Kaiserin Elisabeth – als Mutter

Foto: Golfhotel Kaiserin Elisabeth Feldafing
Kaiserin Elisabeth

Vorwort:

Oftmals entstehen auf Facebook hitzige Diskussionen, wenn es um die Eignung Elisabeths als Mutter geht.

Viele Followerinnen bzw. Leserinnen sind der Meinung, dass Kaiserin Elisabeth eine schlechte Mutter war.

Ich halte dagegegen.

Viele von ihnen, sehen die Mutterschaft mit dem Auge und überkompensieren das mit dem Zustand von Heute.

Eine Mutter im 19. Jahrhundert hatte jedoch nicht den Stellenwert, wie es eine Mutter im 21. Jahrhundert hat. Dieses Phänomen begleitet uns erst so richtig seit den 1950er Jahren.

Ich habe schon in den Berichten zu Herzogin Ludovika (hier) und Erzherzogin Sophie (hier) versucht zu erklären, wie eine Mutterschaft im 19. Jahrhundert aussah.

Bei Kaiserin Elisabeth kam noch hinzu, dass sich ihre Tante und Schwiegermutter derartig ins Geschehen einmischte und sie die Trauer über ihre verstorbene Tochter, noch dazu schwanger, nicht verwand, dass sie aufgab. Danach entfremdete sie sich von ihren Kindern und konnte das Versäumte nie wieder aufholen. Was sie bei Gisella und Rudolf falsch machte, wollte sie bei Marie Valérie richtig machen: deshalb ließ sie Erzherzogin Sophie nicht mehr an ihre Tochter.

Doch um dem Ganzen ein Bild zu geben, beginne ich meine Geschichte von Anfang an.

Ein kleiner Hinweis vorab:
Dieser Beitrag dient als Vorabgeschichte zu den jeweiligen Beiträgen zu den Kaisertöchtern und dem Kronprinzen die noch folgen werden.

Er dient als Gesamteindruck für die Eignung Elisabeths als Mutter.

Viel zum Mythos der liebenden und verhätschelnden Mutter, haben natürlich auch die Sissi-Filme mit Romy Schneider beigetragen. Immer wieder ist das Entsetzen groß, wenn man bei mir liest, dass Elisabeth ihre Töchter (bis auf Marie Valérie) nicht so verwöhnt und verhätschelt hat, wie dies in dieser Trilogie gezeigt wird.

Elisabeth als Mutter

Nach der Verlobung (hier) und der aufwändigen Hochzeit (hier) war die einzige Pflicht, die Kaiserin Elisabeth hatte, ein Kind zu bekommen.

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie Gräfin von Esterházy

Die Flitterwochen verbrachte das junge Paar im Schloss und Schlosspark Laxenburg, welches Elisabeth zwar ans Herz wuchs, sie allerdings auch an Einsamkeit beinahe zu Grunde gehen ließ.

Foto: Schloss Laxenburg
Schlosspark Laxenburg mit der Franzensburg

Kaiser Franz Joseph hatte kaum Zeit für seine junge schöne Braut und so musste sie sich mit den ihr völlig fremden Hofdamen begnügen, allen voran die verhasste Erzherzogin Sophie Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha, bekannt als „Gräfin Esterházy“ (*5.9.1798, †17.6.1896).

Pünktlich um 5.00 Uhr früh verließ der junge Kaiser Laxenburg, fuhr mit der Kutsche zurück nach Wien, entweder in die Hofburg oder nach Schloss Schönbrunn, um an seinem Schreibtisch Staatsgeschäfte zu verrichten und kam erst abends zum Diner, welches um 18.00 Uhr serviert wurde, zurück.

Elisabeth blieb allein. Also allein in ihrem Kummer.

Denn vollkommen fremde Personen hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das junge, verschüchterte, von Heimweh geplagten Mädchen zu zähmen und die Hofetikette einzudrillen.

Von Erzherzogin Sophie beauftragt, wurde jeder Fauxpas, den die junge Kaiserin betrieb, an diese gemeldet.

Kein Reiten ohne Begleitung, kein Spazieren gehen ohne neugierige Blicke ihrer ihr fremden Hofdamen. Sogar am Abend, während des Diners, durfte sie mit ihrem Mann nicht alleine Speisen. Flügeladjutant Hugo von Weckbecker (*1820, †1866) wurde neben Elisabeth platziert, damit die schüchterne Kaiserin endlich sprechen lerne.

Eine Kaiserin habe schließlich die Gäste des Kaisers charmant zu unterhalten. Und auch hier war Sophie von Esterházy stets an Elisabeths Seite. Jeder Fehler wurde sofort korrigiert. Auch coram publico. Ich glaube, es kann sich jeder selbst vorstellen, wie unangenehm dies ist.

Vierzehn Tage nach ihrer Hochzeit, schrieb sie verzweifelt in ihr Tagebuch:

Es kehrt der junge Frühling wieder
Und schmückt den Baum mit frischen Grün
Und lehrt den Vögeln neue Lieder
Und macht die Blumen schöner blüh'n. 


Doch was ist mir die Frühlingwonne
Hier in dem fernen, fremden Land?
Ich sehn' mich nach der Heimat Sonne, 
Ich sehn' mich nach der Isar Strand. (1)

Auch die ersten Wehklagen über ihre verlorene und einzig wahrhaften Liebe kamen wieder ans Tageslicht. Wir erinnern uns an ihren Jugendfreund Richard, der ihr seitens ihrer Mutter entrissen wurde. Die glücklichen Kindertage könnt ihr hier nachlesen.

Nur einmal konnt ich wahrhaft lieben
Es war das erstemal. 
Nichts konnte meine Wonne trüben
Bis Gott mein Glück mir stahl...

Nur kurz warn diese schönsten Stunden, 
Nur kurz die schönste Zeit. 
Nun ist mein Hoffen all entschwunden, 
Ihn geb ich nicht in Ewigkeit. (2)
Foto: Wikimedia/Commons
Marie von Festetics

Viel später kehrte sie mit ihrer Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923) zurück und zeigte ihr den Schreibtisch, an dem sie stundenlang Briefe und Gedichte schrieb und sich die Seele aus dem Leib weinte.

Marie von Festetics notierte in ihr Tagebuch:

„Elisabeth ging von Zimmer zu Zimmer – sagte von jedem, was es war – aber ohne näheren Commentar, bis Sie endlich in einem Eckzimmer stehen blieb, wo ein Schreibtisch zwischen Fenstern stand u. ein Schreibsessel davor; lange stand Sie mäuschentill da – plötzlich sagte Sie: … Hier habe ich viel geweint, Marie. Allein der Gedanke an diese Zeit preßt mein Herz zusammen. Hier war ich nach meiner Hochzeit… Ich fühlte mich so verlassen, so einsam. Der Kaiser konnte tagsüber natürlich nicht hier sein, er ist täglich in der Früh nach Wien gegangen. Um sechs Uhr ist er zum Diner zurückgekehrt. Bis dahin war ich den ganzen Tag allein und hatte Angst vor dem Augenblick, da Erzherzogin Sophie kam. Denn sie kam jeden Tag, um jede Stunde zu spionieren, was ich tue. Ich war ganz à la merci dieser ganz bösartigen Frau. Alles war schlecht was ich tat. Sie urteilte abfällig über jeden, den ich liebte. Alles hat sie herausbekommen, weil sie ständig gespitzelt hat. Das ganze Haus hat sie so gefürchtet, daß alle zitterten. Natürlich haben sie ihr alles mitgeteilt. Die kleinste Sache war eine Staatsaffäre…“ (3)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie

Elisabeth, welche in Possenhofen immer vor Gesundheit strotzte, wurde labil.

Ihre Stimmungsschwankungen waren enorm. Ihr Leiden wurde täglich mehr. Erzherzogin Sophie nahm dieses Leiden als Kränkung auf. Sie selbst, die immer Kaiserin werden wollte, musste zusehen, wie dieses Kind die Stellung die man ihr auftrug als Bürde ansah. Erzherzogin Sophie (*27.1805, †28.5.1872) kümmerte die instabile Lage ihrer Schwiegertochter nicht.

Sie sah nur das glückliche Gesicht ihres Sohnes und schrieb Briefe an ihre Schwestern nach Bayern und Sachsen, wo sie vom „glücklichsten Ehepaar aller Zeiten“ schrieb.

Auch die Flitterwochen erwähnte sie als

„ländliche Idylle“ und „herzerquickender Anblick der beiden glücklichen Kinder“.

Kaiserin Elisabeth sah dies jedoch ganz anders. Auch Erzherzogin Marie Valérie schrieb später darüber in ihrem Tagebuch.

Nach dem „ländlichen Idyll“ der Flitterwochen, fingen die Pflichten der jungen Kaiserin an. Die erste Reise des Kaiserpaares führte Anfang Juni nach Mähren und Böhmen, wo ihnen ein wohlgesonnenes Volk entgegen winkte.

Foto: Wikimedia/Commons
Carl Graf von Grünne
Foto: Wikimedia/Commons
Dr. Johann Nepomuk Seeburger

Elisabeth sollte als erstes Böhmisch lernen, doch die Sprache war ihr verhasst, weshalb es außer dem Zählen bis 10 nicht recht voranging. Auch hier reiste das Paar natürlich nicht allein.

Neben dem Flügeladjutant, reiste auch das Militär mit, Leibarzt Freiherr Dr. Johann Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) , Graf Karl Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884) und natürlich die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister Ihrer Majestät, sowie zwei Hofdamen und ein Sekretär.

All diese Personen brachten natürlich wiederum ihre Diener, Friseure und Lakaien mit. Auch das Dienstpersonal des Kaiserpaares durfte nicht fehlen. Ein Tross der Unendlichkeit ritt dem Kaiserpaar voraus und hinten nach.

Ziemlich befremdlich für eine 16jährige, die gerade einmal ein paar Wochen Kaiserin war.

Elisabeth trat als charmante und liebreizende Kaiserin auf, deren Art mit den „einfachen“ Leuten zu sprechen auffiel.

Die Hoffnung stieg bei Hofe, dass aus ihr doch noch einmal eine gute Kaiserin werden möge, die sich dem sozialen Engagement annehmen würde.

Auf dieser Reise wurde sichtbar, dass Elisabeth mit Böhmen und der böhmischen Aristokratie, die immerhin auch in Wien den Ton angab, nichts anfangen konnte.

Hauptsächlich waren sie es, die über die einfache herzögliche Abstammung die Nase rümpften und Elisabeth in allen Belangen auslachten. Kein Adel war ihr weniger Wohlgesonnen als der Böhmische. Immerhin waren dies aber die bekanntesten Namen des Landes: Schwarzenberg, Waldstein, Lobkowitz, Kinsky, Khevenhueller, Liechtenstein, Auersperg und einige andere.

Foto: habsburger.net
Kaiser Ferdinand
Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Maria Anna

Ein kleiner Höhepunkt der Reise sollte der Besuch beim abgedankten Kaiser Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) und Kaiserin Maria Anna (*19.9.1803, †4.5.1884) werden, welche nun in Prag lebten.

Der kleine, gutmütige Mann, dessen Kopf schief auf seinem Körper hing, stundenlang Domino spielte und mit seinem Neffen Franz Joseph wenig anfangen konnte, freute sich über den Besuch der hübschen Nachfolgerin seiner Frau. Maria Anna war ebenfalls entzückt, hatte aber am Wiener Hof nichts mehr zu melden.

14 Tage sollte die Reise dauern, welche an Strapazen kaum zu überbieten war.

Doch zurück in Wien, wurde Elisabeth keine Ruhe gegönnt.

Fronleichnam stand vor der Türe, weshalb eine große Prozession geplant war.

Elisabeths Einwand noch nicht alt genug für diese Bürde zu sein, wurde abgeschmettert. Obwohl ihr die Verbindung Kirche und Politik völlig fremd war, erwartete man von ihr, dass sie eine große Staatstoilette trug.

Kaiserin Maria Anna hatte jahrelang diese Aufgabe mit vollem Glanz und Hingabe absolviert. Kaiserin Elisabeth fürchtete sich in die Fußstapfen der beliebten Kaiserin zu treten. Doch Kaiser Franz Joseph und seine Mutter Erzherzogin Sophie hatten kein Mitleid mit ihr.

Elisabeth galt als die große Hauptattraktion.

Mit Schleppkleid und Brilliantendiadem geschmückt, stieg sie in den Hofgalawagen, der mit acht Schimmeln bespannt war. Doch Elisabeths Sorgen waren unbegründet. In frommer, demütiger Haltung überstand sie den Tag gekonnt und meisterlich, als habe sie nie etwas anderes zuvor gemacht.

Foto: sammlung.belvedere.at
Kaiserin Elisabeth in großer Staatsrobe, 1869
Bild: Franz Russ der Jüngere

Die ersten Zeichen einer Schwangerschaft stellten sich ein, welche Sophie mit Argusaugen beobachtete. Die junge Kaiserin litt unter schweren Schwangerschaftsproblemen:

sie erbrach ständig, litt an Schwindelgefühl und Müdigkeit.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Elisabeth, die weiterhin Tanzstunden und Sprachunterricht nahm und immer noch gerne Ausritt, musste dies bald einstellen.

Die meiste Zeit vom Tag musste sie liegend verbringen. Mutter Ludovika wurde Bang um ihre Tochter, doch traute sie sich nicht nach Wien. Der Dank, dass ihre Schwester die junge Elisabeth als Heiratskandidatin ihres Sohnes anerkannte, war so enorm, dass Ludovika Sophie devot begegnete.

Foto: Wikimedia/Commons
Gräfin Mathilde
Foto: Wikimedia/Commons
Carl Theodor Herzog in Bayern

Der Sommer stand bevor und so zog die Familie nach Ischl. Hier kam es zu einem lustigen Vorfall, den ich euch unbedingt erzählen möchte: Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) telegrafierte nach Ischl, um Elisabeth die Ankunft von Spatz, Gackel und sich selbst anzukündigen.

Sie unterschrieb das Telegramm mit Mimi, da dies der Spitzname war, mit dem Elisabeth ihre Mutter seit ihrer Kindheit ansprach. Mimi gab noch den Zug und die Ankunftszeit in Lambach bekannt, da der Zug dort halten würde. Von dort sollte eine Kutsche für die Familie bereitstehen, um diese zur frisch umgebauten Kaiservilla zu bringen. So der Plan. Doch das Telegramm kam nicht in der Kaiservilla, sondern im Hotel Elisabeth an.

Als Herzogin Ludovika, Schwester Herzogin Mathilde und Bruder Herzog Carl Theodor in Lambach ankamen, stand jedoch keine Kutsche bereit. Helle Aufregung entstand, noch dazu in einer Zeit ohne Telefon. Wir können uns das heute kaum noch vorstellen, oder? Zumindest eine Telefonzelle haben wir älteren Leser schon gekannt.

Plötzlich erschien ein Hotelpage des Hotels Elisabeth in Ischl.

Er hielt in der Hand 3 Käfige.
Diese sollten für die Vögel „Mimi“, „Spatz“ und „Gackel“ sein.

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph

Um hier eine kleine Erklärung abzugeben.

Ludovika hatte für alle Kinder Kosenamen. Spatz war Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925), Gackel war Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) und Mimi war, wie gesagt, sie selbst.

Man mag sich das Gesicht des Pagen gar nicht vorstellen, als er den Irrtum bemerkte. Noch dazu wo er die Mutter und Geschwister Ihrer Majestät vor sich stehen hatte.

Natürlich klärte sich der Irrtum als baldigst auf und so wurde die Familie mit der grell lackierten Hotelkutsche zur Kaiservilla gebracht.

Schon während der Schwangerschaft zogen dunkle Wolken über das Mutterglück auf.

Erzherzogin Sophie riss alles an sich. Sie bestimmte, wo die Kindskammer eingerichtet wurde. Diese wurde so eng an ihre eigenen Appartements gelegt, so dass es Elisabeth niemals gelingen würde, ohne dem Wissen von Sophie ihr Kind zu besuchen. Auch die Einrichtung suchte Sophie aus.

Kaiserin Elisabeth wurde von Erzherzogin Sophie angeherrscht, sich beim Volk zu zeigen.

Später erzählte sie dies ihrer Hofdame, welche die Geschichte in ihr Tagebuch notierte:

„Kaum war sie da, schleppte sie mich schon hinunter in den Garten und erklärte, es sei meine Pflicht, meinen Bauch zu produzieren, damit das Volk sehe, daß ich tatsächlich schwanger bin. Es war schrecklich.“ (4)

Sobald Kaiserin Elisabeth allein war, weinte sie sich in den Schlaf. Allein und von niemanden verstanden, durfte sie sich auch keinem in ihrer Umgebung anvertrauen.

Es wurde ihr von Sophie verboten, irgendjemand als Freund oder Freundin anzusehen.

Einzig Graf Grünne kümmerte sich väterlich um die junge verzweifelte Kaiserin, die das Hofleben immer mehr und mehr verabscheute.

Auch die Aja wurde von Erzherzogin Sophie gewählt.

Freifrau von Welden, kinderlos und Witwe, ohne Kindererfahrung wurde aus politischen Gründen dazu auserkoren, das erste gemeinsame Kind von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph zu erziehen.

Die Einwände seiner Frau konnte Franz Joseph weder verstehen, noch hörte er ihr richtig zu. Was Mutter entschied, wird schon gut für alle sein, so sein unumstößliches Motto zu allen Dingen die Sophie entschied.

Umso mehr weinte sich die junge Frau immer mehr und mehr in den Schlaf.

Foto: ÖNB
Huldigungsblatt zur Geburt der kleinen Tochter Sophie

Erzherzogin Sophie Friedericke

Am 5.3.1855 kam Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha um 3.00 Uhr nachts zur Welt.

Die Geburt und warum das kleine Mädchen bereits am 29.5.1857 wieder verstarb, könnt ihr hier nachlesen.

Wir sind also vom Sissi-Film Kitsch wirklich weit entfernt. Die (Film)Tochter, die auf die Namen Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria getauft wurde, hat nichts gemeinsam mit der kleinen Erzherzogin, welche am 5.3.1855 zur Welt kam. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs an falschen Informationen aus den Filmen, der Weltruhm erlangen und leider bis heute als der Inbegriff einer Sis(s)i am Wiener Hof gelten.

Auch das zweite „s“ im Namen von Sisi hält sich hartnäckig. Elisabeth hat sich niemals SiSSi genannt. Vielleicht kann ich mit dem Kitsch endlich ein wenig aufräumen.

Die erste Zeit verbrachte Elisabeth mit der kleinen Sophie in Laxenburg. Kaiser Franz Joseph schrieb beinahe täglich an seine Mutter und kündigte an, dass seine Frau im Juni für 10 Tage das Land verlassen würde, um nach Possenhofen zu fahren. Die kleine Sophie lernte also schon recht früh ihre bayrische Verwandtschaft kennen.

Am 7.8.1855 telegrafierte ein liebevoller Vater an seine Mutter:

„Wir sind sehr wohl und die Kleine war besonders heute sehr lustig. Sie jauchzte in einem fort und war sehr damit beschäftigt, ihren Fuß in den Mund zu stecken und daran zu schnullen. Sie scheint viele gymnastische Anlagen zu haben. Ich küsse Ihnen und dem Papa mit Sisi die Hände und bleibe Ihr treuer Sohn Franz.“ (5)

Erzherzogin Gisella

Schon bald machten sich die nächsten Schwangerschaftszeichen bemerkbar.

Sobald diese öffentlich wurden, las der Erzbischof von Wien und der Bischof von Linz eine Messe, um eine glückliche Entbindung zu erbitten.

Selbstverständlich nicht ganz uneigennützig um einen Thronfolger zu bitten.

Foto: Dorotheum Wien
Erzherzogin Gisella

Erzherzogin Sophies Gesicht soll starr gewesen sein, als man ihr mitteilte, dass am 12.7.1856 um 6.35 Uhr in Schloss Laxenburg eine kleine Erzherzogin zur Welt kam.

Auch bei dieser Geburt war Herzogin Ludovika nicht anwesend.

Ebenso erschien sie zur Taufe nicht, obwohl sie offiziell die Taufpatin war.

Am 13.7.1856 wurde die kleine Erzherzogin auf die Namen Gisella Ludovika Marie getauft.

Gisella wurde nach ihrer Hochzeit (!) mit Leopold Prinz von Bayern zu Gisela und Ludovika zu Louise, weshalb man heute in sämtlichen Geschichtsbüchern über Erzherzogin Gisela Louise Marie lesen kann.

Korrekt wäre aber: Erzherzogin Gisella und Gisela Prinzessin von Bayern; aber anscheinend ist das den Historikern/innen zu kompliziert.

Erzherzogin Sophie wurde als Taufpatin-Stellvertreterin bestimmt. Sie selbst hatte schon Sophie Friedericke getauft.

Elisabeth, nun stärker und selbstbewusster, fing an, um Sophie und Gisela zu kämpfen.

Die Enttäuschung ihrer Schwiegermutter, dass sie keinen Thronfolger auf die Welt gebracht habe, nutzte sie aus, um die Kinderzimmer in die „Radetzky-Räume“ der Hofburg verlegen zu lassen.

Sophie tobte, doch diesmal hatte Elisabeth Schützenhilfe durch ihren Mann Franz Joseph.

Er stellte sich nicht nur vor seine Gemahlin, so nannte er sie auch eine hingebungsvolle Mutter.

Sophie drohte mit Auszug, was Franz Joseph verstimmte. Er schrieb einen Bettelbrief an seine Mutter:

„Nie würde ich es zugeben, daß Sie Ihre jetzige Wohnung verlassen oder gar, was ich nicht gelesen haben will, ganz aus der Burg ziehen würden. Ich hoffe noch immer, daß sich alles sehr gut machen wird; die Kinder bekommen eine viel bessere Wohnung, in der sie auch künftig bleiben können, und Alles wird zufrieden sein.“ (6)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie Friederike

1856 unternahm das Kaiserpaar eine 4monatige Reise nach Italien. Kaiser Franz Joseph wollte Lombardo-Venetien wieder mehr an das österreichische Reich binden.

Obwohl Erzherzogin Sophie massive Einwände hatte, nahm Kaiserin Elisabeth die kleine Sophie mit auf die Reise.

Baby Gisella verblieb bei ihrer Großmutter in Wien. Das Weihnachtsfest verbrachte die Familie getrennt. Sophie mit Gisella in Wien, Franz Joseph, Elisabeth und Sophie Friedericke in Venedig.

Als Weihnachtsgeschenk wurde die Kaiserin mit einem Portrait von Gisella überrascht. Elisabeth wurde auf dieser Reise zum ersten Mal ernsthaft krank.

Ihre Lungen machten ihr große Probleme. Sie hustete unentwegt, was Kaiser Franz Joseph schwere Sorgen bereitete. Er kündigte bei seiner Mutter die Rückkehr für den 12.3.1857 an.

Erzherzogin Sophie Friedericke wurde bereits am 2.3.1857 mit ihrer Kinderfrau Anna Kathrein auf die Reise geschickt. Franz Joseph schrieb in einem Brief an seine Mutter, dass er hoffte, dass die Kleine ihr die Hände küssen möge und sie artig sei.

Wenige Monate später kam es in Ungarn zu einem folgenschweren Schicksal, von dem sich Elisabeth – vor allem als Mutter – nie wieder erholen sollte.

Aus Trotz setzte sie sich gegen ihre Schwiegermutter durch und nahm beide Kinder mit auf die Ungarnreise. Nicht nur, dass Erzherzogin Sophie Ungarn aus tiefstem Herzen hasste (das Libényi-Attentat hatte sie nie vergessen; hier nachzulesen), so riet sie dem Kaiserpaar, die Kinder in Wien zu lassen.

Das Unheil nahm seinen Lauf. Kaiserin Elisabeth verfiel das erste Mal in ihrem Leben in tiefe Trauer.

Kronprinz Rudolf

Im Dezember 1857 wurde erneut an Kaiserin Elisabeth eine Schwangerschaft festgestellt.

Zur unendlichen Trauer, mischte sich freudige Erwartung, welche Elisabeth mit ihren üblichen Schwangerschaftsleiden quittierte.

Sie erbrach ständig, war müde und bettlägrig. Die Abnabelung zu ihrer Tochter Gisella begann. Immer öfter war die junge Frau unpässlich, wollte das kleine Mädchen nicht sehen und machte sich selbst die größten Vorwürfe, ihre Tochter Sophie umgebracht zu haben.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiser Maximilian I von Mexiko und Kaiserin Carlota

Als am 27.7.1858 auch noch ihr Lieblingsschwager Erzherzog Ferdinand Maximilian, genannt Max (*6.7.1832, †19.6.1867), die schöne belgische Prinzessin Charlotte (*7.6.1840, †19.1.1927) heiratete und diese ab sofort ihr vorgezogen wurde, verfiel Elisabeth noch mehr in Depressionen.

Charlotte kam aus einem unfassbar reichen Haus, war gebildet und schön. Erzherzogin Sophie und ihre gesamte Anhängerschaft ließen keine Möglichkeit aus, um die Eheattin von Max zu loben, zu huldigen oder zu bezirzen.

Der labilen, schüchternen und unbeliebten Kaiserin muss das bis ins Mark erschüttert haben.

Noch mehr als jemals zuvor, zog sie sich zurück. Leider auch vor ihrer Tochter.

Mittlerweile vergingen Wochen bis sie Gisella wieder an sich ran ließ oder nach dem kleinen Töchterchen fragte.

Am 21.8.1858 setzten gegen 22.00 Uhr die letzten Wehen ein. Beide Mädchen waren leichte Geburten, kaum eine Wehe war zu spüren und schon waren die Kinder auf der Welt. So war es im August nicht. Erzherzogin Sophie und Gräfin Esterházy knieten am Boden und beteten, während sich Elisabeth die Seele aus dem Leib schrie. Um 22.15 Uhr war es endlich soweit. Der Thronfolger wurde geboren.

Völlig erschöpft fragte die Kaiserin ihren am Bett sitzenden Mann ob es ein Bub sei. Dieser erwiderte, dass die Hebamme Gruber es noch nicht so genau wisse. In Wirklichkeit wollte Kaiser Franz Joseph seine Frau schonen.

Die Geburt hatte sie stark geschwächt. Man wollte ihr jede Aufregung ersparen. Vor lauter Enttäuschung, dass sie keine Antwort bekam, glaubte sie, wieder „nur“ ein Mädchen zur Welt gebracht zu haben. Doch Franz Joseph verneinte dies mit dem Satz

„Nun, und wenn es ein Knabe wäre?“ (7)

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
(Privatbesitz; Besitzer will nicht genannt werden)
Lithografie Kaiserliche Familie mit Kronprinz Rudolf in der Wiege und Erzherzogin Gisella, Engel über dem Paar symbolisiert Sophie

Das ganze Land feierte die Geburt von Kronprinz Rudolf Franz Karl Joseph, dessen Vorname genauso aus den Habsburger Vorfahren gewählt wurde, wie Gisellas.

Nicht nur Wien feierte, auch das ganze Reich schloss sich den Huldigungen an. Kaiser Franz Joseph der seinen Sohn zwar nicht hübsch fand, dafür aber kräftig und stark, weinte jedes Mal vor Freude, wenn ihm ein Minister, das Militär oder ein Bediensteter gratulierte.

Seine Freude kannte kaum eine Grenze.

Elisabeth, die wieder einmal nicht stillen durfte, hatte extreme Probleme mit dem Milcheinfluss. Sie bekam hohes Fieber.

Trotzdem wurde ihr nicht erlaubt den Sohn zu stillen.

Sie gab jeden Widerstand auf. Sie ließ die Kinderzimmer in die Räumlichkeiten von Erzherzogin Sophie verlegen und übergab die gesamte Erziehung in ihre Hände.

Foto: ÖNB
Karoline Freifrau von Welden „Wowo“, die Kinderfrau von Erzherzogin Gisel(l)a und Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth

Ab sofort waren sich Gisella und Rudolf am Nächsten. „Wowo“, wie Aja Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1892) und „Nono“, wie die Kammerfrau Leopoldine Nischer (*1813, †1883) von den Kindern genannt wurden, wurden für die beiden zum Lebensmittelpunkt.

Noch als Erwachsene sprachen beide überaus liebevoll über Wowo und Nono.

Gisella, die etwas herb wirkte und das stämmige Wesen von Franz Joseph geerbte hatte und Rudolf, der das Aussehen seiner Mutter, sowie deren Intelligenz und Sensibilität geerbt hatte, wurden unzertrennlich.

Obwohl Rudolf es nicht leiden konnte, wenn Gisella mit seinen Sachen spielte und sie sich beschwerte, wenn er die ihren versteckte, hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel.

Foto: Wikimedia/Commons
Gisela und Rudolf als Kinder

Die ersten Jahre fiel ihnen die Abwesenheit von Elisabeth gar nicht auf. Großmutter Sophie, Nono und Wowo kümmerten sich rührend um die Kinder und Kaiser Franz Joseph nahm sich so viel Zeit wie möglich.

Mittlerweile hatte sich die Beziehung zwischen Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth zu einer ambivalenten Ehe entwickelt (der Beitrag kann hier nachgelesen werden).

Um die Abnabelung von ihren Kindern zu verstehen, muss ich ins Jahr 1860 springen und euch bitten den Ehe-Beitrag zu lesen.

Kaiserin Elisabeth fing an, sich immer mehr gegen ihren Mann durchzusetzen, kränkelte aber stets vor sich hin.

Wie in meinem Bericht erwähnt, ist die Wahrheit über den Bruch zwischen Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth bis heute nicht erforscht. In allen Filmen wird es vereinfacht mit einer Lungenkrankheit dargestellt. So steht es auch in (wirklich) allen Geschichtsbüchern, dennoch bleiben Zweifel.

Schon der erste Biograf Conte Corti sprach vom „Deckmantel der Krankheit“. Ich bleibe ebenfalls dabei.

Im November 1860 verließ Kaiserin Elisabeth Laxenburg und kehrte erst am 16.8.1862 nach Wien zurück. Nur in Venedig hatte Elisabeth ihre Kinder gesehen. Viel zu kurz, wenn man bedenkt, wie klein die Kinder damals noch waren.

Foto: ÖNB
kaiserliche Familie

Gisella war zum Zeitpunkt der Rückkehr bereits 6 Jahre alt, Kronprinz Rudolf knapp 4 Jahre alt.

Auch als Kaiserin Elisabeth zurück war, kümmerte sie sich nicht um die Kinder, die sie so sehr vermissten.

Vor allem der kleine Rudolf hing sehr an seiner Mutter. Er vergötterte sie Zeit seines Lebens und buhlte immer um ihre Liebe. Vergeblich.

Als er 6 Jahre alt war, wurde er von Gisella getrennt.

Er sollte ab sofort von Graf Leopold Gondrecourt (*1816, †22.5.1888) militärisch erzogen werden.

Den Buben traf damit ein hartes Schicksal. Rudolf, der überhaupt nicht für den militärischen Drill geeignet war, weinte sich jeden Abend isoliert in den Schlaf. Er fürchtete sich allein vor der Dunkelheit, zitterte vor Angst vor dem Knallen der Pistolen und konnte die Einsamkeit nicht ertragen. Er wurde physisch und psychisch von Gondrecourt misshandelt.

Elisabeth weilte außerhalb von Wien, weshalb sie von den Qualen die Rudolf erlitt zunächst nichts wusste.

Vater Kaiser Franz Joseph sah geflissentlich weg und nannte seinen Sohn einen

„Kepierl“.

Erzherzogin Sophie vor Treue zur Krone blind, sah über den Leidensdruck des geliebten Enkels hinweg.

Gondrecourt sah seine Macht und quälte den Buben bis aufs Blut. Er zerrte ihn früh morgens mit Trompetenklänge neben dem Bett aus selbigen, ließ ihn bis zum Umfallen stehen und tränkte ihn für Disziplin und Ordnung im eiskalten Wasser. Rudolf wurde kränker und blasser als jemals zuvor in seinem Leben.

Foto: Wikimedia/Commons
Graf Leopold Gondrecourt

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth weilen gerade in Bad Ischl, als Elisabeth von der Wildschwein-Affäre erfuhr, war das Maß voll.

Rudolf wurde von Gondrecourt zum Tierpark Lainz geschliffen, dort hinter die Mauer gestellt, während sich der General in Sicherheit brachte, schrie er, dass ein Wildschwein käme. Das Kind schrie in Todesangst wie am Spieß und je lauter es schrie, desto nervöser wurden die Wildschweine, die in der Nähe ihr Revier hatten.

Sie eilte zum Kaiser und schrie ihn förmlich an:

„Entweder Gondrecourt oder ich!“ (8).

Danach eilte sie in ihr Zimmer und schrieb das berühmte förmliche Ulitimatum:

Ich wünsche, dass mir vorbehalten bleibe, unumschränkte Vollmacht in Allem, was die Kinder betrifft, die Wahl ihrer Umgebung, den Ort ihres Aufenthaltes, die complette Leitung ihrer Erziehung, mit einem Wort, alles bleibt mir ganz allein zu bestimmen, bis zum Moment der Volljährigkeit. Ferner wünsche ich, dass, was immer meine persönlichen Angelegenheiten betrifft, wie unter anderem die Anordnungen im Haus p.p. mir allein zu bestimmen vorbehalten bleibt. 

Elisabeth, Ischl, 27.8.1865 (9)

Foto: Wikimedia/Commons
Josef Latour
Foto: Wikimedia/Commons
Dr. Hermann Widerhofer

Kaiser Franz Joseph gab nach. Rudolf wurde aus den Klauen des Folterers befreit.

Zuerst wurde er in die ärztliche Obhut von Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901) aufgenommen, danach übernahm ihn Josef Latour von Thurmburg (*2.2.1820, †28.12.1903), zu dem Kaiserin Elisabeth ein freundschaftliches Verhältnis hatte.

Doch es war zu spät. Gondrecourt hatte ganze Arbeit geleistet. Das Trauma begleitete Rudolf Zeit seines Lebens.

Erzherzogin Marie Valérie

Erzherzogin Gisella und Kronprinz Rudolf bekamen, als sie knapp 12 und 10 Jahre alt waren, noch eine Schwester.

Kaiserin Elisabeth war zum Zeitpunkt der erneuten Schwangerschaft 30 Jahre alt.

Foto: ÖNB
Kaiserin Elisabeth im Krönungskleid

Am 8.6.1867 fand in Budapest die Krönung zur Königin von Ungarn statt.

Am 11.6.1867 fuhr das Königspaar nach Schloss Gödöllo, welches ihnen als Krönungsgeschenk übergeben worden war.

Im November 1867 wurde in Wien die Schwangerschaft bekanntgegeben.

Es stellte sich zum ersten Mal seit Jahren so etwas wie ein Familienleben ein, an welchem auch die Kinder Gisella und Rudolf teilnehmen durften. Im Jänner 1868 erfuhr Herzogin Ludovika von Sophie in einem Brief von der freudigen Botschaft.

Die Schwangerschaft verlief ruhig und ohne gröbere Vorkommnisse.

Elisabeth hatte es sich zum Ziel gesetzt, ihr Kind in Ungarn zur Welt zu bringen, weshalb sie sich im Februar 1868 Richtung Ofen auf machte.

Sollte es ein Bub werden, beschloss sie, sollte er Stefan heißen.

Stefan war der erste heilige König und beim ungarischen Volk sehr beliebt.

Kaiser Franz Joseph befürchtete, dass die Geburt in Ungarn ihr in Wien viele Minuspunkte einbringen würde.

Seine Frau war mittlerweile sehr unpopulär geworden. Nur noch Randnotizen in den Zeitungen und beim Volk nicht sonderlich beliebt.

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Marie von Neapel

Ihre Schwester Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) war angereist, um ihr bei der Geburt beizustehen. Die Geburt selbst war musterhaft.

Erst kurz vor der Geburt, musste die Hebamme helfen, bis dahin hatte es Marie allein geschafft. Am 22.4.1868 wurde das letzte Kind des Paares, Erzherzogin Marie Valérie Mathilde Amalie geboren.

Kaiser Franz Joseph, stolz nochmals Vater geworden zu sein, telegraphierte an die daheim gebliebenen Kinder:

Sie ist recht hübsch, hat große, dunkelblaue Augen, eine noch etwas zu dicke Nase, sehr kleinen Mund, ungeheuer dicke Backen und so dichte dunkle Haare, daß man sie jetzt schon frisieren könnte. Auch am Körper ist sehr stark, und sie schlägt sehr frisch mit den Händen und Füßen herum… sie schreit sehr selten…und stinkt …“ (10)

Foto: ÖNB
Erzherzogin Marie Valérie

Die Kinder erschrocken über so viel Liebe in wenigen Sätzen, rückten noch näher zusammen, da sie befürchteten, die neue Schwester würde alle Aufmerksamkeit auf sich lenken. Doch es kam für die beiden noch viel schlimmer.

Das „ungarische Kind“ wie Marie Valérie bald genannt wurde,

bekam vom Wiener Hof den Beinamen

„die Einzige“.

Elisabeth selbst hatte ihr also den „Beinamen“ nicht gegeben. Wieder eine bösartige Mär mehr, die sich bis heute hartnäckig hält.

„Das ungarische Kind“ bzw. „die Einzige“ entstand dadurch, dass der Wiener Hof unter dem Volk den Tratsch verbreitete, dass Kaiserin Elisabeth eine Affäre mit Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890) hatte.

Dieser unfassbare Tratsch hält sich bis heute noch! Hier kann man definitiv davon ausgehen, dass diejenigen die ihn heute noch verbreiten, nur böswillig irgend etwas nachplappern, ohne sich jemals mit dem Thema tatsächlich beschäftigt zu haben.

Elisabeth sorgte mit großem Pflichteifer dafür, dass Erzherzogin Sophie „ihr“ Kind nicht in die Obhut bekam.

Die nächsten Jahre tat Kaiserin Elisabeth keinen Schritt ohne ihrer Valérie.

Entweder war sie in der Obhut ihr vertrauter Menschen oder direkt bei Elisabeth selbst. Kein Tag verging, an dem sie Valérie nicht zu Bett brachte oder dafür sorgte, dass es ihr gut ging.

Wollten die Geschwister sie sehen, war Elisabeth stets an der Seite ihrer Tochter. Rudolf und Gisella eiferten sehr und bemühten sich nicht sonderlich um ihre Schwester. Dies nahm ihnen ihre Mutter sehr übel.

Schon mit drei Wochen begann für Marie Valérie das Reisen.

Von Ofen nach Gödöllö, von Gödöllö nach Ischl, von Ischl nach Possenhofen usw.

In Schloss Garatshausen, wo Elisabeth zu Gast ihrer Schwester Helene von Thurn und Taxis (*4.4.1834, †16.5.1890) war, schrieb sie halb hysterisch an Franz Joseph, dass Valérie kränkelte.

Sie habe das grässliche Gefühl von unverlässlichen Menschen umzingelt zu sein, denn sie befürchtete, dass „ihr teuerster Schatz“ durch die Amme die schlechte Milch abgebe, vergiftet worden sei.

Sie entledigte sich derer und stellte eine Neue ein. Über die Ungarin, die eine Männerstimme hatte, permanente Csárdás Lieder sang und fürchterliche Angst vor Mäusen hatte, amüsierte sie sich allerdings königlich, wenn nicht sogar kaiserlich.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Während sie sich fürsorglich um Marie Valérie kümmerte, vergaß sie leider vollends Gisella und Rudolf und sah diese nur ab und an in Wien oder Gödöllö, wenn sie diese besuchten.

Kurz Information zu Erzherzogin Gisella

Foto: Wikimedia/Commons
Gisela und Leopold von Bayern

Erzherzogin Gisella verheiratete sie mit 16 Jahren an Leopold Prinz von Bayern (*9.2.1846, †28.9.1930) damit dieser nicht Amélie von Sachsen-Coburg und Gotha (*23.10.1848, †6.5.1894) ehelichen konnte.

Foto: Wikimedia/Commons
Max Emmanuel und Amélie in Bayern,

In diese hatte sich ihr Bruder Max Emmanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893) verliebt.

Um Leopold von seiner Braut loszusagen, musste sie eingreifen und ihm die Hand ihrer Tochter anbieten.

Da Prinz Leopold diese nicht verwehren konnte, wurde alsbaldigst Hochzeit gefeiert. Die Trennung von Bruder Rudolf war tränenreich und kaum zu ertragen. Der 14jährige war ab nun wirklich auf sich allein gestellt. Sie starb am 27.7.1932. 

Kurz Information zu Kronprinz Rudolf

Foto: Wikimedia/Commons
Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie

Kronprinz Rudolf ehelichte auf Druck seines Vaters die belgische Prinzessin Stephanie (*21.5.1864, †23.8.1945) und ging mit ihr eine lieblose Ehe ein, die in kräftezehrenden Streitigkeiten ausartete.

Als er für sich keine andere Wahl mehr sah (lieblose Ehe, keinen politischen Einfluss, sein Vater ließ ihn bespitzeln, krank usw.) brachte er sich am 30.1.1889 in Mayerling um.

Kaiserin Elisabeth trug ab diesem Zeitpunkt nur noch schwarz, zumindest wenn sie in der Öffentlichkeit stand und nur, wenn sie sich beobachtet fühlte.

Mit dem Tod des Sohnes verlor sie das zweite Kind. Sie versank in Selbstmitleid und schweren Depressionen. Sie wurde rastlos und reiste von Land zu Land, um nirgendwo zu bleiben.

Ihr Tod war eine Erlösung für sie.

Kurz Information zu Erzherzogin Marie Valérie

Foto: Wikimedia/Commons
Marie Valérie und Franz Salvator,

Erzherzogin Marie Valérie verliebte sich auf einem Ball in Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) und musste lange für diese Liebe kämpfen.

Im Trauerjahr von Kronprinz Rudolf feierte sie in Bad Ischl Hochzeit.

Kaiserin Elisabeth trauerte sehr um ihre Tochter und konnte deren Entscheidung so früh zu heiraten nicht verstehen.

Sie reiste zu den Geburten der ersten Kinder an, was sowohl Prinzessin Gisela, als auch Schwiegertochter Stephanie versagt blieb.

Erzherzogin Marie Valérie war Zeit ihres Lebens ihrer Mutter für die tiefempfundene Liebe dankbar und bemühte sich nach deren Tod um ein Familienleben am Wiener Hof. Sie starb am 6.9.1924. 

Alles in allem war Kaiserin Elisabeth eine Mutter die viel zu geben hatte, aber durch die frühen Schwangerschaften einfach zu überfordert war.

Auch das strenge spanische Hofzeremoniell, mit dem die Kinder aufgezogen werden sollten, war ihr fremd (hier nachzulesen).

Sie selbst wurde frei und ohne großartige konventionelle Erziehungsmaßnahmen erzogen, sollte ein strenges Protokoll abhalten, was sie selbst hasste.

Nur mit Marie Valérie und gereifter durch ihr Alter, konnte sie die Mutter sein, die sie sein wollte und konnte. 

– Petra –

Foto: Wikimedia/Commons
kaiserliche Familie vor dem Schloss Gödöllö
Kronprinz Rudolf, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth mit Erzherzogin Marie Valérie und Erzherzogin Gisella
(gestellte Idylle; so ein Foto hat es nie gegeben)

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Bildrechte: Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), habsburger.net, sammlung.belvedere.at, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Golfhotel Kaiserin Elisabeth Feldafing, Wikimedia/Commons, Dorotheum Wien, Schloss Laxenburg


Literarische Hinweise:

1 – S. 75/76, 2 – S. 76/77, 3 – S. 79/80, 4 – S. 91
Elisabeth Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, TB, 8. Auflage 2017,

5 – S 22, 6 – S. 29, 10 – S 92
Martha Schad
Kaiserin Elisabeth und ihre Töchter
Piper Verlag, TB, 2. Auflage 2013

7 – S 79, 8 – S 121
E.C. Conte Corti
Elisabeth von Österreich, Tragik einer Unpolitischen
Wilhelm Heyne Verlag, 15. Auflage, 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

9 – S 26
Sisi Magazin, Kronen Zeitung – vergriffen (nur noch antiquarisch erhältlich)

Eine glückliche Kindheit?

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth als ca. 14jährige,
1. bekannte Fotografie
Bild: Alois Löcherer

Sisi, Elise, Liesl, Lisel, Beta, Sethy, Sissy, Rose vom Bayernland, durch die Filme auch Sissi.

Viele Namen, eigenartige bis schreckliche Schreibweisen von Sisi und noch mehr Anekdoten ranken sich um Kaiserin Elisabeth.

Doch nur eine Schreibweise wurde wirklich bekannt und auch nur mit einer unterschrieb sie ihre private (!) Korrespondenz:

Sisi

Ihr Kosename war nur ihren engsten Vertrauten vorbehalten.

Niemand sonst hätte es gewagt die Kaiserin mit „Sisi“ anzusprechen.

Die Etikette am Wiener Hof war äußerst streng und unbedingt einzuhalten. Wer sich mit dem Spanischen Hofzeremoniell bzw. der Hofetikette auseinander setzen möchte, ist hier richtig.

Zu ihrem Mythos hat Romy Schneider viel in der Sissi-Trilogie beigetragen.

Dass Kaiserin Elisabeth einmal so berühmt wird, verdankt sie im Prinzip dieser „Herz-Schmerz-Trilogie“.

Dass die Darstellerin der Filme ebenso zerbrach, wie das Original, kann man beinahe schon „Schicksalsbehaftet“ nennen. Romy Schneider sagte einst über die Rolle, dass sie in ihrem Leben wie Grießbrei an ihr pappen würde.

Ich glaube, dass ihr Kaiserin Elisabeth Recht gegeben hätte. Nur das es bei ihr keine Rolle war, sondern tatsächlich ihr Leben.

Aber wer war diese Frau, die uns noch heute so fasziniert und beinahe täglich in den Social Media Kanälen zu immer eigenartigeren Fotowettbewerben antreibt?

Wer war diese Frau, von dem jede/r Dritte meint…


Das junge schüchterne sechzehnjährige Mädchen, von dem heute alle Welt denkt, es in- und auswendig zu kennen.
… (1)

Wer war diese Frau, dass man ihr Konterfei auf Seifen, Bierkrüge, Kochhandschuhe, Schokoladen oder Radiergummi (usw.) pappt?

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiserin Elisabeth Wachsfigur Madame Tussauds, Wien
Wer war diese Frau, die man ins Madame Tussauds Museum mit einem grässlichen grauen vorhangartigen Ding das sich Sternenkleid nennen soll (ohne Sterne), entsetzlich frisierter Perücke und einer jung dargestellten Sisi einen Anker auf die Schulter tätowiert, den sie nachweislich erst mit knapp 51 Jahren in Marseille (1888) machen ließ, stellte?

Ich versuche die Spuren dieser uns in dieser Zeit immer noch bewegenden Frau zu finden, nachzugehen und zu erzählen.

Aber wie immer beginnt jede Reise mit einem Anfang:

Schon während oder nach kurz nach der Geburt von Elisabeth gehen die Bücher der Historiker/innen weit auseinander.

Die einen schreiben, Herzog Max sei schon während der Geburt von Elisabeth wieder über alle Berge gewesen, die Anderen sagen, er fuhr erst einen Monat später in den Orient.

Was ist wahr?
Was ist Legende?
Was ist Film?
Was ist erfunden?
Woher kommt dieser enorme Mythos?
Auch ich werde das alles nicht aufdecken können.
Aber ich werde mich bemühen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika
Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max in Bayern

Elisabeth wurde am 24.12.1837 um 22.43 Uhr in ein Herzogshaus geboren.

Ihre Mutter Ludovika, genannt Louise (*30.8.1808, 26.1.1892) wurde als Prinzessin von Bayern geboren und mit Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, 15.11.1888) vermählt.

Der Beitrag von Louise kann hier und von Max hier gelesen werden.

Sie war das vierte Kind von insgesamt 10 Kindern, wobei 8 das Erwachsenenalter erreichten. Der zweite Sohn Wilhelm starb 2 Monate nach der Geburt, weshalb Sisi im Prinzip an dritter Stelle stand.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Louise hatte in ihrem Boudoir im Beisein ihrer Mutter Ex-Königin Caroline von Bayern (*13.7.1776, 13.11.1841), ihrer Obersthofmeisterin Auguste Gräfin von Rottenhan (*/unbekannt), ihrer (Halb)Schwester Auguste von Leuchtenberg (*21.6.1788, 13.5.1851) sowie deren Tochter Eugénie Erbprinzessin von Hohenzollern-Hechingen (*22.12.1808, 1.9.1847) die kleine Wittelsbacherin am Weihnachtsabend, den 24.12.1837 um exakt 22.43 Uhr entbunden.

Zwei Hofdamen hielten sich in den Nebenräumen von Herzogin Ludovikas Privatgemächern auf.

Sehr zum Unwohlsein der Herzogin, kamen in ihr Boudoir (Badezimmer) drei königliche Würdenträger, um die Ankunft der Herzogin zu bezeugen. Anders als früher im französischen Haus und noch immer im englischen Haus üblich, musste zumindest Ludovika vor den fremden Herren keine öffentliche Geburt abhalten.

Foto: Bildarchiv des Bayrischen Landesamts für Denkmalpflege, München
Badezimmer von Herzogin Ludovika
(ohne Badewanne)

Dennoch war natürlich Louise nicht im herzeigbaren Zustand, als sie im Morgenmantel über dem Nachthemd, mit zerzausten Haaren und blass auf ihrer Chaiselongue ruhte.

Die Herren Sebastian Freiherr von Schrenck (*28.9.1774, 16.5.1848) (Staatsminister der Justiz), Ludwig Ritter von Wiesinger (Staatsminister des Inneren) (*/unbekannt) und Friedrich Freiherr von Gise (*17.3.1783, 4.10.1860) (Staatsminister des königlichen Hauses) traten vor die erschöpfte Mutter, um die neue Wittelsbacherin in dem Geburtenbuch einzutragen.

Ein Staatsakt und gleichzeitig eine Beglaubigung, dass es sich hierbei um Mutter und Tochter handelte. So konnte ausgeschlossen werden, dass eine fremde Mutter oder ein fremdes Kind als „Wittelsbach“ untergeschoben wurde.

Königin Marie Antoinette in Frankreich musste noch eine „öffentliche Geburt“ ertragen. D.h. Staatsdiener, Hofdamen, Hebamme, Arzt und Adelige am Versailler Hof durften beim Gebären zusehen. Marie Antoinette hatte sich in weiterer Folge erfolgreich gewehrt.

Am britischen Hof wurde weiterhin „öffentlich“, jedoch mit einer Leinwand zwischen Beinen und Oberkörper entbunden. Die Staatsdiener, Hofdamen standen auf der „nicht familiären Seite“ (also der Oberkörper zugewandten Leinwand) und alle anderen auf der „familiären Seite“ (also der mit den offenen Beinen zugewandten Leinwand).

Diese Peinlichkeit wurde mittlerweile dem gebärenden Haus Wittelsbach erspart.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.

Eine andere jedoch nicht:

Durch das Dekret ihres Halbbruders König Ludwig I (*25.8.1786, 29.2.1886), welches Max kurz vor der Hochzeit erhielt und ihm damit der Titel „königliche Hoheit“ aberkannt wurde, wurde Prinzessin Louise bei der Hochzeit zur Herzogin dekradiert.

Ludwig machte damit etwas zunichte, was sein Vater König Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, 13.10.1825) und Herzog Wilhelm (*10.10.1752, 8.1.1837) jahrelang versuchten aufzubauen.

1799 ändeten die beiden die Erblinie „in Bayern“ und „von Bayern“ so um, dass sich beide Wittelsbacher-Linien „Prinz“ und „Prinzessin“ nennen durften. Mit dem Dekret vom 7.8.1828 war dies schlagartig dahin. Die Erblinie „in“ und „von“ Bayern kann hier nachgelesen werden.

Später sollte genau dieses „in“ Bayern Elisabeth mächtige Probleme bereiten. Was ihr widerfahren ist, würde man heute Mobbing nennen.

Bis zum 7.8.1828 durfte sich Herzog Max in Bayern „königlicher Prinz“ nennen. Ab diesem Datum, verordnete König Ludwig I über sein Staatsministerium und ließ Herzog Max folgende Mitteilung zukommen:

„Bey Gelegenheit der Verehelichung Unseres vielgeliebten Vetters, des Herrn Herzog Maximilian in Bayern, Hoheit, mit Unserer Prinzessin Schwester Königliche Hoheit wollen Wir, daß bey Abfassung der Ehepakten die dem Herrn Herzog gebührende Titular streng einzuhalten, daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört, gebraucht werde.“ (2)

Nach dieser ungeliebten Hochzeit wurde Ludovika nicht mehr wie früher mit „königliche Hoheit“ angesprochen, sondern mit „Herzogin“ oder „Hoheit“

Louise haderte Zeit ihres Lebens mit ihrer Titel-Degradierung.

Demnach war der Titel des neuen Familienmitgliedes

Herzogin in Bayern

Später wurde genau dieses „in Bayern“ Elisabeths größter Feind und lebenslanges Hindernis. Durch diese „Adelstitel-Barriere“ – wie man das schon nennen kann – wurde sie am Wiener Hof nie anerkannt.

Am 26.12.1837 wurde das kleine Mädchen auf die Namen

Elisabeth Amalie Eugenie

in der Stiftskirche St. Kajetan, Theatinerkirche in München getauft.

Foto: Wikimedia/Commons
Königin Amalie Auguste von Sachsen
Bild: Joseph Stieler, 1823
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Elisabeth von Preussen

Die Paten waren die engen Vertrauten von Louise Elisabeth Kronprinzessin von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873), welche 3 Jahre später Königin werden sollte.

Die zweite Patin war die Zwillingsschwester von Elisabeth, Amalie Auguste Prinzessin von Sachsen (*13.11.1801, †8.11.1877), welche am 9.8.1854 Königin wurde.

Und dank Dr. Martina Winkelhofer und ihrem Buch „Sisis Weg“ ist nun auch endlich bekannt, woher Eugenie stammt. Sie war die Nichte der Patinnen und der Mutter der Neugeborenen, Eugenie Erbprinzessin Hohenzollern-Hechingen, welche unter dem Namen Eugenie Herzogin von Leuchtenberg geboren wurde.

Der Name ist nicht, wie von mir vermutet, nach dem verstorbenen Eugené de Beauharnais (*3.9.1871, †21.2.1824), später Herzog von Leuchtenberg abgeleitet, welcher der vielgeliebte und -beweinte verstorbene Ehemann und Vater von Auguste Amalia von Leuchtenberg und Eugenie war, welche beide bei der Geburt der kleinen Elisabeth anwesend waren (wie weiter oben im Text erzählt).

Prinzessin oder Herzogin – welcher Titel stimmte?

Doch warum schreibe ich so konsequent „Herzogin“, wenn alle anderen immer das Wort „Prinzessin“ oder bei den Brüdern von Elisabeth das Wort „Prinz“ voransetzen.

Auch wenn das Wort „Prinzessin“ und „Prinz“ so hübsch klingen; die herzoglichen Kinder waren nie Prinzessinnen oder Prinzen.

Das Dekret vom 7.8.1828, also einen Monat vor der Hochzeit von Prinzessin Ludovika und Herzog Max, besagte eindeutig, dass sich Max nicht mehr „Prinz“ nennen durfte.

Dies implizierte sich auch auf seine Nachkommen, da sie sowohl seinen Namen, als auch seinen Titel erbten.

…daher der Titel Herzog und Hoheit, nicht aber Prinz und königliche Hoheit gehört (2)

Anmerkung Petra: nochmaliger Ausschnitt aus obigen Dekret

Warum im Prinzip in beinahe jeder Biografie über Kaiserin Elisabeth (ob alt oder neu ist dabei völlig ohne Belang) von „Prinzessin Elisabeth“ die Rede ist, ist mir nicht erklärbar.

Die Mär der Prinzessin wurde natürlich auch in der Film-Triologie „Sissi“ aufgegriffen und zieht sich durch bis zur gleichnamigen Zeichentrickserie, wo unsere dunkelhaarige Kaiserin, sogar blond gezeichnet ist.

Aber nicht nur die Historiker/innen und Filmregisseure/innen dieser Welt haben diese Mär verbreitet, sondern auch die Hofzeremonienmeister jener Zeit.

Vielleicht kommt dieses „Prinzessin“ auch von daher, da viele Historiker/innen die Einträge von damals als Recherchevorbild nehmen. Oft wird aber nur von einem zum anderen abgeschrieben und so verbreitet sich das natürlich weiter und weiter und weiter…

Eine mögliche Erklärung liefert wahrscheinlich der bayrische Volksmund selbst.

Diese betitelten die herzoglichen Töchter (und zwar nur die Töchter) gerne als „Prinzessin“. Und da später Kaiser Franz Joseph gar keine Herzogin heiraten hätte dürfen (nicht standesgemäß), wurde Elisabeth, wie sie zur Kaiserin wurde, anscheinend zur Prinzessin.

Sieht man sich in späteren Jahren seine strikte Ablehnung bei unstandesgemäßen Hochzeiten an, ist es hier wohl am meisten erstaunlich, dass Kaiser Franz Joseph bei sich selbst wohl die größte Ausnahme machte, seine Verwandten aber gerne ins Unglück rennen ließ.

Anders der militante, elitäre und versnobbte Wiener Adel oder Wiener Hof, der Elisabeth so sehr zum Verhängnis werden sollte. Das Spanische Hofzeremoniell – Hofetikette kann hier nachgelesen werden.

Foto: APA, Sisi Museum Hofburg
Kinderschuhe von Herzogin Elisabeth
mit herzoglichen Wappen

Eine geborene „Herzogin in Bayern“, ja gar ein „Landmädel“ wie sie auch genannt wurde, auf dem kaiserlichen Thron war für die Adeligen jener Zeit ein ungeheures Ausmaß an Abscheulichkeit.

Diese militante Einstellung und Ablehnung, sollte Elisabeth ihr ganzes weiteres Leben zu spüren bekommen. Mit einer der Gründe, warum ihr das Leben als Kaiserin so extrem schwer fiel.

Nach strenger Etikette hätte der Kaiserin-Titel nur einer königlichen Prinzessin (kaiserlich geborene Prinzessinnen gab es nicht) weitergegeben werden dürfen. Hätte also nach dem Hofzeremoniell Kaiser Franz Joseph eine königliche Tochter geheiratet, wäre diese eine geborene Prinzessin gewesen.

So aber galt seine Hochzeit als unstandesgemäß. Da er aber zuvor alle anderen Vorschläge seiner Mutter ablehnte, diese aber auch seine Herzensdame Erzherzogin Elisabeth (*17.1.1831, †14.2.1903), wurde Sophie auf ihre eigene Familie aufmerksam. Der Rest wurde zur Weltgeschichte… (Kaiser Franz Joseph und seine Frauen bis zur Schratt kann hier nachgelesen werden.)

Bereits in der allerersten Biographie die es von Kaiserin Elisabeth gab, wurde sie als „Prinzessin“ betitelt. Diese hatte Kaiser Franz Joseph persönlich in Auftrag gegeben. Sie diente als Erinnerungsschrift und wurde nur am Wiener Hof und den engsten Verwandten zugetragen.

„Auf Schloss Possenhofen erblickte Elisabeth Amalia Eugenia am 24. Dezember 1837 das Licht der Welt. Schon sehr früh zeigte die kleine Prinzessin Elisabeth ein lebhaftes Interesse für die Natur und die Vorgänge derselben, eine Neigung, die von ihren fürstlichen Eltern mit liebevoller Freude genährt und gefördert wurde.“ (4)

1905 hieß es “ ….;

„Prinzeß Elisabeth, als zweites Töchterchen und hochwillkommenes Christkind eingekehrt am 24. Dezember 1837 in München beim glücklichen Elternpaare…“ (5) 

Im Kinderbuch von Sigrid Laube „Sisi, das Kind der Sonne“ liest sich das folgendermaßen:

„Hört, ihr Freunde, was geschehen, an der schönen Isar Strand, hört…“ Die Stimme des Bänkelsängers klang dünn und brüchig durch die Nacht. Der Winter war in diesem Jahr schon früh mit bissiger Kälte über München hergefallen und hatte die Stadt in einen klirrenden Mantel gehüllt. Vor dem Mund des Sängers bildeten sich im Takt des Liedes kleine Wolken, sie zögerten kurz und lösten sich dann in einer eisigen Luft auf. … „Weihnachten ist, da ist das Theater geschlossen, sogar das Café Chantant im Palais Max. Aber wenns wahr ist, sorgt der Allmächtige dort gerade für höchsten Nachwuchs, prinzlichen sozusagen.“ „Oder prinzesslichen, wies der Herrgott halt will“, fügte er hinzu. (6) 

Um es zu vervollständigen, müsste ich hier ca. 25 – 30 Bücher zitieren, was ich mir – ihr verzeiht mir hoffentlich – erspare.

Allerdings möchte ich euch noch ein Zitat aus einem Kinderbuch vorstellen. Geschrieben wurde es von der Historikerin Gabriele Praschl-Bichler:

„Vite! Vite! Les enfants! Viiite!“ („Rasch! Rasch, Kinder! Raaasch!“) Eine Gouvernante treibt die ihr schutzbefohlenen Mädchen zum rascheren Gehen an. Dabei spricht die Erzieherin mit den Kindern französisch, weil das damals alle feinen und gebildeten Leute taten. Vor dem Palast des Herzogs Max in Bayern herrscht reges Leben. Das Einfahrtstor steht weit geöffnet, Bedienstete strömen auf die Straße. Lieferanten, Künstler und andere bunte Gestalten bevölkern den Platz vor dem Gebäude. „Die Herzogin ist wirklich zu bemitleiden! Eben hat sie ein Mädchen geboren und schon ist ihr Mann wieder davon! Ein rechter Zugvogel ist der gute Herzog halt…pardon, wenn man das so sagen darf! Es heißt, dass er sich in Griechenland aufhält, um dort…“ …. Ganz nebenbei, wie heißt das Mädchen eigentlich? „Die kleine Tochter des Herzogs.“ „Man hat sie Elisabeth genannt.“ (7)

Anmerkung Petra: Hier wird das Wort Prinzessin zum ersten Mal nicht erwähnt

Ab 1845 wurde Herzog Max in Bayern die Anrede „königliche Hoheit“ von König Ludwig I. gewährt.

Jetzt sah die Sachlage schon anders aus. Elisabeth wurde nun zur „königlichen Hoheit“, nicht aber zur Prinzessin. Wenn man bedenkt, dass sie 8 Jahre später heiratete, kam für sie diese Ehre zu spät.

Die Anfänge von Herzogin Elisabeth

Der 24.12.1837 war ein Sonntag, weshalb sie von sich selbst immer behauptete, sie sei ein Sonntagskind. Zu dem hatte sie bei der Geburt schon einen Zahn – was damals als Glückssymbol galt.

Ein glückliches Leben wurde der jungen Herzogin immer vorausgesagt. Wie oft hat Sisi wohl davon geträumt?

Aufgewachsen ist die kleine Herzogin zwischen der Ludwigstraße 8 in München und dem idyllischen Schloss Possenhofen am Starnberger See, welches beides schon in der Familie war, als Elisabeth zur Welt kam.

1828 wurde das imposante Palais Herzog Max fertig, welches als das schönste und der prächtigste Bau seiner Zeit galt. 1834 wurde „Possi“ angeschafft, um den Kindern auch frische Luft, einen Ort zum Spielen, Reiten, Jagen, Schwimmen, Fischen und Wandern zu ermöglichen.

Sisi wuchs also zunächst mit Bruder Ludwig „Louis“ (*21.6.1831, †6.11.1920) und Schwester Helene „Néné“ (*4.4.1834, †16.5.1890) auf. Ihr Lieblingsbruder Carl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, 30.11.1909) sollte direkt nach ihr geboren werden.

Die Geschwister Marie (*4.10.1841, 19.1925), Mathilde „Spatz“ (*30.9.1843, 18.6.1925), Sophie (*23.2.1847, 4.5.1897) und Nesthäckchen Maximilian Emanuel „Mapperl“ (*7.12.1849, 12.6.1893) folgten nach.

Ihre größte Liebe wurde jene zu den Pferden, auch wenn Tierschutz und Verhätschelung nicht im Vordergrund war, wie man es heute kennt. Mein großer Beitrag „eine Kaiserin zu Pferde“ kann hier nachgelesen werden.

Bis zu ihrem (ca.) 6ten Lebensjahr besaß ihr Vater im hinteren Teil des riesigen Palais eine Zirkusmanege, wo er als Zirkusdirektor auftrat und seine Kinder als Kunstreiter auftreten ließ.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bild im Privatbesitz, deshalb mit extra großem Logo – der Besitzer möchte nicht genannt werden
Kaiserin Elisabeth auf ihrem Dressurpferd Avolo
Bild: Wilhelm Richter, 1876

Elisabeth sollte 45 Jahre lang auf dem Pferd sitzen. Das Kunstreiten wurde in dieser Zeit ebenfalls perfektioniert und trainiert.

1841, als Sisi also 3 Jahre alt war, hatte die Familie einen Todesfall zu beklagen, den diese wirklich schwer nahm.

Ihr Diener „Osman“, welcher am 17.5.1841 um 1.00 Uhr mittags an „Abzehrung“ verstarb, wurde von Herzog Max auf seiner Orientreise vom Sklavenmarkt freigekauft.

5 Schwarzafrikaner brachte er damals von der Reise mit, welche alle in der Frauenkirche in München getauft wurden und im Dienste des Herzogs standen. Osman, ein „Mohr aus Abessinien“ (so steht es im Sterbebuch) wurde auf den Namen Theodor getauft.

Elisabeth war dadurch schon sehr früh an Schwarzafrikaner in ihrer Umgebung gewöhnt und der Umgang mit ihnen war für sie ganz normal. Sie behandelte diese Menschen auch sehr höflich und zuvorkommend, wie es in der Biografie von Martina Winkelhofer heißt.

Etwas, was bisher auch noch nie in dieser Form zu lesen war. Gerade bei Rustimo stach immer ins Auge, dass Elisabeth es gewesen sein soll, die ihn vom Hof vertrieben habe. Doch Frau Winkelhofer fand heraus, dass sie sich auch später noch um ihn kümmerte.

Osman/Theodor wurde nur 17 Jahre alt.

Was für die kleine Sisi, Néné, Louis und Gackel also völlig normal war, war für die bayrische Gesellschaft naturgemäß ein Schock.

Foto: geschichtewiki.wien.gv.at
Angelo Soliman

Schwarze Menschen in München, waren damals so gut wie noch nie gesehen worden und wenn dann traten diese im Zirkus als „Absonderlichkeiten“ auf.

In Wien lebten im 18. Jahrhundert ca. 200 Schwarzafrikaner, der bekannteste unter ihnen war naturgemäß Angelo Soliman, da er nach seinem Tod ausgestopft wurde. Seine Geschichte kann hier nachgelesen werden: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Angelo_Soliman

Es wird immer wieder davon berichtet, dass Elisabeth ein Wildfang gewesen sei.

Sie konnte nicht stillsitzen, tat sich mit dem Lernen schwer und am liebsten beschäftigte sie sich in der Natur.

Die Eltern und deren Probleme

Am 31.10.1838 kaufte sich Max das kleine Schloss Unterwittelsbach bei Aichach, das heute auf den wohlklingenden Namen „Sisi Schloss“ hört, allerdings gar nichts mit Sisi zu tun hatte.

Es ist umstritten ob sie jemals dort war oder nicht.

Es diente Max als Rückzugs-, Ruhe- und Jagdschlösserl, welches einen kleinen See hatte.

Der Garten ist bis heute nicht wieder erschlossen und völlig verwildert. Die gesamte Einrichtung ist verschwunden.

Selbstverständlich kommt auch dieser Ort nicht ohne „Mythos“ aus, weshalb das ganze „Sisi Schloss Aichach“ auf ein Bild, eine Erzählung des Dorfpfarrers von 1839 und eine Vermutung des Stadtarchivars aufgebaut wird.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Schloss Aichach
Herzog Max im Kahn, Ludovika und „Sisi“ im Eingangsbereich im Schloss, 1841
Bild: Otto Flad

Auf dem Bild von Otto Flad von 1841 ist Herzog Max in einem Kahn zu sehen, während Herzogin Ludovika mit einem Kleinkind, welches natürlich Sisi sein soll, aus dem Schlösschen tritt.

Am 14.11.1839 wurde vom Aichacher Pfarrer überliefert, dass Herzog Max mit der Herzogin und dem 7jährigen Ludwig im Schlösschen angekommen sei.

Der Stadtarchivar Karl Christl von Aichach hat sich natürlich eine wunderbare Idylle zurecht gelegt. Er sah die kleine Sisi Blumen pflücken und ihrer Mama bringen, Max im Kahn fahren, die Buben am nahen Weiher fischen usw.
Es klang ein bisschen wie aus dem Sissi Film und nicht nach dem echten Leben.

Auch wenn man wenig bis gar nichts über die Kindheit von Kaiserin Elisabeth weiß,

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika mit ihren Kindern
Herzog Ludwig, Herzogin Helene und die kleine Herzogin Elisabeth (im Kinderwagen)

es gibt keinerlei Aufzeichnungen, dass sie jemals vor Ort gewesen sei.

Weder von ihr selbst, noch von Ludovika, noch von Max.

Johannes Thiele schrieb in seiner Elisabeth Biografie „Sisi, das Leben der Kaiserin Elisabeth“, dass diese als Kind in Aichach mit Vater Max durch die Gasthäuser zog, als dieser Zither spielte. Dabei warfen ihr die Männeer Geldstürcke zu.

Später soll Elisabeth voller Stolz diese Geldstücke, die sie ein Leben lang bei sich getragen haben soll, ihren Hofdamen gezeigt und behauptet haben, dass das ihr einziges ehrliches verdientes Geld gewesen sei.

Immer mehr wird deutlich, dass Elisabeths Kindheit nicht die von Glück beseelte Kindheit war, die man ihr permanent unterjubeln möchte.

Sisi wurde erst als Erwachsene Sisi genannt, als Kind rief man sie in ihrer Familie ausdrücklich

Elise

Auch der angeblich gute Kontakt zum Vater ist eine erfundene Geschichte der Filme. Dies habe ich schon bei Herzog Max hervorgeholt, dass er sich um seine Kinder nicht kümmerte, nicht kümmern wollte und diese auch nicht in sein Leben passten.

Wie nahe Elisabeth allerdings ihrem Vater im Charakter war, sollte sich erst später herausstellen.

Kam er von seinen vielen Reisen zurück, bevorzugte er z.B. – wie Elisabeth – einen privaten Eingang, um nicht gesehen zu werden. Weder von seinen Kindern, noch von seiner Frau, noch von sonst wem.

Diese Vorliebe nutzte auch Kaiserin Elisabeth Zeit ihres Lebens.

Ihre Gouvernante fragte Elise einmal, ob sie ihren Vater schon begrüßt und gesehen habe, als dieser nach einer längeren Reise wieder heimgekehrt war. Die Antwort:

„Nein, aber ich habe ihn pfeifen gehört.“ (8)

Und dies sagte im Prinzip alles über die Beziehung „Vater-Tochter“ oder „Vater-Kinder“ alles aus.

Wollten die Kinder bzw. Louise ihren Vater bzw. Mann sehen, mussten sie sich bei dessen Diener anmelden!

Obwohl Ludovika die Patriachin im Haus war und alles zusammenhielt, ging sie in ihrer Mutterrolle auf.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Sophie
Bild: Franz Schrotzberg, 1858

Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, 28.5.1872) (der Beitrag zur Erzherzogin ist hier), die selbst einen Mann (der Beitrag zu Erzherzog Franz Karl (*7.12.1802, 8.3.1878) ist hier) zur Seite hatte, der sich nie um die Kinder kümmerte, bemerkte die Ablehnung an ihrem Schwager sofort. Besorgt schrieb sie an ihre Schwester:

„…, dass er sich überhaupt nicht mit seinem wunderbaren Schatz beschäfigt, sei ein Beweis seiner übermäßigen Leichtfertigkeit und zeige, dass sein Herz kaum spricht.“ (9)

Herzog Karl Theodor „Gackel“ sagte später über seinen Vater:

„Dieser sei der „personifizierte Egoismus“ gewesen.“ (10)

Egal wie man die ganze Ehe auch betrachten möchte, gesund war sie auf keinen Fall, auch wenn sie 10 Kinder, 8 davon lebend, hervorgebracht hat.

Wunderbar auf einen Punkt bringt das wieder einmal Martina Winkelhofer in ihrem Buch „Sisis Weg“:

„Ein Gemeinplatz in der Kaiserin-Elisabeth-Forschung besagt, dass die schwierige Ehe ihrer Eltern ein prägendes Element in Elisabeths Biografie darstellt. Die Ehe von Max und Ludovika gilt als Paradebeispiel einer gescheiterten Ehe, mit entsprechenden Folgen für die gemeinsamen Kinder. So wurden von späteren Biografen Elisabeths Kindheitserfahrungen – mit einem nicht nur mental abwesenden Vater – oft zur Erklärung ihres Verhaltens als Erwachsene herangezogen. Eine derlei einfache Argumentation ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Schließlich kann man diese herzogliche Ehe des 19. Jahrhunderts nicht aus der Perspektive des 20. und 21. Jahrhunderts beurteilen, wo man zumindest in der westlichen Welt die Liebe als Voraussetzung einer geglückten Ehe betrachtet. (11)

Diese Meinung vertrete ich auch. Gerade auf Facebook rate ich meinen durchaus weiblichen Followerinnen immer, dass sie – vor allem beim unendlichen oft sehr emotionalen Thema „Elisabeth als Mutter“ (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) die Erfahrungen nicht mit dem „Heute“ zu vergleichen. Das 19. und 21. Jahrhundert sind 2 Paar Schuhe die es auseinander zu halten gilt. Auch beim Thema „Mutter sein“.

Herzogin Ludovika war eine seltene Ausnahme, dass sie sich als Muttertier gab. Zum einen war Königin Caroline eine liebevolle Mutter, die sich nicht nur der fünf Halbwaisen annahm, sondern auch ihren acht eigenen Kindern, zum anderen hatte Ludovika keinen öffentlichen Stellenwert (mehr).

Ihre Zeit als Prinzessin war vorbei und Herzog Max bevorzugte ab seinem 29. Lebensjahr keine öffentlichen Empfänge, sondern illustre Herrenabende, weshalb es auch keine Bälle mehr im Herzog-Max-Palais gab.

Was blieb Louise also? Genau. Ihre Kinder. Und zwar einzig und alleine ihre Kinder.

Foto: Wikimedia/Commons
Elise, Gackel und Bummerl
also Herzogin Elisabeth, Herzog Karl Theodor und Hund Bummerl

Es ist wieder Martina Winkelhofer die Elisabeths Kindheitserfahrungen in deren Ehe transportiert und erklärt:

„Auf Elisabeth dürfte die Ehe ihrer Eltern und die ständige Abwesenheit des Vaters jedoch keine sehr prägende Wirkung entfaltet haben – denn königliche Kinder sahen damals ihre Väter in der Regel selten, und so gut wie keine arrangierte Ehe in königlichen Kreisen zeichnete sich durch große Intimität oder viele gemeinsam verbrachte Stunden aus. Stärke – im Sinne einer prägenden Erfahrung für die spätere österreichische Kaiserin – fiel wohl ins Gewicht, was man „das Phänomen weiblicher Ohnmacht“ nennenkann: Frauen, deren Wünsche und Ziele nicht mit dem gängigen weiblichen Rollenbild harmonierten, mussten in der damaligen Gesellschaft vielfach ihre Machtlosigkeit erkennen. Viele von ihnen resignierten gegenüber der männlichen Übermacht, und nicht wenige entwickelten unbewusst Strategien, um sich ungewollten Situationen entziehen zu können. Und diese Strategien hießen zumeist: Rückzug, innere Emigration und, besonders häufig, Flucht in Krankheit.“ (12)

Eine glückliche Kindheit?

Als Elise 9 Jahre alt war, holte Herzogin Ludovika Luise Baronin Wulffen-Hundt (*/unbekannt) ins Haus, die ihre liebe Not mit dieser hatte.

Wulffen beschrieb Elisabeth als

zart und überempfindlich. (13)

Sie wollte eher ihren Leidenschaften nachgehen, als dem Lernen. Reiten, Gedichte schreiben, stundenlang im See schwimmen und sich dem Müßiggang hinggeben.

Schwimmen war etwas, was der Adel der damaligen Zeit normalerweise nicht konnte. Angeblich soll Herzog Max darauf bestanden haben, dass seine Kinder schwimmen konnten. Ob dies der Wahrheit entspricht, wenn man sich sein Interesse an den Kindern durchliest?

Néné war das hausbackene Kind: brav am Nähen und Sticken, immer bei der Mutter und nie bei den übrigen Kindern.

Elise hingegen tobte mit ihrem Lieblingsbruder Gackel und Louis.

Doch wie frei und glücklich wurde sie tatsächlich erzogen?

Foto: Peter Bierl Buch- & Kunstantiquariat
Schloss „Possi“ Possenhofen

Gab es „Freiheit“ im Hause eines Wittelsbachers überhaupt?

In vielen Büchern kann man von den Historikern/innen den Vergleich zwischen der Erziehung von Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth lesen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Erzherzog Franz(i)
Kaiser Franz Joseph als Jugendlicher

Dieser Vergleich hinkt meiner Meinung nach. Erzherzog Franzi, wie er als Jugendlicher genannt wurde, wurde schon mit dem Ziel ihn als Thronerben heranzuziehen, geboren. Sein Status war bei der Geburt schon „von Gottes Gnaden“ (der Beitrag bis zum Thron kann hier nachgelesen werden).

Viel zu diesem „glücklichen Kindheitsmythos“ hat laut Martina Winkelhofer der Erstbiograph Conte Corti beigetragen.

Von seinem Buch, schreiben bis heute sämtliche Historiker/innen ab.

Er selbst hatte noch mit Zeitzeugen gesprochen bzw. Zugang zu Unterlagen, die heute verschlossen, verschollen, verbrannt oder gar durch die Weltkriege vernichtet wurden.

Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, 6.9.1924), Elisabeths geliebte Tochter, die der Wiener Hof bösartig „die Einzige“ nannte, wollte nach dem Tod eine Biografie über ihre Mutter schreiben.

Um historische Belege über ihre Kindheit zu sammeln, schrieb sie die beiden ehemaligen Vertrauten ihrer Jugend an, welche noch lebten:

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Valerie
  • Baronin Wulffen-Hundt (*/unbekannt)
  • Gouvernante Amalie Baronin Tänzl von Tratzberg (*/unbekannt)

Gegen 1900 findet man in den Unterlagen von Conte Corti (*2.4.1886, 17.9.1953) jene 2 Briefe der beiden betagten Damen an die Tochter Marie Valérie:

„Sie sei der Liebling vom gesamten Haus gewesen, hätte sich mit allen Geschwistern ausgezeichnet verstanden, sei gütig zu der armen Bevölkerung gewesen und habe diesen die Eier der Perlhühner gebracht, außerdem wäre ihr Liebreiz formvollendet gewesen, sie sei gütig und hilfsbereit gegenüber Jedermann gewesen.“

Zurecht ist Frau Winkelhofer skeptisch, ich wäre das auch. Hätten tatsächlich zwei (sehr) alte Damen die Unwahrheit an die geliebte Tochter der ermordeten Kaiserin geschrieben?

Ich verneine dies entschieden!
Wer sagt jemals etwas Schlechtes über Tote?

Doch ich habe noch eine Quelle aufgetan, die weit vor Conte Corti geschrieben wurde:

Erinnerungsblätter, 1903

Foto: pressreader.com
Zeichnungen von Elise in ihrem Notizbuch
eine Geburtstags-Glückwunschkarte von Elise an Gackel

„…
Schon sehr früh zeigte die kleine Prinzessin Elisabeth ein lebhaftes Interesse für Natur und die Vorgänge derselben, eine Neigung die von ihren fürstlichen Eltern mit liebevoller Freude genährt und gefördert wurde. Der weitausgedehnte Park und die Wälder der Umgebung waren die ersten Tummelplätze des sich in der anmutigsten Weise körperlich wie geistig entwickelnden Fürstenkindes, in dessen empfängliche Seele die Gottesnatur des Lebens allererste Eindrücke einprägte. So wurde Prinzessin Elise eine glühende Bewunderin der Natur und blieb dies auch für alle Zeiten. Daß sie, zu einer reizenden Mädchenknospe erblüht, in ihrem ganzen Wesen jene ausgezeichneten Eigenschaften des Herzens und der Seele vereinigte, welche so tausendfach an unserer Kaiserin gepriesen wurden, ist begreiflich, da ihre Eltern mit zarter Aufmerksamkeit und unermüdlicher Fürsorge die Erziehung Elisens leiteten und überwachten. Bereits nach zurückgelegtem fünften Lebensjahre wurde mit dem Unterrichte begonnen. Ein ausgezeichnetes Talent verriet die Prinzessin für die Naturkunde, Erdbeschreibung, für das Zeichnen, Malen und das Klavierspiel. In den späten Jahren wurde den körperlichen Übungen ein gewichtiger Platz im Erziehungsprogramm eingeräumt.
Bei der zahlreichen Familie des volkstümlichen Herzogs Max in Bayern waren die kleine Prinzessin Lisel und ihr ältester Bruder, der schlanke großgewachsene Ludwig die bevorzugten Lieblinge der Eltern. Beide unterschieden sich durch die Lebhaftigkeit, ihren gesunden Humor und ihr tiefes Gemüt von den anderen Geschwistern. Die kleine Lisel erheiterte durch ihre Scherze den Vater, von ihrer Mutter aber wurde sie vollends verhätschelt.
Viel Vergnügen fand die Prinzessin in allerlei körperlichen Sport. Sie saß elegant und sicher zu Pferde, lenkte bei Ausfahrten ihr Gespann fast immer selbst, war eine kühne Schwimmerin und Fechterin. Ihr schlichtes und allzeit freundliches und kindlich frohes Wesen hatte ihr längst die Herzen der Bayern gewonnen. Die Bevölkerung nannte sie „Lisel“. In den traulichen Worten bekundete sich die herzliche Zuneigung der Bevölkerung das innige Verhältnis zwischen Volk und Fürstenhaus.
Als die Prinzessin gerade das fünfzehnte Jahr vollendet hatte, schilderte sie ein deutscher Schriftsteller in folgender Weise: „Prinzessin Elisabeth ist hoch, schlank, leicht und anmutig, ihr Wesen graziös, belebt, bestimmt, das tiefblaue Auge voll träumerischen Glanzes, die schönen Züge, aus denen das dichte, braune Haar in vollen Wellen zurückgestrichen ist, reiz- und ausdrucksvoll und mit rosigem Teint überzogen, der Eindruck im ganzen: milder Ernst und zarte Weiblichkeit.“ (14)

Anmerkungen Petra:
Hier sieht man, dass schon 1903 gelogen wurde, dass sich die Balken biegen. Zum einen war der Lieblingssohn von Ludovika nicht Ludwig, sondern Karl Theodor „Gackel“ und zum anderen diese Familienidylle gab es einfach nicht.

Ich erinnere nur noch einmal daran, dass diese Erinnerungsblätter Kaiser Franz Joseph in Auftrag gab!

Weiters liest man hier die schreibweise „Lisel“, welche in der Korrespondenz nie vorkommt.

1905 hieß es ebenso schwülstig:

„…
Behütet, geleitet vom hochsinnigen Vater, dem für alles Gute und Schöne begeisterten Fürsten, wuchs Elisabeth zur Freude aller, die sie kannten, heran. Frühzeitig äußerte sich ihre Vorliebe zu den Wundern der Natur. Weitaus den größten Teil der wettergünstigen Tage verbrachte die Prinzessin im Schloßpark und in den umliegenden Buchen- und Nadelwäldern, sich erfreuend am Blau des Himmels, dem Gesang der Vögel, dem geheimnisvollen Rauschen des Forstes.
Kaum war das fünfte Lebensjahr überschritten, kam des Lebens Ernst für die kleine Sissy. Für die Zukunft galt es zu lernen, wie solches seit jeher Bayerns Fürstentöchtern oblag. Aufmerksam, fleißig und von eminenter Auffassungsgabe, machte Elisabeth ihren Eltern und Lehrern Freude. Ihre Lieblingsgegenstände hießen Naturwissenschaften, Geographie, Zeichnen und Musik. Eine echte Vater-Tochter!
Später trat das Reiten hinzu. Kaiserin Elisabeth galt als die beste Reiterin der Gegenwart. Man muß sie nur gesehen haben, auf der feurigen, braunen „Helena“ oder dem stählernen „Coral Nimph“ in edlem eifer dahinjagend.
Die „Rose vom Bayerland“ nannte man Elisabeth. Und sie war es auch.“ (15)

Anmerkungen Petra:
Danach folgte wieder obige Beschreibung der Gestalt und der blauen Augen. Autor Kleinschmied musste also Zugang zu den Erinnerungsblättern von 1903 gehabt haben. Warum in weiterer Folge nicht auch Conte Corti?

Hier kann man das erste Mal den Namen „Sissy“ lesen. Diese Schreibweise krampft mich persönlich jedesmal aufs Neue zusammen. In keiner Korrespondenz findet sich diese Schreibweise. Wie also der Autor selbst auf die Idee kam, Elisabeth „Sissy“ zu schreiben, ist mir unbegreiflich.

Auch hier könnt ihr lesen, dass vom Familienidyll einher gegangen wurde. „Eine echte Vater-Tochter“ – weil sie reiten konnte. Das konnte im Prinzip jedes adelige Mädchen. Die eine besser, die andere schlechter. Aber wer einen „von“, „zu“ oder „in“ Titel in seinem Namen trug, lernte Reiten. Das gehörte zum guten Ton.

Auch wenn ich meiner Lieblingshistorikerin Martina Winkelhofer jetzt widerspreche, aber ich glaube, es rührt nicht nur von Conte Corti allein, dass er annahm, Elisabeth habe eine blühende Kindheit und einen tollen Vater gehabt.

Alleine diese schwülstigen Zeilen zeigen, dass ihm diese Schriften zugänglich waren. Ich musste auch tief graben, um sie zu finden. Conte Corti war weitaus näher in seiner Zeit dran, als ich. Er begann in den 1920er Jahren mit seiner Forschung. 1934 erschien seine Elisabeth-Biografie. Zuvor hatte er Kaiser Maximilian und Kaiserin Charlotte von Mexiko biografiert.

Ich befürchte, dass sehr viel von Kaiser Franz Joseph vorgegeben wurde. Die Erinnerungsblätter 1903 sind immerhin in seinem Auftrag entstanden und er gab sie vor der Veröffentlichung frei.

Dass der Hauptmann den Schriftsteller nicht näher benennt, der Elise 15jährig erblickte, ist schade, aber zumindest liegt uns diese Beschreibung der Schönheit vor.

Ich fand auch zwei unterschiedliche Aussagen von Ludovika. Als ihre Tochter 2 Jahre alt war, lobte sie die Kleine für ihre Schönheit, zum anderen machte sie sich, als diese 14jährig war, große Sorgen um Elise, da sie sie nicht hübsch befand. 

In einem Brief an ihre Nichte Theódelinde Gräfin von Württemberg (*13.4.1814, 1.4.1854) schrieb Herzogin Ludovika am 24.8.1839:

„Elise wird sehr hübsch, und sie ist so ein gutes Kind“ (16)

Foto: Wikimedia/Commons König Georg von Sachsen

Herzogin Ludovika an ihre Schwester Königin Auguste von Sachsen:

„Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich als ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre [Prinz Georg, wohl der zweite Sohn des sächsischen Königs Johann], wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen… hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug“. (17)

Übergangslos wurde aus Elise Sisi.

Beide Namen wurden ab jetzt verwendet, um über Elisabeth zu schreiben.

Je älter sie als Kind wurde, desto stiller wurde sie. Man kann definitiv sagen, dass sie die einsamen Momente suchte. Schon früh reifte die Melancholie in Elisabeth heran, welche in ihren späteren Jahren zu schweren Depressionen führen sollte.

Diese Art des Charakters, erbte sie von ihrer Mutter. Sie hatte Scheu vor Menschen, vor allem vor Fremden. Doch diese Momente waren selten in München, weshalb sie sich am liebsten in Possenhofen aufhielt.

Das Herzog Max Palais in München war nur für die Wintermonate, da Schloss Possenhofen nicht beheizbar war.

Kaum in Possi, lief Sisi beinahe jeden Tag ohne Schuhe durch den Schlosspark.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzogin Elisabeth als 15jährige
Bild: Franz von Schrotzberg, 1853

Contenance und Etikette, Politik und Weltherrschaft, was kümmerte es die kleine Elisabeth und ihre Geschwister? Der königliche Hof nahm keine Notiz von ihr. Die Briefe, die Ludovika mit ihrer Schwester Sophie im fernen Wien schrieb, waren nicht von Interesse.

Frei, ungezwungen, neugierig und lebenslustig, so beschrieb man die junge Sisi in der Literatur, und ich persönlich glaube, dass sie das auch war. Neugierig und reiselustig sollte sie beibehalten bzw. noch hinzukommen.

Fast ein Bauernmädel. Auf alle Fälle ein Landmädel.

Ihre beste Freundin wurde Irene (*24.9.1839, †21.8.1892), die Tochter des Nachbarn Hermann Franz Joseph Carl Graf von Paumgarten (*19.7.1806, †11.1.1846).

Foto. Wikimedia/Commons
eigenhändige Zeichnung von Herzogin Elisabeth
1847

Gackel, Irene, David (Bruder von Irene) und Sisi wurden zu einer Einheit.

Gemeinsam erkundete man die Wälder, den Starnberger See, kletterte auf Bäume und verbrachte viel Zeit – mit Nichtstun.

Ludovika hatte ihre liebe Not, die Kinderschar zum Lernen zu bewegen.

Kam der Vater zu „Besuch“, holte er die Kinder aus dem Unterricht, tobte mit ihnen im Schnee, ging Schwimmen oder stibitzte das Obst von den Bäumen. Bekam Max aber nicht die Aufmerksamkeit seiner Kinder die er wollte, wurde er cholerisch und tobte richtiggehend.

Im Jahre 1843 trafen sich Erzherzog Franz und die junge Sisi das erste Mal. Franzi war 13 Jahre, Elisabeth 5 Jahre alt. Franz schrieb in sein Tagebuch:

2.9.1843
Um 7 Uhr fuhren wir von München weg und kamen um viertel auf zehn in Possenhofen an. Wir fanden dort Herzog Max und alle seine Kinder bis auf Louis, welcher in der Schweiz ist. Wir frühstückten mit der Tante Louise, der Helene, der Elise und dem sehr netten aber fast verzogenen Kakl. Um 10 Uhr ging wir in die dumpfe Kapelle, um die Messe zu hören, wo mir übel wurde, so daß man mich aus der Kapelle zu einem offenen Fenster tragen mußte, wo mir wieder gut wurde; darauf legte ich mich auf das Bett. Um 12 Uhr fischte ich und Graf Bombelles mit dem Herzog, wobey wir 20 Birschlinge und Weißfische fingen.“ (18)

Anmerkung Petra: Graf Bombelles war der Erzieher von Erzherzog Karl Ludwig

Doch schon bald zeigte sich auch die Etikette der Verwandtschaft.

Foto: Wikimedia/Commons
Die Geschwister von Elisabeth auf der Veranda des Schlosses Possenhofen, von links:
Sophie, Max Emanuel „Mapperl“, Karl Theodor „Gackel“, Helene „Néné“, Ludwig „Louis“, 1831-1920), Mathilde „Spatz“ und Marie
Bild: Joseph Karl Stieler, 1855

1848 machte Ludovika mit den Kindern Gackel, Néné und Sisi einen längeren Ausflug, der nach Tirol an den Aachensee führte. Von dort fuhren sie nach Jenbach, um am 10.6.1848 in Innsbruck einzutreffen. In der Hauschronik liest man dazu folgendes:

„Um 9 Uhr Abends langte auf Besuch die Schwester Ihrer k.H. der Erzherzogin Sophie die Gemahlin des Herzogs Maximilian von Baiern I.k.H. die Prinzessin Louise mit Ihrem Sohne Prinz Carl und 2 Prinzessinnen Töchter Helene und Elisabeth und Suite hier an, und wurde an der Burgstiege von Ihrer Familie begrüßt. In Ihrem Gefolge befindet sich Ihr Hofmarschall Baron v. Freyberg. Die Frau Herzog wurde im Damenstifts-Gebäude einlogiert.“ (19)

Am 19.6.1848 findet sich folgender Eintrag:

„Heute ist S.k.H. Prinz Karl von Baiern, und dann später I.k.H. die Herzogin Louise von Baiern mit Sohn und 2 Töchtern k.H. nach München abgereist.“ (20)

In dieser Zeit musste Sisi sicherlich still sitzen und bei Tisch ordentlich essen.

Franz war zu diesem Zeitpunkt knapp 18 Jahre alt, Sisi knapp 11 Jahre.

In der Literatur liest man immer von „die 13jährige“, doch Elisabeth ist am 24.12.1837 auf die Welt gekommen. Sie kann also im Juni 1848 nicht 13 Jahre alt gewesen sein. Außerdem war Kaiser Franz Joseph um 7 Jahre älter als seine geliebte „Engels-Sisi“.

Ebenso liest man häufig „Kaiser Franz Joseph und Elisabeth trafen erstmals 1853 in Ischl aufeinander“. Auch das ist nicht korrekt. Das erste Aufeinandertreffen war 1843. 1848 folgte das nächste Treffen. Erzherzog Franz befand sich mit seiner Familie in Innsbruck, da in Wien eine heftige Revolution stattfand.

In vielerlei Hinsicht konnten die Zwei in Innsbruck nichts miteinander anfangen.

Sisi war noch ein Kind, Erzherzog Franz (Anmerkung Petra: er wurde erst mit dem Titel „Kaiser“ zu Franz Joseph) musste sich mit der politischen Lage beschäftigen.

Ein Umstand, den er vielleicht in späteren Jahren tief bereut hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig 15jährig
Bild: Anton Einsle, 1848

Elisabeth, scheu und sehr schüchtern, freundete sich mit dem knapp 15jährigen Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, †19.5.1896) an.

Sie tobten durch die Hofburg Innsbruck, heckten Streiche aus und ärgerten mit Sicherheit Erzherzogin Sophie. Die beiden waren sich so zugetan, dass sie sich eine zeitlang Briefe schrieben.

Sogar kleinere Geschenke wurden ausgetauscht.

Erzherzogin Sophie beschrieb ihre kleine Nichte damals wie folgt:

„Elise ist ohne schön zu sein – ein gar anziehend – liebes freundliches Wesen – ihr warmer treuer Blick und ihr Lächeln sind unwiderstehlich; ist ist so sanft-weiblich und über ihre Jahre vernünftig.“ (20a)

Da Karl Ludwig schon nach dem Treffen in Possenhofen von seiner kleinen Cousine schwärmte, ließ Kaiser Franz Joseph eine Holzbüste von Elise anfertigen. Diese schenkte er seinem Bruder.

Es gilt in der Elisabeth-Forschung am Wahrscheinlichsten, dass Erzherzog Karl Ludwig persönlich die Büste an seine Schwägerin übergab. Bekannt ist jedenfalls, dass Elisabeth sehr stolz auf diese war und sie in der Hermesvilla verwahrt hat. Dort wurde sie auch gefunden.

Doch das Interesse von Sisi für Karl Ludwig ebbte ab, nach dem ihre Mutter sie immer und immer wieder an ihn erinnerte und sich ihn als Heiratskandidat vorstellen konnte.

1850 besuchte Elisabeth gemeinsam mit ihrem Bruder Ludwig, ihrer Schwester Néné und ihrer Mutter Ludovika das beschauliche Dörfchen Oberammergau.

Doch die Zeiten, wo Elise nur spielen durfte, war relativ bald vorbei. Der Ernst des Lebens zog ins herzogliche Haus und Elisabeth lernte zu Konversieren, sich am Bankett zu bewegen und Theestunden zu geben.

Damals erachtete man Spielzeug noch nicht als pädagogisch wertvoll, weshalb z.B. die Puppenküche der Kinder nur 1x in der Woche im Palais aufgebaut wurde. Am Sonntag nach dem Mittagessen durften die Geschwister miteinander mit der kleinen Küche „kochen“.

Später lernte Elisabeth anhand von kleinen Freunden, die alle vorher ausgesucht und den Adelstest bestehen mussten, „Theestunden“ zu geben. Zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags wurde Tee und Kuchen serviert, als sie erwachsen wurde, war es Likör.

Auch das Briefe schreiben lernte Elisabeth.

Es war unerlässlich ordentliche Konversation zu betreiben und das ging nur über Briefe. Dabei wurde der kleinen Herzogin gelernt, ihren Tag einzuteilen, wann welcher Brief wichtig und welcher noch warten durfte.

Elise lernte sich über Süßigkeiten, Geschenke jeder Art und Portraits zu bedanken.

Da ihr als Frau andere Nachrichten nicht zugänglich waren, waren Briefe die einzige Möglichkeit irgendetwas aus ihrer Umgebung und den Verwandten zu erfahren.

Betätigte man keine Korrespondenz, fiel man aus dem Adressbuch und dem Leben des Adressaten. Das konnte fatale Folgen haben.

Foto: Dorotheum.com
Verschiedene Korrespondenz von Kaiserin Elisabeth

Wie Ludovika, die jeden Vormittag ihre Korrespondenz erledigte, schrieb auch Elisabeth sehr viele Briefe an ihre Verwandtschaft, ihre Gouvernanten, ihre beste Freundin Irene, mit der sie Zeit ihres Lebens in Verbindung blieb, ihren Ehemann Franz Joseph, ihre Vorleserin Ida und natürlich ihre Kinder nicht zu vergessen. Einige der Briefe sind erhalten; leider sind diese nicht öffentlich zugänglich. Die meisten von ihnen sind jedoch verbrannt worden.

Ihre Freundin Irene Gräfin von Paumgarten war es im Übrigen, die Elisabeth und Néné englisch beibrachte. Ihre Mutter war eine englische Adelige. Des Weiteren hatte Elise eine englische Nurse, welche ihr die Sprache beibrachte. Eine Sprache, die man zur damaligen Zeit kaum sprach. Englisch war damals keine Weltsprache.

Aus den Teestunden wurden zu späterer Zeit Tanzstunden. Hier wurde gesichert, dass die Herzogin tanzen lernte. Ein unabdingbarer Bestandteil des Banketts der Wittelsbacher.

Einzig für die Handarbeit konnte sich Sisi nicht erwärmen. Das Sticken war nicht ihre Sache. Das lange Stillsitzen konnte sie nicht leiden und so wurde ihr diese Arbeit verhasst.

Am 24.12.1852 galt die Erziehung von Herzogin Elisabeth als abgeschlossen. Nun hieß es:

sie zu verheiraten.

Am 19.3.1853 wurde Elisabeth gefirmt.

Die Firmung stellte normalerweise einen Wendepunkt im Leben einer jungen adeligen Frau dar.

Es zeigte der Adelswelt „ich bin bereit“.

Genau was ihr denkt, soll es heißen:

die Mädchen hatten ihre Periode bekommen und waren bereit für den Heiratsmarkt

Mit der Firmung wurde das Bankett für die jungen Mädchen geöffnet: sie wurden offiziell auf Bälle geladen, um die Herren anzuziehen, die Eltern „verhandelten“ derweil um die Beziehungen zwischen den Söhnen und den Töchtern. Je besser eine Partie, desto aussichtsreicher die Hochzeit.

Ich schreibe deshalb „normalerweise“, da Elisabeth gefirmt wurde, ohne ihre Periode bekommen zu haben.

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth als Braut

Louise war so erpicht darauf, ihre Kleine zu verheiraten, dass sie sie auf den Heiratsmarkt schickte, ohne, dass sie „empfangbar“ war.

Dies stellte später in Ischl die Verlobung vor außergewöhnliche Herausforderungen, denn nur eine empfängnisbereite Dame durfte heiraten.

Die rühmliche Ausnahme stellte wieder einmal die Aussicht auf die Heiratspartie dar.

Ist ein König oder Kaiser auf die Tochter aufmerksam geworden, ohne, dass diese bereits „bereit“ war, wurde trotzdem verhandelt, bis die Periode einsetzte.

Dies nannte man in der Fachsprache

„zähe Verhandlungen“.

Im übrigen fand dies bei Schwester Marie ebenfalls so statt (sie musste den wenig attraktiven Francesco von Neapel (*16.1.1836, 27.12.1894) ehelichen), bei Stephanie von Belgien (*21.5.1864, 23.8.1945) (sie ehelichte in weiterer Folge Kronprinz Rudolf (*21.8.1858, 30.1.1889)) und Prinzessin Charlotte von Belgien (*7.4.1840, 19.1.1927) (welche Erzherzog Max (*6.7.1832, 19.6.1867) ehelichte).

All diese Mädchen wurden vor ihren Perioden, durch die aussichtsreiche Ehe mit einem König, einem Kronprinzen und einem Erzherzog, früher verlobt, mussten aber bis zur Periode mit der Hochzeit noch warten.

Über der Firmung lag also nicht nur der Schatten, dass Elise noch nicht „bereit“ war, so warf sie ein trauriger Vorfall seelisch komplett aus der Bahn.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
So sah sich Elisabeth am Schreibtisch sitzen
Eigenhändige Skizze, 1854
aus ihrem Skizzenbuch
Mit freundlicher Genehmigung k.u.k.Museum Bad Egart

Sie wurde das erste Mal mit dem düsteren Tod konfrontiert.

Ihr langjähriger Spielkamerade David Graf von Paumgartner (*31.1.1838) starb am 20.3.1853 15jährig nach einer Lungenentzündung.

Sisi verfiel in ihre erste tiefe Trauer. Der Tod Davids belastete die 15jährige stark.

Klammheimlich führte sie ein Tagebuch, in welches sie folgendes Gedicht an schrieb:

Du bist so jung gestorben
Und gingst so rein zur Ruh'; 
Ach, wär', mit dir gestorben,
Im Himmel ich wie du. (21)

Von nun an sollte der Tod ihr ständiger Begleiter werden.

Die ersten Wehklagen Richtung Tod waren verfasst, als sich die 15jährige erstmals verliebte.

Am herzoglichen Hof begegnete sie dem jungen, sehr hübschen Richard Graf von Schwarzenberg. Die beiden verliebten sich ineinander und trafen sich heimlich am Tor, wo ihr Richard ein Bild von sich gibt.

Sie schrieb:

Oh, ihr dunkelbraunen Augen, 
Lang hab ich euch angesehn,
Und nun will mir euer Bildnis
Nicht mehr aus dem Herzen gehen... (22)

Doch Ludovika kam den beiden auf die Schliche.

Sie beschlagnahmte sein Bild und verbat Elisabeth jegliche Kontaktaufnahme.

Der junge Mann sei der jungen Herzogin nicht würdig hieß es.

Zur Sicherheit lässt sie Richard aus dem Offiziers-Hofdienst versetzen. Ein schwerer Fehler von Ludovika, wie sich später noch herausstellen sollte.

Sisi verfällt in Wehklagen:

Du frische junge Liebe,
So blühend wie der Mai, 
Nun ist der Herbst gekommen
Und alles ist vorbei. 

Und nun ist er mir so ferne
Und ich seh ihn gar nie. 
Ach, ich wollt zu ihm wohl gerne, 
Wüßt' ich nur, wohin und wie. (23)

Richard kam nie mehr wieder ins Haus der Herzogs. Er wurde in der Armee krank, kehrte ins Elternhaus zurück und starb. Als die 15jährige davon erfuhr, war sie außer sich vor Trauer.

Sie schrieb:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen –
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (24)

Doch mit 15 Jahren ist das Leben noch nicht Trist genug, dass man einem einzigen die Treue schwört und so verliebte sie sich erneut.

Um jetzt nicht noch einmal Gefahr zu laufen, von ihrer Mutter erwischt zu werden, hielt sie den Namen geheim.

Bis heute ist es niemanden gelungen, den Namen des Grafen aus der Nachbarschaft ausfindig zu machen.

Zu lang hab' ich gewendet
Mein Aug' aufs Antlitz dein, 
Und nun bin ich geblendet
Von seiner Schönheit Schein. (25)

Sisi schläft und isst nichts. Ihre Gedanken kreisen nur noch um „ihn“.

Wenn der erste Sonnenstrahl
Mich des Morgens grüßt, 
Frage ich ihn jedesmal, 
Ob er dich geküßt. 

Um den goldenen Mondenschein
Bitt ich jede Nacht, 
Daß von mir er insgeheim
Dir viel Liebes sagt. (26)

Doch der Angehimmelte wollte von Elisabeth nichts wissen. Als sie es merkte, wehklagte sie wieder:

Denn ach, ich kann ja nimmer hoffen 
Daß liebend je Du Dich mir neigst. 
Die harte Wahrheit sah ich offen
's ist Freundlichkeit nur, was Du zeigst. (27)
Foto: Sisi Museum
„Polterabendkleid“
Herzogin Elisabeth

Mittlerweile ist Ludovika für Elisabeth auf Brautschau.

Um geeignete Heiratskandidaten zu finden, lässt sie ihre Tochter fotografieren.

Es ist die erste und einzige Fotografie von Elisabeth, die sie unverheiratet zeigt (Titelbild dieses Artikels).

Ebenfalls 1853 schickte Ludovika sie nach Dresden, zu ihrer Schwester Königin Amalie Auguste von Sachsen. Wie schon weiter oben erwähnt, befand ihre eigene Mutter die Tochter als „nicht hübsch“.

Elisabeth kam ohne Bräutigam von Dresden zurück. Ludovika war verzweifelt.

Doch im August sollte sich das Blatt für die junge Herzogin wenden.

Nicht nur, dass aus dem pausbäckigen Teenager ein schöner Schwan wurde, plötzlich streckte Kaiser Franz Joseph die Fühler nach ihr aus. Er verliebte sich auf den ersten Blick.

„Die liebe Kleine ahnte nichts von dem großen Eindruck, den sie auf Franzi gemacht hatte“ (28)

schrieb Erzherzogin Sophie am 19.8.1853 an Königin Marie von Sachsen (*14.4.1818, 9.1.1907).

Eine Verlobung (der Beitrag kann hier nachgelesen werden) stand ins Haus und mit ihr nahm das ganze Drama seinen Lauf.

~ Petra ~

Foto: Hickl
Herzogin Elisabeth als Verlobte, mit Miniaturbild mit Kaiser Franz Joseph

Rechtliche Hinweise:
Text: Petra

Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Bildrechte: Wikimedia/Commons, Sisi Museum Hofburg, pressreader, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, k.u.k. Museum Bad Egart, Peter Biel Antiquariat, APA, Hickl
, Dorotheum.com, geschichtewiki.wien.gv.at, jourfixe-muenchen-ev.com, Österreichische Nationalbibliothek, Kaiserin Elisabeth Museum Possenhofen via Merkur.de, Bildarchiv des Bayrischen Landesamtes für Denkmalpflege für München, Albertina.at, filmlocations-bayern.de/W.Boehm, Heritage Image via Getty Images/Heritage Image,


Ich möchte mich ausdrücklich bei Historiker Alfons Schweiggert bedanken, der mir das Wirr-Warr der Adelstitel und das Thema „Herzogin Elisabeth“ und nicht „Prinzessin Elisabeth“ näher brachte.


Literatur Hinweise:

1 – S.13, 8 – S.47, 9 – S.47, 10 – S.47, 11 – S.49, 12 – S.55, 16 – S.60, 20a – S.87, 28 – S.98
Martina Winkelhofer
Sisis Weg
Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeth erste Jahre am Wiener Hof
Piper Verlag, 1. Auflage 2021

4 – S.10, 14 – S.10/11
Hauptmann Robert Rostock
Erinnerungsblätter an Weiland Ihre Majestät Kaiserin und Königin Elisabeth
k.u.k. Hofbuchdruckerei A. Haase, Prag (nicht erhältlich)

5 – S.6, 15 – 6/7
Othmar Kleinschmied
Kaiserin Elisabeth
Druck und Verlag des kathol. Preßvereines, 1905 (nicht erhältlich)

6 – S.20-22
Sigrid Laube
Sisi, das Kind der Sonne
Jungbrunnen, 1. Ausgabe, 2004 (nur noch antiquarisch erhältlich)

19 – S.15, 27 – S.7/8
Gabriele Praschl-Bichler
Elisabeth Kaiserin von Österreich genannt Sisi
Amalthea, 1. Ausgabe, 2003 (nur noch antiquarisch erhältlich)

12 – S.23
Johannes Thiele
Elisabeth Ihr Leben. Ihre Seele. Ihre Welt (Bildband)
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2011

18 – S.23, 20 – S.15
Hans Rödlhammer
Elisabeth Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn
Verlag Kulturverein Schloss Ebelsberg, 1. Auflage, 1983 (nur noch antiquarisch erhältlich)

2 – S.24, 21 – S.25, 22 – S.25, 26 – S.26
E.C. Conte Corti
Elisabeth von Österreich Tragik einer Unpolitischen
Heyne Sachbücher, 15. Auflage, 1975 (nur noch antiquarisch erhältlich)

11 – S.53, 12 – S.53/54, 23 – S.54, 24 – S.54, 25 – S.54/55
Johannes Thiele
Elisabeth Das Buch ihres Lebens
List Verlag, 1. Auflage, 1996 (nur noch antiquarisch erhältlich)

17 – S.18
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Piper TB, 8. Auflage, 2017

Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1835-1839
Münchner Staatsbibliothek

Michaela und Karl Vocelka
Sisi. Leben und Legende einer Kaiserin
C.H.Beck, 1. Auflage 2014

Verlobung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern

Elisabeth Herzogin in Bayern als Verlobte
dahinter der Starnbergersee
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht?

Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen.

Das die Sissi Filme an den Haaren herbeigezogen sind, erwähne ich beinahe in jedem Beitrag.

Dass aber gerade die Kennenlernszene und alles weitere bis zur Verlobung, nichts als der reine Kitsch und eine hübsche Mär ist, um den von krisengebeutelten Land ein bisschen Idylle einzuhauchen, möchte ich heute gerne erzählen.

Denn leider sind die Filme bis heute zu viel in den Köpfen der – vor allem Frauenwelt – verankert, die diese glauben und für die volle Realität halten.

Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag Seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene Herzogin in Bayern

Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene „Néné“ Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890).

Kürzlich hat ein Ludovika Biograph gemeint herausgefunden zu haben, dass die Geschichte mit Néné gar nicht stimme.

Es soll immer schon Elisabeth gewesen sein, die für Franz Joseph bestimmt gewesen sei und alle Historiker würden sich irren. (Kein weiterer Kommentar)

Ich vermag mir den Seitenhieb nicht verwehren, dass auch Historiker irren können, oft genug habe ich dies in meinen Beiträgen schon bewiesen und auch jetzt muss ich wieder etwas richtigstellen.

Manches Mal wird über das Ziel hinaus geschossen und Papier ist bekanntlich geduldig und so mancher Lektor leider nicht imstande das Gelesene zu verbessern.

Denn schon Egon C. Conte Corti (+2.4.1866, 17.9.1953) hatte 1934 die Geschichte in seiner sehr gut recherchierten Biographie „Elisabeth, eine seltsame Frau“, welche damals noch mit lebenden Augenzeugen gespickt war, aufgegriffen und erzählt.

Er bekam als Einziger Einsicht in mitterweile längst verschwundene, verbrannte oder absichtlich zerstörte Unterlagen und so stützen sich Historiker aus aller Welt bis heute auf seine Bücher.

Vor Conte Cortis Biographie gab es kleinere Bücher oder Erinnerungsblätter welche im Auftrag von Kaiser Franz Joseph direkt nach dem Tode seiner geliebten „Engels-Sisi“ nur intern für seine Familie und als Erinnerung für die Offiziere veröffentlicht wurden.

Tief vergraben in so mancher Bibliothek kann man sie finden und ich habe sie gefunden. Auch hierin ist zu lesen, dass nicht Elisabeth die erste Wahl war, sondern Néné Kaiserin werden sollte.

Foto: Wikimedia/Commons
Sidonie Prinzessin von Sachsen

Doch dem Kaiser gefiel sie nicht, wie zuvor schon die arme Sidonie von Sachsen (*16.8.1834, 1.3.1862), die als Jungfrau sterben musste, weil sie Franz Joseph nicht schön genug war.

Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers. 

Der Bericht zu Franz Josef und seine Frauen kann hier nachgelesen werden. Natürlich war Helene in Bayern nicht die schönste Tochter von Ludovika, dies kann auf den Bildern von ihr sogar heute noch gesehen werden.

In vielen Biografien ist sogar zu lesen, dass sie wie eine Bauernmagd ausgesehen hat, sie geschielt habe und generell grobschlächtig war.

Auf Seite 434 der Ludovika Biografie listet der Autor Fehler von Autoren auf, die in weiterer Folge auch von anderen Historikern übernommen wurden.

Nun gut, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, denn er selbst schreibt, dass die Verlobung am 19.8.1853 stattgefunden habe.

Ich finde es generell schade, wenn ein Historiker, andere verheizt und er selbst greift immer wieder Autorin Praschl-Bichler an, nimmt sich aber nun heraus, diese in seinem Ludovika-Buch immer und immer wieder zu zitieren. In seinem Kapitel „4 Tage in August“ geht es nur darum, Hamann, Conte Corti, Haslinger, Praschl-Bichler, Graf usw. mit seiner These, dass Helene nie für Franz Joseph vorgesehen war, anzugreifen.

Mir liegt das Buch der Grazer Universitätsbiblithek vor und zu Recht bin ich wohl die Erste, die das Buch in Händen hält, denn es ist völlig ungebraucht und ungelesen. Mittlerweile ist das Buch auch nicht mehr erhältlich am Markt. Manches regelt sich von allein.

Nun aber zurück zur Verlobung und zu den Historikern, denen ich vertraue: Dr. Bernhard Graf, Alfons Schweiggert, Egon Conte Corti, Dr. Martina Winkelhofer und Beatrix Meyer.

Sophie suchte also fieberhaft in ihren eigenen Reihen eine geeignete Braut und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war.

„Die Mutter hat ihn ganz in der Hand, er wird ihr völlig gehorchen. Wer weiß, wie lange noch. Jetzt wird er vielleicht ohne Widerspruch die Braut annehmen, die sie, Sophie, für ihn ausgesucht hat. Schon längst hat sie mit ihrer Schwester in München den Plan besprochen, deren älteste Tochter Néné mit ihrem Sohne Franz Joseph zu vermählen. Das Projekt einer Verbindung mit der schönen und klugen Tochter des Palatins Joseph von Ungarn findet nicht ihrer Billigung.“ (1a)

Anmerkung Petra: gemeint war Erzherzogin Elisabeth Franziska; die Geschichte dazu, könnte ihr hier nachlesen.

Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth mit.

Elisabeth wurde als Kind ausschließlich von ihren Eltern, Tanten, Geschwistern usw. „Elise“ genannt. Doch ob ihre Kindheit wirklich gar so glücklich war, kann hier nachgelesen werden.

Aus Elise wurde schön langsam aber sicher Sisi.

Laut Michaela Lindinger, der Hermesvilla-Kuratorin stammt Sisi von Erzherzogin Sophie. Sie soll gemeint haben, eine Kaiserin die „Liesl“ gerufen wurde, könne es nicht geben. Sie soll – wenn es nach Frau Lindinger geht – aus Liesl „Sisi“ gemacht haben.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
kaum bekanntes Bild der 15jährigen Elisabeth im Reitkleid – da im Privatbesitz!
Ölbild: Friedrich von von Kaulbach

Dem widerspricht aber ein Brief von Ludovika an ihre Schwester Königin Auguste von Sachsen von 1853:

„Sisi bei Euch zu wissen, würde ich freilich als ein grosses Glück ansehen… aber leider ist es nicht wahrscheinlich – denn der einzige, der zu hoffen wäre [Prinz Georg, wohl der zweite Sohn des sächsischen Königs Johann], wird schwerlich an sie denken; erstens ist sehr die Frage, ob sie ihm gefiele und dann wird er wohl auf Vermögen sehen… hübsch ist sie, weil sie sehr frisch ist, sie hat aber keinen einzigen hübschen Zug“. 1b)

Anmerkung Petra: Elisabeth wurde auf Brautschau nach Dresden geschickt, kam aber ohne Bräutigam nach Hause; worauf hin sich Louise schwere Sorgen machte. Es ist aber eindeutig bewiesen, dass 1 Jahr vor der Verlobung ihre eigene Mutter Elisabeth „Sisi“ nannte.

Warum also Erzherzogin Sophie dafür verantwortlich sein soll, dass aus „Liesl“ – was im übrigen nirgendwo in der Korrespondenz, sondern erstmals 1903 in den „Erinnerungsblättern“ auftaucht, Sisi wurde, ist mir wieder einmal ein Rätsel.

Elisabeth jedenfalls sollte abgelenkt werden. Ihre unstandesgemäße Liebe zu Richard Graf von Schwarzenberg, welcher ihr den Kopf gehörig verdrehte, musste unter allen Umständen verboten werden.

Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Elisabeths Umfeld entfernt. Er wurde zum Militär geschickt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später.

Elisabeth war untröstlich.

Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen -
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (1)
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber
Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Elisabeth als 14jährige; das Erste bekannte Foto von ihr

Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie.

Zeit ihres Lebens sollte sie ihren Jugendfreund, der nie näher deklariert wurde, vergessen.

Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte.

Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig (*30.6.1833, 19.5.1896) die Wunden heilen könne.

Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus.

Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Elisabeth ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab. 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Ludovika Königin von Preußen und Firmpatin Elisabeths

Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Ischl.

Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester.

Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.

Foto: Wikimedia/Commons
König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“
Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter,

Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura (= in Abwesenheit) Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie).

Sie folgte am 13.8.1853 nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Victor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.

Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an.

Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen.

Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen.

Das Unglück nahm seinen Lauf.

Foto: Wikimedia/Commons
Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum

Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten.

Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht.

Sophie schrieb ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen:

„Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“  (2)

Néné wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in

Foto(montage): W. Hain
Souvenir des Verlobungspaares (Der Kaiser wurde größer gemacht).

Sisi.

Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Elisabeth verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest: 

„In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3) 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte
Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853
Elisabeth ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.

Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch:

„Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)

Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern.

Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth als Verlobte

Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah.

Herzogin Elisabeth trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi.

Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern.

Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu:

„Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)

Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Elisabeth bat, wussten alle im Raum Bescheid.

Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.

Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Elisabeth nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde.

Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser

„sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)

Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz:

„Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.

Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Herzogin Elisabeth verlobt hatte. 

Der kleine Ort war außer Rand und Band.

Foto: Wikimedia/Commons
Siriuskogel

Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E.

Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren.

Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Herzogin Elisabeth war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schrieb sie:

„Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)

Ludovika notierte:

„Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)

Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes
Foto: Peter Füssl
Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes

Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ.

Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten.

Elisabeth war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.

Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.

Foto: Wikimedia/Commons
Karl Ludwig Graf von Grünne

Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte.

So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar.

Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.

Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute ein Museum).

Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.

In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen.

So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiservilla

Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen.

Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn.

Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.

Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.

Elisabeth wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet.

Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org

Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben.

Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at

Elisabeth verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete.

Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.

Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch:

„Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.

Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Elisabeth auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt:

„Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10) 

Foto: fuenfseenland.de
Das junge Paar

Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Sisis Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen.

Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen.

Sie ließ Sisi Eisenpräperate zukommen, die diese einzunehmen hatte. Diese jedoch färbten die Zähne unweigerlich schwarz. 

Elisabeth litt darauf hin ein Leben lang unter ihren schlechten Zähnen, weshalb sie den Mund beim sprechen nie ganz aufmachte und niemals lächelte. 

Weiters wurde an Elisabeth herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus.

Sie musste stundenlang Modell stehen, ihr war langweilig und sie wurde unruhig. Der teure Schmuck, der aus Wien eintraf, wurde in die Schublade verstaut, einzig der Papagei von Kaiser Franz Joseph, der ihr nach Bayern geschickt wurde, bereitete ihr Freude.

Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:

Lebet wohl, ihr stillen Räume,
Lebe wohl, du altes Schloß,
Und ihr ersten Liebesträume,
ruht so sanft in Seesschoß.
Lebet wohl, ihr kahlen Bäume,
Und ihr Sträucher, klein und groß,
Treibt ihr wieder frische Keime,
Bin ich weit von diesem Schoß. (12)

Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte 1,5 Tage.

Bei einem dieser Besuche, überreichte ihm Sisi ihr Verlobungsgeschenk. Stolz und hoch zu Roß, im Hintergrund Schloss Possenhofen,

die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer.

60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valerie übergab. 

Foto: dorotheum.com
Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert.
Bild: Franz Adam & Carl Theodor von Piloty

Beim selben Besuch, brachte Kaiser Franz Joseph mitten im Winter ein Bukett aus weißen Rosen mit – ein ungeheurer Aufwand für die damalige Zeit!

Foto: Wikimedia/Commons
Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel,

Elisabeths Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen.

Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877):

„Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13)

Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung. 

Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Elisabeths Schmuck und Aussehen.

Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten. 

In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet. 

Doch bevor Elisabeth nach Wien fuhr, gab es natürlich noch einen gebührenden Abschied in München.

Im Depot des Kunsthistorischen Museums Wien befindet sich liegend ein Kleid, welches überaus wertvoll ist. Es kann nicht mehr ausgestellt weden, weshalb eine teure 1:1 Replik angefertig und im Sisi Museum ausgestellt wurde.

Foto: Sisi Museum
„Polterabendkleid“ von Herzogin Elisabeth
Replik

Zu Ehren der Braut wurde am Münchner Hof ein Ball abgehalten. Dieser Ball nannte sich „Polterabend“, weshalb das Kleid vielsagend „Polterabendkleid“ genannt wird.

Doch mit einem „Polterabend“, wie wir ihn heute kennen, hat er nichts zu tun.

Das Kleid wird von Martina Winkelhofer im Buch „Sisis Weg“ wie folgt beschrieben:

„Es ist über hundertsechzig Jahre alt und aus weißem Baumwollstoff mit grün-goldenen Einfassungen an Ausschnitt, Ärmeln, Taille und Volant. Über Oberteil und Rock ranken sich zwarte, aus grüner Floss-Seide gestickte Blätter- und Blumenornamente. Inmitten der floralen Ornamente ist ein arabischer Schriftzug eingestickt, der ins Deutsche übersetzt bedeutet: „Oh, mein Herr, welch‘ schöner Traum“.
Der Schnitt des Kleides verrät, dass sein Trägerin von sehr schlanker, zarter Statur war, denn die Taille ist außerordentlich schmal. Auch die Maße des Oberteils und die Ärmelöffnungen verstärken den Eindruck: Das kunstvolle Kleid wurde für ein blutjunges Mädchen geschneidert.“ (14)

Doch auch hier ist der Leser im Irrtum, wenn er glaubt, dass der „Polterabend“ erst kurz vor der Abfahrt Elisabeths stattgefunden hätte.

Durch den Ausschnitt am Kleid, dass sich „Runde“ nennt, erkennt man, dass dieser für ein Ballkleid für die Wintersaison angefertigt wurde. Wie ihr wahrscheinlich im meinem Bericht „Kaiser Franz Joseph ein Kind von Gottes Gnaden“ (der Bericht ist hier) gelesen habt, war dieser zu Weihnachten in München bei seiner Braut.

Es ist daher anzunehmen, dass beide (!) auf diesem Ball zugegen waren und Kaiser Franz Joseph seine Braut am Ball mit diesem Winterballkleid erblickt hat.

„Wien, 20.December 1853
Liebe Eva!(*)
Heute um 2 Uhr vor Tisch besuchte mich Erzherzog Carl um Abschied zu nehmen. Er reist diesen Abend 10 Uhr nach Lemberg auf seinen Posten und bleibt bis zur Vermählung des Kaisers dort. Erzherzog Max ist in Triest und Seine Majestät reisten heute nach München. Die vortreffliche Erzherzogin Sophie ist beinahe verweist, aber schöne Hoffnungen bleiben ihr, zieht erst die Kaiserbraut in Wien ein. Gott erfülle alle Hoffnungen!
Deine Sophie. (15)

Und am 8.Jänner 1854 ist zu lesen:

„Wien, 8.Jenner 1854
Liebe Eva!
Der Kaiser soll sehr heiter und zufieden von seiner beglückenden Reise zurückgekehrt sein und sich wie ich höre vorgenommen haben diesen Carneval nicht zu tanzen, was seinen ritterlichen Gefühlen sehr entspricht.“

Deine Sophie (16)

Doch als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte der gesamte Wiener Hof und eine zitternde Elisabeth, welche mit den Nerven völlig am Ende war, stieg im April 1854 auf ein Schiff Richtung Wien. (Zur Hochzeit geht es hier weiter). 

Petra –

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
„Die Rose aus dem Bayernland“ Herzogin Elisabeth als Verlobte
nicht so gelungene Replik des Originals von Anton Einsle, 1854
Dieses Bild hängt zur Erinnerung an die Anwesenheit der Braut Elisabeth im Landhaus Linz –
kann nicht öffentlich besichtigt werden!

(*) Wichtige Anmerkung:
In den „Hofdamenbriefe Sammlung von Briefen an und von Wiener Hofdamen a.d.19.Jahrhundert“, Ausgabe 1903, Verlag von Caesar Schmidt, Zürich, Gesammelt von B.von.S. ist Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf als Hohenberg angeführt.

In den „Hofdamen-Briefe um Habsburg und Wittelsbach (1835-1865) Herausgegeben von Richard Kühn, Oswald Arnold Verlag Berlin, 1942, hat Herr Kühn nicht nur den Titel geändert, sondern bedauerlichweise oftmals auch den Inhalt komplett anders wiedergegeben, als in den Originalbriefen dies jemals enthalten gewesen wäre (ich bin ehrlich gesagt überfragt, warum). Hinzu kommt noch ein etwas längeres Vor- und ein Nachwort, wo er im Nachwort lediglich ein paar historische Personen ergänzt, nichts aber über die Hofdamen preisgibt. Recherchen über diese hat er anscheinend nicht vorgenommen. Ein paar Briefe wurden ergänzend hinzugefügt; da diese aber im Originalbuch fehlen, frage ich mich, welchen Originalinhalt diese tatsächlich beinhalteten. Eine Quelle mit Vorbehalt meiner Meinung nach.

Auffällig war aber, dass nach längerem Suchen eine Eveline von Hohenberg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorf nicht aufzufinden war. Im Vorwort von Herrn Kühn fand sich ein Satz, der mich allerdings weiterbrachte. Ihre älteste Tochter (namenlos) hatte Graf Camillo Starmhermberg geheiratet.

Über die Webseite der Starhermbergs fand ich Camillo Heinrich Fürst von Starhermberg (*31.7.1835, †3.2.1900). Er war mit Sophie Gräfin von Hohenburg-Sickingen (*13.8.1842, †23.5.1913) verheiratet.

Über das „Genealogisches Handbuch des Adels -Fürstliche Häuser“ von 1971 fand ich heraus, dass es in Breslau einen Adel Schlabrendorff gab. Weiters hieß dieser ganz genau: Schlabrendorff von Seppau

Und dann hatte ich sie gefunden: Eveline Gräfin von Hohenburg-Sickingen geb. Gräfin Schlabrendorff von Seppau war die angegebene Briefeempfängerin Eveline Gräfin Hohenberg-Sickingen. Sie hatte Wilhelm von Hohenburg-Sickingen (*2.12.1777, †7.3.1855) geheiratet.

Warum also im 1903 erschienen Buch „Hofdamen Briefe“ der Name der Empfängerin falsch wiedergegeben wurde, ist mir unklar. Ich nehme an, dass dies ein Abschreibfehler des Enkels (von Eveline) war, der die Briefe fand und schließlich in Zürich veröffentlichte. Herr Kühn 1842 hatte einfach den Text übernommen, ohne vorher zu recherchieren. Diese Abschreiberei ist ja nichts Neues.

Weitere Angaben zum Leben der Personen – weder zu Eveline, noch zu den der Hofdamen – sind auch mir verborgen geblieben. Diese konnte auch Herr Kühn schon nicht liefern.

Schon 1903 findet sich in einem Nebensatz, dass die Hofdamen immer alle unbekannte Wesen waren, wenn auch nicht unbedeutend. Ein trauriger Satz, der aber leider richtig ist.

Bis heute zum Beispiel konnte ich keine Daten von Sophie Gräfin von Scharnhorst auffinden. Sie ist auch Thema im Beitrag „Spanisches Hofzeremoniell – Hofetikette“. Diesen Beitrag findet ihr hier.


Rechtliche Hinweise:

Text: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, dorotheum.com, fuenfseenland.de, anno.onb.ac.at, oocities.org, Peter Füssl, Sisi Museum, W. Hain, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise: 

1a – S 23
E.C.Conte Corti
Elisabeth von Österreich
Tragik einer Unpolitischen
Heyne Verlag, 15. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich)

1 – S 30, 1b – S. 18, 2 – S 31, 3 – 4 – S 32, 5 – S 34, 6 – 7 – S 35, 8 – S 38, 9 – S 37, 11 – S 47, 12 – S 48, 13 – S 52 
Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992

10 – S 153 
Ingrid Haslinger 
Erzherzogin Sophie Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 1. Auflage, 2016 

14 – S.72
Martina Winkelhofer
Sisis Weg
Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeths erste Jahre am Wiener Hof
Piper Verlag, 1. Auflage 2021

15 – S.259/60, 16 – S.260
Hofdamen-Briefe
Sammlung von Briefe an und von Wiener Hofdamen a.d. 19. Jahrhundert
Gesammelt von B.von.S.
Verlag Caesar Schmidt Zürich, 1. Auflage 1903 (nur noch antiquarisch erhältlich)


Herzogin Sophie in Bayern

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie Herzogin in Bayern

Wir gedenken des Todestages von Sophie Maria Friederike Auguste Leopoldine Alexandrine Ernestine Albertine Elisabeth Prinzessin von Sachsen wurde am 15.3.1845 in Dresden geboren.

Foto: Wikimedia/Commons
König Johann von Sachsen
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Amalie von Sachsen

Ihr Vater war Johann Nepomuk Maria Joseph Anton Xaver Vincenz Aloys Franz de Paula Stanislaus Bernhard Paul Felix Damasus König von Sachsen, bekannt als König Johann I. von Sachsen (*12.12.1801, †29.10.1873).  

Ihre Mutter war Amalie Auguste Prinzessin von Bayern (*13.11.1801, †8.11.1877)

Amalie Auguste wiederum eine Schwester von Herzogin Ludovika und Erzherzogin Sophie war.

Diese war somit die Tante von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph, weshalb Sophie die Cousine der beiden war.

Die Ehe von Johann und Amalie war äußerst glücklich. Dem Paar wurden 9 Kinder geboren, Sophie war das jüngste Kind und die letzte Tochter. 

Als Carl Theodor „Gackel“ Herzog in Bayern (*9.8.1839, †30.11.1909) verheiratet werden sollte, fiel die Wahl von Mutter Ludovika (*30.8.1808, †26.1.1892) wieder einmal aus Eigensucht auf Titel und Ehre auf eine Hohenzollern-Prinzessin.

Therese von Württemberg sollte die Braut von Carl Theodor werden, doch diesmal stellte sich ihr Mann Herzog Max (*4.12.1808, †15.11.1888) eigenhändig quer.

Er schrieb einen erbosten Brief an den Erzieher von Gackel und bat ihn, diese Brautfahrt zu unterbinden. Niemals würde er diese Verbindung gutheißen.

Ludovika musste sich geschlagen geben.

Nun fiel von seitens Carl Theodor die Wahl auf die jüngste sehr schöne Tochter von Johann König von Sachsen und die Schwester von Ludovika Königin Amalie von Sachsen.

Max war hochzufrieden mit der Wahl und gab sein Einverständnis.

Foto: Wikimedia/Commons
Sophie und Carl Theodor in Bayern

Die Hochzeit fand am 11.2.1865 in der Kapelle des Schlosses in Dresden statt. Der sechsjährige Kronprinz Rudolf war ganz unglücklich, da sich niemand um den Buben kümmerte.

Carl Theodor hatte nur Augen für seine schöne Braut, Néné zog sich permanent um (wie er sich klagend in seinen Briefen äußerte), Mama habe sowieso keine Zeit und Sophie sitze da, ließe sich frisieren, redete ununterbrochen mit dem Angerer (Anmerkung Petra: Fotograf) und ihm (Anmerkung Petra: Rudolf) sei schon ganz schwindelig. Noch 4 ganze Tage müsse er es hier aushalten, zum Glück habe er den Argus (Anmerkung Petra: Hund von Carl Theodor). (1)

Am Abend fand ein großes Festdinner statt, an welchem das berühmte Sternenkleid von Kaiserin Elisabeth und Néné seinen Auftritt hatte.

Der Beitrag zum Sternenkleid kann hier nachgelesen werden.

Foto: Wikimedia/Commmons
Kaiserin Elisabeth
Bild: F.X. Winterhalter 1867

Sophie von Sachsen war in der Familie äußerst beliebt. Sie war eine lebensfrohe Person, die gern musizierte und dem halbverlassenen Schloss Possenhofen wieder Leben einhauchte.

Foto: Wikimedia/Commons
Amalie Herzogin in Bayern, verh. von Urach

Kaiserin Elisabeth mochte sie Zeit ihres Lebens von all ihren Schwägerinnen am allerliebsten.

Sophie schrieb gerne Briefe an ihren Vater und beschrieb dabei das Leben in Possenhofen.

Gackel und Sophie musizierten für ihr Leben gerne abends stundenlang, während ihnen Ludovika und die verbliebenen Kinder, der Besuch und sogar die Bediensteten zuhörten. 

Am 24.12.1865 krönte, mit der Geburt der kleinen Tochter Amalie Maria Herzogin in Bayern († 26. Mai 1912), die große Liebe der Eltern.

Doch die Geburt der Tochter war so schwer, dass sich Sophie nicht richtig um ihre kleine Tochter kümmern konnte.

Sie kränkelte permanent, erholte sich nicht mehr richtig.

Ihre Gesundheit schwächelte von diesem Tag an permanent vor sich her.

Carl Theodor machte sich große Sorgen um seine junge, hübsche Frau. 

Am 22.2.1867 wurde die kleine Schwester von Kaiserin Elisabeth, Sophie 20 Jahre alt.

Zu diesem Zeitpunkt war Sophie (*23.2.1847, †4.5.1897) schon mit König Ludwig II (*25.8.1845,†13.6.1886) verlobt. Dieser wiederum wollte seiner Verlobten ein richtiges Fest ausrichten und ließ einen großen und feudalen Hofball veranstalten.

Foto: zeno.org
König Ludwig und Sophie Herzogin in Bayern
als Verlobungspaar

Sophie nahm bei der Veranstaltungen teil und zog sich beim Familiendinner eine Erkältung zu, welche sich rasend schnell zu einer Kehlkopfentzündung ausbreitete.

Einige Tage später schrieb Gackel mehrere besorgniserregende Depeschen an seinen Schwiegervater König Johann von Sachsen: 

„Der gestern eingetretene Kärfteverfall dauert fort, Bewusstsein schwindet, Fieber stärker, Halserscheinungen zwar besser, aber Hoffnung leider gering, Carl“  7.3. 

„Die Krankheitserscheinungen höchst ungüstig. Das Ende bevorstehend. 9.3./8.10 Uhr“ 

„Eben schied der gute Engel von hinnen“ 9.3./9.30 Uhr (1)

Sophie Herzogin in Bayern starb am 9.3.1867 21jährig um 9.30 Uhr im Beisein ihres Mannes und ihrer Schwiegermutter Ludovica.


Ihr 22. Geburtstag wäre am 15.3. gewesen.
Für Carl Theodor, der selbst 22 Jahre alt war und Vater eines 22 Monate alten Kindes war, brach die Welt zusammen.

Wie sollte es nun weitergehen? 

Sophie erhielt von ihrem Verlobten folgenden Brief den sie ihrem Bruder Carl Theodor zeigte: 

„…. Grause Dich nur recht inmitten der grässlichen Leichendüfte, umgeben von einer weinenden Familie, ich fühle mich recht behaglich in meiner schönen Wohnung und schreibe den Inhalt an den guten Gackel, quetsche ihn recht aus, ob er mich noch lieb hat, und versichere ihm meine treue Freundschaft zu Ihm und meine innige Teilnahme an seinem tiefen Schmerz… (2)

In seinem tiefen Schmerz erfuhr er von seinem König, Freund, Vertrauten und Cousin 2. Grades nichts als Hohn. Der Verlobte seiner Schwester spottete über die geliebte Tote.

Die tiefe und innige Freundschaft der beiden zerbrach an jenem Tag und konnte seitens Carl Theodor nie wieder gekittet werden. 

Zu allem Überfluss fanden Sophie und Gackel noch eine beigelegte Zeichnung von Ludwig.

Diese zeigte einen frischen Grabhügel, die einen gekrönten Totenkopf mit einem Kreuz über den Knochen und einem daneben liegenden Schädel zeigte. 

Gackel war außer sich und fühlte sich weder in seiner Trauer ernst genommen, noch hatte Ludwig Respekt vor seiner toten Frau.

Wer aber nun glaubt, dass es ein einmaliger Ausrutscher seitens Ludwigs war, irrt. Mehrerer solcher Briefe folgten, die weiterhin nicht viel einfühlsamer waren.

Aber nicht nur Carl Theodor war entsetzt über Ludwig. Auch Sophie zweifelte mittlerweile ob dieser Briefe immer mehr ob er tatsächlich der Mann ihres Lebens werden sollte.

Drei Tage später, war die Leichenfeier in der Tegernseer Gruft, Ludwig schrieb folgende Zeilen an Sophie, welche diese wieder an Gackel weiterleitete:

Rechte gute Tage, meine liebe Elsa (Anmerkung Petra: Ludwig nannte Sophie nach Wagners Oper Lohengrin Elsa; Sophie hatte eine ausgeprägte Opernstimme und konnte Opernpartien singen), wie geht es Dir? Die Seele Sophieens darf uns recht dankbar dafür sein, dass Wir so entsetzlich lange Zeit ihr zu Liebe in einer wahren Kellerluft gebetete haben. Herrlich war Mozarts berühmtes Requiem, das ich eigens bestellt hatte. O‘ schreibe bald dem theuren Freunde. Was sagte Gackel gestern? 1000 (auf Geldsack) herzliche Grüsse. (3)

Sophie Herzogin in Bayern ruht in der Wittelsbacher Gruft in Tegernsee, welche nicht öffentlich zugänglich ist.

– Petra –


Rechtliche Hinweise:
Text: Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, zeno.org


Literatur Hinweise: 

1 – S 78, 2 – S 78, 3 – 78
Bernhard Graf 
Sisis Geschwister 
Allitera Verlag, 2017 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Christian Sepp 
Sophie Charlotte: Sisis leidenschaftliche Schwester 
August Dreesbach Verlag, 2017 

Herzogin Ludovika in Bayern

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika mit 22 Jahren
Bild: Josef Stieler, 1830

Wer die „Sissi“ Filme kennt, wird natürlich auch Herzogin Ludovika, dargestellt von Magda Schneider (Mutter von Romy Schneider) verehren.

Die gütige liebende Mutter, die ihrer Tochter Helene versucht beizustehen, als sich der Kaiser für die „Liesl von Possenhofen“ entscheidet.

So wenig die Filme sonst mit der Realität zu tun haben, hier haben sie in einem Punkt eines gemeinsam:

Ludovika war eine liebende Mutter. Wenn auch nicht so fürsorglich, wie von Magda dargestellt; die selbst im realen Leben keine Mutter war. Aber das sei nur eine Randnotiz. Hier geht es schließlich nur um Kaiserin Elisabeths Leben.

Ludovikas Vater war König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, bekannt als König Maximilian I. Joseph (*27.5.1756, †13.10.1825). Er ehelichte am 30.9.1785 Auguste Wilhelmine Prinzessin von Hessen-Darmstadt (*14.4.1765, †30.3.1796). Mit ihr bekam er 5 Kinder.

Foto: Wikimedia/Commons
König Maximilian I von Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Auguste Wilhelmine und 2 Kinder

Durch politische Unruhen durchs Land getrieben und geschwächt durch die Geburten, starb Auguste Wilhelmine schließlich in Rohrbach 31jährig am 30.3.1796 an Lungentuberkulose.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Max der Verzweiflung nahe, da er nicht nur mit 4 Kindern alleine dastand, sondern auch um seine geliebte Frau trauerte, lernte im Exil in Ansbach Prinzessin Karoline von Baden (*13.7.1776, †13.11.1841) kennen und lieben.

Foto: Wikimedia/Commons
König Maximilian Joseph I
Foto: Wikimedia/Commons
Königin Karoline

Allerdings war er bereits 41 Jahre alt, als er die junge Prinzessin kennenlernte.

Er bat deren Mutter Amalie von Hessen-Darmstadt (*20.6.1754, †21.7.1832) in einem rührenden Brief und die Hand der schönen Tochter.

Karoline war anfangs nicht sonderlich begeistert, stimmte einer Hochzeit – wohl weil die Mutter sie überredet hatte – allerdings zu.

Sie war erst 21 Jahre alt, als sie am 9.3.1797 die Ehe mit Maximilian einging.

Was folgte, ist beispielslos in der Welt der Könige und Kaiser. Die Ehe wurde außerordenlich glüklich und harmonisch. Keiner konnte und wollte ohne dem anderen sein.

Karoline und Max bekamen 8 Kinder, wovon 2 Zwillingspärchen waren.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)
Foto: Wikimedia/Commons
Luise (Ludovika), Sophie und Maria Anna

Ludovika Wilhelmine wurde am 30.8.1808 auf Schloss Nymphenburg geboren. In der Familie wurde sie liebevoll „Luise“ oder „Louise“ genannt.

Ihre älteren Geschwister waren die Zwillinge Elisabeth und Amalie Auguste und die Zwillinge Maria Anna und Sophie Friedericke. Sie wurde Erzherzogin Sophie – die Mutter von Kaiser Franz Joseph.

Nach Ludovika erblickte nur noch Nesthäkchen Maximiliane Josepha (*21.7.1810, †4.2.1821) das Licht der Welt.

Die beiden Brüder überlebten das Kindheitsalter leider nicht. Der erste Sohn starb gleich bei der Geburt, Maximilian starb mit 3 Jahren.

Foto: samot/shutterstock.com
Schloss Nymphenburg in München

Louise wuchs im Schloss Nymphenburg sehr liebevoll auf. Ihre Eltern waren fürsorglich, die sich gut um die Kinderschar kümmerte. Ein seltenes Familienidyll in jener Zeit – vor allem für Königshäuser.

Königin Karoline wurde Zeit ihres Lebens von ihren Kindern sehr verehrt und geliebt. Wie sehr die Eltern vergöttert wurden, bezeugen Liebesbriefe der Kinder an die Eltern, die in Wien am Wiener Kongress (1814/15) ihre Pflicht taten. 8 Monate waren sie von zu Hause weg.

Die 9jährige Sophie schrieb verzweifelt:

„Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (1)

Die Kinder hatten lustige Kosenamen für sich – vor allem Sophie wurde damit reich beschenkt:

Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer, Ludovika wurde zu „Louise“ und Nesthäkchen Maximiliane Josepha wurde von allen nur „Ni“ gerufen. 

Foto: Wikimedia/Commons
Die Innschrift des Grabreliefs von Prinzessin Maximiliane Josepha Caroline von Bayern: „Innigst geliebt und heftigst beweint“

Die kleine Ni war generell der erklärte Liebling der Familie, aber am meisten von ihrer Mutter.

Während Max seine Kinder Sophie und Anna Maria am meisten liebte.

Ni war Zeit ihres Lebens immer kränklich gewesen. Als sie aber am 4.2.1821 im 11ten Lebensjahr an Schleimfieber verstarb, brach für die Familie eine Welt zusammen. Karoline trauerte lange und tief.

Auch die Kinderschar musste diesen Verlust erst verarbeiten. Sophie nagte Zeit ihres Lebens am Verlust ihrer Schwester. Wie tief der Schock über den viel zu frühen Tod gewesen sein muss, zeigt das Grabrelief der kleinen Ni.

Trotz allem mussten Ludovika und ihre Geschwister schon sehr früh (ab dem 4. Lebensjahr) am Hofleben teilnehmen; sie mussten das Hofzeremoniell lernen, ins Theater gehen und Pflichten des höfischen Lebens erlernen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Herzog Max

Luise wurde in Französisch (Hofsprache), Deutsch, Literatur, Geschichte und Geographie unterrichtet. Die Kinder durften im Schlossgarten toben und auch allerlei Streiche oder Unsinn machen. Die Liebe zur Freiheit und Ungezwungenheit war es, welche Ludovika auch ihren Kindern weitergeben sollte.

Schon als 7jähriger wurde Herzog Maximilian in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888) einer Königstochter von König Maximilian I. Bayern versprochen. Dies aus mehreren Gründen. Zum einen wollten sein Großvater Wilhem Herzog in Bayern (*10.11.1752, †8.1.1837) und der König sich der Erblinie „in“ und „von“ Bayern wieder annähern und den 1799 vereinten Pakt, dass auch die „in“-Linie geborene Prinzen und Prinzessinen waren, verhärten. Zum anderen, wurde durch gemeine Intrigen eines Ministers des Königs das Verhältnis zum Herzog sehr getrübt. Die Erblinie „in“ Bayern kann hier nachgelesen werden.

Da Max, durch zerrüttete Familienverhältnisse und den Tod seiner geliebten Mutter, bei König Maximilian und seiner Familie aufwuchs, kannten sich Ludovika und die gesamte Kinderschar aus der Kindheit.

Besonders Louise und Max waren sich sehr zugetan, wie einige Briefe aus der Kindheit beweisen.

„Ich möchte, Du wärest auch hier und könntest mit uns spielen. Adieu lieber Max, es freut sich herzlich Dich wiederzusehen Deine Cousine Louise“. (2)

Manchmal sandte Max ihr lustige Stücke oder heitere Briefe oder anderweitige Dinge, die Louise sehr erheiterten:

„Dein Ballett, lieber Max, für welches ich Dir recht sehr danke, hat mich sehr lachen machen, und wenn Du wieder kommen kannst, so werde ich es aufführen.“ (3)

Als 15jährige schrieb sie ihm:

„Nun lebe wohl, theurer Schawawi, und vergesse nicht Deine Louise!“ (4)

Foto: Wikimedia/Commons
Prinzessin Ludovika „Louise“, ca. 6jährig
Zeichnung: Ferdinand von Piloty II

Versprochen wurde Max die Königstochter Maximiliane „Ni“, welche aber 11jährig verstarb. Als 1825 die beiden Herren beschlossen, dass nun Ludovika nachzurücken habe, fielen die beiden aus allen Wolken.

So sehr sie sich aus Kindertagen liebten und schätzen, an eine Heirat dachten sie gewiss nicht. Beide hatten andere Partner erwählt. Max hatte sich leider unstandesgemäß in eine Bürgerliche verliebt und Louise verliebte sich in einen portugiesischen Prinzen. Der Beitrag zu Herzog Max kann hier nachgelesen werden.

Foto: geneall.net
König Michael I. von Portugal „Don Miguel“
Ludovika verliebte sich in Miguel Maria do Patrocínio João Carlos Francisco de Assis Xavier de Paula Pedro de Alcântara António Rafael Gabriel Joaquim José Gonzaga Evaristo de Bragança e Bourbon, kurz Don Miguel oder schlicht und ergreifend Prinz Michael (*26.10.1802, †14.11.1866). 

Von 1828 - 1834 regierte er das Land Portugal als König, weshalb sein Titel danach König Miquel oder König Michael war. 

Ihn hatte sie als junges Mädchen bei ihrer Schwester Erzherzogin Sophie (*27.1.1805, 28.5.1872) in Wien kennengelernt. Der Beitrag zu Sophie kann hier nachgelesen werden.

Es war Liebe auf den ersten Blick und Dom Miquel hiel um die Hand der schönen Prinzessin an.

Foto: Wikimedia/Commons
König Ludwig I.

Doch durch politische Querelen lehnte König Maximilian diese Verbindung ab. Zeit ihres Lebens verzieh Louise ihrem Vater dies nie.

Doch bevor noch mit Max Verlobung gefeiert werden konnte, musste die Familie einen herben Verlust hinnehmen. König Maximilian I. Joseph starb am 13.10.1825.

Nun rückte ihr (Halb)Bruder Ludwig I. als König nach (*25.8.1786, †29.2.1868). Selbstverständlich hielt Don Miquel nochmals um die Hand der Schwester an, doch auch Ludwig lehnte die Verbindung ab.

Louise weinte sich ab nun beinahe täglich in den Schlaf, auch wenn ihr Max versicherte sie zu lieben. Die Verbindung wollten in Wirklichkeit beide nicht.

Nach dem Trauerjahr fand im Dezember 1827 die Verlobung statt.

König Ludwig I. schenkte den beiden das stattliche und bekannte Bild seines Hofmalers Joseph Karl Stielers, welches jahrelang in sämtlichen Adelskreisen für große Spekulationen sorgte:

„Stieler hat sie [Ludovika] mit dem Bräutigam gemalt […]. Die hohe schlanke Gestalt in weißem ausgeschnittenen Kleide steht in landschaftlicher Umgebung. Das edle Oval ist dem Beschauer zugekehrt, und die zaghaft blickenden Augen schweifen in unbestimmte Fernen. Dicht gesteckte dunkle Locken decken die Schläfe, und eine reiche Haarkrone liegt um das Haupt. Ihre Hand ruht in der des stattlichen Bräutigams. Es ist ein schönes, vornehmes Paar. Von weitem schimmern der Tegernsee und das breite, helle väterliche Schloß, wo sie am 9.September 1828 beide zwanzigjährig vor dem Altare standen. Die Braut, ein fertiges Weib, reif und ohne Illusion in die Welt schauend, Herzog Max ein Jüngling, der das Leben noch nicht genossen, der es aber kennenlernen wollte und gewiß keine Lust hatte, so früh gebunden zu sein.“ (5)

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Verlobungsbild Prinzessin Ludovika und Herzog Max, 1828 – dahinter Schloss Tegernsee
Bild: Joseph Karl Stieler

Es kein Zetern und kein Wehklagen:

am 9.9.1828 wurde in der Schlosskapelle St. Quirinus der Bund der Ehe geschlossen.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Schloss Aichach 2017
Hochzeit Max und Ludovika, 1828
Bild: Lithographie Franz Xaver Nachtmann

Als der Brautstrauß geworfen wurde, soll Ludovika den Ausspruch

„Dieser Ehe und allem, was daraus hervorgeht, soll der Segen Gottes fehlen bis ans Ende“ (6)

der wie ein Fluch klang, gesagt haben. Ob dies jedoch stimmt, sei dahingestellt.

Foto: Wikimedia/Commons
Gräfin Marie von Larisch

Er könnte in weiterer Folge ein gestreutes Gerücht der gekränkten und verstoßenen Marie Gräfin von Larisch (*24.2.1858, 4.7.1940)sein, welche sich in ihren beiden Büchern nach der Verbannung (wegen Kronprinz Rudolfs Tod) an ihrer Familie bitter gerächt hatte.

Obwohl sie dabei ihre Großmutter in Verruf brachte, nahm dies Gräfin Larisch wieder einmal billigend in Kauf.

Die Hochzeitsnacht wurde für Max zu einer peinlichen Farce und – wenn man es ganz genau betrachtet – wusste Louise nicht, wie die Rache eines Mannes aussehen konnte.

Als die Nacht der Nächte so weit war, zog sich Louise auf den hintersten Winkel des Bettes zurück und fiel völlig erschöpft in einen tiefen Schlaf. Sie hoffte natürlich, dass ihr Ehemann dies genauso tun würde, wie sie selbst.

Doch Max hatte natürlich andere Pläne.

Als er in das gemeinsame Zimmer kam, wachte Louise erschrocken auf, hüpfte aus dem Bett und stieß Max in einen zufällig offenen Schrank.Völlig panisch versperrte sie den Schrank und legte sich wieder zu Bett. Den polternden Max hörte sie nicht oder wollte ihn nicht hören. So verblieb dieser die ganze Nacht in diesem Schrank und schwor sich, seiner Frau schon zu zeigen, was es bedeuten würde, verheiratet zu sein.

Tatsache war allerdings, dass Louise todunglücklich war.

Max fand Louise hausbacken und langweilig. Louise ihren Mann zu umtriebig.

Trotzdem bekam das Paar 10 Kinder, wovon 8 Kinder das Erwachsenen Alter erlebten.

Fotos: Wikimedia/Commons
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra (vormals Sternenkaiserin)

Die erste Zeit reiste das Paar viel und zog schließlich in das bombastische Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße in München.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max-Palais, München

Die wichtigste Stützte als Freund und Erzieher der Kinder war ihr dabei Baron Carl von Wulffen (*/unbekannt), den sie später zu ihrem Obersthofmeister machte.

Foto: Wikimedia/Commons
Schloss Possenhofen, Aquarell Franz Xaver Nachtmann, 1839

1834 wurde das Schloss Possenhofen am Starnberger See, in der Familie liebevoll „Possi“ genannt, gekauft. Von nun an, verbrachten Louise und die Kinde jede freie Minute in Possi. Vor allem zwischen Oktober und September, da es nicht beheizt werden konnte.

Der Unterricht wurde auch oft in die Natur verlegt, denn der große Garten, der See und die umliegenden Wälder luden zum Toben, Reiten und Schwimmen ein.

Auch wenn es sich nicht ziemte, aber die Kinder lernten alle Schwimmen. Vor allem Kaiserin Elisabeth sollte dies ihr Leben lang beibehalten.

Ludovika liebte lange Spaziergänge, den Wald, die Tiere und so ging sie mit den Kindern stundenlang spazieren und brachte ihnen die Natur näher.

Ludovika sprach mit den Kindern hauptsächlich deutsch, was dem strengen Hofzeremionell nicht entgegenkam, da man am Münchner Hof ausdrücklich nur französisch sprach. Obwohl sie selbst als Prinzessin aufgewachsen war, hielt sie es hier, wie ihr Mann Max, der vom strengen Hofprotokoll nichts wissen wollte.

Sie lernte den Kindern den bayrischen Dialekt, was man später Kaiserin Elisabeth am Wiener Hof sehr Übel nehmen sollte, obwohl sie nichts dafür konnte. Natürlich sprach sie perfektes Französisch und sogar Englisch; trotzdem rümpfte der feine Hof die Nase.

Generell war Louise ein Mensch, der andere Menschen nur schwer an sich ran ließ und sich lieber in der Natur aufhielt.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Schloss Possenhofen
heute Eigentumswohnungen und nicht betretbar
Possi und Ludovika wurden zum Lebensmittelpunkt der Kinder. Herzogin Ludovika hielt nichts vom strengen Hofzeremoniell und ließ die Kinder zu Hause von Hauslehrern unterrichten. 

Außer den Familienmitgliedern waren ihr fremde Menschen verhasst. Menschengetümmel und vor allem das Angestarrt werden, war ihr ein Gräuel. Ein Umstand, den sie vor allem an Elisabeth weitergeben sollte.

Dass ausgerechnet diese Kaiserin von Österreich werden würde, war natürlich nicht vorauszuahnen.

Possi wurde für die Kinder der Inbegriff von Freiheit, von Liebe und von Heimat. Alle Kinder kamen immer gerne nach Possenhofen zurück und hatten Zeit ihres Lebens schweres Heimweh. Keiner von den Kindern konnte die Freiheit so derartig bewahren, wie sie es als Kinder genossen haben.

Ludovika selbst ging in ihrer Aufgabe als Mutter voll auf. Sie legte Wert darauf, die Kinder selbst zu erziehen und beschäftigte sich viel mit ihnen.

Am 31.10.1838 kaufte sich Max das kleine Schloss Unterwittelsbach bei Aichach, das heute auf den wohlklingenden Namen „Sisi Schloss“ hört, allerdings gar nichts mit Sisi zu tun hatte.

Es ist umstritten ob sie jemals dort war oder nicht.

Es diente Max als Rückzugs-, Ruhe- und Jagdschlösserl, welches einen kleinen See hatte. Der Garten ist bis heute nicht wieder erschlossen und völlig verwildert.

Die gesamte Einrichtung ist verschwunden. Mittlerweile finden alljährlich Ausstellungen statt, die sich fast immer gleichen, nur anders heißen. 2017 besuchte ich die Herzog Max-Ausstellung und gleichzeitig war auch Elisabeths Hochzeitsschmuck ausgestellt.

Es gibt ein sehr idylisches Bild von Otto Flad, 1841. Darauf ist Herzog Max in einem Kahn zu sehen, während Herzogin Ludovika mit einem Kleinkind, welches natürlich Sisi sein soll, aus dem Schlösschen tritt.

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Herzog Max-Ausstellung, Aichach 2017
Schloss Aichach
Herzog Max im Kahn, Ludovika und „Sisi“ im Eingangsbereich im Schloss, 1841
Bild: Otto Flad

Am 14.11.1839 wurde vom Aichacher Pfarrer überliefert, dass Herzog Max mit Herzogin und dem 7jährigen Ludwig im Schlösschen angekommen sei.

Der Stadtarchivar Karl Christl von Aichach hat sich natürlich eine wunderbare Idylle zurecht gelegt. Er sah die kleine Sisi Blumen pflücken und ihrer Mama bringen, Max im Kahn fahren, die Buben am nahen Weiher fischen usw. Es klang ein bisschen wie aus dem Sissi Film und nicht nach dem echten Leben.

Auch wenn man wenig bis gar nichts über die Kindheit von Kaiserin Elisabeth weiß, es gibt keinerlei Aufzeichnungen, dass sie jemals vor Ort gewesen sei.

Weder von ihr selbst, noch von Ludovika, noch von Max.

Johannes Thiele schrieb in seiner Elisabeth Biografie "Sisi, das Leben der Kaiserin Elisabeth", dass diese als Kind in Aichach mit Vater Max durch die Gasthäuser zog, als dieser Zither spielte. Dabei warfen ihr die Männer Geldstücke zu. Später soll Elisabeth voller Stolz diese Geldstücke, die sie ein Leben lang bei sich trug, ihren Hofdamen gezeigt und behauptet haben, dass das ihr einziges ehrliches verdientes Geld gewesen sei. 

Auch zu ihren zahlreichen Enkelkindern hatte „Großmama“ ein äußerst gutes Verhältnis.

Marie von Redwitz schrieb folgendes in ihr Tagebuch, als sie 1888 die alte Dame kennenlernte:

„Ich war erstaunt über die Erscheinung, und die einst schöne und große Frau kam mir mit der gebeugten Gestalt ihrer einundachtzig Jahre um den verwelkten Zügen wie ein Spitalweibchen vor. Das noch dicke melierte Haar war um den Kopf gelegt, und da sie keine Haarnadeln ertrug, mit einem schwarzen Filetnetz gehalten. Das grüne schlafrockartige Kleid hatte auffallendes gelbes Muster. Sie sprach mich liebenswürdig an, mit schwachem Lächeln auf den Lippen und den gesenkten Augen der getrübten Sehkraft.“ (8)

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Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

Um Ludovika jedoch näher kennenzulernen, müsste man sich mit ihren Briefen beschäftigen. Sie schrieb an alle ihre Lieben und hielt auch bis ins hohe Alter mit allen Schwestern und Brüdern engen Kontakt. Als ihre Augen immer schlechter wurden, ließ sie ihre jüngste Tochter Sophie ihre Korrespondenz erledigen. 

Einen Teil hat Historiker Christian Sepp in seiner Ludovika Biografie verarbeitet. Nun kamen die „Erinnerungen an Großmama“ in Form des Tagebuchs von Amelie von Urach dran. Hier geht es um die Hinterlassenschaft des Autors Richard Sexau, welcher das Tagebuch der Herzogin von Urach veröffentlichen wollte.

Amelie war, wie bereits erwähnt, die Tochter von Carl Theodor in Bayern, Louises geliebte Enkelin und die beste Freundin von Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, 6.9.1924), der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth.

Sexau starb vor seiner Veröffentlichung und so haben Historiker/innen seit jeher Quellen aus diesen handschriftlichen Werken Sexaus und Amelie von Urach in ihren Wittelsbacher und Habsburger Büchern verwendet.

Christian Sepp machte daraus nach seiner umfangreichen und sehr teuren Ludovika Biografie ein eigenes kleines Büchlein.

Eine Passage, ist mir dabei ins Auge gesprungen, die wieder eine devote Herzogin zeigen würde, allerdings einen völlig agressiven und überforderten Herzog Max.

Vor ab möchte ich noch erwähnen, dass Christian Sepp zwischen Original und Abschrift unterscheidet. Also einmal Sexaus Notizen und einmal zwischen der Abschrift von Amelies Tagebuch.

Nachfolgende Passage ist allerdings in keinem weiterem Buch erwähnt. Weder in den Herzog Max Biografien von Bernhard Graf und Alfons Schweiggert, noch in der Hofchronik von Marie von Redwitz. Amelie von Urach wurde diese Geschichte angeblich von Baron von Wulffen erzählt. Karl von Wulffen, war Louises Obersthofmeister und „intimster“ Freund. Es wurde den beiden sogar ein Verhältnis nachgesagt, da er sich um alles im Haushalt kümmerte, weil Max nie oder kaum zu Hause war. Es ist also gut möglich, dass diese Geschichte, ein Hirngespinst von Baron von Wulffen war.

Auch wenn Herzog Max ein cholerischer Mensch war und aufprausend dazu, so hätte diese Passage schon in anderen Wittelsbacher und/oder Habsburger Büchern auftauchen müssen, wenn auch nur der Funke Wahrheit dran wäre – zumindest ist dies meine Meinung und nicht nur in diesem – für mich doch recht unbedeuteten Büchlein über ein Tagebuch einer Enkelin der Herzogin.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853

VIII. HERZOGIN ELISABETH IN BAYERN ALS VERLOBTE DES KAISERS VON ÖSTERREICH

Abschrift, S. 17:
Tante Sisi war eben noch ein halbes Kind; muss aber doch eine kindliche Neigung für den Kaiser empfunden haben; als er einmal von München abreiste, weinte sie so, dass sie im Gesicht ganz verschwollen war.

Original Heft 2, S. 29:
T[ante] Sisi war eben noch ein halbes Kind; muss aber doch eine Art kindlicher Neigung für den Kaiser empfunden haben, denn (dies eine Erzählung B[aron] Wulffens), als er einmal von München abreiste, weinte sie so, daß sie, im Gesicht ganz verschwollen war. Nun wollte aber Großpapa, daß sie, mit den im anderen Zimmer befindlichen Herren des Kaisers rede, T[ante] Sisi wollte sich denselben nicht mit verweinten Augen zeigen; dies erregte Großpapas Zorn so sehr, daß er sie am Hals packte. Großmama stand ganz unglücklich daneben.“ (9)

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
seltenes Bild von Elisabeth als 15jährige
Ölbild: Friedrich von Kaulbach

Auch wenn die alte Patriarchin ihre Sprösslinge als Kinder gut im Griff hatte, so war sie Zeit ihres Lebens mit ihnen als Erwachsene überfordert. Vor allem mit den Mädchen, die sie alle (bis auf Helene „Néné) unglücklich verheiratete.

Als Sophie im heiratsfähigen Alter war, war ihre ältere Schwester Elisabeth bereits seit Jahren Kaiserin von Österreich. Die (unglückliche) Kindheit von Elise, wie Sisi als Kind genannt wurde, kann hier nachgelesen werden.

Ludovika hielt engen Kontakt mit Erzherzogin Sophie, die ihre Schwester und gleichzeitig die Mutter von Kaiser Franz Joseph war. 

Und genau hier unterscheidet sich auch wieder die Filmvorlage Ludovika von Magda Schneider zur realen Herzogin.

Zeit ihres Lebens vermitteltete Louise nicht zwischen Elisabeth und Erzherzogin Sophie.

Im Gegenteil. Immer wieder schrieb Ludovika traurige und devote Briefe nach Wien, um sich bei ihrer Schwester zu entschuldigen:

„…wenn man nur erkennte, was Du Alles thust, wie gut Du es mit anderen meinst! Gott, gebe, daß es noch einmal anders wird.“ (10)

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ludwig Victor
Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Sophie

Damit kritisierte sie Elisabeths ablehnende Haltung gegenüber Erzherzogin Sophie. Ludovika zeigte sich deren ganzes Leben dankbar, dass sie die junge unerfahrene Elisabeth in Obhut genommen hatte.

Doch so sehr ihre Kinder sie liebten, in einem kannte Louise kein Pardon. In den Heiratsabsichten ihrer Kinder.

Vor allem die Töchter mussten alle standesgemäß verheiratet werden und hier stand der Adel, Titel und das Ansehen, weit über dem der Liebe oder der Sympathie.

Obwohl sie selbst nicht aus Liebe verheiratet wurde und ihren geliebten Prinzessinnenstand aufgeben musste, war ihr das Glück ihrer Töchter egal. Bis auf ihre Tochter Helene (*4.4.1834, 16.5.1890) in Bayern, wurde keine in ihrer Ehe glücklich. Einige von ihnen endeten sogar im absoluten Desaster.

Als – um auf Sophie (*22.2.1847, †4.5.1897) zurückzukommen – nun die jüngste, schöne Tochter zu verheiraten war, wurde noch einmal der Wiener Hof zur Brautschau herangenommen.

Erzherzog Ludwig Victor (*15.5.1842, †18.1.1919) der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, sollte der Ehemann werden. Doch Sophie lehnte entrüstet ab. Die Biographie von Ludwig Victor „Luzi-Wuzi“ kann hier nachgelesen werden.

Und wieder schrieb Ludovika an Sophie:
…“es hat mir viele Thränen gekostet, ein solcher Schwiegersohn wäre ein Glück für mich gewesen. Aber Gott meine es mit Dir, Du viel geprüfte Schwester, gut, wenn nicht auch noch die kapriziöse Sophie in die Wiener Hofburg einzöge. Vielleicht hätte Sophie, trotz ihrer gewiß guten Eigenschaften, Deiner Erwartung nicht in Allem entsprochen, und der liebe Gott führt Dir eine verzüglichere zu, die Dich und Deinen guten Ludwig recht glücklich macht, wie Ihr beide es verdient.! Gott gebe Dir einen heiteren, ruhigen, friedlichen Lebensabend und reichen Ersatz für so viele stille Opfer, die Dein armes Herz hat bringen müssen…. und Deinem Ludwig eine schöne Zukunft.“ (11)

Foto: zeno.org
König Ludwig und Sophie Herzogin in Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Ferdinand d’Orléans, duc d’Alençon

Sophies Leben verlief sehr tragisch. Sie ging als „Kurzzeitverlobte“ von König Ludwig II von Bayern (25.8.1845, †13.6.1886) in die Geschichte ein.

Ludwig und Sophie waren vom 22.1.1867 bis zum 7.10.1867 verlobt.

Danach ehelichte sie am 28.9.1868 relativ gleichgültig Herzog Ferdinand von Alençon (12.7.1844, †29.6.1910), mit dem sie 2 Kinder bekam.

Der Bericht zu Sophie d’Alençon kann hier gelesen werden.

Foto: Wikipedia/Commons
Sophie von Sachsen
Foto: Hauptstaatsarchiv Stuttgart/Archiv der Herzöge von Urach
Amelie von Urach, 1891

Ein Verlust traf Ludovika und ihren Lieblingssohn Carl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, 30.11.1909) mit voller Wucht. Noch dazu, da die kleine Amelie gerade einmal im 2ten Lebensjahr war.

Sophie von Sachsen verkühlte sich auf der großen Verlobungsfeier zwischen Herzogin Sophie und König Ludwig II so schlimm, dass sie 22jährig am 9.3.1867 verstarb.

Ein Verlust, den die Familie kaum verkraftete. Der Bericht über Sophie von Sachsen kann hier nachgelesen werden. 

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Carl Theodor mit Maria José

Erst am 29.4.1874 heiratete Carl Theodor erneut.

Um sich doch noch mit dem portugiesischen Haus zu vereinen (Miguel war allerdings bereits seit 1866 verstorben), verheiratete sie ihren Sohn Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) in zweiter Ehe mit Miguels Tochter Maria Josepha (Maria José) von Portugal (*19.3.1857, †11.3.1943). 

Die Ehe der beiden wurde sehr glücklich. Carl Theodor wurde ein berühmter Augenarzt und Mara José schenkte ihm noch fünf weitere Kinder, wobei einige von ihnen sehr berühmt wurden.

Die Familie lebte zum Teil in Meran und München und Possenhofen, so dass die Kinder ebenso frei und unbeschwert aufwuchsen konnten. Maria José arbeitete zudem in der Augenklinik ihres Mannes als „Sekretärin“ mit. Da er auch die arme Bevölkerung – zum Teil kostenlos – behandelte, wurde er sowohl in Südtirol, als auch in Bayern tief verehrt. Carl Theodor in Bayern war das Familienoberhaupt, da sein Bruder Ludwig „Louis“ auf seine Rechte verzichtete.

Foto: Wikimedia/Commons
Ludwig „Louis“ Herzog in Bayern
Foto: Wikimedia/Commons
Henriette Freifrau von Wallersee mit Tochter Marie

Der erstgeborene Sohn Ludwig „Louis“ (*21.6.1831, 6.11.1920) verliebte sich morganatisch (unstandesgemäß) in Henriette Mendel (*31.7.1833, 12.11.1891). Da sie eine Schauspielerin war, war an Hochzeit nicht zu denken.

Doch Louis, von jeher störrisch und eher der Eigenbrötler in der Familie, dachte nicht daran, sich an die steife Adelsgesetze jener Zeit zu halten.

Er lebte eine Zeit lang „in wilder Ehe“ mit Henriette, was ihm sogar den Kontaktabbruch zu seiner Familie einbrachte. Diese brachte sogar unehelich zwei Kinder auf die Welt, wobei der zweitgeborene Sohn nach 3 Monaten verstarb.

Foto: ÖNB
Kronprinz Rudolf ca. 1867

Nach der Geburt des Sohnes heiratete er jedoch doch noch Henriette und verzichtete auf Titel und Ehre. Durch ihre liebevolle und besonnene Art, schlich sich Henriette Mendel, die in den Freifrau-Stand einer „Wallersee“ erhoben wurde, in die Familie und wurde eine ganz besondere Intima von Kaiserin Elisabeth. Bis zu ihrem Krebstod verstanden sich die beiden ausgezeichnet.

Tochter Marie war Elisabeths Lieblingsnichte. Als sie verheiratet war, hieß sie Marie Gräfin von Larisch. Mit diesem Namen erlangte sie leider traurige Berühmtheit. Sie förderte die Liebelei von Mary von Vetsera zu Kronprinz Rudolf und führte ihm das junge Mädchen zu. Unweigerlich war sie somit in den Selbstmordskandal rund um Kronprinz Rudolf verkettet und von Elisabeth vom Hofe verstoßen. Doch all das, konnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnen.

Die beiden anderen Töchter Marie Sophie (*4.10.1841, †19.1.25) und Mathilde „Spatz“(*30.9.1843, †18.6.1925) verheiratete sie ebenso unglücklich, wie zuvor schon Elisabeth.

Marie Sophie wurde nach Neapel verheiratet, wo ein äußerst kleiner und hässlicher König auf sie wartete, bei dessen Anblick Marie beinahe in Ohnmacht fiel. Das Unglück nahm seinen Lauf.

Marie Sophie gebar ein uneheliches Kind, von dem man bis heute nicht weiß, wo es nach der Geburt verblieben ist.

Da der König selbst eine Vorhautverengung hatte, konnte die Ehe 10 Jahre lang nicht vollzogen werden. Erst nach dieser Zeit ließ sich König Francesco II operieren und dem Paar wurde eine Tochter geboren, welche allerdings 4 Monate später wieder verstarb. Weitere Kinder gebar Marie nicht mehr.

Mathilde wurde mit seinem Bruder Ludwig von Trani verheiratet. Die zuerst aus Liebe geschlossene Heirat ging gründlich schief, als Louis anfing fremd zu gehen und massiv zu trinken.

Mathilde verließ ihren Mann, blieb ihm in weiterer Folge trotzdem treu. Immer wenn er Probleme hatte, war sie zur Stelle. Die gemeinsame Tochter erzog sie selbst, ihren Vater kannte diese so gut wie gar nicht.

Foto: Wikimedia/Commons
Helene und Max von Thurn und Taxis
mit 2 ihrer 4 Kinder

Am glücklichsten wurde von den Töchtern noch Helene „Néné in Bayern (*4.4.1834, 16.5.1890).

Néné war die Lieblingsschwester von Elisabeth und obwohl diese von Franz Joseph abgelehnt wurde, schadete dies dem Verhältnis zueinander nicht.

Zuerst verfiel Néné in tiefe Depressionen, jedoch lud Herzog Max Maximilian Anton von Thurn und Taxis (*28.9.1831, 26.6.1867) zur Jagd ein.

Der Erbprinz sah die etwas herb wirkende Helene und verliebte sich in sie. Obwohl die Thurn und Taxis unermesslich reich waren, galten sie „unter“ dem Stand für die Herzogsfamilie. Kaiserin Elisabeth legte bei König Ludwig I. ein gutes Wort für ihre Schwester ein und so durfte diese Maximilian Anton heiraten. Das Paar wurde unglaublich glücklich. 4 Kinder wurden dem Paar geboren. Doch das Glück weilte nur kurz. Am 26.6.1867 starb Maximilian Anton an einer Lungenlähmung und Néné musste noch viele Schicksalsschläge bis zu ihrem Krebstod hinnehmen.

Traurig war auch das Schicksal des jüngsten Kindes Max Emanuel „Mapperl“ (*7.12.1849, 12.6.1893). Er verliebte sich in Amalie Prinzessin von Sachsen-Coburg und Gotha (*23.10.1848, 6.5.1894), welche aber schon Leopold Prinz von Bayern (*9.2.1846, 28.9.1930) versprochen war.

Foto: Wikimedia/Commons
Max Emmanuel und Amelie Herzog/in in Bayern
Hochzeitsfoto

Auch hier half wieder Kaiserin Elisabeth. Sie lud mit Hilfe ihrer Hofdame Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, 17.4.1923) Prinz Leopold zu sich auf Schloss Gödöllö ein, auf dem „zufällig“ auch ihre Tochter Erzherzogin Gisella (*12.7.1856, 27.7.1932) anwesend war. Einer Kaisertochter konnte Leopold die Hand nicht verwehren und so war der Weg für Mapperl frei.

3 Kinder bekam das glückliche Paar, doch Mapperl starb völlig überraschend am 12.6.1893 an einer Magenblutung in Feldafing. Herzogin Amalie war so bestürzt über den Tod, dass sie ein gebrochenes Herz hatte.

Als ihr Sohn Siegfried (*10.7.1876, 12.3.1952) an Scharlach erkrankte, hielt sie keine Schutzmaßnahmen ein und pflegte ihren Sohn.

Die Folgen waren verherrend. Siegfried wurde zwar gesund, doch Amalie starb kurz nach ihrem geliebten Mapperl.

Blickt man auf Louises angeblichen Hochzeitsfluch zurück, könnte man beinahe meinen, dass er wahr geworden ist. So er auch ausgesprochen wurde.

Eine weitere Liebe von Ludovika waren Hunde. Besonders weiße Spitze hatten es ihr angetan, die sie wie Kinder behandelte.

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Foto: Wikimedia/Commons
Hezogin Ludovika mit Spitz Lupa, ca. 1890

Diese durften somit auch alles, was Kinder durften und bekamen auch ihren Platz bei Tisch, was so manchen Gast das Würgen vor dem Essen hervorbrachte.

Grund dafür waren die Flöhe, die von den Hunden auf die Teller sprangen und so auf dem Essen landeten. Die Teller wurden zwar entfernt, allerdings nicht die Hunde, was zum Teil ein Spießrutenlauf in die Küche und zurück zum Gast wurde.

Eines der Lieblingsfotos von Herzogin Ludovika war jenes, an dem einige ihrer Kinder rund um sie standen.

Oftmals wird fälscherlicherweise Mathilde (stehend) mit Kaiserin Elisabeth verwechselt.

Direkt unter dem Bild habe ich dazu geschrieben, wer tatsächlich auf dem Bild zu sehen ist. Ins Bild habe ich Pfeile gemacht, wer immer so stark verwechselt wird. Man darf nicht vergessen, dass bei dieser Aufnahme, Elisabeth schon lange verheiratet und außer Haus war.

Das ist nicht Elisabeth, sondern Mathilde
Das ist nicht Marie, sondern Sophie

Foto: v.l.n.r.Mathilde „Spatz“ (stehend), Carl Theodor „Gackel“ (lehnend), Max Emanuel „Mapperl“(stehend), Ludovika (sitzend), Sophie (sitzend)

Sophie wird auch öfter als Marie genannt oder verwechselt. Auch das ist nicht korrekt. Am Boden sitzt Sophie.

Leider bietet das Bild immer wieder Grund für viele Streitigkeiten, wird im Internet, in Museen und in Büchern falsch beschriftet. Es ist aber erwiesen, dass es die Menschen sind, die ich gerade dazugeschrieben habe. Ich habe mich mit einer namhaften Historikerin beraten.

Während der großen Trauer um Sophie von Sachsen und Maximilian Anton von Thurn und Taxis, kam auch Erzherzogin Sophie nach Possenhofen.

Der Tod ihres geliebten Sohnes Ferdinand Maximilian (Kaiser Max von Mexiko) (*6.7.1832, †19.6.1867) traf die alte Erzherzogin sehr. 

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzog Ferdinand Maximilian, Kaiser Maximilian I von Mexiko

Und so war Ludovika immer der Ruhepol der Familie. Wer Schutz, Trost oder Heimweh hatte, war jederzeit bei Ludovika willkommen. Der Beitrag zu Erzherzogin Sophie kann hier nachgelesen werden.

Auch Kaiserin Elisabeth weilte sehr gerne bei ihrer Mutter in Possi, belegte aber das gesamte „Kaiserin Elisabeth Hotel“ in Feldafing, da ihre Gefolgschaft für das kleine Schloss zu groß war.

Foto: Stefano Bianchetti/Corbis
König Ludwig II

Kaiserin Elisabeth war zufällig in Feldafing anwesend, als am 13.6.1886 König Ludwig vis á vis im Starnberger See ums Leben kam. Zeit ihres Lebens ging Elisabeth von Mord aus.

Die Ehe verlief Zeit ihres Lebens unglücklich, das Paar sah sich kaum. Erst im Alter und bei der goldenen Hochzeit versöhnte sich das Ehepaar.

Foto: Wikimedia/Commons
Herzog Max und Herzogin Ludovika, 50. Hochzeitstag

Marie von Redwitz (*9.12.1856, †11.4.1933), Hofdame der Tochter von Carl Theodor, Herzogin Amalie von Urach (*24.12.1865, †26.5.1912) schrieb dazu in ihrer Hofchronik 1888:

Foto: Wikimedia/Commons
Herzogin Ludovika

„Einmal nur erwähnte die alte Hoheit, die ihn besuchte, sie finde ihn nicht gut aussehend, und daß er auch am Tage bei geschlossenen Läden bei Licht säße, mache ihr einen traurigen Eindruck. Er behauptete, in seinen Zimmern (den Hochparterreräumen des Palais) würde es doch nie recht hell. Die Hofdamen haben den „alten Herrn“, wie er meist genannt wurde, seit zehn Jahren nicht gesehen, selbst die Dienerschaft, die nicht speziell in seinen Diensten stand, kannte ihn nicht. Er verließ das Haus und seine Zimmer nie mehr.“ (7)

Zum 80. Geburtstag der alten Dame kamen alle Kinder und Enkelkinder von fern und nah, um den großen Ehrentag mit ihr zu feiern. Nur Herzog Max erscheint zum Geburtstag nicht. Der alte Herr hatte einen Schlaganfall erlitten, sein Gesundheitszustand ließ keine Reise nach Possenhofen zu. 

Kaiserin Elisabeth schrieb ein rührendes Gedicht für ihre Mutter zum 80. Geburtstag, welches allerdings erst weit nach dem Ableben aller beteiligten Personen an die Öffentlichkeit kam:

Ich bitte Gott, Er möge gnädig senden
Dir manchen Sommer noch, wie du ihn liebst, 
Wo Frische dir die Sonnenstrahlen spenden
Und Stunden du im Buchenhain verbliebst. 
Nachts aber soll der Mond sein Antlitz wenden
Dir zu, wie Du entzückt mir jüngst beschriebst. 
Wem die Natur so lieblich weiss zu blühen, 
Vor dem wird lange noch das Alter fliehen! (12)

Am 24.1.1892 erkrankte Ludovika jedoch schwer. Eine Lungenentzündung schwächte die alte Dame, sie war mittlerweile knapp 84 Jahre alt, so sehr, dass sie am 25.1. das Bett nicht mehr verlassen konnte. Sofort wurde die gesamte Familie benachrichtigt.

Sophie war die erste bei ihr, da sie gerade in München weilte, Erzherzog Ludwig Victor und sogar der Sohn von Miguel, Miguel II. von Bragança, Albert Thurn und Thaxis (Enkelsohn/Helene), Carl Theodor, Maria Josè und alle anderen eilten herbei.

Nur Kaiserin Elisabeth ließ sich entschuldigen: Marie Valérie kränkelte und war hochschwanger. Die Kaiserin halb hysterisch vor Angst um die Tochter, fuhr deswegen nicht nach München.

Marie von Redwitz schrieb:

„Der Morgen des 25. verlief ruhig, die Kranke stand sogar auf, weil es ihr schrecklich war, im Bette zu sein, das ihr immer wie ein Sarg vorkam. Alle Töchter wurden telegraphisch berufen und kamen, bis auf die Kaiserin, die Erzhogin Valérie in diesem Moment nicht verlassen konnte.
Herzog Carl geht es sehr nahe, erregt und ängstlich war er mit der Herzogin beständig bei der Leidenen. Die Ärzte gingen ein und aus.
Nach aufgehobener Tafel blieben wir alle in den Nebenräumen, schauten auch selbst wieder zur Kranken hinein, die schlummernd und ruhig atmend dalag, und der man die letzte Ölung erteilt. Wie sehr hat sie sich vor dem Tode gefürchtet, und wie unbemerkt ist er ihr genaht. Um vier Uhr morgens hat sie den letzten Atemzug getan, und sie lag nun wie eine Schlummernde auf der Chaiselongue friedlich und unverändert. Ihre immer noch dichten Flechten hingen herab, und man ließ sie im Schlafrock, in dem sie gestorben.“ (13) 

Ludovika Herzogin in Bayern starb am 26.1.1892 83jährig im Herzog Max-Palais. Sie ruht in der Familiengruft im Kloster Tegernsee.

Petra –


Mein besonderer Dank gilt Frau Dr. Martina Winkelhofer beim Entwirren der Personen des Lieblingsbildes von Herzogin Ludovika.


Rechtliche Hinweise:

Text Petra
Stammbaum: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Bildrechte: Wikimedia/Commons, geneall.net, samot/shutterstock.com, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Hauptstaatsarchiv Stuttgart/Archiv der Herzöge von Urach, Stefano Bianchetti/Corbis


Literatur Hinweise:

1 – S. 35
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

2 – S. 37/8, 3 – S.38, 4 – S.38, 6 – S. 40
Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern: Sisis wilder Vater
Volk Verlag München, 1. Auflage 2016

5 – S. 30
Bernhard Graf
Sisis Vater
Herzog Maximilian in Bayern (Bildband)
Allitera Verlag//edition monadensia, 2. Auflage 2017

7 – S. 21, 8 – S. 13/14, 13 – S. 136 
Marie von Redwitz
Hofchronik 1888 – 1921
Kulturpolitik, München 1924

9 – S. 125
Christian Sepp
Erinnerungen an Großmama
Aufzeichnungen der Amelie von Urach über Herzogin Ludovika in Bayern
Allitera Verlag, 1. Auflage 2021

10 – S. 133, 11 – S. 416, 12 – S. 432
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen,
Amalthea, 1992, 11. Ausgabe