Das Kind von Gottes Gnaden

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Erzherzog Franz, 1844 (14jährig)
(Kaiser Franz Joseph als Jugendlicher)
mit Sondererlaubnis aus dem k.u.k. Museum Bad Egart

Der smarte Karlheinz Böhm lässt Jahr für Jahr zahlreiche Frauen- und Männerherzen höher schlagen, wenn er für seine Sissi (Romy Schneider) bei Schwiegermutter Erzherzogin Sophie einsteht.

Der schmachtende Blick, der rote Schmollmund, die dunkelblonden, akurat gescheitelten Haare und die Uniform. – Schmuck sah er aus, dem kann auch ich mich nicht entziehen.

Doch leider ist die bittere Wahrheit hinter der kitschigen Filmfassage so trist und traurig, dass mir mittlerweile die Filme, je länger ich meine Recherchen zu allen Beiträgen betreibe, vergangen sind. Das zerbombte Wien der 50er Jahre mag diese „Heile Welt“ der Kaiserzeit, die so gar nicht rosig war, gebraucht haben, um von ihrem Kriegsalltag als ehemalige Trümmerfrauen, KZ-Überlebende, Kriegsheimkehrer und Bombengeschädigte abzulenken.

Auf Social Media werden täglich duzende Fotos von der bittersüßen Romy als Sissi gepostet und natürlich darf der wildromantische Karlheinz als Kaiser nicht fehlen.

Doch wer war der echte Kaiser. Welchen Charakter hatte er? Wie wuchs er auf? Was machte ihn aus? Was steckte alles in ihm und was machte ihn zum Mythos?

All das versuche ich zu hinterfragen, zu beleuchten und herauszufinden. Ich begebe mich in die Katakomben der Bibliotheken, tauche ein in die Vielfalt der Bücher und des Internets, um auf längst vergessene Spuren zu gehen.

Herausgekommen ist eine 7teilige Reihe über den Mann, den wir

68 Jahre, 24.825 Tage

Kaiser von Österreich

nannten.

Und noch heute bekommen einige feuchte Augen, wenn sie an unseren alten Kaiser denken. Denn, dass es noch Kaiser Karl I (*17.8.1887, 1.4.1922) gab, verdrängen manche. Die 2 Jahre Amtszeit zählen für viele Leute nicht.

Ich beginne also wie immer am Anfang.

Die Kindheit von Erzherzog Franzi bis zum Thron

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Franz Karl

Erzherzogin Sophie lag zwei Tage und zwei Nächte unter höllischen Schmerzen in den Wehen, bevor die Zangengeburt eingeleitet werden konnte.

Um 9.45 Uhr am 18.8.1830 war es endlich so weit. Ein wunderschöner Bub wurde im Schloss Schönbrunn geboren.

Im Beisein ihrer geliebten Mutter Ex-Königin Caroline von Bayern (*13.7.1776, 13.11.1841), die sie immer noch so sehr vermisste, entband Sophie glücklich ein gesundes Kind. Der Beitrag zu Sophie kann hier gelesen werden.

Stammbaum Kaiser Franz Joseph, Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: sternenkaiserin.com – Marie 
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Caroline von Bayern

Erzherzog Franz Karl (*7.12.1802, †8.3.1878) wartete derweil in einem der Nebenräume auf die Verkündung, ob es ein Erzherzog oder eine Erzherzogin sein würde. Der Beitrag zu Erzherzog Franz Karl kann hier gelesen werden.

Nach 6 Ehejahren und 2 Fehlgeburten, hatte das Kaiserreich immer noch keinen Thronfolger.

Dieser wurde mit 101 Kanonenschüssen begrüßt.

Schon lange vor ihren Schwangerschaften suchte Sophie eine Aja (Kindermädchen) für ihr zukünftiges Kind. Empfohlen wurde ihr Louise Baronin von Sturmfeder (*3.10.1789, †10.9.1866) vom Außenminister Johann Philipp Graf von Stadion (*18.6.1763, †15.5.1824).

Baronin von Sturmfeder hatte keinerlei Vermögen, war unverheiratet, hatte aber Durchsetzungsvermögen, war überaus charmant, intelligent, hatte Witz und lernte sich, durch ihre schwierigen Familienverhältnisse, früh durchzusetzen. Genau das, was sie am Wiener Hof brauchte.

Als sie an diesen berufen wurde, wusste sie genau, worauf sie sich einlassen würde. Noch dazu war sie bereits 41 Jahre alt und eine im Leben stehende Frau.

Noch am Tag der Geburt wurde der kleine Erzherzog seiner Aja übergeben. Diese richtete sofort die Kindskammer ein.

In Adelskreisen war es nicht üblich den hohen Damen und Herren Kinder zuzumuten, die irgendetwas aus irgendwelchen Körperöffnungen wiedergeben konnten.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie und ihr geliebter Sohn Franzi
ca. 2jährig
Bild: Joseph Stieler, 1832

Mit dem Kind wurde normalerweise nur pro Tag ein höchstens zwei Stunden Zeit verbracht – und da musste es frisch gewaschen, gewickelt, gepudert und gesäubert sein.

Sobald das Kind auch nur zum jammern anfing, wurde es sofort aus dem Gesichtsumfeld der Königin, Kaiserin oder König oder Kaiser entfernt.

Eine rühmliche Ausnahme stellten hier Königin Caroline und ihr Mann König Maximilian I. Joseph dar. Diese hatten ihre Kinder gerne um sich.

Dies sollte sich sowohl auf Ludovika, als auch auf Sophie übertragen.

Sophie stillte – zur Überraschung aller – ihre Kinder selbst. Normalerweise wurde hierfür eine Amme ins Haus geholt.

Es ist umso verwunderlicher, dass sie dies ihrer Nichte und Schwiegertochter Elisabeth bei ihren Kindern verbot und diese durch den Milchfluss Höllenquallen zu durchleiden hatte.

Die Kindskammer bestand nunmehr aus einer Kindsfrau, einem Kindermädchen, zwei Leiblakaien, einer Kindsköchin, einem Kammerweib für das Kind, einem Kammerweib für das Kammerweib, und einer Küchenmagd.

Kaiser Franz II/I war sehr begeistert von Baronin Sturmfeder und wies ihr in weiterer Folge die gesamte Kindskammer zu. Dies bedeutete die Aufsicht der Lakaien, Dienstboten, Ammen und den gesamten Hofstaat aller weiteren Enkel des Kaisers. Sie wurde in weiterer Folge nicht nur die Aja von Franzi, sondern auch von Maxi, Karl Ludwig, Anna und Luzi-Wuzi.

Sophie erholte sich nur langsam von der Zangengeburt. Die Ärzte hatten sie stark verletzt und den engsten Mitgliedern ihrer Familie im Vertrauen mitgeteilt, dass sie das schlimmste befürchten.

Kaiser Franz II/I saß täglich drei Stunden bei seiner geliebten Schwiegertochter und versuchte sie wach zu halten, denn man sagte ihm, so solle so wenig wie möglich schlafen. Es könnte sein, dass sie nicht mehr erwachen würde.

Obwohl Erzherzog Franz nicht direkter Thronerbe war, wurde er von Anfang an so erzogen.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Ferdinand I.
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Maria Anna

Kaiser Franzs II/I Sohn, Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) wurde geistesschwach geboren. Er galt als schwerbehindert, obwohl er 5 Sprachen sprach.

Dennoch war er geistig so weit „intakt“, dass er den Thron besteigen konnte. Der zweite nach Ferdinand war direkt Franz Karl, also der Vater von Franz.

Verheiratet wurde er mit der überaus schönen und intelligenten Maria Anna Prinzessin von Savoyen (*19.5.1803, †4.5.1884), allerdings konnte aufgrund der mangelnden geistigen Verfassung die Ehe – zumindest wird davon ausgegangen – nie vollzogen werden. Die arme Maria Anna ertrug diese Ehe mit stoischer Geduld und von Gott gegeben.

Dies war Voraussetzung genug für Sophie, ihren Sohn immer als Thronerben anzusehen und verlangte von allen umstehenden ihn schon von kleinauf mit „Erzherzog“ anzusprechen.

Die vertraute Anrede

„Mein Prinz“,

die Aja Sturmfeder liebevoll verwendete, wurde aufs äußerste und schärfste von Sophie kritisiert.

Sophie stellte so nicht nur sicher, dass die Baronin von Sturmfeder den Rang ihres Kindes kannte, sondern auch ihren eigenen. Die Erzherzogin war Zeit ihres Lebens erpicht auf Adelsstand, Rang, Titel und das Ansehen in der Familie.

Die Taufe fand am Freitag, den 21.8.1830 statt.

Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, †2.3.1835) war der Taufpate, weshalb der Bub die Namen

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz II/I
Großvater von Erzherzog Franzi

Franz Joseph Karl

erhielt. Es waren dieselben drei Vornamen des Kaisers, zudem waren der erste und der dritte gleichzeitig auch die Vornamen des Vaters.

Über die Taufe ist folgendes überliefert:

„Freitag, 20.August 1830
Den andern Morgen um 12 Uhr war die Taufe. Ich musste mich schon um 10 Uhr frisieren lassen und hatte sehr viel zu tun. Der Kleine war ruhig und scheint, Gott sei Dank, recht gesund.
Er hat drei kleine Wunden auf dem Kopfe rückwärts, doch ist es nur oberflächlich. Ich hatte Marabous und silberne Kornähren auf dem Kopfe, ein Tüllkleid mit Silber gestickt und atlasnes Unterkleid, einen Manteau von weißem Gros de Berlin oder Gros de Naples, auch mit Silber gestickt, und ein schönes goldenes Kollier und Ohrringe, welche mir die Erzherzogin und Er geschenkt haben, und meinen neuen Orden an.
Um 12 Uhr zogen wir aus und kamen in der Taufe bereiteten Saal, ich mit den Damen der Erzherzogin hinter der Kinsky und diese hinter dem guten Goës, welcher das Kind trug, und zwei Kammerherrn, welche die Decke hielten. Da ich einen Fächer in der Hand hate und nicht meine Lorgnette, sah ich nichts. Der Kaiser, die Kaiserin, alle Erzherzoge, alle Damen und Herren strahlten von Diamanten und Edelsteinen. Als das Tedeum anfing, wurde der Kleine in sein Zimmer transportiert.“ (1)

Auch hier muss ich leider erwähnen, dass in sämtlichen Büchern das Wort „andern Morgen“ falsch interpretiert wurde und die Taufe regelmäßig von Kaiser Franz Joseph für den 20.8.1830 angegeben wurde.

Korrekt ist aber: Kaiser Franz Joseph wurde am 21.8.1830 getauft. Das Wort „andern Morgen“ heißt aber nichts anderes, als, dass am nächsten Morgen die Taufe stattfand, also

am Samstag, den 21.8.1830.

Danach erzählte Aja Sturmfeder folgendes:

„Nun bin ich Tag und Nacht hier in seinem Zimmer, nur von 2 bis 3 bin ich bei mir, um zu essen und mich anzuziehen. Wenn er bei Tage trinkt, trage ich ihn meist hinein, bei der Nacht schenke ich es mir. Gesagt hat mir niemand etwas, ich mach es, wie es mir gutdünkt, bis mir etwas anderes gesagt wird. Hätte ich meine Leute neben mir, so wäre es ganz bequem, so aber wohnen diese auf einer ganz anderen Seite und ich mus ihnen immer eine Stunde bestimmen, was bei einem so kleinen Kinde so schwer ist.
Sein Zimmer ist gerade neben dem der Erzherzogin, dann kommt ein langes Zimmer. Aus diesem habe ich mittels zweier spanischer Wände ein Schlafzimmer, Salon und Antichambre für mich gemacht. Meist besucht der Kaiser und die Kaiserin das Kind zweimal des Tages. Dann kommt die Königin, der Erzherzog und alle anderen Hoheiten. Ich bin nie vor einem Überfall sicher.
Sein Kopf macht mir die größten Besorgnisse. Die Ärzte, vier an der Zahlen, sagen, es habe nichts zu sagen, ich bin noch nie -, Da wurde ich wieder gestört und weiß nun nicht mehr, was ich sagen wollte.
Alle Viertelstunden, Tag und Nacht werden Umschläge auf das arme Köpfchen gemacht, ob es da zu tun und nachzuschauen gibt, könnt Ihr Euch denken.“ (2)

Die Erziehung war sehr streng. Erzherzog Franz hatte wenig Chance sich zu entwickeln, wurde eher geführt und vorgeführt.

27. August 1830
„Meine gute Schwestern!
Meine Tage sind mit Geschäften ausgefüllt und gar oft bis zur Ermattung überhäuft. Das Hauptgeschäft, die Pflege des Kindes, ist mir durch einen unseligen Krieg, der zwischen Doktoren, Accoucheurs, Hebammen und Kindsweibern existiert, sehr erschwert, besonders da ich sehe, daß es bei der Art, wie es behandelt wird, nicht recht gedeiht. Aber man muß Geduld haben. Nun, nachdem die neun Tage herum sind, ist nachts sein Arzt [nicht] mehr bei uns, seitdem schlafe nur ich bei dem Kleinen im Zimmer, früher war ich in dem Zimmer daneben; weil [als] der Doktor da war von abends bis früh, habe ich nicht darin schlafen wollen. Der Kleine selbst stört mich wenig, aber die steten hohen Besuche!
Das ist zum sechstenmal, daß ich an diesen Zeilen anfange und Ihr müßt Euch nicht wundern, wenn kein Zusammenhang ist. Morgens um 1/2 7 Uhr kommt der Erzherzog schon, da stehe ich oft im Hemde hinter der Spanischen Wand und rufe ihm zu, wie die Nacht war. Wenn ich dann mit unendlicher Mühe und Unterbrechungen in irgend einer Ecke eine anständige Morgentoilette gemacht habe, dann kommt Er wieder und nach und nach vier Doktors. Da wird das Kind gebadet, sein armer blessierter Kopf verbunden. Vor oder nach 9 Uhr kommt die gute Kaiserin und der Kaiser, später die Königin und die Prinzeß Marie. Diese gehen nun ab und zu. Dann wird der Kleine zur Erzherzogin getragen und seine Zimmer, es sind nur zwei, gelüftet. Da bin ich nun oft bis 1/2 1 Uhr drinnen bei der Frau Erzherzogin, manchesmal allein, oder mit ihren Damen, oder wieder mit [den] Hoheiten, die sie besuchen, nachher lasse ich mir die Haare machen, dann bin ich eine Stunde allein bei dem Kleinen, dann esse ich. Um 3 Uhr komme ich wieder herunter. Gegen 4 Uhr kommen die Herrschaften abwechselnd. Gegen Abend kommt der gute Kaiser. Meist noch einmal zwischen 6 und 7 Uhr kommen wieder die Doktors. Da wird wieder verbunden und Toilette gemacht und dann gehen wir zum letztenmal zur Erzherzogin zum Trinken. Dies führt uns nun, bis wird ganz in Ruhe und Ordnung sind, bis 8, 1/2 9 Uhr. Da lege ich mich dann auch gar herzlich gerne schlafen, aber gegen 9, 1/2 10 kommen immer noch Besuche.
Neulich glaubte ich, es käme niemand mehr und gab meiner Trägheit nach. Kaum lag en chemise, denn esist in unserem Zimmer eine Hitze zum Verschmachten, den Haarzopf hintergeschlagen in dem Bette, da kam die Kaiserin, Königin und Prinzeß Marie in das -Zimmer! 30 Tassen hollundertee hätten die Wirkung nicht hervorbringen können, welche dieser hohe Besuch veranlaßte. Prinzeß Marie, welche sich vermutlich dachte, in welcher Pein ich sein müsse, rückte das Paravent so nahe vor mich als möglich, indem Sie sagte: „Ich will barmherzig sein.“
Die Königin sagte: „Machen Sie sich gar nichts daraus“ und fragte, ob ich ohne Haube schliefe. Die Kaiserin klopfte an die Wand und sagte: „Ich sehe gar nichts.“ Sie hatte heute den Kleinen auf den Arm. Als ich Sie fragte, ob Sie nicht müde sei, sagte Sie mir, „ein Kind macht mich selten müde, j’ai la passion de enfants und das von meiner frühestens Jugend an. Ich konnte mir nie ein größeres Glück denken, als Kinder zu haben und darum hatte ich nie welche, car ce qu’on désire trop, le bon Dieu ne nour l’accorde pas.“
Es ist mir immer eine wahre Freude, wenn Sie ins Zimmer kommt, diese Güte, Herzlichkeit und Lebhaftigkeit ist einzig.

(3)

Anmerkungen Petra:

Wörter in [] hinzugefügt, da sie fehlten
Accoucheurs: Geburtshelfer
j’ai la passion de enfants: ich habe eine Leidenschaft für Kinder
car ce qu’on désire trop, le bon Dieu ne nour l’accorde pas: Denn was man zu sehr begehrt, das gewährt einem der liebe Gott nicht.

Doch nicht nur, dass Franzi vorgeführt und an ihm herumgedoktert wurde, so durfte er keinerlei Kontakt zu Kinder haben.

Dazu wieder Baronin Sturmfeder:

Auf dem Spaziergang begegneten wir der Gräfin Tige mit ihren Kindern. Die Kinder umringten sofort den kleinen Erzherzog und nahmen ihn bei den Händen und führten ihn. Ich hatte keine Ahnung, daß dies nicht ganz konvenabel sei… Plötzlich aber begegneten wir dem Herrn Erzherzog und der Frau Erzherzogin und an dem Tone, mit welchem mich die Frau Erzherzogin frug: Mit wem geht denn da der Kleine?, erkannte ich sofort, daß ich einen Verstoß gegen die Etikette begangen habe…“(4)

Foto: Schloss Schönbrunn
Franz (Joseph) als 3jähriger im weißen Hemd mit Bärenfellmütze, Tornister, Gewehr und Spielzeugsoldaten vor dem Schreibtisch seines Großvaters Kaisers Franz II/I

Franzi wurde abgeschottet und durfte mit anderen Kindern nicht spielen.

Er wurde deshalb intern

„Gottheiterl“

genannt, was leider später Franz Joseph große Probleme bereiten würde.

Sowohl Sophie als auch die Aja führten penibel Tagebuch über jeden Fortschritt, weshalb die Kindheit von Kaiser Franz Joseph sehr genau detailiert ist. Auch nach Franz Joseph hatte Sophie wieder eine Fehlgeburt, weshalb sie sich noch mehr an Franzi klammerte. Sogar offizielle Besuche vergaß sie oder hatte kaum ein Ohr für diese. Sie spielte mit Franzi und vergaß dabei alles um sich herum. Desto unverständlicher ihr späteres Vorgehen bei Sisi, als sie versuchte diese von ihren Kindern fernzuhalten.

Franzi selbst wurde herumgereicht und -gezeigt, so dass der Aja Sturmfeder oft Angst und Bang wurde. Dazu notiert sie in ihr Tagebuch:

„Ich finde, daß mein kleiner Erzherzog anfängt schlimm zu werden. Was soll ich dagegen machen, bei einem Kinde von fünf Monaten?“ (4)

Baronin von Sturmfeder war aber nicht nur die Aja des Erstgeborenen von Erzherzogin Sophie, sondern auch die Vorsteherin des Kinder-Personals.

Als man von Schloss Schönbrunn zurück in die Wiener Hofburg zog, wurde ihr schlagartig bewusst, dass sie hier nicht so große Räume zu erwarten hatte, wie im Schloss.

Gerade die Geruchs- oder Lärmbelästigung wurde für die arme Frau ein enormes Problem.

Geht man heute durch Schloss Schönbrunn oder die Wiener Hofburg, sehen wir natürlich nur die Prunkräume und kommen aus dem Staunen nicht heraus. Die Dienstbotenzimmer sind leider immer noch nicht zugänglich und werden nur in Sonderschauen geöffnet.

Ich durfte bereits einmal „Hinter die Kulissen“ von Schloss Schönbrunn schauen und bin wahrlich erschrocken über Räume wo man die Dienstboten geradezu hineinpferchte. Wer jemals schon in alten Hotels die Diensträume des heutigen Personals gesehen hat, wird wissen was ich meine.

Stockbetten, kaum Raum für sich, da 5,6, oft mehr Damen in einem Raum schliefen. Wer Glück hatte und schön untergebracht war, hatte sogar einen Kasten zur Verfügung. Der Rest wurde geteilt. Wie natürlich Tisch, Stühle und Badezimmer, was aus einer Waschkanne und Lavour bestanden hat.

Louise von Sturmfeder gibt uns wieder das vollständige Bild der Einrichtung „hinter den Kulissen“ der Wiener Hofburg.

„20.10.1830
Unser Quartier liegt in der Mitte zwischen dem des Kaisers und der Kaiserin und dem des Erzherzogs und der Erzherzogin. Von dieser Seite trennt uns ein großer Saal, dann kommt ein kleines Zimmer mit einem Fenster, worin ein Kanapee und einige rote Stühle und braune Tische stehen, dann kommt ein recht hübscher großer blauer Salon oder Zimmer it zwei Fenstern. Die Möbel sind braun, mit recht hübschem blauem Kattun und bestehen aus einer Chaiselongue, einem Mitteltisch, dem Bett des Kleinen (ein Korb, gerade wie Deinem Fritzl seiner), meinem Bette, einem porzellanenen Ofen, dem Bette der Kindsfrau und zwei Kommoden, dann kommt wieder ein Zimmer (worin ein kleiner Herd ist), in welchem die Amme und das Kammerweib und Extraweib hausen, dann noch ein Zimmer, worin das Kindsmädchen schläft, in welchem die Leute essen, sich anziehen und sich retirieren, wenn zu viele Herrschaften bei dem Kleinen sind. Zwischen meinem Bette und dem Ofen ist eine Tapetentür, welche immer auf ist, durch welche man in ein gelbes Zimmer, welches zur Hälfte frei ist, kommt. Die andere Hälfte ist wieder durch eine spanische Wand und einen viereckigen Glasverschlag abgeteilt. Hinter der spanischen Wand steht ein Waschtisch und noch ein Möbel und in dem viereckigen Glaskasten steht ein Kanapee, mein Schreibtisch, ein viereckiger, eine Toilette, ein Sessel und zwei Stühle. Die Aussicht gegen das große Tor, welches nach Schönbrunn führt, rechts der Volksgarten.

Anmerkungen Petra:
Da dieser Text für so manchen vielleicht schwer zu verstehen ist, erkläre ich einige Dinge. Da sich das hier angehäuft hätte, hätte ich bei jedem Wort „Anmerkung Petra“ hinzugeschrieben, wäre es unübersichtlich geworden. Deshalb hier die Liste:
– Unser Quartier = Baronin Sturmfeder und Erzherzog Franzi wohnten zusammen
– Kaiser und Kaiserin: gemeint waren Kaiser Franz II/I (Großvater von Franz, Vater von Erzherzog Franz Karl) und Kaiserin Karolina Augusta, dessen 4. Ehefrau
– Kanapee: 2sitziges Sofa; heute würden wir Couch sagen
– Kattun: dichtes Baumwollgewebe
– retirieren: veralterter Ausdruck für „sich zurückziehen“. Oft in Verwendung beim Toilettengang. Hier wird es tatsächlich als Rückzugsort für das Personal verwendet. Ein Gemeinschaftsraum sozusagen
– spanische Wand: Paravent (gibt es heute wieder)

Beitrag in Arbeit

1832 kam Ferdinand Maximilian auf die Welt und Aja hatte alle Hände voll zu tun. Erklärtes Lieblingskind von Louise war Franzi. Bei Sophie sah die Welt durch Max plötzlich anders aus. Max wurde ihr Lieblingskind, was sich auch bei dessen Erziehung niederschlug. Franz Joseph wurde teilweise dressiert. Max hatte große Freiheiten sich selbst zu entfalten und durfte Streiche spielen. Der Zwist den die beiden Brüder auch in späteren Jahren auszutragen hatten, wurde sicherlich im Kindesalter forciert. Während Max seine Freiheit genoss, hatte Franzi Drill zu erwarten. Und dieser setzte früh ein.

Franzi galt anfänglich als jähzornig und Sophie wusste sich kaum zu helfen. Sie notiert: „Ich hatte gerade eine Szene mit Franzi, der – in einem Anfall von Zorn – mir einen Schlag versetzte, den ich ihm zurückgab… indem ich ihm auf die Hand klopfte. Dem folgten Schreie, Weinen und Schluchzen und es dauerte lange, bis er sich entschloss, mir die Hand zu küssen und um Verzeihung zu bitten; jetzt speist er – aber das Gewitter pocht ständig im Stillen; er ist manchmal sehr heftig der kleine Herr, und man wagt nicht, ihm das durchgehen zu lassen.“ (3)

1833 kam der 3te Sohn Karl Ludwig zur Welt, der auch von Louise übernommen wurde. Karl Ludwigs Erziehung war noch lockerer als die von Max, was dazu führte, dass Ludwig kein guter Schüler wurde. Max und Ludwig werden zu einem späteren Zeitpunkt beschrieben werden. 1835 kam die einzige Schwester von Franz Joseph auf die Welt. Unser Beitrag zu Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia finden Sie hier. 1840 wurde ein weiterer Bruder geboren, allerdings als Totgeburt. 1842 kam der letzte Bruder zur Welt. Der etwas absonderliche Ludwig Viktor. Auch er wird zu einem späteren Zeitpunkt seinen Beitrag bekommen. Franzi war zu dem Zeitpunkt mittlerweile 12 Jahre alt. Aber zurück zum kleinen Franz Joseph.

Da Franzi sehr isoliert wurde, schaute er oft den Offizieren vor seinem Fenster beim Exerzieren zu. Im Alter von (angeblich) knapp 2 Jahren konnte er die Uniformen der Regimenter auseinanderkennen. Mit 3 Jahren kannte er alle Abzeichen und Farben der Regimenter. Das Militär sollte Zeit seines Lebens seine Passion bleiben. 1835 bekam er zu Weihnachten eine Kürassieruniform. Weiters spielte er mit Zinnsoldaten und anderem militärischen Spielzeug. Als Geschenke zu diversen Anlässen bekam er Uniformen, Miniaturwiedergabe der Burgwache und eine Waffe.

Im Alter von 4 Jahren musste oder durfte Franz Joseph am ersten Familiendinner teilnehmen und durfte zwischen Kaiser und Kaiserin (Großeltern) sitzen. Seine Mutter gab ihm Instruktionen was er während des Dinners essen dürfe und zu sprechen habe.

Kaiser Franz II./I., 1832, Ölgemälde, Friedrich von Amerling, Foto: habsburg.net, Schloss Schönbrunn
Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein Foto: Heeresgeschichtliche Museum Wien

Als Franz Joseph 5 Jahre alt war, starb sein Großvater Kaiser Franz II/I (*12.2.1765, † 2.3.1835). Kaiser Ferdinand I. (der Gütige) erbte den Thron. Kaiser Ferdinand I, Onkel von Franzi galt als Schwachsinnig und hatte sehr häufig epileptische Anfälle. Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein (*15.5.1773 in Koblenz, † 11.6.1859 in Wien) sollte von nun an den kleinen Franzi prägen.

1836 wurde ein einschneidendes Jahr für Franz Joseph. Er musste sich auf Geheiß von Fürst Metternich und seiner Mutter Sophie von seiner geliebten Aja trennen. Dieser Prozess hat tiefe Narben in dem kleinen Kinderherz hinterlassen. Sein Erzieher wurde Heinrich Franz Graf von Bombelles (*26.6.1789 in Versailles, † 31.3.1850 in Savenstein). Ihm zur Seite gestellt wurde Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg (*16.11.1794 in Görz, † 26.7.1880 in Görz).

Bombelles und Coronini lagen ab dem Zeitpunkt oft im Streit miteinander. Der Schwerpunkt der Erziehung lag auf Pflichtgefühl, Religiosität, Sprachen, Zeichnen (er zeichnete überaus gut), Musik (mochte er weniger), Leibeserziehung, Offiziersausbildung und Politik. Genau sah das so aus:

Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg, Lithographie von Josef Kriehuber 1853, Foto: Wikimedia/Commons 

Sprachen: Deutsch, Französisch (die damalige Amtssprache), Ungarisch, Tschechisch, Italienisch, Polnisch, Latein und Altgriechisch.

Als Leibeserziehung verstand man: Schwimmen, Reiten, Fechten, Turnen und Tanzen (er galt Zeit seines Lebens als famoser Tänzer und war bei den Damen als Tanzpartner äußerst begehrt).

Heinrich Franz Graf von Bombelles, Lithographie von Josef Kriehuber 1851, Foto: Wikimedia/Commons 

In Politik wurde Franzi von Metternich persönlich gelehrt. Er sollte das weltfremde Denken des alten Fürsten übernehmen. Metternich versuchte Franz Joseph politisch zu beeinflussen, prahlte aber mit seinen eigenen Taten so derartig, dass ein Wirken bei dem jungen Erzherzog fehl schlug.
Coronini galt als liberal, steif und unnahbar. Bombelles galt als erzkonservativ und ultrareligiös. Beide Lehrer gerieten oftmals in Streit. Sophie hatte die Angewohnheit bei den Unterrichtsstunden anwesend zu sein und notierte penibel jede Note, jedes Vergehen der Kinder (auch Max und Ludwig nahmen an diesem Unterricht teil).

Der Tag von Franz Joseph fing um 7.00 Uhr morgens an und dauerte bis um 20.00 Uhr abends. Der Unterricht fand in 30 Minuten, 60 Minuten oder 90 Minuten Einheiten statt. Zu Mittag wurde ein 2stündiger Spaziergang eingeplant, sowie 1 Stunde Mittagessen und 1 Stunde Ruhezeit. Die Leibeserziehung fand vor dem Abendessen- um 19.00 Uhr – statt.

Erzherzog Franz Joseph, 1838 Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Im Sommer wurden die Stunden im Freien angepasst, je Älter die Buben wurden, desto mehr Lehrpensum musste erfüllt werden. Das da nicht viel Raum für freie Entfaltung blieb, wird jedem klar sein. Franz Joseph wurde gedrillt. Sein Umgang mit dieser Erziehung zeigte in späteren Jahren seine Wirkung. Er tat sich mit dem Small Talk schwer, konnte keine Unterhaltung führen und hatte Zeit seines Lebens große Probleme Gefühle oder zwischenmenschliche Emotionen zu zeigen. Er zeigte in allem ständig Contenance und ließ keinerlei Regung zu. Empathie für Menschen oder Situationen zu zeigen fiel ihm schwer.

Sein Lieblingsfach war die Militärische Ausbildung wo er Manöver üben lernte. Als Franz Joseph 13 Jahre alt wurde, wurde er zum Obersten des Dragonerregiments Nr. 3 ernannt. Er notierte in sein Tagebuch: „Es freute mich besonders, daß ich ein Cavallerieregiment bekommen hatte und unter der Cavallerie ein Dragonerregiment, da mir die deutsche Cavallerieoffizier-Uniform immer besonders gefallen hatte.“ (4)

Der junge Erzherzog war ein gelehriger Schüler, der sich kaum Kritik zu äußern traute. Er notierte 1843 in sein Tagebuch: „Die statistischen Lectionen des Herrn Fränzel unterhalten und intereßieren mich, die griechischen von Abbé Kis finde ich langweilig und unintereßant, mir thut es auch leid, diese Sprache lernen zu müssen, da man meistens sagt, es sey unnötig.“ (5)

Erzherzog Franz Joseph I. Lithografie, Foto: Schloss Schönbrunn

Im letzten Ausbildungsjahr 1847/48 bekam Franz Joseph noch eine juristische Ausbildung. Metternich wählte dafür einen extrem konservativen erzkatholischen Juristen aus, den Sophie aber ablehnte. Statt dessen übernahm Johann Baptist Freiherr von Pilgram (*24.6.1780, † 30.5.1861) diese Aufgabe. Politik allerdings wurde weiterhin von Metternich persönlich instruiert.

Franz Joseph klagte des Öfteren auf Grund des hohen und strengen Tagespensums unter Kopfschmerzen, Übelkeit und zeitweilig unter Erbrechen. All das wurde ignoriert und der junge Erzherzog und seine Brüder wurden weiter diszipliniert.

Auf einen der wenigen Freunde die Erzherzog Franz Joseph besaß, muss man zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zurückkommen, aber der Name Eduard Graf Taaffe sollte hier nicht ungenannt bleiben.

Als letzten Schliff vor der Entlassung ins „Leben“ beging Franz Joseph in Begleitung seiner Brüder und Erzieher mehrere Bildungsreisen innerhalb und außerhalb der Monarchie. Auch hier wurde ein straffer Zeit- und Reiseplan eingehalten. Man passierte viele Orte, Städte und traf allerhand Bürger und das gemeine Volk. Auf einer dieser Bildungsreisen traf Franz Joseph Feldmarschall Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky. Auch nach Mariazell führte ihn sein Weg. Franz Joseph war nun also bereit seinen späteren „Beruf“ auszuüben.

Als er 1848 von dieser letzten Reise heim kam, fand ein einschneidendes Erlebnis statt. Die Bürger Wiens hatten das strenge Regime von Metternich satt. Die Arbeiter vegetierten unter schrecklichen Bedingungen vor sich hin, es herrschte Not in allem. Die Bauern hatten immer noch mit der Grundherrschaft zu kämpfen und mussten fast alles an diese abgeben. Zu dem wurden die Bürger bespitzelt, die Handwerker fürchteten einen Abstieg ins Proletariat, weil die Industrialisierung einsetzte. Die Lebensmittel wurden verteuert, was bereits 1847 zu Hungerrevolten führte. Immer mehr befürchtete man eine 2te Revolution, wie sie in Paris 1830 stattfand. Im März 1848 kam es dann tatsächlich zu einem ersten Handgemenge und zu den ersten Todesopfern, da Erzherzog Albrecht in die Menge schießen ließ.

Metternich floh mit seiner Frau aus Wien nach Feldsberg und suchte fieberhaft nach einem Exil. Kaiser Ferdinand samt Familie und Erzherzogin Sophie samt Familie sind nach Innsbruck geflohen. Im April kam sie kurz zurück, da sie Ostern im Prater verbringen wollte, da sie dort Ostereier verstecken ließ. Die herrschende Ruhe war allerdings trügerisch. Schon im Mai kam es zu den nächsten Unruhen und Sophie ließ ihre Diamanten einpacken und begann wichtige Dokumente zu verbrennen. Sie floh erneut und nahm mit schwerem Herzen Abschied von Wien.

Im August kam die Familie von Innsbruck zurück und hoffte auf Beendigung der aufständigen Wiener und Ungarn.

Am 24.7.1848 wurde von Hans Kudlich der Antrag auf Aufhebung der bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses gestellt. Es folgten lange und zähe Verhandlungen, denen jedoch stattgegeben wurde und am 7.9.1848 in Kraft traten. Obwohl in Europa mittlerweile eine Konterrevolution erstarkte, galt Wien und Ungarn weiterhin als aufständisch. Am 28.9.1848 wurde Franz Philipp Graf Lamberg in Pest ermordet. Kriegsminister Latour befehligte deshalb den Abmarsch der Truppen nach Ungarn. Am 6.10.1848 wurde Theodor Graf Baillet de Latour aus dem Zeughaus gezerrt, ausgezogen und auf der Laterne „Am Hof“ gelyncht und öffentlich zur Schau gestellt. Auf Grund der Nähe zur Hofburg und des Mordes an einem Adeligen floh Kaiser Ferdinand I. und seine gesamte Familie erneut. Diesmal führte der Weg nach Olmütz.

Schon seit 1847 haben Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl auf eine Abdankung Kaiser Ferdinands I. hingearbeitet. Angeblich gab es eine Vereinbarung, die besagte, dass Franz Joseph I. an seinem 18. Geburtstag 1848 den Thron übernehmen sollte.

Kaiser Franz Joseph, 1848, Foto: billerantik

Am 6. Oktober 1848 wurde der Machtwechsel in einem größeren Kreis diskutiert; mit dabei viele regierende Minister die später eine prägende Rolle für Kaiser Franz Joseph I. einnehmen sollten.

Franz Joseph selbst resigierte auf den Machtwechsel mit Übelkeit und musste sich mehrmals übergeben. Obwohl in der Rangfolge eigentlich sein Vater auf Kaiser Ferdinand I. folgen sollte, wirkte Sophie solange auf ihren Mann ein, bis dieser nachgab und den Weg seinem Sohn freimachte.

Am 2. Dezember 1848 war es soweit. Kaiser Franz Joseph I folgte auf den Thron. Zuvor musste Kaiser Ferdinand I. seine Abdankung vorlesen, was er mit leiser zögerlicher Stimme tat. Kaiser Ferdinand I. notierte in sein Tagebuch: „Die Funktion endete damit, daß der neue Kaiser von seinem alten Kaiser und Herrn, nämlich vor mir kniend um den Segen bat, welchen ich auch unter Auflegung der Hände auf seinen Kopf und Bezeichnung mit dem heiligen Kreuz gab, ich ihn dann umarmte und er mir die Hand küsste. Und auch meine liebe Frau umarmte und küßte unseren neuen Herrn, dann entfernten wir uns in unsere Zimmer…“ (6)

Foto: Wikimedia/Commons

Die Zeremonie fand heimlich im engsten Vertrautenkreis in Olmütz statt. Franz Joseph I. sollte der Erste und Einzige Kaiser mit einem Doppelnamen werden. Sein gesamter Titel lautete:
Franz Joseph der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Hungarn und Böhmen, König der Lombardei und Venedigs, von Dalmatien, Croatien, Slawonien, Galizien, Lodomerien und Illirien; König von Jerusalem etc., Erzherzog von Österreich; Großherzog von Toskana und Krakau; Herzog von Lothringen, von Salzburg, Steyer, Kärnten, Krain und der Bukowina; Großfürst von Siebenbürgen, Markgraf von Mähren; Herzog von Ober- und Niederschlesien, von Modena, Parma, Piacenza und Guastalla, von Auschwitz und Zator, von Teschen, Friaul, Ragusa und Zara; Gefürsteter Graf von Habsburg von Tirol, von Kyburg, Görz und Gradiska; Fürst von Trient und Brixen; Markgraf von Ober- und Nieder-Lausitz und in Istrien; Graf von Hohenembs, Feldkirch, Bregenz, Sonnenberg etc.; Herr von Triest, von Cattaro und auf der Windischen Mark. (7)

Wie es mit Kaiser Franz Joseph I weiterging, lesen Sie im 2. Teil unserer Serie über

Kaiser Franz Joseph I.

Gemälde nach Eduard Klieber, 1851 Foto: Dorotheum  Wien

~ Petra ~


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)  
Bildrechte: Schloss Schönbrunn BetriebsgmbH, Österreichische Nationalbibliothek, Heeresgeschichtliche Museum Wien, billerantik, Dorotheum Wien


Literarische Hinweise:

1 – S.31, 2 – S.32, 3 – S.34
Die Kindheit Unseres Kaisers
Briefe der Baronin Louise von Sturmfeder
Aja Seiner Majestät Aus den Jahren 1830 – 1840
Bearbeitet von Anton Weimar
Gerlach & Wiedling Verlag, Wien, 1910 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Gudula Walterskirchen
Der Franzi war eim wenig unartig
Hofdamen der Habsburger erzählen
Residenz Verlag, 1. Auflage 2013 (nur noch antiquarisch erhältlich)

3 – S. 64, 2 – S. 63, 3 – S. 65,
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Auflage

4 – S. 37, 5 – S. 39, 6 – Seite 69/70, 7 – S. 75
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn
C.H.Beck Verlag, 1. Auflage


6 Gedanken zu „Das Kind von Gottes Gnaden

  1. Pingback: Kaiser Franz Joseph – Libényi Attentat (Teil 2) – Mythos Kaiserin Elisabeth

  2. Pingback: Erzherzog Franz Karl – Mythos Kaiserin Elisabeth

  3. Pingback: Erzherzogin Sophie – Mythos Kaiserin Elisabeth

  4. Pingback: Das Libényi Attentat (Teil 2) – Mythos Kaiserin Elisabeth

  5. Pingback: Das Spanische Hofzeremoniell – Hofetikette – Mythos Kaiserin Elisabeth

  6. Pingback: Verlobung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 4) – Mythos Kaiserin Elisabeth

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.