„Kurzbericht“ – weitere Recherchen und Ausführungen folgen…!
Vorwort
Ich forsche seit einiger Zeit an Kronprinz Rudolf, wurde aber durch meine schwere Erkrankung aufgehalten, weshalb jetzt „nur ein kurzer Bericht“ zu Kronprinz Rudolfs Leben erfolgt. Sobald ich die Recherchen abgeschlossen habe, vervollständige ich diesen Beitrag und werde dies über die Social Media Kanäle Facebook, Instagram und TikTok bekanntgeben.
Einiges konnte ich schon herausfinden und deshalb veröffentliche ich folgenden Vorbericht:
Mary Vetsera
Immer wieder kann man in Kitschfilmen und/oder Serien und in Musicals von der „großen Liebe“ zwischen Kronprinz Rudolf und Mary Vetsera sehen und hören. Doch das ist genauso ein Mythos, wie vieles andere. Ich möchte gar nicht bestreiten, dass Baroness Mary Vetsera Kronprinz Rudolf geliebt hat. Von ihrer Seite aus, war es bestimmt die große Liebe, doch von Kronprinz Rudolf wurde sie mit Sicherheit manipuliert und ausgenutzt. Zu dieser Zeit absolut üblich, da sich beinahe alle Herren Geliebte hielten, da die Ehen immer nur zu politischen Standesdünkel geschlossen wurden und von daher meist sehr unglücklich verliefen.
Auch die Ehe von Kronprinz Rudolf mit Kronprinzessin Stephanie war so eine unglückliche Liebe. Wenn man der Geschichte mit Erzherzogin Antonia von Toskana glaubt (mein Bericht zu Kronprinz Rudolf ist bereits online), liegt hier viel mehr im Argen, als man tatsächlich glaubt.
Wahr ist deshalb folgendes – wie gesagt, es ist nur ein „kleiner Vorbericht“:
Marie Alexandrine Freiin von Vetsera, bekannt als Mary Vetsera, wurde am 19.3.1871 in Wien geboren.
Ihr Vater war Albin Ritter von Vetsera. Ihre Mutter Helene Baltazzi.

Albin Ritter von Vetsera

Helene von Vetsera
Marie Alexandrine, in der Familie „Mary“ genannt war das 3te Kind von 4 Kindern. Wie alle Mädchen zu ihrer Zeit, schwärmte sie für Kronprinz Rudolf.
Da ihr Onkel Heinrich Baltazzi ein Verhältnis mit der Cousine Marie Gräfin Larisch von Kronprinz Rudolf, hatte, fädelte er ein persönliches Kennenlernen beim Pferderennen in der Freudenau ein.
Gabriel Dubray, Marys Französischlehrer, schrieb einen Artikel in der Pariser Zeitung „Le Matin“, dass sich Mary ab diesem Tag verändert habe.
Fast hysterisch durchforstete sie täglich alle Zeitungen, riss alle Beiträge über Kronprinz Rudolf heraus, sammelte Fotos und las die Klatschpresse.
Bereits nach diesem kurzen Kennenlernen, kam es zu heimlichen Treffen zwischen Kronprinz Rudolf und Mary. Mit Hilfe von Gräfin Larisch, Leibfiaker Josef Bratfisch und Marys Zofe Agnes Johoda konnten in der Hofburg heimliche Treffen stattfinden.
Kronprinz Rudolf bat Mary um ein Aktportrait, welches sie von einem unbekannten Maler anfertigen ließ.
Beide schrieben sich eifrig Briefe, bis ihre Mutter Helene dahinter kam und dem Paar ein jähes Ende setzte. Sie ging mit Mary auf eine ausgedehnte Englandreise. Es halt jedoch nichts. Als Mary zurückkam, nahm sie sofort wieder Kontakt zu Rudolf auf.
Am 13.1.1889 schrieb Mary ihrer innigsten Freundin und Vertrauten Hermine, dass sie in die „Liebe eingeweiht“ wurde.
Für ein Mädchen aus gutem Hause eine Schande und Skandal, wenn dies durchgesickert wäre. Andererseits hätte Kronprinz Rudolf keine Konsequenzen fürchten müssen, denn er war nicht nur ein Mann, sondern auch aus dem höchsten Adel. Die Frau musste an sich halten und rein bleiben…
Am 26.1. verbrachte Rudolf noch bei seiner Langzeitgeliebten Soubrette Mizzi Kaspar, welche er im Sommer 1888 bat, sich mit ihm das Leben zu nehmen. Da dies Mizzi kategorisch ablehnte, küsste er sie dieses Mal zum Abschied auf die Stirn, was er nie zuvor getan hatte.
Leibfiaker Bratfisch brachte am 28.1. abends Mary Vetsera zum Jagdschloss. Ohne das ihr Besuch, Graf Hoyos-Sprinzenstein auffiel, wartete Mary derweil in seinem Zimmer. Danach zog sich Rudolf zurück und bat Loschek niemanden zu ihm zu lassen.
Baroness Mary Vetsera starb am 30.1.1889 17jährig durch einen seitlichen Kopfschuss, herbeigeführt von Kronprinz Rudolf, in dessen Bett. Sie ruht am öffentlichen Friedhof in Heiligenkreuz.

Grab Mary Vetsera, Heiligenkreuz

Grab Mary Vetsera, Heiligenkreuz
Was danach folgte, war eine Aneinanderreihung von Geschmacklosigkeiten, Verschwörungstheorien und Mythen.
Marys Leiche wurde in den späten Abendstunden am 31.1.1889 per Kutsche nach Heiligenkreuz gebracht. Ihr Onkel und Vormund Alexander Baltazzi (der Vater war bereits verstorben) (guter Reitfreund von Kaiserin Elisabeth) nahm die Leiche in Empfang. Er ließ sie mit dem Kleid bekleiden, mit welchem sie in Mayerling ankam und zuvor natürlich waschen.
Auf der Fahrt in der Kutsche, wurde ihr ein Besenstiel ins Kreuz geschoben, damit sie aufrecht in der Kutsche saß. Dabei wurde ihr eine Decke über den Körper geworfen, damit es so aussehe, als ob die Baroness schliefe.
Die Decke wurde in der Familie von Dr.Auckenthaler, normalerweise Rudolfs Leibarzt, als „Mary-Decke“ aufbewahrt und ist seit 2013 Teil des Museums im Schloss Trauttmannsdorff in Meran, da Auckenthaler aus Bozen stammte.
Eilends wurde sie am 1.2.1889 in Heiligenkreuz „in einem armen Sünder“-Grab verscharrt. Kaiserin Elisabeth suchte dieses Grab einige Tage nach dem Unglück auf.
Der Wiener Hof gab Mary Vetsera die Schuld am Tod des Kronprinzen. Marie Gräfin Larisch, bis dahin die Lieblingsnichte von Kaiserin Elisabeth, wurde Zeit ihres Lebens vom Hof verbannt. Sie starb in bitterer Armut in Augsburg.
Die Familie Vetsera wurde von jedem weiteren öffentlichen Leben verbannt. Helene, Marys Mutter verarmte ebenso komplett.
Hier könnt ihr das gesamte Grab in meinem Video sehen:
1945 wurde das Grab von den Russen geplündert. Erst am 7.7.1959 wurde Mary erneut beigesetzt.
Helmut Flatzelsteiner aus Puchenau und Mayerling besessen, brach am 8.7.1991 erneut das Grab auf und stahl Marys Gebeine, um sie labortechnisch untersuchen zu lassen.
Georg Markus, ein in Österreich hochangesehener Journalist und Historiker, brüstete sich damit öffentlich in der Kronen Zeitung, dass er dem Grabräuber ausfindig gemacht zu haben.
In Wirklichkeit meldete sich der Grabräuber Flatzelsteiner persönlich am Kommissariat Alland und Helmut Reinmüller, der zuständige Kriminalbeamte, nahm die Protokolle und Fotos auf.
Die Familie Baltazzi-Vetsera stimmte zuerst einem Laborbericht zu, zog diesen aber vor Veröffentlichung wieder zurück.
Bekannt daraus wurde:
Eine 115jährige Leiche, einer Frau die ungefähr mit 18 Jahren verstarb. Die Reste der Kleidung entsprachen dem Zustand der damaligen Mode, Etiketten-Reste konnten einen Modesalon ausfindig machen, deren Kundin Mary Vetsera war. Die Leiche wies im Schädelbereich 2 Schussverletzungen vor: 1 – Eintrittswunde, 1-Austrittswunde. Die Haare wiesen Schmauchspuren auf, was auf eine kurze Distanz schließen ließ.
Am 23.10.1993 wurde die Tote wieder in eine neuen Sarg gebettet, mit Erde überhäuft (um einen erneuten Diebstahl zu unterbinden) und wieder zur Ruhe gebettet.
2007 wurde zufällig im Stift Heiligenkreuz der Kupfersarg gefunden, den Mutter Helene anfertigen ließ und Mary am 16.5.1925 umgebettet wurde.
Er wurde restauriert und ist heute ein Teil des Museums des Karmel Mayerling.
Das Sterbezimmer wurde zur Kirche umgebaut. Das Schloss Mayerling wurde dem Karmel Mayerling (einem Kloster) ein halbes Jahr nach der Tragödie übergeben und erst im 20. Jahrhundert zum Museum.
Der gesamte Rundgang durch das Karmel Mayerling: inkl. dem aufgebrochenen Sarg von Mary
Immer wieder taucht aber ein spezielles Foto von den „Unsere liebe Frau von den Schotten“ in Wien auf, in welchem eine Eintragung zu lesen ist, dass Mary Vetsera ein Kind geboren hätte und Kaiserin Elisabeth die Taufpatin war.
Sieht man sich das Foto genauer an, merkt man die Fälschung auf einem Blick:
- falsche Schriftart aus dem 19. Jahrhundert
- im 19. Jahrhundert gab es keine Kugelschreiber
- das Kind kam angeblich am 24.12.1888 auf die Welt (dabei ist nicht nur das „zufällige“ Datum 24.12. auffällig, sondern auch das Jahr 1888. Wie Mary selbst am 13.1.1889 hinterließ, wurde sie in jener Nacht defloriert. Innerhalb von 14 Tagen (sie starb am 30.1.1889) kann sie zwar schwanger gewesen sein, aber a) hätte sie das selbst noch nicht gewusst und b) hätte das Kind nicht von Kronprinz Rudolf sein können, denn er war nachweislich Zeugungsunfähig geworden..
- die Taufe fand angeblich am 30.1.1889 statt – eigenartig, dass zu diesem Zeitpunkt beide bereits tot waren (frühe Morgenstunden) und das Kaiserhaus andere Sorgen hatte, als ein Kind zu taufen
- Schloss Possenhofen wurde in diesem Schriftstück zu „Pospenhofen“

https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-unsere-liebe-frau-zu-den-schotten/01-58/?pg=234
die Fälschung im Geburts- und Tauf-Register
Doch, trotzdem geistert das Foto immer wieder in zahlreichen Verschwörungstheorien auf.
Erklärbar ist leider nicht mehr, wie die Fälschung dort hin gelangte bzw. wer sie vornahm.
Doch nach eingehenden Studien, ist dies alles völlig unmöglich.
Selbst wenn, das Kaiserhaus alles gefaktet hätte, wären die kaiserlichen Vertrauten nicht so dumm gewesen und hätten diese Daten gewählt. Und woher sie den „Kugelschreiber“ hatten, dürfte dann wohl auch in die Kategorie „Science Fiction“ fallen. Dieser wurde nämlich erst 1938 erfunden! Und genau in diese Zeit würde auch das Schriftbild passen. Es würde also gut in jene Zeit passen, dass man solche Bösartigkeiten hinterließ.
Ich empfehle euch mein großes Video zum Leben von Kronprinz Rudolf, in welchem ich alle das ausführlich erkläre:
Petra Schimbäck
Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Bildnachweise: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Unsere liebe Frau zu den Schotten
Videonachweise: Petra Schimbäck
Ich danke dem Karmel Mayerling herzlich für die Video- und Fotoerlaubnis!
Ich danke dem Hofmobiliendepot herzlich für die Video- und Fotoerlaubnis!
Literatur Hinweise:
Jean-Paul Bled
Kronprinz Rudolf
Böhlau, Wien 2006
Brigitte Hamann
Kronprinz Rudolf. Ein Leben.
Amalthea, Wien 2005
Rudolf Ein Leben im Schatten von Mayerling.
Ausstellungskatalog, Wien 1990
Brigitte Hamann
Rudolf. Majestät, ich warne Sie…,
Geheime und private Schriften
Amalthea-Verlag, Wien/München 1979
Oscar von Mitis
Das Leben des Kronprinzen Rudolf
Mit Briefen und Schriften aus dessen Nachlass.
Insel-Verlag, Leipzig 1928
Helmut Reinmüller
Cold Case Mayerling Der Tod von Kronprinz Rudolf und Mary Vetsera
Kriminalpolizeiliche Aufarbeitung des Falles mit Originalquellen.
Kral Verlag, Berndorf 2021
Ernst Edler von Planitz
Die volle Wahrheit über den Tod des Kronprinzen von Österreich
Pichler Verlag, 1890
Friedrich Weissensteiner (Hrsg.)
Lieber Rudolf. Briefe von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth an ihren Sohn
Ueberreuter, Wien 1991
Sigrid-Maria Größing
Rudolf. Herzensbrecher, Freigeist, Psychopath
A & M, Salzburg 2006
Hermann Altenberg
Um Recht und Nachfolge im Hause Habsburg
Europa Verlag, 1966
Fritz Judtmann
Mayerling ohne Mythos
Ein Tatsachenbericht
Kremayr & Scheriau, 1968
Heinrich Baltazzi-Scharschmid, Hermann Swistun
Die Familien Baltazzi-Vetsera im kaiserlichen Wien
Böhlau, 1980
Helmut Reinmüller
Mary Vetsera – Der Grabraub 1992. Darstellung der Tat aus kriminalpolizeilicher Sicht mit neuen Fakten, Details und Bildern
Kral-Verlag, 2019
Brigitte Sokop
Jene Gräfin Larisch
Marie Louise Gräfin Larisch-Wallersee, Vertraute der Kaiserin – Verfemte nach Mayerling
Böhlau, 2006
Rudolf R. Novak
Das Mayerling-Netz. Verborgene Zusammenhänge entdeckt
Berger, 2019
weitere Literatur folgt…




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