August 2018, als wir gerade einmal 8 Monate als Sternenkaiserin zusammen waren, plante ich eine Reise durch Niederösterreich. Es war eine 4-Schlösser Tour.
Begonnen hatte die Tour mit Schloss Wallsee, später ging es am selben Tag weiter zum Wasserschloss Totzenbach.
Tags darauf fuhren wir zum Renaissanceschloss Greillenstein und wieder einen Tag später zum Schloss Ruegers, dass uns bis in den September 2020 begleiten sollte.
Immer wieder waren wir im Letzteren zu Gast. Mittlerweile gibt es das Schloss Ruegers genauso nicht mehr, wie uns. Schloss Ruegers schloss zwar 2019 seine Pforten, ließ uns aber immer wieder shooten, das letzte Mal im September 2020. Im April 2021 trennten wir uns, im September 2021 wurde Schloss Ruegers verkauft.
Seit dem gibt es im Internet statt die Sternenkaiserin, die Mythos Kaiserin Elisabeth Seite. Die Beiträge zu den restlichen Schlössern habe ich gelöscht, da die mit Kaiserin Elisabeth nichts gemeinsam hatten.
Auch wenn im Renaissanceschloss Greillenstein eine gebürtige Elisabeth Prinzessin von Bayern, verheiratete Elisabeth Gräfin von Kuefstein lebt, hat das Schloss per se nichts mit Kaiserin Elisabeth zu tun. Gräfin Kuefstein stammt im übrigen von der Linie Erzherzogin Marie Valérie ab.
Schloss Wallsee hat deshalb etwas gemeinsam mit Kaiserin Elisabeth, da hier ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie mit ihrem Mann lebte.
Ich erspare euch die Einzelheiten zu Bauzeit, Bauherren und Grundrissen. Diesen Teil des Beitrages von Sabine habe ich gelöscht. Fakt ist, 1895 kaufte Erzherzog Franz Salvator das Schloss von Alfred Herzog Sachsen-Coburg und Gotha, da das Wasserschloss Lichtenegg in Wels aus allen Nähten platzte.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Schloss Lichtenegg, Wels
Bei 4 Kindern stand Kaiserin Elisabeth an Valéries Seite.
Sabine Rossegger ehemalige Sternenkaiserin:
Das Schloss war allerdings nicht im besten Zustand, als es Franz kaufte.
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Valerie und Erzherzog Franz Salvator
Das gesamte obere Geschoß war zu dem Zeitpunkt unbewohnbar, im Westteil des Schlosses waren alle Decken und Gewölbe in derart schlechtem Zustand, dass sie nicht mehr zu retten waren und daher erneuert werden mussten.
Ebenso mussten alle Fenster, Fußböden, Türen und die Holzstiege repariert werden, so auch das Dach. Der gesamte heutige Verputz wurde damals aufgebracht.
2 Jahre lang wurde das Schloss renoviert, bevor Erzherzogin Marie Valerie (*22.4.1868,†6.9.1924) und Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) und die immer größer werdende Familie am 4.9.1897 einzogen.
Die Bevölkerung des kleines Ortes freuten sich sehr über den Zuzug, galt die Kaisertochter für wohltätig und wohlwollend der Bevölkerung gegenüber.
Bald schon hatte sie den Beinamen
„der Engel von Wallsee“
Als Kaiserin Elisabeth das erste Mal zu Gast war, beschrieb dies Hofdame Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863,†3.9.1940) wie folgt:
„Am 28. September (1897) verließen wir Meran und waren am nächsten Morgen in Wallsee, im neuen Heim der Erzherzogin Valérie. Die erzherzogliche Familie war erst vor kurzem hierher übersiedelt und es ist daher natürlich, dass die Kaiserin das herrliche Schloß und dessen Einrichtung mit größtem Interesse und auf das eingehendste besichtigte. Wallsee übertraf alle unsere Erwartungen. Unser kurzer Aufenthalt war ein würdiger Abschluß dieser mit mancherlei angenehmen Erinnerungen verknüpften Reise, für deren prächtigen Erfolg am besten die freudige Überraschung sprach, die Seine Majestät bekundete, als er im Ofener Bahnhofe meine teure Kaiserin von mir übernahm.“ (1)
Das Schloss befindet sich nach wie vor im Besitz der Familie Habsburg-Lothringen und wird auch von ihr ständig bewohnt.
Zur Zeit von Ing. Andreas & Margaretha Habsburg Lothringen (Ur-Enkelin von Marie Valérie und Ur-Ur-Enkelin von Kaiserin Elisabeth) und deren 3 Kindern.
Foto: Prinz Barbara gothische KapelleFoto: Prinz Barbara Standesamt
Das Schloss ist nicht öffentlich zugänglich!
Foto: Prinz Barbara
Den Besuch in Wallsee hatte Petra bis ins letzte Detail geplant, die Kleiderauswahl, den Hut – ein Originalstück aus 1897, ja sogar der Schirm – alles war von ihr festgelegt und vorgeplant.
Nichts wurde dem Zufall überlassen und wurde auf das Jahr abgestimmt 1897 in dem die Kaisertochter nach Wallsee zog.
Als wir auf das schwere schmiedeeiserne Tor zuschritten, an dem weithin sichtbar die Wappen von Marie Valerie und Franz Salvator erkennbar sind, öffnete es sich uns wie von selbst.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: Prinz BarbaraFoto: Prinz BarbaraFoto: Prinz Barbara ehemalige ReithalleFoto: Prinz Barbara ehemalige GärtnerhausFoto: Prinz Barbara Mosaik am Burgturm
Am Eingang wurden wir von Margaretha Habsburg-Lothringen der Ur-Ur-Enkelin von Marie Valérie und ihrem jüngsten Sohn Alexander begrüßt.
Wir spazierten durch den Garten die lange Auffahrt zum Schlosstor entlang, an deren rechten Seite ist noch die steinerne Reithalle erhalten.
Durch das große Haupttor des Burgturms, auf dessen großen Mosaik die Brüder Eberhard und Heinrich von Wallsee dargestellt sind, gelangten wir in den großen Innenhof des Schlosses.
Foto: Prinz Barbara 1. Innenhof, Schloss WallseeFoto: Prinz Barbara 2. Innenhof, Schloss Wallsee
Durch ein weiteres Tor gelangten wir in einen zweiten, kleineren Innenhof in dem sich heute noch die privaten Wohnräume der Familie befinden.
In einer Ecke dieses Innenhofes steht ein alter Brunnen, der an die Zeit erinnert, als noch mit Holzleitungen das Wasser ins Schloss transportiert wurde.
Betritt man das Schloss, glaubt man, die Zeit wäre stehen geblieben.
Foto: Prinz Barbara Bisquitstatute von Gödöllö Kaiserin Elisabeth
Foto: Prinz Barbara Lebensgroß Erzherzog Franz Salvator
Das zweite Schloss erinnert eher an eine Burg aus dem Mittelalter und so ist der Innenraum eher dunkel und das dunkle Mahagoni und die kleinen Fenster, durch das die Sonne drang, erhellten den Raum nicht sonderlich.
Im gesamten Gebäude ist die kaiserliche Familie allgegenwärtig.
Petra entdeckte sogar eine Statuette vom Denkmal aus Gödöllö.
Kaiser Franz Joseph ließ von den schönsten Denkmälern kleinere Repliken anfertigen und verteilte diese in der Familie und an seine engsten Vertrauten.
Foto: Prinz Barbara
Deshalb gelangen solche Statuetten auch immer wieder z.B. ins Dorotheum Wien.
Eine Vitrine mit Andenken an die Kaiserin erinnert an deren Besuche bei ihrer Tochter (Anmerkung Petra: aus Respekt zeige ich diese Fotos nicht).
Am oberen Treppenende erinnert ein lebensgroßes Gemälde an Erzherzog Franz Salvator.
Danach war unser Besuch auch schon wieder vorbei und wir verabschiedeten uns von Margaretha Habsburg, ihrem Mann Andreas und den Kindern, die nach und nach von der Schule nach Hause kamen.
Sabine Rossegger
Nachwort Petra:
Nach dem Tod ihrer geliebten Mutter versuchte Valérie gemeinsam mit ihrer Schwester Gisela Prinzessin von Bayern (*12.7.1856,†27.7.1932) den trauernden Kaiser zu trösten.
Er war gerne in Wallsee zu Gast war, um dort mit seinen Enkelkindern Zeit zu verbringen.
Foto: Wikimedia/Commons Die gesamte Familie; ca. 1905
Foto: Wikimedia/Commons Unterm Weihnachtsbaum in Wallsee, Zeitungsillustration, 1916
Am 10.12.1918 verstarb Erzherzog Franz Karl, der älteste Sohn von Valérie, im Schloss Wallsee an der Spanischen Grippe. Zuvor hatte sie ihn noch aufopferungsvoll gepflegt.
In der Entbehrungsreichen Nachkriegszeit half der „Engel von Wallsee“ der Bevölkerung wo sie konnte und versorgte diese mit Essen, Kleidung und Medikamenten.
Leider erkrankte sie selbst an Lymphdrüsenkrebs.
Erzherzogin Marie Valérie starb am 6.9.1924 im Kreise ihrer Familie in Wallsee.Sie ruht am örtlichen Friedhof von Sindelburg-Wallsee.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Sohn Theodor Salvator (*9.10.1899,†8.4.1978) übernahm nach dem Tod seiner Eltern Schloss Wallsee. Seit dem ist es immer noch im Familienbesitz.
Erst ein Anruf des Heimatmuseumleiters von Wallsee und eines aufmerksamen Lesers meines Blogs, führten zufällig – zeitgleich (!) – zum gewünschten Ergebnis.
Im Ort Wallsee entdeckte ich ein Denkmal von Kaiser Franz Joseph, dass mich jahrelang zum Staunen brachte und sich erst im Jahr 2022 auflöste. Seit 2018 stand ein von mir gedrehtes Video falsch im Netz und obwohl ich auf dem Gemeindeamt von Wallsee nachfrug, was es mit dem „falschen“ Datum auf dem Kaiser Franz Joseph Denkmal auf sich hatte, bekam ich keine Antwort.
Auch Umfragen in nahegelegenen Geschäften, im Gasthaus usw. ergab kein Ergebnis.
Es gibt ein Kaiser Franz Joseph Denkmal mit dem „falschen Sterbejahr“.
Fotos: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Kaiser Franz Joseph Denkmal, Wallsee Fotos: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Kaiser Franz Joseph Denkmal, Wallsee Fotos: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Kaiser Franz Joseph Denkmal, Wallsee
In Wirklichkeit soll das ein Jubiläumsjahr gewesen sein, der in Wallsee mit einem Denkmal gefeiert wurde. Leider hat man es bis heute (!) versäumt eine Tafel mit der Erklärung aufzustellen. Die Menschen vor Ort wissen nichts (!) über das Denkmal und so glaubt jeder Besucher, dass dies das „falsche Sterbejahr“ anzeigt.
Schade, dass man bis heute diese Information nicht direkt beim Denkmal angibt.
Petra Schimbäck
Rechtliche Hinweise:
Vorwort + Nachwort + Layout: Petra Schimbäck Recherchen: Petra Schimbäck Text + Recherchen: Sabine Rossegger Bildrechte: Prinz Barbara, Wikimedia/Commons, habsburger.net, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Literatur Hinweis:
1 – S 166, Irma Gräfin von Sztáray Aus den letzten Jahren der Kaiserin Elisabeth Amalthea Verlag, 3te Auflage, 2005
Foto: akpool.de Elisabeth Marie Fürstin zu Windisch-Graetz „Erzsi“
Elisabeth Marie Henriette Stephanie Gisela Erzherzogin von Österreich, bekannt als Elisabeth Petznek wurde am 2.9.1883 in Schloss Laxenburg geboren.
Ihr Vater war Kronprinz Rudolf. Ihre Mutter Stephanie Prinzessin von Belgien.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Kronprinz RudolfFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Kronprinzessin Stephanie
Kronprinz Rudolf war der einzige Sohn von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph. Sie war somit die Enkelin der beiden, zu dem war Kaiserin Elisabeth ihre Taufpatin.
Elisabeth, welche nur „Erzsi“ (ungarische Koseform für Elisabeth) genannt wurde, war das einzige Kind des Paares, da Stephanie durch Rudolf unfruchtbar wurde.
Schon ihre Kindheit verlief turbulent. Vom Vater verhätschelt und verwöhnt, von der Mutter zwar geliebt, aber dennoch distanziert, wuchs sie hauptsächlich in der Hofburg und in Laxenburg auf.
Stephanie wurde in ihrer Kindheit massiv missbraucht, weshalb es ihr schwer fiel, Liebe zu zeigen oder weiterzugeben. Rudolf hasste seine Frau immer mehr und gab sich den Soubretten hin.
Erzsi liebte ihren Vater über alles und himmelte und betete ihn an, weshalb für die 5jährige die Welt zusammenbrach, als dieser sich in Mayerling das Leben nahm und als Mörder seiner Geliebten Mary Vetsera galt.
Von jeher die Lieblingsenkelin von Kaiser Franz Joseph verhätschelte der sie weiter und nahm sich ihrer an, als ihre Mutter Wien verließ und jahrelang auf Reisen ging, um den Tratsch und Makel, der nun an ihr haftete zu entgehen. Ihre kleine Tochter nahm sie nicht mit.
Auch Kaiserin Elisabeth vergaß ihre Enkelin und stürzte sich in Selbstmitleid und floh ab sofort noch mehr aus Wien und ging jahrelang auf Reisen und kam kaum noch zurück.
So wuchs Erzsi unter der Obhut des alternden Großvaters, mit Erzieherinnen, Hofdamen und Hauslehrern auf, die ihre liebe Not mit der sehr eigensinnigen jungen Dame hatten. Erzsi zeigte schon in jungen Jahren ihren eigenen Kopf, ihr Durchsetzungsvermögen und ihre Art Dinge anzupacken oder ihren Großvater gegen andere einzusetzen. Das Spiel spielte sie als Erwachsene bis zur Perfektion und stieß später viele vor den Kopf.
Als sie zur einer jungen, sehr schönen Frau herangereift war, drehten sich bald alle Männer nach ihr um. Erzsi war 1,85 m groß gewachsen, sehr schlank, hatte rotblonde Haare und galt als unglaubliche Schönheit. Ihr Charakter war aber leider das genaue Gegenteil. Sie war despotisch, herrschsüchtig, eigensinnig, rachsüchtig, machte ihren Kindern das Leben zur Hölle, ging über Leichen, nur um ihren Vorteil zu erlangen und war von Natur aus schwer Eifersüchtig, bis hin zum völligen Kontrollverlust und Raserei. Kurz und gut, sie hatte keinen Funken Anstand in ihrem Leib. Ihre Dienerschaft behandelte sie wie Leibeigene, die es ihr auf ihre Weise dankten, doch dazu später.
Zur Mutter Stephanie hielt sie beinahe Zeit ihres Lebens nur noch schriftlichen Kontakt. Als diese ihre Biografie „Ich sollte Kaiserin werden“ veröffentlichte, ließ Elisabeth die Verbreitung gerichtlich verbieten, weshalb es kaum Exemplare davon gibt.
Als diese dann noch 1900 morgantisch heiratete, verbat sich Erzsi jeden Kontakt und beschimpfte ihre Mutter als unwürdig. Zeitgleich lernte sie selbst aber den ihr nicht standeswürdigen Otto Prinz zu Windisch-Graetz kennen und verliebte sich.
Kronprinz Wilhelm von Preußen war für die Ehe mit Erzsi vorgesehen. Die Verlobung stand kurz bevor.
Foto: Wikimedia/Commons Otto zu Windisch-Graetz
Doch Erzsi setzte sich wieder einmal bei ihrem Großvater durch. Obwohl sie aus dem Erzhaus ausschied und damit offiziell keine Habsburgerin mehr war, jubilierte sie über den Triumph sich durchgesetzt zu haben. Noch zumindest. Am 23.1.1902 heiratete sie 18jährig den 28jährigen Otto Prinz zu Windisch-Graetz und wurde damit zur Prinzessin zu Windisch-Graetz.
Das Paar zog für eine Weile nach Prag, wo Otto stationiert war. In weiterer Folge bekam Erzsi 4 Kinder:
Franz Josef „Franzi“ 1904
Ernst „Erni“ Weriand 1905
Rudolf „Rudi“, Erzsis Lieblingskind 1907
Stephanie „Fee“ 1909
Erzsi kann als liebevolle und fürsorgliche Mutter angesehen werden, solange die Kinder Babys und Kleinkinder waren. Doch sobald ein bisschen Selbstständigkeit begann, waren die Kinder für sie nur noch Mittel zum Zweck und zum anherrschen da. Dies begann etwa mit dem 2ten bis 3ten Lebensjahr.
Die Ehe des Paares ging gründlich schief. Erzsi steigerte sich oft und gerne in ihre Eifersuchtsanfälle. Obwohl Otto und sie sich an Affären nichts schenkten, war Erzsi es, die ihn bis aufs Blut reizte.
Auf den Bällen tanzte und flirtete sie mit jedem Mann, wohl wissend, dass sie Otto rasend machte, während Otto es ihr mit den schönsten Frauen des Abends gleich tat.
Während sich aber Otto zu Hause zurückzog, schwoll Elisabeths Leidenschaft jetzt erst an. Sie schrie, tobte und ihre Raserei kannte kaum ein Ende. Oft musste Otto seine Frau vor der Ehre retten und sich duellieren. Er wählte dabei meistens den Degen, da er hier für seine Geschicklichkeit bekannt war. Selten wählte er Säbel und noch seltener die Waffe, da er mit Letzterer nicht so gut umgehen und er nicht wissen konnte, wie schnell sein Gegner war. Erzsi lachte immer nur höhnisch, wenn er wieder nach Hause kam.
Die Ehe von Otto und Elisabeth war nichts als eine einzige Höhe an Sex, Alkohol, Drogen, Eifersuchtsanfällen und miesen Tricks den Partner bei anderen auszuspielen.
Es gipfelte darin, dass Erzsi eines Tages auf Ottos schoß, als sich dieser wieder einmal zurückzog und ins Bett legte. Sein Diener ließ ausrichten, dass sich der gnädige Herr Ausruhen möchte, als Erzsi in ihrem grenzenlosen Wahn, die Pistole holte, lud, zurückeilte, den Diener zur Seite stieß und schoss. Die Kugel verfehlte nur knapp das Bett. Sie durchschlug das dicke Holz einer Tür und landete schließlich im Parkettboden. Auch auf die Geliebte ihres Mannes Marie Ziegler (Opernsängerin) soll sie geschossen und sie dabei ebenfalls nur knapp verfehlt haben.
Das Ende einer turbulenten Ehe war damit endgültig entschieden. Obwohl sich Otto klar war, dass er seine Frau hätte zähmen können, war er nicht Manns genug, da er sich der Raserei und der Eifersucht von Elisabeth nicht mehr hingeben wollte. Die Trennung wurde 1911 endgültig ausgesprochen.
Doch nun wurde es prekär. Seit 1909 (!) schrieb sie heimlich mit einem E.L. Briefe, die von sehr intimer Natur waren. E.L. wusste von all ihren Eheproblemen und von Ottos Affären und gab ihr in vielen Dingen Rat. Ihre Schwiegertochter deckte den Namen jenes Mannes auf, der Elisabeths große Liebe werden sollte. Doch auch hier, war ihr das Schicksal nicht hold.
Während E.L. in seinen Briefen bereits von Liebe sprach, gab es noch einen V.W., welcher mit Erzsi schrieb. Dem vertraute sie Geldprobleme an. Otto habe ihr nach der Trennung den Unterhalt gestrichen und hielte sie knausrig, habe sie dem geheimnisvollen Mann erzählt. V.W. liebte sie ebenso, wie E.L. und auch dieser blieb lange Zeit unidentifiziert. Mit beiden hatte sie gleichzeitig ein Verhältnis, entschied sich aber dann nur für E.L. den sie wirklich und wahrhaftig – zumindest was Elisabeth für Liebe hielt – zu lieben begann.
Foto: Wikimedia/Commons Egon Lerch Geliebter von Erzsi
Um das Rätsel aufzulösen: V.W. stellte sich als Vincenz Windisch (Graetz?) heraus, der sich später umbrachte. Elisabeth triumphierte, weil sie dachte, es sei aus unerwiderter Liebe zu ihr geschehen und weil er sie nicht haben konnte, habe der schwer Depressive, aber loyale Vincenz sich umgebracht. Später erfuhr sie aber, dass er eine verheiratete Dame liebte, die mit ihrem Mann ins Ausland ging, sich dort trennen wollte, aber schwanger zurückkam. Obwohl Erzsi mit E.L. zusammen war, war sie von Trauer erschlagen. Ob aus Kummer, dass sich Vincenz nun doch nicht wegen ihr umgebracht, oder weil sie tatsächlich einen Freund verloren hatte, konnte ich nicht aus den Briefen herauslesen.
Zurück zu E.L. Es stellte sich heraus, dass es sich um den weit unter ihrem Stand befindlichen Egon Lerch handelte, geboren am 19.6.1886 in Triest. Er war Leutnant auf einem Linienschiff. Begegnet waren sich die beiden auf einem Fest in Pola (Italien). Zuerst betrieben sie die Affäre heimlich. Doch schon bald pfiff Erzsi wieder einmal auf ihren Stand, auf ihre Herkunft und wer ihr Großvater war und zeigte Egon in aller Öffentlichkeit und bei jeder sich bietenden Gelegenheit.
Der Wiener Hof tobte, die Öffentlichkeit zerriß sich das Maul über Elisabeth, Kaiser Franz Joseph rief seine Enkelin zur Räson, Mutter Stephanie war bestürzt und bat einen Pfarrer die Dämonen die ihre Tochter heimsuchten mögen ihr ausgetrieben werden, Ehemann Otto wurde informiert, der ihr machtlos gegenüberstand. Fürstin zu Windisch-Graetz, machte mit Verlaub, was sie wollte. In dieser Zeit stieß sie ihre Familie, ihre Freunde und ihre Kinder vor den Kopf.
Egon war ihr wichtiger als alles andere in ihrem Leben, weshalb gerade Otto sich fragte, wie sicher sind noch die Kinder bei Elisabeth? Da sie sich auch nicht gerade in ihren eigenen 4 Wände Freunde gemacht hatte, konnte sie nie sicher sein, welche Verfehlung sofort an Otto geschrieben oder telegraphiert wurde.
Ihre Hausangestellten hassten sie wie die Pest. Sie behandelte diese Zeit ihres Lebens wie ihre Leibeigenen. Herrisch, despotisch, kein Bitte, kein Danke (im Gegensatz zu ihrem Großvater, der immer um alles bat). Sie galt als unhöflich, grob und abweisend. Die Hausangestellten dankten es ihr mit Illoyalität und Informationen an die Presse, ans Kaiserhaus und – an Otto.
Als der 1. Weltkrieg ausbrach wurde Egon am 21.8.1914 UBoot-Kommandant der U12. Er war zu diesem Zeitpunkt 28 Jahre alt und extrem stolz diesen Posten erreicht zu haben. Erzsi selbst war weniger glücklich, musste sie sich von ihrem Liebhaber trennen. Egon wollte seiner großen Liebe, der Tochter von Kronprinz Rudolf, Enkelin von Kaiser Franz Joseph seine Tapferkeit beweisen. Bevor er auslief, machte er ihr einen Heiratsantrag. Obwohl Erzsi nicht mehr zum Erzhaus angehörte, bekam sie monatlich immer noch eine ordentliche Apanage von ihrem Großvater, mehrere Wertgegenstände und sonstige Vergünstigungen. Elisabeth nahm den Heiratsantrag an. Irgendwie würde sie die Scheidung von Otto schon durchsetzen, dessen war sie sich sicher.
Erzsi und Egon trafen sich so oft es ging, da dieser eine Zeit lang zu „Übungszwecken“ in Triest lag und dann im Mittelmeerraum eingesetzt wurde. Sie pendelte zwischen Triest und Wien, als ihr zu Jahresbeginn ihr Großvater das verwaiste Schloss Schönau schenkte, welches früher Erzherzog Otto „Bolla“ gehörte.
Foto: Wikimedia/Commons Erzsi mit allen Kindern
Kaiser Franz Joseph erhoffte sich dadurch, dass Elisabeth endlich sesshaft werden, ihren Kindern ein ordentliches Heim bieten, den Garten wieder begrünen lassen und wegen Otto und vor allem Egon zur Vernunft kommen würde. Schloss Schönau nahm sie an, die Vernunft nicht. Sie bat Kaiser Franz Joseph um die Scheidung von Otto, doch dieser lehnte ab.
Inmitten des Umzuges nach Schloss Schönau erhielt sie eine Nachricht, die sie bleich werden ließ. Seit 1914-1915 war sie es gewohnt zwischen Wien bzw. Schönau und Triest hin und herzupendeln. Egon telefonierte so oft es ging mit ihr, sogar zum Teil aus dem UBoot. Im Juni 1915 sah sie ihn das letzte Mal. Als sie im August von ihm nichts mehr hörte, befiel sie eine tiefe Unruhe. Als das Telegramm ankam, setzte sie sich umgehend in den Zug und fuhr nach Triest. Als sie am Bahnhof von einem Offizier erwartet wurde und dort Egons Diener sah, wurde ihr alles bewusst. Der Offizier händigte ihr ein Schreiben aus und ihre gute Kinderstube völlig vergessend, rannte sie los, mietete sich ein Hotelzimmer und schloss sich darin ein.
Einer der besten Freunde Egons teilte ihr mit, dass die U12 am 7.8.1915 in Saba ausgelaufen sei und seit dem nicht mehr mehr zurückgekommen ist. Am 23.8.1915 strich man die U12 von der Flottenliste. Egon Lerch, die große Liebe ihres Lebens, war am tiefen Meeresgrund. Sie schrie sich die Seele aus dem Leib, wollte Sterben.
Erzsi erstarrte in Trauer, Verbitterung und was folgte, war wieder einmal ein Beispiel was Hass in Menschen bewirken kann. Sie ließ es an Menschen aus, die nichts dafür konnten: an Otto und in weiterer Folge an ihren Kindern, die sie mit Lernen traktierte bis aufs Blut.
Nach dem Tod ihres Großvaters Kaiser Franz Joseph, bat sie Otto um die Scheidung und nun folgte die Rache von Otto: er lehnte ab.
Nun begann tatsächlich ein erbitterter Sorgerechtsstreit um die Kinder, denn Otto befand, dass Elisabeth labil sei und die Kinder nicht mehr sicher. Zu seinen Gunsten stand, dass damals die Gerichte dies noch so sahen, dass die Väter die besseren Mütter seien und grundsätzlich den Vätern das Recht zusprachen.
Als die Kinder 1921 (!) aus Schloss Schönau per Gerichtsbeschluss abgeholt werden sollte, eskalierte die Situation aber völlig. Die Kinder weigerten sich beharrlich und vehement, so dass der Richter, der Gerichtsvollzieher und 22 (!) Gendarmen einschreiten mussten. Die Kinder schrien sich die Kehle aus dem Leib (16, 14, 12 Jahre alt) Ohne Erfolg. Sie zogen zu Otto um.
Ebenfalls 1921 lernte Elisabeth in Mödling Leopold Petznek kennen. Er war der Lehrer ihrer Kinder. Das Paar verliebte sich und in weiterer Folge war Leopold es, der sie zähmte und aus ihr „die rote Erzherzogin“ machte. Da Leopold bei den Sozialdemokraten Mitglied war und sich politisch engagierte, kam Erzsi mit diesem „Publikum“ in Verbindung und begann umzudenken und half plötzlich der Bevölkerung die in den Notstand geraten war. Im Zuge dieser Arbeit lernte sie sogar den jungen Bruno Kreisky (späterer öst. Bundeskanzler) kennen, der später noch ihre Schönheit und ihr soziales Engagement lobte.
1924 drehte sich das Blatt für Erzsi und die Kinder kehrten zur despotischen Mutter zurück. Nun waren sie endgültig verstört. Sie waren weinerlich, machten wieder ins Bett, wurden depressiv und zeigten Anzeichen von psychischen Auffälligkeiten. Doch Elisabeth kannte kein Pardon. Sie tat dies alles mit einem herrschenden Ton ab. Die Kinder hatten zu gehorchen, zu parieren, zu lernen, still zusein und wenig zu lachen. Die Kinder waren nun 19, 17 und 15. Die Scheidung verweigerte er dennoch.
1924 ließ sie den Schlossgarten von Schönau für die Anwohner öffnen und trat schließlich 1925 selbst der SPÖ bei. In weiterer Folge half Elisabeth der Bevölkerung über die entbehrungsreichen Jahre des 2. Weltkrieges und half mit allem aus.
Ihren eigenen Kindern jedoch gönnte sie nichts. Sie nahm nicht einmal an deren Hochzeiten teil und schrieb zum Teil garstige Briefe, wenn einer von ihnen krank wurde (…hast es sicher verdient…; jeder trägt sein Kreuz).
Elisabeth und ihre Mutter Stephanie hatten sich seit 1925 nicht mehr gesehen. Beide beharrten auf ihrem Recht und keiner gab nach. Stephanie war davon überzeugt, dass Elisabeth von einem Dämon besessen sei. Elisabeth wiederum, gab ihrer Mutter die Schuld, am Tod ihres Vaters. Als Stephanie am 23.8.1945 starb, hatten sich die beiden seit 20 Jahren nicht mehr gesehen. Und doch fanden sich zahlreiche Briefe – teils sehr innige und intime – einer insgesamt sehr eigenartigen und schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung.
Foto: Wikimedia/Commons Leopold Petznek 2. Ehemann
1939 musste sie ihren Lieblingssohn Rudi begraben, der bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Mit „Sieg Heil“ Parolen stand die Wehrmacht am Grab in Hütteldorf, welches auch das Grab für Erzsi werden sollte.
1944 musste Elisabeth erneut um das Leben ihres Geliebten bangen. Leopold wurde ins Konzentrationslager Dachau gebracht, überlebte aber das Martyrium. 1945 nach dem Ende des Krieges konnte er lebend daraus befreit werden.
1948 willigte Otto nun endlich in die Scheidung ein. Er empfand weder Hass, noch Rache gegenüber seiner Frau. Am 4.5.1948 fand nun nach 27 Jahren „wilder Ehe“ die Hochzeit statt. Elisabeth war vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich angekommen.
Schönau wurde schließlich aufgegeben und das Paar zog nach Wien zurück, wo sie die Villa Windisch Graetz kauften und umbauen ließen.
1952 begrub sie ihren Sohn Erni im selben Grab wie Rudi, welcher an einem Herzversagen starb. Vielleicht tat ihr jetzt ihr Brief (….hast es sicher verdient…; jeder trägt sein Kreuz) leid.
Ab diesem Zeitpunkt verließ sie nicht mehr ihr Zimmer. Sie saß Tag für Tag, Minute für Minute, Stunde für Stunde, in einem großen Fauteuil, eingehüllt in einem großen Mantel aus schwarzen Wollstoff und einen schwarzen Schal, welcher um ihre Schultern geschlungen war. Die Beine waren in dicke Decken gehüllt, um ihr Haupt war ein schwarzer enganliegender Turban gebunden.
Starkes Rheuma und Migräne begleiteten sie Tag für Tag und kein Medikament konnte ihr Linderung verschaffen. Sie glaubte an Scharlatanerie und zum Teil kamen und gingen komische „Ärzte“. Sie glaubte an Magnetismus, Astrologie, Homöopathie und hatte einen Koffer voller Heilsteine. Auch Morphium und sonstige Opiate fand man in ihrem Arzneikoffer.
Leopold war ihr in Geduld und Liebe ergeben und gab keinen Mucks von sich. Entweder er saß oder lag neben ihr. Entfernen ohne ihrer Erlaubnis durfte er sich nicht. Ansonsten schrie sie sofort nach ihm und fragte wo er sei und was er mache. Aufopfernd und ohne Klagen ertrug er dies all die Jahre, ohne Widerspruch.
Schon immer war Elisabeth schwierig gewesen. Schon immer hat sich Elisabeth in viele Krankheiten geflüchtet und gewusst, wie sie die Zeit ihres Lebens einzusetzen wusste, wenn sie etwas wollte oder wenn sie despotisch Menschen an sich binden wollte.
Foto: Wikimedia/Commons Erzsi im Alter
1955 zog dann auch endlich die französische Besatzungsmacht ab in deren Viertel das Paar wohnte. Leopold starb schließlich am 27.7.1956 und wieder saß Elisabeth im Rollstuhl am Friedhof.
Nun blieb Elisabeth nur noch die Einsamkeit. In den Jahren 1957 – 1959 kam die Schwiegertochter von Franzi mit den Kindern jeden Sonntag zum Mittagessen, doch ab 1960 mussten die Besuche eingestellt werden, Erzsi schaffte es nicht mehr.
Ihre Gärtner mussten ihr tägliche Berichte aus dem Garten abgeben und ihr erzählen, welche Blumen blühten und welche verblüht waren. Sie selbst konnte ihren Garten, nur noch vom Rollstuhl, vom Balkon im 1. Stock aus sehen.
Den grausigsten Entschluss fasste sie für ihre geliebten, mehrfach preisgekrönte Schäferhunde Putzi, Libelle und Lido. Obwohl der Tierarzt und alle Personen rund um sie versprachen die Hunde beisammen zulassen und zu übernehmen, herrschte Erzsi den Tierarzt an, dass die Hunde am Tag ihres Todes einzuschläfern seien. Sie wollte, dass ihre Hunde genauso zu sterben, wie sie. Der Tierarzt konnte sich nicht widersetzen. Und so geschah es.
Elisabeth Petznek starb am 16.3.1963 79jährig in Wien. Sie ruht im Familiengrab Petznek und Windisch – Graetz am Hütteldorfer Friedhof in Wien.
Lido, Putzi und Libelle wurden tatsächlich eingeschläfert und neben Elisabeth aufgebahrt. Lido lag so, dass Elisabeths Hand ihren toten Körper berührte. Libelle ruhte zu ihren Füßen und Lido lag direkt darunter. Die Hunde waren kaum 8 Jahre alt.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara Grab Erzsi, Leopold und RudolfFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara Grab Erzsi, Leopold und Rudolf
Das Grab trägt auf Wunsch von Elisabeth keinerlei Inschrift. Das Kreuz gehört nicht zum Grab von Erzsi, sondern einem anderen Grab. Erzsis Grab enthält keinen Stein, keine Inschrift.
Elisabeth erbte von Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph viele persönliche Gegenstände. Trotz Widerstand von Leopold Petznek vererbte sie das aus reiner Bosheit, Hass und Habgier nicht den verbliebenen Kindern Franz Joseph und Stephanie, sondern der Republik Österreich.
Am Tag ihres Todes (!) kam die Stadt Wien, holte die unglaublich wertvollen Gegenstände, ohne zuvor eine Inventarliste anzulegen, ohne Beisein eines Notars und ohne einen Sachverständigen ab.
Als Sohn Franz Joseph aus Kenia nochmals die Villa im Beisein eines Rechtsanwaltes betreten durfte, fehlten bereits alle wertvollen Gegenstände. Er sah diese nie wieder.
Elisabeth besaß:
🔷 Spitzenbrautschleier von Kaiserin Elisabeth
🔷 Orientteppiche von Kronprinz Rudolf, welche er aus seiner Orientreise mitgebracht hat
🔷 Schmuck, welcher von Kaiserin Elisabeth Erzsi geschenkt wurde
🔷 280 Originalbilder von Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Kronprinzessin Stephanie, Kronprinz Rudolf und der gesamten kaiserlichen Familie – und einige Ölbilder
🔷 die gesamte Privatbibliothek von Kaiserin Elisabeth
🔷 40teiliges Altwiener Porzellan aus dem persönlichen Besitz des Hauses Habsburg
🔷eine private Kunstsammlung von Kaiser Franz Joseph
Ein Teil der Sammlung wie zB der Brautschleier, Orientteppiche und Bilder sind bis heute verschwunden; ein Teil taucht manchmal in Ausstellungen auf.
Ein kleiner Teil des Nachlasses ist im Hofmobiliendepot Wien zu betrachten. Dieses habe ich euch in den Videos gezeigt (Facebook Kategorie Video zu finden).
Der Großteil jedoch wird in großen Lagern aufbewahrt, welche völlig überfüllt mit konfiszierten Schätzen der Habsburger sind.
Petra Schimbäck
Text + Recherchen: Petra Schimbäck Bildrechte: akpool.de, Wikimedia Commons, mythoskaiserinelisabeth.com
Literatur Hinweise:
Friedrich Weissensteiner Die rote Erzherzogin Piper Verlag, 1993
Ghislaine Windisch-Graetz Kaiseradler und rote Nelken Das Leben der Tochter des Kronprinzen Rudolf Amalthea Verlag, 1992
Michaela Lindinger Elisabeth Petznek Rote Erzherzogin, Spiritistin, Skandalprinzessin. Die Biografie. Molden, Wien/Graz 2021
Titania wandelt unter hohen Bäumen,
Mit weißen Blüten ist ihr Pfad bestreut,
Die Buchen rings, die alten Eichen keimen,
Es scheint der Wald ein Dom dem Mai geweiht.
Ein Dom, durchweht von märchenhaften Träumen,
Ein Zauberort verborgen und gefeit,
Maiglöckchen läuten duftend süße Lieder,
Und gold'ne Falter schweben auf und nieder.
Doch nie und nimmer werden zugelassen,
Die draußen an des Zauberwaldes Thor,
Um Einlass fleh'n mit Schreien und mit Scharren
Die alten Esel und die jungen Narren.
Titanias Zauberschloss
Villa Hermes
Elisabeth von Österreich, Sommer 1888
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Mit diesem Gedicht empfängt man euch mehr oder weniger auf einer weißen großen ungetümen Tafel mit einem Foto von Kaiserin Elisabeth, aus dem Jahr 1865 von Viktor Angerer.
Die Tafeln und viele hässliche Stahl-Glasvitrinen werden euch durch halbleere Räume begleiten. Anstatt die Räume auf sich wirken lassen zu Können und sich vorzustellen, wie hier einmal Elisabeth, Franz Joseph und später Marie Valérie mit Franz Salvator und 7 ihrer Kinder gelebt haben, stehen immer diese Vitrinen im Sichtfeld und nehmen einem die Phantasie.
Leider ist das nicht das Einzige, was an Atmosphäre zerstört wurde.
Die ehemaligen Gisela-Appartements fielen komplett dem Caféhaus zum Opfer. Man hat sie einfach komplett herausgerissen, um einen Platz zu schaffen, für Erfrischungen und Torten. Es ist einfach nur traurig, wenn man bedenkt, welches Erbe damit unwiderruflich zerstört wurde.
Betrachtet man das Areal, stehen so viele Nebengebäude herum, dass man gut und gerne dort ein Caféhaus unterbringen hätte können.
Aber nein, es mussten die Gisela-Räume dafür genutzt werden. Auf der eigens gebauten Terrasse, steht heute ein hässliches weißes Plastikpferd. Man wird einfach den Gedanken nicht los, dass man zerstören wollte und hier einfach nicht gewusst hat, was man sonst mit einem ungenutzten Platz tun sollte.
Auf der Toilettenanlage hat man eine Kaiserin Elisabeth Tapete angebracht. Ich weiß noch immer nicht, ob ich das geschmackvoll oder -los finden soll.
Schon von weitem sieht man die gelben Schirme des Caféhauses.
Ich bin der Meinung, dass die Vorderansicht der Hermesvilla damit seinen Charme verloren hat.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Das ominöse weiße Plastikpferd auf der Terrasse Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Tapete am WCFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Vorderansicht mit Schirme
Natürlich ist es toll, an heißen Sommertagen ein Glas Wasser, Kaffee und Torte unter den Schirmen zu genießen. Doch wie gesagt, das Areal ist groß genug.
Über das weiße Pferd auf der Terrasse gibt es unterschiedliche Auffassungen. Als ich es damals erblickte, fragte ich natürlich, was dieses Pferd zu bedeuten habe. Der befragte Kellner des Cafés antwortete, dass es eine Hommage an Elisabeths Reitleidenschaft sei. Aha…
Bei meinen Recherchen stieß ich allerdings auf einen Disney-Film von 1969. In der Hermesvilla und im Lainzer Tierpark wurde der Film „Flucht der weißen Pferde“ gedreht. Als Schauspieler waren Curd Jürgens, Lilli Palmer und Rod Taylor im Einsatz.
Foto: amazon.de Filmplakat zu „Flucht der weißen Pferden“
Es ist also durchaus im Bereich des Möglichen, dass hier an den Film erinnert werden soll und nicht an die Kaiserin. Schade ist, dass weder die Besucher, noch die Mitarbeiter davon in Kenntnis gesetzt werden. Eine Tafel zum Pferd gibt es nicht. Es steht einfach nur da…
Die Hermesvilla war in den 1980er und 1990er Jahre gut besucht. Viele Ausstellungen über Kaiserin Elisabeth und Kronprinz Rudolf waren zu sehen. Ich habe sie selbst alle noch besucht und kann mich an einige noch sehr gut erinnern.
Die letzte Ausstellung dieser Art ist 23 Jahre her, seit dem mangelt es der Villa an Besuchern.
Es gibt keine Werbungen mehr, die Wiener selbst haben die Villa vergessen, wie sollten es dann Besucher erfahren? Für einen 2-3 Tage Wien-Trip extra nach Lainz zu fahren, ist schon enorm weit, da die Hermesvilla nicht gerade günstig liegt.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt man von der Wiener Innenstadt gut und gerne 1 Stunde bis zum Eingang, um dann noch einen 30 – 45 minütigen Fußweg über Stock und Stein zu gehen (gutes Schuhwerk erforderlich). Der Waldweg ist anstrengend, vor allem das letzte Stück.
Für Behinderte nicht zu empfehlen! Es gibt keinen Shuttle mehr zur Villa.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraDie Umgebung und der Weg zur Villa
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra ehemaliger Badeweiher von Kaiserin Elisabeth
Auf dem Weg zur Villa kommt ihr an einem Weiher vorbei. Auch hier wurde das Badehaus von Kaiserin Elisabeth abgerissen. Diesen nutzte sie, um sich hier umziehen zu lassen, um dann im Weiher zu schwimmen.
Ich bin sicher, dass diesen auch die Kinder von Erzherzogin Marie Valérie zu nutzen wussten. Wenn man genau hinhört, könnt ihr das Kinderlachen von damals noch hören…
Heute ist Baden und Bootfahren verboten. Natürlich! Was sonst?
Hermesvilla Lainzer Tiergarten 1130 Wien
15.3. bis 1.11: Dienstag bis Sonntag und Feiertag Montag geschlossen! 10.00 bis 18.00 Uhr Die Hermesvilla schließt 30 Min. vor Torsperre des Lainzer Tiergartens, spätestens jedoch um 18.00 Uhr Eingeschränkte Öffnungszeiten im Herbst/Winter
Bei meinem letzten Besuch, habe ich mit dem Museumsmitarbeitern Kontakt gesucht und erfahren, dass der durchschnittliche Besucher 20 bis maximal 30 Minuten für den Rundgang braucht.
Ich brauche (mindestens) 2 Stunden.
Wenn ihr Glück habt, trefft ihr auf eurem Rundgang noch 2-3 Interessierte, normalerweise hat man die Villa komplett für sich allein.
Fotografieren ist erlaubt. Aber ohne Blitz! Bitte haltet euch daran!
Danach könnt ihr im Museumsshop wirklich gute Raritäten ergattern. Das Personal freut sich immer sehr, wenn sie Menschen treffen, die sich für die Kaiserin wirklich interessieren und auch etwas im Shop kaufen!
Wie die Villa tatsächlich zu Lebzeiten Kaiserin Elisabths eingerichtet war, ist nicht bekannt.
Sie hat sich abgeschottet und auf ihre Privatspähre mehr als nur geachtet.
Foto: Archiv Künstlerhaus Julius Deininger
1898 ist der Jubiläumsband „Franz Joseph und seine Zeit“ entstanden. Der Architekt und Publizist Julius Deininger (*23.5.1852, †15.8.1924) und der Maler Rudolf Bernt (*21.2.1844, †24.8.1914) durften nur wenige Räume der Villa betreten, um den Band abzuschließen.
Die vorhandenen Fotos der Villa und der damaligen Einrichtung, sind nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth entstanden.
Damals erlaubte Kaiser Franz Joseph dem Historiker Rudolf Lechner (*/†unbekannt) im Frühjahr 1899 die Villa zu betreten.
Dass ist so von unfassbarer Bedeutung, da Rudolf Lechner die Gisela Appartements fotografieren konnte (wie erwähnt, sind sie dem Caféhaus zum Opfer gefallen) und über dem Kamin noch das alte Kamin-Portrait von Kaiserin Elisabeth zu sehen ist (ich komme im Arbeitszimmer von Kaiser Franz Joseph darauf zurück).
Generell konnte Lechner die gesamte Villa fotografieren. Die Bilder sind in den jeweiligen Räumen ausgestellt und ich füge sie in den Galerien am Schluss hinzu.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra TilgnersaalFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Marie Valérie-AppartementSala terrena, Marmorsaal oder auch Tilgnersaal, rechts folgten die Marie Valérie Appartements
Foto: Wikimedia/Commons Charles F. Fuller
Hinter der „Lichtfee Peri“ von Charles Francis Fuller (*1830, †10.3.1875) sieht man schon von weitem einen imposanten Kristalluster.
1897 entschloss sich Kaiserin Elisabeth ihr Schloss Achilleion auf Korfu aufzugeben (fertiggestellt 1891). Sie ließ zahlreiche Kunstgegenstände verschiffen und in die Hermesvilla bringen. So auch die Lichtfee, die hier in der Eingangshalle ihren Platz fand.
Foto: Wikimedia/Commons Viktor Tilgner
Dahinter befindet sich ein imposanter Mamorsaal mit einer beeindruckenden Decke. Der Bildhauer Viktor Tilgner (*25.10.1844, †16.4.1896) hat sich hier verewigt, weshalb die ursprüngliche als Sala terrena und Speisesaal genutzer Raum auch „Tilgnersaal“ genannt wird.
An der Decke ist
„Aurora schwebt vor dem Wagen des Sommers durch die Lüfte“
zu sehen.
Links und Rechts sind heutzutage versperrte Türen.
Rechts waren die Marie Valérie-Appartements, links die Gisela-Appartements. Die Valérie Räume sind komplett leer, da sie als Ausstellungsräume genutzt werden. Die Gisela Räume existieren nur noch auf Fotos und sind heute ein Caféhaus.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Gisela Prinzessin von BayernFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra ehem. Gisela AppartementsFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra ehem. Gisela AppartementsDie Gisela Räume wurdn auch Korfu-Räume genannt
Nach dem Tod der Mutter erbte Gisela (*12.7.1856,†27.7.1932), welche damals schon lange mit Leopold Prinz von Bayern (*9.2.1846, †28.9.1930) verheiratet war, das Achilleion auf Korfu. Marie Valérie erbte die Hermesvilla.
Prinzessin Gisela verkaufte das Achilleion an Kaiser Wilhelm II (*27.1.1859, †4.6.1941) und ließ die Möbel ihrer Mutter und einige Wertgegenstände in die Hermesvilla bringen.
Als Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924) sich 1911 von der Villa trennte, schaffte sie ein paar der Möbel nach Bayern.
Doch das meiste davon blieb im Besitz von Valérie, welche sich damit ihr neu renoviertes Schloss Wallsee einrichtetete. 1906 übersiedelte die Familie nach Wallsee bei Amstetten, da die Villa aus allen Nähten platzte.
Rundgang – Obergeschoss
Als ich die Fotos auf Facebook zeigte, mokkierten sich viele Followerinnen über die dunklen Holzvertäfelungen in der Villa.
Ich möchte hier einfügen, dass dies dem damaligen Wohndesign geschuldet ist und alle Villen, die im englischen Landhaus-Stil gebaut wurden, dunkle Holzausstattungen hatten.
Dies sieht man auch in alten oder auch neuen Filmen, wenn es um alte Landhaus Villen geht, weshalb ich sehr erstaunt war, dass dies zum Thema wurde. Gerade im 19. Jahrhundert kannte man nichts anderes.
Auch wenn ich normalerweise Filmvergleiche ablehne, möchte ich aufzeigen, dass diese Villen tatsächlich immer so aussahen und hier nicht extra Kaiserin Elisabeth absichtlich „dunkel“ einrichten ließ.
Man sieht diese Villen zB. in Filmen wie „Rebecca“. Manderley ist genau so eine Villa (nur mit Meeresrauschen) (gedreht 1940 von Alfred Hitchcock), in vielen neueren Geisterfilmen kann man diese wunderschönen alten Villen sehen (zB. „Don’t Be Afraid of the Dark“ mit Katie Holmes) oder auch in Liebesfilmen von der Romantik Queen schlechthin Rosamunde Pilcher. Und wer die Filme „Sherlock Holmes“ kennt, egal ob neu oder alt, wird wissen, dass er in einer Villa wohnt, die dunkle Holzvertäfelungen hat.
Kerzenschein, Öllampen und später die ersten kleinen Stehlampen, da die Elektrizität Einzug hielt, machten diese dunklen Wohnräume sehr kuschelig.
Ihr seht ich komme ins Schwärmen. Zu recht.
Mich persönlich zieht so etwas magisch an, da es meistens durch Stuckarbeit, wunderschöne Glasfenster und verzierte Doppeltüren- und sonstige Balkenarbeiten wett gemacht wird. Wenn ich es mir leisten könnte… Ach, ein unerfüllter Traum würde wahr.
Und so war auch die Hermesvilla einmal.
Leider wurde das wunderschöne Flair, durch diese furchtbaren Glasvitrinen gestört. Es sind keine Pflanzen im Raum, die Brunnen wurden abgerissen, Wandteppiche fehlen usw.
Zum Teil wirkt die Villa einsam, müde, verlassen und weit weg von dem, was sie einmal war.
Ich finde es so schade, dass die Museumsverwaltung es seit Jahren nicht zustande bringt, die Villa wieder so herzustellen, wie sie war. Genügend Möbel stehen ja in sämtlichen Depots herum.
(Kleine Info nebenbei: Der Rundgang ist nicht chronologisch.)
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraDer ehemalige Salon von Kaiserin Elisabeth
Obwohl die Villa zu den Modernsten ihrer Zeit zählte, fühlte sich Elisabeth hier nie wohl.
Doch noch bevor sie „modern“ wurde und „Villa Hermes“ (heute Hermesvilla) hieß, hieß sie „Villa Waldruh“ und sollte in einem 24,5 km2 gro0en ehemaligen Jagdgebiet von Kaiser Franz Joseph erbaut werden.
Der gesamte Lainzer Tiergarten ist mit einer 22 km langen Mauer umzäunt (schon alleine wegen der Wildschweine die hier frei leben).
Foto: habsburger.net Carl von Hasenauer
Kaiser Franz Joseph entschloss sich 1881 hier einen stattlichen Wohnsitz erbauen zu lassen und holte den Wiener Ringstraßenarchitekten Carl Freiherr von Hasenauer (*20.7.1833, †4.1.1894). Der zweite Entwurf war bereits derjenige, den Kaiser Franz Joseph umsetzen ließ.
4 Jahre dauerte der Bau und kostete
2 Mio Gulden = ca. € 29.350.760,00
welche aus der Privattasche des Kaisers bezahlt wurde.
Doch Franz Joseph entschied sich um und schenkte die Villa Elisabeth. Er war 54 Jahre alt, einsam und hoffte seine „Engels-Sisi“ wieder an sich zu binden. Deshalb ließ er diese – wie er glaubte – nach Elisabeths Geschmack einrichten.
Als die Villa Waldruh fertig war, reiste Elisabeth mit ihrer geliebten Tochter Marie Valérie an, die kaum deutsch sprach.
Die beiden traf fast der Schlag.
Kein Badezimmer, keine Wassertoiletten (so nannte man damals noch ein WC; ansonsten hatte man Plumpsklos,Eimer und Nachttöpfe), keine Elektrizität.
Die Einrichtung war sparsam und öde. Marie Valérie sollte im Erdgeschoss leben, Elisabeth im Obergeschoss. Ein Unding wie Mutter und Tochter festhielten.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraKaiserin Elisabeth und Erzherzogin Marie Valérie
Valérie war geschockt und schrieb in ihr Tagebuch, dass weder die Villa, noch die Einrichtung, noch der grausige Geschmack des Kaisers gefallen würde.
Foto: Wikimedia/Commons Kaiser Franz Joseph, 1885
„Diesen Standard sind wir nicht gewöhnt“
so das vernichtende Urteil der Kaisertochter.
Elisabeth und ihre Tochter reisten wieder ab. Enttäuscht blieb der Kaiser alleine zurück, der wieder einmal alles falsch gemacht hatte.
Doch die Kaiserin wäre nicht die Kaiserin gewesen, wenn sie nicht der Ehrgeiz gepackt und aus der Villa ein wahres Schmuckstück gemacht hätte.
Ab dem Frühjahr 1888 trafen sich Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth jedes Jahr in ihrer Villa für manchmal mehr oder weniger längere Aufenthalte.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Katharina Schratt
Doch auch nach der Modernisierung wurde Elisabeth nicht ruhiger. Spätestens nach 2 Monaten verließ sie die Villa.
Sie fand den Wald zu feucht und die Villa zu düster. Da sie Rheuma hatte, war die Feuchtigkeit natürlich Gift für ihre Glieder.
„Unsere neue Villa im Thiergarten befriedigt uns sehr, sie ist gut und bequem zu bewohnen und die Umgebung jetzt im Frühjahr frisch grün.“
Kaiser Franz Joseph an Katharina Schratt 19.5.1887
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Der Kirchensaal
Obwohl die kaiserliche Familie sehr gläubig war (Elisabeth haderte allerdigs auch Zeit ihres Lebens mit Gott), wurde keine eigene Kapelle gebaut. An Sonn- und Feiertagen wurde eine abgeschrägte Türe geöffnet, welche sich in der Ecke eines Saales befand. Dahinter befand sich der goldene Altar.
Die Tiergarten-Mitarbeiter, das Villa Personal und die kaiserliche Familie nahm an den Messen teil.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra WaschtischFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Meeresschnecken aus KorfuFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Glasparavent Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Sammelobjekte von ElisbethFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Napoléon, der angeheiratete OnkelFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Bild und Figur aus KorfuFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra WaschschüsselFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Waschschüssel Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Balkonaussicht
Dass hier eine Napoléon Statue steht, ist durchaus nichts ungewöhnliches für Kaiserin Elisabeth.
Kaiserin Elisabeth bewunderte sein Genie.
Durch die Verehelichung mit Erzherzogin Marie Louise (*12.12.1791, †17.12.1847), welche die Tante von Kaiser Franz Joseph war (Schwester von Vater Erzherzog Franz Karl), wurde Napoléon Bonaparte (*15.8.1769, †5.5.1821) der Onkel des zukünfitigen Kaisers.
Es gibt eine seltsame Episode aus dem Leben der Kaiserin, die ich hier gerne einfügen möchte:
Am 26.9.1875 besuchte Kaiserin Elisabeth mit ihrem enormen Gefolge Paris. Mit Marie von Festetics, ihrer Hofdame, besuchte sie allerdings alleine den Invalidendom, wo Napoléon zwischenzeitig ruhte.
Sie wollte alleine und unerkannt ihrem angeheirateten Onkel huldigen, dessen Genie sie erschaudern ließ. Lange standen die beiden vor dem herrlichen Sarg von Lucien Bonaparte und glaubten den von Napoléon vor sich zu haben. Ein Besucher hörte das Gespräch der beiden Frauen und machte sie auf den Irrtum aufmerksam.
Als sie vor dem schlichten Sarg, der mit frischen Blumen geschmückt war, niederkniete, sagte sie:
„Wenn die Menschen etwas recht Beißendes äußern wollen, sagen sie Napoléon war groß, aber gar rücksichtslos; ich denke immer dabei, das sind gar viele Menschen, ohne dabei groß zu sein. Zum Beispiel auch ich.“ (1)
Still naht sich der Abend wieder,
Länger werden schon die Schatten:
Diesen Tag auch zu bestatten.
Lässt die dunkle Nacht sich nieder.
Dunkler Wald - aus grünen Zweigen
Scheinen Monde aufzusteigen.
Um mit ihrem Licht, dem bleichen,
Durch dies Labyrinth zu zeigen.
Doch nun öffnen sich die Bäume
Halbkreisartig rings im Bogen;
Und mit Mondlicht überzogen,
Strahlt Titanias Schloss der Träume.
Kaiserin Elisabeth
über ihre Ankunft in der Hermesvilla, 16.5.1887
„Wolkenkratzelei“ nannte Kaiser Franz Joseph die Gedichteschreiberei seiner Frau. Auch die Liebe zum „Sommernachtstraum“ von Shakespeare verstand er nie.
Foto: Wikimedia/Commons Ida von Ferency und Marie von Festetics auf Maultieren
Nur wenige Personen wussten, dass Kaiserin Elisabeth überhaupt Gedichte schrieb.
Dazu gehörten natürlich ihr Mann, ihre Tochter Valérie, ihre engste Vertraute und Hofdame Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †16.4.1923) und Vorleserin und innige Freundin Ida Gräfin von Ferenczy (*7.4.1839,†28.6.1928).
Die Hermesvilla wurde nach Anweisung von Kaiserin Elisabeth opulent ausgestattet und hatte die schönsten Möbel ihrer Zeit. Doch noch während der Lebensphase von Elisabeth tauschte sie die Möbel immer wieder aus, so dass die heutige Inneneinrichtung nicht mehr nachvollzogen werden kann.
Sie beschäftigte auch die bedeutensten Künstler des „Wiener Historismus“, die der Villa ihren ganz besonderen Charme gaben.
Foto: wien.gv.at Hans Markart
Am auffälligsten ist natürlich das Schlafzimmer von Kaiserin Elisabeth. Dies wurde von Kaiser Franz Joseph als Überraschung für seine Gattin von Hans Markart (*28.5.1840,†3.10.1884) bemalt. Eine seiner letzten Arbeiten.
Die Malart von Markart nennt sich im übrigen: „Akademische Kunst“
Als Elisabeth und Marie Valérie dies das erste Mal betraten, erstarrten sie zu Eis. Die Kaiserin wusste wohl nicht ob sie lachen oder weinen sollte, Valérie rannte davon.
Zugegeben, das Zimmer ist extrem überladen und kaum anzusehen.
Die Hermesvilla besaß eine opulente Innenausstattung, an der die bedeutendsten Künstler des Wiener Historismus beteiligt waren. Die originale Einrichtung ist allerdings nur zum Teil erhalten. Schon zur Zeit der Kaiserin wurden häufig Gemälde und Möbelstücke ausgewechselt.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Geheimtreppe Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Bronzeskulptur „Melancholie“Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Titania mit dem EselskopfFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra bayrishe Flagge
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraDas oppulente Schlafzimmer von Elisabeth
Das Prunkbett ist noch von Maria Theresia. Sie hatte es in Amstetten in einer Poststation benutzt, als sie auf dem Weg nach Innsbruck war.
Elisabeth hat keine einzige Nacht in diesem Bett verbracht. Sie ließ sich ein einfaches Bett an die Balkontüre schieben, um jederzeit die Sterne und den Wind sehen bzw. spüren zu können.
Im Schlafzimmer war auch hinter einer Tapetentüre eine Geheimtreppe, welche Kaiserin Elisabeth zur Flucht nutzen konnte. So konnte sie fliehen, wenn ungebetene Gäste kamen.
1894 ließ Kaiserin Elisabeth die Bronzestatue „Melancholie“ aufstellen. Sie sollte als Mahnmal für ihren verstorbenen Sohn Kronprinz Rudolf dienen.
Das ehemalige Turnzimmer ist ebenfalls von Hans Markart gestaltet worden, doch leider ist nicht mehr erhalten, als die Wandmalereien.
Die Wände sind in Anlehnung an pompejanische Vorbilder mit sieben Darstellungen antiker Sportarten bemalt.
An der Zimmerdecke prangen 4 Gemälde, die eine Hirschjagd, ein Wettrennen, eine Kampfszene sowie ein Wettfahren zeigen.
Da Markart starb, schlossen die Maler August Eisenmenger (*11.2.1830, †7.12.1907), von Hugo Charlemont (*18.3.1830, †18.4.1939) und Adolf Falkenstein (*unbekannt, †31.12.1929) die Arbeiten ab und drückten dem Zimmer nochmals ihren ganz eigenen Stempel auf.
Die ehemalige Einrichtung bestand aus einem Turnapparat, einem Schwebebalken und zwei Garnituren von Ringen. Sie ist weder erhalten, noch wurde sie wieder hergestellt.
Hier wäre es ganz hübsch und das Haus sehr gut bewohnbar, wenn das Wetter etwas günstiger wäre, allein so ist es meistens recht kalt, der häufige Regen macht den Boden feucht und außerdem bläst meistens ein recht heftiger Wind.
Kaiser Franz Joseph an Katharina Schratt, 30.5.1887
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra ehem. Arbeitszimmer Kaiser Franz JosephFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra ehem. Arbeitszimmer Kaiser Franz JosephFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra ehem. Arbeitszimmer Kaiser Franz Joseph, neues KaminbildFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra ehem. Arbeitszimmer Kaiser Franz Joseph, neues KaminbildFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra ehem. Arbeitszimmer Kaiser Franz JosephFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra ehem. Arbeitszimmer Kaiser Franz JosephFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra ehem. Arbeitszimmer Kaiser Franz Joseph, Original-KaminbildFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra ehem. Arbeitszimmer Kaiser Franz JosephFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra ehem. Schlafzimmer Kaiser Franz JosephFoto: mythoskaiserinelisabeth.com goldenes Relief oberhalb der Arbeitszimmertüre von Kaiser Franz Joseph abgebildet: Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie
Im ehemaligen Arbeitszimmer von Kaiser Franz Joseph ist am auffälligsten das „Jugendstil“-Bild von Kaiserin Elisabeth mit dem weißen Hund oder Pferd; so genau kann man nicht erkennen, was es für ein Tier darstellen soll.
Das Kaminbild wurde ausgetauscht und – wahrscheinlich – von Marie Valérie mitgenommen. Damit der Kamin nicht ohne Bild auskommen muss, hat man dieses – wie ich persönlich finde – abscheuliche Portrait angebracht.
Das ehemalige Gaderobenzimmer der beiden Eheleute ist heute ein Durchgangszimmer.
Am 13.6.1886 ertrank ihr Cousin 2. Grades König Ludwig unter mysteriösen Umständen im Starnberger See. Zu seinem Gedenken ließ sie dieses Bild aufhängen. Kaiserin Elisabeth glaubte ihr Leben lang nicht an die Unfalltheorie.
Die Aufenthaltsdaten von 1887 – 1891 sind nicht erhalten.
Ab 1891:
2.5. – 19.5.1891 25.5. – 30.6.1891
3.5. – 15.6.1892
1.5. – 30.6.1893
23.4. – 23.6.1894
12.5. – 1.7.1894 (mit kurzer Unterbrechung für einige Tage in Gödöllö) 24.8. – 24.9.1894
1.5. – 7.5.1897
1.6. – 2.7.1898
Am 14.10.1898 wurde Erzherzogin Marie Valérie ins Grundbuch eingetragen.
Sie ließ die Villa für ihre 9köpfige Familie (7 Kinder und Ehemann Franz Salvator) adaptieren. Das Ehepaar lebte von 1903 bis 1906 durchgehend in der Hermesvilla im Obergeschoss. Die Kinder bewohnten das Untergeschoss.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Erzherzogin Marie Valérie, Erzherzog Franz Salvator und ihre 7 Kinder
Foto: National Gallery Prince George and Princess Marina
1904 empfing die Erzherzogin den englischen Thronfolger Prince George (*20.12.1902, †25.8.1942) und Ehefrau Princess Marina (*30.11.1906, †27.8.1968) in der Hermesvilla.
1906 wurde die Villa zu klein und die Familie zog ins neu renovierte Schloss Wallsee.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Die stattliche alte Ansicht der Hermesvilla mit dem Garten. Der gesamte zweite Stock war dem Personal vorbehalten und ist heute gesperrt.
Da die Villa eine private Wohnstätte der Eheleute war, gab es keine Repräsentationsräume.
Obwohl Marie Valérie die Hermesvilla an den Hofärar verkaufte, trug die Erhaltungskosten bis zu seinem Lebensende Kaiser Franz Joseph.
1918/19 wurde ein Invalidenspital für Kriegsversehrte in die Nebengebäude eingerichtet.
Im Jänner 1919 wurde in der Hermesvilla eingebrochen und zahlreiche historische unersetzbare Kostbarkeiten gestohlen.
Aufgrund dieses (unaufgeklärten) Einbruchs wurden 700 Möbelstücke, Bilder und sonstige Kunstgegenstände in das Hofmobiliendepot gebracht.
Das Tafelsilber der Hermesvilla wurde in die Hofsilberkammer der Hofburg Wien zur Aufbewahrung übergeben.
Danach wurde die Villa bis zum zweiten Weltkrieg vergessen.
1922 wurde die Villa an den Kriegsgeschädigenfonds übergeben und 1937 wurde die Republik Österreich die rechtmäßigen Besitzer. Diese richteten im 1. Stock ein kleines Museum ein, doch zu sehen, war kaum etwas.
Als der 2. Weltkrieg ausbrach, wollte Hermann Göring die Villa für sich und seine Jagdgäste beanspruchen; ein Glück, dass es nicht so weit kam.
Die Hermesvilla überstand den 2. Weltkrieg unbeschadet, verfiel aber zusehends. 1945 fiel die russische Wehrmacht in das Schloss ein und bsetzte es bis 1950.
Der schwere Vandalismus der Russen kannte kaum eine Grenze. Die Hermesvilla hatte schwerste Mängel erlitten.
Stimmen wurden laut, dass die Villa abgerissen werden sollte.
Foto: parlament.gv.at Bruno Marek
Wiens Bürgermeister Bruno Marek (*23.1.1900, †29.1.1991) war nicht nur passionierter Jäger, sondern er wusste auch, dass hier ein Kulturgut zum Schützen war.
Er veranlasste, dass die Hermesvilla gerettet werden müsste.
Der Bürgermeister von Wien ließ 1971 den „Verein der Freunde der Hermesvilla“ gründen und unternahm eine umfangreiche Restaurierung, welche 1979 abgeschlossen war. Seit dem verwaltet die Hermesvilla die Außenstelle des „Historischen Museum der Stadt Wien“, welche heute „Wien Museum“ heißen.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Holzstich für die Illustrierte Zeitung, 1888
Die Hermesvilla ähnelt sowohl in der Größe, als auch im Baustil der zur selben Zeit errichteten Schloss Rothschild in Reichenau a.d.Rax.
Foto: Wikimedia/Commons Schloss Rothschild, Reichenau a.d.Rax
Typisch für die Bauweise der damaligen Zeit ist die Mischung aus Renaissance- und Barockelementen.
Die elektrisch beleuchtete Straße zur Hermesvilla, war die erste in Wien ihrer Art. 1896 erhielt die Villa Sanitäre Räume und wurde an das Telefonnetz von Wien angeschlossen.
Im Stiegenhaus stand einst die berühmte Skulptur vom „Sterbenden Achilles“.
Foto: Wikipedia/Commons Sterbender Achilles
Gefertigt wurde er 1885 vom Bildhauer Ernst Herter (*14.5.1846, †19.12.1917). 1891 ließ Kaiserin Elisabeth Achilles nach Korfu bringen, wo er heute noch ist.
Foto: Wikimedia/Commons Ernst Herter & Ehefrau Elisabeth, 1885 Bildhauer Sterbender AchillesFoto: Wikimedia/Commons August Eisenmenger Maler, TurnzimmerFoto: Wikimedia/Commons Hugo Charlemont Maler, TurnzimmerFoto: Wikimedia/Commons Ignaz Weirich Bildhauer Aspasia
Seit 1898 steht links unter dem Stiegenhaus, kaum beachtet, die Marmorstatue „Aspasia“.
Sie wurde vom Bildhauer Ignaz Weirich (*22.7.1856, †1.12.1916) geschaffen.
Bevor ihr jetzt zum Tor zurückgeht, werdet ihr noch im Garten ein hässliches weißes Mamorungetüm entdecken.
Dies ist die Kaiserin Elisabeth Statue „Zwang-Flucht-Freiheit“, welche von Ulrike Truger 1998/99 geschaffen und in Wien-Mitte aufgestellt wurde.
Da sie aber für massloses Entsetzen und Beschwerden gesorgt hat, wurde sie zur Hermesvilla gebracht, wo sie relativ versteckt, unter Bäumen ihr Dasein fristet. Ehrlich gesagt: gut so
Das aus Carrara-Marmor gefertigte Monument zum 100. Todestag von Kaiserin Elisabeth hätte auch wirklich anders aussehen können.
Ihr werdet trotz aller Fehler die man hier macht, mit einem tiefen Seufzer des Bedauerns Abschied von der Hermesvilla nehmen.
Und tief in eurem Inneren habt ihr einen Ort aufgesogen, der unumwunden mit Kaiserin Elisabeth verwoben ist.
Und vielleicht hört ihr irgendwo im Gebüsch ein Rascheln von den Wildschweinen, denen man ganz unumwunden im Park begegenen kann.
Aber wer weiß: vielleicht ist es auch der schöne Geist von Kaiserin Elisabeth, die ihren Frieden mit der Villa gemacht hat und hierher kommt und sich nach der Ruhe sehnt, die sie im Leben nie hatte.
Petra Schimbäck
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Poster, Glasfenster Hermesvilla
Rechtliche Hinweise: Text + Recherchen: Petra Schimbäck Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, amazon.de, Archiv Künstlerhaus, habsburger.net, wien.gv.at, National Gallery, parlament.gv.at, eichinger.ch
Literarische Hinweise:
1 – S.251 E.C.Conti Kaiserin Elisabeth von Österreich Tragik einer Unpolitischen Heine Verlag, 2. Auflage 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)
Zitate, Briefe und Gedichte Hinweistafeln Hermesvilla
Hermesvilla Führer Historisches Museum, 1981 (nicht mehr erhältlich)
Wilhelm Beetz Die „Hermes-Villa“ in Lainz Mit einer kurzen Geschichte des Tiergartens Gerlach & Wiedling, 1. Auflage 1929 (nur noch antiquarisch erhältlich)
Michaela Lindinger Mein Herz ist aus Stein Die dunkle Seite der Kaiserin Elisabeth Amalthea, Wien 1. Auflage 2013 (nur noch antiquarisch erhältlich)
Foto: Wikimedia/Commons Philippe Emmanuel d’Orléans
Philippe Emmanuel Maximilian Marie Endes d’Orléans, Herzog von Vendome wurde am 18.1.1872 in Meran geboren.
Foto: Wikimedia/Commons Sophie Herzogin in Bayern und Ferdinand d’Alençon
Sein Vater war Ferdinand Herzog von Alençon. Seine Mutter war Sophie Herzogin in Bayern.
Sophie Herzogin in Bayern war eine Schwester von Kaiserin Elisabeth und Schwägerin von Kaiser Franz Joseph. Sie wurde mit Ferdinand d’Alençon verheiratet und wurde so zur Herzogin d’Alençon. Sie bekam 2 Kinder, darunter Philippe.
Philippe Emmanuel war daher der Neffe des Kaiserpaares. Er wurde Zeit seines Lebens mit dem zweiten Namen „Emmanuel“ angesprochen und gerufen.
Seine Kindheit verbrachte er sehr unstet, da seine Eltern keinen festen Wohnsitz hatten und viel herumreisen mussten. Deshalb wurde er auch in Meran, während eines gemeinsamen Aufenthaltes mit Kaiserin Elisabeth, geboren.
Emmanuel war eher dem Vater zugetan, weshalb seine Mutter etwas distanziert zu ihm war. Sie war Tochter Louise sehr zugetan.
Foto: Wikimedia/Commons Henriette von Belgien
1891 heiratete er heimlich Louise de Maillé de la Tour Landry, welche einen Tag nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Philippe 20jährig starb (Sohn Philippe überlebte). Von Louise gibt es leider kein Foto.
Am 12.2.1896 ehelichte er in Brüssel Henriette von Belgien, mit der er 4 Kinder bekam. Sie nahm sich auch liebevoll dem Halbwaisen an und wurde ihm eine liebevolle (Stief)Mutter.
Über das weitere Leben des Herzogs ist nichts bekannt, ebenso ist nichts über die Kinder bekannt.
Uns begleitet nur eine Tochter auf dieser Seite, da ihr Schicksal sehr zu Herzen geht; der Rest der Kinder bleibt hier unerwähnt.
Philippe Emmanuel Herzog d’Alençon starb 59jährig an einer Grippe am 1.2.1931 in Cannes. Er ruht in einem Doppelsarkophag mit seiner Frau Henriette in der Chapelle royale Saint-Louis in Dreux.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Doppelsarkophag Philippe und Henriette, DreuxFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Philippes Seite des Doppelsarkophages, Dreux
Petra Schimbäck
Text + Recherchen: Petra Schimbäck Bildnachweise: Wikimedia/Commons, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Literatur Hinweise:
Erika Bestenreiner Sisi und ihre Geschwister Piper Verlag, 2003
Christian Sepp Sophie Charlotte. Sisis leidenschaftliche Schwester August Dreesbach Verlag, 2014
Foto: oocities.org Johann Graf Mailath von Székhely
Johann Graf Mailath von Székhely, bekannt als Geschichtsprofessor von Herzogin Elisabeth in Bayern, wurde am 3.10.1786 in Pest geboren.
Johann war eines von 18 Kindern, welche sein Vater Janos mit 2 Ehefrauen zeugte.
Schon schnell war klar, dass der kleine Johann eine Beamtenlaufbahn einzuschlagen hatte. Er wurde deshalb am Erzbischöflichen Lyzeum von Erlau unterrichtet. Er studierte danach Philosophie und Jura an der Rechtsakademie in Raab.
1808 übersiedelte er nach Wien und trat als Konzipist in die Hofkanzlei in Wien ein, wo er 1812 zum Sekretär wurde.
In dieser Zeit lernte er Gräfin Anna Revay kennen und heiratete sie. 1811 wurde Tochter Henriette, 1815 Sohn Kálmán geboren.
Ein schweres Augenleiden verhinderte eine große Beamtenlaufbahn. Graf Mailath versuchte sich als freier Schriftsteller, was aber misslang.
Als Graf von Székhely war er zwar adelig, hatte aber bei 17 Geschwistern keine Güter mehr zu erwarten. Er verarmte daher fast, da ihm auch seine Arbeit als Schriftsteller nicht genügend einbrachte.
Seine Gedichte, Sagen und Märchen waren nicht mit großem Erfolg gesegnet. Ab 1842 beschäftigte er sich mit Randthemen der Wissenschaft und der Kunst, was allerdings als Dilettantismus angesehen werden muss. Ab 1851 etablierte er sich allerdings als Autor und Vermittler historischer ungarischer Literatur, welche er übersetzte.
Graf Mailath galt als überaus intelligent und dürfte ein fotografisches Gedächtnis gehabt haben: er rezitierte Gedichte, die er nur ein einziges Mal gehört hatte verkehrt herum. Er begann demnach mit der letzten Zeile und endete mit der Ersten. Auch Würfelspiele, mit locker 200 Würfelfolgen, konnte er der Reihe nach aufsagen, ohne einen Fehler zu machen.
Er galt als eloquenter Erzähler und war in der Gesellschaft gerne gesehen, obwohl er kein Geld vorweisen konnte. Graf Mailath verfolgte die „österreichische Gesamtstaatsidee“. Er hielt den Adel und die Kaiserzeit für veraltet. Er schrieb Artikel für die Zeitschrift „Iris“, in welcher auch (erstmals) Adalbert Stifter und Franz Grillparzer veröffentlichten.
1848 übersiedelte er nach München, wo er auf eine bessere Verdienstmöglichkeit hoffte. Er wurde in die Gelehrtenkreise aufgenommen und war viel- und gerngesehener Gast.
Sein ganzes Bestreben und sein ganzes Handeln wurde von der Liebe zur Tochter Henriette bestimmt. Sie formte er. Sie schrieb seine Schriften nieder und er widmete ihr jedes Werk. Henriette war von blinder Ergebenheit an ihren Vater gebunden.
1853/54 wurde Professor Mailath an den herzöglichen Hof gerufen. Er sollte die Verlobte von Kaiser Franz Joseph, Herzogin Elisabeth in Bayern, in ungarischer und österreichischer Geschichte unterrichten.
Dabei prägte Graf Mailath Elisabeth so sehr, dass sie später immer wieder ihren Professor aus der Verlobungszeit zitierte und die Gesellschaft mit Aussagen, dass der Adel veraltet sei in höchsten Schrecken versetzte.
Nach der Anstellung am herzöglichen Hofe, verarmte Professor Mailath komplett. Fast 70jährig und mittlerweile fast erblindet, sah er keinen anderen Ausweg mehr. Seine Tochter, aus Liebe und Hingabe zum Vater, wollte nicht alleine zurückbleiben.
Am 3.1.1855 fuhren die beiden von München an den Starnberger See, nicht unweit vom Schloss Possenhofen, füllten ihre dürftigen Kleider mit Steine, banden sich ein großes Tuch um die Hände und ertränkten sich gemeinsam – 69jährig und 44jährig – im See.
Petra Schimbäck
Text + Recherchen: Petra Schimbäck Bildrechte: oocities.org
Literatur Hinweise:
Constantin von Wurzbach Majláth, Johann Graf Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich 16. Theil. kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1867, S. 300–305
kein Kopieren möglich/no copy possible!
error: Content is protected !!
Kommentare werden geladen …
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.