Erzherzogin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha von Österreich

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Erzherzogin Sophie Friedericke

Wie viel der Kitsch „Sissi“ uns jedes Jahr rund um Weihnachten von der Wahrheit trennt, zeigt am allerbesten die abstruse Geschichte rund um die Tochter Sophie.

Auch wenn viele die Filme mögen, so sind sie leider nur ein 50er Jahre Traum, der die Leute nach den Kriegswirren zum Ablenken einlud. Und nichts war einfacher, als ein zuckersüßes Mädel, die „gute alte Zeit“ in Form der Kaiserzeit, die damals noch gar nicht so lange her war.

Was machte es da schon aus, dass an Sissi nichts stimmte? Weder die dümmliche Angelszene, noch die Zeit Abfolge, noch die Mode (Kaiserin Elisabeth lief nicht im schulterfreien Kleid tagsüber durch Schloss Schönbrunn oder durch die Hofburg), noch der Name.

Elisabeth hieß nun mal niemals Sissi.

Ihr Kosename war immer nur Sisi. Und niemals hätte sie das gemeine Volk mit Kaiserin Sisi anreden dürfen.

Eine Unart, die sich bis heute durchzieht ist die schreckliche Schreibweise von Sissi. Egal ob auf sämtlichen Social Media Seiten, in historischen Büchern (auch namhafte Historiker selbst), auf Souvenirs, auf Bonbons und sämtlichen Zeug das sich verkaufen lässt.

Auch das Spanische Hofzeremoniell gab es nicht in der Art, wie es der Film vermuten lässt. Mein Beitrag dazu kann hier nachgelesen werden.

Ich versuche seit Jahren dem Film-Kitsch entgegenzuwirken und zeige die reale Welt unserer Kaiserin.

Beginnen wir auch hier mit der kleinen Erzherzogin Sophie, die in Sissi den komplett falschen Namen

„Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria“

erhalten hat.

Bis auf den ersten Vornamen, stimmt nichts an dem kleinen Filmbaby. Nicht einmal ihre Geschichte an sich.

Aber beginnen wir wie immer von vorne und mit der realen Geschichte:

Die einzige wahre Pflicht von Kaiserin Elisabeth war es, so rasch als möglich Nachwuchs zu bekommen.

Vorzugsweise Buben, damit die Thronfolge gesichert sein konnte. Der Beitrag zur Elisabeth als Mutter kann hier nachgelesen werden. 

Nach den strapaziösen Hochzeitsfeierlichkeiten (der Bericht kann hier nachgelesen werden), den Flitterwochen und der Reise nach Böhmen und Mähren, stellte Erzherzogin Sophie als baldigst die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft bei ihrer noch sehr jungen Schwiegertochter fest.

Sie schrieb eilig an ihren abwesenden Sohn:

„Auch glaube ich, dass Elisabeth sich nicht zu sehr mit ihren Papageien abgeben sollte, da zumal in den ersten Monaten man sich so leicht an den Tieren verschaut, die Kinder Ähnlichkeit mit ihnen erhalten. Sie sollte lieber sich im Spiegel und Dich anschauen. Dieses Verschauen lass ich mir gefallen.“ (1)

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Erzherzogin Sophie

Sophie setzte sich durch, die Papageien mussten die Räumlichkeiten verlassen. Elisabeth war aufs äußerste betrübt.

Sophie nahm darauf wenig Rücksicht und hielt die junge Frau an, sich in der Öffentlichkeit mit dem Bauch zu zeigen.

Das Volk solle die stolze schwangere Kaiserin sehen.

Elisabeth wollte fliehen, sie weinte beinahe Tag und Nacht. 

Selbst die Geburt ist seitens Sophie dokumentiert. Sie schrieb in ihr Tagebuch:

„Sisi hielt die Hand meines Sohnes zwischen den ihren und küßte sie einmal mit ihrer lebhaften und respektvollen Zärtlichkeit; das war so rührend und machte ihn weinen; er küßte sie ohne Unterlaß, tröstete sie und klagte mit ihr und schaute mich bei jeder Wehe an, um zu sehen, ob ich damit zufrieden war. ….. Endlich nach einigen guten und langen Wehen kam der Kopf und gleich danach war das Kind geboren.“ (2)

Obwohl Ludovika zur Geburt „eingeladen“ wurde, ließ sie den Vortritt ihrer verehrten Schwester.

Kaiserin Elisabeth wurde nach Schloss Laxenburg gebracht, wo die Geburt auf Hochtouren vorbereitet wurde. 

Am 5.3.1855 um 3.00 Uhr nachts kam schließlich die kleine Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha Erzherzogin von Österreich zur Welt.

Ihr Name ist nicht wie so oft, ein Alleingang von Erzherzogin Sophie, sondern ein durchaus übliches Handeln bei den kaiserlichen und königlichen Familien. So wurde immer der Name der Großmutter weitergegeben, erst im weiteren Verlauf die eigentlichen „neuen“ Namen.

Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
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Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Sophie und die kleine Gisela

Doch auch gleich nach der Geburt gab es wieder Streit.

Sophie wollte sich um die kleine Erzherzogin selbst kümmern. Sie bestand darauf, dass das Kinderzimmer in ihren Wohntrakt verlegt wurde. Elisabeth musste sich anmelden, um ihre Tochter besuchen zu dürfen.

Eigenartig ist, dass Sophie Elisabeth verbat ihren Säugling zu stillen, immerhin stillte sie selbst ihren Franzi. Etwas, dass zu dieser Zeit im Hochadel kaum jemand tat.

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Erzherzogin Sophie Friedericke

Elisabeth wurde quasi das Kind entrissen, was eine große Bestürzung bei ihr auslöste. Sie beschwerte sich lautstark bei Franz Joseph. Es half aber leider nichts.

Die kleine Erzherzogin verblieb in der Obhut ihrer Großmutter, die diese wie einen Kelch herumreichte und allen Besuchern des Schlosses zeigte.

Permanent war um das kleine Mädchen irgendwer herum. Es ist verwunderlich, denn als Franz Joseph noch „Franzi“ war, wurde er von Sophie richtiggehend abgeschottet und teilweise sogar versperrt.

Nach der Geburt von Gisella(*), stellte sich Elisabeth quer. Sie verlangte die Kinder umgehend zurück. Sie sollten in die Radetzky-Räume verlegt werden.
(Anmerkung Petra: Erzherzogin Gisella wurde erst mit der ihrer Hochzeit zu Gisela)

In einem langen Brief erklärte Franz Joseph seiner Mutter die Gründe. Im Prinzip ging es Elisabeth nur um die Wintermonate. Im Sommer verbrachte man die Zeit in Laxenburg, während Sophie in Schönbrunn war. Franz Joseph setzte sich gegen seine Mutter durch. Sophie und Gisella zogen in die gewünschten Räume.

Sophie galt als glückliches, lebhaftes Mädchen, das gerne gluckste und ihre Zehen in den Mund steckte, wie Kaiser Franz Joseph amüsiert an seine Mutter schrieb. Als sie zu Laufen begann, erkundigte sie gerne das Schloss. 

1857 beging Kaiserin Elisabeth einen fatalen Fehler, den sie Zeit ihres Lebens bereuen sollte.

Sie entschied sich bei der geplanten Ungarnreise die Kinder mitzunehmen. Erzherzogin Sophie zeterte, Kaiserin Elisabeth setzte sich jedoch durch.

Am 4. Mai 1857 fuhr die kaiserliche Familie nach Ofen, wo vor allem Elisabeth huldvoll empfangen wurde.

Die Menschen lagen ihr zu Füßen. Sie spürte sofort eine Verbundenheit mit diesen überaus freundlichen Menschen. Sie verliebte sich augenblicklich in Land und Leute.

Doch der Schein trügte. Gisella bekam Fieber und Durchfall. Sophie erkrankte ebenso. Dr. Seeburger diagnostizierte „Zahnen“ und tat die Beschwerden ab; er befand Elisabeth als „hysterisch“. Wie fatal diese Fehlentscheidung war, stellte sich bald heraus.

Es ist nicht überliefert ob Sophie an der Ruhr oder an Typhus litt, jedoch erkrankte sie so schwer, dass sie nichts mehr behalten konnte. Ihr Körper magerte ab, sie wand sich vor Schmerzen und Erschöpfung.

Am 29.5.1857 verlor die kleine Sophie den Kampf und starb in den Armen ihrer gramgebeugten Mutter. Sie wurde nur 2 Jahre alt. 

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Lithographie Josef Kriehuber
Dieses Bild hing über dem Bett von Kaiserin Elisabeth. Es zeigt im Bild die kleine Erzherzogin Sophie, im Arm hält Kaiserin Elisabeth Kronprinz Rudolf, daneben stehend Erzherzogin Gisela.

Elisabeth überwand den Tod der kleinen Sophie nie. Wie sehr sich Kaiser Franz Joseph mit der Kleinen verbunden fühlt, zeigte erst der Tod von Kaiserin Elisabeth. Diesen Schmerz hielt Marie Valérie in ihrem Tagebuch fest.

20. – 22.September 1898 „Mit Papas Gutheissung wird Mamas Toilettenzimmer in der Villa Hermes mit all den gewohnten Sachen hergerichtet… Erinnerungen tauchen auf – längst vergangenes Weh – auch an das baby, das ihr vor mehr als 40 Jahren vorangegangen, nach denen Papa jetzt fragt, die er aufbewahrt wissen und doch nicht sehen will Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich ihn vom „baby“ sprechen hörte…“ (3)

Erzherzogin Sophie machte Elisabeth schwere Vorwürfe. Es wird mit ein Grund gewesen sein, warum sie den Kampf gegen Sophie in der Erziehung von Gisella und Rudolf abgab.

Die Kinder übersiedelten wieder zu Erzherzogin Sophie. Zu Gisella und Rudolf hatte Elisabeth Zeit ihres Lebens ein sehr angespanntes und distanziertes Verhältnis.

Erzherzogin Sophie Friedericke ruht in der Kapuzinergruft. Bei der letzten Renovierung wurden die sterblichen Überreste von Sophie, gemeinsam mit anderen Kindern, in einem Mauerabteil beigesetzt.

Eine gemeinsame Grabplatte erinnert an die toten Kinder. Wer genau liest, wird auch den Namen von Maria Anna entdecken. Sie war die Schwester von Kaiser Franz Joseph. Der Beitrag zu ihr, kann hier nachgelesen werden. 

Am 31.5.1894 besuchte Kaiser Franz Joseph die Plitvicer Seen in Kroatien. Er genehmigte durch seine Unterschrift, dass entlang der Seen ein Weg nach dem Namen seiner Tochter Maria Dorothea benannt werden darf. Noch heute heißt der Weg schlicht „Dorothea Weg“.

– Petra – 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 
Stammbaum: Petra


Literatur Hinweise:

1 – S. 233
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie Die starke Frau am Wiener Hof
Amalthea Verlag, 1. Ausgabe, 2016

2 – S 19
Martha Schad
Kaiserin Elisabeth und ihrer Töchter
Piper Verlag, Ausgabe 1999, TB Ausgabe


3 – S 313/4
Erzherzogin Marie Valérie
Martha Schad als Herausgeberin
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth
Piper Verlag, 7. Auflage, 2013


Erzherzogin Sophie

Copyright Archiv, frei lt. Hrn Georg Markus
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie

„Und eine Kaiserin gehört zum Kaiser.“

Wer hört sie nicht?
Dieses „Singsang“  in der Stimme von Vilma Degischer, die in der Sissi-Trilogie mit Romy Schneider die böse intrigante Schwiegermutter dargestellt hat und man sie als Sissi – Fan so richtig schön hassen konnte.

Wirklich viel wusste man von Erzherzogin Sophie nicht zum Zeitpunkt der Filme, aber mittlerweile gibt es 2 Biografien, die so ein ganz anderes Bild der Kaiserin Mutter zeigen; aber leider ist das Bild der bösen Schwiegermutter auf ewig geprägt.

Hier erfolgt ein Versuch, das etwas andere Bild der Erzherzogin Sophie zu zeigen, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, kurz Maximilian Joseph I. hatte bereits 5 Kinder aus erster Ehe, aber Königin Auguste Wilhelmine Marie von Hessen-Darmstadt starb am 30.3.1796.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum von Vater Max mit seiner 1. Ehefrau Auguste Wilhelmine,
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Am 9.3.1797 ehelichte der König Prinzessin Friedericke Karoline Wilhelmine von Baden.

Sophie Friederike Dorothea Wilhelmine Prinzessin von Bayern kam mit ihrer Zwillingsschwester Maria Anna Leopoldine Elisabeth von Bayern (spätere Königin Maria Anna von Sachsen, †13.9.1877) am 27.1.1805 in München zur Welt.

Ihre Schwester Ludovika kam 1808 zur Welt und wurde in späterer Folge die Mutter von Kaiserin Elisabeth. Mein Beitrag zu Ludovika kann hier nachgelesen werden.

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Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
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Luise (Ludovika), Sophie und Maria Anna, Bild nach Joseph Karl Stieler, 1812
 

Sophie und ihre Geschwister wuchsen sehr liebevoll auf.

Ihre Eltern kümmerten sich – zumindest soweit es deren Zeit zuließ – außerordentlich liebevoll um die Kinder.

Karoline wurde auch den Stiefkindern eine liebevolle Mutter, die von allen sehr geliebt wurde. Allen, bis auf Ludwig.

Bereits mit 5 Jahren konnte Sophie lesen und schreiben und schrieb ihrem Vater und ihrer Mutter heiße Liebesbriefe, wenn diese abwesend waren.

Sophie wurde in der Familie Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer genannt. (1)

Ab ihrem 4. Lebensjahr bekam Sophie Unterricht in Französisch, Physik, Geschichte, Lesen/Schreiben usw.; auch Theater- und Ballettabende standen auf dem Programm.

Sophie war Zeit ihres Lebens eine glühende Verehrerin von den schönen Künsten. Sie ging ausgesprochen gerne ins Theater und in die Oper.

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Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth und Amalie mit der kleinen Maximiliane „Nini“, 1814 nach Joseph Karl Stieler

Sophie und Maria Anna waren die erklärten Lieblingskinder ihres Vaters, Sophie verehrte Zeit ihres Lebens ihre Mutter, was zahlreiche Briefe belegen.

Als ihre Mutter am 13.11.1841 starb, fing Sophie an, ihre Gedanken in ein Tagebuch zu schreiben.

Schon zu Kinderzeiten schrieb sie glühende Briefe an ihre Eltern:

An ihre Mutter, die mit ihrem Mann König Max, zum Wiener Kongress 1814/15 in Wien weilte schrieb die 9jährige Sophie:


„Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (2)

Schon zu Kinderzeiten musste Sophie einen herben Verlust verarbeiten.

Das Nesthäckchen, Maximiliane Josepha Karoline von Bayern, welche am 21.7.1810 geboren wurde und der erklärte Liebling von Mutter und Kindern war, starb am 4.2.1821 11jährig an Typhus. Zeit ihres Lebens gedachte Sophie ihrer geliebten „Nini“, wie sie genannt wurde, zum Todestag.

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Foto: erzherzoginsophie.at
Erzherzogin Sophie, nach einer Lithographie von Josef Kriehuber 1836

Als Sophie 19 Jahre alt war, wurde sie mit Erzherzog Franz Karl vom Österreichischen Kaiserhaus verlobt.

Franz Karl soll angeblich gleich Feuer und Flamme gewesen sein, als er seine zukünftige Braut erblickte.

Bei Sophie war es eher Fügung in ein Schicksal. Ihr zukünftiger Ehegemahl war leider geistig schwach und auch sonst nicht wirklich fähig, eine große Karriere einzuschlagen. Mein Beitrag zu Erzherzog Franz Karl kann hier nachgelesen werden.

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Erzherzog Franz Karl, Lithographie, 1850 Josef Kriehuber, Foto: Wikimedia/Commons

Sein Bruder Ferdinand, der in die Geschichte als Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“ einging, traf es noch schlimmer.

Seine geistigen Eigenschaften waren noch weniger vorhanden als bei Franz Karl.  

Wobei auch hier die Mythen um sich ranken. Die einen Biografen schreiben, er sei geistig minderbemittelt gewesen, die anderen, er hatte überaus geistige Fähigkeiten, da er 5 Sprachen sprach.

Fakt ist, Ferdinand hatte schwere epileptische Anfälle, in späteren Jahren schrieb Sophie sehr spöttische Briefe über sein Aussehen und sein Verhalten.

Am 4.11.1824 wurde die Hochzeit in Wien in der Augustinerkirche gefeiert und Sophie nahm einen sehr tränenreichen Abschied von München, ihrer Mutter und ihren verbliebenen Geschwistern. Sie schrieb lange, auch 3 Jahre später, immer noch tränenreiche Briefe an ihre Mutter, wie sehr ihr die Heimat fehlen würde.

Wenn man dazu die Szenen mit Vilma Degischer und Karlheinz Böhm vergleicht, wo Vilma Degischer als Erzherzogin Sophie ihrem Sohn Kaiser Franz Joseph das Tagebuch von Kaiserin Elisabeth vorlegt, wo diese über Heimweh klagte, vermag man sich das kaum vorstellen, dass Erzherzogin Sophie kein Verständnis für diese überaus schwierige Situation gehabt haben mochte.

In den Biografien lassen sich hier nur ein paar Kapitel finden, wo Sophie mit Sisi nicht zufrieden war, aber Erzherzogin Sophie hasste Sisi nicht so sehr, wie allgemein die Auffassung war.

Aber dazu kommen wir später.

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Foto: habsburg.net, Schloss Schönbrunn
Kaiser Franz II/I 1832, Ölgemälde, Friedrich von Amerling

Auch die echte Erzherzogin Sophie litt unter der Trennung und konnte den Schmerz kaum verarbeiten. Ein glühender Sophie Verehrer wurde ihr Schwiegervater Kaiser Franz II./I.

„…der Kaiser überhäuft mich mit seiner Güte und es scheint, als wolle er mir den zärtlichen, den besten Vater ersetzen, den ich verloren habe.“ (Brief an Großmama) (3)

Auch über ihre Ehe und ihre Schwangerschaftsfortschritte schrieb sie viele Briefe, vor allem an ihre Mutter Königin Karoline und Großmama

„…man kann nicht liebenswürdiger sein als mein Gemahl – und er liebt mich so zärtlich – ….“ (4)

Sophie erlitt insgesamt 11 Fehlgeburten.

Die erste Zeit machte sie sich noch keine allzu große Sorgen, doch auch nach 6 Jahren Ehe wollte sich kein Thronfolger einstellen und sowohl Sophie, als auch Kaiser Franz II./I. wurden nervös.

Sie wurde auf verschiedene Kuren geschickt, u.a. ins gerade entdeckte Ischl zu den Solebädern. So kurte Sophie in Ischl und 1830 stellte sich endlich der ersehnte Erfolg ein.

Am 18.8.1830 kam jedenfalls der ersehnte Sohn und Thronerbe Erzherzog Franz Joseph Karl, nach einem 2 Tage und Nächte dauernden Geburtsmarathon zur Welt. Sophie war trotz schwerster Strapazen im siebten Himmel.

Der Thronfolger wurde mit 101 Kanonenschüssen begrüßt.

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Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals SSternenkaiserin)
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Foto: Wikimedia/Commons
Gustav, Prinz von Wasa, Lithographie von Josef Kriehuber ca. 1830

Zeit seines Lebens, wurde gemunkelt und getuschelt, dass nicht die Kuren in Bad Ischl für den Erfolg der Kindsgeburt zuständig waren, sondern Gustav von Holstein-Gottorp, Prinz von Schweden, ab 1829 Prinz von Wasa (*9. Nov. 1799, † 4.8.1877).

Dieser lebte im Exil in Wien und ging bei Hofe ein und aus. Sophie und Prinz Wasa wurde eine heftige, leidenschaftliche Affäre nachgesagt.

Nicht nur Erzherzog Franz Joseph, auch Erzherzog Ferdinand Maximilian sollen angeblich die Kinder dieser Affäre sein.

Bestätigt werden konnte das Gerücht nie. Sophie war eine sehr strenggläubige Frau und in ihren Tagebuchaufzeichnungen lassen sich keine Hinweise zu einem Betrug finden.

Trotzdem wurden beide Söhne „Wasa-Buben“ genannt.

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Foto: habsburg.net
Napoleon Franz Bonaparte, Herzog von Reichstadt

Bei Erzherzog Ferdinand Maximilian wurde aber auch Napoelon Franz Bonaparte, besser bekannt als Herzog von Reichstadt (*20.3.1811, † 22.7.1832) als Vater gehandelt.

Herzog von Reichstadt war ein inniger Vertrauter von Sophie und ging Privat bei ihr Ein und Aus.

Das Gerücht, dass er der Vater sei, wurde sogar von Erzherzog Ferdinand Maximilian, der Kaiser von Mexiko werden wollte, selbst immer wieder angeheizt. Auch dieses Gerücht bestätigte sich nie.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Joseph; Joseph Karl Stieler, etwa 1831

Sophie war eine sehr liebende Mutter, etwas übervorsichtig und leicht hysterisch.

So durfte der kleine Erzherzog einmal sein Zimmer im gesamten Winter bis fast Ende März nicht verlassen, weil er sich mit einer Verkühlung anstecken hätte können.

Heute würde man zu einer solchen Mutter „Helikopter-Mutter“ sagen.

Aber den Ausdruck gab es damals noch lange nicht und man hätte sich sowieso nicht getraut, am Wiener Hofe so etwas auszusprechen.

Herbe Verluste erfuhr Sophie als ihr inniger Vertrauter Herzog von Reichstadt, Napoleon Franz Bonaparte, mit 21 Jahren am 22.7.1832 in Schloss Schönbrunn an Tuberkulose starb.

Sophie trauerte lange um ihren Freund.

Als 1840 ihr kleines Mädchen, Erzherzogin Maria Anna starb (mein Beitrag kann hier nachgelesen werden) war Sophie untröstlich.

Auch musste sie 1840 eine Totgeburt (Sohn) hinnehmen, ihr Körper war zu diesem Zeitpunkt stark geschwächt.

Die vielen Fehlgeburten und Verluste nagten an Sophie und ihre Krankheiten kurierte sie nicht mehr so richtig aus.

Auch nach der Geburt von Erzherzog Ludwig Victor (1842) erlitt Sophie noch Fehlgeburten, die ihr immer mehr zu schaffen machten.

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Erzherzogin „Ännchen“
Lithographie Joseph Kriehuber
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Foto: Donaumonarchie.com
Erzherzog Franz Karl, Erzherzogin Sophie mit Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzogin Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna, ca. 1836

Sie liebte alle ihre Kinder, aber bei keinem verschwendete sie so viel Energie und Aufmerksamkeit wie bei Franzi.

Franzi wurde teilweise sogar abgesondert, durfte mit den Kindern der am Hof lebenden Familien nicht spielen und wurde immer als „etwas Höheres“ gesehen.

Sophie wurde in späteren Jahren immer vorgeworfen, dass genau das der Grund sei, warum Kaiser Franz Joseph mit anderen Menschen nur schwer oder gar nicht umgehen konnte. Zeit seines Lebens tat er sich mit Small Talk schwer und hatte kaum, bis gar kein Feingefühl für andere Menschen.

Er galt als gefühlsarm und oberflächlich. Franzi war ein einsames Kind und Kaiser Franz Joseph sollte es bis zum Tod bleiben.

Sophie glaubte an die Monarchie und war immer davon überzeugt, dass die Monarchie die einzig Wahre ist. Der Monarch hatte die Macht und das Volk hatte dankbar zu sein.

Auch wenn sie Zeit ihres Lebens Schirmherrin für verschiedene Vereine und Institutionen Geld aus ihrem Privatvermögen spendete, stand sie auf dem Standpunkt:

„Das Volk habe dem Kaiser zu dienen.“

Dass aber das Volk nach einer Änderung dürstete und die Knechtschaft unter den Habsburgern satt hatte, sah sie nicht.

Sie lehnte jede Reform ab. Allerdings geriet ihre Welt ein paar Mal ins Wanken, vor allem, als ihr Schwiegervater Kaiser Franz II./I. am 2.3.1835 starb.

Ihr größtes Problem war Kaiser Ferdinand I. anzuerkennen.

Ihr einziger Triumpf am Wiener Hofe, waren die Kinder. Vor allem Franz Joseph, da er als Thronfolger galt.

Schon Kaiser Franz II./I. nahm keine Reformen an, Ferdinand I. war dazu noch weniger in der Lage. Die erste Zeit lobte Sophie die Regentschaft ihres Schwiegervaters.

Erst Jahre später ärgerte sie sich sehr, dass Kaiser Franz II/I so langsam und stagnativ seine Herrschaft betrieben hatte. An Änderungen war sie selbst aber nicht interessiert.

Auch Franz Joseph sollte keine Reformen zulassen und steckte genauso in den alten starren Gepflogenheiten seines Großvaters fest.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie, 1866

Sophie legte Wert auf einen geregelten Tagesablauf: 7.00 Uhr – 7.30 Uhr Aufstehen, Messe, danach Frühstück mit den Kindern. 

Nachdem sie die Post erledigt hatte, wurde mit den Kleinen gespielt (Schnick Schnack Schnuck, Schwarzer Peter usw.).

Bei Franz Joseph und Max wohnte sie beim Unterricht bei. Mittagessen um 16.00 Uhr (was sehr spät war).

Hier empfing sie Gäste. Abends empfing sie in ihrem Salon weitere Gäste und hielt „Thee“stunde ab. Sophie schätzte auch „Diners“, fuhr gerne nach Laxenburg, ging gern im Schlosspark von Schloss Schönbrunn spazieren, liebte die Menagerien und den botanischen Garten.

In späteren Jahren ging sie mehrmals am Tag in die Messe. Weiters liebte sie es zu sticken.

Bis ins hohe Alter stickte sie Messgewänder.

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Foto: habsburger.net,
Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“, 1847, Leopold Kupelwieser

Sie war auch die Einzige am Wiener Hof, die sich für Politik interessierte.

So war sie diejenige, die sehr viele Zeitungen (u.a. Neue Freie Presse, Wiener Zeitung etc.) abonniert hatte, die sie überall mit hin nahm, um sie am Tag verteilt zu lesen.

Diese Eigenschaft sollte später Kaiser Franz Joseph von ihr übernommen haben.

Während der Regentschaft von Kaiser Ferdinand I. war sie zum Nichtstun verpflichtet.

Sie wusste, wenn sie sich einmischen würde, würde ihr das sehr Übel genommen werden.  Als aber 1848 die Revolution ausbrach, sah sie ihre Chance. Ferdinand, gesundheitlich schwer angeschlagen, musste abdanken.

An seiner Stelle wäre Sophies Ehemann, Erzherzog Franz Karl an den Thron gekommen. Doch Sophie dirigierte ihren einfältigen Mann in die andere Richtung.

Als der schließlich zustimmte, wurde am 2. Dezember 1848 ihr 18jähriger Sohn Franz Joseph Karl zum Kaiser.

Auch der Name von Kaiser Franz Joseph wurde von Sophie bestimmt.

Ihr Franzi, sollte einzigartig in der Geschichte sein. 

Sophie bestimmte den Namen

Kaiser Franz Joseph I.

Dass dieser Kaiser 68 Jahre regieren würde, konnte damals noch keiner ahnen.

Und das es ausgerechnet der nicht allzu sehr beachtete Erzherzog Karl Ludwig sein würde, der mit seinen Kindern die Monarchie retten würde, auch nicht. Aber ich greife viel zu weit vor.

Sophie war auch vor ihrer Mutterschaft eine ausgezeichnete Reiterin, die an Treibjagden teilnahm. Oft und gerne begleitete sie ihren Mann zum Jagen. Allerdings hasste sie es, dass die Tiere getötet wurden und atmete immer auf, wenn Franz Karl nicht traf oder sich kein Wild finden ließ.

Das änderte sich aber schlagartig, als sie anfing schwanger zu werden und die Kinder wieder verlor.

In späteren Jahren verfiel sie auch den Geisterséancen, die zu dieser Zeit sehr häufiger Zeitvertreib war.

Franz Joseph nahm bei einigen Séancen teil, nahm es aber nicht ernst.

Dass es gerade ihr Enkel, Kronprinz Rudolf, sein würde, der einem der größten Scharlatane dieser Zeit sein Handwerk legen würde, hätte sich Sophie, die an diesen ganzen Humbug tatsächlich glaubte, niemals gedacht.

Als Kaiserin Mutter war Sophie eine noch resolutere Erscheinung, als sie ohnehin schon war. Sie erlaubte sich sogar die wichtigsten Gespräche mit Ministern zu unterbrechen, wenn sie meinte, ihren Franz sprechen zu müssen.

Es ist nicht verwunderlich, dass der Wiener Hof sie

„Der einzige Mann bei Hofe“

nannte.

In wie weit Sophie in die Politik von Franz Joseph eingriff ist nicht bekannt; allerdings kann man einen gewissen Einfluss nicht verbergen, denn die Ansichten, die gerade der junge Kaiser vertrat, waren gleichgestellt mit der seiner Mutter.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werde. Mir geht es einzig darum, die Personen und deren Charakter bzw. Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienene Publikation. Danke!

Als der Kaiser 23 Jahre alt wurde, wurde es Zeit für ihn zu heiraten.

Auch hier zeigte sich Sophie als die Strippenzieherin. Sie fackelte nicht lange herum und sah sich in ihrer eigenen Familie um und wurde schnell fündig.

Die Auserwählte war Helene Herzogin in Bayern“, Tochter von Herzogin Ludovika in Bayern und Herzog Max in Bayern“.

Dass es „ausgerechnet“ Elisabeth war, in die sich Franz Joseph verliebte, war von Sophie weder vorhergesehen, noch gewollt.

Doch für dieses eine Mal – eines der wenigen Augenblicke im Leben von Franz Joseph – setzte er sich gegen die strenge Mutter durch. Er heiratete seine Engels-Sisi.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Victor. Fotografie von Ludwig Angerer, 1860
Die einzige existierende Fotografie mit Kaiserin Elisabeth und den Kindern!

Sophie fügte sich und nahm Elisabeth unter ihre Fittiche.

Bei den Söhnen Erzherzog Ferdinand Maximilian und Erzherzog Karl Ludwig nahm sie jeweils großen Einfluss wer geheiratet wurde.

Vor allem Karl Ludwig wurde massiv beeinflusst. Da er zwei Frauen verlor, musste sie sogar insgesamt drei Mal auf die Suche gehen. Der Beitrag zu Karl Ludwigs dritter Ehefrau Erzherzogin Marie Therese kann hier nachgelesen werden.

Bei Erzherzog Ludwig Victor fügte sie sich schnell und akzeptierte seinen Lebensstil. Der Beitrag zu Luzi-Wuzi kann hier nachgelesen werden.

Sophies größter Verlust war, als sich ihr Lieblingssohn Ferdinand Maximilian, genannt Max, 1864 entschloss nach Mexiko zu gehen, um Kaiser von Mexiko zu werden.

Sophie und Elisabeth waren entsetzt und versuchten den ehrgeizigen Bruder/Schwager aufzuhalten.

Doch dessen Frau Charlotte war enorm ehrgeizig.

Sie wollte Kaiserin werden und stand damit in direkter Linie zur Rivalität zu Elisabeth.

Das einst sehr gute Verhältnis zu Max änderte sich schlagartig mit der Hochzeit mit Charlotte.

Elisabeth mochte Charlotte nicht sonderlich, da diese als Schönheit bekannt war.

Ihr Ehrgeiz und ihr Neid auf Elisabeth kannte kaum Grenzen. Sie wollte genauso gekleidet sein wie sie und auch so angesprochen werden wie die Kaiserin.

Kaiserin Elisabeth konnte den Antrieb von Charlotte nicht verstehen. Sie sah die enorme Eifersucht Tag für Tag, welche Formen annahm, die nicht gesund sein konnten.

Doch auch Max war sehr ehrgeizig. Zwischen Max und Franz bestand immer eine gewisse Rivalität und er konnte es nicht ertragen, dass Franz Joseph den höheren Status hatte; er wollte ebenso Kaiser eines Landes sein.

Als Sophie 1867 vom Tod des Sohnes in Mexiko erfuhr, brach sie zusammen.

Ihr Schmerz war grenzenlos. Sie zog sich nach Ischl zurück, allerdings fand sie keine Ruhe.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie, 1872

Hofdame Fürstenberg schrieb an ihre Schwester:

„Meine arme Erzherzogin ist recht gealtert, das Wort cassée (gebrochen) ist das richtige. Es ist ein stiller Schmerz, voll Ergebung, ohne Bitterkeit und dabei das Bestreben, keinem Menschen damit zur Last zu fallen. Fremde sind ihr peinlich, sie meidet sie und ging Sonntag um 7 Uhr in die Messe, zur Betrübnis der Ischler, die gerne gesehen und sich erzählt hätten, welches Gesicht sie macht. Das hübsche kleine Gartl, in das ihr niemand sehen kann, ist jetzt die wahre Wohltat für sie.“ (5)

Der Schmerz war so enorm, dass sich Sophie für lange Zeit nach Possenhofen zurückzog, wo gerade Helene Thurn und Taxis (Nénè) den Tod ihres Mannes Maximilian Anton und Carl Theodor den Tod seiner Frau Sophie betrauerte. Der Beitrag zu Sophie Herzogin in Bayern kann hier nachgelesen werden.

Dort empfing sie Admiral Wilhelm Tegetthoff, der ihr die Jacke von Max brachte.

Nach und nach trafen auch die letzten Briefe von Max ein, in denen er sich für die Liebe und Freundschaft bedankte.

Sophie notierte in ihr Tagebuch:

„Aber die Erinnerung an die Martern, durch die er gehen musste, an seine Verlassenheit fern von uns geht mit mir durchs Leben und ist ein unbeschreiblicher Schmerz.“ (6)

Kronprinz Rudolf schrieb seiner Großmutter einen süßen Brief:

„Meine liebe, liebe Großmama!

Mir ist um den Onkel Max sehr leid und ich bedaure Dich, liebe Großmama sehr, weil du wieder so viel Kummer und Schmerz hast.

Ich will alles Mögliche tun, um Dir, liebe Großmama Freude zu bereiten.“ (7) 

(Anmerkung Petra: Kronprinz Rudolf war zum Zeitpunkt des Todes von Onkel Max 9 Jahre alt).

Ein großer Halt zu dieser Stunde war ihr jüngster Sohn Ludwig Victor. Nicht nur, dass er in Schloss Miramare mit Kaiserin Carlotta (Erzherzogin Charlotte) versuchte hatte zu sprechen, was leider daneben ging, da sie nicht mehr Herr ihrer Sinne war.

So übernahm er auch von der SMS Novara den Sarg und sorgte dafür, dass dieser mit dem Sonderzug, den der Kaiser nach Triest geschickt hatte nach Wien überstellt wurde.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Charlotte

In Wien angekommen, zog Luzi-Wuzi mehr oder weniger in die Hofburg ein und las seiner Mutter Tag und nach Nacht die alten Briefe von Max vor.

Sie schwelgten gemeinsam in Erinnerung an die Kindheitstage, lachten über gemeinsame Streiche die Max gespielt hatte, erinnerten sich an die Hochzeit oder an die Besuche in Miramare und an besonders glückliche Tage in der Hofburg und in Schloss Schönbrunn. Ludwig Victor war ihr ganzer Halt und ihre einzige große Stütze.

3 Monate dauerte die Überstellung des Leichnams von Mexiko nach Wien. Der Leichnam war in einem exorbitanten Zustand. 

Leider sind sich hier die Biografen nicht einig.

Ingrid Haslinger beschreibt in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs“ -, dass Sophie den Leichnam, aufgrund der monatelangen Odyssee der Überstellung, nicht mehr zu Gesicht bekam.

Diesem ist wohl mehr zu glauben, immerhin ging Haslinger über 4000 Seiten persönliche Notizen von Sophie durch! 

Anna Ehrlich und Christa Bauer schreiben in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof“, dass Sophie den Leichnam ihres Sohnes zu Gesichte bekam und der „Leichnam in einem wohl erhaltenen Zustand sei“.

Von diesem schweren Schicksal erholte sich Sophie nicht mehr.

Sie zog sich komplett zurück, ging noch mehr zur Messe und nahm auch die Eskapaden ihrer Schwiegertochter Elisabeth nicht mehr ernst.

Foto: ÖNB
Erzherzog Franz Karl, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf vor dem Sarg von Erzherzogin Sophie, Hofkapelle 1872

Kaiser Franz Joseph machte sich schwere Sorgen um seine Mutter.

Diese grämte sich um so mehr, als er ihr zum ersten Jahrestag von Max Todestag nicht kondolierte.

Alle in der Familie – sogar Elisabeth persönlich – kondolierten ihr zu ihrem großen Verlust. Nur nicht der Kaiser.

Dies machte Sophie sehr traurig und gab ihr sehr zu Denken.

Eine Krankheit jagte die andere, keine wurde mehr richtig kuriert. Sie litt unter schweren Knie Problemen und so starken Kopfschmerzen, dass der Innenhof der Wiener Hofburg mit Stroh ausgelegt werden musste, damit die Pferde und Kutschen nicht so laut waren.

Kaiserin Elisabeth weilte zur Kur in Meran, als sie die Nachricht bekam, dass Erzherzogin Sophie im Sterben lag. Sofort brach sie ihre Kur ab und eilte nach Wien zurück.

Marie Gräfin von Festetics notierte in ihrem Tagebuch:

„Der Kutscher fuhr, was erkonnte – die Kaiserin war furchtbar aufgeregt und ich hatte eine Todesangst, die Erzherzogin könnte sterben und wie die Menschen sind, hätten sie noch gesagt, die Kaiserin hätte es zu Fleiß gethan!“ (8)

„Gott sei Dank“, sagte Elisabeth bei der Ankunft in der Burg, als sie hörte, daß die Erzherzogin noch am Leben war, weil sie sonst gesagt hätten – ich hätte es absichtlich getan (bei Sophies Tod nicht anwesend zu sein), weil ich sie so hasse.

So sehr hasse ich sie.“ (9)

Nur 5 Jahre nach Max verließen Sophie die Kräfte. 10 Tage lang konnte die Familie noch am Totenbett von ihrer geliebten Mutter, Großmutter, Schwester, Tante, Cousine usw. Abschied nehmen.

Erzherzogin Sophie starb am 28.5.1872 67jährig in der Wiener Hofburg. Sie ruht in der Kapuzinergruft.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, habsburg.net, erzherzoginsophie.at, donaumonarchie.at, Wikimedia/Commons
Stammbaum: Petra


Literatur Hinweise:

1 – S. 23, 2 – S 25, 3 – S 35, 4 – 35
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

5 – S 176, 6 – S 273, 7 – S 274
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof, Amalthea, 2016, 1. Ausgabe

Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich König von Ungarn 

8 – 294, 9 – 294
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage, 2017


Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia von Österreich

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Foto: Wikimedia/Commons 
Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia, 1837, Lithographie Josef Kriehuber

Kaum jemand weiß, dass Kaiser Franz Joseph eine kleine Schwester hatte. Um sie nicht ganz der Vergessenheit Preis zu geben, erzählen wir hier ihre Geschichte. 

Maria Anna Karolina Pia, von allen nur liebevoll „Ännchen“ genannt, wurde am 27.10.1835 in Wien geboren.

Wäre die kleine Erzherzogin Maria Anna, in Geschichtsbüchern auch Maria Anna Pia oder Anna Pia oder Anna genannt, am Leben geblieben, wäre sie die um 2 Jahre ältere Schwägerin von Kaiserin Elisabeth geworden.

Erzherzogin Sophie (den Beitrag zu ihr, kann hier nachgelesen werden) hatte vor Franz Joseph 11 Fehlgeburten zu erleiden und hoffte jedes mal ganz besonders auf einen kleinen Engel.

Diesmal sollte ihr größter Wunsch in Erfüllung gehen.

Das Kind war äußerst liebreizend und wurde von jedem sofort in die Arme genommen. Entgegen der guten Sitten damals und wie schon bei Franzi (Joseph), Lieblingssohn (Ferdinand) Max(i) und Karl(i) Ludwig, stillte Sophie auch das Mädchen selbst. 

Ännchen entwickelte sich prächtig. Sie hatte einen ausgesprochenen Lebenswillen und war ein sehr hübsches und quirliges Mädchen.

Sophie und alle ihr nahestehenden Personen liebten Ännchen aus vollem Herzen, auch die drei großen Brüder waren von ihrer kleinen Schwester begeistert. 

Foto: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Sophie reiste mit der 2jährigen Maria Anna nach Bayern und schrieb glückselig in ihr Tagebuch:

Ännchen hat sehr viel succès hier – man treibt es rasend mit ihr…“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Karoline,
Sophies und Ludovikas Mutter

Sophie war glücklich über ihre sehr hübsche Tochter und schrieb an ihre Mutter, welche im Schloss Tegernsee lebte :

…dass ich Ihnen Anna jetzt nicht zeigen kann – sie ist liebenswürdiger, viel hübscher als in Tegernsee und so dick, dass Franzi unlängst vor Coudenhove sagte – was mich ganz glücklich machte – sie hätt‘ Auswüchse an der Brust und alle Frauen hätten es so….“  (2) (Anmerkung Petra: Franz Joseph war zu diesem Zeitpunkt erst 7 Jahre alt; er war der spätere Kaiser).

Maria Anna war ein aufgewecktes, fröhliches Kind, das keinerlei Scheu vor fremden Personen hatte.

Doch leider erkrankte Ännchen bald darauf schwer. Sie bekam Krämpfe und Fieber und die Hofärzte waren sich weder einig, noch intelligent genug die Gefahr zu erkennen.

Auch hier trat wieder die Habsburgische Heiratspolitik zu Tage. Epilepsie war eine gängige Erkrankung im Kaiserhaus. Doch die Krämpfe und Fieberanfälle wurden auf das „Zahnen“ zurückgeführt. Wie sehr sich sowohl Sophie, als auch die Ärzte täuschen würden…

Ännchen erholte sich von diesen Krämpfen und entwickelte sich weiter. Bis zu ihrem 4ten Lebensjahr gibt es keine weiteren veröffentlichten Aufzeichnungen.

Im Winter 1839/40 erkrankte Anna nochmals schwer. Die Ärzte waren sich so derartig uneinig über die Behandlung, dass man Anna die wunderschöne Haarpracht abrasierte und ihr Blutegeln anlegte.

Das arme Kind quälte sich mit hohem Fieber und Krämpfen. Eine kleine Besserung war Ende Jänner zu sehen, da Anna aufstehen durfte und sogar ihrer geliebten Mutter zum Geburtstag gratulieren durfte und konnte.

Foto: Wikimedia/Commons
Dr. Johann Malfatti

Doch der Rückfall war verherrend.

Vor allem der unfähige Hofarzt Dr. Johann Malfatti (*12.6.1775, †12.9.1859) erkannte weder die Krankheit, noch die Gefahr und behandelte die schweren Fieberschübe mit den üblichen Hausmitteln.

Dr. Malfatti stritt sich sogar mit den anderen Ärzten, die alle leider weder Ahnung, noch ihren Stolz hinunterschlucken konnten, um einen Homöopathen hinzuzuziehen.

Foto: Albertina.at
Lithografie Josef Kriehuber

Maria Anna Karolina Pia am Totenbett

Sophie wachte Tag und Nacht an dem Bett ihrer kleinen, immer schwächer werdenden Tochter und weinte bittere Tränen, als Ännchen am 5.2.1840 unter furchtbaren Krämpfen den Kampf für immer verlor. Sie starb in ihren Armen.

Sophie war untröstlich. Die vielen Fehlgeburten hatten ihr viele Kräfte geraubt, ihre Gesundheit war angegriffen und der Tod der Tochter sollte sie für immer verändern.

Erzherzogin Sophie übergab den Leichnam der kleinen Anna den Kapuzinern, ließ ihn aber – wie für Habsburg üblich – nicht zerstückeln.
Nur der Kopf wurde geöffnet und angeblich wurde Wasser darin gefunden.
Was auch immer das bedeuten sollte.

Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia ruhte in der Kapuzinergruft, Ferdinandsgruft Grab Nr. 11. 

Bei der letzten Renovierung wurden die sterblichen Überreste von Maria Anna, gemeinsam mit anderen Kindern, in einem Mauerabteil begraben.

Eine gemeinsame Grabplatte erinnert an die toten Kinder. Wer genau liest, wird auch den Namen von Sophie entdecken. Sie war die Tochter von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Der Beitrag zu ihr, kann hier nachgelesen werden.

– Petra –

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Grabplatte, Erzherzogin Maria Anna, Kapuzinergruft

Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Albertina.at
Stammbaum: Petra


Literatur Hinweis:

Zitate 1-2 – S. 71
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe