Das Kind von Gottes Gnaden – Kaiser Franz Joseph I.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Erzherzog Franz, 1844 (14jährig)
(Kaiser Franz Joseph als Jugendlicher)
mit Sondererlaubnis aus dem k.u.k. Museum Bad Egart

Der smarte Karlheinz Böhm lässt Jahr für Jahr zahlreiche Frauen- und Männerherzen höher schlagen, wenn er als Kaiser Franz Joseph für seine Sissi (Romy Schneider) bei Schwiegermutter Erzherzogin Sophie einsteht.

Der schmachtende Blick, der rote Schmollmund, die dunkelblonden, akurat gescheitelten Haare und die Uniform. – Schmuck sah er aus, dass muss auch ich zugeben. Doch auch der echte Kaiser, war ein stattlicher junger Mann. Adrett, immer galant, höflich und von guter Figur.

Doch leider ist die bittere Wahrheit hinter der kitschigen Filmpassage so trist und traurig, dass mir mittlerweile die Filme, je länger ich meine Recherchen betreibe, vergangen sind.

Das zerbombte Wien der 1950er Jahre, mag diese „Heile Welt“ der Kaiserzeit, die so gar nicht rosig war, gebraucht haben, um von ihrem Kriegsalltag als ehemalige Trümmerfrauen, KZ-Überlebende, Kriegsheimkehrer und Bombengeschädigte abzulenken.

Auf Social Media werden täglich duzende Fotos von der bittersüßen Romy als Sissi gepostet und natürlich darf der wildromantische Karlheinz als Kaiser nicht fehlen.

Doch wer war der echte Kaiser. Welchen Charakter hatte er? Wie wuchs er auf? Was machte ihn aus? Was steckte alles in ihm und was machte ihn zum Mythos?

All das versuche ich zu hinterfragen, zu beleuchten und herauszufinden. Ich begebe mich in die Katakomben der Bibliotheken, Archive, tauche ein in die Vielfalt der Bücher und des Internets, um auf längst vergessene Spuren zu gehen.

Herausgekommen ist eine ganz andere Wahrheit über jenen Mann, welchen wir

68 Jahre, 24.825 Tage

Kaiser von Österreich

nannten.

Und noch heute bekommen einige feuchte Augen, wenn sie an unseren alten Kaiser denken. Denn, dass es noch Kaiser Karl I (*17.8.1887, 1.4.1922) gab, verdrängen manche. Die 2 Jahre Amtszeit zählen für viele Leute nicht.

Die Kindheit von Erzherzog Franz(i) bis zum Thron

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Franz Karl

Erzherzogin Sophie lag zwei Tage und zwei Nächte unter höllischen Schmerzen in den Wehen, bevor die Zangengeburt eingeleitet werden konnte.

Um 9.45 Uhr am 18.8.1830 war es endlich so weit. Ein wunderschöner Bub wurde im Schloss Schönbrunn geboren.

Im Beisein ihrer geliebten Mutter Ex-Königin Caroline von Bayern (*13.7.1776, 13.11.1841), die sie immer noch so sehr vermisste, entband Sophie glücklich ein gesundes Kind.

Stammbaum Kaiser Franz Joseph, Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra  
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Caroline von Bayern

Erzherzog Franz Karl (*7.12.1802, †8.3.1878) wartete derweil in einem der Nebenräume auf die Verkündung, ob es ein Erzherzog oder eine Erzherzogin sein würde.

Nach 6 Ehejahren und 2 Fehlgeburten, hatte das Kaiserreich immer noch keinen Thronfolger. Insgesamt hatte Sophie 11 Fehlgeburten zu beklagen.

Dieser wurde mit 101 Kanonenschüssen begrüßt.

Schon lange vor ihren Schwangerschaften suchte Sophie eine Aja (Kindermädchen) für ihr zukünftiges Kind. Empfohlen wurde ihr Louise Baronin von Sturmfeder (*3.10.1789, †10.9.1866) vom Außenminister Johann Philipp Graf von Stadion (*18.6.1763, †15.5.1824).

Baronin von Sturmfeder hatte keinerlei Vermögen, war unverheiratet, hatte aber Durchsetzungsvermögen, war überaus charmant, intelligent, hatte Witz und lernte sich, durch ihre schwierigen Familienverhältnisse, früh durchzusetzen. Genau das, was sie am Wiener Hof brauchte.

Als sie an diesen berufen wurde, wusste sie genau, worauf sie sich einlassen würde. Noch dazu war sie bereits 41 Jahre alt und eine im Leben stehende Frau.

Noch am Tag der Geburt wurde der kleine Erzherzog seiner Aja übergeben. Diese richtete sofort die Kindskammer ein.

In Adelskreisen war es nicht üblich den hohen Damen und Herren Kinder zuzumuten, die irgendetwas aus irgendwelchen Körperöffnungen wiedergeben konnten.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie und ihr geliebter Sohn Franzi
ca. 2jährig
Bild: Joseph Stieler, 1832

Mit dem Kind wurde normalerweise nur pro Tag ein höchstens zwei Stunden Zeit verbracht – und da musste es frisch gewaschen, gewickelt, gepudert und gesäubert sein.

Sobald das Kind auch nur zum Jammern anfing, wurde es sofort aus dem Gesichtsumfeld der Königin, Kaiserin oder König oder Kaiser entfernt.

Eine rühmliche Ausnahme stellten hier Königin Caroline und ihr Mann König Maximilian I. Joseph dar. Diese hatten ihre Kinder gerne um sich.

Dies sollte sich sowohl auf Ludovika, als auch auf Sophie übertragen.

Sophie stillte – zur Überraschung aller – ihre Kinder selbst. Normalerweise wurde hierfür eine Amme ins Haus geholt.

Es ist umso verwunderlicher, dass sie dies ihrer Nichte und Schwiegertochter Elisabeth bei ihren Kindern verbot und diese durch den Milchfluss Höllenquallen zu durchleiden hatte.

Die Kindskammer bestand nunmehr aus einer Kindsfrau, einem Kindermädchen, zwei Leiblakaien, einer Kindsköchin, einem Kammerweib für das Kind, einem Kammerweib für das Kammerweib, und einer Küchenmagd.

Kaiser Franz II/I war begeistert von Baronin Sturmfeder und wies ihr in weiterer Folge die gesamte Kindskammer zu. Dies bedeutete die Aufsicht der Lakaien, Dienstboten, Ammen und den gesamten Hofstaat aller weiteren Enkel des Kaisers. Sie wurde in weiterer Folge nicht nur die Aja von Franzi, sondern auch von Maxi, Karl Ludwig, Anna und Luzi-Wuzi.

Sophie erholte sich nur langsam von der Zangengeburt. Die Ärzte hatten sie stark verletzt und den engsten Mitgliedern ihrer Familie im Vertrauen mitgeteilt, dass sie das Schlimmste befürchten.

Kaiser Franz II/I saß täglich drei Stunden bei seiner geliebten Schwiegertochter und versuchte sie wach zu halten, denn man sagte ihm, sie solle so wenig wie möglich schlafen. Es könnte sein, dass sie nicht mehr erwachen würde.

Obwohl Erzherzog Franz nicht direkter Thronerbe war, wurde er von Anfang an so erzogen.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Ferdinand I.
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Maria Anna

Kaiser Franz II/I Sohn, Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) wurde geistesschwach geboren. Er galt als schwerbehindert, obwohl er 5 Sprachen sprach.

Dennoch war er geistig so weit „intakt“, dass er den Thron besteigen konnte. Der zweite nach Ferdinand war direkt Franz Karl, also der Vater von Franz.

Ferdinand wurde er mit der überaus schönen und intelligenten Maria Anna Prinzessin von Savoyen (*19.5.1803, †4.5.1884) verheiratet, allerdings konnte aufgrund der mangelnden geistigen Verfassung die Ehe – zumindest wird davon ausgegangen – nicht vollzogen werden. Die arme Maria Anna ertrug diese Ehe mit stoischer Geduld und von Gott gegeben.

Dies war Voraussetzung genug für Sophie, ihren Sohn immer als Thronerben anzusehen und verlangte von allen umstehenden ihn schon von kleinauf mit „Erzherzog“ anzusprechen.

Die vertraute Anrede

„Mein Prinz“,

die Aja Sturmfeder liebevoll verwendete, wurde aufs äußerste und schärfste von Sophie kritisiert.

Sophie stellte so nicht nur sicher, dass die Baronin von Sturmfeder den Rang ihres Kindes kannte, sondern auch ihren eigenen.

Erzherzogin Sophie war Zeit ihres Lebens erpicht auf Adelsstand, Rang, Titel und das Ansehen in der Familie.

Die Taufe fand am Samstag, den 21.8.1830 statt.

Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, †2.3.1835) war der Taufpate, weshalb der Bub die Namen

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz II/I
Großvater von Erzherzog Franzi

Franz Joseph Karl

erhielt. Es waren dieselben drei Vornamen des Kaisers, zudem waren der erste und der dritte gleichzeitig auch die Vornamen des Vaters.

Über die Taufe ist folgendes überliefert:

„Freitag, 20.August 1830

Den andern Morgen um 12 Uhr war die Taufe. Ich musste mich schon um 10 Uhr frisieren lassen und hatte sehr viel zu tun. Der Kleine war ruhig und scheint, Gott sei Dank, recht gesund.
Er hat drei kleine Wunden auf dem Kopfe rückwärts, doch ist es nur oberflächlich. Ich hatte Marabous und silberne Kornähren auf dem Kopfe, ein Tüllkleid mit Silber gestickt und atlasnes Unterkleid, einen Manteau von weißem Gros de Berlin oder Gros de Naples, auch mit Silber gestickt, und ein schönes goldenes Kollier und Ohrringe, welche mir die Erzherzogin und Er geschenkt haben, und meinen neuen Orden an.
Um 12 Uhr zogen wir aus und kamen in der Taufe bereiteten Saal, ich mit den Damen der Erzherzogin hinter der Kinsky und diese hinter dem guten Goës, welcher das Kind trug, und zwei Kammerherrn, welche die Decke hielten. Da ich einen Fächer in der Hand hate und nicht meine Lorgnette, sah ich nichts. Der Kaiser, die Kaiserin, alle Erzherzoge, alle Damen und Herren strahlten von Diamanten und Edelsteinen. Als das Tedeum anfing, wurde der Kleine in sein Zimmer transportiert.“ (1)

Auch hier muss ich leider erwähnen, dass in sämtlichen Biografien über den Kaiser das Wort „andern Morgen“ falsch interpretiert wurde und die Taufe regelmäßig von Kaiser Franz Joseph für den 20.8.1830 angegeben wurde.

Korrekt ist aber: Kaiser Franz Joseph wurde am 21.8.1830 getauft. Das Wort „andern Morgen“ heißt aber nichts anderes, als, dass am nächsten Morgen die Taufe stattfand, also

am Samstag, den 21.8.1830.

Danach erzählte Aja Sturmfeder folgendes:

„Nun bin ich Tag und Nacht hier in seinem Zimmer, nur von 2 bis 3 bin ich bei mir, um zu essen und mich anzuziehen. Wenn er bei Tage trinkt, trage ich ihn meist hinein, bei der Nacht schenke ich es mir. Gesagt hat mir niemand etwas, ich mach es, wie es mir gutdünkt, bis mir etwas anderes gesagt wird. Hätte ich meine Leute neben mir, so wäre es ganz bequem, so aber wohnen diese auf einer ganz anderen Seite und ich mus ihnen immer eine Stunde bestimmen, was bei einem so kleinen Kinde so schwer ist.
Sein Zimmer ist gerade neben dem der Erzherzogin, dann kommt ein langes Zimmer. Aus diesem habe ich mittels zweier spanischer Wände ein Schlafzimmer, Salon und Antichambre für mich gemacht. Meist besucht der Kaiser und die Kaiserin das Kind zweimal des Tages. Dann kommt die Königin, der Erzherzog und alle anderen Hoheiten. Ich bin nie vor einem Überfall sicher.
Sein Kopf macht mir die größten Besorgnisse. Die Ärzte, vier an der Zahlen, sagen, es habe nichts zu sagen, ich bin noch nie -, Da wurde ich wieder gestört und weiß nun nicht mehr, was ich sagen wollte.
Alle Viertelstunden, Tag und Nacht werden Umschläge auf das arme Köpfchen gemacht, ob es da zu tun und nachzuschauen gibt, könnt Ihr Euch denken.“ (2)

Die Erziehung war sehr streng. Erzherzog Franz hatte wenig Chance sich zu entwickeln, wurde eher ge- und vorgeführt.

27. August 1830
„Meine gute Schwestern!
Meine Tage sind mit Geschäften ausgefüllt und gar oft bis zur Ermattung überhäuft. Das Hauptgeschäft, die Pflege des Kindes, ist mir durch einen unseligen Krieg, der zwischen Doktoren, Accoucheurs, Hebammen und Kindsweibern existiert, sehr erschwert, besonders da ich sehe, daß es bei der Art, wie es behandelt wird, nicht recht gedeiht. Aber man muß Geduld haben. Nun, nachdem die neun Tage herum sind, ist nachts sein Arzt [nicht] mehr bei uns, seitdem schlafe nur ich bei dem Kleinen im Zimmer, früher war ich in dem Zimmer daneben; weil [als] der Doktor da war von abends bis früh, habe ich nicht darin schlafen wollen. Der Kleine selbst stört mich wenig, aber die steten hohen Besuche!
Das ist zum sechstenmal, daß ich an diesen Zeilen anfange und Ihr müßt Euch nicht wundern, wenn kein Zusammenhang ist. Morgens um 1/2 7 Uhr kommt der Erzherzog schon, da stehe ich oft im Hemde hinter der Spanischen Wand und rufe ihm zu, wie die Nacht war. Wenn ich dann mit unendlicher Mühe und Unterbrechungen in irgend einer Ecke eine anständige Morgentoilette gemacht habe, dann kommt Er wieder und nach und nach vier Doktors. Da wird das Kind gebadet, sein armer blessierter Kopf verbunden. Vor oder nach 9 Uhr kommt die gute Kaiserin und der Kaiser, später die Königin und die Prinzeß Marie. Diese gehen nun ab und zu. Dann wird der Kleine zur Erzherzogin getragen und seine Zimmer, es sind nur zwei, gelüftet. Da bin ich nun oft bis 1/2 1 Uhr drinnen bei der Frau Erzherzogin, manchesmal allein, oder mit ihren Damen, oder wieder mit [den] Hoheiten, die sie besuchen, nachher lasse ich mir die Haare machen, dann bin ich eine Stunde allein bei dem Kleinen, dann esse ich. Um 3 Uhr komme ich wieder herunter. Gegen 4 Uhr kommen die Herrschaften abwechselnd. Gegen Abend kommt der gute Kaiser. Meist noch einmal zwischen 6 und 7 Uhr kommen wieder die Doktors. Da wird wieder verbunden und Toilette gemacht und dann gehen wir zum letztenmal zur Erzherzogin zum Trinken. Dies führt uns nun, bis wird ganz in Ruhe und Ordnung sind, bis 8, 1/2 9 Uhr. Da lege ich mich dann auch gar herzlich gerne schlafen, aber gegen 9, 1/2 10 kommen immer noch Besuche.
Neulich glaubte ich, es käme niemand mehr und gab meiner Trägheit nach. Kaum lag en chemise, denn esist in unserem Zimmer eine Hitze zum Verschmachten, den Haarzopf hintergeschlagen in dem Bette, da kam die Kaiserin, Königin und Prinzeß Marie in das -Zimmer! 30 Tassen hollundertee hätten die Wirkung nicht hervorbringen können, welche dieser hohe Besuch veranlaßte. Prinzeß Marie, welche sich vermutlich dachte, in welcher Pein ich sein müsse, rückte das Paravent so nahe vor mich als möglich, indem Sie sagte: „Ich will barmherzig sein.“
Die Königin sagte: „Machen Sie sich gar nichts daraus“ und fragte, ob ich ohne Haube schliefe. Die Kaiserin klopfte an die Wand und sagte: „Ich sehe gar nichts.“ Sie hatte heute den Kleinen auf den Arm. Als ich Sie fragte, ob Sie nicht müde sei, sagte Sie mir, „ein Kind macht mich selten müde, j’ai la passion de enfants und das von meiner frühestens Jugend an. Ich konnte mir nie ein größeres Glück denken, als Kinder zu haben und darum hatte ich nie welche, car ce qu’on désire trop, le bon Dieu ne nour l’accorde pas.“
Es ist mir immer eine wahre Freude, wenn Sie ins Zimmer kommt, diese Güte, Herzlichkeit und Lebhaftigkeit ist einzig.

(3)

Anmerkungen Petra:

Wörter in [] hinzugefügt, da sie fehlten
Accoucheurs: Geburtshelfer
j’ai la passion de enfants: ich habe eine Leidenschaft für Kinder
car ce qu’on désire trop, le bon Dieu ne nour l’accorde pas: Denn was man zu sehr begehrt, das gewährt einem der liebe Gott nicht.

Übersetzungen aus dem Französischem: Petra

Doch nicht nur, dass Franzi vorgeführt und an ihm herumgedoktert wurde, so durfte er keinerlei Kontakt zu Kindern haben.

Dazu wieder Baronin Sturmfeder:

Auf dem Spaziergang begegneten wir der Gräfin Tige mit ihren Kindern. Die Kinder umringten sofort den kleinen Erzherzog und nahmen ihn bei den Händen und führten ihn. Ich hatte keine Ahnung, daß dies nicht ganz konvenabel sei… Plötzlich aber begegneten wir dem Herrn Erzherzog und der Frau Erzherzogin und an dem Tone, mit welchem mich die Frau Erzherzogin frug: Mit wem geht denn da der Kleine?, erkannte ich sofort, daß ich einen Verstoß gegen die Etikette begangen habe…“(4)

Foto: Schloss Schönbrunn
Franz (Joseph) als 3jähriger im weißen Hemd mit Bärenfellmütze, Tornister, Gewehr und Spielzeugsoldaten vor dem Schreibtisch seines Großvaters Kaisers Franz II/I

Franzi wurde abgeschottet und durfte mit anderen Kindern nicht spielen.

Er wurde deshalb intern

„Gottheiterl“

genannt, was leider später Franz Joseph große Probleme bereiten sollte.

Sowohl Sophie als auch die Aja führten penibel Tagebuch über jeden Fortschritt, weshalb die Kindheit von Kaiser Franz Joseph sehr genau detailiert ist.

Auch nach Franz Joseph hatte Sophie wieder eine Fehlgeburt, weshalb sie sich noch mehr an Franzi klammerte.

Sogar offizielle Besuche vergaß sie oder hatte kaum ein Ohr für diese. Sie spielte mit Franzi und vergaß dabei alles um sich herum.

Desto unverständlicher ihr späteres Vorgehen bei Kaiserin Elisabeth, als sie versuchte diese von ihren Kindern fernzuhalten.

Franzi selbst wurde herumgereicht und -gezeigt, so dass der Aja Sturmfeder oft Angst und Bang wurde. Dazu notierte sie in ihr Tagebuch:

„Ich finde, daß mein kleiner Erzherzog anfängt schlimm zu werden. Was soll ich dagegen machen, bei einem Kinde von fünf Monaten?“ (5)

Danach wurde der kleine Bub wieder isoliert, damit dem von

„Gottes Gnaden geborenen Kind“

niemand zu Nahe kam.

Franzi galt anfänglich als jähzornig und Sophie wusste sich kaum zu helfen. Sie notierte:

„Ich hatte gerade eine Szene mit Franzi, der – in einem Anfall von Zorn – mir einen Schlag versetzte, den ich ihm zurückgab… indem ich ihm auf die Hand klopfte. Dem folgten Schreie, Weinen und Schluchzen und es dauerte lange, bis er sich entschloss, mir die Hand zu küssen und um Verzeihung zu bitten; jetzt speist er – aber das Gewitter pocht ständig im Stillen; er ist manchmal sehr heftig der kleine Herr, und man wagt nicht, ihm das durchgehen zu lassen.“ (6)

Oft sah der Kleine, eingesperrt in seinem Zimmer, den Offizieren vor seinem Fenster beim Exerzieren zu.

Im Alter von knapp 2 Jahren konnte er die Uniformen der Regimenter auseinanderkennen.

Mit 3 Jahren kannte er alle Abzeichen und Farben der Regimenter. Das Militär sollte Zeit seines Lebens seine Passion bleiben.

Im Alter von 4 Jahren musste Erzherzog Franz am ersten Familiendinner teilnehmen und durfte zwischen dem Kaiser und der Kaiserin, also seinen Großeltern, sitzen.
Seine Mutter gab ihm Instruktionen was er während des Dinners essen durfte und zu sprechen habe. Sobald der Kaiser zu Essen aufhörte, musste auch der kleine Bub Messer und Gabel zur Seite legen.

Mit 5 Jahren lernte er Lesen und Schreiben, denn laut Sophie war Franz Joseph etwas Besonderes.

1835 bekam er zu Weihnachten eine Kürassieruniform. Weiters spielte er mit Zinnsoldaten und anderem militärischen Spielzeug. Als Geschenke zu diversen Anlässen bekam er Uniformen, mehrere Miniaturwiedergaben der Burgwache und eine Waffe.

Als Franz Joseph 5 Jahre alt war, starb sein Großvater Kaiser Franz II/I (*12.2.1765, † 2.3.1835).

Kaiser Ferdinand I. (der Gütige) erbte den Thron. Kaiser Ferdinand I, Onkel von Franzi galt als Schwachsinnig und hatte sehr häufig epileptische Anfälle.

Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein (*15.5.1773 in Koblenz, † 11.6.1859 in Wien) sollte von nun an den kleinen Franzi prägen.

Als man von Schloss Schönbrunn zurück in die Wiener Hofburg zog, wurde Louise schlagartig bewusst, dass sie hier nicht so große Räume zu erwarten hatte, wie im Sommerschloss.

Gerade die Geruchs- oder Lärmbelästigung wurde für die arme Frau ein enormes Problem.

Geht man heute durch Schloss Schönbrunn oder die Wiener Hofburg, sehen wir natürlich nur die Prunkräume und kommen aus dem Staunen nicht heraus.

Die Dienstbotenzimmer sind leider immer noch nicht zugänglich und werden nur in Sonderschauen geöffnet.

Ich durfte einmal „Hinter die Kulissen“ von Schloss Schönbrunn schauen und bin wahrlich erschrocken über Räume wo man die Dienstboten geradezu hineinpferchte. Wer jemals schon in alten Hotels die Diensträume des (heutigen) Personals gesehen hat, wird wissen was ich meine.

Stockbetten, kaum Raum für sich, da 5-10 Damen oder Herren schliefen in einem Raum. Wer Glück hatte und schön untergebracht war, hatte sogar einen eigenen Kasten zur Verfügung. Der Rest, wie natürlich Tisch, Stühle und Badezimmer, was aus einer Waschkanne und Lavour bestanden hatte, wurde geteilt. Oft musste ein Lavour Wasser für mehrere Menschen reichen. Die hygienischen Bedingungen waren auch im 19. Jahrhundert nicht die Besten.

Zur Zeit von Marie Antoinette waren Läuse an der Tagesordnung, weshalb man überall Nadeln zur Hand trug. Diese dienten zum Kratzen unter den Perücken, da das Haupthaar, nur 1x im Jahr gewaschen wurde.

In Versailles wurde literweise Parfum oder Duftwasser verteilt, damit der Gestank der Adeligen nicht zur riechen war. Nicht nur das Volk hatte sich damals nicht gewaschen, sondern auch die Adeligen.

Die Hollywood Filme, von der „badenden Marie Antoinette“ oder „Madame Pompadour mit weißen Zähnen, im Bad stehend, die sich von ihren Zofen waschen lässt, da sie den König erwartet“, ist also wieder einmal reinste Erfindung. Aber ich schweife ins falsche Jahrhundert ab.

Dennoch waren auch die hygienischen Bedingungen im 19. Jahrhundert noch nicht allzu fortgeschritten. Fließendes Wasser gab es erst gegen Ende es Jahrhunderts und nur von Kaiserin Elisabeth kannte man es am Wiener Hof, dass sie sich täglich wusch oder badete und das wurde mit schrägen Augen beäugt.

Louise von Sturmfeder gibt uns wieder das vollständige Bild der Einrichtung „hinter den Kulissen“ der Wiener Hofburg.

„20.10.1830
Unser Quartier liegt in der Mitte zwischen dem des Kaisers und der Kaiserin und dem des Erzherzogs und der Erzherzogin. Von dieser Seite trennt uns ein großer Saal, dann kommt ein kleines Zimmer mit einem Fenster, worin ein Kanapee und einige rote Stühle und braune Tische stehen, dann kommt ein recht hübscher großer blauer Salon oder Zimmer it zwei Fenstern. Die Möbel sind braun, mit recht hübschem blauem Kattun und bestehen aus einer Chaiselongue, einem Mitteltisch, dem Bett des Kleinen (ein Korb, gerade wie Deinem Fritzl seiner), meinem Bette, einem porzellanenen Ofen, dem Bette der Kindsfrau und zwei Kommoden, dann kommt wieder ein Zimmer (worin ein kleiner Herd ist), in welchem die Amme und das Kammerweib und Extraweib hausen, dann noch ein Zimmer, worin das Kindsmädchen schläft, in welchem die Leute essen, sich anziehen und sich retirieren, wenn zu viele Herrschaften bei dem Kleinen sind. Zwischen meinem Bette und dem Ofen ist eine Tapetentür, welche immer auf ist, durch welche man in ein gelbes Zimmer, welches zur Hälfte frei ist, kommt. Die andere Hälfte ist wieder durch eine spanische Wand und einen viereckigen Glasverschlag abgeteilt. Hinter der spanischen Wand steht ein Waschtisch und noch ein Möbel und in dem viereckigen Glaskasten steht ein Kanapee, mein Schreibtisch, ein viereckiger, eine Toilette, ein Sessel und zwei Stühle. Die Aussicht gegen das große Tor, welches nach Schönbrunn führt, rechts der Volksgarten. (7)

Anmerkungen Petra:
Da dieser Text für so manchen vielleicht schwer zu verstehen ist, erkläre ich einige Dinge. Da sich das hier angehäuft hätte, hätte ich bei jedem Wort „Anmerkung Petra“ hinzugeschrieben, wäre es unübersichtlich geworden. Deshalb hier die Liste:

– Unser Quartier = Baronin Sturmfeder und Erzherzog Franzi wohnten zusammen

– Kaiser und Kaiserin: gemeint waren Kaiser Franz II/I (Großvater von Franz, Vater von Erzherzog Franz Karl) und Kaiserin Karolina Augusta, dessen 4. Ehefrau

– Kanapee: 2sitziges Sofa; heute würden wir Couch sagen

– Kattun: dichtes Baumwollgewebe

– retirieren: veralterter Ausdruck für „sich zurückziehen“. Oft in Verwendung beim Toilettengang. Hier wird es tatsächlich als Rückzugsort für das Personal verwendet. Ein Gemeinschaftsraum sozusagen

– spanische Wand: Paravent (gibt es heute wieder)

Foto: Hofmobiliendepot.at
Erzherzog Ferdinand Maximilian „Max“ als Kind

Am 6.7.1832 kam Erzherzog Ferdinand Maximilian, genannt Max(i), zur Welt und Aja Louise hatte alle Hände voll zu tun. Erklärtes Lieblingskind von Louise blieb aber Franzi.

Bei Sophie sah die Welt durch Max plötzlich anders aus. Max wurde ihr Lieblingskind, was sich auch bei dessen Erziehung niederschlug.

Franz Joseph wurde weiterhin dressiert und vorgeführt.

Max hingegen hatte die große Freiheit sich selbst zu entfalten und durfte Streiche spielen.

Der Graben zwischen den Brüdern hätte nicht tiefer sein können und wurde auch im Erwachsenenalter nicht behoben. Im Gegenteil. Der einzige der nicht bettelte, als Max nach Mexiko ging, war Kaiser Franz Joseph. Als dieser erschossen wurde, war es ebenfalls Franz Joseph, der kaum eine Trauer verspürte, sehr zum Kummer seiner Mutter.

Am 1. Todestag kondulierte der gesamte Wiener Hof der noch immer tief vom Tod getroffenen und gezeichneten Sophie. Nur Kaiser Franz Joseph vergaß das Datum. Tief gekränkt notierte Sophie diese Schmach in ihrem Tagebuch.

Die beiden hatten sich als Kinder kaum etwas zu sagen und als Erwachsene noch viel weniger.

Die Eifersucht saß auch deshalb tief, da Max beim Wiener Volk sehr beliebt war. Er galt als besonders hübsch, eloquent, red- und leutselig, volksnah, repräsentativ und fähig ein Land zu regieren.
Alles Eigenschaften, die man, vor allem dem jungen Kaiser (bis auf das Aussehen) nicht nachsagte.

Während Maxi seine Freiheit genoss, hatte Franzi Drill zu erwarten. Und dieser setzte sehr früh ein. Schon als kleiner Bub wurde er in die Militäruniform gezwängt, mit 13 bekam er ein eigenes Regiment zum Geburtstag geschenkt. Mit diesem wurde er zum „Oberstinhaber des Dragonerregiments Nr. 5“

18. August 1843 – Ischl

„Dies war mein 13ter Geburtstag. Eine Überraschung war mir vorbereitet. Als aber die Thüre zum Zimmer, in welchem meine Geschenke lagen, geöffnet wurde und Mama und Papa mich hinein führten und ich die Dragoneruniform auf dem Tisch liegen sah, war meiner erster Gedanke die Uniform sey nur ein Spielzeug, doch gleich errieth ich mit der größten Freude, daß es Wirklichkeit sey. Es freute mich besonders daß ich ein Cavallerieregiment bekommen hatte und unter der Cavallerie ein Dragonerregiment, da mir die deutsche Cavallerieoffizier Uniform immer besonders gefallen hatte. Doch hätte ich die edle Uniform eines Cuirassierobersten vorgezogen.“ (8)

Am 30.7.1833 († 19.5.1896) kam Erzherzog Carl Ludwig, am 27.10.1835 (†5.2.1840) kam Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia, genannt „Ännchen“ und am 15.5.1842 (†18.1.1919) Erzherzog Ludwig Victor genannt „Luzi-Wuzi“ zur Welt.

Der große Liebling der Familie „Ännchen“, das gleichzeitig auch das einzige Mädchen unter den Buben war, starb in den Armen ihrer gramgebeugten Mutter.

Karl Ludwig, Maria Anna und Nesthäckchen Luzi-Wuzi wurden ebenfalls von Baronin Sturmfeder übernommen. Karl Ludwig ist „nur noch ein Mitläufer“, was dazu führt, dass er massive schulische Probleme und seine Privatlehrer es besonders schwer mit ihm hatten.

Foto: Albertina.at
Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzogin Maria Anna, Erzherzog Karl Ludwig und angeblich Erzherzogin Sophie
Anmerkung Petra: sieht man sich aber Lithographien oder Bilder von Baronin Sturmfeder an, sieht die erwachsende Person wie die Aja und nicht wie Sophie aus.
Aquarell: Peter Fendi
„Andachtsübung“

1836 wurde ein einschneidendes Jahr für Franz Joseph. Er musste sich auf Geheiß von Fürst Metternich und seiner Mutter Sophie von seiner geliebten Aja trennen. Dieser Prozess hinterließ tiefe Narben in dem kleinen Kinderherz.

Sein Erzieher wurde Heinrich Franz Graf von Bombelles (*26.6.1789 in Versailles, † 31.3.1850 in Savenstein). Ihm zur Seite gestellt wurde Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg (*16.11.1794 in Görz, † 26.7.1880 in Görz).

Bombelles und Coronini lagen ab diesem Zeitpunkt oft im Streit. Der Schwerpunkt der Erziehung lag auf Pflichtgefühl, Religiosität, Sprachen, Zeichnen (Franz Joseph war überaus begabt), Musik (mochte er weniger), Leibeserziehung, Offiziersausbildung und Politik.

Foto: Wikimedia/Commons 
Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg
Lithographie: Josef Kriehuber, 1853

Im einzelnen sah das so aus:
Sprachen: Deutsch, Französisch (die damalige Amtssprache), Ungarisch, Tschechisch, Italienisch, Polnisch, Latein und Altgriechisch.

Als Leibeserziehung verstand man: Schwimmen, Reiten, Fechten, Turnen und Tanzen (er galt Zeit seines Lebens als famoser Tänzer und war bei den Damen als Tanzpartner äußerst begehrt).

In Politik wurde Franz Joseph von Metternich persönlich gelehrt.

Foto: Wikimedia/Commons 
Heinrich Franz Graf von Bombelles
Lithographie: Josef Kriehuber, 1851

Er sollte das weltfremde Denken des alten Fürsten übernehmen. Metternich versuchte Franz Joseph politisch zu beeinflussen, prahlte aber mit seinen eigenen Taten so derartig, dass ein Wirken bei dem jungen Erzherzog fehl schlug.

Coronini galt als liberal, steif und unnahbar. Bombelles galt als erzkonservativ und ultrareligiös. Beide Lehrer hassten sich wie die Pest, was sich unweigerlich auf die Buben übertrug. Bombelles wurde dennoch der erklärte Liebling von Carl Ludwig. Ihn beeinflusste er am meisten.

Sophie hatte die Angewohnheit bei den Unterrichtsstunden anwesend zu sein und notierte penibel jede Note und jedes Vergehen der Kinder.

Der Tag von Franz fing um 7.00 Uhr morgens an und dauerte bis um 20.00 Uhr abends.
Der Unterricht fand in 30 Minuten, 60 Minuten oder 90 Minuten Einheiten statt.
Zu Mittag wurde ein 2stündiger Spaziergang eingeplant, sowie 1 Stunde Mittagessen und 1 Stunde Ruhezeit.
Die Leibeserziehung fand vor dem Abendessen – um 19.00 Uhr – statt.

Foto: Österreichische Nationalbibliothek
Erzherzog Franz Joseph, 1838

Im Sommer wurden die Stunden im Freien angepasst, je Älter die Buben wurden, desto mehr Lehrpensum musste erfüllt werden. Das da nicht viel Raum für freie Entfaltung blieb, wird jedem klar sein. Franz Joseph wurde gedrillt.

Sein Umgang mit dieser Erziehung zeigte in späteren Jahren seine Wirkung. Er tat sich mit dem Small Talk schwer, konnte keine Unterhaltung führen und hatte Zeit seines Lebens große Probleme Gefühle oder zwischenmenschliche Emotionen zu zeigen.

Er zeigte in allem ständig Contenance und ließ keinerlei Regung zu. Empathie für Menschen oder Situationen einzuschätzen fiel ihm Zeit seines Lebens schwer.

Bereits mit 7 Jahren hatte er 32 Wochenstunden zu absolvieren.

Mit 16 Jahren fing sein Tag um 6.00 Uhr morgens an und hörte um 21.00 Uhr abends auf.

Der junge Erzherzog war ein gelehriger Schüler, der sich kaum Kritik zu äußern traute.

Er notierte 1843 in sein Tagebuch:

Die statistischen Lectionen des Herrn Fränzel unterhalten und intereßieren mich, die griechischen von Abbé Kis finde ich langweilig und unintereßant, mir thut es auch leid, diese Sprache lernen zu müssen, da man meistens sagt, es sey unnötig.“ (9)

Am 3.9.1843 kam es zu einer folgenschweren Begegnung. Der 13jährige Franz Joseph und die 5jährige Herzogin Elisabeth nahmen kaum Notiz voneinander und doch gingen sie 10 Jahre später in die Geschichte ein – und tun es heute noch.

Foto: Wikimedia/Commons
Elise, Gackel und Bummerl
also Herzogin Elisabeth, Herzog Carl Theodor und Hund Bummerl

„3. September – Sonntag“

Wir frühstückten mit der Tante Louise, der Helene, der Elise und dem sehr netten aber fast verzogenen Kakl. Um 10 Uhr gingen wir in die dumpfe Kapelle, um die Messe zu hören, wo mir übel wurde, so, daß man mich aus der Kapelle zu einem offenen Fenster tragen mußte, wo mir wieder gut wurde; darauf legte ich mich auf das Bett. Um 12 Uhr fischte ich und Grf. Bombelles mit dem Herzog Max, wobey wir 20 Birschlinge und Weißfische fingen.“ (10)

Anmerkungen Petra:
Elisabeth wurde bis zu ihrem 14ten Lebensjahr „Elise“ genannt, dann erst wurde sie von Ludovika in Sisi umbenannt.
Franz Joseph hatte als Kind Rechtschreibprobleme. Kakl = Gackel und somit Carl Theodor; der Lieblingsbruder von Elisabeth

Franz Joseph klagte des Öfteren auf Grund des hohen und strengen Tagespensums unter Kopfschmerzen, Übelkeit und zeitweilig unter Erbrechen. All das wurde ignoriert und der junge Erzherzog und seine Brüder wurden weiter diszipliniert.

Im letzten Ausbildungsjahr 1847/48 bekam Franz Joseph noch eine juristische Ausbildung.

Metternich wählte dafür einen extrem konservativen erzkatholischen Juristen aus, den Sophie aber ablehnte. Statt dessen übernahm Johann Baptist Freiherr von Pilgram (*24.6.1780, †30.5.1861) diese Aufgabe. Politik allerdings wurde weiterhin von Metternich persönlich instruiert.

Foto: Schloss Schönbrunn
Erzherzog Franz Joseph I. Lithografie,

Als letzten Schliff vor der Entlassung ins „Leben“ beging Franz Joseph in Begleitung seiner Brüder und Erzieher mehrere Bildungsreisen innerhalb und außerhalb der Monarchie.

Auch hier wurde ein straffer Zeit- und Reiseplan eingehalten. Man passierte viele Orte, Städte und traf allerhand Bürger und das gemeine Volk.

Auf einer dieser Bildungsreisen traf Franz Joseph Feldmarschall Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky (*2.11.1766, 5.1.1858). Auch nach Mariazell führte ihn sein Weg. Franz Joseph war nun also bereit seinen späteren „Beruf“ auszuüben.

Foto: Wikimedia/Commons
Graf Radetzky

Als er 1848 von der letzten Reise heim kam, fand ein einschneidendes Erlebnis statt.

Die Bürger Wiens hatten das strenge Regime von Metternich satt. Die Arbeiter vegetierten unter schrecklichen Bedingungen vor sich hin, es herrschte Not in allem.

Die Bauern hatten immer noch mit der Grundherrschaft zu kämpfen und mussten fast alles an diese abgeben.

Zu dem wurden die Bürger bespitzelt, die Handwerker fürchteten einen Abstieg ins Proletariat, weil die Industrialisierung einsetzte. Die Lebensmittel wurden verteuert, was bereits 1847 zu Hungerrevolten führte. Immer mehr befürchtete man eine 2te Revolution, wie sie in Paris 1830 stattfand.

Im März 1848 kam es dann tatsächlich zu einem ersten Handgemenge und zu den ersten Todesopfern, da Erzherzog Albrecht in die Menge schießen ließ.

Metternich floh mit seiner Frau aus Wien nach Feldsberg und suchte fieberhaft nach einem Exil.

Kaiser Ferdinand samt Familie und Erzherzogin Sophie samt Familie flohen nach Innsbruck.

Im August kam die Familie von Innsbruck zurück und hoffte auf Beendigung der aufständigen Wiener und Ungarn.

Im April kam Sophie samt Familie kurz zurück, da sie Ostern im Prater verbringen wollte und ließ dort Ostereier verstecken. Die herrschende Ruhe war allerdings trügerisch.

Schon im Mai kam es zu den nächsten Unruhen und Sophie ließ ihre Diamanten einpacken und begann wichtige Dokumente zu verbrennen. Sie floh erneut und nahm mit schwerem Herzen Abschied von Wien.

Foto: Wikimedia/Commons
Hans Kudlich
Foto: Wikimedia/Commons
Franz Philip Graf Lamberg

Am 24.7.1848 wurde von Hans Kudlich (*25.10.1823, 10.11.1917) der Antrag auf Aufhebung der bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses gestellt. Es folgten lange und zähe Verhandlungen, denen jedoch stattgegeben wurde und am 7.9.1848 in Kraft traten.

Obwohl in Europa mittlerweile eine Konterrevolution erstarkte, galt Wien und Ungarn weiterhin als aufständisch. Am 28.9.1848 wurde Franz Philipp Graf Lamberg (*30.11.1791, 28.9.1848) in Pest ermordet.

Kriegsminister Latour befehligte deshalb den Abmarsch der Truppen nach Ungarn.

Foto: Lessing Archive
Theodor Graf Baillet de Latour
Bild: Johann Christian Schoeller
Anmerkung Petra: ganz korrekt ist das Bild nicht; da Latour „nackt“ gelyncht wurde

Am 6.10.1848 wurde Theodor Graf Baillet de Latour (*15.6.1780, 6.10.1848) aus dem Zeughaus gezerrt, ausgezogen und auf der Laterne „Am Hof“ gelyncht und öffentlich zur Schau gestellt.

Auf Grund der Nähe zur Hofburg und des Mordes an einem Adeligen floh Kaiser Ferdinand I. und seine gesamte Familie erneut. Diesmal führte der Weg nach Olmütz.

Schon seit 1847 haben Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl auf eine Abdankung Kaiser Ferdinands I. hingearbeitet.

Angeblich gab es eine Vereinbarung, die besagte, dass Franz Joseph I. an seinem 18. Geburtstag 1848 den Thron übernehmen sollte.

Foto: billerantik
Kaiser Franz Joseph, 1848

Am 6.10.1848 wurde der Machtwechsel in einem größeren Kreis diskutiert; mit dabei viele regierende Minister die später eine prägende Rolle für Kaiser Franz Joseph I. einnehmen sollten.

Franz Joseph selbst resigierte auf den Machtwechsel mit Übelkeit und musste sich mehrmals übergeben.

Obwohl in der Rangfolge sein Vater auf Kaiser Ferdinand I. folgen sollte, wirkte Sophie solange auf ihren Mann ein, bis dieser nachgab und den Weg für seinen Sohn freimachte.

Am 2.12.1848 war es soweit. Kaiser Franz Joseph I folgte auf den Thron. Zuvor musste Kaiser Ferdinand I. seine Abdankung vorlesen, was er mit leiser zögerlicher Stimme tat.

Kaiser Ferdinand I. notierte in sein Tagebuch:

„Die Funktion endete damit, daß der neue Kaiser von seinem alten Kaiser und Herrn, nämlich vor mir kniend um den Segen bat, welchen ich auch unter Auflegung der Hände auf seinen Kopf und Bezeichnung mit dem heiligen Kreuz gab, ich ihn dann umarmte und er mir die Hand küsste. Und auch meine liebe Frau umarmte und küßte unseren neuen Herrn, dann entfernten wir uns in unsere Zimmer…“ (11)

Foto: Wikimedia/Commons
Krönung von Kaiser Franz Joseph in Olmütz

Die Zeremonie fand heimlich im engsten Vertrautenkreis in Olmütz statt.

Wie schon sein Leben zuvor, bestimmte auch Sophie den Namen des Kaisers. Er sollte einzigartig sein. Und so wurde er der einzige Kaiser im gesamten Habsburg-Reich mit einem Doppelnamen.

Franz Joseph I.

Der gesamte Titel lautete:

Franz Joseph der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Hungarn und Böhmen, König der Lombardei und Venedigs, von Dalmatien, Croatien, Slawonien, Galizien, Lodomerien und Illirien; König von Jerusalem etc., Erzherzog von Österreich; Großherzog von Toskana und Krakau; Herzog von Lothringen, von Salzburg, Steyer, Kärnten, Krain und der Bukowina; Großfürst von Siebenbürgen, Markgraf von Mähren; Herzog von Ober- und Niederschlesien, von Modena, Parma, Piacenza und Guastalla, von Auschwitz und Zator, von Teschen, Friaul, Ragusa und Zara; Gefürsteter Graf von Habsburg von Tirol, von Kyburg, Görz und Gradiska; Fürst von Trient und Brixen; Markgraf von Ober- und Nieder-Lausitz und in Istrien; Graf von Hohenembs, Feldkirch, Bregenz, Sonnenberg etc.; Herr von Triest, von Cattaro und auf der Windischen Mark. (12)

Foto: Dorotheum  Wien
Kaiser Franz Joseph
Gemälde nach Eduard Klieber, 1851

Petra Schimbäck


Rechtliche Hinweise:
Text + Recherche: Petra Schimbäck
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildrechte: Schloss Schönbrunn BetriebsgmbH, Österreichische Nationalbibliothek, Heeresgeschichtliche Museum Wien, billerantik, Dorotheum Wien, Albertina, Lessing Archive, Hofmobiliendepot


Literarische Hinweise:

1 – S.31, 2 – S.32, 3 – S.34, 7 – S.35
Die Kindheit Unseres Kaisers
Briefe der Baronin Louise von Sturmfeder
Aja Seiner Majestät Aus den Jahren 1830 – 1840
Bearbeitet von Anton Weimar
Gerlach & Wiedling Verlag, Wien, 1910 (nur noch antiquarisch erhältlich)

8 – S.16, 9 – S.60, 10 – S. 34
Anna Maria Sigmund
Die verschollenen Tagebücher Franz Josephs
Böhlau Wien Verlag, 1999, 1.Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

Gudula Walterskirchen
Der Franzi war eim wenig unartig
Hofdamen der Habsburger erzählen
Residenz Verlag, 1. Auflage 2013 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Auflage

12 – S. 75
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn
C.H.Beck Verlag, 1. Auflage


Verlobung im Kaiserhaus

Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern

Elisabeth Herzogin in Bayern als Verlobte
dahinter der Starnbergersee
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht?

Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen.

Leider gibt es tatsächlich bis heute (!) Menschen, die diese Szene glauben und auch mich immer wieder fragen, „wo denn dieser Angelplatz in Ischl sei“.

Gerade die Kennenlernszene und alles weitere bis zur Verlobung, ist nichts weiter, als der reine Kitsch und eine hübsche Mär, um den von krisengebeutelten 1950er Jahren ein bisschen Idylle einzuhauchen.

Denn leider sind die Filme bis heute zu viel in den Köpfen der – vor allem Frauenwelt – verankert, die diese glauben und für die volle Realität halten.

Hier also die reale und wahre Geschichte wie Herzogin Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph gewann:

Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag Seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene Herzogin in Bayern

Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene „Néné“ Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890).

Kürzlich hat ein Ludovika Biograph gemeint herausgefunden zu haben, dass die Geschichte mit Néné gar nicht stimme.

Es soll immer schon Elisabeth gewesen sein, die für Franz Joseph bestimmt gewesen sei und alle Historiker würden sich irren.

Schon Egon C. Conte Corti (+2.4.1866, 17.9.1953) hatte 1934 die Geschichte in seiner sehr gut recherchierten Biographie „Elisabeth, eine seltsame Frau“, welche damals noch mit lebenden Augenzeugen gespickt war, aufgegriffen und erzählt.

Er bekam als Einziger Einsicht in mitterweile längst verschwundene, verbrannte oder absichtlich zerstörte Unterlagen und so stützen sich Historiker aus aller Welt bis heute auf seine Bücher.

Vor Conte Cortis Biographie gab es kleinere Bücher oder Erinnerungsblätter welche im Auftrag von Kaiser Franz Joseph direkt nach dem Tode seiner geliebten „Engels-Sisi“ nur intern für seine Familie und als Erinnerung für die Offiziere veröffentlicht wurden.

Tief vergraben in so mancher Bibliothek kann man sie finden und ich habe sie gefunden. Auch hierin ist zu lesen, dass nicht Elisabeth die erste Wahl war, sondern Néné Kaiserin werden sollte.

Foto: Wikimedia/Commons
Sidonie Prinzessin von Sachsen

Doch dem Kaiser gefiel sie nicht, wie zuvor schon die arme Sidonie von Sachsen (*16.8.1834, 1.3.1862), die als Jungfrau sterben musste, weil sie Franz Joseph nicht schön genug war.

Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers. 

Natürlich war Helene in Bayern nicht die schönste Tochter von Ludovika, dies kann auf den Bildern von ihr sogar heute noch gesehen werden.

In vielen Biografien ist sogar zu lesen, dass sie wie eine Bauernmagd ausgesehen hat, sie geschielt habe und generell grobschlächtig war.

Sophie suchte also fieberhaft in ihren eigenen Reihen eine geeignete Braut und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war.

„Die Mutter hat ihn ganz in der Hand, er wird ihr völlig gehorchen. Wer weiß, wie lange noch. Jetzt wird er vielleicht ohne Widerspruch die Braut annehmen, die sie, Sophie, für ihn ausgesucht hat. Schon längst hat sie mit ihrer Schwester in München den Plan besprochen, deren älteste Tochter Néné mit ihrem Sohne Franz Joseph zu vermählen. Das Projekt einer Verbindung mit der schönen und klugen Tochter des Palatins Joseph von Ungarn findet nicht ihrer Billigung.“ (1a)

Anmerkung Petra: gemeint war Erzherzogin Elisabeth Franziska

Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth mit.

Elisabeth wurde als Kind ausschließlich von ihren Eltern, Tanten, Geschwistern usw. „Elise“ genannt.

Aus Elise wurde schön langsam aber sicher Sisi.

Laut Michaela Lindinger, der Hermesvilla-Kuratorin stammt Sisi von Erzherzogin Sophie. Sie soll gemeint haben, eine Kaiserin die „Liesl“ gerufen wurde, könne es nicht geben. Sie soll – wenn es nach Frau Lindinger geht – aus Liesl „Sisi“ gemacht haben.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
kaum bekanntes Bild der 15jährigen Elisabeth im Reitkleid – da im Privatbesitz!
Ölbild: Friedrich von von Kaulbach

Dem widerspricht aber ein Brief von Ludovika an ihre Schwester Königin Auguste von Sachsen von 1853:

„Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich als ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre [Prinz Georg, wohl der zweite Sohn des sächsischen Königs Johann], wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen… hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug“. 1b)

Anmerkung Petra: Elisabeth wurde auf Brautschau nach Dresden geschickt, kam aber ohne Bräutigam nach Hause; worauf hin sich Louise schwere Sorgen machte. Es ist aber eindeutig bewiesen, dass 1 Jahr vor der Verlobung ihre eigene Mutter Elisabeth „Sisi“ nannte.

Warum also Erzherzogin Sophie dafür verantwortlich sein soll, dass aus „Liesl“ – was im übrigen nirgendwo in der Korrespondenz, sondern erstmals 1903 in den „Erinnerungsblättern“ auftaucht, Sisi wurde, ist mir wieder einmal ein Rätsel.

Elisabeth jedenfalls sollte abgelenkt werden. Ihre unstandesgemäße Liebe zu Richard Graf von Schwarzenberg, welcher ihr den Kopf gehörig verdrehte, musste unter allen Umständen verboten werden.

Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Elisabeths Umfeld entfernt. Er wurde zum Militär geschickt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später.

Elisabeth war untröstlich.

Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen -
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (1)

Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie.

Zeit ihres Lebens sollte sie ihren Jugendfreund, der nie näher deklariert wurde, vergessen.

Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Elisabeth als 14jährige; das Erste bekannte Foto von ihr
Foto: Alois Löcherer

Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, 19.5.1896) die Wunden heilen könne.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber

Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus.

Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Elisabeth ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab. 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Ludovika Königin von Preußen und Firmpatin Elisabeths

Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Ischl.

Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester.

Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter,

Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura (= in Abwesenheit) Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie).

Sie folgte am 13.8.1853 nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Victor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.

Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an.

Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen.

Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen.

Das Unglück nahm seinen Lauf.

Foto: Wikimedia/Commons
Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum

Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten.

Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht.

Sophie schrieb ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen:

„Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“  (2)

Herzogin Helene wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in

Foto(montage): W. Hain
Souvenir des Verlobungspaares (Der Kaiser wurde größer gemacht).

Sisi.

Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Elisabeth verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest: 

„In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3) 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte
Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853
Elisabeth ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.

Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch:

„Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)

Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern.

Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte

Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah.

Herzogin Elisabeth trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi.

Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern.

Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu:

„Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)

Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Elisabeth bat, wussten alle im Raum Bescheid.

Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.

Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Elisabeth nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde.

Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser

„sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)

Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz:

„Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.

Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Herzogin Elisabeth verlobt hatte. 

Der kleine Ort war außer Rand und Band.

Foto: Wikimedia/Commons
Siriuskogel

Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E.

Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren.

Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Herzogin Elisabeth war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schrieb sie:

„Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)

Ludovika notierte:

„Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)

Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes
Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes

Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ.

Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten.

Elisabeth war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.

Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.

Foto: Wikimedia/Commons
Karl Ludwig Graf von Grünne

Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte.

So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar.

Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.

Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute ein Museum).

Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.

In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen.

So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiservilla

Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen.

Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn.

Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.

Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.

Elisabeth wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet.

Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org

Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben.

Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at

Elisabeth verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete.

Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.

Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch:

„Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.

Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Elisabeth auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt:

„Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10) 

Foto: fuenfseenland.de
Das junge Paar

Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Elisabeths Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen.

Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen.

Das Gerücht, dass Kaiserin Elisabeth schlechte Zähne hatte, hält sich bis heute. Dem ist ebenfalls die Szene aus „Sissi“ geschuldet. Elisabeth hatte mitnichten schlechte Zähne, dies ist auch in ihrem Autopsiebericht bestätigt.

Weiters wurde an Elisabeth herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph

Sie musste stundenlang Modell stehen, ihr war langweilig und sie wurde unruhig. Der teure Schmuck, der aus Wien eintraf, wurde in einer ihrer Schubladen verstaut. In diesem Alter konnte sie mit teurem Schmuck noch nicht viel anfangen.

Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:

Lebet wohl, ihr stillen Räume,
Lebe wohl, du altes Schloß,
Und ihr ersten Liebesträume,
ruht so sanft in Seesschoß.
Lebet wohl, ihr kahlen Bäume,
Und ihr Sträucher, klein und groß,
Treibt ihr wieder frische Keime,
Bin ich weit von diesem Schoß. (12)

Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte 1,5 Tage.

An ihrem 16. Geburtstag, am 24.12.1853, überreichte Elisabeth Kaiser Franz Joseph sein Weihnachtsgeschenk, welches sie vor Possenhofen und Hoch zu Roß zeigen sollte.

Die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer.

60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valérie übergab. Mittlerweile hängt es wieder an jener Stelle, an welcher es 60 Jahre lang hing: über dem ehemaligen Bett von Kaiser Franz Joseph – im Sisi Museum zu sehen.

Foto: dorotheum.com
Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert.
Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel,

Kaiser Franz Joseph schenkte ihr zu ihrem 16. Geburtstag und somit zu Weihnachten ein silbernes Tee-Reiseservice, in welches er ein „E“ mit „Kaiserkrone“ eingravieren ließ, er brachte aus der Menagerie von Schönbrunn einen bunten Papagei mit, über welchen sich seine Verlobte am allermeisten freute und ein Diadem, welches einen Tag vor der Hochzeit für einen kleinen Fauxpas sorgen sollte.

Elisabeths Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen.

Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877):

„Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13)

Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung. 

Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Elisabeths Schmuck und Aussehen.

Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten. 

In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet. 

Doch bevor Elisabeth nach Wien fuhr, gab es natürlich noch einen gebührenden Abschied in München.

Im Depot des Kunsthistorischen Museums Wien befindet sich liegend ein Kleid, welches überaus wertvoll ist. Es kann nicht mehr ausgestellt weden, weshalb eine teure 1:1 Replik angefertig und im Sisi Museum ausgestellt wurde.

Foto: Sisi Museum
„Polterabendkleid“ von Herzogin Elisabeth
Replik

Zu Ehren der Braut wurde am Münchner Hof ein Ball abgehalten. Dieser Ball nannte sich „Winterabend“. Warum das Kleid ausgerechnet bis heute „Polterabend“-Kleid heißt, ist nicht mehr eruierbar.

Denn mit einem „Polterabend“, wie wir ihn heute kennen, hatte der „Winterball“ nichts zu tun.

Das Kleid wird von Martina Winkelhofer im Buch „Sisis Weg“ wie folgt beschrieben:

„Es ist über hundertsechzig Jahre alt und aus weißem Baumwollstoff mit grün-goldenen Einfassungen an Ausschnitt, Ärmeln, Taille und Volant. Über Oberteil und Rock ranken sich zwarte, aus grüner Floss-Seide gestickte Blätter- und Blumenornamente. Inmitten der floralen Ornamente ist ein arabischer Schriftzug eingestickt, der ins Deutsche übersetzt bedeutet: „Oh, mein Herr, welch‘ schöner Traum“.
Der Schnitt des Kleides verrät, dass sein Trägerin von sehr schlanker, zarter Statur war, denn die Taille ist außerordentlich schmal. Auch die Maße des Oberteils und die Ärmelöffnungen verstärken den Eindruck: Das kunstvolle Kleid wurde für ein blutjunges Mädchen geschneidert.“ (14)

Durch den Ausschnitt am Kleid, dass sich „Runde“ nennt, erkennt man, dass dieser für ein Ballkleid für die Wintersaison angefertigt wurde. Kaiser Franz Joseph weilte im Winter 1853 in München.

Das Kleid besteht aus einem Baumwollstoff, welches am Ausschnitt, Ärmeln. Taille und am Volant grün-goldene Einfassungen enthält.

Über dem Oberteil und Rock ranken zarte gestickte Blätter- und Blumenornamente, welche mit Floss-Seide bestickt wurden. Die Blätter stellen „Rebenblätter“ dar.

Diese wurden von verschiedenen Stickerinnen bestickt. Dies ist deshalb ersichtlich, da eine der Stickerinnen die Rebenblätter doppelt und die andere einfach bestickt hatte.

Dies zeigt, dass das Kleid in windeseile fertig werden musste. Die Näherinnen und die Stickerinnen hatten nur knapp 3 Monate Zeit um das Kleid für die Trägerin anzupassen.

Dies alles kann man am Originalkleid erkennen, welches in einem Depot im Kunsthistorischen Museum aufbewahrt wird. Das Kleid ist mittlerweile in so einem schlechten Zustand, dass es nie wieder öffentlich ausgestellt werden kann.

Am Originalkleid erkennt man auch, dass es für eine sehr zierliche, schlanke Person geschneidert wurde.

Das sogenannte „Polterabendkleid“, der Name ist sehr irreführend, wurde vermutlich an jenem Winterabend der Ballsaison in München am Hofe von König Maximilian II von Bayern von Elisabeth getragen.

Dieser Ball wurde zu Ehren der Kaiser-Braut abgehalten, um sie im großen Stil zu verabschieden.

König Maximilian II war der Onkel von Herzogin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph. Sein Vater König Ludwig I von Bayern war der (Halb)Bruder von Erzherzogin Sophie und Herzogin Ludovika. Einige Historikerinnen gehen aber auch davon aus, dass der Ball im Frühjahr abgehalten wurde.

Dies passt aber mit dem „runden“ Ausschnitt des Kleides nicht zusammen. Der Ausschnitt war ausschließlich für die Wintersaison bestimmt, weshalb es jener Ball sein musste, an welchem auch Kaiser Franz Joseph teilnahm und seine Braut mit seinem Kommen überraschte. Da es keinen Polterabend, wie wir es heute kennen, gab, ist der Name des Kleides äußerst irreführend.

Wieso sich dieser Name in der Historie festgesetzt hat ist leider nicht bekannt.

Besonders hervorzuheben sind die arabischen Schriftzüge welche auf dem Kleid (ebenfalls per Hand) eingestickt wurden.

Diese bedeuten:

„Oh mein Herr, welch‘ schöner Traum.“

Dies deswegen, da eine junge Herzogin aus niedrigem Adelsstand zur Kaiserin gemacht wurde.

Wer den Ton im Video anmacht, hört ein Gedicht von Herzogin Elisabeth, welches sie vor ihrer Abreise nach Wien schrieb.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Es ist daher anzunehmen, dass beide (!) auf diesem Ball zugegen waren und Kaiser Franz Joseph seine Braut am Ball mit diesem Winterballkleid erblickt hat.

Somit verbrachte Kaiser Franz Joseph nicht nur den 16. Geburtstag mit seiner Braut, sondern auch Weihnachten. Er brachte „weiße Rosen“ als Geschenk von Erzherzogin Sophie mit. Es ist nicht ganz überliefert, ob dies ein „Kranz“ oder „Strauß“ war, hier streiten sich die Historiker in beinahe jedem Buch.

Schwierig waren die Rosen auf jedenfall, denn diese mussten extra verpackt werden, da der Winter 1853 besonders kalt war und sehr viel Schnee lag.

„Wien, 20.December 1853
Liebe Eva!(*)
Heute um 2 Uhr vor Tisch besuchte mich Erzherzog Carl um Abschied zu nehmen. Er reist diesen Abend 10 Uhr nach Lemberg auf seinen Posten und bleibt bis zur Vermählung des Kaisers dort. Erzherzog Max ist in Triest und Seine Majestät reisten heute nach München. Die vortreffliche Erzherzogin Sophie ist beinahe verweist, aber schöne Hoffnungen bleiben ihr, zieht erst die Kaiserbraut in Wien ein. Gott erfülle alle Hoffnungen!
Deine Sophie. (15)

Und am 8.Jänner 1854 ist zu lesen:

„Wien, 8.Jenner 1854
Liebe Eva!
Der Kaiser soll sehr heiter und zufieden von seiner beglückenden Reise zurückgekehrt sein und sich wie ich höre vorgenommen haben diesen Carneval nicht zu tanzen, was seinen ritterlichen Gefühlen sehr entspricht.“

Deine Sophie (16)

Doch mit den überreichten Blumen zogen dunkle Wolken über Elisabeth auf. Beigefügt lag ein Brief, in welchem Erzherzogin Sophie auch einen Rosenkranz legte und Elisabeth aufforderte, ab sofort mehr zu beten. Gleichzeit bat sie darum, nicht mehr „Tante Sophie“ und „Du“ zu ihr zu sagen, sondern „Erzherzogin Sophie“ und „kaiserliche Hoheit“.

Kaiser Franz Joseph und seine Brüder waren Zeit ihres Lebens mit ihren Eltern per Sie. Dies war durchaus ein Umstand, der sich durch alle Jahrhunderte zog, also definitiv nicht unüblich war. Das bayrische Königshaus war diesbezüglich bereits „lockerer“ und so durften die Kinder mit ihren Eltern per Du sein. Als Tante und Nichte stand dies also – im Grunde – auch Elisabeth zu. Doch ab sofort, wurde die förmliche Anrede gefordert, das erste Zeichen, dass Elisabeth unter dem strengen Kuratel von Erzherzogin Sophie stand.

Hochzeitseinladung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth
Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte der gesamte Wiener Hof und eine zitternde Elisabeth, welche mit den Nerven völlig am Ende war, stieg im April 1854 auf ein Schiff Richtung Wien.

Den Beitrag zur Hochzeit könnt ihr sowohl unter Kaiserin Elisabeth, als auch unter Kaiser Franz Joseph, in der jeweiligen Kategorie lesen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
„Die Rose aus dem Bayernland“ Herzogin Elisabeth als Verlobte
nicht so gelungene Replik des Originals von Anton Einsle, 1854
Dieses Bild hängt zur Erinnerung an die Anwesenheit der Braut Elisabeth im Landhaus Linz –
kann nicht öffentlich besichtigt werden!

Petra Schimbäck

(*) Wichtige Anmerkung:
In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, †3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, †23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, †7.3.1855) geheiratet.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.

Bis heute zum Beispiel konnte ich keine Daten von Sophie Gräfin von Scharnhorst auffinden. Sie ist auch Thema im Beitrag „Spanisches Hofzeremoniell – Hofetikette“.


Rechtliche Hinweise:

Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Bildrechte: Wikimedia/Commons, dorotheum.com, fuenfseenland.de, anno.onb.ac.at, oocities.org, Peter Füssl, Sisi Museum, W. Hain, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise: 

1a – S 23
E.C.Conte Corti
Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heyne Verlag, 15. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

1 – S 30, 1b – S. 18, 2 – S 31, 3 – 4 – S 32, 5 – S 34, 6 – 7 – S 35, 8 – S 38, 9 – S 37, 11 – S 47, 12 – S 48, 13 – S 52 
Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992

10 – S 153 
Ingrid Haslinger 
Erzherzogin Sophie Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 1. Auflage, 2016 

14 – S.72
Martina Winkelhofer
Sisis Weg
Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeths erste Jahre am Wiener Hof
Piper Verlag, 1. Auflage 2021

15 – S.259/60, 16 – S.260
Hofdamen-Briefe
Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Gesammelt von B.von.S.
Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)


Elisabeth – Das Musical

Als 1955 der Sissi Film mit Romy Schneider über die Kinoleinwand flimmerte, konnte keiner erahnen, was das einmal auslösen würde. Was 1956 und 1957 mit Teil 2 und 3 noch weiter verkitscht wurde, wurde 1992 komplett anders dargestellt. Fans von Kaiserin Elisabeth haben zuerst das Musical gesehen und sich danach erst mit Elisabeth als Person beschäftigt.

Foto: Amazon.de

Das Musical hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Einen Hype, der bis heute ungebremst ist.

Am 3.9.1992 wurde in Wien im Theater an der Wien, unter dem scheidenden Intendanten Peter Weck, das Musical Elisabeth aus der Taufe gehoben. Ein Welterfolg, der anfangs so gar nicht die Kritiker ansprach. Im Gegenteil. Nach der Premiere war der Hohn und Spott hoch.

Aber beginnen wir von vorne:

Peter Weck, Foto: APA (Archiv)

„Mit Michael Kunze hatte ich die Idee für ein neues Musical besprochen, das wir in den Vereinigten Bühnen Wien produzieren wollten. Bei unseren Gesprächen landeten wir plötzlich bei – Michael Kunze brachte diese Idee ein – Kaiserin Elisabeth. Da ich selbst ja beim ersten Teil der Sissi-Filme mitgewirkt hatte, war es mir ein Anliegen, Kaiserin Elisabeth in unserer Version ohne jede Kitschverbrämung, als nicht als lieblich verzuckertes Geschöpf, sondern auf Basis der damals dank Historikerin Brigitte Hamann neu vorliegenden historischen Erkenntnis mit allen ihren Eigenheiten auf die Bühne zu bringen.“ (1)

Peter Weck über die Entstehungszeit von Elisabeth, an der er selbst 2 Jahre beteiligt war.

„Alle tanzen mit dem Tod, doch niemand wie Elisabeth…“ Ihre Zeitgenossen stehen in Lumpen und mit schwarzem Spitzentuch über dem Gesicht auf der Bühne und reden „immer noch von Elisabeth“.
So beginnt das Stück – naja mehr oder weniger. Eigentlich ist zuvor noch ein Prolog mit Lucheni, der von einem unsichtbaren Richter gefragt wird, warum er ausgerechnet Kaiserin Elisabeth umgebracht habe.

Er beantwortet die Frage mit „…weil sie es wollte“.

Man mag glauben, dass dies ein Satz ist, den tatsächlich ihre Zeitgenossen über sie gesagt haben. Aber die Texte und die Musik stammen von niemand geringeren als von Michael Kunze und Sylvester Levay, die zuvor die Schlagergemeinde mit ihren Songtexten und Musiktitel aufzumischen wussten. „Fly Robin fly“ wurde (und ist) ein Welthit.

Michael Kunze, Foto: Alexander Ch. Wulz

(2) Michael Kunze im Interview, wie Elisabeth – das Musical entstand. 7 Jahre sollte die Entstehung dauern; man kann also nicht sagen, dass sich Michael Kunze und Sylvester Levay das Stück leicht gemacht haben.

„Mit dem Blick auf die bevorstehende Milleniumswende wollte ich etwas über den Untergang des Habsburgerreiches schreiben. Ich bin studierter Historiker, und daher interessierten mich die Parallelen von Gegenwart und Vergangenheit. … Auch „Sisi“ wurde zwangsläufig erwähnt. Ich hatte allerdings nicht die geringste Lust, die unglückliche Kaiserin zur Hauptfigur einer Dramatisierung zu machen. Zu abschreckend war die Vorstellung, gegen das Klischee einer Filmfigur der 50er Jahre ankämpfen zu müssen. … Ich las alles über die Zeit vor und nach 1900, was mir in die Hände kam. Darunter waren die Tagebuchblätter des Vorlesers Constantin Christomanos. Darin fesselte mich eine Episode. Christomanos schildert, wie er Elisabeth nach einem Sturm an der Reling ihrer Jacht trifft. Sie weist ihn auf einen Möwenscharm hin, der dem Schiff folgt. Es seien immer dieselben Möwen, behauptet sie. Woran sie das erkenne, fragt der Vorleser. An der schwarzen Möwe in der vorderen Reihe. Die sei ihr vertraut. Als ich das las, wurde mir schlagartig klar, dass Elisabeth sich selbst als schwarze Möwe sah. Als Symbol des Untergangs. Von diesem Moment an wollte ich sie, allen Problemen zum Trotz, zur Hauptfigur des Werkes machen. ….“ (2)

Harry Kupfer, Foto: Lewin-Management.com

Harry Kupfer, der kongeniale Regisseur dieses Erstlingswerks von Peter Wecks „Vereinigte Bühnen Wien“, erinnert sich an die Begegnung und wie alles begann: „Die Oper ist mein eigentliches Spezialgebiet. … Ich hatte in Wien eine Produktion an der Staatsoper, wir hatten nachts gefeiert und auf dem Weg zur U-Bahn traf ich Peter Weck. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt nicht persönlich, doch er sprach mich an. …

Er fragte mich: „Haben Sie nicht mal Lust, ein Musical zu machen?“, und meine Antwort war: „Ja, wenn es ein gutes Stück ist, nicht so etwas, wo Musiknummern zu einer dürftigen Handlung zusammengeschmissen sind, würde ich das machen. Darauf er:

„Ich hab eins, „Elisabeth“. Da ist mir erst einmal der Kamm geschwollen, weil ich natürlich gleich an diese schrecklichen Sissi-Filme mit Romy Schneider dachte. Doch Weck meinte, das sei ganz anders, Michael Kunze und Sylvester Levay seien die Autoren und er würde mir das Libretto gleich morgen ins Hotel schicken. Das hat er dann auch getan, ich habe es gelesen und fand es gar nicht so schlecht….“ (3)

Der Rest ist Weltgeschichte.

Als er die Rolle von Elisabeth schrieb, musste er nach einem roten Faden im Stück suchen. Und so betrachtete Michael Kunze das Bild von Luigi Lucheni, der grinsend in die Kamera sah. Der jemanden getötet hatte, den er weder kannte, noch verstand. Das Opfer sollte jemand ganz anderer (Herzog d’Orléans) werden, als dieses nicht auftauchte, stach er auf die berühmte Frau ein, die weltpolitisch nie in Erscheinung trat.

Ethan Freeman, Foto: Jean-Marie Bottequin

Lucheni wurde der Erzähler eines Lebens. Ihres Lebens. Er verhöhnt ihr Leben und alle die sich rund um sie scharrten. Mit Gemeinheiten – auch in Richtung Publikums – spart er nicht. In „Kitsch“ bekommt das Publikum das zu spüren, was bis heute gilt: Die Sammelleidenschaft und die Begaffung einer Frau, die bis heute ein Geheimnis ist, ebnete zumindest nach 1955 nie wieder ab.

Gerade bei der jungen Kaiserin Elisabeth war das Interesse anfangs riesengroß. Das Volk wollte sein Recht an der jungen schönen Kaiserin haben; als diese floh und sogar ihre Kinder zurückließ, ebnete das Interesse immer mehr ab. Zu ihrem 50sten Geburtstag erschien lediglich ein kleiner Artikel in der Zeitung, dass die Kaiserin Geburtstag habe. Das Volk in der Dynastie Österreich-Ungarn nahm sie überhaupt nicht mehr wahr.

Mit den Sissi-Filmen jedoch begann ein Hype, der auch Elisabeth – das Musical nicht töten konnte. Bis heute stehen Elisabeth Häferl weltweit in Kästen, hängen Bilder an den Wänden und Postkarten stehen an Souvenirständen zum Kauf bereit. Auch Tattoos mit Sisi Schriftzug oder Konterfei sind mir schon begegnet.

Der „Kitsch“ kennt keine Grenzen. Luigi Lucheni hat im Stück recht, wenn er Schokolade in die Menge schmeißt und höhnisch dabei lacht, wenn er sieht, dass die Menge im Publikum gierig danach greift.

Ethan Freemann Foto: angelofmusical

Aber lassen wir Ethan Freeman zu Wort kommen:

„Ich flog zu den Auditions nach Wien. … Ich wurde mit einem musikalischen Leiter weggeschickt, um mit ihm „Kitsch“ zu erlernen, was ich dann noch am selben Tag mit den Noten in der Hand präsentiert habe. Ich kann mich erinnern, dass ich vorm letzten „Kitsch“ so richtig fies gelacht habe, das war wohl infektiös und damit war die Sache wohl entschieden. Ich hatte scheinbar für die Kreativen die richtige Kombination von Kraft, Gewalt-Potential, Aussehen und Stimme…“ (4)

Sylvester Levay verstand es wie kein anderer, das Stück mit seiner Musik zu beseelen. Man meint manchmal sogar, die reale Elisabeth von hören, wenn sie von dem „Kirschbaum“ träumt, auf den sie nicht darf, weil Maman eine Gesellschaft erwarte und ihr Vater die Zither nimmt und aus Possenhofen flüchtet. Die 15jährige Sisi sitzt verlassen am Boden und träumt von „Gedichten schreiben und Reiten mit dem Wind“ und hofft darauf, dass ihr geliebter, von ihr angehimmelter Vater sie mitnimmt.

Uwe Kröger Foto: Alexander Ch. Wulz

Doch Herzog Max hat wie immer kein Einsehen mit seiner Lieblingstochter. Sisi bleibt traurig zurück und muss sich dem strengen Ton ihrer Gouvernante hingeben und sich umziehen gehen…

Michael Kunze tat sicherlich Recht daran, Elisabeth mit dem Tod kokettieren zu lassen. Ihre Todessehnsucht erahnt man schon an ihren frühen Gedichten. Als ihr Schwarm Richard Graf von Schwarzenberg stirbt, schreibt sie Wehklagen in ihr Tagebuch. Hier ist das erste Mal von einer Todessehnsucht zu lesen. Elisabeth war zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt.

Wie sehr sich das verstärkt, sieht man im späteren Verlauf ihres Lebens. Der Tod sollte also ihr Liebhaber sein. Einer der sie versteht, nach dem sie greifen kann, wenn sie ihn braucht, aber ihr niemals zu Nahe kommen darf. Michael Kunze wählte bewusst die Gestalt von Heinrich Heine, um den jungen attraktiven Dichter in Szene zu setzen.

Uwe Kröger, Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Langhaarig, blond, androgyn – so schritt der erste Tod 1992 von der Feile zum Totentanz der Zeitzeugen herab. Niemand geringerer als Uwe Kröger besetzte diese Rolle. Dass er der erste Rusty in Starlight Express war, sollte damals niemanden interessieren. Kröger spielte mit der Rolle, mit dem Publikum und löste einen wahren Hype aus – einen den er sich später – nach dem seine Fans sogar Selbstmorddrohungen ausstießen, als er sich die Haare für die Rolle von Chris für Miss Saigon abschneiden ließ – bitter bereuen sollte.

Der Tod der uns alle im gewissen Sinne begleitet, löst einen Machtkampf mit dem Publikum aus. Folgt man ihm oder kann man sich ihm entziehen? In 25 Jahren waren alle Tod-Darsteller blond oder zumindest brünett. Fast alle langhaarig. Nach Uwe Kröger folgten Paul Kribbe, Addo Kruizinga, Felix Martin, Máté Kamarás, Rob Fowler und natürlich der letzte Tod: Mark Seibert – er ist das momentane Sexsymbol der Musicalwelt.

Pia Douwes, Foto: Alexander Ch. Wulz

Pia Douwes war die erste Elisabeth. Sie lieh ihr Stimme, Aussehen, Charakter und Eigenschaften, die die wahre Elisabeth zu haben schien. Ihre Darstellung ist bis heute unangefochten mit dieser Rolle verwoben und verbunden.

Viele Elisabeths folgten auf 25 Jahre Welterfolg. Die bekanntesten neben Pia Douwes sind natürlich Maya Hakvoort, Annemieke van Dam und die letzte Roberta Valentini.

Fragt man Musicalfans der ganzen Welt, sind sich diese uneinig, wer nun „DIE“ Elisabeth sei.

Fragt man mich, würde ich uneingeschränkt Maya Hakvoort nennen. Ihre Stimme hat mich von der ersten Minute an gepackt und ließ mich nicht mehr los. Aber auch Roberta Valentinis Darstellung behagt mir sehr.

Sie ist vor allem konstant durchgehend eine Elisabeth, der man jede Station abnimmt. Derselbe „Streit“ entsteht bei den Rollen von Der Tod und Luigi Lucheni. Hier gibt es eigentlich auch nur 2 Antworten für mich: Paul Kribbe war und wird immer „mein“ Tod sein, danach folgt für mich persönlich Mark Seibert. Bei Luigi Lucheni tendiere ich zwischen Bruno Grassini und Kurosch Abbasi, aber auch Serkan Kaya gefiel mir außerordentlich gut. 

Aber was ist nun mit Kaiser Franz Joseph, Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Sophie, Graf Grünne, Kardinal Rauscher, Herzogin Ludovika, Néné usw. Viele von ihnen haben eine Stimme bekommen, ein paar sind nur Nebendarsteller und erscheinen wirklich nur am Rande.

Im Prinzip erstrahlt das Musical mit 3 Hauptdarstellern: Elisabeth, Der Tod, Luigi Lucheni. Der Rest ist in Nebenrollen oder winzigen Sequenzen zu sehen.

Pia Douwes, Foto: Jean-Marie Bottequin

Das Hauptlied des ersten Teils ist mit Sicherheit der Song „Ich gehör nur mir“. Hier bricht Elisabeth aus. Hier zeigt sie, dass sie nicht die Person ist, die sich einsperren, quälen, begaffen und berichtigen lässt, wie es allen anderen am Wiener Hofe passen würde. Allen voran natürlich Erzherzogin Sophie oder auch dem Kaiser, der sich weder gegen seine Frau, noch gegen seine übermächtige Mutter durchsetzen kann.

Der Text von „Ich gehör nur mir“, könnte genauso gut aus der Feder von Kaiserin Elisabeth per se stammen. Man könnte meinen, dem Schreiberduo ist dies aufs Notenblatt diktiert worden.
Egal wer dieses Lied im Stück singt – Gänsehaut ist vorprogrammiert. Dieses Lied ist das Herzstück des ersten Teiles, dass was Elisabeth ausmacht.

Aber auch Lieder wie „Milch“ (1992 noch an anderer Stelle als heute), Kaffeehaus-Szene oder „Nichts nichts gar nichts“ sind bezeichnend für den Weg von Elisabeth.

Der wütende Mob vor der Hofburg, der mit Milchkannen beinahe wie auf die Bastille zustürmt und um „Milch“ schreit, während die Kaiserin darin badet. Bezeichnend für ihren Schönheitskult „Unsre Kais’rin soll sich wiegen,
kämmen, pflegen und erfrischen“.

Was wir alle an Sisi bewundern ist ihre Schönheit, ihr ambivalenter Charakter, ihr exzessives Leben. Das Leben des Volkes aber berücksichtigen wir im Grunde unseres Herzens nicht, wenn wir die Bilder dieser strahlenden Schönheit in den Krinolinenkleidern bewundern. Das Volk hungert, friert und hat kaum das Nötigste, während Sisi in Milch badet, weil das ihrem Teint zu Gute kommt.

Wer jetzt das ungarische Krönungslied „Wenn ich tanzen will“ in der Aufzählung vermisst, wird bitter enttäuscht sein, wenn ich sage, dass dieser Song 1992 noch nicht auf der Welt war.

Uwe Kröger mit Rudolf-Darsteller, Foto: Alexander Ch. Wulz

Erst im späteren Verlauf der Geschichte kommt Kronprinz Rudolf vor. Zuerst als kleiner Junge, der verzweifelt nach seiner Mutter weint. Natürlich ist es „der Tod“ der den Kleinen tröstet, denn Rudolf hat die Melancholie seiner Mutter geerbt.

Im weiteren Verlauf wird im Duett „Wenn ich dein Spiegel wär“ klar, dass die Mutter ihren Sohn weder verstehen will, noch ihn jemals verstanden hat. Ihre Arroganz und Verbitterung gegenüber dem verzweifelnden Sohn wird mit Minute zu Minute klarer.

Bezeichnend ist es natürlich, dass der Tod in Gestalt mit einem verkleideten Todesengel der Mary Vetsera darstellt, auf Rudolf lauert. Der Schuss ist nur der Anfang von einem Ende, das schon lange vorher eingeläutet wurde.

Wenn Elisabeth weinend am Sarg ihres Sohnes, der sich durch die Bühnenkonstruktion langsam in die Erde absenkt, zusammenbricht ist meistens ein Raunen im Publikum zu hören: „Die arme Mutter…“

Die arme Mutter die mit „Rudolf, wo bist du“ ihre letzten Jahre einläutet. Depressiv, einsam, schwarz gekleidet, flieht sie vor ihrem eigenen Ich.

Pia Douwes, Viktor Gernot Foto: Alexander Ch. Wulz

Auf Cap Martin versucht ein alter, gebrochener, wehklagender, zerbrechlich wirkender Kaiser Franz Joseph seine Sisi noch einmal zur Umkehr zu bitten. Das Duett „Zwei Boote in der Nacht“ ist bezeichnend für das letzte Kapitel, für die Verbitterung Elisabeths niemals Verzeihen zu können.

Danach folgt unweigerlich Luigi Lucheni, der nach einem fürchterlichen Alptraum Kaiser Franz Josephs, wo er den Tod Elisabeths vor Augen hat, vom Tod die Feile in die Hand geworfen bekommt und losstürmt.

Bim-bim… die Schiffsglocke. Elisabeth und „der Schleier fällt“. Der Tod hat endlich seine Sisi im Arm, sie gibt sich dem hin, was sie Jahrzehntelang erträumt und sich nicht getraut hat: zu sterben…

Im Grunde ist damit die Geschichte erzählt, auch wenn ich hier natürlich Szenen ausgelassen habe, die unweigerlich dazugehören; aber ich möchte euch ja noch den Triumphzug quer durch die Welt erzählen…

Die komplette Cast der Weltpremiere am 3.9.1992 war:

Darsteller:
Kaiserin Elisabeth                  Pia Douwes
Der  Tod                            Uwe Kröger
Luigi Lucheni                       Ethan Freeman
Kaiser Franz Joseph                 Viktor Gernot
Erzherzogin Sophie                  Else Ludwig
Kronprinz Rudolf                    Andreas Bieber
Kronprinz Rudolf Kind               Markus Neubauer
Herzog Max in Bayern                Wolfgang Pamperl
Herzogin Ludovika/Frau Wolf         Christa Wettstein
Helene von Wittelsbach              Rebecca Rashid
Ludwig Graf Grünne                  Peter Faerber
Kardinal Rauscher                   Dean Welterlin
Felix Fürst zu Schwarzenberg        Harald Hofbauer
Baron Hübner                        Günther Schulz
Baron Kempen                        Eric Minsk
Gräfin Sztáray                      Nicole Sieger
Gräfin Esterhazy-Liechtenstein      Isabella Fritdum
Maximilian von Mexiko               Stanislaus Meus
Mary Vetsera                        Marion Wilmer
Junger Ungarischer Adeliger         Frank Lohmann
Graf Andrássy und Graf Bathyány     Aris Sas
Fanny Feifalik                      Gabriela Kuhn
Eine Hofdame                        Marika Lichter
Eine Gouvernante                    Ina Retzbach
Ein Professor                       Christian Hauser
Fräulein Windisch                   Jasna Ivir
Todesengel                          Michael Bernhard
                                    Steven Bernier
                                    Theresa Bomme 
                                    Daniela Colantuanto

Kreativ Team:
Regie                            Harry Kupfer
Musikalische Leitung             Caspar Richter
Choreographie/Musical Staging    Dennis Callahan
Bühnenbild                       Hans Schavernoch
Kostüme                         Reinhard Heinrich
Lichtgestaltung                  Hans Toelstede
Tongestaltung                   Erich Dorfinger

Nach dem tosenden Applaus des Premierenpublikums der Schock. Die Presse verriss das Stück, Peter Weck und alle Darsteller. In den Feuilletons der Zeitungen stand sowas wie:

„Was für ein Kaiserinnen-Schmarren“ (Presse), die weiter schrieb: „Nichts, aber auch wirklich gar nicht, haben die Autoren unternommen, um der Gefahr der Verkitschung zu entgehen.“

„Munter geht die Sissi unter“, hieß die andere Schlagzeile. „Sie sind aber auch allesamt, die Darsteller von geringem Format (Kurier).

„Was einst vom Hauch der Hohen Kunst umfächelt war, hier brettert Kupfer die gleichen Mittel, nur etwas angeschmuddelt auf die Bühne“ (Der Standard).

„Kunzes Text macht Elisabeth zum Nachtschattengewächs. Ein großer Musicalwurf ist es nicht! (Kronen Zeitung) usw.

Doch was die Kritiker nicht bedachten war das Publikum.

Elisabeth wurde wie kein zweites Musical zuvor und danach geliebt. Einzig „Tanz der Vampire“ kann denselben Erfolg verbuchen, wie Elisabeth 1992.

Aber Tanz der Vampire eröffnete erst am 4.10.1997, mit einem grandiosen Steve Barton, die Pforten.

Peter Weck erzählt:

„Das Medienecho war für die Darsteller natürlich furchtbar deprimierend. Um mein Ensemble zu trösten und zu beruhigen, allen das verdiente Lob auszusprechen, ging ich damals von Garderobe zu Garderobe und habe Künstlerinnen und Künstler aufgebaut und ihnen versichert, dass diese Kritiken nicht gegen sie, sondern einzig und allein gegen mich gerichtet seien. … Der Erfolg beim Publikum aber wog alles auf, und Elisabeth hat letztendlich bewiesen, dass ein „Kaiserinnen-Schmarrn“ kein Schmarrn sein muss.“ (5)

Maya Hakvoort Foto: Alexander Ch. Wulz

Die Saison von Elisabeth dauerte 4 Jahre und wurde bis am 25.4.1998 gespielt. Mozart löste Elisabeth im Elisabeth Jahr ab – zum 100jährigen Todestag von Kaiserin Elisabeth (10.9.1998) ertönte Mozart aus den Mikrophonen der VBW Darsteller.

Ab 1994 übernahm Maya Hakvoort die Rolle der Elisabeth und spielte diese bis zum 25.4.1998. Mit ihr gingen und kamen neue Gesichter. Uwe Kröger spielte noch eine Zeitlang, genauso wie Andi Bieber, Viktor Gernot, aber auch sie wurden durch Paul Kribbe, Thomas Harke oder Leon van Leeuwenberg mit der Zeit ersetzt und auch hier gab es später wieder einen Castwechsel.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Foto: Theater des Westens

Pia Douwes über ihre Rolle:

„Ich war zunächst platt, ich war fertig. Diese Rolle hat mich sehr mitgenommen – aber auch diese Frau. Ich erkenne mich in ihr. Ich verstehe ihre Depressivität, und wie es ist, manchmal überfordert zu sein, mit zu vielen Menschen. Ich verstehe ihre Tierliebe, Liebe zur Natur und zu Sprachen. Ich habe sie so gut verstanden, dass ich sie mit nach Haus genommen habe, und musste erst nach und nach lernen, sie im Theater zu lassen.“ (6)

Über die Rolle zum „Tod“ befragt, die er nachhaltig kreiert hatte, gab Uwe Kröger die Antwort:

„Bei der Erarbeitung der Rolle hat mir sehr geholfen, dass Harry Kupfer eine ganz präzise Vorstellung von dem hatte, was der Tod macht – vor allem in „Der letzte Tanz“. Das ist der Bruch des Surrealen – ein Geist zu sein, für den es sich seltsam anfühlt, menschlich zu sein. Man ist ein Gott des Universums, der unfassbare Gevatter Tod – und doch hat man so etwas wie menschliche Gefühle. Die Figur darf nie eindimensional werden – das war Harry Kupfer ganz wichtig.“ (7)

Ichiro Maki (Tod), Hanafusa Mari (Elisabeth) 1996, Japan, Foto: Takarazuka Revue Theater

Was danach folgte, ist legendär für dieses Stück. Es ging um die Welt.

Seit 16.2.1996 (immer wieder mit Unterbrechungen) spielt Elisabeth in Takarazuka Revue Theater in Takarazuka; also in Japan.

Ungarische Aufführung Foto: RoseDiMontague

Am 17.8.1996 folgte die Aufführung in Ungarn. Die Freilichtbühne Szeged war dabei das Ziel. Ab 6.10.1996 wurde es dann im Operettenhaus Budapest gespielt.

Die schwedische Aufführung fand am 30.9.1999 ihre Premiere. Im Musiktheater i Vármland in Karlstad wurde es dann bis zum 9.1.2000 gezeigt.

Pia Douwes in Scheveningen, Foto: Joop van den Ende Theaterproducties

Auch in Holland hielt das Stück Einzug. Genauer gesagt in Scheveningen im Circustheater wurde es ab 21.11.1999 bis 22.7.2001 gespielt. 1999 übernahm die Rolle niemand geringerer als Pia Douwes.

Am 6.6.2000 war im Imperial Garden Theater in Tokio/Japan die Premiere.

Uwe Kröger und Pia Douwes in Essen, Foto: tansytrading.weebly.com

Deutschland musste bis zu seiner Erstaufführung bis ins Jahr 2003 warten. Essen war das auserkorene Ziel.

Das Colosseum Theater lud ab 22.3.2001 bis 29.6.2003 zum Musical ein. Elisabeth und Der Tod wurden von Pia Douwes und Uwe Kröger dargestellt.

Zum 10. Jahrestag des Stückes, lud man die illustren Gäste ins Wiener Konzerthaus. Das Konzert fand am 21.10.2002 statt. Besetzung waren u.a. Pia Doues, Maya Hakvoort, Uwe Kröger, Felix Martin, Ethan Freemann, Thomas Borchert, Viktor Gernot, Else Ludwig, Andi Bieber und Wolfgang Pampel. Viktor Gernot schlüpfte zum definitiv letzten Mal in die Uniformsjacke. Er verließ bereits 1997 das Genre Musical, um ab diesem Zeitpunkt mit den Hektikern Karriere zu machen. Mittlerweile ist er ein gefeierter Comedian und Solokünstler.

Maya Hakvoort und Maté Kamarás, Foto: VBW

Ab 6.10.2003 bis 4.12.2005 kam Elisabeth wieder zurück nach Wien. Maya Hakvoort übernahm erneut die Elisabeth. Máté Kamarás wurde Der Tod und Serkan Kaya Luigi Lucheni.

André Bauer, Maté Kamarás, Maya Hakvoort, Foto: Alexander Ch. Wulz

Maya Hakvoort über die Rolle ihres Lebens: „Ich wollte so nah wie möglich an das Original herankommen. Ich wollte zeigen, wer Elisabeth wirklich war. Um das auf der Bühne glaubhaft zu vermitteln, habe ich wahnsinnig viel über sie gelesen und bin an viele Orte, an, welchen sie auch war, gereist. Ich war auf Korfu, Madeira, natürlich in Bad Ischl und Wien. Aber auch im Schloss Gödöllö in Ungarn und auch sonst bin ich viel durch Ungarn gereist, da ich wusste, wie viel Elisabeth dieses Land bedeutete.“ (8)

Maya Hakvoort vor dem Schloss Miramare in Triest, Foto: Rolf Bock

2x gastierte Elisabeth in Triest im Schloss Miramare. Vom 21.7. – 27.7.2004 und vom 31.7. – 6.8.2005. Beide Male begrüßte Maya Hakvoort ihr Publikum. Ihr zur Seite standen Thomas Borchert als Der Tod und Bruno Grassini als Luigi Lucheni.

Nach Deutschland kehrte es am 6.3.2005 zurück. Im Apollo Theater in Stuttgart gastierte es bis zum 17.9.2006. Nur einige Gastvorstellungen wurden von Pia Douwes gespielt.

Thérèse Karlsson, Tomi Metsäketo. Foto: Turun kaupunginteatteri, Robert Seger

Auch das finnische Publikum durfte sich über unsere Kaiserin Elisabeth freuen. Vom 23.9.2005 bis 30.12.2006 wurde es in Turku im Turun Kaupunginteatteri gespielt.

Die Schweizer Fangemeinde freute sich über Elisabeth in Thun bei den Thuner-Seespielen. Es gastierte vom 19.7. bis 30.8.2006 auf der wunderschönen Seebühne.

Pia Douwes, Uwe Kröger, Berlin Foto: Theater des Westens

Uwe Kröger und Pia Douwes kehrten als Der Tod und Elisabeth nach Berlin auf die Bühne zurück. Vom 20.4. bis 27.9.2008 feierten sie im Theater des Westens furiose Erfolge.

Annemieke van Dam, Foto: VBW

Annemieke van Dam übernahm erstmalig die Rolle bei der großen Europatournee, die sie vom 17.10.2008 bis 25.4.2010 durch Zürich, Antwerpen, München, Frankfurt, Bremen, Bregenz und Düsseldorf führen sollte. Der Tod wurde Oliver Arno, aber auch Uwe Kröger übernahm immer wieder Gastauftritte.

Die zweite Europatournee wurde am 11.10.2011 gestartet und lief bis zum 6.5.2012. Die Städte waren: Köln, Frankfurt, München, Basel, Essen, Bremen, Chemnitz, Erfurt, Leipzig, Dresden, Triest.

Annemieke van Dam übernahm wieder die Elisabeth und Der Tod wurde niemand geringerer als Mark Seibert. Man kann sagen: Er kam – sang – und siegte. Nach Uwe Kröger sollte kein weiterer Tod diesen Hype miterleben, wie Mark Seibert. Seine weitere Karriere ist bis heute grenzenlos: Mozart, Schikaneder, Tanz der Vampire – um nur einige Stationen zu nennen.

Mark Seibert Foto: Herbert Schulze

Mark Seibert über die Rolle: „In einem Musical sind die Rollen in gewisser Weise wie ein Korsett vorgegeben. Man hat die Texte, die Songs und auch das „Staging“ – also die Form, wie ein Darsteller in der Szene agieren muss. Die technischen Abläufe sind im Musical sehr klar festgelegt, und diese Vorgaben bieten nicht sehr viel Freiraum. Doch bei der Interpretation einer Rolle wird einem immer ein gewisser Spielraum eingeräumt, innerhalb dessen man agieren und sich entfalten kann. So durfte ich die Rolle des Todes trotzdem mit meiner eigenen Note versehen und sie zu der meinen machen.“ (9)

Und wer glaubt, dass dieser Triumphzug schon alles war, irrt.

Korea Foto: SCE.PLAY.ssongbs

Selbst Korea war im Elisabeth Fieber. Vom 9.2. bis 13.5.2012, 26.7. bis 7.9.2013 und 14.9. bis 20.10.2013 wurde es an verschiedenen Theatern und Orten aufgeführt. Mit dabei Seoul, Busan, Daegu, Gwangju und Changwon.

Daniela Ziegler, Annemieke van Dam, Foto: barbara2446

Die 20jährige Jubliäumsproduktion wurde wieder in Wien – diesmal im Raimundtheater – eingeläutet. Vom 5.9.2012 bis 1.2.2014 durfte das Publikum wieder „ihre“ Elisabeth in Wien sehen. Cast war niemand anderer als Annemieke van Dam als Elisabeth, Der Tod Mark Seibert und als Luigi Lucheni war erstmals Kurosch Abbasi in Wien zu sehen. Hier gab es eine ganz besondere Erzherzogin Sophie zu hören.

Niemand geringerer als die Grand Dame des Schauspiels und Gesangs Daniela Ziegler – „die“ Norma Desmond aus Sunset Boulevard – übernahm diesen Part.

Roberta Valentini, Maximilian Mann in Shanghai/China, Foto: Liza Makepise
Plakat zum Konzert in Osaka mit Maya Hakvoort, 2012, Foto: kultur-channel.at

Aber auch Osaka/Japan durfte sich über ein 20jähriges Jubiläumskonzert freuen. Vom 15.10. bis 22.10.2012 und vom 26.10. bis 31.10.2012 gastierte es erneut in Japan. Mit dabei waren Maya Hakvoort, Máté Kamarás, Lukas Perman, Bruno Grassini, André Bauer usw. 

Als es endlich nach China kam, war der Aufschrei in der Presse riesengroß. Niemals zuvor hat es ein Stück der VBW nach China geschafft. Vom 12.12.2014 bis 11.1.2015 gastierte in Shanghai Elisabeth. Und hier treffen wir auf die vorletzt letzte Elisabeth: Roberta Valentini. „Ihr“ Tod war natürlich Mark Seibert, Luigi Lucheni Kurosch Abbasi.

Roberta Valentini Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Roberta Valentini über Elisabeth: „Sie ist eine starke, selbstbewusste und liebende Frau. Viele sagen, dass sie egoistisch sei, was sicher auch in gewisser Weise stimmt. Aber sie ist auch eine einfühlsame und liebende Frau. Diese Balance zu spielen ist schwer und gleichzeitig auch das Reizvolle daran.“ (10)

Mit dieser Besetzung ging die 3te und vorläufig letzte Europatournee los. Vom 25.2.2015 bis 14.2.2016 führte die Tournee nach Essen, München, Linz, Frankfurt und Berlin

Und wer Elisabeth jemals gesehen hat, wird wissen, dass dies nicht die letzte Aufführung gewesen sein wird.

Auch Schloss Schönbrunn führte die „konzertante“ Version von „Elisabeth“ mehrfach auf. 2019 fand das erste Mal im Ehrenhof des Schlosses die Aufführung statt, 2024 wurde es zum Letzten Mal aufgeführt.

Foto: SHOW FACTORY Entertainment

Die Rolle der Elisabeth wurde geteilt. Die „junge“ Elisabeth wurde von Abla Alaoui gespielt, die „alternde“ Kaiserin übernahmen (je nach Jahr) die Damen Maya Hakvoort und Annemieke van Dam. Bei „Ich gehör nur mir“ war der sensationelle Wechsel, der dem Zuschauer im Ehrenhof Gänsehaut Momente bescherte.

Einen eigenartigen Aufschrei gab es als Gino Emnes, der gefeierte Musicaldarsteller aus „Rocky“ (Hamburg) die Rolle des „Tod“ übernahm. Dass immer noch eine Hautfarbe abhängig von einer Schauspielleistung ist, werde ich niemals verstehen.

Foto: SHOW FACTORY Entertainment/Katharina Schiffl
André Bauer und Abla Alaoui

Die einzige Anmerkung die ich dazu geben möchte ist, wenn man schon die Rolle der Kaiserin teilt, dann sollte man auch die des Kaisers teilen. André Bauer spielt schon seit Jahren Kaiser Franz Joseph und er macht das wirklich sehr gut. Allerdings sei hinzugefügt, dass André nun ebenfalls in einem Alter ist, in welchem die „junge“ Elisabeth eher wie seine Enkelin aussieht und nicht wie seine Frau. Immerhin war Elisabeth im realen Leben nur 7 (!) Jahre jünger, als der reale Franz Joseph.

Auch wenn sich das Stück im Laufe der Zeit verändert hat, Lieder hinzugeschrieben, Szenen verschwanden oder umgeändert oder neu platziert wurden, so ist dieses Musical etwas ganz besonderes.

Auch, wenn mir persönlich nicht alle Änderungen gefallen und ich so manch Kostüm scheußlich finde – der Charakter ist geblieben. Aber 1992, ja 1992 war etwas ganz besonderes. Und wer dabei war, wird jetzt ein kleines Lächeln auf den Lippen haben… 

Zum Schluss möchte ich noch Sylvester Levay zu Wort kommen lassen, der sicherlich am meisten geprägt wurde. Seine Frau Monika Levay ist eine anerkannte Expertin und Sammlerin. Ihre Original Exponate waren schon oftmals in mehreren Ausstellungen zu sehen; oft wird sie zu Expertisen rund um Kaiserin Elisabeth herangezogen. Sylvester Levay kann Kaiserin Elisabeth gar nicht entfliehen – immerhin bewohnt er einen Teil im Schloss Schönbrunn und hat sie somit täglich vor Augen.

„Wir wollten kein Musical, wie es auch wunderbare Stücke am Broadway gibt, schreiben, in denen Lieder von kurzen Texten, in denen die Geschichte erzählt wird, unterteilt werden. Bei uns sollten nur die wichtigsten, kurze Sätze in der Stille wirken, sonst wollten wir immer eine Untermalung, damit die emotioniale Bedeutung und Tiefe der gesprochen Worte durch die Musik noch besser vermittelt wird.“ (11)

Sylvester Levay Foto:  ooe.orf.at

Und das können wir so stehen lassen…

Bleibt nur noch eines, was es zu sagen gibt:

Wir Zuseher müssen auch mal DANKE sagen:

DANKE LIEBER MICHAEL KUNZE, SYLVESTER LEVAY, PETER WECK, HARRY KUPFER, PIA DOUWES, UWE KRÖGER, ETHAN FREEMANN, MAYA HAKVOORT, MÁTÉ KAMARÁS, ROBERTA VALENTINI, MARK SEIBERT UND ALLE ANDEREN

(WER NICHT AUFGEZÄHLT WURDE, SOLL SICH BITTE NICHT BENACHTEILIGT FÜHLEN).


Danke für die wunderbaren Theaterstunden. Wir freuen uns bis zur nächsten Aufführung, wenn es wieder heißt:

Alle tanzten mit dem Tod,
doch niemand wie …

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Petra Schimbäck


Rechtliche Hinweise: 

Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Bildrechte: ooe.orf.at, La Belle/Juliane Bischoff, Liza Makepise, barbara2446, SCE.PLAY.ssongbs, VBW, Thuner Festspiele, Theater des Westens, Robert Seger, Rolf Bock, Alexander Ch. Wulz, tansytrading.weebly.com, tansytrading.weebly.com, Joop van den Ende Theaterproductions, Jean-Marie Bottequin, Amazon.de, angelofthemusical, APA (Privat), lewin-management.de, Takarazuka Revue Theater, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise: 

1 – S 299/300, 5 – S 303
Peter Weck
War’s das?
Amalthea 2010, 1. Auflage

2 – S 4, 3 – S 10, 4 – S 35, 6 – S 21, 7 – 27, 8- 99, 9 – S 171, 11 – S 8
Blickpunkt Musical
Elisabeth

10 – S 7
Blickpunkt Musical
Elisabeth – Shanghai & Europa Tournee 2015/16

Peter Back-Vega
Theater an der Wien: 40 Jahre Musical
Amalthea Verlag, Wien 2008

Attila E Láng
200 Jahre Theater an der Wien
Holzhausen Verlag, 2001

Erzherzogin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha von Österreich

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie Friedericke

Wie viel der Kitsch „Sissi“ uns jedes Jahr rund um Weihnachten von der Wahrheit trennt, zeigt am allerbesten die abstruse Geschichte rund um die Tochter Sophie.

Auch wenn viele die Filme mögen, so sind sie leider nur ein 50er Jahre Traum, der die Leute nach den Kriegswirren zum Ablenken einlud. Und nichts war einfacher, als ein zuckersüßes Mädel, die „gute alte Zeit“ in Form der Kaiserzeit, die damals noch gar nicht so lange her war.

Was machte es da schon aus, dass an Sissi nichts stimmte? Weder die dümmliche Angelszene, noch die Zeitabfolge, noch die Mode (Kaiserin Elisabeth lief nicht im schulterfreien Kleid und offenem Haar tagsüber durch Schloss Schönbrunn oder durch die Hofburg), noch der Name.

Elisabeth hieß nun einmal niemals Sissi.

Eine Unart, die sich bis heute durchzieht ist die schreckliche Schreibweise von „Sissi“. Egal ob auf sämtlichen Social Media Seiten, in historischen Büchern (auch namhafte Historiker selbst), auf Souvenirs, auf Bonbons und sämtlichen Zeug das sich verkaufen lässt. Aber nicht nur „Sissi“ wird überall vermarktet. Man findet die Schreibweise „Sissy Café“ genauso oft, wie „Sissi“ selbst.

Auch das Spanische Hofzeremoniell gab es nicht in der Art, wie es der Film vermuten lässt. Den Blogbeitrag dazu findet ihr in diesem Blog.

Ich versuche seit Jahren dem Film-Kitsch entgegenzuwirken und zeige die reale Welt unserer Kaiserin.

Ich beginne also mit der kleinen Erzherzogin Sophie, die in Sissi den komplett falschen Namen

„Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria“

erhalten hat.
Bis auf den ersten Vornamen, stimmt nichts an dem kleinen Filmbaby.
Nicht einmal ihre Geschichte an sich.

Hier die reale Geschichte der kleinen Erzherzogin Sophie, welche so früh aus ihrem Leben geschieden ist:

Die einzige wahre Pflicht von Kaiserin Elisabeth war es, so rasch als möglich Nachwuchs zu bekommen. Vorzugsweise Buben, damit die Thronfolge gesichert wurde.

Wer sich mit Kaiserin Elisabeth als Mutter beschäftigen möchte, kann dies auf diesem Blog gerne tun. Auch hier wird mit Mythen und Legenden aufgeräumt, denn eines war Elisabeth ganz bestimmt NICHT: eine schlechte Mutter

Nach den strapaziösen Hochzeitsfeierlichkeiten, den Flitterwochen und der Reise nach Böhmen und Mähren, stellte Erzherzogin Sophie als baldigst die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft bei ihrer noch sehr jungen Schwiegertochter fest.

Sie schrieb eilig an ihren abwesenden Sohn:

„Auch glaube ich, dass Elisabeth sich nicht zu sehr mit ihren Papageien abgeben sollte, da zumal in den ersten Monaten man sich so leicht an den Tieren verschaut, die Kinder Ähnlichkeit mit ihnen erhalten. Sie sollte lieber sich im Spiegel und Dich anschauen. Dieses Verschauen lass ich mir gefallen.“ (1)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie

Sophie setzte sich durch, die Papageien mussten die Räumlichkeiten verlassen. Elisabeth war aufs äußerste betrübt.

Sophie nahm darauf wenig Rücksicht und hielt die junge Frau an, sich in der Öffentlichkeit mit dem Bauch zu zeigen.

Das Volk solle die stolze schwangere Kaiserin sehen.

Elisabeth wollte fliehen, sie weinte beinahe Tag und Nacht. 

Selbst die Geburt ist seitens Sophie dokumentiert. Sie schrieb in ihr Tagebuch:

„Sisi hielt die Hand meines Sohnes zwischen den ihren und küßte sie einmal mit ihrer lebhaften und respektvollen Zärtlichkeit; das war so rührend und machte ihn weinen; er küßte sie ohne Unterlaß, tröstete sie und klagte mit ihr und schaute mich bei jeder Wehe an, um zu sehen, ob ich damit zufrieden war. ….. Endlich nach einigen guten und langen Wehen kam der Kopf und gleich danach war das Kind geboren.“ (2)

Obwohl Ludovika zur Geburt „eingeladen“ wurde, ließ sie den Vortritt ihrer verehrten Schwester.

Kaiserin Elisabeth wurde nach Schloss Laxenburg gebracht, wo die Geburt auf Hochtouren vorbereitet wurde. 

Am 5.3.1855 um 3.00 Uhr nachts kam schließlich die kleine

zur Welt.

Ihr Name ist nicht wie so oft, ein Alleingang von Erzherzogin Sophie, sondern ein durchaus übliches Handeln bei den kaiserlichen und königlichen Familien. So wurde immer der Name der Großmutter weitergegeben, erst im weiteren Verlauf die eigentlichen „neuen“ Namen.

Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Sophie und die kleine Gisela

Doch auch gleich nach der Geburt gab es wieder Streit.

Sophie wollte sich um die kleine Erzherzogin selbst kümmern. Sie bestand darauf, dass das Kinderzimmer in ihren Wohntrakt verlegt wurde. Elisabeth musste sich anmelden, um ihre Tochter besuchen zu dürfen.

Eigenartig ist, dass Sophie Elisabeth verbat ihren Säugling zu stillen, immerhin stillte sie selbst ihren Franzi. Etwas, dass zu dieser Zeit im Hochadel kaum jemand tat.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie Friedericke

Elisabeth wurde quasi das Kind entrissen, was eine große Bestürzung bei ihr auslöste. Sie beschwerte sich lautstark bei Franz Joseph. Es half aber leider nichts.

Die kleine Erzherzogin verblieb in der Obhut ihrer Großmutter, die diese wie einen Kelch herumreichte und allen Besuchern des Schlosses zeigte.

Permanent war um das kleine Mädchen irgendwer herum. Es ist verwunderlich, denn als Franz Joseph noch „Franzi“ war, wurde er von Sophie richtiggehend abgeschottet und teilweise sogar versperrt.

Nach der Geburt von Gisella(*), stellte sich Elisabeth quer. Sie verlangte die Kinder umgehend zurück. Sie sollten in die Radetzky-Räume verlegt werden.
(Anmerkung Petra: Erzherzogin Gisella wurde erst mit der ihrer Hochzeit zu Gisela)

In einem langen Brief erklärte Franz Joseph seiner Mutter die Gründe. Im Prinzip ging es Elisabeth nur um die Wintermonate. Im Sommer verbrachte man die Zeit in Laxenburg, während Sophie in Schönbrunn war. Franz Joseph setzte sich gegen seine Mutter durch. Sophie und Gisella zogen in die gewünschten Räume.

Sophie galt als glückliches, lebhaftes Mädchen, das gerne gluckste und ihre Zehen in den Mund steckte, wie Kaiser Franz Joseph amüsiert an seine Mutter schrieb. Als sie zu Laufen begann, erkundigte sie gerne das Schloss. 

1857 beging Kaiserin Elisabeth einen fatalen Fehler, den sie Zeit ihres Lebens bereuen sollte.

Sie entschied sich bei der geplanten Ungarnreise die Kinder mitzunehmen. Erzherzogin Sophie zeterte, Kaiserin Elisabeth setzte sich jedoch durch.

Am 4.5.1857 fuhr die kaiserliche Familie nach Ofen, wo vor allem Elisabeth huldvoll empfangen wurde.

Die Menschen lagen ihr zu Füßen. Sie spürte sofort eine Verbundenheit mit diesen überaus freundlichen Menschen. Sie verliebte sich augenblicklich in Land und Leute.

Doch der Schein trügte. Gisella bekam Fieber und Durchfall. Sophie erkrankte ebenso. Dr. Seeburger diagnostizierte „Zahnen“ und tat die Beschwerden ab; er befand Elisabeth als „hysterisch“. Wie fatal diese Fehlentscheidung war, stellte sich bald heraus.

Es ist nicht überliefert ob Sophie an der Ruhr oder an Typhus litt, jedoch erkrankte sie so schwer, dass sie nichts mehr behalten konnte. Ihr Körper magerte ab, sie wand sich vor Schmerzen und Erschöpfung.

Am 29.5.1857 verlor die kleine Sophie den Kampf und starb in den Armen ihrer gramgebeugten Mutter. Sie wurde nur 2 Jahre alt. 

Foto: Wikimedia/Commons 
Lithographie Josef Kriehuber
Dieses Bild hing über dem Bett von Kaiserin Elisabeth. Es zeigt im Bild die kleine Erzherzogin Sophie, im Arm hält Kaiserin Elisabeth Kronprinz Rudolf, daneben stehend Erzherzogin Gisela.

Elisabeth überwand den Tod der kleinen Sophie nie. Wie sehr sich Kaiser Franz Joseph mit der Kleinen verbunden fühlt, zeigte erst der Tod von Kaiserin Elisabeth. Diesen Schmerz hielt Marie Valérie in ihrem Tagebuch fest.

20. – 22.September 1898 „Mit Papas Gutheissung wird Mamas Toilettenzimmer in der Villa Hermes mit all den gewohnten Sachen hergerichtet… Erinnerungen tauchen auf – längst vergangenes Weh – auch an das baby, das ihr vor mehr als 40 Jahren vorangegangen, nach denen Papa jetzt fragt, die er aufbewahrt wissen und doch nicht sehen will Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich ihn vom „baby“ sprechen hörte…“ (3)

Erzherzogin Sophie machte Elisabeth schwere Vorwürfe. Es wird mit ein Grund gewesen sein, warum sie den Kampf gegen Sophie in der Erziehung von Gisella und Rudolf abgab.

Die Kinder übersiedelten wieder zu Erzherzogin Sophie. Zu Gisella und Rudolf hatte Elisabeth Zeit ihres Lebens ein sehr angespanntes und distanziertes Verhältnis.

Erzherzogin Sophie Friedericke ruht in der Kapuzinergruft.

Bei der letzten Renovierung wurden die sterblichen Überreste von Sophie, gemeinsam mit anderen Kindern, in einem Mauerabteil beigesetzt.

Eine gemeinsame Grabplatte erinnert an die toten Kinder. Wer genau liest, wird auch den Namen von Maria Anna entdecken. Sie war die Schwester von Kaiser Franz Joseph.

Am 31.5.1894 besuchte Kaiser Franz Joseph die Plitvicer Seen in Kroatien. Er genehmigte durch seine Unterschrift, dass entlang der Seen ein Weg nach dem Namen seiner Tochter Maria Dorothea benannt werden darf. Noch heute heißt der Weg schlicht „Dorothea Weg“.

– Petra – 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Rechtliche Hinweise:

Text: Petra Schimbäck
Recherchen: Petra Schimbäck
Stammbaum: Petra Schimbäck
Bildrechte: Wikimedia/Commons, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra 


Literatur Hinweise:

1 – S. 233
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie Die starke Frau am Wiener Hof
Amalthea Verlag, 1. Ausgabe, 2016

2 – S 19
Martha Schad
Kaiserin Elisabeth und ihrer Töchter
Piper Verlag, Ausgabe 1999, TB Ausgabe


3 – S 313/4
Erzherzogin Marie Valérie
Martha Schad als Herausgeberin
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth
Piper Verlag, 7. Auflage, 2013


Erzherzogin Sophie – der einzige Mann am Wiener Hofe

Copyright Archiv, frei lt. Hrn Georg Markus
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie

„Und eine Kaiserin gehört zum Kaiser.“

Wer hört sie nicht?
Dieses „Singsang“ in der Stimme von Vilma Degischer, die in der Sissi-Trilogie mit Romy Schneider die böse intrigante Schwiegermutter so gekonnt darstellte, dass in den meisten Köpfen bis heute geglaubt wird, dass Erzherzogin Sophie tatsächlich so grausam zu Elisabeth war. Doch dies ist mitnichten die Wahrheit. Anfangs mochte Sophie „die kleine Sisi“ sehr. Doch es prallten zwei verschiedene Welten aufeinander.

Die strenge, hochadelige Person mit ihren Regeln und der Einstellung, „von Gott erhaben“ zu sein und die freiheitsliebende, sehr unkonvientionelle Elisabeth, die gar keine Kaiserin sein wollte.

Zur Ehrenrettung von Erzherzogin Sophie muss ich aber auch dazu sagen, dass man zum Zeitpunkt der Filme, noch nicht viel aus dem Leben der ehemaligen Prinzessin von Bayern wusste. Vielleicht war das „der einzige Mann bei Hofe“ bekannt und daraus machte Regisseur Marischka einfach die „böse Schwiegermutter“.

Dieses Mischmasch aus ihrem Spiel mit der Politik und dem Versuch aus Elisabeth eine Kaiserin zu machen, die dieses ablehnte, wurde im Film ganz einfach zu einem kompletten destruktiven Bild das bis heute anhält.

Der folgende Bericht ist eine Spurensuche um Erzherzogin Sopie so zu zeigen, wie sie wirklich war.

Eine fürsorgliche Mutter, die es manchmal allzu gut mit ihren Kindern meinte, eine geplagte Ehefrau, die mit einem geistesschwachen Mann verheiratet wurde und ihr Versuch sich gegen Metternich zu stellen, der sowohl Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, 2.3.1835), als auch Kaiser Ferdinand I. (*19.4.1793, 29.6.1875) beeinflusste. Dass ihr Sohn Erzherzog Franz zum Kaiser Franz Joseph wurde, ist einzig ihr zu verdanken.

Doch natürlich beginne ich wie immer am Anfang:

König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, kurz König Maximilian I. Joseph hatte bereits 5 Kinder aus erster Ehe, aber Auguste Wilhelmine Marie von Hessen-Darmstadt starb am 30.3.1796.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Am 9.3.1797 ehelichte der König Friedericke Prinzessin Karoline Wilhelmine von Baden.

Sophie Friederike Dorothea Wilhelmine Prinzessin von Bayern kam mit ihrer Zwillingsschwester Maria Anna Leopoldine Elisabeth von Bayern (spätere Königin Maria Anna von Sachsen, †13.9.1877) am 27.1.1805 in München zur Welt.

Ihre Schwester Ludovika „Louise“ kam 30.8.1808 (26.1.1892) zur Welt und wurde in späterer Folge die Mutter von Kaiserin Elisabeth.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
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Foto: Wikimedia/Commons
Louise, Sophie und Maria Anna

Bild: Joseph Karl Stieler, 1812  

Sophie und ihre Geschwister wuchsen sehr liebevoll auf.

Ihre Eltern kümmerten sich – zumindest soweit es deren Zeit zuließ – außerordentlich liebevoll um die Kinder.

Karoline wurde auch den Stiefkindern eine liebevolle Mutter, die von allen sehr geliebt wurde. Allen, bis auf Ludwig.

Bereits mit 5 Jahren konnte Sophie lesen und schreiben und schrieb ihrem Vater und ihrer Mutter heiße Liebesbriefe, wenn diese abwesend waren.

Sophie wurde in der Familie Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer genannt. (1)

Ab ihrem 4. Lebensjahr bekam Sophie Unterricht in Französisch, Physik, Geschichte, Lesen/Schreiben usw.; auch Theater- und Ballettabende standen auf dem Programm.

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Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth und Amalie mit der kleinen Maximiliane „Nini“
Bild: Joseph Karl Stieler, 1814

Sophie war Zeit ihres Lebens eine glühende Verehrerin von den schönen Künsten. Sie ging ausgesprochen gerne ins Theater und in die Oper.

Sophie und Maria Anna waren die erklärten Lieblingskinder ihres Vaters, Sophie verehrte Zeit ihres Lebens ihre Mutter, was zahlreiche Briefe belegen.

Als ihre Mutter am 13.11.1841 starb, fing Sophie an, ihre Gedanken in ein Tagebuch zu schreiben.

Schon zu Kinderzeiten schrieb sie glühende Briefe an ihre Mutter:

Während Königin Karoline, mit ihrem Mann, 1814/15 in Wien beim Wiener Kongress weilte, schrieb die 9jährige Sophie:


„Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (2)

Schon zu Kinderzeiten musste Sophie einen herben Verlust verarbeiten. Das Nesthäckchen, Maximiliane Josepha Karoline von Bayern, welche am 21.7.1810 geboren wurde und der erklärte Liebling von Mutter und den Kindern war, starb am 4.2.1821 11jährig an Typhus. Zeit ihres Lebens gedachte Sophie ihrer geliebten „Nini“, wie sie genannt wurde, zum Todestag.

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Foto: erzherzoginsophie.at
Erzherzogin Sophie

Lithographie: Josef Kriehuber, 1836

Als Sophie 19 Jahre alt war, wurde sie mit Erzherzog Franz Karl vom Österreichischen Kaiserhaus verlobt.

Franz Karl soll angeblich gleich Feuer und Flamme gewesen sein, als er seine zukünftige Braut erblickte.

Bei Sophie war es eher Fügung in ein Schicksal. Ihr zukünftiger Ehegemahl war leider geistig schwach und auch sonst nicht wirklich fähig, eine große Karriere einzuschlagen.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Franz Karl
Lithographie: Josef Kriehuber, 1850

Sein Bruder Ferdinand, der in die Geschichte als Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“ einging, traf es noch schlimmer.

Seine geistigen Eigenschaften waren noch weniger vorhanden als bei Franz Karl.  

Wobei sich auch hier die Mythen ranken. Die einen Historiker/innen schreiben, er war geistig minderbemittelt, die anderen, er hatte überaus geistige Fähigkeiten, da er 5 Sprachen sprach.

Doch die unumwundene Wahrheit war, dass Ferdinand schwere epileptische Anfälle hatte, cholerisch war und in späteren Jahren schrieb Sophie sehr spöttische Briefe über sein Aussehen und sein Verhalten.

Bevor noch am 4.11.1824 die Hochzeit in Wien in der Augustinerkirche gefeiert werden konnte, nahm Sophie einen sehr tränenreichen Abschied von München, ihrer Mutter und ihren verbliebenen Geschwistern.

Auch 3 Jahre später schrieb sie immer noch lange und tränenreiche Briefe nach Hause. Sie konnte die Trennung kaum verarbeiten.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz II/I
Bild: Friedrich von Amerling, 1832

Ein glühender Sophie Verehrer wurde ihr Schwiegervater Kaiser Franz II./I (*12.2.1768, 2.3.1835).

„…der Kaiser überhäuft mich mit seiner Güte und es scheint, als wolle er mir den zärtlichen, den besten Vater ersetzen, den ich verloren habe.“ (Brief an Großmama) (3)

Achtung Triggerwarnung!
Fehlgeburten

Auch über ihre Ehe und ihre Schwangerschaftsfortschritte schrieb sie viele Briefe, vor allem an ihre Mutter Königin Karoline und Großmama

„…man kann nicht liebenswürdiger sein als mein Gemahl – und er liebt mich so zärtlich – ….“ (4)

Die größte Sorge von Sophie war, dass sie ihre Kinder nicht austragen konnte. Was auch immer der Grund war, im 19. Jahrhundert konnte dies noch nicht erforscht werden. Und so erlitt Sophie eine Fehlgeburt nach der anderen

Insgesamt 11 Fehlgeburten sind belegt.

Diese sind aber schon zusammengezählt, als einige ihrer Kinder auf der Welt waren. Doch bevor dies so weit war, dauerte es lange.

Geschichtslehrerin und Sophie Biographin Ingrid Haslinger, welche von Otto (von) Habsburg (*20.11.1912, 4.7.2011) 32.000 Seiten handschriftliche Seiten der Erzherzogin übernommen hatte, fand teilweise seltsame Stilblüten zum Schutz von Schwangerschaften. Ich möchte hier ein paar aufzählen:

„Sobald man eine Schwangerschaft vermuthet, muß eine Schnur um den Leib getragen werden von carmoisin rother Seide, jedoch von festfärbiger Farbe; die Schnur muß geknöpelt und nicht von Posamentierarbeit sein. Die Schnur am Bauch gebunden wird bey Zunahme immer erweitet. Dieses Mittel ist nach vielen Versuchen niemals vergebens angewendet worden.“ (4a)

Eine Kur aus wilden Holzäpfeln trinken… (4b)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Louise

Als sich wieder eine Schwangerschaft einstellte und Sophie dies merkte, erlaubte ihr Franz nicht mehr zu ihrer geliebten Schwägerin Marie Louise Herzogin von Parma (*12.12.1791, 17.12.1847) zu gehen, welche einen Stock über ihr wohnte.

Dies wäre mit Treppensteigen verbunden und zu gefährlich gewesen.

Sophie hielt sich an das Verbot, das Kind verlor sie trotzdem.

„Wenn es dir nicht ungelegen ist – geliebte Louise – so würde ich Dich bitten heute um 5 Uhr zu mir zu kommen … allein Franz erlaubt nicht daß ich zu Dir gehe – da er die Treppen für mich fürchtet … Die Ungewißheit – in der ich nun leben muß macht mich ganz desparat!“ (4c)

Die fausses couches (Fehlgeburten) machten Sophie schwer zu schaffen. Verzweifelt schrieb sie ihrer Mutter Ex-Königin Caroline:

„Meine Regel war 15 Tage verspätet – mir war unwohl – ich wechselte die Farbe; schließlich gab es tausend Symptome, die Hoffnung geben konnten und Capellini (Anmerkung Petra: Dr. Franz Cappelini, Leib- und Hofarzt Seiner Majestät) war sich nahezu sicher… nun sind also alle unsere Illusionen zerstört. Vor allem bin ich für unseren teuren Kaiser betrübt, der zu hoffen begann…. der erste Moment, wo ich den Kaiser und all anderen wiedersehe, wird mir peinlich sein… (4d)

Foto: kunst-fuer-alle.de
Erzherzogin Sophie
Bild: Johann Nepomuk Ender
nach Josef Carl Stieler

Danach wurde die Erzherzogin ohne ihren Mann (!) auf Kur geschickt. Zuerst musste sie 6 Wochen in Bad Pirawath verbringen. Im Jahr 1828 war sie immer noch nicht schwanger, also verbrachte sie den Sommer wieder ohne Franz (!) in Baden bei Wien wo sie Kurbäder nahm und anschließend verbrachte sie einige Wochen mit dem Kaiserpaar in Weinzierl.

Im Februar 1829 wurde Sophie erneut schwanger und die Ärzte hatten alle Hoffnung. Doch eines Abends brach sie stark blutend zusammen. Um die schwer besorgte Erzherzogin nicht noch mehr zu beunruhigen, erzählten ihr die Ärzte, dass es keine „fausses couches“, sondern eine besonders starke Regel war, welche durch eine Verzögerung derselbigen ausgelöst wurde.

Sophie glaubte dies und schlief beruhigt ein.

An ihre Mutter schrieb sie:

„… eine neue Hoffnung – wenn sie mir der Himmel schenkt – kamm mir die verlorene Täuschung ersetzen – aber eine zerstörte Hoffnung – wie die beyden früheren hätte mich muthlos gemacht….“ (4e)

Nun reichte es den Ärzten und Sophie wurde wieder ohne den Erzherzog nach Ischl geschickt, damit sie die neu entdeckten Solebäder in Ruhe absolvieren konnte. Die Erzherzogin wehrte sich mit Händen und Füßen, da sie nach Bad Krummbach in Bayern wollte, um ihrer Mutter nahe zu sein. Doch Hofrat Capellini und die weiteren Ärzte von Kaiser Franz II/I forderten die Erzherzogin auf nach Ischl zu reisen.

Foto: Wikimedia/Commons
Dr. Franz Wirer Ritter von Rettenbach

Dem nicht genüge getan, musste sie zuvor nach Baden bei Wien und sich auf Ischl vorzubereiten. Sie musste eine Kur aus warmen Flusswasser und Milchbäder über sich ergehen lassen und durfte dann mit all ihren Hofdamen weiter nach Ischl, wo Dr. Franz Wirer schon auf sie wartete.

Dr. Franz Wirer (*2.4.1771, 30.3.1844) war Hof- und Leibarzt bei Kaiser Franz II/I und der Begründer der Ischler Solekurbäder. Er machte Ischl zu dem, was es heute ist: weltberühmt für seine Heilbäder.

Wie das Volk nun mal so war, hängte man Sophie boshaft eine Affäre mit Wirer an. Da dies nicht genügte, waren Franz (Joseph) und (Ferdinand) Max(imilian) Kuckuckskinder und nicht von Erzherzog Franz Karl. Zeit ihres Lebens sprach der Wiener Hof hinter vorgehaltener Hand immer von den „Wirer-Kindern“. Aber noch andere Kanditaten sollen für Sophies plötzliche Kinderschar verantwortlich gewesen sein. Aber dazu später mehr.

26 Bäder nahm sie in Ischl, als sie endlich an den Tegernsee durfte, um ihre Mutter zu besuchen. Obwohl ihr Gemahl sich ebenfall gerade in Tegernsee aufhielt, wurden die beiden strikt getrennt, um Sophie die nötige Ruhe zu gönnen.

Ich möchte hier nochmals daran erinnern, dass die beiden mit aller Macht versuchten schwanger zu werden!

Am Tegernsee wurden ihr weitere 14 Bäder verordnet und eine strikte Diät. Sophie nahm alles klaglos hin, schließlich wollte sie das nächste Kind behalten.

Am 9.1.1830 schrieb sie aufgeregt ihrer Mutter, dass sie im 2. Monat schwanger sei.

Um sie nicht aufzuregen, wurde die Erzherzogin in ihr Zimmer regelrecht eingesperrt!

Ganze 14 Wochen lang musste sie in ihrem Zimmer ausharren und durfte nur 2x am Tag aufstehen, um sich ein wenig die Füße zu vertreten. Den Rest des Tages verbrachte sie im Bett.

Ihr Umfeld wünschte die Ärzte zum Teufel.

Doch Sophie war geduldig, klagte nicht, weinte nicht, beschwerte sich nicht. Sie hoffte nur, dass alles gut gehen würde.

Es war ihr sogar einerlei ob eine kleine Erzherzogin zur Welt kam, oder ein Thronfolger. Sie wollte nur ein gesundes Baby in ihren Händen halten. Mehr war für sie nicht wichtig.

Baronin von Sturmfeder, die zukünftige Aja für das hochwohlgeborene Kind, war zu dieser Zeit schon an ihrer Seite. Ihr erster Tagebucheintrag, der in Form von Briefen an ihre Lieben geschrieben wurde, ist vom 13.8.1830. Der Letzte im übrigen vom 23.11.1840.

13.8.1840
Nun kommt bald der 18. August. Länger als bis zu diesem, sagt man, könnte die Frau Erzherzogin nicht mehr gehen. Ich glaub es immer noch nicht, sie ist mir noch immer zu beweglich….
Ich sah nie eine Frau in diesem Stande weniger Farcen machen. Ich glaube, sie ist so glücklich darüber, daß sie sich dergleichen nicht erlaubt und alles geduldig erträgt. Man hört sie gar nie klagen und die Hitze muß ihr doch äußerst läßtig sein. Es ist ihr nur unangenehm, daß man sie so lange warten ließ, auf das, was nicht ausbleiben kann, was man ihr aber immer als ganz nahe vorstellte. Warum, begreife ich nicht, und ich sehe darin nur wieder die fatale Manier, den Großen alles glauben zu machen, was sie gerne möchten, daß es geschähe. Sie sagte mir neulich: „wenn ich den 18. nicht niederkomme, so glaube ich, es geschieht nie mehr.“
Bis Samstag kommt der Kaiser und alles, was in Baden war, hierher.
….
(4i)

Foto: bayerisches-nationalmuseum.de
Königin Maria Anna von Sachsen
Zwillingsschwester von Sophie
Bild: Joseph Stieler, 1833

Als sie nach den 14 quälenden Wochen endlich aufstehen und sich ein wenig im Hof die Beine vertreten durfte, muss das für sie wie ein Himmelsgeschenk gewesen sein.

Ende Juni 1830 kam Ex-Königin Caroline und Sophies Zwillingsschwester Königin Maria Anna von Sachsen (*27.1.1805, 13.9.1877) um ihr bei der Geburt beizustehen. Sophie war über alle Maßen glücklich darüber. Gerade ihre Mutter wollte sie um jeden Preis bei sich haben.

Erzherzogin Sophie lag zwei Tage und zwei Nächte unter höllischen Schmerzen in den Wehen, bevor die Zangengeburt eingeleitet werden konnte.

Um 9.45 Uhr am 18.8.1830 war es endlich so weit. Ein wunderschöner Bub wurde in Schloss Schönbrunn geboren.

Triggerwarnung Ende!

Die glückliche Oma Caroline schrieb ihrer eigenen Mutter, der nunmehrigen frischgebackenen Ur-Großmutter Friedericke Amalie Erbprinzessin von Baden (*20.6.1754, 21.7.1832):

Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Erbprinzessin von Baden
Ur-Großmutter von Kaiser Franz Joseph

„Meine liebe Mutter!
Sophie ist soeben eines starken, schönen und gesunden Knaben genesen. Wir sind trunken vor Freude nach all den Leiden, die kein Ausdruck Ihnen treffend genug schildern kann. Es sind zweimal 24 Stunden vergangen, seit ich mein Bett nicht mehr gesehen habe. Ich bin vollständig niedergebrochen und doch so glücklich, meine Sophie und ihr Kind, das mit der Zange genommen werden mußte, behalten zu haben…
Meine arme Sophie hat sich während der zwei volle Tage und Nächte dauernden grausamen Leidens wie ein Engel benommen.“ (4f)

Der Thronfolger wurde mit 101 Kanonenschüssen begrüßt.

Die Taufe fand am 20.8.1830 statt. Kaiser Franz II/I war der Taufpate, weshalb der Bub die Namen

Franz Joseph Karl

erhielt. Es waren dieselben drei Vornamen des Kaisers, zudem waren der erste und der dritte Name, gleichzeitig auch die Vornamen des Vaters.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Foto: Wikimedia/Commons Louise Baronin von Sturmfeder
Foto: Wikimedia/Commons
Johann Philipp Graf von Stadion

Schon lange vor ihren Schwangerschaften suchte Sophie eine Aja (Kindermädchen) für ihr zukünftiges Kind. Empfohlen wurde ihr Louise Baronin von Sturmfeder (*3.10.1789, †10.9.1866) vom Außenminister Johann Philipp Graf von Stadion (*18.6.1763, 15.5.1824).

Baronin von Sturmfeder hatte keinerlei Vermögen, war unverheiratet, hatte aber Durchsetzungsvermögen, war überaus charmant, intelligent, hatte Witz und lernte sich, durch ihre schwierigen Familienverhältnisse, früh durchzusetzen. Genau das, was sie am Wiener Hof brauchte.

Als sie an diesen berufen wurde, wusste sie genau, worauf sie sich einlassen würde. Noch dazu war sie bereits 41 Jahre alt und eine im Leben stehende Frau.

Noch am Tag der Geburt wurde der kleine Erzherzog seiner Aja übergeben. Diese richtete sofort die Kindskammer ein. Diese bestand nunmehr aus einer Kindsfrau, einem Kindermädchen, zwei Leiblakaien, einer Kindsköchin, einem Kammerweib für das Kind, einem Kammerweib für das Kammerweib, und einer Küchenmagd.

Kaiser Franz II/I war sehr begeistert von ihr und wies ihr in weiterer Folge die gesamte Kindskammer zu. Dies bedeutete die Aufsicht der Lakaien, Dienstboten, Ammen und den gesamten Hofstaat aller weiteren Enkel des Kaisers. Sie wurde in weiterer Folge nicht nur die Aja von Franzi, sondern auch von Maxi, Karl Ludwig, Anna und Luzi-Wuzi.

Sophie erholte sich nur langsam von der Zangengeburt. Die Ärzte hatten sie stark verletzt und den engsten Mitgliedern ihrer Familie im Vertrauen mitgeteilt, dass sie das schlimmste befürchten würden.

Kaiser Franz II/I saß täglich drei Stunden bei seiner geliebten Schwiegertochter und versuchte sie wach zu halten, denn man sagte ihm, sie solle so wenig wie möglich schlafen.

Es könnte sein, dass sie nicht mehr erwachen würde.

Sie erhielt von ihrem Mann Besuch, von ihrem sehr engen Vertrauten und Seelenfreund Napoleon Franz Herzog von Reichstadt (Sohn von Marie Louise von Parma) und alle sollten sie wach halten. Diese Prozedur ging einige Wochen, auch die überstand Sophie. Die Glückseeligkeit, dass sie ein lebendes Kind auf die Welt gebracht hatte, ließ sie alle Qualen der Ärzte überstehen.

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Foto: Wikimedia/Commons
Gustav Prinz von Wasa
Lithographie: Josef Kriehuber, 1830

Doch noch immer nahmen die Gerüchte, dass nicht Erzherzog Franz Karl der Vater von Franz sein soll, kein Ende.

Als Dr. Wirer so ein bisschen ins Hintertreffen gelangte, kam ein anderer Name der bösartigen Leute, die nichts anderes zu tun hatten, als zu Tratschen, ins Spiel.

Nun soll Gustav von Holstein-Gottorp, Prinz von Schweden, ab 1829 Prinz von Wasa (*9. Nov. 1799, †4.8.1877) der Vater gewesen sein.

Dieser lebte in Wien im Exil und ging bei Hofe ein und aus.

Sophie und Prinz Wasa wurde eine heftige, leidenschaftliche Affäre nachgesagt.

Nicht nur Erzherzog Franz (Kaiser Franz Joseph), auch Erzherzog Ferdinand Maximilian sollen angeblich die Kinder dieser Affäre sein.

Sämtliche Affärengerüchte, konnte kein/e Historiker/in rund um Erzherzogin Sophie jemals bestätigen.

Ingrid Haslinger, die ihre Hinterlassenschaft von 32.000 handschriftlichen Manuskripten durchsah, fand nichts in diese Richtung.

Erzherzogin Sophie war eine tiefgläubige Katholikin und immer überglücklich, dass ihr Franz Karl nicht fremd ging, obwohl das in diesen Kreisen Obligo war. Sie hinterließ Briefe, wo sie darüber schrieb, dass ihr Mann eben kein Fremdgänger war.

Warum also soll Sophie es selbst getan haben?

Meiner Meinung nach, sind dies genauso wilde und bösartige Tratschereien, wie bei Kaiserin Elisabeth und ihren lesbischen Avancen und der leidigen Andrássy Affäre.

Trotzdem wurden beide Söhne „Wasa-Buben“ genannt.

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Foto: habsburg.net
Napoleon Franz Bonaparte,
Herzog von Reichstadt

Der nächste angebliche Vater soll Napoléon Franz Bonaparte, besser bekannt als Herzog von Reichstadt (*20.3.1811, †22.7.1832) gewesen sein. Er soll Erzherzog Ferdinand Maximilian gezeugt haben.

Herzog von Reichstadt war ein inniger Vertrauter von Sophie und ging Privat bei ihr ein und aus. Das ging so weit, dass er sich niemals bei ihr anmelden musste. Sie nannte ihn „ihren Seelenfreund“.

Das Gerücht, dass er der Vater sei, wurde später sogar von Erzherzog Ferdinand Maximilian (*6.7.1832, 19.7.1867), Kaiser von Mexiko selbst immer wieder angeheizt. Er eiferte grundsätzlich mit seinem Bruder Franz Joseph und wusste, dass er ihn damit verletzen konnte.

Da er aber der Lieblingssohn Sophies war, verletzte er eher seine Mutter.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz
Bild: Joseph Karl Stieler, 1831

Die erste Zeit stillte sie ihren Franz sogar selbst, was in dieser Zeit völlig ungewöhnlich und extrem selten war. Normalerweise wurde im Adel das Kind einer Amme (= eine Mutter, die gerade selbst Mutter wurde und Milch in den Brüsten hatte) zum Stillen übergeben.

Dieses Stillen ist für mich deshalb so ungewöhnlich, weil Sophie dies ihrer Nichte und späteren Kaiserin Elisabeth verbat und diese extreme Schmerzen, Fieber und eine schwere Milchdrüsenentzündung bekam.

Franzi durfte einmal vom November bis März sein Zimmer nicht verlassen, da eine Grippewelle herrschte und er sich hätte anstecken können.

Für Sophie war er „der von Gottes Gnaden“ geschenkte Sohn. Und so behandelte sie ihn auch. Die ganze Kindheit bis zum Thron von Kaiser Franz Joseph könnt ihr hier nachlesen.

Baronin Sturmfeder rief sie zur Ordnung, als sie hörte, dass diese Franzi „Meinen Prinz“ nannte. Sophie berief sich auf den Kaiser, dass diese ihren Sohn, ausdrücklich „Erzherzog“ zu nennen habe.

Doch das stimmte nicht.

Sophie konnte Personen die niederen Adels war nicht leiden und ließ diese das spüren. Obwohl sie selbst als Prinzessin aufgewachsen war, hielt sie den Titel „Prinz“ für abfällig. Erzherzog hingegen war für ihren Franzi gut genug. Deswegen bestand sie schon als Baby auf diese Anrede.

Als gegen Ende 1830 Hochzeitspläne für den schwer epileptischen Ferdinand in Erwägung gezogen wurden, wurde Sophie äußerst nervös. Ihr Sohn stand an dritter Stelle der Thronfolge. Hätte Ferdinand Kinder gezeugt, wäre die Thronfolge verloren gewesen und das wusste sie.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Maria Anna
Bild: Johann Ender

Als die Ärzte die Freigabe für eine Hochzeit gaben und Italien die Hand der Königstochter Maria Anna Prinzessin von Savojen (*19.9.1803, †4.5.1884) ebenso, war Sophie einer Ohnmacht nahe.

Doch die Ärzte konnten sie beruhigen. Niemals hätte Ferdinand auf natürlichen Wege Kinder zeugen können und eine andere Möglichkeit gab es damals noch nicht. Hätte Maria Anna also ein Kind bekommen, hätte wirklich jeder gewusst, dass sie eine Affäre gehabt hatte.

Am 27.1.1831 wurde die Hochzeit mit dem Kronprinz und der Prinzessin Maria Anna gefeiert. Die Hochzeit glich einer Trauerfeier.

Sogar dem Bräutigamvater Kaiser Franz II/I erbarmte sich für die schöne Braut. Ihm entfuhr bei der bei der Trauung:

„Daß Gott erbarme“ (5a)

Bis heute ist in der Literatur umstritten, ob die Ehe jemals vollzogen wurde. Ferdinand war so schwer behindert, dass davon ausgegangen werden muss, dass er dazu nicht imstande war. Mit stoischer Gelassenheit und in Erfüllung ihrer karitativen Aufgaben ging Maria Anna ihren Weg. Zu dem half ihr ihre tiefe Gläubigkeit über die cholerischen Ausbrüche ihres Mannes hinweg. Sie wurde mehr zur Krankenschwester, als zur Ehefrau.

Neben der Trauer ihrer verlorenen Kinder, gesellte sich der tiefe Schmerz zum Verlust ihres Seelenfreundes Franz Herzog von Reichstadt hinzu.

Foto: sammlung.wienmuseum.at
Erzherzog Franz und Erzherzog Ferdinand Maximilian
Lithographie: Josef Kriehuber, 1833

Obwohl sie gerade Hochschwanger war, wachte sie Tag und Nacht am Krankenbett ihres Freundes, als dieser an Tuberkulose erkrankte.

Am 6.7.1832 kam Erzherzog Ferdinand Maximilian, Zeit seines Lebens immer nur Max genannt, in Schloss Schönbrunn auf die Welt.

Als Franz Herzog von Reichstadt schließlich mit 21 Jahren am 22.7.1832 in Schloss Schönbrunn starb, ging die Welt für Sophie beinahe unter.

Sophie trauerte lange um ihren Freund.

Obwohl Sophie weiterhin schwanger wurde, erlitt sie immer wieder Fehlgeburten. Einmal war sie so schwer getroffen, von ihrem Schicksal, dass ihr Baronin Sturmfeder den quietschvergnügten Franzi brachte.

„Ich hoffe, daß der liebe Gott mir diesen erhalten und nicht dieses Opfer fordern wird.“ (4g)

Die Erzherzogin war der Verzweiflung nahe und trotzdem brachte sie am 30.6.1833 wieder in Schloss Schönbrunn einen gesunden Buben zur Welt.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig 15jährig
Bild: Anton Einsle, 1848

Nach dem nun Franzi ihr Sohn von „Gottes Gnaden“ war und Max ihr absolutes Lieblingskind wurde, den sie verhätschelte und ihm alles kaufte was er Zeit seines Lebens wollte, war nun Karl Ludwig auf der Welt.

Während Franzi oft isoliert wurde und von den Brüdern nicht so viel hatte, durften Maxi und Karli miteinander spielen. Max war dafür bekannt, dass er sehr viele Streiche spielte.

Vor allem die Lehrer waren immer sein erklärtes Ziel. Sophie war jeden Tag bei den Lerneinheiten zugegen, da sie alles mit Argusaugen bewachte. Doch auch hier wurde Franzi wieder mehr gedrillt, als seine Brüder.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin „Ännchen“
Lithographie Joseph Kriehuber

Am 27.10.1835 kam Sophies ganzer Stolz zur Welt: Maria Anna Karolina Pia, genannt „Ännchen“. Sie war der Sonnenschein der gesamten Familie und wurde von allen umhegt und umpflegt.

Eine kleine Episode aus dem Leben mit Ännchen möchte ich hier erwähnen.

Als das kleine Mädchen „Töpfchen gehen“ lernte, zeigte sie das mit ihrer Puppe Baronin Sturmfeder, die ebenfalls zu ihrer Aja wurde.

Die Szene wurde von ihrer Mutter beobachtet, die dies natürlich gleich voller Stolz an Oma Caroline in Bayern übermittelte:

„Unlängst setzte die Kleine ihrer Puppe auf ihren kleinen Topf und sagte ni ni, wie sie es sagt, wenn sie ihr kleines Geschäft machen will…. sie plaudert gerne und nennt sich selbst Mausina u. Schatzerl…“ (4h)

Foto: oldthing.de
Franzi (am Schaukelpferd), Max (kniend), Ännchen und Karl Ludwig

5 Jahre durfte sie der Familie die größte Freude machen.

Bei Ännchen trat die Habsburgische Heiratspolitik voll zu Tage. Sie hatte schwere Epilepsie und die Ärzte waren so enorm damit beschäftigt sich selbst zu übertrumpfen, dass sie die Gefahr übersahen. Am 5.2.1840 starb die kleine Erzherzogin in den Armen der gramgebeugten Mutter.

Sophie überwand diesen Tod nie. Die vielen Fehlgeburten und 1840 auch noch eine Totgeburt, zerrten ihren Körper und ihre Seele aus.

Sie wollte keine weiteren Kinder mehr, dies schrieb sie auch ihrer Mutter. Doch Verhütung aller Arten gab es damals noch lange nicht und so mussten die Kinder geboren werden, wie sie kamen.

Foto: domquartier.at
Erzherzog Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“ als Kleinkind

Der letzte im Bunde war Erzherzog Ludwig Victor, Zeit seines Lebens in der Familie immer nur „Luzi-Wuzi“ genannt. Er kam am 15.5.1842 zur Welt.

Er galt von Anfang an als „Sonderling“ und in seinen späteren Jahren stellte sich heraus, dass Luzi-Wuzi Homosexuell war.

Dies war im 19. Jahrhundert nicht ungefährlich und wurde normalerweise mit Gefängnis bestraft. Da er aber der Bruder des Kaisers war, ließ man ihn die meiste Zeit in Ruhe und akzeptierte sein Lebensmodell.

Sophie unterstützte Zeit ihres Lebens ihren Sohn und er sie. Luzi-Wuzi war die größte Stütze in ihrem Leben.

Was später Kaiserin Elisabeth immer angelastet wurde, sorgte bei Sophie für Verwunderung. Sowohl Sophie, als auch Kaiserin Karolina Augusta (*8.2.1792, 9.2.1873) saßen mit den Kindern am Boden und spielten mit ihnen. Dies sorgte für große Ver- und Bewunderung am Wiener Hof.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Karolina Augusta
Unbekannter Maler; Bild wurde von diesem geschönt, da Karolina durch Pockennarben schwer entstellt war

Kaiserin Karolina Augusta war eine (Halb)Schwester von Sophie und Ludovika. Sie wurde als Karoline Charlotte Auguste Kurfürstin von Bayern geboren, welche später zur Prinzessin von Bayern aufstieg, da ihr Vater Maximilian Joseph (*27.5.1756, 13.10.1825) König von Bayern wurde.

Sie ehelichte in 1. Ehe Kronprinz Wilhelm von Württemberg (*27.9.1781, 25.6.1864) der sie allerdings sehr schlecht behandelte und die Ehe nie vollzog.

Durch politische Ereignisse konnte die Ehe 1814 geschieden und für ungültig erklärt werden. Am 29.10.1816 wurde sie – ebenfalls durch politische Vermittlung – an den Wiener Hof verehelicht. Die Ehe mit Kaiser Franz II/I war dessen 4te Ehe und wurde sehr glücklich, blieb aber kinderlos.

Durch die lieblose Behandlung in ihrer ersten Ehe legte sie ihren Vornamen ab und änderte ihn in Karolina Augusta. Durch die Kinderkrankheit Blattern war sie im Gesicht durch Narben entstellt, was aber die Liebe von Franz nicht trübte. Er behandelte alle seine Ehefrauen liebe- und respektvoll und war jedesmal bestürzt, wenn sie ihm „wegstarben“.

Sophie war froh ihre Schwester am Wiener Hof zu haben, da sie sich gut mit ihr verstand. Sie half ihr sich einzuleben und ein bisschen das Heinweh zu nehmen, was sie jahrelang durchlitt.

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Foto: Donaumonarchie.com
Erzherzog Franz Karl, Erzherzogin Sophie mit Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzogin Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna, ca. 1836

Sie liebte alle ihre Kinder, aber bei keinem verschwendete sie so viel Energie und Aufmerksamkeit wie bei ihrem Franzi.

Franzi wurde teilweise sogar abgesondert, durfte mit den Kindern der am Hof lebenden Familien nicht spielen und wurde immer als „etwas Höheres“ gesehen.

Sophie wurde in den späteren Jahren immer vorgeworfen, dass genau das der Grund sei, warum Kaiser Franz Joseph mit anderen Menschen nur schwer oder gar nicht umgehen konnte.

Zeit seines Lebens tat er sich mit Small Talk schwer und hatte kaum, bis gar kein Feingefühl für andere Menschen. Er galt als gefühlsarm und oberflächlich.

 Franzi war ein einsames Kind und Kaiser Franz Joseph sollte es bis zu seinem Tod bleiben.

Sophie glaubte an die Monarchie und war immer davon überzeugt, dass die Monarchie die einzig wahre Regierung ist. Der Monarch hatte die Macht und das Volk hatte dankbar zu sein.

Auch wenn sie Zeit ihres Lebens Schirmherrin für verschiedene karitative Vereine Geld aus ihrem Privatvermögen spendete, stand sie auf dem Standpunkt

„Das Volk habe dem Kaiser zu dienen.“

Dass aber das Volk nach einer Änderung dürstete und die Knechtschaft unter den Habsburgern satt hatte, sah sie nicht.

Sie lehnte jede Reform ab.

Allerdings geriet ihre Welt ins Wanken, als ihr geliebter Schwiegervater und Befürworter Kaiser Franz II./I. am 2.3.1835 starb.

Die schützende Hand, die immer über ihr war, war nun Tod. Als sich auch noch ihre Schwester Ex-Kaiserin Karolina Augusta nach Salzburg zurückzog, war sie alleine mit dem neuen Kaiser, den sie weder leiden, noch akzeptieren konnte.

Foto: Wikimedia/Commons
Ex-Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“, Foto: Leopold Kupelwieser, 1847

Kaiser Ferdinand I. anzuerkennen war ihr größtes Problem. Doch es half nichts, er war der Kronprinz und übernahm am 2.3.1835 den Thron.

Ihr einziger Triumpf am Wiener Hofe, waren nun die Kinder.

Vor allem Erzherzog Franz, wurde von nun an noch mehr gehegt und gepflegt, da er jetzt an zweiter Stelle in der Thronfolge stand.

Schon Kaiser Franz II./I. nahm keine Reformen an, Ferdinand I. war dazu noch weniger in der Lage. Klemens Wenzel Fürst von Metternich (*15.5.1773, 15.5.1773) sah nun noch mehr seine Chance seine Staatsinteressen durchzusetzen.

Foto: Wikimedia/Commons
Fürst Metternich
Bild: Thomas Lawrence, 1815 

Er beeinflusste schon gekonnt Kaiser Franz II/I, aber zu Kaiser Ferdinands Zeiten regierte er beinahe alleine.

Sie unterstützte so weit es ging Metternich in seinen Vorhaben, schon alleine deshalb, damit sie immer wusste, was er vorhatte.

Dennoch konnten sich beide nicht ausstehen.

Fürst Metternich lehnte Erzherzogin Sophie ab. Kaiserin Maria Anna war ihm viel lieber. Natürlich. Sie war biegsam, fromm, mischte sich in die Politik nicht ein und kümmerte sich um ihren behinderten Mann, beeinflusste ihn aber nicht.

Sophie hingegen war eine Prinzessin von Bayern, wunderschön, hatte den Thronfolger geboren und wusste um ihre Stellung. Dazu war sie überaus Intelligent, spielte dies auch noch gegen den Fürsten aus, in dem sie viel zu viel von Politik, Macht, Militär und der Monarchie verstand.

Der höchste Adel ging bei ihr täglich Ein und Aus und sie wusste immer was zu tun war. All das passte ihm ganz und gar nicht. Sophie passte nicht in sein gepflegtes „Altmänner-Weltbild“.

Obwohl sie selbst keine Reformen mochte, ärgerte sie sich Jahre später über ihren Schwiegervater sehr, der er sehr stagnativ in seiner Herrschaft war.

Auch Franz Joseph sollte später keine Reformen zulassen und steckte in den alten starren Gepflogenheiten seines Großvaters fest.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie, 1866

Sophie legte Wert auf einen streng geregelten Tagesablauf: zwischen 7.00 Uhr – 7.30 Uhr stand sie auf, danach ging sie zur Messe, nach der Messe frühstückte sie mit den Kindern.

Nachdem sie die ihre Post erledigt hatte, wurde mit den Kleinen gespielt (Schnick Schnack Schnuck, Schwarzer Peter usw.).

Wie schon erwähnt wohnte sie beim Unterricht von Franz, Max, Karl Ludwig und Ludwig Victor bei.

Das Mittagessen fand um 16.00 Uhr statt (was sehr spät war).

Zu diesem empfing sie die ersten Gäste.

Abends empfing sie in ihrem Salon weitere Gäste und hielt ihre berühmt berüchtigte „Theestunde“ ab.

Sophie schätzte auch ihre „Diners“, fuhr gerne nach Laxenburg, ging gern im Schlosspark von Schloss Schönbrunn spazieren, liebte die Menagerien und den botanischen Garten.

Foto: zoovienna.at
Menagerie im Zoo von Schloss Schönbrunn

Vor ihren Schwangerschaften ritt Sophie auch leidenschaftlich gerne. Sie begleitete ihren Franz auch gerne zu den Jagden, konnte es aber nicht ertragen, wenn die Tiere getötet wurden, weshalb sie immer enorm glücklich war, wenn ihr Gemahl nicht traf oder sich kein Wild zum Abschießen fand.

Als sich die ersten Fehlgeburten einstellten, gab sie das Reiten allerdings auf.

In späteren Jahren ging sie mehrmals am Tag in die Messe. Weiters liebte sie es zu sticken.

Bis ins hohe Alter stickte sie hingebungsvoll Messgewänder.

Sie war auch die Einzige am Wiener Hof, die sich für die Tagespolitik interessierte.

Sie ließ sich täglich sämtliche Zeitungen aus der Monarchie bringen (u.a. Neue Freie Presse, Wiener Zeitung etc.), welche sie zu jedem Lesesessel oder Teetisch mitnahm.
Über den Tag verteilt las sie alle Zeitungen akribisch durch und wusste so immer genau, was in der Monarchie geschah.

Während der Regentschaft von Kaiser Ferdinand I. war sie zum Nichtstun verpflichtet.

Sie wusste, wenn sie sich einmischen würde, würde ihr das sehr Übel genommen werden. Heimlich jedoch wusste sie über alles Bescheid und kein noch so kleines Detail entging ihr.

Vom 13.4.1844 bis 17.8.1846 schrieb Karli Ludwig in (sehr) unregelmäßigen Abständen Tagebuch. In diesem bekommt man einen recht guten Eindruck zum manchmal sehr eintönigen Leben der Erzherzogsfamilie.

Vor allem aber kann man herauslesen, wie Franzi abgeschottet und oftmals eingesperrt wurde, Maxi bevorzugt und mit „Mama“ ins Theater durfte und Karli alleine beim Erzieher bleiben musste. Luzi-Wuzi war sowieso erst 2 (bis 4) Jahre alt und für vieles noch zu klein.

Erzherzog Karl Ludwig war ein einsamer Bub und so möchte ich ein paar Stellen aus dem Tagebuch zitieren:

„Montag 6. April 1844
Heute Mittags waren wir in einem Gewölb (Anmerkung der Autorin: vermutlich in einem tiefliegenden Verkaufsladen) und haben etwas gekauft. Nachmittags sind wir mit der Mama im Prater spazierengegangen. Heute Abends bin ich allein, aber der Maxi ist mit der Mama im Theater, wo die Elßler tanzt.“
(5b)

(Anmerkung Petra: Fanny Elßler galt als beste Tänzerin ihrer Zeit)

Sonntag, 3.November 1844
Heute Mittags ging der Maxi in die Gruft, der Baron, ich und der Franzi blieben zu Hause … Wir speisten nicht beim Kaiser, weil wir morgen dort speisen. … Wir waren Abends allein, die Mama war im Theater, jedoch dann kam die Großmama mit der Amie zu uns.
(5c)

(Anmerkung Petra: Ex-Kaiserin Karolina Augusta)

Freitag, 15. November 1844
Heute ist Leopoldi Wir gingen in die Segensmesse mit der Mama. Ich allein fuhr mit Grafen Coronini in den Prater, ….. Heute speiste ich schon um 4 Uhr. Abends ging die Mama in das Theater, und wir spielten Tombola mit dem Baron. D.M.h.T. (Anmerkung der Autorin: Die Mama hatte Thee)
(5d)

(Anmerkung Petra:
Leopoldi: Bis heute ein Feiertag in Wien/Hl.Namenspatron)

Es gab aber auch durchaus sehr lustige Einträge.

Fasten
Mittwoch 5. Februar 1845
Heute ließen wir uns einäschern. Die Mama blieb Abends zu Hause. (5e)

Gemeint war natürlich der Aschermittwoch.

Als 1848 die Revolution ausbrach, sah sie ihre Chance, Kaiser Ferdinand endlich die Stirn zu bieten.

Die Bürger Wiens hatten das strenge Regime von Metternich endgültig satt. Die Arbeiter vegetierten unter schrecklichen Bedingungen vor sich hin, es herrschte Not in allem.

Die Bauern hatten immer noch mit der Grundherrschaft zu kämpfen und mussten fast alles an diese abgeben. Zu dem wurden die Bürger bespitzelt, die Handwerker fürchteten einen Abstieg ins Proletariat, weil die Industrialisierung einsetzte.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Albrecht

Die Lebensmittel wurden verteuert, was bereits 1847 zu Hungerrevolten führte. Immer mehr befürchtete man eine zweite Revolution, wie sie in Paris 1830 stattfand.

Im März 1848 kam es dann tatsächlich zu einem ersten Handgemenge und zu den ersten Todesopfern, da Erzherzog Albrecht (*3.8.1817, 18.2.1895) in die Menge schießen ließ.

Metternich floh mit seiner Frau aus Wien nach Feldsberg und suchte fieberhaft nach einem Exil.

Kaiser Ferdinand, Kaiserin Maria Anna und die gesamte Erzherzogsfamilie flohen nach Innsbruck.

Im April kam sie kurz zurück, um im Prater Ostern verbringen zu können und ließen vom Personal die Ostereier dort verstecken.

Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Prinzessin von Schweden
Lithographie Josef Kriehuber, 1830

Wie herrlich die Ostertage waren, beschrieb Sophie Gräfin von Scharnhorst (*/unbekannt), welche die Hofdame von Amalie Prinzessin von Schweden (*22.2.1800, 20.9.1850) war.

Amalie war, wie ihr Bruder Prinz von Wasa, eine enge Freundin des Erzhauses und begleitete beinahe ständig Sophie überall hin. So erlebte Sophie von Scharnhorst die kaiserliche und erzherzögliche Familie.

Kein schlechtes Wort kam der Gräfin jemals über ihre Herrin über ihre Lippen. Ihre Briefe sind eine einzige Lobeshymne an die hohe Frau. Die Briefe erreichten alle ihre enge Freundin Eveline Gräfin von Sickingen-Hohenberg(*) (*24.11.1809, †27.11.1895), welche in Ischl lebte und eine enge Vertraute des hohen Adels war. So auch von Erzherzogin Sophie.

Von allen Hofdamen geliebt und verehrt, vom Adel hofiert, von den Ischlern ob ihrer Verschwendungs- und Herrschsucht gehasst, ist es trotzdem Eveline zu verdanken, dass der Christbaum im Salzkammergut Einzug gehalten hatte.

Erzherzogin Henriette (*25.10.1823, †29.12.1829) hatte diesen von Bayreuth nach Wien gebracht und Kaiser Franz II/I war ganz begeistert von dem „brennenden Lichterbaum“. Dieser verbreitete sich in Wien rasend schnell. Eveline übernahm die Tradition und brachte diesen nach Ischl.

„Wien, 2. Mai 1848.
Du erhältst diese Zeilen durch den Sekretär Ihrer K.H. (Anmerkung Petra: Kaiserlichen Hoheit), der Erzherzogin Sophie, der Euch viel von den hiesigen Zuständen erzählen kann. Seit dem 15. April der Geburtsfeier des Kaisers (Anmerkung Petra: Ferdinand I. *19.4.1793) und der Verleihung der Konstitution, ist es ruhiger geworden.
….
Der 25.April war ein unvergeßlicher Tag, reich an Enthusiasmus und schönen, großartigen Eindrücken. Wir fuhren im Gefolge der Erzherzogin Sophie an den Fronten des paradierenden Militärs und den 15 000 Nationalgarden vorüber, die laute Vivats der teuren hochherzigen Frau zuriefen, während alle Musikbanden einstimmig die Nationalhymne spielten. Es war ein schöner Augenblick. Sie hatte den lieben kleinen Erzherzog Ludwig bei sich im Wagen, während ihr Gemahl und ihre drei Söhne zu Pferde paradierten.
Nach der Truppenschau begab sie sich auf den Balkon im Burghof, wo der Kaiser und die ganze kaiserliche Familie dem Defilieren des Militärs un der Garden zusahen. Unaufhörliche Lebehochs und Vivats erfüllten die Luft, und die Akademiker, die Helden des Tages, schwangen die mit deutschen Farben befiederten Federhüte fröhlich hinauf zum Balkon, während sie lustig nach dem von Strauß für die komponierten Marsch auf das Motiv „Was macht der Herr Papa“ marschierten.
Wir sahen diesem schönen Schauspiel aus den Fenstern der Erzherzogin zu. Eine unbeschreibliche Masse von Menschen war auf den Beinen, doch fehlten die Aristokraten. Nirgends sah man Bekannte, außer denen, die in den Reihen der Garden mit ziemlich sauren Gesichtern die Muskete trugen. Nun, ich meine, wenn die kaiserliche Familie sich freundlich in die neue Ordnung fügt, so könnten sie es auch ohne Bedenken tun.
Abends war ein kolossaler Fakelzug, und wenn man die angstvollen Tage mit durchgemacht hat, so freut man sich dieses Versöhnungsfestes, das das erschütterte Vertrauen durch so viele Beweise der Ergebenheit neu belebte.“
…. (7b)

Doch die herrschende Ruhe war trügerisch.

Schon im Mai kam es zu den nächsten Unruhen und Sophie ließ ihre Diamanten einpacken und begann wichtige Dokumente zu verbrennen. Die Familie floh erneut und Sophie nahm mit schwerem Herzen Abschied von Wien.

Wieder schrieb Baronin Scharnhorst nach Ischl an ihre Freundin:

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Hacking
1955 abgerissen, an seiner Stelle steht ein „Jugendgästehaus der Stadt Wien“, aus dem Park wurde eine „Sozialwohnbau“
nur ein Teil des Parks durfte als Park bleiben

„Hacking, 31.5.1848
(Anmerkung Petra: War Prinzessin Amalie von Schweden nicht zu Gast bei Erzherzogin Sophie wohnte sie im Schloss Hacking – heute Wien 13; damals Vorort; wie Schloss Schönbrunn übrigens auch)
Den 26., morgens um 10 Uhr, flohen wir über die Barrikaden weg hierher, wo es jetzt ganz ruhig ist. Ich atmete tief auf, als ich nach der Angst der vorhergegangenen Tage das friedliche Schloß in den schönen grünen Umgebungen des herrlichen Gartens, ein Asyl der Ruhe, wiedersah und dankte Gott, das Toben und anarchistische Treiben des ach so ganz veränderten liebe Wien zu verlassen.
Wir machen seit dem 13. März eine ununterbrochene Revolution durch, die nach und nach einen sehr ernsten trüben Charakter annimmt.
….
Soviel ist Gewiß, daß die plötzliche Abreise des Hofes Schrecken, Zerknirschung und Schmerz verbreitet hatte und daß die drückende Stimmung zur Ordnung und Mäßigung zurückführte.
Die Stadt war in den Händen der Studenten, der Nationalgarde und Bürger.
… (7c)

Im August kam die Familie von Innsbruck zurück und hoffte auf Beendigung der aufständigen Wiener und Ungarn.

Foto: geschichtewiki.wien.gv.at
Hans Kudlich

Am 24.7.1848 (*25.10.1823, 11.11.1917) wurde von Hans Kudlich der Antrag auf Aufhebung der bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses gestellt.

Es folgten lange und zähe Verhandlungen, denen jedoch stattgegeben wurde und am 7.9.1848 in Kraft traten.

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Philipp Graf von Lamberg

Obwohl in Europa mittlerweile eine Konterrevolution erstarkte, galt Wien und Ungarn weiterhin als aufständisch. Am 28.9.1848 wurde Franz Philipp Graf von Lamberg (*30.11.1791, 28.9.1848) in Pest ermordet.

Kriegsminister Latour befehligte deshalb den Abmarsch der Truppen nach Ungarn.

Am 6.10.1848 wurde Theodor Graf Baillet de Latour (*15.6.1780, 6.10.1848) aus dem Zeughaus gezerrt, ausgezogen und ermordet. Danach wurde die Leiche des toten Ministers auf einer Laterne „Am Hof“ aufgehängt und dem Hohn und Spott der Wiener Bevölkerung ausgesetzt.

Auf Grund der Nähe zur Hofburg und des Mordes an einem Adeligen floh Kaiser Ferdinand I. und seine gesamte Familie erneut. Diesmal führte der Weg nach Olmütz.

Jetzt hatte Erzherzogin Sophie ein für alle Mal genug.

Für sie war Metternich an ganzer Front gescheitert. Ferdinand hielt sie sowieso immer unzulänglich.

Heimlich hatte sie seit Beginn der Revolution und sogar schon etwas früher – seit ca. 1847 mit Erzherzog Franz Karl die Abdankung seines Bruders „vorbereitet“.

Angeblich gab es eine Vereinbarung, die besagte, dass Erzherzog Franz an seinem 18. Geburtstag 1848 den Thron übernehmen sollte.

Am 6. Oktober 1848 wurde der Machtwechsel in einem größeren Kreis diskutiert; mit dabei viele regierende Minister die später eine prägende Rolle für Kaiser Franz Joseph I. einnehmen sollten.

Franzi selbst reagierte auf den Machtwechsel mit Übelkeit und übergab sich mehrmals.

Obwohl in der Rangfolge ursprünglich sein Vater Erzherzog Franz Karl auf Kaiser Ferdinand I. folgen sollte, wirkte Sophie solange auf ihren Mann ein, bis dieser nachgab und den Weg für seinen Sohn freimachte.

Am 2. Dezember 1848 war es soweit. Erzherzog Franz folgte auf den Thron. Ab sofort war aus dem Buben ein Mann geworden.

Zuvor musste Kaiser Ferdinand I. seine Abdankung vorlesen, was er mit leiser und zögerlicher Stimme tat. Kaiser Ferdinand I. notierte in sein Tagebuch:

„Die Funktion endete damit, daß der neue Kaiser von seinem alten Kaiser und Herrn, nämlich vor mir kniend um den Segen bat, welchen ich auch unter Auflegung der Hände auf seinen Kopf und Bezeichnung mit dem heiligen Kreuz gab, ich ihn dann umarmte und er mir die Hand küsste. Und auch meine liebe Frau umarmte und küßte unseren neuen Herrn, dann entfernten wir uns in unsere Zimmer…“ (6a)

Die Zeremonie fand heimlich und im engsten Vertrautenkreis in Olmütz statt.

Foto: Wikimedia/Commons
Thronübergabe von Kaiser Ferdinand (links) an Kaiser Franz Joseph (kniend)
Erzherzog Sophie (rechts, stehend im schwarzen Kleid)

Auch der Name von Kaiser Franz Joseph wurde von Sophie bestimmt. Ihr Franzi sollte einzigartig in der Geschichte sein. 

Und so wurde aus Erzherzog Franz(i)

Kaiser Franz Joseph I.

Franz Joseph I. sollte der erste und einzige Kaiser mit einem Doppelnamen werden. 

Baronin Scharnhorst hält fest:

Olmütz, 5.Dezember 1848
Was ich ahnungslos erlebt habe! Den schönsten herrlichsten Tag! Unvergeßlich all denen, die den jugendlichen klaren Stern zuerst erblickten.

Niemand ahnte den großartigen Entschluß, der den Kaiser uns seinen Durchlauchtigsten Bruder bestimmte, der Krone zugusten des Neffen und Sohnes zu entsagen. Selbst die hier anwesenden Erzherzöge und Brüder des jungen Kaisers wußten nicht, was geschehen sollte, als sie sich auf Befehl des Kaisers früh um 8 Uhr versammelten. Sie wurden so wie alle übrigen Anwesenden beim Verlesen der Abdikationsakte vollkommen überrascht.
Der Moment, wo Kaiser Ferdinand seinen jungen Nachfolger segnete, der dann knieend den Segen seiner Eltern empfing, soll sehr rührend und erhebend gewesen sein.
Ich füge nur bei, was ich gesehen habe. Alles andere findest Du in den Zeitungen. Nachdem vom Rathaus nach allen Seiten Herolde die Proklamation der Thronbesteigung Franz Josefs I. gemacht hatten und die hier anwesende Garnison vor dem Burgtor unter die Waffen getreten war, begab sich der junge Kaiser von allen Erzherzögen, dem Fürsten Windischgrätz, Jelachich und einem glänzenden Gefolge umgeben, zu den in Parade aufgestellten Truppen.
Diese empfingen ihn mit donnernden Vivats, mit Lebehoch, der Volkshymne und dem Wirbeln aller Trommeln.

Die hochverehrte Erzherzogin Sophie …, folgte in einer offenen Kalesche dem glänzenden Zuge des geliebten Sohnes, strahlend vor Freude und Rührung den Blick auf den Liebling ihres Herzens geheftet. Die Kalesche meiner Prinzessin hatte einen so guten Platz eingenommen, daß wir den schönen unvergeßlichen Anblick in seiner ganzen Herrlichkeit genießen konnten.
Von dort begaben wir uns zur Erzherzogin Sophie, deren großartiger Charakter sich wieder einmal bewies. Rein und hoch steht sie da in der mütterlichen Liebe, indem sie die Krone, die i h r zukam, mit begeisterter Hingebung echter Vaterlandsliebe auf das Haupt ihres Sohnes setzte. Beschämt stehen ihre Feinde und können den Adel ihrer Seele nicht trüben. Nein, das können sie von jetzt ab nicht mehr!

(7)

Zum Glück bekam Erzherzogin Sophie es nicht mehr mit, dass es nicht ihr geliebter Franzi war, der für den Fortbestand der Monarchie sorgte. Dass es ausgerechnet der von ihr so wenig beachtete Erzherzog Karl Ludwig sein würde, konnte natürlich zu diesem Zeitpunkt keiner ahnen.

1849 ereilte sie noch einmal ein trauriges Schicksal. Obwohl die Ärzte ihr sagten, dass sie nach der Totgeburt 1840 keine Kinder mehr bekommen konnte, wurde sie nochmals schwanger.

Im Oktober 1849 kam es tragischerweise nocheinmal und letztmalig zu einer weiteren Fehlgeburt. Sophie war mittlerweile 44 Jahre alt, was zu diesem Zeitpunkt als spätgebährend galt und oft mit dem Tod bezahlt wurde.

Baronin Scharnhorst notierte wieder in ihrem Brief an Eva:

„Wien, 10. Oktober 1849
Meine K.H.ist leider krank. Sie liegt wie eine weiße Lilie in ihrem Bette, so geduldig und ergeben wie ein Engel. Ich gehe wenig aus.
…. – Mit der lieben Erzherzogin geht es gut, trotz aller physischen und moralischen Schmerzen. Sie wird am 2. November aufstehen. Ihr kräftiger, gottergebener Sinn hat sie aufrecht erhalten. Der arme Kleine hatte einen ausgebildeten Wasserkopf und hätte nur unter Qualen ein trauriges Leben führen können. Meine Prinzeß erfährt die Begebenheit erst heute. Sie war zu schwach und angegriffen, um sie früher davon in Kenntnis zu setzen. Ich zittere bei dem Gedanken, es ihr sagen zu müssen. (7a)

Anmerkung Petra: In diesem Fall Königliche Hoheit, da Prinzessin Amalie gemeint ist. Diese kränkelte sehr oft, weshalb sie 1850 starb)

Ausgezerrt von den vielen Geburten wurde sie kränklich. Von der letzten Totgeburt erholte sie sich nie wieder. Sie verfiel in Depressionen und auch ihr körperlicher Zustand ließ nach.

Doch noch war sie stark genug, um für ihren Franz ins Gefecht zu ziehen und streng über ihn zu wachen.

Als Kaiserin Mutter war Sophie eine noch resolutere Erscheinung, als sie ohnehin schon war. Sie erlaubte sich sogar die wichtigsten Gespräche mit Ministern zu unterbrechen, wenn sie meinte, ihren Franz sprechen zu müssen.

Dies brachte ihr den unschönen Titel

„Der einzige Mann bei Hofe“

ein.

In wie weit Sophie sich in die Politik von Franz Joseph eingriff ist nicht bekannt; allerdings kann man einen gewissen Einfluss nicht verbergen, denn die Ansichten, die gerade der junge Kaiser vertrat, waren gleichgestellt mit der seiner Mutter.

Tu felix austria, nube. Du glückliches Österreich, heirate!

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph

Als es Zeit war, für Franzi eine Kandidatin auszuwählen, war sie mit vollem Herzen dabei.

Als er 22 Jahre alt wurde, wurde es Zeit für ihn zu heiraten. Auch hier zeigte sich Sophie als die Strippenzieherin. Nach einigen Irrfahrten quer durchs deutsche Königreich und einen verliebten Ausflug ins schöne Ungarn, der Sophie nicht passte, wurde sie schnell in ihrer eigenen Familie fündig.

Die Auserwählte war Helene Herzogin in Bayern (*4.4.1834,16.5.1890) Tochter von Ludovika Herzogin in Bayern (*30.8.1808,26.1.1892) und Herzog Max in Bayern (4.12.1808, 15.11.1888). Ludovika war eine Schwester von Sophie und somit war Helene, welche in der Familie immer nur Néné gerufen wurde, ihre Nichte.

Dass es „ausgerechnet“ Elisabeth (*24.12.1837, 10.9.1898) war, welche im Kindesalter „Elise“ und ab ca. ihrem 14jährigen Leben „Sisi“ gerufen wurde, in die sich Franz Joseph verliebte, war von Sophie weder vorhergesehen, noch gewollt.

Doch für dieses eine Mal – eines der wenigen Augenblicke im Leben von Franz Joseph – setzte er sich gegen die strenge Mutter durch. Er heiratete seine Engels-Sisi.

Um den Beitrag nicht noch länger werden zu lassen, habe ich die Verlobung und die Hochzeit in zwei einzelne Beiträge zusammengefasst. Ansonsten würde das hier beinahe in ein Buch ausarten.

Sophie fügte sich und nahm Elisabeth unter ihre Fittiche, was dieser nicht passte.

Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Erzherzogin Sophie es war, die Elisabeth ablehnte. Doch leider ist dies falsch.

Kaiserin Elisabeth war es, die von Beginn an, ihre Tante, ihr Wesen und alles was sie mit der Monarchie verband, ablehnte. Sie lehnte sich in jeder Art und Weise und ununterbochen gegen sie auf.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Victor. Fotografie von Ludwig Angerer, 1860
Die einzige existierende Fotografie mit Kaiserin Elisabeth und den Kindern!

Wie schon bei ihrem Franzi, nahm sie auch bei Erzherzog Karl Ludwig und später bei Erzherzog Ferdinand Maximilian jeweils großen Einfluss wen diese heirateten.

Wobei der Einfluss bei Erzherzog Karl Ludwig bei weitem größer war, als bei ihrem Lieblingssohn Max.

Vor allem Karl Ludwig wurde massiv beeinflusst. Da er zwei Frauen verlor, musste sie sogar insgesamt drei Mal auf die Suche gehen.

Die erste und zweite Ehefrau starben Karl Ludwig jeweils relativ schnell. Margarete Prinzessin von Sachsen (*24.5.1840, 15.9.1858) war ebenfalls wieder eine Nichte von Sophie und somit die Cousine des Bräutigams. Sie starb kaum 18jährig an Tyhpus.

Maria Annunziata „Ciolla“ von Bourbon-Parma (*24.3.1843, 4.5.1872) gebar noch 4 Kinder, bevor sie an ihrer schweren Lungentuberkulose starb. Wie schon erwähnt, ging aus dieser Linie dann der letzte Kaiser hervor.

  • Erzherzog Franz Ferdinand (*18.12.1863, 28.6.1914)
  • Erzherzog Otto (*21.4.1865, 1.11.1906)(er wurde Kaiser Karls Vater)
  • Erzherzog Ferdinand, später dann Ferdinand Burg (*27.12.1868, 10.3.1915)
  • Erzherzogin Margarete Sophie (*13.5.1870, 24.8.1902)
Foto: Wikimedia/Commons
Bild: Victor Angerer Erzherzog Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“

Nach dem er nun mit 39 Jahren 2facher Witwer und Vater von 4 Kindern war, trat nun Maria Therese von Bragança (*24.8.1855, 12.2.1944) in sein Leben, die natürlich auch Sophie ausgesucht hatte.

Bei Erzherzog Ludwig Victor fügte sie sich schnell und akzeptierte seinen Lebensstil.

Sophies größter Verlust war, als sich ihr Lieblingssohn Ferdinand Maximilian, genannt Max, 1864 entschloss nach Mexiko zu gehen.

Sicherlich auch zur größten Überraschung von Erzherzogin Sophie, war hier ihre sonst so ambivalente Schwiegertochter mit ihr einer Meinung.

Wochen-, wenn nicht sogar monatelang versuchten die beiden Frauen, dem geliebten Sohn und dem Lieblingsschwager diese Irrsinnskrönung auszureden. Doch wie sich zeigte, ohne Erfolg.

Nachdem Max seine erste große Liebe Maria Amalia Prinzessin von Brasilien (*1.12.1831, 4.2.1853) noch vor der Verlobung 21jährig an der Lungentuberkulose verlor, lernte er bei einer seiner Reisen Kronprinz Leopold von Belgien kennen. Dieser erzählte ihm von seiner schönen Schwester Charlotte (*7.6.1840, 19.1.1927). Da Max wusste, dass dieses Königshaus unermesslich reich war und er viele Schulden hatte, ließ er sich auf diesen Deal ein.

Die 16jährige Charlotte war sofort verzaubert vom hübschen Erzherzog, doch Max trauerte immer noch um Maria Amalie und trug auch Zeit seines Lebens einen Ring mit ihrer Haarlocke bei sich.

Obwohl ihm Sophie mehr oder weniger freie Hand ließ, drängte sie ihn zur Hochzeit, da es für ihn Zeit war in den Stand der Ehe einzugehen. Da Charlotte als gute Partie galt, hatte sie hier nicht weiter viel zu tun, außer Max in die richtige Richtung zu „schubsen“.

Die Hochzeit wurde am 27.7.1857 in Brüssel gefeiert.


Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ferdinand Maximilian
Kaiser Maximilian I von Mexiko
Max, der Lieblingssohn von Sophie

Doch dessen Frau Charlotte war enorm ehrgeizig. Sie stand im Schatten der schönen Elisabeth, die so gar keine Kaiserin sein wollte und die trotzdem jeder bewunderte. Charlotte galt als unglaublich schön, klug und wissbegierig.

Max, stand immer schon im Schatten seines Bruders Franz und war auch beim Wiener Volk der Beliebtere. Das wiederum schürte Eifersucht beim Kaiser.

Wie man es drehte und wendete, nach der Hochzeit, wurde das Verhältnis zum Kaiser nicht besser, obwohl das Paar in Triest lebte. Charlotte ahmte Elisabeth nach, Max, den Kaiser. Rivalität an vorderster Front.

Der einzige, der hier Ruhe reinbrachte, war der letzte der vier Brüder: Luzi-Wuzi. Er verstand sich ausgezeichnet mit Max und konnte ihn immer zur Räson bringen.

Nur als er zum Kaiser gekrönt werden sollte, half auch das gute Zureden von Ludwig Victor nichts.

1865 fuhr Ludwig Victor nach Schloss Miramare, um bei seinem Bruder Erzherzog Ferdinand Maximilian zu sein, der gerade zum König Maximilian I von Mexiko gekrönt wurde.

Seiner immer noch fassungslosen und gramgebeugten Mutter schrieb er folgende Worte nach Hause:

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Verabschiedung der Kaiserin Carlota und Kaiser Max nach Mexiko vom geliebten Schloss Miramare
Bild: Cesare dell’Acqua

„Vielleicht 60.000 Menschen waren im Schloß und Garten, wo auch Ehrencompanie mit Musik aufgestellt war, die zuerst die Volkshymne und dann ein mexikanisches Lied spielte (es war schrecklich!). Max ging rechts und führte Charlotte links; er war in Thränen aufgelöst, sie eben vom Gabelfrühstück gekommen, seelencontent (empörend). Ich hab’s ihr auch gesagt. Denn ich selbst ging von dem Moment an beinahe zu Grunde. So sein Heimat, seinen gnädigen Kaiser, alle Lieben zu verlassen, ist ja schrecklich; er fühlte das auch sehr… Max grüßte noch einmal das ganze überfüllte Ufer entlang, sah noch einmal seine liebe Schöpfung an und verschwand für längere Zeit in seiner Cabine… auf seinem Schreibtisch hat er die Photographie von uns Vier und von Dir und ober seinem Bett das Heiligenbild, das Du ihm beim Abschied schenktest. Er kann gar nicht von Dir sprechen, ohne Thränen in den Augen…“ (8)

Bis Rom begleitete Ludwig Victor seinen Bruder, dann hieß es endgültig Abschied nehmen. 

„Wir nahmen herzzerreißenden Abschied, heulten beide fürchterlich. Es war ganz schrecklich, er sagte mir noch für alle sehr hübsche, liebe Sachen die ich Euch mündlich mittheilen will.“ (9)

Dass es ein Abschied für immer wird, konnte er nicht ahnen.

Als die Familie vom Ableben von Max erfuhr, war es wieder Erzherzog Ludwig Victor der auf die Reise nach Schloss Miramare geschickt wurde. Dort hielt sich mittlerweile Erzherzogin Charlotte als Witwe auf. Von ihr wollte er erfahren, was passiert war.

Doch er fand sie einem Zustand höchster psychischer Verwirrtheit vor, die Zeit ihres Lebens andauern sollte. Nie wieder sollte sie sich von den Vorfällen in Mexiko erholen. Zeit ihres Lebens wusste sie nichts vom Ableben ihres Mannes, Zeit ihres Lebens sprach man sie mit kaiserlicher Hoheit an, da sie glaubte, noch immer in Mexiko zu Weilen und Kaiserin zu sein.
Ob das tatsächlich stimmt oder ob das nur ein Abwehrmechanismus Charlottes war, wird wohl nie wieder geklärt werden können. Ebenso nicht, ob sie tatsächlich schwanger nach Europa kam und das angebliche Kind von ihrem Liebhaber Alfred van der Smyssen war.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie, 1872

Als Sophie am 19.6.1867 vom Tod des Sohnes in Mexiko erfuhr, brach sie zusammen.

Ihr Schmerz war grenzenlos. Sie zog sich nach Ischl zurück, allerdings fand sie keine Ruhe.

Nach und nach trafen auch die letzten Briefe von Max ein, in denen er sich für die Liebe und Freundschaft bedankte.

Der letzte Brief von Max an seine Mutter:

„Liebe beste Mama,
Fest im Glauben und treu meiner Ehre gehe ich mit ruhigem Bewusstsein dem unverdienten Tode entgegen. Nicht Schuld, sondern Unglück hat mich nach Gottes Rathschluß in diese Verhältnisse gebracht, ich bin ehrenhaft unterlegen der Übermacht der Feinde und dem Verrathe. 72 Tage haben wir uns in einer Stadt, die eine offene unvorbereitete war, gegen einen siebenmal stärkeren Feind tapfer und ritterlich gehalten, nächtlicher Verrath hat uns in die Hände unseres Feindes geliefert… Im Augenblicke der Gefangennehmung war ich an Dissenterie schwer krank, in den verschiedenen Gefängnissen, in welche man uns brachte, litt ich noch viel. Meine letzten Gedenken auf dieser Welt sind für meine gute, arme Charlotte und für Sie, geliebte Mutter, der ich so vieles Gute zu verdanken habe… Papa küsse ich in Ehrfurcht die Hände, den Brüdern, Verwandten und Freunden sende ich die herzlichsten Grüße, Sie beste Mutter, Charlotten und die früher Erwähnten bitte ich aus ganzem Herzen um Verzeihung für Kränkungen und Unrecht, die ich ihnen allenfalls angethan habe. Ich sterbe ruhig mit dem wahren Trostgefühle das Gute gewollt und angestrebt zu haben und mit der Genugthuung viele wahre und Edle Freunde in diesem Lande zurückzulassen, denen mein Andenken theuer bleiben wird.

Sie heißgeliebte Mutter um Ihren Segen und Ihre Gebethe bittend Ihr Ihnen ewig treuer Sohn“
(10)

Sophie notierte in ihr Tagebuch:

„Aber die Erinnerung an die Martern, durch die er gehen musste, an seine Verlassenheit fern von uns geht mit mir durchs Leben und ist ein unbeschreiblicher Schmerz.“ (11)

Sie verfiel den Geisterséancen, die zu dieser Zeit ein sehr häufiger Zeitvertreib wurden.

Séancen, Aberglaube und spiritistische Zirkel waren keine Seltenheit geworden. Dass sich natürlich auch viele Scharlatane in der „Geisterjägerwelt“ herumtrieben, war damals leider noch nicht jedem klar.

Kaiserin Elisabeth war Zeit ihres Lebens unglaublich abergläubisch und trug immer einen großen Haufen an Glücksbringer bei sich. Sie nannte sich selbst eine Seherin und konnte auch (angeblich) mit der parallelen Welt kommunizieren.

Foto: richardwiseman.wordpress.com
Séance im 19. Jahrhundert, Symbolbild

Franz Joseph und ebenso Kronprinz Rudolf nahmen bei einigen Séancen teil, nahmen es aber beide nicht ernst. Kronprinz Rudolf ließ sogar einen der größten Scharlante seiner Zeit auffliegen (kleine Anmerkung: sobald ich die Geschichte aufgearbeitet habe, werde ich sie hier als Link einfügen).

Hofdame Fürstenberg schrieb an ihre Schwester:

„Meine arme Erzherzogin ist recht gealtert, das Wort cassée (gebrochen) ist das richtige. Es ist ein stiller Schmerz, voll Ergebung, ohne Bitterkeit und dabei das Bestreben, keinem Menschen damit zur Last zu fallen. Fremde sind ihr peinlich, sie meidet sie und ging Sonntag um 7 Uhr in die Messe, zur Betrübnis der Ischler, die gerne gesehen und sich erzählt hätten, welches Gesicht sie macht. Das hübsche kleine Gartl, in das ihr niemand sehen kann, ist jetzt die wahre Wohltat für sie.“ (12)

Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor in Bayern und seine (verstorbene) Sophie
Foto: Wikimedia/Commons
Helene und und ihr (verstorbener) Max von Thurn und Taxis mit Kindern

Der Schmerz war so enorm, dass sich Sophie für lange Zeit nach Possenhofen zurückzog, wo gerade Helene Thurn und Taxis (Nénè) den Tod ihres Mannes Maximilian Anton (*28.9.1831, 26.6.1867) und Carl Theodor den Tod seiner Frau Sophie (*15.3.1845,9.3.1867) betrauerten.

Dort empfing sie Admiral Wilhelm Tegetthoff, der ihr die Jacke von Max brachte.

Wieder war es Ludwig Victor, der den Sarg mit Max von der SMS Novara entgegennahm, ihn in Triest auf den Sonderzug hieven ließ und ihn nach Wien begleitete.

Foto: ÖNB
Kronprinz Rudolf
ca. 1867

Kronprinz Rudolf schrieb seiner Großmutter einen süßen Brief:

„Meine liebe, liebe Großmama!

Mir ist um den Onkel Max sehr leid und ich bedaure Dich, liebe Großmama sehr, weil du wieder so viel Kummer und Schmerz hast.

Ich will alles Mögliche tun, um Dir, liebe Großmama Freude zu bereiten.“ (13) 

(Anmerkung Petra: Kronprinz Rudolf war zum Zeitpunkt des Todes von Onkel Max 9 Jahre alt).

Und wieder war ihr größter Halt ihr Jüngster. Nicht nur, dass er in Schloss Miramare mit Kaiserin Carlota (Erzherzogin Charlotte) versuchte zu sprechen, so übernahm er auch von der SMS Novara den Sarg und sorgte dafür, dass dieser mit dem Sonderzug, den der Kaiser nach Triest geschickt hatte nach Wien überstellt wurde.

In Wien angekommen, zog Luzi-Wuzi mehr oder weniger in die Hofburg ein und las seiner Mutter, welche ebenfalls zurückgekehrt war, Tag und nach Nacht die alten Briefe von Max vor.

Sie schwelgten gemeinsam in Erinnerung an die Kindheitstage, lachten über gemeinsame Streiche die Max gespielt hatte, erinnerten sich an die Hochzeit oder an die Besuche in Miramare und an besonders glückliche Tage in der Hofburg, in Laxenburg und in Schloss Schönbrunn.

Ludwig Victor wurde ihr ganzer Halt und einzige Stütze.

3 Monate dauerte die Überstellung des Leichnams von Mexiko nach Wien.

Der Leichnam war in einem exorbitanten Zustand. 

Leider sind sich ab hier ihre Biografinnen nicht einig.

Ingrid Haslinger beschreibt in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs“ -, dass Sophie den Leichnam, aufgrund der monatelangen Odyssee der Überstellung, nicht mehr zu Gesicht bekam.

Dieser Ausführung ist wohl mehr zu Glauben, da Frau Haslinger, immerhin von Otto (von) Habsburg über 32.000 Seiten persönliches Material von Sophie überreicht bekam. Hätte sich darin eine Notiz – und Sophie schrieb enorm viel Tagebuch – gefunden, dass sie ihren geliebten toten Max hätte sehen müssen, wäre das irgendwo vermerkt gewesen.

Da die Hofdamenbriefe 1862, bzw. der allerletzte 1865 aufhören, ist auch hier nichts mehr herauszufinden.

Anna Ehrlich und Christa Bauer schreiben in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof“, dass Sophie den Leichnam ihres Sohnes zu Gesicht bekam und der „Leichnam in einem wohl erhaltenen Zustand sei“.

Foto: Wikimedia/Commons
angebliche Leiche von Kaiser Maximilian I. von Mexiko

Dies mag man kaum glauben, liest man sich die Geschichte – die hier zu weit führen würde -, der absolut dilletantisch und verpfuschten durchgeführten Einbalsamierung durch. Um Max gab es monatelang politische Spannungen zwischen Wien und Mexiko. Kaiser Franz Joseph wollte sich nicht erpressen lassen und Mexiko forderte Lösegeld für die Leiche seines Bruders. In der Zwischenzeit wurde dieser weder beerdigt, nocht ordentlich gekühlt. Und die Temperaturen in Mexiko sind definitiv nicht im arktischen Bereich. Dass also diese Leiche im „wohlbehaltenen Zustand“ zurückgekommen ist, halte ich für ein Gerücht.

Bis heute ist umstritten, ob er überhaupt die Leiche ist, die nach Wien geschickt wurde. Eine DNA Analyse wird von der Familie Habsburg strikt abgelehnt.

Ob der Ausspruch von Erzherzogin Sophie in der Kapuzinergruft

„das ist nicht mein Sohn“

wirklich der Wahrheit entspricht, ist daher ebenfalls widersprüchlich und kann so oder so ausgelegt werden.

Aber zurück zum Thema.

Von diesem schweren Schicksal erholte sich Sophie nie wieder.

Kaiser Franz Joseph machte sich schwere Sorgen um seine Mutter.

Diese grämte sich um so mehr, als Franz ihr zum 1. Todestag nicht kondolierte.

Dies machte Sophie sehr traurig und gab ihr zu Denken. Sie versank in schwere Depressionen und Krankheiten, von denen sie sich kaum noch erholte.

Eine Krankheit jagte die andere, keine wurde mehr richtig kuriert. Sie litt unter schweren Knie Problemen, konnte kaum noch Aufstehen und ihre schweren Kopfschmerzen machten ihr den Tag zur Hölle.

Der Innenhof der Wiener Hofburg musste mit Stroh ausgelegt werden, damit die Pferde und Kutschen nicht so laut waren.

Kaiserin Elisabeth weilte zur Kur in Meran, als sie die Nachricht bekam, dass Erzherzogin Sophie im Sterben lag. Sofort brach sie ihre Kur ab und eilte nach Wien.

Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, 17.4.1923), ihre getreue Hofdame, notierte in ihrem Tagebuch:

„Der Kutscher fuhr, was er konnte – die Kaiserin war furchtbar aufgeregt und ich hatte eine Todesangst, die Erzherzogin könnte sterben und wie die Menschen sind, hätten sie noch gesagt, die Kaiserin hätte es zu Fleiß gethan!“ (15)

„Gott sei Dank“, sagte Elisabeth bei der Ankunft in der Burg, als sie hörte, daß die Erzherzogin noch am Leben war, weil sie sonst gesagt hätten – ich hätte es absichtlich getan (bei Sophies Tod nicht anwesend zu sein), weil ich sie so hasse.

So sehr hasse ich sie.“ (16)

Foto: ÖNB
Erzherzog Franz Karl, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf vor dem Sarg von Erzherzogin Sophie, Hofkapelle 1872

Nur 5 Jahre nach Max verließen Sophie die Kräfte. 10 Tage lang konnte die Familie noch am Totenbett von ihrer geliebten Mutter, Großmutter, Schwester, Tante, Cousine usw. Abschied nehmen.

Erzherzogin Sophie starb am 28.5.1872 67jährig in der Wiener Hofburg. Sie ruht in der Kapuzinergruft.

– Petra –

(*) Wichtige Anmerkung:
In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, 3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, 23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, 7.3.1855) geheiratet.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.

Bis heute zum Beispiel konnte ich keine Daten von Sophie Gräfin von Scharnhorst auffinden. Sie ist auch Thema im Beitrag „Spanisches Hofzeremoniell – Hofetikette“.


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra Schimbäck
Recherchen: Petra Schimbäck (es wurde keine KI verwendet)
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, habsburg.net, erzherzoginsophie.at, donaumonarchie.at, Wikimedia/Commons, geschichtewiki.wien.gv.at, ÖNB (Österreichische Nationalbibliothek), richardwiseman.wordpress.com, picture alliance/IMAGNO/Sammlung, bayerisches-nationalmuseum.de


Literatur Hinweise:

1 – S. 23, 2 – S. 25, 3 – S.35, 4 – S.35, 4a – S.58, 4b – S.58, 4c – S.58, 4d – S.58, 4e – S.60, 4f – S.61, 4g – S.63, 4h – S.72
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs,
Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

4i – S.27
Briefe der Baronin Louise von Sturmfeder
Aja Seiner Majestät
Die Kindheit Unseres Kaisers Aus den Jahren 1830-1840
Bearbeitet von Anton Weimar
Gerlach und Wiedling Verlag, Wien 1. Ausgabe (nur noch antiquarisch erhältlich)

8 – S. 61, 9 – S. 61
Katrin Unterreiner 
Luzi Wuzi Das provokante Leben des Kaiserbruders Ludwig Viktor
Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG, 1. Auflage

11 – S.273, 12 – S.176, 13 – S.274
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof,
Amalthea, 2016, 1. Ausgabe

5a – S.11
Egon C.C.Conte
Franz Joseph
Knaur Verlag, 1. Auflage, 1960 (nur noch antiquarisch erhältlich)

5b – S.32, 5c – S.62, 5d – S.67/8, 5e – S.88
Gabriele Praschl-Bichler
Kaiserliche Kindheit
Aus dem aufgefundenen Tagebuch Erzherzog Carl Ludwigs, eines Bruders von Kaiser Franz Joseph
Amalthea Verlag, 1. Auflage 1997 (nur noch antiquarisch erhältlich)

15 – S.294, 16 – S.294
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage, 2017

10 – S.142
Konrad Kramar, Petra Stuiber
Die schrulligen Habsburger
Piper Verlag, 8. Auflage 2015

6a – S.69/70
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich König von Ungarn 
C.H.Beck Verlag, 1. Auflage 2015

7 – S. 199/200, 7a – S.256/7, 7b – S.150-152, 7c – S.161-163
Richard Kühn
Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865)
Oswald Arnold Verlag Berlin, 1. Auflage 1942 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Hofdamen-Briefe
Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Gesammelt von B.von.S.
Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Gerd Holler
Sophie, die heimliche Kaiserin
Amalthea Verlag, 1. Auflage, 1993 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Genealogisches Handbuch des Adels,
Fürstliche Häuser
Ausgabe 1971
Verlag Limburg a.d. Lahn C. A. Starke

Prof. Richard Wiseman
Scientific American columnist
Séancen in der viktiorianischen Zeit (Blog in englischer Sprache)