Erzherzogin Sophie – der einzige Mann am Wiener Hofe

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Erzherzogin Sophie

„Und eine Kaiserin gehört zum Kaiser.“

Wer hört sie nicht?
Dieses „Singsang“ in der Stimme von Vilma Degischer, die in der Sissi-Trilogie mit Romy Schneider die böse intrigante Schwiegermutter so gekonnt darstellte, dass in den meisten Köpfen bis heute geglaubt wird, dass Erzherzogin Sophie tatsächlich so grausam zu Elisabeth war. Doch dies ist mitnichten die Wahrheit. Anfangs mochte Sophie „die kleine Sisi“ sehr. Doch es prallten zwei verschiedene Welten aufeinander.

Die strenge, hochadelige Person mit ihren Regeln und der Einstellung, „von Gott erhaben“ zu sein und die freiheitsliebende, sehr unkonvientionelle Elisabeth, die gar keine Kaiserin sein wollte.

Zur Ehrenrettung von Erzherzogin Sophie muss ich aber auch dazu sagen, dass man zum Zeitpunkt der Filme, noch nicht viel aus dem Leben der ehemaligen Prinzessin von Bayern wusste. Vielleicht war das „der einzige Mann bei Hofe“ bekannt und daraus machte Regisseur Marischka einfach die „böse Schwiegermutter“.

Dieses Mischmasch aus ihrem Spiel mit der Politik und dem Versuch aus Elisabeth eine Kaiserin zu machen, die dieses ablehnte, wurde im Film ganz einfach zu einem kompletten destruktiven Bild das bis heute anhält.

Der folgende Bericht ist eine Spurensuche um Erzherzogin Sopie so zu zeigen, wie sie wirklich war.

Eine fürsorgliche Mutter, die es manchmal allzu gut mit ihren Kindern meinte, eine geplagte Ehefrau, die mit einem geistesschwachen Mann verheiratet wurde und ihr Versuch sich gegen Metternich zu stellen, der sowohl Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, 2.3.1835), als auch Kaiser Ferdinand I. (*19.4.1793, 29.6.1875) beeinflusste. Dass ihr Sohn Erzherzog Franz zum Kaiser Franz Joseph wurde, ist einzig ihr zu verdanken.

Doch natürlich beginne ich wie immer am Anfang:

König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, kurz König Maximilian I. Joseph hatte bereits 5 Kinder aus erster Ehe, aber Auguste Wilhelmine Marie von Hessen-Darmstadt starb am 30.3.1796.

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Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Am 9.3.1797 ehelichte der König Friedericke Prinzessin Karoline Wilhelmine von Baden.

Sophie Friederike Dorothea Wilhelmine Prinzessin von Bayern kam mit ihrer Zwillingsschwester Maria Anna Leopoldine Elisabeth von Bayern (spätere Königin Maria Anna von Sachsen, †13.9.1877) am 27.1.1805 in München zur Welt.

Ihre Schwester Ludovika „Louise“ kam 30.8.1808 (26.1.1892) zur Welt und wurde in späterer Folge die Mutter von Kaiserin Elisabeth.

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Louise, Sophie und Maria Anna

Bild: Joseph Karl Stieler, 1812  

Sophie und ihre Geschwister wuchsen sehr liebevoll auf.

Ihre Eltern kümmerten sich – zumindest soweit es deren Zeit zuließ – außerordentlich liebevoll um die Kinder.

Karoline wurde auch den Stiefkindern eine liebevolle Mutter, die von allen sehr geliebt wurde. Allen, bis auf Ludwig.

Bereits mit 5 Jahren konnte Sophie lesen und schreiben und schrieb ihrem Vater und ihrer Mutter heiße Liebesbriefe, wenn diese abwesend waren.

Sophie wurde in der Familie Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer genannt. (1)

Ab ihrem 4. Lebensjahr bekam Sophie Unterricht in Französisch, Physik, Geschichte, Lesen/Schreiben usw.; auch Theater- und Ballettabende standen auf dem Programm.

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Elisabeth und Amalie mit der kleinen Maximiliane „Nini“
Bild: Joseph Karl Stieler, 1814

Sophie war Zeit ihres Lebens eine glühende Verehrerin von den schönen Künsten. Sie ging ausgesprochen gerne ins Theater und in die Oper.

Sophie und Maria Anna waren die erklärten Lieblingskinder ihres Vaters, Sophie verehrte Zeit ihres Lebens ihre Mutter, was zahlreiche Briefe belegen.

Als ihre Mutter am 13.11.1841 starb, fing Sophie an, ihre Gedanken in ein Tagebuch zu schreiben.

Schon zu Kinderzeiten schrieb sie glühende Briefe an ihre Mutter:

Während Königin Karoline, mit ihrem Mann, 1814/15 in Wien beim Wiener Kongress weilte, schrieb die 9jährige Sophie:


„Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (2)

Schon zu Kinderzeiten musste Sophie einen herben Verlust verarbeiten. Das Nesthäckchen, Maximiliane Josepha Karoline von Bayern, welche am 21.7.1810 geboren wurde und der erklärte Liebling von Mutter und den Kindern war, starb am 4.2.1821 11jährig an Typhus. Zeit ihres Lebens gedachte Sophie ihrer geliebten „Nini“, wie sie genannt wurde, zum Todestag.

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Foto: erzherzoginsophie.at
Erzherzogin Sophie

Lithographie: Josef Kriehuber, 1836

Als Sophie 19 Jahre alt war, wurde sie mit Erzherzog Franz Karl vom Österreichischen Kaiserhaus verlobt.

Franz Karl soll angeblich gleich Feuer und Flamme gewesen sein, als er seine zukünftige Braut erblickte.

Bei Sophie war es eher Fügung in ein Schicksal. Ihr zukünftiger Ehegemahl war leider geistig schwach und auch sonst nicht wirklich fähig, eine große Karriere einzuschlagen.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Franz Karl
Lithographie: Josef Kriehuber, 1850

Sein Bruder Ferdinand, der in die Geschichte als Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“ einging, traf es noch schlimmer.

Seine geistigen Eigenschaften waren noch weniger vorhanden als bei Franz Karl.  

Wobei sich auch hier die Mythen ranken. Die einen Historiker/innen schreiben, er war geistig minderbemittelt, die anderen, er hatte überaus geistige Fähigkeiten, da er 5 Sprachen sprach.

Doch die unumwundene Wahrheit war, dass Ferdinand schwere epileptische Anfälle hatte, cholerisch war und in späteren Jahren schrieb Sophie sehr spöttische Briefe über sein Aussehen und sein Verhalten.

Bevor noch am 4.11.1824 die Hochzeit in Wien in der Augustinerkirche gefeiert werden konnte, nahm Sophie einen sehr tränenreichen Abschied von München, ihrer Mutter und ihren verbliebenen Geschwistern.

Auch 3 Jahre später schrieb sie immer noch lange und tränenreiche Briefe nach Hause. Sie konnte die Trennung kaum verarbeiten.

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Kaiser Franz II/I
Bild: Friedrich von Amerling, 1832

Ein glühender Sophie Verehrer wurde ihr Schwiegervater Kaiser Franz II./I (*12.2.1768, 2.3.1835).

„…der Kaiser überhäuft mich mit seiner Güte und es scheint, als wolle er mir den zärtlichen, den besten Vater ersetzen, den ich verloren habe.“ (Brief an Großmama) (3)

Achtung Triggerwarnung!
Fehlgeburten

Auch über ihre Ehe und ihre Schwangerschaftsfortschritte schrieb sie viele Briefe, vor allem an ihre Mutter Königin Karoline und Großmama

„…man kann nicht liebenswürdiger sein als mein Gemahl – und er liebt mich so zärtlich – ….“ (4)

Die größte Sorge von Sophie war, dass sie ihre Kinder nicht austragen konnte. Was auch immer der Grund war, im 19. Jahrhundert konnte dies noch nicht erforscht werden. Und so erlitt Sophie eine Fehlgeburt nach der anderen

Insgesamt 11 Fehlgeburten sind belegt.

Diese sind aber schon zusammengezählt, als einige ihrer Kinder auf der Welt waren. Doch bevor dies so weit war, dauerte es lange.

Geschichtslehrerin und Sophie Biographin Ingrid Haslinger, welche von Otto (von) Habsburg (*20.11.1912, 4.7.2011) 32.000 Seiten handschriftliche Seiten der Erzherzogin übernommen hatte, fand teilweise seltsame Stilblüten zum Schutz von Schwangerschaften. Ich möchte hier ein paar aufzählen:

„Sobald man eine Schwangerschaft vermuthet, muß eine Schnur um den Leib getragen werden von carmoisin rother Seide, jedoch von festfärbiger Farbe; die Schnur muß geknöpelt und nicht von Posamentierarbeit sein. Die Schnur am Bauch gebunden wird bey Zunahme immer erweitet. Dieses Mittel ist nach vielen Versuchen niemals vergebens angewendet worden.“ (4a)

Eine Kur aus wilden Holzäpfeln trinken… (4b)

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Erzherzogin Marie Louise

Als sich wieder eine Schwangerschaft einstellte und Sophie dies merkte, erlaubte ihr Franz nicht mehr zu ihrer geliebten Schwägerin Marie Louise Herzogin von Parma (*12.12.1791, 17.12.1847) zu gehen, welche einen Stock über ihr wohnte.

Dies wäre mit Treppensteigen verbunden und zu gefährlich gewesen.

Sophie hielt sich an das Verbot, das Kind verlor sie trotzdem.

„Wenn es dir nicht ungelegen ist – geliebte Louise – so würde ich Dich bitten heute um 5 Uhr zu mir zu kommen … allein Franz erlaubt nicht daß ich zu Dir gehe – da er die Treppen für mich fürchtet … Die Ungewißheit – in der ich nun leben muß macht mich ganz desparat!“ (4c)

Die fausses couches (Fehlgeburten) machten Sophie schwer zu schaffen. Verzweifelt schrieb sie ihrer Mutter Ex-Königin Caroline:

„Meine Regel war 15 Tage verspätet – mir war unwohl – ich wechselte die Farbe; schließlich gab es tausend Symptome, die Hoffnung geben konnten und Capellini (Anmerkung Petra: Dr. Franz Cappelini, Leib- und Hofarzt Seiner Majestät) war sich nahezu sicher… nun sind also alle unsere Illusionen zerstört. Vor allem bin ich für unseren teuren Kaiser betrübt, der zu hoffen begann…. der erste Moment, wo ich den Kaiser und all anderen wiedersehe, wird mir peinlich sein… (4d)

Foto: kunst-fuer-alle.de
Erzherzogin Sophie
Bild: Johann Nepomuk Ender
nach Josef Carl Stieler

Danach wurde die Erzherzogin ohne ihren Mann (!) auf Kur geschickt. Zuerst musste sie 6 Wochen in Bad Pirawath verbringen. Im Jahr 1828 war sie immer noch nicht schwanger, also verbrachte sie den Sommer wieder ohne Franz (!) in Baden bei Wien wo sie Kurbäder nahm und anschließend verbrachte sie einige Wochen mit dem Kaiserpaar in Weinzierl.

Im Februar 1829 wurde Sophie erneut schwanger und die Ärzte hatten alle Hoffnung. Doch eines Abends brach sie stark blutend zusammen. Um die schwer besorgte Erzherzogin nicht noch mehr zu beunruhigen, erzählten ihr die Ärzte, dass es keine „fausses couches“, sondern eine besonders starke Regel war, welche durch eine Verzögerung derselbigen ausgelöst wurde.

Sophie glaubte dies und schlief beruhigt ein.

An ihre Mutter schrieb sie:

„… eine neue Hoffnung – wenn sie mir der Himmel schenkt – kamm mir die verlorene Täuschung ersetzen – aber eine zerstörte Hoffnung – wie die beyden früheren hätte mich muthlos gemacht….“ (4e)

Nun reichte es den Ärzten und Sophie wurde wieder ohne den Erzherzog nach Ischl geschickt, damit sie die neu entdeckten Solebäder in Ruhe absolvieren konnte. Die Erzherzogin wehrte sich mit Händen und Füßen, da sie nach Bad Krummbach in Bayern wollte, um ihrer Mutter nahe zu sein. Doch Hofrat Capellini und die weiteren Ärzte von Kaiser Franz II/I forderten die Erzherzogin auf nach Ischl zu reisen.

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Dr. Franz Wirer Ritter von Rettenbach

Dem nicht genüge getan, musste sie zuvor nach Baden bei Wien und sich auf Ischl vorzubereiten. Sie musste eine Kur aus warmen Flusswasser und Milchbäder über sich ergehen lassen und durfte dann mit all ihren Hofdamen weiter nach Ischl, wo Dr. Franz Wirer schon auf sie wartete.

Dr. Franz Wirer (*2.4.1771, 30.3.1844) war Hof- und Leibarzt bei Kaiser Franz II/I und der Begründer der Ischler Solekurbäder. Er machte Ischl zu dem, was es heute ist: weltberühmt für seine Heilbäder.

Wie das Volk nun mal so war, hängte man Sophie boshaft eine Affäre mit Wirer an. Da dies nicht genügte, waren Franz (Joseph) und (Ferdinand) Max(imilian) Kuckuckskinder und nicht von Erzherzog Franz Karl. Zeit ihres Lebens sprach der Wiener Hof hinter vorgehaltener Hand immer von den „Wirer-Kindern“. Aber noch andere Kanditaten sollen für Sophies plötzliche Kinderschar verantwortlich gewesen sein. Aber dazu später mehr.

26 Bäder nahm sie in Ischl, als sie endlich an den Tegernsee durfte, um ihre Mutter zu besuchen. Obwohl ihr Gemahl sich ebenfall gerade in Tegernsee aufhielt, wurden die beiden strikt getrennt, um Sophie die nötige Ruhe zu gönnen.

Ich möchte hier nochmals daran erinnern, dass die beiden mit aller Macht versuchten schwanger zu werden!

Am Tegernsee wurden ihr weitere 14 Bäder verordnet und eine strikte Diät. Sophie nahm alles klaglos hin, schließlich wollte sie das nächste Kind behalten.

Am 9.1.1830 schrieb sie aufgeregt ihrer Mutter, dass sie im 2. Monat schwanger sei.

Um sie nicht aufzuregen, wurde die Erzherzogin in ihr Zimmer regelrecht eingesperrt!

Ganze 14 Wochen lang musste sie in ihrem Zimmer ausharren und durfte nur 2x am Tag aufstehen, um sich ein wenig die Füße zu vertreten. Den Rest des Tages verbrachte sie im Bett.

Ihr Umfeld wünschte die Ärzte zum Teufel.

Doch Sophie war geduldig, klagte nicht, weinte nicht, beschwerte sich nicht. Sie hoffte nur, dass alles gut gehen würde.

Es war ihr sogar einerlei ob eine kleine Erzherzogin zur Welt kam, oder ein Thronfolger. Sie wollte nur ein gesundes Baby in ihren Händen halten. Mehr war für sie nicht wichtig.

Baronin von Sturmfeder, die zukünftige Aja für das hochwohlgeborene Kind, war zu dieser Zeit schon an ihrer Seite. Ihr erster Tagebucheintrag, der in Form von Briefen an ihre Lieben geschrieben wurde, ist vom 13.8.1830. Der Letzte im übrigen vom 23.11.1840.

13.8.1840
Nun kommt bald der 18. August. Länger als bis zu diesem, sagt man, könnte die Frau Erzherzogin nicht mehr gehen. Ich glaub es immer noch nicht, sie ist mir noch immer zu beweglich….
Ich sah nie eine Frau in diesem Stande weniger Farcen machen. Ich glaube, sie ist so glücklich darüber, daß sie sich dergleichen nicht erlaubt und alles geduldig erträgt. Man hört sie gar nie klagen und die Hitze muß ihr doch äußerst läßtig sein. Es ist ihr nur unangenehm, daß man sie so lange warten ließ, auf das, was nicht ausbleiben kann, was man ihr aber immer als ganz nahe vorstellte. Warum, begreife ich nicht, und ich sehe darin nur wieder die fatale Manier, den Großen alles glauben zu machen, was sie gerne möchten, daß es geschähe. Sie sagte mir neulich: „wenn ich den 18. nicht niederkomme, so glaube ich, es geschieht nie mehr.“
Bis Samstag kommt der Kaiser und alles, was in Baden war, hierher.
….
(4i)

Foto: bayerisches-nationalmuseum.de
Königin Maria Anna von Sachsen
Zwillingsschwester von Sophie
Bild: Joseph Stieler, 1833

Als sie nach den 14 quälenden Wochen endlich aufstehen und sich ein wenig im Hof die Beine vertreten durfte, muss das für sie wie ein Himmelsgeschenk gewesen sein.

Ende Juni 1830 kam Ex-Königin Caroline und Sophies Zwillingsschwester Königin Maria Anna von Sachsen (*27.1.1805, 13.9.1877) um ihr bei der Geburt beizustehen. Sophie war über alle Maßen glücklich darüber. Gerade ihre Mutter wollte sie um jeden Preis bei sich haben.

Erzherzogin Sophie lag zwei Tage und zwei Nächte unter höllischen Schmerzen in den Wehen, bevor die Zangengeburt eingeleitet werden konnte.

Um 9.45 Uhr am 18.8.1830 war es endlich so weit. Ein wunderschöner Bub wurde in Schloss Schönbrunn geboren.

Triggerwarnung Ende!

Die glückliche Oma Caroline schrieb ihrer eigenen Mutter, der nunmehrigen frischgebackenen Ur-Großmutter Friedericke Amalie Erbprinzessin von Baden (*20.6.1754, 21.7.1832):

Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Erbprinzessin von Baden
Ur-Großmutter von Kaiser Franz Joseph

„Meine liebe Mutter!
Sophie ist soeben eines starken, schönen und gesunden Knaben genesen. Wir sind trunken vor Freude nach all den Leiden, die kein Ausdruck Ihnen treffend genug schildern kann. Es sind zweimal 24 Stunden vergangen, seit ich mein Bett nicht mehr gesehen habe. Ich bin vollständig niedergebrochen und doch so glücklich, meine Sophie und ihr Kind, das mit der Zange genommen werden mußte, behalten zu haben…
Meine arme Sophie hat sich während der zwei volle Tage und Nächte dauernden grausamen Leidens wie ein Engel benommen.“ (4f)

Der Thronfolger wurde mit 101 Kanonenschüssen begrüßt.

Die Taufe fand am 20.8.1830 statt. Kaiser Franz II/I war der Taufpate, weshalb der Bub die Namen

Franz Joseph Karl

erhielt. Es waren dieselben drei Vornamen des Kaisers, zudem waren der erste und der dritte Name, gleichzeitig auch die Vornamen des Vaters.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Foto: Wikimedia/Commons Louise Baronin von Sturmfeder
Foto: Wikimedia/Commons
Johann Philipp Graf von Stadion

Schon lange vor ihren Schwangerschaften suchte Sophie eine Aja (Kindermädchen) für ihr zukünftiges Kind. Empfohlen wurde ihr Louise Baronin von Sturmfeder (*3.10.1789, †10.9.1866) vom Außenminister Johann Philipp Graf von Stadion (*18.6.1763, 15.5.1824).

Baronin von Sturmfeder hatte keinerlei Vermögen, war unverheiratet, hatte aber Durchsetzungsvermögen, war überaus charmant, intelligent, hatte Witz und lernte sich, durch ihre schwierigen Familienverhältnisse, früh durchzusetzen. Genau das, was sie am Wiener Hof brauchte.

Als sie an diesen berufen wurde, wusste sie genau, worauf sie sich einlassen würde. Noch dazu war sie bereits 41 Jahre alt und eine im Leben stehende Frau.

Noch am Tag der Geburt wurde der kleine Erzherzog seiner Aja übergeben. Diese richtete sofort die Kindskammer ein. Diese bestand nunmehr aus einer Kindsfrau, einem Kindermädchen, zwei Leiblakaien, einer Kindsköchin, einem Kammerweib für das Kind, einem Kammerweib für das Kammerweib, und einer Küchenmagd.

Kaiser Franz II/I war sehr begeistert von ihr und wies ihr in weiterer Folge die gesamte Kindskammer zu. Dies bedeutete die Aufsicht der Lakaien, Dienstboten, Ammen und den gesamten Hofstaat aller weiteren Enkel des Kaisers. Sie wurde in weiterer Folge nicht nur die Aja von Franzi, sondern auch von Maxi, Karl Ludwig, Anna und Luzi-Wuzi.

Sophie erholte sich nur langsam von der Zangengeburt. Die Ärzte hatten sie stark verletzt und den engsten Mitgliedern ihrer Familie im Vertrauen mitgeteilt, dass sie das schlimmste befürchten würden.

Kaiser Franz II/I saß täglich drei Stunden bei seiner geliebten Schwiegertochter und versuchte sie wach zu halten, denn man sagte ihm, sie solle so wenig wie möglich schlafen.

Es könnte sein, dass sie nicht mehr erwachen würde.

Sie erhielt von ihrem Mann Besuch, von ihrem sehr engen Vertrauten und Seelenfreund Napoleon Franz Herzog von Reichstadt (Sohn von Marie Louise von Parma) und alle sollten sie wach halten. Diese Prozedur ging einige Wochen, auch die überstand Sophie. Die Glückseeligkeit, dass sie ein lebendes Kind auf die Welt gebracht hatte, ließ sie alle Qualen der Ärzte überstehen.

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Foto: Wikimedia/Commons
Gustav Prinz von Wasa
Lithographie: Josef Kriehuber, 1830

Doch noch immer nahmen die Gerüchte, dass nicht Erzherzog Franz Karl der Vater von Franz sein soll, kein Ende.

Als Dr. Wirer so ein bisschen ins Hintertreffen gelangte, kam ein anderer Name der bösartigen Leute, die nichts anderes zu tun hatten, als zu Tratschen, ins Spiel.

Nun soll Gustav von Holstein-Gottorp, Prinz von Schweden, ab 1829 Prinz von Wasa (*9. Nov. 1799, †4.8.1877) der Vater gewesen sein.

Dieser lebte in Wien im Exil und ging bei Hofe ein und aus.

Sophie und Prinz Wasa wurde eine heftige, leidenschaftliche Affäre nachgesagt.

Nicht nur Erzherzog Franz (Kaiser Franz Joseph), auch Erzherzog Ferdinand Maximilian sollen angeblich die Kinder dieser Affäre sein.

Sämtliche Affärengerüchte, konnte kein/e Historiker/in rund um Erzherzogin Sophie jemals bestätigen.

Ingrid Haslinger, die ihre Hinterlassenschaft von 32.000 handschriftlichen Manuskripten durchsah, fand nichts in diese Richtung.

Erzherzogin Sophie war eine tiefgläubige Katholikin und immer überglücklich, dass ihr Franz Karl nicht fremd ging, obwohl das in diesen Kreisen Obligo war. Sie hinterließ Briefe, wo sie darüber schrieb, dass ihr Mann eben kein Fremdgänger war.

Warum also soll Sophie es selbst getan haben?

Meiner Meinung nach, sind dies genauso wilde und bösartige Tratschereien, wie bei Kaiserin Elisabeth und ihren lesbischen Avancen und der leidigen Andrássy Affäre.

Trotzdem wurden beide Söhne „Wasa-Buben“ genannt.

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Foto: habsburg.net
Napoleon Franz Bonaparte,
Herzog von Reichstadt

Der nächste angebliche Vater soll Napoléon Franz Bonaparte, besser bekannt als Herzog von Reichstadt (*20.3.1811, †22.7.1832) gewesen sein. Er soll Erzherzog Ferdinand Maximilian gezeugt haben.

Herzog von Reichstadt war ein inniger Vertrauter von Sophie und ging Privat bei ihr ein und aus. Das ging so weit, dass er sich niemals bei ihr anmelden musste. Sie nannte ihn „ihren Seelenfreund“.

Das Gerücht, dass er der Vater sei, wurde später sogar von Erzherzog Ferdinand Maximilian (*6.7.1832, 19.7.1867), Kaiser von Mexiko selbst immer wieder angeheizt. Er eiferte grundsätzlich mit seinem Bruder Franz Joseph und wusste, dass er ihn damit verletzen konnte.

Da er aber der Lieblingssohn Sophies war, verletzte er eher seine Mutter.

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Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz
Bild: Joseph Karl Stieler, 1831

Die erste Zeit stillte sie ihren Franz sogar selbst, was in dieser Zeit völlig ungewöhnlich und extrem selten war. Normalerweise wurde im Adel das Kind einer Amme (= eine Mutter, die gerade selbst Mutter wurde und Milch in den Brüsten hatte) zum Stillen übergeben.

Dieses Stillen ist für mich deshalb so ungewöhnlich, weil Sophie dies ihrer Nichte und späteren Kaiserin Elisabeth verbat und diese extreme Schmerzen, Fieber und eine schwere Milchdrüsenentzündung bekam.

Franzi durfte einmal vom November bis März sein Zimmer nicht verlassen, da eine Grippewelle herrschte und er sich hätte anstecken können.

Für Sophie war er „der von Gottes Gnaden“ geschenkte Sohn. Und so behandelte sie ihn auch. Die ganze Kindheit bis zum Thron von Kaiser Franz Joseph könnt ihr hier nachlesen.

Baronin Sturmfeder rief sie zur Ordnung, als sie hörte, dass diese Franzi „Meinen Prinz“ nannte. Sophie berief sich auf den Kaiser, dass diese ihren Sohn, ausdrücklich „Erzherzog“ zu nennen habe.

Doch das stimmte nicht.

Sophie konnte Personen die niederen Adels war nicht leiden und ließ diese das spüren. Obwohl sie selbst als Prinzessin aufgewachsen war, hielt sie den Titel „Prinz“ für abfällig. Erzherzog hingegen war für ihren Franzi gut genug. Deswegen bestand sie schon als Baby auf diese Anrede.

Als gegen Ende 1830 Hochzeitspläne für den schwer epileptischen Ferdinand in Erwägung gezogen wurden, wurde Sophie äußerst nervös. Ihr Sohn stand an dritter Stelle der Thronfolge. Hätte Ferdinand Kinder gezeugt, wäre die Thronfolge verloren gewesen und das wusste sie.

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Kaiserin Maria Anna
Bild: Johann Ender

Als die Ärzte die Freigabe für eine Hochzeit gaben und Italien die Hand der Königstochter Maria Anna Prinzessin von Savojen (*19.9.1803, †4.5.1884) ebenso, war Sophie einer Ohnmacht nahe.

Doch die Ärzte konnten sie beruhigen. Niemals hätte Ferdinand auf natürlichen Wege Kinder zeugen können und eine andere Möglichkeit gab es damals noch nicht. Hätte Maria Anna also ein Kind bekommen, hätte wirklich jeder gewusst, dass sie eine Affäre gehabt hatte.

Am 27.1.1831 wurde die Hochzeit mit dem Kronprinz und der Prinzessin Maria Anna gefeiert. Die Hochzeit glich einer Trauerfeier.

Sogar dem Bräutigamvater Kaiser Franz II/I erbarmte sich für die schöne Braut. Ihm entfuhr bei der bei der Trauung:

„Daß Gott erbarme“ (5a)

Bis heute ist in der Literatur umstritten, ob die Ehe jemals vollzogen wurde. Ferdinand war so schwer behindert, dass davon ausgegangen werden muss, dass er dazu nicht imstande war. Mit stoischer Gelassenheit und in Erfüllung ihrer karitativen Aufgaben ging Maria Anna ihren Weg. Zu dem half ihr ihre tiefe Gläubigkeit über die cholerischen Ausbrüche ihres Mannes hinweg. Sie wurde mehr zur Krankenschwester, als zur Ehefrau.

Neben der Trauer ihrer verlorenen Kinder, gesellte sich der tiefe Schmerz zum Verlust ihres Seelenfreundes Franz Herzog von Reichstadt hinzu.

Foto: sammlung.wienmuseum.at
Erzherzog Franz und Erzherzog Ferdinand Maximilian
Lithographie: Josef Kriehuber, 1833

Obwohl sie gerade Hochschwanger war, wachte sie Tag und Nacht am Krankenbett ihres Freundes, als dieser an Tuberkulose erkrankte.

Am 6.7.1832 kam Erzherzog Ferdinand Maximilian, Zeit seines Lebens immer nur Max genannt, in Schloss Schönbrunn auf die Welt.

Als Franz Herzog von Reichstadt schließlich mit 21 Jahren am 22.7.1832 in Schloss Schönbrunn starb, ging die Welt für Sophie beinahe unter.

Sophie trauerte lange um ihren Freund.

Obwohl Sophie weiterhin schwanger wurde, erlitt sie immer wieder Fehlgeburten. Einmal war sie so schwer getroffen, von ihrem Schicksal, dass ihr Baronin Sturmfeder den quietschvergnügten Franzi brachte.

„Ich hoffe, daß der liebe Gott mir diesen erhalten und nicht dieses Opfer fordern wird.“ (4g)

Die Erzherzogin war der Verzweiflung nahe und trotzdem brachte sie am 30.6.1833 wieder in Schloss Schönbrunn einen gesunden Buben zur Welt.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig 15jährig
Bild: Anton Einsle, 1848

Nach dem nun Franzi ihr Sohn von „Gottes Gnaden“ war und Max ihr absolutes Lieblingskind wurde, den sie verhätschelte und ihm alles kaufte was er Zeit seines Lebens wollte, war nun Karl Ludwig auf der Welt.

Während Franzi oft isoliert wurde und von den Brüdern nicht so viel hatte, durften Maxi und Karli miteinander spielen. Max war dafür bekannt, dass er sehr viele Streiche spielte.

Vor allem die Lehrer waren immer sein erklärtes Ziel. Sophie war jeden Tag bei den Lerneinheiten zugegen, da sie alles mit Argusaugen bewachte. Doch auch hier wurde Franzi wieder mehr gedrillt, als seine Brüder.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin „Ännchen“
Lithographie Joseph Kriehuber

Am 27.10.1835 kam Sophies ganzer Stolz zur Welt: Maria Anna Karolina Pia, genannt „Ännchen“. Sie war der Sonnenschein der gesamten Familie und wurde von allen umhegt und umpflegt.

Eine kleine Episode aus dem Leben mit Ännchen möchte ich hier erwähnen.

Als das kleine Mädchen „Töpfchen gehen“ lernte, zeigte sie das mit ihrer Puppe Baronin Sturmfeder, die ebenfalls zu ihrer Aja wurde.

Die Szene wurde von ihrer Mutter beobachtet, die dies natürlich gleich voller Stolz an Oma Caroline in Bayern übermittelte:

„Unlängst setzte die Kleine ihrer Puppe auf ihren kleinen Topf und sagte ni ni, wie sie es sagt, wenn sie ihr kleines Geschäft machen will…. sie plaudert gerne und nennt sich selbst Mausina u. Schatzerl…“ (4h)

Foto: oldthing.de
Franzi (am Schaukelpferd), Max (kniend), Ännchen und Karl Ludwig

5 Jahre durfte sie der Familie die größte Freude machen.

Bei Ännchen trat die Habsburgische Heiratspolitik voll zu Tage. Sie hatte schwere Epilepsie und die Ärzte waren so enorm damit beschäftigt sich selbst zu übertrumpfen, dass sie die Gefahr übersahen. Am 5.2.1840 starb die kleine Erzherzogin in den Armen der gramgebeugten Mutter.

Sophie überwand diesen Tod nie. Die vielen Fehlgeburten und 1840 auch noch eine Totgeburt, zerrten ihren Körper und ihre Seele aus.

Sie wollte keine weiteren Kinder mehr, dies schrieb sie auch ihrer Mutter. Doch Verhütung aller Arten gab es damals noch lange nicht und so mussten die Kinder geboren werden, wie sie kamen.

Foto: domquartier.at
Erzherzog Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“ als Kleinkind

Der letzte im Bunde war Erzherzog Ludwig Victor, Zeit seines Lebens in der Familie immer nur „Luzi-Wuzi“ genannt. Er kam am 15.5.1842 zur Welt.

Er galt von Anfang an als „Sonderling“ und in seinen späteren Jahren stellte sich heraus, dass Luzi-Wuzi Homosexuell war.

Dies war im 19. Jahrhundert nicht ungefährlich und wurde normalerweise mit Gefängnis bestraft. Da er aber der Bruder des Kaisers war, ließ man ihn die meiste Zeit in Ruhe und akzeptierte sein Lebensmodell.

Sophie unterstützte Zeit ihres Lebens ihren Sohn und er sie. Luzi-Wuzi war die größte Stütze in ihrem Leben.

Was später Kaiserin Elisabeth immer angelastet wurde, sorgte bei Sophie für Verwunderung. Sowohl Sophie, als auch Kaiserin Karolina Augusta (*8.2.1792, 9.2.1873) saßen mit den Kindern am Boden und spielten mit ihnen. Dies sorgte für große Ver- und Bewunderung am Wiener Hof.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Karolina Augusta
Unbekannter Maler; Bild wurde von diesem geschönt, da Karolina durch Pockennarben schwer entstellt war

Kaiserin Karolina Augusta war eine (Halb)Schwester von Sophie und Ludovika. Sie wurde als Karoline Charlotte Auguste Kurfürstin von Bayern geboren, welche später zur Prinzessin von Bayern aufstieg, da ihr Vater Maximilian Joseph (*27.5.1756, 13.10.1825) König von Bayern wurde.

Sie ehelichte in 1. Ehe Kronprinz Wilhelm von Württemberg (*27.9.1781, 25.6.1864) der sie allerdings sehr schlecht behandelte und die Ehe nie vollzog.

Durch politische Ereignisse konnte die Ehe 1814 geschieden und für ungültig erklärt werden. Am 29.10.1816 wurde sie – ebenfalls durch politische Vermittlung – an den Wiener Hof verehelicht. Die Ehe mit Kaiser Franz II/I war dessen 4te Ehe und wurde sehr glücklich, blieb aber kinderlos.

Durch die lieblose Behandlung in ihrer ersten Ehe legte sie ihren Vornamen ab und änderte ihn in Karolina Augusta. Durch die Kinderkrankheit Blattern war sie im Gesicht durch Narben entstellt, was aber die Liebe von Franz nicht trübte. Er behandelte alle seine Ehefrauen liebe- und respektvoll und war jedesmal bestürzt, wenn sie ihm „wegstarben“.

Sophie war froh ihre Schwester am Wiener Hof zu haben, da sie sich gut mit ihr verstand. Sie half ihr sich einzuleben und ein bisschen das Heinweh zu nehmen, was sie jahrelang durchlitt.

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Foto: Donaumonarchie.com
Erzherzog Franz Karl, Erzherzogin Sophie mit Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzogin Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna, ca. 1836

Sie liebte alle ihre Kinder, aber bei keinem verschwendete sie so viel Energie und Aufmerksamkeit wie bei ihrem Franzi.

Franzi wurde teilweise sogar abgesondert, durfte mit den Kindern der am Hof lebenden Familien nicht spielen und wurde immer als „etwas Höheres“ gesehen.

Sophie wurde in den späteren Jahren immer vorgeworfen, dass genau das der Grund sei, warum Kaiser Franz Joseph mit anderen Menschen nur schwer oder gar nicht umgehen konnte.

Zeit seines Lebens tat er sich mit Small Talk schwer und hatte kaum, bis gar kein Feingefühl für andere Menschen. Er galt als gefühlsarm und oberflächlich.

 Franzi war ein einsames Kind und Kaiser Franz Joseph sollte es bis zu seinem Tod bleiben.

Sophie glaubte an die Monarchie und war immer davon überzeugt, dass die Monarchie die einzig wahre Regierung ist. Der Monarch hatte die Macht und das Volk hatte dankbar zu sein.

Auch wenn sie Zeit ihres Lebens Schirmherrin für verschiedene karitative Vereine Geld aus ihrem Privatvermögen spendete, stand sie auf dem Standpunkt

„Das Volk habe dem Kaiser zu dienen.“

Dass aber das Volk nach einer Änderung dürstete und die Knechtschaft unter den Habsburgern satt hatte, sah sie nicht.

Sie lehnte jede Reform ab.

Allerdings geriet ihre Welt ins Wanken, als ihr geliebter Schwiegervater und Befürworter Kaiser Franz II./I. am 2.3.1835 starb.

Die schützende Hand, die immer über ihr war, war nun Tod. Als sich auch noch ihre Schwester Ex-Kaiserin Karolina Augusta nach Salzburg zurückzog, war sie alleine mit dem neuen Kaiser, den sie weder leiden, noch akzeptieren konnte.

Foto: Wikimedia/Commons
Ex-Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“, Foto: Leopold Kupelwieser, 1847

Kaiser Ferdinand I. anzuerkennen war ihr größtes Problem. Doch es half nichts, er war der Kronprinz und übernahm am 2.3.1835 den Thron.

Ihr einziger Triumpf am Wiener Hofe, waren nun die Kinder.

Vor allem Erzherzog Franz, wurde von nun an noch mehr gehegt und gepflegt, da er jetzt an zweiter Stelle in der Thronfolge stand.

Schon Kaiser Franz II./I. nahm keine Reformen an, Ferdinand I. war dazu noch weniger in der Lage. Klemens Wenzel Fürst von Metternich (*15.5.1773, 15.5.1773) sah nun noch mehr seine Chance seine Staatsinteressen durchzusetzen.

Foto: Wikimedia/Commons
Fürst Metternich
Bild: Thomas Lawrence, 1815 

Er beeinflusste schon gekonnt Kaiser Franz II/I, aber zu Kaiser Ferdinands Zeiten regierte er beinahe alleine.

Sie unterstützte so weit es ging Metternich in seinen Vorhaben, schon alleine deshalb, damit sie immer wusste, was er vorhatte.

Dennoch konnten sich beide nicht ausstehen.

Fürst Metternich lehnte Erzherzogin Sophie ab. Kaiserin Maria Anna war ihm viel lieber. Natürlich. Sie war biegsam, fromm, mischte sich in die Politik nicht ein und kümmerte sich um ihren behinderten Mann, beeinflusste ihn aber nicht.

Sophie hingegen war eine Prinzessin von Bayern, wunderschön, hatte den Thronfolger geboren und wusste um ihre Stellung. Dazu war sie überaus Intelligent, spielte dies auch noch gegen den Fürsten aus, in dem sie viel zu viel von Politik, Macht, Militär und der Monarchie verstand.

Der höchste Adel ging bei ihr täglich Ein und Aus und sie wusste immer was zu tun war. All das passte ihm ganz und gar nicht. Sophie passte nicht in sein gepflegtes „Altmänner-Weltbild“.

Obwohl sie selbst keine Reformen mochte, ärgerte sie sich Jahre später über ihren Schwiegervater sehr, der er sehr stagnativ in seiner Herrschaft war.

Auch Franz Joseph sollte später keine Reformen zulassen und steckte in den alten starren Gepflogenheiten seines Großvaters fest.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie, 1866

Sophie legte Wert auf einen streng geregelten Tagesablauf: zwischen 7.00 Uhr – 7.30 Uhr stand sie auf, danach ging sie zur Messe, nach der Messe frühstückte sie mit den Kindern.

Nachdem sie die ihre Post erledigt hatte, wurde mit den Kleinen gespielt (Schnick Schnack Schnuck, Schwarzer Peter usw.).

Wie schon erwähnt wohnte sie beim Unterricht von Franz, Max, Karl Ludwig und Ludwig Victor bei.

Das Mittagessen fand um 16.00 Uhr statt (was sehr spät war).

Zu diesem empfing sie die ersten Gäste.

Abends empfing sie in ihrem Salon weitere Gäste und hielt ihre berühmt berüchtigte „Theestunde“ ab.

Sophie schätzte auch ihre „Diners“, fuhr gerne nach Laxenburg, ging gern im Schlosspark von Schloss Schönbrunn spazieren, liebte die Menagerien und den botanischen Garten.

Foto: zoovienna.at
Menagerie im Zoo von Schloss Schönbrunn

Vor ihren Schwangerschaften ritt Sophie auch leidenschaftlich gerne. Sie begleitete ihren Franz auch gerne zu den Jagden, konnte es aber nicht ertragen, wenn die Tiere getötet wurden, weshalb sie immer enorm glücklich war, wenn ihr Gemahl nicht traf oder sich kein Wild zum Abschießen fand.

Als sich die ersten Fehlgeburten einstellten, gab sie das Reiten allerdings auf.

In späteren Jahren ging sie mehrmals am Tag in die Messe. Weiters liebte sie es zu sticken.

Bis ins hohe Alter stickte sie hingebungsvoll Messgewänder.

Sie war auch die Einzige am Wiener Hof, die sich für die Tagespolitik interessierte.

Sie ließ sich täglich sämtliche Zeitungen aus der Monarchie bringen (u.a. Neue Freie Presse, Wiener Zeitung etc.), welche sie zu jedem Lesesessel oder Teetisch mitnahm.
Über den Tag verteilt las sie alle Zeitungen akribisch durch und wusste so immer genau, was in der Monarchie geschah.

Während der Regentschaft von Kaiser Ferdinand I. war sie zum Nichtstun verpflichtet.

Sie wusste, wenn sie sich einmischen würde, würde ihr das sehr Übel genommen werden. Heimlich jedoch wusste sie über alles Bescheid und kein noch so kleines Detail entging ihr.

Vom 13.4.1844 bis 17.8.1846 schrieb Karli Ludwig in (sehr) unregelmäßigen Abständen Tagebuch. In diesem bekommt man einen recht guten Eindruck zum manchmal sehr eintönigen Leben der Erzherzogsfamilie.

Vor allem aber kann man herauslesen, wie Franzi abgeschottet und oftmals eingesperrt wurde, Maxi bevorzugt und mit „Mama“ ins Theater durfte und Karli alleine beim Erzieher bleiben musste. Luzi-Wuzi war sowieso erst 2 (bis 4) Jahre alt und für vieles noch zu klein.

Erzherzog Karl Ludwig war ein einsamer Bub und so möchte ich ein paar Stellen aus dem Tagebuch zitieren:

„Montag 6. April 1844
Heute Mittags waren wir in einem Gewölb (Anmerkung der Autorin: vermutlich in einem tiefliegenden Verkaufsladen) und haben etwas gekauft. Nachmittags sind wir mit der Mama im Prater spazierengegangen. Heute Abends bin ich allein, aber der Maxi ist mit der Mama im Theater, wo die Elßler tanzt.“
(5b)

(Anmerkung Petra: Fanny Elßler galt als beste Tänzerin ihrer Zeit)

Sonntag, 3.November 1844
Heute Mittags ging der Maxi in die Gruft, der Baron, ich und der Franzi blieben zu Hause … Wir speisten nicht beim Kaiser, weil wir morgen dort speisen. … Wir waren Abends allein, die Mama war im Theater, jedoch dann kam die Großmama mit der Amie zu uns.
(5c)

(Anmerkung Petra: Ex-Kaiserin Karolina Augusta)

Freitag, 15. November 1844
Heute ist Leopoldi Wir gingen in die Segensmesse mit der Mama. Ich allein fuhr mit Grafen Coronini in den Prater, ….. Heute speiste ich schon um 4 Uhr. Abends ging die Mama in das Theater, und wir spielten Tombola mit dem Baron. D.M.h.T. (Anmerkung der Autorin: Die Mama hatte Thee)
(5d)

(Anmerkung Petra:
Leopoldi: Bis heute ein Feiertag in Wien/Hl.Namenspatron)

Es gab aber auch durchaus sehr lustige Einträge.

Fasten
Mittwoch 5. Februar 1845
Heute ließen wir uns einäschern. Die Mama blieb Abends zu Hause. (5e)

Gemeint war natürlich der Aschermittwoch.

Als 1848 die Revolution ausbrach, sah sie ihre Chance, Kaiser Ferdinand endlich die Stirn zu bieten.

Die Bürger Wiens hatten das strenge Regime von Metternich endgültig satt. Die Arbeiter vegetierten unter schrecklichen Bedingungen vor sich hin, es herrschte Not in allem.

Die Bauern hatten immer noch mit der Grundherrschaft zu kämpfen und mussten fast alles an diese abgeben. Zu dem wurden die Bürger bespitzelt, die Handwerker fürchteten einen Abstieg ins Proletariat, weil die Industrialisierung einsetzte.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Albrecht

Die Lebensmittel wurden verteuert, was bereits 1847 zu Hungerrevolten führte. Immer mehr befürchtete man eine zweite Revolution, wie sie in Paris 1830 stattfand.

Im März 1848 kam es dann tatsächlich zu einem ersten Handgemenge und zu den ersten Todesopfern, da Erzherzog Albrecht (*3.8.1817, 18.2.1895) in die Menge schießen ließ.

Metternich floh mit seiner Frau aus Wien nach Feldsberg und suchte fieberhaft nach einem Exil.

Kaiser Ferdinand, Kaiserin Maria Anna und die gesamte Erzherzogsfamilie flohen nach Innsbruck.

Im April kam sie kurz zurück, um im Prater Ostern verbringen zu können und ließen vom Personal die Ostereier dort verstecken.

Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Prinzessin von Schweden
Lithographie Josef Kriehuber, 1830

Wie herrlich die Ostertage waren, beschrieb Sophie Gräfin von Scharnhorst (*/unbekannt), welche die Hofdame von Amalie Prinzessin von Schweden (*22.2.1800, 20.9.1850) war.

Amalie war, wie ihr Bruder Prinz von Wasa, eine enge Freundin des Erzhauses und begleitete beinahe ständig Sophie überall hin. So erlebte Sophie von Scharnhorst die kaiserliche und erzherzögliche Familie.

Kein schlechtes Wort kam der Gräfin jemals über ihre Herrin über ihre Lippen. Ihre Briefe sind eine einzige Lobeshymne an die hohe Frau. Die Briefe erreichten alle ihre enge Freundin Eveline Gräfin von Sickingen-Hohenberg(*) (*24.11.1809, †27.11.1895), welche in Ischl lebte und eine enge Vertraute des hohen Adels war. So auch von Erzherzogin Sophie.

Von allen Hofdamen geliebt und verehrt, vom Adel hofiert, von den Ischlern ob ihrer Verschwendungs- und Herrschsucht gehasst, ist es trotzdem Eveline zu verdanken, dass der Christbaum im Salzkammergut Einzug gehalten hatte.

Erzherzogin Henriette (*25.10.1823, †29.12.1829) hatte diesen von Bayreuth nach Wien gebracht und Kaiser Franz II/I war ganz begeistert von dem „brennenden Lichterbaum“. Dieser verbreitete sich in Wien rasend schnell. Eveline übernahm die Tradition und brachte diesen nach Ischl.

„Wien, 2. Mai 1848.
Du erhältst diese Zeilen durch den Sekretär Ihrer K.H. (Anmerkung Petra: Kaiserlichen Hoheit), der Erzherzogin Sophie, der Euch viel von den hiesigen Zuständen erzählen kann. Seit dem 15. April der Geburtsfeier des Kaisers (Anmerkung Petra: Ferdinand I. *19.4.1793) und der Verleihung der Konstitution, ist es ruhiger geworden.
….
Der 25.April war ein unvergeßlicher Tag, reich an Enthusiasmus und schönen, großartigen Eindrücken. Wir fuhren im Gefolge der Erzherzogin Sophie an den Fronten des paradierenden Militärs und den 15 000 Nationalgarden vorüber, die laute Vivats der teuren hochherzigen Frau zuriefen, während alle Musikbanden einstimmig die Nationalhymne spielten. Es war ein schöner Augenblick. Sie hatte den lieben kleinen Erzherzog Ludwig bei sich im Wagen, während ihr Gemahl und ihre drei Söhne zu Pferde paradierten.
Nach der Truppenschau begab sie sich auf den Balkon im Burghof, wo der Kaiser und die ganze kaiserliche Familie dem Defilieren des Militärs un der Garden zusahen. Unaufhörliche Lebehochs und Vivats erfüllten die Luft, und die Akademiker, die Helden des Tages, schwangen die mit deutschen Farben befiederten Federhüte fröhlich hinauf zum Balkon, während sie lustig nach dem von Strauß für die komponierten Marsch auf das Motiv „Was macht der Herr Papa“ marschierten.
Wir sahen diesem schönen Schauspiel aus den Fenstern der Erzherzogin zu. Eine unbeschreibliche Masse von Menschen war auf den Beinen, doch fehlten die Aristokraten. Nirgends sah man Bekannte, außer denen, die in den Reihen der Garden mit ziemlich sauren Gesichtern die Muskete trugen. Nun, ich meine, wenn die kaiserliche Familie sich freundlich in die neue Ordnung fügt, so könnten sie es auch ohne Bedenken tun.
Abends war ein kolossaler Fakelzug, und wenn man die angstvollen Tage mit durchgemacht hat, so freut man sich dieses Versöhnungsfestes, das das erschütterte Vertrauen durch so viele Beweise der Ergebenheit neu belebte.“
…. (7b)

Doch die herrschende Ruhe war trügerisch.

Schon im Mai kam es zu den nächsten Unruhen und Sophie ließ ihre Diamanten einpacken und begann wichtige Dokumente zu verbrennen. Die Familie floh erneut und Sophie nahm mit schwerem Herzen Abschied von Wien.

Wieder schrieb Baronin Scharnhorst nach Ischl an ihre Freundin:

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Hacking
1955 abgerissen, an seiner Stelle steht ein „Jugendgästehaus der Stadt Wien“, aus dem Park wurde eine „Sozialwohnbau“
nur ein Teil des Parks durfte als Park bleiben

„Hacking, 31.5.1848
(Anmerkung Petra: War Prinzessin Amalie von Schweden nicht zu Gast bei Erzherzogin Sophie wohnte sie im Schloss Hacking – heute Wien 13; damals Vorort; wie Schloss Schönbrunn übrigens auch)
Den 26., morgens um 10 Uhr, flohen wir über die Barrikaden weg hierher, wo es jetzt ganz ruhig ist. Ich atmete tief auf, als ich nach der Angst der vorhergegangenen Tage das friedliche Schloß in den schönen grünen Umgebungen des herrlichen Gartens, ein Asyl der Ruhe, wiedersah und dankte Gott, das Toben und anarchistische Treiben des ach so ganz veränderten liebe Wien zu verlassen.
Wir machen seit dem 13. März eine ununterbrochene Revolution durch, die nach und nach einen sehr ernsten trüben Charakter annimmt.
….
Soviel ist Gewiß, daß die plötzliche Abreise des Hofes Schrecken, Zerknirschung und Schmerz verbreitet hatte und daß die drückende Stimmung zur Ordnung und Mäßigung zurückführte.
Die Stadt war in den Händen der Studenten, der Nationalgarde und Bürger.
… (7c)

Im August kam die Familie von Innsbruck zurück und hoffte auf Beendigung der aufständigen Wiener und Ungarn.

Foto: geschichtewiki.wien.gv.at
Hans Kudlich

Am 24.7.1848 (*25.10.1823, 11.11.1917) wurde von Hans Kudlich der Antrag auf Aufhebung der bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses gestellt.

Es folgten lange und zähe Verhandlungen, denen jedoch stattgegeben wurde und am 7.9.1848 in Kraft traten.

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Philipp Graf von Lamberg

Obwohl in Europa mittlerweile eine Konterrevolution erstarkte, galt Wien und Ungarn weiterhin als aufständisch. Am 28.9.1848 wurde Franz Philipp Graf von Lamberg (*30.11.1791, 28.9.1848) in Pest ermordet.

Kriegsminister Latour befehligte deshalb den Abmarsch der Truppen nach Ungarn.

Am 6.10.1848 wurde Theodor Graf Baillet de Latour (*15.6.1780, 6.10.1848) aus dem Zeughaus gezerrt, ausgezogen und ermordet. Danach wurde die Leiche des toten Ministers auf einer Laterne „Am Hof“ aufgehängt und dem Hohn und Spott der Wiener Bevölkerung ausgesetzt.

Auf Grund der Nähe zur Hofburg und des Mordes an einem Adeligen floh Kaiser Ferdinand I. und seine gesamte Familie erneut. Diesmal führte der Weg nach Olmütz.

Jetzt hatte Erzherzogin Sophie ein für alle Mal genug.

Für sie war Metternich an ganzer Front gescheitert. Ferdinand hielt sie sowieso immer unzulänglich.

Heimlich hatte sie seit Beginn der Revolution und sogar schon etwas früher – seit ca. 1847 mit Erzherzog Franz Karl die Abdankung seines Bruders „vorbereitet“.

Angeblich gab es eine Vereinbarung, die besagte, dass Erzherzog Franz an seinem 18. Geburtstag 1848 den Thron übernehmen sollte.

Am 6. Oktober 1848 wurde der Machtwechsel in einem größeren Kreis diskutiert; mit dabei viele regierende Minister die später eine prägende Rolle für Kaiser Franz Joseph I. einnehmen sollten.

Franzi selbst reagierte auf den Machtwechsel mit Übelkeit und übergab sich mehrmals.

Obwohl in der Rangfolge ursprünglich sein Vater Erzherzog Franz Karl auf Kaiser Ferdinand I. folgen sollte, wirkte Sophie solange auf ihren Mann ein, bis dieser nachgab und den Weg für seinen Sohn freimachte.

Am 2. Dezember 1848 war es soweit. Erzherzog Franz folgte auf den Thron. Ab sofort war aus dem Buben ein Mann geworden.

Zuvor musste Kaiser Ferdinand I. seine Abdankung vorlesen, was er mit leiser und zögerlicher Stimme tat. Kaiser Ferdinand I. notierte in sein Tagebuch:

„Die Funktion endete damit, daß der neue Kaiser von seinem alten Kaiser und Herrn, nämlich vor mir kniend um den Segen bat, welchen ich auch unter Auflegung der Hände auf seinen Kopf und Bezeichnung mit dem heiligen Kreuz gab, ich ihn dann umarmte und er mir die Hand küsste. Und auch meine liebe Frau umarmte und küßte unseren neuen Herrn, dann entfernten wir uns in unsere Zimmer…“ (6a)

Die Zeremonie fand heimlich und im engsten Vertrautenkreis in Olmütz statt.

Foto: Wikimedia/Commons
Thronübergabe von Kaiser Ferdinand (links) an Kaiser Franz Joseph (kniend)
Erzherzog Sophie (rechts, stehend im schwarzen Kleid)

Auch der Name von Kaiser Franz Joseph wurde von Sophie bestimmt. Ihr Franzi sollte einzigartig in der Geschichte sein. 

Und so wurde aus Erzherzog Franz(i)

Kaiser Franz Joseph I.

Franz Joseph I. sollte der erste und einzige Kaiser mit einem Doppelnamen werden. 

Baronin Scharnhorst hält fest:

Olmütz, 5.Dezember 1848
Was ich ahnungslos erlebt habe! Den schönsten herrlichsten Tag! Unvergeßlich all denen, die den jugendlichen klaren Stern zuerst erblickten.

Niemand ahnte den großartigen Entschluß, der den Kaiser uns seinen Durchlauchtigsten Bruder bestimmte, der Krone zugusten des Neffen und Sohnes zu entsagen. Selbst die hier anwesenden Erzherzöge und Brüder des jungen Kaisers wußten nicht, was geschehen sollte, als sie sich auf Befehl des Kaisers früh um 8 Uhr versammelten. Sie wurden so wie alle übrigen Anwesenden beim Verlesen der Abdikationsakte vollkommen überrascht.
Der Moment, wo Kaiser Ferdinand seinen jungen Nachfolger segnete, der dann knieend den Segen seiner Eltern empfing, soll sehr rührend und erhebend gewesen sein.
Ich füge nur bei, was ich gesehen habe. Alles andere findest Du in den Zeitungen. Nachdem vom Rathaus nach allen Seiten Herolde die Proklamation der Thronbesteigung Franz Josefs I. gemacht hatten und die hier anwesende Garnison vor dem Burgtor unter die Waffen getreten war, begab sich der junge Kaiser von allen Erzherzögen, dem Fürsten Windischgrätz, Jelachich und einem glänzenden Gefolge umgeben, zu den in Parade aufgestellten Truppen.
Diese empfingen ihn mit donnernden Vivats, mit Lebehoch, der Volkshymne und dem Wirbeln aller Trommeln.

Die hochverehrte Erzherzogin Sophie …, folgte in einer offenen Kalesche dem glänzenden Zuge des geliebten Sohnes, strahlend vor Freude und Rührung den Blick auf den Liebling ihres Herzens geheftet. Die Kalesche meiner Prinzessin hatte einen so guten Platz eingenommen, daß wir den schönen unvergeßlichen Anblick in seiner ganzen Herrlichkeit genießen konnten.
Von dort begaben wir uns zur Erzherzogin Sophie, deren großartiger Charakter sich wieder einmal bewies. Rein und hoch steht sie da in der mütterlichen Liebe, indem sie die Krone, die i h r zukam, mit begeisterter Hingebung echter Vaterlandsliebe auf das Haupt ihres Sohnes setzte. Beschämt stehen ihre Feinde und können den Adel ihrer Seele nicht trüben. Nein, das können sie von jetzt ab nicht mehr!

(7)

Zum Glück bekam Erzherzogin Sophie es nicht mehr mit, dass es nicht ihr geliebter Franzi war, der für den Fortbestand der Monarchie sorgte. Dass es ausgerechnet der von ihr so wenig beachtete Erzherzog Karl Ludwig sein würde, konnte natürlich zu diesem Zeitpunkt keiner ahnen.

1849 ereilte sie noch einmal ein trauriges Schicksal. Obwohl die Ärzte ihr sagten, dass sie nach der Totgeburt 1840 keine Kinder mehr bekommen konnte, wurde sie nochmals schwanger.

Im Oktober 1849 kam es tragischerweise nocheinmal und letztmalig zu einer weiteren Fehlgeburt. Sophie war mittlerweile 44 Jahre alt, was zu diesem Zeitpunkt als spätgebährend galt und oft mit dem Tod bezahlt wurde.

Baronin Scharnhorst notierte wieder in ihrem Brief an Eva:

„Wien, 10. Oktober 1849
Meine K.H.ist leider krank. Sie liegt wie eine weiße Lilie in ihrem Bette, so geduldig und ergeben wie ein Engel. Ich gehe wenig aus.
…. – Mit der lieben Erzherzogin geht es gut, trotz aller physischen und moralischen Schmerzen. Sie wird am 2. November aufstehen. Ihr kräftiger, gottergebener Sinn hat sie aufrecht erhalten. Der arme Kleine hatte einen ausgebildeten Wasserkopf und hätte nur unter Qualen ein trauriges Leben führen können. Meine Prinzeß erfährt die Begebenheit erst heute. Sie war zu schwach und angegriffen, um sie früher davon in Kenntnis zu setzen. Ich zittere bei dem Gedanken, es ihr sagen zu müssen. (7a)

Anmerkung Petra: In diesem Fall Königliche Hoheit, da Prinzessin Amalie gemeint ist. Diese kränkelte sehr oft, weshalb sie 1850 starb)

Ausgezerrt von den vielen Geburten wurde sie kränklich. Von der letzten Totgeburt erholte sie sich nie wieder. Sie verfiel in Depressionen und auch ihr körperlicher Zustand ließ nach.

Doch noch war sie stark genug, um für ihren Franz ins Gefecht zu ziehen und streng über ihn zu wachen.

Als Kaiserin Mutter war Sophie eine noch resolutere Erscheinung, als sie ohnehin schon war. Sie erlaubte sich sogar die wichtigsten Gespräche mit Ministern zu unterbrechen, wenn sie meinte, ihren Franz sprechen zu müssen.

Dies brachte ihr den unschönen Titel

„Der einzige Mann bei Hofe“

ein.

In wie weit Sophie sich in die Politik von Franz Joseph eingriff ist nicht bekannt; allerdings kann man einen gewissen Einfluss nicht verbergen, denn die Ansichten, die gerade der junge Kaiser vertrat, waren gleichgestellt mit der seiner Mutter.

Tu felix austria, nube. Du glückliches Österreich, heirate!

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph

Als es Zeit war, für Franzi eine Kandidatin auszuwählen, war sie mit vollem Herzen dabei.

Als er 22 Jahre alt wurde, wurde es Zeit für ihn zu heiraten. Auch hier zeigte sich Sophie als die Strippenzieherin. Nach einigen Irrfahrten quer durchs deutsche Königreich und einen verliebten Ausflug ins schöne Ungarn, der Sophie nicht passte, wurde sie schnell in ihrer eigenen Familie fündig.

Die Auserwählte war Helene Herzogin in Bayern (*4.4.1834,16.5.1890) Tochter von Ludovika Herzogin in Bayern (*30.8.1808,26.1.1892) und Herzog Max in Bayern (4.12.1808, 15.11.1888). Ludovika war eine Schwester von Sophie und somit war Helene, welche in der Familie immer nur Néné gerufen wurde, ihre Nichte.

Dass es „ausgerechnet“ Elisabeth (*24.12.1837, 10.9.1898) war, welche im Kindesalter „Elise“ und ab ca. ihrem 14jährigen Leben „Sisi“ gerufen wurde, in die sich Franz Joseph verliebte, war von Sophie weder vorhergesehen, noch gewollt.

Doch für dieses eine Mal – eines der wenigen Augenblicke im Leben von Franz Joseph – setzte er sich gegen die strenge Mutter durch. Er heiratete seine Engels-Sisi.

Um den Beitrag nicht noch länger werden zu lassen, habe ich die Verlobung und die Hochzeit in zwei einzelne Beiträge zusammengefasst. Ansonsten würde das hier beinahe in ein Buch ausarten.

Sophie fügte sich und nahm Elisabeth unter ihre Fittiche, was dieser nicht passte.

Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Erzherzogin Sophie es war, die Elisabeth ablehnte. Doch leider ist dies falsch.

Kaiserin Elisabeth war es, die von Beginn an, ihre Tante, ihr Wesen und alles was sie mit der Monarchie verband, ablehnte. Sie lehnte sich in jeder Art und Weise und ununterbochen gegen sie auf.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Victor. Fotografie von Ludwig Angerer, 1860
Die einzige existierende Fotografie mit Kaiserin Elisabeth und den Kindern!

Wie schon bei ihrem Franzi, nahm sie auch bei Erzherzog Karl Ludwig und später bei Erzherzog Ferdinand Maximilian jeweils großen Einfluss wen diese heirateten.

Wobei der Einfluss bei Erzherzog Karl Ludwig bei weitem größer war, als bei ihrem Lieblingssohn Max.

Vor allem Karl Ludwig wurde massiv beeinflusst. Da er zwei Frauen verlor, musste sie sogar insgesamt drei Mal auf die Suche gehen.

Die erste und zweite Ehefrau starben Karl Ludwig jeweils relativ schnell. Margarete Prinzessin von Sachsen (*24.5.1840, 15.9.1858) war ebenfalls wieder eine Nichte von Sophie und somit die Cousine des Bräutigams. Sie starb kaum 18jährig an Tyhpus.

Maria Annunziata „Ciolla“ von Bourbon-Parma (*24.3.1843, 4.5.1872) gebar noch 4 Kinder, bevor sie an ihrer schweren Lungentuberkulose starb. Wie schon erwähnt, ging aus dieser Linie dann der letzte Kaiser hervor.

  • Erzherzog Franz Ferdinand (*18.12.1863, 28.6.1914)
  • Erzherzog Otto (*21.4.1865, 1.11.1906)(er wurde Kaiser Karls Vater)
  • Erzherzog Ferdinand, später dann Ferdinand Burg (*27.12.1868, 10.3.1915)
  • Erzherzogin Margarete Sophie (*13.5.1870, 24.8.1902)
Foto: Wikimedia/Commons
Bild: Victor Angerer Erzherzog Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“

Nach dem er nun mit 39 Jahren 2facher Witwer und Vater von 4 Kindern war, trat nun Maria Therese von Bragança (*24.8.1855, 12.2.1944) in sein Leben, die natürlich auch Sophie ausgesucht hatte.

Bei Erzherzog Ludwig Victor fügte sie sich schnell und akzeptierte seinen Lebensstil.

Sophies größter Verlust war, als sich ihr Lieblingssohn Ferdinand Maximilian, genannt Max, 1864 entschloss nach Mexiko zu gehen.

Sicherlich auch zur größten Überraschung von Erzherzogin Sophie, war hier ihre sonst so ambivalente Schwiegertochter mit ihr einer Meinung.

Wochen-, wenn nicht sogar monatelang versuchten die beiden Frauen, dem geliebten Sohn und dem Lieblingsschwager diese Irrsinnskrönung auszureden. Doch wie sich zeigte, ohne Erfolg.

Nachdem Max seine erste große Liebe Maria Amalia Prinzessin von Brasilien (*1.12.1831, 4.2.1853) noch vor der Verlobung 21jährig an der Lungentuberkulose verlor, lernte er bei einer seiner Reisen Kronprinz Leopold von Belgien kennen. Dieser erzählte ihm von seiner schönen Schwester Charlotte (*7.6.1840, 19.1.1927). Da Max wusste, dass dieses Königshaus unermesslich reich war und er viele Schulden hatte, ließ er sich auf diesen Deal ein.

Die 16jährige Charlotte war sofort verzaubert vom hübschen Erzherzog, doch Max trauerte immer noch um Maria Amalie und trug auch Zeit seines Lebens einen Ring mit ihrer Haarlocke bei sich.

Obwohl ihm Sophie mehr oder weniger freie Hand ließ, drängte sie ihn zur Hochzeit, da es für ihn Zeit war in den Stand der Ehe einzugehen. Da Charlotte als gute Partie galt, hatte sie hier nicht weiter viel zu tun, außer Max in die richtige Richtung zu „schubsen“.

Die Hochzeit wurde am 27.7.1857 in Brüssel gefeiert.


Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ferdinand Maximilian
Kaiser Maximilian I von Mexiko
Max, der Lieblingssohn von Sophie

Doch dessen Frau Charlotte war enorm ehrgeizig. Sie stand im Schatten der schönen Elisabeth, die so gar keine Kaiserin sein wollte und die trotzdem jeder bewunderte. Charlotte galt als unglaublich schön, klug und wissbegierig.

Max, stand immer schon im Schatten seines Bruders Franz und war auch beim Wiener Volk der Beliebtere. Das wiederum schürte Eifersucht beim Kaiser.

Wie man es drehte und wendete, nach der Hochzeit, wurde das Verhältnis zum Kaiser nicht besser, obwohl das Paar in Triest lebte. Charlotte ahmte Elisabeth nach, Max, den Kaiser. Rivalität an vorderster Front.

Der einzige, der hier Ruhe reinbrachte, war der letzte der vier Brüder: Luzi-Wuzi. Er verstand sich ausgezeichnet mit Max und konnte ihn immer zur Räson bringen.

Nur als er zum Kaiser gekrönt werden sollte, half auch das gute Zureden von Ludwig Victor nichts.

1865 fuhr Ludwig Victor nach Schloss Miramare, um bei seinem Bruder Erzherzog Ferdinand Maximilian zu sein, der gerade zum König Maximilian I von Mexiko gekrönt wurde.

Seiner immer noch fassungslosen und gramgebeugten Mutter schrieb er folgende Worte nach Hause:

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Verabschiedung der Kaiserin Carlota und Kaiser Max nach Mexiko vom geliebten Schloss Miramare
Bild: Cesare dell’Acqua

„Vielleicht 60.000 Menschen waren im Schloß und Garten, wo auch Ehrencompanie mit Musik aufgestellt war, die zuerst die Volkshymne und dann ein mexikanisches Lied spielte (es war schrecklich!). Max ging rechts und führte Charlotte links; er war in Thränen aufgelöst, sie eben vom Gabelfrühstück gekommen, seelencontent (empörend). Ich hab’s ihr auch gesagt. Denn ich selbst ging von dem Moment an beinahe zu Grunde. So sein Heimat, seinen gnädigen Kaiser, alle Lieben zu verlassen, ist ja schrecklich; er fühlte das auch sehr… Max grüßte noch einmal das ganze überfüllte Ufer entlang, sah noch einmal seine liebe Schöpfung an und verschwand für längere Zeit in seiner Cabine… auf seinem Schreibtisch hat er die Photographie von uns Vier und von Dir und ober seinem Bett das Heiligenbild, das Du ihm beim Abschied schenktest. Er kann gar nicht von Dir sprechen, ohne Thränen in den Augen…“ (8)

Bis Rom begleitete Ludwig Victor seinen Bruder, dann hieß es endgültig Abschied nehmen. 

„Wir nahmen herzzerreißenden Abschied, heulten beide fürchterlich. Es war ganz schrecklich, er sagte mir noch für alle sehr hübsche, liebe Sachen die ich Euch mündlich mittheilen will.“ (9)

Dass es ein Abschied für immer wird, konnte er nicht ahnen.

Als die Familie vom Ableben von Max erfuhr, war es wieder Erzherzog Ludwig Victor der auf die Reise nach Schloss Miramare geschickt wurde. Dort hielt sich mittlerweile Erzherzogin Charlotte als Witwe auf. Von ihr wollte er erfahren, was passiert war.

Doch er fand sie einem Zustand höchster psychischer Verwirrtheit vor, die Zeit ihres Lebens andauern sollte. Nie wieder sollte sie sich von den Vorfällen in Mexiko erholen. Zeit ihres Lebens wusste sie nichts vom Ableben ihres Mannes, Zeit ihres Lebens sprach man sie mit kaiserlicher Hoheit an, da sie glaubte, noch immer in Mexiko zu Weilen und Kaiserin zu sein.
Ob das tatsächlich stimmt oder ob das nur ein Abwehrmechanismus Charlottes war, wird wohl nie wieder geklärt werden können. Ebenso nicht, ob sie tatsächlich schwanger nach Europa kam und das angebliche Kind von ihrem Liebhaber Alfred van der Smyssen war.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie, 1872

Als Sophie am 19.6.1867 vom Tod des Sohnes in Mexiko erfuhr, brach sie zusammen.

Ihr Schmerz war grenzenlos. Sie zog sich nach Ischl zurück, allerdings fand sie keine Ruhe.

Nach und nach trafen auch die letzten Briefe von Max ein, in denen er sich für die Liebe und Freundschaft bedankte.

Der letzte Brief von Max an seine Mutter:

„Liebe beste Mama,
Fest im Glauben und treu meiner Ehre gehe ich mit ruhigem Bewusstsein dem unverdienten Tode entgegen. Nicht Schuld, sondern Unglück hat mich nach Gottes Rathschluß in diese Verhältnisse gebracht, ich bin ehrenhaft unterlegen der Übermacht der Feinde und dem Verrathe. 72 Tage haben wir uns in einer Stadt, die eine offene unvorbereitete war, gegen einen siebenmal stärkeren Feind tapfer und ritterlich gehalten, nächtlicher Verrath hat uns in die Hände unseres Feindes geliefert… Im Augenblicke der Gefangennehmung war ich an Dissenterie schwer krank, in den verschiedenen Gefängnissen, in welche man uns brachte, litt ich noch viel. Meine letzten Gedenken auf dieser Welt sind für meine gute, arme Charlotte und für Sie, geliebte Mutter, der ich so vieles Gute zu verdanken habe… Papa küsse ich in Ehrfurcht die Hände, den Brüdern, Verwandten und Freunden sende ich die herzlichsten Grüße, Sie beste Mutter, Charlotten und die früher Erwähnten bitte ich aus ganzem Herzen um Verzeihung für Kränkungen und Unrecht, die ich ihnen allenfalls angethan habe. Ich sterbe ruhig mit dem wahren Trostgefühle das Gute gewollt und angestrebt zu haben und mit der Genugthuung viele wahre und Edle Freunde in diesem Lande zurückzulassen, denen mein Andenken theuer bleiben wird.

Sie heißgeliebte Mutter um Ihren Segen und Ihre Gebethe bittend Ihr Ihnen ewig treuer Sohn“
(10)

Sophie notierte in ihr Tagebuch:

„Aber die Erinnerung an die Martern, durch die er gehen musste, an seine Verlassenheit fern von uns geht mit mir durchs Leben und ist ein unbeschreiblicher Schmerz.“ (11)

Sie verfiel den Geisterséancen, die zu dieser Zeit ein sehr häufiger Zeitvertreib wurden.

Séancen, Aberglaube und spiritistische Zirkel waren keine Seltenheit geworden. Dass sich natürlich auch viele Scharlatane in der „Geisterjägerwelt“ herumtrieben, war damals leider noch nicht jedem klar.

Kaiserin Elisabeth war Zeit ihres Lebens unglaublich abergläubisch und trug immer einen großen Haufen an Glücksbringer bei sich. Sie nannte sich selbst eine Seherin und konnte auch (angeblich) mit der parallelen Welt kommunizieren.

Foto: richardwiseman.wordpress.com
Séance im 19. Jahrhundert, Symbolbild

Franz Joseph und ebenso Kronprinz Rudolf nahmen bei einigen Séancen teil, nahmen es aber beide nicht ernst. Kronprinz Rudolf ließ sogar einen der größten Scharlante seiner Zeit auffliegen (kleine Anmerkung: sobald ich die Geschichte aufgearbeitet habe, werde ich sie hier als Link einfügen).

Hofdame Fürstenberg schrieb an ihre Schwester:

„Meine arme Erzherzogin ist recht gealtert, das Wort cassée (gebrochen) ist das richtige. Es ist ein stiller Schmerz, voll Ergebung, ohne Bitterkeit und dabei das Bestreben, keinem Menschen damit zur Last zu fallen. Fremde sind ihr peinlich, sie meidet sie und ging Sonntag um 7 Uhr in die Messe, zur Betrübnis der Ischler, die gerne gesehen und sich erzählt hätten, welches Gesicht sie macht. Das hübsche kleine Gartl, in das ihr niemand sehen kann, ist jetzt die wahre Wohltat für sie.“ (12)

Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor in Bayern und seine (verstorbene) Sophie
Foto: Wikimedia/Commons
Helene und und ihr (verstorbener) Max von Thurn und Taxis mit Kindern

Der Schmerz war so enorm, dass sich Sophie für lange Zeit nach Possenhofen zurückzog, wo gerade Helene Thurn und Taxis (Nénè) den Tod ihres Mannes Maximilian Anton (*28.9.1831, 26.6.1867) und Carl Theodor den Tod seiner Frau Sophie (*15.3.1845,9.3.1867) betrauerten.

Dort empfing sie Admiral Wilhelm Tegetthoff, der ihr die Jacke von Max brachte.

Wieder war es Ludwig Victor, der den Sarg mit Max von der SMS Novara entgegennahm, ihn in Triest auf den Sonderzug hieven ließ und ihn nach Wien begleitete.

Foto: ÖNB
Kronprinz Rudolf
ca. 1867

Kronprinz Rudolf schrieb seiner Großmutter einen süßen Brief:

„Meine liebe, liebe Großmama!

Mir ist um den Onkel Max sehr leid und ich bedaure Dich, liebe Großmama sehr, weil du wieder so viel Kummer und Schmerz hast.

Ich will alles Mögliche tun, um Dir, liebe Großmama Freude zu bereiten.“ (13) 

(Anmerkung Petra: Kronprinz Rudolf war zum Zeitpunkt des Todes von Onkel Max 9 Jahre alt).

Und wieder war ihr größter Halt ihr Jüngster. Nicht nur, dass er in Schloss Miramare mit Kaiserin Carlota (Erzherzogin Charlotte) versuchte zu sprechen, so übernahm er auch von der SMS Novara den Sarg und sorgte dafür, dass dieser mit dem Sonderzug, den der Kaiser nach Triest geschickt hatte nach Wien überstellt wurde.

In Wien angekommen, zog Luzi-Wuzi mehr oder weniger in die Hofburg ein und las seiner Mutter, welche ebenfalls zurückgekehrt war, Tag und nach Nacht die alten Briefe von Max vor.

Sie schwelgten gemeinsam in Erinnerung an die Kindheitstage, lachten über gemeinsame Streiche die Max gespielt hatte, erinnerten sich an die Hochzeit oder an die Besuche in Miramare und an besonders glückliche Tage in der Hofburg, in Laxenburg und in Schloss Schönbrunn.

Ludwig Victor wurde ihr ganzer Halt und einzige Stütze.

3 Monate dauerte die Überstellung des Leichnams von Mexiko nach Wien.

Der Leichnam war in einem exorbitanten Zustand. 

Leider sind sich ab hier ihre Biografinnen nicht einig.

Ingrid Haslinger beschreibt in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs“ -, dass Sophie den Leichnam, aufgrund der monatelangen Odyssee der Überstellung, nicht mehr zu Gesicht bekam.

Dieser Ausführung ist wohl mehr zu Glauben, da Frau Haslinger, immerhin von Otto (von) Habsburg über 32.000 Seiten persönliches Material von Sophie überreicht bekam. Hätte sich darin eine Notiz – und Sophie schrieb enorm viel Tagebuch – gefunden, dass sie ihren geliebten toten Max hätte sehen müssen, wäre das irgendwo vermerkt gewesen.

Da die Hofdamenbriefe 1862, bzw. der allerletzte 1865 aufhören, ist auch hier nichts mehr herauszufinden.

Anna Ehrlich und Christa Bauer schreiben in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof“, dass Sophie den Leichnam ihres Sohnes zu Gesicht bekam und der „Leichnam in einem wohl erhaltenen Zustand sei“.

Foto: Wikimedia/Commons
angebliche Leiche von Kaiser Maximilian I. von Mexiko

Dies mag man kaum glauben, liest man sich die Geschichte – die hier zu weit führen würde -, der absolut dilletantisch und verpfuschten durchgeführten Einbalsamierung durch. Um Max gab es monatelang politische Spannungen zwischen Wien und Mexiko. Kaiser Franz Joseph wollte sich nicht erpressen lassen und Mexiko forderte Lösegeld für die Leiche seines Bruders. In der Zwischenzeit wurde dieser weder beerdigt, nocht ordentlich gekühlt. Und die Temperaturen in Mexiko sind definitiv nicht im arktischen Bereich. Dass also diese Leiche im „wohlbehaltenen Zustand“ zurückgekommen ist, halte ich für ein Gerücht.

Bis heute ist umstritten, ob er überhaupt die Leiche ist, die nach Wien geschickt wurde. Eine DNA Analyse wird von der Familie Habsburg strikt abgelehnt.

Ob der Ausspruch von Erzherzogin Sophie in der Kapuzinergruft

„das ist nicht mein Sohn“

wirklich der Wahrheit entspricht, ist daher ebenfalls widersprüchlich und kann so oder so ausgelegt werden.

Aber zurück zum Thema.

Von diesem schweren Schicksal erholte sich Sophie nie wieder.

Kaiser Franz Joseph machte sich schwere Sorgen um seine Mutter.

Diese grämte sich um so mehr, als Franz ihr zum 1. Todestag nicht kondolierte.

Dies machte Sophie sehr traurig und gab ihr zu Denken. Sie versank in schwere Depressionen und Krankheiten, von denen sie sich kaum noch erholte.

Eine Krankheit jagte die andere, keine wurde mehr richtig kuriert. Sie litt unter schweren Knie Problemen, konnte kaum noch Aufstehen und ihre schweren Kopfschmerzen machten ihr den Tag zur Hölle.

Der Innenhof der Wiener Hofburg musste mit Stroh ausgelegt werden, damit die Pferde und Kutschen nicht so laut waren.

Kaiserin Elisabeth weilte zur Kur in Meran, als sie die Nachricht bekam, dass Erzherzogin Sophie im Sterben lag. Sofort brach sie ihre Kur ab und eilte nach Wien.

Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, 17.4.1923), ihre getreue Hofdame, notierte in ihrem Tagebuch:

„Der Kutscher fuhr, was er konnte – die Kaiserin war furchtbar aufgeregt und ich hatte eine Todesangst, die Erzherzogin könnte sterben und wie die Menschen sind, hätten sie noch gesagt, die Kaiserin hätte es zu Fleiß gethan!“ (15)

„Gott sei Dank“, sagte Elisabeth bei der Ankunft in der Burg, als sie hörte, daß die Erzherzogin noch am Leben war, weil sie sonst gesagt hätten – ich hätte es absichtlich getan (bei Sophies Tod nicht anwesend zu sein), weil ich sie so hasse.

So sehr hasse ich sie.“ (16)

Foto: ÖNB
Erzherzog Franz Karl, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf vor dem Sarg von Erzherzogin Sophie, Hofkapelle 1872

Nur 5 Jahre nach Max verließen Sophie die Kräfte. 10 Tage lang konnte die Familie noch am Totenbett von ihrer geliebten Mutter, Großmutter, Schwester, Tante, Cousine usw. Abschied nehmen.

Erzherzogin Sophie starb am 28.5.1872 67jährig in der Wiener Hofburg. Sie ruht in der Kapuzinergruft.

– Petra –

(*) Wichtige Anmerkung:
In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, 3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, 23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, 7.3.1855) geheiratet.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.

Bis heute zum Beispiel konnte ich keine Daten von Sophie Gräfin von Scharnhorst auffinden. Sie ist auch Thema im Beitrag „Spanisches Hofzeremoniell – Hofetikette“.


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra Schimbäck
Recherchen: Petra Schimbäck (es wurde keine KI verwendet)
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildrechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, habsburg.net, erzherzoginsophie.at, donaumonarchie.at, Wikimedia/Commons, geschichtewiki.wien.gv.at, ÖNB (Österreichische Nationalbibliothek), richardwiseman.wordpress.com, picture alliance/IMAGNO/Sammlung, bayerisches-nationalmuseum.de


Literatur Hinweise:

1 – S. 23, 2 – S. 25, 3 – S.35, 4 – S.35, 4a – S.58, 4b – S.58, 4c – S.58, 4d – S.58, 4e – S.60, 4f – S.61, 4g – S.63, 4h – S.72
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs,
Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

4i – S.27
Briefe der Baronin Louise von Sturmfeder
Aja Seiner Majestät
Die Kindheit Unseres Kaisers Aus den Jahren 1830-1840
Bearbeitet von Anton Weimar
Gerlach und Wiedling Verlag, Wien 1. Ausgabe (nur noch antiquarisch erhältlich)

8 – S. 61, 9 – S. 61
Katrin Unterreiner 
Luzi Wuzi Das provokante Leben des Kaiserbruders Ludwig Viktor
Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG, 1. Auflage

11 – S.273, 12 – S.176, 13 – S.274
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof,
Amalthea, 2016, 1. Ausgabe

5a – S.11
Egon C.C.Conte
Franz Joseph
Knaur Verlag, 1. Auflage, 1960 (nur noch antiquarisch erhältlich)

5b – S.32, 5c – S.62, 5d – S.67/8, 5e – S.88
Gabriele Praschl-Bichler
Kaiserliche Kindheit
Aus dem aufgefundenen Tagebuch Erzherzog Carl Ludwigs, eines Bruders von Kaiser Franz Joseph
Amalthea Verlag, 1. Auflage 1997 (nur noch antiquarisch erhältlich)

15 – S.294, 16 – S.294
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage, 2017

10 – S.142
Konrad Kramar, Petra Stuiber
Die schrulligen Habsburger
Piper Verlag, 8. Auflage 2015

6a – S.69/70
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich König von Ungarn 
C.H.Beck Verlag, 1. Auflage 2015

7 – S. 199/200, 7a – S.256/7, 7b – S.150-152, 7c – S.161-163
Richard Kühn
Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865)
Oswald Arnold Verlag Berlin, 1. Auflage 1942 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Hofdamen-Briefe
Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Gesammelt von B.von.S.
Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Gerd Holler
Sophie, die heimliche Kaiserin
Amalthea Verlag, 1. Auflage, 1993 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Genealogisches Handbuch des Adels,
Fürstliche Häuser
Ausgabe 1971
Verlag Limburg a.d. Lahn C. A. Starke

Prof. Richard Wiseman
Scientific American columnist
Séancen in der viktiorianischen Zeit (Blog in englischer Sprache)


Erzherzog Franz Karl

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Franz Karl
Lithographie 1850 Josef Kriehuber

„Na Bravo“.
„Jetzt hast das aber Du gsagt.“

Vilma Degischer/Erzherzogin Sophie & Erich Nikowitz/Erzherzog Franz Karl.
Das wohl beliebteste Filmzitat der Sissi-Filme.

Wer kennt ihn nicht? Erich Nikowitz als Erzherzog Franz Karl in den Sissi Filmen mit Romy Schneider.

Jetzt kommt aber der

echte Vater
Erzherzog Franz Karl

zu Wort.

Niemand von den Filmfiguren ist so derartig unwahr dargestellt worden, wie Erzherzog Franz Karl.

Erich Nikowitz hat diesen schrulligen alten Herren, der schlecht hörte um seiner herrschsüchtigen Ehefrau zu entkommen, so liebenswert dargestellt, dass man leicht peinlich berührt ist, wenn man merkt, dass der echte Erzherzog Franz Karl einen komplett bedeutungslosen Eindruck hinterlassen hat.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz I/II
Bild: Friedrich Amerling
Foto: Wikimedia/Commons
Maria Theresia Prinzessin von Neapel beider Sizilien

Franz Karl Joseph wurde am 7.12.1802 geboren.

Sein Vater war Kaiser Franz I/II (*12.2.1768,†2.3.1835) und Maria Theresia Prinzessin von Neapel und beider Sizilien (*6.6.1772, †13.4.1807) geboren. Er war der dritte Sohn der beiden.

Leider schlug in dieser Linie die habsburgerische Heiratspolitik brutal zu.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Ferdinand I.

Der erstgeborene Sohn Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) war geistig äußerst schwach und ging in die Geschichte als Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“ ein.

Einige seiner Schwestern überlebten das Kindheitsalter nicht. Der vierte Sohn starb mit 4 Jahren.

Leider ist nicht sehr viel über die Kindheit bekannt, aber da Franz Karl geistesschwach war, konnte er der normalerweise sehr strengen Erziehung der Habsburger nicht so folgen, wie man es sich wohl gewünscht hätte.

Allerdings hatte er äußerst liebevolle und verständnisvolle Eltern, die es liebten zusammen zu musizieren, in Laxenburg spazieren zu gehen, zu Reiten und Kaiserin Maria Theresia galt als gütige und sorgenvolle Mutter.

Franz Karl liebte die Natur und ging gern auf die Jagd. Aber vor allem das Theater hatte es ihm angetan.

Später wurde er ein Förderer der Kunst und des Theaters.

Als er heiratsfähig wurde, wurde Sophie Prinzessin von Bayern (*27.1.1805,28.5.1872) auserkoren, in die er sich angeblich augenblicklich verliebte.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie
Foto: Wikimedia/Commons
König Maximilian I von Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Caroline von Bayern

Ihr Vater war König Maximilian I. Joseph von Bayern (*27.5.1756, 13.10.1825). Ihre Mutter Caroline Prinzessin von Baden (*13.7.1776, 13.11.1841).

Sophie war ein hübsches junges Mädchen, von gerade einmal 19 Jahren und ihre Familie sehr bedeutend.

Die Hochzeit war natürlich von größtem politischem Interesse.

Sophie weinte bittere Tränen, als sie ihren geistesschwachen Mann erblickte, stimmte aber einer Hochzeit zu.

Am 4.11.1824 fand die Hochzeit in der Augustinerkirche in Wien statt.

Foto: hermann-historica.de
Prinzessin Sophie und Erzherzog Franz Karl, Wien 1824, Bleistift und Öl auf Elfenbein
Das Hochzeitspaar

In weiterer Folge wurde Franz Karl Vater von 4 Kindern, die überlebten.

Erzherzogin Sophie erlitt insgesamt 11 Fehlgeburten, in weiterer Folge wurden dem Paar aber 6 Kinder geboren, wobei ein Kind gleich nach der Geburt wieder verstarb.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Franz Karl selbst war als Vater wenig bis gar nicht vorhanden. Er hatte keinerlei Interesse an seinen Kindern und die Kinder hatten keines an ihm

Wenn er auftauchte, war es Respekt und Anerkennung, die man sich gegenseitig entgegenbrachte, aber von Liebe oder Zuneigung war Zeit seines Lebens nichts zu spüren.

Mit den Jahren stellte sich aber heraus, dass Sophie froh war ihren Mann zu haben. Er war kein Fremdgänger und auch sonst stand er ihr treu zur Seite. Im Grunde konnte sie schalten und walten wie sie wollte und wurde so zu einer der wichtigsten Personen am Wiener Hof.

Und zu einer der gefürchtesten.

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Foto: donaumonarchie.com
Erzherzog Franz Karl, Erzherzogin Sophie mit ihren Kindern: Erzherzog Franz Josef, Erzherzog Ferdinand Max, Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia, 1836
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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Franz Karl in jungen Jahren, 1836
Lithographie Josef Kriehuber

Er wurde von den vielen Beobachtern, Wegbegleitern oder engen Vertrauten des Hofes nicht unbedingt positiv angesehen.

Ludovika „Lulu“ Gräfin Thürheim (*14.3.1788, 22.5.1864) schrieb über ihn:

„Es sei schwer zu erraten, womit eigentlich Franz Karl die Anhänglichkeit seiner Frau verdient hätte.“ (1)

Zar Nikolaus I. (*6.7.1796, 2.3.1855) ging noch härter mit dem Erzherzog ins Gericht, nach dem er ihn 1835 traf:

„Dieser junge Mann erweckt den Eindruck, als sei er in seiner Entwicklung stehen geblieben. Dürfte ich ihn als Achtzehnjährigen betrachten, dann hegte ich große Hoffnungen für seine Zukunft, aber es ist zum Verzweifeln, daß er die Dreißig schon passiert hat.“ (2)

11 Jahre später fällt Graf Coronini ein ähnliches Urteil:

„Ein en pauvre sire, und miserablen Wichten bei all seiner passiven Herzensgüte, wird Gift sein für diese Kinder.“ (3)

Anmerkung Petra: Johann Baptist Coronini-Cronberg (*16.11.1794, 26.7.1880) wurde 1836 Kammerherr von Erzherzog Franz Karl und Erzieher von Erzherzog Franzi (Kaiser Franz Joseph).

Erzherzog Franz Karl liebte den Müßiggang und das Theater.
Zweiteres so sehr, dass er schon am Nachmittag Vorstellungen besuchte bzw. sich sogar Vorstellungen mehrmals ansah.
Er unterstützte die schönen Künste auch finanziell.

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Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl 

Auch lange Spaziergänge im Prater waren seine Tagesbeschäftigung. Oftmals fuhr er allein nach Ischl um zu Jagen oder zu Kuren.

Zeit seines Lebens verehrte er seine Frau zutiefst und war ihr in Liebe verbunden.

Am Hof allerdings wurde oft getrascht und bösartige Kommentare zum „rauhen“ Ton von Sophie abgegeben. So nach dem Motto:

Früher herrschte sein Vater Kaiser Franz ihn an und jetzt seine Frau.

Wegen der Revolution im Jahr 1848 und einiger Intrigen Sophies die schon 1847 begonnen hatte, dankte Kaiser Ferdinand am 2.12.1848 ab, gleichzeitig wurde ihr Sohn Erzherzog Franz zum Kaiser Franz Joseph.

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Foto: AntiquariatPflugmacher
Erzherzog Franz Karl im Alter, kolorierter Holzstich,

Franz Karl zeigte nie politisches Interesse, hätte aber mehr geistige Fähigkeiten besessen, als sein älterer Bruder Ferdinand. Dennoch war die Entscheidung Sophies richtig, ihren Sohn Franz zum Thronerben zu bestimmen, auch wenn sie selbst nicht Kaiserin wurde.

Es sollte ihr wichtigster politischer Schachzug bleiben.

Ab sofort lenkte sie, bis zu ihrem Tod, ihren Sohn in allen Dingen seines Lebens. Erzherzog Franz Karl hielt sich wie üblich aus allen Belangen raus.

Das weitere Leben von Erzherzog Franz Karl verlief genauso wie vorher.

Ruhig und ohne politischen Eindruck oder Fussspuren hinterlassen zu haben.

Erzherzog Franz Karl starb 6 Jahre nach seiner Sophie am 8.3.1878. Er ruht neben ihr in der Kapuzinergruft.

– Petra –

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Sarkophag, Erzherzog Franz Karl, Kapuzinergruft

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Schimbäck
Recherchen: Petra Schimbäck
Stammbäume: Petra Schimbäck
Bildrechte: donaumonarchiec.om, Heeresgeschichtliche Mueum Wien, habsburg.net, Antiquariat Pflugmacher, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, hermann-historica.de


Literatur Hinweis:

Zitate 1 S – 33, 2-3 – S 34
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Muter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe


Das Spanische Hofzeremoniell – Hofetikette

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Phillip „der Gute“

Das spanische Hofzeremoniell, wie es Romy Schneider als „Sissi, die junge Kaiserin“ seitenweise von Hofdame Esterházy (Helene Lauterböck) in die Hand gedrückt bekam, um den „Unsinn“ auswendig zu lernen, gab es nicht.

Das „Spanische Hofzeremoniell“ wurde am Wiener Hof bis zu Kaiser Joseph II (*13.3.1741, †20.2.1790) praktiziert, danach wurde es immer wieder erweitert und nur noch „Hofetikette“ oder „Hofzeremoniell“ genannt. Dabei handelte es sich auch nicht um ein Heft oder Buch mit Paragraphen, welches auswendig gelernt werden musste – und schon gar nicht von Sisi – ergo von Kaiserin Elisabeth.

Das „Hofzeremoniell“ wurde von den Herzögen von Burgund im 15. Jahrhundert entwickelt. Diese Herzöge entstammten aus einer Nebenlinie aus dem französischen Königshaus und herrschten über die Niederlande. Herzog Philipp „der Gute“ (*31.7.1396, †15.6.1467) erweiterte das „Hofzeremoniell“ in dem in weiterer Folge das „Goldene Vlies“ und der „Ritterorden“ dazu gehörte. Damit wollte er seine höchsten Untertanen adeln und auszeichnen.

Durch die Erbfolge gelangte die Niederlande an die Habsburger und so an Kaiser Karl V (*24.2.1500, †21.9.1558), der zuerst das Heilige Römische Reich und später in Spanien regierte. Er übernahm das Hofzeremoniell, nahm es nach Spanien mit und perfektionierte es. Sein Bruder Ferdinand (*10.3.1503, †25.7.1564), der zwischenzeitig Kaiser Ferdinand vom Heiligen Römischen Reich war, übernahm das

„Spanische Hofzeremoniell“

seines Bruders, welches bis zu Kaiser Joseph am Wiener Hof als Hofetikette verblieb.

Der Rest ist ein Ammenmärchen eines hübschen kitschigen Nachkriegsfilmes, der nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat und leider bis heute den Unsinn verbreitet real zu sein.

Jeder Obersthofmeister gab sein Wissen an den neuen Obersthofmeister weiter und so wurde die Hofetikette erweitert und „etikettiert“. Von Audienzen, Hochzeiten, Staatstrauer, Begräbnissen, Huldigungen usw. war alles bis aufs Strengste festgelegt. Wer durfte wie lange vor den Kaiser treten, wie musste die Verbeugung aussehen und wer durfte das Goldene Vlies erhalten.

Wie kam es aber zum Goldenen Vlies oder was ist ein Obersthofmeister oder ein Flügeladjutant. Und welche Aufgabe hat genau eine Hofdame und warum musste diese unverheiratet sein? All diesen Fragen versuche ich mit diesem Beitrag auf die Spur zu gehen.

Beginnen wir mit der höfischen Anrede

Kaiserin Eisabeth
Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth

Kaiserin Elisabeth wird heute vielerorts, vor allem im Internet, Facebook, Instagram, TV, Medien, Zeitschriften, Büchern und sogar in historischen Büchern Kaiserin Sisi genannt.

Ein Fauxpas und ein Frevel sondergleichen.

Kaiserin Sisi gab es nicht!

Sisi war ihr Kosename und den durften nur ihre aller engsten Vertrauten verwenden.

Diese waren ihr Mann Franz (Joseph), ihre Mutter, ihre Geschwister, ihre Schwägerinnenn und die Personen, denen sie das „Du“ gestattete, usw.

Ihre Nichten und Neffen nannten sie „Tante Sisi“ oder „Tante Elisabeth“.

Gisela, Rudolf und ihre geliebte Valérie nannten sie Mama.

Das Volk hatte ausdrücklich „Kaiserin Elisabeth“ zu sagen.
Die Anrede war ausdrücklich Ihre Majestät oder Ihre kaiserliche Hoheit.

Die Anrede der Dritten Person „Eure Hoheit“ stimmt auch noch insofern, da es die Ausdrucksweise im 19. Jahrhundert durchaus noch gab und diese im Gespräch mit der Kaiserin verwendet wurde; also zB. „Darf ich Eurer Hoheit oder Eurer Majestät den Tee servieren lassen“.

Kaiser Franz Joseph moderne Schreibweise auch gerne Kaiser Franz Josef, wurde allseits als „Majestät“ angesprochen. Die Anrede war allseits Seine Majestät oder Seine kaiserliche Hoheit. Auch hier galt noch die Anrede der Dritten Person „Eure Majestät“, vor allem, wenn seine Minister und Adjutanten im Raum waren.

Als Kind wurde er Franzi genannt. Diese Koseform, blieb dem inneren Kreis vorbehalten. Mutter, Vater, seine Brüder nannten ihn Franz(i) oder Majestät.

Elisabeth nannte ihren Mann Franz.

Seine Neffen und Nichten durften ihn Onkel nennen, die meisten nannten ihn trotz allem „Majestät“, waren danach aber zumindest per du. Gisela, Rudolf, Valérie nannten ihn Papa.

Kommen wir nun zum
Wirr Warr der Begrifflichkeiten

Adjutant

Foto: Wikimedia/Commons Maximilian Graf von O’Donnell,
Flügeladjutant bei Kaiser Franz Joseph

Hier musste man unterscheiden zwischen „Flügeladjutant“ und von Generaladjutanten. Ein Flügeladjutant stand im Rang eines Stabsoffiziers und wurde zur Unterstützung von zB. Kaiser Franz Joseph oder Kronprinz Rudolf eingesetzt. Flügeladjutant waren auch Feldmarschällen unterstellt.

Die Aufgabe eines Flügeladjutanten war es Befehle entgegenzunehmen, diese auszuführen, dem Kaiser oder dem Kronprinz rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen (deshalb waren mehrere im Dienst).

Gab es eine Botschaft an den Kaiser oder den Kronprinz, war es die Aufgabe des Flügeladjutanten, diese an den Kaiser oder an den Kronprinz persönlich zu überbringen.

Die Stelle beinhaltete eine Vertrauens- und Verschwiegenheitsklausel. Wurde diese gebrochen, wurde die Person sofort aus dem k.u.k. Dienst entlassen.

Ein berühmt gewordener Flügeladjutant ist sicherlich Maximilian Graf von O‘ Donnell (*29.10.1812, †14.7.1895) der Kaiser Franz Joseph 1853 vor dem Libényí Attentat bewahrt hat.

Ahnenprobe

Es gab ein unglaublich strenges Aufnahmereglement am „Wiener Hof“ zB. für die Ernennung zum „Kämmerer“ oder zur Aufnahme als „Hofdame“. Dabei wurde urkundlich geprüft, ob die eheliche Abstammung der Eltern einer gewissen Anzahl der Adeligen Urahnen bestätigt werden konnte.

8 Adelige Urahnen musste die Stammtafel aufweisen. Nur so durfte es zur Aufnahme als „Hofdame“ bei einer Herrschaft oder als „Kämmerer“ bei der Herrschaft kommen. Dabei war es wichtig, dass diese 8 Urahnen sowohl von der mütterlichen, als auch von der väterlichen Seite nachgewiesen werden konnten.

Aja/Ajo

ist spanisch und heißt Kindermädchen/Kindermann. Im Kaiserhaus wurden so die Erzieherinnen der Kaiserkinder genannt.

Diese verblieben bis zum 6. Lebensjahr bei ihren Zöglingen und mussten sich dann verabschieden.

Bei den männlichen Thronerben wurden dann Erzieher eingesetzt, meist aus dem Militär.

Beiden weiblichen Erzherzoginnen wurden danach Erzieherinnen gewählt, die ihnen das weitere Weltgeschehen beibrachten wie zB. das tadellose Benehmen, Tee trinken in guter Gesellschaft usw.

Ajas waren stets Adelige Damen, manchmal sogar Witwen, meistens nicht einmal selbst Mütter.

Foto: Wikimedia/Commons
Louise Baronin von Sturmfeder
Aja von Franzi, Maxi, Karli, Ännchen und Luzi-Wuzi
den Kindern von Erzherzogin Sophie
Kaiser Franz Joseph verehrte sie Zeit ihres Lebens

Züchtigung gehörte zum „guten Ton“ und durfte von Ajas auch in der Öffentlichkeit durchgeführt werden. Später wurde die Züchtigung vom militärischen Erzieher übernommen (ich möchte an die Peinigung von z.B. Herzog Max oder Kronprinz Rudolf erinnern).

Kaiser Franz Joseph schrieb stets liebevoll von seiner Aja Louise Baronin von Sturmfeder (*3.10.1789, †10.9.1866).

Foto: ÖNB, Karoline Freifrau von Welden „Wowo“
Kinderfrau von Erzherzogin Gisella und Kronprinz Rudolf mit Mutter
Kaiserin Elisabeth in Venedig

Auch die Kaiserkinder Erzherzogin Gisela (*12.7.1856, †27.7.1932) und Kronprinz Rudolf (*21.8.1858, †30.1.1889) verehrten ihre Aja so sehr, dass sie ihr sogar einen Kosenamen gaben.

Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1912) „Wowo“ wurde innig geliebt und gerade Rudolf, der ihr entrissen und Leopold Graf Gondrecourt (*13.5.1816, †22.5.1888) zum militärischen Drill übergeben wurde, litt Zeit seines Lebens unter diesem Liebesentzug und Züchtigungen dieses bösartigen Grafen.

Wobei man mit der Wahl der Freifrau von Welden außerhalb der Hofburg wieder einmal ätzte:

„Würzburg, 1862
Liebe Eva!
Aber sage mir ganz unter uns „Welche Wahl von einer Aja!“ Die gute Welden, die in ihrem Leben kein kleines Kind noch gesehen hat, die gar nicht davon versteht und etwas sehr Unentschlossenes hat! dabei eine schwache Gesundheit –
in München ging sie zur Kurheim um nur zu lernen, ein Kind auf den Arm zu nehmen!
Sie war diesen Herbst hier, ich sah sie – ohne den Titel des Mannes wäre Sie unbedeutend wie früher! Sie ist herzlich gut, aber langweilig – aber halt mir meinen Mund – wer ist denn auf diesen Gedanken gekommen? Sie hat aber vermuthlich nur den Namen ohne die Pflichten anordnen zu müssen.
Es fiel ihr sehr schwer – die Stelle anzunehmen, sagt man!

Crescenz (5)

Crescenz Baronin von Speth war die Schwägerin der Briefeempfängerin. Nähere Erläuterungen dazu am Berichtsende.

Audienz

Foto: hofburg-wien.at
Audienzraum mit Stehpult, Hofburg Wien

Jeder Bürger durfte dem Kaiser zweimal pro Woche persönlich vorsprechen. In streng reglementierten Audienztagen wurden die Namen in die Audienzbücher (heute im Sisi Museum zu besichtigen) eingetragen.

Jeder Bürger bekam einen festen Termin für seine Vorsprache. Die Bittstellung musste vorher dem Ministerium vorgelegt werden, welche danach vom Kaiser persönlich geprüft wurde.

Dies konnte eine persönliche Danksagung sein, eine Fürbitte, ein Wunsch oder eine Art Begutachtung. Die Wiener Zeitung veröffentlichte zweimal in der Woche die Audienznehmer, so dass die Bürgernähe des Kaisers demonstrativ vorgeführt wurde.

Die Audienz selbst war streng reglementiert und brachte per se nichts mehr Neues:

Um Punkt 10.00 Uhr morgens begann Kaiser Franz Joseph die Audienz, so dass sich die Bittsteller in den Warteräumen der Hofburg oder von Schloss Schönbrunn einzufinden hatte (je nach dem wo sich Kaiser Franz Joseph gerade aufhielt).

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Franz Joseph

Dabei war eine strenge Kleiderordnung einzuhalten:
Die Herren mussten Frack tragen. Herren vom Militär selbstverständlich ihre Uniform. Die Damen vom Volk ein hochgeschlossenes Kleid.

Ein Mitarbeiter des Obersthofmeisters machte den Audienznehmer mit den Grundregeln der Audienz vertraut:

– den Kaiser niemals von sich aus ansprechen
– dem Kaiser niemals den Rücken zukehren
– dem Kaiser niemals persönliche Fragen stellen

Danach wurde der Bürger mit dem Namen aufgerufen und vom Adjutant in einen Vorraum gebracht, wo der Name erneut mit dem Audienzbuch verglichen wurde.

Schließlich rief ihn der Kammeransager laut auf. Die Türe wurde aufgemacht und der Audienznehmer stand vor dem Kaiser.

Sofort nach dem Eintreten hatte der Bürger eine tiefe Verbeugung und die Bürgerin einen tiefen Knicks zu machen. Konnte dies der Bürger oder die Bürgerin nicht, wurde dieser zuvor im Wartesaal mit einem Mitarbeiter des Hofes geübt.

Erst nach der Aufforderung des Kaisers durfte sich der Bürger oder die Bürgerin erheben.

Danach fragte der Kaiser nach dem Namen und sah in seinem Audienzbuch nach, ob der Name darin stimmte.

Danach durfte der Besuch sein/ihr Anliegen vortragen und bekam die Antwort von Seiner Majestät.

Nach exakt 3 Minuten wurde die Türe geöffnet und die Audienz war vorbei.

Der Besuch hatte sich nochmals zu verbeugen und mit dem Gesicht zum Kaiser, mit dem Rücken zur Tür, hinauszugehen.

Über 100 Personen schaffte Kaiser Franz Joseph so an einem Audienztag.

Erst im hohen Alter reduzierte er auf die Hälfte. Bis zuletzt stand der Kaiser all die Stunden an seinem Pult während der Audienz.

Nach den Audienzen fanden die offiziellen Gespräche mit Ministern, Abgeordneten und Statthaltern statt, welche von Kaiser Franz Joseph persönlich eingeladen wurden.

Es war unumgänglich, dass die Herren gut vorbereitet auf das Gespräch waren, denn der Kaiser liebte es, gut informiert zu sein und war auf jede Antwort gewappnet und konnte die Herren immer wieder aus der Fassung bringen, in dem er mehr wusste, als sie selbst.

Er fragte mehrere Personen zum gleichen Thema, um sich so ein besseres Bild von einem Problem zu machen.

Er wusste, dass er viele „Speichellecker“ um sich hatte, die ihm nicht die Wahrheit sagen wollten.

Cortège

ist das französische Wort für Prozession.

Dieses Wort wurde eingesetzt für das Gefolge unter einem Herrscher oder Herrscherin bei offiziellen Anlässen.

Das heißt nichts anderes, als wenn es zu öffentlichen Auftritten des Königs, der Königin, des Kaisers oder der Kaiserin kam, folgten ihnen 100erte von Adeligen Leuten – der sogenannte Hofstaat.

Dieses nannte man Cortège. Unter ihnen befanden sich: Hofdamen (bei Königin/Kaiserin), Geheime Räte, Kämmerer (bei König/Kaiser), Palastdamen, Truchessen (bei König/Kaiser) (weiter unten erklärt) usw.

Dies war einerseits eine große Ehre, andererseits auch eine lästige Pflicht. Die Damen hatten jedes Mal in schönster Toilette zu erscheinen, was einen unheimlichen teuren Aufwand mit sich brachte.

Goldene Vlies

Foto: KHM Wien
Großmeistermantel
Foto: Wikimedia/Commons
Goldene Vlies

Wie oben beschrieben, rief Herzog Philipp „der Gute“ den Orden anlässlich seiner Hochzeit ins Leben.

Er wurde der Heiligen Jungfrau Maria gewidmet und steht für den Schutz der Kirche und die unbefleckte Ehre des Rittertums.

An einer Collane (Ordenskette) hängt ein goldenes Widderfell.

Sowohl das Haus Habsburg, als auch das Haus Bourbonen, also der spanische König tragen das Goldene Vlies.

Heute ist es Karl (von) Habsburg (*11.1.1961) und König Felipe (*30.1.1968). Sie sind die Großmeister des Ordens und können bis heute Ordensmitglieder aufnehmen.

In Wien leistet man bis heute den Schwur vor dem Schwurkreuz, welches in der Schatzkammer Wien zu sehen ist.
Der Ordenstag ist der 30.11., an dem bis heute feierlich Messen zelebriert und neue Mitglieder aufgenommen werden.

Kaiser Franz Joseph war zu seiner Zeit Großmeister und vergab nicht nur an seine Familie den Orden, sondern auch an jene Personen die seiner Meinung nach die Tugend und Ehre hatten, diesen zu Erlangen.

Die Verleihung wurde von Kaiser Franz Joseph in einem Großmeistermantel zelebriert und die zukünftigen Ritter des Ordens sahen dies als Privileg für ihre Verdienste rund ums Hause Habsburg an.

Das Goldene Vlies war demnach kein Geburtsrecht.

Alle Ordensmitglieder halten wie ein unzertrennliches Band zusammen und sind gleichberechtigt.

Bei allen Feierlichkeiten bei Hofe waren diese nicht nur eingeladen, sondern hatten in allem auch Vorrang und Vortritt.

Es gab nur eine Ausnahme: waren gekrönte Häupter anwesend, mussten diese zuerst begrüßt oder bedient werden.

In Wien sind bis heute nur katholische Ordensmitglieder erlaubt, in Spanien nimmt man mittlerweile auch protestantische Gläubige auf.

Der Orden des Goldenen Vlieses ist der älteste und bedeutendste Ritterorden der Welt. Obwohl es in Österreich keine Monarchie mehr gibt, wird der Orden im Hause Habsburg bis heute hochgehalten.

Hofdame

Eine Hofdame war ein hoch angesehener Beruf und nur Frauen aus dem Adel vorbehalten.

Anders als bei Palastdamen, der rein ehrenamtlich durchgeführt wurde, wurde eine Hofdame entlohnt, bekam eine Abfertigung und wenn sie wegen zu hohen Alters aus dem Dienst ausschied, sogar eine Pension ausbezahlt.

Bevor eine Hofdame aufgenommen wurde, musste diese die strenge Ahnenprobe überstehen, welche die Voraussetzung für den Dienst bei Hofe war.

Die Hofdame hatte aus gutem Haus zu sein, eine fundierte Ausbildung zu haben, musste mehrere Sprachen sprechen und musste unverheiratet sein.

Sie konnte sich für diesen Posten nie bewerben, sondern sie wurde ernannt. Die Hofdame die auserkoren wurde, erhielt ein formelles „Ernennungsdekret“.

Thema Hofdame wird weiter unten ausführlicher erläutert.

Hoffähigkeit

Diese wurde streng reglementiert und war nicht Jedermann gestattet.

Den Zutritt zur kaiserlichen Familie war Familien erlaubt, die die Ahnenprobe bestand (die strenge Variante). Diese wurde auch zu Festlichkeiten wie zB. auf Hofbällen eingeladen.

Es gab aber auch noch andere Personen die Zutritt erhielten. Diese waren durch ihre besondere Stellung bei Hofe dazu würdig der kaiserlichen Familie vorgestellt zu werden oder an den Festlichkeiten teilzunehmen.

Diese waren Diplomaten, Offiziere der Wiener Garnison und Ordensritter. Ansonsten stand der engere Kreis nur standesherrlichen Familien und Hofwürdenträgern zu.

Da diese Mitglieder alter Adelsfamilien allerdings zahlreich waren, tummelten sich auf diesen Veranstaltungen zahlreiche Personen und dienten u.a. zur Heiratsvermittlung.

Mehr als 300 (!) Familien zählten damals zur ständigen Hocharistokratie und somit zur Hoffähigkeit.

Anders als bei anderen Höfen Europas, hatte man in Wien die Türen für den Geldadel noch nicht geöffnet.

Kaiser Franz Joseph liebte es aber ihm treue Bürger in den Adelsstand zu erheben und so Zutritt zum Kaiserhaus zu verschaffen.

Kaiser Franz Joseph erhob so manchen als „Truchsessen“ (weiter unten erklärt), diese durften dann auch an der Hoftafel oder an großen Festlichkeiten teilnehmen, was das Hofzeremoniell ziemlich durcheinander brachte.

Es war von „wer wo gehen, stehen und sitzen durfte“ alles geregelt. Je älter eine Adelsfamilie war, desto höher der Rang bei Hofe. Eine schiere Mammutaufgabe für den Obersthofmeister.

Hofsprache

Schon unter Maria Theresia sprach man am Wiener Hof französisch. Dies erklärt, warum so viele Begriffe in französischer Sprache sind.

Allerdings war es schon bei (Kaiserin) Maria Theresia so, dass ein sehr lockerer Umgangston herrschte und der Wiener Dialekt vorrangig gesprochen wurde.

Nur wenn das Personal so gar nicht mitbekommen sollte, was besprochen wurde, sprach das Kaiserpaar französisch miteinander.

Unter Kaiser Franz Joseph war dies nicht anders, wenn auch die französische Sprache schön langsam aus dem Alltag verschwand.

Nunmehr zog die ungarische Sprache ins Haus ein. Nicht nur wegen Kaiserin Elisabeth, die dadurch Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) eins auswischte.

Die meisten Bediensteten, Erzherzogin Sophie, sowie ihr Mann und der Wiener Adel verstand kein ungarisch. Nur Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Marie Valérie sprachen fließend die Landessprache.

Am Wiener Hof wurde deutsch, böhmisch, ein bisschen ungarisch (Bedienstete und beim Militär) und natürlich französisch gesprochen.

Kaiser Joseph II machte die deutsche Sprache – bzw. das Wienerische – am Hof salonfähig. Er setzte sich auch dafür ein, dass Mozart die Opern in deutscher Sprache schrieb.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth und Helene von Thurn und Taxis (Néné)

Eine völlige unbekannte Sprache war damals noch die englische Sprache. Kaiserin Elisabeth und ihre Schwester Helene „Nénè in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890), verheiratete Thurn und Taxis sprachen Zeit ihres Lebens nur englisch miteinander. Schon allein deshalb, da sie wussten, dass niemand sie belauschen konnte.

Kämmerer

Nur ein Mann durfte beim Kaiser „Kämmerer“ werden. Zuvor hatte man die strenge Ahnenprobe zu bestehen.

Das Amt des „Kämmerers“ war ein Ehrenamt und wurde bereits im Mittelalter gegründet. Dieser hatte den „Goldenen Schlüssel“ über.

Seine Aufgabe war es bei Festen zu erscheinen, Botschaften und Gratulationen entgegenzunehmen und bei Begräbnissen das Geleit innerhalb der Kaiserfamilie zu übernehmen.

Die Aufgabe eines „Kämmerers“ wurde sehr ernst genommen und war eine ehrenvolle Tätigkeit.

Wer „Kämmerer“ werden durfte, konnte sich glücklich schätzen.

Marschallstafel

Zu dieser Tafel wurden jene Gäste geladen, die nicht an der Haupttafel mit der kaiserlichen Familie geladen waren. Hier speiste man nicht mit dem Kaiser oder der Kaiserin, sondern mit dem Obersthofmarschall oder einem Kammerherr.

Obersthofmarschall

Er war zuständig für die Fideikommisse der gebundenen Vermögen etlicher adeliger Familien (heute würde man es Familienstiftung nennen) und diente als Zivilgerichtsbehörde der kaiserlichen Familie und anderer Familien die diesen Sonderstatus genossen.

Obersthofmeister

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Franz Freiherr von Nopcsa
Obersthofmeister
Ihrer Majestät

Der Obersthofmeister unterstand dem Kaiser und war der engste Mitarbeiter des gesamtes Hofstaates.

Ihm unterstand nicht nur das gesamte Dienstpersonal, sondern auch die Verwaltung der Finanzen und die Garde.

Sein Einfluss reichte bis hinunter in die Hofküche und bis zur Hofoper. Was er sagte, war Gesetz.

Ab 1895 wurde sogar das Hofmarschallamt in Ungarn dem Obersthofmeister in Wien unterstellt.

Diese Stelle war hochbezahlt und hochangesehen.

Das Amt wurde hochpolitisch angesehen, hatte der Obersthofmeister direkten Zugang zum Kaiser und so auch enormen Einfluss auf diesen.

Obersthofmeisterin

Foto: Wikimedia/Commons
Pauline von Aulendorf-Königsegg
geb. Bellegarde

Die Obersthofmeisterin war das Pendant zum Obersthofmeister und der Kaiserin unterstellt, wobei die Kaiserin auch einen Obersthofmeister, der Kaiser jedoch keine Obersthofmeisterin hatte.

Sie hatte den gesamten Hofstaat der Kaiserin inne. Sie stellte das Personal ein, kündigte es wieder, sorgte für die Einhaltung der Etikette, bearbeitete Urlaubsanträge und sorgte bei Krankheitsausfällen für Ersatz.

Was die Obersthofmeisterin anordnete musste geschehen, so wollte es das Gesetz des Wiener Hofes.

Sie sorgte für Zucht und Ordnung. Die Stelle war nicht nur hochbezahlt und -angesehen, sondern auch enorm anstrengend.

Kaiserin Elisabeth verlangte äußerste Disziplin und hatte nicht öfters Querelen mit ihren Obersthofmeisterinnen auszufechten. 
Diese nahm - in allen Belangen - großen Einfluss auf sie.

Im Gegensatz zu Hofdamen, durften Obersthofmeister und Obersthofmeisterinnen verheiratet oder gar Witwe/r mit Kindern sein.

Oftmals sogar miteinander, wie das Beispiel „Gräfin Bellegarde“ zeigte:

Zuvor war Pauline Gräfin von Bellegarde (*2.4.1830, †27.5.1912) Hofdame. Da Pauline Elisabeth wichtig wurde, schied diese, als sie heiraten wollte, nicht wie sonst üblich aus dem Dienst aus, sondern wurde ihre Obersthofmeisterin.

Sie hatte sich in den schneidigen Flügeladjutant von Kaiser Franz Joseph Alfred von Königsegg-Aulendorf (*30.6.1817, †27.10.1898) verliebt und dieser hielt um ihre Hand an. Am 15.7.1857 heiratete das Paar.

Um ihre Vertraute nicht zu verlieren, machte die Kaiserin Alfred kurzerhand zu ihrem Obersthofmeister.

Obersthofmeisterin Pauline Gräfin Aulendorf-Königsegg und Obersthofmeister Alfred Graf Aulendorf-Königsegg verblieben somit im Dienste Ihrer Majestät, auch wenn das Verhältnis danach nicht mehr ganz so vertraut war.

Auch hier ist der Sissi-Film mit Romy Schneider eine nicht recherchierte Filmphantasie.
Graf Bellegard wurde nicht während des Ungarn Aufstandes erschossen, sondern Gräfin Bellegarde war einfach der Mädchenname der Hofdame.

Ein Schicksal einer Obersthofmeisterin möchte ich hier erwähnen, dass mich schlichtweg traurig stimmte.

Jenes von Maria Theresia Landgräfin zu Fürstenberg, geb. Prinzessin zu Schwarzenberg (*14.10.1780, †9.11.1870).

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Maria Anna

Sie war mit Friedrich Landgraf zu Fürstenberg (*26.1.1774, †4.2.1856) per Liebesehe verheiratet und hatte mit ihm 10 Kinder.

Kaiser Franz II/I (*12.2.1768, †2.3.1835) hatte Maria Theresia 1831 zur Obersthofmeisterin von Maria Anna Prinzessin von Savoyen bestimmt.

Prinzessin Maria Anna (*19.9.1803, †4.5.1884) wurde mit dem geistesschwachen und jähzornigen Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) verheiratet und ertrug ihr Schicksal bravourös. Am 2.3.1835 starb Kaiser Franz II/I und Ferdinand und Maria Anna wurden zum neuen Kaiserpaar.

Die Familie Landgraf zu Fürstenberg lebte auf Schloss Weitra im Waldviertel und so musste Vater Friedrich sich um die große Kinderschar (natürlich mit Personal) alleine kümmern.

Nur in ihren Urlauben sah die Mutter ihre Kinder.

Ein Glück im Unglück hatte das Ganze.

Friedrich konnte nicht gut mit Geld umgehen und verspekulierte sich ein paar Mal, so dass er viel Geld verlor. Das hohe Gehalt seiner Gattin bot der großen Familie einen guten Lebensstil.

Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass die Familie zu Fürstenberg, damals schon eine moderne Ehe führte.

Oberzeremonienmeister – Zeremonienmeister

Foto: habsburger.net
Kaiser Franz Joseph ist hier in Begleitung des adeligen Cortèges abgebildet: Voranschreitend der Oberzeremonienmeister und der Obersthofmeister, danach Franz Joseph mit seiner Tochter Marie Valérie, gefolgt vom Adel des Hofes, nach Rang geordnet.

Der Oberzeremonienmeister hatte die Aufgabe bei den Hofbällen oder Ball bei Hofe die organisatorische, logistische und repräsentative Aufgabe zu übernehmen.

Der Oberzeremonienmeister hatte unter sich noch Zeremonienmeister die ihm halfen die Aufgaben zu bewältigen. Alle unterstanden aber dem Obersthofmeister.

Am Tag des Balles war es seine Aufgabe das Eintreten der Herrschaft anzukündigen.

Palastdame

Im Gegensatz zur Hofdame, war die Palastdame ein Ehrenamt und durfte von verheirateten Frauen ausgeübt werden.

Die Palastdame war ein sehr begehrtes Amt, allerdings auch sehr kostspielig (wie übrigens auch jenes der Hofdame, doch untenstehend mehr dazu).

Wie die Kämmerer hatten die Palastdamen zu gewissen Terminen pflichtmäßig zu erscheinen, weshalb diese im Turnus Dienst hatten und verschiedene Repräsentationsaufgaben übernahmen.

So mussten die Palastdamen zu den Hofbällen erscheinen, zum Ball bei Hof, Neujahrscours (Neujahrsempfang des Kaisers), allen hohen kirchlichen festlichen Feiertagen und zur Fronleichnamsprozession.

Dies war insofern kostspielig, da jedes Mal eine neue Toilette sein musste. Die Palastdame konnte/durfte nicht im selben Kleid auf jedem Fest erscheinen.

Standesgemäß

Foto: Wikimedia/Commons Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Wurde in einem Kaiser- oder Königshaus geheiratet, musste die Ahnenprobe gemacht werden.

Diese war jetzt nicht so streng, wie bei der Aufnahme zur „Hofdame“, allerdings, musste die Heiratskandidatin „standesgemäß“ sein.

Das hieß hier musste sie aus einem regierenden standesherrlichen Herrscherhaus kommen. War dies nicht der Fall, wurde die Ehe als „morganatisch“ – also nicht ebenbürtig (unstandesgemäß) – eingestuft.

Diese morganatische Ehe hatte oft zur Folge, dass die Kinder nicht als Thronerben eingesetzt werden durften oder die Ehe gar nicht zustande kam. Beispiele dieser Art gab es viele.

Foto: Wikimedia/Commons
Ferdinand und Berta Burg

Erzherzogin Isabella (*17.11.1888, †6.12.1973) die ihren Arzt nicht heiraten durfte und lieber unverheiratet blieb, Erzherzog Franz Ferdinand der sich in die Hofdame Sophie von Chotek verliebte, diese ehelichen durfte, allerdings mit der Auflage, dass die Kinder keine Thronansprüche stellen dürften. Seine Frau wurde Fürstin von Hohenberg.

Es gab aber auch traurige Fälle von morganatischen Ehen.

Es gab deswegen Ausschlüsse aus dem Kaiserhaus, wie zB. Erzherzog Ferdinand Karl, der sich in Berta Czuber verliebte.

Sternkreuzdame – Sternkreuzorden

Foto: Wikimedia/Commons Sternkreuzorden

Der Sternkreuzorden wurde am 3.5.1668 von Kaiserin Eleonore (*18.11.1628, †6.12.1686) gegründet. Papst Clemens IX gab am 28.7.1668 seinen Segen dazu.

Dieser sollte zur Andacht „zum heiligen Kreuz, des tugendhaften Lebens und wohltätiger Handlungen in Wien“ gestiftet werden.

Die Aufnahme in den Sternkreuzorden entsprach in etwa dem Ehrentitel eines Kämmerers, der zur selben Zeit gegründet wurde.

Die Anzahl der Sternkreuzdamen wurde wie die eines Kämmerers nicht beschränkt, allerdings wurde auch hier eine strenge Ahnenprobe vorgeschrieben.

Die Ernennung zu einer Sternkreuzdame darf immer nur von einer österreichischen Erzherzogin vorgenommen werden. Immer noch steht die Verehrung des Heiligen Kreuzes und die Barmherzigkeit an oberster Stelle.

Der Orden besteht bis heute.

Stiftsdamen

Foto: Wikimedia/Commons Ordensgewand einer Kanonissin

Dies waren klosterähnliche Stifte in denen adelige Damen, meistens Witwen oder unverheiratete adelige Frauen lebten, die sich Gott widmeten (oder Gott widmen mussten).

Die adelige Äbtissin (Oberste des weltlichen Stiftes) nahm der adeligen Kanonissin (die eintretende Gläubige) das Gelübde ab.

Hierbei handelte es sich lediglich um das Keuschheits- und das Gehorsamkeitsgelübde des weltlichen Klosters. Die Einrichtung des Stiftes war komfortabler als jenes eines geistlichen Klosters.

Die Damen durften ein paar ihrer eigenen Möbel mitnehmen, die Dienerschaft durfte in anliegenden Häusern unterkommen, das Essen war nahrhafter und mit Pfründen (Schenkungen) wurde das Stift erhalten.

Vor allem Witwen nahmen dies gerne als Alterssitz in Anspruch.

Familien deren Tochter unverheiratet blieb, steckten diese oft in solche weltliche Klöster, weil sie hofften, dass sie aus diesem doch noch verheiratet wurden. Oftmals hatten die Familien Erfolg. Stiftsdamen hatten das Glück heiraten zu dürfen.

Suite

bedeutet „Gefolge“ und kommt ebenfalls aus dem Französischen.

Die Suite ist die Begleitung eines jeden Feldherren durch seinen Adjutanten oder seiner höchsten Offiziere, die ihn stets begleiten.

Zum Teil ist in historischen Büchern von „a la suite“ zu lesen. Hier ist das gesamte Gefolge des Feldherren gemeint (falls es nicht übersetzt wurde, wisst ihr jetzt was gemeint ist).

Truchsessen

Foto: Wikimedia/Commons
Verleihung der Truchsessen-Würde im Königreich Ungarn für Anton Pongracz, 1780

Auch dieser Begriff kam aus dem Mittelalter, hatte aber im Gegensatz zu diesem im 19. Jahrhundert unter Kaiser Franz Joseph bereits eine andere Funktion.

Während es im Mittelalter noch der Aufseher für die fürstliche Tafel war und sich dies im Laufe der Zeit zum Vorsteher der Hofhaltung geändert hatte, nahm der Verlauf im 19. Jahrhundert eine völlig andere.

Das Amt wurde ehrenamtlich ausgeführt, weshalb Kaiser Franz Joseph die Freiheit hatte tausende Bürger in den Adelsstand zu erheben und ihnen diesen Titel und damit Zugang bei Hofe zu gestatten.

Selbstverständlich war auch hier dieses Amt dem Obersthofmeister unterstellt. Man kann diesen Titel heute mit einem Beamtenstand oder einem Ministerialsekretär vergleichen.

Kaiser Franz Joseph ernannte die Truchesse mit dem Erlag einer vorgeschriebenen Gebühr und danach wurde diesem das Truchessenehrenabzeichen ausgehändigt. Dies galt Lebenslang.

Mehr als so manchem „Geldadel“ ermöglicht wurde. 

Hofdamen

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferenczy

Wie schon in der Erklärung erwähnt, war das Amt der Hofdame eine Ehre für die Familie, allerdings auch eine finanzielle Last.

Obwohl die Stellung bezahlt wurde, musste die adelige Familie ihrer Tochter finanziell immer aushelfen.

In den Hofdamen Briefen rund um Sophie von Scharnhorst(*) (*/unbekannt) wird die Ernennung, die Aufgaben und die Ehre für die Familie genau beschrieben. Allerdings auch die hohe Belastung, welche diese Arbeit mit sich brachte.

Gräfin Schönborn(**) (*/unbekannt) verrät folgendes:

Ischl, 11.September 1857,
Liebe Gräfin!
Ihre königl.(*) Hoheit die Frau Erzherzogin machen nun täglich so große Promenaden daß höchstdieselben mir den Auftrag gaben Ihnen zu sagen liebe Gräfin daß es Ihr nicht möglich wird Sie vor Mittwoch zu empfangen, – sollten Sie also an diesem Tage (ohne alle gêne) wirklich noch hier sein, so würde es Sie freuen Sie um Dreiviertel auf 2 Uhr bei sich zu sehen. Genehmigen Sie in aller Eile liebe Gräfin die Versicherung meiner innigsten Hochachtung.
Gräfin Schönborn
Hofdame der Erzherzogin Sophie (1)

(*)Anmerkung Petra: Im Originalbuch von 1903 steht königl. Hoheit = königliche Hoheit, was auf den Geburtstitel von Erzherzogin Sophie hinweist.
Richard Kühn hat in seiner 1942 Version auf S.342 kaiserliche Hoheit gemacht.

„Wien, 4.Jenner 1858
Liebe Eva!
Ich freue mich unendlich daß die gute Erzherzogin Deine Caroline (Anmerkung Petra: Caroline von Sickingen, Tochter der Briefeempfängerin; Anmerkungen am Beitragsende) als Hofdame angenommen hat, mit Beruhigung kannst Du ihrer Zukunft entgegensehen. Wem die Erzherzogin die Hand reicht der kann sie unverzichtlich ergreifen denn Sie leitet nur zum Guten. Ich bin nicht in Sorgen, denn bei Carolines Tüchtigkeit und ihren Talenten wird Sie ihren ehrenvollen Beruf sicher ganz erfüllen. Im Anfang gibt es Schwierigkeiten, dem kann Sie vorarbeiten um sich leichter hineinzufügen. So möchte ich ihr z.B. rathen sich im Vorlesen zu üben und ihre Stimme zu kräftigen, welche sonst durch Befangenheit leicht unsicher wird. Ich spreche aus Erfahrung!
Ich war bei Gräfin Königsegg (Anmerkung Petra: ehemalige Hofdame Gräfin Bellegarde; weiter oben im Text erläutert) um mir ein Verzeichnis ihres Hofdamen-Trousseau (Anmerkung Petra: Hofdamen „Uniform“ Unterlagen) zu nehmen. Es ist zweckmäßig ohne Verschwendung gehalten, was bei dem ewigen Wechsel der Mode sehr weise und praktisch ist. Paula (Anmerkung Petra: Gräfin Königsegg; ehemals Bellegarde) sagte mir aber daß Sie zu wenig gehabt und bald nachschaffen mußte. – Da Caroline im Frühling eintritt, so scheinen mir Sommer-Toiletten für Schönbrunn nothwendig. Zwei hübsche Seidenkleider, 1 für Mittag, 1 Frühkleid und Alles für angegebene Hof-Trauer, wozu ein schwarzer Spitzen-Hutz nothwendig, dann muß Sie eine hübsche Applications-Mantille und Ueberchemisettes (Anmerkung Petra: Unterkleider) samt Ärmeln und Kragen haben zu farbigen und schwarzen Toiletten assortirt. Hast Du eine gute Adresse für Spitzen in Brüssel? Sonst empfehle ich Dir Mme. Pannal die in Sanssouci verkauft.
Vergiß nicht feine Schwarze Spitzen nach der Elle, zum Aufputz der Taille, das braucht man wie das liebe Brodt.
Uebrigens hat ja Caroline einen Fonde de toilette was ihr sehr zu Statten kommen wird, denn man braucht zum toilettiren s e h r v i e l sans etre une Elegante fondée.
Ein Dutzend gestickte Sacktücher, 3 Stück s u p e r l a t i f, 3 Stück mit Valenciennes, Schön moderen geschlungen 3 Stück en somme 12 Stück. Sie muß eine Kammerjungfer und ein Stubenmädchen haben, Letztere soll kochen können. Ja wir Hofdamen brauchen mehr als wir dürfen und müssen stets parat sein!
Eine Excursion vorher mit Cäcilie nach Salzburg zu machen – dafür schwärme ich nicht. Mir scheint Eure Villa das Beste für eine angehende Hofdame. –
Deine Sophie (2)

Im Februar ging es weiter.

„Oldenburg, 2. Februar 1858
Erlauben Sie meine sehr liebe Gräfin daß auch ich mich in die Reihen der Gratulirenden Stelle, und Ihnen so wie der Comtesse Caroline meine recht herzlichen Glückwünsche vorbringe! – ich habe die Kunde der Ernennung der liebenswürdigen Comtesse zur Hofdame, von meiner Schwester Sophie erfahren und ihre Freude darüber, recht lebhaft getheilt.
Es ist gewiß ebenso beglückend als ehrenvoll der hochverehrten Erzherzogin Sophie seine Dienste zu weihen und ebenso bin ich überzeugt daß die junge Hofdame den Anforderungen ihres neuen Berufes vollkommen entsprechen wird, möge dieselbe nur so recht heiter und muthig in die neue Laufbahn eintreten. –
Ihrem gütigen Andenken meine theure Gräfin empfehle ich mich auch ferner und werde es stes mit warmer Verehrung und Ergebenheit erwiedern.
Christa von Scharnhorst (3)

Die weiteren Briefe möchte ich euch nicht vorenthalten:

„Wien, 17.März 1858
Liebe Eva!
Die Gnade Gottes waltet über Dir! Die Ernennung Cara’s (Anmerkung: Caroline) hat ein mächtiges Echo nach allen Seiten hervorgerufen! Kürzlich passirte ich den Abend bei der hochverehrten Erzherzogin Sophie, die Eurer gedachte und fragte, wann Ihr kommen werdet?
Kaiser und Kaiserin erschienen unerwartet und verschönten den Abend mit Ihrer Gegenwart am Theetisch. Die Kaiserin, obgleich etwas blaß, ist wunderschön!! Sie trug ein weißes poult de soie Kleid mit Mantille mit Hermelin garnirt, in den schönen Haaren Diamant Nadeln und sah herrlich in der einfachen, geschmackvollen Toilette aus.
Die Hofdamen-Ausstattung ist kostspielig, denn der Hof gibt nur das Nothwendige, der Mensch braucht gar Vieles. Bei Deinem Hiersein werden wir Alles besprechen.
Sophie (4)

Baronin von Scharnhorst schrieb am 17.3.1858 einen Brief an Karoline von Sickingen. Dieser Brief ist im Buch von 1903 (unten in den Anmerkungen ist die Erläuterung dazu) nicht enthalten. Es ist daher anzunehmen, dass folgender Wortlaut von Richard Kühn wieder verfälscht wiedergegeben wurde.

„Wien, 17.3.1858
Du wirst wie alle Hofdamen die Erfahrung machen, daß eine gutgewählte Ausstattung, besonders Spitzen und Bräusche, einen Grund der Toilette legt, den man in der Hofkarriere aus eigenen Mitteln nicht legen kann. Die täglichen Bedürfnisse, der Wechsel der Mode und die Ehrenausgaben erschlpfen die Kasse. Darum küsse Deiner Mama tausendmal die freigebigen Hände, daß sie Dich so gut versorgt zu Deinem neuen Beruf ausstattet.
Ich habe in Beziehung der Wohnung noch keine genügende Antwort zu geben. Bei Munsch ist der erste und zweite Stock bis Ende Mai eingenommen und keine Aussicht, daß Platz gemacht wird.
Ich habe in der „Stadt Frankfurt“ nachgesehen. Es ist eine der besten Gasthöfe, sehr zu empfehlen wegen der Kost und der Bereitwilligkeit des Wirts. Prinz Karl von Baden wohnt immer dort, wenn er in Wien ist. Man hat dort alles; hübsche Zimmer, Equipage, gute Bedienung. Er liegt im Zentrum der Stadt, ganz nahe bei den Theatern und der Burg. Obgleich jetzt alles besetzt ist, will der Wirt sein mögliches tun. Allein vor dem 22./23. kann er nicht bestimmen, ob im ersten oder zweiten Stock etwas frei wird.
Der zweite Stock ist viel hübscher und angenehmer, wie in jedem Hotel, weil man nicht au bénéfice der Speiselokalitäten dem Geruch un den Launen der Tischgäste ausgesetzt ist.
Der Preis kann erst bestimmt werden, wenn die Zimmer genommen werden.
Vielleicht entschließt sich Mama, außer den Schlafzimmern einen kleinen Salon zu nehmen. Denn Ihr werdet sehr viele Visiten haben inklusive derjenigen, die die Hofdame angehen.
Die können doch nicht in die Geheimnisse des Schlafzimmers eingeführt werden. In diesem Fall wären es vier Zimmer: ein Salon, eins mit zwei Betten, eins mit drei ditto und für die Kammerjungfern eins mit zwei Betten. Die großmächtige Mama, hochgeborene Gräfin Sickingen, mit Schätzen und einer Hofdame beladen, möge gnädigst ihre Entscheidung sobald als möglich geben. (6)

Deshalb war es nicht nur von Nöten, dass die Hofdame die Ahnenprobe bestand, sondern auch die Familie reich genug war, die Tochter finanziell zu unterstützen.

Ein Umstand, der zB. bei Hofdame und Vertrauter Marie von Festetics ein unabdingbarer „Fehler“ war, denn ihre Familie hatte durch viele Spekulationen beinahe ihr gesamtes Vermögen verloren.

Elisabeth war es, die Marie immer wieder unter die Arme griff.

Dies durfte zwar nicht schöner sein, als das der Kaiserin oder eben der Herrschaft wo man diente, musste aber zumindest gleichwertig sein.

Es war dabei wichtig, die Toilette genau abzustimmen. Schmuck, Haare, Kleid hatten genau zueinander zu passen. Ein kostspieliges und aufwendiges Vorhaben, dass vom Gehalt einer Hofdame nicht bezahlt werden konnte, wenn man bedenkt, dass die Hofdame auch ständig mit ihrer Dame auf Reisen war. Hofdamen gab es ja nicht nur bei der Kaiserin, sondern auch bei Königinnen, bei den Erzherzoginnen, bei Herzoginnen, bei Fürstinnen usw.

Hofdamen begleiteten ihre Herrschaft überall hin. Auf die Reisen, ins Hotel, zu Soireen, zu Teegesellschaften, zu Dinnerpartys, zu Hofbällen, zu Bällen und Einladungen aller Art, zu karitativen Besuchen, in die Kirche, zum Lunch und zum Frühstück.

Es gab im Prinzip keine Minute des Tages, an dem keine Hofdame zugegen war, außer die Herrschaft wünschte dies ausdrücklich und dann nur, wenn diese zu Hause war.

Ansonsten fungierte die Hofdame natürlich als Anstandsdame und durfte erst recht das Zimmer nicht verlassen. Deshalb gab es immer mehrere Hofdamen, um im Turnusdienst zu arbeiten.

Kaiserin Elisabeth begleiteten an die 10 Hofdamen permanent auf Reisen, allerdings waren nur 2-3 wirklich ihre engsten Vertrauten.

Alle anderen versahen ihren Dienst und gingen wieder. Nie hätte Elisabeth Privates mit ihnen besprochen.

Marie und Ida (beide weiter unten) sind die berühmtesten Namen unter ihnen und waren beinahe rund um die Uhr für „ihre“ Kaiserin da.

Da am kaiserlichen Hof es nur so von Offizieren, Diplomaten, Ministern, Bediensteten usw. wimmelte, war dies ein großer Heiratsmarkt.

In Schloss Schönbrunn lebten rund ums Jahr an die 4000 Personen. So verliebten sich natürlich auch die jungen, bei Kaiserin Elisabeth immer sehr hübschen Hofdamen. Kaum hatte diese den Wunsch geäußert sich zu verloben und ehelichte dann ihren Verlobten, wurde die Hofdame aus dem Dienst entlassen.

Eine verheiratete Hofdame war bei Hofe nicht zugelassen.

Heiratete eine Hofdame, wurde diese bis an ihre Lebensende vom Hofe unterstützt. Sie bekam eine Art Pension. Auch dann, wenn die Herrin verstarb, wurde die Hofdame weiterhin bezahlt.

berühmte und weniger berühmte Hofdamen bzw. eine Vorleserin unter Kaiserin Elisabeth

Foto: Wikimedia/Commons
Ida von Ferency und Marie von Festetics auf Maultieren

Nehmen wir das größte Beispiel Vorleserin Ida von Ferency (*7.4.1839, †28.6.1928).

Wie ihr Name 1864 auf jene Liste kam, als Kaiserin Elisabeth eine Gesellschafterin suchte, ist ein ungelöstes Rätsel, welches sich nach so vielen Jahren nicht mehr klären lässt.

Ihr Posten musste erst geschaffen werden. Zuerst wurde sie zur Gesellschafterin und Sprachlehrerin.

Da aber Max von Falk den vertrauensvollen Posten des ungarischen Sprachlehrers inne hatte, war es schnell vorbei mit diesem Synonym. Also erfand man den Posten „Vorleserin“, da Ida die Ahnenprobe nicht bestand.

Sie kam aus dem einfachen Landadel und hatte weder 8 Urahnen vorzuweisen, noch generell einen Hofdamen-Posten zu erhalten. Ihr Rang war viel zu niedrig. Kaiserin Elisabeth ob ihrer Schönheit allerdings Feuer und Flamme, wollte sie unbedingt behalten.

Zu dem waren sich die beiden Frauen vom ersten Moment an sympathisch.

So wurde der am Hof einzigartige Posten der „Vorleserin“ geschaffen.

In manchen historischen Büchern ist von der Hofdame Ferenczy zu lesen. Das ist falsch. Ida blieb bis zu ihrer Pension „Vorleserin“.

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Marie von Festetics

Hofdame Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †16.4.1923) reiht sich in die berühmten Namen der Hofdamen ein, die man sicherlich unter Kaiserin Elisabeth kennt.

Niemand geringerer als Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890) schlug 1871 Marie als Hofdame vor.

Marie war ursprünglich auf einem anderen Posten und gar nicht glücklich als sie die Ernennung für die Kaiserin erhielt.

Doch Gyula bekniete sie hinzugehen.

Als sie Elisabeth das erste Mal sah, schrieb sie wahre Entzückungen über die Kaiserin in ihr Tagebuch, welches sie über die Jahrzehnte fleißig schrieb. Sie sollte zwei Heiratsanträge ablehnen, um bei ihrer geliebten Kaiserin bleiben zu können.

Es nahm niemand so viel Einfluss auf Elisabeth wie Marie von Festetics. In der Familie wurde Marie deshalb argwöhnisch beäugt. Erzherzogin Sophie und sogar Elisabeths Tochter Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924) hassten Marie regelrecht.

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die Geschwister Lily und Imre von Hunyady

Berühmt wurde auch Lily von Hunyady (*26.12.1836, †28.2.1907), welche Elisabeth nach Madeira begleitete.

Leider auch ihr Bruder, der sich in Elisabeth verliebte und sofort aus ihren Augen entfernt wurde.

Lily verliebte sich selbst zu guter Letzt und musste den Hofdienst verlassen.

Eine ganz andere Geschichte, war jene, als mich eine Followerin auf Facebook bat, die Hofdame auf jenem Bild hinter Kaiserin Elisabeth ausfindig zu machen.

Dies war gar nicht so einfach, wie anfangs gedacht. Doch wenn ich mich einmal in Recherchen verbeiße, dann so lange, bis ich ein Ergebnis habe.

Auf einem Rundgang durch Schloss Moosburg wurde ich zum ersten Mal auf einen Namen aufmerksam, der mich schlussendlich ans Ziel brachte.

So kurz wie hier jetzt dargestellt, waren die Recherchen natürlich nicht. Mehr als ein 3/4 Jahr dauerten sie an und ich hatte ein riesen Glück, dass ich ausgerechnet in jenes Schloss eingeladen wurde.

Und so fand ich jene Hofdame, die gesucht war.

Marie Johanna Gräfin von Welsersheimb Freiin von Gumpenstein, verheiratete Marie Gräfin von Goëss (*6.5.1824, 4.12.1896). 1852 starb Maries Mann und schon bald danach ereilte sie der Ruf zur Hofdame für Kaiserin Elisabeth. Später wurde sie zur Obersthofmeisterin.

Besagtes Bild zeigt die beiden am 19.4.1875 als sie die neuen Volksküche in der Schönlaterngasse besuchten, da ihr diese von ihrem Gemahl Kaiser Franz Joseph ans Herz getragen wurden. Er war dort zu Gast, speiste vor Ort, lobte die gute Küche, ließ sich alles zeigen und lobte die neue Art der Gemeinnützigkeit in Wien.

Elisabeth wollte sich selbst ein Bild machen, allerdings ohne sich anzumelden. Alleine und ohne Entourage und nur mit Gräfin von Goëss besuchte sie besagte Küche.

Der zufällig anwesende Maler August Heinrich Mansfeld hielt diesen Augenblick in Skizzen fest und malte danach ein Bild. Elisabeth gefiel die Suppenküche ebenso gut wie ihrem Mann und sie übernahm die Schirmherrenschaft.

Hofdamen im Dienste anderer hoher Personen

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Marie von Redwitz, Enthüllung der Oskar von Redwitz Statue vor dem Hotel Austria, Meran, 22.10.1894

Marie von Redwitz* (*9.12.1856, †11.4.1933) wiederum ist berühmt, da sie die Hofchronik von der Bayern-Linie aus schrieb.

Sie war die Hofdame von Amelie von Urach, besser bekannt als Amelie Herzogin in Bayern (*24.12.1865, †26.51912).

Ihr Vater war Carl Theodor in Bayern „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) und Sophie Prinzessin von Sachsen (*15.3.1845, †9.3.1867).

Carl Theodor war ein Bruder von Kaiserin Elisabeth und Sophie war ihre Cousine und Schwägerin. Leider starb die geliebte Ehefrau und Mutter recht bald, so dass Carl Theodor einige Jahre später noch einmal heiraten musste.

Amelie heiratete später Wilhelm von Urach (*30.5.1864, †24.3.1928) und so wurde Marie von Redwitz ihre Hofdame.

Doch auch sie war anfangs gar nicht so begeistert ihre Freiheit aufzugeben und wehrte sich lange der „Berufung“ nachzugeben. Doch es half natürlich nichts. Die Damen jener Zeiten hatten keine Wahl und so trat Marie ihre Stelle an und schrieb von Anfang an Tagebuch.

Ihre Hofchronik ist heute in keinem historischen Buch (und auch bei mir) wegzudenken.

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Amalie Prinzessin von Schweden
Lithographie: Josef Kriehuber

Sophie von Scharnhorst* sei erwähnt. Sie schrieb die Hofdamenbriefe, die ebenfalls eine unglaubliche Quelle ihrer Zeit sind.

Sie arbeitete bei Prinzessin Amalie Marie von Schweden (*22.2.1805, †22.9.1853°), die über vielfache Ecken mit dem Kaiserhaus verwandt war und dort ein und aus ging.

Sie selbst lebte in Wien und war bei fast allen kaiserlichen familiären Anlässen eingeladen.

Baronin von Scharnhorst schrieb alles nieder und so erhält der Leser einen guten Einblick in jene Zeit rund um Erzherzogin Sophie als noch Erzherzog Franzi, Maxi, Karli und Luzi-Wuzi klein waren. Natürlich erwähne ich hier niemand geringeren als Kaiser Franz Joseph und dessen Brüder.

Erwähnenswert ist auch noch Clementine Gräfin von Taaffe(***) (*20.10.1827, †13.9.1882), der Name wird aufmerksamen Habsburg Kennern vor allem durch Eduard Taaffe (*24.2.1833, †29.11.1895) ein Begriff sein.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Hildegard

Er war der einzige lebenslange Freund und Vertraute von Kaiser Franz Joseph.

Kaiser Franz Joseph übergab ihm nach der Mayerling Affäre Dokumente von Rudolf, die bis heute nicht mehr aufgetaucht sind.

Taaffe war für die Bespitzelung von Kronprinz Rudolf verantwortlich, da dieser die liberale Einstellung des Kronprinzen nicht ertragen konnte und ihn hasste wie die Pest.

Clementine Gräfin von Taaffe wurde am 31.10.1856 29jährig Hofdame bei Erzherzogin Hildegard (*10.6.1825, †2.4.1864).

Empfohlen hatte sie die heißgeliebte Aja von Kaiser Franz Joseph Louise Baronin von Sturmfeder. Sie ehelichte am 1.5.1844 in der Allerheiligen-Hofkirche in München Erzherzog Albrecht (*3.8.1817, †18.2.1895) und war eine Cousine von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph.

Hildegard war die Tochter von König Ludwig I von Bayern, der der (Halb)Bruder von Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, †28.5.1872) und Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †26.1.1892) in Bayern war.

Zuerst wurde sie Hofdame und als Erzherzogin Hildegard an einer Rippenfellentzündung starb, blieb sie auf Wunsch von Albrecht bei den Kindern und zog diese auf.

Clementine war nicht nur äußerst gebildet, sie interessierte sich sehr für Geschichte und für die Theologie. Die Kinder des Paares liebten sie sehr und schrieben ihr häufig Briefe oder zeichneten ihr Bilder.

Am 26.6.1864 wurde sie Sternkreuzordensdame und in der Marienkapelle „St. Christoph“ in Baden bei Wien hängt links neben dem Eingang eine Gedenktafel für Clementine von Taaffe „Gesellschaft der adeligen Frauen“. 

Das war es nun vorläufig aus dem Reich der Hofetikette und dem Wirr Wirr der Begrifflichkeiten.

– Petra – 

Foto: abebooks.com
Amalie Prinzessin von Schweden eigenhändige Unterschrift
Quittung über 2500 Thaler Preußischer Courant durch den Gesandten von Arnim

Anmerkungen:

(*) Wichtige Anmerkung:

Sophie Gräfin von Scharnhorst war die Hofdame von Amalie Prinzessin von Schweden (*22.2.1800, 21.9.1853). (°)Im gesamten Internet ist das Sterbedatum von Amalie Prinzessin von Schweden falsch.

Sophie von Scharnhorst notiert den Todestag und die restlichen Trauertage ganz genau. Wieso auch hier die Daten im Netz nicht übereinstimmen (und wahrscheinlich in vielen historischen Büchern), ist mir ein Rätsel.

Amalie war, wie ihr Bruder Prinz von Wasa, eine enge Freundin des Erzhauses und begleitete beinahe ständig Sophie überall hin. So erlebte Sophie von Scharnhorst die kaiserliche und erzherzögliche Familie.

Kein schlechtes Wort kam der Gräfin über ihre Herrin jemals über ihre Lippen. Ihre Briefe sind eine einzige Lobeshymne an die hohe Frau.

Die Briefe erreichten alle ihre enge Freundin Eveline Gräfin von Sickingen-Hohenberg(*) (*24.11.1809, †27.11.1895), welche in Ischl lebte und eine enge Vertraute des hohen Adels war. So auch von Erzherzogin Sophie.

In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, 3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, 23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, 7.3.1855) geheiratet.

Ebenfalls ein Rätsel war ihre Tochter Caroline, da mit der falschen Schreibweise auch Caroline, welche bei Richard Kühn Karoline geschrieben wurde, nicht aufgefunden werden konnte.

Erst ein Stammbaum auf einer holländischen Seite brachte mich weiter. Caroline von Hohenburg-Sickingen (*5.2.1835, 2.8.1909) wurde zur Hofdame bei Erzherzogin Sophie 1858 einberufen. Ungefähr 2 Jahre übte sie diesen Dienst aus, bevor sie Conrad Graf von Sternberg-Rudelsdorf (*6.6.1825, 2.9.1876) ehelichte und Tochter Eveline (*13.5.1861, 17.10.1881) gebar.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name von Eveline von Hohenburg-Sickingen falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

(**) Auf Seite 279 findet sich in den Hofdamen Briefe von Baronin von Scharnhorst der Name „Gräfin Schönborn“. Weitere Angaben gab es nicht.

Auch jetzt machte ich mich wieder auf die Suche nach der Hofdame von Erzherzogin Sophie und wurde nach langer und intensiver Suche fündig:
Zuerst fand ich
Maria Anna Josephine Caroline von Schönborn-Buchheim, welche Hofdame bei Kaiserin Elisabeth wurde und oben ebenfalls Thema ist. Da dies 1857 passierte, diese aber nicht von jene Gräfin war, die Eveline von Hohenburg-Sickingen schrieb, suchte ich weiter.

Über Caroline fand ich Obersthofmeisterin Ernestine Schönborn (*1800, 1850). Wer 1850 gestorben ist, kann nun mal 1857 keine Briefe schreiben, also war auch das eine Sackgasse. Ich vermute, dass es sich um Gräfin Schönborn, um Charlotte Sophie handelt (*12.2.1796, 1864), konnte es aber noch nicht beweisen. Sobald mir das gelungen ist, werde ich es bekannt geben.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, Caroline, Ernestine, Charlotte Sophie, noch zu den anderen Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Bis heute konnte ich auch keine Daten zu Sophie Baronin von Scharnhorst finden.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.

Nicht von jeder Hofdame gibt es Fotos. Ich hatte schon Schwierigkeiten die Daten herauszufinden.

(***) Bei Clementine von Taaffe darf ich mich rühmen, dass ich die erste und einzige bin, die herausgefunden hat, wann sie geboren wurde und wann sie bei Hofe ihre Anstellung fand. In keinem historischen Buch fand ich diese Daten. Es hat mich stundenlange detektivische Arbeit gekostet, die sich schließlich ausgezahlt hat.

Marie von Redwitz ist mein begehrtes Ziel für ein Foto. Ich besitze ein Familienfoto bei der Enthüllung des Oskar von Redwitz-Denkmals vor dem Hotel Austria in Meran, welches heute das Hotel Adria ist. Oskar von Redwitz (*28.6.1823, †6.7.1891) war ein berühmter Dichter und Schriftsteller und ihr Vater. Nicht nur, dass Marie Hofdame war, so trat sie auch in die Fußstapfen ihres Vaters. Sollte ich jemals in den Besitz eines besseren Fotos kommen, werde ich es hier einfügen.


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra Schimbäck
Recherchen: Petra Schimbäck
Bildrechte: hofburg-wien.at, habsburger.net, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Kunsthistorisches Museum Wien (KHM), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), abebooks.com


Literatur Hinweise:

1 – S.279, 2 – 280/1, 3 – S.282/3, 4 – S.284, 5 – S.284/5,
Hofdamenbriefe
Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Verlag Caesar Schmidt, 1903, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

6 – S.376/7
Richard Kühn
Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865)
Oswald Arnold Verlag Berlin, 1. Auflage 1942 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859-1898 Band I und Band II
Herold Verlag, Wien 1966 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Gudula Walterskirchen
Der Franzi war ein wenig unartig
Hofdamen der Habsburger erzählen
Residenz Verlag, 2013, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

Karin Schneider
Norm und Zeremoniell
Das Etiquette-Normale für den Wiener Hof von circa 1812
Böhlau Verlag, 2019, 1. Auflage (in jeder Buchhandlung erhältlich)

Der Hofstaat des Hauses Österreich
Ivan Zolger
Deuticke, Wien, 1917 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Kaiserin Elisabeth ganz privat
Briefe an ihre intimste Vertraute Ida Ferenczy
Beatrix Meyer
Allitera Verlag, 1. Auflage 2020 (in jeder Buchhandlung erhältlich)

Jahresbericht des ersten allgemeinen St. Annen Kinderspitals für 1857
Interner Bericht

Christa Diemel
Adelige Frauen im bürgerlichen Jahrhundert
Hofdamen, Stiftsdamen, Salondamen 1800 – 1870
Fischer Verlag, 1. Auflage 2015


Marie Therese Erzherzogin von Braganza

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese von Braganza, ca. 1889

Die Erste Frau im Kaiserreich nach Kaiserin Elisabeth war die weitestgehend unbekannte

Maria Theresia Immakulata Ferdinanda Eulalia Leopoldina Adelheid Elisabeth Karoline Michaela Raphaela Gabriele Franziska von Assisi et de Paula de Gonzaga Agnes Sophia Bartolomea ab Angelis de Braganza Infantin von Portugal oder in portugiesisch Donna Maria Teresa da Imaculada Conçeiäo Fernanda Eulália Leopoldina Adelaide Isabel Carolina Micaela Rafaela Gabriela Francisca de Aissis e de Paula Gonzaga Inés Sofia Bartolomea dos Anjos de Bragança Infantin von Portugal

bekannt als

Erzherzogin Marie Therese

Sie wurde am 24.8.1855 in Kleinheubach geboren.

Einige Historiker schreiben über sie auch als Erzherzogin Maria Theresia oder Maria Theresa. Sie selbst unterschrieb aber als Marie Therese (Beweis am Ende des Berichts).

Foto: Wikimedia/Commons König Michael von Portugal
Foto: Wikimedia/Commons Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg

Ihr Vater war König Miquel I von Portugal (*26.12.1802, †14.11.1866). Ihre Mutter Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (*3.4.1831, †16.12.1909).

Marie Therese wuchs bereits im Exil in Deutschland auf. Ihr Vater starb 1866, ohne je wieder an die Macht zu gelangen.

Ihr Bruder Miquel (*19.9.1853, †11.10.1927) ehelichte die schöne Tochter von Helene „Néné“ von Thurn und Taxis, eine Schwester von Kaiserin Elisabeth, Elisabeth (*28.5.1860), welche aber nach 4jähriger Ehe und nach der Geburt des 3ten Kindes 20jährig am 7.2.1881 verstarb.

Sie genoss eine höhere Mädchenausbildung im Sacré-Coeur in Paris, welche sie auch abgeschlossen hatte. Als 17jährige kam sie zur Familie zurück nach Deutschland.

Foto: geneall.net Elisabeth und Michael von Braganza
Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Franz Karl

Erzherzog Karl Ludwig, bereits 2facher Witwer, fuhr höchstpersönlich nach Kleinheubach, um bei ihrer Mutter vorstellig zu werden.

Diese ließ ihre Tochter in den Salon bitten. Marie Therese möge sich umziehen, hoher Besuch erwarte sie und bevor sie mit dem Bruder des österreichischen Kaisers in den Garten spazieren ging, möge sie bitte ein schönes Kleid anziehen.

Marie Therese tat wie ihr geheißen.

Was bei diesem Spaziergang besprochen wurde, ist nicht überliefert, es ist nur bekannt, dass Erzherzog Karl Ludwig obgleich Feuer und Flamme ob der Schönen war und sie bat seine Frau zu werden. Marie Therese willigte ein.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Mit knapp 18 Jahren trat die Prinzessin am 23.7.1873 auf Schloss Heubach vor den Traualtar und gab dem knapp 40jährigen(*) Witwer Erzherzog Karl Ludwig ihre Hand.

Dieser brachte 4 Halbwaisen mit in die Ehe: den 10jährigen Erzherzog Franz Ferdinand, den 8jährigen Erzherzog Otto (seinen Lieblingssohn), den 4jährigen Erzherzog Ferdinand Karl und die 3jährige Erzherzogin Margarete Sophie.

Foto: Wikimedia/Commons
Fotografie von Ludwig Angerer, 1860
Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl
Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth mit Rudolf und Gisela
Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Victor
Das einzige gemeinsame existierende Familienfoto mit Kaiserin Elisabeth!
Foto: Schloss-Artstetten.at
Foto: albertmilde.com
Villa Wartholz, 1877

14 Tage später fand auf Schloss Schönbrunn im Beisein von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph ein großer Empfang für das Brautpaar statt.


Anwesend waren die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister der Kaiserin, der Flügeladjutant des Kaisers und die gesamte Familie, so dass – nun mehr Erzherzogin Marie Therese – standesgemäß in der Familie Willkommen geheißen wurde.

Wohnhaft wurde das Paar mit den Kindern im angekauften Palais Favoriten in Wien Wieden, welches er sich von Heinrich von Ferstel umbauen ließ.

In den Sommermonaten zog man in die Villa Wartholz in Reichenau an der Rax, welches sich Karl Ludwig ebenfalls vom selben Architekt bauen ließ.

Später wohnte die Familie im Sommer auch gerne im Schloss Artstetten.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth von Schönfeld
Foto: Wikimedia/Commons, Marie von Festetics

Elisabeth Gräfin von Festetics von Tolna (*30.6.1832, †12.3.1904) verheiratete Gräfin von Schönfeld wurde durch Gräfin von Goeß die Obersthofmeisterin von Marie Therese.

Elisabeth war die Schwester der Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics, welche bei Kaiserin Elisabeth anstellig war.

Das Erzherzogspaar wurde von Kaiser Franz Joseph häufig ins Ausland entsandt, um an seiner Statt an allerhand Pflichten teilzunehmen.

Marie Therese galt nicht nur als die Schönste der drei Frauen von Karl Ludwig, sondern auch als die Klügste, Gewinnbringendste und durch ihr liebreizendes Wesen, als äußerst freundlich und zuvorkommend. Wo sie hinkam, wurde sie von den Menschen wohlwollend angenommen und umringt.

Karl Ludwig war oft sehr eifersüchtig und beobachtete seine Frau mit voller Skepsis, wusste er doch, dass er viel älter war als sie. Doch zu Eifersucht bestand keine Sorge.

Marie Therese liebte ihren Mann aus vollem Herzen und nie hätte sie sich zu einer außerehelichen Affäre hinreißen lassen.

Wie – aus sicheren Quellen und absolut nicht üblich zu dieser Zeit – auch Karl Ludwig nicht fremd ging und sich außerehelich vergnügte. Die beiden genügten und liebten sich gleicher Maßen.

Foto: Wikimedia/Commons Zar Alexander III mit seiner Familie

So reisten die beiden auch nach Moskau um an der Krönung von Zar Alexander III teilzunehmen.

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth ca. 1866

Erzherzogin Marie Therese zog alle Blicke auf sich. Sie galt als byzantinische Prinzessin und war eine außerordentliche Schönheit und von hoher Gestalt.

Man konnte sogar beinahe sagen, sie machte Kaiserin Elisabeth Konkurrenz, die sie allerdings nicht als solche ansah. Sie schätzte ihre Schwägerin sehr, hatte sie doch Ruhe vor den lästigen Staatspflichten und konnte ihren Reisen und Reittätigkeiten zu dieser Zeit nachgehen. Es wurde nicht nur ihre Toilette und ihre Kleider, sondern auch der prachtvolle Schmuck bewundert, was im Zarenreich wirklich etwas zu bedeuten hatte. Normalerweise war es genau umgekehrt. Erzherzog Karl Ludwig ließ sich vor der Fahrt nicht lumpen und kleidete seine Frau ordentlich ein.

Durch ihr charmantes Äußeres, ihr kluges Auftreten und ihre witzige Art lag ihr aber nicht nur Russland alsbald zur Füßen, sondern die gesamte adelige Welt.

Kaiserin Elisabeth war sehr zufrieden mit dem was ihr zu Ohren kam.

Auch Kaiser Franz Joseph schätzte seine schöne und kluge Schwägerin sehr, musste aber alsbald merken, dass sie ihren eigenen Kopf durchsetze und für ihre Familie Himmel und Hölle in Bewegung setzte, wenn es darum ging, diese zu beschützen oder wenn ihr etwas am Herzen lag.

Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen, schätzte er sie Zeit seines Lebens. Dies ging so gar so weit, dass man die beiden später verkuppeln wollte. Doch dazu später mehr.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Therese

Als Mutter ging sie in ihrer Rolle ebenso auf, wie als Repräsentantin am Staatsbankett.

Erzherzog Franz Ferdinand (*18.2.1863) war ein äußerst stilles und zurückgezogenes Kind, zu dem sehr eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder Otto (*21.4.1865), da dieser der Lieblingssohn seines Vaters war.

Mit beinahe strengem Blick beobachtete er, wenn sich seine Stiefmutter Marie Therese mit seiner kleinen Schwester Margarete Sophie (*13.5.1870) beschäftigte, da er ganz besonders an ihr hing. Sie war sein ganzer Halt und seine große Liebe innerhalb seiner Geschwister. Zeit ihres Lebens waren die beiden sehr verbunden, es traf ihn deshalb besonders hart, als sie so jung sterben musste, aber dazu später mehr.

Ferdinand Karl (*27.12.1868) fiel zwischen seinen Brüdern mehr oder weniger nicht auf. Er war der Dritte im Bunde und der jüngste Sohn.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata 2. Ehefrau und Karl Ludwig
Foto: Wikimedia/Commons
Maria Annunziata

Mit Geduld und großer Hingabe sorgte die junge Frau, die kaum 8 Jahre älter war, als ihr ältester Stiefsohn Franzi (Ferdinand), dass die Kinder sie annahmen und liebten. Das sie alle 4 begraben sollte, war ein ungeheures Schicksal, dass sie kaum ertrug.

Die Geschichten dazu erzähle ich im einzelnen.

Nur ihre eigenen Kinder sollten sie überleben.

Schon kurze Zeit nach der Hochzeit nannten die Kinder sie „Mama“ und dies sollte bis zum Tode aller Kinder so bleiben.

Die Liebe war so groß, dass sie keinen Unterschied zu ihren eigenen Kindern machte, die dem Paar Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Marie Therese geboren wurden.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie

Maria Annunziata kam am 13.7.1876 in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax zur Welt. Sie wurde nach der zweiten Ehefrau und der Mutter der vier Halbwaisen benannt.

Maria Annunziata von Neapel-Sizilien „Ciolla“ (*24.3.1843, †4.5.1871) starb an Lungentuberkulose und hatte diese sowohl Erzherzog Franz Ferdinand, als auch Erzherzog Ferdinand Karl vererbt. Vermutlich auch Margarete Sophie, doch genaueres ist hierzu nicht bekannt.

Am 7.7.1878 kam ebenfalls in der Villa Wartholz Tochter Elisabeth Amalie Eugenia zur Welt. Elisabeth wurde von Kaiserin Elisabeth getauft, wurde allerdings von Erzherzogin Christine vertreten.

Foto: Wikimedia/Commons Margarete von Sachsen, Karl Ludwigs 1. Ehefrau, Namenspatronin von Tochter Margarete Sophie

Bevor ich zu den Kindern und dem Rest der Geschichte komme, möchte ich noch kurz die erste Ehefrau erwähnen, damit diese auch ihren Abschluss findet.

Margarete von Sachsen (*25.5.1840, †15.9.1858), Cousine von Elisabeth, Franz Joseph und eben von Karl Ludwig wurde von Erzherzogin Sophie zur Ehefrau bestimmt.

Sie starb nach kaum 2jähriger Ehe 18jährig an Typhus. Die Ehe blieb kinderlos. Tochter Margarete Sophie bekam den Namen der 1. Ehefrau.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Therese und Erzherzog Karl Ludwig

Als bei Erzherzog Franz Ferdinand die Lungentuberkulose ausbrach und er sich deshalb auf halber Weltreise befand, schrieb sie ihm unentwegt Briefe, um ihn aufzuheitern.

Leider geschah hier ein großes Unglück. In Kairo besuchte ihn die gesamte Familie um den Kranken aufzuheitern.

Karl Ludwig trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan. Der Jordan war aber schon zu dieser Zeit enorm verschmutzt, so dass sich Karl Ludwig schwer vergiftete.

Sofort veranlasste man die Heimfahrt und Marie Therese kümmerte sich rührend um den Schwerkranken. Doch kaum zu Hause, war er schon so geschwächt, dass es kaum noch Hoffnung gab.

Am 18.5.1896 starb Erzherzog Karl Ludwig. Er hinterließ ihr ein immenses Vermögen, allerdings verhielt sich der Wiener Hof absonderlich.

Doch darauf möchte ich später in der Geschichte zurückkommen.

Erzherzog Franz Ferdinand

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie von Hohenberg

Franzi, wie er Zeit seines Lebens von seiner Mama genannt wurde, hatte sich verliebt.

Leider war diese Liebe verboten und so musste diese lange Zeit verheimlicht werden.

Nur wenige Personen wussten Bescheid; u.a. waren eingeweiht Kaiserin Elisabeth, mit der sich Franz Ferdinand außerordentlich gut verstand, seine Schwester Margarete und natürlich Mama Marie Therese.

Ab 1899 half sie ihrem Sohn bei ihrem Schwager Kaiser Franz Joseph zu intervenieren, dass dieser seine große Liebe Sophie von Chotek heiraten dürfe.

Schon zuvor hatte sich Kaiserin Elisabeth dafür eingesetzt, doch diese starb bevor sie etwas erreichen konnte.

Also war Marie Therese auf sich allein gestellt.

Und obwohl Kaiser Franz Joseph von einer morganatischen (unstandesgemäß) Ehe nichts wissen wollte, gab sie sich nicht geschlagen.

Als der Affront aufkam und Erzherzog Franz Ferdinand Sophie im Kloster entdeckte, hielt er eine beeindruckende Rede vor seinem Onkel. Zwar gab dieser nicht nach, doch Franz Ferdinand unterschrieb die Verzichtserklärung, die ihm dieser vorlegte. Diese besagte, dass er zwar Thronfolger blieb, aber Sophie keine Kaiserin werden dürfe und die Kinder den Namen der Mutter tragen müssten und keine Thronfolger werden würden. Franz Ferdinand hatte gesiegt.

Die Hochzeit fand am 1.7.1900 statt.

Kaiser Franz Joseph verbot an der Hochzeit des Sohnes teilzunehmen und verhängte eine lächerliche Staatstrauer einer nebensächlichen Tante.

Fürstin Josephine von Hohenzollern (*21.10.1813, †19.6.1900) war verstorben. 4(!) Tage später wurde eine 12tägige Hoftrauer angeordnet. So hatte der Wiener Hof die Ausrede nicht teilnehmen „zu dürfen“.

Marie Therese und die Stiefschwestern hielten sich jedoch nicht an dieses Verbot. Von Sophies Seite waren ihre Geschwister mit Ehepartnern anwesend.

Jetzt lernte Kaiser Franz Joseph den Sturkopf seiner Schwägerin kennen und noch viele solcher Einsätze sollten folgen.

8 Tage nach der Hochzeit schrieb Erzherzog Franz Ferdinand an seine Stiefmutter folgenden Brief:

Liebste Mama!

Endlich bißl in Ruhe gekommen nach Beantwortung zahlloser Telegramme – Briefe nach Einrichtung unserer Wohnung und Auspackung aller Sachen von Sophie ist es mir Erstes Dir einige Zeilen zu schreiben und Dir in meinem und Sophies Namen auch noch schriftlich von ganzem Herzen zu danken für all die unbeschreibliche Güte und Liebe die Du uns in Reichstadt bewiesen hast! 

Wir sind Dir bis an unser Lebens-Ende dankbar für Alles was Du für uns gethan hast für die zahllosen Beweise Deines goldenen mütterlichen Herzens. 

Ich fühle mich wie neugeboren. Sie schwärmt von Dir und redet nur Deiner Güte und Liebe. Ich habe vollkommen in meinem Inneren das Gefühl daß wir beide bis zu unserem LebensEnde unbeschreiblich glücklich sein werden. 

Gute liebe Mama, Du hast das Richtige getroffen, daß Du mir so geholfen hast! 

Der liebe Gott zu dem ich täglich 2mal in der Capelle mit Soph bete lohne Dir gute Mama Alles was Du für uns gethan. 

Ich umarme Dich und Die Schwestern küsse Dir die Hände und bin ewig

Dein

dankbarster Dich innigst liebender Sohn Franzi. 

9.Juli 1900 (1)

Foto: Wikimedia/Commons
Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Marie Therese liebte nicht nur ihren Franzi und Soph, wie Sophie liebevoll genannt wurde, sondern auch ihre Enkelkinder, die eigentlich ihre Sitefenkelkinder waren, wenn wir es genau betrachten würden.

Doch dieses Wort stand Marie Therese nie im Weg und deshalb sollte es auch hier nicht im Wege stehen.

Franz Ferdinand und Sophie wurden 3 wunderschöne Kinder geboren, die auf so tragische Weise zu Waisen wurden.

Das Unglück von Sarajevo traf Marie Therese und die Kinder hart.

Doch Zeit ihres Lebens hielt sie den Kontakt zu ihren Enkeln.

  • Sophie (*24.7.1901, †27.10.1990) geboren, war 13 Jahre alt
  • Maximilian (*29.9.1902, †8.1.1962) geboren, 12 Jahre alt
  • Ernst (*27.5.1904, †5.3.1954) geboren, 10 Jahre alt

Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Erzherzog Otto

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Maria Josepha

Dem Zweiten dem sie bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe half, war Erzherzog Otto, als er an Syphilis erkrankte und von der Familie schon lange verstoßen war.

Ottos „Bolla“ oder auch „der Schöne“ Lebensweg war dem eines Dandys.

Er genoss Dirnen, Alkohol, Tänzerinnerinnen und hatte mehrere uneheliche Kinder.

Seine Ehe mit Maria Josepha Prinzessin von Sachsen (*31.5.1867, †28.5.1944) war eine einzige Farce. Lediglich zwei Söhne wurden geboren.

Erstgeborener Karl (*17.8.1887, †1.4.1922) ging in die Weltgeschichte ein. Er wurde zu

Kaiser Karl I.

Bei der Geburt von Karl kam es beinahe zu einem Drama.

Maria Josepha überlebte die Geburt beinahe nicht, so dass sogar ein Priester für die Sterbesakramente gerufen wurde.

Otto vollkommen hilflos in dieser Situation verständigte seine Mutter und diese eilte zu der Sterbenden und half nicht nur ihrem Sohn mit dem Baby, sondern setzte sich an ihr Bett, betete mit ihr und spendete tröstende Worte. Tag und Nacht wachte sie bei ihrer Schwiegertochter, die sich so nach und nach von der Strapaz erholte.

Als sich dann noch Franzi in Sophie verliebte, war es ausgerechnet Otto, der sich gegen Franz wandte.

Trotzdem war dies für Otto kein Schuss vor den Bug.

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Marie Schleinzer

Kaum war Maria Josepha genesen, genoss er schon wieder seine außerehelichen Affären und ließ seine „Nonne“ wie er Maria Josepha nannte, mit dem Baby allein.

Er lebte offen mit seiner Geliebten, der Balletttänzerin Marie Schleinzer zusammen, mit welcher er zwei Kinder zeugte, die er öffentlich anerkannte.

Seine Frau wurde im eine vollkommen Fremde.

Marie Therese hielt trotzdem all die Jahre zu ihm.

Selbst als sich das Verhältnis zu Franzi zusehends verschlechterte, da plötzlich Otto ins Weltgeschehen des Thronerben blickte, als Franz Ferdinand erkrankte.

Franz voller Eifersucht und Hass auf Otto, der ihm den Thron nicht gönnte und Otto voller Sorge und Angst, der den gar nicht wollte.

Dies war das Ende der ansonsten guten Beziehung der Brüder. Auch wenn sich Marie Therese immer wieder einmischte und vermittelte, eine brüderliche Freundschaft konnte sie nicht mehr erwirken.

Ab 1900 war Ottos Syphilis offenkundig und sichtbar, weshalb man ihn zu Kuren ins Ausland schickte, doch die Lupusherde im Gesicht waren hier bereits so fortgeschritten und nicht mehr heilbar, dass er sich auf sein Schloss in Schönau an der Triesting zurückzog.

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Erzherzog Otto „Bolla“
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Louise Robinson
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Dr. Viktor Eisenmenger

Seine letzte Geliebte, Opernsängerin Louise Robinson (*8.1.1884, †1934) mit der er ebenfalls zwei uneheliche Kinder hatte und seine Mutter blieben bei ihm.

Letztere pflegte ihn so aufopferungsvoll, dass sich Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) um die Erzherzogin schwere Sorgen machte.

Zuerst fiel Otto die Nase ab, so dass er eine Nasenprothese brauchte, um besser atmen zu können.

Als es im Schloss Schönau nicht mehr ging und die Fahrt für Marie Therese zu anstrengend wurde, wurde in Wien Währing eine Villa angemietet.

In der Anton Frank-Gasse 20 wurde Otto heimlich untergebracht und so konnten die beiden Frauen dafür Sorgen, dass sie Tag und Nacht bei ihm sein konnten. Mit Otto ging es immer mehr bergab.

Als er kaum noch atmen konnte, musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden. Dabei wurde ihm eine Kanüle in den Hals geschoben. Das Sprechen fiel ihm unglaublich schwer, er konnte nur noch sitzen, weshalb er aus dem Bett gehoben und in einen Lehnstuhl gesetzt wurde.

So musste er Tag und Nacht verharren. Sobald der Kopf nach vorne sackte, drohte der Patient zu ersticken, weshalb sich Marie Therese und Louise abwechselten und die Tage und Nächte bei Otto verblieben und ihm den Kopf immer wieder gerade rückten.

Otto wurde gewaschen, gefüttert, gewickelt. Und das mit nicht einmal 40 Jahren. Seine Lupusherde waren nun überall am ganzen Körper ausgebrochen, der ganze Raum stank nach Wundbrand.

Marie Therese war so erschöpft, dass sich Dr. Eisenmenger schwere Sorgen um sie machte und ein Verbot aussprach sich weiter um Otto zu kümmern. Doch davon wollte sie nichts hören.

Sobald Otto drohte zu ersticken, wurde der Arzt gerufen und das Röhrchen wurde entfernt und ausgewechselt.

Eines Tages war der Erstickungsanfall so heftig, dass Dr. Eisenmenger zu spät kam.

Erzherzog Otto starb am 1.11.1906 im Beisein von Marie Therese – als einzige der Familie Habsburg – und Louise. Er war gerade einmal 41 Jahre alt.

Erzherzog Ferdinand Karl

Auch ihrem dritten Sohn Erzherzog Ferdinand Karl (*27.12.1868, †10.3.1915) half sie seine große Liebe zur bürgerlichen Hofratstochter Berta Czuber (*5.12.1879, †5.7.1979) durchzusetzen.

Doch hier versagten alle kläglich. Kaiser Franz Joseph blieb stur.

Die Konsequenzen waren für niemanden absehbar.

Ausgerechnet Erzherzog Franz Ferdinand widersetzte sich dieser Beziehung.

Kennengelernt hatten sich die beiden auf dem Technikerball und schon bald entstand eine Liason, denn Berta war eine ausgesprochene Schönheit und unglaublich gebildet.

Ihr Vater war Mathematikprofessor an der Technischen Universität.

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Berta Czuber
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Ferdinand Karl

Ferdinand Karl fiel weder als Thronfolger ins Gewicht, noch sonst irgendwie auf.

Sein Status im Habsburg Haus war:
er war anwesend.

Ansonsten hatte er einen militärischen Rang, hatte einige Repräsentationsaufgaben und sonst nichts zu tun.

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Maria de la Mercedes

Pläne zur Hochzeit gab es für den 32jährigen erst, als der Junggeselle partout alles ablehnte, was ihm vorgestellt wurde.

So z.B. die spanische Infantin Maria de la Mercedes (*11.9.1880, †17.10.1904), Tochter von Königin Maria Cristina (*21.7.1858, †6.2.1929) und König Alphons XII (*28.11.1857, †25.11.1885).

Königin Maria Christina war immerhin eine Habsburgerin und saß alleine auf dem spanischen Thron, da ihr Mann schon lange an Tuberkulose verstorben war. Doch Ferdinand Karl weigerte sich hartnäckig.

Franz Ferdinand fürchtete schwere Imageschäden fürs Kaiserhaus und schrieb an seinen Onkel einen Brief, in dem er die Beziehung untersagen wollte:

„Ich fürchte immer bei Ferdinand einen Coup de tête(**) und das wäre schrecklich, denn diese Czuber ist eine abgefeimte Canaille.“ (2)

Gerade Franz Ferdinand solle es besser Wissen.

Seine Sophie wurde am Hof geschnitten wo es ging.
Doch er stellte sich quer, wollte nichts hören und nichts sehen.

Hilfesuchend wand sich Ferdinand Karl an seine Mama.

Immer lauter und bösartiger wurden die Stimmen gegen Berta, von der im Kaiserhaus über ein unstetes Leben berichtet wurde.

Ferdinand Karl gab zu Recht nichts auf dieses gemeine Getratschte, kannte er den Wiener Hof nur zu gut.

Es hatte seine Tante Sisi aus dem Hause getrieben, die Zeit ihres Lebens vor dem Adel floh, da sie als „Landadel“ und nicht „gut genug für den Kaiser war“ (der Unterschied zur Erblinie „in“ und „von“ Bayern kann hier nachgelesen werden).

Auch hier intervenierte wieder einmal Mama Marie Therese. Doch je älter ihr Schwager wurde, desto verknöcherter und sturer wurde er.

Einzig zwischen Ferdinand Karl und Franzi konnte sie vermitteln und eine Versöhnung erreichen.

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Berta und Ferdinand Burg

Aus Trotz und Kummer fuhr das schwerverliebte Paar in die Schweiz nach Chur, wo sie am 15.8.1909 heimlich heirateten.

Danach ging das Paar auf Reisen. Ferdinand Karls Tenor lautete: Wenn sein Onkel von der Ehe mit der gebildeten und hübschen Hofratstochter erfahren wird, wird er klein beigeben.

Doch der Tenor blieb aus.

Die Rechnung wurde ohne dem Onkel gemacht.

Kaiser Franz Joseph war es gewohnt als erste Instanz zu gelten und nicht übergangen zu werden.

Als er von der heimlichen Hochzeit zwei Jahre später erfuhr, tobte er.

Den eigenmächtigen Schritt musste Ferdinand Karl teuer bezahlen.

Er wurde aus der Familie ausgeschlossen. Rang und Titel musste er abgeben, das Goldene Vlies verlangte sein Onkel zurück, aus den Jahrbüchern wurde er getilgt.

Lediglich eine jährliche Apanage stand ihm zu. Des Weiteren wurde Ferdinand Karl gebeten nie wieder nach Österreich zurückzukehren.

Die einzige die wieder einmal zu ihrem Sohn und weiterhin Kontakt hielt war seine Mama.

Das Paar Ferdinand und Berta Burg ließ sich in München und Meran nieder, wo sie die beiden immer wieder besuchte. Leider wurde Ferdinand Karl alsbaldig schwer krank. Die Lungenkrankheit seiner Mutter brach auch bei ihm aus.

Als sein Bruder und seine Schwägerin in Sarajevo erschossen wurden, intervenierte sie beim Kaiser und dieser erlaubte für die Begräbnisfeierlichkeit eine Rückkehr des Verbannten.

Ferdinand Karl war kaum noch wiederzuerkennen.
Er zählte erst 46 Jahre, sah aber aus wie ein Greis.

Er konnte sich kaum auf den Beinen halten, so dünn und ausgezehrt war er. Als es mit ihm zu Ende ging, rief Berta Marie Therese und diese eilte nach München und pflegte wieder einmal ihren Sohn bis zum Tode aufopferungsvoll und voller Liebe.

Im Beisein seiner geliebten Berta und seiner Mutter starb er friedlich am 10.3.1915 46jährig.

Marie Therese sorgte für die Überfahrt nach Obermais nach Meran, wo er in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Jahre später sollte Berta ihm folgen.

Erzherzogin Margarete Sophie

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Albrecht Herzog von Württemberg
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Margarete Sophie

Und auch ihr viertes Stiefkind Margarete Sophie beerdigte sie.

Margarete Sophie (*13.51870, †24.8.1902) wurde zuerst Äbtissin im Damenstift Prag, bevor sie sich zur Hochzeit mit Albrecht Herzog von Württemberg (*23.12.1865, †31.10.1939) entschloss.

Doch noch vor der Verlobung wurde Margarete Sophie schwer krank. Leider ist nicht herauszufinden, an welcher Krankheit sie litt.

Mama Marie Therese eilte auch an dieses Krankenbett und pflegte ihre Tochter bis sie wieder gesund war. Es dauerte monatelang.

Am 24.1.1893 konnte im Beisein von Kaiser Franz Joseph in der Hofkapelle der Hofburg Wien die Hochzeit gefeiert werden.

7 Kinder wurde dem Paar geboren, bevor sie am 24.8.1902 in Gmunden 32jährig starb. Leider ist auch hier nicht überliefert an was Margarete starb.

Franz Ferdinand war untröstlich seine geliebte Schwester zu verlieren.

Marie Therese hatte im Laufe der Zeit zwischen 1902 und 1914 alle ihre Stiefkinder begraben und trotzdem ihren Glauben nicht verloren.

Nun blieben ihr nur noch ihre Enkelkinder und ihre beiden eigenen Töchter.

Erzherzogin Maria Annunziata „Miana“

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Maria Annunziata und Siegfried Herzog in Bayern
Verlobung in Possenhofen

Maria Annunziata wurde eine äußerst enge Vertraute von Kaiser Franz Joseph.

Sie verlobte sich mit Siegfried in Bayern (*10.7.1876, †12.3.1956) einem Sohn von Max Emanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893), einem Bruder von Kaiserin Elisabeth.

Doch Siegfried zeigte auf der Verlobungsfahrt nach England ein absonderliches Verhalten, so dass Maria Annunziata noch während der Fahrt ihren Onkel bat die Verlobung wieder auflösen zu dürfen.

Siegfried war 1899 vom Pferd gefallen und zeigte seit dem schwere Auffälligkeiten.

Er schrie, zog sich in der Öffentlichkeit aus, pinkelte in die Kajüte oder aufs Essen, onanierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit, auch in der Öffentlichkeit und bot generell einen traurigen Anblick, obwohl er ein sehr hübscher Mann war.

Kaiser Franz Joseph gewährte die Bitte und so wurde diese gelöst und Maria Annunziata kam zurück.

Sie verlobte sich nie mehr, obwohl sie als sehr große Schönheit galt.

Sie wurde die Erste Dame am Wiener Hof, eine schwierige Aufgabe, die schon ihre Mutter übernommen hatte, als diese noch verheiratet war.

Maria Annunziata war es auch, die Karl und Prinzessin Zita von Bourbon Parma (*9.5.1892, †14.3.1989) verkuppelte.

Maria Annunziata und Kaiser Franz Joseph standen sich so nahe, dass er sie sogar ins Vertrauen über die Mayerling Affäre zog.

Sie nahm die Geschichte mit ins Grab.

Erzherzogin Maria Annunziata starb am 7.4.1961 in Vaduz und ruht in Vaduz bei ihrer Schwester.

Erzherzogin Elisabeth Amalie

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie und Alois von und zu Liechtenstein

Elisabeth Amalie Eugenia ehelichte Alois von und zu Prinz Liechtenstein, dem sie in jede Garnison nachfolgte.

Sie war eine Autonärrin und sammelte diese. Insgesamt 8 Kinder wurde dem Paar geboren.

Sie begleitete ihren Mann zu den Garnisonen und ging gerne Jagen. 1909 erbte ihr Mann das schloss Ullersdorf in Mähren, wo sich die Familie niederließ.

1923 verzichtete Alois auf den Thron in Liechtenstein und übergab diesen an seinen Sohn Franz Josef. Im 2. Weltkrieg holte dieser seine betagten Eltern nach Liechtenstein.

Elisabeth von und zu Liechtenstein starb am 13.3.1960 81jährig in Vaduz.

Foto: SHB
Kaiser Franz Joseph 

Erzherzogin Marie Therese war von Anbeginn nach Kaiserin Elisabeth die Erste Dame am Wiener Hof.

Als Kronprinz Rudolf, der seine Tante sehr verehrte und liebte, Kronprinzessin Stephanie ehelichte, wurde Marie Therese von dieser abgelöst.

Als sich Rudolf umbrachte, fiel die Aufgabe wieder Marie Therese zu, denn eine Witwe konnte und durfte nicht Erste Dame des Landes sein.

Als ihr Mann Erzherzog Karl Ludwig starb benahm sich der Wiener Hof absonderlich.

Zuerst umwarb man sie nach Rudolfs Tod als zukünftige Kaiserin und kroch ihr beinahe in den Allerwertesten, da nach Kaiser Franz Joseph Erzherzog Karl Ludwig als Thronfolger feststand.

Als dieser 1896 starb war es mit den Plänen „Kaiserin Marie Therese“ vorbei und die Höflichkeit des Hofes hatte ein Ende.

Die Aufgabe der Ersten Dame fiel nun Erzherzogin Maria Josepha zu. Sie war die Ehefrau von Erzherzog Otto „Bolla“ und Mutter von Karl, obwohl als Thronfolger Franz Ferdinand feststand.

Nun kamen die Pläne der Heiratsvermittler auf dem Plan.

Da sich Kaiser Franz Joseph und seine Schwägerin Marie Therese außerordentlich gut verstanden und sich beide sehr schätzten, wollte man, dass die beiden sich verheiraten.

Dies hätte auch den Mittel zum Zweck gehabt, dass Franz Ferdinand „quasi“ der Sohn von Kaiser Franz Joseph werden konnte und als „Kronprinz“ anerkannt werden könnte.

Doch Marie Therese lehnte diese Pläne ab.

Als 1906 Erzherzog Otto starb war auch die Zeit für Erzherzogin Maria Josepha als Erste Dame des Hauses vorbei und Tochter und Vertraute von Kaiser Franz Joseph Erzherzogin Maria Annunziata trat an diese Stelle.

Diese verschaffte nicht nur wieder das hohe Ansehen für ihre Mutter zurück, sondern hielt auch wie üblich den ersten Teetisch.

Jede Erste Dame des Hofes hatte nicht nur beim Hofball den Circle zu leiten, sondern auch den Ersten Teetisch über.

Da Kaiserin Elisabeth diese Aufgabe zuwider war, überließ sie mit Freude diese Aufgabe Marie Therese, nach deren Tod übernahm dies natürlich zuerst Maria Josepha, danach bis zum Monarchie Ende Maria Annunziata.

Marie Therese war eine Befürworterin des Roten Kreuzes, welches sie tatkräftig mit Spenden und persönlichen Besuchen unterstütze.

Ihre eigene Tochter Maria Annunziata arbeitete bei Erzherzogin Maria Josefa im Palais Augarten und widmete sich den Kranken und Verwundeten. Um nicht erkannt zu werden, haben viele Erzherzoginnen „bürgerliche Namen“ gewählt.

Foto: collections.nlm.nih.gov
Marie Therese als Schwester Michaela

Marie Therese wählte den Namen „Schwester Michaela“ (dieser Name findet sich in ihrem Taufnamen weit hinten).

Sie meldete sich im Vereins-Reservespital Nr. 2 in der Hegelgasse Wien 1. Sie arbeitete als Oberkrankenschwester und half bei Operationen mit.

Sie ließ keinen Dienst aus, war stets freundlich und pflegte aufopferungsvoll und voller Hingabe und trug immer ihre Schwesterntracht.

Foto: Wikimedia/Commons
Maria Antonia von Portugal

Aber nicht nur in Wien versah sie ihren Dienst, sie ging auch direkt an die Front.

Vor allen die schwer gefürchteten Isonzofronten hatten es ihr angetan. Sie benutzte die Straßen, die unter schweren Beschüssen standen, sammelte Verwundete auf und verlor nie den Mut, waren die Verletzungen – vor allem Kopfverletzungen noch so grausam und schwer.

Zahlreiche Auszeichnungen bezeugen ihre Kriegseinsätze, doch auf diese legte sie keinen Wert.

Bevor Kaiser Franz Joseph entschlief war sie in Österreich zurück, um auch hier bei der Familie zu sein.

Sie begleitete ihren Schwager auf seinem letzten Weg, der hier nachgelesen werden kann.

Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Sie sah wie ihr Enkel Kaiser Karl und ihre Nichte Zita den Thron übernahmen.

Ihre Schwester Maria Antonia Infantin von Portugal (*28.11.1862, †14.5.1959) war immerhin die Mutter von Zita und somit war Marie Therese ihre Tante.

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Marie Therese als Witwe

Als das Ende der Monarchie eingeläutet wurde, befand sich „Schwester Michaela“ an der Südfront um im Lazarett zu helfen.

Sie hörte von Karls Debakel in Österreich und wollte nach Wien, um ihren Enkel zu helfen.

In Deutschland kam sie nicht weiter, da man ihr vorwarf, den Bündnispartner Deutschland nicht wertzuschätzen.

Erzherzogin Marie Therese musste Beweise antreten, dass sie in Deutschland geboren wurde und ihre Mutter eine Deutsche Adelige war.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Unter diesen schwierigen Umständen gar nicht so einfach. Als sie Deutschland verlassen durfte, war ihr Enkel und Zita mit den Kindern bereits über alle Berge.

Sie ging nach Wien zurück, wo sie in einer kleinen 3 Zimmer Wohnung lebte. Ihr gesamtes Personal musste sie entlassen das Palais war im Begriff verkauft zu werden. Die einst so reiche Marie Therese besaß kaum noch etwas. Doch auch jetzt beklagte sie sich nicht.

Am 3.4.1919 verkündete die Republik Österreich das Adelsaufhebungsgesetz.

Daraufhin verließen Erzherzogin Marie Therese und ihre Tochter Erzherzogin Maria Annunziata Österreich in Richtung Schweiz.

Dort erfuhren sie, dass auch Karl und Zita in der Schweiz angekommen waren.

Nun versuchte Kaiser Karl seine Restaurationsversuche, die allerdings allesamt scheiterten.

Nun zog man sich aber den Unmut der Schweiz zu, die sich verraten fühlte und die gesamte Familie auswies.

Maria Annunziata zog zu ihrer Schwester nach Liechtenstein, Maria Josepha, die Mutter von Karl ging nach Deutschland zurück.

Einzig Marie Therese durfte bleiben.

Sie behielt die Kinder von Zita bei sich, um ihnen ein sicheres Leben zu geben.

Aus Madeira erhielt sie Post und erfuhr, dass das Paar in Funchal gelandet war.

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Robert von Habsburg

Als Robert (*8.2.1915, †7.2.1996) an einer schweren Blinddarmentzündung erkrankte, verständigte Marie Therese Zita.

Diese durfte auf Bitten und Drängen bei den Behörden von Marie Therese für 14 Tage das Land Schweiz unter polizeilicher Bewachung wieder betreten.

Als der Kranke noch nicht geheilt war, musste Zita ohne ihrem Kind das Land wieder verlassen.

Diesmal fuhr Marie Therese mit, um Zita eine Stütze zu sein.

Erst am 2.3.1922 konnte Robert mit Gräfin Kerssenbrook, die bei ihm geblieben war, nach Madeira nachkommen.

Doch auch auf Funchal ging alles schief, was nur schief gehen konnte und so musste sie auch ihren Enkel alsbaldig begraben.

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alle Kinder von Karl und Zita

Während es in der Hauptstadt warm und sonnig war, wurden Zita, Karl und die Kinder, welche zu diesem Zeitpunkt bereits geboren waren,

  • Otto von Habsburg (*20.11.1912, †4,7.2011), Österreichs letzter Kronprinz
  • Adelheid (*3.1.1914, †2.10.1971)
  • Robert (*8.2.1915, 7.2.1996)
  • Felix (*31.5.1916, †6.9.2011)
  • Carl Ludwig (*10.3.1918, †11.12.2007)
  • Rudolph (*5.9.1919, †15.5.2010)
  • Charlotte (*1.3.1921, †23.7.1989)

in einem zugigen Haus ohne Licht, Heizung und Wasser nur im Erdgeschoss auf dem „Monte“ untergebracht.

Die eigene Bevölkerung mied im Winter diesen Berg.

Die Dienerschaft, die das Kaiserpaar ebenfalls begleitet hatte, schlug die Hände über den Kopf zusammen, ob des schlechten Zustandes dieses Hauses. Ein Diener fasste sich ein Herz und warnte Marie Therese vor dem Haus, die jedoch bei Karl auf taube Ohren schlug.

Da die Familie kein Geld mehr besaß und sich das Hotel nicht mehr leisten konnte, war man auf die Almosen und Hilfe des Volkes angewiesen. Das Haus wurde dem Paar zur Verfügung gestellt. Das Schicksal schlug unbarmherzig zu.

Kaiser Karl verkühlte sich und konnte sich in dem zugigen, von Schimmel belasteten Haus nicht erholen.

Wieder war es Marie Therese die Tag und Nacht am Krankenlager des Kranken saß, der von Fieber geschüttelt wurde und dem es immer schlechter ging.

Er bat seine mittlerweile wieder schwangere Frau Zita zu sich und bat sie bei König Alfonso XIII in Spanien um Hilfe anzusuchen. Außerdem musste sie ihm versprechen, alles mögliche zu versuchen, das Kaiserreich zurückzuerobern.

Noch am selben Tag starb Kaiser Karl im Beisein seiner Großmutter 34jährig am 1.4.1922.

Nun machte sich Marie Therese also mit der hochschwangeren Zita auf den beschwerlichen Weg von Portugal nach Spanien.

Königin Maria Cristina, eine Großcousine von Kaiser Franz Joseph und ihr Sohn König Alfonso XIII (*17.5.1886, †28.2.1941) nahmen sie im El Pardo Palast in Madrid bereitwillig auf.

Hier brachte Zita ihr letztes Kind Elisabeth Charlotte (*31.5.1922, †6.1.1993) zur Welt.

Während die Familie in Spanien blieb, hieß es für Marie Therese Abschied zu nehmen.

Sie wollte zu ihrer Tochter Maria Annunziata nach Österreich zurück, die zwischenzeitig wieder aus Liechtenstein zurück war.

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Therese im Alter

Das genaue Datum des Übertritts ist nicht bekannt, allerdings half ihr Polizeipräsident Schober nach Wien zurück.

Weder Marie Therese, noch ihre Tochter Maria Annunziata mussten auf ihren Titel „Erzherzogin“ verzichten. Sie stellten für die Republik Österreich keine Gefahr dar.

Zur großen Überraschung konnte ihre Familie das Palais Erzherzog Carl Ludwig (er)halten, weshalb Maria Annunziata und Marie Therese zurückkehren konnten. Sogar vom Personal kamen einige zurück und halfen der mittlerweile betagten Dame im Haushalt.

Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor und Maria José in Bayern

Durch ihre Tätigkeit beim Roten Kreuz gingen viele Ärzte im Palais Ein und Aus.

Auch der „Adel“ von Wien kam ins Palais und Marie Therese stieg quasi wieder zur Ersten Dame der Gesellschaft auf.

Ihre Sommermonate verbrachte sie mit ihrer Schwester Maria José Herzogin in Bayern (*19.3.1857, †11.3.1943) in Gastein, welche den Bruder von Kaiserin Elisabeth Karl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) geheiratet hatte.

1938 erlebte sie noch wie ihre beiden geliebten Enkel Max und Ernst von Hohenberg ins Konzentrationslager Dachau gebracht wurden.

Die von Hohenbergs waren die Kinder von Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie. Während Max auf Intervention seiner Frau nach einem halben Jahr frei kam, musste Ernst 5 Jahre verschiedene Konzentrationslager erdulden.

1944 erlebte sie noch die Freilassung und konnte – Ernst einigermaßen gesund – wieder in die Arme schließen.

Vom Glanz und Gloria der Habsburg-Zeit, der Wiener Hofbälle, Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph, das tragische Ende ihres Neffen Rudolf, bis hin zum Fall der Monarchie, 4 Kinder und einen Enkel begrub sie, Entbehrungen und viel Leid ertrug Marie Therese mit Würde und Stolz, Haltung und viel Eleganz.

Kein Klagen kam je über ihre Lippen. Sie war durch und durch eine Dame und durch und durch die gute Seele des Hauses Habsburg, das ihr viel zu verdanken hatte.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Wandnische, Erzherzogin Marie Therese, Kapuzinergruft

Erzherzogin Marie Therese erlebte das Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr.

Sie starb am 12.2.1944 88jährig im Beisein ihrer Töchter Erzherzogin Maria Annunziata, Prinzessin Elisabeth Amalie von und zu Liechtenstein, Max und Ernst Hohenberg in ihrem Palais Erzherzog Carl Ludwig.

Der Nazi-Reichsstatthalter und Gauleiter von Wien Baldur von Schirach hätte ihr beinahe das ordentliche Begräbnis in der Kapuzinergruft verweigert.

Ihr Schwiegersohn Alois von und zu Liechtenstein erwirkte die Erlaubnis und so konnte sie mit allen Ehren einer Erzherzogin ihre letzte Ruhestätte in der Kapuzinergruft antreten. Sie ruht heute in einer Wandnische.

– Petra – 

Foto: Wikimedia/Commons
Unterschrift von Erzherzogin Marie Therese

Fußnoten: 

(*) In jedem (!) historischen Buch ist zu lesen, dass Erzherzog Karl Ludwig, bei der Hochzeit 44 Jahre alt war. Dies stimmt ob seines Geburtsdatums nicht. Er stand ganz knapp vor seinem 40. Geburtstag. 

(**) Coup de tête – aus einer Laune heraus; eine Entscheidung betreffend


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra Schimbäck
Recherchen: Petra Schimbäck
Stammbaum: Petra Schimbäck
Fotorechte: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, collections.nlm.nih.gov, planet-wissen.com, albertmilde.com, ÖNB, schloss-artstetten.at, geneall.net


Literatur Hinweise:

1 – S. 38
Norbert Nemec
Marie Therese von Braganza
Der gute Geist im Hause Habsburg
Editions Praesens, 1. Auflage, 2000 (nur antiquarisch erhältlich)

2 – S. 88
Diana Carmen Albu-Lisson
„….denn…[sie]…ist eine abgefeimte Canaille…“
Kral-Verlag, 2013, 1. Auflage

Sabine Fellner, Katrin Unterreiner 
Morphium, Cannabis und Cocain 
Amalthea Verlag, 2008, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Gabriele Praschl-Bichler 
Kinderjahre Kaiser Karls – Aus unveröffentlichten Tagebüchern seines Großvaters
Amalthea Verlag, 2014, 1. Auflage 

 

Erzherzogin Maria Anna „Ännchen“

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Foto: Wikimedia/Commons 
Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia
Lithographie Josef Kriehuber, 1837

Kaum jemand weiß, dass Kaiser Franz Joseph eine kleine Schwester hatte. Um sie nicht ganz der Vergessenheit Preis zu geben, erzähle ich hier ihre traurige Geschichte. 

Foto: kunst-fuer-alle.de
Erzherzogin Sophie
Bild: Johann Nepomuk Ender
nach Josef Carl Stieler
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Franz Karl

Maria Anna Karolina Pia, von allen nur liebevoll „Ännchen“ genannt, wurde am 27.10.1835 in der Wiener Hofburg geboren.

Wäre die kleine Erzherzogin Maria Anna, in Geschichtsbüchern auch Maria Anna Pia, Anna Pia, Anna, oder manchmal auch seltsamerweise Karolina genannt, am Leben geblieben, wäre sie die um 2 Jahre ältere Schwägerin von Kaiserin Elisabeth geworden.

Die Eltern Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl sollten viel Leid erfahren, bevor die Kinder auf die Welt kamen.

Sie war der Sonnenschein der gesamten Familie und wurde von allen umhegt und umpflegt.

Das Kind war äußerst liebreizend und wurde von jedem sofort in die Arme genommen. Entgegen der guten Sitten damals und wie schon bei Franzi (Joseph), Lieblingssohn (Ferdinand) Max(i) und Karl(i) Ludwig, stillte Sophie auch das Mädchen selbst.

Ännchen entwickelte sich prächtig. Sie hatte einen ausgesprochenen Lebenswillen und war ein sehr hübsches und quirliges Mädchen.

Sophie und alle ihr nahestehenden Personen liebten Ännchen aus vollem Herzen, auch die drei großen Brüder waren von ihrer kleinen Schwester begeistert. 

Foto: oldthing.de
Franzi (am Schaukelpferd), Max (kniend), Ännchen und Karl Ludwig

Foto: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Sophie reiste mit der 2jährigen Maria Anna nach Bayern und schrieb glückselig in ihr Tagebuch:

Ännchen hat sehr viel succès hier – man treibt es rasend mit ihr…“ (1)

Sophie war glücklich über ihre sehr hübsche Tochter und schrieb an ihre Mutter, welche im Schloss Tegernsee lebte :

…dass ich Ihnen Anna jetzt nicht zeigen kann – sie ist liebenswürdiger, viel hübscher als in Tegernsee und so dick, dass Franzi unlängst vor Coudenhove sagte – was mich ganz glücklich machte – sie hätt‘ Auswüchse an der Brust und alle Frauen hätten es so….“  (2) (Anmerkung Petra: Franz Joseph war zu diesem Zeitpunkt erst 7 Jahre alt; er war der spätere Kaiser).

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Caroline
Sophies und Ludovikas Mutter

Maria Anna war ein aufgewecktes, fröhliches Kind, das keinerlei Scheu vor fremden Personen hatte.

Doch leider erkrankte Ännchen bald darauf schwer. Sie bekam Krämpfe und Fieber und die Hofärzte waren sich weder einig, noch intelligent genug die Gefahr zu erkennen.

Auch hier trat wieder die Habsburgische Heiratspolitik zu Tage. Epilepsie war eine gängige Erkrankung im Kaiserhaus. Doch die Krämpfe und Fieberanfälle wurden auf das „Zahnen“ zurückgeführt. Wie sehr sich sowohl Sophie, als auch die Ärzte täuschen würden…

Ännchen erholte sich von diesen Krämpfen und entwickelte sich weiter. Bis zu ihrem 4ten Lebensjahr gibt es keine weiteren veröffentlichten Aufzeichnungen.

Im Winter 1839/40 erkrankte Anna nochmals schwer. Die Ärzte waren sich so derartig uneinig über die Behandlung, dass man Anna die wunderschöne Haarpracht abrasierte und ihr Blutegeln anlegte.

Das arme Kind quälte sich mit hohem Fieber und Krämpfen. Eine kleine Besserung war Ende Jänner zu sehen, da Anna aufstehen durfte und sogar ihrer geliebten Mutter zum Geburtstag gratulieren durfte und konnte.

Foto: Wikimedia/Commons
Dr. Johann Malfatti

Doch der Rückfall war verherrend.

Vor allem der unfähige Hofarzt Dr. Johann Malfatti (*12.6.1775, †12.9.1859) erkannte weder die Krankheit, noch die Gefahr und behandelte die schweren Fieberschübe mit den üblichen Hausmitteln.

Dr. Malfatti stritt sich sogar mit den anderen Ärzten, die alle leider weder Ahnung, noch ihren Stolz hinunterschlucken konnten, um einen Homöopathen hinzuzuziehen.

Foto: Albertina.at
Erzherzog Maria Anna Karolina Pia am Totenbett
Lithografie Josef Kriehuber

Sophie wachte Tag und Nacht an dem Bett ihrer kleinen, immer schwächer werdenden Tochter und weinte bittere Tränen, als Ännchen am 5.2.1840 unter furchtbaren Krämpfen den Kampf für immer verlor. Sie starb in ihren Armen.

Sophie war untröstlich. Die vielen Fehlgeburten hatten ihr viele Kräfte geraubt, ihre Gesundheit war angegriffen und der Tod der Tochter sollte sie für immer verändern.

Erzherzogin Sophie übergab den Leichnam der kleinen Anna den Kapuzinern, ließ ihn aber – wie für Habsburg üblich – nicht zerstückeln.
Nur der Kopf wurde geöffnet und angeblich wurde Wasser darin gefunden.
Was auch immer das bedeuten sollte.

Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia ruhte in der Kapuzinergruft, Ferdinandsgruft Grab Nr. 11. 

Bei der letzten Renovierung wurden die sterblichen Überreste von Maria Anna, gemeinsam mit anderen Kindern, in einem Mauerabteil begraben.

Eine gemeinsame Grabplatte erinnert an die toten Kinder. Wer genau liest, wird auch den Namen von Sophie entdecken. Sie war die Tochter von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth.

– Petra –

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Grabplatte, Erzherzogin Maria Anna, Kapuzinergruft

Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Petra Schimbäck
Recherchen: Petra Schimbäck
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Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Weiterführende Links:

Bruder Erzherzog Ludwig Viktor „Luzi-Wuzi“
https://mythoskaiserinelisabeth.com/category/brueder-des-kaisers/erzherzog-ludwig-viktor-luzi-wuzi/


Literatur Hinweis:

1 S.71, 2 – S.71
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe