Eine launische Ehe (Teil 6)

Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph, Foto: Wikimedia/Commons

Im vorletzten Teil meiner Reihe über das Leben von Kaiser Franz Joseph wenden wir uns dem Ehepaar zu. Was wurde uns in den Sissi-Filmen mit Karlheinz Böhm und Romy Schneider als Kaiser Franz Joseph und Sissi nicht alles vorgegaukelt. Dass es nichts mit der Realität zu hatte, werde ich hier aufzeigen.

Schon bald nach der strapaziösen Hochzeit (den Beitrag findet ihr hier) den Flitterwochen, die Sisi zumeist, nur in Gesellschaft ihr völlig fremder Hofdamen in Schloss Laxenburg verbringen musste, ging es auf Repräsentationsfahrt durchs halbe Land. Vor allem Böhmen und Mähren standen auf dem Plan. Zwei Monate nach der Hochzeit wurde Sisi schwanger.

Die erste Zeit lebten Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph im Schloss Laxenburg. Ein bis drei Mal die Woche besuchten Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl die Schwangere. Sophie machte sich große Sorgen, da sie selbst elf Fehlgeburten ertragen musste.

Erzherzogin Sophie Friederike, Foto: Wikimedia/Commons

Die Schwangerschaft verlief komplikationslos und am 5.3.1855 wurde die kleine Prinzessin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha († 29.5.1857) geboren. Es ist nicht korrekt, dass sich Erzherzogin Sophie in die Namensgebung einmischte. Es war damals Brauch, den Namen der Großmutter zu wählen. In diesem Fall wurde Sophie als Namenspatin auserkoren. Zumindest behauptet dies die Sophie-Biografin Ingrid Haslinger. Brigitte Hamann schrieb wiederum, dass Sisi sich dem Regiment der Schwiegermutter widerstandlos zu fügen hatte. Das Kind erhielt den Namen Sophie, die Großmutter wurde Patin.

Auffällig war, dass Herzogin Ludovika bei der Erstgeburt nicht dabei war. „Die Mutter der Kaiserin verweilt auf ihrem Landsitze, worüber man sehr erstaunt ist. Sie soll keine Einladung erhalten haben Jedes Ding hat seine Ursache…“ (1)

Kaiser Franz Joseph war überglücklich seine schöne starke Tochter in Händen zu halten. Sisi war erschöpft, aber überglücklich.

Die traurige Geschichte zu Prinzessin Sophie könnt ihr hier nachlesen.

Die ersten Jahre der Ehe können als glücklich angesehen werden. Franz Joseph machte aus seiner Verliebtheit keinen Hehl. Auch Elisabeth dürfte ihrem jungen feschen Mann sehr zugetan gewesen sein.

Erzherzogin Gisel(l)a im Alter von 4 Jahren, Foto: Dorotheum Wien

Was die Kindererziehung betrifft, gehen abermals die Biografen Haslinger und Hamann weit auseinander. Obwohl auch Hamann den Zwist relativiert, scheibt Haslinger von Eitel Wonne seitens Sophie. Fakt ist: der Konflikt, nach dem Erzherzogin Gisella Louise Marie (*12.7.1856, †27.6.1932) geboren wurde, verschlechterte sich seitens Kaiserin Elisabeth zusehends. Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) wurde Taufpatin, reiste aber selbst zur Taufe des Kindes nicht an. Es hieße, sie wolle Erzherzogin Sophie nicht im Wege stehen.

Gisella, die sich später selbst immer nur Gisela schrieb, wurde ebenso wie die kleine Sophie sofort in die Privaträume von Erzherzogin Sophie verlegt, wo sich Kinderfrau Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1892) aufhielt. Diese war für die Erziehung zuständig. Sie wurde von Erzherzogin Gisela und später von Kronprinz Rudolf sehr geliebt. Ihr liebevoller Spitzname „Wowo“ blieb ihr für den Rest ihres Lebens.

Ingrid Haslinger schreibt in ihrer Sophie-Biografie, dass Kaiserin Elisabeth selbst ihrer Mutter gegenüber gestanden hätte, nichts mit Kleinkindern anfangen zu können. Dem widerspricht sich wiederum Brigitte Hamann, die darüber philosophiert, wie sehr Elisabeth es genossen hätte, als Marie Valérie zur Welt kam.  Wir richten daher den Blick auf die gemeinsame Reise 1856 nach Kärnten und in die Steiermark.

 

Kaiser Franz Joseph Statue, Kaiser Franz Joseph Höhe, Großglockner, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José
Gedenktafel unter dem KFJ Denkmal, Großglockner, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José
Kaiserin Elisabethruhe, Großglockner, Foto: geo.de

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth erlebten eine Zeit, die vom strengen höfischen Zeremoniell komplett abgewandt war. In Lederhose, mit Gamsbarthut und im knappen Lodenkostüm mit derben Bergschuhen machten sich die beiden auf, das Hochgebirge zu erkunden. Auch der Großglockner wurde bestiegen. Als Elisabeth nach drei Stunden Bergmarsch eine Pause machte (sie war noch geschwächt durch die Geburt von Gisela), wurde die Wallnerhütte einfach in „Elisabethruhe“ umbenannt. Kaiser Franz Joseph stieg derweil mit einem Bergführer auf den Hohen Sattel zum Pasterzengletscher, welcher heute „Franz-Joseph-Höhe“ heißt.

Als die beiden zurückkamen, war die Ehe gestärkt und Franz Joseph lehnte sich erstmals (und letztmals) gegen seine Mutter auf. 

Er ließ nach der Ankunft die Kinderzimmer in die Radetzky-Räume verlegen; allerdings ohne dass seine Mutter Sophie dies wusste. Diese befand sich zu dieser Zeit in Bad Ischl. Als sie zurückkam und die Veränderung sah, reagierte sie mehr als nur erbost. Ein Schreiben von Kaiser Franz Joseph an seine Mutter zeugt von dieser Auflehnung: „Ich bitte Sie jedoch inständigst, Sisi nachsichtig zu behandeln, wenn sie vielleicht eine zu eifersüchtige Mutter ist, – sie ist ja doch so eine hingebende Gattin und Mutter!, Wenn Sie die Gnade haben, die Sache ruhig zu überlegen, so werden Sie vielleicht unser peinliches Gefühl begreifen, unsere Kinder ganz in Ihrer Wohnung eingeschlossen mit fast gemeinschaftlichem Vorzimmer zu sehen… Übrigens fällt es Sisi gar nicht ein, Ihnen die Kinder entziehen zu wollen… Sehr betrübt hat mich alles, was Sie, liebe Mama, an diese einfache Maßregel knüpfen. Nie würde ich es zugeben, daß Sie Ihre jetzige Wohnung verlassen oder gar, was ich nicht gelesen haben will, ganz aus der Hofburg ziehen würden.“ (2)

Wir können also davon ausgehen, dass es hier zu massiven Problemen kam. Sophie drohte mit Auszug, Elisabeth triumphierte. Sie wurde generell immer stärker. Ihre zurückhaltende Art, ihre Ängste und ihre Weinattacken wurden immer weniger. Sie bemerkte wohl immer mehr, dass sie mit dem Titel „Kaiserin“ Macht hatte, die man ihr so leicht nicht mehr wegnehmen konnte.

Dr. Johann Nepomuk Seeburger, Foto: Wikimedia/Commons

Dr. Johann Nepomuk Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) stellte zu seinem Entsetzen fest, dass Kaiserin Elisabeth sich auf den Auslandsreisen 1856/7 nach Mailand und Venedig nicht schonte. Auch im strömenden Regen stand sie ihrem Mann bei, während er die endlosen Paraden abnahm. Kaiser Franz Joseph, der sehr frostig empfangen wurde und mit einigen Attentatsversuchen zu kämpfen hatte, merkte, dass alle Augen auf seine schöne Frau gerichtet waren. In Staatskleidung stand sie fest hinter ihm. Ihre Lunge machte nicht mehr lange mit. Dr. Seeburger warnte die junge Kaiserin, die nicht hören wollte. Bei Kaiser Franz Joseph blitzte er vollkommen ab. „Ein Pantoffelheld sei er“, beklagte er sich.

Der Hass, der Unmut und das Risiko, dass Kaiser Franz Joseph in Italien entgegenschlug bzw. dem man sich aussetzte, waren der jungen Frau völlig fremd. In Bad Ischl jubelten die Menschenmengen, in Wien huldigte man dem Kaiserpaar, in Kärnten und der Steiermark führten sie beinahe inkognito gemeinsame Bergtouren aus. Was ihr in Wien verhasst war, wurde ihr in Italien recht: Präsentieren, schön sein und im Grunde genommen, wenig Meinung zu haben. Kaiser Franz Joseph verfiel seiner Frau immer mehr. Dass sie absichtlich die Kinder in die Gefahrenzone brachte, bemerkte niemand, außer Erzherzogin Sophie. Der Konflikt ab 1856 war unausweichlich immer mehr zum Problem geworden.

Erzherzog Franz Karl, Foto: austria-forum.org

Als Tochter Sophie starb, war die Trauer groß. Sisi brach zusammen, Franz Joseph überstand die Krise nur mit Disziplin und innerer Härte. Erst sehr viele Jahre später, sollte Erzherzogin Marie Valerie ihren Vater um Baby Sophie trauern sehen: 20. – 22.9.1898 „Mit Papas Gutheissung wird Mamas Toilettenzimmer in der Villa Hermes mit all den gewohnten Sachen hergerichtet… Erinnerungen tauchen auf – längst vergangenes Weh – auch an das baby, das ihr vor mehr als 40 Jahren vorausgegangen, nach denen Papa jetzt fragt, die er aufbewahrt wissen und doch nicht sehen will. Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich ihn vom „baby“ sprechen hörte…“ (3)

Kronprinz Rudolf als Kleinkind, Foto: Nationalbibliothek

Am 23.8.1858 kam nun endlich der große Stammhalter, Kronprinz Erzherzog Rudolf Franz Karl Joseph zur Welt (†30.1.1889). Erzherzog Franz Karl wurde sein Taufpate. Mit der Geburt von Rudolf änderte sich schlagartig Elisabeths Laune. Kaiserin Elisabeth wurde auch jetzt wieder nicht von Erzherzogin Sophie gestattet, das Kind selbst zu stillen. Rudolf wurde in die Arme der bäuerlichen Amme Marianka gelegt. Sisi wurde schwer krank. Sie bekam Fieber und litt unter Milchandrang. Als sich ihr Zustand bis zum Winter nicht gelegt hatte, wurde Herzogin Ludovika gerufen.

Kaiser Franz Joseph musste sich seinen Staatsgeschäften hingeben und hatte für die Rekonvaleszenz seiner Frau wenig über. Der Krieg mit Italien 1859 brach aus. Nach dem Graf Grünne und seine Generäle an einigen Schlachten maßlos scheiterten, reiste Kaiser Franz Joseph selbst an die Front. Kaiserin Elisabeth brach beinahe zusammen, als sie von dem Vorhaben erfuhr. Sie begleitete mit den Kindern ihren Mann bis nach Mürzzuschlag. Dort übernahm Generaladjutant Karl Ludwig Graf von Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884) Kaiser Franz Joseph. Elisabeth heulte ohne Unterlass. Sie bettelte Graf Grünne, dem sie zu diesem Zeitpunkt noch vertraute, um Folgendes an:

Graf Karl Ludwig Grünne, Foto: Wikimedia/Commons

 „Sie denken gewiß immerwährend an Ihr Versprechen und geben recht acht auf den Kaiser; das ist mein einziger Trost in dieser schrecklichen Zeit, daß Sie es immer und bei jeder Gelegenheit tun werden. Wenn ich nicht diese Überzeugung hätte, müßte ich mich ja zu Tode ängstigen. Aber was an Ihnen liegt, werden Sie gewiß auch Thun, um den Kaiser zu bewegen, bald zurückzukommen und Ihn bei jeder Gelegenheit daran zu erinnern, daß Er ja auch in Wien so nothwendig ist. Wenn Sie wüßten, wie ich mich gräme, hätten Sie gewiß Mitleid mit Mir.“ (4)

Hier beginnen nun die erhaltenen und veröffentlichten Briefe von Kaiser Franz Joseph an seine Elisabeth. Diese begannen am 31.5.1859 und endeten am 10.9.1898 (jenen Brief, den Kaiserin Elisabeth nie mehr lesen sollte).

„Verona, 31.5.1859, Meine liebste Engels Sisi, Die ersten Augenblicke nach dem Aufstehen benütze ich, um Dir diese wenigen Zeilen zu schreiben und Dir wieder zu sagen, wie sehr ich dich liebe und wie ich mich nach Dir und den lieben Kindern sehne. Wenn es Dir nur recht gut geht und du Dich so fleißig schonest, wie Du es mir versprochen hast. ……. Es regnet hier alle Tage. Gestern bei meiner Ankunft hat es so gegossen, wie bei unserem nassen Spazierritte. Ich umarme und küsse Dich von ganzem Herzen, mein einziger Engel. Dein treuer Franz – Lasse, bitte, Mama von diesem Briefe wissen, was sie interessirn kann.“ (5)

Erzherzogin Sophie, Foto: Wikimedia/Commons

Wochenlang schrieb Kaiser Franz Joseph aus dem Kriegsgebiet. Teilweise erzählt er von Divisionen, die gerade eingetroffen waren, von Mätressen diverser Generäle, Herzöge oder sonstigen Adeligen, der Sehnsucht nach seiner Engels Sisi und den Kindern. Da die Briefe von Kaiserin Elisabeth (angeblich) nicht erhalten sind, kann man an den Antworten, die Kaiser Franz Joseph verfasste, nur erahnen, was Sisi zurückschrieb.

Handschrift von Kaiser Franz Joseph, Foto: Nationalbibliothek

„Verona den 4. Juni 1859 Mein, lieber einziger Engel! Tausend Dank für Deine lieben Briefe vom 31. und 1., die ich gestern und heute erhielt und für das Billet der lieben Gisela. Auch für die Zusendung des Blattes über Land und Meer und des Vergißmeinnichtes danke ich Dir innigst. Wenn ich nur auch über Dich und Deine theure Gesundheit beruhigt sein könnte. Ich beschwöre Dich, mein Engel, schone Dich und gräme Dich nicht zu sehr, denn mir geht es ganz gut, ich gebe Acht auf mich und ich werde nicht vergessen, was ich Dir versprochen habe und was ich Dir, den Kindern und der Monarchie schuldig bin. Schreibe mir doch auch, was Du machst und wie Du und die Kinder den Tag zubringst. Das interessiert mich sehr. Ich lasse auch der Mama vielmals für Ihren Brief vom 31. danken und um Verzeihung bitten, daß ich noch nicht die Zeit gefunden habe zu antworten. Vergesse nicht, dies in Schönbrunn auszurichten. ……  Nun muß ich schliessen, um Schlafen zu gehen. Ich habe gegründete Hoffnung, daß ich Dir bald gute Nachricht telegraphiren kann Küsse unsere lieben Kinder von mir, vertraue auf unseren lieben Herr Gott im Himmel und sei guten Muthes. Dem Papa und der Mama küsse die Hände. In dem ich Dich in Gedanken umarme und küsse, bleibe ich ewig Dein treuer Franz – Theile der Mama die in diesem Briefe enthaltenen Nachrichten mit.“ (6)

Auch hier werden wieder Divisionen und Namen von Personen genannt, die zum Ort des Geschehens kamen.

Der Krieg war unaufhörlich und so zogen sich die Wochen dahin. Als Verwundete in Wien eintrafen, erbarmte sich Kaiserin Elisabeth und öffnete die Pforten von Schloss Laxenburg, um ein Lazarett einzurichten.

Knochenkapelle Ossario di Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José
Knochenkapelle Ossario di Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José
Knochenkapelle Ossario di Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Kaiser Franz Joseph schrieb: „Verona den 3. Juli 1859 Meine innigstgeliebe, arme Sisi  …… Von hier schaffen wir jetzt so viele Blessierte und Kranke weg, als möglich. Wenn nur für sie gut gesorgt wird und uns hierher recht viel Charpie, Bandagen und Wäsche geschickt wird. Dein Wein ist angekommen. Daß Du ein Spital in Laxenburg etablirst, ist herrlich. Für beides nehme meinen innigsten Dank. Du bist mein guter Engel und hilfst mir sehr viel .… Dein treuer Franz“ (7)

Er schrieb Briefe über Briefe, in denen von einer Krankheit Giselas zu lesen ist, die Sorge um Sisi, die gesundheitlich angeschlagen war und um das Lazarett in Laxenburg, das sich bald auf alle Gebäude erstrecken sollte.

Kaiser Franz Joseph, zu dem Zeitpunkt der Schlacht von Solferino 29 Jahre alt, scheiterte auf der ganzen Linie. Obwohl er sich seit seiner Kindheit mit dem Militär auseinandersetzte, war er als Führer der Armee zu unerfahren. Zehntausende Tote hatte der Krieg zur Folge, ein Gemetzel der besonderen Abscheulichkeit wurde geboten. Jean-Henri Dunant (*8.5.1828, †30.10.1910) wurde Zeuge der brutalen Schlacht und gründete darauf hin das Rote Kreuz. Es war des Kaisers größte Niederlage. Der Schlachtenruf „Löwen von Eseln geführt“, machte die Runde. Die Untertanen hungerten bis zum Tod, das Land schien dem Untergang geweiht. Eine Revolution stand kurz bevor, man wollte anstatt Kaiser Franz Joseph den jungen, liberalen Erzherzog Ferdinand Maximilian (*6.7.1832, †19.6.1867)  auf dem Thron sehen. Franz Joseph, der immer ein schwieriges Verhältnis zu Max hatte, sah seine Felle davonschwimmen. Napoleon III (*20.4.1808, †9.1.1873) gab Kaiser Franz Joseph die Hauptschuld an der Niederlage.

Henri Dunant Denkmal, Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José
Henri Dunant, Foto: roteskreuz.at

Solferino sollte aber auch im Privatleben der Untergang des jungvermählten Paares werden. Elisabeth sah das Ausmaß des Krieges mit voller Wucht. Die Kranken und Verwundeten, die den Weg nach Wien gefunden hatten, fanden kaum noch Aufnahme. Die Spitäler waren heillos überfordert, weshalb Kirchen, Klöster, Schlösser und Palais aller Art geöffnet wurden, um die Verwundeten aufzunehmen. Viele Tote musste Kaiserin Elisabeth sehen, Verletzungen behandeln, mit denen sie bis dahin nicht ansatzweise in Berührung kam und das Geschrei der Soldaten ertragen. Ein Umstand, den die junge Kaiserin sehr mitnahm. All das legte sie in den Briefen an ihren Mann zwar nicht offen, aber sie klagte offen ihre Schwiegermutter an, die ihren Mann animierte, für die Monarchie das Richtige zu tun. Elisabeth fing an, die liberalen Tageszeitungen zu lesen und war schnell der Überzeugung, dass die „reine Monarchie“ nichts mehr mit dem zu tun hatte, was die Bevölkerung wollte und brauchte. Der Anfang vom Ende?

Elisabeth wollte sich in die Politik einmischen. Sie schrieb an ihren Mann, dass er doch den Frieden anstreben solle. Das Volk wollte einen Schuldigen und fand diesen in Graf Grünne. Sie bat den Kaiser diesen zu entlassen. Kaiser Franz Joseph reagierte erzürnt „von einer Änderung sei nie die Rede gewesen und ich denke gar nicht daran. Überhaupt bitte ich Dich nicht zu glauben, was in den Zeitungen steht, die so viel dummes und falsches Zeug schreiben.“ (8) Stattdessen sollte Sisi lieber essen und schlafen, viel weniger Reiten und sich um die häuslichen Dinge, wie die Kinder, kümmern. Auch in „Anstalten“ solle sie sich zeigen, es würde die Leute in Wien aufrichten. Die Vorwürfe an die mittlerweile 21jährige Kaiserin klangen hart.

Kaiser Franz Joseph musste sich aber bald eingestehen, dass der Frieden unausweichlich war. Napoleon III (*20.4.1808, †9.1.1873) drängte ihn zur Aufgabe. In der Villafranco wurde die Lombardei von Österreich abgekoppelt.

Herzogin Ludovika, Foto: Wikimedia/Commons

Nur Elisabeth sah die Entwicklung in der Bevölkerung mit Argwohn. Erzherzog Franz Karl lehnte eine Bestürzung der Untertanen ab, da er noch gegrüßt wurde, Herzogin Ludovika empfand die Stimmung gegen ihren Schwiegersohn als empörend, verleumderisch, verlogen und unaussprechlich ungerecht. Erzherzogin Sophie sah ihren Sohn natürlich immer noch in der „Alleinherrschaft des Gottes Gnadentum“. Je mehr Kaiserin Elisabeth liberal wurde, desto mehr rotteten sich die Habsburger gegen sie zusammen. Eine liberale Kaiserin, die ihren Mann politisch hinterfragte, wollte man nicht am erzkonservativem Wiener Hof. Sisi wurde trübsinniger, sah nur noch schwarz und ließ sich auch von den Briefen ihres Mannes nicht mehr beruhigen. Sie glaubte, dass Sophie all ihre Mächte zusammenraffte, um ihr und Kaiser Franz Joseph zu schaden.

Was genau der eigentliche Grund für die Flucht von Kaiserin Elisabeth im Jahr 1860 war, wird wohl nie mehr aufgeklärt werden können (zumindest solange nicht, bis ihr gesamter Nachlass veröffentlicht wird).

Obwohl das Habsburger Reich und auch einige andere europäische Staaten im höchster Bedrängnis waren, begann Kaiserin Elisabeth so genannte „Waisenbälle“ zu organisieren. Im Frühjahr feierte sie insgesamt sechs solcher Bälle. Dabei wurden die Damen und Herren der höchsten adeligen Gesellschaft geladen; allerdings durften die Damen ihre Mütter nicht mitnehmen. Die Mädchen waren alle im Alter von Kaiserin Elisabeth oder jünger. Ein Fauxpas, wenn man bedenkt, dass eine Frau niemals ohne Begleitung das Haus verlassen durfte und wenn, dann nur in der Begleitung ihrer Mutter und/oder einer Gouvernante oder gar nicht. Elisabeth setzte sich durch, die Damen erschienen ohne Geleit. Der einzige Hintergrund dieser Bälle war: Erzherzogin Sophie wurde damit ebenfalls der Zutritt verweigert. Elisabeth sträubte sich immer mehr, mit Sophie Zeit zu verbringen.

Herzogin Sophie von Aleçon, Schwester von Kaiserin Elisabeth Foto: Wikimedia/Commons

Der nächste Bruch war, dass Kaiser Franz Joseph mit Affären außerhalb der Ehe begann. Im Adel jener Zeit war es üblich, den Frauen fremdzugehen. Die Männer nahmen sich heraus, was zu nehmen war. Die Frau hatte klaglos darüber zu sein. Drehte eine Frau den Spieß um, wurde daraus eine öffentliche Schlammschlacht, die immer negativ für die Frau von Welt aus ging (siehe Louise von Sachsen-Coburg (*18.2.1858, †1.3.1924) (Schwester von Kronprinzessin Stephanie) oder Sophie von Aleçon (*23.2.1847, †4.5.1897) (Kaiserin Elisabeths Schwester), die beide in der Irrenanstalt landeten. 

Prinzessin Louise von Sachsen-Coburg, Schwester von Kronprinzessin Stephanie, Foto: Wikimedia/Commons

Doch Elisabeth war naiv genug zu glauben, dass sie ihrem Mann genügen würde, nannte er sie doch Tag und Nacht seine „Engels Sisi“. Es war keine Zweckehe, die hier eingegangen wurde. Kaiser Franz Joseph hatte Elisabeth Herzogin in Bayern bewusst gewählt. Er hatte sich in sie verliebt. Ob sich die fünfzehnjährige Sisi in den Kaiser verliebt hatte, darüber kann man spekulieren. Wir alle haben mit Fünfzehn geliebt aber war es die Liebe fürs Leben? Bei den meisten wohl eher nicht.

 

 

Bahnhof Linz der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn, Foto: Wikimedia/Commons

Als Kaiser Franz Joseph mit seinen zahlreichen Affären begann (Teil 5 meiner Serie findet ihr hier), stürzte die letzte Barriere für Elisabeth ein. Bereits im Juli 1860 folgte der nächste Eklat. Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth stritten so massiv, dass Sisi mit Gisela nach Possenhofen fuhr. Die Reise war eine Flucht. Dabei war es ihr völlig egal, dass sie die Eröffnungsfeierlichkeiten für die neue „Kaiserin-Elisabeth-Westbahn“ (heute Weststrecke) durcheinander brachte. Sie fuhr mit der Bahn von Wien nach München.

Herzogin Mathilde in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Um einen öffentlichen Skandal zu vermeiden, fuhr sie am 18.8.1860 mit ihrem Bruder Herzog Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) und ihrer Schwester Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925) zurück nach Salzburg. Kaiser Franz Joseph kam ihr in Salzburg mit Erzherzogin Sophie entgegen. Die Mitnahme ihres Lieblingsbruders und von Mathilde kann man als Zeichen der Unsicherheit vor ihrem Ehemann und vor allem vor Sophie werten.

Herzog Karl Theodor in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph fiel aus allen Wolken, als ihm seine Frau im Spätherbst eröffnete, dass sie nach Madeira wollte. Sie fühlte sich seit Wochen krank, fieberte und hustete. Im Kaiserreich war es aber üblich, die Wintermonate in Arco oder in Meran zu verbringen. Elisabeth setzte sich wieder einmal durch.

Während sich der Kaiser von Laxenburg aus (das Paar wohnte immer noch im Schloss Laxenburg) wieder mehr seiner Mutter zuwandte, kümmerte sich Sisi um ihre Sommergarderobe. Dies heizte wilde Spekulationen an: wäre es einer Todkranken nicht egal, welches Kleid sie anhabe? Auch, dass sie die junge Witwe Mathilde Prinzessin von Windischgrätz (*5.12.1835, †1907) zu ihrer Hofdame machte, verwunderte den Hof. Gräfin Esterházy wurde dazu bestimmt, bei den Kindern in Wien zu bleiben. Hofdame Windischgrätz, eine junge Witwe, deren Mann in Solferino fiel, musste sich ebenso von ihrem Kleinkind verabschieden. Ein Umstand, der noch merkwürdiger war, als sowieso schon die ganze Reise an sich.

Prinzessin Mathilde von Windischgrätz, Foto: Wikimedia/Commons

Die Nachricht, dass die junge Kaiserin für längere Zeit Wien verlassen musste, da sie Lungenkrank sei, bestürzte ganz Europa. Queen Victoria (*24.5.1819, †22.1.1901) stellte ihre Privatjacht zur Verfügung, da es im Kaiserreich keine geeignete Jacht gab. Auch hier setzte Elisabeth ihren Willen durch. Sie nahm zwar die Jacht, lehnte aber die Einladung ins britische Königshaus kategorisch ab. Sie möge inkognito reisen, lautete die lapidare Absage.

Biograph Conte Corti bringt die Sache auf den wesentlichen Punkt: „Der Deckmantel der Krankheit wird das alles abschwächen, und sie ist ja auch wirklich krank, ihr geistiger Zustand nimmt auch den Körper hart mit. Und was sonst eine kleine Anämie, ein unbedeutender Husten wäre, wird unter solchen Verhältnissen fast wirklich eine Krankheit.“ (9) Veröffentlicht hatte er diese Sätze nie. Brigitte Hamann fand diese, als sie in seinem Manuskript recherchierte. Corti galt als kaisertreu und strich die Bosheit sofort wieder heraus. Auch jene über Erzherzogin Sophie, die ebenfalls Hamann übernahm: „Sie aber weiß genau Bescheid und ist bloß empört über die pflichtvergessene Elisabeth, die wie sie meint, nur eine Krankheit vorspiegelt, um dem Winter zu entfliehen und ihren merkwürdigen Lebensgewohnheiten ungenierter nachleben zu können.“ (10)

Leopoldine Nischer Foto: genee.org

Im November fuhr Elisabeth los. Leider sind die Briefe in jener Zeit von Kaiser Franz Joseph an Kaiserin Elisabeth nicht erhalten. Fünf Monate sollte der Aufenthalt nur dauern. Sechs Monate später kam sie zurück. Kaiser Franz Joseph fuhr nach Triest, um seine Elisabeth entgegenzunehmen. Die Menschen jubelten ihr zu. Man fuhr nach Schloss Laxenburg, wo das Paar hoffte, seinen geregelten Tagesablauf wieder aufnehmen zu können. Als Elisabeth zum ersten Cercle nach Wien zurückmusste, wurde sie wieder von heftigen Hustenanfällen geplagt. Sie suchte die Einsamkeit und wollte niemanden zu sich lassen.

Vier Tage später war klar, dass Elisabeth wieder ins Ausland musste. Diesmal nach Korfu. Elisabeth dachte, sie müsse sterben und verabschiedete sich theatralisch von ihrer Tante, die gleichzeitig ihre Schwiegermutter war. Sophie notierte: „Traurige Trennung von unserer armen Sisi, vielleicht fürs Leben. Sie weinte und war extrem bewegt und bat mich um Verzeihung für den Fall, daß sie für mich nicht so gewesen ist, wie sie es hätte sein sollen. Ich kann meinen Schmerz, den ich empfand, nicht ausdrücken, er zerriß mir mein Herz. Der Kinderfrau Leopoldine Nischer (Anmerkung: *1813, †1883) empfahl Sisi beim Abschied die Kinder an mit den Worten: „es wäre ja das einzige, was dem Kaiser bliebe!“ (11)

Erzherzog Ferdinand Maximilian, Foto: Wikimedia/Commons

Als Elisabeth von Laxenburg abfuhr, hätte man meinen können, ein Leichenwagen zöge vorbei. So betrübt und theatralisch war die Stimmung. Kaiser Franz Joseph begleitete sie selbstverständlich nach Triest, wo auch ihr Lieblingsschwager Erzherzog Ferdinand Maximilian auf sie wartete. Mit einer Gefolgschaft von 33 Personen stieg Kaiserin Elisabeth auf das Schiff. Doch schon auf der Überfahrt änderte sich schlagartig ihr Gemüt. Sie aß, lachte und war übermütig. In Wien verbreitete sich indes das Gerücht, die junge Kaiserin sei verstorben.

Im Juli beging Kaiser Franz Joseph einen folgenschweren Fehler.

Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons

Er übersandte als Botschafter Graf von Grünne. Der Inhalt des Gesprächs ist leider bis heute nicht überliefert. Es eskalierte allerdings derartig, dass Elisabeth nie wieder ein Wort mit Graf Grünne sprach. Einige Szenen aus dem Gespräch erzählte sie wohl später ihrer Hofdame und engen Vertrauten, Marie Gräfin Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923). Von Betrug sei die Rede gewesen, von Maßregelungen in Richtung des Kaiserhauses und von Ratschlägen, die bei der jungen Kaiserin falsch ankamen. Gräfin Festetics schrieb am 12.4.1872 in Ofen in ihr Tagebuch: „Jetzt entsanken die Zügel seinem eisernen Griffe, er ist Oberstallmeister Seiner Majestät (Anmerkung: Graf von Grünne wurde nach dem verlorenen Italien Krieg vom Flügeladjutant zum Oberstallmeister „degradiert), ist noch wichtig genug. Eng verbündet mit Erzherzogin Sophie, ist er unter der Maske der größten Gutmütigkeit ein Feind der Kaiserin und dabei doch unter Ihrem „Charme“. Wie, warum, das weiß ich alles nicht. Ich kenne ja das Getriebe und Gewebe nicht, sage nur, was ich sehe und aus einzelnen Worten erhöre.“ (12)

Auch hier sind die Briefe zwischen dem Ehepaar nicht erhalten. Den ersten Brief, den ich finden konnte, war an seine Mutter Erzherzogin Sophie.

Helene und Max von Thurn und Taxis mit Kindern, Foto: Wikimedia/Commons

Wien, den 2. September 1861 Liebe Mama, erst heute komme ich dazu, Ihnen für Ihren lieben Brief vom 22.v.M. zu danken. …… Von Sisi habe ich Gottlob recht befriedigende Nachrichten. Sie hat sich über Helenes Ankunft sehr gefreut, ist recht heiter, fährt zu Wagen und zu Schiff und ißt über Andringen ihrer Schwester jetzt viel mehr Fleisch und trinkt mittags und abends Bier. Infolge der kühlen Witterung, die nach einem starken Gewitter auf in Korfu eingetreten ist, hat sie leider wieder mehr gehustet, allein der Arzt legt der Sache keine Bedeutung bei. Die lieben Kinder, die ich vorigen Mittwoch das letztemal besuchte, sind immer sehr wohl und heiter. Die Gesellschaft des Max Taxis (Anmerkung: Maximilian Thurn und Taxis (*28.9.1831, †26.6.1867), Helenes Ehemann), der seinen Aufenthalt, meinem Wunsche entsprechend, noch verlängert hat, ist mir sehr angenehm und erheiternd. … Ihr treuer Sohn Franz. (13)

 

Denkmal Funchal, Madeira, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

In weiteren Briefen erzählte Franz Joseph, dass er die Kinder in Reichenau an der Rax besucht hätte und sich nach Sisi sehne, der es besser gehen soll. Außerdem ging er jagen und empfing allerlei Gäste.

Des Weiteren machte er sich auf den Weg nach Korfu, um seine „schwer erkrankte“ Frau zu besuchen. Er schrieb am 16.10.1861 folgenden Brief an seine Mutter: „Liebe Mama, nach einer herrlichen und vom ruhigen Wetter begünstigten Seereise bin ich glücklich in diesem irdischen Paradiese angekommen und habe Gottlob über meine Erwartung Erfreuliches gefunden. Sisi ist wirklich viel besser, besonders kräftiger und sieht sehr gut aus. Sie ist stärker geworden, ist wohl noch ein wenig aufgedunsen im Gesicht, hat aber meistens gute Farben; sie hustet sehr wenig und ohne Brustschmerz, und die Nerven sind viel ruhiger. Sie befolgt ein vortreffliches Regime, ißt dreimal des Tages viel Fleisch und trinkt Bier; Obst ißt sie gar nicht mehr. Auch geht sie viel zu Fuß, so wie das Wetter es erlaubt. Ich habe Sisi so wohl gefunden, daß ich mich entschlossen habe, sie für den Winter nach Venedig gehen zu lassen, so sie doch näher und innerhalb der Monarchie ist, wo ich sie leichter und öfter besuchen und wo sie auch die Kinder sehen kann, nach denen sie sich natürlich sehr sehnt. Sie ist in Venedig auch viel mehr vor der rauhen Luft geschützt und findet mehr Ansprache und geselligen Umgang und hofft auch, daß Charlotte sie manchmal besuchen wird. Wie glücklich ich über die Möglichkeit bin, Sisi näher zu haben, können Sie sich wohl denken, liebe Mama. ….. Sisi küßt Ihnen und dem lieben Papa die Hände, und indem ich ein Gleiches tue, bleibe ich Ihr treuer Sohn Franz. (14)

Karoline Freifrau von Welden „Wowo“, die Kinderfrau von Erzherzogin Gisel(l)a und Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth, Foto: Nationalbibliothek

Der Umstand, dass seine Frau nun nach Venedig „durfte“, wurde baldigst durchgeführt. Doch die Kinder durften nicht auf Dauer nach Venedig. Erzherzogin Sophie hielt ihrem Sohn vor, dass Wasser sei schlecht für deren Gesundheit. Deshalb ließ Franz Joseph seiner Frau und den Kindern täglich frisches Wasser von Wien schicken. Voraussetzung der Besuche der Kinder war, dass Gräfin Esterházy diese nach Italien begleiten durfte. So hatte Sophie täglich Berichte über die Kinder und über ihre Schwiegertochter erhalten. Es kam wie es kommen musste. Sophie mischte wieder einmal kräftig über die ohnehin schon verachtete Gräfin Sophie Esterházy-Liechtenstein (*5.9.1798, †17.6.1869) mit.

Elisabeth hatte nun endlich ihren Kampfgeist wieder zurück. Sie setzte bei ihrem Gatten Kaiser Franz Joseph durch, dass dieser die verhasste Obersthofmeisterin und Spionin von Erzherzogin Sophie entließ. Ihrer Mutter Ludovika wurde die eigene Tochter immer peinlicher. Diese beklagte sich lautstark über den Umgang mit der armen Sophie Esterházy.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Eliabeth in der Gondola, Foto: sternenkaiserin.com – Marie
Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth in der Gondola (Nahaufnahme), Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Kaiser Franz Joseph besuchte seine geliebte Engels Sisi zweimal in Venedig. Beim zweiten Mal nahm er den dreijährigen Kronprinz Rudolf mit. Doch auch hier kümmerte er sich weniger um seine „kranke“ Gemahlin, sondern um Paradenabnahmen und Truppeninspektionen. Das Verhältnis der Eheleute war mittlerweile auf ein eisiges Schweigen abgeflaut. Zu lange war Elisabeth nicht mehr in Wien, zu wenig Verständnis hatte der Kaiser für seine Frau.

Kaiserappartements, Museo Correr, Venedig, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Vielleicht dämmerte es ihm bereits, dass sie mit ihren „vorgehaltenen“ Krankheiten nur ihren Willen durchsetzen wollte. Die Kaiserappartements in Venedig sind heute übrigens im Museum Correr öffentlich zugänglich. Und wer diese sieht, wird schnell wissen, warum sich Kaiserin Elisabeth sieben weitere Monate mit dem „Gesundwerden“ Zeit ließ.

Kaiserappartements, Museo Correr, Venedig, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Erst im Mai 1862 traf Kaiserin Elisabeth in Reichenau an der Rax ein. Ohne Wien einen Besuch abzustatten, fuhr sie mit Dr. Heinrich Fischer (*1814, †1874), ihrem Leibarzt, nach Bad Kissingen. Der Hohn und Spott hätte nicht größer sein können. Kaiserin Elisabeth wurde verspottet, weil sie angeblich ihre schönsten Zähne in Kissingen verlor, Kaiser Franz Joseph wurde durch die Presse gejagt, weil er auf Geheiß seiner Frau den Backenbart abrasiert hatte, weil ihr dieser nicht gefiele. Tägliche Meldungen was Kaiserin Elisabeth trüge, inkl. Farbe des Sonnenschirms, wurden in den Zeitungen veröffentlicht. Daneben allerdings auch die Meldungen der Bankrotte, Selbstmorde und Arbeitslosigkeiten im Land. Die Kluft zwischen Adel und Volk, reich und arm, wurde immer größer.

Bad Kissingen, Foto: Wikimedia/Commons

Bereits im Juli erschienen die ersten positiven Zeitungsmeldungen: Der Kaiserin ginge es besser. Die ganze Familie besuchte Sisi in Kissingen. Nach Bad Kissingen verschanzte sie sich im Schloss Possenhofen und nahm vergnügt ihr Leben wieder auf. Sie war mit ihren Geschwistern zusammen, fast alle waren zu Besuch bei ihrer Mutter. Herzog Max (*4.12.1808, †15.11.1888) befahl Sisi, wieder nach Hause zu kehren. Doch Elisabeth weigerte sich, nach Bad Ischl zu fahren, da sich die Kaiserfamilie im Sommer immer dort aufhalten würde.

Graf Franz Folliot de Crenneville, Foto: Wikimedia/Commons

Graf Franz Folliot de Crenneville (*22.3.1815, †22.6.1888), Generaladjutant Seiner Majestät , war nach Possenhofen gekommen, um Elisabeth nach Ischl abzuholen. Als sie sich weiterhin strikt weigerte, notierte er in sein Tagebuch: „Oh die Weiber, die Weiber!!!! mit und ohne Krone, in Seide oder percale gekleidet haben Capricen und wenige sind ausgenommen.“ (15)

Am 11.8.1862 schrieb Franz Joseph an seine Mutter in Ischl: „Liebe Mama…… Von Sisi habe ich immer gute Nachrichten, so daß ich hoffe, daß sie recht bald wird zurückommen können. Sie war über Ludwigs (Anmerkung: Erzherzog Karl Ludwig (30.7.1833, †19.5.1896), Bruder von Kaiser Franz Joseph) in Possenhofen sehr erfreut. … Ihr treuer Sohn Franz“ (16)

Kurz vor dem Geburtstag Seiner Majestät fuhr Kaiserin Elisabeth nach Wien. Sie verließ im November 1860 die Hauptstadt und kehrte (circa) am 16.8.1862 erst wieder zurück. Fast zwei Jahre lang war sie unterwegs gewesen, um „Gesund“ zu werden. In der Zeit fehlte sie ihren Kindern und ihrem Land.

Erzherzog Karl Ludwig, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph freute sich so derartig auf seine Frau, dass er ihr bis Freilassing entgegenfuhr, wo er sie feierlich übernahm. Die Lokomotiven wurden festlich geschmückt und an den Bahnhöfen waren bayrische und schwarzgelbe Fahnen gehisst. Am Bahnhof Hütteldorf sang ein Männergesangsverein, in Schönbrunn warteten die Trompeter „Jäger-Hornisten“ auf sie. Der Empfang glich der einer Braut.

Doch der Schein trog. Anstatt ihre Verwandtschaft in Schönbrunn freudig zu begrüßen, wirkte sie steif, tonlos und täuschte eine schwere Migräneattacke vor. Sie zog sich in ihre Appartements zurück und war für niemanden zu sprechen.

Sisi-Schloss in Reichenau an der Rax (ehemals Rudolfsvilla), Foto: sisi-schloss.at

Im Brief vom 25.8.1862 an seine Mutter, ist von all dem nicht die Rede. Entweder wollte Franz Joseph seine Mutter nicht beunruhigen, oder er verschloss wirklich die Augen vor der Tatsache. „Liebe Mama, …., denn neben den Geschäften mußte ich doch auch oft mit Sisi ausgehen, die sehr viel Bewegung macht, was ihrer Gesundheit sehr zuträglich ist. Dann nahmen die Eisenbahnfahrten nach Reichenau und wieder herein und eine Fahrt ins Lager auch viel Zeit in Anspruch. Wie glücklich ich bin, Sisi wieder bei mir zu haben und dadurch endlich nach langen Entbehren ein „zu Hause“ zu besitzen, brauche ich nicht erst zu sagen. Sisi ist Gottlob recht wohl, sieht verhältnismäßig gut aus, hat immer gute Farben, guten Appetit und macht sehr viel Bewegung, ohne Ermüdung zu fühlen. Nur die volle Gelenkigkeit in den Füßen ist noch nicht ganz hergestellt, aber auch dieses bessert sich von zu Tag. Ich bin sehr froh, daß sie jetzt in Reichenau noch die gute Gebirgsluft genießen kann, denn hier ist es noch nicht frisch genug und bei Sonnenschein zu heiß und drückend. Besonders die Tage, die wir gleich nach Sisis Ankunft mit den Kindern hier zubrachten, waren sehr heiß und es blies dabei ein sehr angreifender Scirocco. ….Wir sind am 18. früh mit Gackel (Anmerkung: Herzog Karl Theodor, Bruder von Kaiserin Elisabeth) nach Reichenau, um meinen Geburtstag dort zu feiern. In der folgenden Nacht verließ uns Gackel, um nach München zurückzukehren. Rudolphs Geburtstag wurde sehr feierlich begangen; am Vorabende eine Menge Bergfeuer und Musik. Am Morgen Musik, 101 Pöllerschüsse, Aufzug der Bergleute, Jäger, Holzknechte …… Der Empfang, den Sisi hier fand, war wirklich sehr herzlich und wohltuend.“ (17)

Doch die Kluft des Fernbleibens hatte tiefe Wunden hinterlassen. Elisabeth hatte sich entfremdet. Sie konnte Zeit ihres Lebens mit Gisela und Rudolf kein herzliches Verhältnis mehr aufbauen. Kaiser Franz Joseph betete seine Frau noch immer an und würde das noch im Greisenalter tun, verstand sie allerdings nicht mehr, bzw. hatte sie in Wirklichkeit nie verstanden.

Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka, Foto: Wikimedia/Commons

Die Briefe von Kaiser Franz Joseph an seinen „Geliebten Engel“, wie er jetzt schrieb, beginnen wieder 1866. Sie weilte in Ungarn und war zu dieser Zeit bereits in Gesellschaft von Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka (*3.3.1823, †18.2.1890). Kaiserin Elisabeth weilte Monate in Ungarn und schrieb unzählige Briefe. Einmal weckte man den Kaiser um 1.30 Uhr morgens, da ein Brief Ihrer Majestät eingelangt sei. Obwohl er sich freute, diesen erhalten zu haben, wollte er ab sofort nicht mehr geweckt werden. Der Eilbrief hatte also Banalitäten zum Inhalt. Ansonsten wurden die Briefe fordernder und immer konkreter nach einem Wiedersehen, dem sich Elisabeth wohl verweigerte. Sogar die Sehnsucht der Kinder dürfte sie kalt gelassen haben. Sie kam nicht zurück. Ab dem 18.7.1866 kann man die Schlußformel „Männchen“, „Mäneken“ und „Kleiner“ lesen, Letzteres wurde immer öfter und ab dann regelmäßig mit „Kl“ abgekürzt.

Wenn Kaiserin Elisabeth zurück kam, waren es immer nur wenige Tage. Am 4.8.1866 schrieb Kaiser Franz Joseph: „Schönbrunn, den 4.8.1866, ½ 6 Uhr Früh, Mein lieber Engel, Jetzt bin ich wieder mit meinem vielen Kummer allein und sehne mich nach Dir. Komme bald, wieder, mich zu besuchen, das heißt wenn es Deine Kräfte und Deine Gesundheit erlauben, denn, wenn Du auch recht bös und sekant warst, so habe ich Dich doch so unendlich lieb, daß ich ohne Dich nicht sein kann. Schone Dich nur recht und gebe beim Reiten acht, denn ich ängstige mich sehr…. Dich mit den Kindern umarmend, Dein Dich innigst liebender Kleiner“ (18)

Die Briefe mit ähnlichem Inhalt – mal kommt sie, um nach kurzer Zeit wieder zu gehen – ziehen sich bis 1867 hin. Manchmal setzt sie sich gegen Erzherzogin Sophie durch und nimmt die Kinder für eine Weile nach Ungarn mit.

Krönungszeremonie, Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph, Foto: billerantik.de
Kaiserin Elisabeth im Krönungskleid, Foto: ÖNB

Der ungarische Ausgleich wurde am 8.7.1867 mit einer pompösen Krönungsfeierlichkeit gefeiert. Zehn Monate später sollte die letzte Kaisertochter geboren werden: Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924). Der Wiener Hof ätzte, dass es Graf Andrássys Kind sei, was Elisabeth zu Ohren kam. Sollte es eine Möglichkeit der Versöhnung gegeben haben, hatte diese Kaiser Franz Joseph verspielt. Er stand ihr auch hier nicht bei und nahm das Getratsche nicht ernst. Elisabeth jedoch nahm sich dies sehr zu Herzen.

Doch gerade Marie Valérie, die in Wien „Die Einzige“ genannt wurde, war ihrem Vater äußerlich ähnlicher als alle anderen Kinder. Die Kindstaufe fand in der Ofener Burg unter großem Prunk statt. Als Taufpaten fungierten die Schwestern von Elisabeth: Gräfin Mathilde von Trani und Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925).

Stammbaum: Marie Fotos: Wikimedia/Commons

 

Erzherzogin Marie Valérie als Kleinkind, Foto: Nationalbibliothek

Valérie wurde von ihrer Mutter abgöttisch geliebt, aber auch, wie heute ähnlich den Helikoptermüttern, kategorisch vor Allem abgeschirmt. In späten Jahren beklagte sie sich, dass sie ihren Vater im Grunde gar nicht kannte. Ein Familienleben, lernte sie erst mit ihrem Mann Franz Salvator kennen. In dieses band sie dann ihren alternden Vater, der ab 1898 Witwer war, massiv mit ein.
Das Kind der Beiden war wohl ein Aufflackern alter Gefühle und Liebe und die Glückseligkeit, dass Elisabeth in Ungarn den Ausgleich erzielt hatte. Seit 1866 versuchte sie ihren Mann davon zu überzeugen, dass dies die einzige Möglichkeit war. Wer mehr über Kaiserin Elisabeth als Mutter erfahren möchte, liest hier weiter. 

Danach blieb der Kaiser wieder die meiste Zeit allein. Elisabeth blieb in Ungarn und zog ihre Tochter mit Hilfe des (unbeliebten) englischen Kindermädchens Mary „Minny“ Throckmorton auf (*1832, †11.12.1919) auf. Ab 1874 Jahren reiste Kaiserin Elisabeth öfter nach Irland und England, wo sie nicht nur die Habsburg-Monarchie brüskierte, sondern auch Queen Victoria. 1879 überwarf sie sich mit ihrer Schwester Königin Marie von Neapel und sprach nie wieder ein Wort mit ihr. Zu Kronprinz Rudolf hatte Elisabeth sowieso ein schwer angespanntes Verhältnis; als sich dieser Maries Gerüchten um eine Affäre mit Bay Middleton (*16.4.1846, †9.4.1892) (den Bericht könnt ihr hier nachlesen) anschloss, überwarf sie sich eine zeitlang auch mit ihrem Sohn.

Wer indes glaubt, dass Kaiser Franz Joseph Tag und Nacht allein in Wien in Schloss Schönbrunn oder Hofburg vor sich hin tristeste, irrt. Er fuhr genauso in der Weltgeschichte herum, wie Kaiserin Elisabeth selbst. An Bord des Donaudampfschiffes „Sophie“ fuhr er nach Bazias um von dort nach Constantinople zu gelangen. Er wohnte im Palais Impérial de Bechiktach. Von dort schrieb er Unmengen an Briefen und erhielt wiederum Telegramme von Kaiserin Elisabeth. Im November 1869 weilte er in Athen und passierte mit dem Schiff „Greiff“ Rhodos und Zypern, um nach Jerusalem zu fahren, wo er am 11.11.1869 ankam. Er schrieb seitenweise Reiseberichte, von einem Sektionschef Hofmann, der nicht reiten könne und prompt vom Pferd fiel und sich den Arm brach usw. Von Jerusalem ging es nach Cairo und nach Alexandria.

Am 30.11.1869 schrieb Kaiser Franz Joseph an seine Sisi: „Am Greif, Hafen von Corfu den 30. Novbr., 2 Uhr Nachtmittag ….. In 2 Stunden geht hier der Lloyd Schnelldampfer durch und so expedire ich mit demselben den Kurier, der Dir diesen Brief noch einigen Stunden vor meinem Eintreffen in Triest überbringen kann. Ich kann nicht vor der Nacht vom 2. zum 3. oder am 3. in der Früh dort eintreffen und so bitte ich Dich recht schön, lieber Engel, mich so lange es geht, im Bett zu erwarten, denn das ist doch das schönste Wiedersehen nach so langer Zeit. Etwas trauriges hat dieses Wiedersehen bei dem Gedanken, daß es für so kurze Zeit ist und ich dann wieder so lang ohne Dich, allein bleiben muß. Es wird eine recht harte Zeit in Wien werden! In der Hoffnung Dich baldigst wirklich umarmen und küssen zu können, bleibe ich Dein, Dich innigst liebender Kl“ (19)

Erzherzog Franz Karl, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf vor dem Sarg von Erzherzogin Sophie, Hofkapelle 1872, Foto: ÖNB

Am 28.5.1872 starb Erzherzogin Sophie. Kaiserin Elisabeth weilte zu dieser Zeit gerade in Wien und eilte zwischen Hofburg und Schloss Schönbrunn, wo Valérie krank darnieder lag, hin und her. Ausgerechnet, als sie sich gerade vom Krankenbett der Schwiegermutter erhob, um nach Schönbrunn zu eilen, erhielt sie nach ihrer Ankunft ein Telegramm. Marie Festetics überreichte ihr dies. Mit Windeseile jagte sie in der Kutsche zurück zur Hofburg: „Die Kaiserin war furchtbar aufgeregt und ich hatte eine Todesangst, die Erzherzogin könnte sterben und wie die Menschen sind, hätten sie noch gesagt, die Kaiserin hätte es zu Fleiß gethan.“ (20)

Leider ist aus dieser Zeit aus den Briefen nichts zu erfahren, da diese von 1869 – 1874 nicht erhalten (oder veröffentlicht) sind. 1874 begann die Reise nach St. Petersburg, wo er ebenso viel berichtete, wie zuvor: über Bälle, den schönen Damen, den Zar usw.

 

 

 

Schlafgemach (Bett nicht Original!) in den Kaiserappartements, Museo Correr, Venedig, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

1875 befand sich Franz Joseph auf dem Weg nach Venedig. Von dort schrieb er: „Venedig, den 6. April 1875, ½ 8 Uhr Früh …. Ich wohne in Deinen Zimmern, schlafe in unserem ersten Schlafzimmer und schreibe jetzt in Deinem späteren blauen Schlafzimmer. Der Empfang hier war außerordentlich schön, selbst herzlich und Alles ist vortrefflich arrangirt. Der König ist unendlich freundlich, die Kronprinzessin charmant, hübsch, sehr aimable, ganz unglaublich élègant, hat besonders hübsche Füsse …. Dich mit den Kindern umarmend, Dein Kl (21)

Auguste von Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Danach fuhr er von Pola nach Sebenico und Pago und dann weiter nach Spalato, wo er Sisi den berühmten Honig schicken ließ. Im Gegenzug bedankte er sich für den übersandten Zwieback. Er schrieb auch mehrmals über Gisela, die gerade schwanger war und die Nachricht der Niederkunft nicht abwarten könne. (Anmerkung: 2te Enkelin Auguste kam am 28.4.1875 zur Welt; †25.6.1964). Von Spalato ging es nach Metkovic, Ragusa und Cattaro. Danach enden die Briefe leider wieder und es geht erst 1886 weiter.

Doch so einsam, wie man Kaiser Franz Joseph immer gerne sieht, war er nicht. Seine Affären wurden intensiver und fanden immer mehr in unmittelbarer Nähe statt. Er quartierte zuerst seine Geliebte Anna Nahowski (*1860, †23.3.1931), später dann sogar Katharina Schratt in der Nähe von Schönbrunn ein. Näheres zu seinen Affären erläutere ich hier.

 

 

Dr. Hermann Widerhofer, Foto: Wikimedia/Commons
Katharina Schratt, Foto: habsburger.net

1885 führte Kaiserin Elisabeth dem Kaiser Katharina Schratt zu. Mittlerweile tat ihr ihr Mann sogar schon leid. Für sie war die Ehe zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahren beendet.

Den ersten Brief den man nach 1875 findet, ist vom 30.6.1886 datiert: „Schönbrunn den 30.Juni 1886, 4 Uhr Früh Édes, szerettet lelkem (Anmerkung: Meine süße, geliebte Seele) …. Gott lob tretet Ihr also Morgen endlich die Rückreise in die Heimath an und dieser Brief wird Dich bereits in Gastein erwarten. Wie ich mich auf das Wiedersehen freue, kannst Du Dir denken. Bitte vergesse nur nicht dafür zu sorgen, daß ich Sonntag eine Messe bekomme, wo möglich nicht vor 9 Uhr. Gestern war Wiederhofer (Anmerkung: Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901), Kinderarzt bei Kronprinz Rudolf und Leibarzt von Erzherzogin Marie Valerie) (Anmerkung: Kaiser Franz Joseph schrieb ihn mit „ie“; korrekt ist aber nur „i“) um mir wegen Mondel (Anmerkung: Generaladjutant Friedrich Freiherr von Mondel (*22.9.1821, †18.12.1886; zu dieser Zeit bereits schwer krank) zu berichten und bei dieser Gelegenheit sagte er mir, daß Du Dich während der Kur vor Allem vor Verkühlungen in Acht nehmen mußt und keine zu anstrengenden Fußmärsche machen sollst, auch ja die Bäder nicht übertreiben …… Dich von ganzem Herzen umarmend, Dein Kl“ (22)

Friedrich Freiherr von Mondel, Foto: oldthing.de

Leider enden die Briefe wieder mit dem 6.11.1889, wo sich Kaiser Franz Joseph in Gödöllö befand, Kaiserin Elisabeth aber auf Korfu weilte. Zu Rudolfs Tod findet man auch hier nichts. Der erste Brief ist wieder vom 24.9.1890 datiert. Erzherzogin Marie Valerie ist mit ihrem Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) verheiratet und wohnte in Schloss Lichtenegg in Wels, Oberösterreich. Und so erzählte er immer weiter, wen er traf, wo er sich gerade befand (sogar Schloss Possenhofen besuchte er) und was er gerade tat. Als Nachsatz nach seiner Abschiedsklausel, kann man öfters „Die Freundin küßt deine Hände“ lesen (z.B. Brief vom 23.4.1891). Mit Freundin ist natürlich Katharina Schratt (*11.9.1853, †17.4.1940) gemeint.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth auf Cap Martin, 1894 Foto: Nationalbibliothek

Danach gehen die Briefe ohne gröbere Unterbrechung bis 1898 weiter. 1895 weilte Kaiserin Elisabeth in Cap Martin, er fragte, ob Sisi wüsste, wann Gackel mitsamt der Familie an die Riviera käme usw. Die Briefe aus 1895 sind, soweit ich das herauslesen kann, vollständig erhalten. Es wird viel über Marie Valerie, Gisela, Leopold, die Kinder der beiden und deren Befindlichkeiten gesprochen; übers Zahnen der Kleinen, über Essprobleme der kleinen Ella usw. Das alles aufzuzählen würde noch mehr Seiten füllen. Er bedankte sich sogar einmal, als Sisi ihm „mit dem weißen Schirme gewunken habe.“

Es wird über gemeinsame Bekannte getratscht, welches Paar wann geheiratet habe und wer mit wem eine Liaison unterhält. Telegramme über plötzlich Verstorbene erreichen den Kaiser und gegenseitig wird Beileid bekundet. Die Briefe der letzten Jahre lesen sich wie eine Brieffreundschaft zweier Unbekannter. Wenig Persönliches und noch weniger Gefühlvolles, bis auf die übliche Abschiedsklausel „Dich in Liebe und Sehnsucht umarmend, Dein Kl“.

Kaiser Franz Joseph, mit seinen Enkeln, den Kindern der Erzherzogin Marie Valerie, Franz Karl, Hubert Salvator und Elisabeth, Foto: Nationalbibliothek

Auch die Briefe 1896/7 beinhalten Selbiges wie 1898. Kronprinz Rudolf kommt nicht einmal mehr vor. Hie und da fällt der Name Stephanie, Franz Ferdinand wird bereits öfter erwähnt. Am Anfang des Jahres 1898 befindet sich Kaiserin Elisabeth in Frankreich, genau gesagt in Marseille, um dann nach Nizza weiterzufahren. Kaiser Franz Joseph befand sich zwischenzeitlich in Eisenerz. Auch hier dürften die Briefe vollständig sein. Er berichtet über Marie Valerie, die sich höchster Gesundheit erfreue und bestens aussehe, philosophiert über Theaterstücke, wie müde er manchmal sei und über allerlei Familienmitglieder. Am 24.8.1898 war Kaiser Franz Joseph in Ischl und erwartete voller Ungeduld die Ankunft seiner Frau, welche für kurze Zeit blieb, um am 27.8.1898 wieder nach Nauheim abzufahren.

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Viktor). Fotografie von Ludwig Angerer, 1860, Foto: Wikimedia/Commons

In vierundvierzig Ehejahren ließ sich Kaiserin Elisabeth nicht ein einziges Mal mit ihrem Mann und den Kindern ablichten. Es existiert eine einzige Fotoaufnahme, auf der Kaiserin Elisabeth mit den Söhnen von Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl zu sehen ist. Ansonsten lehnte sie solche Fotos kategorisch ab. Sämtliche Lithografien oder gemalte Bilder sind der reinen Phantasie der Lithografen oder Maler entsprungen. Kaiser Franz Joseph hingegen posierte mehrmals mit seinen Kindern; vor allem aber als Opa mit seinen Enkeln.

gesamte Familie, 1888, gezeichnet, Foto: billerantik.de

 

Sisi erscheint als Engel Kaiser Franz Joseph, Foto: Wikimedia/Commons

Den allerletzten Brief, den Kaiser Franz Joseph an Kaiserin Elisabeth schrieb, sollte diese niemals mehr erhalten. Hier der gesamte Brief: 

Anmerkungen vorab von mir:
Gräfin Sztáray = letzte Hofdame von Kaiserin Elisabeth – Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863, †3.9.1940)
Graf Welsersheimb = Rudolf Graf Welser von Welsersheimb  (*1.3.1842, †25.10.1926)
Rudi Liechtenstein = Rudolf von und zu Liechtenstein, Obersthofmeister (*18.4.1838 – †15.10.1908)
voiture = Auto (?)
Isten veled szeretet agylaom = Adieu, schöner süßer Engel

Schönbrunn den 10. Septbr. 1898 

Édes szeretett lelkem, 

Da ich Heute in Schönbrunn bleibe und daher meine freie Zeit habe, so will ich doch noch einige Zeilen an Dich richten, um dir beiligenden Brief Valéries, den ich Gestern erhielt zu senden und Dir für Deinen, an sie gerichteten Brief vom 4., der ja auch für mich bestimmt war, innigst zu danken. Gleichzeitig schickt mir Valérie ein kurzes Schreiben der Gräfin Sztáray, auch vom 4., welches, obwohl eigentlich nur ein Namenstag Gratulations Brief, doch auch günstiges über Dein Befinden enthält. Sehr erfreut hat mich die bessere Stimmung, die Deinen Brief durchweht und Deine Zufriedenheit mit dem Wetter, der Luft und Deiner Wohnung sammt Terrasse, welche einen wunderbaren Ausblick auf Berge und See gewähren muß. Daß Du dennoch eine Art Heimweh nach unserer lieben Villa Hermes gefühlt hast, hat mich gerührt. Gestern Nachmittag war ich wieder dort und ging in der Nähe der Villa spazieren. Der Abend war herbstlich, aber sehr schön, der ganze gestrige Tag wolkenlos; auch Heute ist es schön und kühl, aber der Barometer fallt, was mich für die Tátra fürchten laßt. Gestern hörte ich einen Hirsch zweimal melden. Wie Nando Gestern aus Gödöllö telegraphirte, melden dort die Hirsche wegen großer Trockenheit noch nicht und es gelang ihm in der ganzen Zeit, wegen wechselndem Winde, erst einen schwachen 10 Ender am Ansitze zu erlegen, der einzige Schuß den er bis jetzt machte. Von der Freundin erhielt ich Gestern ein Telegramm von Ferleiten 6 Uhr 10 M. Nachmittag. Sie war dort vom Glocknerhause angekommen und wollte noch Gestern nach Zell am See fahren, wo sie gewiß spät eingetroffen sein wird. Warum sie ihre Gebirgstour so gehetzt und mit so starken Tagesleistungen gemacht hat, ist mir nicht klar. 

Ich bin Gestern um 8 Uhr in die Stadt gefahren, wo ich bis 1/2 3 Uhr geblieben bin und Thun, FZM. Graf Welsersheimb und Rudi Liechtenstein gesprochen habe. Um 3 Uhr habe ich hier allein gespeist und Abends erfreute ich mich an der guten Milch aus deiner Meierei. Heute bleibe ich hier und um 1/2 9 Uhr Abends reise ich 
voiture, voiture siehe Oben 
vom Staatsbahnhofe ab. 
Isten veled szeretet agylaom. Dich vom ganzen Herzen umarmend, 
Dein 
Kl (23)

Als am 10.9.1898 Kaiserin Elisabeth starb (den Bericht findet ihr hier) rief er aus: „Niemand weiß, was diese Frau mir gewesen ist!“ (24)

~ Marie ~

Original-Kuverts von Kaiserin Elisabeth an Kaiser Franz Joseph, Kuverts teilweise mit geprägtem Schriftzug „Elisabeth“ und Kaiserkrone bzw. Siegel mit Siegellack, Absender teilweise aus Ischl, Meran, Combermere Abbey, Whitchurch, Shropshire,; das Relief aus Gips stammt von einem Sterbemonument, das nie verwirklicht wurde (R. Weigl 1902), Foto: Dorotheum Wien

 


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Marie
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Maria José, sternenkaiserin.com – Marie, Dorotheum Wien, geo.de, Österreichische Nationalbibliothek, roteskreuz.at, sisi-schloss.at, billerantik.de, habsburger.ne
Stammbaum: Marie, Fotorechte Wikimedia/Commons


Literarische Hinweise:

1 – S. 157, 2 – S 158/9
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Auflage

3 – S 313/4
Martha Schad
Marie Valérie von Österreich – Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth
Piper Verlag, 7. Auflage 2013

4 – S. 124/5, 8 – S 130, 9 – S 142, 10 S. 142/3, 11 – S. 150/1, 15 – S 164, 20 – 294
Brigitte Hamann
Elisabeth – Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage, 2017

5 – S. 9/10, 6 – S 13/14, 7 – S 31/2, 18 – S 55/6, 19 – S. 148/9, 21 – 158, 22 – 185,
Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859 – 1898, Band I (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Herold 1966, 1. Auflage

13 – S 304, 14 – S 308/9, 16 – S 311/2, 17 – S. 313/4
Dr. Franz Schnürer
Briefe Kaiser Franz Josephs an seine Mutter (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Universitätsdruckerei München, 1930

12 – S 60
Gudula Walterskirchen und Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics – Kaiserin Elisabeths intimste Freundin
Residenz Verlag, 3. Auflage, 2014

24 – 458
Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859 – 1898, Band II (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Herold 1966, 1. Auflage

24 – S. 40
Eugen Ketterl
Der Alte Kaiser wie nur Einer ihn sah
Fritz Molden Verlag, 1980, 1. Auflage

Verlobung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 4)

Elisabeth Herzogin in Bayern als Verlobte
dahinter der Starnbergersee
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht?

Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen.

Das die Sissi Filme an den Haaren herbeigezogen sind, erwähne ich beinahe in jedem Beitrag.

Dass aber gerade die Kennenlernszene und alles weitere bis zur Verlobung, nichts als der reine Kitsch und eine hübsche Mär ist, um den von krisengebeutelten Land ein bisschen Idylle einzuhauchen, möchte ich heute gerne erzählen.

Denn leider sind die Filme bis heute zu viel in den Köpfen der – vor allem Frauenwelt – verankert, die diese glauben und für die volle Realität halten.

Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag Seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene Herzogin in Bayern

Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene „Néné“ Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890).

Kürzlich hat ein Ludovika Biograph gemeint herausgefunden zu haben, dass die Geschichte mit Néné gar nicht stimme. Es soll immer schon Elisabeth gewesen sein, die für Franz Joseph bestimmt gewesen sei und alle Historiker würden sich irren. Ähhh….

Ich vermag mir den Seitenhieb nicht verwehren, dass auch Historiker irren können, oft genug habe ich dies in meinen Beiträgen schon bewiesen und auch jetzt muss ich wieder etwas richtigstellen.

Manches Mal wird über das Ziel hinaus geschossen und Papier ist bekanntlich geduldig und so mancher Lektor leider nicht imstande das Gelesene zu verbessern.

Denn schon Egon C. Conte Corti (+2.4.1866, 17.9.1953) hat 1934 die Story in seiner sehr gut recherchierten Biographie „Elisabeth, eine seltsame Frau“, welche damals noch mit lebenden Augenzeugen gespickt war, aufgegriffen und erzählt.

Er bekam als Einziger Einsicht in mitterweile längst verschwundene, verbrannte oder absichtlich zerstörte Unterlagen und so stützen sich Historiker aus aller Welt bis heute auf seine Bücher.

Vor Conte Cortis Biographie gab es kleinere Bücher oder Broschüren welche im Auftrag von Kaiser Franz Joseph direkt nach dem Tode seiner geliebten „Engels-Sisi“ nur intern für seine Familie und als Erinnerung für die Offiziere veröffentlicht wurden.

Tief vergraben in so mancher Bibliothek kann man sie finden und ich habe sie gefunden. Auch hierin ist zu lesen, dass nicht Elisabeth die erste Wahl war, sondern Néné Kaiserin werden sollte.

Foto: Wikimedia/Commons
Sidonie Prinzessin von Sachsen

Doch dem Kaiser gefiel sie nicht, wie zuvor schon die arme Sidonie von Sachsen (*16.8.1834, 1.3.1862), die als Jungfrau sterben musste, weil sie Franz Joseph nicht schön genug war.

Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers. 

Der Bericht zu Franz Josef und seine Frauen kann hier nachgelesen werden. Natürlich war Helene in Bayern nicht die schönste Tochter von Ludovika, dies kann auf den Bildern von ihr sogar heute noch gesehen werden. In vielen Biografien ist sogar zu lesen, dass sie wie eine Bauernmagd ausgesehen hat, sie geschielt habe und generell grobschlächtig war.

Auf Seite 434 der Ludovika Biografie listet der Autor Fehler von Autoren auf, die in weiterer Folge auch von anderen Historikern übernommen wurden.

Nun gut, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, denn er selbst schreibt, dass die Verlobung am 19.8.1853 stattgefunden habe.

Ich finde es generell schade, wenn ein Historiker, andere verheizt und er selbst greift immer wieder Autorin Praschl-Bichler an, nimmt sich aber nun heraus, diese in seinem Ludovika-Buch immer und immer wieder zu zitieren. In seinem Kapitel „4 Tage in August“ geht es nur darum, Hamann, Conte Corti, Haslinger, Praschl-Bichler, Graf usw. mit seiner These, dass Helene nie für Franz Joseph vorgesehen war, anzugreifen.

Mir liegt das Buch der Grazer Universitätsbiblithek vor und zu Recht bin ich wohl die Erste, die das Buch in Händen hält, denn es ist völlig ungebraucht und ungelesen. Mittlerweile ist das Buch auch nicht mehr erhältlich am Markt. Manches regelt sich von allein.

Nun aber zurück zur Verlobung und zu den Historikern, denen ich nahezu ungeschaut vertraue und die heißen nun einmal: Graf, Schweiggert, Hamann (auch wenn sie Fehler gemacht hat), Conte Corti und Unterweger (noch vor ihrem Luzi-Wuzi Desaster).

Sophie suchte also fieberhaft in ihren eigenen Reihen eine geeignete Braut und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war.

„Die Mutter hat ihn ganz in der Hand, er wird ihr völlig gehorchen. Wer weiß, wie lange noch. Jetzt wird er vielleicht ohne Widerspruch die Braut annehmen, die sie, Sophie, für ihn ausgesucht hat. Schon längst hat sie mit ihrer Schwester in München den Plan besprochen, deren älteste Tochter Néné mit ihrem Sohne Franz Joseph zu vermählen. Das Projekt einer Verbindung mit der schönen und klugen Tochter des Palatins Joseph von Ungarn findet nicht ihrer Billigung.“ (1a) (Anmerkung Petra: gemeint war Erzherzogin Elisabeth Franziska; die Geschichte dazu, könnte ihr hier nachlesen).

Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth, in der Familie liebevoll „Sisi“ genannt mit, welche ihr gerade schwere Sorgen bereitete.

Sie hatte sich unstandesgemäß in Richard Graf von Schwarzenberg verliebt, welcher ihr den Kopf gehörig verdreht hatte.

Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Elisabeths Umfeld entfernt. Er wurde zum Militär geschickt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später.

Elisabeth war untröstlich.

Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen -
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (1)
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Elisabeth als 14jährige; das Erste bekannte Foto von ihr

Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie.

Zeit ihres Lebens sollte sie ihren Jugendfreund, der nie näher deklariert wurde, vergessen.

Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte.

Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, 19.5.1896) die Wunden heilen könne.

Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus.

Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Elisabeth ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab. 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Ludovika Königin von Preußen und Firmpatin Elisabeths

Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Ischl.

Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester.

Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter,

Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura (= in Abwesenheit) Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie).

Sie folgte am 13.8.1853 nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Victor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.

Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an.

Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen.

Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen.

Das Unglück nahm seinen Lauf.

Foto: Wikimedia/Commons
Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum

Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten.

Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht.

Sophie schrieb ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen:

„Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“  (2)

Néné wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in

Foto(montage): W. Hain
Souvenir des Verlobungspaares (Der Kaiser wurde größer gemacht).

Sisi.

Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Elisabeth verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest: 

„In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3) 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte
Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853
Elisabeth ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.

Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch:

„Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)

Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern.

Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte

Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah.

Herzogin Elisabeth trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi.

Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern.

Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu:

„Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)

Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Elisabeth bat, wussten alle im Raum Bescheid.

Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.

Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Elisabeth nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde.

Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser

„sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)

Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz:

„Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.

Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Herzogin Elisabeth verlobt hatte. 

Der kleine Ort war außer Rand und Band.

Foto: Wikimedia/Commons
Siriuskogel

Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E.

Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren.

Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Herzogin Elisabeth war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schrieb sie:

„Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)

Ludovika notierte:

„Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)

Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes
Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes

Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ.

Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten.

Elisabeth war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.

Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.

Foto: Wikimedia/Commons
Karl Ludwig Graf von Grünne

Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte.

So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar.

Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.

Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute ein Museum).

Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.

In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen.

So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiservilla

Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen.

Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn.

Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.

Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.

Elisabeth wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet.

Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org

Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben.

Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at

Elisabeth verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete. Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.

Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch:

„Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.

Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Elisabeth auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt:

„Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10) 

Foto: fuenfseenland.de
Das junge Paar

Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Sisis Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen.

Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen.

Sie ließ Sisi Eisenpräperate zukommen, die diese einzunehmen hatte. Diese jedoch färbten die Zähne unweigerlich schwarz. 

Elisabeth litt darauf hin ein Leben lang unter ihren schlechten Zähnen, weshalb sie den Mund beim sprechen nie ganz aufmachte und niemals lächelte. 

Weiters wurde an Elisabeth herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus.

Sie musste stundenlang Modell stehen, ihr war langweilig und sie wurde unruhig. Der teure Schmuck, der aus Wien eintraf, wurde in die Schublade verstaut, einzig der Papagei von Kaiser Franz Joseph, der ihr nach Bayern geschickt wurde, bereitete ihr Freude.

Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:

Lebet wohl, ihr stillen Räume,
Lebe wohl, du altes Schloß,
Und ihr ersten Liebesträume,
ruht so sanft in Seesschoß.
Lebet wohl, ihr kahlen Bäume,
Und ihr Sträucher, klein und groß,
Treibt ihr wieder frische Keime,
Bin ich weit von diesem Schoß. (12)

Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte 1,5 Tage.

Bei einem dieser Besuche, überreichte ihm Sisi ihr Verlobungsgeschenk. Stolz und hoch zu Roß, im Hintergrund Schloss Possenhofen,

die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer.

60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valerie übergab. 

Foto: dorotheum.com
Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert.
Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty

Beim selben Besuch, brachte Kaiser Franz Joseph mitten im Winter ein Bukett aus weißen Rosen mit – ein ungeheurer Aufwand für die damalige Zeit!

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel,

Elisabeths Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen.

Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877):

„Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13) Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung. 

Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Elisabeths Schmuck und Aussehen.

Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten. 

In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet. 

Als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte ganz Wien. Die Geschichte zur Hochzeit, kann hier nachgelesen werden. 

Petra –


Rechtliche Hinweise:

Text: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, dorotheum.com, fuenfseenland.de, anno.onb.ac.at, oocities.org, Peter Füssl, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra , W. Hain,


Literatur Hinweise: 

1a – S 23
E.C.Conte Corti
Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heyne Verlag, 15. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

1 – S 30, 2 – S 31, 3 – 4 – S 32, 5 – S 34, 6 – 7 – S 35, 8 – S 38, 9 – S 37, 11 – S 47, 12 – S 48, 13 – S 52 
Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992

10 – S 153 
Ingrid Haslinger 
Erzherzogin Sophie Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 1. Auflage, 2016