Erzherzogin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha von Österreich

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Erzherzogin Sophie Friedericke

Wie viel der Kitsch „Sissi“ uns jedes Jahr rund um Weihnachten von der Wahrheit trennt, zeigt am allerbesten die abstruse Geschichte rund um die Tochter Sophie.

Auch wenn viele die Filme mögen, so sind sie leider nur ein 50er Jahre Traum, der die Leute nach den Kriegswirren zum Ablenken einlud. Und nichts war einfacher, als ein zuckersüßes Mädel, die „gute alte Zeit“ in Form der Kaiserzeit, die damals noch gar nicht so lange her war.

Was machte es da schon aus, dass an Sissi nichts stimmte? Weder die dümmliche Angelszene, noch die Zeitabfolge, noch die Mode (Kaiserin Elisabeth lief nicht im schulterfreien Kleid und offenem Haar tagsüber durch Schloss Schönbrunn oder durch die Hofburg), noch der Name.

Elisabeth hieß nun einmal niemals Sissi.

Eine Unart, die sich bis heute durchzieht ist die schreckliche Schreibweise von „Sissi“. Egal ob auf sämtlichen Social Media Seiten, in historischen Büchern (auch namhafte Historiker selbst), auf Souvenirs, auf Bonbons und sämtlichen Zeug das sich verkaufen lässt. Aber nicht nur „Sissi“ wird überall vermarktet. Man findet die Schreibweise „Sissy Café“ genauso oft, wie „Sissi“ selbst.

Auch das Spanische Hofzeremoniell gab es nicht in der Art, wie es der Film vermuten lässt. Den Blogbeitrag dazu findet ihr in diesem Blog.

Ich versuche seit Jahren dem Film-Kitsch entgegenzuwirken und zeige die reale Welt unserer Kaiserin.

Ich beginne also mit der kleinen Erzherzogin Sophie, die in Sissi den komplett falschen Namen

„Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria“

erhalten hat.
Bis auf den ersten Vornamen, stimmt nichts an dem kleinen Filmbaby.
Nicht einmal ihre Geschichte an sich.

Hier die reale Geschichte der kleinen Erzherzogin Sophie, welche so früh aus ihrem Leben geschieden ist:

Die einzige wahre Pflicht von Kaiserin Elisabeth war es, so rasch als möglich Nachwuchs zu bekommen. Vorzugsweise Buben, damit die Thronfolge gesichert wurde.

Wer sich mit Kaiserin Elisabeth als Mutter beschäftigen möchte, kann dies auf diesem Blog gerne tun. Auch hier wird mit Mythen und Legenden aufgeräumt, denn eines war Elisabeth ganz bestimmt NICHT: eine schlechte Mutter

Nach den strapaziösen Hochzeitsfeierlichkeiten, den Flitterwochen und der Reise nach Böhmen und Mähren, stellte Erzherzogin Sophie als baldigst die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft bei ihrer noch sehr jungen Schwiegertochter fest.

Sie schrieb eilig an ihren abwesenden Sohn:

„Auch glaube ich, dass Elisabeth sich nicht zu sehr mit ihren Papageien abgeben sollte, da zumal in den ersten Monaten man sich so leicht an den Tieren verschaut, die Kinder Ähnlichkeit mit ihnen erhalten. Sie sollte lieber sich im Spiegel und Dich anschauen. Dieses Verschauen lass ich mir gefallen.“ (1)

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Erzherzogin Sophie

Sophie setzte sich durch, die Papageien mussten die Räumlichkeiten verlassen. Elisabeth war aufs äußerste betrübt.

Sophie nahm darauf wenig Rücksicht und hielt die junge Frau an, sich in der Öffentlichkeit mit dem Bauch zu zeigen.

Das Volk solle die stolze schwangere Kaiserin sehen.

Elisabeth wollte fliehen, sie weinte beinahe Tag und Nacht. 

Selbst die Geburt ist seitens Sophie dokumentiert. Sie schrieb in ihr Tagebuch:

„Sisi hielt die Hand meines Sohnes zwischen den ihren und küßte sie einmal mit ihrer lebhaften und respektvollen Zärtlichkeit; das war so rührend und machte ihn weinen; er küßte sie ohne Unterlaß, tröstete sie und klagte mit ihr und schaute mich bei jeder Wehe an, um zu sehen, ob ich damit zufrieden war. ….. Endlich nach einigen guten und langen Wehen kam der Kopf und gleich danach war das Kind geboren.“ (2)

Obwohl Ludovika zur Geburt „eingeladen“ wurde, ließ sie den Vortritt ihrer verehrten Schwester.

Kaiserin Elisabeth wurde nach Schloss Laxenburg gebracht, wo die Geburt auf Hochtouren vorbereitet wurde. 

Am 5.3.1855 um 3.00 Uhr nachts kam schließlich die kleine

zur Welt.

Ihr Name ist nicht wie so oft, ein Alleingang von Erzherzogin Sophie, sondern ein durchaus übliches Handeln bei den kaiserlichen und königlichen Familien. So wurde immer der Name der Großmutter weitergegeben, erst im weiteren Verlauf die eigentlichen „neuen“ Namen.

Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Sophie und die kleine Gisela

Doch auch gleich nach der Geburt gab es wieder Streit.

Sophie wollte sich um die kleine Erzherzogin selbst kümmern. Sie bestand darauf, dass das Kinderzimmer in ihren Wohntrakt verlegt wurde. Elisabeth musste sich anmelden, um ihre Tochter besuchen zu dürfen.

Eigenartig ist, dass Sophie Elisabeth verbat ihren Säugling zu stillen, immerhin stillte sie selbst ihren Franzi. Etwas, dass zu dieser Zeit im Hochadel kaum jemand tat.

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Erzherzogin Sophie Friedericke

Elisabeth wurde quasi das Kind entrissen, was eine große Bestürzung bei ihr auslöste. Sie beschwerte sich lautstark bei Franz Joseph. Es half aber leider nichts.

Die kleine Erzherzogin verblieb in der Obhut ihrer Großmutter, die diese wie einen Kelch herumreichte und allen Besuchern des Schlosses zeigte.

Permanent war um das kleine Mädchen irgendwer herum. Es ist verwunderlich, denn als Franz Joseph noch „Franzi“ war, wurde er von Sophie richtiggehend abgeschottet und teilweise sogar versperrt.

Nach der Geburt von Gisella(*), stellte sich Elisabeth quer. Sie verlangte die Kinder umgehend zurück. Sie sollten in die Radetzky-Räume verlegt werden.
(Anmerkung Petra: Erzherzogin Gisella wurde erst mit der ihrer Hochzeit zu Gisela)

In einem langen Brief erklärte Franz Joseph seiner Mutter die Gründe. Im Prinzip ging es Elisabeth nur um die Wintermonate. Im Sommer verbrachte man die Zeit in Laxenburg, während Sophie in Schönbrunn war. Franz Joseph setzte sich gegen seine Mutter durch. Sophie und Gisella zogen in die gewünschten Räume.

Sophie galt als glückliches, lebhaftes Mädchen, das gerne gluckste und ihre Zehen in den Mund steckte, wie Kaiser Franz Joseph amüsiert an seine Mutter schrieb. Als sie zu Laufen begann, erkundigte sie gerne das Schloss. 

1857 beging Kaiserin Elisabeth einen fatalen Fehler, den sie Zeit ihres Lebens bereuen sollte.

Sie entschied sich bei der geplanten Ungarnreise die Kinder mitzunehmen. Erzherzogin Sophie zeterte, Kaiserin Elisabeth setzte sich jedoch durch.

Am 4.5.1857 fuhr die kaiserliche Familie nach Ofen, wo vor allem Elisabeth huldvoll empfangen wurde.

Die Menschen lagen ihr zu Füßen. Sie spürte sofort eine Verbundenheit mit diesen überaus freundlichen Menschen. Sie verliebte sich augenblicklich in Land und Leute.

Doch der Schein trügte. Gisella bekam Fieber und Durchfall. Sophie erkrankte ebenso. Dr. Seeburger diagnostizierte „Zahnen“ und tat die Beschwerden ab; er befand Elisabeth als „hysterisch“. Wie fatal diese Fehlentscheidung war, stellte sich bald heraus.

Es ist nicht überliefert ob Sophie an der Ruhr oder an Typhus litt, jedoch erkrankte sie so schwer, dass sie nichts mehr behalten konnte. Ihr Körper magerte ab, sie wand sich vor Schmerzen und Erschöpfung.

Am 29.5.1857 verlor die kleine Sophie den Kampf und starb in den Armen ihrer gramgebeugten Mutter. Sie wurde nur 2 Jahre alt. 

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Lithographie Josef Kriehuber
Dieses Bild hing über dem Bett von Kaiserin Elisabeth. Es zeigt im Bild die kleine Erzherzogin Sophie, im Arm hält Kaiserin Elisabeth Kronprinz Rudolf, daneben stehend Erzherzogin Gisela.

Elisabeth überwand den Tod der kleinen Sophie nie. Wie sehr sich Kaiser Franz Joseph mit der Kleinen verbunden fühlt, zeigte erst der Tod von Kaiserin Elisabeth. Diesen Schmerz hielt Marie Valérie in ihrem Tagebuch fest.

20. – 22.September 1898 „Mit Papas Gutheissung wird Mamas Toilettenzimmer in der Villa Hermes mit all den gewohnten Sachen hergerichtet… Erinnerungen tauchen auf – längst vergangenes Weh – auch an das baby, das ihr vor mehr als 40 Jahren vorangegangen, nach denen Papa jetzt fragt, die er aufbewahrt wissen und doch nicht sehen will Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich ihn vom „baby“ sprechen hörte…“ (3)

Erzherzogin Sophie machte Elisabeth schwere Vorwürfe. Es wird mit ein Grund gewesen sein, warum sie den Kampf gegen Sophie in der Erziehung von Gisella und Rudolf abgab.

Die Kinder übersiedelten wieder zu Erzherzogin Sophie. Zu Gisella und Rudolf hatte Elisabeth Zeit ihres Lebens ein sehr angespanntes und distanziertes Verhältnis.

Erzherzogin Sophie Friedericke ruht in der Kapuzinergruft.

Bei der letzten Renovierung wurden die sterblichen Überreste von Sophie, gemeinsam mit anderen Kindern, in einem Mauerabteil beigesetzt.

Eine gemeinsame Grabplatte erinnert an die toten Kinder. Wer genau liest, wird auch den Namen von Maria Anna entdecken. Sie war die Schwester von Kaiser Franz Joseph.

Am 31.5.1894 besuchte Kaiser Franz Joseph die Plitvicer Seen in Kroatien. Er genehmigte durch seine Unterschrift, dass entlang der Seen ein Weg nach dem Namen seiner Tochter Maria Dorothea benannt werden darf. Noch heute heißt der Weg schlicht „Dorothea Weg“.

– Petra – 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Rechtliche Hinweise:

Text: Petra Schimbäck
Recherchen: Petra Schimbäck
Stammbaum: Petra Schimbäck
Bildrechte: Wikimedia/Commons, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 


Literatur Hinweise:

1 – S. 233
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie Die starke Frau am Wiener Hof
Amalthea Verlag, 1. Ausgabe, 2016

2 – S 19
Martha Schad
Kaiserin Elisabeth und ihrer Töchter
Piper Verlag, Ausgabe 1999, TB Ausgabe


3 – S 313/4
Erzherzogin Marie Valérie
Martha Schad als Herausgeberin
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth
Piper Verlag, 7. Auflage, 2013


Die Kaiserin zu Pferde

Foto: dorotheum.com
Sisi als 15jährige Hoch zu Roß.
Verlobungsbild – Geschenk an Kaiser Franz Joseph; die Tauben zeigen die Privatgemächer der jungen Herzogin
Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert.
Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty

Reiten wie der Wind … mit dem Zitat aus dem Musical Elisabeth möchte ich diesen Beitrag beginnen.

Kaiserin Elisabeth war für 2 Dinge bekannt:

Für ihre Schönheit und ihre außergewöhnliche Reitbegabung

Beides hatte sie zwischen den 1870er und 1880er Jahren perfektioniert. Sie war nicht nur zur schönsten Frau Europas erstrahlt, sie war auch zur besten Reiterin geworden.

Foto: Münchner Stadtmuseum Bildarchiv
Herzog Max und Herzogin Ludovika beim gemeinsamen Ausritt
Bild: Heinrich von Mayr, 1833

Diese Passion und Liebe wurde ihr bereits in die Wiege gelegt. Schon ihr Vater Herzog Max (*4.12.1808, †15.11.1888) liebte die Pferde.

Klein-Sisi wuchs von 1837 – 1844 mit einer kleinen Zirkusmanege im Herzog Max-Palais auf.

Als sie ca. 6 Jahre alt war, musste diese für ein Herrenzimmer weichen.

Herzog Max hatte den Spaß am Zirkus verloren und widmete sich zusehends seiner „Arthus-Runde“.

Aber auch ihre Mutter Herzogin Ludovika, geborene Prinzessin von Bayern (*30.8.1808, †25.1.1892) liebte das Reiten und Pferde. Vor allem als junge Frau ritt sie gerne aus. Doch je größer die Kinderschar mit Max wurde, desto weniger Zeit hatte sie für ihr Hobby. Alle zwei Jahre schwanger zu sein forderten von Ludovika körperlich so manchen Tribut.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Possenhofen

Elisabeth lernte also schon sehr früh reiten.
Da es bereits seit 1834 das Schloss Possenhofen am Starnberger See in der Familie gab, konnte die kleine Sisi ihre Passion natürlich auch in der freien Natur ausleben und perfektionieren.

Schon als junges Mädchen galt sie als ausgezeichnete Reiterin. Ihre hohe und schlanke Gestalt, schenkte ihr dazu zusätzlich Aufmerksamkeit.

Als sich Kaiser Franz Joseph in die ansonsten damals noch unscheinbare 15jährige verliebte, konnte er nicht ahnen, welch wunderschöne Frau einmal aus ihr werden sollte.

Ihr Verlobungsgeschenk, welches sie zu Weihnachten 1853 ihrem Franz übergab (obiges Titelbild), zeigte sie stolz am Pferd, dahinter Schloss Possenhofen. Die 3 Tauben am Bild sollen ihr Zimmer anzeigen.

Als sie in Wien ankam, war sicherlich eines ihrer Hobbies ihr Reiten weiterhin zu perfektionieren.

Foto: Nationalbibliothek.at
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth bei der gemeinsamen Jagd
Lithographie: Eduard Kaiser, 1854

Elisabeths Können in den reiterlichen Disziplinen war enorm. Sie konnte

Dressur-, Jagd- und Zirkusreiten

und das alles im Damensattel!

Foto: srs.at
Winterschule der Spanischen Hofreitschule

Die Dressur trainierte sie in der Winterschule der Spanischen Hofreitschule der Wiener Hofburg. Dort lernte sie von den Oberbereitern die Hohe Kunst wie man Piaffe, Passage und Levade perfekt reiten konnte.

Oberbereiter Franz Gebhardt sagte einst über Kaiserin Elisabeth:

„…, dass die Kaiserin ein übersinnliches Verständnis für Pferde habe, eine besonders talentierte Reiterin sei und er keine bessere Dame zu Pferd kenne.“ (1)

Elisabeths Perfektion beschränkte sich dabei nicht nur auf die Pferde und ihr Können, sondern auch auf ihr Aussehen.

Sie trug in ihren frühen Zeiten oftmals braune, dunkelgrüne oder dunkelblaue Reitkleidung, später wurde dies in tiefschwarz gewechselt, da sie wusste, dass dies für noch mehr Aufsehen sorgte.

Dabei achtete sie genau darauf, dass nichts dem Zufall überlassen wurde.

Die Reitkleidung hatte aus weichem Rehleder zu sein und die Schneiderin wurde jedesmal in den frühen Morgenstunden gerufen, damit sie die Kaiserin in das Kleid hineinnähte.

Das sah folgendermaßen aus:

Elisabeth stand bereits in – Skandal! – beiger Rehleder-Unterhose, enggeschnürtem Korsett und Oberteil vor der Schneiderin, welche nun den Rock an das Oberteil anzunähen hatte.

Dabei durfte – nach strengster Etikette – der Körper von Kaiserin Elisabeth nicht berührt werden!

Normalerweise trugen die Damen unter ihrem Reitkleid ebenfalls Reitunterröcke.

Dies fand Elisabeth absolut unpraktisch, weshalb sie auf lange Reitunterhosen umstieg.

Sie trug 3 Paar Handschuhe (wegen dem Verschleiß), wobei auch diese aus Rehleder bestanden und meistens weiß oder beige waren. Ihre Stiefel waren bis zu den Waden geschnürt, an den Fersen trug sie kleine Sporen.

Ihr geflochtenes Haar krönte ein Zylinder der aus Biberfell hergestellt wurde.

Foto: pressreader.com
Kaiserin Elisabeth in perfekter Reitkleidung am Pferd
1875, England

Sie verbrachte Stunden bei der Schneiderin.
Diese stellte extra ein Holzpferd vor einen großen Spiegel, damit Elisabeth jedes Detail der Reitkleidung mit der Schneiderin besprechen konnte.

Kaiserin Elisabeth war äußerst penibel auf ihr Aussehen. Sie wollte nicht nur als die beste Reiterin Europas gelten, sondern auch als die Schönste.

Beides gelang ihr natürlich ohne Unterlass.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max Ausstellung – Schloss Aichach 2017
Herzog Max in Bayern

Doch bevor noch in England und Irland aufgetrumpft wurde, lernte Elisabeth zirzensische (= Zirkus) Kunststücke. Wie eingangs erwähnt, hatte sie dies als Kind bei ihrem Vater gesehen und Max war ein Liebhaber der Zirkusse.

Am 19.5.1833, nach der ersten Vorstellung in seinem Zirkuszelt, soll Herzog Max vor dem nicht (!) adeligen Publikum ausgerufen haben:

„Wenn wir koane Prinzn waarn, waar ma Kunstreiter worn!“ (2)

Natürlich war Elisabeth 1833 noch nicht auf der Welt, aber von 1837 – 1844 war sie sehr wohl vom Zirkus im Herzog Max-Palais in München fasziniert. Und gerade in der frühen Kindheit beginnen solche Leidenschaften.

Kurz nachdem sie nach Wien kam und Kaiser Franz Joseph geheiratet hatte, fand im Wiener Prater im Zirkus Renz zu Ehren des Brautpaares eine Aufführung statt.

Foto: Wikimedia/Commons
Ernst Renz und Danielo, 1866
Foto: Bezirksmuseum Wien 2
Zirkus Renz 1856

Johann Strauß komponierte eigens die „Elisabethklänge“ und dazu gab es eine pompöse Galavorstellung.

60 Pferde, welche in verschiedene Gruppen eingeteilt wurden, liefen vor dem begeisterten Publikum und dem Kaiserpaar und zeigten ihre Kunst.

Unter anderem wurde auf 12 Schimmeln und Rappen eine Quadrille aus der Renaissance geritten.

Als dann noch der Besitzer selbst, Ernst Renz (*18.5.1815, †3.4.1892), auf seinem Araberschimmel eine Solonummer ritt, war es um die junge Braut geschehen.

Einige Anwesende wollen gehört haben, wie Elisabeth verzückt rief:

„Zu schön, nein, doch zu schön, diesen Mann muss ich kennenlernen!“ (3)

Doch erst 1867 sollten sich Ernst Renz, seine Artisten und Kaiserin Elisabeth wiedersehen.

Es stand das ganz große Ereignis der ungarischen Königskrönung vor der Türe.

Die kaiserliche und neu gekrönte königliche Pflicht sah es vor, dass Kaiser Franz Joseph eine vierfache Levade ritt.

Foto: dorotheum.com
König Franz Joseph
am Krönungshügel
Bild: Bauer sen.

Dieses eigenartige Ritual war seit Jahrzehnten Brauch in Ungarn und konnten nur sehr geübte Reiter bewältigen.

Kaiser Franz Joseph bzw. der dann schon gekrönte König Franz Joseph musste in vollem Krönungsornat und mit gezogenem schwerem Zeremonialschwert, welches er parallel zum Kopf des Pferdes halten musste, auf einem Schimmelhengst einen steilen Erdhügel hinaufreiten, der aus allen Provinzen Ungarns bestand.

Die Levade bestand aus 4 Himmelsrichtungen und musste demnach 4x geritten werden. (8x wenn man das Hinunterreiten mitrechnet.)

Da die Krönung von höchster politischer Bedeutung war, durfte sich Kaiser Franz Joseph kein noch so kleines Hoppala erlauben.

Foto: Wikimedia/Commons
Levade ohne Erdhügel
Bild: Ludwig Koch

Obwohl Kaiser Franz Joseph ein ausgezeichneter Reiter war, war ihm die Hohe Kunst des Dressurreitens fremd.

Kaiserin Elisabeth wusste von der Wichtigkeit dieses Ritts und bat deshalb Zirkusdirektor Ernst Renz zu sich.

Dieser baute im Hof der Wiener Hofburg einen genauso hohen Erdhügel auf und ließ einen sehr zahmen Schimmelhengst 2 Monate die Levade üben. Erst eine Woche vor der Krönung stieg Kaiser Franz Joseph auf das Pferd.

Die Levade klappte – auch am Tag der Krönung (8.6.1867) – ohne den kleinsten Fehler und König Franz Joseph und sein Pferd hatten keinen Grund zur Klage.

Um die Krönung nicht zu verpassen, fuhr auch der Zirkus mit nach Ungarn und so hatte auch Kaiserin Elisabeth ihren Spaß.

Foto: austria-forum.org
Elisa Petzold

Die Dressurreiterin Elise Petzold (*1850, †unbekannt), die von allen nur Fräulein Elisa genannt wurde, lehrte Kaiserin Elisabeth die zirzensischen Kunststücke.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Krönungsgeschenk Schloss Gödöllö
Innenhof

Als Krönungsgeschenk erhielt Kaiserin Elisabeth ihr geliebtes Schloss Gödöllö und dort ließ sie eine Reithalle und eine Zirkusmanege bauen.

Elisa lehrte ihr nicht nur die hohe Kunst der Dressur, sondern wurde ihr auch eine gute Freundin. Elisabeth schenkte ihr daraufhin ihr Lieblingspferd „Lord Byron“ und lud sie auf die feine Jagdgesellschaft in Ungarn ein.

Foto: gnm.de/museum/abteilungen-anlaufstellen/deutsches-kunstarchiv
Emilie Loisset

Auch Emilie Loisset (*1856, †7.1.1882) war eine Kunstreiterin aus dem Zirkus Renz und lehrte gemeinsam mit Elisa Elisabeth die Dressur. Als diese später in der Manege 25jährig tödlich verunglückte, war die Kaiserin zu Tode betrübt. Die Zeitungen schlachteten das Thema „Emilie, die Vertraute der Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, ist tödlich verunglückt“ weitgehendst aus.

Fräulein Elisa wurde von der berühmten Kunstreiterin Clara Rasch abgelöst, die sich häufig in Wien aufhielt und Elisabeth bis zur Weltausstellung 1873 unterrichtete.

Ebenfalls ein erlauchter und absichtlich provozierter Gast war die (damals noch) Lieblingsnichte von Kaiserin Elisabeth Marie Louise von Wallersee (*24.2.1858, †4.7.1940).

Marie wurde als „Bastard“ ihres Vaters Ludwig „Louis“ Herzog in Bayern (*21.6.1831, †6.11.1920) und der unstandesgemäßen und noch dazu jüdischen Schauspielerin Henriette Mendel (*31.7.1833, †12.11.1891) geboren.

Erst nachdem der Sohn, welcher nach 3 Monaten verstarb, geboren wurde, heiratete das Paar morganatisch und Louis verzichtete auf Titel und viel Geld.

Marie und Henriette wurden in weiterer Folge beide Vertraute von Kaiserin Elisabeth und waren sehr beliebt in der Familie.

Zumindest solange bis Marie Kronprinz Rudolf mit Mary Vetsera (*19.3.1871, †30.1.1889) verkuppelte. Das Drama ist hinlänglich bekannt. Danach wurde Marie vom Hof und aus dem Leben der Kaiserin verstoßen.

Doch noch war alles in Ordnung und Marie gerade einmal 15 Jahre alt. Sie war ein unglaublich hübsches Kind, was Elisabeth immer sehr zu schätzen wusste.

In weiterer Folge, wurde sie auch eine ganz besondere Freundin für die am 22.4.1868 geborene letzte Kaisertochter Erzherzogin Marie Valérie (†6.9.1924).

Marie war häufiger Gast bei Kaiserin Elisabeth und diese lernte ihr das Reiten. Schnell galt Marie als ausgezeichnete Reiterin, was ihre Tante natürlich äußerst stolz machte.

Marie wurde demnach zur Jagdgesellschaft geladen. Sehr zum Missfallen des hochnäsigen Adels in Ungarn. Einen „Bastard“ neben der Kaiserin, noch dazu eine Halbjüdin, war für manchen schwer zu ertragen. Auch wenn diese die Nichte war.

Manchmal machten sich die beiden einen Spaß aus ihrem Ausritt und Marie schrieb folgendes in ihr Tagebuch:

„Ich genoß in vollen Zügen die langen Ritte mit der Kaiserin, die bisweilen einen Gefallen daran fand, sich als Knabe zu verkleiden. Natürlich mußte ich ihrem Beispiel folgen; doch ich entsinne mich noch der Scham, die mich marterte, als ich mich zum ersten Mal in Hosen sah. Elisabeth bildete sich ein, daß diese verrückte Laune in Gödöllö nicht allgemein bekannt war; in Wahrheit sprach jedermann darüber. Nur Franz Joseph, glaube ich, hatte keine Ahnung von dem, was aller Geheimnis war.“ (4)

Schon bald waren sämtliche Details auch in Wien bekannt. Der Wiener Adel hatte wieder einmal einen Grund die feinen Nasen zu rümpfen und das Volk einmal mehr den Kopf zu schütteln.

Foto: hofreitschule.news
Kaiserin Elisabeth zu Pferd
mit großem Lederfächer

Doch Elisabeth ließ sich nicht beirren und machte auf Schloss Gödöllö weiter wie bisher.

Verzückt schrieb Marie in ihr Tagebuch:

„Dreimal in der Woche war Jagd“ Ach, es war herrlich!“ Elisabeth sah zu Pferde berückend aus. Ihr Haar lag in schweren Flechten um ihren Kopf, darüber trug sie einen Zylinder. Ihr Kleid saß wie angegossen, sie trug hohe Schnürstiefel mit winzigen Sporen und zog drei Paar Handschuhe übereinander; der unvermeidbare Fächer wurde stets in den Sattel gesteckt.“ (5)

Aber nicht nur auf der Jagd kam Marie ins Schwärmen, auch bei der Hohen Schule wusste sie, dass ihre Tante die Schönste war:

„Es bot einen reizenden Anblick, wenn Tante in ihrem schwarzsamtenen Kostüm ihren kleinen Araber rings um den Ring im Tanzschritt führte. Für eine Kaiserin war es freilich eine etwas ungewöhnliche Beschäftigung.“ (6)

Foto: Wikimedia/Commons
Prinz(regent) Luitpold

Als klein Valérie einmal die bayrische Verwandtschaft besuchte und auch Prinz Luitpold (*12.3.1821, †12.12.1912) (nach König Ludwigs II Tod Prinzregent) anwesend war, erzählte diese voller Stolz,

dass ihre Mama, jetzt schon mit dem Pferd durch zwei Reifen springen könne.

Von Herzog Max waren diese ja einiges gewöhnt und Ludovika verzog keine Miene, aber von der Kaiserin von Österreich?

Ernst Renz beriet Kaiserin Elisabeth bis Mitte der 70er Jahre beim Kauf ihrer Pferde. So wurden auch zwei Schimmel angeschafft, welche auf die entzückenden Namen „Flick und Flock“ getauft wurden.

Elisabeth trainierte die beiden persönlich in ihrer Manege und ließ sie sogar in Öl festhalten.

Bei der „Elisabeth – eine Kaiserin hoch zu Ross“ – Ausstellung 2017 im Sisi-Museum Wien, wurde das Bild gezeigt.

Foto: Dieter Nagl für SKB
Schloss Schönbrunn
die Schimmel Flick und Flock von Kaiserin Elisabeth
Bild: Wilhelm Richter, 1877

Elisabeth machte sich einen Spaß daraus und schockierte manchmal gerne ihr Publikum, welches sie von der Straße aus einlud. Flick und Flock wurden von verschiedenen Eingängen in die Zirkusmanege hinein gelassen und rasten auf die Kaiserin, die in der Mitte stand, zu.

Die Menschen hielten jedes Mal den Atem an. So schnell wie sie galoppierten, so schnell blieben sie auch knapp vor ihrer Herrin stehen, die ihnen Zucker für die herrliche Vorstellung gab. Dabei lachte die Kaiserin aus vollem Hals.

Es war wie in Ischl, Schönbrunn oder in der Hofburg. Wer mit Kaiserin Elisabeth sprechen wollte, musste dazu in die Reithalle.

Doch Elisabeth wäre nicht Elisabeth gewesen, wenn ihr nicht bald langweilig in Gödöllö geworden wäre.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bild im Privatbesitz, deshalb mit extra großem Logo – der Besitzer möchte nicht genannt werden
Kaiserin Elisabeth auf ihrem Dressurpferd Avolo
Bild: Wilhelm Richter, 1876

Ihre Jagd- und Reiterfolge waren so enorm, dass ihr die dreimalige Jagd in der Woche zu wenig erschien.

Noch dazu wo die Saison nur von Mitte September (nach der Ernte) bis am 3.11. (Hubertustag) dauern durfte.

Die damals noch dichten Wälder in Ungarn hinderten das Jagdkommando durch Gräben und Hindernisse zu springen, die Parforcejagd, wie England sie kannte, konnte in Ungarn nicht durchgeführt werden.

Als die Wiener Weltausstellung 1873 ihre Pforten öffnete, stand Kaiserin Elisabeth neben ihrem Gatten und schüttelte sämtlichen Ehrengästen die behandschuhten Hände.

Foto: Wikimedia/Commons
Eröffnungszeremonie der Wiener Weltausstellung 1873
mit Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth
Holzstich nach der Zeichnung von Vinzenz Katzlers, 1873
Foto: Wikimedia/Commons
Prince Edward

Einer der hohen geladenen Gäste war Prinz Edward von England (*9.11.1841, 6.5.1910).
Er schwärmte der Kaiserin von der Parforcejagd in seiner Heimat vor.

Parforcejagd

Im Buch von Martin Haller „Sisi Die Kaiserin im Sattel“ ist ein großes Bedauern zu lesen, dass es die Parforcejagd in England heute nicht mehr gibt. Er findet die

„Fuchsjagd als schonendste Form der Dezimierung des Fuchsbestandes“ (7)

Schon allein dieser Gedanke gruselt mich, denn als Tierschützerin, fiel mir immer gerade die Jagd der Habsburger ganz besonders schwer zu recherchieren oder davon zu berichten.

Sämtliche Schlösser die ich im Laufe der Jahre besucht habe, waren für mich persönlich immer bedrückend, wenn ich diese vielen Geweihe und ausgestopften Tiere sah.

Vor allem bei Erzherzog Franz Ferdinand, der 1 Million Tiere (!) abgeschossen haben will (lt. Aufzeichnung seiner Jäger) muss ich heute noch schwer schlucken.

Selbst Kaiser Franz Joseph, der selbst eine nicht minder beachtliche Abschusszahl hatte, ließ sich 1892 nur schwer zu dem unsinnigen „Distanzreiten von Wien nach Berlin“ überreden, da er es absegnen musste.

Monatelang weigerte er sich, bis er von allen Seiten belagert, überredet wurde.

Der Gewinner des Rennens, Wilhelm Graf Starhemberg (*30.10.1862, †18.5.1928), stand schließlich und endlich in Berlin ohne Pferd da. Zu Tode gehetzt fiel der wunderschöne Hengst Athos durch eine Verletzung nach einem Starrkrampf einfach um.

Danach verbot Kaiser Franz Joseph dieses Rennen endgültig.

Ich persönlich bin also froh, dass England die Hetzjagden auf Füchse (und Hirsche) – die dabei zu Tode gehetzt wurden – verboten hat. Martin Haller findet das in seinem Buch „beschämend“!

Par force (französisch) – heißt im übrigen: Gewalt – dieses Verbot kommt also nicht von ungefähr. 1934 in Österreich/Deutschland, 2005 England; alle anderen Länder betreiben sie noch!

Aber was war nun eine Parforcejagd?

Der Jagd“anführer“ saß auf seinem Jagdpferd, genannt „Hunter“ welcher die Jagd leitete. Selbstverständlich war die Jagd nur Reichen und geladenen Gästen vorbehalten. Wer also zu dieser Gesellschaft zählte, durfte und konnte sich glücklich schätzen.

England und Irland stellten dabei die schönsten Jagdgebiete zur Verfügung. England wurde zudem mit dem Spitznamen „Rote Röcke Jagd“ bekannt, da die Jäger dort ausschließlich rote Jacken trugen.

Es gab genügend Gräben, Hindernisse, Wälder und schwierige Routen.

Vor der Jagd wurde beim sogenannten „Meet“ aufgesessen und locker von Pferd zu Pferd geplaudert. Dabei bellten schon die Hunde vor lauter Aufregung und so manches Pferd zeigte seinen Willen, lospreschen zu wollen. Andere wieder nahmen das Ganze sehr gelassen auf.

Foto: Thaddäus Bien
Hundemeute bei einer Parforcejagd

Danach wurde zur Jagd geblasen und der Leithund heulte seinen typischen Jagdlaut aus. Dann ging es auch schon los. Die Pferde und Hunde preschten im Galopp voran und folgten den Hunden, die die erste Spur einer Fährte witterten.

Der Hunter ritt voran und führte die Gesellschaft an. Dabei durfte der Hunter nicht „überritten werden“. Dies zählte als schwerer reiterlicher Fehler und wurde vom Hunter bestraft. Schlimmstenfalls sogar mit dem Ausschluss der Jagd – was eine unglaubliche Schande in der Jagdgesellschaft darstellte. Im besten Fall wurde der/die Reiter/in vom Hunter schwer beschimpft (und musste sich dieses gefallen lassen).

Bei den sogenannten Stops, rasteten sich die Pferde in einem Halbschlaf aus, aus dem sie unfassbar schnell wieder erwachen konnten. Danach ging es sofort wieder weiter.

1-4 Füchse wurden pro Jagd aus ihren Bauten geholt. Zuvor wurden diese zugemacht, damit der Fuchs sich nicht in sein Erdloch verkriechen konnte. Die Hunde hätten ihn nämlich sonst nicht erwischt.

Waren die Hunde erst einmal hinter dem Fuchs her, hatte dieser kaum eine Chance. 1-2 Füchse wurden hintereinander gejagt, je nachdem wie die Fährten der Tiere aufgenommen wurden. Die Hetze durch die Hunde dauerte ungefähr 1 Stunde. Danach waren die Füchse (oder Hirsche) so erschöpft, dass die Hunde sie erwischen konnten und zubissen. Die meisten Füchse starben durch die Hunde, andere wurden erschossen.

7 Monate dauerte die Jagd in England, 5x die Woche fanden diese statt. Man kann sich also die Anzahl der zu Tode gehetzten Füchse selbst ausrechnen. Und das in nur einem Revier. Es gab unzählige – allein in England.

20-50 Jäger konnte eine Gesellschaft zählen, dazu ca. 200 Hunde. Manchmal sogar 500. Je nachdem wie groß die Gesellschaft tatsächlich war und wieviele Hunde die Besitzer hatten.

Nach dem Abschluss der Jagd ritt die Gesellschaft zum Landbesitz des Gastgebers zurück. Dort wartete bereits das Personal mit Sherry auf die Gesellschaft. Nach einer ordentlichen Erfrischung und Umziehen wurde zum Dinner geladen.

Foto: artnet.com
Kaiserin Elisabeth auf der Jagd in England
Bild: Julius Blaas (Wasserfarbe)

Elisabeth jedenfalls hörte Prince Edward interessiert zu und natürlich hatte sie nur noch eines im Sinn:

sie wollte zur Parforcejagd nach England.

Kaiser Franz Joseph stöhnte bei dem Gedanken natürlich auf. Seine Frau kam immer wieder auf Ideen, die ihn schier zur Verzweiflung brachten.

Sie wusste aber auch, dass, egal wie sehr Franz Joseph auch zetern würde, sie es immer schaffte, ihn umzustimmen.

Hinzu kam, dass ihre Schwester Marie (*4.10.1841, †19.1.1925), schon seit einiger Zeit das Parforcejagen kannte und Elisabeth anstachelte dies zu versuchen.

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Marie von Neapel
Foto: Wikimedia/Commons
König Francesco und Königin Marie von Neapel
(geschöntes Bild)

Getrennt von ihrem Ehemann König Francesco von Neapel (*16.1.1836, †27.12.1894) verbrachte die gelangweilte Marie ihr Exil hauptsächlich in Begleitung ihrer Schwester Kaiserin Elisabeth und/oder ihrer Lieblingsschwester Mathilde „Spatz“ Gräfin von Trani.

Ihre Lieblingsbeschäftigung war ebenfalls das Reiten, was sie aber bei weitem nicht annähernd so beherrschte wie Elisabeth.
Dies sollte später noch für einen Eklat sorgen, der schließlich zum Bruch der Schwestern führte.

1874 war es schließlich so weit. Um der Reise einen „offiziellen“ Grund zu geben, wurde eine Ausrede für die kleine Valérie auserkoren. Sie benötige „Seebäder“ und die Isle of Wight wäre dazu gerade richtig.

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Steephill Castle in Ventnor auf der Isle of Wight

Kaiser Franz Joseph wollte politische Schwierigkeiten vermeiden, weshalb die Reise inoffiziell blieb und Elisabeth als „Gräfin Hohenembs“ reiste.

Kaiserin Elisabeth und ihr Gefolge wohnte im Steephill Castle in Ventnor.

Da Elisabeth sich bei Queen Victoria (*24.5.1819, †22.1.1901) sehr kurzfristig anmeldete, welche ihren Sommer ebenfalls auf der Insel verbrachte, war diese sehr ungehalten.

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Princess Alix of Wales

Sie schrieb ihrer Tochter Victoria (*21.11.1840, †5.8.1901) folgenden Brief:

„Die Kaiserin bestand darauf, mich heute zu sehen. Wir sind alle enttäuscht. Ich kann sie nicht eine große Schönheit nennen. Sie hat eine schöne Haut, eine herrliche Figur, und hübsche kleine Augen und eine nicht sehr hübsche Nase. Ich muß sagen, da sie in grande tenue [große Aufmachung], wenn sie mit ihrem schönen Haar zu sehen ist, was zu ihrem Vorteil ist, viel besser aussieht. Ich finde Alix [die Prinzessin von Wales] viel hübscher als die Kaiserin.“ (8)

Doch Queen Victoria hatte sich offenbar völlig umsonst bei ihrer Tochter echauffiert.

Kaiserin Elisabeth war einen Tag zuvor schon bei Kronprinzessin Victoria und hatte diese – wie sollte es anders sein – ebenfalls brüskiert.

„Die Kaiserin von Österreich war gestern auch hier – sie wollte keine der angebotenen Erfrischungen annehmen. Aber nachher hörten wir, daß sie zum Hotel in Sandown ging und dort dinierte, was wir doch ziemlich sonderbar fanden. Sie sah nicht am allerbesten aus, und ich denke, ihre Schönheit hat seit dem letzten Jahr sehr nachgelassen, wenn sie auch noch immer hübsch ist! Sie war auch nicht zur ihrem Vorteil angezogen.“ (9)

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Kronprinzessin Victoria

Weiters ging es darum, dass Victoria ebenfalls Alix viel hübscher fand, aber …

„die Kaiserin ist pikanter als alle Damen, die ich jemals gesehen habe. Die schöne Kaiserin ist eine sehr sonderbare Person, was ihre Tageseinteilung angeht. Den größten Teil des Vormittags verbringt sie schlafend auf dem Sofa. Sie diniert um 4 und reitet den ganzen Abend ganz allein und niemals kürzer als drei Stunden lang und wird wütend, wenn irgend etwas anderes geplant ist. Sie will keinen Menschen sehen oder sich irgendwo sehen lassen.“ (10)

Einige Tage nach dem Besuch, reiste die Kaiserin nach London ab. Sie war äußerst beseelt darüber, dass die Straßen der Herrschaftshäuser leer waren, so konnte sie mit ihrer Lieblingshofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics unerkannt durch die Straßen laufen.

Zum einen wollte sie London besichtigen, zum anderen forderte sie Kaiser Franz Joseph auf, einige Pflichtbesuche abzustatten. Obwohl die meisten Adeligen auf Sommerfrische waren, blieben einige wenige zurück.

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Mary Adelaide Herzogin von Teck

So musste sie u.a. Mary Adelaide Herzogin von Teck(*) (*27.11.1833, †27.10.1897) besuchen. Nach dem Besuch schrieb sie einen amüsanten Brief an Franz Joseph:

„Sie ist „kolossal dick“. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Ich dachte mir die ganze Zeit: Wie muß sie im Bett ausschauen?“ (11)

Sie besuchte die Gestüte der Insel und sah wunderschöne Pferde, die sie nicht kaufen durfte. Als Kaiserin hätte sie niemals so viel Geld für ein Pferd ausgeben dürfen.

Völlig aufgelöst schrieb sie dem Kaiser:

„Das, was ich am liebsten haben möchte, kostet fünfundzwanzigtausend Gulden! Also natürlich unerreichbar.“ (12)

Gulden 25.000 = ca. € 311.599

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Lady Georgina Dudley

Doch wie es der Zufall so wollte, schenkte Lady Georgina Dudley(**) (*9.8.1846, †2.2.1929) Elisabeth das Pferd.

Kaiserin Elisabeth war entzückt, obwohl sie sich lange wehrte. Es war nicht üblich, dass solch teure und exklusive Geschenke gemacht wurden.

Lady Dudley gehörte in weiterer Folge immer zur Jagdgesellschaft rund um Kaiserin Elisabeth.

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Charles Cecil Manners
6th Duke of Ruthland

Elisabeth schrieb mehrmals ihrem Mann und bettelte direkt, dass er nach London bzw. England käme, um sich auszuspannen. Er sollte jagen, das neue Pferd ausprobieren und bei ihr sein. Doch so sehr sie auch hoffte, Franz Joseph musste zu seinem Bedauern absagen. Sein Terminkalender ließ eine Reise nicht zu.

Als sie auf Schloss Melton ankam, um dort für einige Tage zu bleiben, lernte die Kaiserin nun endlich die richtige englische Jagd kennen. Ihre erste Parforcejagd stand an und Elisabeth war vom ersten Augenblick fasziniert und infiziert.

Charles Cecil Manners 6te Herzog von Rutland (*3) (*16.5.1815, †3.3.1888) war ihr Gastgeber.

Nun begnegnete sie zwei Brüdern, deren Nichte Kaiserin Elisabeth noch viele Sorgen und Probleme machen sollte.

Begleitet wurden die beiden von Königin Marie von Neapel, welche, finanziert, durch die Familie Rothschild ein feudales Leben führen konnte.

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Hector Baltazzi
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Alexander Baltazzi

Hector (*21.9.1851, †2.1.1916) und Alexander Baltazzi (*16.5.1850, †24.11.1914), galten als schwer reich und drängten sich dem Adel nahezu auf.

Sie waren die Brüder von Helene Freifrau von Vetsera geb. Baltazzi (*29.5.1847, †1.2.1925). Helene war niemand geringerer als die Mutter von Mary Vetsera.

Als Gräfin Festetics die Baltazzi Brüder kennenlernte, schrieb sie warnend in ihr Tagebuch:

„Man muss sehr achtgeben… Die Brüder gehen im Sport auf, reiten famos, drängen sich überall hin, sind für uns gefährlich, weil sie ganz englisch sind, und wegen der Pferde!“ (13)

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Marie Gräfin von Festetics

Wie Recht sie behalten sollte, wusste natürlich zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Dennoch war Elisabeth unglaublich glücklich. Marie Gräfin von Festetics, Lieblingshofdame und enge Vertraute der Kaiserin notierte weiter:

„….. Der Herzog von Rutland hat dort seine Hunde und Ihre Majestät jagte dort das erste Mal auf englischen Boden. Die kleinen Jagderl früher, auf der Insel kann man das kaum Jagd nennen! …. Die zwei Tage waren so ermüdend, daß die Herrn alle todt waren und nur mit Mühe sich aufrecht hielten. Die Kaisern war ganz beschwingt, keine Spur von Müdigkeit. Wohl aber lachte Sie so herzlich über Tisza (Anmerkung Petra: Káláman Tisza (‚), ung. Ministerpräsident und Jagdbegleiter) der trotz des tapfersten Kampfes und enormen Respectes das Unglück hatte, ab und zu einzunicken! Die hellen Thränen perlten über Ihre rosigen Wangen! Die Ankunft war wie die Abreise, da lachte Sie auch so! (14)

Doch die Reise war zu Ende und Elisabeth musste mit ihrem Gefolge wieder nach Hause.

Ab sofort ritt die Kaiserin in Gödöllö und in Wien beinahe ununterbrochen, um noch besser zu werden.

Denn sie hatte nur ein Ziel:

sie wollte wieder nach England zur Parforcejagd.

Dazu engagierte sie den aus – woher sonst – England stammenden Reitlehrer und Stallmeister Allen, der von allen nur Mr. Allen (*/†unbekannt) genannt wurde. Er stachelte die Kaiserin zu immer weiteren und waghalsigeren Sprüngen und Ritten an.

Mit großer Besorgnis beobachtete dies Kaiser Franz Joseph und auch Hofdame Festetics.

Mr. Allen war eine Empfehlung von Marie von Neapel, der Marie von Festetics nichts abgewinnen konnte.

In ihrer Nähe war Elisabeth besonders beeinflussbar, schrieb diese in ihr Tagebuch.

Nicht nur, dass Marie Elisabeth in allem nachahmte, was die Kaiserin trug (Frisur, Kleidung), so musste sie auch so Reden, Stehen und Gehen wie diese.

Und natürlich wollte Marie auch so Reiten wie Elisabeth, wozu sie William „Bay“ Middleton (*16.4.1846, †9.4.1892) mehrfach versuchte anzuheuern. Doch ohne Erfolg.

Foto: Wikimedia/Commons
William „Bay“ Middleton

Der berühmte Jockey und Reiter ließ sich von der Adeligen reichen versnobten Marie nicht „kaufen“.

Noch dazu war Marie in seinen Kreisen als „lausige Reiterin“ bekannt.

Nicht nur, dass er die Königin nicht sonderlich mochte, so war Marie auch nicht gerne gesehen. Sie galt als versnobt, ließ sich von Fremden aushalten (der Familie Rothschild), hielt sich ihren eigenen Ehemann als „Dienstboten“ und ging mit allen anderen Leuten ebenfalls wie mit Dienstboten um.

Hofdame Festetics dazu in ihrem Tagebuch:

„Ihr König ist für sie, was für mich der Packelträger auf dem Bahnhof.“ (14)

Doch bevor Kaiserin Elisabeth wieder nach England abreisen konnte, passierte in ihrem Leben etwas Einschneidendes. Dies sollte ihr ganzes weiteres Tun komplett beherrschen und ab sofort war sie unabhängig(er).

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Kaiser Ferdinand I.

Onkel Kaiser Ferdinand I. starb am 29.6.1875 (*19.4.1793) in Prag. Bis jetzt war Kaiser Franz Joseph von seinem eigenen Einkommen abhängig und Elisabeth von der Apanage ihres Mannes.

Nun aber erbte Franz Joseph ein immenses Vermögen und überließ Elisabeth gleich einmal

2 Milionen Gulden = ca. € 24.876.000

Trotz stetiger hoher Ausgaben, nahm die Kaiserin permanent hohe Geldbeträge ein.

Sie vermehrte ihr Privatvermögen, in dem sie in der Schweiz ein Konto einrichtete, eine Reihe Sparbücher anlegte und Aktien und Pfandbriefe kaufte.

Nun war sie von Kaiser Franz Joseph nicht mehr abhängig.

Sie kaufte die teuersten Pferde, die sie in der Monarchie Österreich-Ungarn auftreiben konnte und ließ sie für die Jagd in England ausbilden.

Um sich selbst noch darauf vorzubereiten, schob sie einen Reit- und Badeurlaub in der Normandie (Frankreich) ein.

Der kleine Staat hatte sich gerade gebildet und die politischen Querelen zu Österreich waren enorm.

Wieder musste die kleine Tochter Erzherzogin Valérie als Ausrede für das Wiener Volk herhalten. Die „kranke Erzherzogin müsse zur Kur“ stand in den Zeitungen zu lesen, weshalb die Kaiserin ins Ausland müsse.

Kaiser Franz Joseph war sehr unwohl, denn in der Normandie tummelten sich viele Anarchisten. Doch Elisabeth beschwichtigte ihn und meinte im Schlosspark von Schloss Sassetôt könne ihr nichts passieren.

Dass dies ein Trugschluss war, konnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

60 Personen, Pferde und natürlich Mr. Allen waren die Begleiter rund um Kaiserin Elisabeth als sie in Richtung Normandie aufbrach.

Die Vormittage waren für das Schwimmen im Meer reserviert, die Nachmittage für das Reiten. Dabei wurden im gesamten Schlosspark englische Hindernisse aufgestellt.

Foto: Repeated Originals via etsy shop
Badeanzug ca. 1872

Um die Gaffer, die sich auf den Klippen versammelten und zum Teil mit Fernglas hinabsahen und die schöne Kaiserin beim Baden beobachten wollten, eins auszuwischen, wurde eine List angewandt.

Diese wurde zuvor schon in England angewandt und hatte wunderbar funktioniert.

Kaiserin Elisabeth ließ schon in Wien mehrere exakt gleiche Flanellbadeanzüge anfertigen und so musste Gräfin von Festetics, Ida Gräfin von Ferenczy oder Fanny Feifalik im selben Badeanzug wie die Kaiserin am Badestrand vom Schloss Sassetôt baden gehen, während sich Elisabeth in eine geschützte Bucht zurückzog.

Ab 15.00 Uhr wurde im Park trainiert.

Mr. Allen trieb die Kaiserin jeden Tag zu neuen Übungen und zu noch waghalsigeren Sprügen an.

Hofdame Festetics wurde Bang bei den Sprüngen und hatte wirklich Angst um ihre Herrin.

Foto: france-voyage.com
ehemaliges Schloss Sassetôt, heute Hotel Château de Sissi

Mr. Allen ging zum Teil recht rüde mit den Tieren um.

Einmal wollte er der Kaiserin zeigen, wie er ein Pferd beherrscht und trieb es in die tosende See.

Dieses weigerte sich jedoch beharrlich, worauf Mr. Allen wütend wurde.

Mit 3 Paar Sporen auf den Fersen und einem schweren Peitschenhieb trieb er das Tier in die Wellen. Das Tier bäumte sich allerdings auf, sodass Mr. Allen vom Pferd stürzte und unterging.

Kreidebleich beobachtete Elisabeth diese Szene und beruhigte Marie von Festetics. Nie und nimmer, würde sie so etwas nachahmen. Das Pferd hat die Strapaz übrigens überlebt. Es rettete sich selbst ans Ufer und Mr. Allen wurde vom Bademeister aus den Wogen gezogen.

Doch am 10.9.1875 passierte ein schwerer Unfall, der beinahe zum Tode der Kaiserin führte. Und wer das Datum nun gelesen hat, kann es vielleicht als Omen betrachten.

Hier möchte ich noch einwerfen, dass in allen (!) historischen Büchern (ob alt oder neu) der Unfall mit dem Datum 11.9.1875 angegeben wird. Marie von Festetics beginnt ihre Aufzeichnung aber eindeutig mit „gestern“ und dies war nun einmal der 10.9.1875.
Hinweis: Ich habe deshalb ausnahmsweise im Zitat das Wort „gestern“ Fett markiert.

Ich lasse nun Marie von Festetics, die das ganze Geschehen notiert und persönlich miterlebt hatte, selbst erzählen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildauszug
Kaiserin Elisabeth hoch zu Roß

„Sassetôt, 11. September 1875

Ein schrecklicher Tag gestern, ich kann mich heute noch nicht faßen. In der frühe, vielleicht 10 Uhr, rief die Kaiserin zum Fenster herauf meinen Namen. Zu meinem Erstaunen war Sie im Reitkleid, was gegen Ihre Gewohnheit war, da Sie täglich baden ging, Sie sagte, Sie würde im Parke ein neues Pferd das Mr. Allen Ihr recommandiert, probiren, daher nicht baden. Wir sollten darum nur alle wie gewöhnlich zum Meere gehen, Sie brauchte nichts, da Sie nicht aus dem Garten gehen würde. So gingn wir allesamt, ich nur wegen der Gesellschaft, da ich ja nicht baden darf.
Ich sezte mich auf eine Bank und schaute den Wellen zu. Wie lange, weiß ich nicht, als ich plötzlich von einer zitternden Stimme aus meinen Traum geweckt wurde. „Madame, kommen Sie schnell, im Park ist ein Unfall passiert!“ Wie schnell ich bei Wiederhofers (Anmerkung Petra: Leibarzt Ihrer Majestät) Cabine war, weiß ich nicht. In der nächsten Secunde waren wir schon im Wagen und fuhren wie rasend dahin, kein Wort kam über unsere Lippen. Beim Parkthor stand jemand, der etwas rief, was, weiß ich jezt noch nicht, aber beide verstanden wir: „Es ist zu spät!“
Wir faßten uns an den Händen, mir kam es vor, daß mir das Herz zersprang. In einer Weile in vielleicht 1/2 Minute, es war uns wie eine Ewigkeit, erschienen wir auf den Platz.
Sie lebte! Der Anblick war aber schrecklich. Sie lebte, dem allmächtigen Gott sei tausend tausend Mal gedankt! Wie ich zu Ihr kam, weiß ich auch nicht, aber auf den Knien lag ich vor Ihr faßte Sie bei den eisigen Händen, die krampfhaft den Hut hielten. Sie saß regungslos kerzengerade auf einem Fauteuil, todtenbleich, auf der Stirne ein Fleck, ganz zerstört und geistesabwesend, ihre lieben schönen Augen ganz glanzlos und stierten gräßlich!
Wie ich alles sehen konnte in dem Momente, wo mein Herz vor Schreck und Weh gar nicht klopfte und ich das Gefühl hatte, es riße mir etwas im Kopfe. Mr. Allen hielt ein Parasol über Sie, der Bischof stand schlotternd neben ihr. Wiederhofer sagte: „Sprechen Sie zu Ihr, damit ich beobachten kann, wie’s um das sensoriren steht.“ Die Stimme aber wollte nicht kommen. Wiederhofer wiederholte und drängte, endlich kam es über meine Lippen: „felséged szenved?“ Wiederhofer: Reden’S deutsch!“ – „Eure Majestät, leiden Eure Majestät?“
Ihre Augen hingen starr in der Luft, als ich um Antwort bat, bewegte sie die Augen und schaute aber ganz abwesend in die meinen. Endlich war es lebendiger. Die Todesqual hatte mir Thränen in die Augen getrieben und ich wiederholte meine Bitte: „Bitte Eure Majestät, kennen Eure Majestät auch nur ein Wort?“
Da bewegte sich etwas in dem Auge, ich sah, Sie erkannte mich, aber konnte nicht sprechen. Endlich sagte Sie tonlos, kaum hörbar: Bitte Marie, weinen Sie nicht, das tut mir weh. Ich war so glücklich, so glücklich, aber ach!
Es war nur ein Moment, dann folgte wieder Schweigen, bis Sie endlich wieder fragte: „Aber was ist passiert?“ – „Eure Majestät sind mit Ihrem Pferd gestürzt.“ Nach einer langen Weile, man sah, Sie wollte sich erinnern, sagte Sie: „Aber ich bin nicht geritten.“
„Ja, Eure Majestät“. – „Wie spät ist es?“ – Halb elf, Majestät“. – „Früh? Da pflegte ich nicht zu reiten.“ – Eure Majestät haben ein Pferd probirt!“ – „Nein, ich erinnere mich nicht, und dann?“ – „Stürzten Eure Majestät.“ – „Aber ich bin nicht geritten!“
Dann schaute sie sich an und sah, daß Sie ein Reitkleid anhabe. „Natürlich schaut es so aus, aber wo ist das Pferd?“ – „Ist davon gelaufen, Eure Majestät.“ – Da kam ein Gesicht, so abwesend, schrecklich, dann endlich wieder, furchtbar langsam. „Ich wünsche das Pferd zu sehen.“
Es dauerte dann eine Weile, bis es kam. Es war mit solcher Wucht gefallen, daß die Beine zerschunden waren. So fragte Sie: „Aber warum ist sein Knie blutig?“ – „Vom Sturze, Eure Majestät“. – „Ach ja, natürlich, das kann stimmen, nur daß ich mich nicht erinnere. Gibt es keine gelben Rüben?“
Die Rüben wurden geholt, Sie wollte sich erheben, konnte aber nicht ein Glied rühren. Da fing Sie an zu glauben und fragte: „Und wo ist Valérie? Und der Kaiser? Und wo sind wir, was machwn wir in Frankreich?“
Ich antwortete fort und fort, so ruhig ich konnte. Es war, als ob wir allein auf der Welt wären.
Sie bemerkte die Leute gar nicht, erinnerte sich gar nicht, schwieg eine Weile, dann sagte sie: Wenn es stimmt, daß ich stürzte, dann bin ich ein Trottl.“
Und nun fragte sie fort, wie ein Kind: „Bleibe ich jetzt immer so dumm, immer so ein Trottel?“
Wiederhofer betrachtete Sie unaufhörlich mit seinen klugen, beredten Augen. Dann hob man Sie in den Wagen.
Ich sezte mich neben Sie, fasst Sie um die Taille, Sie lehnte sich schwer an mich, ich wagte kaum zu athmen. Der Wagen setze sich in Bewegung, Wiederhofer ermahnte mich aufzupaßen, den Kutscher, ja recht langsam zu fahren, und so sezten wir uns in Bewegung. Auf einmal sagte Sie: „Jetzt erging es mir so wie vor Kurzem dem armen Gemeinsamen [Außenminister]. Sie nannte Andrássy so. „Er fühlte sich genau so wie ich. Oh mein Gott, sagen Sie mir bitte, daß Sie nicht glauben, daß ich so bleibe, weil ich mich fürchte, ein Trottl zu bleiben!“
Ich nam mein Courage zusammen und sagte: „Eure Majestät, wer sich davor fürchten kann, ist ganz bei Sinnen! Der Kopf Eurer Majestät ist benommen, aber anderes fehlt Ihnen nicht. Der Gemeinsame [Außenminister] ist auch nicht so geblieben und Eure Majestät stürzten nicht einmal halb so schwer wie er.“ Das wirkte tröstend. Sie schwindelte fort, sagte aber, wie der Wagen stehen blieb: „Bitte den Kaiser nicht zu erschrecken und ihn vorsichtig in Kenntnis setzen und man soll bedenken, wie er sich erschrickt.“ Nun trug man Sie in Ihr Zimmer. Ida und Nopcsa (Anmerkung Petra: ihre Vorleserin und ihr Obersthofmeister) standen todtenbleich da. Die Armen waren im Meer und hörten erst, als sie heraus kamen, was geschehen war.
Mit Eisumschlägen, wahnsinnigen Kopfschmerzen, Übelkeiten, eine schlechte Nacht!
Gegen Morgen stellte sich Schlaf ein und heute liegt Sie tief im Bette, aber mit den alten Augen und klarem Kopf, wenn auch noch mit Schmerzen. Seiner Majestät wurde ein Bericht zusammen gestoppelt. „Die Wahrheit und doch nicht erschrecken“, das ist schwierig, besonders wenn einer die Verantwortung zu tragen hat. … (15)

Historiker Conte Corti beschrieb den Unfall, welche eine Nacherzählung von Kaiserin Elisabeth persönlich war und ihm von Marie von Festetics erzählt wurde, wie folgt:

„Ein neues Pferd ist gekommem. Allen hat es vorher zuviel abgeritten. Bei einer kleinen, niedrigen Hecke, die die an ganz andere Sprünge gewöhnte Elisabeth für nicht achtete, macht ihr Pfed auf einmal einen übertrieben großen Satz, strauchelt und fällt auf die Knie. Elisabeth wird mit solcher Gewalt heruntergeschleudert, daß die Sattelgabel abbricht. Besinnungslos bleibt sie auf dem Rasen liegen. Der brave heimische Bereiter Bayzand steht am anderen Ende des Sprunggartens und wartet, bis die Kaiserin durchkommt. Auf einmal sieht er das Pferd reiterlos, stürzt hin und findet Elisabeth regungslos am Boden liegen. Alle sind beim Baden, nur Gräfin Festetics nicht.“ (15a)

Anmerkung Petra: Kaiserin Elisabeth erinnerte sich später wieder an den Unfall und erzählte ihrer Mari – die sie immer so schrieb – am 29.9.1875 den Unfallhergang. Als Conte Corti seine Biografie verfasste sprach er noch mit Gräfin Festetics, die ihm somit aus erster Hand von dem Unfall erzählen konnte. Warum bei ihm ebenfalls der 11.9.1875 als Unfalltag angegeben ist, ist mir daher unbegreiflich. Er hatte Zugang zu Briefen, Tagebücher und vielen Dokumenten, die bis heute entweder unter Verschluss sind oder durch den 2. Weltkrieg vernichtet wurden (Idas Elisabeth Museum in Budapest).

50 Mal wurde das Telegramm an Kaiser Franz Joseph stilistisch verändert, bis man es schließlich abschickte.

Am 16.9.1875 kam Fanny Feifalik (*28.1.1842, †14.7.1911) auf die Idee ihr die Haare aufzumachen und auszubürsten, was einen Rückfall auslöste und Elisabeth wieder mit enormen Kopfschmerzen, Übelkeit und Sprechstörungen zurück ins Bett sank.

Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901) (Anmerkung Petra: Marie von Festetics schrieb ihn mit „ie“, Dr. Widerhofer schrieb sich jedoch nur mit „i“) war so besorgt um Kaiserin Elisabeth, dass er ihr nur noch eine Nacht zur Besserung gab.

Wäre dies nicht eingetreten, hätte Elisabeth anderntags ihre Haarpracht verloren. Dr. Widerhofer hätte diese abrasieren lassen.

Erschrocken darüber schrieb Gräfin von Festetics:

„Wenn sich der Kopf in 24 Stunden nicht bessert, müßen die Haare herunter! Mir schaudert. Ich habe das Gefühl, Ihre Haare seien etwas „besonderes“ und würden gemordet! Ihre Haare, die schönen, welligen, schimmernden Haare, schrecklich! Das wäre zu grausam!! Der Puls ist so schwach. Ich, wir, Ferenczy (Anmerkung Petra: Vorleserin Ida) und ich, verbringen die Tage auf den Stufen vor der Thüre, auch faßt die ganze Nacht. Je größer die Ruhe um Sie, desto besser für Sie.“ (16)

Foto: Wikimedia/Commons
Julius „Gyula“ Graf Andrássy

Kaiser Franz Joseph war außer sich, als er das Telegramm erhielt und wollte sofort in die Normandie.

Außenminister Julius „Gyula“ Andrássy (*8.3.1823, †18.2.1890) hielt ihn wegen der politischen Probleme mit Frankreich zurück.

So schrieb dieser rührende Briefe an seine Engels-Sisi. Als sie diese empfing, weinte sie vor Freude. Denn Elisabeth wollte nur noch eines: nach Hause

„Dem allmächtigen Gott heißen Dank, daß es soweit ist. Ich kann den Gedanken nicht ausdenken, was geschehn hätte können. Was sollte ich auf der Welt ohne Dich, den guten Engel meines Lebens?“ (17)

Doch bevor die Kaiserin endgültig nach Wien zurückkehren durfte, musste noch ein Anstandsbesuch beim Präsidenten in Paris abgehalten werden. Diesen überstand sie mit Bravour, da es ihr schon viel besser ging.

Als sie in Wien ankam, stieg sie schon wieder aufs Pferd. Der einzigen, der sie Zeit ihres Lebens das Reiten verbot, war ihrer Tochter Erzherzogin Marie Valérie.

„Zu gefährlich“

befand die überfürsorgliche Mutter.

Dass sich aber alle Sorgen ihretwegen machten, nahm sie nicht ernst.

„Da sieht man, daß gerade das geschieht, was einem Gott bestimmt.“ (18)

Diesen Ausspruch tätigte Elisabeth einige Tage zuvor, als diese mit ihren Hofdamen und ihrem Obersthofmeister, am 29.9.1875 die Kapelle des verunglückten 32jährigen Kronprinz Ferdinand Philippe von Orléans (*3.3.1810, †13.7.1842) besuchte.

Im November 1875 starb ihr Lieblingshund Shadow, um den sie unsagbar trauerte. Sie ließ ihn im Garten von Schloss Gödöllö begraben und einen Stein errichten.

Shadow war eine Dogge und kein Wolfshund!

Foto: artvee.com
Dogge SHADOW
Bild: Ölgemälde Carl Reichert, 1873
Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig II, 1874

Ein kleine Anekdote am Rande rund um Shadow: =>

Shadow musste einmal als Ausrede herhalten, um König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886) loszuwerden der Kaiserin Elisabeth lästig wurde, da er sie auf Schritt und Tritt verfolgte. Sie bat Marie von Festetics dem König auszurichten, dass Shadow keine fremden Menschen möge und „bissig“ sei. Der König blieb traurig fern, konnte es kaum fassen und Elisabeth ging allein mit Hund und Marie spazieren.

Im März 1876 konnte sie ihr Reisefieber nicht mehr verbergen und nun endlich ging es nach England zur Jagd.

Foto: John Fielding
Easton Neston in Towcester, Northants

Untergebracht war sie mit ihren Pferden und ihrem Gefolge in Easton Neston, in Towcester, Northants. Schon am nächsten Tag war die erste Jagd.

Wieder waren die üblichen Verdächtigen dabei. Die Baltazzi Brüder und noch so einige Namen, die hier jetzt nur für weitere Verwirrung stiften würden, würde ich sie alle auflisten.

Das Schloss selbst wurde wieder einmal von Marie von Neapel bewohnt und wurde in weiterer Folge von Elisabeth „belagert“.

Foto: Wikimedia/Commons
John Poyntz
5. Earl of Spencer

Bei einer der Jagden lernte sie John Poyntz 5. Earl of Spencer (*27.10.1835, †13.8.1910) kennen. Er war ein Vorfahre von Lady Diana (*1.7.1961, †31.8.1997).

Nun war es auch für Elisabeth so weit, endlich auf William „Bay“ Middleton zu treffen.

Allerdings wollte der so gar keine Notiz von ihr nehmen. „Wieder ein weiteres Weib im Sattel“, so ähnlich wird er wohl gedacht haben. Er galt zwar als vollendeter Gentleman, wenn es um Damen ging und soll auch ein zärtlicher Liebhaber gewesen sein, was seine zahlreichen Liebschaften beweisen, aber auch ein Rüppel in seiner „Männerdomäne“.

Doch die englische Jagdgesellschaft hatte größte Bedenken und Angst um die Künste der schönen Kaiserin und so stellte der Lord Bay als Hunter für Elisabeth ein.

Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen und anfangs weigerte er sich sogar.

Wie schon bei Marie von Neapel, lehnte er aus Interesselosigkeit ab. Eine Dame aus dem Adel wollte er partout nicht führen.

Kaiserin Elisabeth kam die Art wie Bay über sie sprach zu Ohren und hatte von Anfang an größten Respekt vor ihm.

Einmal ein Mann der nicht vor Ehrfurcht erstarrte, nur weil sie vor ihm stand.

Dass ausgerechnet Bay Middleton ihr noch zum Verhängnis werden sollte, konnte sie jetzt noch nicht ahnen.

Doch nicht alle in ihrem Umfeld, vor allem die Herren, waren der Gleichgültigkeit verfallen. Es gab einige die sich teilweise sogar um die Gunst der Kaiserin stritten und um ihre Aufmerksamkeit buhlten.

Foto: Nationalbibliothek.at
Kaiserin Elisabeth
jung, schön und erfrischend
so wurde sie beschrieben

Sehr zum Missfallen von Kaiser Franz Joseph natürlich, der weit weg in Wien war und zum Teil besorgniserregende Briefe seiner „Berichterstatter“ bekam.

Elisabeths Charme, sowie generell ihre Begleitung waren heiß begehrt. Bis zu 100 Teilnehmer hatte eine Jagdgesellschaft und die Besucher die am Rande der Jagd standen waren auch nicht von minderer Anzahl.

Jeder wollte die schöne und einzigartige

Kaiserin von Österreich sehen.

Elisabeth hatte sichtlich ihren Spaß und versteckte sich nicht.

Marie von Festetics stöhnte auf. Die Teilnehmer würden alle 3 Tage reiten,

„Wir reiten jeden Tag“ (19)

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferenczy

Doch der Aufenthalt 1876 war nicht allzu lange und Bay Middleton spielte noch keine große Rolle in Elisabeths Leben.

Zwar gewann er einen Silberpokal, den diese stiftete und die Kaiserin ganz aufgeregt beim Rennen beobachtete, aber ansonsten war ihr jeden Tag ein anderer Hunter zugeteilt und täglich eine andere Jagdgesellschaft im Gange.

Aufgeregt schrieb Elisabeth ihrer liebsten Freundin, welche nicht nach England mitkommen konnte, Ida Gräfin von Ferenczy (*7.4.1839, †28.6.1928).

Sie war als „Vorleserin“ bei Hofe engagiert, da ihr Adelsstand nicht dem entsprach, dass sie Hofdame werden konnte.

„Easton Neston
Towcester, am 26.3.1876

…… Was glaubst Du, blieb mir Plato (Anmerkung Petra: der neue Hund nach Shadow) treu, wird er sich auf mich freuen und der Alte bleiben? Wie oft dachte und sehnte ich mich nach ihm. Ich weiß nur, dass ich ihn sehr liebe und kaum erwarten kann, ihn wieder zu sehen. …
Die 2 neuen Kleider sind fast schon abgetragen, [oft] genug wälzten wir uns auch in ihnen! Von der Märzsonne und [dem] Wind bin ich so braun geworden wie ein wilder Hase, mein Gesicht ist voll Sommersprossen, wenn mein Fleisch einmal irgendwo schlecht war, jetzt aber nicht mehr. …… ….. u.s.w
Es küsst Dich
Elisabeth
(20)

Am 5.4.1876 traf Kaiserin Elisabeth wieder in Wien ein.

Ohne mit der Wimper zu zucken, bezahlte Kaiser Franz Joseph die Kosten von

Gulden 106.516,93 = ca. € 1.347.488,11

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Freiherr von Nopcsa

Obersthofmeister Ihrer Majestät Franz Freiherr von Nopcsa (*15.3.1815, †24.6.1904) berichtete Kaiser Franz Joseph voller Stolz, dass es keine bessere Reiterin auf der Welt gäbe, als die Kaiserin. Und er fügte noch hinzu: und nur wenige Herren.

Derweil zog der September ins Land und nach einigen Reisen Elisabeths, weilte sie nun in Gödöllö.

Die Jagdsaison hatte in Ungarn begonnen und sehr zum Verdruss der Ungarn wurde Bay Middleton eingeladen.

Auch der Kaiser kam nach Gödöllö und fand den Piloten sehr sympathisch.

Foto: Wikimedia/Commons
Miklós Pál Graf Esterházy de Galántha „Sport-Nikki“

Doch weniger sympatisch fand ihn Elisabeths bester ungarischer Pilot und Freund Miklós Pál Graf Esterházy de Galántha (*5.12.1839, †7.5.1897) genannt „Nikki“ oder auch „Sport-Nikki“. Ihm passte die Einladung nach Gödöllö überhaupt nicht.

Jeder wollte natürlich der „Hunter“ sein und beinahe stritt man sich um die Gunst der Kaiserin.

Amüsiert über Bays schlechtes Deutsch, der viele Wörter verwechselte, dafür aber kein ungarisch sprach und die Ungarn natürlich kein englisch, wurde es schwer für ihn Anschluss zu finden.

Prompt ging bei dem Besuch etwas schief. Bay, der sich fürchterlich in Ungarn langweilte, besuchte eines Tages ganz allein Budapest.

Da er abgängig war, ließ Elisabeth die Polizei einschalten. Eine sehr peinliche Situation für die Königin von Ungarn. Man fand einen völlig betrunkenen Bay in einem Freudenhaus. Zu dem hatte man ihn ausgeraubt.

Elisabeth tobte, Bay lachte und nahm das Ganze selbst nicht so ernst. Da nur Elisabeth Englisch sprach, war es für ihn natürlich nicht so einfach, sich mit den ohnehin hochnäsigen ungarischen Reitfreunden der Königin zu unterhalten.

Als Weihnachten kam, waren auch Herzog Ludwig in Bayern, seine Henriette und Marie geladen, welche mittlerweile 18 Jahre alt und zu einer wahren Schönheit herangewachsen war. Elisabeth herzte sie über alle Maßen.

Und wieder war es Marie von Festetics, die einen gewissen Riecher hatte, was Marie von Wallersee, später dann Gräfin Larisch anging:

„28.9.1876 Gödöllö

„ich möchte sie gernhaben, sie gefällt mir manchmal, aber, aber was? Es ist etwas, was mich hält, ich traue mich fast nicht, es zu schreiben, aus Angst, ihr unrecht zu tun. Ich habe das Gefühl, recht zart will ich’s schreiben, als ist sie nicht wahr, nicht aufrichtig, als hätte sie „schauspielerisches Talent“. (21)

1877/8 sollte die nächste Reise nach England stattfinden.

Diesmal durfte der 19jährige Kronprinz Rudolf sie begleiten, was leider im Desaster endete.

Es ist auch jenes Jahr, welches das engültige Aus für die Schwestern Elisabeth und Marie besiegelte.

Foto: Wikimedia/Commons
Cottesbrooke Hall, Northants

Silvester verbrachte die Gesellschaft in Claridge, danach ging es weiter nach Northamptonshire.

Im Landhaus Cottesbrook wohnte man diesmal für ganze 6 Wochen.

Lord Spencer war der Eigentümer des Landes, auf dem Elisabeth wohnte. Sein Schloss war in unmittelbarer Nähe.

Gräfin Festetics war unwohl, als sie zu Silvester in Claridge ankam. Sie hatte große Angst um Elisabeth, da sie wusste, dass diese 6 Wochen eine enorme Strapaz werden würden. Und sie wusste, dass viele Teilnehmer zu Sturz kamen, sich das Genick brachen und/oder das Pferd ebenfalls zu Tode kam. Ihre Tagebucheinträge sind besorgniserregend.

Zu dem hatte sie wieder einmal eine Ahnung was Marie von Neapel angging.

Als Gräfin Festetics erfuhr, dass sich die Kaiserin diesmal ausschließlich nur von Bay führen ließ, wusste sie, dass dies für Eifersucht bei Marie sorgen würde.

„London, Silvester 1877

… Sie nähert sich nie Ihrer Majestät, ohne etwas im Schilde zu führen. Entweder wenn sie die Kaiserin braucht, um sich zu schützen, denn Sie hat einen niedern Ruf, oder aber wenn Sie die Kaiserin etwas vergülten will. Ich zittere schon, was heuer wieder sein wird. Ich glaube, Sie hat den C.G. (ihren Liebhaber, Anm.) satt und Sie wird auf Middleton los gehen, weil es sie ärgert, daß dieser exquisite Reiter, der nie eine Dame führt, Ihre Majestät führt. Was sie da ausdenken wird, um Ihrer Majestät ihn auszureden, auf das bin ich neugierig! Die Kaiserin fürchtet sich vor ihr und läßt sich doch beeinflussen von der bösen herzlosen Frau! Das sind schöne Sylvestergedanken, ach!“ (22)

Wie weit es tatsächlich kommen würde, konnte selbst Marie nicht ahnen.

Foto: Wikimedia/Commons
Bay Middleton – das Pferd von dem Bay Middleton wahrscheinlich seinen Spitznamen bekam

William „Bay“ war um 9 Jahre jünger als Elisabeth und schwer taub. Wie genau er zu seinem Spitznamen kam, konnte kein/e Historiker/in genau erforschen. Angenommen wird, dass es entweder sein rotblondes Haar war, dass wie eine „Bay“ (englisch für Bucht) schimmerte oder nach dem Pferd „Bay Middleton“, welches beim Epsom Derby 1836 als Sieger hervorging.

Elisabeth verbot ihrem Sohn Rudolf das Jagen zu Pferde, da er nicht die Übung und das Können hatte, wie sie.

Sie ritt jeden Tag über Stock und Stein, Hindernisse, Wassergräben, jagte Füchse, Hirsche und andere Tiere. Die Hetzjagden an denen Elisabeth täglich teilnahm kannten kein Ende.

Mit jedem Aufsitzen wurde Marie von Festetics bang. Beinahe täglich kam es zu schweren Stürzen, auch Tote waren dabei.

Kaiser Franz Joseph hörte indes die schlimmsten Berichte und ihm wurde in Wien Bange. Elisabeth beschwichtigte ihn immer wieder. Ihr gehe es gut und sie sei voller Freude und Elan.

Und das war sie auch wirklich.

Bay feuerte sie täglich zu mehr an. Er war der beste Pilot und der beste Reitlehrer den sie je hatte. Niemand anderer schaffte es, die Kaiserin herumzukommandieren.

Bay Middleton hatte die Kaiserin aber auch im Griff. Sein Ton war manchmal hart und die Gesellschaft staunte nicht schlecht, wie er mit ihr sprach. Doch Elisabeth nahm dies weder mit Besorgnis zur Kenntnis, noch war sie böse. Im Gegenteil. Genauso wollte sie es.

Mit ihm wurde sie noch besser. Tagtäglich nicht nur schneller und höher, sondern auch noch weiter und sie kamen als Erste ins Ziel.

Wenn Bay stürzte, wartete Elisabeth zwar geduldig auf ihn, zappelte jedoch auf ihrem Pferd hin und her, da sie immer nah bei den Hunden sein wollte. Je schneller die Hunde, desto schneller wurde sie.

Foto: britainsbestguides.org
Kaiserin Elisabeth und Bay Middleton bei der Jagd in Ungarn
Bild: Ölgemälde Julius Blaas, 1878

Die Kaiserin war wie besssen. Sie liebte diese Herausforderungen und nahm sie täglich aufs Neue an.

Nur durch Bays Hilfe wurde sie zur besten Reiterin der Welt. Für eine Dame ihres Standes etwas einzigartiges, bisher nie dagewesenes.

Marie von Festetics beschrieb die einzigartigen Szenen wieder einmal in ihrem Tagebuch:

„Ihre Majestät geht, oder besser gesagt jagt faßt jeden Tag, wenn nicht mit dem hiesigen „Pack“, so mit den andern der Nachbarschaft. Spencer sind auch zu erreichen, und alle alten Bekannten finden sich ein. Das Leben ist aber ermüdend, wenn man nicht mit ganzer Seele dabei sein kann.
Jeden Tag um 9 geht es zum „meet“, was wohl ein reizender Anblick ist! Diese schönen alten Wohnsitze mit den prächtigen Parkanlagen! Auf den herrlich grünen Wiesen das bunte, unbeschreiblich belebte Bild der Jäger in ihren rothen Röcken auf den schönen, vor Erregung faßt zitternden Pferden! Die Damen, die Kinder auf Ponies, die hübschen lustigen Hunden mit ihren verschiedenen braunen Flecken! Ihre Bändiger mit der Peitsche und dem Horn! Der Master, wie ein Regent mit stoischer Gleichmut um sich blickend! Das ist vor dem Hause.
Innen in der Hall über die Tische, mit den feinen Linnen, altem Silber, schönem Glas, Procellan, biegen sich unter der Last der Festschätze! ….
In das Gewühl hinein erschien Sie, „die fairy Queen“, wie man Sie auch nannte, wie mit einem Zauberschlag verstummt, alles in leiser Ehrfurcht beugt und neigt sich jeder! „Her Majesty“, „the Empress“ hört man sagen. Alles will Ihr Lächeln sehen und ein freundlich gnädig Wort, einen Blick erhaschen. Ich bin stolz wie ein Pfau und fêtirt natürlich bis in’s Lächerliche! Dann wird Ihre Majestät zu dem für Sie bestimmten Gemach geleitet. Da arrangirt Sie sich nach der Fahrt noch, nimmt zu sich, was Sie braucht, und wenn alle sellig, tritt Sie heraus.

Sie ist im Nu oben, dann sezt sich’s in Bewegung, und nach einem lezten lieben Blick (nie geht Sie, ohne noch einmal zurück zu mir zu blicken) geht es im Schritte weiter. Ich falte jedesmal die Hände mit er bangen Frage: Wie kömmt Sie wieder und kömmt Sie??“ (23)

Doch wüsste Marie von Festetics, dass sich Elisabeth genau das wünschte, dass sie nicht mehr heimkäme, hätte sie wohl dafür gesorgt, dass sie nicht mehr aufs Pferd stiege. Sofern sie das gekonnt hätte.

Denn manchmal, ganz insgeheim, wünscht sich Elisabeth den Tod:

Warum kann ich mir bei einem Hindernis nicht das Genick brechen und ein für allemal Schluß machen? (24)

Doch sie kam zum Glück immer heil nach Hause.

„Die Ruhepause ist wohltuend, obwohl die Zimmer eisig kalt sind! Meist gegen 7 kommen wir heim! Wie glücklich ich bin, wenn Sie wieder im Wagen ist. (25)

Marie von Festetics

An einem Abend kam es mit Kronprinz Rudolf (*22.8.1858, †30.1.1889) zum ersten Eklat. Bay und Kronprinz Rudolf besuchten einen Ball des deutschen Botschafters im Carlton House Terrace (“) in London.

Als ein gemeinsamer Freund den Reitlehrer und Hunter Ihrer Majestät dem Kronprinzen vorstellen wollte, stand dieser wortlos auf, drehte sich um und ging ohne einen Gruß zu hinterlassen davon.

Kaiserin Elisabeth kam dieser Fauxpas ihres Sohnes zu Ohren und verzieh ihrem Sohn die Brüskierung ihres besten Freundes niemals. Generell verhielt sich ihr Sohn nicht wie ein Gentleman in England.

Er war eifersüchtig, trank zu viel und die ganze Aufmerksamkeit galt wieder einmal seiner schönen Mutter, während er leer ausging.

Foto: Wikimedia/Commons
Kronprinz Rudolf hoch zu Ross
Ölbild: Tadeuz Ajdukiewicz

Schon ein Jahr zuvor, gab es einen großen Eklat um ihren Sohn.

Während einer Jagd in Ungarn, hatte er aus reiner, ignoranter und boshafter Unachtsamkeit einen Treiber erschossen und die Familie lediglich mit einem lächerlichen Beutel Gulden abgegolten.

Seit dem war Kronprinz Rudolf in Ungarn nicht mehr gern gesehener Gast, weshalb ihn Elisabeth auch nicht zu ihrer Ungarn-Jagdgesellschaft mit Bay Middleton und Nikki Esterhazy eingeladen hatte. Sie wollte Tumulte und Missverständnisse in der Bevölkerung vermeiden.

Natürlich tuschelte die Gesellschaft bald, denn ein rüpelhafter Kerl wie Bay, noch dazu mit zweifelhaftem Ruf und vielen Geliebten, stand im Verdacht ein Verhältnis mit der schönen Kaiserin zu haben.

Doch Elisabeth hatte nichts anderes im Sinn als zu Reiten und Bay wusste dies auch. Vielleicht war er heimlich in sie verliebt – das waren viele Männer rund um sie.

Sport-Nikki hatte nie geheiratet und man nahm immer an, dass seine Liebe der Kaiserin galt.

Ab Februar 1878 nahm nun der endgültige Bruch zwischen Marie und Elisabeth seinen vollen Gang auf.

Ich lasse wieder Marie von Festetics erzählen, denn wie so oft, sind es die Zeitzeugen, die die besseren Worte haben, als es jede/r Historiker/in es vermag. Zuvor aber gab es noch eine Charakterstudie über Marie von Neapel:

„COTTESBROOK, FEBRUAR 1878

„Die lieben Menschen sind alle fort! Reitend, fahrend, laufend und zu Fuße auch. Ich sollte auch mitfahren, aber ich habe den Muth nicht, fürchte mich immer, es geschieht etwas. Ich werde geholt und wenn ich nicht da wäre, weil ich mich unterhalten ging, ich wäre verzweifelt. Ich bin ja nur für Sie da! Also noch einmal zur Königin (Anmerkung Petra: gemeint ist Marie von Neapel, Elisabeths Schwester)! Sie war also gut, aber dabei ist sie immer so „ablehnend“ gegen mich. Ich habe das Gefühl, sie weiß es, daß ich ein schweres Herz auf Sie habe und daß ich sie kenne. Ich kenne sie auch in ihrer herzlichen Berechenheit und ihren Neid. Schon wie sie den König (Anmerkung Petra: gemeint ist Marie von Neapels Ehemann Francesco) behandelt: alles für sich und er darbt, raucht schlecht, erlaubt sich keinen Träger auf der Eisenbahn. Wirklich, mit blutendem Herzen sah ich ihn in London sein Handkofferl selber tragen! Und sie?? Sie reitet, jagt, und kleidet sich hoch elegant, hält eine Friseurin! Seine Herren haßen sie, trotz ihrer großen Schönheit. Die Augen sind wirklich sehr schön, der dunkle Augenstern ist so schön auf diesen bläulichen Grund, und wie sie die dunklen Wimpern langsam hebt, es ist wie eine Erbauung, diesen schönen Blick zu sehen.
Und doch fehlt ihr die Lieblichkeit und Güte meiner Kaiserin, Ihr schönes Lächeln. Die Königin hat eine spitze Nase und ein spitzes Kinn, es fällt mir unwillkürlich das alte Sprichwort ein: „Spitze Nase, spitzes Kinn, da sizt der Teufel mitten drin.“
Wie sie wo erscheint, spürt man es. Sie hezt die Kaiserin und trübt Ihr den lauteren Sinn. Leider kömmt sie öfter herab und ich weiß auch, warum. Mich hezt sie fortwärend auf Middleton und faßt es nicht, daß wir ihn nicht hinausbeißen, weil er zu tollkühn reitet ect. ect. Dabei aber wollte sie, daß er sie führt, bis Ihre Majestät kömmt, was er höflich ablehnte mit dem Bermerken: Es ist mühsam jemanden zu führen, der nicht ein perfekter Reiter ist.“ Er sagte es mir selbst. Zuerst war sie unfreundlich, jezt erneuert sie ihre Bestechungsversuche. […]
In London traff Sie (die Kaiserin, Anm.) den Kronprinzen für einige Tage, er kam mit Bombelles. Es waren ihm zu Ehren kleine Diners und sogar eine kleine Soirée, die faßt ein schlechtes Ende genommen hätte.
….
Der Kronprinz war agressive, Bombelles wurde heftig, mit großer Mühe konnte ich des Kronprinzen habhaft werden, aber es gelang. Den Tag früher war er so grob mit Middleton, daß dieser abreisen wollte. Als ich im kleinen kaiserlichen Salon allein mit ihm war, sagte ich: „Ich erkenne Kaiserliche Hoheit gar nicht, die englische Luft schlägt Kaiserliche Hoheit nicht gut an.“ Er lachte und dann schüttete er wie ein Kind sein Herz aus, halb zornig, halb betrübt. Mit Thränen in den Augen sagte er, er bereue, daß er nach England gekommen sei. Er habe seine schönsten Illusionen verloren und fühle sich zu Tode verletzt und unglücklich. Natürlich fragte ich: „Ja, Kaiserliche Hoheit, was ist denn geschehen?“ – „Und Sie fragen mich, Sie gerade, die…“
Weiter kam er nicht, denn ich sah ihn so erstaunt an, daß ihn das zur Besinnung brachte. Er fuhr dann ruhiger fort und erzählte mir aber das Infamste, was ich je gehört. Ich war sprachlos, aber das Erstaunen und die Indignation über solche Lüge muß so deutlich gesprochen haben, daß er, ehe ich noch den Mund öffnete, wie um sich zu entschuldigen heraus fuhr: „Die Tante Marie hat es mir gesagt.“ – „Umso desto niederträchtiger“ sagte ich eisig, obwohl es kochte in mir. „Ja, aber warum hat sie mir’s gesagt, wenns’s nicht wahr ist, und sie war so lieb, so gut und hat mich wirklich gern!“ – „Kaiserliche Hoheit, das sehe ich an dem, was sie Kaiserlicher Hoheit erzählt.“ – „Ist alles ein Lüge?“ – „Ja, Kaiserliche Hoheit, ein Märchen mindestens, ich gebe Kaiserliche Hoheit mein Wort darauf!“ (26)

Foto: ÖNB
Kronprinz Rudolf, 1880

Was ihr Kronprinz Rudolf erzählte, schrieb Marie von Festetics nicht auf, denn sie wollte dies – sollten jemals ihre Tagebücher an die Öffentlichkeit geraten – nicht in den falschen Händen wissen. Sie schloss diesen Beitrag mit folgenden Sätzen:

„Wenn das die Kaiserin wüßte.
Nun der Rest verlief dann friedlich, aber mir ist wirklich bange vor London, wo wir dieses Weib wieder treffen.“ (27)

Ich möchte kurz erwähnen, dass sich Kronprinz Rudolf und Hofdame von Festetics Zeit seines Lebens sehr schätzten. Wann immer es ihm möglich war, holte er sich von Marie Rat oder Trost, wenn es um seine Mutter ging. Schon als Buben tröstete ihn die Hofdame über so manche Trennung von seiner Mama hinweg. Es war also nicht verwunderlich, warum er sich Marie von Festics mit diesem Thema anvertraute.

Doch der Wunsch der treuen Hofdame und Gefährtin erfüllte sich nicht. Obwohl Conte Corti schrieb, dass Elisabeth nie erfuhr, wer die Intrige sponn, war am 25.2.1878 im Tagebuch von Marie von Festetics folgendes zu lesen:

„Wien, 25. Februar 1878

Alles wieder im alte Geleise. 23. hier angekommen, erwartete Seine Majestät die Kaiserin – und mit welcher Freude – am Bahnhofe! Und Sie? Ist auch wieder froh mit dem Mann zu sein, kam aber mit der größten Enttäuschung heim. In Dover bei der Promenade, wärend der Einschiffung und Einwagonirung, erzählte Sie mir, was ich in London schon halb wußte: daß die Königin einen abscheulich Pantsch gemacht (ein Verhältnis angefangen, Anm.), der durch Mr. Baridge, den amerikanischen Zahnarzt, Ihrer Majestät zu Ohren kam, da die Königen diesen ihren Freund, den sie auch der Kaiserin octroyirte, als den Passendsten fand, es weiter zu geben! …..
Die Kaiserin Elisabeth ist aber nicht die Königin, „she dropped him“ und befragte die Königin. Bei der Gelegenheit erfuhr Sie, daß ich davon wiße, was ich nicht leugnete. Es mir schrecklich schmerzlich, ich hätte es Ihr gern erspart. Es war mir in London furchtbar gewesen zuzusehen, wie sehr die Kaiserin im Banne dieser Schwester ist, die immer hezt. Als mir Ihre Majestät damals sagte, „was Rudolf der Königin über seine Mutter gesagt hatte“, konnte ich mich nicht enthalten zu sagen „Eure Majestät glauben das doch nicht, er hängt ja so sehr an Eure Majestät. Wie würde er so eine Bemerkung machen? Er kennt ja die Königin kaum, und wenn, wie würde ich das der Mutter sagen?“
Ich sah, daß Sie Thränen in den Augen hatte, und ich sagte: „Eure Majestät, erinnern sich Eure Majestät an Easton und all die Comödien?“ „Ja“, sagte sie, „aber die Königin hat mich so gerne.“ „Trotzdem würde ich das nicht glauben. Sie zog den Kronprinzen an sich, überhäufte ihn mit Lieb und Zärtlichkeit, und dann zog sie ihn auf ihre Seite und machte aus vielleicht etwas Unbedeutenden einen so häßlichen Tratsch. Eure Majestät, ich erlaube mir, Eure Majestät zu bitten, ein bisschen auf der Huth zu sein.“ Die Kaiserin wurde roth bis unter die Haare und sagte kurz: „Sie mögen die Königin nicht“ Und ich antwortete sehr ruhig: Nem felséged“ („Nein, Eure Majestät) …..
Wie leid ist mir um Sie. Sie ist immer das Opfer Ihrer Geschwister, deren Einfluß wäre es, fern als möglich zu halten. Ihre Majestät kömmt mir vor wie die Cenerentola und die 3 bösen Schwestern (Anmerkung Petra: gemeint waren Marie, Mathilde „Spatz“ und Sophie d’Alençon): sie sind voll Neid! Wenn sie etwas brauchen, drängen sie an Sie heran, schimpfen und verlästern alles, was ihre Stellung Ihr eben gibt, möchten aber alle Vortheile Ihrer Stellung eben für sich ausnutzen. Ist das geschehenso weit und eben möglich ist, denn die Kaiserin ist eine generöse Natur und empfindet, was Ihr alles zur Disposition steht und ihnen nicht, und und ist dann bemüht, ihnen zu helfen. Haben Sie erreicht oder nicht erreicht, ziehen sie schmollend oder aber befriedigt zurück und es ist abgekühlt, bis sie wieder etwas ersinnen, was Ihr Mühe schafft. Eigentlich kennt Sie sie, ist aber doch immer Spielball. Alle Unerquicklichkeit, alles, was Ihr dann das Herz beschwert, kommt von ihnen.“ (27a)

Die Ungeheuerlichkeit, dass Kaiserin Elisabeth den Tratsch von ihrem Zahnarzt erfahren musste, schlug für sie beinahe dem Fass den Boden aus. Jenen Zahnarzt, der ihr von ihrer Schwester aufgedrängt wurde. Elisabeth tobte.

Danach stellte sie sowohl ihre Schwester zur Rede, danach ihren Sohn.

Es nahm sie unglaublich mit, dass ihr eigener Sohn diesen Tratsch glaubte. Sie fand dies unglaublich beschämend und zog sich traurig zurück.
Ihren Sohn fand Elisabeth als hitzköpfig und vergab ihm bald. Schließlich war er erst 19 Jahre alt. Doch bei Marie von Neapel sah das ganz anders aus. Ihr vergab sie nie wieder.

Foto: Wikimedia/Commons
Mathilde „Spatz“ Gräfin von Trani

Von nun an, ging sie ihrer Schwester so gut sie konnte aus dem Weg.
Als sich noch Mathilde „Spatz“ Gräfin von Trani (*30.9.1843, †18.6.1925) Lieblingsschwester von Marie und natürlich ebenfalls eine Schwester von Elisabeth, einmischte und zu Marie half, sprach Elisabeth auch mit ihr jahrelang kein Wort mehr.

Doch „Spatz“ näherte sich in den 80er Jahren wieder durch eine Entschuldigung an. Das Verhältnis wurde wieder besser. An Marie jedoch, verlor die Kaiserin von Österreich nie wieder ein Wort.

In solchen Dingen war sie unbeugsam und unverzeihlich.

Sogar an die in Ungarn verbliebene Ida ließ Elisabeth ihren Groll aus:

„Cottesbrook Park, Northampton

Mir scheint Du leidest an Faulheit, dass Du kein einziges Mal geschrieben hast. Oder Du unterhältst Dich so [gut]? Ich habe meine Zeit wenigstens verbraucht, um ehrlich zu arbeiten.
Gott mit Dir, entsetzlichen Spleen [Gemütsverstimmung, Anm.] habe ich heute
Herzlichst umarmt Dich
Elisabeth“ (28)

Noch 8 Jahre später dichtete Kaiserin Elisabeth über den Vorfall:

Nordsee Lieder, 1886 

P.S.

Sie haben mein Dasein verbittert
Sie haben mein Leben vergällt, 
Und endlich den Glauben erschüttert
An allem, was gut auf der Welt. 

Es haben zwei Schwestern betrogen
Mich einst auf die schändlichste Art
Und Schwüre, noch falsche gelogen
Mit Herzen, so frech und so hart. 

Doch was ich erst jüngst ausgestanden, 
wo glücklich sonst andere sind, 
Bei nahen ud nächsten Verwandten, 
Das wissen nur ich und mein Kind. (29)
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Franz Karl
Lithographie: Josef Kriehuber, 1850

Nun waren auch die 6 Wochen um und Kaiserin Elisabeth nahm wieder Abschied von England. Am 23.2.1878 kam sie am Bahnhof in Wien an und Kaiser Franz Joseph holte seine „Engels-Sisi“ sogar persönlich ab.

Doch schon bald ereilte das Paar ein Schicksalsschlag. Der Vater bzw. Schwiegervater Erzherzog Franz Karl starb am 8.3.1878.

Nun war Elisabeth die Jagd in England vergangen. Im Sommer kamen Lord und Lady Spencer nach Ischl zu Besuch. Dabei erwähnte der Lord die wunderbare Jagdsaison in Irland.

Um ihrer Schwester Marie zukünftig aus dem Wege zu gehen, bereitete Lord Spencer alles für die kommende Jagdsaison im Jahre 1879 in Irland vor.

Währenddessen trainierte Bay 9 ihrer hochtrainierten teuren Pferde in England. Doch die Pferde waren englische Jagden gewohnt und englische Hindernisse. In Irland waren mehr Wälle zu überspringen und keine hohen Gatter.

Um die teuren Pferde an die irischen Jagden zu gewöhnen, ließ Bay sie nach Irland bringen und überwachte dort streng die Ställe, das Futter und das Training.

Foto: Dorotheum.com
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeht auf der Jagd in Göding (heute Hodonin/Südmähren)
Bild: Julius Blaas (wurde in seinem Nachlass gefunden)
2017 versteigert; befindet sich nun wieder im Privatbesitz

Das nächste Problem war das Gewicht der Reiter. Die Pferde waren das ultraleichte Gewicht von Elisabeth gewöhnt, weshalb 3 ihrer teuren Pferde beim umtrainieren starben. Die Kaiserin war außer sich.

Es herrschte gerade Krieg in Bosnien und die Kaiserin von Österreich musste teure Jagdpferde für ihren Irland Aufenthalt kaufen. Das kostete der Monarchie sehr viele Sympathiepunkte und handelte der Kaiserin wieder so manches Kopfschütteln am Wiener Hof ein.

Obwohl sich England mit Irland gerade in einer tiefen Krise befand, war dies für Kaiserin Elisabeth kein Grund nicht zu reisen. Sie wollte reiten und jagen und sonst nichts.

Im Nachhinein gesehen, dürfte ihre Jagdpassion und -affinität eine Art Provokation an Kaiser Franz Joseph gewesen sein.

Obwohl Kaiserin Elisabeth für den Ungarn-Ausgleich 1867 verantwortlich war und Kaiser Franz Joseph nur wegen ihrem Einfluss zum König von Ungarn wurde, hielt er seine Frau aus politischen Sitzungen und Dingen komplett heraus und holte sich auch keinerlei Rat von ihr.

Dies nahm Elisabeth beleidigt zur Kenntnis und zeigte ihm, dass ihr ab sofort poltische Verhältnisse rund um die Monarchie völlig gleichgültig waren:

sie gab Unmengen an Geld aus, sie war beinahe ununterbrochen auf Reisen und Politik spielte in ihrem Leben keine Rolle mehr.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Das berühmte „E“- Monogramm von Kaiserin Elisabeth
Schwäbischen Jungfrau, Wien

Im Jänner 1879 fuhr Kaiserin Elisabeth Richtung Irland. Ida blieb wieder zu Hause, Marie von Festetics kam ein paar Tage später nach, da sie ihren todkranken Bruder besuchen und später beerdigen wollte/musste. Am 25.1.1879 kam auch sie in Irland an, da waren 2 Jagdtage schon vorbei gegangen.

Das irische Volk war begeistert die Kaiserin von Österreich zu Gast zu haben. Aus Dankbarkeit ließ Elisabeth bei jeder sich bietenden Gelegenheit weiße Taschentücher mit dem „E“-Monogramm fallen, welche heute noch in den Familien wie ein Schatz aufbewahrt werden.

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Summerhill, Irland

Gewohnt wurde im Schloss Summerhill, Meath von Lord Hercules „Paddy“ Edward Rowley 6th Baron Langford of Summerhill (*4) (*1.6.1848, †29.10.1919), welcher ein langjähriger Freund von Lord Spencer und Bay Middleton war.

Foto: npg.org.uk
Lord Hercules „Paddy“ Edward Rowley
6th Baron Langford of Summerhill

Der zweite Brief, den Elisabeth aus Summerhill schrieb, ging an ihre Vertraute Ida von Ferency:

„Summerhill, Enfield, Co. Meath, Ireland,
den 24. Februar 1879

Meine geliebte Seele!

Mein erster Brief nach der Reise war an Valérie, nach der ersten Jagd muß er aber an Dich sein, denn ausserdem, daß Du Dich freuen wirst zu hören, daß es mir gut gegangen ist, wirst Du auch neugierig sein zu wissen, wie die Jagd selbst war. Vom Meet ritt man sehr kurz in eine Wiese, wo die Hunde gleich fort giengen wie bei uns, wenn Hirschjagd ist. Nur waren weniger Hunde, zwischen 12 und 14 Koppeln, klein, nicht sehr schön. Ungefähr 108 Reiter, nur ein, zwei im rothen Frack. Es ist hier nicht chique zur Hirschjagd roth zu kommen, sondern wie Cubhunting Costume. Eine einzige Dame sah ich einmal auf der Straße zu Pferde nur zuschauen. Kaum daß die Jagd anfing, waren auch schon Gräben wie bei uns, nur tiefer und breiter. Ich ritt ein neues Pferd zu ersten Mal, und da es anfangs in die Hand gieng, mußte ich meine eigene Linie nehmen wie auf Laky, was hier nicht so schwer ist, da es wie bei uns, mehr offen ist. Wie ich es aber ganz in der Hand hatte, folgte ich Captain Middleton. ….. ,es gab sehr viel zu springen, viele stürzten. Der Boden ist prachtvoll, lauter Gras, hie und da nur etwas tief, nach all dem Schnee.
……..
Und nun gute Nacht, es ist 1/2 9 und morgen muß ich früh aufstehen. Schreibe mir auch ausführlich über die Gödinger Jagden. Ich danke Valérie für ihren lieben Brief, der mich so freute. Bitte schicke diesen auch an Rudolf.
Mit 1000 Küssen Deine Euch liebende Sisi
Rudolf und Valerie umarme ich auch innigst“ (31)

Elisabeth schrieb unzählige Briefe an Ida. Doch wenn man sich die durchliest, so ganz glücklich wirkte sie trotz allem nicht. Sie war nicht so unbeschwert wie in England.

Dies lag auch daran, dass Bay die Hindernisse und den schweren Parcours nicht so ritt, wie in England. Er stürzte öfter als sonst, einmal überschlug er sich sogar. Elisabeth musste die Jagd öfters früher abbrechen. Zu dem spielte auch das Wetter nicht immer mit.

In Irland wurden mehr hohe Drops, tiefere Gräben und Doubles gesprungen, als in England. Dies stellte zahlreiche Reiter vor große Hürden. Tagtäglich brachen sich mehrere Teilnehmer sämtliche Knochen, Pferde das Genick oder die Beine. Auch Menschen verunglückten tödlich.

Elisabeth strahlte auf ihrem Pferd „Domino“, ein wunderschöner Rappe, als wäre sie nie etwas anderes geritten als irländische Parforcejagden. Dennoch hörte sie auf, sobald ihre Hunter stürtzten oder die Pferde nicht mehr konnten.

Marie von Festetics stieß Stoßgebete in den Himmel. Sie war noch besorgter um Ihre Majestät, als in England. Die Angst machte sie schier wahnsinnig.

Am 2.3.1879 kam der Maler John Charlton (*28.6.1849, †10.11.1917) um sich die Jagd anzusehen. Dabei ist eines meiner persönlichen Lieblingsstahlstiche von Kaiserin Elisabeth entstanden.

Zur Überraschung meinerseits hat Historikerin Beatrix Meyer nun herausgefunden, dass Elisabeth entgegen aller bisheriger Annahmen und Berichte sämtlicher Historiker/innen doch noch Kontakt mit Schwester Marie gehabt hatte.

Ob sie nun selbst noch Briefe schrieb oder anderweitigen Kontakt suchte, konnte ich in keinem Buch herausfinden, da alle vorliegenden Bücher von einem Kontaktabbruch schreiben.

Im vorliegenden neuen Buch „Kaiserin Elisabeth ganz privat“ kann man folgende Zeilen an Ida lesen:

„Summerhill, Enfield, CoMeath, Ireland.
Mittwoch, 26.Februar 1879

Meine geliebte Seele!
……
Bitte schicke meine Briefe auch an Marie [Schwester der Kaiserin, Anm.], ich kann nicht extra noch schreiben, und sie möchte Nachrichten von mir. Ich danke ihr für ihren Brief, hoffe sie ist wieder ganz wohl. Sie soll mir schreiben.
Mit 1000 Küssen Deine Euch liebende Sisi.“ (32)

Anmerkung Petra: Hier ist meiner Meinung nach nun größerer Aufklärungsbedarf.

Am 12.3.1879 um 2.00 Uhr morgens brach die Hölle über Szeged/Ungarn herein. Ein Hochwasser überflutete die gesamte Stadt und 60.000 Menschen wurden obdachlos, 70 % der Stadt wurden zerstört.

Die Monarchie stand vor einer menschlichen Katastrophe und die Königin von Ungarn weilte in Irland zur Jagd.

Foto: Wikimedia/Commons
Queen Victoria

Dieses Unglück nahm Kaiserin Elisabeth zum Anlass um früher abzureisen und einen hohen Bogen vor dem unliebsamen Besuch in London bei Queen Victoria zu machen.

Natürlich schrieb sie vorher noch einen halb süffisanten Brief an ihren Gatten, dass sie Geld sparen wolle, in dem sie sich die hohe Hotelrechnung in London ersparen würde.

Bei Ausgaben von

Gulden 158.337,48 = ca. € 2.079.317,90

wären die Hotelkosten auch schon egal gewesen.

Kaum in Wien fanden die Feierlichkeiten zum 25. Hochzeitstag statt.

Während des Jahres reiste Kaiserin Elisabeth natürlich mehrmals und ritt weiterhin in Gödöllö zur Jagd oder übte Dressur.

Kaum war ihr 42. Geburtstag und Weihnachten vorbei, trieb es sie schon wieder nach Irland zur nächsten Jagdsaison.

Foto: National Gallery London
Lord Wellington Stappleton-Cotton 2nd Viscount of Combermere

Die Vorbereitungen für die nächste Irlandreise waren im vollem Gange, als Kaiser Franz Joseph Elisabeth verbot nach Irland zu fahren. Wenn schon eine Jagdreise, dann wenigstens nach England.

Jetzt wurde fieberhaft nach einem Anwesen gesucht, dass Elisabeth zu Gesicht stand.

Gefunden wurde es durch Zufall durch einen Hofbediensteten.

Lord Wellington Stappleton-Cotton 2nd Viscount of Combermere (*5) (*24.11.1818, †1.12.1891) stellte sein imposantes Combermere Abbey – eine ehemalige Abtei – zur Verfügung, da er selbst nach Westindien reiste.

Foto: letsgetitshot.co.uk via combermereabbey.co.uk
Combermere Abbey
Foto: pictorialpast.co.uk
Combermere Abbey, heute

Dieses ließ sie jedoch vorher nach ihren Wünschen umbauen.

Hauskapelle, Turnsaal, Telegraphenapparat um mit Kaiser Franz Joseph im Kontakt zu bleiben, ein eigener Wartesaal für das extra verlegte Zuggleis, da Elisabeth unter gar keinen Umständen vom gemeinen Volk gesehen werden wollte, elektrische Klingeln für das Personal durch das ganze Haus, eine eigene Treppe in die Küche, um Mahlzeiten einzunehmen, wann immer sie wollte usw.

Kaiser Franz Joseph kam für alle Unkosten auf. Was blieb ihm auch anderes übrig? Er selbst bestand ja auf die Reise nach England.

Bay sorgte zwischenzeitig wieder für die Umtrainierung der Pferde auf die englischen Hürden und schaffte diese nach England.

So fuhr sie am Wiener Bahnhof mit

40 Tonnen „leichtem“ Gepäck

im Februar 1878 los. In Bayern lag noch Schnee, in England wehte ein milder Frühlingstag um Elisabeths zarte Knochen. Schon am nächsten Tag saß sie mit Bay als Hunter im Sattel.

Am 13.3.1881 schrieb sie an Ida:

„…..
Gestern hatten wir eine außerordentlich gute Jagd gehabt, zwar stürzte ich, doch war ich in einer Minute schon bei den Hunden, wie der Rote [William „Bay“ Middleton, Anm.] sagte, bekam ich verdient den wertvollen Schwanz.
….
Es küsst und grüßt Dich
Elisabeth (33)

Doch diese Reise stand unter keinem guten Stern für Elisabeth und Bay. Bay ritt so scharf, dass er so schwer stürzte, dass sich das Pferd das Genick brach. Elisabeth traf dies hart. Sie setzte sogar einen Reittag aus, konnte diese Szene kaum verarbeiten.

Danach flaute ihre Reitleidenschaft wohl ab.

Obwohl sie 1882 noch einmal nach England reiste (wieder nach Combermere Abbey), war nicht mehr Bay ihr Hunter.

Seine Verlobte Charlotte Baird (*/unbekannt), mit der er seit 1875 verlobt war, hatte sich nicht mehr hinhalten lassen und bestand auf sein Eheversprechen. Ihre Eifersucht auf die schöne Kaiserin war so enorm, dass sie Bay verbot, mit Elisabeth jemals wieder zu reiten.

Als Hunter wurde ihr deshalb Major Rivers-Bulkeley (*/unbekannt) zur Seite gestellt. Doch ab diesem Augenblick wollte Elisabeth mit dem Jagdreiten nichts mehr zu tun haben. Es machte ihr von einem Tag auf den anderen keinen Spaß mehr.

Sie packte ihre Sachen und verließ ohne ihre Pferde und ohne zurückzuschauen England für immer.

Sie sah weder Bay jemals wieder, noch ihre Pferde. Diese wurden verkauft, die Gestüte wurden aufgelassen.

Foto: myheritage.co.uk
Gedenkstein Bay Middleton, Unglücksstelle Edgehill in Kineton, Victoria (GB)

Bay heiratete am 25.10.1882. Er starb wie er lebte. Schnell und am Pferd. Er stürzte am 9.4.1892 – kurz vor seinem 46. Geburtstag – am Edgehill in Kineton am „Parlamentarischen Hindernis“ so schwer, dass er sich das Genick brach. Seine Tochter Violet war zu dem Zeitpunkt 6 Jahre alt.

Charlotte von jeher von tiefer Eifersucht auf Kaiserin Elisabeth derartig gequält, schmiss alle Erinnerungsstücke, bis auf ein paar Kleinigkeiten, in den Ofen.

Die erste Gedichtspassage, die ich für Bay finden konnte, befindet sich im Gedichtband „Nordsee Lieder“ aus dem Jahr 1885.

(Anmerkung Petra: das Gedicht hat einige Vorpassagen, die ich weggelassen habe) 
Das Kabinet.

...

Genug, er sei nicht genannt... 
Ich tret' ans vierte Fell; 
Der ward aus West' mir zugesandt, 
Ein drolliger Gesell'! 

Rostfarben war mein Freund Langohr, 
Sein Wiehern hell und laut, 
And never was he sick, nor sore, 
But jumped and pranced about. 

... (33a)

Im Gedichtband Winterlieder, im Gedicht „Allerseelen“ ist Bay eine weitere Gedichtpassage gewidmet, die ich hier ebenfalls vorstellen möchte. Auch hier musste ich kürzen, da die anderen Zeilen, nichts mit Bay zu tun hatten.

Ischl, August 1887

Allerseelen

...

Ich seh' dich noch, mein treuer Freund, 
Und deine tollen Sprünge;
Ich habe auf den Kranz geweint
Vor lachen, den ich bringe. 

Der letzte Kranz, das letzte Grab, 
Die Wallfahrt wird beendet; 
Es ist der schönste, den ich hab';
Und der sei dir gespendet. (34)

Einer der vielen Sättel Ihrer Majestät und eine Reitgerte.

Im selben Jahr gab es noch einmal ein Gedicht an ihre langjährige Reitleidenschaft. Auch dieses Gedicht ist stark gekürzt.

An die Zukunftsseele, 1887

...

Einst jagt' ich rastlos hin auf dieser Erde, 
End ward mir selbst der weiße Pusztasand, 
Das Meer trug mich und meine stolzen Pferde
Hinüber bis an Erins grünen Strand. 

Fast ging die Seele mir dabei verloren; 
Es war mein Rasen ohne Ruh' und Rast; 
Doch eine andre hatte sie erkoren, 
Von dieser ward auf ewig sie umfaßt. 

Das Pferd, dies irdisch Kleinod meiner Seele, 
Durch höhre Mächteward es mir vertauscht; 
Es trat das Flügelroß an seine Stelle, 
Und meine Seele flog man wie berauscht. 

... (35)

Und natürlich gab es auch ein Wehklagen an ihre verlorenen Tiere.

Bereits 1885 im Gedichtband Nordsee Lieder erzählte sie im Gedicht „Jauss“ jene Geschichte, die in den 1870er Jahren in Ungarn auch tatsächlich geschehen ist.

Jauss.

Ich hatt' einst einen Vollbluthengst,
Ein stolzes, schönes Tier; 
Dahingegangen ist er längst, 
Mit ihm des Stalles Zier. 

Der bockt die schlechten Reiter all'
Mit Gusto auf den Bauch, 
Doch nicht genug an ihrem Fall, 
Er trat und biss dann auch. 

Ich denk' jetzt eben her und hin, 
als ich mein Buch durchlas...
Wie kam der Hengst mir in den Sin, 
Und was bedeutet das? (35a)
Foto: Wikimedia/Commons
Tassilo Graf von Festetics de Tolna

Im Gestüt von Tassilo Graf von Festetics de Tolna (*2.6.1813, †7.2.1883) (ein Verwandter von Marie), nahe Gödöllö, stand ein Pferd, welches nicht gezähmt werden konnte und jeden Reiter abwarf. Zudem war er bissig und trat bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Der Schlachter sollte das Pferd abholen.

Elisabeth hörte von dem Pferd und ließ sich zu ihrem Jagdfreund bringen, der sie im übrigen auch auf die England- und Irlandreisen begleitete.

Tassilo und noch weitere Personen waren beunruhigt, als Ihre Majestät mit ruhigem Schritt in die Box des wilden Pferdes ging und es behutsam anfasste und auf ihn einredete. Ganz langsam beruhigte sich das Pferd.

Sie ließ es satteln und ritt mit ihm langsam aus der Box. Dieses wiederholte sie 2-3x. Danach ließ sich das Pferd auch von anderen Reitern satteln und reiten.

Doch Graf von Festetics schenkte Elisabeth das Pferd. Immerhin hatte sie es gezähmt. Dies brachte ihr über alle Maßen hohen Respekt in der Welt des Reitsports und der Adeligen der Umgebung ein.

Des Weiteren konnte ich noch eine längere Gedichtpassage auf ihre Pferde finden. Im Gedichtband „Winterlieder“ schrieb sie in Ischl, im September 1887 ein Klagegedicht aus mehreren Strophen an ihre Glanzzeiten über das Fechten und Reiten. Ich habe die Reitpassagen abgetippt:

Aus meiner Burschenzeit.

....

Wo sind sie jetzt, die edeln Tier',
Die ich getummelt hier und dort
Im Circus und im Jagdrevier?
Nur so viel weiß ich, sie sind fort!

Mein Too-good, fromm fast wie ein Kind, 
Doch feurig und voll Ambition;
Und Mermaid, flüchtig wie der Wind, 
Seid ihr im Pferdehimmel schon? 

Mein schlanker brauner Nihilist,
Du weilst vielleicht noch im Gestüt,
Wo du ein alter Pascha bist, 
Den das Familienglück umblüht. 

Und Merry Andrew brach's Genick, 
In Erin kam er jäh zu Fall; 
Ihn traf noch gnädig das Geschick
Bei Meute-Geläut und Hörnerschall. 

Nennt' ich euch alle, wär's zuviel, 
Auch macht's das Herz mir heut noch schwer; 
Beendet ist das wilde Spiel, 
Der Stall, der Circus stehen leer. 

Nur einer lebt in süßer Ruh', 
Dem geb' ich das Gnadenbrot; 
Doch drück ich meine Augen zu, 
So schlägt auch den der Schinder tot. (36)

Hier möchte ich kurz ansetzen: …“und Merry Andrews brachs Genick“…

Elisabeth als Tierschützerin oder -liebhaberin?

Ich bin sehr zerrissen, was dieses Thema angeht. Ich habe mich für diesen Beitrag wirklich sehr lange und intensiv mit der Parforcejagd, mit Pferden, dem Jagen, der Dressur und dem Zirkus auseinandergesetzt. Alles Themen die mir persönlich widerstreben, da es mir schwerfällt mich mit Dingen zu beschäftigen, wo ich persönlich der Meinung bin, dass Tiere leiden.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth
Bild: Wilhelm Richter

Im 19. Jahrhundert galt das Pferd als Arbeits- und Kriegstier. Es wurde mit Sicherheit nicht so gehegt und gepflegt, wie es heute manch einer tut. Natürlich gibt es nachwievor viel zu viel Tierleid, dazu braucht man nur die einschlägigen Social Media Seiten aufmachen. Aber darum geht es jetzt nicht.

Pferde galten im 19. Jahrhundert nicht als „Freunde“ und schon gar nicht als „Seelentiere“. Sie wurden gebraucht, benutzt und wenn sie sich bei der Jagd das Genick brachen, wurde das nächste Pferd herangeschafft.

Mit Sicherheit hat Kaiserin Elisabeth um das ein oder andere Pferd mehr oder weniger „getrauert“, aber sicher nicht so, wie um Shadow, Horseguard oder ihre anderen Hunde.

Das sieht man auch daran, dass sie sich 1878 in England einfach abwand, nach Hause fuhr und ihre Pferde zurückließ. Ohne jemals zu hinterfragen, was mit denen geschehen soll(te).

Sie schenkte „Lord Byron“ her, das – zur Zeit der Dressur mit Elisa -ihr Lieblingspferd war. Wer hätte das gekonnt, wenn es das „Seelenpferd“ ist?

Dass sie 1887 natürlich Lobeshymnen auf ihre Pferde schrieb, war normal. Zu dieser Zeit war sie bereits schwer gemütsleidend. Blättert man durch ihre Winterlieder, bekommt man kaum ein „witziges“ Gedicht zu Gesicht. Fast alle sind düster, traurig und deprimierend.

Zu ihrer Glanzzeit besaß Kaiserin Elisabeth 30 Reitpferde edelster Herkunft.

Sie besaß Englische Vollblut (ihre Lieblingspferde), Irische Hunter, Arabische Schimmel, Haflinger und Lipizzaner (k.u.k. Pferde).

Die Namen der Pferde waren so stolz, wie ihre Reiterin es war:

Foto: Dorotheum.com
Pferdemedaillon als Brosche
Aus dem Besitz von Kaiserin Elisabeth
Versteigert im Dorotheum 2011

Miss Freney, Violet, Mouse, Vanity, Sarahwing, Bürgermeister, Machbub, Mignon, Red Rose, Sobri, Blue Jacket, Redwing, Abraham, Generalissimus, Fandango, Büszke, Mignon, Beauty, Summerhill, Cameo, Domino, Whalebone, Merry Andrews, Bravo usw.

Bevor sie die Pferde verkaufen ließ, ließ sie einige davon in Öl verewigen. Was mit ihnen danach passierte interessierte sie allerdings nicht mehr.

Lange wurde in den historischen Büchern spekuliert, was die Gründe für den jehen Rückzug vom Pferdesport von Kaiserin Elisabeth waren.

Aber so nach und nach kamen Tagebücher und Briefe zu Tage, so dass auch dieses Geheimnis gelüftet wurde.

Ab dem 42. Lebensjahr plagten Elisabeth schwere rheumatische Schübe und ihre Tochter Erzherzogin Marie Valérie berichtete von starken Bädern, die zum Teil ihre Mutter „arg umnachteten“. Ich nehme an, damit waren die starken Dämpfe gemeint.

Foto: Dorotheum.com
Wiener Kunstkeramik, Marke: Keramos
Künstler: Rudolf Chocholka
Souvenir aus dem frühen 20. Jhdt.

Wer schon einmal Rheumaschmerzen hatte, weiß, dass man sich damit kaum auf den Beinen, geschweige denn auf einem Pferd halten kann.

Zu dem kam dazu, dass man ihr Bay genommen hatte und damit ihren Reitfreund.

Zu Hause in Österreich stieg Elisabeth noch einmal aufs Pferd.

In der Steiermark im Jagdgebiet Mürzsteg besass Kaiser Franz Joseph das kleine Schloss Mürzsteg, in welchem sich auch öfters Kaiserin Elisabeth aufhielt.

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Mürzsteg in Mürzsteg/Steiermark
Heute im Besitz des jeweiligen Bundespräsidenten von Österreich

Am 26.8.1883 kam es zu einem schweren Unfall, der beinahe Elisabeths Leben kostete.

Als sie über eine kleine Brücke beim „Toten Weib“ ritt, stürzte diese ein. Ein zufällig anwesender Holzarbeiter musste sie aus dem tosenden Wasserfall und den eingestürzten Brettern befreien.

Dieser Sturz war so einschneidend für sie, dass sie ab sofort komplett das Reiten ließ. Der Wasserfall ist heute noch sehr gefährlich und steil.

Erzherzogin Marie Valérie stiftete eine Tafel, die jahrelang an der Felswand zum Dank der Errettung ihrer Mutter hing. Irgendwann verschwand diese und tauchte kürzlich wieder auf.

Und so gingen – wenn man ungefähr davon ausgeht, dass Klein-Sisi 3 Jahre alt war, als sie zum ersten Mal auf ein Pony stieg – 45 Jahre ihres Lebens zu Ende.

Foto: Wikimedia/Commons
Irma Gräfin von Sztáray

In den späten 1890er Jahren verriet sie ihrer Hofdame Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863, †3.9.1940)

„Plötzlich und ohne jeden Grund hatte ich den Mut verloren, und ich, die noch gestern jeder Gefahr spottete, erblickte eine solche in jedem Busch und konnte mich von ihrem Schreckbilde nicht mehr befreien.“ (37)

Und es wäre nun einmal nicht Elisabeth gewesen, wenn sie nicht die eine Passion gelassen hätte, um eine Neue zu beginnen.

Allerdings aus gesundheitlichen Gründen auch die nicht lange.

Nun hatte sie das Fechten entdeckt, welches sie in Heidelberg erlernte.

Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

– Petra –

Ich dachte also, ich werde eine Gesellschaft suchen,
die meine Ruhe nicht stört und mir Vergnügen bietet.
Ich bin in mich selbst zurückgekehrt und habe mich der Natur zugewendet.
Der Wald tut mir nicht weh…
Die Natur ist viel dankbarer als die Menschen. (38)

Kaiserin Elisabeth
Foto: pressreader.com
perfekte Fotomontage aus dem späteren 19. Jahrhundert
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph auf einer gemeinsamen Jagd in Gödöllö


Anmerkungen:
(*) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Herzogin von Teck lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und Mary Adelaide Princess of Cambridge verh. Herzogin von Teck gefunden.

(**) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann mam immer nur von Lady Dudley lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und Georgina Ward verh. Countess of Dudley (Lady Dudley) gefunden.

(*3) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Herzog von Rutland lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und den 6. Duke of Rutland in Charles Cecil Manners gefunden.

(‚) Auch Káláman (Koloman) Tisza wurde von mir gesucht und als Anmerkung im Festetics Tagebuch hinzugefügt. Um die Anmerkung nicht allzu ausufern zu lassen, habe ich die Geburts- und Sterbedaten nicht angefügt. Wer sie wissen will: (*16.12.1830, †23.3.1902).

(“) Das Carlton House Terrace wird in allen Geschichtsbüchern als Carton House Terrace geführt. Ein Rechtschreibfehler der sich durch Nichtrecherche durch zig-Bücher führt.

(*4) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Lord Hercules „Paddy“ Langford lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und habe Hercules Edward Rowley 4th Baron Langford of Summerhill gefunden.
Sein Bild habe ich der National Gallery London entnommen und mich dafür bedankt. Thank you for your help!

(*5) In sämtlichen historischen Büchern von Conte Corti bis Hamann usw. kann man immer nur von Lord Combermere lesen. Ich habe mich auf die Spurensuche begeben und habe Lord Wellington Stappleton-Cotton 2nd Viscount of Combermeregefunden.
Sein Bild habe ich bei pictorialpast.co.uk gefunden. Thank you for your help!

In allen anderen Fällen hat mir nur Wikimedia/Commons als freie Bilddatenbank genützt.

Zum Schluss sei gesagt, dass ich mich mit Pferden absolut nicht auskenne und durch eine schwere Allergie auch nicht in ihre Nähe darf. Die Recherchen zu diesem Artikel wurden mit großer Sorgfalt begannen, aber natürlich können sich Fehler bei der Benennung von Pferderasse eingeschlichen haben. Ich bitte dies zu entschuldigen!


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra Schimbäck
Recherchen: Petra Schimbäck
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Dorotheum Wien, Stadtmuseum München Bildarchiv, Wikimedia/Commons, Bezirksmuseum Wien 2, Dieter Nagl für SKB – Schloss Schönbrunn, pressreader.com, gnm.de/museum/abteilungen-anlaufstellen/deutsches-kunstarchiv, austria-forum.org, hofreitschule.news, artnet.com, Heike, myheritage.co.uk, letsgetitshot.co.uk via combermereabbey.co.uk, Nationalbibliothek.at, britainsbestguides.org, John Fielding, artvee.com, Albertina.at, france-voyage.com, srs.at, Thaddäus Bien, abebooks.co.uk, Repeated Originals via etsy shop, npg.org.uk, pictorialpast.co.uk, forum.alexanderpalace.org, visitszeged.eu


Literatur Hinweise:

1 – S.23, 3 – S.32, 7 – S.77
Martin Haller
Sisi – Die Kaiserin im Sattel
myMorawa Selbstverlag, 1. Auflage 2018

2 – S.49
Bernhard Graf
Sisis Vater
Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Alliteria Verlag//edition monacensia, 2. Auflage 2017

4 – S.318/9, 5 – S.318, 6 – S.319, 8 – S.321, 9 – S. 321, 10 – S. 321/22, 14 – S.324
Brigitte Hamann
Elisabeth
Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage 2017

11 – S.237, 12 – S.237, 15a – S.248, 17 – S.250, 18 – S.252, 19 – S.255, 21 – S.259/260
Egon C.C. Corti
Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heyne Sachbuch, 15. Auflage, 2. dieser Ausgabe 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

13 – S.121
Sigrid Maria Gössing
Kaiserin Elisabeth und ihre Männer
Ueberreuter Verlag, 1. Auflage 1998 (nur noch antiquarisch erhältlich)

14 – S.187, 15 – S. 187-190, 16 – S.191, 22 – S.195/6, 23 – S.196/7, 25 – S.197, 26 – S.198-200, 27 – S.200, 27a – S.200-202
Gudula Walterskirchen, Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics
Kaiserin Elisabeths intimste Freundin
Residenz Verlag, 3. Auflage 2014

20 – S. 94/5, 28 – S.100/1, 31 – S.102 u. 104 (Bild dazwischen/nicht gezählt), 32 – S.107, 33 – S.130
Beatrix Meyer
Kaiserin Elisabetz ganz privat
Briefe an ihre intimste Vertraute Ida Ferenczy
Allitera Verlag, 1. Auflage 2020

24 – S.208, 37 – S.208, 38. S.196
Johannes Thiele
Elisabeth – Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn
Ihr Leben. Ihre Seele. Ihre Welt. (Bildband)
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2011 (nur noch antiquarisch erhältlich)

29 – S.122, 33a – S.82, 34 – S.269, 35 – S.214/5 35a – S. 83, 36 – S.295/6
Brigitte Hamann
Kaiserin Elisabeth
Das poetische Tagebuch
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 3. Auflage 1995

Susanna Forrest
The Horsewomen of the Belle Époque
The Paris Review

Susanna Forrest
The “Princess Daredevil” of the Belle Époque
The Paris Review

Bernhard Graf
Sisis Geschwister (Bildband)
Allitera Verlag//edition monacensia, 1. Auflage 2017

Gabriele Praschl-Bichler
Kaiserin Elisabeths Fitneß und Diät-Programm
Amalthea Verlag, 1. Auflage 2002 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Hofdame Marie Gräfin von Festetics

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Gräfin von Festetics

Sie war eine der intimsten und engsten Vertrauten von Kaiserin Elisabeth:

Hofdame Marie Gräfin von Festetics


Mária Theresia Festetics, Gräfin von Tolna wurde am 20.10.1839 in Tolna, Ungarn geboren. Ihre Eltern waren Sándor Vilibald Teodor Festetics, Graf von Tolna (*14.1.1805, †26.4.1877) und Maria Josefa Walburga Adelheid Baronin von Boxberg (*7.5.1810, †8.2.1892). Sie war das 8te Kind, von insgesamt 10 Kindern.

Das Adelsgeschlecht hatte eine lange Tradition und eine sehr große Geschichte. Leider starb der Zweig von Marie Festetics mit ihrer Nichte Elisabeth 1909 aus. Die Kleine wurde kein Jahr alt.

Foto: APA/Andreas Friess/ORF
Antal Festetics

Ein Großneffe von Marie ist der bekannte Wildbiologe und ORF Star Antal Festetics (*12.6.1937).

Maria (genannt Marie) ist die ersten Jahre in Tolna aufgewachsen. Die Familie lebte gerne nach ihrem „Titel“, allerdings hatte sie kaum Ahnung von Geldangelegenheiten, weshalb das Gut in Tolna aufgegeben werden musste. Sie zogen mit den Kindern nach Söjtör.

Marie wuchs sehr liebevoll auf und hatte Zeit ihres Lebens ein enges Verhältnis zu ihren Eltern und Geschwistern. Die Familie wurde von vielen Schicksalsschlägen getroffen. Als Mutter Josefa am 8.2.1892 starb,

lebte von ihren 10 Kindern nur noch Marie Festetics, welche durch ihre Verpflichtung bei Hof weder heiraten, noch Kinder bekommen durfte.

Marie bekam Privatunterricht und wurde früh in ungarisch, deutsch, englisch und französisch unterrichtet. Weiters lernte sie Handarbeit, Klavier und Gesang. Sie war außerordentlich wissbegierig, las Zeitungen und Bücher, war an Geschichte interessiert, ging gerne ins Theater, Konzerte und in diverse Ausstellungen in Museen. 

Foto: Wikimedia/Commons
Ferenc Deák, Lithographie Josef Kriehuber 1830

Zu den engsten Freunden der Familie zählten Ferenc Deák (*17.10.1803, †28.1.1876) und später Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890), die sie beide sehr prägten. Sowohl Deák als auch Gyula Andrássy nahmen später eine große und wichtige Rolle im Kaiserhaus, sowie in Kaiserin Elisabeths Leben ein.

Foto: Wikimedia/Commons
Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszua-Horka

Graf Andrássy hatte in Maries Leben einen großen Stellenwert. Er war es, der Marie Kaiserin Elisabeth als Hofdame vorschlug. Schon alleine deswegen, weil er eine Verbündete im Kaiserhaus haben wollte und er von der Loyalität Maries überzeugt war.

Marie übernahm die Stelle von Maria Helene Sophie von Thurn und Taxis (*16.5.1836, †13.11.1901), welche am 15.5.1871 Wolfgang Kinsky von Wchnitz und Tettau (*19.7.1836, †14.12.1885) heiratete und somit aus dem Hofdienst ausschied. 

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Klothilde von Sachsen-Coburg

Die erste Aufzeichnung die man über die Bestellung zur Hofdame am Wiener Hof zu Kaiserin Elisabeth findet, ist vom 3.7.1871. An diesem Tag erfuhr Marie, dass Kaiserin Elisabeth Prinzessin Maria Dorothea Amalie von Österreich (*14.6.1867 Alcsút, †6.4.1934 Alscút) bat, Marie freizugeben, da sie eine neue Hofdame brauchen würde.

Amalie war die Tochter von Erzherzogin Marie Adelheid Amalie Clothilde von Sachsen-Coburg (*8.7.1849 Neuilly-sur-Seine, †3.6.1927 Alcsút).

Marie wurde Angst und Bang, denn ihr gefiel das sehr ruhige Leben bei ihrer Herrin Erzherzogin Klothilde.

Graf Andrássy jedoch besuchte am 4.7.1871 Marie und bat sie eindringlich Kaiserin Elisabeth nicht im Stich zu lassen. Am 21.8.1871 wurde Marie Festetics bei Kaiserin Elisabeth anstellig, bis sie ihren Dienst aufnahm, verging aber noch eine ganze Weile, da sich Kaiserin Elisabeth in Meran aufhielt.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Gräfin von Festetics

Am 21.12.1871 wurde sie also schließlich persönlich bei Kaiserin Elisabeth vorstellig.

Sie notierte:

Die Kaiserin stand in einem blauen Kleid in der Mitte des Zimmers, eine große Dogge neben ihr. Die Kaiserin lächelte, der Hund kam auf mich zu, beschnupperte mich und wedelte er mit dem Schweife. … Sie reichte mir freundlich die Hand und sagte:

Ihnen tut es leid um die Erzherzogin, nicht wahr? Ich weiß, Sie wollten nicht zu mir kommen. Das ist nicht besonders schmeichelhaft für mich, aber natürlich, weil ich höre, daß die Familie Sie sehr lieb gewonnen hat“. ……

Danach kam sie auf Andrássy zu sprechen. „Andrássy sagte mir, daß Sie ehrlich und wahrhaft sind. Bitte verhalten Sie sich mir gegenüber auch so. Wenn Sie etwas sagen wollen, tun Sie das direkt. Wenn Sie etwas wissen wollen, fragen Sie mich, niemals jemand anderen. Wenn über mich schlecht geredet wird, das ist eine Gewohnheit im Hause, dann glauben Sie es nicht. Freunden Sie sich vorerst mit niemanden an, Sie können Ida vollkommen vertrauen. Duzen Sie sie aber nicht. Sie ist keine Hofdame und ich will nicht, daß sie mit den Damen intim wird.

Vielleicht thun sie es nur aus Neugier, aber mit Ihnen ist es anders. Durch Andrássy kenn ich Ihren Charakter. Am 27. fahren wir ab, ich nehme Sie mit. Bis dahin können Sie bei Ihrer Erzherzogin bleiben.“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Festetics und Ida Ferenczy

Ab diesem Zeitpunkt beginnt das Tagebuch, dass seit 2014 veröffentlicht ist.

Marie Festetics war eine ausgezeichnete Beobachterin und durch ihr Tagebuch bekommt man einen sehr guten Einblick in das Kaiserhaus und in das Leben von Kaiserin Elisabeth.

Aber nicht nur in das der Kaiserin, sondern auch das gesamte Umfeld wird beschrieben. 

Schon bald war Marie von ihrer Majestät begeistert. Sie schrieb am 17.1.1872 in ihr Tagebuch:

„Es war ein Hofball. Der Kaiser war auch dort. Er sieht mich recht freundlich an, grüßt mich so flüchtig, und nie habe ich noch ein freundliches Wort von ihm gehört. Sie war so schön, daß ich das Gefühl hatte, eine Fee stünde vor mir. Als ich wieder hinaus kam, fragten mich die Suiten, was die Kaiserin an hätte? Ich wußte es nicht, so sehr hat mich das, was über Ihr war, das Hoheitsvolle, Liebliche, Feenhafte, der Ausdruck der verkörperten Majestät, gefangen genommen.“ (2)

Einzig mit Mary Throckmorton, genannt Minny (*1832, †11.12.1919) verstand sie sich überhaupt nicht.

Minny war eine gefürchtete Intrigantin und gleichzeitig das Kindermädchen von Marie Valérie.

Foto: National Gallery London
Mary „Minny“ Throckmorton

So sehr Elisabeth Klatsch und Tratsch hasste, so sehr hielt sie aber an Minny fest. Marie Valérie wurde von ihr verzogen und verwöhnt, so dass sie bei der Kaiserin gut dastand. Marie war das ein Gräuel. Sie schrieb am 2.1.1872:

„Gräßlich allein bin ich! Throckmorton und ich passen nicht zusammen. Die weiß gar nichts zu reden als fort von dem, was alles geschehen und nicht geschehen sollte und die Lily und die Helene und die Ludwiga gesagt und erzählt! Ich bin den Tratsch gar nicht gewöhnt. … Ich will auch nichts voraus wissen, nicht voreingenommen sein, es bleibt doch von jedem Geschichterl etwas kleben!“ (3)

Dies war gleich in der Anfangsphase von Marie im Dienste der Kaiserin. Aber auch später wurden Marie und Minny keine „Freundinnen“.

Marie Festetics stellte sich als Glücksfall für Kaiserin Elisabeth heraus. Nicht nur, dass sie mit Marie nur ungarisch sprach, so hatte sie in ihr eine treue Freundin und Begleiterin gefunden. Egal wohin Kaiserin Elisabeth fuhr und wer sie umgab: Marie Festetics und Ida Ferenczy waren stets an ihrer Seite.

Die einzigen Bezugspersonen die Marie blieben waren Ida und Kaiserin Elisabeth. Erzherzogin Sophie hasste alles was mit Ungarn zu tun hatte. Sie schnitt Marie aufs Gröbste, auch deren Hofdamen und der gesamte Anhang wollten mit ihr nichts zu tun haben.

Doch auch Kaiserin Elisabeth wachte über ihre beiden Lieblingsdamen. Sie verhinderte aus Eifersucht, dass Gräfin Marie Festetics heiraten konnte. 

Foto: Wikimedia/Commons
Fürst Nikolai Dolgorukow

Schon im Jahr 1871 – noch im Dienste bei Erzherzogin Klothilde – lernte sie 32jährig in Franzensbad den gutaussehenden Flügeladjutanten von Zar Alexander II kennen: Fürst Nikolai Dolgorucky (*1840, †1913). Er machte Gräfin Festetics auffallend den Hof, doch die beiden trennten sich ohne ein weiteres Wort.

Im Zuge der Weltausstellung in Wien und bereits im Dienst am Wiener Hofe, begegnete Marie dem hübschen Russen noch einmal.

Sie notierte:

„Er hatte die Keckheit, von Franzensbad zu sprechen:Ah, Madame welch ein Glück, Sie wiederzusehen, noch einmal bei Nacht! Welche Gelegenheit! Ich habe bis jezt noch nicht Ihre Bekanntschaft gemacht. Aber nein! Ich kenne Sie von einer Kur vor einigen Jahren, ich kenne Sie zur Gänze! Ihre Seele, jeden Ausdruck Ihrer Augen, jede Linie Ihres Körpers, ich kenne Ihr Lächeln, den Ausdruck Ihres Mundes, endlich alles, alles von Ihnen! Nicht die geringste Ihrer Bewegungen ist mir entgangen. Sagen sie nicht, daß Sie nicht bemerkt haben. Aber ja! Ich weiß, daß Sie verärgert sind!“ So und noch unglaublicher ging es fort! Kein Wort hatte ich noch gesagt, alle Leute glaubten, wir seien alte Bekannte und wollten nicht heran.“ (3a)

Foto: Wikimedia/Commons
Graf Alexander Carl Stürler

Schließlich lernten sich die beiden bei den Festivitäten zu der Weltausstellung näher kennen und Maries Herz entflammte.

Der gemeinsame Freund Alexander Carl Graf Stürler (*9.5.1825, †3.6.1901) erzählte Marie die Lebensgeschichte des armen Fürsten, welcher sich mit einem Oberst duellieren musste, daraufhin seinen Adelstitel verlor und in den Kaukasus geschickt wurde.

Dort musste er bis zum Krieg ausharren, diente in jenem und bekam den Georgsorden für besondere Verdienste. Daraufhin wurde er von Zar Alexander II begnadigt, erhielt seinen Titel zurück und wurde sein Flügeladjutant.

Weiters wusste Graf Stürler folgendes:

Denken sie gutes über diesen armen Jungen, Gräfin. Er denkt an sie seit Franzensbad und Sie haben ihn sehr berührt. Er liebt Sie seither. Ich werde ihm sagen, daß ich eine Thräne in Ihren Augen gesehen habe.“ Ja, ich hatte eine Thräne im Auge gehabt. (3b) 

Marie erzählte Kaiserin Elisabeth davon, die gar nicht begeistert war:

Sich mit ihm zu amüsieren, erlaube ich, aber nicht lieben, noch weniger ihn zu heiraten! Das dürfen Sie nicht! Es wäre auch nicht schicklich, mich wegen eines fremden Mannes zu verlaßen, ich erlaube es Ihnen ausdrücklich nicht!“ Wie sah sie mich an! „Sie sollten nicht einmal hinhören, wenn er anfängt über so etwas zu reden.“ (3c)

Nikolai wusste das Marie mit sich haderte. Marie notierte das gesagte Wort vom Fürst in ihr Tagebuch:

„Für noch weniger würde man nach Sibiren kommen. Darf ich offen sprechen, Madame? Sie bewundern die Kaiserin sehr, ich verstehe, daß Sie bleiben wollen. Sie erscheint wie ein Engel, mit diesem Ausdruck, dieser außergewöhnlichen Schönheit. Sie lieben Sie sehr, Madame, ich habe es deutlich gesehen. Für einen anderen wäre das ein Glück. so ein schönes Gefühl, das Sie vielleicht gar nicht zu würdigen weiß in dieser Größe, dieser völligen „Selbstverleugnung“. Mir wurde siedenheiß. Hat er recht? „Denken Sie darüber nach, Madame, denken Sie darüber nach, ich beschwöre Sie!“ 

Kurz vor einem Diner traf sie Kaiserin Elisabeth, die sie den ganzen Tag noch nicht gesehen hatte.

Dabei fiel nur ein einziger Satz, den Kaiserin Elisabeth ihr sagte:

„Sie dürfen nicht!“
(3d)

Am 7.6.1873 versuchte es Nikolai noch einmal. Er wagte Gräfin Festetics seine Liebe zu gestehen und bat sie eindringlich Kaiserin Elisabeth zu verlassen und mit ihm nach Russland zu gehen. Ihr werde an nichts fehlen, versprach er und er würde sie glücklich machen. Marie haderte schwer mit sich.

Am 9.6.1873 reiste Zar Alexander II ab, mit samt Graf Stürler und Fürst Dolgorukow. Zum Entsetzen Maries sahen sich die beiden am Morgen noch einmal:

„Sagen sie mir etwas Gutes, Madame! …. Daß Sie sich mir verschließen, bedeutet mir viel Schmerz!“ (3e)

Nikolai verbeugte sich, gab Gräfin Festetics einen Handkuss und ließ diese verstört zurück.

Sie haderte mich sich, wusste nicht so Recht, ob die Entscheidung rechtens war. Dennoch hatte sie sich für die Kaiserin entschieden. 

Foto: von-gans.net
Paul Almássy
Foto: Wikimedia/Commons
Karoly Kerkápoly

Da Marie eine Schönheit war, blieb Fürst Nikolai nicht der einzige glühende Verehrer.

Unter ihnen war auch Graf „Mucky“ Mikos (näheres leider nicht bekannt) und der alternde Politiker Paul Almássy (*1818, †1883).

Doch keiner unter ihnen wurde Marie Festetics noch einmal so gefährlich wie Nikolai; mit einer Ausnahme: Karoly Kerkápoly (*13.5.1824, †31.12.1891), Anwalt und Politiker

Bereits im Dezember 1873 lernte sie Karoly kennen. Durch Graf Andrássy lernte sie fast jeden Politiker in Ungarn kennen. Noch immer haderte sie wegen ihrem „schönen Russen“, wie sie ihn in ihrem Tagebuch nannte. 

Am 6.2.1874 notierte sie:

„Stefanie Wickenburg erschien, als Brautwerber nochmals für Mucki Mikos, der von Mexiko zurück, behauptet, er kann mich nicht vergeßen! Wenn ich „Sie“ verlaßen könnte, hätte ich doch meinen interessanten Russen geheirathet! Konnte ich mich in den stillen Tagen, meinem Söjtör, zu diesem Opfer nicht entschließen, warum jezt? Wo „Sie“ mich braucht, kaum ein Tag vergeht, wo Sie es nicht sagt? Alles könnt ich aufgeben, nur „Sie“ nicht….“ (3f) 

Am 9.4.1874 gestand Karoly Kerkápoly ihr die Liebe:

„Kerkapoly war da, das gibt mir zu denken, denn er sagte mir schlicht und einfach, daß er mich liebt. Ich erschrack darüber so sehr, daß er es merkte. Ich sah, es that ihm weh. Ich las einst ein Buch, da stand so etwas drin: Ein älterer Mann, der in späten Jahren den Traum der Jugend träumt. Wie leid thut er mir! Er sagte mir, als er mich das erste Mal in Szölöske bei Andrássy sah, wußte er, daß sein Schicksal vor ihm stünde. Er bat mich gar, nicht desperate zu sein! Mich begegnet zu haben sei Glück genug für ihn. Es bleibe, wie es ist, er lebe davon! Zu was das, frage ich das Schicksal?? (3g) 

Jahrelang sollte Karoly nicht aufgeben. Doch es endete genauso traurig, wie bei Nikolai, den Marie Zeit ihres Lebens nicht vergessen konnte.

Marie blieb im Dienste der Kaiserin.

Karoly wurde nach seiner Politikerkarriere ein sehr reicher Weinbauer, blieb aber unverheiratet und kinderlos. 

Immer wieder haderte Marie mit ihrem Schicksal. Sie liebte Kinder über alles, ihre Familie starb mehr und mehr aus. Niemand schien übrig zu bleiben, der den Namen weitergeben konnte. Sie war oft allein und blieb an ihren Gedanken hängen. Doch

„wenn Ihr sonnenheller Blick auf mich fällt, kömmt mir vor, es wäre das Schwerste leicht zu tragen.“ (3h)

Marie zog sich, wenn sie nicht gerade gebraucht wurde, zurück und schrieb ihr Tagebuch. Marie Valerie war oft Bang, dass dieses Tagebuch in falsche Hände geriet, denn egal über wen, Marie schrieb es auf. Insgesamt 10 Bücher und 2000 Seiten schrieb sie von 1871 – 1884.

Danach geht das Tagebuch erst ab 1904 weiter. Ob die Bücher tatsächlich 1884 aufhörten oder absichtlich „vernichtet“ oder bis heute „versteckt“ wurden (werden), ist nicht überliefert. Leider fehlt daher auch die Beobachtung zu Kronprinz Rudolfs Tod. Erst 1906 schrieb Marie einen Eintrag in ihr Tagebuch:

„Der Kronprinzen Wundergarten! Wie ein Bouquet auf blauer Fluth gewiegt liegt es in Sonnenlicht. Und Er? In des Lebens voller Blüthe von eigner Hand geknickt, schläft neben seiner gemordeten Mutter seinen ewigen Schlaf.“ (4)

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Foto: Wikimedia/Commons
Marie Gräfin von Festetics

Marie Festetics war in ihrem Denken der Zeit weit voraus.

Sie schrieb die Tagebücher, um der Nachwelt zu beweisen, wie wunderbar Kaiserin Elisabeth war, wissend, dass der tratschende Wiener Hof kein gutes Haar an ihr lassen würde.

Doch bei all ihrer Loyalität und innigen Freundschaft, manchmal kann man auch leise Kritik lesen. Die Kaiserin sei oft schwermütig, in Gedanken versunken, ohne Aufgabe, ohne Lebensinhalt. Die eine Aufgabe, die sie hatte, die wollte sie nicht und was anderes findet sie nicht. Solche Passagen findet man des Öfteren.

Marie war also sehr wohl bewusst, dass sich Kaiserin Elisabeth zu Tode langweilte und sich genau deswegen in ihre Wahnvorstellungen flüchtete. Alles was Elisabeth anpackte wurde mit großer Manie betrieben: Reiten, Wandern, Reisen oder die Kindeserziehung von Marie Valérie.

Foto: Wikimedia/Commons
Irma, Gräfin Szátary von Sztára und Nagy-Mihály

Egal wohin Elisabeth fuhr, Marie fuhr mit. Meran, Gödöllö, Triest, Paris, Budapest, Sassetot, Irland, England, Korfu und Mittelasien.

Doch irgendwann wurden auch Marie und Ida alt. In den frühen 90er Jahren schaffte Marie die vielen Reisen und stundenlangen Fußmärsche der Kaiserin nicht mehr.

Marie und Ida verblieben deshalb ab 1894 im Innendienst, während Irma, Gräfin Szátary von Sztára und Nagy-Mihály (*10.7.1864, †3.9.1940) mit Kaiserin Elisabeth auf Reisen ging.

Zu diesem Zeitpunkt ließ Elisabeth niemand anderen mehr an sich ran, als Marie Valérie und Irma bzw. Marie.

Zwischen 1894 und 1898 hatte Kaiserin Elisabeth nur noch 2 Hofdamen. Immer wenn Elisabeth vor Ort war, vertrat Marie Irma, bzw. übernahm deren Aufgaben.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth im Milleniumskleid für die 1000 Jahr Feier in Ungarn 1896

Marie vertrat Irma, während ihres Urlaubes und begleitete Kaiserin Elisabeth zu den Milleniumsfeierlichkeiten nach Ungarn, welche im Mai/Juni 1896 stattfanden.

Foto: ÖNB Wien
Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth empfangen den ungarischen Reichsrat 1896. Heliogravure nach Gemälde, mit Originalunterschrift des Künstlers Benczúr Gyula

Dies war der letzte öffentliche Auftritt von Kaiserin Elisabeth.

Marie und Kaiserin Elisabeth sahen sich zum letzten Mal im Juli 1898 in Bad Ischl.

Während sich Elisabeth mit Irma Richtung Bad Nauheim zur Kur und die Schweiz aufmachte, zog sich Marie nach Söjtör zurück. Sie kaufte nach und nach die Ländereien der Festetics zurück.

Der Tod der Kaiserin traf sie sehr schwer.

Marie Valérie nahm ihr im November 1898 das Versprechen ab, die Tagebücher testamentarisch zu hinterlassen.

Erzherzogin Marie Valérie konnte Marie Festetics nie leiden. Sie machte sie für das oft falsche Handeln ihrer Mutter verantwortlich.

Als die Kaiserin gestorben war, mussten Ida und sie sofort ihre Wiener Wohnungen in der Hofburg räumen. Ihre jahrelangen Hetzer hatten endlich ihren Triumpf.

Marie hatte vorgesorgt und sich in der Reisnerstrasse, im 3. Wiener Gemeindebezirk eine Wohnung gekauft. Ida zog in die Nachbarwohnung ein. 

Die Trauer war grenzenlos, doch Marie verfiel weder in Depressionen, noch in Schwermut.

Um sich an die guten Zeiten mit Kaiserin Elisabeth zu erinnern, fuhr sie an jene Orte, an denen sie glücklich war. Sie besuchte auch Ida häufig in Budapest, diese hatte dort ein Kaiserin Elisabeth Museum eröffnet. 

Ab 1906 ist zu lesen, dass sie insgeheim Irma für den Tod Elisabeths verantwortlich machte.

Als der 1. Weltkrieg ausbrach und sie den Untergang des Kaiserreichs mit ansehen musste, wurde die bereits 79jährige Gräfin krank.

Aber auch privat musste sie herbe Rückschläge einstecken. Sie selbst, die sich jahrelang für ihre Familie aufgeopfert hatte und mit ihrem Geld ihren alten Besitz zurückerlangte, wurde 1920 von ihrem Besitz enteignet. Dieses Land wurde unter den mittellosen Bauern aufgeteilt.

Nur einen Bruchteil des gekauften Landes konnte sie ihrem Neffen Karl hinterlassen; als dieser starb und die Witwe das Land ebenfalls 1943 verlor, musste dies Marie zum Glück nicht mehr miterleben.

Marie Gräfin von Festetics starb am 16.4.1923 in Sjötör. Mit ihrem Tod starb ihr Zweig der Familie Festetics aus. Sie ruht im Familiengrab der Festetics in Tolna.

Petra Schimbäck


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Petra Schimbäck
Recherchen: Petra Schimbäck
Bildrechte: Österreichische Nationalbibliothek, Wikimedia/Commons, APA/Andreas Friess/ORF, von-gans.net, National Gallery London


Literatur Hinweis:

1 – S 46, 2 – S 49,  3 – S. 48, 3a – S. 159, 3b – S. 162, 3c – 161, 3d – S. 163, 3e – S. 166, 3f – S. 167/8, 3g – S. 168, 3h – S. 170, 4 – S 286
Gudula Walterskirchen, Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics
Residenz Verlag, 3. Auflage, 2014


Hochzeit – Tu felix Austria nube*

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth, 1854
Hochzeitsbild
Bild: Anonym

*… du, glückliches Österreich, heirate!

Der Hochzeitstag von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern, welche mit dieser Hochzeit zum Hochadel avancierte und Kaiserin von Österreich wurde, ging in die Geschichte ein.

Die kleine Elisabeth verzauberte Kaiser Franz Joseph im August 1853 in Ischl so sehr, dass nach 3 Tagen am 18.8.1853 bereits die Verlobung gefeiert wurde.

Seit dem wurde die Hochzeit auf Hochtouren geplant. Die junge Braut wurde nicht lange gefragt.

Unglückliche Gedichte schrieb sie in ihr Tagebuch, doch es half alles nichts. Anfang März 1854 unterschrieb ihr Vater Herzog Max den Ehe Pakt.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Fotos: Antiquitäten kunst-bail.de
Einladungskarte von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern

Direkt nach der Verlobung erhielt Elisabeth Heiratsgut im Wert von

50.000 Gulden = ca. € 670.000
Weitere
100.000 Gulden = ca. € 1,340.000

wurden als Absicherung der Witwenschaft ausgehandelt, vorausgesetzt Franz Joseph würde vor ihr versterben.

Als Morgengabe wurden 12.000 Dukaten vereinbart.

Kaiser Franz Joseph verpflichtete sich weiters seiner Gattin jährlich eine Apanage von 100.000 Gulden (etwa € 1,340.000) zu bezahlen. Elisabeth sollte also nicht „arm“ in der Ehe sein.

In den späteren Jahren richtete sich Kaiserin Elisabeth in der Schweiz ein Konto ein, so dass sie fernab vom Wiener Hof sehr gut Leben konnte. Sie war zeitweilig sogar reicher als ihr Ehemann.

Weiters wurde Wäsche und Schmuck als Ausstattung vereinbart, wobei diese sehr ärmlich war.

Ludovika hatte mit der Hochzeit mit Helene gerechnet.

Elisabeth war bei der Verlobung erst 15 Jahre alt und ihre Ausstattung war weder komplett und schon gar nicht edel genug für den feinen Wiener Hof. Das Kaiserhaus war nur edelste Stoffe und Juwelen gewohnt.

Die 25 Koffer die vor der Braut in Wien eintrafen, waren daher dem Gespött ausgesetzt.
Elisabeth galt als „keine gute Partie“, noch bevor sie Wien erreichte. Ihre Silberausstattung galt als „bescheiden“.

Die Silberausstattung, die damals als ein „Muss“ galt, hatte einen Gesamtwert von ca. 700 Gulden = ca. € 9.380.

Handspiegel, Waschkanne und Silberteller bereits miteingerechnet.

Einzig der Schmuck hatte einen höheren Wert, dieser wurde ihr jedoch im Laufe der Verlobungszeit von Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Sophie geschenkt. Der Wert des Schmuckes wurde auf

60.000 Gulden = € 804.000 geschätzt.

Die Kleider hatten einen Wert von

50.000 Gulden = ca. € 670.000.

Elisabeth besaß:
4 Ballkleider
17 Putzkleider (Kleider mit Schleppe wurden Putzkleider genannt)
14 Seidenkleider
19 Sommerkleider
1 Trauerkleid

Das Wertvollste – ein blauer Samtmantel mit Zobelbesatz, sowie Zobelmuff – war natürlich wieder ein Geschenk von Franz Joseph.

Zum Vergleich:

Ein Arbeitslohn für Männer betrug jährlich 300 Gulden = € 4.020, Frauen nur die Hälfte, Kinder nur ein Bruchteil.

Ein Leutnant hatte 24 Gulden monatlich = ca. € 321,60 zu erwarten, Soldaten dementsprechend weniger, Offiziere demnach mehr.

Zwar waren diese Beträge für jeden Bürgerlichen immer noch horrend und nicht zu erreichen, aber reiche Kaufleute konnten ihre Töchter weitaus besser ausstatten.

Der „vulgäre“ Landadel von den Herzogs „in“ Bayern wurde von jeher als „nicht standesgemäß“ betrachtet.

Das Datum der Hochzeit wurde auf den

24.4.1854

angesetzt.

Obwohl Ludovika um eine Hochzeit in München kämpfte, verlor sie auch diesen Punkt gegen ihren zukünftigen Schwiegersohn.

Foto: Antiquitäten kunst-bail.de
Einladungskarte von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern
mit dem gesamten inneren Text

Er ließ nicht mit sich Handeln. Die Hochzeit sollte in Wien, in der Augustinerkirche, stattfinden.

In Wien wurde derweil alles für dieses Großereignis vorbereitet. Obwohl die Gefahr eines Krimkrieges bevorstand und kaum abgewendet werden konnte, setzte man große Hoffnungen auf die Hochzeit mit Elisabeth.

Wien wurde herausgeputzt.

Die ersten Lithographien trudelten in Wien ein und so sind es wieder die Zeitzeugen, die uns davon erzählen:

„Wien, 11.November 1853
Liebe Eva!

Ich sah den Kaiser einigemale bei seiner Fau Mutter; er sieht wohl und freudestrahlend aus. Es sind einige Lithographieen von der Kaiserbraut in den Kunsthandlungen ausgestellt, die viel zu wünschen übrig lassen. Das Oehl-Gemälde von Türl aus München, welches der Kaiser erhalten soll sprechend ähnlich und ein sehr schönes Portrait sein. Es steht in seinem Schreibcabinet.“

Deine Sophie (13a)

Anmerkung Petra: Herzlichst erfrischend, dass nicht nur ich Schreibfehler mache. Auch Sophie verschrieb sich des Öfteren in ihren Briefen. Hier ist z.B. Lithographieen mit doppel „e“ geschrieben. Herrlich, dass dies erhalten blieb!

Nicht nur Wien, auch der gesamte Wiener Hof, die Erzherzogin und natürlich die zukünftigen Hofdamen wurden für das Fest vorbereitet.

Die Schneider und Näherinnen ihrer Zeit hatten alle Hände zu Tun, um den Ansprüchen dieser Hochzeit gerecht zu werden.

Sophie Baronin von Scharnhorst(*) (*/unbekannt) lässt uns wieder einmal an ihren Gedanken teilhaben.

„Wien, 12.Jenner 1854
Liebe Eva!
Wegen der Hochzeitsfeierlichkeiten hielt ich gestern Conferenz mit Paula Bellegarde (Anmerkung Petra: zukünftige Hofdame von Kaiserin Elisabeth Paula Gräfin von Bellegarde, später von Königsegg-Aulendorf und ihre Obersthofmeisterin) und ihrer zufällig anwesenden Mutter. Beide finden, daß mit Silbernen Rosen gestickte Tüllkleid zu zwei Röcken Schöner für Caroline (Anmerkung Petra: Tochter von Eva) als mit volants. Silbergestickte Bandeaus sind sehr elegant, Paula wird sich auch solcher bedienen weil Brüßler Blonden zu gepfeffert sind und für 1-2mal anziehen sind sie zu theuer – außer für Königin Victoria! Die Manteaux erfordern eine Länge von 11/4 und 11/2 metre Länge.

Die Gemüther der Diplomaten und Geschäftsleute sind ängstlich mit den immer drohender werdenen kriegerischen Aussichten – beschäftigt. Der liebe Gott wende das Unglück ab!! (Anmerkung Petra: Damit ist der oben erwähnte Krimkrieg gemeint)
Sophie. (13)

Auch eine zusätzliche Strophe für die Kaiserhymne wurde geschrieben:

An des Kaisers Seite waltet,
Ihm verwandt durch Stamm und Sinn,
Reich an Reiz, der nie veraltet,
Uns're holde Kaiserin.
Was als Glück zu höchst gepriesen
Ström' auf sie der Himmel aus:
Heil Franz Joseph, Heil Elisen,
Segen Habsburgs ganzem Haus!

Musik: Joseph Haydn
Text: Johann Gabriel Seidl

Baronin von Scharnhorst hält die Weihnachtsfeiertage für uns fest:

„Wien, 20.December 1853
Liebe Eva!
…..
Heute um 2 Uhr vor Tisch besuchte mich Erzherzog Karl (Anmerkung Petra: Karl Ludwig war gemeint, Bruder von Franz Joseph) um Abschied zu nehmen. Er reist diesen Abend 10 Uhr nach Lemberg auf Seinen Posten und bleibt bis zur Vermählung des Kaisers dort. Erzherzog Max (Anmerkung Petra: ebenfalls ein Bruder vom Kaiser) ist in Triest und Seine Majestät reisten heute nach München. Die vortreffliche Erzherzogin ist beinahe ganz verwaist, aber schöne Hoffnungen bleiben ihr, wenn erst die Kaiserbraut in Wien einzieht. Gott erfülle alle Hoffnungen!
Deine Sophie (14)

Kaiser Franz Joseph besuchte seine Elisabeth zu Weihnachten in München und brachte der Braut und dem Geburtstagskind einen Kranz aus weißen Rosen mit. Ein Unding zur damaligen Zeit und im Winter noch dazu.

„Wien, 8. Jenner 1854
Der Kaiser soll sehr heiter und zufrieden von seiner beglückenden Reise zurückgekehrt sein auch wie ich höre vorgenommen haben diesen Carneval nicht zu tanzen, was seinen ritterlichen Gefühlen sehr entspricht.

Deine Sophie“ (15)

Am 20.4.1854 bestieg Herzogin Elisabeth mit ihrer Mutter Ludovika eine Kutsche um eine 3tägige Reise anzutreten. Gefolgt von ihrem Vater und den Geschwistern. Zuvor wurde noch groß Abschied in München genommen.

Sie verabschiedete sich von dem gesamten Personal, ihrem Stief-Onkel Ex-König Ludwig I. (der 1848 wegen dem Lola Montez-Skandal abdanken musste), dem regierenden König Maximilian II und der gesamten Verwandtschaft. Die junge Braut war in Tränen aufgelöst.

Foto: Wikimedia/Commons
Schiff „Austria“ bei der Ankunft in Linz 21.4.1854 

Am 21.4.1854 bestieg sie das Dampfschiff „Austria“ und fuhr von Straubing Richtung Linz.

Franz Joseph entschied sich spontan seine Braut in Linz zu begrüßen und fuhr ihr mit einer Kutsche aufgeregt entgegen.

Das war nicht nur gegen das Protokoll, sondern auch eine ziemliche Überraschung für die Linzer, die mit der Ankunft des Kaisers so gar nicht gerechnet hatten.

Schwiegermutter in spe und Tante Erzherzogin Sophie, muss einer Ohnmacht nahe gewesen sein als sie davon erfuhr.

Kaiser Franz Joseph verstieß damit gegen jede Etikette. Auch das Busserl, dass er seiner Braut Elisabeth vor lauter Freude auf die Wange drückte, hätte nicht stattfinden dürfen.

Es geziemte sich nicht in der Öffentlichkeit zu „Busslern“ – schon gar nicht für einen Kaiser. 

Linz begrüßte die zukünftige Kaiserin mit gebührlichem Programm:

Das Theaterstück

„Die Rosen der Elisabeth“

wurde aufgeführt, danach ein Chorgesang und ein Fackelzug durch die Stadt.

Obwohl die junge Braut zu diesem Zeitpunkt schon erschöpft war, stand aber alle Huldigungen mit Bravour durch.

Elisabeth übernachtete mit ihrer Gefolgschaft im Landhaus Linz. Ihr Zimmer ist heute noch erhalten, allerdings ist das Gebäude selbst ein Regierungsgebäude; es ist öffentlich nicht zugänglich.

Ich durfte jedoch den Meetingsaal mit den Original erhaltenen Möbeln und Tapeten besuchen. 

Gegen 4.30 Uhr früh verließ der Kaiser Linz, um seine Elisabeth am Abend in Wien erneut zu begrüßen.

Foto: Wikimedia/Commons
Ankunft in Nussdorf

Der Raddampfer „Franz Joseph“ nahm am 22.4. erneut die Brautgesellschaft auf und fuhr pünktlich um 8.00 Uhr morgens ab.

Die ganze Zeit musste Herzogin Elisabeth am Schiff stehen, um mit einem Spitzentaschentuch den tausenden Leuten, die die Straßen und Ufer säumten, zu winken.

Wie sehr das an den Nerven der 16jährigen zerren musste, kann man sich kaum vorstellen. Verschüchtert und voller Angst fuhr sie dem Ungewissen entgegen.

Unter Glockengeläut (alle Glocken in Wien läuteten) und Kanonendonner legte das Schiff in Nußdorf an und Franz Joseph gab Elisabeth wieder ein Busserl auf die Wangen.

Und obwohl das junge Mädchen sicherlich Ruhe gebraucht hätte, nahm man auf die erschöpfte Braut keine Rücksicht. Der Marathon ging weiter. Der Wagenzug mit dem Brautgefolge, Bräutigam und Eltern zogen von Nußdorf nach Schloss Schönbrunn wo ein großes Dinner statt fand.

Ich habe den Kaiser schon lieb. Wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (1a)

Diesen Satz soll Elisabeth gesagt haben, bevor sie sich mit dem Kaiser verlobt hat.

Sie hat geahnt, was auf sie zukommen wird.

Ich würde persönlich gerne wissen, was sie gedacht hat, als sie den Prunk und den Protz in Schloss Schönbrunn mit seinen 1400 Zimmern erblickte. Als sie erfuhr, dass in Schönbrunn ca. 4000 Personen permanent wohnten.

Foto: myhtoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth wie sie sich als Braut sah
eigenhändige Skizze, 1854

Plötzlich waren Menschen um sie herum, die ihr von einer Sekunde auf die nächste die Hand küssen wollten/mussten.

„…man begafft mich wie ein seltenes Tier…“

Diese Textzeile aus dem Musical Elisabeth ist wohl noch harmlos ausgedrückt. 

Mit großer Feierlichkeit überreichte Franz Joseph sein Brautgeschenk.

Eine Diamantenkrone, die extra für 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) überarbeitet wurde.

Hierzu ist im Musical Elisabeth eine Textzeile überliefert:

„In der Schatzkammer fiel die Krone zu Boden…“

Dies galt als schlechtes Omen und wurde für eine schlechte Ehe vorausgesehen. Danach wurden alle anderen Geschenke überreicht. Ex-Kaiser Ferdinand überreichte ihr ebenfalls ein Diamantendiadem.

Einzug der Braut
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Foto: Wikimedia/Commons
Sophie Gräfin Esterházy
Lithographie: Josef Kriehuber, 1833
Foto: Wikimedia/Commons
Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. Gräfin von Bellegarde

Zu all dem wurden ihr noch ihr völlig fremde Personen zugeteilt. Alle Damen, die sie bis jetzt betreuten, wurden ihres Dienstes enthoben.

Statt dessen wurde ihr als Obersthofmeisterin Sophie Maria Josepha Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha (*5.9.1798, †17.6.1869) zur Seite gestellt.

Gräfin Esterházy war Hofdame bei Erzherzogin Sophie und eine ihrer engsten Vertrauten. Elisabeth hat Gräfin Esterházy vom ersten Anblick an abgelehnt.

Zu Recht, denn die Gräfin hatte nichts besseres zu tun, als jede kleine Verfehlung die sich die junge Kaiserin erlaubte an Erzherzogin Sophie weiterzuerzählen.

Sie behandelte die junge Kaiserin wie ein unmündiges kleines Kind und erzählte ihr weiters den gesamten Tratsch vom Hof, der die Kaiserin nicht im geringsten interessierte.

Weiters wurde ihr Obersthofmeister Fürst Lobkowitz zur Seite gestellt.

Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. von Bellegarde (Gräfin Bellegarde) (*2.4.1830, †27.5.1912) und Gräfin Lamberg vervollständigten das direkte Personal von Elisabeth.

Zusätzlich zogen ein Sekretär, eine Kammerfrau, ein Kammerthürhüter, vier Leiblakeien, ein Hausknecht und ein Kammerweib mit Elisabeth in die Hofburg bzw. Schloss Schönbrunn. Das dies die kleine Herzogin aus Bayern einschüchterte wird jedem verständlich sein.

Am 23.4. wurde der Hochzeitsmarathon fortgesetzt.

Vom heutigen Theresianum (damals „Favorita“ und von Franz Joseph kaum noch benützt) wurde das strenge Zeremoniell gestartet, wo Elisabeth bereits seit einigen Stunden für dieses Ereignis hergerichtet wurde.

Die von 8 Lipizzanern gezogene Prachtkutsche, wurde mit Leibgardisten in Paradeuniform begleitet. Weiters folgten dem Tross 6spännige Kutschen mit den Geheimen Räten, Palastdamen und der Familie. Neben den Wägen gingen die Diener.

Wienmuseum.at
die neu erbaute Elisabethbrücke
Kutsche mit Herzogin Elisabeth und Herzogin Ludovika, dahinter die Karlskirche

Der Zug führte über die neue Elisabethbrücke, welche 1898 abgerissen wurde.

Sie trug ein rosa Putzkleid mit Schleppe, welches mit Rosengirlanden geschmückt war. Das neue Diamantendiadem wurde ihr auf den Kopf gesetzt. Herzogin Elisabeth war überaus verängstigt und schluchzte leise vor sich hin. Aber auch Ludovika schüchterte diese enorme Zeremonie ein.

Als der Zug vor der Kirche ankam erklangen wieder alle Glocken, um den Einzug der Braut zu würdigen. Die Straßen waren voll von Schaulustigen, die sich alle einen Blick auf die baldige Kaiserin erhofften.

Als sie endlich bei der Hofburg ankam, war sie zu Tode erschöpft.

Beim Ausstieg aus der Kutsche, passierte ihr deswegen ein kleiner Fauxpas. Sie blieb mit der Diamantenkrone an der Türfassung der Kutsche hängen und strauchelte daher beim Aussteigen. 

Der Wiener Hof hatte gleich wieder zu lachen und zu tratschen, da dieses Missgeschick natürlich ausgerechnet vor allen Augen passierte.

Im Amalienhof (Trakt der Hofburg) angekommen, durfte sich die junge Braut endlich ausruhen.

Elisabeth notierte in ihr Tagebuch:

Ich bin erwacht in einem Kerker,
Und Fesseln sind an meiner Hand.
Und meine Sehnsucht immer stärker –
Und Freiheit! Du, mir abgewandt. (1)

Am nächsten Morgen gingen die Hochzeitsvorbereitungen erneut los.

Foto: Wikimedia/Commons
„Eine Vorstellung wie die Hochzeitszeremonie aussah“, Neue Illustrierte Zeitung, 1879 zum 25. Hochzeitstag veröffentlicht, Holzstich, Anonym

Die Hochzeit war für 19.00 Uhr am Abend angesetzt.

Jede Braut kennt die Vorbereitungen die an diesem Tag auf sie warten. Eine 16jährige Braut und noch dazu die zukünftige Kaiserin, musste noch strengere Vorbereitungen über sich ergehen lassen.
Foto: Kunsthistorisches Museum Wien
Wagenburg Schloss Schönbrunn
3,80m Schleppe vom Brautkleid, als einzige komplett erhalten

Bis heute weiß niemand genau wie das Hochzeitskleid von Herzogin Elisabeth in Bayern genau aussah. Dazu mehr weiter unten…

Es gab vor einigen Jahren von Schloss Schönbrunn einen öffentlichen Aufruf ob jemand am Dachboden oder sonst wo, von seinen Ur-Urgroßeltern Zeichnungen zum Brautkleid von Kaiserin Elisabeth liegen hat. Diese Zeichnungen hätten demjenigen viel Geld eingebracht. Leider verhallte der Aufruf ungehört. Und so müssen wir bis heute ungefähr erahnen, wie das Kleid ausgesehen haben könnte.

Aber warum war das so?

Es waren nur geladene Gäste in die Kirche vorgelassen und die platzte schon aus allen Nähten. Das gemeine Fußvolk musste natürlich vor der Türe warten und wer tatsächlich einen Blick erhaschen konnte, konnte das Kleid vermutlich nicht richtig sehen. Maler, Zeichner usw. waren sicherlich positioniert, aber keiner hätte es genau treffen können. Und ein Maler war an diesem Tag leider keiner bestellt.

Bei der Hochzeit in der Augustinerkirche selbst waren nur die engsten Familienangehörigen, der Hofstaat und die Kardinäle anwesend. Deswegen existieren auch hier keine genauen Aufzeichnungen wie Elisabeth am Tag ihrer Hochzeit aussah.

Nach der Trauung wurde das Kleid noch 25 Jahre aufbewahrt, um daraus das 25jährige Hochzeitskleid zu nähen.

Danach wurde das Kleid nach Maria Taferl und in die Matthiaskirche in Budapest gespendet und je zu einem Vespermantel verarbeitet.

Doch ihr kennt mich. Ich lasse keine Ruhe und gehe immer wieder auf die Suche und so bin ich auf folgenden Brief gestoßen, den ich hier wiedergeben möchte.

Baronin von Scharnhorst ist es wieder, die folgendes berichtet:

„8ten December 1853
Liebe Eva!
Die Erzherzogin hat mich schon vor 8 Tagen zum Christbaum eingeladen und dieser Gnade auch manche andere beigefügt.
Gestern brachte ich Mal wieder einen herrlichen Abend bei der hochverehrten Erzherzogin Sophie zu im engen Familienkreis am trautlichen Theetisch. Erzherzog Max erheiterte die Gesellschaft, – die nur aus der hochverehrten Erzherzogin, dem kleinen Ludwig (Anmerkung Petra: Luzi-Wuzi, Bruder von Kaiser Franz Joseph), mir und Antoinette Auersperg bestand – durch das jugendliche Spiel seiner Phantasie.

Die theure Erzherzogin zeigte uns herrliche Gold- und Silber-Brocatstoffe die ihr zu den Vermählungsfeierlichkeiten vom Gemahl geschenkt wurden, wahre Meisterwerke des guten Geschmacks und der Weberei, das Hochzeitskleid ist weißer Damast mit Gold reich broschirt dazu wird ein cerise schwerer Stoffmanteau mit Gold gestickt genommen.
Das 2te Kleid blauer Damast mit Silber-Quirlanden und Medaillons brochirt, ist über alle Beschreibung schön. Jedes Kleid hält 10 Ellen und kostet 300 fl C.M. (Anmerkung Petra: fl = Gulden, C.M. = Conventionsmünze 300 Gulden = ca. € 4.640.74) was ich sehr wenig finde. Demetre ist in den Sachen reich fournirt. – Es wird eine blendende Pracht werden!
Die Büste der Kaiserin(*) ist nun auch von München angekommen, und ganz vortrefflich ausgefallen! als pendant zur Kaiserbraut. Beide Büsten sind besser wie alle Portraits des hohen Brautpaares.
Sophie“ (16)

(*)Anmerkung Petra: Ich vermute, dass es sich hier um einen Schreibfehler der Baronin handelt und es nicht „der Kaiserin“, sondern „des Kaisers“ heißen soll. Anders ergibt es nämlich überhaupt keinen Sinn.
Im Buch von Richard Kühn, der leider die Briefe nicht Wort für Wort abgeschrieben und vieles hinzugedichtet hat, wurde auf S. 339 das Wort Kaiserin schon in Kaiser verbessert.
Weitere Anmerkungen am Ende des Artikels!

Hier haben wir also das Kleid wunderbar beschrieben:

Gold und Silber-Brocatstoff, ein guter Geschmack der Weberei, weißer Damast, mit Gold reich broschirt und ein schwerer Stoffmanteaeu... 
Genau wie er in der Wagenburg zu sehen ist; zumindest noch ein Teil davon. 

Der Rest wird wohl leider wirklich immer im Verborgenen bleiben.

Der üppige Haarschmuck von Elisabeth. Mir persönlich gefällt er nicht, aber das ist immer Geschmackssache.

Wenn man sich aber diese Aufzeichnungen ansieht, kann man ungefähr das genaue Ausmaß erahnen:

Ihre königliche Hoheit trug ein Schleppenkleid und einen Mantel von Moire antique, prachtvoll mit Gold und Silber gestickt und reich mit Myrthen verziert.

In Sophies Tagebuch fanden sich folgende Passagen (alle abzuschreiben, würden jeglichen Rahmen sprengen, aber die wichtigsten gebe ich wieder):


Montag, 24. April […] gegen 7h 3/4 suchte mich der Kaiser nach seiner Beichte auf und fand Louise (Ludovika, Sisis Mutter) in meinem Salon vor, die auf das Ende von Sisis Beichte bei Bischof Zenner in meinem Oratorium wartete. Begleitet von ihrer Mutter nahm Sisi mit dem Kaiser an der Heiligen Messe […] in der Josephskapelle teil. – Franz, unsere 3 Jüngsten, ich und Carl in meinem Oratorium. Dort habe ich gebetet und aus ganzem Herzen geweint. (6)

Das Frühstück im roten Kabinett mit meinen 4 Kindern, ihrem Vater, Louise [und] ihren Töchtern: [Herzog] Max und Ludwig kamen dazu. Der Kaiser, so glücklich und verliebt. […] (7)

Nach 3h: das Diner bei mir mit meinen 4 Kindern und ihrem Vater. Gute und fröhliche Unterhaltung. Wir tranken auf das Wohl der jungen Brautleute, auf Marie und Fritz von Sachsen, die Hochzeitstag hatten. […] (8)

Um 5h Toilette:: Kleid aus weißem Stoff und Gold von Franz; Mantel aus amarantfarbenen Stoff, den ich mit Gold und Silber besticken ließ. (9)

Gegen 6h 1/2: mit meinem Sohn und seinem Vater zu Louise , wo wir 4 Väter und Mütter das junge schöne Paar segneten. Mein liebes Kind strahlte vor Glück. Sisi war schön und elegant. Nachdem mich mein Sohn fest umarmt hatte, umarmte er seine Braut, während er sanft ihre Hand drückte, sagte er ihr liebevolle Dinge und wie er auf ihr Wohlergehen bedacht war. Ich war so glücklich. (10)

Im Spiegelsalon fanden wir die gesamte kaiserliche Familie vor. Langes und immenses Gefolge (alle Palastdamen hatten Dienst) (Anmerkung Petra: meinen Beitrag zum Hofzeremoniell könnt ihr hier nachlesen) bis zur Augustinerkirche, der Gang übermäßig heiß, die jungen Leute der Neustädter Akademie standen zu ihrer großen Freude Spalier. […] der Erzbischof, assistiert von den Bischöfen von Linz und St. Pölten, segnete die Vermählung nach einer langen Predigt […], Nachdem die Ringe getauscht waren, läutete es 7h 1/2. In diesem schönen Moment führte der Kaiser die Kaiserin zum Thron und ließ sie an seiner Seite Platz nehmen, ihre Mutter neben mir, die Augen geschlossen, die Hände gefaltet, mit einem Ausdruck von Bescheidenheit und christlicher Demut – sehr ergreifend. (11)

Foto: Wikimedia/Commons
Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Elisabeth wird zur Kaiserin
man erkennt gut das beschriebene Rosenbouquet, das Diadem und den Brautschleier

Die Kirche wurde mit 15.000 Kerzen erleuchtet und die junge Braut betrat die Augustinerkirche, wo 70 Kardinäle, Bischöfe und Prälaten auf sie warteten.

Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher (*6.10.1797, † 24.11.1875) nahm die Trauung vor.

Auch Wien erstrahlte im schönsten Licht. Kerzen, Gasflammen und elektrische Glühlampen wurden angezündet.

Danach zog der Hochzeitszug zurück in die Hofburg, wo wieder das steife Zeremoniell begann.

Foto: Nationalbiblithek.at
Große Cour im Zeremoniensaal der Wiener Hofburg anlässlich der Vermählung Kaiser Franz Josefs I. mit Elisabeth in Bayern am 24. 4. 1854; Repronegativ nach einer Xylographie von Eduard Kretzschmar
in der „Illustrierten Zeitung“
vom 6. Mai 1854

Nun in Form der Huldigungen und Glückwünsche die auf die ermüdete und erschöpfte Braut zukamen.

Gräfin Esterházy stellte die „Palast- und appartementmäßigen Damen“ und Oberhofmeister Lobkowitz die „Kavaliere des Hofstaates“ vor. Die Damen durften nun zum Handkuss vorgelassen werden.

Kaiserin Elisabeth vollkommen übermüdet, verwirrt und verweint reagierte natürlich falsch und wartete, dass die Damen das Wort an sie richteten.

Man kann sich lebhaft vorstellen, was das wiederum für ein Getuschel und Getratsche war, als die Kaiserin nicht selbst das Wort an die Damen richtete. Das Hofprotokoll sah vor, dass man die Kaiserin nicht ansprechen durfte. Nur die Kaiserin selbst durfte das Gespräch beginnen.

Die nächste Peinlichkeit ließ nicht lange auf sich warten. Als zwei Cousinen sah, zog sie ihre Hand zum Handkuss zurück und umarmte die beiden. Ihre Obersthofmeistern war so echauffiert, dass sie die Kaiserin coram publico aufforderte, nur streng nach Zeremoniell zu handeln.

Elisabeth durfte nur noch die Hand für den Handkuss reichen. Vor lauter Scham brach sie in Tränen aus und verließ den Saal.

Die peinliche Szene konnte der ganze Wiener Hof beobachten, man mag sich dies auch in der heutigen Zeit gar nicht ausmalen. Der Skandal war perfekt, auf Monate hin, war für Hohn und Spott gesorgt.

Nach 23.00 Uhr waren endlich alle Feierlichkeiten abgeschlossen und die „Bettlägeszene“ wurde vorbereitet.

Ludovika und Sophie begleiteten Elisabeth in ihr Schlafzimmer und halfen ihr sich für die Hochzeitsnacht herzurichten.

Sophie schrieb in ihr Tagebuch:

Zwischen 10 und 11h: Tee und Souper bei mir, wir 4 Väter und Mütter und unsere Kinder. Nachdem alle gegangen waren, führten wir, Louise und ich, die frisch Vermählte in ihrer Gemächer. Ich ließ sie mit ihrer Mutter allein und richtete mich im Kabinett neben dem Schlafzimmer ein, bis sie zu Bett gegangen war; ich suchte meinen Sohn auf und begleitete ihn zu seiner jungen Frau, die, als ich ihr gute Nacht sagte, ihr hübsches von reichem, schönen Haar umrahmtes Gesicht im Opfpolster verbarg, wie ein erschreckter Vogel, der sich in seinem Nest versteckt. Ich ging mit Louise […] (3)

Die Ehe wurde nicht vollzogen.

Am nächsten Tag tauchte Sophie beim gemeinsamen Frühstück auf und ließ sich von ihrem Franzi erzählen, wie die Hochzeitsnacht gelaufen sei. Franz Joseph musste mit hochrotem Kopf zugeben, dass diese nicht stattgefunden hatte.

Auch die Kammerzofen und Lakaien wussten bereits, dass es keinen Vollzug gab. Das verräterische Bettzeug wurde entfernt und neu bespannt.

Kaiserin Elisabeth schämte sich zu Tode.

Auch am zweiten Tag konnte kein Erfolg vermeldet werden.

Mittlerweile tuschelte schon der gesamte Hof und Kaiser Franz Joseph wurde zum Gespött von ganz Schönbrunn und der Hofburg. Die Offiziere und Soldaten von den Regimentern schlossen schon Wetten ab,

„wann die Kaiserin fallen würde“.

Eine Schande für den jungen Kaiser und natürlich noch mehr für die junge Frau.

Erst am dritten Tag wurde die Ehe vollzogen.

Ob sich der Kaiser nahm, was ihm nicht zustand, oder ob ihn Elisabeth tatsächlich ließ ist nicht überliefert.

Liest man sich aber die Aussagen, seiner späteren Liebhaberinnen durch, so zählte Franz Joseph zu den „groben Liebhabern“, die nichts von Liebe und Zärtlichkeit verstanden.

Ich nehme also einmal an, dass Elisabeth in ihrer dritten Ehenacht gelitten hat. Und dies auch der Grund war, warum sie Zeit ihres Lebens ein Trauma diesbezüglich hatte und von weiteren Liebesnächten nicht viel hielt.

Auch die peinlichen Berichte an seine Mutter waren sicherlich ein Grund für die junge Frau, sich später zu entziehen. Sie wollte einfach nicht der Guten Morgen-Tratsch bei ihrer Tante und Schwiegermutter sein.

Kaiser Franz Joseph fand sich nun also zum Frühstück bei seiner Mutter ein und bat auch seine Frau zu kommen.

Dort berichtete er von dem Vollzug.

Die Kaiserin aber blieb noch eine Weile im Bett, weil sie sich schämte. Sie folgte erst später und hoffte, dem peinlichen Gespräch auszuweichen.

Elisabeth erzählte folgendes später Marie Festetics:

Der Kaiser war so gewohnt, zu folgen, daß er sich auch darin ergab. Aber mir war das gräßlich. Ihm zu lieb ging auch ich.“ (4)

Bis zum 30.4.1854 zogen sich die Hochzeitsfestlichkeiten. Es fand noch ein Hofball, Theateraufführungen, ein Staatsdinner mit 160 geladenen Gästen uvm. mehr statt.

Foto: Schloss Laxenburg
Schloss Laxenburg, Franzenburg

Die Flitterwochen wurden in Schloss Laxenburg verbracht.

Doch diese verbrachte Elisabeth mit ihren fremden Hofdamen zum größten Teil allein.

Franz Joseph musste jeden Morgen zurück, um die Staatsgeschäfte zu erledigen. Kaiserin Elisabeth litt unter großem Heimweh.

Hinzu kam das strenge Protokoll. Als bayrische Herzogin wurde sie frei und unkonventionell erzogen.

Ab sofort durfte sie sich nicht mehr alleine Anziehen, Ausreiten oder gar Spazierengehen.

Sogar ihre Mahlzeiten musste sie in „fremder“ Gesellschaft einnehmen. Elisabeth musste das Protokoll einhalten und die dafür vorhergesehen Personen mitnehmen.

Eine Qual, wenn man bedenkt, dass Elisabeth auf die Aufgabe einer Kaiserin nicht vorbereitet wurde.

Bereits im Juni 1854 musste Elisabeth bei einer Repräsentationsreise nach Böhmen und Mähren ihren Kaiserinnenpflichten nachgehen.

Das Hochzeitskleid

In diesem Video seht ihr nicht nur die Original-Hochzeitsschleppe, sondern auch das „Mystery Wedding-Dress“

Bis heute weiß niemand genau wie das Hochzeitskleid tatsächlich ausgesehen hat.

WARUM?

Damals waren nur hochrangige Gäste zur Hochzeit geladen. Der höchste Adel, der höchste Militärrang, Eltern, Geschwister und die katholische Kirche. Die Kirche war viel zu klein um für all die Gäste Platz zu bieten, nicht einmal die hochrangigen Gäste hatten alle Platz, so dass einige dicht an dicht stehen mussten.

Das Volk und all die Schaulustigen waren vor den Toren, die durch ein unglaubliches Aufgebot an Polizei, Bedienstete, Lakaien, Kutscher, Diener usw. ebenfalls kaum etwas sahen.

Und natürlich war die Fotografie noch nicht erfunden, weshalb es auch kein Foto vom Hochzeitskleid der Kaiserin bzw. der blutjungen Herzogin gab.

Wer einen Blick auf die junge Braut erheischen konnte, konnte sich glücklich schätzen.

Das Kleid wurde mehrfach skizziert, aber korrekt sind alle nicht, es ist vielmehr der damaligen Mode entsprechend angepasst.

Wir wissen, dass es ein Kleid mit Gold und Silberfäden gewesen sein muss, denn die Brautkleid-Schleppe ist komplett erhalten geblieben.

Sie wurde wie ein Gürtel um das eigentliche Kleid getragen und nach der Zeremonie abgenommen.

Erzherzogin Marie Valérie erbte von ihrer Mutter das edle Stück der Schleppe, welche 1989 von den Nachfahren an das Kunsthistorische Museum Wien übergeben wurde und bis heute dort ausgestellt ist.

Sogar Schloss Schönbrunn machte vor ein paar Jahren einen internationalen Aufruf und bat Nachfahren um Hilfe. Es sollten Tagebücher und Zeichnungen durchwühlt werden, ob sich nicht doch irgendwo ein/e authentischer Bericht oder Skizze, Stich oder sonstiges vom Brautkleid der Kaiserin findet. Leider vergeblich. Schloss Schönbrunn wollte die Aufzeichnung sogar honorieren.

Foto: Wikimedia/Commons Trauung Herzogin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph von Kardinal Rauscher, Augustinerkirche 24.4.1854

Laut Prager Tagblatt vom 27.4.1879 trug Kaiserin Elisabeth das Kleid noch einmal zu ihrem 25. Hochzeitstag.

Für diese Festlichkeit, wurde ihr Hochzeitskleid, das bis dato in Possenhofen aufbewahrt wurde, nach Prag gebracht und dort nach den Wünschen der Kaiserin umgeändert.

Es wurde zum berühmten 25sten Hochzeitstagskleid umgeändert, welches auf vielen Bildern von Kaiserin Elisabeth zu bewundern ist.

Es ist im übrigen das letzte Bild, für das sie Model gestanden ist.

Die erste Aufzeichnung als Inventarium in der Basilika Maria Taferl ist von 1890.

Das Kleid selbst wurde zerlegt und der Silberfaden herausgetrennt.

1895 wurde der daraus entstehende Vespermantel der Öffentlichkeit präsentiert.

Heute befindet sich der Mantel noch immer in der Schatzkammer von Maria Taferl, allerdings kann er nur zeitweilig besichtigt werden.

Weitere Teile wurden in die Matthiaskirche nach Budapest gebracht, wo der Goldfaden für ein Messgewand verwendet wurde.

Dieser Mantel wurde bereits 1867 zur Krönung von König Franz Joseph und Königin Elisabeth von Ungarn getragen.


25 Jahre später – 25.4.1879 Silberhochzeit

Foto: Wikimedia/Commons
Bild: Georg Raab
Diamantenbesticktes Kleid zum 25. Hochzeitstag, 24.4.1879.
Kaiserin Elisabeth war 41 Jahre alt
das letzte offizielle Bild auf dem sie sich malen ließ

Kaiserin Elisabeth lebte bereits lange ihr eigenes Leben.

Foto: Wikimedia/Commons
Huldigungsblatt zum 25jährigen Hochzeitstag eines Lithographen
Fantasieabbildung

Kaiser Franz Joseph lebte immer noch das steife Leben eines Monarchen, der nicht anders konnte, als seine Pflicht zu erfüllen.

Er verehrte seine „Engels Sisi“ und hoffte immer noch, dass sie ein Leben zusammen führen könnten. Die Wiener hofften auch immer noch, eine Kaiserin zu bekommen, die endlich ihre Pflichten wahrnahm und ihrer Stellung ein Tun einhauchte.

Kaiserin Elisabeth nahm das Fest mit eisiger Kälte und einer demonstrativer Teilnahmslosigkeit hin.

Die Ehe galt im inneren Kreis längst als zerrüttet. Elisabeth wollte nicht einmal mehr den äußeren Schein wahren.

Die zahlreichen Affären ihres Mannes, die noch während der glücklichen ersten Jahre begannen und sie damals noch zu Tränen rührten , tangierten sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Doch Elisabeth tangierte das nicht mehr. Was sie früher kränkte, ließ sie mittlerweile kalt. Im Hintergrund liefen ihre Vorbereitungen für ihren Irland Aufenthalt auf Hochtouren.

Ein Gedicht von Kaiserin Elisabeth, dass sie für „ihre Zukunftsseelen“ hinterließ, zeigen sehr genau, wie sie über ihre Ehe dachte:

Nur staune nicht, wenn beim Verrichten
Nach altem Patriarchenbrauch
Der legitimen Ehepflichten
Dich streift ein eisigkalter Hauch. (5)

Es zeigt auch den Hass auf ihre Ehe und alles was damit verbunden war.

Auch das Gedicht

Für mich keine Liebe
Für mich keinen Wein,
Die eine macht übel,
der andere macht spei'n

Die Liebe wird sauer,
Die Liebe wird herb;
Der Wein wird gefälschet;
Zu schnöden Erwerb.
Doch falscher als Weine
Ist oft noch die Lieb';
Man küsst sich zum Scheine
Und fühlt sich ein Dieb!

Für mich keine Liebe,
Für mich keinen Wein;
Die eine macht übel,
Der and're macht spei'n! (12)

lässt im Nachhinein nichts Gutes erahnen.

Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Marie Valerie schenkten den Eltern ein Altarbild.

Ein Tryptichon, welches von Rubin inspiriert wurde. Der Maler war niemand geringerer als Hans Canon (*15.3.1829, †12.9.1885).

Foto: Wikimedia/Commons
Ausschnitt des Altarbildes von Hans Canon; 25.4.1879, Zu erkennen: Madonna mit dem Jesuskind, link hl. Franz von Assisi, rechts hl. Elisabeth Josefskapelle Wien Foto
Foto: Wikimedia/Commons
Selbstportrait Hans Canon

Links und rechts des Bildes sind jeweils Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Marie Valèrie, sowie Prinzessin Gisela von Bayern kniend vor ihrem Mann Leopold Prinz von Bayern zu sehen.

Das Bild wurde in der Josefskapelle in der Hofburg aufgestellt und kann heute besichtigt werden.

Das Bild zeigt die heilige Elisabeth, den heiligen Franz von Aissisi (beide die jeweiligen Namenspatronen) und die heilige Madonna mit dem Jesuskind.

Das berühmte Silberhochzeitskleid – Tornürenkleid

Das Kleid selbst trägt seine eigene Geschichte. Laut Prager Tagesblatt vom 27.4.1879 ist es das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth, welches sie am 25.4.1854 getragen hat. Bis dahin wurde es in Possenhofen aufbewahrt.

Das Kleid wurde nach Prag gebracht, wo es aufwändig und nach den Wünschen der Kaiserin umgearbeitet wurde.

Es war Diamantenbestickt mit Gold- und Silberfäden versehen. Danach wurde das Kleid der Wallfahrtsbasilika Maria Taferl gespendet.

Foto: myheimat.de
Kopie des Silberhochzeitskleid Kaiserin Elisabeth, Ausstellung 2016, Sisi Schloss Aichach

Aus den Nähten der Bestickung des Hochzeitskleides, wurde nun der berühmte Vespermantel gemacht.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Die fast fertiggestellte Ringstraße sollte Kulisse für das Prunkfest sein. Otto Wagner (*13.4.1841, 11.4.1918) persönlich gestaltete das Kaiserfestzelt vor dem Äußeren Burgtor. Hans Markart (*28.5.1840, 3.10.1884) gestaltete das Fest.

Foto: Österreichische Nationalbibliothek
Festplatz vor dem Äußeren Burgtor
Foto: habsburg.net
Festzug zum 25. Hochzeitstag, Xylografie 1879

300.000 Menschen säumten die Wiener Ringstraße, 120 Festbühnen und das gesamte Kaiserreich war auf den Beinen.

Eines der seltenen Anlässe, wo man Kaiserin Elisabeth „bestaunen“ konnte.
Und die Wiener taten dies mit Freuden.

Foto: M.W.
Eintrittskarte für den Festzug zum 25. Hochzeitstag des Kaiserpaares
Der Besitzer M.W. ist mir bekannt, möchte allerdings nicht näher erwähnt werden.

Foto: bildarchivaustria.at
Votivkirche ca. 1900
Foto: Wikimedia/Commons
Votivkirche, Innen

Ebenfalls an diesem Tag wurde die Votivkirche eingeweiht.

Zum Dank, dass Kaiser Franz Joseph das Attentatsversuch durch János Libényi überlebt hatte, wurde von Erzherzog Ferdinand Maximilian am 24.4.1856 eine Kirche in Auftrag gegeben.

Nach 23 Jahren Bauzeit war sie endlich fertig und konnte eingeweiht werden. Meinen Beitrag zum Libényi-Attentat kann hier nachgelesen werden.

Dies alles half aber nichts mehr.

Kaiserin Elisabeth floh sofort nach diesem Festakt und kehrte immer nur für kurze Zeit nach Wien zurück.

Es sollte niemals mehr eine Verbundenheit mit dieser Stadt geben.

Der Wiener Hof, sein Hohn und Spott, den die junge Braut zu spüren bekam, sollten sie auch noch im Alter verfolgen. 

Sie hasste regelrecht die Wiener Gesellschaft und alles was damit verbunden war.

– Petra –


(*) Wichtige Anmerkung:

Sophie Gräfin von Scharnhorst war die Hofdame von Amalie Prinzessin von Schweden (*22.2.1800, 20.9.1850).

Amalie war, wie ihr Bruder Prinz von Wasa, eine enge Freundin des Erzhauses und begleitete beinahe ständig Sophie überall hin. So erlebte Sophie von Scharnhorst die kaiserliche und erzherzögliche Familie.

Kein schlechtes Wort kam der Gräfin über ihre Herrin jemals über ihre Lippen. Ihre Briefe sind eine einzige Lobeshymne an die hohe Frau.

Die Briefe erreichten alle ihre enge Freundin Eveline Gräfin von Sickingen-Hohenberg(*) (*24.11.1809, †27.11.1895), welche in Ischl lebte und eine enge Vertraute des hohen Adels war. So auch von Erzherzogin Sophie.

In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, 3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, 23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, 7.3.1855) geheiratet.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.


Rechtliche Hinweise:

Text: Petra
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildrechte: habsburg.net, Österreichische Nationalbibliothek, wienmuseum.at, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Kunsthistorisches Museum Wien, Wikimedia/Commons, Schloss Laxenburg, Antiquariat kunst-bail, wien.gv.wiki.at, architektenlexikon.at, mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara

Vielen lieben Dank an Maria Taferl für die Fotoerlaubnis zum Vespermantel und die Infos dazu.


Literatur Hinweise:

1 – S.39
Franz Joseph I Kaiser von Österreich
Presse Geschichte – Magazin (nur noch antiquarisch erhältlich)

1a – S.35, 3 – S.76, 4 – S.78
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage 1992

5 – S.63
Werner Schima
Sisi – Die ganze Wahrheit
Magazin (nur noch antiquarisch erhältlich)

2 – S.53, 6 – S.11 – S.65/6
Michael Budde
Sisis Hochzeit und das Elisabeth Fest Album
Michael Imhof Verlag, 2012, 1. Auflage mit CD

12 – S.80/1
Kaiserin Elisabeth
Das poetische Tagebuch
Brigitte Hamann
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
1995, 3. Auflage

13 – S.260/1, 13a – S.254, 14 – S.259/60, 15 – S.260, 16 – S.258/59
Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert
Gesammelt von B.v.S.
Verlag von Caesar Schmidt, 1903 1. Auflage (nicht mehr erhältlich)

Hofdamen-Briefe
Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Gesammelt von B.von.S.
Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)



			

Eine ambivalente Ehe

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph

Dass die Ehe nicht lange ein süßlicher Kitschfilm war, möchte ich mit diesem Beitrag aufzeigen.

Auch wenn Kaiserin Elisabeth vielleicht anfangs „verliebt“ in ihren „Franz“ war, so zeigte sich bald:

Verständnis hatten beide füreinander nicht

Schon bald nach der strapaziösen Hochzeit, den Flitterwochen, die Elisabeth zumeist, nur in Gesellschaft ihr völlig fremder Hofdamen in Schloss Laxenburg verbringen musste, ging es auf Repräsentationsfahrt durchs halbe Land. Vor allem Böhmen und Mähren standen auf dem Plan. Zwei Monate nach der Hochzeit wurde die junge Kaiserin bereits schwanger.

Die erste Zeit lebten Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph in Schloss Laxenburg. Ein bis drei Mal die Woche besuchten Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl die Schwangere. Sophie machte sich große Sorgen, da sie selbst elf Fehlgeburten ertragen musste.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie Friederike

Die Schwangerschaft verlief komplikationslos und am 5.3.1855 wurde die kleine Erzherzogin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha († 29.5.1857) geboren.

Es ist nicht korrekt, dass sich Erzherzogin Sophie in die Namensgebung einmischte.

Es war damals Brauch, den Namen der Großmutter zu wählen.

In diesem Fall wurde Sophie als Namenspatin auserkoren. 

Zumindest behauptet dies die Sophie-Biografin Ingrid Haslinger. Brigitte Hamann schrieb wiederum, dass Elisabeth sich dem Regiment der Schwiegermutter widerstandlos zu fügen hatte. Das Kind erhielt den Namen Sophie, die Großmutter wurde Patin.

Auffällig war, dass Herzogin Ludovika bei der Erstgeburt nicht dabei war.

„Die Mutter der Kaiserin verweilt auf ihrem Landsitze, worüber man sehr erstaunt ist. Sie soll keine Einladung erhalten haben Jedes Ding hat seine Ursache…“ (1)

Kaiser Franz Joseph war überglücklich seine schöne starke Tochter in Händen zu halten. Sisi war erschöpft, aber überglücklich.

Die ersten Jahre der Ehe können als glücklich angesehen werden. Franz Joseph machte aus seiner Verliebtheit keinen Hehl. Auch Elisabeth dürfte ihrem jungen feschen Mann sehr zugetan gewesen sein.

Foto: Dorotheum Wien
Erzherzogin Gisella im Alter von 4 Jahren

Was die Kindeserziehung betrifft, gehen abermals die Biografinnen Haslinger und Hamann weit auseinander.

Obwohl auch Hamann den Zwist relativiert, scheibt Haslinger von Eitel Wonne seitens Sophie.

Der Konflikt nach dem Erzherzogin Gisella Louise Marie (*12.7.1856, †27.6.1932) geboren wurde, verschlechterte sich seitens Kaiserin Elisabeth zusehends.

Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) wurde Taufpatin, reiste aber selbst zur Taufe des Kindes nicht an. Es hieße, sie wolle Erzherzogin Sophie nicht im Wege stehen.

Gisella, die sich nach ihrer Hochzeit nur noch Gisela schrieb, wurde ebenso wie die kleine Sophie sofort in die Privaträume von Erzherzogin Sophie verlegt, wo sich Kinderfrau Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1892) aufhielt.

Diese war für die Erziehung zuständig. Sie wurde von Erzherzogin Gisela und später von Kronprinz Rudolf sehr geliebt. Ihr liebevoller Spitzname „Wowo“ blieb ihr für den Rest ihres Lebens.

Ingrid Haslinger schreibt in ihrer Sophie-Biografie, dass Kaiserin Elisabeth selbst ihrer Mutter gegenüber gestanden hätte, nichts mit Kleinkindern anfangen zu können. Dem widerspricht sich wiederum Brigitte Hamann, die darüber philosophiert, wie sehr Elisabeth es genossen hätte, als Marie Valérie zur Welt kam. 

Ich springe allerdings ins Jahr 1856 und berichte euch von der gemeinsamen Reise nach Kärnten und durch die Steiermark.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth erlebten eine Zeit, die vom strengen höfischen Zeremoniell komplett abgewandt war.

Obwohl 116 höfische Personen die beiden begleiteten, versuchten sie so etwas wie ein „Privatleben“.

In Lederhose, mit Gamsbarthut und im knappen Lodenkostüm mit derben Bergschuhen machten sich die beiden auf, das Hochgebirge zu erkunden. Auch der Großglockner wurde bestiegen.

Als Elisabeth nach drei Stunden Bergmarsch eine Pause machte (sie war noch geschwächt von der Geburt ihrer Tochter Gisella), wurde die Wallnerhütte einfach in „Elisabethruhe“ umbenannt.

Kaiser Franz Joseph stieg derweil mit einem Bergführer auf den Hohen Sattel zum Pasterzengletscher, welcher heute „Franz-Joseph-Höhe“ heißt.

Als die beiden zurückkamen, war die Ehe gestärkt und Franz Joseph lehnte sich erst- und gleichzeitig letztmals gegen seine Mutter auf.

Er ließ nach der Ankunft die Kinderzimmer in die Radetzky-Räume verlegen; allerdings ohne dass seine Mutter Sophie dies wusste. Diese befand sich zu dieser Zeit in Bad Ischl.

Als sie zurückkam und die Veränderung sah, reagierte sie mehr als nur erbost.

Ein Schreiben von Kaiser Franz Joseph an seine Mutter zeugt von dieser Auflehnung:

„Ich bitte Sie jedoch inständigst, Sisi nachsichtig zu behandeln, wenn sie vielleicht eine zu eifersüchtige Mutter ist, – sie ist ja doch so eine hingebende Gattin und Mutter!, Wenn Sie die Gnade haben, die Sache ruhig zu überlegen, so werden Sie vielleicht unser peinliches Gefühl begreifen, unsere Kinder ganz in Ihrer Wohnung eingeschlossen mit fast gemeinschaftlichem Vorzimmer zu sehen… Übrigens fällt es Sisi gar nicht ein, Ihnen die Kinder entziehen zu wollen… Sehr betrübt hat mich alles, was Sie, liebe Mama, an diese einfache Maßregel knüpfen. Nie würde ich es zugeben, daß Sie Ihre jetzige Wohnung verlassen oder gar, was ich nicht gelesen haben will, ganz aus der Hofburg ziehen würden.“ (2)

Wir können also davon ausgehen, dass es hier zu massiven Problemen kam. Sophie drohte mit Auszug, Elisabeth triumphierte.

Sie wurde generell immer stärker. Ihre zurückhaltende Art, ihre Ängste und ihre Weinattacken wurden immer weniger.

Sie bemerkte wohl immer mehr, dass sie mit dem Titel

„Kaiserin“

Macht hatte, die man ihr so leicht nicht mehr wegnehmen konnte.

Dr. Johann Nepomuk Seeburger Foto: Wikimedia/Commons

Dr. Johann Nepomuk Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) stellte zu seinem Entsetzen fest, dass Kaiserin Elisabeth sich auf den Auslandsreisen 1856/7 nach Mailand und Venedig nicht schonte. Auch im strömenden Regen stand sie ihrem Mann bei, während er die endlosen Paraden abnahm.

Kaiser Franz Joseph, der sehr frostig empfangen wurde und mit einigen Attentatsversuchen zu kämpfen hatte, merkte, dass alle Augen auf seine schöne Frau gerichtet waren.

In Staatskleidung stand sie fest hinter ihm. Ihre Lunge machte nicht mehr lange mit. Dr. Seeburger warnte die junge Kaiserin, die nicht hören wollte.

Bei Kaiser Franz Joseph blitzte er vollkommen ab.

„Ein Pantoffelheld sei er“, beklagte er sich.

Der Hass, der Unmut und das Risiko, dass Kaiser Franz Joseph in Italien entgegenschlug bzw. dem man sich aussetzte, waren der jungen Frau völlig fremd.

In Bad Ischl jubelten die Menschenmengen, in Wien huldigte man dem Kaiserpaar, in Kärnten und der Steiermark führten sie beinahe inkognito gemeinsame Bergtouren aus.

Foto: ÖNB
Erzherzog Franz Karl

Was ihr in Wien verhasst war, wurde ihr in Italien recht: Präsentieren, schön sein und im Grunde genommen, wenig Meinung zu haben. Kaiser Franz Joseph verfiel seiner Frau immer mehr. Dass sie absichtlich die Kinder in die Gefahrenzone brachte, bemerkte niemand, außer Erzherzogin Sophie. Der Konflikt ab 1856 war unausweichlich immer mehr zum Problem geworden.

Als Tochter Sophie starb, war die Trauer groß. Elisabeth brach zusammen, Franz Joseph überstand die Krise nur mit Disziplin und innerer Härte.

Erst sehr viele Jahre später, sollte Erzherzogin Marie Valérie ihren Vater um Baby Sophie trauern sehen:

20. – 22.9.1898 „Mit Papas Gutheissung wird Mamas Toilettenzimmer in der Villa Hermes mit all den gewohnten Sachen hergerichtet… Erinnerungen tauchen auf – längst vergangenes Weh – auch an das baby, das ihr vor mehr als 40 Jahren vorausgegangen, nach denen Papa jetzt fragt, die er aufbewahrt wissen und doch nicht sehen will. Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich ihn vom „baby“ sprechen hörte…“ (3)

Foto: ÖNB
Kronprinz Rudolf als Kleinkind

Am 23.8.1858 kam nun endlich der Stammhalter, Kronprinz Erzherzog Rudolf Franz Karl Joseph zur Welt (†30.1.1889).

Erzherzog Franz Karl wurde sein Taufpate. Mit der Geburt von Rudolf änderte sich schlagartig Elisabeths Laune.

Kaiserin Elisabeth wurde auch jetzt wieder nicht von Erzherzogin Sophie gestattet, das Kind selbst zu stillen.

Rudolf wurde in die Arme der bäuerlichen Amme Marianka gelegt. Kaiserin Elisabeth wurde schwer krank. Sie bekam Fieber und litt unter Milchandrang. Als sich ihr Zustand bis zum Winter nicht gelegt hatte, wurde Herzogin Ludovika gerufen.

Kaiser Franz Joseph musste sich seinen Staatsgeschäften hingeben und hatte für die Rekonvaleszenz seiner Frau wenig über.

Der Krieg mit Italien 1859 brach aus. Nach dem Graf Grünne und seine Generäle an einigen Schlachten maßlos scheiterten, reiste Kaiser Franz Joseph selbst an die Front.

Kaiserin Elisabeth brach beinahe zusammen, als sie von dem Vorhaben erfuhr. Sie begleitete, mit den Kindern, ihren Mann bis nach Mürzzuschlag. Dort übernahm Generaladjutant Karl Ludwig Graf von Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884) Kaiser Franz Joseph.

Elisabeth heulte ohne Unterlass.

Sie bettelte Graf Grünne, dem sie zu diesem Zeitpunkt noch vertraute, um Folgendes an:

Foto: Wikimedia/Commons
Graf Karl Ludwig Grünne

 „Sie denken gewiß immerwährend an Ihr Versprechen und geben recht acht auf den Kaiser; das ist mein einziger Trost in dieser schrecklichen Zeit, daß Sie es immer und bei jeder Gelegenheit tun werden. Wenn ich nicht diese Überzeugung hätte, müßte ich mich ja zu Tode ängstigen. Aber was an Ihnen liegt, werden Sie gewiß auch Thun, um den Kaiser zu bewegen, bald zurückzukommen und Ihn bei jeder Gelegenheit daran zu erinnern, daß Er ja auch in Wien so nothwendig ist. Wenn Sie wüßten, wie ich mich gräme, hätten Sie gewiß Mitleid mit Mir.“ (4)

Hier beginnen nun die erhaltenen und veröffentlichten Briefe von Kaiser Franz Joseph an seine Elisabeth.

Diese beginnen am 31.5.1859 und enden am 10.9.1898 (jenen Brief, den Kaiserin Elisabeth nie mehr lesen sollte).

„Verona, 31.5.1859, Meine liebste Engels Sisi, Die ersten Augenblicke nach dem Aufstehen benütze ich, um Dir diese wenigen Zeilen zu schreiben und Dir wieder zu sagen, wie sehr ich dich liebe und wie ich mich nach Dir und den lieben Kindern sehne. Wenn es Dir nur recht gut geht und du Dich so fleißig schonest, wie Du es mir versprochen hast. ……. Es regnet hier alle Tage. Gestern bei meiner Ankunft hat es so gegossen, wie bei unserem nassen Spazierritte. Ich umarme und küsse Dich von ganzem Herzen, mein einziger Engel. Dein treuer Franz – Lasse, bitte, Mama von diesem Briefe wissen, was sie interessirn kann.“ (5)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie

Wochenlang schrieb Kaiser Franz Joseph aus dem Kriegsgebiet.

Teilweise erzählt er von Divisionen, die gerade eingetroffen waren, von Mätressen diverser Generäle, Herzöge oder sonstigen Adeligen, der Sehnsucht nach seiner Engels-Sisi und den Kindern.

Da die Briefe von Kaiserin Elisabeth (angeblich) nicht erhalten sind, kann man an den Antworten, die Kaiser Franz Joseph verfasste, nur erahnen, was ihm seine Frau zurückschrieb.

Foto: ÖNB
Handschrift von Kaiser Franz Joseph

„Verona den 4. Juni 1859 Mein, lieber einziger Engel! Tausend Dank für Deine lieben Briefe vom 31. und 1., die ich gestern und heute erhielt und für das Billet der lieben Gisela. Auch für die Zusendung des Blattes über Land und Meer und des Vergißmeinnichtes danke ich Dir innigst. Wenn ich nur auch über Dich und Deine theure Gesundheit beruhigt sein könnte. Ich beschwöre Dich, mein Engel, schone Dich und gräme Dich nicht zu sehr, denn mir geht es ganz gut, ich gebe Acht auf mich und ich werde nicht vergessen, was ich Dir versprochen habe und was ich Dir, den Kindern und der Monarchie schuldig bin. Schreibe mir doch auch, was Du machst und wie Du und die Kinder den Tag zubringst. Das interessiert mich sehr. Ich lasse auch der Mama vielmals für Ihren Brief vom 31. danken und um Verzeihung bitten, daß ich noch nicht die Zeit gefunden habe zu antworten. Vergesse nicht, dies in Schönbrunn auszurichten. ……  Nun muß ich schliessen, um Schlafen zu gehen. Ich habe gegründete Hoffnung, daß ich Dir bald gute Nachricht telegraphiren kann Küsse unsere lieben Kinder von mir, vertraue auf unseren lieben Herr Gott im Himmel und sei guten Muthes. Dem Papa und der Mama küsse die Hände. In dem ich Dich in Gedanken umarme und küsse, bleibe ich ewig Dein treuer Franz – Theile der Mama die in diesem Briefe enthaltenen Nachrichten mit.“ (6)

Auch hier werden wieder Divisionen und Namen von Personen genannt, die zum Ort des Geschehens kamen.

Der Krieg war unaufhörlich und so zogen sich die Wochen dahin.

Als Verwundete in Wien eintrafen, erbarmte sich Kaiserin Elisabeth und öffnete die Pforten von Schloss Laxenburg, um ein Lazarett einzurichten.

Kaiser Franz Joseph schrieb:

„Verona den 3. Juli 1859 Meine innigstgeliebe, arme Sisi  …… Von hier schaffen wir jetzt so viele Blessierte und Kranke weg, als möglich. Wenn nur für sie gut gesorgt wird und uns hierher recht viel Charpie, Bandagen und Wäsche geschickt wird. Dein Wein ist angekommen. Daß Du ein Spital in Laxenburg etablirst, ist herrlich. Für beides nehme meinen innigsten Dank. Du bist mein guter Engel und hilfst mir sehr viel .… Dein treuer Franz“ (7)

Er schrieb Briefe über Briefe, in denen von einer Krankheit Gisellas zu lesen ist, er machte sich große Sorgen um Elisabeth, die gesundheitlich angeschlagen war und erkundigte sich über das Lazarett in Laxenburg, das sich bald auf alle Gebäude erstrecken sollte.

Kaiser Franz Joseph, zu dem Zeitpunkt der Schlacht von Solferino 29 Jahre alt, scheiterte auf der ganzen Linie.

Obwohl er sich seit seiner Kindheit mit dem Militär auseinandersetzte, war er als Führer der Armee zu unerfahren.

Zehntausende Tote hatte der Krieg zur Folge, ein Gemetzel der besonderen Abscheulichkeit wurde geboten.

Jean-Henri Dunant (*8.5.1828, †30.10.1910) wurde Zeuge der brutalen Schlacht und gründete darauf hin das Rote Kreuz. Es war des Kaisers größte Niederlage.

Der Schlachtenruf

„Löwen von Eseln geführt“,

machte die Runde. Die Untertanen hungerten bis zum Tod, das Land schien dem Untergang geweiht.

Eine Revolution stand kurz bevor, man wollte anstatt Kaiser Franz Joseph den jungen, liberalen Erzherzog Ferdinand Maximilian (*6.7.1832, †19.6.1867)  auf dem Thron sehen.

Franz Joseph, der immer ein schwieriges Verhältnis zu seinem Bruder Max hatte, sah seine Felle davonschwimmen. Napoleon III (*20.4.1808, †9.1.1873) gab Kaiser Franz Joseph die Hauptschuld an der Niederlage.

Henri Dunant, Foto: roteskreuz.at

Solferino sollte aber auch im Privatleben der Untergang des jungvermählten Paares werden.

Elisabeth sah das Ausmaß des Krieges mit voller Wucht. Die Kranken und Verwundeten, die den Weg nach Wien gefunden hatten, fanden kaum noch Aufnahme.

Die Spitäler waren heillos überfordert, weshalb Kirchen, Klöster, Schlösser und Palais aller Art geöffnet wurden, um die Verwundeten aufzunehmen.

Viele Tote musste Kaiserin Elisabeth sehen, Verletzungen behandeln, mit denen sie bis dahin nicht ansatzweise in Berührung kam und das Geschrei der Soldaten ertragen.

Ein Umstand, den die junge Kaiserin sehr mitnahm.

All das legte sie in den Briefen an ihren Mann zwar nicht offen, aber sie klagte offen ihre Schwiegermutter an, die ihren Mann animierte, für die Monarchie das Richtige zu tun.

Elisabeth fing an, die liberalen Tageszeitungen zu lesen und war schnell der Überzeugung, dass die „reine Monarchie“ nichts mehr mit dem zu tun hatte, was die Bevölkerung wollte und brauchte.

Elisabeth wollte sich in die Politik einmischen.

Sie schrieb an ihren Mann, dass er doch den Frieden anstreben solle.

Das Volk wollte einen Schuldigen und fand diesen in Graf Grünne. Sie bat den Kaiser diesen zu entlassen.

Kaiser Franz Joseph reagierte erzürnt

von einer Änderung sei nie die Rede gewesen und ich denke gar nicht daran. Überhaupt bitte ich Dich nicht zu glauben, was in den Zeitungen steht, die so viel dummes und falsches Zeug schreiben.“ (8)

Stattdessen sollte Elisabeth lieber essen und schlafen, viel weniger Reiten und sich um die häuslichen Dinge, wie die Kinder, kümmern.

Auch in „Anstalten“ solle sie sich zeigen, es würde die Leute in Wien aufrichten. Die Vorwürfe an die mittlerweile 21jährige Kaiserin klangen hart.

Kaiser Franz Joseph musste sich aber bald eingestehen, dass der Frieden unausweichlich war.

Foto: Wikimedia/Commons
Napoléon III
Bild: F.X.Winterhalter

Napoleon III (*20.4.1808, †9.1.1873) drängte ihn zur Aufgabe. In der Villafranco wurde die Lombardei von Österreich abgekoppelt.

Nur Elisabeth sah die Entwicklung in der Bevölkerung mit Argwohn.

Erzherzog Franz Karl lehnte eine Bestürzung der Untertanen ab, da er noch gegrüßt wurde, Herzogin Ludovika empfand die Stimmung gegen ihren Schwiegersohn als empörend, verleumderisch, verlogen und unaussprechlich ungerecht.

Erzherzogin Sophie sah ihren Sohn natürlich immer noch in der

„Alleinherrschaft des Gottes Gnadentum“.

Je mehr Kaiserin Elisabeth liberal wurde, desto mehr rotteten sich die Habsburger gegen sie zusammen.

Eine liberale Kaiserin, die ihren Mann politisch hinterfragte, wollte man nicht am erzkonservativem Wiener Hof.

Elisabeth wurde trübsinniger, sah nur noch schwarz und ließ sich auch von den Briefen ihres Mannes nicht mehr beruhigen. Sie glaubte, dass Sophie all ihre Mächte zusammenraffte, um ihr und Kaiser Franz Joseph zu schaden.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Was genau der Grund für die Flucht von Kaiserin Elisabeth im Jahr 1860 war, wird wohl nie mehr aufgeklärt werden können (zumindest solange nicht, bis ihr gesamter Nachlass veröffentlicht wird).

Obwohl das Habsburger Reich und auch einige andere europäische Staaten im höchster Bedrängnis waren, begann Kaiserin Elisabeth so genannte „Waisenbälle“ zu organisieren.

Im Frühjahr feierte sie insgesamt sechs solcher Bälle. Dabei wurden die Damen und Herren der höchsten adeligen Gesellschaft geladen; allerdings durften die Damen ihre Mütter nicht mitnehmen.

Die Mädchen waren alle im Alter von Kaiserin Elisabeth oder jünger.

Ein Fauxpas, wenn man bedenkt, dass eine Frau niemals ohne Begleitung das Haus verlassen durfte und wenn, dann nur in der Begleitung ihrer Mutter und/oder einer Gouvernante oder gar nicht. Elisabeth setzte sich durch, die Damen erschienen ohne Geleit. Der einzige Hintergrund dieser Bälle war: Erzherzogin Sophie wurde damit ebenfalls der Zutritt verweigert. Elisabeth sträubte sich immer mehr, mit Sophie Zeit zu verbringen.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Sophie von Aleçon, Schwester von Kaiserin Elisabeth

Der nächste Bruch war, dass Kaiser Franz Joseph mit Affären außerhalb der Ehe begann.

Im Adel jener Zeit war es üblich, ihren Frauen fremdzugehen.

Die Männer nahmen sich heraus, was zu nehmen war. Die Frau hatte klaglos darüber zu sein.

Drehte eine Frau den Spieß um, wurde daraus eine öffentliche Schlammschlacht, die immer negativ für die Frau von Welt ausging (zB Louise von Sachsen-Coburg (*18.2.1858, †1.3.1924, Schwester von Kronprinzessin Stephanie) oder Sophie Herzogin von Aleçon (*23.2.1847, †4.5.1897, Kaiserin Elisabeths Schwester), die beide in der Irrenanstalt landeten. 

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Louise von Sachsen-Coburg, Schwester von Kronprinzessin Stephanie

Doch Elisabeth war naiv genug zu glauben, dass sie ihrem Mann genügen würde, nannte er sie doch Tag und Nacht seine „Engels Sisi“.

Es war keine Zweckehe, die hier eingegangen wurde.

Kaiser Franz Joseph hatte Elisabeth Herzogin in Bayern bewusst gewählt. Er hatte sich in sie verliebt. Ob sich die fünfzehnjährige Sisi in den Kaiser verliebt hatte, darüber kann man spekulieren. Wir alle haben mit Fünfzehn geliebt aber war es die Liebe fürs Leben? Bei den meisten wohl eher nicht.

Als Kaiser Franz Joseph mit seinen zahlreichen Affären begann, stürzte die letzte Barriere bei/für Elisabeth ein.

Foto: Wikimedia/Commons
Bahnhof Linz der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn

Bereits im Juli 1860 folgte der nächste Eklat.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth stritten so massiv, dass die Kaiserin mit Gisella nach Possenhofen fuhr.

Die Reise war eine Flucht. Dabei war es ihr völlig egal, dass sie die Eröffnungsfeierlichkeiten für die neue „Kaiserin-Elisabeth-Westbahn“ (heute Weststrecke) durcheinander brachte. Sie fuhr mit der Bahn von Wien nach München.

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Herzogin Mathilde in Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Carl Theodor in Bayern

Um einen öffentlichen Skandal zu vermeiden, fuhr sie am 18.8.1860 mit ihrem Bruder Herzog Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) und ihrer Schwester Gräfin Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925) zurück nach Salzburg.

Kaiser Franz Joseph kam ihr in Salzburg mit Erzherzogin Sophie entgegen. Die Mitnahme ihres Lieblingsbruders und von Mathilde kann man als Zeichen der Unsicherheit vor ihrem Ehemann und vor allem vor Sophie werten.

Kaiser Franz Joseph fiel aus allen Wolken, als ihm seine Frau im Spätherbst eröffnete, dass sie nach Madeira wollte.

Sie fühlte sich seit Wochen krank, fieberte und hustete. Im Kaiserreich war es aber üblich, die Wintermonate in Arco oder in Meran zu verbringen. Elisabeth setzte sich aber wieder einmal durch.

Während sich der Kaiser von Laxenburg aus (das Paar wohnte immer noch im Schloss Laxenburg) wieder mehr seiner Mutter zuwandte, kümmerte sich Elisabeth um ihre Sommergarderobe.

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Prinzessin Mathilde von Windischgrätz

Dies heizte wilde Spekulationen an: wäre es einer Todkranken nicht egal, welches Kleid sie anhabe?

Auch, dass sie die junge Witwe Mathilde Prinzessin von Windischgrätz (*5.12.1835, †1907) zu ihrer Hofdame machte, verwunderte den Hof.

Gräfin Esterházy wurde dazu bestimmt, bei den Kindern in Wien zu bleiben. Hofdame Windischgrätz, eine junge Witwe, deren Mann in Solferino fiel, musste sich ebenso von ihrem Kleinkind verabschieden. Ein Umstand, der noch merkwürdiger war, als sowieso schon die ganze Reise an sich.

Die Nachricht, dass die junge Kaiserin für längere Zeit Wien verlassen musste, da sie Lungenkrank sei, bestürzte ganz Europa.

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Queen Victoria

Queen Victoria (*24.5.1819, †22.1.1901) stellte ihre Privatjacht zur Verfügung, da es im Kaiserreich keine geeignete Jacht gab.

Auch hier setzte Elisabeth ihren Willen durch. Sie nahm zwar die Jacht, lehnte aber die Einladung ins britische Königshaus kategorisch ab. Sie möge inkognito reisen, lautete die lapidare Absage.

Biograph Conte Corti bringt die Sache auf den wesentlichen Punkt:

„Der Deckmantel der Krankheit wird das alles abschwächen, und sie ist ja auch wirklich krank, ihr geistiger Zustand nimmt auch den Körper hart mit. Und was sonst eine kleine Anämie, ein unbedeutender Husten wäre, wird unter solchen Verhältnissen fast wirklich eine Krankheit.“ (9) Veröffentlicht hatte er diese Sätze nie.

Brigitte Hamann fand diese, als sie in seinem Manuskript recherchierte. Corti galt als kaisertreu und strich die Bosheit sofort wieder heraus. Auch jene über Erzherzogin Sophie, die ebenfalls Hamann übernahm:

„Sie aber weiß genau Bescheid und ist bloß empört über die pflichtvergessene Elisabeth, die wie sie meint, nur eine Krankheit vorspiegelt, um dem Winter zu entfliehen und ihren merkwürdigen Lebensgewohnheiten ungenierter nachleben zu können.“ (10)

Foto: genee.org
Leopoldine Nischer

Im November fuhr Elisabeth los.

Leider sind die Briefe in jener Zeit von Kaiser Franz Joseph an Kaiserin Elisabeth nicht erhalten.

Fünf Monate sollte der Aufenthalt dauern.

Sechs Monate später kam sie zurück.

Kaiser Franz Joseph fuhr nach Triest, um seine Elisabeth entgegenzunehmen.

Die Menschen jubelten ihr zu. Man fuhr nach Schloss Laxenburg, wo das Paar hoffte, seinen geregelten Tagesablauf wieder aufnehmen zu können.

Als Elisabeth zum ersten Cercle nach Wien zurückmusste, wurde sie wieder von heftigen Hustenanfällen geplagt. Sie suchte die Einsamkeit und wollte niemanden zu sich lassen.

Vier Tage später war klar, dass Elisabeth wieder ins Ausland musste. Diesmal nach Korfu.

Elisabeth dachte, sie müsse sterben und verabschiedete sich theatralisch von ihrer Tante und Schwiegermutter.

Sophie notierte:

„Traurige Trennung von unserer armen Sisi, vielleicht fürs Leben. Sie weinte und war extrem bewegt und bat mich um Verzeihung für den Fall, daß sie für mich nicht so gewesen ist, wie sie es hätte sein sollen. Ich kann meinen Schmerz, den ich empfand, nicht ausdrücken, er zerriß mir mein Herz. Der Kinderfrau Leopoldine Nischer (*1813, †1883) empfahl Sisi beim Abschied die Kinder an mit den Worten: „es wäre ja das einzige, was dem Kaiser bliebe!“ (11)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ferdinand Maximilian

Als Elisabeth von Laxenburg abfuhr, hätte man meinen können, ein Leichenwagen zöge vorbei. So betrübt und theatralisch war die Stimmung.

Kaiser Franz Joseph begleitete sie selbstverständlich nach Triest, wo auch ihr Lieblingsschwager Erzherzog Ferdinand Maximilian auf sie wartete.

Mit einer Gefolgschaft von 33 Personen stieg Kaiserin Elisabeth auf das Schiff. Doch schon auf der Überfahrt änderte sich schlagartig ihr Gemüt. Sie aß, lachte und war übermütig.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara
Kaiserin Elisabeth Denkmal, Funchal, Madeira

In Wien verbreitete sich indes das Gerücht, die junge Kaiserin sei verstorben.

Im Juli beging Kaiser Franz Joseph einen folgenschweren Fehler.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie von Festetics

Er übersandte als Botschafter Graf von Grünne. Der Inhalt des Gesprächs ist leider bis heute nicht überliefert. Es eskalierte allerdings derartig, dass Elisabeth nie wieder ein Wort mit Graf Grünne sprach.

Einige Szenen aus dem Gespräch erzählte sie wohl später ihrer Hofdame und engen Vertrauten, Marie Gräfin Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923). Von Betrug sei die Rede gewesen, von Maßregelungen in Richtung des Kaiserhauses und von Ratschlägen, die bei der jungen Kaiserin falsch ankamen.

Gräfin Festetics schrieb am 12.4.1872 in Ofen in ihr Tagebuch:

„Jetzt entsanken die Zügel seinem eisernen Griffe, er ist Oberstallmeister Seiner Majestät (Anmerkung: Graf von Grünne wurde nach dem verlorenen Italien Krieg vom Flügeladjutant zum Oberstallmeister „degradiert), ist noch wichtig genug. Eng verbündet mit Erzherzogin Sophie, ist er unter der Maske der größten Gutmütigkeit ein Feind der Kaiserin und dabei doch unter Ihrem „Charme“. Wie, warum, das weiß ich alles nicht. Ich kenne ja das Getriebe und Gewebe nicht, sage nur, was ich sehe und aus einzelnen Worten erhöre.“ (12)

Auch hier sind die Briefe zwischen dem Ehepaar nicht erhalten.

Den ersten Brief, den ich finden konnte, war vom Kaiser seine Mutter Erzherzogin Sophie.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene und Max von Thurn und Taxis mit Kindern

Wien, den 2. September 1861 Liebe Mama, erst heute komme ich dazu, Ihnen für Ihren lieben Brief vom 22.v.M. zu danken. …… Von Sisi habe ich Gottlob recht befriedigende Nachrichten. Sie hat sich über Helenes Ankunft sehr gefreut, ist recht heiter, fährt zu Wagen und zu Schiff und ißt über Andringen ihrer Schwester jetzt viel mehr Fleisch und trinkt mittags und abends Bier. Infolge der kühlen Witterung, die nach einem starken Gewitter auf in Korfu eingetreten ist, hat sie leider wieder mehr gehustet, allein der Arzt legt der Sache keine Bedeutung bei. Die lieben Kinder, die ich vorigen Mittwoch das letztemal besuchte, sind immer sehr wohl und heiter. Die Gesellschaft des Max Taxis (Anmerkung Petra: Maximilian Thurn und Taxis (*28.9.1831, †26.6.1867), Helenes Ehemann), der seinen Aufenthalt, meinem Wunsche entsprechend, noch verlängert hat, ist mir sehr angenehm und erheiternd. … Ihr treuer Sohn Franz. (13)

In weiteren Briefen erzählte Franz Joseph, dass er die Kinder in Reichenau an der Rax besucht hätte und sich nach seiner Engels-Sisi sehne, der es besser gehen soll. Außerdem ging er jagen und empfing allerlei Gäste.

Des Weiteren machte er sich auf den Weg nach Korfu, um seine „schwer erkrankte“ Frau zu besuchen.

Er schrieb am 16.10.1861 folgenden Brief an seine Mutter:

„Liebe Mama, nach einer herrlichen und vom ruhigen Wetter begünstigten Seereise bin ich glücklich in diesem irdischen Paradiese angekommen und habe Gottlob über meine Erwartung Erfreuliches gefunden. Sisi ist wirklich viel besser, besonders kräftiger und sieht sehr gut aus. Sie ist stärker geworden, ist wohl noch ein wenig aufgedunsen im Gesicht, hat aber meistens gute Farben; sie hustet sehr wenig und ohne Brustschmerz, und die Nerven sind viel ruhiger. Sie befolgt ein vortreffliches Regime, ißt dreimal des Tages viel Fleisch und trinkt Bier; Obst ißt sie gar nicht mehr. Auch geht sie viel zu Fuß, so wie das Wetter es erlaubt. Ich habe Sisi so wohl gefunden, daß ich mich entschlossen habe, sie für den Winter nach Venedig gehen zu lassen, so sie doch näher und innerhalb der Monarchie ist, wo ich sie leichter und öfter besuchen und wo sie auch die Kinder sehen kann, nach denen sie sich natürlich sehr sehnt. Sie ist in Venedig auch viel mehr vor der rauhen Luft geschützt und findet mehr Ansprache und geselligen Umgang und hofft auch, daß Charlotte sie manchmal besuchen wird. Wie glücklich ich über die Möglichkeit bin, Sisi näher zu haben, können Sie sich wohl denken, liebe Mama. ….. Sisi küßt Ihnen und dem lieben Papa die Hände, und indem ich ein Gleiches tue, bleibe ich Ihr treuer Sohn Franz. (14)

Foto: ÖNB
Karoline Freifrau von Welden „Wowo“, die Kinderfrau von Erzherzogin Gisel(l)a und Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth

Der Umstand, dass seine Frau nun nach Venedig „durfte“, wurde baldigst durchgeführt.

Doch die Kinder durften nicht auf Dauer nach Venedig.

Erzherzogin Sophie hielt ihrem Sohn vor, dass Wasser sei schlecht für deren Gesundheit.

Deshalb ließ Franz Joseph seiner Frau und den Kindern täglich frisches Wasser von Wien schicken.

Voraussetzung der Besuche der Kinder war, dass Gräfin Esterházy diese nach Italien begleiten durfte. So hatte Sophie täglich Berichte über die Kinder und über ihre Schwiegertochter erhalten.

Es kam wie es kommen musste. Sophie mischte wieder einmal kräftig über die ohnehin schon verachtete Gräfin Sophie Esterházy-Liechtenstein (*5.9.1798, †17.6.1869) mit.

Elisabeth hatte nun endlich ihren Kampfgeist wieder zurück. Sie setzte bei ihrem Gatten Kaiser Franz Joseph durch, dass dieser die verhasste Obersthofmeisterin und Spionin von Erzherzogin Sophie entließ.

Ihrer Mutter Ludovika wurde die eigene Tochter immer peinlicher. Diese beklagte sich lautstark über den Umgang mit der armen Sophie Esterházy.

Kaiser Franz Joseph besuchte seine geliebte Elisabeth zweimal in Venedig. Beim zweiten Mal nahm er den dreijährigen Kronprinz Rudolf mit.

Doch auch hier kümmerte er sich weniger um seine „kranke“ Gemahlin, sondern um Paradenabnahmen und Truppeninspektionen.

Das Verhältnis der Eheleute war mittlerweile auf ein eisiges Schweigen abgeflaut.
Zu lange war Elisabeth nicht mehr in Wien, zu wenig Verständnis hatte der Kaiser für seine Frau.

Vielleicht dämmerte es ihm bereits, dass sie mit ihren „vorgehaltenen“ Krankheiten nur ihren Willen durchsetzen wollte.

Die Kaiserappartements in Venedig sind heute übrigens im Museum Correr öffentlich zugänglich. Und wer diese sieht, wird schnell wissen, warum sich Kaiserin Elisabeth

7 weitere Monate mit dem „Gesundwerden“

Zeit ließ.

Erst im Mai 1862 traf Kaiserin Elisabeth in Reichenau an der Rax ein. Ohne Wien einen Besuch abzustatten, fuhr sie mit Dr. Heinrich Fischer (*1814, †1874), ihrem Leibarzt, nach Bad Kissingen.

Foto: Wikimedia/Commons
Die „feine“ Gesellschaft in Bad Kissingen, darunter auch Kaiserin Elisabeth und König Ludwig II

Der Hohn und Spott hätte nicht größer sein können. Kaiserin Elisabeth wurde ausgelacht, weil sie angeblich ihre schönsten Zähne in Kissingen verlor (Anmerkung Petra: nur bösartiger Tratsch!), Kaiser Franz Joseph wurde durch die Presse gejagt, weil er auf Geheiß seiner Frau den Backenbart abrasiert hatte, weil ihr dieser nicht gefiele.

Tägliche Meldungen was Kaiserin Elisabeth trüge, inkl. Farbe des Sonnenschirms, wurden in den Zeitungen veröffentlicht.

Daneben allerdings auch die Meldungen der Bankrotte, Selbstmorde und Arbeitslosigkeiten im Land.
Die Kluft zwischen Adel und Volk, reich und arm, wurde immer größer.

Bereits im Juli erschienen die ersten positiven Zeitungsmeldungen: Der Kaiserin ginge es besser. Die ganze Familie besuchte Elisabeth in Kissingen.

Nach Bad Kissingen verschanzte sie sich im Schloss Possenhofen und nahm vergnügt ihr Leben wieder auf. Sie war mit ihren Geschwistern zusammen, fast alle waren zu Besuch bei ihrer Mutter.

Herzog Max (*4.12.1808, †15.11.1888) befahl seiner Tochter, wieder nach Hause zu kehren. Doch Elisabeth weigerte sich. Mittlerweile war die kaiserliche Familie nach Ischl für die Sommerferien übersiedelt.

Graf Franz Folliot de Crenneville, Foto: Wikimedia/Commons

Graf Franz Folliot de Crenneville (*22.3.1815, †22.6.1888), Generaladjutant Seiner Majestät , war nach Possenhofen gekommen, um Elisabeth nach Ischl abzuholen.

Als sie sich weiterhin strikt weigerte, notierte er in sein Tagebuch:

„Oh die Weiber, die Weiber!!!! mit und ohne Krone, in Seide oder percale gekleidet haben Capricen und wenige sind ausgenommen.“ (15)

Am 11.8.1862 schrieb Franz Joseph an seine Mutter in Ischl:

„Liebe Mama…… Von Sisi habe ich immer gute Nachrichten, so daß ich hoffe, daß sie recht bald wird zurückommen können. Sie war über Ludwigs (Anmerkung: Erzherzog Karl Ludwig (30.7.1833, †19.5.1896), Bruder von Kaiser Franz Joseph) in Possenhofen sehr erfreut. … Ihr treuer Sohn Franz“ (16)

Kurz vor dem Geburtstag Seiner Majestät fuhr Kaiserin Elisabeth nach Wien.

Sie verließ im November 1860 die Hauptstadt und kehrte (circa) am 16.8.1862 erst wieder zurück.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig

Fast zwei Jahre lang war sie unterwegs gewesen, um „Gesund“ zu werden. In der Zeit fehlte sie nicht nur ihren Kindern, ihrem Ehemann, sondern auch ihrem Land. Mittlerweile war die Entfremdung vollends eingetreten.

Kaiser Franz Joseph freute sich so derartig auf seine Frau, dass er ihr bis Freilassing entgegenfuhr, wo er sie feierlich übernahm.

Die Lokomotiven wurden festlich geschmückt und an den Bahnhöfen waren bayrische und schwarzgelbe Fahnen gehisst. Am Bahnhof Hütteldorf sang ein Männergesangsverein, in Schönbrunn warteten die Trompeter „Jäger-Hornisten“ auf sie. Der Empfang glich der einer Braut.

Doch der Schein trog. Anstatt ihre Verwandtschaft in Schönbrunn freudig zu begrüßen, wirkte sie steif, tonlos und täuschte eine schwere Migräneattacke vor.

Sie zog sich in ihre Appartements zurück und war für niemanden zu sprechen.

Im Brief vom 25.8.1862 an seine Mutter, ist von all dem nicht die Rede. Entweder wollte Franz Joseph seine Mutter nicht beunruhigen, oder er verschloss wirklich die Augen vor der Tatsache, dass seine Ehe vor dem Abgrund stand.

„Liebe Mama, …., denn neben den Geschäften mußte ich doch auch oft mit Sisi ausgehen, die sehr viel Bewegung macht, was ihrer Gesundheit sehr zuträglich ist. Dann nahmen die Eisenbahnfahrten nach Reichenau und wieder herein und eine Fahrt ins Lager auch viel Zeit in Anspruch. Wie glücklich ich bin, Sisi wieder bei mir zu haben und dadurch endlich nach langen Entbehren ein „zu Hause“ zu besitzen, brauche ich nicht erst zu sagen. Sisi ist Gottlob recht wohl, sieht verhältnismäßig gut aus, hat immer gute Farben, guten Appetit und macht sehr viel Bewegung, ohne Ermüdung zu fühlen. Nur die volle Gelenkigkeit in den Füßen ist noch nicht ganz hergestellt, aber auch dieses bessert sich von zu Tag. Ich bin sehr froh, daß sie jetzt in Reichenau noch die gute Gebirgsluft genießen kann, denn hier ist es noch nicht frisch genug und bei Sonnenschein zu heiß und drückend. Besonders die Tage, die wir gleich nach Sisis Ankunft mit den Kindern hier zubrachten, waren sehr heiß und es blies dabei ein sehr angreifender Scirocco. ….Wir sind am 18. früh mit Gackel (Anmerkung: Herzog Karl Theodor, Bruder von Kaiserin Elisabeth) nach Reichenau, um meinen Geburtstag dort zu feiern. In der folgenden Nacht verließ uns Gackel, um nach München zurückzukehren. Rudolphs Geburtstag wurde sehr feierlich begangen; am Vorabende eine Menge Bergfeuer und Musik. Am Morgen Musik, 101 Pöllerschüsse, Aufzug der Bergleute, Jäger, Holzknechte …… Der Empfang, den Sisi hier fand, war wirklich sehr herzlich und wohltuend.“ (17)

Foto: sisi-schloss.at
Sisi-Schloss in Reichenau an der Rax (ehemals Rudolfsvilla)

Doch die Kluft des Fernbleibens hatte tiefe Wunden hinterlassen. Elisabeth hatte sich entfremdet. Sie konnte Zeit ihres Lebens mit Gisella und Rudolf kein herzliches Verhältnis mehr aufbauen.

Kaiser Franz Joseph betete seine Frau noch immer an und würde das noch im Greisenalter tun, verstand sie allerdings noch weniger, als jemals zuvor. Die Kluft zwischen ihnen wurde immer größer.

Foto: Wikimedia/Commons
Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka

Die Briefe von Kaiser Franz Joseph an seinen „Geliebten Engel“, wie er jetzt schrieb, beginnen wieder 1866.

Sie weilte in Ungarn und war zu dieser Zeit bereits in Gesellschaft von Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka (*3.3.1823, †18.2.1890).

Kaiserin Elisabeth weilte Monate in Ungarn und schrieb unzählige Briefe.

Einmal weckte man den Kaiser um 1.30 Uhr morgens, da ein „Eilbrief“ Ihrer Majestät eingelangt sei.

Obwohl er sich freute, diesen erhalten zu haben, wollte er ab sofort nicht mehr geweckt werden.

Der Eilbrief hatte nichts als Banalitäten zum Inhalt.

Ansonsten wurden seine Briefe immer fordernder und konkreter nach einem Wiedersehen, dem sich Elisabeth wohl verweigerte. Sogar die Sehnsucht der Kinder dürfte sie nicht so erreichen, wie der Kaiser hoffte.

Elisabeth gehorchte nicht mehr so wie früher.

Ab dem 18.7.1866 kann man die Schlußformel „Männchen“, „Mäneken“ und „Kleiner“ lesen. Letzteres wurde immer öfter und regelmäßig mit „Kl“ abgekürzt.

Wenn Kaiserin Elisabeth zurück kam, waren es immer nur wenige Tage.

Am 4.8.1866 schrieb Kaiser Franz Joseph:

„Schönbrunn, den 4.8.1866, ½ 6 Uhr Früh, Mein lieber Engel, Jetzt bin ich wieder mit meinem vielen Kummer allein und sehne mich nach Dir. Komme bald, wieder, mich zu besuchen, das heißt wenn es Deine Kräfte und Deine Gesundheit erlauben, denn, wenn Du auch recht bös und sekant warst, so habe ich Dich doch so unendlich lieb, daß ich ohne Dich nicht sein kann. Schone Dich nur recht und gebe beim Reiten acht, denn ich ängstige mich sehr…. Dich mit den Kindern umarmend, Dein Dich innigst liebender Kleiner“ (18)

Die Briefe mit ähnlichem Inhalt – mal kommt sie, um nach kurzer Zeit wieder zu gehen – ziehen sich bis 1867 hin. Manchmal setzt sie sich gegen Erzherzogin Sophie durch und nimmt die Kinder für eine Weile nach Ungarn mit.

Foto: Wikimedia/Commons
Krönungszeremonie
Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth im Krönungskleid
Foto: billerantik.de
Kaiser Franz Joseph

Der ungarische Ausgleich wurde am 8.7.1867 mit einer pompösen Krönungsfeierlichkeit gefeiert.

Zehn Monate später sollte die letzte Kaisertochter geboren werden: Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924).

Der Wiener Hof ätzte, dass es Graf Andrássys Kind sei, was Elisabeth zu Ohren kam. Sollte es eine Möglichkeit der Versöhnung gegeben haben, hatte diese Kaiser Franz Joseph verspielt.

Er stand ihr auch hier nicht bei und nahm das Getratsche nicht ernst. Elisabeth jedoch nahm sich dies sehr zu Herzen.

Doch gerade Marie Valérie, die der bösartige Wiener Hof „Die Einzige“ nannte und dies bis heute Kaiserin Elisabeth verleumderisch in den Mund gelegt wird, war ihrem Vater äußerlich ähnlicher als alle anderen Kinder.

Die Kindstaufe fand in der Ofener Burg unter großem Prunk statt. Als Taufpaten fungierten die Schwestern von Elisabeth: Gräfin Mathilde von Trani und Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925).

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Valérie wurde von ihrer Mutter abgöttisch geliebt, aber auch, kategorisch vor Allem abgeschirmt.

In den späteren Jahren beklagte die Kaisertochter sich, dass sie ihren Vater im Grunde gar nicht kannte. Ein Familienleben, lernte sie erst mit ihrem Mann Erzherzog Franz Salvator kennen.

In dieses band sie ihren alternden Vater, der ab 1898 Witwer war, massiv mit ein.

Das Kind der Beiden war wohl ein Aufflackern alter Gefühle und Liebe und die Glückseligkeit, dass Elisabeth in Ungarn den Ausgleich erzielt hatte.

Seit 1866 versuchte sie ihren Mann davon zu überzeugen, dass dies die einzige Möglichkeit war.

Foto: ÖNB
Erzherzogin Marie Valérie als Kleinkind

Danach blieb der Kaiser wieder die meiste Zeit allein. Elisabeth blieb in Ungarn und zog ihre Tochter mit Hilfe des (unbeliebten) englischen Kindermädchens Mary „Minny“ Throckmorton auf (*1832, †11.12.1919) auf.

Ab 1874 Jahren reiste Kaiserin Elisabeth öfter nach Irland und England, wo sie nicht nur die Habsburg-Monarchie brüskierte, sondern auch Queen Victoria.

1879 überwarf sie sich mit ihrer Schwester Königin Marie von Neapel und sprach lange Zeit kein Wort mehr mit ihr.

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Marie von Neapel

Zu Kronprinz Rudolf hatte Elisabeth Zeit ihres Lebens ein angespanntes Verhältnis und als ihre Schwester Marie vor lauter Eifersucht eine Affäre mit ihrem Reitlehrer Bay Middleton (*16.4.1846, †9.4.1892) erfand und dies Rudolf erzählte, war die Situation zwischen Mutter und Sohn extrem aufgeheizt.

Wer indes glaubt, dass Kaiser Franz Joseph Tag und Nacht allein in Wien in Schloss Schönbrunn oder Hofburg vor sich hin tristeste, irrt. Er fuhr genauso in der Weltgeschichte herum, wie Kaiserin Elisabeth selbst.

Im November 1869 weilte er in Athen und passierte mit dem Schiff „Greiff“ Rhodos und Zypern, um nach Jerusalem zu fahren, wo er am 11.11.1869 ankam. Er schrieb seitenweise Reiseberichte, von einem Sektionschef Hofmann, der nicht reiten könne und prompt vom Pferd fiel und sich den Arm brach usw. Von Jerusalem ging es nach Cairo und nach Alexandria, von dort nach Constantinople usw. Er wohnte im Palais Impérial de Bechiktach. Er schrieb Unmengen an Briefe und erhielt wiederum Telegramme von Kaiserin Elisabeth.

Am 30.11.1869 schrieb Kaiser Franz Joseph an Elisabeth:

„Am Greif, Hafen von Corfu den 30. Novbr., 2 Uhr Nachtmittag ….. In 2 Stunden geht hier der Lloyd Schnelldampfer durch und so expedire ich mit demselben den Kurier, der Dir diesen Brief noch einigen Stunden vor meinem Eintreffen in Triest überbringen kann. Ich kann nicht vor der Nacht vom 2. zum 3. oder am 3. in der Früh dort eintreffen und so bitte ich Dich recht schön, lieber Engel, mich so lange es geht, im Bett zu erwarten, denn das ist doch das schönste Wiedersehen nach so langer Zeit. Etwas trauriges hat dieses Wiedersehen bei dem Gedanken, daß es für so kurze Zeit ist und ich dann wieder so lang ohne Dich, allein bleiben muß. Es wird eine recht harte Zeit in Wien werden! In der Hoffnung Dich baldigst wirklich umarmen und küssen zu können, bleibe ich Dein, Dich innigst liebender Kl“ (19)

Am 28.5.1872 starb Erzherzogin Sophie.

Kaiserin Elisabeth weilte zu dieser Zeit gerade in Wien und eilte zwischen Hofburg und Schloss Schönbrunn, wo Valérie krank darnieder lag, hin und her. Ausgerechnet, als sie sich gerade vom Krankenbett der Schwiegermutter erhob, um nach Schönbrunn zu eilen, erhielt sie nach ihrer Ankunft ein Telegramm.

Marie Festetics überreichte ihr dies. Mit Windeseile jagte sie in der Kutsche zurück zur Hofburg:

„Die Kaiserin war furchtbar aufgeregt und ich hatte eine Todesangst, die Erzherzogin könnte sterben und wie die Menschen sind, hätten sie noch gesagt, die Kaiserin hätte es zu Fleiß gethan.“ (20)

Foto: ÖNB
Erzherzog Franz Karl, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf vor dem Sarg von Erzherzogin Sophie, Hofkapelle 1872

Leider ist aus dieser Zeit aus den Briefen nichts weiter zu erfahren, da sie von 1869 – 1874 nicht erhalten (oder veröffentlicht) sind. 1874 begann die Reise nach St. Petersburg, wo er ebenso viel berichtete, wie zuvor: über Bälle, den schönen Damen, den Zar usw.

1875 befand sich Franz Joseph auf dem Weg nach Venedig.

Von dort schrieb er:

„Venedig, den 6. April 1875, ½ 8 Uhr Früh …. Ich wohne in Deinen Zimmern, schlafe in unserem ersten Schlafzimmer und schreibe jetzt in Deinem späteren blauen Schlafzimmer. Der Empfang hier war außerordentlich schön, selbst herzlich und Alles ist vortrefflich arrangirt. Der König ist unendlich freundlich, die Kronprinzessin charmant, hübsch, sehr aimable, ganz unglaublich élègant, hat besonders hübsche Füsse …. Dich mit den Kindern umarmend, Dein Kl (21)

Foto: Wikimedia/Commons
Auguste von Bayern

Danach fuhr er von Pola nach Sebenico und Pago und dann weiter nach Spalato, wo er Kaiserin Elisabeth einen berühmten Honig schicken ließ.

Im Gegenzug bedankte er sich für den übersandten Zwieback. Er schrieb auch mehrmals über Gisela, die gerade schwanger war und die Nachricht der Niederkunft nicht abwarten könne. (Anmerkung: 2te Enkelin Auguste kam am 28.4.1875 zur Welt; †25.6.1964).

Von Spalato ging es nach Metkovic, Ragusa und Cattaro. Danach enden die Briefe leider wieder und es geht erst 1886 weiter.

Doch so einsam, wie man Kaiser Franz Joseph immer gerne sieht, war er nicht.

Seine Affären wurden intensiver und fanden immer mehr in unmittelbarer Nähe statt. Er quartierte zuerst seine Geliebte Anna Nahowski (*1860, †23.3.1931), später dann sogar Katharina Schratt in der Nähe von Schönbrunn ein.

Foto: Wikimedia/Commons
Dr. Hermann Widerhofer
Foto: habsburger.net
Katharina Schratt

1885 führte Kaiserin Elisabeth dem Kaiser Katharina Schratt zu. Mittlerweile tat ihr ihr Mann sogar schon leid. Für sie war die Ehe zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahren beendet.

Den ersten Brief den man nach 1875 findet, ist vom 30.6.1886 datiert:

„Schönbrunn den 30.Juni 1886, 4 Uhr Früh Édes, szerettet lelkem (Anmerkung Petra (Übersetzt aus dem Ungarischen): Meine süße, geliebte Seele) …. Gott lob tretet Ihr also Morgen endlich die Rückreise in die Heimath an und dieser Brief wird Dich bereits in Gastein erwarten. Wie ich mich auf das Wiedersehen freue, kannst Du Dir denken. Bitte vergesse nur nicht dafür zu sorgen, daß ich Sonntag eine Messe bekomme, wo möglich nicht vor 9 Uhr. Gestern war Wiederhofer (Anmerkungn Petra: Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901), Kinderarzt bei Kronprinz Rudolf und Leibarzt von Erzherzogin Marie Valérie) (Anmerkung Petra: Kaiser Franz Joseph schrieb ihn mit „ie“; korrekt ist aber nur „i“) um mir wegen Mondel (Anmerkung Petra): Generaladjutant Friedrich Freiherr von Mondel (*22.9.1821, †18.12.1886; zu dieser Zeit bereits schwer krank) zu berichten und bei dieser Gelegenheit sagte er mir, daß Du Dich während der Kur vor Allem vor Verkühlungen in Acht nehmen mußt und keine zu anstrengenden Fußmärsche machen sollst, auch ja die Bäder nicht übertreiben …… Dich von ganzem Herzen umarmend, Dein Kl“ (22)

Foto: oldthing.de
Friedrich Freiherr von Mondel

Leider enden die Briefe wieder mit dem 6.11.1889, wo sich Kaiser Franz Joseph in Gödöllö befand, Kaiserin Elisabeth aber auf Korfu weilte.

Zu Rudolfs Tod findet man auch hier nichts. Der erste Brief ist wieder vom 24.9.1890 datiert.

Erzherzogin Marie Valérie ist mit ihrem Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) verheiratet und wohnte in Schloss Lichtenegg in Wels, Oberösterreich. Und so erzählte er immer weiter, wen er traf, wo er sich gerade befand (sogar Schloss Possenhofen besuchte er) und was er gerade tat.

Als Nachsatz nach seiner Abschiedsklausel, kann man öfters

Die Freundin küßt deine Hände“

lesen (z.B. Brief vom 23.4.1891). Mit Freundin ist natürlich Katharina Schratt (*11.9.1853, †17.4.1940) gemeint.

Foto: ÖNB
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth auf Cap Martin, 1894

Danach gehen die Briefe ohne gröbere Unterbrechung bis 1898 weiter.

1895 weilte Kaiserin Elisabeth in Cap Martin, er fragte, ob sie wüsste, wann Gackel mitsamt der Familie an die Riviera käme usw.

Die Briefe aus 1895 sind, soweit ich das herauslesen kann, vollständig erhalten. Es wird viel über Marie Valérie, Gisela, Leopold, die Kinder der beiden und deren Befindlichkeiten gesprochen; übers Zahnen der Kleinen, über Essprobleme der kleinen Ella (Anmerkung Petra: Tochter von Valérie und Elisabeth am Ähnlichsten) usw. Das alles aufzuzählen würde noch mehr Seiten füllen. Er bedankte sich sogar einmal, als Elisabeth ihm „mit dem weißen Schirme gewunken habe.“

Es wird über gemeinsame Bekannte getratscht, welches Paar wann geheiratet habe und wer mit wem eine Liaison unterhält.

Telegramme über plötzlich Verstorbene erreichen den Kaiser und gegenseitig wird Beileid bekundet. Die Briefe der letzten Jahre lesen sich wie eine Brieffreundschaft zweier Unbekannter.

Wenig Persönliches und noch weniger Gefühlvolles, bis auf die übliche Abschiedsklausel

„Dich in Liebe und Sehnsucht umarmend, Dein Kl“.

Auch die Briefe 1896/7 beinhalten Selbiges wie 1898.

Foto: ÖNB
Kaiser Franz Joseph, mit seinen Enkeln, den Kindern der Erzherzogin Marie Valerie, Franz Karl, Hubert Salvator und Elisabeth,

Kronprinz Rudolf kommt nicht einmal mehr vor.

Hie und da fällt der Name Stephanie, Franz Ferdinand wird bereits öfter erwähnt.

Am Anfang des Jahres 1898 befindet sich Kaiserin Elisabeth in Frankreich, genauer gesagt in Marseille, um dann nach Nizza weiterzufahren.

Kaiser Franz Joseph befand sich zwischenzeitlich in Eisenerz. Auch hier dürften die Briefe vollständig sein. Er berichtet über Marie Valérie, die sich höchster Gesundheit erfreue und bestens aussehe, erphilosophiert über Theaterstücke, wie müde er manchmal sei und über allerlei Familienmitglieder.

Am 24.8.1898 war Kaiser Franz Joseph in Ischl und erwartete voller Ungeduld die Ankunft seiner Frau, welche für kurze Zeit blieb, um am 27.8.1898 wieder nach Nauheim abzufahren.

Es sollte ein Abschied für immer werden…

In vierundvierzig Ehejahren ließ sich Kaiserin Elisabeth nicht ein einziges Mal mit ihrem Mann und den Kindern ablichten.

Es existiert eine einzige Fotoaufnahme, auf der Kaiserin Elisabeth mit den Söhnen von Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl zu sehen ist. Ansonsten lehnte sie solche Fotos kategorisch ab.

Foto: Wikimedia/Commons
Das einzige Foto mit der gesamten kaiserlichen Familie und Kaiserin Elisabeth, samt Rudolf und Gisella
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisella, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Viktor
Fotografie von Ludwig Angerer, 1860

Sämtliche Lithografien oder gemalte Bilder sind der reinen Phantasie der Lithografen oder Maler entsprungen.

Kaiser Franz Joseph hingegen posierte mehrmals mit seinen Kindern; vor allem aber als Opa mit seinen Enkeln.

Foto: billerantik.de
gesamte Familie, 1888, gezeichnet
Phantasiebild

Den allerletzten Brief, den Kaiser Franz Joseph an Kaiserin Elisabeth schrieb, sollte diese niemals mehr erhalten.

Hier der gesamte Brief: 

Anmerkungen vorab von mir:
Gräfin Sztáray = letzte Hofdame von Kaiserin Elisabeth – Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863, †3.9.1940)
Graf Welsersheimb = Rudolf Graf Welser von Welsersheimb  (*1.3.1842, †25.10.1926)
Rudi Liechtenstein = Rudolf von und zu Liechtenstein, Obersthofmeister (*18.4.1838 – †15.10.1908)
voiture = Auto (?)
Isten veled szeretet agylaom = Adieu, schöner süßer Engel

Schönbrunn den 10. Septbr. 1898 

Édes szeretett lelkem, 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth erscheint Kaiser Franz Joseph als Engel

Da ich Heute in Schönbrunn bleibe und daher meine freie Zeit habe, so will ich doch noch einige Zeilen an Dich richten, um dir beiligenden Brief Valéries, den ich Gestern erhielt zu senden und Dir für Deinen, an sie gerichteten Brief vom 4., der ja auch für mich bestimmt war, innigst zu danken. Gleichzeitig schickt mir Valérie ein kurzes Schreiben der Gräfin Sztáray, auch vom 4., welches, obwohl eigentlich nur ein Namenstag Gratulations Brief, doch auch günstiges über Dein Befinden enthält. Sehr erfreut hat mich die bessere Stimmung, die Deinen Brief durchweht und Deine Zufriedenheit mit dem Wetter, der Luft und Deiner Wohnung sammt Terrasse, welche einen wunderbaren Ausblick auf Berge und See gewähren muß. Daß Du dennoch eine Art Heimweh nach unserer lieben Villa Hermes gefühlt hast, hat mich gerührt. Gestern Nachmittag war ich wieder dort und ging in der Nähe der Villa spazieren. Der Abend war herbstlich, aber sehr schön, der ganze gestrige Tag wolkenlos; auch Heute ist es schön und kühl, aber der Barometer fallt, was mich für die Tátra fürchten laßt. Gestern hörte ich einen Hirsch zweimal melden. Wie Nando Gestern aus Gödöllö telegraphirte, melden dort die Hirsche wegen großer Trockenheit noch nicht und es gelang ihm in der ganzen Zeit, wegen wechselndem Winde, erst einen schwachen 10 Ender am Ansitze zu erlegen, der einzige Schuß den er bis jetzt machte. Von der Freundin erhielt ich Gestern ein Telegramm von Ferleiten 6 Uhr 10 M. Nachmittag. Sie war dort vom Glocknerhause angekommen und wollte noch Gestern nach Zell am See fahren, wo sie gewiß spät eingetroffen sein wird. Warum sie ihre Gebirgstour so gehetzt und mit so starken Tagesleistungen gemacht hat, ist mir nicht klar.

Ich bin Gestern um 8 Uhr in die Stadt gefahren, wo ich bis 1/2 3 Uhr geblieben bin und Thun, FZM. Graf Welsersheimb und Rudi Liechtenstein gesprochen habe. Um 3 Uhr habe ich hier allein gespeist und Abends erfreute ich mich an der guten Milch aus deiner Meierei. Heute bleibe ich hier und um 1/2 9 Uhr Abends reise ich 

voiture, voiture siehe Oben 

vom Staatsbahnhofe ab. 

Isten veled szeretet agylaom. Dich vom ganzen Herzen umarmend, 

Dein 

Kl (23)

Als am 10.9.1898 Kaiserin Elisabeth starb rief er aus:

„Niemand weiß, was diese Frau mir gewesen ist!“ (24)

Petra Schimbäck

Foto: Dorotheum Wien
Original-Kuverts von Kaiserin Elisabeth an Kaiser Franz Joseph, Kuverts teilweise mit geprägtem Schriftzug „Elisabeth“ und Kaiserkrone bzw. Siegel mit Siegellack, Absender teilweise aus Ischl, Meran, Combermere Abbey, Whitchurch, Shropshire,; das Relief aus Gips stammt von einem Sterbemonument, das nie verwirklicht wurde (R. Weigl 1902)

Rechtliche Hinweise:

Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildrechte: Dorotheum Wien, geo.de, Österreichische Nationalbibliothek, roteskreuz.at, sisi-schloss.at, billerantik.de, habsburger.net, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literarische Hinweise:

1 – S. 157, 2 – S 158/9
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Auflage

3 – S 313/4
Martha Schad
Marie Valérie von Österreich – Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth
Piper Verlag, 7. Auflage 2013

4 – S. 124/5, 8 – S 130, 9 – S 142, 10 S. 142/3, 11 – S. 150/1, 15 – S 164, 20 – 294
Brigitte Hamann
Elisabeth – Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage, 2017

5 – S. 9/10, 6 – S 13/14, 7 – S 31/2, 18 – S 55/6, 19 – S. 148/9, 21 – 158, 22 – 185,
Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859 – 1898, Band I (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Herold 1966, 1. Auflage

13 – S 304, 14 – S 308/9, 16 – S 311/2, 17 – S. 313/4
Dr. Franz Schnürer
Briefe Kaiser Franz Josephs an seine Mutter (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Universitätsdruckerei München, 1930

12 – S 60
Gudula Walterskirchen und Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics – Kaiserin Elisabeths intimste Freundin
Residenz Verlag, 3. Auflage, 2014

24 – 458
Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859 – 1898, Band II (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Herold 1966, 1. Auflage

24 – S. 40
Eugen Ketterl
Der Alte Kaiser wie nur Einer ihn sah
Fritz Molden Verlag, 1980, 1. Auflage