Foto: Wikimedia/Commons Franz Josef Prinz von Windisch-Graetz
Franz Josef Marie Otto Antonius Ignatius Oktavius Prinz zu Windisch-Graetz wurde am 22.3.1904 in Prag geboren.
Sein Vater war Otto Prinz zu Windisch-Graetz. Seine Mutter Erzherzogin Elisabeth Marie. Sie war die Tochter von Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie.
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Elisabeth Marie „Erzsi“ und Otto von Windisch-Graetz Hochzeitsfoto
Franz Josef war somit der Enkel vom bereits verstorbenen Kronprinz Rudolf und der erneut verehelichten Stephanie, nunmehr Gräfin Lónyay von Nagy-Lónyay. Er war aber auch der Ur-Enkel der bereits verstorbenen Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph.
Erzherzogin Marie Valérie eilte an die Geburtsstätte zu Erzsi um ihr beizustehen. Ihr Gatte, Erzherzog Franz Salvator wurde von Kaiser Franz Joseph gebeten ihn als Taufpate zu vertreten. Bereits am 25.3.1904 fand die Taufe statt. Den Namen Franz Josef erbat sich sein Urgroßvater.
Franzi wie er von seiner Mutter liebevoll genannt wurde, galt wie sein späterer Bruder Ernst, genannt Erni, als besonders schön. „Kinder aus des Olymp entsprungen“, nannte man sie.
Franz Josef war ein sehr zartes Kind und von leidender Gesundheit. Er litt an Blutarmut und war anfällig für Azetonämie (Kinder erbrechen dabei bis zu 60x am Tag) und Lungentuberkulose, weshalb er oft auf Kur musste. Ihm wurde massenhaft Spinat hineingestopft, weil man glaubte, dass dieser übergesund sei.
Die erste Schulzeit verbrachte er in der Elementarschule der Marine in Pola. Elisabeth wachte mit Argusaugen über die Lernerfolge, die ausgezeichnet waren.
Als die Ehe der Eltern zum Scheitern verurteilt war, schenkte Ur-Großvater Kaiser Franz Joseph seiner Mutter das leerstehende Schloss Schönau, welches zuletzt Erzherzog Otto gehörte (Bruder von Erzherzog Franz Ferdinand). Elisabeth zog mit den Kindern von Italien nach Niederösterreich.
In den 1. Weltkriegs-Wintermonaten 1915/16 wurden Franzi und Erni schwer Lungenkrank. Sie ließ den besten Kinderarzt nach Schönau kommen, der ihr zu einem Ortswechsel am Semmering riet. Der Semmering war damals groß in Mode und der Luftkurort.
Mit stoischer Ruhe las sie den Kindern vor, ging in Eiseskälte mit ihnen spazieren, spielte mit ihnen, hielt sich an die Therapiepläne der Ärzte, ließ die Hauslehrer kommen und wagte sogar einen Versöhnungsversuch mit Otto. Und das alles, obwohl sie Kälte, Eis, Schnee, das Gebirge und mittlerweile auch Otto hasste.
Als ihr Großvater im November 1916 starb, wagte sie es die Scheidung zu beantragen. Doch sie hatte mit dem Widerstand von Otto nicht gerechnet. Ein erbitterter Sorgerechtsstreit begann, der darin gipfelte, dass 1921 22 Gendarmen und ein Richter vor Schloss Schönau aufkreuzten um ihr die kreischenden, sich wehrenden Kinder zu entreißen. Bis 1924 sollten die 4 Kinder beim Vater leben. 1924 brachte er die Kinder zu Elisabeth zurück, willigte aber nicht in die Scheidung ein. Die vier Kinderseelen waren für ihr weiteres Leben gebrochen.
Als Franzi 18 Jahre wurde, schrieb sie ihm einen rührseligen Brief, der allerdings auch Vorhaltungen enthielt. Er solle einen Beruf lernen und sich nicht auf Würde und Titel verlassen, weiters solle er an seiner Religion festhalten und jeden Tag mehrfach zum Kreuz beten.
Franzi begann in Mödling Landwirtschaft zu studieren, da ihm als Erbe Schloss Schönau versprochen wurde. Doch je älter er wurde, desto mehr nabelte er sich von seiner Mutter ab und entwickelte sich zu einer eigenständigen Persönlichkeit. Dies passte Erzsi so gar nicht. Immer öfter kam es zum Streit.
Neben dem Studium, war das Jagen und die Zucht der Wolfshunde seiner Mutter sein größtes Hobby. Die Hunde vertrauten ihm blind.
Als einer der Jäger einen ungehorsamen Hund mit der Kette schlug, schoss Franz Joseph dem Jäger ins Bein. Danach entließ er ihn.
Der Hund rannte zurück zu Elisabeth und ließ sich von dieser gesund pflegen.
Doch das gute Verhältnis endete abrupt, als Elisabeth mit Leopold Petznek zusammenzog und aus reiner Bosheit Schloss Schönau verkaufte. Sie hatte weder Geld- noch Versorgungssorgen.
Doch die Kinder waren ihr entglitten, gingen ihre eigenen Wege und so wurde sie herrisch, despotisch, zynisch, aggressiv, launisch und unzufrieden.
Als ein Streit eskalierte, zog Franzi mit 30 aus und schmieß das Studium.
Er zog in eine kleine Garçonniere in ein Palais, das sein Vater vermietet hatte. Da er keinen Beruf erlernt hatte und auch sonst kein Ziel im Leben besaß, wollte er von seiner Mutter eine monatliche Apanage. Als sie diese nicht bezahlen wollte, ging er vor Gericht. Seine Mutter hetzte ihm Anwälte und Detektive auf den Leib, um zu beweisen, dass ihr sehr schöner, 1,90 m groß gewordener Sohn, ein Frauenheld und Lebemann geworden war.
Erst der SPÖ Mann Julius Deutsch, mit denen Elisabeth zwischenzeitlich durch ihren Lebenspartner Leopold Petznek verkehrte, brachte sie zur Räson. Sie gab nach und willigte ein, ihrem Sohn eine monatliche Apanage von Schilling 400 zu bezahlen.
Ohne Wissen seiner Mutter heiratete er am 3.1.1934 Ghislaine d’Arschot-Schoenhoven (*10.3.1912,†6.3.1997) in Brüssel. Das Paar bekam 2 Kinder, die Ehe wurde sehr glücklich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ er Europa und ging nach Kenia, um als Großwildjäger Karriere zu machen.
Als Elisabeth dies erfuhr lenkte sie ein. Sie schrieb ihrem Sohn und dieser kam zurück nach Wien, wo sie zwischenzeitlich mit Leopold wohnte. Mutter und Sohn versöhnten sich und so stellte er ihr Ghislaine und die erstgeborene Enkeltochter Stephanie vor. Von nun an schrieben sich die beiden wöchentlich Briefe.
8 Monate im Jahr verbrachte Franzi weiterhin mit seiner Familie in Kenia, er besuchte seine Mutter allerdings mindestens einmal im Jahr.
Franz Josef zu Windisch-Graetz starb 76jährig am 1.1.1981 in Nairobi. Er ruht in Nairobi auf seinem ehemaligen Grundstück.
Petra Schimbäck
Text + Recherchen: Petra Schimbäck Bildrechte: Wikimedia/Commons
Literatur Hinweise:
Friedrich Weissensteiner Die rote Erzherzogin Piper Verlag, 1993
Ghislaine Windisch-Graetz Kaiseradler und rote Nelken Das Leben der Tochter des Kronprinzen Rudolf Amalthea Verlag, 1992
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Erzherzog Franz, 1844 (14jährig) (Kaiser Franz Joseph als Jugendlicher) mit Sondererlaubnis aus dem k.u.k. Museum Bad Egart
Der smarte Karlheinz Böhm lässt Jahr für Jahr zahlreiche Frauen- und Männerherzen höher schlagen, wenn er als Kaiser Franz Joseph für seine Sissi (Romy Schneider) bei Schwiegermutter Erzherzogin Sophie einsteht.
Der schmachtende Blick, der rote Schmollmund, die dunkelblonden, akurat gescheitelten Haare und die Uniform. – Schmuck sah er aus, dass muss auch ich zugeben. Doch auch der echte Kaiser, war ein stattlicher junger Mann. Adrett, immer galant, höflich und von guter Figur.
Doch leider ist die bittere Wahrheit hinter der kitschigen Filmpassage so trist und traurig, dass mir mittlerweile die Filme, je länger ich meine Recherchen betreibe, vergangen sind.
Das zerbombte Wien der 1950er Jahre, mag diese „Heile Welt“ der Kaiserzeit, die so gar nicht rosig war, gebraucht haben, um von ihrem Kriegsalltag als ehemalige Trümmerfrauen, KZ-Überlebende, Kriegsheimkehrer und Bombengeschädigte abzulenken.
Auf Social Media werden täglich duzende Fotos von der bittersüßen Romy als Sissi gepostet und natürlich darf der wildromantische Karlheinz als Kaiser nicht fehlen.
Doch wer war der echte Kaiser. Welchen Charakter hatte er? Wie wuchs er auf? Was machte ihn aus? Was steckte alles in ihm und was machte ihn zum Mythos?
All das versuche ich zu hinterfragen, zu beleuchten und herauszufinden. Ich begebe mich in die Katakomben der Bibliotheken, Archive, tauche ein in die Vielfalt der Bücher und des Internets, um auf längst vergessene Spuren zu gehen.
Herausgekommen ist eine ganz andere Wahrheit über jenen Mann, welchen wir
68 Jahre, 24.825 Tage
Kaiser von Österreich
nannten.
Und noch heute bekommen einige feuchte Augen, wenn sie an unseren alten Kaiser denken. Denn, dass es noch Kaiser Karl I (*17.8.1887, †1.4.1922) gab, verdrängen manche. Die 2 Jahre Amtszeit zählen für viele Leute nicht.
Die Kindheit von Erzherzog Franz(i) bis zum Thron
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Sophie
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Franz Karl
Erzherzogin Sophie lag zwei Tage und zwei Nächte unter höllischen Schmerzen in den Wehen, bevor die Zangengeburt eingeleitet werden konnte.
Um 9.45 Uhr am 18.8.1830 war es endlich so weit. Ein wunderschöner Bub wurde im Schloss Schönbrunn geboren.
Im Beisein ihrer geliebten Mutter Ex-Königin Caroline von Bayern (*13.7.1776, †13.11.1841), die sie immer noch so sehr vermisste, entband Sophie glücklich ein gesundes Kind.
Stammbaum Kaiser Franz Joseph, Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Foto: Wikimedia/Commons Königin Caroline von Bayern
Erzherzog Franz Karl (*7.12.1802, †8.3.1878) wartete derweil in einem der Nebenräume auf die Verkündung, ob es ein Erzherzog oder eine Erzherzogin sein würde.
Nach 6 Ehejahren und 2 Fehlgeburten, hatte das Kaiserreich immer noch keinen Thronfolger. Insgesamt hatte Sophie 11 Fehlgeburten zu beklagen.
Dieser wurde mit 101 Kanonenschüssen begrüßt.
Schon lange vor ihren Schwangerschaften suchte Sophie eine Aja (Kindermädchen) für ihr zukünftiges Kind. Empfohlen wurde ihr Louise Baronin von Sturmfeder (*3.10.1789, †10.9.1866) vom Außenminister Johann Philipp Graf von Stadion (*18.6.1763, †15.5.1824).
Foto: Wikimedia/Commons Johann Graf von Stadion Foto: Wikimedia/Commons Louise von Sturmfeder die ewig geliebte Aja von Kaiser Franz Joseph
Baronin von Sturmfeder hatte keinerlei Vermögen, war unverheiratet, hatte aber Durchsetzungsvermögen, war überaus charmant, intelligent, hatte Witz und lernte sich, durch ihre schwierigen Familienverhältnisse, früh durchzusetzen. Genau das, was sie am Wiener Hof brauchte.
Als sie an diesen berufen wurde, wusste sie genau, worauf sie sich einlassen würde. Noch dazu war sie bereits 41 Jahre alt und eine im Leben stehende Frau.
Noch am Tag der Geburt wurde der kleine Erzherzog seiner Aja übergeben. Diese richtete sofort die Kindskammer ein.
In Adelskreisen war es nicht üblich den hohen Damen und Herren Kinder zuzumuten, die irgendetwas aus irgendwelchen Körperöffnungen wiedergeben konnten.
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Sophie und ihr geliebter Sohn Franzi ca. 2jährig Bild: Joseph Stieler, 1832
Mit dem Kind wurde normalerweise nur pro Tag ein höchstens zwei Stunden Zeit verbracht – und da musste es frisch gewaschen, gewickelt, gepudert und gesäubert sein.
Sobald das Kind auch nur zum Jammern anfing, wurde es sofort aus dem Gesichtsumfeld der Königin, Kaiserin oder König oder Kaiser entfernt.
Eine rühmliche Ausnahme stellten hier Königin Caroline und ihr Mann König Maximilian I. Joseph dar. Diese hatten ihre Kinder gerne um sich.
Dies sollte sich sowohl auf Ludovika, als auch auf Sophie übertragen.
Sophie stillte – zur Überraschung aller – ihre Kinder selbst. Normalerweise wurde hierfür eine Amme ins Haus geholt.
Es ist umso verwunderlicher, dass sie dies ihrer Nichte und Schwiegertochter Elisabeth bei ihren Kindern verbot und diese durch den Milchfluss Höllenquallen zu durchleiden hatte.
Die Kindskammer bestand nunmehr aus einer Kindsfrau, einem Kindermädchen, zwei Leiblakaien, einer Kindsköchin, einem Kammerweib für das Kind, einem Kammerweib für das Kammerweib, und einer Küchenmagd.
Kaiser Franz II/I war begeistert von Baronin Sturmfeder und wies ihr in weiterer Folge die gesamte Kindskammer zu. Dies bedeutete die Aufsicht der Lakaien, Dienstboten, Ammen und den gesamten Hofstaat aller weiteren Enkel des Kaisers. Sie wurde in weiterer Folge nicht nur die Aja von Franzi, sondern auch von Maxi, Karl Ludwig, Anna und Luzi-Wuzi.
Sophie erholte sich nur langsam von der Zangengeburt. Die Ärzte hatten sie stark verletzt und den engsten Mitgliedern ihrer Familie im Vertrauen mitgeteilt, dass sie das Schlimmste befürchten.
Kaiser Franz II/I saß täglich drei Stunden bei seiner geliebten Schwiegertochter und versuchte sie wach zu halten, denn man sagte ihm, sie solle so wenig wie möglich schlafen. Es könnte sein, dass sie nicht mehr erwachen würde.
Obwohl Erzherzog Franz nicht direkter Thronerbe war, wurde er von Anfang an so erzogen.
Foto: Wikimedia/Commons Kaiser Ferdinand I.
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Maria Anna
Kaiser Franz II/I Sohn, Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) wurde geistesschwach geboren. Er galt als schwerbehindert, obwohl er 5 Sprachen sprach.
Dennoch war er geistig so weit „intakt“, dass er den Thron besteigen konnte. Der zweite nach Ferdinand war direkt Franz Karl, also der Vater von Franz.
Ferdinand wurde er mit der überaus schönen und intelligenten Maria Anna Prinzessin von Savoyen (*19.5.1803, †4.5.1884) verheiratet, allerdings konnte aufgrund der mangelnden geistigen Verfassung die Ehe – zumindest wird davon ausgegangen – nicht vollzogen werden. Die arme Maria Anna ertrug diese Ehe mit stoischer Geduld und von Gott gegeben.
Dies war Voraussetzung genug für Sophie, ihren Sohn immer als Thronerben anzusehen und verlangte von allen umstehenden ihn schon von kleinauf mit „Erzherzog“ anzusprechen.
Die vertraute Anrede
„Mein Prinz“,
die Aja Sturmfeder liebevoll verwendete, wurde aufs äußerste und schärfste von Sophie kritisiert.
Sophie stellte so nicht nur sicher, dass die Baronin von Sturmfeder den Rang ihres Kindes kannte, sondern auch ihren eigenen.
Erzherzogin Sophie war Zeit ihres Lebens erpicht auf Adelsstand, Rang, Titel und das Ansehen in der Familie.
Die Taufe fand am Samstag, den 21.8.1830 statt.
Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, †2.3.1835) war der Taufpate, weshalb der Bub die Namen
Foto: Wikimedia/Commons Kaiser Franz II/I Großvater von Erzherzog Franzi
Franz Joseph Karl
erhielt. Es waren dieselben drei Vornamen des Kaisers, zudem waren der erste und der dritte gleichzeitig auch die Vornamen des Vaters.
Über die Taufe ist folgendes überliefert:
„Freitag, 20.August 1830
Den andern Morgen um 12 Uhr war die Taufe. Ich musste mich schon um 10 Uhr frisieren lassen und hatte sehr viel zu tun. Der Kleine war ruhig und scheint, Gott sei Dank, recht gesund. Er hat drei kleine Wunden auf dem Kopfe rückwärts, doch ist es nur oberflächlich. Ich hatte Marabous und silberne Kornähren auf dem Kopfe, ein Tüllkleid mit Silber gestickt und atlasnes Unterkleid, einen Manteau von weißem Gros de Berlin oder Gros de Naples, auch mit Silber gestickt, und ein schönes goldenes Kollier und Ohrringe, welche mir die Erzherzogin und Er geschenkt haben, und meinen neuen Orden an. Um 12 Uhr zogen wir aus und kamen in der Taufe bereiteten Saal, ich mit den Damen der Erzherzogin hinter der Kinsky und diese hinter dem guten Goës, welcher das Kind trug, und zwei Kammerherrn, welche die Decke hielten. Da ich einen Fächer in der Hand hate und nicht meine Lorgnette, sah ich nichts. Der Kaiser, die Kaiserin, alle Erzherzoge, alle Damen und Herren strahlten von Diamanten und Edelsteinen. Als das Tedeum anfing, wurde der Kleine in sein Zimmer transportiert.“ (1)
Auch hier muss ich leider erwähnen, dass in sämtlichen Biografien über den Kaiser das Wort „andern Morgen“ falsch interpretiert wurde und die Taufe regelmäßig von Kaiser Franz Joseph für den 20.8.1830 angegeben wurde.
Korrekt ist aber: Kaiser Franz Joseph wurde am 21.8.1830 getauft. Das Wort „andern Morgen“ heißt aber nichts anderes, als, dass am nächstenMorgen die Taufe stattfand, also
am Samstag, den 21.8.1830.
Danach erzählte Aja Sturmfeder folgendes:
„Nun bin ich Tag und Nacht hier in seinem Zimmer, nur von 2 bis 3 bin ich bei mir, um zu essen und mich anzuziehen. Wenn er bei Tage trinkt, trage ich ihn meist hinein, bei der Nacht schenke ich es mir. Gesagt hat mir niemand etwas, ich mach es, wie es mir gutdünkt, bis mir etwas anderes gesagt wird. Hätte ich meine Leute neben mir, so wäre es ganz bequem, so aber wohnen diese auf einer ganz anderen Seite und ich mus ihnen immer eine Stunde bestimmen, was bei einem so kleinen Kinde so schwer ist. Sein Zimmer ist gerade neben dem der Erzherzogin, dann kommt ein langes Zimmer. Aus diesem habe ich mittels zweier spanischer Wände ein Schlafzimmer, Salon und Antichambre für mich gemacht. Meist besucht der Kaiser und die Kaiserin das Kind zweimal des Tages. Dann kommt die Königin, der Erzherzog und alle anderen Hoheiten. Ich bin nie vor einem Überfall sicher. Sein Kopf macht mir die größten Besorgnisse. Die Ärzte, vier an der Zahlen, sagen, es habe nichts zu sagen, ich bin noch nie -, Da wurde ich wieder gestört und weiß nun nicht mehr, was ich sagen wollte. Alle Viertelstunden, Tag und Nacht werden Umschläge auf das arme Köpfchen gemacht, ob es da zu tun und nachzuschauen gibt, könnt Ihr Euch denken.“ (2)
Die Erziehung war sehr streng. Erzherzog Franz hatte wenig Chance sich zu entwickeln, wurde eher ge- und vorgeführt.
27. August 1830 „Meine gute Schwestern! Meine Tage sind mit Geschäften ausgefüllt und gar oft bis zur Ermattung überhäuft. Das Hauptgeschäft, die Pflege des Kindes, ist mir durch einen unseligen Krieg, der zwischen Doktoren, Accoucheurs, Hebammen und Kindsweibern existiert, sehr erschwert, besonders da ich sehe, daß es bei der Art, wie es behandelt wird, nicht recht gedeiht. Aber man muß Geduld haben. Nun, nachdem die neun Tage herum sind, ist nachts sein Arzt [nicht] mehr bei uns, seitdem schlafe nur ich bei dem Kleinen im Zimmer, früher war ich in dem Zimmer daneben; weil [als] der Doktor da war von abends bis früh, habe ich nicht darin schlafen wollen. Der Kleine selbst stört mich wenig, aber die steten hohen Besuche! Das ist zum sechstenmal, daß ich an diesen Zeilen anfange und Ihr müßt Euch nicht wundern, wenn kein Zusammenhang ist. Morgens um 1/2 7 Uhr kommt der Erzherzog schon, da stehe ich oft im Hemde hinter der Spanischen Wand und rufe ihm zu, wie die Nacht war. Wenn ich dann mit unendlicher Mühe und Unterbrechungen in irgend einer Ecke eine anständige Morgentoilette gemacht habe, dann kommt Er wieder und nach und nach vier Doktors. Da wird das Kind gebadet, sein armer blessierter Kopf verbunden. Vor oder nach 9 Uhr kommt die gute Kaiserin und der Kaiser, später die Königin und die Prinzeß Marie. Diese gehen nun ab und zu. Dann wird der Kleine zur Erzherzogin getragen und seine Zimmer, es sind nur zwei, gelüftet. Da bin ich nun oft bis 1/2 1 Uhr drinnen bei der Frau Erzherzogin, manchesmal allein, oder mit ihren Damen, oder wieder mit [den] Hoheiten, die sie besuchen, nachher lasse ich mir die Haare machen, dann bin ich eine Stunde allein bei dem Kleinen, dann esse ich. Um 3 Uhr komme ich wieder herunter. Gegen 4 Uhr kommen die Herrschaften abwechselnd. Gegen Abend kommt der gute Kaiser. Meist noch einmal zwischen 6 und 7 Uhr kommen wieder die Doktors. Da wird wieder verbunden und Toilette gemacht und dann gehen wir zum letztenmal zur Erzherzogin zum Trinken. Dies führt uns nun, bis wird ganz in Ruhe und Ordnung sind, bis 8, 1/2 9 Uhr. Da lege ich mich dann auch gar herzlich gerne schlafen, aber gegen 9, 1/2 10 kommen immer noch Besuche. Neulich glaubte ich, es käme niemand mehr und gab meiner Trägheit nach. Kaum lag en chemise, denn esist in unserem Zimmer eine Hitze zum Verschmachten, den Haarzopf hintergeschlagen in dem Bette, da kam die Kaiserin, Königin und Prinzeß Marie in das -Zimmer! 30 Tassen hollundertee hätten die Wirkung nicht hervorbringen können, welche dieser hohe Besuch veranlaßte. Prinzeß Marie, welche sich vermutlich dachte, in welcher Pein ich sein müsse, rückte das Paravent so nahe vor mich als möglich, indem Sie sagte: „Ich will barmherzig sein.“ Die Königin sagte: „Machen Sie sich gar nichts daraus“ und fragte, ob ich ohne Haube schliefe. Die Kaiserin klopfte an die Wand und sagte: „Ich sehe gar nichts.“ Sie hatte heute den Kleinen auf den Arm. Als ich Sie fragte, ob Sie nicht müde sei, sagte Sie mir, „ein Kind macht mich selten müde, j’ai la passion de enfants und das von meiner frühestens Jugend an. Ich konnte mir nie ein größeres Glück denken, als Kinder zu haben und darum hatte ich nie welche, car ce qu’on désire trop, le bon Dieu ne nour l’accorde pas.“ Es ist mir immer eine wahre Freude, wenn Sie ins Zimmer kommt, diese Güte, Herzlichkeit und Lebhaftigkeit ist einzig. … (3)
Anmerkungen Petra:
Wörter in [] hinzugefügt, da sie fehlten Accoucheurs: Geburtshelfer j’ai la passion de enfants: ich habe eine Leidenschaft für Kinder car ce qu’on désire trop, le bon Dieu ne nour l’accorde pas: Denn was man zu sehr begehrt, das gewährt einem der liebe Gott nicht.
Übersetzungen aus dem Französischem: Petra
Doch nicht nur, dass Franzi vorgeführt und an ihm herumgedoktert wurde, so durfte er keinerlei Kontakt zu Kindern haben.
Dazu wieder Baronin Sturmfeder:
„Auf dem Spaziergang begegneten wir der Gräfin Tige mit ihren Kindern. Die Kinder umringten sofort den kleinen Erzherzog und nahmen ihn bei den Händen und führten ihn. Ich hatte keine Ahnung, daß dies nicht ganz konvenabel sei… Plötzlich aber begegneten wir dem Herrn Erzherzog und der Frau Erzherzogin und an dem Tone, mit welchem mich die Frau Erzherzogin frug: Mit wem geht denn da der Kleine?, erkannte ich sofort, daß ich einen Verstoß gegen die Etikette begangen habe…“(4)
Foto: Schloss Schönbrunn Franz (Joseph) als 3jähriger im weißen Hemd mit Bärenfellmütze, Tornister, Gewehr und Spielzeugsoldaten vor dem Schreibtisch seines Großvaters Kaisers Franz II/I
Franzi wurde abgeschottet und durfte mit anderen Kindern nicht spielen.
Er wurde deshalb intern
„Gottheiterl“
genannt, was leider später Franz Joseph große Probleme bereiten sollte.
Sowohl Sophie als auch die Aja führten penibel Tagebuch über jeden Fortschritt, weshalb die Kindheit von Kaiser Franz Joseph sehr genau detailiert ist.
Auch nach Franz Joseph hatte Sophie wieder eine Fehlgeburt, weshalb sie sich noch mehr an Franzi klammerte.
Sogar offizielle Besuche vergaß sie oder hatte kaum ein Ohr für diese. Sie spielte mit Franzi und vergaß dabei alles um sich herum.
Desto unverständlicher ihr späteres Vorgehen bei Kaiserin Elisabeth, als sie versuchte diese von ihren Kindern fernzuhalten.
Franzi selbst wurde herumgereicht und -gezeigt, so dass der Aja Sturmfeder oft Angst und Bang wurde. Dazu notierte sie in ihr Tagebuch:
„Ich finde, daß mein kleiner Erzherzog anfängt schlimm zu werden. Was soll ich dagegen machen, bei einem Kinde von fünf Monaten?“ (5)
Danach wurde der kleine Bub wieder isoliert, damit dem von
„Gottes Gnaden geborenen Kind“
niemand zu Nahe kam.
Franzi galt anfänglich als jähzornig und Sophie wusste sich kaum zu helfen. Sie notierte:
„Ich hatte gerade eine Szene mit Franzi, der – in einem Anfall von Zorn – mir einen Schlag versetzte, den ich ihm zurückgab… indem ich ihm auf die Hand klopfte. Dem folgten Schreie, Weinen und Schluchzen und es dauerte lange, bis er sich entschloss, mir die Hand zu küssen und um Verzeihung zu bitten; jetzt speist er – aber das Gewitter pocht ständig im Stillen; er ist manchmal sehr heftig der kleine Herr, und man wagt nicht, ihm das durchgehen zu lassen.“ (6)
Oft sah der Kleine, eingesperrt in seinem Zimmer, den Offizieren vor seinem Fenster beim Exerzieren zu.
Im Alter von knapp 2 Jahren konnte er die Uniformen der Regimenter auseinanderkennen.
Mit 3 Jahren kannte er alle Abzeichen und Farben der Regimenter. Das Militär sollte Zeit seines Lebens seine Passion bleiben.
Im Alter von 4 Jahren musste Erzherzog Franz am ersten Familiendinner teilnehmen und durfte zwischen dem Kaiser und der Kaiserin, also seinen Großeltern, sitzen. Seine Mutter gab ihm Instruktionen was er während des Dinners essen durfte und zu sprechen habe. Sobald der Kaiser zu Essen aufhörte, musste auch der kleine Bub Messer und Gabel zur Seite legen.
Mit 5 Jahren lernte er Lesen und Schreiben, denn laut Sophie war Franz Joseph etwas Besonderes.
1835 bekam er zu Weihnachten eine Kürassieruniform. Weiters spielte er mit Zinnsoldaten und anderem militärischen Spielzeug. Als Geschenke zu diversen Anlässen bekam er Uniformen, mehrere Miniaturwiedergaben der Burgwache und eine Waffe.
Als Franz Joseph 5 Jahre alt war, starb sein Großvater Kaiser Franz II/I (*12.2.1765, † 2.3.1835).
Kaiser Ferdinand I. (der Gütige) erbte den Thron. Kaiser Ferdinand I, Onkel von Franzi galt als Schwachsinnig und hatte sehr häufig epileptische Anfälle.
Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein (*15.5.1773 in Koblenz, † 11.6.1859 in Wien) sollte von nun an den kleinen Franzi prägen.
Foto: Wikimedia/Commons Kaiser Ferdinand IFoto: Wikimedia/Commons Fürst Metternich
Als man von Schloss Schönbrunn zurück in die Wiener Hofburg zog, wurde Louise schlagartig bewusst, dass sie hier nicht so große Räume zu erwarten hatte, wie im Sommerschloss.
Gerade die Geruchs- oder Lärmbelästigung wurde für die arme Frau ein enormes Problem.
Geht man heute durch Schloss Schönbrunn oder die Wiener Hofburg, sehen wir natürlich nur die Prunkräume und kommen aus dem Staunen nicht heraus.
Die Dienstbotenzimmer sind leider immer noch nicht zugänglich und werden nur in Sonderschauen geöffnet.
Ich durfte einmal „Hinter die Kulissen“ von Schloss Schönbrunn schauen und bin wahrlich erschrocken über Räume wo man die Dienstboten geradezu hineinpferchte. Wer jemals schon in alten Hotels die Diensträume des (heutigen) Personals gesehen hat, wird wissen was ich meine.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraFoto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraEin ungefähres Beispiel wie Dienstbotenzimmer ausgesehen haben, sieht man im Schloss Eckartsau. Allerdings war dieses Schloss nur ein kleines Jagdschloss und weniger Personal vor Ort. In Schloss Schönbrunn mussten sich bis zu 10 Leute ein Zimmer teilen.
Stockbetten, kaum Raum für sich, da 5-10 Damen oder Herren schliefen in einem Raum. Wer Glück hatte und schön untergebracht war, hatte sogar einen eigenen Kasten zur Verfügung. Der Rest, wie natürlich Tisch, Stühle und Badezimmer, was aus einer Waschkanne und Lavour bestanden hatte, wurde geteilt. Oft musste ein Lavour Wasser für mehrere Menschen reichen. Die hygienischen Bedingungen waren auch im 19. Jahrhundert nicht die Besten.
Zur Zeit von Marie Antoinette waren Läuse an der Tagesordnung, weshalb man überall Nadeln zur Hand trug. Diese dienten zum Kratzen unter den Perücken, da das Haupthaar, nur 1x im Jahr gewaschen wurde.
In Versailles wurde literweise Parfum oder Duftwasser verteilt, damit der Gestank der Adeligen nicht zur riechen war. Nicht nur das Volk hatte sich damals nicht gewaschen, sondern auch die Adeligen.
Die Hollywood Filme, von der „badenden Marie Antoinette“ oder „Madame Pompadour mit weißen Zähnen, im Bad stehend, die sich von ihren Zofen waschen lässt, da sie den König erwartet“, ist also wieder einmal reinste Erfindung. Aber ich schweife ins falsche Jahrhundert ab.
Dennoch waren auch die hygienischen Bedingungen im 19. Jahrhundert noch nicht allzu fortgeschritten. Fließendes Wasser gab es erst gegen Ende es Jahrhunderts und nur von Kaiserin Elisabeth kannte man es am Wiener Hof, dass sie sich täglich wusch oder badete und das wurde mit schrägen Augen beäugt.
Louise von Sturmfeder gibt uns wieder das vollständige Bild der Einrichtung „hinter den Kulissen“ der Wiener Hofburg.
„20.10.1830 Unser Quartier liegt in der Mitte zwischen dem des Kaisers und der Kaiserin und dem des Erzherzogs und der Erzherzogin. Von dieser Seite trennt uns ein großer Saal, dann kommt ein kleines Zimmer mit einem Fenster, worin ein Kanapee und einige rote Stühle und braune Tische stehen, dann kommt ein recht hübscher großer blauer Salon oder Zimmer it zwei Fenstern. Die Möbel sind braun, mit recht hübschem blauem Kattun und bestehen aus einer Chaiselongue, einem Mitteltisch, dem Bett des Kleinen (ein Korb, gerade wie Deinem Fritzl seiner), meinem Bette, einem porzellanenen Ofen, dem Bette der Kindsfrau und zwei Kommoden, dann kommt wieder ein Zimmer (worin ein kleiner Herd ist), in welchem die Amme und das Kammerweib und Extraweib hausen, dann noch ein Zimmer, worin das Kindsmädchen schläft, in welchem die Leute essen, sich anziehen und sich retirieren, wenn zu viele Herrschaften bei dem Kleinen sind. Zwischen meinem Bette und dem Ofen ist eine Tapetentür, welche immer auf ist, durch welche man in ein gelbes Zimmer, welches zur Hälfte frei ist, kommt. Die andere Hälfte ist wieder durch eine spanische Wand und einen viereckigen Glasverschlag abgeteilt. Hinter der spanischen Wand steht ein Waschtisch und noch ein Möbel und in dem viereckigen Glaskasten steht ein Kanapee, mein Schreibtisch, ein viereckiger, eine Toilette, ein Sessel und zwei Stühle. Die Aussicht gegen das große Tor, welches nach Schönbrunn führt, rechts der Volksgarten. (7)
Anmerkungen Petra: Da dieser Text für so manchen vielleicht schwer zu verstehen ist, erkläre ich einige Dinge. Da sich das hier angehäuft hätte, hätte ich bei jedem Wort „Anmerkung Petra“ hinzugeschrieben, wäre es unübersichtlich geworden. Deshalb hier die Liste:
– Unser Quartier = Baronin Sturmfeder und Erzherzog Franzi wohnten zusammen
– Kaiser und Kaiserin: gemeint waren Kaiser Franz II/I (Großvater von Franz, Vater von Erzherzog Franz Karl) und Kaiserin Karolina Augusta, dessen 4. Ehefrau
– Kanapee: 2sitziges Sofa; heute würden wir Couch sagen
– Kattun: dichtes Baumwollgewebe
– retirieren: veralterter Ausdruck für „sich zurückziehen“. Oft in Verwendung beim Toilettengang. Hier wird es tatsächlich als Rückzugsort für das Personal verwendet. Ein Gemeinschaftsraum sozusagen
– spanische Wand: Paravent (gibt es heute wieder)
Foto: Hofmobiliendepot.at Erzherzog Ferdinand Maximilian „Max“ als Kind
Am 6.7.1832 kam Erzherzog Ferdinand Maximilian, genannt Max(i), zur Welt und Aja Louise hatte alle Hände voll zu tun. Erklärtes Lieblingskind von Louise blieb aber Franzi.
Bei Sophie sah die Welt durch Max plötzlich anders aus. Max wurde ihr Lieblingskind, was sich auch bei dessen Erziehung niederschlug.
Franz Joseph wurde weiterhin dressiert und vorgeführt.
Max hingegen hatte die große Freiheit sich selbst zu entfalten und durfte Streiche spielen.
Der Graben zwischen den Brüdern hätte nicht tiefer sein können und wurde auch im Erwachsenenalter nicht behoben. Im Gegenteil. Der einzige der nicht bettelte, als Max nach Mexiko ging, war Kaiser Franz Joseph. Als dieser erschossen wurde, war es ebenfalls Franz Joseph, der kaum eine Trauer verspürte, sehr zum Kummer seiner Mutter.
Am 1. Todestag kondulierte der gesamte Wiener Hof der noch immer tief vom Tod getroffenen und gezeichneten Sophie. Nur Kaiser Franz Joseph vergaß das Datum. Tief gekränkt notierte Sophie diese Schmach in ihrem Tagebuch.
Die beiden hatten sich als Kinder kaum etwas zu sagen und als Erwachsene noch viel weniger.
Die Eifersucht saß auch deshalb tief, da Max beim Wiener Volk sehr beliebt war. Er galt als besonders hübsch, eloquent, red- und leutselig, volksnah, repräsentativ und fähig ein Land zu regieren. Alles Eigenschaften, die man, vor allem dem jungen Kaiser (bis auf das Aussehen) nicht nachsagte.
Während Maxi seine Freiheit genoss, hatte Franzi Drill zu erwarten. Und dieser setzte sehr früh ein. Schon als kleiner Bub wurde er in die Militäruniform gezwängt, mit 13 bekam er ein eigenes Regiment zum Geburtstag geschenkt. Mit diesem wurde er zum „Oberstinhaber des Dragonerregiments Nr. 5“
18. August 1843 – Ischl
„Dies war mein 13ter Geburtstag. Eine Überraschung war mir vorbereitet. Als aber die Thüre zum Zimmer, in welchem meine Geschenke lagen, geöffnet wurde und Mama und Papa mich hinein führten und ich die Dragoneruniform auf dem Tisch liegen sah, war meiner erster Gedanke die Uniform sey nur ein Spielzeug, doch gleich errieth ich mit der größten Freude, daß es Wirklichkeit sey. Es freute mich besonders daß ich ein Cavallerieregiment bekommen hatte und unter der Cavallerie ein Dragonerregiment, da mir die deutsche Cavallerieoffizier Uniform immer besonders gefallen hatte. Doch hätte ich die edle Uniform eines Cuirassierobersten vorgezogen.“ (8)
Am 30.7.1833 († 19.5.1896) kam Erzherzog Carl Ludwig, am 27.10.1835 (†5.2.1840) kam Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia, genannt „Ännchen“ und am 15.5.1842 (†18.1.1919) Erzherzog Ludwig Victor genannt „Luzi-Wuzi“ zur Welt.
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Karl LudwigFoto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Maria Anna „Ännchen“Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“
Der große Liebling der Familie „Ännchen“, das gleichzeitig auch das einzige Mädchen unter den Buben war, starb in den Armen ihrer gramgebeugten Mutter.
Karl Ludwig, Maria Anna und Nesthäckchen Luzi-Wuzi wurden ebenfalls von Baronin Sturmfeder übernommen. Karl Ludwig ist „nur noch ein Mitläufer“, was dazu führt, dass er massive schulische Probleme und seine Privatlehrer es besonders schwer mit ihm hatten.
Foto: Albertina.at Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzogin Maria Anna, Erzherzog Karl Ludwig und angeblich Erzherzogin Sophie Anmerkung Petra: sieht man sich aber Lithographien oder Bilder von Baronin Sturmfeder an, sieht die erwachsende Person wie die Aja und nicht wie Sophie aus. Aquarell: Peter Fendi „Andachtsübung“
1836 wurde ein einschneidendes Jahr für Franz Joseph. Er musste sich auf Geheiß von Fürst Metternich und seiner Mutter Sophie von seiner geliebten Aja trennen. Dieser Prozess hinterließ tiefe Narben in dem kleinen Kinderherz.
Sein Erzieher wurde Heinrich Franz Graf von Bombelles (*26.6.1789 in Versailles, † 31.3.1850 in Savenstein). Ihm zur Seite gestellt wurde Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg (*16.11.1794 in Görz, † 26.7.1880 in Görz).
Bombelles und Coronini lagen ab diesem Zeitpunkt oft im Streit. Der Schwerpunkt der Erziehung lag auf Pflichtgefühl, Religiosität, Sprachen, Zeichnen (Franz Joseph war überaus begabt), Musik (mochte er weniger), Leibeserziehung, Offiziersausbildung und Politik.
Foto: Wikimedia/Commons Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg Lithographie: Josef Kriehuber, 1853
Im einzelnen sah das so aus: Sprachen: Deutsch, Französisch (die damalige Amtssprache), Ungarisch, Tschechisch, Italienisch, Polnisch, Latein und Altgriechisch.
Als Leibeserziehung verstand man: Schwimmen, Reiten, Fechten, Turnen und Tanzen (er galt Zeit seines Lebens als famoser Tänzer und war bei den Damen als Tanzpartner äußerst begehrt).
In Politik wurde Franz Joseph von Metternich persönlich gelehrt.
Foto: Wikimedia/Commons Heinrich Franz Graf von Bombelles Lithographie: Josef Kriehuber, 1851
Er sollte das weltfremde Denken des alten Fürsten übernehmen. Metternich versuchte Franz Joseph politisch zu beeinflussen, prahlte aber mit seinen eigenen Taten so derartig, dass ein Wirken bei dem jungen Erzherzog fehl schlug.
Coronini galt als liberal, steif und unnahbar. Bombelles galt als erzkonservativ und ultrareligiös. Beide Lehrer hassten sich wie die Pest, was sich unweigerlich auf die Buben übertrug. Bombelles wurde dennoch der erklärte Liebling von Carl Ludwig. Ihn beeinflusste er am meisten.
Sophie hatte die Angewohnheit bei den Unterrichtsstunden anwesend zu sein und notierte penibel jede Note und jedes Vergehen der Kinder.
Der Tag von Franz fing um 7.00 Uhr morgens an und dauerte bis um 20.00 Uhr abends. Der Unterricht fand in 30 Minuten, 60 Minuten oder 90 Minuten Einheiten statt. Zu Mittag wurde ein 2stündiger Spaziergang eingeplant, sowie 1 Stunde Mittagessen und 1 Stunde Ruhezeit. Die Leibeserziehung fand vor dem Abendessen – um 19.00 Uhr – statt.
Foto: Österreichische Nationalbibliothek Erzherzog Franz Joseph, 1838
Im Sommer wurden die Stunden im Freien angepasst, je Älter die Buben wurden, desto mehr Lehrpensum musste erfüllt werden. Das da nicht viel Raum für freie Entfaltung blieb, wird jedem klar sein. Franz Joseph wurde gedrillt.
Sein Umgang mit dieser Erziehung zeigte in späteren Jahren seine Wirkung. Er tat sich mit dem Small Talk schwer, konnte keine Unterhaltung führen und hatte Zeit seines Lebens große Probleme Gefühle oder zwischenmenschliche Emotionen zu zeigen.
Er zeigte in allem ständig Contenance und ließ keinerlei Regung zu. Empathie für Menschen oder Situationen einzuschätzen fiel ihm Zeit seines Lebens schwer.
Bereits mit 7 Jahren hatte er 32 Wochenstunden zu absolvieren.
Mit 16 Jahren fing sein Tag um 6.00 Uhr morgens an und hörte um 21.00 Uhr abends auf.
Der junge Erzherzog war ein gelehriger Schüler, der sich kaum Kritik zu äußern traute.
Er notierte 1843 in sein Tagebuch:
„Die statistischen Lectionen des Herrn Fränzel unterhalten und intereßieren mich, die griechischen von Abbé Kis finde ich langweilig und unintereßant, mir thut es auch leid, diese Sprache lernen zu müssen, da man meistens sagt, es sey unnötig.“ (9)
Am 3.9.1843 kam es zu einer folgenschweren Begegnung. Der 13jährige Franz Joseph und die 5jährige Herzogin Elisabeth nahmen kaum Notiz voneinander und doch gingen sie 10 Jahre später in die Geschichte ein – und tun es heute noch.
Foto: Wikimedia/Commons Elise, Gackel und Bummerl also Herzogin Elisabeth, Herzog Carl Theodor und Hund Bummerl
„3. September – Sonntag“
Wir frühstückten mit der Tante Louise, der Helene, der Elise und dem sehr netten aber fast verzogenen Kakl. Um 10 Uhr gingen wir in die dumpfe Kapelle, um die Messe zu hören, wo mir übel wurde, so, daß man mich aus der Kapelle zu einem offenen Fenster tragen mußte, wo mir wieder gut wurde; darauf legte ich mich auf das Bett. Um 12 Uhr fischte ich und Grf. Bombelles mit dem Herzog Max, wobey wir 20 Birschlinge und Weißfische fingen.“ (10)
Anmerkungen Petra: Elisabeth wurde bis zu ihrem 14ten Lebensjahr „Elise“ genannt, dann erst wurde sie von Ludovika in Sisi umbenannt. Franz Joseph hatte als Kind Rechtschreibprobleme. Kakl = Gackel und somit Carl Theodor; der Lieblingsbruder von Elisabeth
Franz Joseph klagte des Öfteren auf Grund des hohen und strengen Tagespensums unter Kopfschmerzen, Übelkeit und zeitweilig unter Erbrechen. All das wurde ignoriert und der junge Erzherzog und seine Brüder wurden weiter diszipliniert.
Im letzten Ausbildungsjahr 1847/48 bekam Franz Joseph noch eine juristische Ausbildung.
Metternich wählte dafür einen extrem konservativen erzkatholischen Juristen aus, den Sophie aber ablehnte. Statt dessen übernahm Johann Baptist Freiherr von Pilgram (*24.6.1780, †30.5.1861) diese Aufgabe. Politik allerdings wurde weiterhin von Metternich persönlich instruiert.
Foto: Schloss Schönbrunn Erzherzog Franz Joseph I. Lithografie,
Als letzten Schliff vor der Entlassung ins „Leben“ beging Franz Joseph in Begleitung seiner Brüder und Erzieher mehrere Bildungsreisen innerhalb und außerhalb der Monarchie.
Auch hier wurde ein straffer Zeit- und Reiseplan eingehalten. Man passierte viele Orte, Städte und traf allerhand Bürger und das gemeine Volk.
Auf einer dieser Bildungsreisen traf Franz Joseph Feldmarschall Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky (*2.11.1766, †5.1.1858). Auch nach Mariazell führte ihn sein Weg. Franz Joseph war nun also bereit seinen späteren „Beruf“ auszuüben.
Foto: Wikimedia/Commons Graf Radetzky
Als er 1848 von der letzten Reise heim kam, fand ein einschneidendes Erlebnis statt.
Die Bürger Wiens hatten das strenge Regime von Metternich satt. Die Arbeiter vegetierten unter schrecklichen Bedingungen vor sich hin, es herrschte Not in allem.
Die Bauern hatten immer noch mit der Grundherrschaft zu kämpfen und mussten fast alles an diese abgeben.
Zu dem wurden die Bürger bespitzelt, die Handwerker fürchteten einen Abstieg ins Proletariat, weil die Industrialisierung einsetzte. Die Lebensmittel wurden verteuert, was bereits 1847 zu Hungerrevolten führte. Immer mehr befürchtete man eine 2te Revolution, wie sie in Paris 1830 stattfand.
Im März 1848 kam es dann tatsächlich zu einem ersten Handgemenge und zu den ersten Todesopfern, da Erzherzog Albrecht in die Menge schießen ließ.
Metternich floh mit seiner Frau aus Wien nach Feldsberg und suchte fieberhaft nach einem Exil.
Kaiser Ferdinand samt Familie und Erzherzogin Sophie samt Familie flohen nach Innsbruck.
Im August kam die Familie von Innsbruck zurück und hoffte auf Beendigung der aufständigen Wiener und Ungarn.
Im April kam Sophie samt Familie kurz zurück, da sie Ostern im Prater verbringen wollte und ließ dort Ostereier verstecken. Die herrschende Ruhe war allerdings trügerisch.
Schon im Mai kam es zu den nächsten Unruhen und Sophie ließ ihre Diamanten einpacken und begann wichtige Dokumente zu verbrennen. Sie floh erneut und nahm mit schwerem Herzen Abschied von Wien.
Foto: Wikimedia/Commons Hans Kudlich
Foto: Wikimedia/Commons Franz Philip Graf Lamberg
Am 24.7.1848 wurde von Hans Kudlich (*25.10.1823, †10.11.1917) der Antrag auf Aufhebung der bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses gestellt. Es folgten lange und zähe Verhandlungen, denen jedoch stattgegeben wurde und am 7.9.1848 in Kraft traten.
Obwohl in Europa mittlerweile eine Konterrevolution erstarkte, galt Wien und Ungarn weiterhin als aufständisch. Am 28.9.1848 wurde Franz Philipp Graf Lamberg (*30.11.1791, †28.9.1848) in Pest ermordet.
Kriegsminister Latour befehligte deshalb den Abmarsch der Truppen nach Ungarn.
Foto: Lessing Archive Theodor Graf Baillet de Latour Bild: Johann Christian Schoeller Anmerkung Petra: ganz korrekt ist das Bild nicht; da Latour „nackt“ gelyncht wurde
Am 6.10.1848 wurde Theodor Graf Baillet de Latour (*15.6.1780, †6.10.1848) aus dem Zeughaus gezerrt, ausgezogen und auf der Laterne „Am Hof“ gelyncht und öffentlich zur Schau gestellt.
Auf Grund der Nähe zur Hofburg und des Mordes an einem Adeligen floh Kaiser Ferdinand I. und seine gesamte Familie erneut. Diesmal führte der Weg nach Olmütz.
Schon seit 1847 haben Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl auf eine Abdankung Kaiser Ferdinands I. hingearbeitet.
Angeblich gab es eine Vereinbarung, die besagte, dass Franz Joseph I. an seinem 18. Geburtstag 1848 den Thron übernehmen sollte.
Foto: billerantik Kaiser Franz Joseph, 1848
Am 6.10.1848 wurde der Machtwechsel in einem größeren Kreis diskutiert; mit dabei viele regierende Minister die später eine prägende Rolle für Kaiser Franz Joseph I. einnehmen sollten.
Franz Joseph selbst resigierte auf den Machtwechsel mit Übelkeit und musste sich mehrmals übergeben.
Obwohl in der Rangfolge sein Vater auf Kaiser Ferdinand I. folgen sollte, wirkte Sophie solange auf ihren Mann ein, bis dieser nachgab und den Weg für seinen Sohn freimachte.
Am 2.12.1848 war es soweit. Kaiser Franz Joseph I folgte auf den Thron. Zuvor musste Kaiser Ferdinand I. seine Abdankung vorlesen, was er mit leiser zögerlicher Stimme tat.
Kaiser Ferdinand I. notierte in sein Tagebuch:
„Die Funktion endete damit, daß der neue Kaiser von seinem alten Kaiser und Herrn, nämlich vor mir kniend um den Segen bat, welchen ich auch unter Auflegung der Hände auf seinen Kopf und Bezeichnung mit dem heiligen Kreuz gab, ich ihn dann umarmte und er mir die Hand küsste. Und auch meine liebe Frau umarmte und küßte unseren neuen Herrn, dann entfernten wir uns in unsere Zimmer…“ (11)
Foto: Wikimedia/Commons Krönung von Kaiser Franz Joseph in Olmütz
Die Zeremonie fand heimlich im engsten Vertrautenkreis in Olmütz statt.
Wie schon sein Leben zuvor, bestimmte auch Sophie den Namen des Kaisers. Er sollte einzigartig sein. Und so wurde er der einzige Kaiser im gesamten Habsburg-Reich mit einem Doppelnamen.
Franz Joseph I.
Der gesamte Titel lautete:
Franz Joseph der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Hungarn und Böhmen, König der Lombardei und Venedigs, von Dalmatien, Croatien, Slawonien, Galizien, Lodomerien und Illirien; König von Jerusalem etc., Erzherzog von Österreich; Großherzog von Toskana und Krakau; Herzog von Lothringen, von Salzburg, Steyer, Kärnten, Krain und der Bukowina; Großfürst von Siebenbürgen, Markgraf von Mähren; Herzog von Ober- und Niederschlesien, von Modena, Parma, Piacenza und Guastalla, von Auschwitz und Zator, von Teschen, Friaul, Ragusa und Zara; Gefürsteter Graf von Habsburg von Tirol, von Kyburg, Görz und Gradiska; Fürst von Trient und Brixen; Markgraf von Ober- und Nieder-Lausitz und in Istrien; Graf von Hohenembs, Feldkirch, Bregenz, Sonnenberg etc.; Herr von Triest, von Cattaro und auf der Windischen Mark. (12)
Foto: Dorotheum Wien Kaiser Franz Joseph Gemälde nach Eduard Klieber, 1851
Petra Schimbäck
Rechtliche Hinweise: Text + Recherche: Petra Schimbäck Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Bildrechte: Schloss Schönbrunn BetriebsgmbH, Österreichische Nationalbibliothek, Heeresgeschichtliche Museum Wien, billerantik, Dorotheum Wien, Albertina, Lessing Archive, Hofmobiliendepot
Literarische Hinweise:
1 – S.31, 2 – S.32, 3 – S.34, 7 – S.35 Die Kindheit Unseres Kaisers Briefe der Baronin Louise von Sturmfeder Aja Seiner Majestät Aus den Jahren 1830 – 1840 Bearbeitet von Anton Weimar Gerlach & Wiedling Verlag, Wien, 1910 (nur noch antiquarisch erhältlich)
8 – S.16, 9 – S.60, 10 – S. 34 Anna Maria Sigmund Die verschollenen Tagebücher Franz Josephs Böhlau Wien Verlag, 1999, 1.Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)
Gudula Walterskirchen Der Franzi war eim wenig unartig Hofdamen der Habsburger erzählen Residenz Verlag, 1. Auflage 2013 (nur noch antiquarisch erhältlich)
Ingrid Haslinger Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs Residenz Verlag, 2016, 1. Auflage
12 – S. 75 Michaela und Karl Vocelka Franz Joseph I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn C.H.Beck Verlag, 1. Auflage
Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern
Elisabeth Herzogin in Bayern als Verlobte dahinter der Starnbergersee Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht?
Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen.
Leider gibt es tatsächlich bis heute (!) Menschen, die diese Szene glauben und auch mich immer wieder fragen, „wo denn dieser Angelplatz in Ischl sei“.
Gerade die Kennenlernszene und alles weitere bis zur Verlobung, ist nichts weiter, als der reine Kitsch und eine hübsche Mär, um den von krisengebeutelten 1950er Jahren ein bisschen Idylle einzuhauchen.
Denn leider sind die Filme bis heute zu viel in den Köpfen der – vor allem Frauenwelt – verankert, die diese glauben und für die volle Realität halten.
Hier also die reale und wahre Geschichte wie Herzogin Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph gewann:
Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag Seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern.
Foto: Wikimedia/Commons Helene Herzogin in Bayern
Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene „Néné“ Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890).
Kürzlich hat ein Ludovika Biograph gemeint herausgefunden zu haben, dass die Geschichte mit Néné gar nicht stimme.
Es soll immer schon Elisabeth gewesen sein, die für Franz Joseph bestimmt gewesen sei und alle Historiker würden sich irren.
Schon Egon C. Conte Corti (+2.4.1866, †17.9.1953) hatte 1934 die Geschichte in seiner sehr gut recherchierten Biographie „Elisabeth, eine seltsame Frau“, welche damals noch mit lebenden Augenzeugen gespickt war, aufgegriffen und erzählt.
Er bekam als Einziger Einsicht in mitterweile längst verschwundene, verbrannte oder absichtlich zerstörte Unterlagen und so stützen sich Historiker aus aller Welt bis heute auf seine Bücher.
Vor Conte Cortis Biographie gab es kleinere Bücher oder Erinnerungsblätter welche im Auftrag von Kaiser Franz Joseph direkt nach dem Tode seiner geliebten „Engels-Sisi“ nur intern für seine Familie und als Erinnerung für die Offiziere veröffentlicht wurden.
Tief vergraben in so mancher Bibliothek kann man sie finden und ich habe sie gefunden. Auch hierin ist zu lesen, dass nicht Elisabeth die erste Wahl war, sondern Néné Kaiserin werden sollte.
Foto: Wikimedia/Commons Sidonie Prinzessin von Sachsen
Doch dem Kaiser gefiel sie nicht, wie zuvor schon die arme Sidonie von Sachsen (*16.8.1834, †1.3.1862), die als Jungfrau sterben musste, weil sie Franz Joseph nicht schön genug war.
Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers.
Natürlich war Helene in Bayern nicht die schönste Tochter von Ludovika, dies kann auf den Bildern von ihr sogar heute noch gesehen werden.
In vielen Biografien ist sogar zu lesen, dass sie wie eine Bauernmagd ausgesehen hat, sie geschielt habe und generell grobschlächtig war.
Sophie suchte also fieberhaft in ihren eigenen Reihen eine geeignete Braut und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war.
„Die Mutter hat ihn ganz in der Hand, er wird ihr völlig gehorchen. Wer weiß, wie lange noch. Jetzt wird er vielleicht ohne Widerspruch die Braut annehmen, die sie, Sophie, für ihn ausgesucht hat. Schon längst hat sie mit ihrer Schwester in München den Plan besprochen, deren älteste Tochter Néné mit ihrem Sohne Franz Joseph zu vermählen. Das Projekt einer Verbindung mit der schönen und klugen Tochter des Palatins Joseph von Ungarn findet nicht ihrer Billigung.“ (1a)
Anmerkung Petra: gemeint war Erzherzogin Elisabeth Franziska
Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth mit.
Elisabeth wurde als Kind ausschließlich von ihren Eltern, Tanten, Geschwistern usw. „Elise“ genannt.
Aus Elise wurde schön langsam aber sicher Sisi.
Laut Michaela Lindinger, der Hermesvilla-Kuratorin stammt Sisi von Erzherzogin Sophie. Sie soll gemeint haben, eine Kaiserin die „Liesl“ gerufen wurde, könne es nicht geben. Sie soll – wenn es nach Frau Lindinger geht – aus Liesl „Sisi“ gemacht haben.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra kaum bekanntes Bild der 15jährigen Elisabeth im Reitkleid – da im Privatbesitz! Ölbild: Friedrich von von Kaulbach
Dem widerspricht aber ein Brief von Ludovika an ihre Schwester Königin Auguste von Sachsen von 1853:
„Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich als ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre [Prinz Georg, wohl der zweite Sohn des sächsischen Königs Johann], wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen… hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug“. 1b)
Anmerkung Petra: Elisabeth wurde auf Brautschau nach Dresden geschickt, kam aber ohne Bräutigam nach Hause; worauf hin sich Louise schwere Sorgen machte. Es ist aber eindeutig bewiesen, dass 1 Jahr vor der Verlobung ihre eigene Mutter Elisabeth „Sisi“ nannte.
Warum also Erzherzogin Sophie dafür verantwortlich sein soll, dass aus „Liesl“ – was im übrigen nirgendwo in der Korrespondenz, sondern erstmals 1903 in den „Erinnerungsblättern“ auftaucht, Sisi wurde, ist mir wieder einmal ein Rätsel.
Elisabeth jedenfalls sollte abgelenkt werden. Ihre unstandesgemäße Liebe zu Richard Graf von Schwarzenberg, welcher ihr den Kopf gehörig verdrehte, musste unter allen Umständen verboten werden.
Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Elisabeths Umfeld entfernt. Er wurde zum Militär geschickt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später.
Elisabeth war untröstlich.
Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:
Die Würfel sind gefallen,Ach, Richard ist nicht mehr!Die Trauerglocken schallen -Oh, hab Erbarmen, Herr!Es steht am kleinen FensterDie blondgelockte Maid.Es rührt selbst die GespensterIhr banges Herzeleid. (1)
Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie.
Zeit ihres Lebens sollte sie ihren Jugendfreund, der nie näher deklariert wurde, vergessen.
Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Elisabeth als 14jährige; das Erste bekannte Foto von ihr Foto: Alois Löcherer
Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, †19.5.1896) die Wunden heilen könne.
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber
Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus.
Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Elisabeth ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab.
Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Ludovika Königin von Preußen und Firmpatin Elisabeths
Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Ischl.
Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester.
Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.
Foto: Wikimedia/Commons König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter,
Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura (= in Abwesenheit) Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie).
Sie folgte am 13.8.1853 nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Victor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.
Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an.
Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen.
Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen.
Das Unglück nahm seinen Lauf.
Foto: Wikimedia/Commons Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum
Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten.
Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht.
Sophie schrieb ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen:
„Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“ (2)
Herzogin Helene wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in
Foto(montage): W. Hain Souvenir des Verlobungspaares (Der Kaiser wurde größer gemacht).
Sisi.
Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Elisabeth verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest:
„In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3)
Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth als Verlobte
Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853
Elisabeth ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.
Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch:
„Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)
Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern.
Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.
Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth als Verlobte
Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah.
Herzogin Elisabeth trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi.
Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern.
Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu:
„Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)
Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Elisabeth bat, wussten alle im Raum Bescheid.
Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.
Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Elisabeth nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde.
Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser
„sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)
Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz:
„Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.
Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Herzogin Elisabeth verlobt hatte.
Der kleine Ort war außer Rand und Band.
Foto: Wikimedia/Commons Siriuskogel
Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E.
Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren.
Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Herzogin Elisabeth war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schrieb sie:
„Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)
Ludovika notierte:
„Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)
Foto: Peter Füssl Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes
Foto: Peter Füssl Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes
Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ.
Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten.
Elisabeth war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.
Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.
Foto: Wikimedia/Commons Karl Ludwig Graf von Grünne
Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte.
So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar.
Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.
Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute ein Museum).
Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.
In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen.
So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra Kaiservilla
Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen.
Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn.
Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.
Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.
Elisabeth wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet.
Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org
Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben.
Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at
Elisabeth verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete.
Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.
Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch:
„Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.
Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Elisabeth auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt:
„Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10)
Foto: fuenfseenland.de Das junge Paar
Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Elisabeths Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen.
Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen.
Das Gerücht, dass Kaiserin Elisabeth schlechte Zähne hatte, hält sich bis heute. Dem ist ebenfalls die Szene aus „Sissi“ geschuldet. Elisabeth hatte mitnichten schlechte Zähne, dies ist auch in ihrem Autopsiebericht bestätigt.
Weiters wurde an Elisabeth herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus.
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph
Sie musste stundenlang Modell stehen, ihr war langweilig und sie wurde unruhig. Der teure Schmuck, der aus Wien eintraf, wurde in einer ihrer Schubladen verstaut. In diesem Alter konnte sie mit teurem Schmuck noch nicht viel anfangen.
Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:
Lebet wohl, ihr stillen Räume, Lebe wohl, du altes Schloß, Und ihr ersten Liebesträume, ruht so sanft in Seesschoß.
Lebet wohl, ihr kahlen Bäume, Und ihr Sträucher, klein und groß, Treibt ihr wieder frische Keime, Bin ich weit von diesem Schoß. (12)
Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte 1,5 Tage.
An ihrem 16. Geburtstag, am 24.12.1853, überreichte Elisabeth Kaiser Franz Joseph sein Weihnachtsgeschenk, welches sie vor Possenhofen und Hoch zu Roß zeigen sollte.
Die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer.
60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valérie übergab. Mittlerweile hängt es wieder an jener Stelle, an welcher es 60 Jahre lang hing: über dem ehemaligen Bett von Kaiser Franz Joseph – im Sisi Museum zu sehen.
Foto: dorotheum.com Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert. Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty
Foto: Wikimedia/Commons Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel,
Kaiser Franz Joseph schenkte ihr zu ihrem 16. Geburtstag und somit zu Weihnachten ein silbernes Tee-Reiseservice, in welches er ein „E“ mit „Kaiserkrone“ eingravieren ließ, er brachte aus der Menagerie von Schönbrunn einen bunten Papagei mit, über welchen sich seine Verlobte am allermeisten freute und ein Diadem, welches einen Tag vor der Hochzeit für einen kleinen Fauxpas sorgen sollte.
Elisabeths Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen.
Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877):
„Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13)
Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung.
Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Elisabeths Schmuck und Aussehen.
Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten.
In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet.
Doch bevor Elisabeth nach Wien fuhr, gab es natürlich noch einen gebührenden Abschied in München.
Im Depot des Kunsthistorischen Museums Wien befindet sich liegend ein Kleid, welches überaus wertvoll ist. Es kann nicht mehr ausgestellt weden, weshalb eine teure 1:1 Replik angefertig und im Sisi Museum ausgestellt wurde.
Foto: Sisi Museum „Polterabendkleid“ von Herzogin Elisabeth Replik
Zu Ehren der Braut wurde am Münchner Hof ein Ball abgehalten. Dieser Ball nannte sich „Winterabend“. Warum das Kleid ausgerechnet bis heute „Polterabend“-Kleid heißt, ist nicht mehr eruierbar.
Denn mit einem „Polterabend“, wie wir ihn heute kennen, hatte der „Winterball“ nichts zu tun.
Das Kleid wird von Martina Winkelhofer im Buch „Sisis Weg“ wie folgt beschrieben:
„Es ist über hundertsechzig Jahre alt und aus weißem Baumwollstoff mit grün-goldenen Einfassungen an Ausschnitt, Ärmeln, Taille und Volant. Über Oberteil und Rock ranken sich zwarte, aus grüner Floss-Seide gestickte Blätter- und Blumenornamente. Inmitten der floralen Ornamente ist ein arabischer Schriftzug eingestickt, der ins Deutsche übersetzt bedeutet: „Oh, mein Herr, welch‘ schöner Traum“. Der Schnitt des Kleides verrät, dass sein Trägerin von sehr schlanker, zarter Statur war, denn die Taille ist außerordentlich schmal. Auch die Maße des Oberteils und die Ärmelöffnungen verstärken den Eindruck: Das kunstvolle Kleid wurde für ein blutjunges Mädchen geschneidert.“ (14)
Durch den Ausschnitt am Kleid, dass sich „Runde“ nennt, erkennt man, dass dieser für ein Ballkleid für die Wintersaison angefertigt wurde. Kaiser Franz Joseph weilte im Winter 1853 in München.
Das Kleid besteht aus einem Baumwollstoff, welches am Ausschnitt, Ärmeln. Taille und am Volant grün-goldene Einfassungen enthält.
Über dem Oberteil und Rock ranken zarte gestickte Blätter- und Blumenornamente, welche mit Floss-Seide bestickt wurden. Die Blätter stellen „Rebenblätter“ dar.
Diese wurden von verschiedenen Stickerinnen bestickt. Dies ist deshalb ersichtlich, da eine der Stickerinnen die Rebenblätter doppelt und die andere einfach bestickt hatte.
Dies zeigt, dass das Kleid in windeseile fertig werden musste. Die Näherinnen und die Stickerinnen hatten nur knapp 3 Monate Zeit um das Kleid für die Trägerin anzupassen.
Dies alles kann man am Originalkleid erkennen, welches in einem Depot im Kunsthistorischen Museum aufbewahrt wird. Das Kleid ist mittlerweile in so einem schlechten Zustand, dass es nie wieder öffentlich ausgestellt werden kann.
Am Originalkleid erkennt man auch, dass es für eine sehr zierliche, schlanke Person geschneidert wurde.
Das sogenannte „Polterabendkleid“, der Name ist sehr irreführend, wurde vermutlich an jenem Winterabend der Ballsaison in München am Hofe von König Maximilian II von Bayern von Elisabeth getragen.
Dieser Ball wurde zu Ehren der Kaiser-Braut abgehalten, um sie im großen Stil zu verabschieden.
König Maximilian II war der Onkel von Herzogin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph. Sein Vater König Ludwig I von Bayern war der (Halb)Bruder von Erzherzogin Sophie und Herzogin Ludovika. Einige Historikerinnen gehen aber auch davon aus, dass der Ball im Frühjahr abgehalten wurde.
Dies passt aber mit dem „runden“ Ausschnitt des Kleides nicht zusammen. Der Ausschnitt war ausschließlich für die Wintersaison bestimmt, weshalb es jener Ball sein musste, an welchem auch Kaiser Franz Joseph teilnahm und seine Braut mit seinem Kommen überraschte. Da es keinen Polterabend, wie wir es heute kennen, gab, ist der Name des Kleides äußerst irreführend.
Wieso sich dieser Name in der Historie festgesetzt hat ist leider nicht bekannt.
Besonders hervorzuheben sind die arabischen Schriftzüge welche auf dem Kleid (ebenfalls per Hand) eingestickt wurden.
Diese bedeuten:
„Oh mein Herr, welch‘ schöner Traum.“
Dies deswegen, da eine junge Herzogin aus niedrigem Adelsstand zur Kaiserin gemacht wurde.
Wer den Ton im Video anmacht, hört ein Gedicht von Herzogin Elisabeth, welches sie vor ihrer Abreise nach Wien schrieb.
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Es ist daher anzunehmen, dass beide (!) auf diesem Ball zugegen waren und Kaiser Franz Joseph seine Braut am Ball mit diesem Winterballkleid erblickt hat.
Somit verbrachte Kaiser Franz Joseph nicht nur den 16. Geburtstag mit seiner Braut, sondern auch Weihnachten. Er brachte „weiße Rosen“ als Geschenk von Erzherzogin Sophie mit. Es ist nicht ganz überliefert, ob dies ein „Kranz“ oder „Strauß“ war, hier streiten sich die Historiker in beinahe jedem Buch.
Schwierig waren die Rosen auf jedenfall, denn diese mussten extra verpackt werden, da der Winter 1853 besonders kalt war und sehr viel Schnee lag.
„Wien, 20.December 1853 Liebe Eva!(*) Heute um 2 Uhr vor Tisch besuchte mich Erzherzog Carl um Abschied zu nehmen. Er reist diesen Abend 10 Uhr nach Lemberg auf seinen Posten und bleibt bis zur Vermählung des Kaisers dort. Erzherzog Max ist in Triest und Seine Majestät reisten heute nach München. Die vortreffliche Erzherzogin Sophie ist beinahe verweist, aber schöne Hoffnungen bleiben ihr, zieht erst die Kaiserbraut in Wien ein. Gott erfülle alle Hoffnungen! Deine Sophie. (15)
Und am 8.Jänner 1854 ist zu lesen:
„Wien, 8.Jenner 1854 Liebe Eva! Der Kaiser soll sehr heiter und zufieden von seiner beglückenden Reise zurückgekehrt sein und sich wie ich höre vorgenommen haben diesen Carneval nicht zu tanzen, was seinen ritterlichen Gefühlen sehr entspricht.“ … Deine Sophie (16)
Doch mit den überreichten Blumen zogen dunkle Wolken über Elisabeth auf. Beigefügt lag ein Brief, in welchem Erzherzogin Sophie auch einen Rosenkranz legte und Elisabeth aufforderte, ab sofort mehr zu beten. Gleichzeit bat sie darum, nicht mehr „Tante Sophie“ und „Du“ zu ihr zu sagen, sondern „Erzherzogin Sophie“ und „kaiserliche Hoheit“.
Kaiser Franz Joseph und seine Brüder waren Zeit ihres Lebens mit ihren Eltern per Sie. Dies war durchaus ein Umstand, der sich durch alle Jahrhunderte zog, also definitiv nicht unüblich war. Das bayrische Königshaus war diesbezüglich bereits „lockerer“ und so durften die Kinder mit ihren Eltern per Du sein. Als Tante und Nichte stand dies also – im Grunde – auch Elisabeth zu. Doch ab sofort, wurde die förmliche Anrede gefordert, das erste Zeichen, dass Elisabeth unter dem strengen Kuratel von Erzherzogin Sophie stand.
Hochzeitseinladung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte der gesamte Wiener Hof und eine zitternde Elisabeth, welche mit den Nerven völlig am Ende war, stieg im April 1854 auf ein Schiff Richtung Wien.
Den Beitrag zur Hochzeit könnt ihr sowohl unter Kaiserin Elisabeth, als auch unter Kaiser Franz Joseph, in der jeweiligen Kategorie lesen.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra „Die Rose aus dem Bayernland“ Herzogin Elisabeth als Verlobte nicht so gelungene Replik des Originals von Anton Einsle, 1854 Dieses Bild hängt zur Erinnerung an die Anwesenheit der Braut Elisabeth im Landhaus Linz – kann nicht öffentlich besichtigt werden!
Petra Schimbäck
(*) Wichtige Anmerkung: In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.
In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.
Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.
Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, †3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, †23.5.1913) verheiratet.
Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau
Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, †7.3.1855) geheiratet.
Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.
Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.
Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.
Bis heute zum Beispiel konnte ich keine Daten von Sophie Gräfin von Scharnhorst auffinden. Sie ist auch Thema im Beitrag „Spanisches Hofzeremoniell – Hofetikette“.
Rechtliche Hinweise:
Text + Recherchen: Petra Schimbäck Bildrechte: Wikimedia/Commons, dorotheum.com, fuenfseenland.de, anno.onb.ac.at, oocities.org, Peter Füssl, Sisi Museum, W. Hain,mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Literatur Hinweise:
1a – S 23 E.C.Conte Corti Elisabeth von Österreich Tragik einer Unpolitischen Heyne Verlag, 15. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)
1 – S 30, 1b – S. 18, 2 – S 31, 3 – 4 – S 32, 5 – S 34, 6 – 7 – S 35, 8 – S 38, 9 – S 37, 11 – S 47, 12 – S 48, 13 – S 52 Brigitte Hamann Elisabeth: Kaiserin wider Willen Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992
10 – S 153 Ingrid Haslinger Erzherzogin Sophie Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs Residenz Verlag, 1. Auflage, 2016
14 – S.72 Martina Winkelhofer Sisis Weg Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeths erste Jahre am Wiener Hof Piper Verlag, 1. Auflage 2021
15 – S.259/60, 16 – S.260 Hofdamen-Briefe Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert Gesammelt von B.von.S. Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)
Als 1955 der Sissi Film mit Romy Schneider über die Kinoleinwand flimmerte, konnte keiner erahnen, was das einmal auslösen würde. Was 1956 und 1957 mit Teil 2 und 3 noch weiter verkitscht wurde, wurde 1992 komplett anders dargestellt. Fans von Kaiserin Elisabeth haben zuerst das Musical gesehen und sich danach erst mit Elisabeth als Person beschäftigt.
Foto: Amazon.de
Das Musical hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Einen Hype, der bis heute ungebremst ist.
Am 3.9.1992 wurde in Wien im Theater an der Wien, unter dem scheidenden Intendanten Peter Weck, das Musical Elisabeth aus der Taufe gehoben. Ein Welterfolg, der anfangs so gar nicht die Kritiker ansprach. Im Gegenteil. Nach der Premiere war der Hohn und Spott hoch.
Aber beginnen wir von vorne:
Peter Weck, Foto: APA (Archiv)
„Mit Michael Kunze hatte ich die Idee für ein neues Musical besprochen, das wir in den Vereinigten Bühnen Wien produzieren wollten. Bei unseren Gesprächen landeten wir plötzlich bei – Michael Kunze brachte diese Idee ein – Kaiserin Elisabeth. Da ich selbst ja beim ersten Teil der Sissi-Filme mitgewirkt hatte, war es mir ein Anliegen, Kaiserin Elisabeth in unserer Version ohne jede Kitschverbrämung, als nicht als lieblich verzuckertes Geschöpf, sondern auf Basis der damals dank Historikerin Brigitte Hamann neu vorliegenden historischen Erkenntnis mit allen ihren Eigenheiten auf die Bühne zu bringen.“ (1)
Peter Weck über die Entstehungszeit von Elisabeth, an der er selbst 2 Jahre beteiligt war.
„Alle tanzen mit dem Tod, doch niemand wie Elisabeth…“ Ihre Zeitgenossen stehen in Lumpen und mit schwarzem Spitzentuch über dem Gesicht auf der Bühne und reden „immer noch von Elisabeth“. So beginnt das Stück – naja mehr oder weniger. Eigentlich ist zuvor noch ein Prolog mit Lucheni, der von einem unsichtbaren Richter gefragt wird, warum er ausgerechnet Kaiserin Elisabeth umgebracht habe.
Er beantwortet die Frage mit „…weil sie es wollte“.
Man mag glauben, dass dies ein Satz ist, den tatsächlich ihre Zeitgenossen über sie gesagt haben. Aber die Texte und die Musik stammen von niemand geringeren als von Michael Kunze und Sylvester Levay, die zuvor die Schlagergemeinde mit ihren Songtexten und Musiktitel aufzumischen wussten. „Fly Robin fly“ wurde (und ist) ein Welthit.
Michael Kunze, Foto: Alexander Ch. Wulz
(2) Michael Kunze im Interview, wie Elisabeth – das Musical entstand. 7 Jahre sollte die Entstehung dauern; man kann also nicht sagen, dass sich Michael Kunze und Sylvester Levay das Stück leicht gemacht haben.
„Mit dem Blick auf die bevorstehende Milleniumswende wollte ich etwas über den Untergang des Habsburgerreiches schreiben. Ich bin studierter Historiker, und daher interessierten mich die Parallelen von Gegenwart und Vergangenheit. … Auch „Sisi“ wurde zwangsläufig erwähnt. Ich hatte allerdings nicht die geringste Lust, die unglückliche Kaiserin zur Hauptfigur einer Dramatisierung zu machen. Zu abschreckend war die Vorstellung, gegen das Klischee einer Filmfigur der 50er Jahre ankämpfen zu müssen. … Ich las alles über die Zeit vor und nach 1900, was mir in die Hände kam. Darunter waren die Tagebuchblätter des Vorlesers Constantin Christomanos. Darin fesselte mich eine Episode. Christomanos schildert, wie er Elisabeth nach einem Sturm an der Reling ihrer Jacht trifft. Sie weist ihn auf einen Möwenscharm hin, der dem Schiff folgt. Es seien immer dieselben Möwen, behauptet sie. Woran sie das erkenne, fragt der Vorleser. An der schwarzen Möwe in der vorderen Reihe. Die sei ihr vertraut. Als ich das las, wurde mir schlagartig klar, dass Elisabeth sich selbst als schwarze Möwe sah. Als Symbol des Untergangs. Von diesem Moment an wollte ich sie, allen Problemen zum Trotz, zur Hauptfigur des Werkes machen. ….“ (2)
Harry Kupfer, Foto: Lewin-Management.com
Harry Kupfer, der kongeniale Regisseur dieses Erstlingswerks von Peter Wecks „Vereinigte Bühnen Wien“, erinnert sich an die Begegnung und wie alles begann: „Die Oper ist mein eigentliches Spezialgebiet. … Ich hatte in Wien eine Produktion an der Staatsoper, wir hatten nachts gefeiert und auf dem Weg zur U-Bahn traf ich Peter Weck. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt nicht persönlich, doch er sprach mich an. …
Er fragte mich: „Haben Sie nicht mal Lust, ein Musical zu machen?“, und meine Antwort war: „Ja, wenn es ein gutes Stück ist, nicht so etwas, wo Musiknummern zu einer dürftigen Handlung zusammengeschmissen sind, würde ich das machen. Darauf er:
„Ich hab eins, „Elisabeth“. Da ist mir erst einmal der Kamm geschwollen, weil ich natürlich gleich an diese schrecklichen Sissi-Filme mit Romy Schneider dachte. Doch Weck meinte, das sei ganz anders, Michael Kunze und Sylvester Levay seien die Autoren und er würde mir das Libretto gleich morgen ins Hotel schicken. Das hat er dann auch getan, ich habe es gelesen und fand es gar nicht so schlecht….“ (3)
Der Rest ist Weltgeschichte.
Als er die Rolle von Elisabeth schrieb, musste er nach einem roten Faden im Stück suchen. Und so betrachtete Michael Kunze das Bild von Luigi Lucheni, der grinsend in die Kamera sah. Der jemanden getötet hatte, den er weder kannte, noch verstand. Das Opfer sollte jemand ganz anderer (Herzog d’Orléans) werden, als dieses nicht auftauchte, stach er auf die berühmte Frau ein, die weltpolitisch nie in Erscheinung trat.
Ethan Freeman, Foto: Jean-Marie Bottequin
Lucheni wurde der Erzähler eines Lebens. Ihres Lebens. Er verhöhnt ihr Leben und alle die sich rund um sie scharrten. Mit Gemeinheiten – auch in Richtung Publikums – spart er nicht. In „Kitsch“ bekommt das Publikum das zu spüren, was bis heute gilt: Die Sammelleidenschaft und die Begaffung einer Frau, die bis heute ein Geheimnis ist, ebnete zumindest nach 1955 nie wieder ab.
Gerade bei der jungen Kaiserin Elisabeth war das Interesse anfangs riesengroß. Das Volk wollte sein Recht an der jungen schönen Kaiserin haben; als diese floh und sogar ihre Kinder zurückließ, ebnete das Interesse immer mehr ab. Zu ihrem 50sten Geburtstag erschien lediglich ein kleiner Artikel in der Zeitung, dass die Kaiserin Geburtstag habe. Das Volk in der Dynastie Österreich-Ungarn nahm sie überhaupt nicht mehr wahr.
Mit den Sissi-Filmen jedoch begann ein Hype, der auch Elisabeth – das Musical nicht töten konnte. Bis heute stehen Elisabeth Häferl weltweit in Kästen, hängen Bilder an den Wänden und Postkarten stehen an Souvenirständen zum Kauf bereit. Auch Tattoos mit Sisi Schriftzug oder Konterfei sind mir schon begegnet.
Der „Kitsch“ kennt keine Grenzen. Luigi Lucheni hat im Stück recht, wenn er Schokolade in die Menge schmeißt und höhnisch dabei lacht, wenn er sieht, dass die Menge im Publikum gierig danach greift.
Ethan Freemann Foto: angelofmusical
Aber lassen wir Ethan Freeman zu Wort kommen:
„Ich flog zu den Auditions nach Wien. … Ich wurde mit einem musikalischen Leiter weggeschickt, um mit ihm „Kitsch“ zu erlernen, was ich dann noch am selben Tag mit den Noten in der Hand präsentiert habe. Ich kann mich erinnern, dass ich vorm letzten „Kitsch“ so richtig fies gelacht habe, das war wohl infektiös und damit war die Sache wohl entschieden. Ich hatte scheinbar für die Kreativen die richtige Kombination von Kraft, Gewalt-Potential, Aussehen und Stimme…“ (4)
Sylvester Levay verstand es wie kein anderer, das Stück mit seiner Musik zu beseelen. Man meint manchmal sogar, die reale Elisabeth von hören, wenn sie von dem „Kirschbaum“ träumt, auf den sie nicht darf, weil Maman eine Gesellschaft erwarte und ihr Vater die Zither nimmt und aus Possenhofen flüchtet. Die 15jährige Sisi sitzt verlassen am Boden und träumt von „Gedichten schreiben und Reiten mit dem Wind“ und hofft darauf, dass ihr geliebter, von ihr angehimmelter Vater sie mitnimmt.
Uwe Kröger Foto: Alexander Ch. Wulz
Doch Herzog Max hat wie immer kein Einsehen mit seiner Lieblingstochter. Sisi bleibt traurig zurück und muss sich dem strengen Ton ihrer Gouvernante hingeben und sich umziehen gehen…
Michael Kunze tat sicherlich Recht daran, Elisabeth mit dem Tod kokettieren zu lassen. Ihre Todessehnsucht erahnt man schon an ihren frühen Gedichten. Als ihr Schwarm Richard Graf von Schwarzenberg stirbt, schreibt sie Wehklagen in ihr Tagebuch. Hier ist das erste Mal von einer Todessehnsucht zu lesen. Elisabeth war zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt.
Wie sehr sich das verstärkt, sieht man im späteren Verlauf ihres Lebens. Der Tod sollte also ihr Liebhaber sein. Einer der sie versteht, nach dem sie greifen kann, wenn sie ihn braucht, aber ihr niemals zu Nahe kommen darf. Michael Kunze wählte bewusst die Gestalt von Heinrich Heine, um den jungen attraktiven Dichter in Szene zu setzen.
Uwe Kröger, Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz
Langhaarig, blond, androgyn – so schritt der erste Tod 1992 von der Feile zum Totentanz der Zeitzeugen herab. Niemand geringerer als Uwe Kröger besetzte diese Rolle. Dass er der erste Rusty in Starlight Express war, sollte damals niemanden interessieren. Kröger spielte mit der Rolle, mit dem Publikum und löste einen wahren Hype aus – einen den er sich später – nach dem seine Fans sogar Selbstmorddrohungen ausstießen, als er sich die Haare für die Rolle von Chris für Miss Saigon abschneiden ließ – bitter bereuen sollte.
Der Tod der uns alle im gewissen Sinne begleitet, löst einen Machtkampf mit dem Publikum aus. Folgt man ihm oder kann man sich ihm entziehen? In 25 Jahren waren alle Tod-Darsteller blond oder zumindest brünett. Fast alle langhaarig. Nach Uwe Kröger folgten Paul Kribbe, Addo Kruizinga, Felix Martin, Máté Kamarás, Rob Fowler und natürlich der letzte Tod: Mark Seibert – er ist das momentane Sexsymbol der Musicalwelt.
Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz
Pia Douwes war die erste Elisabeth. Sie lieh ihr Stimme, Aussehen, Charakter und Eigenschaften, die die wahre Elisabeth zu haben schien. Ihre Darstellung ist bis heute unangefochten mit dieser Rolle verwoben und verbunden.
Viele Elisabeths folgten auf 25 Jahre Welterfolg. Die bekanntesten neben Pia Douwes sind natürlich Maya Hakvoort, Annemieke van Dam und die letzte Roberta Valentini.
Fragt man Musicalfans der ganzen Welt, sind sich diese uneinig, wer nun „DIE“ Elisabeth sei.
Fragt man mich, würde ich uneingeschränkt Maya Hakvoort nennen. Ihre Stimme hat mich von der ersten Minute an gepackt und ließ mich nicht mehr los. Aber auch Roberta Valentinis Darstellung behagt mir sehr.
Sie ist vor allem konstant durchgehend eine Elisabeth, der man jede Station abnimmt. Derselbe „Streit“ entsteht bei den Rollen von Der Tod und Luigi Lucheni. Hier gibt es eigentlich auch nur 2 Antworten für mich: Paul Kribbe war und wird immer „mein“ Tod sein, danach folgt für mich persönlich Mark Seibert. Bei Luigi Lucheni tendiere ich zwischen Bruno Grassini und Kurosch Abbasi, aber auch Serkan Kaya gefiel mir außerordentlich gut.
Aber was ist nun mit Kaiser Franz Joseph, Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Sophie, Graf Grünne, Kardinal Rauscher, Herzogin Ludovika, Néné usw. Viele von ihnen haben eine Stimme bekommen, ein paar sind nur Nebendarsteller und erscheinen wirklich nur am Rande.
Im Prinzip erstrahlt das Musical mit 3 Hauptdarstellern: Elisabeth, Der Tod, Luigi Lucheni. Der Rest ist in Nebenrollen oder winzigen Sequenzen zu sehen.
Pia Douwes, Foto: Jean-Marie Bottequin
Das Hauptlied des ersten Teils ist mit Sicherheit der Song „Ich gehör nur mir“. Hier bricht Elisabeth aus. Hier zeigt sie, dass sie nicht die Person ist, die sich einsperren, quälen, begaffen und berichtigen lässt, wie es allen anderen am Wiener Hofe passen würde. Allen voran natürlich Erzherzogin Sophie oder auch dem Kaiser, der sich weder gegen seine Frau, noch gegen seine übermächtige Mutter durchsetzen kann.
Der Text von „Ich gehör nur mir“, könnte genauso gut aus der Feder von Kaiserin Elisabeth per se stammen. Man könnte meinen, dem Schreiberduo ist dies aufs Notenblatt diktiert worden. Egal wer dieses Lied im Stück singt – Gänsehaut ist vorprogrammiert. Dieses Lied ist das Herzstück des ersten Teiles, dass was Elisabeth ausmacht.
Aber auch Lieder wie „Milch“ (1992 noch an anderer Stelle als heute), Kaffeehaus-Szene oder „Nichts nichts gar nichts“ sind bezeichnend für den Weg von Elisabeth.
Der wütende Mob vor der Hofburg, der mit Milchkannen beinahe wie auf die Bastille zustürmt und um „Milch“ schreit, während die Kaiserin darin badet. Bezeichnend für ihren Schönheitskult „Unsre Kais’rin soll sich wiegen, kämmen, pflegen und erfrischen“.
Was wir alle an Sisi bewundern ist ihre Schönheit, ihr ambivalenter Charakter, ihr exzessives Leben. Das Leben des Volkes aber berücksichtigen wir im Grunde unseres Herzens nicht, wenn wir die Bilder dieser strahlenden Schönheit in den Krinolinenkleidern bewundern. Das Volk hungert, friert und hat kaum das Nötigste, während Sisi in Milch badet, weil das ihrem Teint zu Gute kommt.
Wer jetzt das ungarische Krönungslied „Wenn ich tanzen will“ in der Aufzählung vermisst, wird bitter enttäuscht sein, wenn ich sage, dass dieser Song 1992 noch nicht auf der Welt war.
Uwe Kröger mit Rudolf-Darsteller, Foto: Alexander Ch. Wulz
Erst im späteren Verlauf der Geschichte kommt Kronprinz Rudolf vor. Zuerst als kleiner Junge, der verzweifelt nach seiner Mutter weint. Natürlich ist es „der Tod“ der den Kleinen tröstet, denn Rudolf hat die Melancholie seiner Mutter geerbt.
Im weiteren Verlauf wird im Duett „Wenn ich dein Spiegel wär“ klar, dass die Mutter ihren Sohn weder verstehen will, noch ihn jemals verstanden hat. Ihre Arroganz und Verbitterung gegenüber dem verzweifelnden Sohn wird mit Minute zu Minute klarer.
Bezeichnend ist es natürlich, dass der Tod in Gestalt mit einem verkleideten Todesengel der Mary Vetsera darstellt, auf Rudolf lauert. Der Schuss ist nur der Anfang von einem Ende, das schon lange vorher eingeläutet wurde.
Wenn Elisabeth weinend am Sarg ihres Sohnes, der sich durch die Bühnenkonstruktion langsam in die Erde absenkt, zusammenbricht ist meistens ein Raunen im Publikum zu hören: „Die arme Mutter…“
Die arme Mutter die mit „Rudolf, wo bist du“ ihre letzten Jahre einläutet. Depressiv, einsam, schwarz gekleidet, flieht sie vor ihrem eigenen Ich.
Pia Douwes, Viktor Gernot Foto: Alexander Ch. Wulz
Auf Cap Martin versucht ein alter, gebrochener, wehklagender, zerbrechlich wirkender Kaiser Franz Joseph seine Sisi noch einmal zur Umkehr zu bitten. Das Duett „Zwei Boote in der Nacht“ ist bezeichnend für das letzte Kapitel, für die Verbitterung Elisabeths niemals Verzeihen zu können.
Danach folgt unweigerlich Luigi Lucheni, der nach einem fürchterlichen Alptraum Kaiser Franz Josephs, wo er den Tod Elisabeths vor Augen hat, vom Tod die Feile in die Hand geworfen bekommt und losstürmt.
Bim-bim… die Schiffsglocke. Elisabeth und „der Schleier fällt“. Der Tod hat endlich seine Sisi im Arm, sie gibt sich dem hin, was sie Jahrzehntelang erträumt und sich nicht getraut hat: zu sterben…
Im Grunde ist damit die Geschichte erzählt, auch wenn ich hier natürlich Szenen ausgelassen habe, die unweigerlich dazugehören; aber ich möchte euch ja noch den Triumphzug quer durch die Welt erzählen…
Die komplette Cast der Weltpremiere am 3.9.1992 war:Darsteller:Kaiserin Elisabeth Pia DouwesDer Tod Uwe KrögerLuigi Lucheni Ethan FreemanKaiser Franz Joseph Viktor GernotErzherzogin Sophie Else LudwigKronprinz Rudolf Andreas BieberKronprinz Rudolf Kind Markus NeubauerHerzog Max in Bayern Wolfgang PamperlHerzogin Ludovika/Frau Wolf Christa WettsteinHelene von Wittelsbach Rebecca RashidLudwig Graf Grünne Peter FaerberKardinal Rauscher Dean WelterlinFelix Fürst zu Schwarzenberg Harald HofbauerBaron Hübner Günther SchulzBaron Kempen Eric MinskGräfin Sztáray Nicole SiegerGräfin Esterhazy-Liechtenstein Isabella FritdumMaximilian von Mexiko Stanislaus MeusMary Vetsera Marion WilmerJunger Ungarischer Adeliger Frank LohmannGraf Andrássy und Graf Bathyány Aris SasFanny Feifalik Gabriela KuhnEine Hofdame Marika LichterEine Gouvernante Ina RetzbachEin Professor Christian HauserFräulein Windisch Jasna IvirTodesengel Michael BernhardSteven BernierTheresa Bomme Daniela Colantuanto
Kreativ Team: Regie Harry Kupfer Musikalische Leitung Caspar Richter Choreographie/Musical Staging Dennis Callahan Bühnenbild Hans Schavernoch Kostüme Reinhard Heinrich Lichtgestaltung Hans Toelstede Tongestaltung Erich Dorfinger
Nach dem tosenden Applaus des Premierenpublikums der Schock. Die Presse verriss das Stück, Peter Weck und alle Darsteller. In den Feuilletons der Zeitungen stand sowas wie:
„Was für ein Kaiserinnen-Schmarren“ (Presse), die weiter schrieb: „Nichts, aber auch wirklich gar nicht, haben die Autoren unternommen, um der Gefahr der Verkitschung zu entgehen.“
„Munter geht die Sissi unter“, hieß die andere Schlagzeile. „Sie sind aber auch allesamt, die Darsteller von geringem Format (Kurier).
„Was einst vom Hauch der Hohen Kunst umfächelt war, hier brettert Kupfer die gleichen Mittel, nur etwas angeschmuddelt auf die Bühne“ (Der Standard).
„Kunzes Text macht Elisabeth zum Nachtschattengewächs.Ein großer Musicalwurf ist es nicht! (Kronen Zeitung) usw.
Doch was die Kritiker nicht bedachten war das Publikum.
Elisabeth wurde wie kein zweites Musical zuvor und danach geliebt. Einzig „Tanz der Vampire“ kann denselben Erfolg verbuchen, wie Elisabeth 1992.
Aber Tanz der Vampire eröffnete erst am 4.10.1997, mit einem grandiosen Steve Barton, die Pforten.
Peter Weck erzählt:
„Das Medienecho war für die Darsteller natürlich furchtbar deprimierend. Um mein Ensemble zu trösten und zu beruhigen, allen das verdiente Lob auszusprechen, ging ich damals von Garderobe zu Garderobe und habe Künstlerinnen und Künstler aufgebaut und ihnen versichert, dass diese Kritiken nicht gegen sie, sondern einzig und allein gegen mich gerichtet seien. … Der Erfolg beim Publikum aber wog alles auf, und Elisabeth hat letztendlich bewiesen, dass ein „Kaiserinnen-Schmarrn“ kein Schmarrn sein muss.“ (5)
Maya Hakvoort Foto: Alexander Ch. Wulz
Die Saison von Elisabeth dauerte 4 Jahre und wurde bis am 25.4.1998 gespielt. Mozart löste Elisabeth im Elisabeth Jahr ab – zum 100jährigen Todestag von Kaiserin Elisabeth (10.9.1998) ertönte Mozart aus den Mikrophonen der VBW Darsteller.
Ab 1994 übernahm Maya Hakvoort die Rolle der Elisabeth und spielte diese bis zum 25.4.1998. Mit ihr gingen und kamen neue Gesichter. Uwe Kröger spielte noch eine Zeitlang, genauso wie Andi Bieber, Viktor Gernot, aber auch sie wurden durch Paul Kribbe, Thomas Harke oder Leon van Leeuwenberg mit der Zeit ersetzt und auch hier gab es später wieder einen Castwechsel.
Pia Douwes, Uwe Kröger, Foto: Theater des Westens
Pia Douwes über ihre Rolle:
„Ich war zunächst platt, ich war fertig. Diese Rolle hat mich sehr mitgenommen – aber auch diese Frau. Ich erkenne mich in ihr. Ich verstehe ihre Depressivität, und wie es ist, manchmal überfordert zu sein, mit zu vielen Menschen. Ich verstehe ihre Tierliebe, Liebe zur Natur und zu Sprachen. Ich habe sie so gut verstanden, dass ich sie mit nach Haus genommen habe, und musste erst nach und nach lernen, sie im Theater zu lassen.“ (6)
Über die Rolle zum „Tod“ befragt, die er nachhaltig kreiert hatte, gab Uwe Kröger die Antwort:
„Bei der Erarbeitung der Rolle hat mir sehr geholfen, dass Harry Kupfer eine ganz präzise Vorstellung von dem hatte, was der Tod macht – vor allem in „Der letzte Tanz“. Das ist der Bruch des Surrealen – ein Geist zu sein, für den es sich seltsam anfühlt, menschlich zu sein. Man ist ein Gott des Universums, der unfassbare Gevatter Tod – und doch hat man so etwas wie menschliche Gefühle. Die Figur darf nie eindimensional werden – das war Harry Kupfer ganz wichtig.“ (7)
Was danach folgte, ist legendär für dieses Stück. Es ging um die Welt.
Seit 16.2.1996 (immer wieder mit Unterbrechungen) spielt Elisabeth in Takarazuka Revue Theater in Takarazuka; also in Japan.
Ungarische Aufführung Foto: RoseDiMontague
Am 17.8.1996 folgte die Aufführung in Ungarn. Die Freilichtbühne Szeged war dabei das Ziel. Ab 6.10.1996 wurde es dann im Operettenhaus Budapest gespielt.
Die schwedische Aufführung fand am 30.9.1999 ihre Premiere. Im Musiktheater i Vármland in Karlstad wurde es dann bis zum 9.1.2000 gezeigt.
Pia Douwes in Scheveningen, Foto: Joop van den Ende Theaterproducties
Auch in Holland hielt das Stück Einzug. Genauer gesagt in Scheveningen im Circustheater wurde es ab 21.11.1999 bis 22.7.2001 gespielt. 1999 übernahm die Rolle niemand geringerer als Pia Douwes.
Am 6.6.2000 war im Imperial Garden Theater in Tokio/Japan die Premiere.
Uwe Kröger und Pia Douwes in Essen, Foto: tansytrading.weebly.com
Deutschland musste bis zu seiner Erstaufführung bis ins Jahr 2003 warten. Essen war das auserkorene Ziel.
Das Colosseum Theater lud ab 22.3.2001 bis 29.6.2003 zum Musical ein. Elisabeth und Der Tod wurden von Pia Douwes und Uwe Kröger dargestellt.
Zum 10. Jahrestag des Stückes, lud man die illustren Gäste ins Wiener Konzerthaus. Das Konzert fand am 21.10.2002 statt. Besetzung waren u.a. Pia Doues, Maya Hakvoort, Uwe Kröger, Felix Martin, Ethan Freemann, Thomas Borchert, Viktor Gernot, Else Ludwig, Andi Bieber und Wolfgang Pampel. Viktor Gernot schlüpfte zum definitiv letzten Mal in die Uniformsjacke. Er verließ bereits 1997 das Genre Musical, um ab diesem Zeitpunkt mit den Hektikern Karriere zu machen. Mittlerweile ist er ein gefeierter Comedian und Solokünstler.
Maya Hakvoort und Maté Kamarás, Foto: VBW
Ab 6.10.2003 bis 4.12.2005 kam Elisabeth wieder zurück nach Wien. Maya Hakvoort übernahm erneut die Elisabeth. Máté Kamarás wurde Der Tod und Serkan Kaya Luigi Lucheni.
André Bauer, Maté Kamarás, Maya Hakvoort, Foto: Alexander Ch. Wulz
Maya Hakvoort über die Rolle ihres Lebens: „Ich wollte so nah wie möglich an das Original herankommen. Ich wollte zeigen, wer Elisabeth wirklich war. Um das auf der Bühne glaubhaft zu vermitteln, habe ich wahnsinnig viel über sie gelesen und bin an viele Orte, an, welchen sie auch war, gereist. Ich war auf Korfu, Madeira, natürlich in Bad Ischl und Wien. Aber auch im Schloss Gödöllö in Ungarn und auch sonst bin ich viel durch Ungarn gereist, da ich wusste, wie viel Elisabeth dieses Land bedeutete.“ (8)
Maya Hakvoort vor dem Schloss Miramare in Triest, Foto: Rolf Bock
2x gastierte Elisabeth in Triest im Schloss Miramare. Vom 21.7. – 27.7.2004 und vom 31.7. – 6.8.2005. Beide Male begrüßte Maya Hakvoort ihr Publikum. Ihr zur Seite standen Thomas Borchert als Der Tod und Bruno Grassini als Luigi Lucheni.
Nach Deutschland kehrte es am 6.3.2005 zurück. Im Apollo Theater in Stuttgart gastierte es bis zum 17.9.2006. Nur einige Gastvorstellungen wurden von Pia Douwes gespielt.
Thérèse Karlsson, Tomi Metsäketo. Foto: Turun kaupunginteatteri, Robert Seger
Auch das finnische Publikum durfte sich über unsere Kaiserin Elisabeth freuen. Vom 23.9.2005 bis 30.12.2006 wurde es in Turku im Turun Kaupunginteatteri gespielt.
Die Schweizer Fangemeinde freute sich über Elisabeth in Thun bei den Thuner-Seespielen. Es gastierte vom 19.7. bis 30.8.2006 auf der wunderschönen Seebühne.
Pia Douwes, Uwe Kröger, Berlin Foto: Theater des Westens
Uwe Kröger und Pia Douwes kehrten als Der Tod und Elisabeth nach Berlin auf die Bühne zurück. Vom 20.4. bis 27.9.2008 feierten sie im Theater des Westens furiose Erfolge.
Annemieke van Dam, Foto: VBW
Annemieke van Dam übernahm erstmalig die Rolle bei der großen Europatournee, die sie vom 17.10.2008 bis 25.4.2010 durch Zürich, Antwerpen, München, Frankfurt, Bremen, Bregenz und Düsseldorf führen sollte. Der Tod wurde Oliver Arno, aber auch Uwe Kröger übernahm immer wieder Gastauftritte.
Die zweite Europatournee wurde am 11.10.2011 gestartet und lief bis zum 6.5.2012. Die Städte waren: Köln, Frankfurt, München, Basel, Essen, Bremen, Chemnitz, Erfurt, Leipzig, Dresden, Triest.
Annemieke van Dam übernahm wieder die Elisabeth und Der Tod wurde niemand geringerer als Mark Seibert. Man kann sagen: Er kam – sang – und siegte. Nach Uwe Kröger sollte kein weiterer Tod diesen Hype miterleben, wie Mark Seibert. Seine weitere Karriere ist bis heute grenzenlos: Mozart, Schikaneder, Tanz der Vampire – um nur einige Stationen zu nennen.
Mark Seibert Foto: Herbert Schulze
Mark Seibert über die Rolle: „In einem Musical sind die Rollen in gewisser Weise wie ein Korsett vorgegeben. Man hat die Texte, die Songs und auch das „Staging“ – also die Form, wie ein Darsteller in der Szene agieren muss. Die technischen Abläufe sind im Musical sehr klar festgelegt, und diese Vorgaben bieten nicht sehr viel Freiraum. Doch bei der Interpretation einer Rolle wird einem immer ein gewisser Spielraum eingeräumt, innerhalb dessen man agieren und sich entfalten kann. So durfte ich die Rolle des Todes trotzdem mit meiner eigenen Note versehen und sie zu der meinen machen.“ (9)
Und wer glaubt, dass dieser Triumphzug schon alles war, irrt.
Korea Foto: SCE.PLAY.ssongbs
Selbst Korea war im Elisabeth Fieber. Vom 9.2. bis 13.5.2012, 26.7. bis 7.9.2013 und 14.9. bis 20.10.2013 wurde es an verschiedenen Theatern und Orten aufgeführt. Mit dabei Seoul, Busan, Daegu, Gwangju und Changwon.
Daniela Ziegler, Annemieke van Dam, Foto: barbara2446
Die 20jährige Jubliäumsproduktion wurde wieder in Wien – diesmal im Raimundtheater – eingeläutet. Vom 5.9.2012 bis 1.2.2014 durfte das Publikum wieder „ihre“ Elisabeth in Wien sehen. Cast war niemand anderer als Annemieke van Dam als Elisabeth, Der Tod Mark Seibert und als Luigi Lucheni war erstmals Kurosch Abbasi in Wien zu sehen. Hier gab es eine ganz besondere Erzherzogin Sophie zu hören.
Niemand geringerer als die Grand Dame des Schauspiels und Gesangs Daniela Ziegler – „die“ Norma Desmond aus Sunset Boulevard – übernahm diesen Part.
Roberta Valentini, Maximilian Mann in Shanghai/China, Foto: Liza Makepise
Plakat zum Konzert in Osaka mit Maya Hakvoort, 2012, Foto: kultur-channel.at
Aber auch Osaka/Japan durfte sich über ein 20jähriges Jubiläumskonzert freuen. Vom 15.10. bis 22.10.2012 und vom 26.10. bis 31.10.2012 gastierte es erneut in Japan. Mit dabei waren Maya Hakvoort, Máté Kamarás, Lukas Perman, Bruno Grassini, André Bauer usw.
Als es endlich nach China kam, war der Aufschrei in der Presse riesengroß. Niemals zuvor hat es ein Stück der VBW nach China geschafft. Vom 12.12.2014 bis 11.1.2015 gastierte in Shanghai Elisabeth. Und hier treffen wir auf die vorletzt letzte Elisabeth: Roberta Valentini. „Ihr“ Tod war natürlich Mark Seibert, Luigi Lucheni Kurosch Abbasi.
Roberta Valentini Foto: La Belle/Juliane Bischoff
Roberta Valentini über Elisabeth: „Sie ist eine starke, selbstbewusste und liebende Frau. Viele sagen, dass sie egoistisch sei, was sicher auch in gewisser Weise stimmt. Aber sie ist auch eine einfühlsame und liebende Frau. Diese Balance zu spielen ist schwer und gleichzeitig auch das Reizvolle daran.“ (10)
Mit dieser Besetzung ging die 3te und vorläufig letzte Europatournee los. Vom 25.2.2015 bis 14.2.2016 führte die Tournee nach Essen, München, Linz, Frankfurt und Berlin
Und wer Elisabeth jemals gesehen hat, wird wissen, dass dies nicht die letzte Aufführung gewesen sein wird.
Auch Schloss Schönbrunn führte die „konzertante“ Version von „Elisabeth“ mehrfach auf. 2019 fand das erste Mal im Ehrenhof des Schlosses die Aufführung statt, 2024 wurde es zum Letzten Mal aufgeführt.
Foto: SHOW FACTORY Entertainment
Die Rolle der Elisabeth wurde geteilt. Die „junge“ Elisabeth wurde von Abla Alaoui gespielt, die „alternde“ Kaiserin übernahmen (je nach Jahr) die Damen Maya Hakvoort und Annemieke van Dam. Bei „Ich gehör nur mir“ war der sensationelle Wechsel, der dem Zuschauer im Ehrenhof Gänsehaut Momente bescherte.
Einen eigenartigen Aufschrei gab es als Gino Emnes, der gefeierte Musicaldarsteller aus „Rocky“ (Hamburg) die Rolle des „Tod“ übernahm. Dass immer noch eine Hautfarbe abhängig von einer Schauspielleistung ist, werde ich niemals verstehen.
Foto: VBW/Manfred Szieber Gino Emnes mit Annemieke van Dam Foto: VBW/Manfred Szieber Abla Alaoui als „junge“ Elisabeth
Foto: SHOW FACTORY Entertainment/Katharina Schiffl André Bauer und Abla Alaoui
Die einzige Anmerkung die ich dazu geben möchte ist, wenn man schon die Rolle der Kaiserin teilt, dann sollte man auch die des Kaisers teilen. André Bauer spielt schon seit Jahren Kaiser Franz Joseph und er macht das wirklich sehr gut. Allerdings sei hinzugefügt, dass André nun ebenfalls in einem Alter ist, in welchem die „junge“ Elisabeth eher wie seine Enkelin aussieht und nicht wie seine Frau. Immerhin war Elisabeth im realen Leben nur 7 (!) Jahre jünger, als der reale Franz Joseph.
Auch wenn sich das Stück im Laufe der Zeit verändert hat, Lieder hinzugeschrieben, Szenen verschwanden oder umgeändert oder neu platziert wurden, so ist dieses Musical etwas ganz besonderes.
Auch, wenn mir persönlich nicht alle Änderungen gefallen und ich so manch Kostüm scheußlich finde – der Charakter ist geblieben. Aber 1992, ja 1992 war etwas ganz besonderes. Und wer dabei war, wird jetzt ein kleines Lächeln auf den Lippen haben…
Zum Schluss möchte ich noch Sylvester Levay zu Wort kommen lassen, der sicherlich am meisten geprägt wurde. Seine Frau Monika Levay ist eine anerkannte Expertin und Sammlerin. Ihre Original Exponate waren schon oftmals in mehreren Ausstellungen zu sehen; oft wird sie zu Expertisen rund um Kaiserin Elisabeth herangezogen. Sylvester Levay kann Kaiserin Elisabeth gar nicht entfliehen – immerhin bewohnt er einen Teil im Schloss Schönbrunn und hat sie somit täglich vor Augen.
„Wir wollten kein Musical, wie es auch wunderbare Stücke am Broadway gibt, schreiben, in denen Lieder von kurzen Texten, in denen die Geschichte erzählt wird, unterteilt werden. Bei uns sollten nur die wichtigsten, kurze Sätze in der Stille wirken, sonst wollten wir immer eine Untermalung, damit die emotioniale Bedeutung und Tiefe der gesprochen Worte durch die Musik noch besser vermittelt wird.“ (11)
Sylvester Levay Foto: ooe.orf.at
Und das können wir so stehen lassen…
Bleibt nur noch eines, was es zu sagen gibt:
Wir Zuseher müssen auch mal DANKE sagen:
DANKE LIEBER MICHAEL KUNZE, SYLVESTER LEVAY, PETER WECK, HARRY KUPFER, PIA DOUWES, UWE KRÖGER, ETHAN FREEMANN, MAYA HAKVOORT, MÁTÉ KAMARÁS, ROBERTA VALENTINI, MARK SEIBERT UND ALLE ANDEREN
(WER NICHT AUFGEZÄHLT WURDE, SOLL SICH BITTE NICHT BENACHTEILIGT FÜHLEN).
Danke für die wunderbaren Theaterstunden. Wir freuen uns bis zur nächsten Aufführung, wenn es wieder heißt:
Alle tanzten mit dem Tod, doch niemand wie …
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Petra Schimbäck
Rechtliche Hinweise:
Text + Recherchen: Petra Schimbäck Bildrechte: ooe.orf.at, La Belle/Juliane Bischoff, Liza Makepise, barbara2446, SCE.PLAY.ssongbs, VBW, Thuner Festspiele, Theater des Westens, Robert Seger, Rolf Bock, Alexander Ch. Wulz, tansytrading.weebly.com, tansytrading.weebly.com, Joop van den Ende Theaterproductions, Jean-Marie Bottequin, Amazon.de, angelofthemusical, APA (Privat), lewin-management.de, Takarazuka Revue Theater, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Literatur Hinweise:
1 – S 299/300, 5 – S 303 Peter Weck War’s das? Amalthea 2010, 1. Auflage
2 – S 4, 3 – S 10, 4 – S 35, 6 – S 21, 7 – 27, 8- 99, 9 – S 171, 11 – S 8 Blickpunkt Musical Elisabeth
10 – S 7 Blickpunkt Musical Elisabeth – Shanghai & Europa Tournee 2015/16
Peter Back-Vega Theater an der Wien: 40 Jahre Musical Amalthea Verlag, Wien 2008
Attila E Láng 200 Jahre Theater an der Wien Holzhausen Verlag, 2001
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth Bild: F.X: Winterhalter
– wie soll man aufbegehren, wenn man kaum atmen kann?
Dieses Zitat in der InStyle Dezember 2025 von Zoë Bleu war die Inspiration für mich, euch diesen Beitrag zusammenzustellen, den es in ähnlicher Form bereits einmal gab.
Das gesamte Zitat lautet:
„Das Korsett aus dem 19. Jahrhundert, die Mina trägt sind optisch toll, aber sehr einengend für den Körper. Aber das war damals natürlich Sinn der Sache. Frauen wie Mina sollten kleingehalten werden – wie soll man aufbegehren, wenn man kaum atmen kann?
Zoë Bleu (Tochter von Patricia Arquette) spielt die Doppelrolle von „Mina & Prinzessin Elisabeta“ im neuen Dracula-Film „Dracula – Die Auferstehung“.
Natürlich geht es hier nicht um Filmkleidung, sondern um die echte, reale Kleidung jener Person, um die es hier immer geht: Kaiserin Elisabeth
Jedoch stimmt das Zitat mehr, als man jemals das 19. Jahrhundert beschreiben konnte. Es gilt für alles: es gab keine Rechte für die Frauen! Sie hatten Schön zu sein, Kinder zu bekommen, sich karitativen Zwecken kümmern (sofern überhaupt schon vorhanden) und das Wichtigste überhaupt: Still zu sein!
Die Schönheit der Kaiserin wird ein eigenes Thema darstellen, ebenso das Frauenbild des 19. Jahrhunderts, welches ihr allerdings schon als #1 Folge des Podcasts „Sisi – der Podcast“ anhören könnt.
Deshalb widme ich diesen Beitrag der Qual des Korsetts, der Krinoline und der Tournüre.
Aber natürlich muss ich auch hierzu weit ausholen, denn das Modethema ist komplex.
Foto: Wikimedia/Commons Charlotte Prinzessin von Belgien, 3jährig Bild: F.X.Winterhalter
Wir beginnen mit der Kindheit von Herzogin Elisabeth, welche bestimmt wurde durch die Mode des Biedermeiers, man verzichtete teilweise auf das Korsett, oder zumindest auf eine übermäßig feste Schnürung .
In unserer Zeit können wir auf Instagram und Co Accounts folgen, auf welchem Töchter und Mütter die gleichen Kleider tragen. Das „mini me“ sozusagen. Doch das ist keine Erfindung der Social Media Kanäle, dies gab es schon immer und vor allem in den vergangenen Jahrhunderten. Die Töchter aus adeligem Haus oder gutem Bürgertum, wurden wie die großen „Vorbilder“ Mutter eingekleidet. Selbstverständlich immer von Bediensteten!
Foto: Wikimedia/Commons Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Gisella
Die weiten Röcke der Kleider waren kurz, so dass die mit Rüschen und Spitzen verzierten Beinkleider sichtbar waren und zumindest ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit erlaubten.
Foto: Wikimedia/Commons
Die Buben trugen lange Hosen und darüber ein kurzes Kleid. Wer es sich leisten konnte, kleidete seinen Sohn mit einem Matrosenanzug, der uns das gesamte restliche 19. Jahrhundert als beliebtestes Kleidungsstück für Knaben begleiten wird.
Die Damenmode veränderte sich etwa ab der Mitte der 1830er Jahre wesentlich und zeichnete sich durch eine Silhouette aus, die vor allem ein kegelförmiger, weiter Rock ausmachte.
Der wiederum wurde durch eine Vielzahl von Unterröcken in eine immer breitere Form gebracht.
Foto: Wikimedia/Commons
Ab etwa 1835 wurde wieder eine deutliche Taillenbetonung sichtbar, denn auch die Biedermeier-Mode änderte sich innerhalb ihrer Epoche.
Durch das Korsett rückte die Taille wieder optisch an ihren Platz und wurde so im Vergleich zur Zeit des vergangenen Empire-Stils, in der sie gar nicht zu sehen gewesen war, wieder sichtbar.
Reifröcke und Korsetts waren ab sofort wieder Kleidungsteile, die in keinem Fall fehlen durften, um die Weite der Röcke zu erreichen und außerdem eine schlanke Taille zu vermitteln.
Das absolute Highlight dieser Zeit waren jedoch die ausgefallenen Ärmeln.
Man nannte sie nicht nur Ballon- bzw. Schinkenärmel oder sogar Hammelkeulenärmel, sie sahen auch tatsächlich so aus. Um diese aufgebauschte Form zu erreichen, musste man diese Ärmel mit Rosshaar- und/oder Fischbeinstäbchen verstärken. Über diesen Unterbau drapierte man dann den Stoff, der in Falten gelegt wurde. Einen ähnlichen Faltenwurf hatte das Kleid dann auch am Dekolleté.
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Sophie
Die verwendeten Stoffe waren gemustert. Man bevorzugte Karos, Streifen und auch diverse Blumenmuster.
Einfarbige, glänzende Stoffe waren für die Abendgarderobe bestimmt. Dafür wurden dann hauptsächlich Seidenstoffe oder andere edle Materialien verarbeitet.
Was aber besonders charakteristisch für diese Mode war die Schute.
Foto: Wikimedia/Commons
Ein Hut der unter der Kinnpartie mit Bändern gebunden wurde, so dass eine Schleife entstand. Die Krempe das Gesicht. Es gab die Schute aus geflochtenem Stroh oder aus Stoff. Die Hüte aus Stoff hatten einen Unterbau aus Drahtgestell, über das der Stoff gespannt wurde. Je nach Jahreszeit wurden die Hüte sogar wattiert oder mit einem wärmenden Polster ausgestattet. Solche Hüte wurden aufwendig mit Blumen und Federn, mit Früchten und Tüll verziert.
Zu allen Zeiten versuchte man den weiblichen Körper der Mode anzupassen, anstatt wie es in vielen Fällen bestimmt gesünder gewesen wäre, die Mode an den Körper der Frau anzupassen. Es war also nicht „nur“ Kaiserin Elisabeth, welche Wert auf eine schmale Taille legte. Generationen von Frauen taten dies vor ihr. Nur ihr, wird das immer noch – bis heute (!) – vorgeworfen!
Wenn ihr nicht wisst, wie man eine Wespentaille von 50 cm bekommt, dann werde ich euch das jetzt ein wenig erklären.
Die Definition für das Korsett lautet: „als Korsett bezeichnet man ein steifes, zur Unterkleidung gehöriges Kleidungsstück, dass eng am Körper anliegt, und diesen den jeweiligen Modelinien entsprechend formt“
Das Wort Korsett wurde in Frankreich geboren. Aus dem lateinischen „corpus“ wurde der Körper frz. „le corps“ zu „le corpsette” verkleinert, um diesem Kleidungsstück einen eigenen Namen zu geben und daraus entstand schließlich „le corset“.
Oft werden auch die Begriffe Schnürleib, Schnürbrust und Mieder genannt, der Unterschied besteht darin, dass Schnürleib bzw. Schnürbrust als eigenständiges Kleidungsstück unter der sichtbaren Kleidung getragen, das Mieder jedoch als sichtbares Kleidungsstück außen getragen wurde. Wir kennen es heute vor allem in der Trachtenmode immer noch.
Auch wenn es in der Antike nicht üblich war, fand man Hinweise, dass an hohen Feiertagen korsettähnliche Kleidungsstücke getragen wurden.
Foto: muellerundsohn.com
Auf Knossos fand man eine Statuette der Schlangengöttin, das Besondere daran ist ihre dargestellte Kleidung. Sie zeigt eine stark geschnürte Taille durch eine Art Mieder, welches die nackten Brüste fest umschloss und zum anderen die Aufteilung in Rock und Oberteil, eine Ausnahme in dieser Zeit.
Die Griechen und Römer verwendeten Bänder und Gürtel, um die Taille schmal und den Busen hoch zu halten.
Man unterschied zwischen:
1. Brustbänder, die über dem Hemd getragen wurden 2. Brustbänder, die direkt auf dem Körper getragen wurden 3. Bänder (Gürtel), die um die Taille gelegt wurden
Im Mittelalter trug man möglicherweise korsettartige Unterwäsche, die nur zur Haltungskorrektur, aber nicht zur Körperformung diente. Man verwendete Leibbinden um den Körper zu formen und den Busen zu heben. Die Kleider wurden mit aussenliegenden Schnürwerk zusätzlich in Form gebracht.
Im 15.Jahrhundert war das Schnürmieder noch relativ weich. Es bestand aus verzierten Baumwollstoffen oder aus Ziegenleder und wurde mit Bändern geschnürt. Es endete unter der Brust und reichte knapp bis zur Hüfte.
Ab 1500 n.Chr. wurde das Mieder aus zwei oder mehreren Schichten gestärkten Leinens mit Fischbein-, Eisen oder Holzschienen versteift um zusätzlichen Halt zu erreichen, in die vordere Mitte wurde das Blankscheit, ein oftmals kostbar verziertes Holzstück eingeführt.
Dieses versteifte Oberteil nannte man in Frankreich cors, im neufranzösischen dann corps.
Foto: Wikimedia/Commons Queen Eliszabeth I. *7.9.1533, Greenwich; †24.4.1603, Richmond
An kleinen angenähten Ösen konnte man die Strümpfe befestigen. Die vordere Mitte nannte man Schneppe, sie lief spitz zu. Manche Modelle drückten die Brüste flach mittels eingearbeiteter Bleiplatten und sollte somit die weibliche Form aufheben.
Aus dem 16., Anfang 17. Jahrhundert ist bekannt, dass es auch aus Eisen geschmiedete und mit Samt ausgelegte Korsettmodelle mit eingearbeiteter Brust oder unterhalb des Busens endend, gab. Diese Metallkorsetts dienten aber eher medizinischen Zwecken.
Bis zur französischen Revolution blieb diese Form annähernd gleich, wobei man damals nicht von einem Korsett sprach, sondern von einer „Schnürbrust“ oder „steifen Mieder“.
Foto: muellerundsohn.com
Zu Beginn der Barock (ca. 1615-1715) bekam der bis dahin flach geschnürte Busen wieder mehr Bedeutung, durch eingearbeitete Rundungen und teilweise sogar Polsterungen wurde er nun wieder bewusst betont.
Die Dekolletés wurden immer tiefer, so dass man gegen Ende des 17. Jahrhunderts fast vollständig entblößte Brüste hatte. Eigens eingearbeitete „Steißrollen“ dienten dazu, die ausladenden, schweren Röcke zu stützen. Die Modelle dieser Zeit wurden bereits aus kostbareren Materialien hergestellt und mit Rohr oder Fischbein verstärkt.
Foto: muellerundsohn.com
Mitte des 17. Jahrhunderts trug man zb in Spanien das Korsett sichtbar als Oberteil des Kleides. Es hatte eine überlange spitze Schneppe und war in der Brustmitte stark ausgepolstert, um eine gerade Fläche zu erzielen. Ein solches Stück reichte von der Hüfte bis zur Achsel und glich eher einer Rüstung als heutiger Unterwäsche.
Der Unterschied zu späteren Modellen liegt hauptsächlich darin, dass man bei der sogenannten Schnürbrust jedes Mal die Kordel zur Gänze entfernen musste.
Im Rokoko (ca. 1715-1790) kam der Beruf des Tailleur de corps à baleine (Fischbeinleibschneider) auf, man entwickelte bessere Passformen durch die Verlängerung über die Hüfte und das Einsetzen von Laschen um den Körper gezielter zu formen. Zu dieser Zeit wurde die Schnürbrust wieder hauptsächlich als Untergewand getragen.
Foto: muellerundsohn.com
Mehrlagiges Leinen durch eng aneinander liegende Stäbe versteiften es fast vollständig, in der vorderen Mitte wurde nach wie vor ein Blankscheit eingesetzt. Die Oberbekleidung bestand aus Brokat, Seide, Satin, Atlas und Spitze und wurde mit Goldstickerei verziert.
In England distanzierte man sich zum französischen Modestil und begann nur noch am Rücken und auch nicht mehr ganz so straff zu schnüren
Während des Klassizismus (ca. 1789–1814) wurde, auch durch die französische Revolution das Korsett so gut wie abgeschafft und man trug lediglich einen Brustgurt. Ab 1810 bevorzugte man dehnbare Untermieder aus Baumwolltrikot.
Foto: muellerundsohn.com
Im Biedermeier wurde das Korsett schon bald zum gesellschaftlichen Ausdruck von Moral und Anstand und somit zum zwingenden Bestandteil jeglicher Damengarderobe.
Vom Hochadel bis zum Mittelstand schnürten sich die Damen auf bis zu 40 cm Taillenumfang. Das Korsett wurde als eigenständiges Wäschestück nur noch unter dem eigentlichen Kleid getragen, war aber dennoch aufwendig verstickt oder bestickt. Es reichte weiterhin über die Hüfte, die nun durch angepasste Zwickel noch stärker geformt werden konnte. Insgesamt bestand ein solches Korsett aus bis zu 13 Einzelteilen. Ab 1828 wurden die Schnürlöcher, die bisher mit Seidenfäden umnäht wurden durch Metallösen verstärkt.
Foto: muellerundsohn.com
Man ersetzte das hölzerne Blankscheit durch ein zweigeteiltes mit Haken und Ösen versehenes Metallstück, wodurch das An- und Ausziehen wesentlich erleichtert wurde!
Wurde ein Korsett bisher maßangefertigt, begann man nun, sie industriell herzustellen und sie zusätzlich durch Dampf in Form zu pressen.
Gegen Ende des 19. Jahrhundert wurden Federstahlbänder, Stahlspiralen oder Hornstäbe dazu verwendet den Körper in Form zu zwingen. Durch die industrielle Fertigung wurde das Korsett zur Massenware und somit für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich. Eigene Webtechniken ermöglichten die Fertigung in einem Stück wodurch der Tragekomfort durch das Wegfallen störender Nähte erheblich stieg.
Foto: muellerundsohn.com
Das Aufkommen der Krinoline ließ das Formen der Hüfte unnötig werden und somit wurde auch das Korsett wieder kürzer! Die Korsettstäbe in Vorder- und Rückenteil waren in der Taille stark konkav gebogen und verstärkten somit den Eindruck der Wespentaille zusätzlich.
Die Erfindung der Nähmaschine 1863, löste die Webtechnik ab und revolutionierte die Korsettfertigung, da die aus Einzelteilen zusammengenähten Korsetts eine wesentlich höhere Passform aufwiesen und preiswerter in der Herstellung waren. Man achtete mehr auf Hygiene und begann das Korsett über einem weiterem Wäschestück zu tragen.
Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erwies sich Fischbein, das aus den Barten des Wales gewonnen wurde, als ideales Versteifungsmaterial. Dieses sehr steife und zugleich biegsame Material trug nicht unwesentlich dazu bei, dass diese großen Meeressäuger gejagt wurden.
Zwischen 1870-1890 änderte das Korsett erneut die Form, die „Kürass Taille“ war höher gelegen und sehr lang gezogen. Es war vorne stark verlängert und schloss den Bauch rund ein, auch die Hüften wurden wieder mit geformt, da die Kleider nun enger wurden.
Foto: muellerundsohn.com
Die Brust wurde bewusst angehoben um die Taille optisch weiter zu verlängern, dadurch benötigte man ein eigens entwickeltes Löffelblankscheit aus Metall um ausreichend Stützung zu erhalten. Die ideale Taille lag zu dieser Zeit zwischen 43 und 53 cm!
In der Zeit des Belle Epoche bekam das Korsett eine gerade Form, die sogenannte „Sans Ventre“ (frz. ohne Bauch) Korsettform. Diese wurde als S-Linie bekannt, da sie den Körper in eine S-förmige Haltung zwang.
Foto: muellerundsohn.com
Der Oberkörper wurde dadurch nach vorne gedrückt und man so ins Hohlkreuz gezwungen wurde, was wiederum das Gesäß zusätzlich betonte! Am Korsett waren zu dieser Zeit direkt Strumpfhalter angebracht.
Spätestens mit Ausbruch des ersten Weltkrieges war auch dieses Korsett endgültig Geschichte und machte so Platz für moderne Damenunterwäsche.
Welche Auswirkungen diese Art der Mode auf den weiblichen Körper hatte, kann man noch anhand von erhaltenen, anatomischen Zeichnungen erahnen.
Der Brustkorb verformte sich, Organe verschoben sich nach oben und unten. Besonders wenn bereits während der Wachstumsphase mit dem Tragen eines Korsetts begonnen wurde!
Die Folgen waren Deformierungen im Brust und Bauchbereich, Kurzatmigkeit durch die Bewegungseinschränkung des Brustkorbes bei der Ein- und Ausatmung. Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule durch Verlust der Rückenmuskulatur, da das angelegte Korsett ja eine Haltefunktion übernahm, die ohne nicht mehr gegeben war.
Foto: vitorianssecret.com
Der eine ohne andere Ohnmachtsanfall war sicher dem Tragen des Korsetts geschuldet.
Auch heute noch gibt es einige wenige Damen die sich freiwillig diesem extremen Modediktat längst vergangener Zeiten unterwerfen.
Je länger man ein Korsett trägt, desto mehr verformt sich natürlich auch der Körper. Die Organe rutschen nach oben bzw. unten, die Rippen derfomieren sich und auch die Wirbelsäule wird belastet. Damen, so auch Kaiserin Elisabeth, die täglich mehrere Stunden lang ein Korsett trugen, mussten dieses ununterbrochen tragen, also auch nachts. Es gab keine andere Möglichkeit mehr, den derformierten Körper anders zu stützen.
Auch hier möchte ich betonen, dass dies Kaiserin Elisabeth nicht zum Spaß tat, sondern, dass sie dazu gezwungen wurde. Dieses Schönheitsideal wurde von jeder Frau im 19. Jahrhundert verlangt!
Ethel Granger besaß die wohl schmälste dokumentierte Taille mit 13 Zoll bzw 33 cm Umfang!
Zum Vergleich: Die Taille von Kaiserin Elisabeth betrug 50 cm!
Foto: peoplestrive.com Cathie Jung In The Guinness Book Of Records
Den zweifelhaften Weltrekord an einer lebenden Frau, hält die Amerikanerin Cathie Jung, die sich zu besonderen Anlässen auf 38 cm Umfang schnürt.
Nun war das Korsett aber nur der formgebende Teil der Unterbekleidung und längst nicht das Einzige was eine Dame „darunter“ trug.
Als unterste Schicht trug man eine Chemise, eine Art Unterhemd, als Schutz für das Korsett, dieses „Unterkleid“ wurde oft auch als Nachtgewand verwendet. Man trug es Tag und Nacht, am nächsten Morgen legte man ein Neues an.
Foto: neheleniapatterns.com
Natürlich immer abhängig von Stand und finanziellen Mitteln, so war es durchaus nicht ungewöhnlich das diese Wäschestücke 2 bis 3 Tage oder manchmal auch länger getragen wurden. Gefertigt wurde dieses Wäschestück meist aus feinem Leinen, oftmals mit Biesen und Spitzen verziert. Am Halsausschnitt wurde ein Zugband einzogen, um die Passform zu optimieren.
Die Unterhosen der damaligen Zeit waren, wohl auch auf Grund der Reifröcke im Schritt offen, um den Damen den Gang zur Toilette zu erleichtern.
Auch heute noch, erweist es sich als vorteilhaft auf ein solches „offenes Beinkleid“ zu setzen, wenn man Korsett und Krinoline trägt. Ihr könnt mir glauben, eine „moderne Unterhose“ unter ein geschnürtes Korsett zu stopfen und das unter einer Vielzahl von Unterröcken, dazu noch Krinoline und Kleid in einem viel zu kleinen WC, ist beinahe unmöglich!
Da die Beine des guten Stücks recht weit geschnitten sind, überlappt der Stoff derart, dass es weder kalt wird, noch in irgendeiner Weise unangenehm zu tragen ist.
Auch hierbei wurden oftmals Biesen als Verzierung an den Beinabschlüssen angebracht, Spitzen waren Geschmackssache und mit Sicherheit auch eine Geldfrage. Die Hose wurde am Rücken durch ein Zugband verschlossen.
Foto: Dorotheum Wien Unterwäsche und Strümpfe von Kaiserin Elisabeth
Das Korsett war Pflicht, die Wespentaille ein Muss, das schnüren an sich war alleine unmöglich und konnte sich schon mal über mehrere Stunden hinziehen.
Foto: Wikimedia/Commons
Es waren edle Stoffe gefragt. Aufwändige Schnitte wurden aus Brokat oder Atlas, aus Samt oder Seide, Taft und Moiré gefertigt.
Foto: Wikimedia/Commons
Unmengen Stoff waren nötig, um die weiten Rockteile besonders üppig aussehen zu lassen. Im gesamten Viktorianischen Zeitalter, benannt nach der Regierungszeit der britischen Königin Viktoria (1819-1901) von 1831-1901, versuchten die Damen der feinen Gesellschaft sich auf diese Art und Weise zu übertrumpfen.
Doch in Zeiten der Influencerinnen die alle gleich aussehen, ist uns auch dies nicht Fremd geworden.
Abends trug man Schulterfrei, tagsüber hauptsächlich hochgeschlossen.
Schirm, Fächer und Hut rundeten das Aussehen ab und waren untrennbar miteinander verbunden.
Foto: Wikimedia/CommonsFoto: Wikimedia/Commons
Eine Schwangerschaft im 19. Jahrhundert wurde nicht vertuscht in dem Sinne, aber auch nicht stolz präsentiert, wie man es heute kennt. Der nackte Bauch wäre ein no go gewesen. Hier war die amerikanische Schauspielerin Demi Moore für viele Nachahmerinnen auf der ganzen Welt Vorreiterin.
Das Korsett musste auch in der Schwangerschaft getragen werden, wuchs aber während dieser mit.
D.h. die Schnürung wurde immer wieder erweitert und ein sogenanntes „wachsendes Korsett“ wurde umgelegt.
Foto: Wikimedia/Commons Queen Victoria F.X. Winterhalter
Als man das Bild von Kaiserin Elisabeth im Morgenmantel mit offenen Haaren im Arbeitszimmer von Kaiser Franz Joseph fand (nach seinem Tod), war man sehr verwundert.
Dieses Bild war für die Entstehungszeit (1865) sehr frivol und freizügig.
Schon Königin Victoria sorgte mit ihrem Bild und den offenen Haaren für einen Skandal, als es öffentlich wurde (sie ließ es für ihren Albert zum Geburtstag anfertigen).
Wir befinden uns in den Jahren 1860–1870, der Zeit des Höhepunktes der Schönheit von Elisabeth!
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth mit offenem Haar Bild: F.X.Winterhalter (dieses Bild steht bis heute am selben Platz – am Schreibtisch von Kaiser Franz Joseph. Heute im Sisi-Museum zu sehen).
Modisch betrachtet nennt man dieses Jahrzehnt auch das 2. Rokkoko.
Drei Namen prägten dieses Jahrzehnt wie niemand anderes.
Königin Eugenie von Frankreich, Kaiserin Elisabeth von Österreich und Charles Frederick Worth
Foto: Wikimedia/Commons Königin Eugenie von Frankreich Bild: F.X.WinterhalterFoto: ÖNB Kaiserin ElisabethFoto: Wikimedia/Commons Charles Worth
Die edlen Materialien, die Worth verwendete waren Tüll, Spitze, Pailletten, Samt, Seide, Brokat u. a. machten die Kleider so teuer, dass selbst die Damen von hohem Rang den neuesten Trends nur folgen konnten, in dem sie vorhandene Kleider wieder ändern ließen, anstatt stets neue zu bestellen.
Kein anderer verstand es, Kleider mit solch perfektem Sitz zu kreieren. Hier zeige ich euch also zwei Skizzen die noch nie öffentlich gezeigt wurden. Diese Kleider wurden für Kaiserin Elisabeth von Charles Worth angefertigt.
Noch nie gezeigte Skizze von Charles Worth KLeid für Kaiserin Elisabeth Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – PetraNoch nie gezeigte Skizze von Charles Worth Kleid für Kaiserin Elisabeth Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Alle Kleider waren Einzelanfertigungen, nie gab es ein Modell zweimal!
Foto: Sascha Rieger ungarisches Krönungskleid, 1867 Entwurf: Charles Worth
Immer wieder werde ich nach „Schnittmustern“ der Kleider von Kaiserin Elisabeth gefragt: es gibt keine! Die Schneider der hohen Herrschaften verwendeten aufs Maß genau ebensolche Schneiderpuppen, um die Kleider direkt an diese anzufertigen. Erst dann wurde an der hohen Frau anprobiert. Bedenkt bitte, dass eine Zofe weder Kaiserin Elisabeth, noch eine Königin jemals berühren durfte! Wie diese also tatsächlich die Damen angezogen haben, ist nicht überliefert!
Gegen Ende der 60er Jahre beschäftige Worth mehr als 1200 Näherinnen und erschuf unvergessliche Kreationen, wie z.B. das Sternenkleid!
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth im berühmten Sternenkleid Bild: F.X.Winterhalter, 1865
Es war das Jahrzehnt der Krinoline, die 1865 ihren Höhepunkt erreichte.
Durch Rosshaar und Stahlbänder erreichte man enorme Umfänge, wodurch man natürlich dementsprechende Mengen an Stoff und Aufputz benötigte.
1867 kam man langsam von diesen extremen Umfängen ab, 1869 wurde die Krinoline fast vollständig durch die Tournüre ersetzt.
Foto: Wikimedia/Commons
Während die Röcke im Prinzip immer gleich waren, variierten die Oberteile je nach Anlass und Tageszeit. Ein Ausschnitt, der die Schultern zeigte, war ebenso möglich wie ein kleines spitzes Dekolleté oder eine hochgeschlossene Variante.
Auch die Ärmelschnitte ließen zahlreiche Varianten zu. Am Unterarm waren sie meist anliegend. Es gab Kleider, die durch einen halben Ärmel auffielen und es gab Kleider, die lange Ärmelschleppen hatten, besonders in Russland beliebt.
Foto: Wikimedia/Commons
Je nach Wetter und Anlass wurden über diese riesigen Krinolinenkleider halblange Mäntel getragen. Mit Hut und Fächer war eine Dame letztendlich perfekt gekleidet.
Die Chemise und das Beinkleid zählt man aus dem einfachen Grund zur „Wäsche“ da diese im Gegensatz zum Korsett gewaschen werden konnten.
Was nun aber noch fehlt ist die Krinoline, auch Reifrock genannt.
Foto: neheleniapatterns.com
Im Biedermeier trugen die Damen mehrere Stoffunterröcke übereinander. Man begann Rosshaar in diese Röcke einzunähen, daraus entstand dann die Krinoline.
Ca. 1850 begann man diese Rosshaarkrinolinen durch Federstahl zu ersetzen. Der Saumumfang der Röcke stieg auf bis zu unglaubliche 8 Meter an.
Man kann sich vorstellen, wie unpraktisch das sein musste. Sogar damals gab es schon Karikaturen und Photographien in den Zeitungen, die sich über diese Art der Extreme lustig machten.
Foto: Wikimedia/Commons
Der Hauptunterschied zwischen modernen Reifröcken wie man sie heutzutage unter Brautkleidern trägt, ist die Gestaltung der Form. Heutzutage haben die gängigen Unterröcke eine sogenannte „A“ Form, während die Krinolinen des 19. Jhd. kuppelförmig waren. Heute verwendet man Großteils leichte Kunststoffstäbe um die schweren Stahlbänder zu ersetzen. Denn ihr könnt mir glauben, 60 m Stahlbänder sind auch nicht leicht zu tragen.
Foto: ÖNB Kaiserin Elisabeth
Kaiserin Elisabeth trug lange und gerne Krinolinen, selbst dann noch eine Zeit lang, als längst die „Tornüre“ Einzug hielt.
Hier in einem weißen, hochgeschlossenen Tageskleid, mit Rüschen, Brosche am Hals, Schmuck und Volantärmel.
Dieses Bild ist knapp vor ihrer Madeira-Reise 1859 von Ludwig Angerer aufgenommen worden. Man sieht ihr die Blässe und die magere Gestalt an. Zu dieser Zeit hatte sie gerade das Laxenburg-Lazarett hinter sich gebracht, in welchem Sie sich aufopferungsvoll um ihre Tochter Gisella, welche auch noch krank wurde, und die Massen an Soldaten, gekümmert, welcher ihr Kaiser Franz Joseph aus dem Solferino-Krieg täglich per Zug schickte.
Zu Beginn waren Krinolinen gleichmäßig rund, ab ca. 1860 wurden sie jedoch mehr und mehr elliptisch.
Doch die elliptische Form setzte sich nicht wirklich durch, weshalb man diese kaum sah.
Kaiserin Elisabeth trug diese Form genauso.
Foto: neheleniapatterns.com
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth Foto: Ludwig Angerer
Ab 1870 wurde die Krinoline von der Tournüre abgelöst.
Die Krinoline, war fast vollständig aus der Damenbekleidung verschwunden. In der Modegeschichte ist die Rede von der „Ersten Tournüre“.
Foto: Wikimedia/Commons
Die „zweite Tournüre“ kam erst ab 1880 auf und war dann längst nicht mehr so pompös gestaltet. Aber zunächst war noch die Erste Tournüre modisch aktuell und zwar bis etwa 1875. Dieses halbkreisförmige Gestell, das zumeist aus Stahl- und/oder Fischbeinstäbchen gefertigt war und dessen Polsterungen aus Rosshaar bestanden, wurde über das Gesäß gelegt und befestigt, so dass der Rock, der darüber getragen wurde, eine gewaltige hintere Auswuchtung erhielt. Vorne war das Kleid eng anliegend und der Blick automatisch auf das riesige Hinterteil gelenkt.
Foto: Wikimedia/Commons
Das eng geschnürte Korsett, das zwingend zur Grundausstattung jeder Frau gehörte, drückte die Brust nach oben und sorgte so in den spitzen oder viereckigen Ausschnitten für ein gut gefülltes Dekolleté.
Foto: Wikimedia/Commons
Eine Besonderheit dieses Jahrzehnts sind die Falten und Raffungen am Unterleib, die bald wieder aus der Modewelt verschwanden, da sie den Anschein einer möglichen Schwangerschaft erwecken konnten. Ein Zustand, der zu dieser Zeit jedoch nicht öffentlich zur Schau getragen wurde.
Ein wichtiges Accessoire auch dieser Zeit war der Fächer.
Die spitzenbesetzten Sonnenschirme mussten unbedingt zu den Farben der Kleider passen. Handschuhe und Schleier waren ebenso angesagt.
Foto: Wikimedia/Commons
Die hauptsächlich hochgesteckten Frisuren waren mit einem Hütchen geschmückt, an dem schulterlange Bänder zur Verzierung angebracht waren. Das Hütchen wurde entweder ein wenig keck seitlich getragen oder auf dem Hinterkopf platziert, konnte aber auch gerade vorn auf dem Kopf getragen werden. In jedem Fall hielten es zwei Bänder, die am Hals vorn zu einer Schleife gebunden waren.
Tagsüber im Freien waren die Kleider hochgeschlossen geknöpft und endeten am Hals mit einem kleinen Kragen.
Foto: Wikimedia/Commons Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie
Für die Abendgarderobe gab es zu jener Zeit bereits die Haute Couture, die ein Engländer ins Leben gerufen hatte – Charles Frederich Worth (1826-1895).
Die zweite Tournüre wurde zwischen 1880-1890 modern.
Eine große Gesäßauflage, die Tournure, wurde fixer Teil der Damenunterbekleidung
Ein Gestell aus Fischbeinstäbchen oder auch aus formte den Rock und verlieh ihm eine Gesäßaufbauschung.
Foto: Wikimedia/Commons
Foto: Wikimedia/Commons
Die Kleider waren am Oberteil und nun auch im Rockteil relativ eng anliegend, wobei der Rock meist noch mit Querfalten versehen war, die nach hinten ausliefen und in einer Schleppe endeten. Zu dieser Zeit war das Korsett zwar Pflicht, hatte aber keine besondere Formung der Taille zur Aufgabe, sondern diente eher dazu, die Haltung zu korrigieren und unerwünschte Pölsterchen verschwinden zu lassen.
Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth als Reiterin in Irland
Die Betonung einer sehr schlanken Figur war in den beiden ersten Jahren des Jahrzehnts jedoch durchaus erwünscht. In diesen beiden Jahren wurden die Kleider den Damen, nicht nur unserer Kaiserin, wortwörtlich auf den Körper genäht.
Das Atmen war schwer, das Essen unmöglich, wenn die Damen in dieser Garderobe erschienen. Die Kleider waren schmerzhaft eng und erschwerten auch das Gehen, dabei war das plaudernde Herumstehen immer noch leichter als das Sitzen.
Diese Art von Mode war schon mehrfach in der Vergangenheit aufgetaucht und hatte für den einen oder anderen Witz gesorgt.
In diesem Jahrzehnt waren sie jedoch fast ausschließlich den vermögenden Frauen vorbehalten, die sich dadurch deutlich sichtbar von den normalen Bevölkerungsschichten abgrenzten. Die Betonung des weiblichen Hinterteils blieb mehr oder weniger bis zum Ende dieses Jahrzehnts. Der übliche Aufputz verschwand und man setzte neue Stoffkombinationen ein, bei denen gelegte Falten und Raffungen mit Volants Hauptbestandteil waren.
Foto: Wikimedia/Commons
Foto: Wikimedia/Commons
Tuchstoffe wurden mit Samt zusammen getragen oder auch mit Seide. Das Oberteil lag eng am Körper und war hochgeschlossen. Geschlossen wurde das Oberteil mit einer langen Knopfleiste, deren Knöpfe meist aus besonders edlem Material bestanden. Diese Knöpfe und die Spitzen am Kragen waren die einzige Zierde an der Damenbluse. Die langen, selten auch halblangen Ärmel, lagen eng an.
Foto: Wikimedia/Commons
Die Hüte, die die Damen trugen und die unbedingt zur vollständigen Kleidung gehörten, änderten ihr Aussehen schneller als die Bekleidung selbst. Trug man erst noch Hüte mit aufgeschlagenen Krempen, so wichen diese bald Modellen mit Federn und Bändern.Ältere Damen trugen gedeckte Farben und die Jugend bevorzugte hellere, auffälligere Farben.
Am Land hielt man sich keineswegs an die vorgegebenen Trends sondern trug weiterhin zeitlose Trachten für den Alltag und auch für die Arbeit. Diese waren in dezenten Farben gehalten. Die Trachten an Sonn- und Feiertagen waren dagegen meist besonders farbig und mit viel Zierrat versehen.
Foto: Wikimedia/Commons
Am Land hielt man sich keineswegs an die vorgegebenen Trends sondern trug weiterhin zeitlose Trachten für den Alltag und auch für die Arbeit. Diese waren in dezenten Farben gehalten. Die Trachten an Sonn- und Feiertagen waren dagegen meist besonders farbig und mit viel Zierrat versehen.
Verglichen mit der Biedermeierzeit und dem folgenden zweiten Rokoko, war die Mode im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts weit weniger aufwändig in der Fertigung und im Materialaufwand.
Foto: Wikimedia/Commons
Nur eines hatte sich nicht verändert – immer noch war das Korsett wichtiger Bestandteil der Damenmode um die Figur dem jeweiligen Schönheitsideal anzupassen.
In den 1890er Jahren formte man mittels Korsett vorwiegende eine gerade Front, es gibt kaum Einsätze für die Brust. Innerhalb weniger Jahre veränderte sich diese modische Silhouette jedoch, bis zum Ende des Jahrhunderts setzte sich die Sans-Ventre-Linie (ohne Bauch), die sogenannte S-Form, durch.
Foto: Wikimedia/Commons
Immer stärker werdende Versuche von Ärzten, Künstlern oder Frauenrechtlerinnen die Frau aus dem Korsett zu befreien scheiterten. Wer schön sein wollte, der musste auch weiterhin leiden.
Foto: Wikimedia/Commons
Wesentlich stärker veränderten sich die Röcke der Damen, die an der Hüfte anliegend und später ab Höhe der Knie immer mehr an Weite zunahmen. Stützdende Unterröcke oder gar Reifkonstruktionen verschwanden zur Gänze. Die glatt fallende Rockschnitte oder auch die glockig geschnittenen Röcke waren auf den ersten Blick an Taille und Hüfte leicht anliegend. Der weibliche Körper wurde immer mehr in die Form einer „Sanduhr“ gezwungen. Tatsächlich gab man dieser trichterförmigen Silhouette diesen Namen, der die Sans-Ventre-Linie sehr passend beschrieb.
Sogar eine kleine Schleppe war noch am hinteren Rockteil sichtbar. Die Vorderpartie hatte Bodenlänge, erst am Ende des Jahrzehnts war es denkbar, dass ein wenig von den Schuhen oder Stiefeletten sichtbar wurde.
Foto: Wikimedia/Commons
Zu Beginn dieses Jahrzehnts lagen die Ärmel der Blusen und Kleideroberteile relativ eng an wurden aber mit jedem Jahr auffälliger und breiter. Die Manschetten lagen eng am Handgelenk, teilweise reichten sie über den ganzen Unterarm.
Keulenärmel, Schinkenärmel und sogar Elefantenärmel waren als Begriffe für diese Formen durchaus gebräuchlich. Allmählich wurden die Oberärmel sogar noch üppiger. Sie erreichten eine ballonartige Form. In der Mitte des Jahrzehnts hatten sie ihr größtes Ballonausmaß erreicht. In den letzten zwei bis drei Jahren vor 1900 kehrte man wieder zu zierlicheren Puffärmeln zurück.
Foto: Wikimedia/Commons
Bei allen Veränderungen, die hauptsächlich die Ärmelsilhouette betrafen, änderte sich eines nicht – der Hut. Eine Dame war erst vollständig bekleidet, wenn sie einen Hut trug. Der gehörte ebenso dazu wie der Sonnen- oder Regenschirm. Auch der war ein unverzichtbares Accessoire, auf das eine Frau bei der ansonsten großen Vielfalt von Farben und Materialien nicht verzichtete.
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth durfte die ersten Jahre ihre Schuhe nur ein (!) einziges Mal tragen. Das heißt täglich wurden die Schuhe erneuert. Egal welche! Was für eine Qual muss das auch für die Füße gewesen sein, wenn man bedenkt, dass es ein richtiges Fußbeet noch gar nicht gab. Die Schuhe waren zwar maßgeschneidert, aber weitem nicht angepasst.
Wie ihre Kleider, musste sie also auch ihre Schuhe täglich erneuern. Um die Verschwendung diesbezüglich so gering wie möglich zu halten, wurden Kleider, Hüte, Schuhe usw. an das Personal wie Hofdamen, Kammerfrauen und natürlich Verwandtschaft geschenkt.
Noch heute tauchen Kleider auf, welche das Emblem der Kaiserin tragen, aber ihr gar nicht gepasst hätten. Diese wurden für die jeweils neue Trägerin umgeändert und so sieht man manchmal noch Kleider oder Schuhe, die plötzlich von der großen Verwandtschaft für Ausstellungen verleiht werden.
Foto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn GroupFoto: Schloss Schönbrunn Group
Und die Männer?
Nicht nur die Mode der Damen änderte sich im Lauf der Zeit, sondern auch die der Männer.
Auch die Männer trugen ein Korsett. Dies nicht nur, um die Figur zu betonen, sondern auch, damit die Uniform eine besonders schöne Form erhielt. Bis 1850 war es modern, dass Männer „Korsetts“ trugen. Kaiser Franz Joseph trug seine ein ganzes Leben, allerdings waren die Korsetts vollkommen abgeschwächt zu den der Frauen. Das „Männerkorsett“ wurde „Schnürgürtel“ genannt.
Foto: Wikimedia/Commons Kaiser Franz Joseph
Zu den langen Hosen, die meistens gestreift waren, trug Mann nun ein Sakko, das den Frack im Alltag abgelöste, wobei Hose und Sakko nicht zwangsläufig dieselbe Farbe hatten.
Foto: Wikimedia/Commons
Auch Gehröcke wurden gerne getragen. Die obligatorische Weste, die zur Männermode gehörte, war meist einfarbig. Mit niedereren, nicht mehr einengenden Kragenformen wurde auch die Herrenmode bequemer. Es gab Umlegekragen, Kragen zum Anknöpfen, die Manschetten wichen und die Hemdärmel schauten aus dem Sakkoärmel heraus.
Anfangs nur als Bekleidung für den Herrensalon gedacht, in dem geraucht wurde, setzte sich der Smoking, der Raucheranzug, auch in der Kleidung innerhalb der Gesellschaft durch.
Neben dem Zylinder trug man die Melone – ein runder, schwarzer, steifer Hut, als typische Kopfbedeckung. Zur schlichten und einfarbigen Bekleidung wählte man farbige Krawatten oder ein leicht übereinandergeschlagenen Halstuches, das Plastron.
Die Mode der Männer hatte den englischen Stil zum Vorbild, während die Damenmode ihre Richtlinien aus Paris bekam.
Die Herrenmode der kommenden Jahrzehnte sollte sich nicht wesentlich verändern, man spielte mit Accessoires und auch ein wenig mit den Farben, der Grundstock blieb jedoch unverändert und bestand aus Frack und Gehrock.
Anders als bei den Damen trugen die Herren zu dieser Zeit kein Korsett, sondern behalfen sich mit einem Schnürgürtel, der einen ähnlichen Effekt hatte.
Foto: Wikimedia/Commons
Die Krägen der Hemden nannte man nicht umsonst „Vatermörder“ denn sie waren so eng um den Hals geschlossen, dass jeder Mann froh war, ihn abends ablegen zu können.
Seit etwa 1815 trug der Herr sogenannte Pantalons, also lange Hosen.
Um perfekt gekleidet zu sein brauchte Mann noch einen Zylinder, einen Stock und Handschuhe die im besten Fall aus Leder waren.
Im Gegensatz zu den Damen bevorzugten die Herren eher Zweckmäßigkeit an ihrer Kleidung.
Die Stoffe waren zwar edel, es wurden hauptsächlich dunkle Materialien gewählt. Man trug schwarze, braune, graue und auch dunkelblaue Farbtöne.
Die Sakkos, die dem Frack begannen den Rang abzulaufen, waren aus Wollstoffen und feinen Tuchen. Der Gehrock, auch als Cutaway oder kurz Cut genannt, hatte im vorderen Bereich abgeschnittene Schoßteile.
Die Hose war häufig in einer anderen Farbe als der Gehrock oder das Sakko. Hier waren Streifen besonders beliebt.
Die Weste, Krawatten und Bindetücher fielen nicht mehr auf und waren nun in dezenten Farben gehalten.
Verbreitet war bereits das Vorhemd, das unter der Weste wie ein Hemd aussah.
Foto: Wikimedia/Commons
Anstelle von Vorhemd war allerdings der Begriff „Chemisette“ geläufig. Das französische Wort „Chemise“ steht für Hemd. In abgewandelter Form nannte man das Vorhemd, deshalb Chemisette.
Der Herr der Zeit trug im Alltag zum Anfang des Jahrzehnts noch den traditionellen Frack, stets mit einer Weste, die entweder durch Schottenkaros oder anderes abstechendes, buntgefärbtes Material auffielen, darunter trug man ein schlichtes helles Hemd, das mit einem Halsschmuck versehen war, der ein gebundenes Tuch als Vorläufer der Krawatte war.
Außerdem kam ein Kragen zum Anknöpfen auf. Die Hosen waren bodenlang und gerade geschnitten.
Es gehörte zum guten Ton Zylinder zu tragen und schon war Mann perfekt gekleidet.
Eine absolute Neuheit in der Männerwelt war der Herrenanzug, der zu Beginn des Jahrzehnts in Mode kam und bei dem alle Teile (Rock, Weste und Hose) dieselbe Farbe haben mussten und dessen Teile sich auch in den Materialien glichen.
Ein „must have“ war der Stock, der oftmals über aufwendig verzierte Griffe verfügte.
Foto: Wikimedia/Commons
Was trug „Mann“ zwischen 1870 und 1880?
Das modische Vorbild der Herren lag in England.
Der Frack verschwand allmählich aus der alltäglichen Garderobe der Herren, der Gehrock (Cutaway) hatte sich als zweckmäßiger erwiesen.
Bei festlichen Anlässen fand der Frack jedoch weiterhin Verwendung.
Die Farben waren gedeckt, mit bunten Krawatten setzte man jedoch farbige Akzente und so entstanden bereits die ersten Läden für Herren Accessoires, die diese „Binder“ herstellten.
Foto: Wikimedia/Commons
Die Herren waren bereits gut gekleidet, wenn sie ein frisch gebügeltes Hemd trugen, einen Frack oder einen Gehrock. Das Ensemble wurde, wie auch bei den Damen stets mit einem Hut komplettiert.
Herren, die finanziell nicht dem gehobenen Stand angehörten, trugen mitunter anstatt eines Hemdes nur ein Vorhemd. Das war ein steifes Wäscheteil, das unter der stets geschlossenen Weste den Eindruck eines Hemdes suggerierte.
Wir kennen es heute noch beim Frack. Durch diese Erfindung konnte man sich das aufwendige waschen eines Hemdes ersparen, ein Vorhemd wurde nach Gebrauch entsorgt und kam so den Junggesellen meist sehr zu Gute.
Neben dem Frack zählte der Cut (Gehrock oder Cutaway) zum fixen Bestandteil der Männermode und hatte vorn abgerundete Schöße.
Foto: Wikimedia/Commons
Die ersten Smokings, die sogenannten Raucheranzüge, kamen in Mode.
Etwas mehr Auswahl gab es bei den Mänteln: Der Ulster war stets doppelreihig, der Chesterfield hatte eine verdeckte Knopfleiste und der taillierte Paletot, der dem der Damen vom Schnitt her ähnlich.
Die wichtigsten Farben waren Schwarz, Braun, Dunkel- oder Hellgrau und Blau.
Zu den langen Hosen, die meistens gestreift waren, trug Mann nun ein Sakko, das den Frack im Alltag abgelöste, wobei Hose und Sakko nicht zwangsläufig dieselbe Farbe hatten.
Auch Gehröcke wurden gerne getragen. Die obligatorische Weste, die zur Männermode gehörte, war meist einfarbig. Mit niedereren, nicht mehr einengenden Kragenformen wurde auch die Herrenmode bequemer. Es gab Umlegekragen, Kragen zum Anknöpfen, die Manschetten wichen und die Hemdärmel schauten aus dem Sakkoärmel heraus.
Foto: Wikimedia/Commons
Anfangs nur als Bekleidung für den Herrensalon gedacht, in dem geraucht wurde, setzte sich der Smoking, der Raucheranzug, auch in der Kleidung innerhalb der Gesellschaft durch.
Neben dem Zylinder trug man die Melone – ein runder, schwarzer, steifer Hut, als typische Kopfbedeckung. Zur schlichten und einfarbigen Bekleidung wählte man farbige Krawatten oder ein leicht übereinandergeschlagenen Halstuches, das Plastron.
Bleibt zum Schluss nur noch, wie zB. Kaiserin Elisabeth angekleidet wurde. Wie bereits erwähnt, durfte sie beim Ankleiden nicht berührt werden. Wer mich noch mit Sabine Rossegger als „Sternenkaiserin“ kennt, wird wissen, dass wir dies mehr als nur 1x versucht haben. Es ist mir nie gelungen! Ich berührte Sabine wirklich immer, zu dem musste ich sie auch, wie schon Elisabeth, in manche Kleider einnähen. Das Anziehen hat gut und gerne 2 Stunden gedauert. Es war oft Zeitdruck, da wir für ein Shooting fertig werden mussten, aber tatsächlich war diese Kleideranzieherei immer eine große Herausforderung. Vom Garten, Parkplatz, Abstellkammer, Toilette bis zum Ballsaal oder Hotelzimmer war alles dabei. Sabine mit Krinoline oder Tournüre ins Auto zu verfrachten, war die nächste Herausforderung und oft saß sie stocksteif mit geneigtem Kopf auf der Rückbank, da sie weder vor noch zurück konnte.
Auch wenn wir uns 2021 getrennt haben, wird mir diese Zeit immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Deswegen lasse ich zum Schluss auch jene Reihenfolge in dem Beitrag, wie sich „Frau“ im 19. Jahrhundert von ihren Zofen anziehen lassen musste.
Sabine wird hier von unserer damaligen Freundin Tamara „bedient“, welche die Rolle der Zofe inne hatte.
Sabine als Sternenkaiserin in ihren eigenen Worten:
Zuerst die Unterwäsche, Strümpfe und Schuhe, sollte man keine Zofe dabei haben die einem anschließend die Schuhe bindet, sollte man sie tunlichst vorher anziehen, denn unter all den Schichten ist es nicht so einfach jemals wieder an die Schuhe zu kommen.
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
oto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Über die Unterwäsche legt man das Korsett an, je nachdem wie fest man es schnüren möchte, empfiehlt es sich, dies auf mehrere Etappen zu tun, nur so nebenbei erwähnt, dass Schnüren der Kaiserin dauerte oft bis zu 3 Stunden!
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, dass es tatsächlich so ist, dass man nach einem gewissen Zeitraum das Korsett durchaus noch enger schnüren könnte, da sich der Körper scheinbar daran gewöhnt.
Hat man dann den gewünschten Taillenumfang erreicht, kommt die Krinoline. Darüber mehrere Unterröcke aus steifen Material um ein Abzeichnen der Metallstäbe durch das Kleid zu verhindern, letztendlich das eigentliche Kleid!
Oft werde ich gefragt: „Tut es weh ein Korsett zu tragen?“
Die Frage kann nicht so einfach mit „ja“ oder „nein“ beantworten werden? Ich kann Euch nur sagen, wenn das Korsett auf Maß gefertigt ist und es gut sitzt, ist es nicht wirklich unangenehm. Wobei es natürlich immer darauf ankommt, wie fest man geschnürt wurde und wie lange man es trägt.
Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, irgendwann – auch wenn man seine Kleider noch so gerne trägt – ist der Zeitpunkt erreicht, an dem man froh ist sie endlich wieder ausziehen zu dürfen.
Grundsätzlich und mit ein wenig Übung kann man sich in dieser Kleidung völlig normal bewegen, ob man nun durch eine Tür geht, den Fahrstuhl benutzt, in eine Kutsche oder ein Taxi steigt, möglich ist alles. Der Komfort blieb damals wie heute auf der Strecke.
„Schönheit muss leiden“ hat hier sicherlich so manches Mal seine Berechtigung, allerdings verliert meiner Meinung nach das schönstes historische Kleid seine Wirkung und Originalität, wenn das „Darunter“ nicht korrekt ist.
Eines könnt ihr mir glauben, auch wenn so wie bei mir manches Mal über 100 Meter Stoff darüber sind, man erkennt den Unterschied.
Für alle Damen, die im Damensattel reiten kann ich nur empfehlen, sich ein etwas kürzer geschnittenes Reitkorsett fertigen zu lassen, ansonsten könnte es unangenehm werden.
Somit hoffe ich, ein wenig Klarheit ins „Darunter“ gebracht zu haben, und wünsch Euch viel Spaß beim Selbstversuch.
Sabine Rossegger
Das war die Mode aus dem 19. Jahrhundert. Ich hoffe, dass ihr Freude an diesem Beitrag habt und euch jetzt besser in die Kleidung von Kaiserin Elisabeth und allen adeligen Damen und Herren der früheren Jahre, hineinversetzen könnt.
Petra Schimbäck
Rechtliche Hinweise: Text + Recherchen: Petra Schimbäck, Sabine Rossegger Bildrechte: neheleniapatterns.com, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Cathie Jung In The Guinness Book Of Records, peoplestrive.com; Ethel Granger, vogue-italia.it, Sascha Rieger, muellerundsohn.com, mythoskaiserinelisabeth – Petra vormals Sternenkaiserin
Literatur:
InStyle Dezember 2025
Blog Frühes 19. Jahrhundert – epochs-of-fashion: Costume and Dress throughout History
Erika Thiel Geschichte des Kostüms Henschel Verlag, 2010
Blog Der letzte Schrei: Damenmode aus dem 18. und 19. Jahrhundert
Sonja Duska Modegeschichten: Die Damenwelt des 19. Jahrhunderts Morio Verlag, 2019
Chantal Tollu, Françoise Tétart-Vittu, Jean-Marie Martin-Hattemberg, Fabrice Olivieri, Christian Lacroix (Vorwort) La maison Worth – Naissance de la haute couture, 1858-1954 (französisch) BiP Verlag, 2017
Stephen Clarke, Bérengère Viennot Charles Frederick Worth L’Anglais qui a inventé la haute (französisch) pAF Verlag, 2025
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