die sich häufig in Wien aufhielt und Elisabeth bis zur Weltausstellung 1873 unterrichtete.

Ebenfalls ein erlauchter und absichtlich provozierter Gast war die (damals noch) Lieblingsnichte von Kaiserin Elisabeth Marie Louise von Wallersee (*24.2.1858, †4.7.1940).

Marie wurde als „Bastard“ ihres Vaters Ludwig „Louis“ Herzog in Bayern (*21.6.1831, †6.11.1920) und der unstandesgemäßen und noch dazu jüdischen Schauspielerin Henriette Mendel (*31.7.1833, †12.11.1891) geboren.

Erst nachdem der Sohn, welcher nach 3 Monaten verstarb, geboren wurde, heiratete das Paar morganatisch und Louis verzichtete auf Titel und viel Geld.

Marie und Henriette wurden in weiterer Folge beide Vertraute von Kaiserin Elisabeth und waren sehr beliebt in der Familie.

Zumindest solange bis Marie Kronprinz Rudolf mit Mary Vetsera (*19.3.1871, †30.1.1889) verkuppelte. Das Drama ist hinlänglich bekannt. Danach wurde Marie vom Hof und aus dem Leben der Kaiserin verstoßen.

Doch noch war alles in Ordnung und Marie gerade einmal 15 Jahre alt. Sie war ein unglaublich hübsches Kind, was Elisabeth immer sehr zu schätzen wusste.

In weiterer Folge, wurde sie auch eine ganz besondere Freundin für die am 22.4.1868 geborene letzte Kaisertochter Erzherzogin Marie Valérie (†6.9.1924).

Marie war häufiger Gast bei Kaiserin Elisabeth und diese lernte ihr das Reiten. Schnell galt Marie als ausgezeichnete Reiterin, was ihre Tante natürlich äußerst stolz machte.

Marie wurde demnach zur Jagdgesellschaft geladen. Sehr zum Missfallen des hochnäsigen Adels in Ungarn. Einen „Bastard“ neben der Kaiserin, noch dazu eine Halbjüdin, war für manchen schwer zu ertragen. Auch wenn diese die Nichte war.

Manchmal machten sich die beiden einen Spaß aus ihrem Ausritt und Marie schrieb folgendes in ihr Tagebuch:

„Ich genoß in vollen Zügen die langen Ritte mit der Kaiserin, die bisweilen einen Gefallen daran fand, sich als Knabe zu verkleiden. Natürlich mußte ich ihrem Beispiel folgen; doch ich entsinne mich noch der Scham, die mich marterte, als ich mich zum ersten Mal in Hosen sah. Elisabeth bildete sich ein, daß diese verrückte Laune in Gödöllö nicht allgemein bekannt war; in Wahrheit sprach jedermann darüber. Nur Franz Joseph, glaube ich, hatte keine Ahnung von dem, was aller Geheimnis war.“ (4)

Schon bald waren sämtliche Details auch in Wien bekannt. Der Wiener Adel hatte wieder einmal einen Grund die feinen Nasen zu rümpfen und das Volk einmal mehr den Kopf zu schütteln.

Foto: hofreitschule.news
Kaiserin Elisabeth zu Pferd
mit großem Lederfächer

Doch Elisabeth ließ sich nicht beirren und machte auf Schloss Gödöllö weiter wie bisher.

Verzückt schrieb Marie in ihr Tagebuch:

„Dreimal in der Woche war Jagd“ Ach, es war herrlich!“ Elisabeth sah zu Pferde berückend aus. Ihr Haar lag in schweren Flechten um ihren Kopf, darüber trug sie einen Zylinder. Ihr Kleid saß wie angegossen, sie trug hohe Schnürstiefel mit winzigen Sporen und zog drei Paar Handschuhe übereinander; der unvermeidbare Fächer wurde stets in den Sattel gesteckt.“ (5)

Aber nicht nur auf der Jagd kam Marie ins Schwärmen, auch bei der Hohen Schule wusste sie, dass ihre Tante die Schönste war:

„Es bot einen reizenden Anblick, wenn Tante in ihrem schwarzsamtenen Kostüm ihren kleinen Araber rings um den Ring im Tanzschritt führte. Für eine Kaiserin war es freilich eine etwas ungewöhnliche Beschäftigung.“ (6)

Foto: Wikimedia/Commons
Prinz(regent) Luitpold

Als klein Valérie einmal die bayrische Verwandtschaft besuchte und auch Prinz Luitpold (*12.3.1821, †12.12.1912) (nach König Ludwigs II Tod Prinzregent) anwesend war, erzählte diese voller Stolz,

dass ihre Mama, jetzt schon mit dem Pferd durch zwei Reifen springen könne.

Von Herzog Max waren diese ja einiges gewöhnt und Ludovika verzog keine Miene, aber von der Kaiserin von Österreich?

Ernst Renz beriet Kaiserin Elisabeth bis Mitte der 70er Jahre beim Kauf ihrer Pferde. So wurden auch zwei Schimmel angeschafft, welche auf die entzückenden Namen „Flick und Flock“ getauft wurden.

Elisabeth trainierte die beiden persönlich in ihrer Manege und ließ sie sogar in Öl festhalten.

Bei der „Elisabeth – eine Kaiserin hoch zu Ross“ – Ausstellung 2017 im Sisi-Museum Wien, wurde das Bild gezeigt.

Foto: Dieter Nagl für SKB
Schloss Schönbrunn
die Schimmel Flick und Flock von Kaiserin Elisabeth
Bild: Wilhelm Richter, 1877

Elisabeth machte sich einen Spaß daraus und schockierte manchmal gerne ihr Publikum, welches sie von der Straße aus einlud. Flick und Flock wurden von verschiedenen Eingängen in die Zirkusmanege hinein gelassen und rasten auf die Kaiserin, die in der Mitte stand, zu.

Die Menschen hielten jedes Mal den Atem an. So schnell wie sie galoppierten, so schnell blieben sie auch knapp vor ihrer Herrin stehen, die ihnen Zucker für die herrliche Vorstellung gab. Dabei lachte die Kaiserin aus vollem Hals.

Es war wie in Ischl, Schönbrunn oder in der Hofburg. Wer mit Kaiserin Elisabeth sprechen wollte, musste dazu in die Reithalle.

Doch Elisabeth wäre nicht Elisabeth gewesen, wenn ihr nicht bald langweilig in Gödöllö geworden wäre.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bild im Privatbesitz, deshalb mit extra großem Logo – der Besitzer möchte nicht genannt werden
Kaiserin Elisabeth auf ihrem Dressurpferd Avolo
Bild: Wilhelm Richter, 1876

Ihre Jagd- und Reiterfolge waren so enorm, dass ihr die dreimalige Jagd in der Woche zu wenig erschien.

Noch dazu wo die Saison nur von Mitte September (nach der Ernte) bis am 3.11. (Hubertustag) dauern durfte.

Die damals noch dichten Wälder in Ungarn hinderten das Jagdkommando durch Gräben und Hindernisse zu springen, die Parforcejagd, wie England sie kannte, konnte in Ungarn nicht durchgeführt werden.

Als die Wiener Weltausstellung 1873 ihre Pforten öffnete, stand Kaiserin Elisabeth neben ihrem Gatten und schüttelte sämtlichen Ehrengästen die behandschuhten Hände.

Foto: Wikimedia/Commons
Eröffnungszeremonie der Wiener Weltausstellung 1873
mit Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth
Holzstich nach der Zeichnung von Vinzenz Katzlers, 1873
Foto: Wikimedia/Commons
Prince Edward

Einer der hohen geladenen Gäste war Prinz Edward von England (*9.11.1841, 6.5.1910).
Er schwärmte der Kaiserin von der Parforcejagd in seiner Heimat vor.

Parforcejagd

Im Buch von Martin Haller „Sisi Die Kaiserin im Sattel“ ist ein großes Bedauern zu lesen, dass es die Parforcejagd in England heute nicht mehr gibt. Er findet die

„Fuchsjagd als schonendste Form der Dezimierung des Fuchsbestandes“ (7)

Schon allein dieser Gedanke gruselt mich, denn als Tierschützerin, fiel mir immer gerade die Jagd der Habsburger ganz besonders schwer zu recherchieren oder davon zu berichten.

Sämtliche Schlösser die ich im Laufe der Jahre besucht habe, waren für mich persönlich immer bedrückend, wenn ich diese vielen Geweihe und ausgestopften Tiere sah.

Vor allem bei Erzherzog Franz Ferdinand, der 1 Million Tiere (!) abgeschossen haben will (lt. Aufzeichnung seiner Jäger) muss ich heute noch schwer schlucken.

Selbst Kaiser Franz Joseph, der selbst eine nicht minder beachtliche Abschusszahl hatte, ließ sich 1892 nur schwer zu dem unsinnigen „Distanzreiten von Wien nach Berlin“ überreden, da er es absegnen musste.

Monatelang weigerte er sich, bis er von allen Seiten belagert, überredet wurde.

Der Gewinner des Rennens, Wilhelm Graf Starhemberg (*30.10.1862, †18.5.1928), stand schließlich und endlich in Berlin ohne Pferd da. Zu Tode gehetzt fiel der wunderschöne Hengst Athos durch eine Verletzung nach einem Starrkrampf einfach um.

Danach verbot Kaiser Franz Joseph dieses Rennen endgültig.

Ich persönlich bin also froh, dass England die Hetzjagden auf Füchse (und Hirsche) – die dabei zu Tode gehetzt wurden – verboten hat. Martin Haller findet das in seinem Buch „beschämend“!

Par force (französisch) – heißt im übrigen: Gewalt – dieses Verbot kommt also nicht von ungefähr. 1934 in Österreich/Deutschland, 2005 England; alle anderen Länder betreiben sie noch!

Aber was war nun eine Parforcejagd?

Der Jagd“anführer“ saß auf seinem Jagdpferd, genannt „Hunter“ welcher die Jagd leitete. Selbstverständlich war die Jagd nur Reichen und geladenen Gästen vorbehalten. Wer also zu dieser Gesellschaft zählte, durfte und konnte sich glücklich schätzen.

England und Irland stellten dabei die schönsten Jagdgebiete zur Verfügung. England wurde zudem mit dem Spitznamen „Rote Röcke Jagd“ bekannt, da die Jäger dort ausschließlich rote Jacken trugen.

Es gab genügend Gräben, Hindernisse, Wälder und schwierige Routen.

Vor der Jagd wurde beim sogenannten „Meet“ aufgesessen und locker von Pferd zu Pferd geplaudert. Dabei bellten schon die Hunde vor lauter Aufregung und so manches Pferd zeigte seinen Willen, lospreschen zu wollen. Andere wieder nahmen das Ganze sehr gelassen auf.

Foto: Thaddäus Bien
Hundemeute bei einer Parforcejagd

Danach wurde zur Jagd geblasen und der Leithund heulte seinen typischen Jagdlaut aus. Dann ging es auch schon los. Die Pferde und Hunde preschten im Galopp voran und folgten den Hunden, die die erste Spur einer Fährte witterten.

Der Hunter ritt voran und führte die Gesellschaft an. Dabei durfte der Hunter nicht „überritten werden“. Dies zählte als schwerer reiterlicher Fehler und wurde vom Hunter bestraft. Schlimmstenfalls sogar mit dem Ausschluss der Jagd – was eine unglaubliche Schande in der Jagdgesellschaft darstellte. Im besten Fall wurde der/die Reiter/in vom Hunter schwer beschimpft (und musste sich dieses gefallen lassen).

Bei den sogenannten Stops, rasteten sich die Pferde in einem Halbschlaf aus, aus dem sie unfassbar schnell wieder erwachen konnten. Danach ging es sofort wieder weiter.

1-4 Füchse wurden pro Jagd aus ihren Bauten geholt. Zuvor wurden diese zugemacht, damit der Fuchs sich nicht in sein Erdloch verkriechen konnte. Die Hunde hätten ihn nämlich sonst nicht erwischt.

Waren die Hunde erst einmal hinter dem Fuchs her, hatte dieser kaum eine Chance. 1-2 Füchse wurden hintereinander gejagt, je nachdem wie die Fährten der Tiere aufgenommen wurden. Die Hetze durch die Hunde dauerte ungefähr 1 Stunde. Danach waren die Füchse (oder Hirsche) so erschöpft, dass die Hunde sie erwischen konnten und zubissen. Die meisten Füchse starben durch die Hunde, andere wurden erschossen.

7 Monate dauerte die Jagd in England, 5x die Woche fanden diese statt. Man kann sich also die Anzahl der zu Tode gehetzten Füchse selbst ausrechnen. Und das in nur einem Revier. Es gab unzählige – allein in England.

20-50 Jäger konnte eine Gesellschaft zählen, dazu ca. 200 Hunde. Manchmal sogar 500. Je nachdem wie groß die Gesellschaft tatsächlich war und wieviele Hunde die Besitzer hatten.

Nach dem Abschluss der Jagd ritt die Gesellschaft zum Landbesitz des Gastgebers zurück. Dort wartete bereits das Personal mit Sherry auf die Gesellschaft. Nach einer ordentlichen Erfrischung und Umziehen wurde zum Dinner geladen.

Foto: artnet.com
Kaiserin Elisabeth auf der Jagd in England
Bild: Julius Blaas (Wasserfarbe)

Elisabeth jedenfalls hörte Prince Edward interessiert zu und natürlich hatte sie nur noch eines im Sinn:

sie wollte zur Parforcejagd nach England.

Kaiser Franz Joseph stöhnte bei dem Gedanken natürlich auf. Seine Frau kam immer wieder auf Ideen, die ihn schier zur Verzweiflung brachten.

Sie wusste aber auch, dass, egal wie sehr Franz Joseph auch zetern würde, sie es immer schaffte, ihn umzustimmen.

Hinzu kam, dass ihre Schwester Marie (*4.10.1841, †19.1.1925), schon seit einiger Zeit das Parforcejagen kannte und Elisabeth anstachelte dies zu versuchen.

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Marie von Neapel
Foto: Wikimedia/Commons
König Francesco und Königin Marie von Neapel
(geschöntes Bild)

Getrennt von ihrem Ehemann König Francesco von Neapel (*16.1.1836, †27.12.1894) verbrachte die gelangweilte Marie ihr Exil hauptsächlich in Begleitung ihrer Schwester Kaiserin Elisabeth und/oder ihrer Lieblingsschwester Mathilde „Spatz“ Gräfin von Trani.

Ihre Lieblingsbeschäftigung war ebenfalls das Reiten, was sie aber bei weitem nicht annähernd so beherrschte wie Elisabeth.
Dies sollte später noch für einen Eklat sorgen, der schließlich zum Bruch der Schwestern führte.

1874 war es schließlich so weit. Um der Reise einen „offiziellen“ Grund zu geben, wurde eine Ausrede für die kleine Valérie auserkoren. Sie benötige „Seebäder“ und die Isle of Wight wäre dazu gerade richtig.

Foto: Wikimedia/Commons
Steephill Castle in Ventnor auf der Isle of Wight

Kaiser Franz Joseph wollte politische Schwierigkeiten vermeiden, weshalb die Reise inoffiziell blieb und Elisabeth als „Gräfin Hohenembs“ reiste.

Kaiserin Elisabeth und ihr Gefolge wohnte im Steephill Castle in Ventnor.

Da Elisabeth sich bei Queen Victoria (*24.5.1819, †22.1.1901) sehr kurzfristig anmeldete, welche ihren Sommer ebenfalls auf der Insel verbrachte, war diese sehr ungehalten.

Foto: Wikimedia/Commons
Princess Alix of Wales

Sie schrieb ihrer Tochter Victoria (*21.11.1840, †5.8.1901) folgenden Brief:

„Die Kaiserin bestand darauf, mich heute zu sehen. Wir sind alle enttäuscht. Ich kann sie nicht eine große Schönheit nennen. Sie hat eine schöne Haut, eine herrliche Figur, und hübsche kleine Augen und eine nicht sehr hübsche Nase. Ich muß sagen, da sie in grande tenue [große Aufmachung], wenn sie mit ihrem schönen Haar zu sehen ist, was zu ihrem Vorteil ist, viel besser aussieht. Ich finde Alix [die Prinzessin von Wales] viel hübscher als die Kaiserin.“ (8)

Doch Queen Victoria hatte sich offenbar völlig umsonst bei ihrer Tochter echauffiert.

Kaiserin Elisabeth war einen Tag zuvor schon bei Kronprinzessin Victoria und hatte diese – wie sollte es anders sein – ebenfalls brüskiert.

„Die Kaiserin von Österreich war gestern auch hier – sie wollte keine der angebotenen Erfrischungen annehmen. Aber nachher hörten wir, daß sie zum Hotel in Sandown ging und dort dinierte, was wir doch ziemlich sonderbar fanden. Sie sah nicht am allerbesten aus, und ich denke, ihre Schönheit hat seit dem letzten Jahr sehr nachgelassen, wenn sie auch noch immer hübsch ist! Sie war auch nicht zur ihrem Vorteil angezogen.“ (9)

Foto: Wikimedia/Commons
Kronprinzessin Victoria

Weiters ging es darum, dass Victoria ebenfalls Alix viel hübscher fand, aber …

„die Kaiserin ist pikanter als alle Damen, die ich jemals gesehen habe. Die schöne Kaiserin ist eine sehr sonderbare Person, was ihre Tageseinteilung angeht. Den größten Teil des Vormittags verbringt sie schlafend auf dem Sofa. Sie diniert um 4 und reitet den ganzen Abend ganz allein und niemals kürzer als drei Stunden lang und wird wütend, wenn irgend etwas anderes geplant ist. Sie will keinen Menschen sehen oder sich irgendwo sehen lassen.“ (10)

Einige Tage nach dem Besuch, reiste die Kaiserin nach London ab. Sie war äußerst beseelt darüber, dass die Straßen der Herrschaftshäuser leer waren, so konnte sie mit ihrer Lieblingshofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics unerkannt durch die Straßen laufen. Der Bericht zur Hofdame kann hier nachgelesen werden.

Zum einen wollte sie London besichtigen, zum anderen forderte sie Kaiser Franz Joseph auf, einige Pflichtbesuche abzustatten. Obwohl die meisten Adeligen auf Sommerfrische waren, blieben einige wenige zurück.

Foto: Wikimedia/Commons
Mary Adelaide Herzogin von Teck

So musste sie u.a. Mary Adelaide Herzogin von Teck(*) (*27.11.1833, †27.10.1897) besuchen. Nach dem Besuch schrieb sie einen amüsanten Brief an Franz Joseph:

„Sie ist „kolossal dick“. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Ich dachte mir die ganze Zeit: Wie muß sie im Bett ausschauen?“ (11)

Sie besuchte die Gestüte der Insel und sah wunderschöne Pferde, die sie nicht kaufen durfte. Als Kaiserin hätte sie niemals so viel Geld für ein Pferd ausgeben dürfen.

Völlig aufgelöst schrieb sie dem Kaiser:

„Das, was ich am liebsten haben möchte, kostet fünfundzwanzigtausend Gulden! Also natürlich unerreichbar.“ (12)

Gulden 25.000 = ca. € 311.599

Foto: Wikimedia/Commons
Lady Georgina Dudley

Doch wie es der Zufall so wollte, schenkte Lady Georgina Dudley(**) (*9.8.1846, †2.2.1929) Elisabeth das Pferd.

Kaiserin Elisabeth war entzückt, obwohl sie sich lange wehrte. Es war nicht üblich, dass solch teure und exklusive Geschenke gemacht wurden.

Lady Dudley gehörte in weiterer Folge immer zur Jagdgesellschaft rund um Kaiserin Elisabeth.

Foto: abebooks.co.uk
Charles Cecil Manners
6th Duke of Ruthland

Elisabeth schrieb mehrmals ihrem Mann und bettelte direkt, dass er nach London bzw. England käme, um sich auszuspannen. Er sollte jagen, das neue Pferd ausprobieren und bei ihr sein. Doch so sehr sie auch hoffte, Franz Joseph musste zu seinem Bedauern absagen. Sein Terminkalender ließ eine Reise nicht zu.

Als sie auf Schloss Melton ankam, um dort für einige Tage zu bleiben, lernte die Kaiserin nun endlich die richtige englische Jagd kennen. Ihre erste Parforcejagd stand an und Elisabeth war vom ersten Augenblick fasziniert und infiziert.

Charles Cecil Manners 6te Herzog von Rutland (*3) (*16.5.1815, †3.3.1888) war ihr Gastgeber.

Nun begnegnete sie zwei Brüdern, deren Nichte Kaiserin Elisabeth noch viele Sorgen und Probleme machen sollte.

Begleitet wurden die beiden von Königin Marie von Neapel, welche, finanziert, durch die Familie Rothschild ein feudales Leben führen konnte.

Foto: Wikimedia/Commons
Hector Baltazzi
Foto: Wikimedia/Commons
Alexander Baltazzi

Hector (*21.9.1851, †2.1.1916) und Alexander Baltazzi (*16.5.1850, †24.11.1914), galten als schwer reich und drängten sich dem Adel nahezu auf.

Sie waren die Brüder von Helene Freifrau von Vetsera geb. Baltazzi (*29.5.1847, †1.2.1925). Helene war niemand geringerer als die Mutter von Mary Vetsera. Einen weiteren Bericht, wo Helene ausführlicher erläutert wird, könnt ihr hier nachlesen.

Als Gräfin Festetics die Baltazzi Brüder kennenlernte, schrieb sie warnend in ihr Tagebuch:

„Man muss sehr achtgeben… Die Brüder gehen im Sport auf, reiten famos, drängen sich überall hin, sind für uns gefährlich, weil sie ganz englisch sind, und wegen der Pferde!“ (13)

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Gräfin von Festetics

Wie Recht sie behalten sollte, wusste natürlich zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Dennoch war Elisabeth unglaublich glücklich. Marie Gräfin von Festetics, Lieblingshofdame und enge Vertraute der Kaiserin notierte weiter:

„….. Der Herzog von Rutland hat dort seine Hunde und Ihre Majestät jagte dort das erste Mal auf englischen Boden. Die kleinen Jagderl früher, auf der Insel kann man das kaum Jagd nennen! …. Die zwei Tage waren so ermüdend, daß die Herrn alle todt waren und nur mit Mühe sich aufrecht hielten. Die Kaisern war ganz beschwingt, keine Spur von Müdigkeit. Wohl aber lachte Sie so herzlich über Tisza (Anmerkung Petra: Káláman Tisza (‚), ung. Ministerpräsident und Jagdbegleiter) der trotz des tapfersten Kampfes und enormen Respectes das Unglück hatte, ab und zu einzunicken! Die hellen Thränen perlten über Ihre rosigen Wangen! Die Ankunft war wie die Abreise, da lachte Sie auch so! (14)

Doch die Reise war zu Ende und Elisabeth musste mit ihrem Gefolge wieder nach Hause.

Ab sofort ritt die Kaiserin in Gödöllö und in Wien beinahe ununterbrochen, um noch besser zu werden.

Denn sie hatte nur ein Ziel:

sie wollte wieder nach England zur Parforcejagd.

Dazu engagierte sie den aus – woher sonst – England stammenden Reitlehrer und Stallmeister Allen, der von allen nur Mr. Allen (*/†unbekannt) genannt wurde. Er stachelte die Kaiserin zu immer weiteren und waghalsigeren Sprüngen und Ritten an.

Mit großer Besorgnis beobachtete dies Kaiser Franz Joseph und auch Hofdame Festetics.

Mr. Allen war eine Empfehlung von Marie von Neapel, der Marie von Festetics nichts abgewinnen konnte.

In ihrer Nähe war Elisabeth besonders beeinflussbar, schrieb diese in ihr Tagebuch.

Nicht nur, dass Marie Elisabeth in allem nachahmte, was die Kaiserin trug (Frisur, Kleidung), so musste sie auch so Reden, Stehen und Gehen wie diese.

Und natürlich wollte Marie auch so Reiten wie Elisabeth, wozu sie William „Bay“ Middleton (*16.4.1846, †9.4.1892) mehrfach versuchte anzuheuern. Doch ohne Erfolg.

Foto: Wikimedia/Commons
William „Bay“ Middleton

Der berühmte Jockey und Reiter ließ sich von der Adeligen reichen versnobten Marie nicht „kaufen“.

Noch dazu war Marie in seinen Kreisen als „lausige Reiterin“ bekannt.

Nicht nur, dass er die Königin nicht sonderlich mochte, so war Marie auch nicht gerne gesehen. Sie galt als versnobt, ließ sich von Fremden aushalten (der Familie Rothschild), hielt sich ihren eigenen Ehemann als „Dienstboten“ und ging mit allen anderen Leuten ebenfalls wie mit Dienstboten um.

Hofdame Festetics dazu in ihrem Tagebuch:

„Ihr König ist für sie, was für mich der Packelträger auf dem Bahnhof.“ (14)

Doch bevor Kaiserin Elisabeth wieder nach England abreisen konnte, passierte in ihrem Leben etwas Einschneidendes. Dies sollte ihr ganzes weiteres Tun komplett beherrschen und ab sofort war sie unabhängig(er).

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Ferdinand I.

Onkel Kaiser Ferdinand I. starb am 29.6.1875 (*19.4.1793) in Prag. Bis jetzt war Kaiser Franz Joseph von seinem eigenen Einkommen abhängig und Elisabeth von der Apanage ihres Mannes.

Nun aber erbte Franz Joseph ein immenses Vermögen und überließ Elisabeth gleich einmal

2 Milionen Gulden = ca. € 24.876.000

Trotz stetiger hoher Ausgaben, nahm die Kaiserin permanent hohe Geldbeträge ein.

Sie vermehrte ihr Privatvermögen, in dem sie in der Schweiz ein Konto einrichtete, eine Reihe Sparbücher anlegte und Aktien und Pfandbriefe kaufte.

Nun war sie von Kaiser Franz Joseph nicht mehr abhängig.

Sie kaufte die teuersten Pferde, die sie in der Monarchie Österreich-Ungarn auftreiben konnte und ließ sie für die Jagd in England ausbilden.

Um sich selbst noch darauf vorzubereiten, schob sie einen Reit- und Badeurlaub in der Normandie (Frankreich) ein.

Der kleine Staat hatte sich gerade gebildet und die politischen Querelen zu Österreich waren enorm.

Wieder musste die kleine Tochter Erzherzogin Valérie als Ausrede für das Wiener Volk herhalten. Die „kranke Erzherzogin müsse zur Kur“ stand in den Zeitungen zu lesen, weshalb die Kaiserin ins Ausland müsse.

Kaiser Franz Joseph war sehr unwohl, denn in der Normandie tummelten sich viele Anarchisten. Doch Elisabeth beschwichtigte ihn und meinte im Schlosspark von Schloss Sassetôt könne ihr nichts passieren.

Dass dies ein Trugschluss war, konnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

60 Personen, Pferde und natürlich Mr. Allen waren die Begleiter rund um Kaiserin Elisabeth als sie in Richtung Normandie aufbrach.

Die Vormittage waren für das Schwimmen im Meer reserviert, die Nachmittage für das Reiten. Dabei wurden im gesamten Schlosspark englische Hindernisse aufgestellt.

Foto: Repeated Originals via etsy shop
Badeanzug ca. 1872

Um die Gaffer, die sich auf den Klippen versammelten und zum Teil mit Fernglas hinabsahen und die schöne Kaiserin beim Baden beobachten wollten, eins auszuwischen, wurde eine List angewandt.

Diese wurde zuvor schon in England angewandt und hatte wunderbar funktioniert.

Kaiserin Elisabeth ließ schon in Wien mehrere exakt gleiche Flanellbadeanzüge anfertigen und so musste Gräfin von Festetics, Ida Gräfin von Ferenczy oder Fanny Feifalik im selben Badeanzug wie die Kaiserin am Badestrand vom Schloss Sassetôt baden gehen, während sich Elisabeth in eine geschützte Bucht zurückzog.

Ab 15.00 Uhr wurde im Park trainiert.

Mr. Allen trieb die Kaiserin jeden Tag zu neuen Übungen und zu noch waghalsigeren Sprügen an.

Hofdame Festetics wurde Bang bei den Sprüngen und hatte wirklich Angst um ihre Herrin.

Foto: france-voyage.com
ehemaliges Schloss Sassetôt, heute Hotel Château de Sissi

Mr. Allen ging zum Teil recht rüde mit den Tieren um.

Einmal wollte er der Kaiserin zeigen, wie er ein Pferd beherrscht und trieb es in die tosende See.

Dieses weigerte sich jedoch beharrlich, worauf Mr. Allen wütend wurde.

Mit 3 Paar Sporen auf den Fersen und einem schweren Peitschenhieb trieb er das Tier in die Wellen. Das Tier bäumte sich allerdings auf, sodass Mr. Allen vom Pferd stürzte und unterging.

Kreidebleich beobachtete Elisabeth diese Szene und beruhigte Marie von Festetics. Nie und nimmer, würde sie so etwas nachahmen. Das Pferd hat die Strapaz übrigens überlebt. Es rettete sich selbst ans Ufer und Mr. Allen wurde vom Bademeister aus den Wogen gezogen.

Doch am 10.9.1875 passierte ein schwerer Unfall, der beinahe zum Tode der Kaiserin führte. Und wer das Datum nun gelesen hat, kann es vielleicht als Omen betrachten.

Hier möchte ich noch einwerfen, dass in allen (!) historischen Büchern (ob alt oder neu) der Unfall mit dem Datum 11.9.1875 angegeben wird. Marie von Festetics beginnt ihre Aufzeichnung aber eindeutig mit „gestern“ und dies war nun einmal der 10.9.1875.
Hinweis: Ich habe deshalb ausnahmsweise im Zitat das Wort „gestern“ Fett markiert.

Ich lasse nun Marie von Festetics, die das ganze Geschehen notiert und persönlich miterlebt hatte, selbst erzählen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildauszug
Kaiserin Elisabeth hoch zu Roß

„Sassetôt, 11. September 1875

Ein schrecklicher Tag gestern, ich kann mich heute noch nicht faßen. In der frühe, vielleicht 10 Uhr, rief die Kaiserin zum Fenster herauf meinen Namen. Zu meinem Erstaunen war Sie im Reitkleid, was gegen Ihre Gewohnheit war, da Sie täglich baden ging, Sie sagte, Sie würde im Parke ein neues Pferd das Mr. Allen Ihr recommandiert, probiren, daher nicht baden. Wir sollten darum nur alle wie gewöhnlich zum Meere gehen, Sie brauchte nichts, da Sie nicht aus dem Garten gehen würde. So gingn wir allesamt, ich nur wegen der Gesellschaft, da ich ja nicht baden darf.
Ich sezte mich auf eine Bank und schaute den Wellen zu. Wie lange, weiß ich nicht, als ich plötzlich von einer zitternden Stimme aus meinen Traum geweckt wurde. „Madame, kommen Sie schnell, im Park ist ein Unfall passiert!“ Wie schnell ich bei Wiederhofers (Anmerkung Petra: Leibarzt Ihrer Majestät) Cabine war, weiß ich nicht. In der nächsten Secunde waren wir schon im Wagen und fuhren wie rasend dahin, kein Wort kam über unsere Lippen. Beim Parkthor stand jemand, der etwas rief, was, weiß ich jezt noch nicht, aber beide verstanden wir: „Es ist zu spät!“
Wir faßten uns an den Händen, mir kam es vor, daß mir das Herz zersprang. In einer Weile in vielleicht 1/2 Minute, es war uns wie eine Ewigkeit, erschienen wir auf den Platz.
Sie lebte! Der Anblick war aber schrecklich. Sie lebte, dem allmächtigen Gott sei tausend tausend Mal gedankt! Wie ich zu Ihr kam, weiß ich auch nicht, aber auf den Knien lag ich vor Ihr faßte Sie bei den eisigen Händen, die krampfhaft den Hut hielten. Sie saß regungslos kerzengerade auf einem Fauteuil, todtenbleich, auf der Stirne ein Fleck, ganz zerstört und geistesabwesend, ihre lieben schönen Augen ganz glanzlos und stierten gräßlich!
Wie ich alles sehen konnte in dem Momente, wo mein Herz vor Schreck und Weh gar nicht klopfte und ich das Gefühl hatte, es riße mir etwas im Kopfe. Mr. Allen hielt ein Parasol über Sie, der Bischof stand schlotternd neben ihr. Wiederhofer sagte: „Sprechen Sie zu Ihr, damit ich beobachten kann, wie’s um das sensoriren steht.“ Die Stimme aber wollte nicht kommen. Wiederhofer wiederholte und drängte, endlich kam es über meine Lippen: „felséged szenved?“ Wiederhofer: Reden’S deutsch!“ – „Eure Majestät, leiden Eure Majestät?“
Ihre Augen hingen starr in der Luft, als ich um Antwort bat, bewegte sie die Augen und schaute aber ganz abwesend in die meinen. Endlich war es lebendiger. Die Todesqual hatte mir Thränen in die Augen getrieben und ich wiederholte meine Bitte: „Bitte Eure Majestät, kennen Eure Majestät auch nur ein Wort?“
Da bewegte sich etwas in dem Auge, ich sah, Sie erkannte mich, aber konnte nicht sprechen. Endlich sagte Sie tonlos, kaum hörbar: Bitte Marie, weinen Sie nicht, das tut mir weh. Ich war so glücklich, so glücklich, aber ach!
Es war nur ein Moment, dann folgte wieder Schweigen, bis Sie endlich wieder fragte: „Aber was ist passiert?“ – „Eure Majestät sind mit Ihrem Pferd gestürzt.“ Nach einer langen Weile, man sah, Sie wollte sich erinnern, sagte Sie: „Aber ich bin nicht geritten.“
„Ja, Eure Majestät“. – „Wie spät ist es?“ – Halb elf, Majestät“. – „Früh? Da pflegte ich nicht zu reiten.“ – Eure Majestät haben ein Pferd probirt!“ – „Nein, ich erinnere mich nicht, und dann?“ – „Stürzten Eure Majestät.“ – „Aber ich bin nicht geritten!“
Dann schaute sie sich an und sah, daß Sie ein Reitkleid anhabe. „Natürlich schaut es so aus, aber wo ist das Pferd?“ – „Ist davon gelaufen, Eure Majestät.“ – Da kam ein Gesicht, so abwesend, schrecklich, dann endlich wieder, furchtbar langsam. „Ich wünsche das Pferd zu sehen.“
Es dauerte dann eine Weile, bis es kam. Es war mit solcher Wucht gefallen, daß die Beine zerschunden waren. So fragte Sie: „Aber warum ist sein Knie blutig?“ – „Vom Sturze, Eure Majestät“. – „Ach ja, natürlich, das kann stimmen, nur daß ich mich nicht erinnere. Gibt es keine gelben Rüben?“
Die Rüben wurden geholt, Sie wollte sich erheben, konnte aber nicht ein Glied rühren. Da fing Sie an zu glauben und fragte: „Und wo ist Valérie? Und der Kaiser? Und wo sind wir, was machwn wir in Frankreich?“
Ich antwortete fort und fort, so ruhig ich konnte. Es war, als ob wir allein auf der Welt wären.
Sie bemerkte die Leute gar nicht, erinnerte sich gar nicht, schwieg eine Weile, dann sagte sie: Wenn es stimmt, daß ich stürzte, dann bin ich ein Trottl.“
Und nun fragte sie fort, wie ein Kind: „Bleibe ich jetzt immer so dumm, immer so ein Trottel?“
Wiederhofer betrachtete Sie unaufhörlich mit seinen klugen, beredten Augen. Dann hob man Sie in den Wagen.
Ich sezte mich neben Sie, fasst Sie um die Taille, Sie lehnte sich schwer an mich, ich wagte kaum zu athmen. Der Wagen setze sich in Bewegung, Wiederhofer ermahnte mich aufzupaßen, den Kutscher, ja recht langsam zu fahren, und so sezten wir uns in Bewegung. Auf einmal sagte Sie: „Jetzt erging es mir so wie vor Kurzem dem armen Gemeinsamen [Außenminister]. Sie nannte Andrássy so. „Er fühlte sich genau so wie ich. Oh mein Gott, sagen Sie mir bitte, daß Sie nicht glauben, daß ich so bleibe, weil ich mich fürchte, ein Trottl zu bleiben!“
Ich nam mein Courage zusammen und sagte: „Eure Majestät, wer sich davor fürchten kann, ist ganz bei Sinnen! Der Kopf Eurer Majestät ist benommen, aber anderes fehlt Ihnen nicht. Der Gemeinsame [Außenminister] ist auch nicht so geblieben und Eure Majestät stürzten nicht einmal halb so schwer wie er.“ Das wirkte tröstend. Sie schwindelte fort, sagte aber, wie der Wagen stehen blieb: „Bitte den Kaiser nicht zu erschrecken und ihn vorsichtig in Kenntnis setzen und man soll bedenken, wie er sich erschrickt.“ Nun trug man Sie in Ihr Zimmer. Ida und Nopcsa (Anmerkung Petra: ihre Vorleserin und ihr Obersthofmeister) standen todtenbleich da. Die Armen waren im Meer und hörten erst, als sie heraus kamen, was geschehen war.
Mit Eisumschlägen, wahnsinnigen Kopfschmerzen, Übelkeiten, eine schlechte Nacht!
Gegen Morgen stellte sich Schlaf ein und heute liegt Sie tief im Bette, aber mit den alten Augen und klarem Kopf, wenn auch noch mit Schmerzen. Seiner Majestät wurde ein Bericht zusammen gestoppelt. „Die Wahrheit und doch nicht erschrecken“, das ist schwierig, besonders wenn einer die Verantwortung zu tragen hat. … (15)

Historiker Conte Corti beschrieb den Unfall, welche eine Nacherzählung von Kaiserin Elisabeth persönlich war und ihm von Marie von Festetics erzählt wurde, wie folgt:

„Ein neues Pferd ist gekommem. Allen hat es vorher zuviel abgeritten. Bei einer kleinen, niedrigen Hecke, die die an ganz andere Sprünge gewöhnte Elisabeth für nicht achtete, macht ihr Pfed auf einmal einen übertrieben großen Satz, strauchelt und fällt auf die Knie. Elisabeth wird mit solcher Gewalt heruntergeschleudert, daß die Sattelgabel abbricht. Besinnungslos bleibt sie auf dem Rasen liegen. Der brave heimische Bereiter Bayzand steht am anderen Ende des Sprunggartens und wartet, bis die Kaiserin durchkommt. Auf einmal sieht er das Pferd reiterlos, stürzt hin und findet Elisabeth regungslos am Boden liegen. Alle sind beim Baden, nur Gräfin Festetics nicht.“ (15a)

Anmerkung Petra: Kaiserin Elisabeth erinnerte sich später wieder an den Unfall und erzählte ihrer Mari – die sie immer so schrieb – am 29.9.1875 den Unfallhergang. Als Conte Corti seine Biografie verfasste sprach er noch mit Gräfin Festetics, die ihm somit aus erster Hand von dem Unfall erzählen konnte. Warum bei ihm ebenfalls der 11.9.1875 als Unfalltag angegeben ist, ist mir daher unbegreiflich. Er hatte Zugang zu Briefen, Tagebücher und vielen Dokumenten, die bis heute entweder unter Verschluss sind oder durch den 2. Weltkrieg vernichtet wurden (Idas Elisabeth Museum in Budapest).

50 Mal wurde das Telegramm an Kaiser Franz Joseph stilistisch verändert, bis man es schließlich abschickte.

Am 16.9.1875 kam Fanny Feifalik (*28.1.1842, †14.7.1911) auf die Idee ihr die Haare aufzumachen und auszubürsten, was einen Rückfall auslöste und Elisabeth wieder mit enormen Kopfschmerzen, Übelkeit und Sprechstörungen zurück ins Bett sank.

Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901) (Anmerkung Petra: Marie von Festetics schrieb ihn mit „ie“, Dr. Widerhofer schrieb sich jedoch nur mit „i“) war so besorgt um Kaiserin Elisabeth, dass er ihr nur noch eine Nacht zur Besserung gab.

Wäre dies nicht eingetreten, hätte Elisabeth anderntags ihre Haarpracht verloren. Dr. Widerhofer hätte diese abrasieren lassen.

Erschrocken darüber schrieb Gräfin von Festetics:

„Wenn sich der Kopf in 24 Stunden nicht bessert, müßen die Haare herunter! Mir schaudert. Ich habe das Gefühl, Ihre Haare seien etwas „besonderes“ und würden gemordet! Ihre Haare, die schönen, welligen, schimmernden Haare, schrecklich! Das wäre zu grausam!! Der Puls ist so schwach. Ich, wir, Ferenczy (Anmerkung Petra: Vorleserin Ida) und ich, verbringen die Tage auf den Stufen vor der Thüre, auch faßt die ganze Nacht. Je größer die Ruhe um Sie, desto besser für Sie.“ (16)

Foto: Wikimedia/Commons
Julius „Gyula“ Graf Andrássy

Kaiser Franz Joseph war außer sich, als er das Telegramm erhielt und wollte sofort in die Normandie.

Außenminister Julius „Gyula“ Andrássy (*8.3.1823, †18.2.1890) hielt ihn wegen der politischen Probleme mit Frankreich zurück.

So schrieb dieser rührende Briefe an seine Engels-Sisi. Als sie diese empfing, weinte sie vor Freude. Denn Elisabeth wollte nur noch eines: nach Hause

„Dem allmächtigen Gott heißen Dank, daß es soweit ist. Ich kann den Gedanken nicht ausdenken, was geschehn hätte können. Was sollte ich auf der Welt ohne Dich, den guten Engel meines Lebens?“ (17)

Doch bevor die Kaiserin endgültig nach Wien zurückkehren durfte, musste noch ein Anstandsbesuch beim Präsidenten in Paris abgehalten werden. Diesen überstand sie mit Bravour, da es ihr schon viel besser ging.

Als sie in Wien ankam, stieg sie schon wieder aufs Pferd. Der einzigen, der sie Zeit ihres Lebens das Reiten verbot, war ihrer Tochter Erzherzogin Marie Valérie.

„Zu gefährlich“

befand die überfürsorgliche Mutter.

Dass sich aber alle Sorgen ihretwegen machten, nahm sie nicht ernst.

„Da sieht man, daß gerade das geschieht, was einem Gott bestimmt.“ (18)

Diesen Ausspruch tätigte Elisabeth einige Tage zuvor, als diese mit ihren Hofdamen und ihrem Obersthofmeister, am 29.9.1875 die Kapelle des verunglückten 32jährigen Kronprinz Ferdinand Philippe von Orléans (*3.3.1810, †13.7.1842) besuchte.

Im November 1875 starb ihr Lieblingshund Shadow, um den sie unsagbar trauerte. Sie ließ ihn im Garten von Schloss Gödöllö begraben und einen Stein errichten.

Shadow war eine Dogge und kein Wolfshund!

Foto: artvee.com
Dogge SHADOW
Bild: Ölgemälde Carl Reichert, 1873
Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig II, 1874

Ein kleine Anekdote am Rande rund um Shadow: =>

Shadow musste einmal als Ausrede herhalten, um König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886) loszuwerden der Kaiserin Elisabeth lästig wurde, da er sie auf Schritt und Tritt verfolgte. Sie bat Marie von Festetics dem König auszurichten, dass Shadow keine fremden Menschen möge und „bissig“ sei. Der König blieb traurig fern, konnte es kaum fassen und Elisabeth ging allein mit Hund und Marie spazieren.

Im März 1876 konnte sie ihr Reisefieber nicht mehr verbergen und nun endlich ging es nach England zur Jagd.

Foto: John Fielding
Easton Neston in Towcester, Northants

Untergebracht war sie mit ihren Pferden und ihrem Gefolge in Easton Neston, in Towcester, Northants. Schon am nächsten Tag war die erste Jagd.

Wieder waren die üblichen Verdächtigen dabei. Die Baltazzi Brüder und noch so einige Namen, die hier jetzt nur für weitere Verwirrung stiften würden, würde ich sie alle auflisten.

Das Schloss selbst wurde wieder einmal von Marie von Neapel bewohnt und wurde in weiterer Folge von Elisabeth „belagert“.

Foto: Wikimedia/Commons
John Poyntz
5. Earl of Spencer

Bei einer der Jagden lernte sie John Poyntz 5. Earl of Spencer (*27.10.1835, †13.8.1910) kennen. Er war ein Vorfahre von Lady Diana (*1.7.1961, †31.8.1997).

Nun war es auch für Elisabeth so weit, endlich auf William „Bay“ Middleton zu treffen.

Allerdings wollte der so gar keine Notiz von ihr nehmen. „Wieder ein weiteres Weib im Sattel“, so ähnlich wird er wohl gedacht haben. Er galt zwar als vollendeter Gentleman, wenn es um Damen ging und soll auch ein zärtlicher Liebhaber gewesen sein, was seine zahlreichen Liebschaften beweisen, aber auch ein Rüppel in seiner „Männerdomäne“.

Doch die englische Jagdgesellschaft hatte größte Bedenken und Angst um die Künste der schönen Kaiserin und so stellte der Lord Bay als Hunter für Elisabeth ein.

Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen und anfangs weigerte er sich sogar.

Wie schon bei Marie von Neapel, lehnte er aus Interesselosigkeit ab. Eine Dame aus dem Adel wollte er partout nicht führen.

Kaiserin Elisabeth kam die Art wie Bay über sie sprach zu Ohren und hatte von Anfang an größten Respekt vor ihm.

Einmal ein Mann der nicht vor Ehrfurcht erstarrte, nur weil sie vor ihm stand.

Dass ausgerechnet Bay Middleton ihr noch zum Verhängnis werden sollte, konnte sie jetzt noch nicht ahnen.

Doch nicht alle in ihrem Umfeld, vor allem die Herren, waren der Gleichgültigkeit verfallen. Es gab einige die sich teilweise sogar um die Gunst der Kaiserin stritten und um ihre Aufmerksamkeit buhlten.

Foto: Nationalbibliothek.at
Kaiserin Elisabeth
jung, schön und erfrischend
so wurde sie beschrieben

Sehr zum Missfallen von Kaiser Franz Joseph natürlich, der weit weg in Wien war und zum Teil besorgniserregende Briefe seiner „Berichterstatter“ bekam.

Elisabeths Charme, sowie generell ihre Begleitung waren heiß begehrt. Bis zu 100 Teilnehmer hatte eine Jagdgesellschaft und die Besucher die am Rande der Jagd standen waren auch nicht von minderer Anzahl.

Jeder wollte die schöne und einzigartige

Kaiserin von Österreich sehen.

Elisabeth hatte sichtlich ihren Spaß und versteckte sich nicht.

Marie von Festetics stöhnte auf. Die Teilnehmer würden alle 3 Tage reiten,

„Wir reiten jeden Tag“ (19)

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferenczy

Doch der Aufenthalt 1876 war nicht allzu lange und Bay Middleton spielte noch keine große Rolle in Elisabeths Leben.

Zwar gewann er einen Silberpokal, den diese stiftete und die Kaiserin ganz aufgeregt beim Rennen beobachtete, aber ansonsten war ihr jeden Tag ein anderer Hunter zugeteilt und täglich eine andere Jagdgesellschaft im Gange.

Aufgeregt schrieb Elisabeth ihrer liebsten Freundin, welche nicht nach England mitkommen konnte, Ida Gräfin von Ferenczy (*7.4.1839, †28.6.1928).

Sie war als „Vorleserin“ bei Hofe engagiert, da ihr Adelsstand nicht dem entsprach, dass sie Hofdame werden konnte. Mehr über das Hofzeremoniell und wie man Hofdame oder Vorleserin wurde, gibt es hier.

„Easton Neston
Towcester, am 26.3.1876

…… Was glaubst Du, blieb mir Plato (Anmerkung Petra: der neue Hund nach Shadow) treu, wird er sich auf mich freuen und der Alte bleiben? Wie oft dachte und sehnte ich mich nach ihm. Ich weiß nur, dass ich ihn sehr liebe und kaum erwarten kann, ihn wieder zu sehen. …
Die 2 neuen Kleider sind fast schon abgetragen, [oft] genug wälzten wir uns auch in ihnen! Von der Märzsonne und [dem] Wind bin ich so braun geworden wie ein wilder Hase, mein Gesicht ist voll Sommersprossen, wenn mein Fleisch einmal irgendwo schlecht war, jetzt aber nicht mehr. …… ….. u.s.w
Es küsst Dich
Elisabeth
(20)

Am 5.4.1876 traf Kaiserin Elisabeth wieder in Wien ein.

Ohne mit der Wimper zu zucken, bezahlte Kaiser Franz Joseph die Kosten von

Gulden 106.516,93 = ca. € 1.347.488,11

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Freiherr von Nopcsa

Obersthofmeister Ihrer Majestät Franz Freiherr von Nopcsa (*15.3.1815, †24.6.1904) berichtete Kaiser Franz Joseph voller Stolz, dass es keine bessere Reiterin auf der Welt gäbe, als die Kaiserin. Und er fügte noch hinzu: und nur wenige Herren.

Derweil zog der September ins Land und nach einigen Reisen Elisabeths, weilte sie nun in Gödöllö.

Die Jagdsaison hatte in Ungarn begonnen und sehr zum Verdruss der Ungarn wurde Bay Middleton eingeladen.

Auch der Kaiser kam nach Gödöllö und fand den Piloten sehr sympathisch.

Foto: Wikimedia/Commons
Miklós Pál Graf Esterházy de Galántha „Sport-Nikki“

Doch weniger sympatisch fand ihn Elisabeths bester ungarischer Pilot und Freund Miklós Pál Graf Esterházy de Galántha (*5.12.1839, †7.5.1897) genannt „Nikki“ oder auch „Sport-Nikki“. Ihm passte die Einladung nach Gödöllö überhaupt nicht.

Jeder wollte natürlich der „Hunter“ sein und beinahe stritt man sich um die Gunst der Kaiserin.

Amüsiert über Bays schlechtes Deutsch, der viele Wörter verwechselte, dafür aber kein ungarisch sprach und die Ungarn natürlich kein englisch, wurde es schwer für ihn Anschluss zu finden.

Prompt ging bei dem Besuch etwas schief. Bay, der sich fürchterlich in Ungarn langweilte, besuchte eines Tages ganz allein Budapest.

Da er abgängig war, ließ Elisabeth die Polizei einschalten. Eine sehr peinliche Situation für die Königin von Ungarn. Man fand einen völlig betrunkenen Bay in einem Freudenhaus. Zu dem hatte man ihn ausgeraubt.

Elisabeth tobte, Bay lachte und nahm das Ganze selbst nicht so ernst. Da nur Elisabeth Englisch sprach, war es für ihn natürlich nicht so einfach, sich mit den ohnehin hochnäsigen ungarischen Reitfreunden der Königin zu unterhalten.

Als Weihnachten kam, waren auch Herzog Ludwig in Bayern, seine Henriette und Marie geladen, welche mittlerweile 18 Jahre alt und zu einer wahren Schönheit herangewachsen war. Elisabeth herzte sie über alle Maßen.

Und wieder war es Marie von Festetics, die einen gewissen Riecher hatte, was Marie von Wallersee, später dann Gräfin Larisch anging:

„28.9.1876 Gödöllö

„ich möchte sie gernhaben, sie gefällt mir manchmal, aber, aber was? Es ist etwas, was mich hält, ich traue mich fast nicht, es zu schreiben, aus Angst, ihr unrecht zu tun. Ich habe das Gefühl, recht zart will ich’s schreiben, als ist sie nicht wahr, nicht aufrichtig, als hätte sie „schauspielerisches Talent“. (21)

1877/8 sollte die nächste Reise nach England stattfinden.

Diesmal durfte der 19jährige Kronprinz Rudolf sie begleiten, was leider im Desaster endete.

Es ist auch jenes Jahr, welches das engültige Aus für die Schwestern Elisabeth und Marie besiegelte.

Foto: Wikimedia/Commons
Cottesbrooke Hall, Northants

Silvester verbrachte die Gesellschaft in Claridge, danach ging es weiter nach Northamptonshire.

Im Landhaus Cottesbrook wohnte man diesmal für ganze 6 Wochen.

Lord Spencer war der Eigentümer des Landes, auf dem Elisabeth wohnte. Sein Schloss war in unmittelbarer Nähe.

Gräfin Festetics war unwohl, als sie zu Silvester in Claridge ankam. Sie hatte große Angst um Elisabeth, da sie wusste, dass diese 6 Wochen eine enorme Strapaz werden würden. Und sie wusste, dass viele Teilnehmer zu Sturz kamen, sich das Genick brachen und/oder das Pferd ebenfalls zu Tode kam. Ihre Tagebucheinträge sind besorgniserregend.

Zu dem hatte sie wieder einmal eine Ahnung was Marie von Neapel angging.

Als Gräfin Festetics erfuhr, dass sich die Kaiserin diesmal ausschließlich nur von Bay führen ließ, wusste sie, dass dies für Eifersucht bei Marie sorgen würde.

„London, Silvester 1877

… Sie nähert sich nie Ihrer Majestät, ohne etwas im Schilde zu führen. Entweder wenn sie die Kaiserin braucht, um sich zu schützen, denn Sie hat einen niedern Ruf, oder aber wenn Sie die Kaiserin etwas vergülten will. Ich zittere schon, was heuer wieder sein wird. Ich glaube, Sie hat den C.G. (ihren Liebhaber, Anm.) satt und Sie wird auf Middleton los gehen, weil es sie ärgert, daß dieser exquisite Reiter, der nie eine Dame führt, Ihre Majestät führt. Was sie da ausdenken wird, um Ihrer Majestät ihn auszureden, auf das bin ich neugierig! Die Kaiserin fürchtet sich vor ihr und läßt sich doch beeinflussen von der bösen herzlosen Frau! Das sind schöne Sylvestergedanken, ach!“ (22)

Wie weit es tatsächlich kommen würde, konnte selbst Marie nicht ahnen.

Foto: Wikimedia/Commons
Bay Middleton – das Pferd von dem Bay Middleton wahrscheinlich seinen Spitznamen bekam

William „Bay“ war um 9 Jahre jünger als Elisabeth und schwer taub. Wie genau er zu seinem Spitznamen kam, konnte kein/e Historiker/in genau erforschen. Angenommen wird, dass es entweder sein rotblondes Haar war, dass wie eine „Bay“ (englisch für Bucht) schimmerte oder nach dem Pferd „Bay Middleton“, welches beim Epsom Derby 1836 als Sieger hervorging.

Elisabeth verbot ihrem Sohn Rudolf das Jagen zu Pferde, da er nicht die Übung und das Können hatte, wie sie.

Sie ritt jeden Tag über Stock und Stein, Hindernisse, Wassergräben, jagte Füchse, Hirsche und andere Tiere. Die Hetzjagden an denen Elisabeth täglich teilnahm kannten kein Ende.

Mit jedem Aufsitzen wurde Marie von Festetics bang. Beinahe täglich kam es zu schweren Stürzen, auch Tote waren dabei.

Kaiser Franz Joseph hörte indes die schlimmsten Berichte und ihm wurde in Wien Bange. Elisabeth beschwichtigte ihn immer wieder. Ihr gehe es gut und sie sei voller Freude und Elan.

Und das war sie auch wirklich.

Bay feuerte sie täglich zu mehr an. Er war der beste Pilot und der beste Reitlehrer den sie je hatte. Niemand anderer schaffte es, die Kaiserin herumzukommandieren.

Bay Middleton hatte die Kaiserin aber auch im Griff. Sein Ton war manchmal hart und die Gesellschaft staunte nicht schlecht, wie er mit ihr sprach. Doch Elisabeth nahm dies weder mit Besorgnis zur Kenntnis, noch war sie böse. Im Gegenteil. Genauso wollte sie es.

Mit ihm wurde sie noch besser. Tagtäglich nicht nur schneller und höher, sondern auch noch weiter und sie kamen als Erste ins Ziel.

Wenn Bay stürzte, wartete Elisabeth zwar geduldig auf ihn, zappelte jedoch auf ihrem Pferd hin und her, da sie immer nah bei den Hunden sein wollte. Je schneller die Hunde, desto schneller wurde sie.

Foto: britainsbestguides.org
Kaiserin Elisabeth und Bay Middleton bei der Jagd in Ungarn
Bild: Ölgemälde Julius Blaas, 1878

Die Kaiserin war wie besssen. Sie liebte diese Herausforderungen und nahm sie täglich aufs Neue an.

Nur durch Bays Hilfe wurde sie zur besten Reiterin der Welt. Für eine Dame ihres Standes etwas einzigartiges, bisher nie dagewesenes.

Marie von Festetics beschrieb die einzigartigen Szenen wieder einmal in ihrem Tagebuch:

„Ihre Majestät geht, oder besser gesagt jagt faßt jeden Tag, wenn nicht mit dem hiesigen „Pack“, so mit den andern der Nachbarschaft. Spencer sind auch zu erreichen, und alle alten Bekannten finden sich ein. Das Leben ist aber ermüdend, wenn man nicht mit ganzer Seele dabei sein kann.
Jeden Tag um 9 geht es zum „meet“, was wohl ein reizender Anblick ist! Diese schönen alten Wohnsitze mit den prächtigen Parkanlagen! Auf den herrlich grünen Wiesen das bunte, unbeschreiblich belebte Bild der Jäger in ihren rothen Röcken auf den schönen, vor Erregung faßt zitternden Pferden! Die Damen, die Kinder auf Ponies, die hübschen lustigen Hunden mit ihren verschiedenen braunen Flecken! Ihre Bändiger mit der Peitsche und dem Horn! Der Master, wie ein Regent mit stoischer Gleichmut um sich blickend! Das ist vor dem Hause.
Innen in der Hall über die Tische, mit den feinen Linnen, altem Silber, schönem Glas, Procellan, biegen sich unter der Last der Festschätze! ….
In das Gewühl hinein erschien Sie, „die fairy Queen“, wie man Sie auch nannte, wie mit einem Zauberschlag verstummt, alles in leiser Ehrfurcht beugt und neigt sich jeder! „Her Majesty“, „the Empress“ hört man sagen. Alles will Ihr Lächeln sehen und ein freundlich gnädig Wort, einen Blick erhaschen. Ich bin stolz wie ein Pfau und fêtirt natürlich bis in’s Lächerliche! Dann wird Ihre Majestät zu dem für Sie bestimmten Gemach geleitet. Da arrangirt Sie sich nach der Fahrt noch, nimmt zu sich, was Sie braucht, und wenn alle sellig, tritt Sie heraus.

Sie ist im Nu oben, dann sezt sich’s in Bewegung, und nach einem lezten lieben Blick (nie geht Sie, ohne noch einmal zurück zu mir zu blicken) geht es im Schritte weiter. Ich falte jedesmal die Hände mit er bangen Frage: Wie kömmt Sie wieder und kömmt Sie??“ (23)

Doch wüsste Marie von Festetics, dass sich Elisabeth genau das wünschte, dass sie nicht mehr heimkäme, hätte sie wohl dafür gesorgt, dass sie nicht mehr aufs Pferd stiege. Sofern sie das gekonnt hätte.

Denn manchmal, ganz insgeheim, wünscht sich Elisabeth den Tod:

Warum kann ich mir bei einem Hindernis nicht das Genick brechen und ein für allemal Schluß machen? (24)

Doch sie kam zum Glück immer heil nach Hause.

„Die Ruhepause ist wohltuend, obwohl die Zimmer eisig kalt sind! Meist gegen 7 kommen wir heim! Wie glücklich ich bin, wenn Sie wieder im Wagen ist. (25)

Marie von Festetics

An einem Abend kam es mit Kronprinz Rudolf (*22.8.1858, †30.1.1889) zum ersten Eklat. Bay und Kronprinz Rudolf besuchten einen Ball des deutschen Botschafters im Carlton House Terrace (“) in London.

Als ein gemeinsamer Freund den Reitlehrer und Hunter Ihrer Majestät dem Kronprinzen vorstellen wollte, stand dieser wortlos auf, drehte sich um und ging ohne einen Gruß zu hinterlassen davon.

Kaiserin Elisabeth kam dieser Fauxpas ihres Sohnes zu Ohren und verzieh ihrem Sohn die Brüskierung ihres besten Freundes niemals. Generell verhielt sich ihr Sohn nicht wie ein Gentleman in England.

Er war eifersüchtig, trank zu viel und die ganze Aufmerksamkeit galt wieder einmal seiner schönen Mutter, während er leer ausging.

Foto: Wikimedia/Commons
Kronprinz Rudolf hoch zu Ross
Ölbild: Tadeuz Ajdukiewicz

Schon ein Jahr zuvor, gab es einen großen Eklat um ihren Sohn.

Während einer Jagd in Ungarn, hatte er aus reiner, ignoranter und boshafter Unachtsamkeit einen Treiber erschossen und die Familie lediglich mit einem lächerlichen Beutel Gulden abgegolten.

Seit dem war Kronprinz Rudolf in Ungarn nicht mehr gern gesehener Gast, weshalb ihn Elisabeth auch nicht zu ihrer Ungarn-Jagdgesellschaft mit Bay Middleton und Nikki Esterhazy eingeladen hatte. Sie wollte Tumulte und Missverständnisse in der Bevölkerung vermeiden.

Natürlich tuschelte die Gesellschaft bald, denn ein rüpelhafter Kerl wie Bay, noch dazu mit zweifelhaftem Ruf und vielen Geliebten, stand im Verdacht ein Verhältnis mit der schönen Kaiserin zu haben.

Doch Elisabeth hatte nichts anderes im Sinn als zu Reiten und Bay wusste dies auch. Vielleicht war er heimlich in sie verliebt – das waren viele Männer rund um sie.

Sport-Nikki hatte nie geheiratet und man nahm immer an, dass seine Liebe der Kaiserin galt.

Ab Februar 1878 nahm nun der endgültige Bruch zwischen Marie und Elisabeth seinen vollen Gang auf.

Ich lasse wieder Marie von Festetics erzählen, denn wie so oft, sind es die Zeitzeugen, die die besseren Worte haben, als es jede/r Historiker/in es vermag. Zuvor aber gab es noch eine Charakterstudie über Marie von Neapel:

„COTTESBROOK, FEBRUAR 1878

„Die lieben Menschen sind alle fort! Reitend, fahrend, laufend und zu Fuße auch. Ich sollte auch mitfahren, aber ich habe den Muth nicht, fürchte mich immer, es geschieht etwas. Ich werde geholt und wenn ich nicht da wäre, weil ich mich unterhalten ging, ich wäre verzweifelt. Ich bin ja nur für Sie da! Also noch einmal zur Königin (Anmerkung Petra: gemeint ist Marie von Neapel, Elisabeths Schwester)! Sie war also gut, aber dabei ist sie immer so „ablehnend“ gegen mich. Ich habe das Gefühl, sie weiß es, daß ich ein schweres Herz auf Sie habe und daß ich sie kenne. Ich kenne sie auch in ihrer herzlichen Berechenheit und ihren Neid. Schon wie sie den König (Anmerkung Petra: gemeint ist Marie von Neapels Ehemann Francesco) behandelt: alles für sich und er darbt, raucht schlecht, erlaubt sich keinen Träger auf der Eisenbahn. Wirklich, mit blutendem Herzen sah ich ihn in London sein Handkofferl selber tragen! Und sie?? Sie reitet, jagt, und kleidet sich hoch elegant, hält eine Friseurin! Seine Herren haßen sie, trotz ihrer großen Schönheit. Die Augen sind wirklich sehr schön, der dunkle Augenstern ist so schön auf diesen bläulichen Grund, und wie sie die dunklen Wimpern langsam hebt, es ist wie eine Erbauung, diesen schönen Blick zu sehen.
Und doch fehlt ihr die Lieblichkeit und Güte meiner Kaiserin, Ihr schönes Lächeln. Die Königin hat eine spitze Nase und ein spitzes Kinn, es fällt mir unwillkürlich das alte Sprichwort ein: „Spitze Nase, spitzes Kinn, da sizt der Teufel mitten drin.“
Wie sie wo erscheint, spürt man es. Sie hezt die Kaiserin und trübt Ihr den lauteren Sinn. Leider kömmt sie öfter herab und ich weiß auch, warum. Mich hezt sie fortwärend auf Middleton und faßt es nicht, daß wir ihn nicht hinausbeißen, weil er zu tollkühn reitet ect. ect. Dabei aber wollte sie, daß er sie führt, bis Ihre Majestät kömmt, was er höflich ablehnte mit dem Bermerken: Es ist mühsam jemanden zu führen, der nicht ein perfekter Reiter ist.“ Er sagte es mir selbst. Zuerst war sie unfreundlich, jezt erneuert sie ihre Bestechungsversuche. […]
In London traff Sie (die Kaiserin, Anm.) den Kronprinzen für einige Tage, er kam mit Bombelles. Es waren ihm zu Ehren kleine Diners und sogar eine kleine Soirée, die faßt ein schlechtes Ende genommen hätte.
….
Der Kronprinz war agressive, Bombelles wurde heftig, mit großer Mühe konnte ich des Kronprinzen habhaft werden, aber es gelang. Den Tag früher war er so grob mit Middleton, daß dieser abreisen wollte. Als ich im kleinen kaiserlichen Salon allein mit ihm war, sagte ich: „Ich erkenne Kaiserliche Hoheit gar nicht, die englische Luft schlägt Kaiserliche Hoheit nicht gut an.“ Er lachte und dann schüttete er wie ein Kind sein Herz aus, halb zornig, halb betrübt. Mit Thränen in den Augen sagte er, er bereue, daß er nach England gekommen sei. Er habe seine schönsten Illusionen verloren und fühle sich zu Tode verletzt und unglücklich. Natürlich fragte ich: „Ja, Kaiserliche Hoheit, was ist denn geschehen?“ – „Und Sie fragen mich, Sie gerade, die…“
Weiter kam er nicht, denn ich sah ihn so erstaunt an, daß ihn das zur Besinnung brachte. Er fuhr dann ruhiger fort und erzählte mir aber das Infamste, was ich je gehört. Ich war sprachlos, aber das Erstaunen und die Indignation über solche Lüge muß so deutlich gesprochen haben, daß er, ehe ich noch den Mund öffnete, wie um sich zu entschuldigen heraus fuhr: „Die Tante Marie hat es mir gesagt.“ – „Umso desto niederträchtiger“ sagte ich eisig, obwohl es kochte in mir. „Ja, aber warum hat sie mir’s gesagt, wenns’s nicht wahr ist, und sie war so lieb, so gut und hat mich wirklich gern!“ – „Kaiserliche Hoheit, das sehe ich an dem, was sie Kaiserlicher Hoheit erzählt.“ – „Ist alles ein Lüge?“ – „Ja, Kaiserliche Hoheit, ein Märchen mindestens, ich gebe Kaiserliche Hoheit mein Wort darauf!“ (26)

Foto: ÖNB
Kronprinz Rudolf, 1880

Was ihr Kronprinz Rudolf erzählte, schrieb Marie von Festetics nicht auf, denn sie wollte dies – sollten jemals ihre Tagebücher an die Öffentlichkeit geraten – nicht in den falschen Händen wissen. Sie schloss diesen Beitrag mit folgenden Sätzen:

„Wenn das die Kaiserin wüßte.
Nun der Rest verlief dann friedlich, aber mir ist wirklich bange vor London, wo wir dieses Weib wieder treffen.“ (27)

Ich möchte kurz erwähnen, dass sich Kronprinz Rudolf und Hofdame von Festetics Zeit seines Lebens sehr schätzten. Wann immer es ihm möglich war, holte er sich von Marie Rat oder Trost, wenn es um seine Mutter ging. Schon als Buben tröstete ihn die Hofdame über so manche Trennung von seiner Mama hinweg. Es war also nicht verwunderlich, warum er sich Marie von Festics mit diesem Thema anvertraute.

Doch der Wunsch der treuen Hofdame und Gefährtin erfüllte sich nicht. Obwohl Conte Corti schrieb, dass Elisabeth nie erfuhr, wer die Intrige sponn, war am 25.2.1878 im Tagebuch von Marie von Festetics folgendes zu lesen:

„Wien, 25. Februar 1878

Alles wieder im alte Geleise. 23. hier angekommen, erwartete Seine Majestät die Kaiserin – und mit welcher Freude – am Bahnhofe! Und Sie? Ist auch wieder froh mit dem Mann zu sein, kam aber mit der größten Enttäuschung heim. In Dover bei der Promenade, wärend der Einschiffung und Einwagonirung, erzählte Sie mir, was ich in London schon halb wußte: daß die Königin einen abscheulich Pantsch gemacht (ein Verhältnis angefangen, Anm.), der durch Mr. Baridge, den amerikanischen Zahnarzt, Ihrer Majestät zu Ohren kam, da die Königen diesen ihren Freund, den sie auch der Kaiserin octroyirte, als den Passendsten fand, es weiter zu geben! …..
Die Kaiserin Elisabeth ist aber nicht die Königin, „she dropped him“ und befragte die Königin. Bei der Gelegenheit erfuhr Sie, daß ich davon wiße, was ich nicht leugnete. Es mir schrecklich schmerzlich, ich hätte es Ihr gern erspart. Es war mir in London furchtbar gewesen zuzusehen, wie sehr die Kaiserin im Banne dieser Schwester ist, die immer hezt. Als mir Ihre Majestät damals sagte, „was Rudolf der Königin über seine Mutter gesagt hatte“, konnte ich mich nicht enthalten zu sagen „Eure Majestät glauben das doch nicht, er hängt ja so sehr an Eure Majestät. Wie würde er so eine Bemerkung machen? Er kennt ja die Königin kaum, und wenn, wie würde ich das der Mutter sagen?“
Ich sah, daß Sie Thränen in den Augen hatte, und ich sagte: „Eure Majestät, erinnern sich Eure Majestät an Easton und all die Comödien?“ „Ja“, sagte sie, „aber die Königin hat mich so gerne.“ „Trotzdem würde ich das nicht glauben. Sie zog den Kronprinzen an sich, überhäufte ihn mit Lieb und Zärtlichkeit, und dann zog sie ihn auf ihre Seite und machte aus vielleicht etwas Unbedeutenden einen so häßlichen Tratsch. Eure Majestät, ich erlaube mir, Eure Majestät zu bitten, ein bisschen auf der Huth zu sein.“ Die Kaiserin wurde roth bis unter die Haare und sagte kurz: „Sie mögen die Königin nicht“ Und ich antwortete sehr ruhig: Nem felséged“ („Nein, Eure Majestät) …..
Wie leid ist mir um Sie. Sie ist immer das Opfer Ihrer Geschwister, deren Einfluß wäre es, fern als möglich zu halten. Ihre Majestät kömmt mir vor wie die Cenerentola und die 3 bösen Schwestern (Anmerkung Petra: gemeint waren Marie, Mathilde „Spatz“ und Sophie d’Alençon): sie sind voll Neid! Wenn sie etwas brauchen, drängen sie an Sie heran, schimpfen und verlästern alles, was ihre Stellung Ihr eben gibt, möchten aber alle Vortheile Ihrer Stellung eben für sich ausnutzen. Ist das geschehenso weit und eben möglich ist, denn die Kaiserin ist eine generöse Natur und empfindet, was Ihr alles zur Disposition steht und ihnen nicht, und und ist dann bemüht, ihnen zu helfen. Haben Sie erreicht oder nicht erreicht, ziehen sie schmollend oder aber befriedigt zurück und es ist abgekühlt, bis sie wieder etwas ersinnen, was Ihr Mühe schafft. Eigentlich kennt Sie sie, ist aber doch immer Spielball. Alle Unerquicklichkeit, alles, was Ihr dann das Herz beschwert, kommt von ihnen.“ (27a)

Die Ungeheuerlichkeit, dass Kaiserin Elisabeth den Tratsch von ihrem Zahnarzt erfahren musste, schlug für sie beinahe dem Fass den Boden aus. Jenen Zahnarzt, der ihr von ihrer Schwester aufgedrängt wurde. Elisabeth tobte.

Danach stellte sie sowohl ihre Schwester zur Rede, danach ihren Sohn.

Es nahm sie unglaublich mit, dass ihr eigener Sohn diesen Tratsch glaubte. Sie fand dies unglaublich beschämend und zog sich traurig zurück.
Ihren Sohn fand Elisabeth als hitzköpfig und vergab ihm bald. Schließlich war er erst 19 Jahre alt. Doch bei Marie von Neapel sah das ganz anders aus. Ihr vergab sie nie wieder.

Foto: Wikimedia/Commons
Mathilde „Spatz“ Gräfin von Trani

Von nun an, ging sie ihrer Schwester so gut sie konnte aus dem Weg.
Als sich noch Mathilde „Spatz“ Gräfin von Trani (*30.9.1843, †18.6.1925) Lieblingsschwester von Marie und natürlich ebenfalls eine Schwester von Elisabeth, einmischte und zu Marie half, sprach Elisabeth auch mit ihr jahrelang kein Wort mehr.

Doch „Spatz“ näherte sich in den 80er Jahren wieder durch eine Entschuldigung an. Das Verhältnis wurde wieder besser. An Marie jedoch, verlor die Kaiserin von Österreich nie wieder ein Wort.

In solchen Dingen war sie unbeugsam und unverzeihlich.

Sogar an die in Ungarn verbliebene Ida ließ Elisabeth ihren Groll aus:

„Cottesbrook Park, Northampton

Mir scheint Du leidest an Faulheit, dass Du kein einziges Mal geschrieben hast. Oder Du unterhältst Dich so [gut]? Ich habe meine Zeit wenigstens verbraucht, um ehrlich zu arbeiten.
Gott mit Dir, entsetzlichen Spleen [Gemütsverstimmung, Anm.] habe ich heute
Herzlichst umarmt Dich
Elisabeth“ (28)

Noch 8 Jahre später dichtete Kaiserin Elisabeth über den Vorfall:

Nordsee Lieder, 1886 

P.S.

Sie haben mein Dasein verbittert
Sie haben mein Leben vergällt, 
Und endlich den Glauben erschüttert
An allem, was gut auf der Welt. 

Es haben zwei Schwestern betrogen
Mich einst auf die schändlichste Art
Und Schwüre, noch falsche gelogen
Mit Herzen, so frech und so hart. 

Doch was ich erst jüngst ausgestanden, 
wo glücklich sonst andere sind, 
Bei nahen ud nächsten Verwandten, 
Das wissen nur ich und mein Kind. (29)
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Franz Karl
Lithographie: Josef Kriehuber, 1850

Nun waren auch die 6 Wochen um und Kaiserin Elisabeth nahm wieder Abschied von England. Am 23.2.1878 kam sie am Bahnhof in Wien an und Kaiser Franz Joseph holte seine „Engels-Sisi“ sogar persönlich ab.

Doch schon bald ereilte das Paar ein Schicksalsschlag. Der Vater bzw. Schwiegervater Erzherzog Franz Karl starb am 8.3.1878. Sein Beitrag kann hier nachgelesen werden.

Nun war Elisabeth die Jagd in England vergangen. Im Sommer kamen Lord und Lady Spencer nach Ischl zu Besuch. Dabei erwähnte der Lord die wunderbare Jagdsaison in Irland.

Um ihrer Schwester Marie zukünftig aus dem Wege zu gehen, bereitete Lord Spencer alles für die kommende Jagdsaison im Jahre 1879 in Irland vor.

Währenddessen trainierte Bay 9 ihrer hochtrainierten teuren Pferde in England. Doch die Pferde waren englische Jagden gewohnt und englische Hindernisse. In Irland waren mehr Wälle zu überspringen und keine hohen Gatter.

Um die teuren Pferde an die irischen Jagden zu gewöhnen, ließ Bay sie nach Irland bringen und überwachte dort streng die Ställe, das Futter und das Training.

Foto: Dorotheum.com
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeht auf der Jagd in Göding (heute Hodonin/Südmähren)
Bild: Julius Blaas (wurde in seinem Nachlass gefunden)
2017 versteigert; befindet sich nun wieder im Privatbesitz

Das nächste Problem war das Gewicht der Reiter. Die Pferde waren das ultraleichte Gewicht von Elisabeth gewöhnt, weshalb 3 ihrer teuren Pferde beim umtrainieren starben. Die Kaiserin war außer sich.

Es herrschte gerade Krieg in Bosnien und die Kaiserin von Österreich musste teure Jagdpferde für ihren Irland Aufenthalt kaufen. Das kostete der Monarchie sehr viele Sympathiepunkte und handelte der Kaiserin wieder so manches Kopfschütteln am Wiener Hof ein.

Obwohl sich England mit Irland gerade in einer tiefen Krise befand, war dies für Kaiserin Elisabeth kein Grund nicht zu reisen. Sie wollte reiten und jagen und sonst nichts.

Im Nachhinein gesehen, dürfte ihre Jagdpassion und -affinität eine Art Provokation an Kaiser Franz Joseph gewesen sein.

Obwohl Kaiserin Elisabeth für den Ungarn-Ausgleich 1867 verantwortlich war und Kaiser Franz Joseph nur wegen ihrem Einfluss zum König von Ungarn wurde, hielt er seine Frau aus politischen Sitzungen und Dingen komplett heraus und holte sich auch keinerlei Rat von ihr.

Dies nahm Elisabeth beleidigt zur Kenntnis und zeigte ihm, dass ihr ab sofort poltische Verhältnisse rund um die Monarchie völlig gleichgültig waren:

sie gab Unmengen an Geld aus, sie war beinahe ununterbrochen auf Reisen und Politik spielte in ihrem Leben keine Rolle mehr.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Das berühmte „E“- Monogramm von Kaiserin Elisabeth
Schwäbischen Jungfrau, Wien

Im Jänner 1879 fuhr Kaiserin Elisabeth Richtung Irland. Ida blieb wieder zu Hause, Marie von Festetics kam ein paar Tage später nach, da sie ihren todkranken Bruder besuchen und später beerdigen wollte/musste. Am 25.1.1879 kam auch sie in Irland an, da waren 2 Jagdtage schon vorbei gegangen.

Das irische Volk war begeistert die Kaiserin von Österreich zu Gast zu haben. Aus Dankbarkeit ließ Elisabeth bei jeder sich bietenden Gelegenheit weiße Taschentücher mit dem „E“-Monogramm fallen, welche heute noch in den Familien wie ein Schatz aufbewahrt werden.

Gewohnt wurde im Schloss Summerhill, Meath von Lord Hercules „Paddy“ Edward Rowley 6th Baron Langford of Summerhill (*4) (*1.6.1848, †29.10.1919), welcher ein langjähriger Freund von Lord Spencer und Bay Middleton war.

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Summerhill, Irland
Foto: npg.org.uk
Lord Hercules „Paddy“ Edward Rowley
6th Baron Langford of Summerhill

Der zweite Brief, den Elisabeth aus Summerhill schrieb, ging an ihre Vertraute Ida von Ferency:

„Summerhill, Enfield, Co. Meath, Ireland,
den 24. Februar 1879

Meine geliebte Seele!

Mein erster Brief nach der Reise war an Valérie, nach der ersten Jagd muß er aber an Dich sein, denn ausserdem, daß Du Dich freuen wirst zu hören, daß es mir gut gegangen ist, wirst Du auch neugierig sein zu wissen, wie die Jagd selbst war. Vom Meet ritt man sehr kurz in eine Wiese, wo die Hunde gleich fort giengen wie bei uns, wenn Hirschjagd ist. Nur waren weniger Hunde, zwischen 12 und 14 Koppeln, klein, nicht sehr schön. Ungefähr 108 Reiter, nur ein, zwei im rothen Frack. Es ist hier nicht chique zur Hirschjagd roth zu kommen, sondern wie Cubhunting Costume. Eine einzige Dame sah ich einmal auf der Straße zu Pferde nur zuschauen. Kaum daß die Jagd anfing, waren auch schon Gräben wie bei uns, nur tiefer und breiter. Ich ritt ein neues Pferd zu ersten Mal, und da es anfangs in die Hand gieng, mußte ich meine eigene Linie nehmen wie auf Laky, was hier nicht so schwer ist, da es wie bei uns, mehr offen ist. Wie ich es aber ganz in der Hand hatte, folgte ich Captain Middleton. ….. ,es gab sehr viel zu springen, viele stürzten. Der Boden ist prachtvoll, lauter Gras, hie und da nur etwas tief, nach all dem Schnee.
……..
Und nun gute Nacht, es ist 1/2 9 und morgen muß ich früh aufstehen. Schreibe mir auch ausführlich über die Gödinger Jagden. Ich danke Valérie für ihren lieben Brief, der mich so freute. Bitte schicke diesen auch an Rudolf.
Mit 1000 Küssen Deine Euch liebende Sisi
Rudolf und Valerie umarme ich auch innigst“ (31)

Elisabeth schrieb unzählige Briefe an Ida. Doch wenn man sich die durchliest, so ganz glücklich wirkte sie trotz allem nicht. Sie war nicht so unbeschwert wie in England.

Dies lag auch daran, dass Bay die Hindernisse und den schweren Parcours nicht so ritt, wie in England. Er stürzte öfter als sonst, einmal überschlug er sich sogar. Elisabeth musste die Jagd öfters früher abbrechen. Zu dem spielte auch das Wetter nicht immer mit.

In Irland wurden mehr hohe Drops, tiefere Gräben und Doubles gesprungen, als in England. Dies stellte zahlreiche Reiter vor große Hürden. Tagtäglich brachen sich mehrere Teilnehmer sämtliche Knochen, Pferde das Genick oder die Beine. Auch Menschen verunglückten tödlich.

Elisabeth strahlte auf ihrem Pferd „Domino“, ein wunderschöner Rappe, als wäre sie nie etwas anderes geritten als irländische Parforcejagden. Dennoch hörte sie auf, sobald ihre Hunter stürtzten oder die Pferde nicht mehr konnten.

Marie von Festetics stieß Stoßgebete in den Himmel. Sie war noch besorgter um Ihre Majestät, als in England. Die Angst machte sie schier wahnsinnig.

Am 2.3.1879 kam der Maler John Charlton (*28.6.1849, †10.11.1917) um sich die Jagd anzusehen. Dabei ist eines meiner persönlichen Lieblingsstahlstiche von Kaiserin Elisabeth entstanden.

Zur Überraschung meinerseits hat Historikerin Beatrix Meyer nun herausgefunden, dass Elisabeth entgegen aller bisheriger Annahmen und Berichte sämtlicher Historiker/innen doch noch Kontakt mit Schwester Marie gehabt hatte.

Ob sie nun selbst noch Briefe schrieb oder anderweitigen Kontakt suchte, konnte ich in keinem Buch herausfinden, da alle vorliegenden Bücher von einem Kontaktabbruch schreiben.

Im vorliegenden neuen Buch „Kaiserin Elisabeth ganz privat“ kann man folgende Zeilen an Ida lesen:

„Summerhill, Enfield, CoMeath, Ireland.
Mittwoch, 26.Februar 1879

Meine geliebte Seele!
……
Bitte schicke meine Briefe auch an Marie [Schwester der Kaiserin, Anm.], ich kann nicht extra noch schreiben, und sie möchte Nachrichten von mir. Ich danke ihr für ihren Brief, hoffe sie ist wieder ganz wohl. Sie soll mir schreiben.
Mit 1000 Küssen Deine Euch liebende Sisi.“ (32)

Anmerkung Petra: Hier ist meiner Meinung nach nun größerer Aufklärungsbedarf.

Am 12.3.1879 um 2.00 Uhr morgens brach die Hölle über Szeged/Ungarn herein. Ein Hochwasser überflutete die gesamte Stadt und 60.000 Menschen wurden obdachlos, 70 % der Stadt wurden zerstört.

Die Monarchie stand vor einer menschlichen Katastrophe und die Königin von Ungarn weilte in Irland zur Jagd.

Foto: Wikimedia/Commons
Queen Victoria

Dieses Unglück nahm Kaiserin Elisabeth zum Anlass um früher abzureisen und einen hohen Bogen vor dem unliebsamen Besuch in London bei Queen Victoria zu machen.

Natürlich schrieb sie vorher noch einen halb süffisanten Brief an ihren Gatten, dass sie Geld sparen wolle, in dem sie sich die hohe Hotelrechnung in London ersparen würde.

Bei Ausgaben von

Gulden 158.337,48 = ca. € 2.079.317,90

wären die Hotelkosten auch schon egal gewesen.

Kaum in Wien fanden die Feierlichkeiten zum 25. Hochzeitstag statt. Der Bericht kann hier nachgelesen werden.

Während des Jahres reiste Kaiserin Elisabeth natürlich mehrmals und ritt weiterhin in Gödöllö zur Jagd oder übte Dressur.

Kaum war ihr 42. Geburtstag und Weihnachten vorbei, trieb es sie schon wieder nach Irland zur nächsten Jagdsaison.

Die Vorbereitungen für die nächste Irlandreise waren im vollem Gange, als Kaiser Franz Joseph Elisabeth verbot nach Irland zu fahren. Wenn schon eine Jagdreise, dann wenigstens nach England.

Jetzt wurde fieberhaft nach einem Anwesen gesucht, dass Elisabeth zu Gesicht stand.

Foto: letsgetitshot.co.uk via combermereabbey.co.uk
Combermere Abbey

Gefunden wurde es durch Zufall durch einen Hofbediensteten.

Lord Wellington Stappleton-Cotton 2nd Viscount of Combermere (*5) (*24.11.1818, †1.12.1891) stellte sein imposantes Combermere Abbey – eine ehemalige Abtei – zur Verfügung, da er selbst nach Westindien reiste.

Dieses ließ sie jedoch vorher nach ihren Wünschen umbauen.

Foto: pictorialpast.co.uk
Lord Wellington Stappleton-Cotton
2nd Viscount of Combermere

Hauskapelle, Turnsaal, Telegraphenapparat um mit Kaiser Franz Joseph im Kontakt zu bleiben, ein eigener Wartesaal für das extra verlegte Zuggleis, da Elisabeth unter gar keinen Umständen vom gemeinen Volk gesehen werden wollte, elektrische Klingeln für das Personal durch das ganze Haus, eine eigene Treppe in die Küche, um Mahlzeiten einzunehmen, wann immer sie wollte usw.

Kaiser Franz Joseph kam für alle Unkosten auf. Was blieb ihm auch anderes übrig? Er selbst bestand ja auf die Reise nach England.

Bay sorgte zwischenzeitig wieder für die Umtrainierung der Pferde auf die englischen Hürden und schaffte diese nach England.

So fuhr sie am Wiener Bahnhof mit

40 Tonnen „leichtem“ Gepäck

im Februar 1878 los. In Bayern lag noch Schnee, in England wehte ein milder Frühlingstag um Elisabeths zarte Knochen. Schon am nächsten Tag saß sie mit Bay als Hunter im Sattel.

Am 13.3.1881 schrieb sie an Ida:

„…..
Gestern hatten wir eine außerordentlich gute Jagd gehabt, zwar stürzte ich, doch war ich in einer Minute schon bei den Hunden, wie der Rote [William „Bay“ Middleton, Anm.] sagte, bekam ich verdient den wertvollen Schwanz.
….
Es küsst und grüßt Dich
Elisabeth (33)

Doch diese Reise stand unter keinem guten Stern für Elisabeth und Bay. Bay ritt so scharf, dass er so schwer stürzte, dass sich das Pferd das Genick brach. Elisabeth traf dies hart. Sie setzte sogar einen Reittag aus, konnte diese Szene kaum verarbeiten.

Danach flaute ihre Reitleidenschaft wohl ab.

Obwohl sie 1882 noch einmal nach England reiste (wieder nach Combermere Abbey), war nicht mehr Bay ihr Hunter.

Seine Verlobte Charlotte Baird (*/unbekannt), mit der er seit 1875 verlobt war, hatte sich nicht mehr hinhalten lassen und bestand auf sein Eheversprechen. Ihre Eifersucht auf die schöne Kaiserin war so enorm, dass sie Bay verbot, mit Elisabeth jemals wieder zu reiten.

Als Hunter wurde ihr deshalb Major Rivers-Bulkeley (*/unbekannt) zur Seite gestellt. Doch ab diesem Augenblick wollte Elisabeth mit dem Jagdreiten nichts mehr zu tun haben. Es machte ihr von einem Tag auf den anderen keinen Spaß mehr.

Sie packte ihre Sachen und verließ ohne ihre Pferde und ohne zurückzuschauen England für immer.

Sie sah weder Bay jemals wieder, noch ihre Pferde. Diese wurden verkauft, die Gestüte wurden aufgelassen.

Foto: myheritage.co.uk
Gedenkstein Bay Middleton, Unglücksstelle Edgehill in Kineton, Victoria (GB)

Bay heiratete am 25.10.1882. Er starb wie er lebte. Schnell und am Pferd. Er stürzte am 9.4.1892 – kurz vor seinem 46. Geburtstag – am Edgehill in Kineton am „Parlamentarischen Hindernis“ so schwer, dass er sich das Genick brach. Seine Tochter Violet war zu dem Zeitpunkt 6 Jahre alt.

Charlotte von jeher von tiefer Eifersucht auf Kaiserin Elisabeth derartig gequält, schmiss alle Erinnerungsstücke, bis auf ein paar Kleinigkeiten, in den Ofen.

Die erste Gedichtspassage, die ich für Bay finden konnte, befindet sich im Gedichtband „Nordsee Lieder“ aus dem Jahr 1885.

(Anmerkung Petra: das Gedicht hat einige Vorpassagen, die ich weggelassen habe) 
Das Kabinet.

...

Genug, er sei nicht genannt... 
Ich tret' ans vierte Fell; 
Der ward aus West' mir zugesandt, 
Ein drolliger Gesell'! 

Rostfarben war mein Freund Langohr, 
Sein Wiehern hell und laut, 
And never was he sick, nor sore, 
But jumped and pranced about. 

... (33a)

Im Gedichtband Winterlieder, im Gedicht „Allerseelen“ ist Bay eine weitere Gedichtpassage gewidmet, die ich hier ebenfalls vorstellen möchte. Auch hier musste ich kürzen, da die anderen Zeilen, nichts mit Bay zu tun hatten.

Ischl, August 1887

Allerseelen

...

Ich seh' dich noch, mein treuer Freund, 
Und deine tollen Sprünge;
Ich habe auf den Kranz geweint
Vor lachen, den ich bringe. 

Der letzte Kranz, das letzte Grab, 
Die Wallfahrt wird beendet; 
Es ist der schönste, den ich hab';
Und der sei dir gespendet. (34)

Einer der vielen Sättel Ihrer Majestät und eine Reitgerte.

Im selben Jahr gab es noch einmal ein Gedicht an ihre langjährige Reitleidenschaft. Auch dieses Gedicht ist stark gekürzt.

An die Zukunftsseele, 1887

...

Einst jagt' ich rastlos hin auf dieser Erde, 
End ward mir selbst der weiße Pusztasand, 
Das Meer trug mich und meine stolzen Pferde
Hinüber bis an Erins grünen Strand. 

Fast ging die Seele mir dabei verloren; 
Es war mein Rasen ohne Ruh' und Rast; 
Doch eine andre hatte sie erkoren, 
Von dieser ward auf ewig sie umfaßt. 

Das Pferd, dies irdisch Kleinod meiner Seele, 
Durch höhre Mächteward es mir vertauscht; 
Es trat das Flügelroß an seine Stelle, 
Und meine Seele flog man wie berauscht. 

... (35)

Und natürlich gab es auch ein Wehklagen an ihre verlorenen Tiere.

Bereits 1885 im Gedichtband Nordsee Lieder erzählte sie im Gedicht „Jauss“ jene Geschichte, die in den 1870er Jahren in Ungarn auch tatsächlich geschehen ist.

Jauss.

Ich hatt' einst einen Vollbluthengst,
Ein stolzes, schönes Tier; 
Dahingegangen ist er längst, 
Mit ihm des Stalles Zier. 

Der bockt die schlechten Reiter all'
Mit Gusto auf den Bauch, 
Doch nicht genug an ihrem Fall, 
Er trat und biss dann auch. 

Ich denk' jetzt eben her und hin, 
als ich mein Buch durchlas...
Wie kam der Hengst mir in den Sin, 
Und was bedeutet das? (35a)
Foto: Wikimedia/Commons
Tassilo Graf von Festetics de Tolna

Im Gestüt von Tassilo Graf von Festetics de Tolna (*2.6.1813, †7.2.1883) (ein Verwandter von Marie), nahe Gödöllö, stand ein Pferd, welches nicht gezähmt werden konnte und jeden Reiter abwarf. Zudem war er bissig und trat bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Der Schlachter sollte das Pferd abholen.

Elisabeth hörte von dem Pferd und ließ sich zu ihrem Jagdfreund bringen, der sie im übrigen auch auf die England- und Irlandreisen begleitete.

Tassilo und noch weitere Personen waren beunruhigt, als Ihre Majestät mit ruhigem Schritt in die Box des wilden Pferdes ging und es behutsam anfasste und auf ihn einredete. Ganz langsam beruhigte sich das Pferd.

Sie ließ es satteln und ritt mit ihm langsam aus der Box. Dieses wiederholte sie 2-3x. Danach ließ sich das Pferd auch von anderen Reitern satteln und reiten.

Doch Graf von Festetics schenkte Elisabeth das Pferd. Immerhin hatte sie es gezähmt. Dies brachte ihr über alle Maßen hohen Respekt in der Welt des Reitsports und der Adeligen der Umgebung ein.

Des Weiteren konnte ich noch eine längere Gedichtpassage auf ihre Pferde finden. Im Gedichtband „Winterlieder“ schrieb sie in Ischl, im September 1887 ein Klagegedicht aus mehreren Strophen an ihre Glanzzeiten über das Fechten und Reiten. Ich habe die Reitpassagen abgetippt:

Aus meiner Burschenzeit.

....

Wo sind sie jetzt, die edeln Tier',
Die ich getummelt hier und dort
Im Circus und im Jagdrevier?
Nur so viel weiß ich, sie sind fort!

Mein Too-good, fromm fast wie ein Kind, 
Doch feurig und voll Ambition;
Und Mermaid, flüchtig wie der Wind, 
Seid ihr im Pferdehimmel schon? 

Mein schlanker brauner Nihilist,
Du weilst vielleicht noch im Gestüt,
Wo du ein alter Pascha bist, 
Den das Familienglück umblüht. 

Und Merry Andrew brach's Genick, 
In Erin kam er jäh zu Fall; 
Ihn traf noch gnädig das Geschick
Bei Meute-Geläut und Hörnerschall. 

Nennt' ich euch alle, wär's zuviel, 
Auch macht's das Herz mir heut noch schwer; 
Beendet ist das wilde Spiel, 
Der Stall, der Circus stehen leer. 

Nur einer lebt in süßer Ruh', 
Dem geb' ich das Gnadenbrot; 
Doch drück ich meine Augen zu, 
So schlägt auch den der Schinder tot. (36)

Hier möchte ich kurz ansetzen: …“und Merry Andrews brachs Genick“…

Elisabeth als Tierschützerin oder -liebhaberin?

Ich bin sehr zerrissen, was dieses Thema angeht. Ich habe mich für diesen Beitrag wirklich sehr lange und intensiv mit der Parforcejagd, mit Pferden, dem Jagen, der Dressur und dem Zirkus auseinandergesetzt. Alles Themen die mir persönlich widerstreben, da es mir schwerfällt mich mit Dingen zu beschäftigen, wo ich persönlich der Meinung bin, dass Tiere leiden.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: Wilhelm Richter

Im 19. Jahrhundert galt das Pferd als Arbeits- und Kriegstier. Es wurde mit Sicherheit nicht so gehegt und gepflegt, wie es heute manch einer tut. Natürlich gibt es nachwievor viel zu viel Tierleid, dazu braucht man nur die einschlägigen Social Media Seiten aufmachen. Aber darum geht es jetzt nicht.

Pferde galten im 19. Jahrhundert nicht als „Freunde“ und schon gar nicht als „Seelentiere“. Sie wurden gebraucht, benutzt und wenn sie sich bei der Jagd das Genick brachen, wurde das nächste Pferd herangeschafft.

Mit Sicherheit hat Kaiserin Elisabeth um das ein oder andere Pferd mehr oder weniger „getrauert“, aber sicher nicht so, wie um Shadow, Horseguard oder ihre anderen Hunde.

Das sieht man auch daran, dass sie sich 1878 in England einfach abwand, nach Hause fuhr und ihre Pferde zurückließ. Ohne jemals zu hinterfragen, was mit denen geschehen soll(te).

Sie schenkte „Lord Byron“ her, das – zur Zeit der Dressur mit Elisa -ihr Lieblingspferd war. Wer hätte das gekonnt, wenn es das „Seelenpferd“ ist?

Dass sie 1887 natürlich Lobeshymnen auf ihre Pferde schrieb, war normal. Zu dieser Zeit war sie bereits schwer gemütsleidend. Blättert man durch ihre Winterlieder, bekommt man kaum ein „witziges“ Gedicht zu Gesicht. Fast alle sind düster, traurig und deprimierend.

Zu ihrer Glanzzeit besaß Kaiserin Elisabeth 30 Reitpferde edelster Herkunft.

Sie besaß Englische Vollblut (ihre Lieblingspferde), Irische Hunter, Arabische Schimmel, Haflinger und Lipizzaner (k.u.k. Pferde).

Die Namen der Pferde waren so stolz, wie ihre Reiterin es war:

Foto: Dorotheum.com
Pferdemedaillon als Brosche
Aus dem Besitz von Kaiserin Elisabeth
Versteigert im Dorotheum 2011

Miss Freney, Violet, Mouse, Vanity, Sarahwing, Bürgermeister, Machbub, Mignon, Red Rose, Sobri, Blue Jacket, Redwing, Abraham, Generalissimus, Fandango, Büszke, Mignon, Beauty, Summerhill, Cameo, Domino, Whalebone, Merry Andrews, Bravo usw.

Bevor sie die Pferde verkaufen ließ, ließ sie einige davon in Öl verewigen. Was mit ihnen danach passierte interessierte sie allerdings nicht mehr.

Lange wurde in den historischen Büchern spekuliert, was die Gründe für den jehen Rückzug vom Pferdesport von Kaiserin Elisabeth waren.

Aber so nach und nach kamen Tagebücher und Briefe zu Tage, so dass auch dieses Geheimnis gelüftet wurde.

Ab dem 42. Lebensjahr plagten Elisabeth schwere rheumatische Schübe und ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie berichtete von starken Bädern, die zum Teil ihre Mutter „arg umnachteten“. Ich nehme an, damit waren die starken Dämpfe gemeint.

Foto: Dorotheum.com
Wiener Kunstkeramik, Marke: Keramos
Künstler: Rudolf Chocholka
Souvenir aus dem frühen 20. Jhdt.

Wer schon einmal Rheumaschmerzen hatte, weiß, dass man sich damit kaum auf den Beinen, geschweige denn auf einem Pferd halten kann.

Zu dem kam dazu, dass man ihr Bay genommen hatte und damit ihren Reitfreund.

Zu Hause in Österreich stieg Elisabeth noch einmal aufs Pferd.

In der Steiermark im Jagdgebiet Mürzsteg besass Kaiser Franz Joseph das kleine Schloss Mürzsteg, in welchem sich auch öfters Kaiserin Elisabeth aufhielt.

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Mürzsteg in Mürzsteg/Steiermark
Heute im Besitz des jeweiligen Bundespräsidenten von Österreich

Am 26.8.1883 kam es zu einem schweren Unfall, der beinahe Elisabeths Leben kostete.

Als sie über eine kleine Brücke beim „Toten Weib“ ritt, stürzte diese ein. Ein zufällig anwesender Holzarbeiter musste sie aus dem tosenden Wasserfall und den eingestürzten Brettern befreien.

Dieser Sturz war so einschneidend für sie, dass sie ab sofort komplett das Reiten ließ. Der Wasserfall ist heute noch sehr gefährlich und steil. Wie es zum Namen „Totes Weib“ kam, könnt ihr hier nachlesen.

Erzherzogin Marie Valérie stiftete eine Tafel, die jahrelang an der Felswand zum Dank der Errettung ihrer Mutter hing. Irgendwann verschwand diese und tauchte kürzlich wieder auf.

Und so gingen – wenn man ungefähr davon ausgeht, dass Klein-Sisi 3 Jahre alt war, als sie zum ersten Mal auf ein Pony stieg – 45 Jahre ihres Lebens zu Ende.

Foto: Wikimedia/Commons
Irma Gräfin von Sztáray

In den späten 1890er Jahren verriet sie ihrer Hofdame Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863, †3.9.1940)

„Plötzlich und ohne jeden Grund hatte ich den Mut verloren, und ich, die noch gestern jeder Gefahr spottete, erblickte eine solche in jedem Busch und konnte mich von ihrem Schreckbilde nicht mehr befreien.“ (37)

Und es wäre nun einmal nicht Elisabeth gewesen, wenn sie nicht die eine Passion gelassen hätte, um eine Neue zu beginnen.

Allerdings aus gesundheitlichen Gründen auch die nicht lange.

Nun hatte sie das Fechten entdeckt, welches sie in Heidelberg erlernte.

Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

– Petra –

Ich dachte also, ich werde eine Gesellschaft suchen,
die meine Ruhe nicht stört und mir Vergnügen bietet.
Ich bin in mich selbst zurückgekehrt und habe mich der Natur zugewendet.
Der Wald tut mir nicht weh…
Die Natur ist viel dankbarer als die Menschen. (38)

Kaiserin Elisabeth
Foto: pressreader.com
perfekte Fotomontage aus dem späteren 19. Jahrhundert
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph auf einer gemeinsamen Jagd in Gödöllö


Anmerkungen:
(*) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Herzogin von Teck lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und Mary Adelaide Princess of Cambridge verh. Herzogin von Teck gefunden.

(**) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann mam immer nur von Lady Dudley lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und Georgina Ward verh. Countess of Dudley (Lady Dudley) gefunden.

(*3) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Herzog von Rutland lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und den 6. Duke of Rutland in Charles Cecil Manners gefunden.

(‚) Auch Káláman (Koloman) Tisza wurde von mir gesucht und als Anmerkung im Festetics Tagebuch hinzugefügt. Um die Anmerkung nicht allzu ausufern zu lassen, habe ich die Geburts- und Sterbedaten nicht angefügt. Wer sie wissen will: (*16.12.1830, †23.3.1902).

(“) Das Carlton House Terrace wird in allen Geschichtsbüchern als Carton House Terrace geführt. Ein Rechtschreibfehler der sich durch Nichtrecherche durch zig-Bücher führt.

(*4) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Lord Hercules „Paddy“ Langford lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und habe Hercules Edward Rowley 4th Baron Langford of Summerhill gefunden.
Sein Bild habe ich der National Gallery London entnommen und mich dafür bedankt. Thank you for your help!

(*5) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Lord Combermere lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und habe Lord Wellington Stappleton-Cotton 2nd Viscount of Combermeregefunden.
Sein Bild habe ich bei pictorialpast.co.uk gefunden. Thank you for your help!

In allen anderen Fällen hat mir nur Wikimedia/Commons als freie Bilddatenbank genützt.


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Dorotheum Wien, Stadtmuseum München Bildarchiv, Wikimedia/Commons, Bezirksmuseum Wien 2, Dieter Nagl für SKB – Schloss Schönbrunn, pressreader.com, gnm.de/museum/abteilungen-anlaufstellen/deutsches-kunstarchiv, austria-forum.org, hofreitschule.news, artnet.com, Heike, myheritage.co.uk, letsgetitshot.co.uk via combermereabbey.co.uk, Nationalbibliothek.at, britainsbestguides.org, John Fielding, artvee.com, Albertina.at, france-voyage.com, srs.at, Thaddäus Bien, abebooks.co.uk, Repeated Originals via etsy shop, npg.org.uk, pictorialpast.co.uk, forum.alexanderpalace.org, visitszeged.eu


Literatur Hinweise:

1 – S.23, 3 – S.32, 7 – S.77
Martin Haller
Sisi – Die Kaiserin im Sattel
myMorawa Selbstverlag, 1. Auflage 2018

2 – S.49
Bernhard Graf
Sisis Vater
Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Alliteria Verlag//edition monacensia, 2. Auflage 2017

4 – S.318/9, 5 – S.318, 6 – S.319, 8 – S.321, 9 – S. 321, 10 – S. 321/22, 14 – S.324
Brigitte Hamann
Elisabeth
Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage 2017

11 – S.237, 12 – S.237, 15a – S.248, 17 – S.250, 18 – S.252, 19 – S.255, 21 – S.259/260
Egon C.C. Corti
Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heyne Sachbuch, 15. Auflage, 2. dieser Ausgabe 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

13 – S.121
Sigrid Maria Gössing
Kaiserin Elisabeth und ihre Männer
Ueberreuter Verlag, 1. Auflage 1998 (nur noch antiquarisch erhältlich)

14 – S.187, 15 – S. 187-190, 16 – S.191, 22 – S.195/6, 23 – S.196/7, 25 – S.197, 26 – S.198-200, 27 – S.200, 27a – S.200-202
Gudula Walterskirchen, Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics
Kaiserin Elisabeths intimste Freundin
Residenz Verlag, 3. Auflage 2014

20 – S. 94/5, 28 – S.100/1, 31 – S.102 u. 104 (Bild dazwischen/nicht gezählt), 32 – S.107, 33 – S.130
Beatrix Meyer
Kaiserin Elisabetz ganz privat
Briefe an ihre intimste Vertraute Ida Ferenczy
Allitera Verlag, 1. Auflage 2020

24 – S.208, 37 – S.208, 38. S.196
Johannes Thiele
Elisabeth – Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn
Ihr Leben. Ihre Seele. Ihre Welt. (Bildband)
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2011 (nur noch antiquarisch erhältlich)

29 – S.122, 33a – S.82, 34 – S.269, 35 – S.214/5 35a – S. 83, 36 – S.295/6
Brigitte Hamann
Kaiserin Elisabeth
Das poetische Tagebuch
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 3. Auflage 1995

Susanna Forrest
The Horsewomen of the Belle Époque
The Paris Review

Susanna Forrest
The “Princess Daredevil” of the Belle Époque
The Paris Review

Bernhard Graf
Sisis Geschwister (Bildband)
Allitera Verlag//edition monacensia, 1. Auflage 2017

Gabriele Praschl-Bichler
Kaiserin Elisabeths Fitneß und Diät-Programm
Amalthea Verlag, 1. Auflage 2002 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Das Spanische Hofzeremoniell – Hofetikette

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Phillip „der Gute“

Das spanische Hofzeremoniell, wie es Romy Schneider als „Sissi, die junge Kaiserin“ seitenweise von Hofdame Esterházy (Helene Lauterböck) in die Hand gedrückt bekam, um den „Unsinn“ auswendig zu lernen, gab es nicht.

Es wurde zwar am Wiener Hof sehr streng das „Hofzeremoniell“ abgehalten, doch wie so vieles in der Sissi-Trilogie ist auch das „Spanische Hofzeremoniell“ eine reine Erfindung eines windigen 50er Jahre Regisseurs.

Das „Spanische Hofzeremoniell“ wurde am Wiener Hof bis zu Kaiser Joseph II (*13.3.1741, †20.2.1790) praktiziert, danach wurde es immer wieder erweitert und nur noch „Hofetikette“ oder „Hofzeremoniell“ genannt. Dabei handelte es sich auch nicht um ein Heft oder Buch mit Paragraphen, welches auswendig gelernt werden musste – und schon gar nicht von Sisi – ergo von Kaiserin Elisabeth.

Das „Hofzeremoniell“ wurde von den Herzögen von Burgund im 15. Jahrhundert entwickelt. Diese Herzöge entstammten aus einer Nebenlinie aus dem französischen Königshaus und herrschten über die Niederlande. Herzog Philipp „der Gute“ (*31.7.1396, †15.6.1467) erweiterte das „Hofzeremoniell“ in dem in weiterer Folge das „Goldene Vlies“ und der „Ritterorden“ dazu gehörte. Damit wollte er seine höchsten Untertanen adeln und auszeichnen.

Durch die Erbfolge gelangte die Niederlande an die Habsburger und so an Kaiser Karl V (*24.2.1500, †21.9.1558), der zuerst das Heilige Römische Reich und später in Spanien regierte. Er übernahm das Hofzeremoniell, nahm es nach Spanien mit und perfektionierte es. Sein Bruder Ferdinand (*10.3.1503, †25.7.1564), der zwischenzeitig Kaiser Ferdinand vom Heiligen Römischen Reich war, übernahm das

„Spanische Hofzeremoniell“

seines Bruders, welches bis zu Kaiser Joseph am Wiener Hof als Hofetikette verblieb.

Der Rest ist ein Ammenmärchen eines hübschen kitschigen Nachkriegsfilmes, der nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat und leider bis heute den Unsinn verbreitet real zu sein.

Jeder Obersthofmeister gab sein Wissen an den neuen Obersthofmeister weiter und so wurde die Hofetikette erweitert und „etikettiert“. Von Audienzen, Hochzeiten, Staatstrauer, Begräbnissen, Huldigungen usw. war alles bis aufs Strengste festgelegt. Wer durfte wie lange vor den Kaiser treten, wie musste die Verbeugung aussehen und wer durfte das Goldene Vlies erhalten.

Wie kam es aber zum Goldenen Vlies oder was ist ein Obersthofmeister oder ein Flügeladjutant. Und welche Aufgabe hat genau eine Hofdame und warum musste diese unverheiratet sein? All diesen Fragen versuche ich mit diesem Beitrag auf die Spur zu gehen.

Beginnen wir mit der höfischen Anrede

Kaiserin Eisabeth
Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth

Kaiserin Elisabeth wird heute vielerorts, vor allem im Internet, Facebook, Instagram, TV, Medien, Zeitschriften, Büchern und sogar in historischen Büchern Kaiserin Sisi genannt.

Ein Fauxpas und ein Frevel sondergleichen.

Kaiserin Sisi gab es nicht!

Sisi war ihr Kosename und den durften nur ihre aller engsten Vertrauten verwenden.

Diese waren ihr Mann Franz (Joseph), ihre Mutter, ihre Geschwister, ihre Schwägerinnenn und die Personen, denen sie das „Du“ gestattete, usw.

Ihre Nichten und Neffen nannten sie „Tante Sisi“ oder „Tante Elisabeth“.

Gisela, Rudolf und ihre geliebte Valérie nannten sie Mama.

Das Volk hatte ausdrücklich „Kaiserin Elisabeth“ zu sagen.
Die Anrede war ausdrücklich Ihre Majestät oder Ihre kaiserliche Hoheit.

Die Anrede der Dritten Person „Eure Hoheit“ stimmt auch noch insofern, da es die Ausdrucksweise im 19. Jahrhundert durchaus noch gab und diese im Gespräch mit der Kaiserin verwendet wurde; also zB. „Darf ich Eurer Hoheit oder Eurer Majestät den Tee servieren lassen“.

Kaiser Franz Joseph moderne Schreibweise auch gerne Kaiser Franz Josef, wurde allseits als „Majestät“ angesprochen. Die Anrede war allseits Seine Majestät oder Seine kaiserliche Hoheit. Auch hier galt noch die Anrede der Dritten Person „Eure Majestät“, vor allem, wenn seine Minister und Adjutanten im Raum waren.

Als Kind wurde er Franzi genannt. Diese Koseform, blieb dem inneren Kreis vorbehalten. Mutter, Vater, seine Brüder nannten ihn Franz(i) oder Majestät.

Elisabeth nannte ihren Mann Franz.

Er selbst unterschrieb seine Briefe an sie in den ersten Jahren mit Franz, später mit „Kleiner“, was in den letzten Jahrzehnten mit „Kl“ abgekürzt wurde. Aber auch mit „Männeken“ (was so viel wie Männchen bedeutet) unterschrieb er seine Briefe, die von 1859 – 1898 alle veröffentlicht sind.

Seine Neffen und Nichten durften ihn Onkel nennen, die meisten nannten ihn trotz allem „Majestät“, waren danach aber zumindest per du. Gisela, Rudolf, Valérie nannten ihn Papa.

Kommen wir nun zum
Wirr Warr der Begrifflichkeiten

Adjutant

Foto: Wikimedia/Commons Maximilian Graf von O’Donnell,
Flügeladjutant bei Kaiser Franz Joseph

Hier musste man unterscheiden zwischen „Flügeladjutant“ und von Generaladjutanten. Ein Flügeladjutant stand im Rang eines Stabsoffiziers und wurde zur Unterstützung von zB. Kaiser Franz Joseph oder Kronprinz Rudolf eingesetzt. Flügeladjutant waren auch Feldmarschällen unterstellt.

Die Aufgabe eines Flügeladjutanten war es Befehle entgegenzunehmen, diese auszuführen, dem Kaiser oder dem Kronprinz rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen (deshalb waren mehrere im Dienst).

Gab es eine Botschaft an den Kaiser oder den Kronprinz, war es die Aufgabe des Flügeladjutanten, diese an den Kaiser oder an den Kronprinz persönlich zu überbringen.

Die Stelle beinhaltete eine Vertrauens- und Verschwiegenheitsklausel. Wurde diese gebrochen, wurde die Person sofort aus dem k.u.k. Dienst entlassen.

Ein berühmt gewordener Flügeladjutant ist sicherlich Maximilian Graf von O‘ Donnell (*29.10.1812, †14.7.1895) der Kaiser Franz Joseph 1853 vor dem Libényí Attentat bewahrt hat. Die Geschichte kann hier nachgelesen werden.

Ahnenprobe

Es gab ein unglaublich strenges Aufnahmereglement am „Wiener Hof“ zB. für die Ernennung zum „Kämmerer“ oder zur Aufnahme als „Hofdame“. Dabei wurde urkundlich geprüft, ob die eheliche Abstammung der Eltern einer gewissen Anzahl der Adeligen Urahnen bestätigt werden konnte.

8 Adelige Urahnen musste die Stammtafel aufweisen. Nur so durfte es zur Aufnahme als „Hofdame“ bei einer Herrschaft oder als „Kämmerer“ bei der Herrschaft kommen. Dabei war es wichtig, dass diese 8 Urahnen sowohl von der mütterlichen, als auch von der väterlichen Seite nachgewiesen werden konnten.

Aja/Ajo

ist spanisch und heißt Kindermädchen/Kindermann. Im Kaiserhaus wurden so die Erzieherinnen der Kaiserkinder genannt.

Diese verblieben bis zum 6. Lebensjahr bei ihren Zöglingen und mussten sich dann verabschieden.

Bei den männlichen Thronerben wurden dann Erzieher eingesetzt, meist aus dem Militär.

Beiden weiblichen Erzherzoginnen wurden danach Erzieherinnen gewählt, die ihnen das weitere Weltgeschehen beibrachten wie zB. das tadellose Benehmen, Tee trinken in guter Gesellschaft usw.

Ajas waren stets Adelige Damen, manchmal sogar Witwen, meistens nicht einmal selbst Mütter.

Foto: Wikimedia/Commons
Louise Baronin von Sturmfeder
Aja von Franzi, Maxi, Karli, Ännchen und Luzi-Wuzi
den Kindern von Erzherzogin Sophie
Kaiser Franz Joseph verehrte sie Zeit ihres Lebens

Züchtigung gehörte zum „guten Ton“ und durfte von Ajas auch in der Öffentlichkeit durchgeführt werden. Später wurde die Züchtigung vom militärischen Erzieher übernommen (ich möchte an die Peinigung von z.B. Herzog Max oder Kronprinz Rudolf erinnern). Herzog Max kann hier nachgelesen werden.

Kaiser Franz Joseph schrieb stets liebevoll von seiner Aja Louise Baronin von Sturmfeder (*3.10.1789, †10.9.1866).

Die Kindheit von „Gottes Gnaden bis zum Thron“ von Kaiser Franz Joseph kann hier nachgelesen werden.

Foto: ÖNB, Karoline Freifrau von Welden „Wowo“
Kinderfrau von Erzherzogin Gisella und Kronprinz Rudolf mit Mutter
Kaiserin Elisabeth in Venedig

Auch die Kaiserkinder Erzherzogin Gisela (*12.7.1856, †27.7.1932) und Kronprinz Rudolf (*21.8.1858, †30.1.1889) verehrten ihre Aja so sehr, dass sie ihr sogar einen Kosenamen gaben.

Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1912) „Wowo“ wurde innig geliebt und gerade Rudolf, der ihr entrissen und Leopold Graf Gondrecourt (*13.5.1816, †22.5.1888) zum militärischen Drill übergeben wurde, litt Zeit seines Lebens unter diesem Liebesentzug und Züchtigungen dieses bösartigen Grafen.

Wobei man mit der Wahl der Freifrau von Welden außerhalb der Hofburg wieder einmal ätzte:

„Würzburg, 1862
Liebe Eva!
Aber sage mir ganz unter uns „Welche Wahl von einer Aja!“ Die gute Welden, die in ihrem Leben kein kleines Kind noch gesehen hat, die gar nicht davon versteht und etwas sehr Unentschlossenes hat! dabei eine schwache Gesundheit –
in München ging sie zur Kurheim um nur zu lernen, ein Kind auf den Arm zu nehmen!
Sie war diesen Herbst hier, ich sah sie – ohne den Titel des Mannes wäre Sie unbedeutend wie früher! Sie ist herzlich gut, aber langweilig – aber halt mir meinen Mund – wer ist denn auf diesen Gedanken gekommen? Sie hat aber vermuthlich nur den Namen ohne die Pflichten anordnen zu müssen.
Es fiel ihr sehr schwer – die die Stelle anzunehmen, sagt man!

Crescenz (5)

Crescenz Baronin von Speth war die Schwägerin der Briefeempfängerin. Nähere Erläuterungen dazu am Berichtsende.

Über die ambivalente Ehe und das Schicksal der Kinder kann hier nachgelesen werden.

Audienz

Foto: hofburg-wien.at
Audienzraum mit Stehpult, Hofburg Wien

Jeder Bürger durfte dem Kaiser zweimal pro Woche persönlich vorsprechen. In streng reglementierten Audienztagen wurden die Namen in die Audienzbücher (heute im Sisi Museum zu besichtigen) eingetragen.

Jeder Bürger bekam einen festen Termin für seine Vorsprache. Die Bittstellung musste vorher dem Ministerium vorgelegt werden, welche danach vom Kaiser persönlich geprüft wurde.

Dies konnte eine persönliche Danksagung sein, eine Fürbitte, ein Wunsch oder eine Art Begutachtung. Die Wiener Zeitung veröffentlichte zweimal in der Woche die Audienznehmer, so dass die Bürgernähe des Kaisers demonstrativ vorgeführt wurde.

Die Audienz selbst war streng reglementiert und brachte per se nichts mehr Neues:

Um Punkt 10.00 Uhr morgens begann Kaiser Franz Joseph die Audienz, so dass sich die Bittsteller in den Warteräumen der Hofburg oder von Schloss Schönbrunn einzufinden hatte (je nach dem wo sich Kaiser Franz Joseph gerade aufhielt).

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph

Dabei war eine strenge Kleiderordnung einzuhalten:
Die Herren mussten Frack tragen. Herren vom Militär selbstverständlich ihre Uniform. Die Damen vom Volk ein hochgeschlossenes Kleid.

Jeder Bürger und die Herren vom Militär hatten Handschuhe zu tragen. Bürger aus den ländlichen Orten mussten ihre jeweilige Landestracht tragen, was zuweilen ein buntes Bild in den Wartesälen abgab.

Ein Mitarbeiter des Obersthofmeisters machte den Audienznehmer mit den Grundregeln der Audienz vertraut:

– den Kaiser niemals von sich aus ansprechen
– dem Kaiser niemals den Rücken zukehren
– dem Kaiser niemals persönliche Fragen stellen

Danach wurde der Bürger mit dem Namen aufgerufen und vom Adjutant in einen Vorraum gebracht, wo der Name erneut mit dem Audienzbuch verglichen wurde.

Schließlich rief ihn der Kammeransager laut auf. Die Türe wurde aufgemacht und der Audienznehmer stand vor dem Kaiser.

Sofort nach dem Eintreten hatte der Bürger eine tiefe Verbeugung und die Bürgerin einen tiefen Knicks zu machen. Konnte dies der Bürger oder die Bürgerin nicht, wurde dieser zuvor im Wartesaal mit einem Mitarbeiter des Hofes geübt.

Erst nach der Aufforderung des Kaisers durfte sich der Bürger oder die Bürgerin erheben.

Danach fragte der Kaiser nach dem Namen und sah in seinem Audienzbuch nach, ob der Name darin stimmte.

Danach durfte der Besuch sein/ihr Anliegen vortragen und bekam die Antwort von Seiner Majestät.

Nach exakt 3 Minuten wurde die Türe geöffnet und die Audienz war vorbei.

Der Besuch hatte sich nochmals zu verbeugen und mit dem Gesicht zum Kaiser, mit dem Rücken zur Tür, hinauszugehen.

Über 100 Personen schaffte Kaiser Franz Joseph so an einem Audienztag.

Erst im hohen Alter reduzierte er auf die Hälfte. Bis zuletzt stand der Kaiser all die Stunden an seinem Pult während der Audienz.

Nach den Audienzen fanden die offiziellen Gespräche mit Ministern, Abgeordneten und Statthaltern statt, welche von Kaiser Franz Joseph persönlich eingeladen wurden.

Es war unumgänglich, dass die Herren gut vorbereitet auf das Gespräch waren, denn der Kaiser liebte es, gut informiert zu sein und war auf jede Antwort gewappnet und konnte die Herren immer wieder aus der Fassung bringen, in dem er mehr wusste, als sie selbst.

Er fragte mehrere Personen zum gleichen Thema, um sich so ein besseres Bild von einem Problem zu machen.

Er wusste, dass er viele „Speichellecker“ um sich hatte, die ihm nicht die Wahrheit sagen wollten.

Cortège

ist das französische Wort für Prozession.

Dieses Wort wurde eingesetzt für das Gefolge unter einem Herrscher oder Herrscherin bei offiziellen Anlässen.

Das heißt nichts anderes, als wenn es zu öffentlichen Auftritten des Königs, der Königin, des Kaisers oder der Kaiserin kam, folgten ihnen 100erte von Adeligen Leuten – der sogenannte Hofstaat.

Dieses nannte man Cortège. Unter ihnen befanden sich: Hofdamen (bei Königin/Kaiserin), Geheime Räte, Kämmerer (bei König/Kaiser), Palastdamen, Truchessen (bei König/Kaiser) (weiter unten erklärt) usw.

Dies war einerseits eine große Ehre, andererseits auch eine lästige Pflicht. Die Damen hatten jedes Mal in schönster Toilette zu erscheinen, was einen unheimlichen teuren Aufwand mit sich brachte.

Goldene Vlies

Foto: KHM Wien
Großmeistermantel
Foto: Wikimedia/Commons
Goldene Vlies

Wie oben beschrieben, rief Herzog Philipp „der Gute“ den Orden anlässlich seiner Hochzeit ins Leben.

Er wurde der Heiligen Jungfrau Maria gewidmet und steht für den Schutz der Kirche und die unbefleckte Ehre des Rittertums.

An einer Collane (Ordenskette) hängt ein goldenes Widderfell.

Sowohl das Haus Habsburg, als auch das Haus Bourbonen, also der spanische König tragen das Goldene Vlies.

Heute ist es Karl (von) Habsburg (*11.1.1961) und König Felipe (*30.1.1968). Sie sind die Großmeister des Ordens und können bis heute Ordensmitglieder aufnehmen.

In Wien leistet man bis heute den Schwur vor dem Schwurkreuz, welches in der Schatzkammer Wien zu sehen ist.
Der Ordenstag ist der 30.11., an dem bis heute feierlich Messen zelebriert und neue Mitglieder aufgenommen werden.

Kaiser Franz Joseph war zu seiner Zeit Großmeister und vergab nicht nur an seine Familie den Orden, sondern auch an jene Personen die seiner Meinung nach die Tugend und Ehre hatten, diesen zu Erlangen.

Die Verleihung wurde von Kaiser Franz Joseph in einem Großmeistermantel zelebriert und die zukünftigen Ritter des Ordens sahen dies als Privileg für ihre Verdienste rund ums Hause Habsburg an.

Das Goldene Vlies war demnach kein Geburtsrecht.

Alle Ordensmitglieder halten wie ein unzertrennliches Band zusammen und sind gleichberechtigt.

Bei allen Feierlichkeiten bei Hofe waren diese nicht nur eingeladen, sondern hatten in allem auch Vorrang und Vortritt.

Es gab nur eine Ausnahme: waren gekrönte Häupter anwesend, mussten diese zuerst begrüßt oder bedient werden.

In Wien sind bis heute nur katholische Ordensmitglieder erlaubt, in Spanien nimmt man mittlerweile auch protestantische Gläubige auf.

Der Orden des Goldenen Vlieses ist der älteste und bedeutendste Ritterorden der Welt. Obwohl es in Österreich keine Monarchie mehr gibt, wird der Orden im Hause Habsburg bis heute hochgehalten.

Hofdame

Eine Hofdame war ein hoch angesehener Beruf und nur Frauen aus dem Adel vorbehalten.

Anders als bei Palastdamen, der rein ehrenamtlich durchgeführt wurde, wurde eine Hofdame entlohnt, bekam eine Abfertigung und wenn sie wegen zu hohen Alters aus dem Dienst ausschied, sogar eine Pension ausbezahlt.

Bevor eine Hofdame aufgenommen wurde, musste diese die strenge Ahnenprobe überstehen, welche die Voraussetzung für den Dienst bei Hofe war.

Die Hofdame hatte aus gutem Haus zu sein, eine fundierte Ausbildung zu haben, musste mehrere Sprachen sprechen und musste unverheiratet sein.

Sie konnte sich für diesen Posten nie bewerben, sondern sie wurde ernannt. Die Hofdame die auserkoren wurde, erhielt ein formelles „Ernennungsdekret“.

Thema Hofdame wird weiter unten ausführlicher erläutert.

Hoffähigkeit

Diese wurde streng reglementiert und war nicht Jedermann gestattet.

Den Zutritt zur kaiserlichen Familie war Familien erlaubt, die die Ahnenprobe bestand (die strenge Variante). Diese wurde auch zu Festlichkeiten wie zB. auf Hofbällen eingeladen.

Es gab aber auch noch andere Personen die Zutritt erhielten. Diese waren durch ihre besondere Stellung bei Hofe dazu würdig der kaiserlichen Familie vorgestellt zu werden oder an den Festlichkeiten teilzunehmen.

Diese waren Diplomaten, Offiziere der Wiener Garnison und Ordensritter. Ansonsten stand der engere Kreis nur standesherrlichen Familien und Hofwürdenträgern zu.

Da diese Mitglieder alter Adelsfamilien allerdings zahlreich waren, tummelten sich auf diesen Veranstaltungen zahlreiche Personen und dienten u.a. zur Heiratsvermittlung.

Mehr als 300 (!) Familien zählten damals zur ständigen Hocharistokratie und somit zur Hoffähigkeit.

Anders als bei anderen Höfen Europas, hatte man in Wien die Türen für den Geldadel noch nicht geöffnet.

Kaiser Franz Joseph liebte es aber ihm treue Bürger in den Adelsstand zu erheben und so Zutritt zum Kaiserhaus zu verschaffen.

Dabei war es egal ob diese reich waren oder nicht.

Kaiser Franz Joseph erhob so manchen als „Truchsessen“ (weiter unten erklärt), diese durften dann auch an der Hoftafel oder an großen Festlichkeiten teilnehmen, was das Hofzeremoniell ziemlich durcheinander brachte.

Es war von „wer wo gehen, stehen und sitzen durfte“ alles geregelt. Je älter eine Adelsfamilie war, desto höher der Rang bei Hofe. Eine schiere Mammutaufgabe für den Obersthofmeister.

Hofsprache

Schon unter Maria Theresia sprach man am Wiener Hof französisch. Dies erklärt, warum so viele Begriffe in französischer Sprache sind.

Allerdings war es schon bei (Kaiserin) Maria Theresia so, dass ein sehr lockerer Umgangston herrschte und der Wiener Dialekt vorrangig gesprochen wurde.

Nur wenn das Personal so gar nicht mitbekommen sollte, was besprochen wurde, sprach das Kaiserpaar französisch miteinander.

Unter Kaiser Franz Joseph war dies nicht anders, wenn auch die französische Sprache schön langsam aus dem Alltag verschwand.

Nunmehr zog die ungarische Sprache ins Haus ein. Nicht nur wegen Kaiserin Elisabeth, die dadurch Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) eins auswischte.

Die meisten Bediensteten, Erzherzogin Sophie, sowie ihr Mann und der Wiener Adel verstand kein ungarisch. Nur Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Marie Valérie sprachen fließend die Landessprache.

Am Wiener Hof wurde deutsch, böhmisch, ein bisschen ungarisch (Bedienstete und beim Militär) und natürlich französisch gesprochen.

Kaiser Joseph II machte die deutsche Sprache – bzw. das Wienerische – am Hof salonfähig. Er setzte sich auch dafür ein, dass Mozart die Opern in deutscher Sprache schrieb.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth und Helene von Thurn und Taxis (Néné)

Eine völlige unbekannte Sprache war damals noch die englische Sprache. Kaiserin Elisabeth und ihre Schwester Helene „Nénè in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890), verheiratete Thurn und Taxis sprachen Zeit ihres Lebens nur englisch miteinander. Schon allein deshalb, da sie wussten, dass niemand sie belauschen konnte.

Kämmerer

Nur ein Mann durfte beim Kaiser „Kämmerer“ werden. Zuvor hatte man die strenge Ahnenprobe zu bestehen.

Das Amt des „Kämmerers“ war ein Ehrenamt und wurde bereits im Mittelalter gegründet. Dieser hatte den „Goldenen Schlüssel“ über.

Seine Aufgabe war es bei Festen zu erscheinen, Botschaften und Gratulationen entgegenzunehmen und bei Begräbnissen das Geleit innerhalb der Kaiserfamilie zu übernehmen.

Die Aufgabe eines „Kämmerers“ wurde sehr ernst genommen und war eine ehrenvolle Tätigkeit.

Wer „Kämmerer“ werden durfte, konnte sich glücklich schätzen.

Marschallstafel

Zu dieser Tafel wurden jene Gäste geladen, die nicht an der Haupttafel mit der kaiserlichen Familie geladen waren. Hier speiste man nicht mit dem Kaiser oder der Kaiserin, sondern mit dem Obersthofmarschall oder einem Kammerherr.

Obersthofmarschall

Er war zuständig für die Fideikommisse der gebundenen Vermögen etlicher adeliger Familien (heute würde man es Familienstiftung nennen) und diente als Zivilgerichtsbehörde der kaiserlichen Familie und anderer Familien die diesen Sonderstatus genossen.

Obersthofmeister

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Freiherr von Nopcsa
Obersthofmeister
Ihrer Majestät

Der Obersthofmeister unterstand dem Kaiser und war der engste Mitarbeiter des gesamtes Hofstaates.

Ihm unterstand nicht nur das gesamte Dienstpersonal, sondern auch die Verwaltung der Finanzen und die Garde.

Sein Einfluss reichte bis hinunter in die Hofküche und bis zur Hofoper. Was er sagte, war Gesetz.

Ab 1895 wurde sogar das Hofmarschallamt in Ungarn dem Obersthofmeister in Wien unterstellt.

Diese Stelle war hochbezahlt und hochangesehen.

Das Amt wurde hochpolitisch angesehen, hatte der Obersthofmeister direkten Zugang zum Kaiser und so auch enormen Einfluss auf diesen.

Obersthofmeisterin

Foto: Wikimedia/Commons
Pauline von Aulendorf-Königsegg
geb. Bellegarde

Die Obersthofmeisterin war das Pendant zum Obersthofmeister und der Kaiserin unterstellt, wobei die Kaiserin auch einen Obersthofmeister, der Kaiser jedoch keine Obersthofmeisterin hatte.

Sie hatte den gesamten Hofstaat der Kaiserin inne. Sie stellte das Personal ein, kündigte es wieder, sorgte für die Einhaltung der Etikette, bearbeitete Urlaubsanträge und sorgte bei Krankheitsausfällen für Ersatz.

Was die Obersthofmeisterin anordnete musste geschehen, so wollte es das Gesetz des Wiener Hofes.

Sie sorgte für Zucht und Ordnung. Die Stelle war nicht nur hochbezahlt und -angesehen, sondern auch enorm anstrengend.

Kaiserin Elisabeth verlangte äußerste Disziplin und hatte nicht öfters Querelen mit ihren Obersthofmeisterinnen auszufechten. 
Diese nahm - in allen Belangen - großen Einfluss auf sie.

Im Gegensatz zu Hofdamen, durften Obersthofmeister und Obersthofmeisterinnen verheiratet oder gar Witwe/r mit Kindern sein.

Oftmals sogar miteinander, wie das Beispiel „Gräfin Bellegarde“ zeigte:

Zuvor war Pauline Gräfin von Bellegarde (*2.4.1830, †27.5.1912) Hofdame. Da Pauline Elisabeth wichtig wurde, schied diese, als sie heiraten wollte, nicht wie sonst üblich aus dem Dienst aus, sondern wurde ihre Obersthofmeisterin.

Sie hatte sich in den schneidigen Flügeladjutant von Kaiser Franz Joseph Alfred von Königsegg-Aulendorf (*30.6.1817, †27.10.1898) verliebt und dieser hielt um ihre Hand an. Am 15.7.1857 heiratete das Paar.

Um ihre Vertraute nicht zu verlieren, machte die Kaiserin Alfred kurzerhand zu ihrem Obersthofmeister.

Obersthofmeisterin Pauline Gräfin Aulendorf-Königsegg und Obersthofmeister Alfred Graf Aulendorf-Königsegg verblieben somit im Dienste Ihrer Majestät, auch wenn das Verhältnis danach nicht mehr ganz so vertraut war.

Auch hier ist der Sissi-Film mit Romy Schneider eine nicht recherchierte Filmphantasie.
Graf Bellegard wurde nicht während des Ungarn Aufstandes erschossen, sondern Gräfin Bellegarde war einfach der Mädchenname der Hofdame.

Ein Schicksal einer Obersthofmeisterin möchte ich hier erwähnen, dass mich schlichtweg traurig stimmte.

Jenes von Maria Theresia Landgräfin zu Fürstenberg, geb. Prinzessin zu Schwarzenberg (*14.10.1780, †9.11.1870).

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Maria Anna

Sie war mit Friedrich Landgraf zu Fürstenberg (*26.1.1774, †4.2.1856) per Liebesehe verheiratet und hatte mit ihm 10 Kinder.

Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, †2.3.1835) hatte Maria Theresia 1831 zur Obersthofmeisterin von Maria Anna Prinzessin von Savoyen bestimmt.

Prinzessin Maria Anna (*19.9.1803, †4.5.1884) wurde mit dem geistesschwachen und jähzornigen Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) verheiratet und ertrug ihr Schicksal bravourös. Am 2.3.1835 starb Kaiser Franz II/I und Ferdinand und Maria Anna wurden zum neuen Kaiserpaar.

Die Familie Landgraf zu Fürstenberg lebte auf Schloss Weitra im Waldviertel und so musste Vater Friedrich sich um die große Kinderschar (natürlich mit Personal) alleine kümmern.

Nur in ihren Urlauben sah die Mutter ihre Kinder.

Ein Glück im Unglück hatte das Ganze.

Friedrich konnte nicht gut mit Geld umgehen und verspekulierte sich ein paar Mal, so dass er viel Geld verlor. Das hohe Gehalt seiner Gattin bot der großen Familie einen guten Lebensstil.

Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass die Familie zu Fürstenberg, damals schon eine moderne Ehe führte.

Die Frau brachte das Geld nach Hause und der Mann kümmerte sich dafür um die Kinder.

Oberzeremonienmeister – Zeremonienmeister

Foto: habsburger.net
Kaiser Franz Joseph ist hier in Begleitung des adeligen Cortèges abgebildet: Voranschreitend der Oberzeremonienmeister und der Obersthofmeister, danach Franz Joseph mit seiner Tochter Marie Valérie, gefolgt vom Adel des Hofes, nach Rang geordnet.

Der Oberzeremonienmeister hatte die Aufgabe bei den Hofbällen oder Ball bei Hofe die organisatorische, logistische und repräsentative Aufgabe zu übernehmen.

Der Oberzeremonienmeister hatte unter sich noch Zeremonienmeister die ihm halfen die Aufgaben zu bewältigen. Alle unterstanden aber dem Obersthofmeister.

Am Tag des Balles war es seine Aufgabe das Eintreten der Herrschaft anzukündigen.

Palastdame

Im Gegensatz zur Hofdame, war die Palastdame ein Ehrenamt und durfte von verheirateten Frauen ausgeübt werden.

Die Palastdame war ein sehr begehrtes Amt, allerdings auch sehr kostspielig (wie übrigens auch jenes der Hofdame, doch untenstehend mehr dazu).

Wie die Kämmerer hatten die Palastdamen zu gewissen Terminen pflichtmäßig zu erscheinen, weshalb diese im Turnus Dienst hatten und verschiedene Repräsentationsaufgaben übernahmen.

So mussten die Palastdamen zu den Hofbällen erscheinen, zum Ball bei Hof, Neujahrscours (Neujahrsempfang des Kaisers), allen hohen kirchlichen festlichen Feiertagen und zur Fronleichnamsprozession.

Dies war insofern kostspielig, da jedes Mal eine neue Toilette sein musste. Die Palastdame konnte/durfte nicht im selben Kleid auf jedem Fest erscheinen.

Standesgemäß

Foto: Wikimedia/Commons Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Wurde in einem Kaiser- oder Königshaus geheiratet, musste die Ahnenprobe gemacht werden.

Diese war jetzt nicht so streng, wie bei der Aufnahme zur „Hofdame“, allerdings, musste die Heiratskandidatin „standesgemäß“ sein.

Das hieß hier musste sie aus einem regierenden standesherrlichen Herrscherhaus kommen. War dies nicht der Fall, wurde die Ehe als „morganatisch“ – also nicht ebenbürtig (unstandesgemäß) – eingestuft.

Diese morganatische Ehe hatte oft zur Folge, dass die Kinder nicht als Thronerben eingesetzt werden durften oder die Ehe gar nicht zustande kam. Beispiele dieser Art gab es viele.

Foto: Wikimedia/Commons Ferdinand und Berta Burg

Erzherzogin Isabella (*17.11.1888, †6.12.1973) die ihren Arzt nicht heiraten durfte und lieber unverheiratet blieb, Erzherzog Franz Ferdinand der sich in die Hofdame Sophie von Chotek verliebte, diese ehelichen durfte, allerdings mit der Auflage, dass die Kinder keine Thronansprüche stellen dürften. Seine Frau wurde Fürstin von Hohenberg. Die Geschichte dazu findet ihr hier.

Es gab aber auch traurige Fälle von morganatischen Ehen.

Es gab deswegen Ausschlüsse aus dem Kaiserhaus, wie zB. Erzherzog Ferdinand Karl, der sich in Berta Czuber verliebte. Die unglückliche Geschichte, könnt ihr in der Biografie seiner Mutter nachlesen (hier).

Sternkreuzdame – Sternkreuzorden

Foto: Wikimedia/Commons Sternkreuzorden

Der Sternkreuzorden wurde am 3.5.1668 von Kaiserin Eleonore (*18.11.1628, †6.12.1686) gegründet. Papst Clemens IX gab am 28.7.1668 seinen Segen dazu.

Dieser sollte zur Andacht „zum heiligen Kreuz, des tugendhaften Lebens und wohltätiger Handlungen in Wien“ gestiftet werden.

Die Aufnahme in den Sternkreuzorden entsprach in etwa dem Ehrentitel eines Kämmerers, der zur selben Zeit gegründet wurde.

Die Anzahl der Sternkreuzdamen wurde wie die eines Kämmerers nicht beschränkt, allerdings wurde auch hier eine strenge Ahnenprobe vorgeschrieben.

Die Ernennung zu einer Sternkreuzdame darf immer nur von einer österreichischen Erzherzogin vorgenommen werden. Immer noch steht die Verehrung des Heiligen Kreuzes und die Barmherzigkeit an oberster Stelle.

Der Orden besteht bis heute.

Seit 2010 trägt diese Würde Gabriela (von) Habsburg-Lothringen (*14.10.1956).

Stiftsdamen

Foto: Wikimedia/Commons Ordensgewand einer Kanonissin

Dies waren klosterähnliche Stifte in denen adelige Damen, meistens Witwen oder unverheiratete adelige Frauen lebten, die sich Gott widmeten (oder Gott widmen mussten).

Die adelige Äbtissin (Oberste des weltlichen Stiftes) nahm der adeligen Kanonissin (die eintretende Gläubige) das Gelübde ab.

Hierbei handelte es sich lediglich um das Keuschheits- und das Gehorsamkeitsgelübde des weltlichen Klosters. Die Einrichtung des Stiftes war komfortabler als jenes eines geistlichen Klosters.

Die Damen durften ein paar ihrer eigenen Möbel mitnehmen, die Dienerschaft durfte in anliegenden Häusern unterkommen, das Essen war nahrhafter und mit Pfründen (Schenkungen) wurde das Stift erhalten.

Vor allem Witwen nahmen dies gerne als Alterssitz in Anspruch.

Familien deren Tochter unverheiratet blieb, steckten diese oft in solche weltliche Klöster, weil sie hofften, dass sie aus diesem doch noch verheiratet wurden. Oftmals hatten die Familien Erfolg. Stiftsdamen hatten das Glück heiraten zu dürfen.

Suite

bedeutet „Gefolge“ und kommt ebenfalls aus dem Französischen.

Die Suite ist die Begleitung eines jeden Feldherren durch seinen Adjutanten oder seiner höchsten Offiziere, die ihn stets begleiten.

Zum Teil ist in historischen Büchern von „a la suite“ zu lesen. Hier ist das gesamte Gefolge des Feldherren gemeint (falls es nicht übersetzt wurde, wisst ihr jetzt was gemeint ist).

Truchsessen

Foto: Wikimedia/Commons
Verleihung der Truchsessen-Würde im Königreich Ungarn für Anton Pongracz, 1780

Auch dieser Begriff kam aus dem Mittelalter, hatte aber im Gegensatz zu diesem im 19. Jahrhundert unter Kaiser Franz Joseph bereits eine andere Funktion.

Während es im Mittelalter noch der Aufseher für die fürstliche Tafel war und sich dies im Laufe der Zeit zum Vorsteher der Hofhaltung geändert hatte, nahm der Verlauf im 19. Jahrhundert eine völlig andere.

Das Amt wurde ehrenamtlich ausgeführt, weshalb Kaiser Franz Joseph die Freiheit hatte tausende Bürger in den Adelsstand zu erheben und ihnen diesen Titel und damit Zugang bei Hofe zu gestatten.

Selbstverständlich war auch hier dieses Amt dem Obersthofmeister unterstellt. Man kann diesen Titel heute mit einem Beamtenstand oder einem Ministerialsekretär vergleichen.

Kaiser Franz Joseph ernannte die Truchesse mit dem Erlag einer vorgeschriebenen Gebühr und danach wurde diesem das Truchessenehrenabzeichen ausgehändigt. Dies galt Lebenslang.

Somit konnte der Besitzer bei Hofe Ein und Ausgehen und wurde zur Hoftafel und zu Festlichkeiten geladen. Es galt im Bürgertum als höchste Ehre diese Auszeichnung zu erhalten. Natürlich wäre ein Ritterschlag noch besser gewesen, aber immerhin bekam der Ernannte die Erlaubnis bei Hofe Ein und Auszugehen.

Mehr als so manchem „Geldadel“ ermöglicht wurde. 

Hofdamen

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferenczy

Wie schon in der Erklärung erwähnt, war das Amt der Hofdame eine Ehre für die Familie, allerdings auch eine finanzielle Last.

Obwohl die Stellung bezahlt wurde, musste die adelige Familie ihrer Tochter finanziell immer aushelfen.

In den Hofdamen Briefen rund um Sophie von Scharnhorst(*) (*/unbekannt) wird die Ernennung, die Aufgaben und die Ehre für die Familie genau beschrieben. Allerdings auch die hohe Belastung, welche diese Arbeit mit sich brachte.

Gräfin Schönborn(**) (*/unbekannt) verrät folgendes:

Ischl, 11.September 1857,
Liebe Gräfin!
Ihre königl.(*) Hoheit die Frau Erzherzogin machen nun täglich so große Promenaden daß höchstdieselben mir den Auftrag gaben Ihnen zu sagen liebe Gräfin daß es Ihr nicht möglich wird Sie vor Mittwoch zu empfangen, – sollten Sie also an diesem Tage (ohne alle gêne) wirklich noch hier sein, so würde es Sie freuen Sie um Dreiviertel auf 2 Uhr bei sich zu sehen. Genehmigen Sie in aller Eile liebe Gräfin die Versicherung meiner innigsten Hochachtung.
Gräfin Schönborn
Hofdame der Erzherzogin Sophie (1)

(*)Anmerkung Petra: Im Originalbuch von 1903 steht königl. Hoheit = königliche Hoheit, was auf den Geburtstitel von Erzherzogin Sophie hinweist.
Richard Kühn hat in seiner 1942 Version auf S.342 kaiserliche Hoheit gemacht.

„Wien, 4.Jenner 1858
Liebe Eva!
Ich freue mich unendlich daß die gute Erzherzogin Deine Caroline (Anmerkung Petra: Caroline von Sickingen, Tochter der Briefeempfängerin; Anmerkungen am Beitragsende) als Hofdame angenommen hat, mit Beruhigung kannst Du ihrer Zukunft entgegensehen. Wem die Erzherzogin die Hand reicht der kann sie unverzichtlich ergreifen denn Sie leitet nur zum Guten. Ich nicht nicht in Sorgen, denn bei Carolines Tüchtigkeit und ihren Talenten wird Sie ihren ehrenvollen Beruf sicher ganz erfüllen. Im Anfang gibt es Schwierigkeiten, dem kann Sie vorarbeiten um sich leiter hineinzufügen. So möchte ich ihr z.B. rathen sich im Vorlesen zu üben und ihre Stimme zu kräftigen, welche sonst durch Befangenheit leich unsicher wird. Ich spreche aus Erfahrung!
Ich war bei Gräfin Königsegg (Anmerkung Petra: ehemalige Hofdame Gräfin Bellegarde; weiter oben im Text erläutert) um mir ein Verzeichnis ihres Hofdamen-Trousseau (Anmerkung Petra: Hofdamen „Uniform“ Unterlagen) zu nehmen. Es ist zweckmäßig ohne Verschwendung gehalten, was bei dem ewigen Wechsel der Mode sehr weise und praktisch ist. Paula (Anmerkung Petra: Gräfin Königsegg; ehemals Bellegarde) sagte mir aber daß Sie zu wenig gehabt und bald nachschaffen mußte. – Da Caroline im Frühling eintritt, so scheinen mir Sommer-Toiletten für Schönbrunn nothwendig. Zwei hübsche Seidenkleider, 1 für Mittag, 1 Frühkleid und Alles für angegebene Hof-Trauer, wozu ein schwarzer Spitzen-Hutz nothwendig, dann muß Sie eine hübsche Applications-Mantille und Ueberchemisettes (Anmerkung Petra: Unterkleider) samt Ärmeln und Krgen haben zu farbigen und schwarzen Toiletten assortirt. Hast Du eine gute Adresse für Spitzen in Brüssel? Sonst empfehle ich Dir Mme. Pannal die in Sanssouci verkauft.
Vergiß nicht feine Schwarze Spitzen nach der Elle, zum Aufputz der Taille, das braucht man wie das liebe Brodt.
Uebrigens hat ja Caroline einen Fonde de toilette was ihr sehr zu Statten kommen wird, denn man raucht zum toilettiren s e h r v i e l sans etre une Elegante fondée.
Ein Dutzend gestickte Sacktücher, 3 Stück s u p e r l a t i f, 3 Stück mit Valenciennes, Schön moderen geschlungen 3 Stück en somme 12 Stück. Sie muß eine Kammerjungfer und ein Stubenmädchen haben, Letztere soll kochen können. Ja wir Hofdamen brauchen mehr als wir dürfe und müssen stets parat sein!
Eine Excursion vorher mit Cäcilie nach Salzburg zu machen- dafür schwärme ich nicht. Mir scheint Eure Villa das Beste für eine angehende Hofdame. –
Deine Sophie (2)

Im Februar ging es weiter.

„Oldenburg, 2. Februar 1858
Erlauben Sie meine sehr liebe Gräfin daß auch ich mich in die Reihen der Gratulirenden Stelle, und Ihnen so wie der Comtesse Caroline meine recht herzlichen Glückwünsche vorbringe! – ich habe die Kunde der Ernennung der liebenswürdigen Comtesse zur Hofdame, von meiner Schwester Sophie erfahren und ihre Freude darüber, recht lebhaft getheilt.
Es ist gewiß ebenso beglückend als ehrenvoll der hochverehrten Erzherzogin Sophie seine Dienste zu weihen und ebenso bin ich überzeugt daß die junge Hofdame den Anforderungen ihres neuen Berufes vollkommen entsprechen wird, möge dieselbe nur so recht heiter und muthig in die neue Laufbahn eintreten. –
Ihrem gütigen Andenken meine theure Gräfin empfehle ich mich auch ferner und werde es stes mit warmer Verehrung und Ergebenheit erwiedern.
Christa von Scharnhorst (3)

Wir nähern uns dem Ende der Briefe, welche ich trotzdem nicht vorenthalten möchte, da ich sie interessant finde.

„Wien, 17.März 1858
Liebe Eva!
Die Gnade Gottes waltet über Dir! Die Ernennung Cara’s (Anmerkung: Caroline) hat ein mächtiges Echo nach allen Seiten hervorgerufen! Kürzlich passirte ich den Abend bei der hochverehrten Erzherzogin Sophie, die Eurer gedachte und fragte, wann Ihr kommen werdet?
Kaiser und Kaiserin erschienen unerwartet und verschönten den Abend mit Ihrer Gegenwart am Theetisch. Die Kaiserin, obgleich etwas blaß, ist wunderschön!! Sie trug ein weißes poult de soie Kleid mit Mantille mit Hermelin garnirt, in den schönen Haaren Diamant Nadeln und sah herrlich in der einfachen, geschmackvollen Toilette aus.
Die Hofdamen-Ausstattung ist kostspielig, denn der Hof gibt nur das Nothwendige, der Mensch braucht gar Vieles. Bei Deinem Hiersein werden wir Alles besprechen.
Sophie (4)

Baronin von Scharnhorst schrieb am 17.3.1858 einen Brief an Karoline von Sickingen. Dieser Brief ist im Buch von 1903 (unten in den Anmerkungen ist die Erläuterung dazu) nicht enthalten. Es ist daher anzunehmen, dass folgender Wortlaut von Richard Kühn wieder verfälscht wiedergegeben wurde.

„Wien, 17.3.1858
Du wirst wie alle Hofdamen die Erfahrung machen, daß eine gutgewählte Ausstattung, besonders Spitzen und Bräusche, einen Grund der Toilette legt, den man in der Hofkarriere aus eigenen Mitteln nicht legen kann. Die täglichen Bedürfnisse, der Wechsel der Mode und die Ehrenausgaben erschlpfen die Kasse. Darum küsse Deiner Mama tausendmal die freigebigen Hände, daß sie Dich so gut versorgt zu Deinem neuen Beruf ausstattet.
Ich habe in Beziehung der Wohnung noch keine genügende Antwort zu geben. Bei Munsch ist der erste und zweite Stock bis Ende Mai eingenommen und keine Aussicht, daß Platz gemacht wird.
Ich habe in der „Stadt Frankfurt“ nachgesehen. Es ist eine der besten Gasthöfe, sehr zu empfehlen wegen der Kost und der Bereitwilligkeit des Wirts. Prinz Karl von Baden wohnt immer dort, wenn er in Wien ist. Man hat dort alles; hübsche Zimmer, Equipage, gute Bedienung. Er liegt im Zentrum der Stadt, ganz nahe bei den Theatern und der Burg. Obgleich jetzt alles besetzt ist, will der Wirt sein mögliches tun. Allein vor dem 22./23. kann er nicht bestimmen, ob im ersten oder zweiten Stock etwas frei wird.
Der zweite Stock ist viel hübscher und angenehmer, wie in jedem Hotel, weil man nicht au bénéfice der Speiselokalitäten dem Geruch un den Launen der Tischgäste ausgesetzt ist.
Der Preis kann erst bestimmt werden, wenn die Zimmer genommen werden.
Vielleicht entschließt sich Mama, außer den Schlafzimmern einen kleinen Salon zu nehmen. Denn Ihr werdet sehr viele Visiten haben inklusive derjenigen, die die Hofdame angehen.
Die können doch nicht in die Geheimnisse des Schlafzimmers eingeführt werden. In diesem Fall wären es vier Zimmer: ein Salon, eins mit zwei Betten, eins mit drei ditto und für die Kammerjungfern eins mit zwei Betten. Die großmächtige Mama, hochgeborene Gräfin Sickingen, mit Schätzen und einer Hofdame beladen, möge gnädigst ihre Entscheidung sobald als möglich geben. (6)

Deshalb war es nicht nur von Nöten, dass die Hofdame die Ahnenprobe bestand, sondern auch die Familie reich genug war, die Tochter finanziell zu unterstützen.

Ein Umstand, der zB. bei Hofdame und Vertrauter Marie von Festetics ein unabdingbarer „Fehler“ war, denn ihre Familie hatte durch viele Spekulationen beinahe ihr gesamtes Vermögen verloren.

Elisabeth war es, die Marie immer wieder unter die Arme griff.

Zu jedem Anlass – und es gab derer viele – verlangte die Etikette ein neues Kleid.

Dies durfte zwar nicht schöner sein, als das der Kaiserin oder eben der Herrschaft wo man diente, musste aber zumindest gleichwertig sein.

Es war dabei wichtig, die Toilette genau abzustimmen. Schmuck, Haare, Kleid hatten genau zueinander zu passen. Ein kostspieliges und aufwendiges Vorhaben, dass vom Gehalt einer Hofdame nicht bezahlt werden konnte, wenn man bedenkt, dass die Hofdame auch ständig mit ihrer Dame auf Reisen war. Hofdamen gab es ja nicht nur bei der Kaiserin, sondern auch bei Königinnen, bei den Erzherzoginnen, bei Herzoginnen, bei Fürstinnen usw.

Hofdamen begleiteten ihre Herrschaft überall hin. Auf die Reisen, ins Hotel, zu Soireen, zu Teegesellschaften, zu Dinnerpartys, zu Hofbällen, zu Bällen und Einladungen aller Art, zu karitativen Besuchen, in die Kirche, zum Lunch und zum Frühstück.

Es gab im Prinzip keine Minute des Tages, an dem keine Hofdame zugegen war, außer die Herrschaft wünschte dies ausdrücklich und dann nur, wenn diese zu Hause war.

Ansonsten fungierte die Hofdame natürlich als Anstandsdame und durfte erst recht das Zimmer nicht verlassen. Deshalb gab es immer mehrere Hofdamen, um im Turnusdienst zu arbeiten.

Kaiserin Elisabeth begleiteten an die 10 Hofdamen permanent auf Reisen, allerdings waren nur 2-3 wirklich ihre engsten Vertrauten.

Alle anderen versahen ihren Dienst und gingen wieder. Nie hätte Elisabeth Privates mit ihnen besprochen.

Marie und Ida (beide weiter unten) sind die berühmtesten Namen unter ihnen und waren beinahe rund um die Uhr für „ihre“ Kaiserin da.

Da am kaiserlichen Hof es nur so von Offizieren, Diplomaten, Ministern, Bediensteten usw. wimmelte, war dies ein großer Heiratsmarkt.

In Schloss Schönbrunn lebten rund ums Jahr an die 4000 Personen. So verliebten sich natürlich auch die jungen, bei Kaiserin Elisabeth immer sehr hübschen Hofdamen. Kaum hatte diese den Wunsch geäußert sich zu verloben und ehelichte dann ihren Verlobten, wurde die Hofdame aus dem Dienst entlassen.

Eine verheiratete Hofdame war bei Hofe nicht zugelassen.

Heiratete eine Hofdame, wurde diese bis an ihre Lebensende vom Hofe unterstützt. Sie bekam eine Art Pension. Auch dann, wenn die Herrin verstarb, wurde die Hofdame weiterhin bezahlt.

berühmte und weniger berühmte Hofdamen bzw. eine Vorleserin unter Kaiserin Elisabeth

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferency und Marie von Festetics auf Maultieren

Nehmen wir das größte Beispiel Vorleserin Ida von Ferency (*7.4.1839, †28.6.1928).

Wie ihr Name 1864 auf jene Liste kam, als Kaiserin Elisabeth eine Gesellschafterin suchte, ist ein ungelöstes Rätsel, welches sich nach so vielen Jahren nicht mehr klären lässt.

Ihr Posten musste erst geschaffen werden. Zuerst wurde sie zur Gesellschafterin und Sprachlehrerin.

Da aber Max von Falk den vertrauensvollen Posten des ungarischen Sprachlehrers inne hatte, war es schnell vorbei mit diesem Synonym. Also erfand man den Posten „Vorleserin“, da Ida die Ahnenprobe nicht bestand.

Sie kam aus dem einfachen Landadel und hatte weder 8 Urahnen vorzuweisen, noch generell einen Hofdamen-Posten zu erhalten. Ihr Rang war viel zu niedrig. Kaiserin Elisabeth ob ihrer Schönheit allerdings Feuer und Flamme, wollte sie unbedingt behalten.

Zu dem waren sich die beiden Frauen vom ersten Moment an sympathisch.

So wurde der am Hof einzigartige Posten der „Vorleserin“ geschaffen.

In manchen historischen Büchern ist von der Hofdame Ferenczy zu lesen. Das ist falsch. Ida blieb bis zu ihrer Pension „Vorleserin“.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie von Festetics

Hofdame Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †16.4.1923) reiht sich in die berühmten Namen der Hofdamen ein, die man sicherlich unter Kaiserin Elisabeth kennt.

Niemand geringerer als Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890) schlug 1871 Marie als Hofdame vor.

Marie war ursprünglich auf einem anderen Posten und gar nicht glücklich als sie die Ernennung für die Kaiserin erhielt.

Doch Gyula bekniete sie hinzugehen.

Als sie Elisabeth das erste Mal sah, schrieb sie wahre Entzückungen über die Kaiserin in ihr Tagebuch, welches sie über die Jahrzehnte fleißig schrieb. Sie sollte zwei Heiratsanträge ablehnen, um bei ihrer geliebten Kaiserin bleiben zu können.

Es nahm niemand so viel Einfluss auf Elisabeth wie Marie von Festetics. In der Familie wurde Marie deshalb argwöhnisch beäugt. Erzherzogin Sophie und sogar Elisabeths Tochter Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924) hassten Marie regelrecht. Der gesamte Beitrag zu Marie von Festetics kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commons
die Geschwister Lily und Imre von Hunyady

Berühmt wurde auch Lily von Hunyady (*26.12.1836, †28.2.1907), welche Elisabeth nach Madeira begleitete.

Leider auch ihr Bruder, der sich in Elisabeth verliebte und sofort aus ihren Augen entfernt wurde.

Lily verliebte sich selbst zu guter Letzt und musste den Hofdienst verlassen. Der Beitrag zu ihr kann hier nachgelesen werden.

Eine ganz andere Geschichte, war jene, als mich eine Followerin auf Facebook bat, die Hofdame auf jenem Bild hinter Kaiserin Elisabeth ausfindig zu machen.

Dies war gar nicht so einfach, wie anfangs gedacht. Doch wenn ich mich einmal in Recherchen verbeiße, dann so lange, bis ich ein Ergebnis habe.

Auf einem Rundgang durch Schloss Moosburg wurde ich zum ersten Mal auf einen Namen aufmerksam, der mich schlussendlich ans Ziel brachte.

So kurz wie hier jetzt dargestellt, waren die Recherchen natürlich nicht. Mehr als ein 3/4 Jahr dauerten sie an und ich hatte ein riesen Glück, dass ich ausgerechnet in jenes Schloss eingeladen wurde.

Und so fand ich jene Hofdame, die gesucht war.

Marie Johanna Gräfin von Welsersheimb Freiin von Gumpenstein, verheiratete Marie Gräfin von Goëss (*6.5.1824, 4.12.1896). 1852 starb Maries Mann und schon bald danach ereilte sie der Ruf zur Hofdame für Kaiserin Elisabeth. Später wurde sie zur Obersthofmeisterin.

Besagtes Bild zeigt die beiden am 19.4.1875 als sie die neuen Volksküche in der Schönlaterngasse besuchten, da ihr diese von ihrem Gemahl Kaiser Franz Joseph ans Herz getragen wurden. Er war dort zu Gast, speiste vor Ort, lobte die gute Küche, ließ sich alles zeigen und lobte die neue Art der Gemeinnützigkeit in Wien.

Elisabeth wollte sich selbst ein Bild machen, allerdings ohne sich anzumelden. Alleine und ohne Entourage und nur mit Gräfin von Goëss besuchte sie besagte Küche.

Der zufällig anwesende Maler August Heinrich Mansfeld hielt diesen Augenblick in Skizzen fest und malte danach ein Bild. Elisabeth gefiel die Suppenküche ebenso gut wie ihrem Mann und sie übernahm die Schirmherrenschaft.

Hofdamen im Dienste anderer hoher Personen

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Marie von Redwitz, Enthüllung der Oskar von Redwitz Statue vor dem Hotel Austria, Meran, 22.10.1894

Marie von Redwitz* (*9.12.1856, †11.4.1933) wiederum ist berühmt, da sie die Hofchronik von der Bayern-Linie aus schrieb.

Sie war die Hofdame von Amelie von Urach, besser bekannt als Amelie Herzogin in Bayern (*24.12.1865, †26.51912).

Ihr Vater war Carl Theodor in Bayern „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) und Sophie Prinzessin von Sachsen (*15.3.1845, †9.3.1867).

Carl Theodor war ein Bruder von Kaiserin Elisabeth und Sophie war ihre Cousine und Schwägerin. Leider starb die geliebte Ehefrau und Mutter recht bald, so dass Carl Theodor einige Jahre später noch einmal heiraten musste.

Die traurige Geschichte zu Sophie kann hier nachgelesen werden.

Amelie heiratete später Wilhelm von Urach (*30.5.1864, †24.3.1928) und so wurde Marie von Redwitz ihre Hofdame.

Doch auch sie war anfangs gar nicht so begeistert ihre Freiheit aufzugeben und wehrte sich lange der „Berufung“ nachzugeben. Doch es half natürlich nichts. Die Damen jener Zeiten hatten keine Wahl und so trat Marie ihre Stelle an und schrieb von Anfang an Tagebuch.

Ihre Hofchronik ist heute in keinem historischen Buch (und auch bei mir) wegzudenken.

Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Prinzessin von Schweden
Lithographie: Josef Kriehuber

Sophie von Scharnhorst* sei erwähnt. Sie schrieb die Hofdamenbriefe, die ebenfalls eine unglaubliche Quelle ihrer Zeit sind.

Sie arbeitete bei Prinzessin Amalie Marie von Schweden (*22.2.1805, †22.9.1853°), die über vielfache Ecken mit dem Kaiserhaus verwandt war und dort ein und aus ging.

Sie selbst lebte in Wien und war bei fast allen kaiserlichen familiären Anlässen eingeladen.

Baronin von Scharnhorst schrieb alles nieder und so erhält der Leser einen guten Einblick in jene Zeit rund um Erzherzogin Sophie als noch Erzherzog Franzi, Maxi, Karli und Luzi-Wuzi klein waren. Natürlich erwähne ich hier niemand geringeren als Kaiser Franz Joseph und dessen Brüder.

Erwähnenswert ist auch noch Clementine Gräfin von Taaffe(***) (*20.10.1827, †13.9.1882), der Name wird aufmerksamen Habsburg Kennern vor allem durch Eduard Taaffe (*24.2.1833, †29.11.1895) ein Begriff sein.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Hildegard

Er war der einzige lebenslange Freund und Vertraute von Kaiser Franz Joseph.

Kaiser Franz Joseph übergab ihm nach der Mayerling Affäre Dokumente von Rudolf, die bis heute nicht mehr aufgetaucht sind.

Taaffe war für die Bespitzelung von Kronprinz Rudolf verantwortlich, da dieser die liberale Einstellung des Kronprinzen nicht ertragen konnte und ihn hasste wie die Pest.

Clementine Gräfin von Taaffe wurde am 31.10.1856 29jährig Hofdame bei Erzherzogin Hildegard (*10.6.1825, †2.4.1864).

Empfohlen hatte sie die heißgeliebte Aja von Kaiser Franz Joseph Louise Baronin von Sturmfeder. Sie ehelichte am 1.5.1844 in der Allerheiligen-Hofkirche in München Erzherzog Albrecht (*3.8.1817, †18.2.1895) und war eine Cousine von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph.

Hildegard war die Tochter von König Ludwig I von Bayern, der der (Halb)Bruder von Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) und Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †26.1.1892) in Bayern war.

Zuerst wurde sie Hofdame und als Erzherzogin Hildegard an einer Rippenfellentzündung starb, blieb sie auf Wunsch von Albrecht bei den Kindern und zog diese auf.

Clementine war nicht nur äußerst gebildet, sie interessierte sich sehr für Geschichte und für die Theologie. Die Kinder des Paares liebten sie sehr und schrieben ihr häufig Briefe oder zeichneten ihr Bilder.

Am 26.6.1864 wurde sie Sternkreuzordensdame und in der Marienkapelle „St. Christoph“ in Baden bei Wien hängt links neben dem Eingang eine Gedenktafel für Clementine von Taaffe „Gesellschaft der adeligen Frauen“. 

Das war es nun vorläufig aus dem Reich der Hofetikette und dem Wirr Wirr der Begrifflichkeiten.

Wenn euch ein Begriff auffällt oder einfällt den ihr erklärt haben wollt, scheut euch nicht mir zu schreiben.

Ich werde ihn gerne in die Liste aufnehmen. 

– Petra – 

Foto: abebooks.com
Amalie Prinzessin von Schweden eigenhändige Unterschrift
Quittung über 2500 Thaler Preußischer Courant durch den Gesandten von Arnim

Anmerkungen:

(*) Wichtige Anmerkung:

Sophie Gräfin von Scharnhorst war die Hofdame von Amalie Prinzessin von Schweden (*22.2.1800, 21.9.1853). (°)Im gesamten Internet ist das Sterbedatum von Amalie Prinzessin von Schweden falsch.

Sophie von Scharnhorst notiert den Todestag und die restlichen Trauertage ganz genau. Wieso auch hier die Daten im Netz nicht übereinstimmen (und wahrscheinlich in vielen historischen Büchern), ist mir ein Rätsel.

Amalie war, wie ihr Bruder Prinz von Wasa, eine enge Freundin des Erzhauses und begleitete beinahe ständig Sophie überall hin. So erlebte Sophie von Scharnhorst die kaiserliche und erzherzögliche Familie.

Kein schlechtes Wort kam der Gräfin über ihre Herrin jemals über ihre Lippen. Ihre Briefe sind eine einzige Lobeshymne an die hohe Frau.

Die Briefe erreichten alle ihre enge Freundin Eveline Gräfin von Sickingen-Hohenberg(*) (*24.11.1809, †27.11.1895), welche in Ischl lebte und eine enge Vertraute des hohen Adels war. So auch von Erzherzogin Sophie.

In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, 3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, 23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, 7.3.1855) geheiratet.

Ebenfalls ein Rätsel war ihre Tochter Caroline, da mit der falschen Schreibweise auch Caroline, welche bei Richard Kühn Karoline geschrieben wurde, nicht aufgefunden werden konnte.

Erst ein Stammbaum auf einer holländischen Seite brachte mich weiter. Caroline von Hohenburg-Sickingen (*5.2.1835, 2.8.1909) wurde zur Hofdame bei Erzherzogin Sophie 1858 einberufen. Ungefähr 2 Jahre übte sie diesen Dienst aus, bevor sie Conrad Graf von Sternberg-Rudelsdorf (*6.6.1825, 2.9.1876) ehelichte und Tochter Eveline (*13.5.1861, 17.10.1881) gebar.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name von Eveline von Hohenburg-Sickingen falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

(**) Auf Seite 279 findet sich in den Hofdamen Briefe von Baronin von Scharnhorst der Name „Gräfin Schönborn“. Weitere Angaben gab es nicht.

Auch jetzt machte ich mich wieder auf die Suche nach der Hofdame von Erzherzogin Sophie und wurde nach langer und intensiver Suche fündig:
Zuerst fand ich
Maria Anna Josephine Caroline von Schönborn-Buchheim, welche Hofdame bei Kaiserin Elisabeth wurde und oben ebenfalls Thema ist. Da dies 1857 passierte, diese aber nicht von jene Gräfin war, die Eveline von Hohenburg-Sickingen schrieb, suchte ich weiter.

Über Caroline fand ich Obersthofmeisterin Ernestine Schönborn (*1800, 1850). Wer 1850 gestorben ist, kann nun mal 1857 keine Briefe schreiben, also war auch das eine Sackgasse. Ich vermute, dass es sich um Gräfin Schönborn, um Charlotte Sophie handelt (*12.2.1796, 1864), konnte es aber noch nicht beweisen. Sobald mir das gelungen ist, werde ich es bekannt geben.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, Caroline, Ernestine, Charlotte Sophie, noch zu den anderen Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Bis heute konnte ich auch keine Daten zu Sophie Baronin von Scharnhorst finden.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.

Nicht von jeder Hofdame gibt es Fotos. Ich hatte schon Schwierigkeiten die Daten herauszufinden.

(***) Bei Clementine von Taaffe darf ich mich rühmen, dass ich die erste und einzige bin, die herausgefunden hat, wann sie geboren wurde und wann sie bei Hofe ihre Anstellung fand. In keinem historischen Buch fand ich diese Daten. Es hat mich stundenlange detektivische Arbeit gekostet, die sich schließlich ausgezahlt hat.

Marie von Redwitz ist mein begehrtes Ziel für ein Foto. Ich besitze ein Familienfoto bei der Enthüllung des Oskar von Redwitz-Denkmals vor dem Hotel Austria in Meran, welches heute das Hotel Adria ist. Oskar von Redwitz (*28.6.1823, †6.7.1891) war ein berühmter Dichter und Schriftsteller und ihr Vater. Nicht nur, dass Marie Hofdame war, so trat sie auch in die Fußstapfen ihres Vaters. Sollte ich jemals in den Besitz eines besseren Fotos kommen, werde ich es hier einfügen.


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: hofburg-wien.at, habsburger.net, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Kunsthistorisches Museum Wien (KHM), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), abebooks.com


Literatur Hinweise:

1 – S.279, 2 – 280/1, 3 – S.282/3, 4 – S.284, 5 – S.284/5,
Hofdamenbriefe
Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Verlag Caesar Schmidt, 1903, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

6 – S.376/7
Richard Kühn
Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865)
Oswald Arnold Verlag Berlin, 1. Auflage 1942 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859-1898 Band I und Band II
Herold Verlag, Wien 1966 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Gudula Walterskirchen
Der Franzi war ein wenig unartig
Hofdamen der Habsburger erzählen
Residenz Verlag, 2013, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

Karin Schneider
Norm und Zeremoniell
Das Etiquette-Normale für den Wiener Hof von circa 1812
Böhlau Verlag, 2019, 1. Auflage (in jeder Buchhandlung erhältlich)

Der Hofstaat des Hauses Österreich
Ivan Zolger
Deuticke, Wien, 1917 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Kaiserin Elisabeth ganz privat
Briefe an ihre intimste Vertraute Ida Ferenczy
Beatrix Meyer
Allitera Verlag, 1. Auflage 2020 (in jeder Buchhandlung erhältlich)

Jahresbericht des ersten allgemeinen St. Annen Kinderspitals für 1857
Interner Bericht

Christa Diemel
Adelige Frauen im bürgerlichen Jahrhundert
Hofdamen, Stiftsdamen, Salondamen 1800 – 1870
Fischer Verlag, 1. Auflage 2015


Marie Therese Erzherzogin von Braganza

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese von Braganza, ca. 1889

Wir gedenken des Todestages von

Maria Theresia Immakulata Ferdinanda Eulalia Leopoldina Adelheid Elisabeth Karoline Michaela Raphaela Gabriele Franziska von Assisi et de Paula de Gonzaga Agnes Sophia Bartolomea ab Angelis de Braganza Infantin von Portugal oder in portugiesisch Donna Maria Teresa da Imaculada Conçeiäo Fernanda Eulália Leopoldina Adelaide Isabel Carolina Micaela Rafaela Gabriela Francisca de Aissis e de Paula Gonzaga Inés Sofia Bartolomea dos Anjos de Bragança Infantin von Portugal

bekannt als

Erzherzogin Marie Therese

Sie wurde am 24.8.1855 in Kleinheubach geboren.

Einige Historiker schreiben über sie auch als Erzherzogin Maria Theresia oder Maria Theresa. Sie selbst unterschrieb aber als Marie Therese (Beweis am Ende des Berichts).

Foto: Wikimedia/Commons König Michael von Portugal
Foto: Wikimedia/Commons Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg

Ihr Vater war König Miquel I von Portugal (*26.12.1802, †14.11.1866). Ihre Mutter Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (*3.4.1831, †16.12.1909).

Marie Therese wuchs bereits im Exil in Deutschland auf. Ihr Vater starb 1866, ohne je wieder an die Macht zu gelangen.

Ihr Bruder Miquel (*19.9.1853, †11.10.1927) ehelichte die schöne Tochter von Helene „Néné“ von Thurn und Taxis, eine Schwester von Kaiserin Elisabeth, Elisabeth (*28.5.1860), welche aber nach 4jähriger Ehe und nach der Geburt des 3ten Kindes 20jährig am 7.2.1881 verstarb.

Sie genoss eine höhere Mädchenausbildung im Sacré-Coeur in Paris, welche sie auch abgeschlossen hatte. Als 17jährige kam sie zur Familie zurück nach Deutschland.

Foto: geneall.net Elisabeth und Michael von Braganza
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Franz Karl

Erzherzog Karl Ludwig, bereits 2facher Witwer, fuhr höchstpersönlich nach Kleinheubach, um bei ihrer Mutter vorstellig zu werden.

Diese ließ ihre Tochter in den Salon bitten. Marie Therese möge sich umziehen, hoher Besuch erwarte sie und bevor sie mit dem Bruder des österreichischen Kaisers in den Garten spazieren ging, möge sie bitte ein schönes Kleid anziehen.

Marie Therese tat wie ihr geheißen.

Was bei diesem Spaziergang besprochen wurde, ist nicht überliefert, es ist nur bekannt, dass Erzherzog Karl Ludwig obgleich Feuer und Flamme ob der Schönen war und sie bat seine Frau zu werden. Marie Therese willigte ein.

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin), Fotos: Wikimedia/Commons

Mit knapp 18 Jahren trat die Prinzessin am 23.7.1873 auf Schloss Heubach vor den Traualtar und gab dem knapp 40jährigen(*) Witwer Erzherzog Karl Ludwig ihre Hand.

Dieser brachte 4 Halbwaisen mit in die Ehe: den 10jährigen Erzherzog Franz Ferdinand, den 8jährigen Erzherzog Otto (seinen Lieblingssohn), den 4jährigen Erzherzog Ferdinand Karl und die 3jährige Erzherzogin Margarete Sophie.

Foto: Wikimedia/Commons
Fotografie von Ludwig Angerer, 1860
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl
Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth mit Rudolf und Gisela
Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Victor
Das einzige gemeinsame existierende Familienfoto mit Kaiserin Elisabeth!
Foto: Schloss-Artstetten.at
Foto: albertmilde.com
Villa Wartholz, 1877

14 Tage später fand auf Schloss Schönbrunn im Beisein von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph ein großer Empfang für das Brautpaar statt.

Anwesend waren die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister der Kaiserin, der Flügeladjutant des Kaisers und die gesamte Familie, so dass – nun mehr Erzherzogin Marie Therese – standesgemäß in der Familie Willkommen geheißen wurde.

Wohnhaft wurde das Paar mit den Kindern im angekauften Palais Favoriten in Wien Wieden, welches er sich von Heinrich von Ferstel umbauen ließ.

In den Sommermonaten zog man in die Villa Wartholz in Reichenau an der Rax, welches sich Karl Ludwig ebenfalls vom selben Architekt bauen ließ.

Später wohnte die Familie im Sommer auch gerne im Schloss Artstetten.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth von Schönfeld
Foto: Wikimedia/Commons
Gräfin Marie Festetics

Elisabeth Gräfin von Festetics von Tolna (*30.6.1832, †12.3.1904) verheiratete Gräfin von Schönfeld wurde durch Gräfin von Goeß die Obersthofmeisterin von Marie Therese.

Elisabeth war die Schwester der Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics, welche bei Kaiserin Elisabeth anstellig war.

Das Erzherzogspaar wurde von Kaiser Franz Joseph häufig ins Ausland entsandt, um an seiner Statt an allerhand Pflichten teilzunehmen.

Marie Therese galt nicht nur als die Schönste der drei Frauen von Karl Ludwig, sondern auch als die Klügste, Gewinnbringendste und durch ihr liebreizendes Wesen, als äußerst freundlich und zuvorkommend. Wo sie hinkam, wurde sie von den Menschen wohlwollend angenommen und umringt.

Karl Ludwig war oft sehr eifersüchtig und beobachtete seine Frau mit voller Skepsis, wusste er doch, dass er viel älter war als sie. Doch zu Eifersucht bestand keine Sorge.

Marie Therese liebte ihren Mann aus vollem Herzen und nie hätte sie sich zu einer außerehelichen Affäre hinreißen lassen.

Wie – aus sicheren Quellen und absolut nicht üblich zu dieser Zeit – auch Karl Ludwig nicht fremd ging und sich außerehelich vergnügte. Die beiden genügten und liebten sich gleicher Maßen.

Foto: Wikimedia/Commons Zar Alexander III mit seiner Familie

So reisten die beiden auch nach Moskau um an der Krönung von Zar Alexander III teilzunehmen.

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth ca. 1866

Erzherzogin Marie Therese zog alle Blicke auf sich. Sie galt als byzantinische Prinzessin und war eine außerordentliche Schönheit und von hoher Gestalt.

Man konnte sogar beinahe sagen, sie machte Kaiserin Elisabeth Konkurrenz, die sie allerdings nicht als solche ansah. Sie schätzte ihre Schwägerin sehr, hatte sie doch Ruhe vor den lästigen Staatspflichten und konnte ihren Reisen und Reittätigkeiten zu dieser Zeit nachgehen. Es wurde nicht nur ihre Toilette und ihre Kleider, sondern auch der prachtvolle Schmuck bewundert, was im Zarenreich wirklich etwas zu bedeuten hatte. Normalerweise war es genau umgekehrt. Erzherzog Karl Ludwig ließ sich vor der Fahrt nicht lumpen und kleidete seine Frau ordentlich ein.

Durch ihr charmantes Äußeres, ihr kluges Auftreten und ihre witzige Art lag ihr aber nicht nur Russland alsbald zur Füßen, sondern die gesamte adelige Welt.

Kaiserin Elisabeth war sehr zufrieden mit dem was ihr zu Ohren kam.

Auch Kaiser Franz Joseph schätzte seine schöne und kluge Schwägerin sehr, musste aber alsbald merken, dass sie ihren eigenen Kopf durchsetze und für ihre Familie Himmel und Hölle in Bewegung setzte, wenn es darum ging, diese zu beschützen oder wenn ihr etwas am Herzen lag.

Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen, schätzte er sie Zeit seines Lebens. Dies ging so gar so weit, dass man die beiden später verkuppeln wollte. Doch dazu später mehr.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Therese

Als Mutter ging sie in ihrer Rolle ebenso auf, wie als Repräsentantin am Staatsbankett.

Erzherzog Franz Ferdinand (*18.2.1863) war ein äußerst stilles und zurückgezogenes Kind, zu dem sehr eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder Otto (*21.4.1865), da dieser der Lieblingssohn seines Vaters war.

Mit beinahe strengem Blick beobachtete er, wenn sich seine Stiefmutter Marie Therese mit seiner kleinen Schwester Margarete Sophie (*13.5.1870) beschäftigte, da er ganz besonders an ihr hing. Sie war sein ganzer Halt und seine große Liebe innerhalb seiner Geschwister. Zeit ihres Lebens waren die beiden sehr verbunden, es traf ihn deshalb besonders hart, als sie so jung sterben musste, aber dazu später mehr.

Ferdinand Karl (*27.12.1868) fiel zwischen seinen Brüdern mehr oder weniger nicht auf. Er war der Dritte im Bunde und der jüngste Sohn.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata 2. Ehefrau und Karl Ludwig
Foto: Wikimedia/Commons
Maria Annunziata

Mit Geduld und großer Hingabe sorgte die junge Frau, die kaum 8 Jahre älter war, als ihr ältester Stiefsohn Franzi (Ferdinand), dass die Kinder sie annahmen und liebten. Das sie alle 4 begraben sollte, war ein ungeheures Schicksal, dass sie kaum ertrug.

Die Geschichten dazu erzähle ich im einzelnen.

Nur ihre eigenen Kinder sollten sie überleben.

Schon kurze Zeit nach der Hochzeit nannten die Kinder sie „Mama“ und dies sollte bis zum Tode aller Kinder so bleiben.

Die Liebe war so groß, dass sie keinen Unterschied zu ihren eigenen Kindern machte, die dem Paar Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Marie Therese geboren wurden.

Maria Annunziata kam am 13.7.1876 in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax zur Welt. Sie wurde nach der zweiten Ehefrau und der Mutter der vier Halbwaisen benannt.

Maria Annunziata von Neapel-Sizilien „Ciolla“ (*24.3.1843, †4.5.1871) starb an Lungentuberkulose und hatte diese sowohl Erzherzog Franz Ferdinand, als auch Erzherzog Ferdinand Karl vererbt. Vermutlich auch Margarete Sophie, doch genaueres ist hierzu nicht bekannt.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie

Am 7.7.1878 kam ebenfalls in der Villa Wartholz Tochter Elisabeth Amalie Eugenia zur Welt. Elisabeth wurde von Kaiserin Elisabeth getauft, wurde allerdings von Erzherzogin Christine vertreten.

Foto: Wikimedia/Commons Margarete von Sachsen, Karl Ludwigs 1. Ehefrau, Namenspatronin von Tochter Margarete Sophie

Bevor ich zu den Kindern und dem Rest der Geschichte komme, möchte ich noch kurz die erste Ehefrau erwähnen, damit diese auch ihren Abschluss findet.

Margarete von Sachsen (*25.5.1840, †15.9.1858), Cousine von Elisabeth, Franz Joseph und eben von Karl Ludwig wurde von Erzherzogin Sophie zur Ehefrau bestimmt.

Sie starb nach kaum 2jähriger Ehe 18jährig an Typhus. Die Ehe blieb kinderlos. Tochter Margarete Sophie bekam den Namen der 1. Ehefrau.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Therese und Erzherzog Karl Ludwig

Als bei Erzherzog Franz Ferdinand die Lungentuberkulose ausbrach und er sich deshalb auf halber Weltreise befand, schrieb sie ihm unentwegt Briefe, um ihn aufzuheitern.

Leider geschah hier ein großes Unglück. In Kairo besuchte ihn die gesamte Familie um den Kranken aufzuheitern.

Karl Ludwig trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan. Der Jordan war aber schon zu dieser Zeit enorm verschmutzt, so dass sich Karl Ludwig schwer vergiftete.

Sofort veranlasste man die Heimfahrt und Marie Therese kümmerte sich rührend um den Schwerkranken. Doch kaum zu Hause, war er schon so geschwächt, dass es kaum noch Hoffnung gab.

Am 18.5.1896 starb Erzherzog Karl Ludwig. Er hinterließ ihr ein immenses Vermögen, allerdings verhielt sich der Wiener Hof absonderlich.

Doch darauf möchte ich später in der Geschichte zurückkommen.

Erzherzog Franz Ferdinand

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie von Hohenberg

Franzi, wie er Zeit seines Lebens von seiner Mama genannt wurde, hatte sich verliebt.

Leider war diese Liebe verboten und so musste diese lange Zeit verheimlicht werden.

Nur wenige Personen wussten Bescheid; u.a. waren eingeweiht Kaiserin Elisabeth, mit der sich Franz Ferdinand außerordentlich gut verstand, seine Schwester Margarete und natürlich Mama Marie Therese.

Die gesamte Geschichte zu Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg kann hier nachgelesen werden.

Ab 1899 half sie ihrem Sohn bei ihrem Schwager Kaiser Franz Joseph zu intervenieren, dass dieser seine große Liebe Sophie von Chotek heiraten dürfe.

Schon zuvor hatte sich Kaiserin Elisabeth dafür eingesetzt, doch diese starb bevor sie etwas erreichen konnte.

Also war Marie Therese auf sich allein gestellt.

Und obwohl Kaiser Franz Joseph von einer morganatischen (unstandesgemäß) Ehe nichts wissen wollte, gab sie sich nicht geschlagen.

Als der Affront aufkam und Erzherzog Franz Ferdinand Sophie im Kloster entdeckte, hielt er eine beeindruckende Rede vor seinem Onkel. Zwar gab dieser nicht nach, doch Franz Ferdinand unterschrieb die Verzichtserklärung, die ihm dieser vorlegte. Diese besagte, dass er zwar Thronfolger blieb, aber Sophie keine Kaiserin werden dürfe und die Kinder den Namen der Mutter tragen müssten und keine Thronfolger werden würden. Franz Ferdinand hatte gesiegt.

Die Hochzeit fand am 1.7.1900 statt.

Kaiser Franz Joseph verbot an der Hochzeit des Sohnes teilzunehmen und verhängte eine lächerliche Staatstrauer einer nebensächlichen Tante.

Fürstin Josephine von Hohenzollern (*21.10.1813, †19.6.1900) war verstorben. 4(!) Tage später wurde eine 12tägige Hoftrauer angeordnet. So hatte der Wiener Hof die Ausrede nicht teilnehmen „zu dürfen“.

Marie Therese und die Stiefschwestern hielten sich jedoch nicht an dieses Verbot. Von Sophies Seite waren ihre Geschwister mit Ehepartnern anwesend.

Jetzt lernte Kaiser Franz Joseph den Sturkopf seiner Schwägerin kennen und noch viele solcher Einsätze sollten folgen.

8 Tage nach der Hochzeit schrieb Erzherzog Franz Ferdinand an seine Stiefmutter folgenden Brief:

Liebste Mama!

Endlich bißl in Ruhe gekommen nach Beantwortung zahlloser Telegramme – Briefe nach Einrichtung unserer Wohnung und Auspackung aller Sachen von Sophie ist es mir Erstes Dir einige Zeilen zu schreiben und Dir in meinem und Sophies Namen auch noch schriftlich von ganzem Herzen zu danken für all die unbeschreibliche Güte und Liebe die Du uns in Reichstadt bewiesen hast! 

Wir sind Dir bis an unser Lebens-Ende dankbar für Alles was Du für uns gethan hast für die zahllosen Beweise Deines goldenen mütterlichen Herzens. 

Ich fühle mich wie neugeboren. Sie schwärmt von Dir und redet nur Deiner Güte und Liebe. Ich habe vollkommen in meinem Inneren das Gefühl daß wir beide bis zu unserem LebensEnde unbeschreiblich glücklich sein werden. 

Gute liebe Mama, Du hast das Richtige getroffen, daß Du mir so geholfen hast! 

Der liebe Gott zu dem ich täglich 2mal in der Capelle mit Soph bete lohne Dir gute Mama Alles was Du für uns gethan. 

Ich umarme Dich und Die Schwestern küsse Dir die Hände und bin ewig

Dein

dankbarster Dich innigst liebender Sohn Franzi. 

9.Juli 1900 (1)

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Marie Therese liebte nicht nur ihren Franzi und Soph, wie Sophie liebevoll genannt wurde, sondern auch ihre Enkelkinder, die eigentlich ihre Sitefenkelkinder waren, wenn wir es genau betrachten würden.

Doch dieses Wort stand Marie Therese nie im Weg und deshalb sollte es auch hier nicht im Wege stehen.

Franz Ferdinand und Sophie wurden 3 wunderschöne Kinder geboren, die auf so tragische Weise zu Waisen wurden.

Das Unglück von Sarajevo traf Marie Therese und die Kinder hart.

Doch Zeit ihres Lebens hielt sie den Kontakt zu ihren Enkeln.

  • Sophie (*24.7.1901, †27.10.1990) geboren, war 13 Jahre alt
  • Maximilian (*29.9.1902, †8.1.1962) geboren, 12 Jahre alt
  • Ernst (*27.5.1904, †5.3.1954) geboren, 10 Jahre alt

Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Erzherzog Otto

Foto: Wikimedia/Commons
Maria Josepha

Dem Zweiten dem sie bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe half, war Erzherzog Otto, als er an Syphilis erkrankte und von der Familie schon lange verstoßen war.

Ottos „Bolla“ oder auch „der Schöne“ Lebensweg war dem eines Dandys.

Er genoss Dirnen, Alkohol, Tänzerinnerinnen und hatte mehrere uneheliche Kinder.

Seine Ehe mit Maria Josepha Prinzessin von Sachsen (*31.5.1867, †28.5.1944) war eine einzige Farce. Lediglich zwei Söhne wurden geboren.

Erstgeborener Karl (*17.8.1887, †1.4.1922) ging in die Weltgeschichte ein. Er wurde zu

Kaiser Karl I.

Bei der Geburt von Karl kam es beinahe zu einem Drama.

Maria Josepha überlebte die Geburt beinahe nicht, so dass sogar ein Priester für die Sterbesakramente gerufen wurde.

Otto vollkommen hilflos in dieser Situation verständigte seine Mutter und diese eilte zu der Sterbenden und half nicht nur ihrem Sohn mit dem Baby, sondern setzte sich an ihr Bett, betete mit ihr und spendete tröstende Worte. Tag und Nacht wachte sie bei ihrer Schwiegertochter, die sich so nach und nach von der Strapaz erholte.

Trotzdem war dies für Otto kein Schuss vor den Bug.

Kaum war Maria Josepha genesen, genoss er schon wieder seine außerehelichen Affären und ließ seine „Nonne“ wie er Maria Josepha nannte, mit dem Baby allein.

Marie Therese hielt trotzdem all die Jahre zu ihm.

Selbst als sich das Verhältnis zu Franzi zusehends verschlechterte, da plötzlich Otto ins Weltgeschehen des Thronerben blickte, als Franz Ferdinand erkrankte.

Franz voller Eifersucht und Hass auf Otto, der ihm den Thron nicht gönnte und Otto voller Sorge und Angst, der den gar nicht wollte.

Als sich dann noch Franzi in Sophie verliebte, war es ausgerechnet Otto, der sich gegen Franz wandte.

Dies war das Ende der ansonsten guten Beziehung der Brüder. Auch wenn sich Marie Therese immer wieder einmischte und vermittelte, eine brüderliche Freundschaft konnte sie nicht mehr erwirken.

Ab 1900 war Ottos Syphilis offenkundig und sichtbar, weshalb man ihn zu Kuren ins Ausland schickte, doch die Lupusherde im Gesicht waren hier bereits so fortgeschritten und nicht mehr heilbar, dass er sich auf sein Schloss in Schönau an der Triesting zurückzog.

Foto: Wikimedia/Commons
Dr. Viktor Eisenmenger
Foto: ÖNB
Erzherzog Otto „Bolla“

Seine letzte Geliebte, Opernsängerin Luise Robinson (*8.1.1884, †1934) mit der er ebenfalls zwei uneheliche Kinder hatte und seine Mutter blieben bei ihm.

Letztere pflegte ihn so aufopferungsvoll, dass sich Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) um die Erzherzogin schwere Sorgen machte.

Zuerst fiel Otto die Nase ab, so dass er eine Nasenprothese brauchte, um besser atmen zu können.

Als es im Schloss Schönau nicht mehr ging und die Fahrt für Marie Therese zu anstrengend wurde, wurde in Wien Währing eine Villa angemietet.

In der Anton Frank-Gasse 20 wurde Otto heimlich untergebracht und so konnten die beiden Frauen dafür Sorgen, dass sie Tag und Nacht bei ihm sein konnten. Mit Otto ging es immer mehr bergab.

Als er kaum noch atmen konnte, musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden. Dabei wurde ihm eine Kanüle in den Hals geschoben. Das Sprechen fiel ihm unglaublich schwer, er konnte nur noch sitzen, weshalb er aus dem Bett gehoben und in einen Lehnstuhl gesetzt wurde.

So musste er Tag und Nacht verharren. Sobald der Kopf nach vorne sackte, drohte der Patient zu ersticken, weshalb sich Marie Therese und Louise abwechselten und die Tage und Nächte bei Otto verblieben und ihm den Kopf immer wieder gerade rückten.

Otto wurde gewaschen, gefüttert, gewickelt. Und das mit nicht einmal 40 Jahren. Seine Lupusherde waren nun überall am ganzen Körper ausgebrochen, der ganze Raum stank nach Wundbrand.

Marie Therese war so erschöpft, dass sich Dr. Eisenmenger schwere Sorgen um sie machte und ein Verbot aussprach sich weiter um Otto zu kümmern. Doch davon wollte sie nichts hören.

Sobald Otto drohte zu ersticken, wurde der Arzt gerufen und das Röhrchen wurde entfernt und ausgewechselt.

Eines Tages war der Erstickungsanfall so heftig, dass Dr. Eisenmenger zu spät kam.

Erzherzog Otto starb am 1.11.1906 im Beisein von Marie Therese – als einzige der Familie Habsburg. Er war gerade einmal 41 Jahre alt.

Erzherzog Ferdinand Karl

Auch ihrem dritten Sohn Erzherzog Ferdinand Karl (*27.12.1868, †10.3.1915) half sie seine große Liebe zur bürgerlichen Hofratstochter Berta Czuber (*5.12.1879, †5.7.1979) durchzusetzen.

Doch hier versagten alle kläglich. Kaiser Franz Joseph blieb stur.

Die Konsequenzen waren für niemanden absehbar.

Ausgerechnet Erzherzog Franz Ferdinand widersetzte sich dieser Beziehung.

Kennengelernt hatten sich die beiden auf dem Technikerball und schon bald entstand eine Liason, denn Berta war eine ausgesprochene Schönheit und unglaublich gebildet.

Ihr Vater war Mathematikprofessor an der Technischen Universität.

Foto: Wikimedia/Commons
Berta Czuber
Foto: Wikimedia/Commons
Ferdinand Karl

Ferdinand Karl fiel weder als Thronfolger ins Gewicht, noch sonst irgendwie auf.

Sein Status im Habsburg Haus war:
er war anwesend.

Ansonsten hatte er einen militärischen Rang, hatte einige Repräsentationsaufgaben und sonst nichts zu tun.

Foto: Wikimedia/Commons
Maria de la Mercedes

Pläne zur Hochzeit gab es für den 32jährigen erst, als der Junggeselle partout alles ablehnte, was ihm vorgestellt wurde.

So z.B. die spanische Infantin Maria de la Mercedes (*11.9.1880, †17.10.1904), Tochter von Königin Maria Cristina (*21.7.1858, †6.2.1929) und König Alphons XII (*28.11.1857, †25.11.1885).

Königin Maria Christina war immerhin eine Habsburgerin und saß alleine auf dem spanischen Thron, da ihr Mann schon lange an Tuberkulose verstorben war. Doch Ferdinand Karl weigerte sich hartnäckig.

Franz Ferdinand fürchtete schwere Imageschäden fürs Kaiserhaus und schrieb an seinen Onkel einen Brief, in dem er die Beziehung untersagen wollte:

„Ich fürchte immer bei Ferdinand einen Coup de tête(**) und das wäre schrecklich, denn diese Czuber ist eine abgefeimte Canaille.“ (2)

Gerade Franz Ferdinand solle es besser Wissen.

Seine Sophie wurde am Hof geschnitten wo es ging.
Doch er stellte sich quer, wollte nichts hören und nichts sehen.

Hilfesuchend wand sich Ferdinand Karl an seine Mama.

Immer lauter und bösartiger wurden die Stimmen gegen Berta, von der im Kaiserhaus über ein unstetes Leben berichtet wurde.

Ferdinand Karl gab zu Recht nichts auf dieses gemeine Getratschte, kannte er den Wiener Hof nur zu gut.

Es hatte seine Tante Sisi aus dem Hause getrieben, die Zeit ihres Lebens vor dem Adel floh, da sie als „Landadel“ und nicht „gut genug für den Kaiser war“ (der Unterschied zur Erblinie „in“ und „von“ Bayern kann hier nachgelesen werden).

Auch hier intervenierte wieder einmal Mama Marie Therese. Doch je älter ihr Schwager wurde, desto verknöcherter und sturer wurde er.

Einzig zwischen Ferdinand Karl und Franzi konnte sie vermitteln und eine Versöhnung erreichen.

Foto: Wikimedia/Commons
Berta und Ferdinand Burg

Aus Trotz und Kummer fuhr das schwerverliebte Paar in die Schweiz nach Chur, wo sie am 15.8.1909 heimlich heirateten.

Danach ging das Paar auf Reisen. Ferdinand Karls Tenor lautete: Wenn sein Onkel von der Ehe mit der gebildeten und hübschen Hofratstochter erfahren wird, wird er klein beigeben.

Doch der Tenor blieb aus.

Die Rechnung wurde ohne dem Onkel gemacht.

Kaiser Franz Joseph war es gewohnt als erste Instanz zu gelten und nicht übergangen zu werden.

Als er von der heimlichen Hochzeit zwei Jahre später erfuhr, tobte er.

Den eigenmächtigen Schritt musste Ferdinand Karl teuer bezahlen.

Er wurde aus der Familie ausgeschlossen. Rang und Titel musste er abgeben, das Goldene Vlies verlangte sein Onkel zurück, aus den Jahrbüchern wurde er getilgt.

Lediglich eine jährliche Apanage stand ihm zu. Des Weiteren wurde Ferdinand Karl gebeten nie wieder nach Österreich zurückzukehren.

Die einzige die wieder einmal zu ihrem Sohn und weiterhin Kontakt hielt war seine Mama.

Das Paar Ferdinand und Berta Burg ließ sich in München und Meran nieder, wo sie die beiden immer wieder besuchte. Leider wurde Ferdinand Karl alsbaldig schwer krank. Die Lungenkrankheit seiner Mutter brach auch bei ihm aus.

Als sein Bruder und seine Schwägerin in Sarajevo erschossen wurden, intervenierte sie beim Kaiser und dieser erlaubte für die Begräbnisfeierlichkeit eine Rückkehr des Verbannten.


Ferdinand Karl war kaum noch wiederzuerkennen.
Er zählte erst 46 Jahre, sah aber aus wie ein Greis.

Er konnte sich kaum auf den Beinen halten, so dünn und ausgezehrt war er. Als es mit ihm zu Ende ging, rief Berta Marie Therese und diese eilte nach München und pflegte wieder einmal ihren Sohn bis zum Tode aufopferungsvoll und voller Liebe.

Im Beisein seiner geliebten Berta und seiner Mutter starb er friedlich am 10.3.1915 46jährig.

Marie Therese sorgte für die Überfahrt nach Obermais nach Meran, wo er in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Jahre später sollte Berta ihm folgen.

Erzherzogin Margarete Sophie

Foto: Wikimedia/Commons
Albrecht Herzog von Württemberg
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Margarete Sophie

Und auch ihr viertes Stiefkind Margarete Sophie beerdigte sie.

Margarete Sophie (*13.51870, †24.8.1902) wurde zuerst Äbtissin im Damenstift Prag, bevor sie sich zur Hochzeit mit Albrecht Herzog von Württemberg (*23.12.1865, †31.10.1939) entschloss.

Doch noch vor der Verlobung wurde Margarete Sophie schwer krank. Leider ist nicht herauszufinden, an welcher Krankheit sie litt.

Mama Marie Therese eilte auch an dieses Krankenbett und pflegte ihre Tochter bis sie wieder gesund war. Es dauerte monatelang.

Am 24.1.1893 konnte im Beisein von Kaiser Franz Joseph in der Hofkapelle der Hofburg Wien die Hochzeit gefeiert werden.

7 Kinder wurde dem Paar geboren, bevor sie am 24.8.1902 in Gmunden 32jährig starb. Leider ist auch hier nicht überliefert an was Margarete starb.

Franz Ferdinand war untröstlich seine geliebte Schwester zu verlieren.

Marie Therese hatte im Laufe der Zeit zwischen 1902 und 1914 alle ihre Stiefkinder begraben und trotzdem ihren Glauben nicht verloren.

Nun blieben ihr nur noch ihre Enkelkinder und ihre beiden eigenen Töchter.

Erzherzogin Maria Annunziata „Miana“

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Maria Annunziata und Siegfried Herzog in Bayern
Verlobung in Possenhofen

Maria Annunziata wurde eine äußerst enge Vertraute von Kaiser Franz Joseph.

Sie verlobte sich mit Siegfried in Bayern (*10.7.1876, †12.3.1956) einem Sohn von Max Emanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893), einem Bruder von Kaiserin Elisabeth.

Doch Siegfried zeigte auf der Verlobungsfahrt nach England ein absonderliches Verhalten, so dass Maria Annunziata noch während der Fahrt ihren Onkel bat die Verlobung wieder auflösen zu dürfen.

Siegfried war 1899 vom Pferd gefallen und zeigte seit dem schwere Auffälligkeiten.

Er schrie, zog sich in der Öffentlichkeit aus, pinkelte in die Kajüte oder aufs Essen, onanierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit, auch in der Öffentlichkeit und bot generell einen traurigen Anblick, obwohl er ein sehr hübscher Mann war.

Kaiser Franz Joseph gewährte die Bitte und so wurde diese gelöst und Maria Annunziata kam zurück.

Sie verlobte sich nie mehr, obwohl sie als sehr große Schönheit galt.

Sie wurde die Erste Dame am Wiener Hof, eine schwierige Aufgabe, die schon ihre Mutter übernommen hatte, als diese noch verheiratet war.

Maria Annunziata war es auch, die Karl und Prinzessin Zita von Bourbon Parma (*9.5.1892, †14.3.1989) verkuppelte.

Maria Annunziata und Kaiser Franz Joseph standen sich so nahe, dass er sie sogar ins Vertrauen über die Mayerling Affäre zog.

Sie nahm die Geschichte mit ins Grab.

Erzherzogin Maria Annunziata starb am 7.4.1961 in Vaduz und ruht in Vaduz bei ihrer Schwester.

Erzherzogin Elisabeth Amalie

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie und Alois von und zu Liechtenstein

Elisabeth Amalie Eugenia ehelichte Alois von und zu Prinz Liechtenstein, dem sie in jede Garnison nachfolgte.

Sie war eine Autonärrin und sammelte diese. Insgesamt 8 Kinder wurde dem Paar geboren.

Sie begleitete ihren Mann zu den Garnisonen und ging gerne Jagen. 1909 erbte ihr Mann das schloss Ullersdorf in Mähren, wo sich die Familie niederließ.

1923 verzichtete Alois auf den Thron in Liechtenstein und übergab diesen an seinen Sohn Franz Josef. Im 2. Weltkrieg holte dieser seine betagten Eltern nach Liechtenstein.

Elisabeth von und zu Liechtenstein starb am 13.3.1960 81jährig in Vaduz.

Foto: SHB
Kaiser Franz Joseph 

Erzherzogin Marie Therese war von Anbeginn nach Kaiserin Elisabeth die Erste Dame am Wiener Hof.

Als Kronprinz Rudolf, der seine Tante sehr verehrte und liebte, Kronprinzessin Stephanie ehelichte, wurde Marie Therese von dieser abgelöst.

Als sich Rudolf umbrachte, fiel die Aufgabe wieder Marie Therese zu, denn eine Witwe konnte und durfte nicht Erste Dame des Landes sein.

Als ihr Mann Erzherzog Karl Ludwig starb benahm sich der Wiener Hof absonderlich.

Zuerst umwarb man sie nach Rudolfs Tod als zukünftige Kaiserin und kroch ihr beinahe in den Allerwertesten, da nach Kaiser Franz Joseph Erzherzog Karl Ludwig als Thronfolger feststand.

Als dieser 1896 starb war es mit den Plänen „Kaiserin Marie Therese“ vorbei und die Höflichkeit des Hofes hatte ein Ende.

Die Aufgabe der Ersten Dame fiel nun Erzherzogin Maria Josepha zu. Sie war die Ehefrau von Erzherzog Otto „Bolla“ und Mutter von Karl, obwohl als Thronfolger Franz Ferdinand feststand.

Nun kamen die Pläne der Heiratsvermittler auf dem Plan.

Da sich Kaiser Franz Joseph und seine Schwägerin Marie Therese außerordentlich gut verstanden und sich beide sehr schätzten, wollte man, dass die beiden sich verheiraten.

Dies hätte auch den Mittel zum Zweck gehabt, dass Franz Ferdinand „quasi“ der Sohn von Kaiser Franz Joseph werden konnte und als „Kronprinz“ anerkannt werden könnte.

Doch Marie Therese lehnte diese Pläne ab.

Als 1906 Erzherzog Otto starb war auch die Zeit für Erzherzogin Maria Josepha als Erste Dame des Hauses vorbei und Tochter und Vertraute von Kaiser Franz Joseph Erzherzogin Maria Annunziata trat an diese Stelle.

Diese verschaffte nicht nur wieder das hohe Ansehen für ihre Mutter zurück, sondern hielt auch wie üblich den ersten Teetisch.

Jede Erste Dame des Hofes hatte nicht nur beim Hofball den Circle zu leiten, sondern auch den Ersten Teetisch über.

Da Kaiserin Elisabeth diese Aufgabe zuwider war, überließ sie mit Freude diese Aufgabe Marie Therese, nach deren Tod übernahm dies natürlich zuerst Maria Josepha, danach bis zum Monarchie Ende Maria Annunziata.

Marie Therese war eine Befürworterin des Roten Kreuzes, welches sie tatkräftig mit Spenden und persönlichen Besuchen unterstütze.

Ihre eigene Tochter Maria Annunziata arbeitete bei Erzherzogin Maria Josefa im Palais Augarten und widmete sich den Kranken und Verwundeten. Um nicht erkannt zu werden, haben viele Erzherzoginnen „bürgerliche Namen“ gewählt.

Foto: collections.nlm.nih.gov
Marie Therese als Schwester Michaela

Marie Therese wählte den Namen „Schwester Michaela“ (dieser Name findet sich in ihrem Taufnamen weit hinten).

Sie meldete sich im Vereins-Reservespital Nr. 2 in der Hegelgasse Wien 1. Sie arbeitete als Oberkrankenschwester und half bei Operationen mit.

Sie ließ keinen Dienst aus, war stets freundlich und pflegte aufopferungsvoll und voller Hingabe und trug immer ihre Schwesterntracht.

Foto: Wikimedia/Commons
Maria Antonia von Portugal

Aber nicht nur in Wien versah sie ihren Dienst, sie ging auch direkt an die Front.

Vor allen die schwer gefürchteten Isonzofronten hatten es ihr angetan. Sie benutzte die Straßen, die unter schweren Beschüssen standen, sammelte Verwundete auf und verlor nie den Mut, waren die Verletzungen – vor allem Kopfverletzungen noch so grausam und schwer.

Zahlreiche Auszeichnungen bezeugen ihre Kriegseinsätze, doch auf diese legte sie keinen Wert.

Bevor Kaiser Franz Joseph entschlief war sie in Österreich zurück, um auch hier bei der Familie zu sein.

Sie begleitete ihren Schwager auf seinem letzten Weg, der hier nachgelesen werden kann.

Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Sie sah wie ihr Enkel Kaiser Karl und ihre Nichte Zita den Thron übernahmen.

Ihre Schwester Maria Antonia Infantin von Portugal (*28.11.1862, †14.5.1959) war immerhin die Mutter von Zita und somit war Marie Therese ihre Tante.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese als Witwe

Als das Ende der Monarchie eingeläutet wurde, befand sich „Schwester Michaela“ an der Südfront um im Lazarett zu helfen.

Sie hörte von Karls Debakel in Österreich und wollte nach Wien, um ihren Enkel zu helfen.

In Deutschland kam sie nicht weiter, da man ihr vorwarf, den Bündnispartner Deutschland nicht wertzuschätzen.

Erzherzogin Marie Therese musste Beweise antreten, dass sie in Deutschland geboren wurde und ihre Mutter eine Deutsche Adelige war.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Unter diesen schwierigen Umständen gar nicht so einfach. Als sie Deutschland verlassen durfte, war ihr Enkel und Zita mit den Kindern bereits über alle Berge.

Sie ging nach Wien zurück, wo sie in einer kleinen 3 Zimmer Wohnung lebte. Ihr gesamtes Personal musste sie entlassen das Palais war im Begriff verkauft zu werden. Die einst so reiche Marie Therese besaß kaum noch etwas. Doch auch jetzt beklagte sie sich nicht.

Am 3.4.1919 verkündete die Republik Österreich das Adelsaufhebungsgesetz.

Daraufhin verließen Erzherzogin Marie Therese und ihre Tochter Erzherzogin Maria Annunziata Österreich in Richtung Schweiz.

Dort erfuhren sie, dass auch Karl und Zita in der Schweiz angekommen waren.

Nun versuchte Kaiser Karl seine Restaurationsversuche, die allerdings allesamt scheiterten.

Nun zog man sich aber den Unmut der Schweiz zu, die sich verraten fühlte und die gesamte Familie auswies.

Maria Annunziata zog zu ihrer Schwester nach Liechtenstein, Maria Josepha, die Mutter von Karl ging nach Deutschland zurück.

Einzig Marie Therese durfte bleiben.

Sie behielt die Kinder von Zita bei sich, um ihnen ein sicheres Leben zu geben.

Aus Madeira erhielt sie Post und erfuhr, dass das Paar in Funchal gelandet war.

Foto: Wikimedia/Commons
Robert von Habsburg

Als Robert (*8.2.1915, †7.2.1996) an einer schweren Blinddarmentzündung erkrankte, verständigte Marie Therese Zita.

Diese durfte auf Bitten und Drängen bei den Behörden von Marie Therese für 14 Tage das Land Schweiz unter polizeilicher Bewachung wieder betreten.

Als der Kranke noch nicht geheilt war, musste Zita ohne ihrem Kind das Land wieder verlassen.

Diesmal fuhr Marie Therese mit, um Zita eine Stütze zu sein.

Erst am 2.3.1922 konnte Robert mit Gräfin Kerssenbrook, die bei ihm geblieben war, nach Madeira nachkommen.

Doch auch auf Funchal ging alles schief, was nur schief gehen konnte und so musste sie auch ihren Enkel alsbaldig begraben.

Foto: Wikimedia/Commons
alle Kinder von Karl und Zita

Während es in der Hauptstadt warm und sonnig war, wurden Zita, Karl und die Kinder, welche zu diesem Zeitpunkt bereits geboren waren,

  • Otto von Habsburg (*20.11.1912, †4,7.2011), Österreichs letzter Kronprinz
  • Adelheid (*3.1.1914, †2.10.1971)
  • Robert (*8.2.1915, 7.2.1996)
  • Felix (*31.5.1916, †6.9.2011)
  • Carl Ludwig (*10.3.1918, †11.12.2007)
  • Rudolph (*5.9.1919, †15.5.2010)
  • Charlotte (*1.3.1921, †23.7.1989)

in einem zugigen Haus ohne Licht, Heizung und Wasser nur im Erdgeschoss auf dem „Monte“ untergebracht.

Die eigene Bevölkerung mied im Winter diesen Berg.

Die Dienerschaft, die das Kaiserpaar ebenfalls begleitet hatte, schlug die Hände über den Kopf zusammen, ob des schlechten Zustandes dieses Hauses. Ein Diener fasste sich ein Herz und warnte Marie Therese vor dem Haus, die jedoch bei Karl auf taube Ohren schlug.

Da die Familie kein Geld mehr besaß und sich das Hotel nicht mehr leisten konnte, war man auf die Almosen und Hilfe des Volkes angewiesen. Das Haus wurde dem Paar zur Verfügung gestellt. Das Schicksal schlug unbarmherzig zu.

Kaiser Karl verkühlte sich und konnte sich in dem zugigen, von Schimmel belasteten Haus nicht erholen.

Wieder war es Marie Therese die Tag und Nacht am Krankenlager des Kranken saß, der von Fieber geschüttelt wurde und dem es immer schlechter ging.

Er bat seine mittlerweile wieder schwangere Frau Zita zu sich und bat sie bei König Alfonso XIII in Spanien um Hilfe anzusuchen. Außerdem musste sie ihm versprechen, alles mögliche zu versuchen, das Kaiserreich zurückzuerobern.

Noch am selben Tag starb Kaiser Karl im Beisein seiner Großmutter 34jährig am 1.4.1922.

Nun machte sich Marie Therese also mit der hochschwangeren Zita auf den beschwerlichen Weg von Portugal nach Spanien.

Königin Maria Cristina, eine Großcousine von Kaiser Franz Joseph und ihr Sohn König Alfonso XIII (*17.5.1886, †28.2.1941) nahmen sie im El Pardo Palast in Madrid bereitwillig auf.

Hier brachte Zita ihr letztes Kind Elisabeth Charlotte (*31.5.1922, †6.1.1993) zur Welt.

Während die Familie in Spanien blieb, hieß es für Marie Therese Abschied zu nehmen.

Sie wollte zu ihrer Tochter Maria Annunziata nach Österreich zurück, die zwischenzeitig wieder aus Liechtenstein zurück war.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese im Alter

Das genaue Datum des Übertritts ist nicht bekannt, allerdings half ihr Polizeipräsident Schober nach Wien zurück.

Weder Marie Therese, noch ihre Tochter Maria Annunziata mussten auf ihren Titel „Erzherzogin“ verzichten. Sie stellten für die Republik Österreich keine Gefahr dar.

Zur großen Überraschung konnte ihre Familie das Palais Erzherzog Carl Ludwig (er)halten, weshalb Maria Annunziata und Marie Therese zurückkehren konnten. Sogar vom Personal kamen einige zurück und halfen der mittlerweile betagten Dame im Haushalt.

Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor und Maria José in Bayern

Durch ihre Tätigkeit beim Roten Kreuz gingen viele Ärzte im Palais Ein und Aus.

Auch der „Adel“ von Wien kam ins Palais und Marie Therese stieg quasi wieder zur Ersten Dame der Gesellschaft auf.

Ihre Sommermonate verbrachte sie mit ihrer Schwester Maria José Herzogin in Bayern (*19.3.1857, †11.3.1943) in Gastein, welche den Bruder von Kaiserin Elisabeth Karl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) geheiratet hatte.

1938 erlebte sie noch wie ihre beiden geliebten Enkel Max und Ernst von Hohenberg ins Konzentrationslager Dachau gebracht wurden.

Die von Hohenbergs waren die Kinder von Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie. Während Max auf Intervention seiner Frau nach einem halben Jahr frei kam, musste Ernst 5 Jahre verschiedene Konzentrationslager erdulden.

1944 erlebte sie noch die Freilassung und konnte – Ernst einigermaßen gesund – wieder in die Arme schließen.

Vom Glanz und Gloria der Habsburg-Zeit, der Wiener Hofbälle, Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph, das tragische Ende ihres Neffen Rudolf, bis hin zum Fall der Monarchie, 4 Kinder und einen Enkel begrub sie, Entbehrungen und viel Leid ertrug Marie Therese mit Würde und Stolz, Haltung und viel Eleganz.

Kein Klagen kam je über ihre Lippen. Sie war durch und durch eine Dame und durch und durch die gute Seele des Hauses Habsburg, das ihr viel zu verdanken hatte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Wandnische, Erzherzogin Marie Therese, Kapuzinergruft

Erzherzogin Marie Therese erlebte das Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr.

Sie starb am 12.2.1944 88jährig im Beisein ihrer Töchter Erzherzogin Maria Annunziata, Prinzessin Elisabeth Amalie von und zu Liechtenstein, Max und Ernst Hohenberg in ihrem Palais Erzherzog Carl Ludwig.

Der Nazi-Reichsstatthalter und Gauleiter von Wien Baldur von Schirach hätte ihr beinahe das ordentliche Begräbnis in der Kapuzinergruft verweigert.

Ihr Schwiegersohn Alois von und zu Liechtenstein erwirkte die Erlaubnis und so konnte sie mit allen Ehren einer Erzherzogin ihre letzte Ruhestätte in der Kapuzinergruft antreten. Sie ruht heute in einer Wandnische.

– Petra – 

Foto: Wikimedia/Commons
Unterschrift von Erzherzogin Marie Therese

Fußnoten: 

(*) In jedem (!) historischen Buch ist zu lesen, dass Erzherzog Karl Ludwig, bei der Hochzeit 44 Jahre alt war. Dies stimmt ob seines Geburtsdatums nicht. Er stand ganz knapp vor seinem 40. Geburtstag. 

(**) Coup de tête – aus einer Laune heraus; eine Entscheidung betreffend


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra
Stammbaum: Petra
Fotorechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, collections.nlm.nih.gov, planet-wissen.com, albertmilde.com, ÖNB, schloss-artstetten.at, geneall.net


Literatur Hinweise:

1 – S. 38
Norbert Nemec
Marie Therese von Braganza
Der gute Geist im Hause Habsburg
Editions Praesens, 1. Auflage, 2000 (nur antiquarisch erhältlich)

2 – S. 88
Diana Carmen Albu-Lisson
„….denn…[sie]…ist eine abgefeimte Canaille…“
Kral-Verlag, 2013, 1. Auflage

Sabine Fellner, Katrin Unterreiner 
Morphium, Cannabis und Cocain 
Amalthea Verlag, 2008, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Gabriele Praschl-Bichler 
Kinderjahre Kaiser Karls – Aus unveröffentlichten Tagebüchern seines Großvaters
Amalthea Verlag, 2014, 1. Auflage 

 

Ludwig Viktor Joseph Anton Erzherzog von Österreich oder auch Luzi-Wuzi

Foto: Wikimedia/Commons, Bild: Victor Angerer Erzherzog Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“

Wir gedenken heute des Todestages von Ludwig Victor Joseph Anton Erzherzog von Österreich. Er wurde am 15.5.1842 in Wien geboren.

Nach dem Erzherzog Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) und Erzherzog Franz Karl (*7.12.1802, †8.3.1878) zwei Jahre zuvor ihre geliebte Tochter Ännchen (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) verloren hatten, hofften sie, dass die erneute Schwangerschaft eine Tochter hervorbringen würde. Etwas Enttäuschung war der Mutter anzusehen, als sie den vierten Buben entbunden hatte. Trotzdem wurde er schnell der Star in der Familie.

Sophie verhätschelte „Luzi-Wuzi“ oder „Luziwuzi“ (beide Schreibweisen sind korrekt) – wie er in der Familie und auch als Erwachsener genannt wurde – bis auf Äußerste, weshalb das Nesthäkchen von Franzi, Maxi und Karli misstrauisch und neidvoll beäugt wurde. Die drei Buben waren natürlich niemand geringere als der zukünftige Kaiser Franz Joseph (Franzi), Lieblingssohn und Sophies Herzipinki Erzherzog Ferdinand Maximilian (Maxi) und Erzherzog Karl Ludwig (Karli).

Ludwig Victor erhielt dieselbe schulische Ausbildung wie seine Brüder, allerdings war seine Mutter bei weitem nicht mehr so streng und mit Drill dahinter wie bei Franzi und Maxi, weshalb sich der Bub so manche Späße mit seinen Hauslehrern erlaubte. Schon Max hatte einige Freiheiten mehr, als der von Gott begnadete auserwählte erstgeborene Franz, der zum Teil völlig isoliert aufwachsen musste.

Schon früh fiel bei Luzi-Wuzi jene Begabung auf, die später gefürchtet war. Er konnte sehr gut mit seiner spitzen Zunge zynische Bemerkungen fallen lassen. Als Bub diente dies noch der Belustigung der Hofdamen von Sophie, zumal der blondgelockte Ludwig Victor ein sehr hübscher Knabe war. Später war er für seine spitze Zunge, pointierten Aussagen, tiefschwarzen Bemerkungen, gesponnenen Intrigen und hinterlistigen Geschichten über das Kaiserhaus gefürchtet.

Foto: Wikimedia/Commons, Luzi-Wuzi bei der Aufführung eines Bühnenstücks

Ebenfalls zeitig fiel seine Passion auf, sich in Frauenkleidern zu zeigen. Zuerst verkleidete er sich nur im Fasching oder wenn er jemanden nachäffen und diese Darstellung besonders treffend darstellen wollte. Franzi, Maxi und Karli kringelten sich oft vor Lachen, wenn Luzi-Wuzi mit verstellter Stimme, in Mädchenkleidung irgendeine Cousine nachäffte. Nicht umsonst nannte ihn Elisabeth später und heimlich in ihren Gedichten auch „Affe“.

Völlig aus dem Kontext gerissen ist allerdings nebenstehendes Foto, welches gut und gerne immer wieder verwendet wird, um Luzi-Wuzis Ruf heute noch in Verruf zu bringen, oder ihn generell zu verspotten. Dieses Foto bzw. die Fotoreihe (es gibt mehrere davon) entstand bei einem Rollenspiel zum Bühnenstück „Eine Vorlesung bei der Hausmeisterin“, bei dem sämtliche weibliche Rollen von Männern gespielt werden. Dieses Stück wurde in der Hofburg aufgeführt, welches die Schriftstellerin Marie Gordon (*1810, †13.11.1863) unter ihrem männlichen Pseudonym Alexander Bergen schrieb. 

Foto: Wikimedia/Commons Fürstin Pauline von Metternich
Bild: F.X. Winterhalter
Foto: geni.com
Sophie von Metternich

15jährig wurde er der Taufpate von Fürstin Pauline Metternichs (*25.2.1836, †28.9.1921) Tochter Sophie (*17.5.1857,†11.1.1941). Erzherzogin Sophie, welche mit Pauline eng befreundet war, trug sich an, die Taufpatin von deren erstgeborenen Kind zu werden. Da es eine Tochter wurde, erhielt sie den Namen Sophie. Da aber kurz darauf ihr Enkelkind Sophie (†29.5.1857, die ganze tragische Geschichte kann hier nachgelesen werden) starb, trat sie die Reise nach Dresden nicht an und ließ sich von ihrem 15jährigen vertreten, der stolzer hätte nicht sein können. Mit Bravour überstand er seine erste offizielle Aufgabe und taufte im Namen seiner Mutter und des Kaiserhauses die kleine Sophie von Metternich.

Wie seine Brüder wurde auch er militärisch erzogen. Er brachte es bis zum General eines Infanterieregiments, schied aber nach dieser Ernennung aus selbigen wieder aus, da er mit dem Militär nichts anfangen konnte. Das Regiment erhielt trotzdem seinen Namen.

Luzi-Wuzi war beliebt bei seinen Tanten vor allem bei Tante Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) in Bayern und gern gesehener Gast bei den Kaffeekränzchen. Er vergaß nie einen Geburts-, einen Namens-, einen Hochzeits- oder sonst einen Ehrentag der Damen oder der Herrschaft, schickte Blumen, Karten und Pralinen.

Luzi-Wuzi wusste immer den neusten Tratsch aus dem Kaiserhaus, vor allem über seine Schwägerin Sisi, die ihn dafür regelrecht verachtete und hasste.

Nicht nur einmal beschwerte sie sich bei ihrem Ehemann über ihren Schwager, dass er Missstimmung in die Familie brächte und er es sei, der die Familie entzweien würde. Doch Kaiser Franz Joseph hielt an seinem Bruder genauso fest, wie an Sisi oder an seiner Mutter. Sie stieß bei Franz Joseph genauso auf taube Ohren, wie Sophie bei den Beschwerden über Elisabeth (und natürlich umgekehrt). Franz Joseph ignorierte alles und vermittelte auch nicht.

Obwohl Katrin Unterreiner in ihrem Buch „Luzi-Wuzi“ schrieb, dass sich Kaiserin Elisabeth mit ihrem Schwager blendend verstand, konnte ich keinen Hinweis darauf finden. Schon früh begann der Zwist der beiden.

Er befand sie zwar in Dresden auf der Hochzeit am 11.2.1865 von Carl Theodor in Bayern (*9.8.1839,30.11.1909) mit Sophie Prinzessin in Sachsen (*15.3.1845,†9.3.1867) als „eine schöne unerreichbare Fee aus dem Märchenland“, als sie gleichzeitig mit Helene (Nènè) von Thurn und Taxis (*4.4.1834,†16.5.1890) (geb. Herzogin in Bayern) auf der Abendgesellschaft erschien, (die traurige Geschichte zu Sophie in Bayern kann hier nachgelesen werden) verfiel jedoch zurück in Wien alsbaldig wieder in seinen gewohnten Umgang mit ihr. Jedoch von Dresden aus, erreichte Erzherzogin Sophie folgender Brief:

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth im Sternenkleid
Bild: F.X. Winterhalter

„Sisi sei blendend schön, auch waren die Leute wie verrückt hier. Ich habe noch nie so einen Effekt machen sehen. Helene ein sehr schlechter Abklatsch von der Kaiserin, auch Sternenkleid.“ (10)

Kaiserin Elisabeth hasste ihn, da er immer wieder Geschichten über sie erfand. Er dichtete ihr Affären mit ihrem Reitlehrer und mit Hofdamen an, kein Tratsch war ihm fremd, Hauptsache irgendwas erzählen. Als Titania verfasste sie heimlich mehrmals über ihn Gedichte. Alle Gedichte in voller Länge wiederzugeben, würde den Rahmen sprengen, deshalb gebe ich nur die wichtigsten Passagen wieder:

Familienmahl:

….

Erster zu erscheinen pflegt
Ob’rons jüngster Bruder.
(Und der grosse Erdball trägt
Kein solch‘ zweites Luder). (7)

….

Zu Oberons* Wiegenfest:

….

Ekelhaft ist mir der Affe,
Boshaft, wie kein andres Vieh;
Solcher Tag, schein wahre Strafe,
Seh‘ ich ihn, den ich sonst flieh‘.

Hässlich, wie es anzuschauen,
Ist sein Maul auch lästerhaft,
Stets erfasst mich innres Grauen
Trifft mich seine Nachbarschaft.


Nur der Letzte kann so bleiben,
Macht auch keinen Unterschied,
Ob das Volk sein äffisch Treiben
In der Affenhaut besieht.
(8)

(*Anmerkung Petra: Oberon war Kaiser Franz Joseph; geschrieben wurde dieses Gedicht am 18.8.1887 in der Kaiservilla in Ischl; am Abend fand ein großes Familiendinner mit 25 Mitgliedern der Familie statt)

Ins Stammbuch:*

Dir soll ich in dein Stammbuch schreiben?
Nein, die Idee ist kollossal!
Könnt‘ viel an die Nase reiben,
Doch Bruder bist du dem Gemahl.
So viel nur sage ich dir heute,
Nach sechzig Jahren werde wach,
Es singen dir’s dann alle Leute,
Die Spatzen pfeifen’s auf dem Dach,
Was du für ein Reptil gewesen
Mit giftig gleisnerischem Schleim;
dann, in der Nachwelt Interessen,
Kehr‘ in die Erde schleunigst heim!
(9)

(*Anmerkung Petra: Es könnte Ludwig Victor gewidmet sein, allerdings stört die Zahl 60 in diesem Gedicht. Elisabeth schrieb die Zeilen in Ischl im Jahre 1887 und Ludwig Victor wurde in diesem Jahr keine 60. Es könnte daher auch mit „Bruder“ ein Militär“bruder“ gemeint sein und damit Franz Josephs guter Freund Erzherzog Rainer oder Wilhelm, die beide in diesem Jahr 60 wurden. Vom Text her, wäre es allerdings wiederum auf Luzi-Wuzi abgestimmt. Es wird wohl für immer Elisabeths Geheimnis bleiben, wem sie diese Zeilen gewidmet hat.)

Außer der Militärausbildung hatte Ludwig Victor nicht viel zu tun. Im Grunde war ihm furchtbar langweilig. Erzherzog Ferdinand Maximi