Mary Freiin Vetsera

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Mary von Vetsera

„Kurzbericht“ – weitere Recherchen und Ausführungen folgen…!

Vorwort

Ich forsche seit einiger Zeit an Kronprinz Rudolf, wurde aber durch meine schwere Erkrankung aufgehalten, weshalb jetzt „nur ein kurzer Bericht“ zu Kronprinz Rudolfs Leben erfolgt. Sobald ich die Recherchen abgeschlossen habe, vervollständige ich diesen Beitrag und werde dies über die Social Media Kanäle Facebook, Instagram und TikTok bekanntgeben.

Einiges konnte ich schon herausfinden und deshalb veröffentliche ich folgenden Vorbericht:

Mary Vetsera

Immer wieder kann man in Kitschfilmen und/oder Serien und in Musicals von der „großen Liebe“ zwischen Kronprinz Rudolf und Mary Vetsera sehen und hören. Doch das ist genauso ein Mythos, wie vieles andere. Ich möchte gar nicht bestreiten, dass Baroness Mary Vetsera Kronprinz Rudolf geliebt hat. Von ihrer Seite aus, war es bestimmt die große Liebe, doch von Kronprinz Rudolf wurde sie mit Sicherheit manipuliert und ausgenutzt. Zu dieser Zeit absolut üblich, da sich beinahe alle Herren Geliebte hielten, da die Ehen immer nur zu politischen Standesdünkel geschlossen wurden und von daher meist sehr unglücklich verliefen.

Auch die Ehe von Kronprinz Rudolf mit Kronprinzessin Stephanie war so eine unglückliche Liebe. Wenn man der Geschichte mit Erzherzogin Antonia von Toskana glaubt (mein Bericht zu Kronprinz Rudolf ist bereits online), liegt hier viel mehr im Argen, als man tatsächlich glaubt.

Wahr ist deshalb folgendes – wie gesagt, es ist nur ein „kleiner Vorbericht“:

Marie Alexandrine Freiin von Vetsera, bekannt als Mary Vetsera, wurde am 19.3.1871 in Wien geboren. 

Ihr Vater war Albin Ritter von Vetsera. Ihre Mutter Helene Baltazzi. 

Marie Alexandrine, in der Familie „Mary“ genannt war das 3te Kind von 4 Kindern. Wie alle Mädchen zu ihrer Zeit, schwärmte sie für Kronprinz Rudolf. 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
das letzte Foto von Kronprinz Rudolf

Da ihr Onkel Heinrich Baltazzi ein Verhältnis mit der Cousine Marie Gräfin Larisch von Kronprinz Rudolf, hatte, fädelte er ein persönliches Kennenlernen beim Pferderennen in der Freudenau ein. 

Gabriel Dubray, Marys Französischlehrer, schrieb einen Artikel in der Pariser Zeitung „Le Matin“, dass sich Mary ab diesem Tag verändert habe. 

Fast hysterisch durchforstete sie täglich alle Zeitungen, riss alle Beiträge über Kronprinz Rudolf heraus, sammelte Fotos und las die Klatschpresse. 

Bereits nach diesem kurzen Kennenlernen, kam es zu heimlichen Treffen zwischen Kronprinz Rudolf und Mary. Mit Hilfe von Gräfin Larisch, Leibfiaker Josef Bratfisch und Marys Zofe Agnes Johoda konnten in der Hofburg heimliche Treffen stattfinden.

 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Aktportrait Mary Vetsera

Kronprinz Rudolf bat Mary um ein Aktportrait, welches sie von einem unbekannten Maler anfertigen ließ. 

Beide schrieben sich eifrig Briefe, bis ihre Mutter Helene dahinter kam und dem Paar ein jähes Ende setzte. Sie ging mit Mary auf eine ausgedehnte Englandreise. Es halt jedoch nichts. Als Mary zurückkam, nahm sie sofort wieder Kontakt zu Rudolf auf. 

Am 13.1.1889 schrieb Mary ihrer innigsten Freundin und Vertrauten Hermine, dass sie in die „Liebe eingeweiht“ wurde. 

Für ein Mädchen aus gutem Hause eine Schande und Skandal, wenn dies durchgesickert wäre. Andererseits hätte Kronprinz Rudolf keine Konsequenzen fürchten müssen, denn er war nicht nur ein Mann, sondern auch aus dem höchsten Adel. Die Frau musste an sich halten und rein bleiben… 

Am 26.1. verbrachte Rudolf noch bei seiner Langzeitgeliebten Soubrette Mizzi Kaspar, welche er im Sommer 1888 bat, sich mit ihm das Leben zu nehmen. Da dies Mizzi kategorisch ablehnte, küsste er sie dieses Mal zum Abschied auf die Stirn, was er nie zuvor getan hatte. 

Leibfiaker Bratfisch brachte am 28.1. abends Mary Vetsera zum Jagdschloss. Ohne das ihr Besuch, Graf Hoyos-Sprinzenstein auffiel, wartete Mary derweil in seinem Zimmer. Danach zog sich Rudolf zurück und bat Loschek niemanden zu ihm zu lassen. 

Baroness Mary Vetsera starb am 30.1.1889 17jährig durch einen seitlichen Kopfschuss, herbeigeführt von Kronprinz Rudolf, in dessen Bett. Sie ruht am öffentlichen Friedhof in Heiligenkreuz. 

Was danach folgte, war eine Aneinanderreihung von Geschmacklosigkeiten, Verschwörungstheorien und Mythen. 

Marys Leiche wurde in den späten Abendstunden am 31.1.1889 per Kutsche nach Heiligenkreuz gebracht. Ihr Onkel und Vormund Alexander Baltazzi (der Vater war bereits verstorben) (guter Reitfreund von Kaiserin Elisabeth) nahm die Leiche in Empfang. Er ließ sie mit dem Kleid bekleiden, mit welchem sie in Mayerling ankam und zuvor natürlich waschen. 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Nerzdecke, mit der der Leichnam von Mary zugedeckt wurde

Auf der Fahrt in der Kutsche, wurde ihr ein Besenstiel ins Kreuz geschoben, damit sie aufrecht in der Kutsche saß. Dabei wurde ihr eine Decke über den Körper geworfen, damit es so aussehe, als ob die Baroness schliefe. 

Die Decke wurde in der Familie von Dr.Auckenthaler, normalerweise Rudolfs Leibarzt, als „Mary-Decke“ aufbewahrt und ist seit 2013 Teil des Museums im Schloss Trauttmannsdorff in Meran, da Auckenthaler aus Bozen stammte. 

Eilends wurde sie am 1.2.1889 in Heiligenkreuz „in einem armen Sünder“-Grab verscharrt. Kaiserin Elisabeth suchte dieses Grab einige Tage nach dem Unglück auf. 

Der Wiener Hof gab Mary Vetsera die Schuld am Tod des Kronprinzen. Marie Gräfin Larisch, bis dahin die Lieblingsnichte von Kaiserin Elisabeth, wurde Zeit ihres Lebens vom Hof verbannt. Sie starb in bitterer Armut in Augsburg. 

Die Familie Vetsera wurde von jedem weiteren öffentlichen Leben verbannt. Helene, Marys Mutter verarmte ebenso komplett. 

Hier könnt ihr das gesamte Grab in meinem Video sehen:

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

1945 wurde das Grab von den Russen geplündert. Erst am 7.7.1959 wurde Mary erneut beigesetzt. 

Helmut Flatzelsteiner aus Puchenau und Mayerling besessen, brach am 8.7.1991 erneut das Grab auf und stahl Marys Gebeine, um sie labortechnisch untersuchen zu lassen. 

Georg Markus, ein in Österreich hochangesehener Journalist und Historiker, brüstete sich damit öffentlich in der Kronen Zeitung, dass er dem Grabräuber ausfindig gemacht zu haben. 

In Wirklichkeit meldete sich der Grabräuber Flatzelsteiner persönlich am Kommissariat Alland und Helmut Reinmüller, der zuständige Kriminalbeamte, nahm die Protokolle und Fotos auf. 

Die Familie Baltazzi-Vetsera stimmte zuerst einem Laborbericht zu, zog diesen aber vor Veröffentlichung wieder zurück. 

Bekannt daraus wurde: 

Eine 115jährige Leiche, einer Frau die ungefähr mit 18 Jahren verstarb. Die Reste der Kleidung entsprachen dem Zustand der damaligen Mode, Etiketten-Reste konnten einen Modesalon ausfindig machen, deren Kundin Mary Vetsera war. Die Leiche wies im Schädelbereich 2 Schussverletzungen vor: 1 – Eintrittswunde, 1-Austrittswunde. Die Haare wiesen Schmauchspuren auf, was auf eine kurze Distanz schließen ließ. 

Am 23.10.1993 wurde die Tote wieder in eine neuen Sarg gebettet, mit Erde überhäuft (um einen erneuten Diebstahl zu unterbinden) und wieder zur Ruhe gebettet. 

2007 wurde zufällig im Stift Heiligenkreuz der Kupfersarg gefunden, den Mutter Helene anfertigen ließ und Mary am 16.5.1925 umgebettet wurde. 

Er wurde restauriert und ist heute ein Teil des Museums des Karmel Mayerling. 

Das Sterbezimmer wurde zur Kirche umgebaut. Das Schloss Mayerling wurde dem Karmel Mayerling (einem Kloster) ein halbes Jahr nach der Tragödie übergeben und erst im 20. Jahrhundert zum Museum. 

Der gesamte Rundgang durch das Karmel Mayerling: inkl. dem aufgebrochenen Sarg von Mary

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Immer wieder taucht aber ein spezielles Foto von den „Unsere liebe Frau von den Schotten“ in Wien auf, in welchem eine Eintragung zu lesen ist, dass Mary Vetsera ein Kind geboren hätte und Kaiserin Elisabeth die Taufpatin war.

Sieht man sich das Foto genauer an, merkt man die Fälschung auf einem Blick:

  • falsche Schriftart aus dem 19. Jahrhundert
  • im 19. Jahrhundert gab es keine Kugelschreiber
  • das Kind kam angeblich am 24.12.1888 auf die Welt (dabei ist nicht nur das „zufällige“ Datum 24.12. auffällig, sondern auch das Jahr 1888. Wie Mary selbst am 13.1.1889 hinterließ, wurde sie in jener Nacht defloriert. Innerhalb von 14 Tagen (sie starb am 30.1.1889) kann sie zwar schwanger gewesen sein, aber a) hätte sie das selbst noch nicht gewusst und b) hätte das Kind nicht von Kronprinz Rudolf sein können, denn er war nachweislich Zeugungsunfähig geworden..
  • Schloss Possenhofen wurde in diesem Schriftstück zu „Pospenhofen“
Foto: Unsere liebe Frau zu den Schotten
https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-unsere-liebe-frau-zu-den-schotten/01-58/?pg=234
die Fälschung im Geburts- und Tauf-Register

Doch, trotzdem geistert das Foto immer wieder in zahlreichen Verschwörungstheorien auf.

Erklärbar ist leider nicht mehr, wie die Fälschung dort hin gelangte bzw. wer sie vornahm.

Doch nach eingehenden Studien, ist dies alles völlig unmöglich.

Selbst wenn, das Kaiserhaus alles gefaktet hätte, wären die kaiserlichen Vertrauten nicht so dumm gewesen und hätten diese Daten gewählt. Und woher sie den „Kugelschreiber“ hatten, dürfte dann wohl auch in die Kategorie „Science Fiction“ fallen. Dieser wurde nämlich erst 1938 erfunden! Und genau in diese Zeit würde auch das Schriftbild passen. Es würde also gut in jene Zeit passen, dass man solche Bösartigkeiten hinterließ.

Ich empfehle euch mein großes Video zum Leben von Kronprinz Rudolf, in welchem ich alle das ausführlich erkläre:

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck 
Bildnachweise: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra, Wikimedia/Commons, Unsere liebe Frau zu den Schotten
Videonachweise: Petra Schimbäck
Ich danke dem Karmel Mayerling herzlich für die Video- und Fotoerlaubnis!
Ich danke dem Hofmobiliendepot herzlich für die Video- und Fotoerlaubnis!


Literatur Hinweise:

Jean-Paul Bled
Kronprinz Rudolf 
Böhlau, Wien 2006

Brigitte Hamann
Kronprinz Rudolf. Ein Leben. 
Amalthea, Wien 2005

Rudolf Ein Leben im Schatten von Mayerling. 
Ausstellungskatalog, Wien 1990

Brigitte Hamann
Rudolf. Majestät, ich warne Sie…,
Geheime und private Schriften 
Amalthea-Verlag, Wien/München 1979

Oscar von Mitis
Das Leben des Kronprinzen Rudolf
Mit Briefen und Schriften aus dessen Nachlass. 
Insel-Verlag, Leipzig 1928

Helmut Reinmüller
Cold Case Mayerling Der Tod von Kronprinz Rudolf und Mary Vetsera
Kriminalpolizeiliche Aufarbeitung des Falles mit Originalquellen. 
Kral Verlag, Berndorf 2021

Ernst Edler von Planitz
Die volle Wahrheit über den Tod des Kronprinzen von Österreich
Pichler Verlag, 1890

Friedrich Weissensteiner (Hrsg.)
Lieber Rudolf. Briefe von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth an ihren Sohn
Ueberreuter, Wien 1991

Sigrid-Maria Größing
Rudolf. Herzensbrecher, Freigeist, Psychopath
A & M, Salzburg 2006

Hermann Altenberg
Um Recht und Nachfolge im Hause Habsburg
Europa Verlag, 1966

Fritz Judtmann
Mayerling ohne Mythos
Ein Tatsachenbericht
Kremayr & Scheriau, 1968

Heinrich Baltazzi-Scharschmid, Hermann Swistun 
Die Familien Baltazzi-Vetsera im kaiserlichen Wien
Böhlau, 1980

Helmut Reinmüller
Mary Vetsera – Der Grabraub 1992. Darstellung der Tat aus kriminalpolizeilicher Sicht mit neuen Fakten, Details und Bildern
Kral-Verlag, 2019

Brigitte Sokop
Jene Gräfin Larisch
Marie Louise Gräfin Larisch-Wallersee, Vertraute der Kaiserin – Verfemte nach Mayerling
Böhlau, 2006

Rudolf R. Novak
Das Mayerling-Netz. Verborgene Zusammenhänge entdeckt
Berger, 2019

weitere Literatur folgt…

Das Kronprinzenwerk

Es gibt nichts annähernd vergleichbares, was das Habsburg Reich umfassender beschreibt, als dieses Werk. 

Als das „Kronprinzenwerk“ wird die 24bändige Enzyklopädie „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“ bezeichnet, die von Kronprinz Rudolf 1883 persönlich angeregt wurde. 

Foto: Antiquitäten Wittmann Dachau
20 Bände des Kronprinzenwerkes

Er selbst hat an dem Werk mitgearbeitet, allerdings halfen noch weitere 432 Mitarbeiter das 24bändige Werk fertigzustellen. 

Die Enzyklopädie beschreibt je nach Kronländern geordnet: 

Länder, Völker, Landschaften und Regionen der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kronprinz Rudolfs letztes Foto
(knapp vor seinem Tod aufgenommen)

Sie erschien am in deutscher (24 Bände) und in ungarischer (21 Bände) Sprache (Az Osztrák-Magyar Monarchia írásban és képben). 

Dementsprechend gab es auch zwei verschiedene Redaktionen mit unterschiedlichen Mitarbeitern. Kronprinz Rudolf hat bei beiden Sprachen mitgeholfen, da er durch Kaiserin Elisabeth angeregt perfekt ungarisch sprach und schreiben konnte. 

Die deutsche Ausgabe leitete der jüdische (!) Schriftsteller, Geschichte- und Geografieprofessor Josef Ritter Weil von Weilen. 

Die ungarische Ausgabe, leitete der Schriftsteller und persönliche Freund von Kronprinz Rudolf Jókai Mór von Ásva. 

Leider wurde nur die deutsche Ausgabe ein finanzieller Erfolg und berühmt. Sie zählt bis heute in der Universität Wien als unwiederbringliches Nachschlagewerk. 

Die deutsche Ausgabe erschien vom 1.12.1885 bis Juni 1902 und erfolgte in 398 Lieferungen im Verlag der k.u.k. Hof- und Staatsdruckerei. 

Insgesamt enthalten alle 24 Bände: 

587 Beiträge auf 12.596 Textseiten sowie 4.529 Holzstiche.

Alle Bände in Übersicht: 

🔷 Band 1: Wien und Niederösterreich, 1. Abtheilung: Wien, 1886 

🔷 Band 2: Übersichtsband, 1. Abtheilung: Naturgeschichtlicher Theil, 1887

🔷 Band 3: Übersichtsband, 2. Abtheilung: Geschichtlicher Theil, 1887

🔷 Band 4: Wien und Niederösterreich, 2. Abtheilung: Niederösterreich, 1888

🔷 Band 5: Ungarn, Band 1, 1888

🔷 Band 6: Oberösterreich und Salzburg, 1889

🔷 Band 7: Steiermark, 1890

🔷 Band 8: Kärnten und Krain, 1891

🔷 Band 9: Ungarn, Band 2, 1891

🔷 Band 10: Das Küstenland (Görz, Gradiska, Triest und Istrien), 1891 

🔷 Band 11: Dalmatien, 1892 

🔷 Band 12: Ungarn, Band 3, 1893

🔷 Band 13: Tirol und Vorarlberg, 1893 

🔷 Band 14: Böhmen, Band 1, 1896

🔷 Band 15: Böhmen, Band 2, 1896

🔷 Band 16: Ungarn, Band 4, 1896

🔷 Band 17: Mähren und Schlesien, 1897 

🔷 Band 18: Ungarn, Band 5, 1. Abtheilung, 1898

🔷 Band 19: Galicien, 1898

🔷 Band 20: Bukowina, 1899

🔷 Band 21: Ungarn, Band 5, 2. Abtheilung, 1900

🔷 Band 22: Bosnien und Hercegowina, 1901 

🔷 Band 23: Ungarn, Band 6, 1902

🔷 Band 24: Croatien und Slavonien, 1902

Durch meine Recherchen an Kronprinz Rudolf stieß ich auf dieses Buch und bin erstaunt, dass sich dieses Nachschlagewerk in ganz wenigen historischen Büchern befindet. Hier also ein Zitat daraus, in welchem man sieht, wie komplex die Beziehung von Kronprinz Rudolf und Graf von Taaffe war.

Kronprinz Rudolf schrieb einen Bittstellerbrief an Ministerpräsident Eduard Graf von Taaffe, welcher noch nie (!) veröffentlicht wurde. 

Hier also der gesamte Wortlaut: 

Lieber Graf!

Das von mir ins Leben gerufene patriotische Werk über Österreich-Ungarn wird am 1. Dezember zu erscheinen beginnen. Es scheint mir von großer Bedeutung, daß dieses Werk in den österreichischen Schulen Eingang finde, wo es ja bei uns an ähnlichen Werken mit ähnlicher Tendenz sehr gebricht. Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie auf dem Wege durch die Statthalter auf die Bezirkssculräte einwirken wollten, daß dieses Werk für die Schülerbibliotheken allerorts eingeführt würde; der Preis von 30 Kreuzer für die Lieferung macht es möglich, daß ohne nennenswerte Opfer dieses ganz Österreich-Ungarn umfassende Werk, an welchem sich die hervorragenden Schriftsteller und Künstler beteiligen, in jeder Schulbibliothek seinen Platz einnehmen kann.

Mit den herzlichsten Grüßen bin ich, lieber Graf Ihr 

R u d o l f 

Wien, 1. November 1885 (1)

Leider war Kaiser Franz Joseph alles andere als erfreut und hat dieses beeindruckende Werk kaum gewürdigt. 

Er befand, wie alles was sein Sohn tat, als Zeitverschwendung. 

Die Beziehung der beiden war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung komplett erkaltet. 

Kaiser Franz Joseph trauerte nie um seinen Sohn, sondern immer nur über die Schande, die er dem Kaiserhaus eingebracht hatte. 

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Bildnachweise: Österreichische Nationalbibliothek, Antiquitäten Wittmann Dachau, Wikimedia/Commons, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra


Literatur Hinweise:

1 Seitenanzahl wird noch eingefügt
Arthur Skedl
Der politische Nachlass des Grafen Eduard Taaffe
Rikola Verlag, 1922

Kronprinz Rudolf

Foto: ÖNB
Kronprinz Rudolf

„Kurzbericht“ – weitere Recherchen und Ausführungen folgen…!

Vorwort

Ich forsche seit einiger Zeit an Kronprinz Rudolf, wurde aber durch meine schwere Erkrankung aufgehalten, weshalb jetzt „nur ein kurzer Bericht“ zu Kronprinz Rudolfs Leben erfolgt. Sobald ich die Recherchen abgeschlossen habe, vervollständige ich diesen Beitrag und werde dies über die Social Media Kanäle Facebook, Instagram und TikTok bekanntgeben.

Einiges konnte ich schon herausfinden und deshalb veröffentliche ich folgenden Vorbericht:

Kronprinz Rudolf

Rudolf Franz Karl Joseph von Österreich, bekannt als Kronprinz Rudolf wurde am 21.8.1858 im Neuen Schloss Laxenburg geboren. 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
erstes, offizielles Familienportrait mit Erzherzogin Sophie, Erzherzog Franz Karl, Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph und den Kindern Erzherzogin Gisella und Baby Kronprinz Rudolf

Sein Vater war Kaiser Franz Joseph (*18.8.1830, ✝21.11.1916). Seine Mutter Elisabeth Herzogin in Bayern (*24.12.1837, ✝10.9.1898). 

Er war das dritte Kind des Kaiserpaares, aber der einzige Sohn. Der Spitzname für Rudolf, der nur dem innersten Familienkreis vorbehalten war, war Zeit seines Lebens „Nazi“.

Seine Ehefrau Stephanie nannte ihn „Coco“. 

Kronprinz Rudolf erhielt den Namen des großen Habsburg Kaiser Rudolf I (* 1.5.1218, †15.7.1291) und seinem Großvater Erzherzog Franz Karl Joseph, welcher auch gleichzeitig sein Taufpate war.

Schon früh wurde der Bub Kaiserin Elisabeth von Erzherzogin Sophie entzogen. 

Der Kronprinz sollte zum Kaiser und „zum richtigen Mann“ erzogen werden. 

Laut Erzherzogin Sophie verweichlichte Elisabeth ihren Sohn und solche Muttergefühle hatten nach ihrer Ansicht schon im Babyalter nichts zu suchen. Derweil war auch sie eine Glucke und sperrte ihren „von Gottes Gnaden“ geborenen Sohn Franz Joseph als Kind sogar ein. 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kaiserin Elisabeth mit Baby Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Gisella und das verstorbene Baby Erzherzogin Sophie als Bild über dem Bett
Dieses Bild hing Zeit ihres Lebens über dem Bett von Kaiserin Elisabeth in der Hofburg. Noch heute ist es im Sisi-Museum dort zu sehen.

Als Kaiserin Elisabeth 1860/1 Madeira und Venedig wegen angeblicher Krankheit aufsuchte, entfremdete sie sich fast vollständig von ihren Kindern Rudolf und Gisella. Dies sollte sich nie wieder aufholen lassen, vor allem der Kronprinz suchte immer wieder die Nähe seiner Mutter. 

Die engste Vertraute blieb Zeit seines Lebens allerdings seine Schwester Gisella, mit der er beinahe bis zum 6ten Lebensjahr Tisch und Bett teilte. Umso härter traf es die beiden Geschwister, als die innig geliebte Großmutter Erzherzogin Sophie die beiden trennte. 

Diese Trennung verwanden beide nie und Rudolf weinte sich monatelang Nacht für Nacht in den Schlaf. 

Sophie bestimmte, dass es Zeit wurde, den verweichlichten Buben militärisch erziehen zu lassen. 

Graf Gondrecourt sah seine Macht gekommen und quälte den Buben bis aufs Blut. 

Er zerrte ihn frühmorgens mit Trompetenklänge neben dem Bett aus selbigen, ließ ihn bis zum Umfallen neben dem Bett stehen und tränkte ihn für Disziplin und Ordnung im eiskalten Wasser. 

Der kleine Bub musste bei Wind und Wetter stundenlang Exerzieren oder Wache halten. 

Eine der beliebtesten Übungen von Gondrecourt war, den Kronprinzen um 3.00 Uhr morgens aus dem Bett zu zerren, ihn in den Lainzer Tierpark oder irgendwo in Schönbrunner Park zu bringen und von dort musste der kleine Bub mutterseelenallein, mitten in der Nacht und ohne Anhaltspunkt wo er überhaupt war, ins Schloss Schönbrunn zurück finden. 

Rudolf wurde kränker und blasser als jemals zuvor in seinem Leben.

Kaiser Franz Joseph machte sich lustig über seinen kleinen Sohn und nannte ihn „Krepierl“, immerhin hatte er diese Erziehung auch durch- und überlebt. 

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth weilten gerade in Ischl, als Elisabeth, durch das beherzte Eingreifen des Privatlehrers Josef Graf von Latour, der sich völlig unerlaubt einmischte (dies hätte ihn nicht nur seine Stellung, sondern auch die Reputation als Lehrer kosten können) und an die Kaiserin persönlich (!) ein Schreiben verfasste. 

Als diese von der Wildschwein-Affäre erfuhr, war das Maß voll.

Rudolf wurde von Gondrecourt zum Tierpark Lainz geschliffen, dort hinter die Mauer gestellt, während sich der General in Sicherheit brachte, schrie er, dass ein Wildschwein käme. 

Das Kind schrie in Todesangst wie am Spieß und je lauter es schrie, desto nervöser wurden die Wildschweine, die in der Nähe ihr Revier hatten.

Triggerwarnung Ende

Erzherzogin Sophie vor Treue zur Krone blind, sah über den Leidensdruck des geliebten Enkels hinweg.

Kaiserin Elisabeth explodierte beinahe und schrie so laut, dass die ganze Kaiservilla zuhören konnte (und Kaiserin Elisabeth sprach ansonsten sehr leise und erhob nie das Wort!). 

Dies war das einzige Mal, dass sich seine Mutter für ihn einsetzte. 

In einem förmlichen Ultimatum forderte sie eine liberale Erziehung von Kaiser Franz Joseph. Sie hatte Erfolg. 

Ab 1865 wurde Rudolf liberal erzogen. Danach wandte sie sich allerdings erneut von ihrem Sohn ab. 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie
Hochzeitsfoto

Rudolf betrachtete – wie seine Mutter – das Bürgertum „als Basis für einen modernen Staat“, weshalb er sich den Zorn und Unmut des Adels zuzog. 

Jetzt wandte sich auch sein Vater erneut von ihm ab. Von haus aus, hatten sich die beiden nicht viel zu sagen, aber diese Einstellung, war für den verknöcherten Kaiser zu viel. 

Rudolf interessierte sich sehr für die Naturwissenschaften, vor allem für die Ornithologie. 

Er schrieb Sammlungen und Bücher über dieses Thema, die heute noch anerkannt sind. Ein Studium der Naturwissenschaften wurde ihm jedoch von seinem Vater (absichtlich) verwehrt. 

Er schrieb ein 24bändiges Werk über Österreich-Ungarn, welches er sowohl in Wort, als auch mit Bildern versah. Rudolf galt als überaus intelligent und wurde von den Universitäten sehr ernst genommen. 

Bis heute gilt dieses Werk in Ungarn als vorbildlich und wird für das Geschichtsstudium verwendet. 

Kronprinz Rudolf war ein großer Frauenheld und „Weiberer“, wie man in Wien sagen würde. Er hielt sich viele Geliebte, allerdings verliebte er sich richtig nur zweimal. Beide Frauen wurden ihm vom Habsburg Haus verwehrt, wobei Mizzi Kaspar verständlich war. Ihr Lebenswandel war für einen Kronprinzen nicht standesgemäß. 

Foto: Wikimedia/Commons
Erzherzogin Antonia von Toskana

Die erste große Liebe war Antonia Erzherzogin von Toskana (*10.1.1858, †13.4.1883). 

Die Ehe wurde abgelehnt, da die Hofärzte bei Maria Antonia ein schweres Lungenleiden feststellten. Doch das hielt das verliebte Paar nicht ab. 

Am 1.1.1880 wurde das Paar heimlich in der Gardekirche in 1030 Wien, Rennweg vom damaligen Burgkaplan Godfried Marschall (später Bischof) getraut. 

Doch die Rechnung wurde ohne dem neuen Kronprinzenpaar gemacht. 

Auf Druck seines Vaters musste Kronprinz Rudolf Stephanie Prinzessin von Belgien ehelichen. Sie war immens reich und von gesunder „Natur“. Die Hochzeit fand am 10.5.1881 statt. 

Das Problem: nun war Rudolf Bigamist und die Ehe nicht gültig. 

Kronprinzessin Maria Antonia wurde ins Ausland gebracht. Sie wurde Äbtissin im Damenstift Prag. 

Das „offizielle Kronprinzpaar“ wohnte die erste Zeit ebenfalls in Prag und galt als glücklich. 

Problematisch wurde es für Maria Antonia, als sie schwanger wurde. Sie verließ das Damenstift und zog nach Cannes, da auch ihre Gesundheit immer weiter abnahm. 

Jetzt wird es obskur: 

Der Kronprinz musste natürlich auch offiziell ein Kind zeugen und so wurde auch Stephanie schwanger. 

🔷 Am 7.3.1883 kam in der Villa Felicia in Cannes „Kronprinz Carl Rudolf“ zur Welt

🔷 Am 2.9.1883 kam im Schloss Laxenburg Erzherzogin Elisabeth Marie „Erzsi“ zur Welt

Der Krimi geht weiter: 

5 Wochen nach der Geburt ihres Sohnes, starb die schwer kranke Maria Antonia und Kronprinz Rudolf stand mit seinem heimlich gezeugten Kronprinzen und einer schwangern Kronprinzessin da. 

Er eilte mit Sohn zu seiner Mutter Kaiserin Elisabeth und weihte sie in das ganze Dilemma ein. 

Nun wurde der Rittmeister Heinrich Graf von Pachmann, dessen Frau Marie kürzlich Sohn Robert entbunden hatte und der bald darauf verstarb, Ziehvater von Kronprinz Carl Rudolf. 

Damit Marie und Heinrich von Pachmann keine Schulden erleiden, wurde ihnen eine jährliche Apanage von 30.000 Gulden (ca. € 360.000) zugesandt. 

Des Weiteren erhielt Carl Rudolf den Namen „Robert Pachmann“. 

Die Familie Pachmann war Kaiserin deswegen bekannt, da sie im selben Haus wohnten, wie ihr Leibkammerdiener Johann Werth. Die Adresse lautete: 1150 Wien, Haidmanngasse 4 

Er machte die Pachmanns mit der Kaiserin bekannt und umgekehrt. Werth wusste, dass Robert kürzlich verstorben war. 

Damit war von der heimlich geschlossenen Ehe des Kronprinzen nichts mehr übrig, außer Dokumente die fest verschlossen wurden und man hoffte, dass sie nie wieder das Tageslicht sehen würden. 

Erzherzogin Maria Antonia, die eigentlich Kronprinzessin Antonia war, wurde in der Kapuzinergruft beigesetzt. 

Völlig obskur ist ebenfalls, dass die angebliche Äbtisstin des Damenstiftes Prag mit allen Ehren und Standesdünkel einer Erzherzogin, Ehefrau und Mutter in der Kapuzinergruft beigesetzt wurde.

Dies hat ihre Hofdame per Brief an ihre Schwester hinterlassen. Die nächste Frage die sich in diesem haarsträubenden Krimi ergibt ist, warum hat eine angebliche Äbtisstin des Damenstiftes Prag, eine Hofdame.

Hofdamen waren nur hohen Adeligen zugeteilt, welche dem Erzhaus angehörten, was bei Antonia der Fall war. Allerdings nicht mehr, wenn diese in ein Damenstift eingezogen wäre. Hier wäre ihr eine Zofe zugestanden und eine Kammerfrau, nicht aber eine Hofdame.

Als die Pachmann-Story an die Öffentlichkeit kam, wurde tatsächlich eine Blutprobe gemacht, damit die DNA überprüft werden konnte. Aus zuverlässlichen Quellen weiß ich, dass die „Blutprobe verunreinigt“ war und deshalb kein DNA-Match zustande kam. In der Presse wurde lediglich veröffentlicht, dass die DNA Probe nicht zueinander passe und diese Geschichte, ein für alle Mal „begraben“ ist.

Warum aber, veröffentlichte die Schönbrunner GmbH bei der Ausstellung im Schloss Hof vom 21.3.-20.11.2020 in der Sonderausstellung „Sisis Sohn Rudolf“ ein Foto von Antonia und schrieb darunter 1. Ehefrau des Kronprinzen?

Dieses Foto und genau dieser Satz ließen mich stutzig werden und so begann ich meine intensive Forschungen, welche – wie oben erwähnt – durch meine schwere Erkrankung gestoppt werden mussten. Doch jetzt bin ich wieder fit und sie gehen weiter.

Danach war Kronprinz Rudolf nicht mehr derselbe. Er wechselte die Betten und die Frauen, steckte sich mit Gonorrhoe an und wurde Zeugungsfähig. 

Diese Geschlechtskrankheit gab er an Stephanie weiter, so dass sie keine Kinder mehr bekommen konnte. Aus anfänglicher Sympathie und Liebe die sie für ihn empfand, wurde unbändiger Hass, die die beiden in lautstarken Streitigkeiten austrugen. 

Ab 1888 betätigte sich Rudolf als Journalist; allerdings musste er dies hinter dem Rücken des Vaters tun. Moritz Szeps war sein väterlicher Freund und unterstützte ihn bei seinen Schriften gegen die Regierung von Graf Eduard Taaffe im „Neuen Wiener Tageblatt“. 

Die Freundschaft zu Moritz Szeps und Moritz Hirsch, welche beide Juden waren, brachte ihm den Namen „Judenknecht“ ein. Die Feindschaft der Antisemiten zu Kronprinz Rudolf war erschreckend hoch. 

Rudolf wurde keine politische Funktion von seinem Vater eingeräumt. Dieser schottete ihn komplett vom täglichen Geschehen im Reich Österreich-Ungarn ab. Rudolf musste sich über tagespolitische Themen über die Presse informieren. 

Das Verhältnis zwischen Kaiser Franz Joseph und Kronprinz Rudolf wurde immer schwieriger. Kaiserin Elisabeth zeigte an ihrem Sohn keinerlei Interesse und weigerte sich zwischen Vater und Sohn zu vermitteln. 

Von Selbstmordgedanken getrieben, zog er sich immer mehr in schwere Alkohol- und Drogeneskapaden zurück. Kronprinz Rudolf war der modernen Droge Morphium verfallen.

Nun lernte seine zweite Liebe kennen: Mizzi Kaspar, eine Soubrette (veralteter Ausdruck für Prostituierte)

Foto: Wikimedia/Commons
Mizzi Kaspar

Sie wurde seine Langzeitgeliebte und er verwöhnte sie mit Schmuck und teurer Kleidung. Ganz Wien wusste Bescheid, aber niemand traschte öffentlich. 

Eines Tages bat er Mizzi, ob sie bereit wäre, sich am Husarenberg in Mödling, gemeinsam das Leben zu nehmen. Doch Mizzi lehnte entsetzt ab.

Durch Marie Gräfin Larisch, welche die Lieblingsnichte von Kaiserin Elisabeth war, lernte er die 17jährige Baronesse Mary Vetsera kennen und begann mit dieser eine Liaison. Von romantischen Gefühlen getrieben, stimmte sie einem gemeinsamen Selbstmord zu. 

Die letzte gemeinsame Nacht verbrachte das Liebespaar Rudolf und Mizzi gemeinsam vom 27.1. auf den 28.1.1889. Beim Abschied küsste er sie auf die Stirn und machte ein Kreuz auf diese. Dies war zuvor nie vorgekommen. 

Mizzi versuchte ihm das Leben zu retten, in dem sie die Polizei in seinen Plan einweihte. Aber niemand wollte ihr Gehör oder Glauben schenken.

Von Mizzi fuhr Rudolf direkt zur angesetzten Jagd nach Mayerling, wo er von Philipp Prinz von Sachsen-Coburg, Josef Graf Hoyos-Sprinzenstein und Diener Johann Loschek erwartet wurde. 

Wegen angeblicher Unpässlichkeit zog sich Rudolf zurück, die Jagd wurde abgesagt. Er schickte Prinz Philipp zu seinem Vater nach Wien und ließ sich bei Stephanie und Kaiser Franz Joseph für sein Fernbleiben entschuldigen. 

Leibfiaker Bratfisch brachte abends Mary Vetsera zum Jagdschloss. 

Foto: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Mary Vetsera

Ohne das Graf Hoyos-Sprinzenstein dies mitbekam, wartete Mary heimlich im Schlafzimmer, während Rudolf mit ihm relativ schweigend das Abendessen einnahm. Danach zog sich Rudolf zurück und bat Loschek niemanden zu ihm zu lassen. 

In den frühen Morgenstunden vom 30.1.1889 erschoss Rudolf zuerst Mary, danach mit Hilfe eines Spiegels sich selbst. Er wurde nur 30 Jahre alt. 

Kronprinz Rudolf wurde für Geisteskrank erklärt. Nur so konnte er seine letzte Ruhestätte in der Kapuzinergruft finden. 

Obwohl sie lebend mit ihrem Sohn kein Naheverhältnis hatte, hinterließ der Tod bei Kaiserin Elisabeth tiefe Spuren.

Von Selbstvorwürfen, Selbstmitleid und Depressionen getrieben, trug sie ab diesem Tag – bis zu ihrem eigenen Tod – in der breiten Öffentlichkeit nur noch schwarz (außer auf Korfu). Wenn man aber bedenkt, dass sie vielleicht ein unfassbares Geheimnis mit sich Tragen musste, ist dieses Verhalten mehr als verständlich.

Der gesamte Rundgang durch das Karmel Mayerling, könnt ihr euch in diesem Video ansehen.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Mary Vetsera war nur Mittel zum Zweck. Die große Liebe, wie sie so gerne in (zum Teil auch in historischen) Büchern, Musical (Rudolf) und Kitschfilmen propagiert wird, existierte zumindest von der Seite des Kronprinzen nicht. 

Mary selbst war noch viel zu jung (17), um die Lügen, Manipulationen und die Depression eines erwachsenen Mannes zu erkennen bzw. zu durchschauen; noch dazu kannte man das Wort „Depression“ als solches noch gar nicht. 

Seit dem Tod von Rudolf ranken sich viele Mythen und Theorien um selbigen. 

Der kaiserliche Hof vertuschte die Tragödie und gab weitestgehend Mary Vetsera die Schuld an allem. So soll sie dem Kronprinz Gift gegeben und sich dann selbst das Leben genommen haben. 

Zumindest wurde das als erstes verlautbart. 

Kaiserin Elisabeth war es, die Helene von Vetsera zu sich bat, um ihr vom Tod ihrer Tochter zu berichten und zu kondulieren. 

Niemand hat es für notwendig erachtet, die Mutter von Mary zu verständigen. 

Elisabeth kniete einige Tage später am Grab von Mary und bat sie um Verzeihung. Sie wusste um die Schuld ihres Sohnes und verwand dies nie. 

Gräfin Larisch wurde auf ewig vom Hof verbannt. Auch ihr Leben zerbrach vollständig an dieser Tragödie. 

Kaiser Franz Joseph verbannte die Familie Vetsera vom Wiener Hof, die an dieser Tragödie vollkommen zerbrach. 

Kaiserin Elisabeth ließ auf Korfu ein Denkmal für ihren Sohn erbauen, welches als verschollen gilt. Doch das stimmt nicht so ganz, wie ihr in diesem Video sehen könnt.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Otto von Habsburg besass angeblich die Waffe von Kronprinz Rudolf, welche er Zeit seines Lebens nicht herausgab. Er bestritt dies allerdings immer vehement. 

Kaiserin Zita verband in den späten 1980er Jahren immer noch ihre Augen vor der Wahrheit. 

Sie behauptete weiterhin steif und fest, dass Rudolf einem Attentat, begangen vom französischen Staatsmann Georges Clemenceau, zum Opfer fiel. Ausgangspunkt sei gewesen, dass sich Rudolf dem Sturz seines Vaters nicht anschließen wollte. 

Wer sich für das Leben des Kronprinzen und die gesamte obskure Geschichte interessiert, dem empfehle ich mein Live-Video „Kronprinz Rudolfs Leben“.

Video: mythoskaiserinelisabeth.com – Petra

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck
Bildnachweise: Wikimedia/Commons, Österreichische Nationalbibliothek, mythoskaiserinelisabeth.com – Petra
Videonachweise: Petra Schimbäck
Ich danke dem Karmel Mayerling herzlich für die Video- und Fotoerlaubnis!
Ich danke dem Hofmobiliendepot herzlich für die Video- und Fotoerlaubnis!


Literatur Hinweise:

Jean-Paul Bled
Kronprinz Rudolf 
Böhlau, Wien 2006

Brigitte Hamann
Kronprinz Rudolf. Ein Leben. 
Amalthea, Wien 2005

Rudolf Ein Leben im Schatten von Mayerling. 
Ausstellungskatalog, Wien 1990

Brigitte Hamann
Rudolf. Majestät, ich warne Sie…,
Geheime und private Schriften 
Amalthea-Verlag, Wien/München 1979

Oscar von Mitis
Das Leben des Kronprinzen Rudolf
Mit Briefen und Schriften aus dessen Nachlass. 
Insel-Verlag, Leipzig 1928

Helmut Reinmüller
Cold Case Mayerling Der Tod von Kronprinz Rudolf und Mary Vetsera
Kriminalpolizeiliche Aufarbeitung des Falles mit Originalquellen. 
Kral Verlag, Berndorf 2021

Ernst Edler von Planitz
Die volle Wahrheit über den Tod des Kronprinzen von Österreich
Pichler Verlag, 1890

Friedrich Weissensteiner (Hrsg.)
Lieber Rudolf. Briefe von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth an ihren Sohn
Ueberreuter, Wien 1991

Sigrid-Maria Größing
Rudolf. Herzensbrecher, Freigeist, Psychopath
A & M, Salzburg 2006

Hermann Altenberg
Um Recht und Nachfolge im Hause Habsburg
Europa Verlag, 1966

Fritz Judtmann
Mayerling ohne Mythos
Ein Tatsachenbericht
Kremayr & Scheriau, 1968

Helmut Reinmüller
Mary Vetsera – Der Grabraub 1992. Darstellung der Tat aus kriminalpolizeilicher Sicht mit neuen Fakten, Details und Bildern
Kral-Verlag, 2019

Brigitte Sokop
Jene Gräfin Larisch
Marie Louise Gräfin Larisch-Wallersee, Vertraute der Kaiserin – Verfemte nach Mayerling
Böhlau, 2006

Rudolf R. Novak
Das Mayerling-Netz. Verborgene Zusammenhänge entdeckt
Berger, 2019

weitere Literatur folgt…

Johann Graf Mailath von Székhely

Foto: oocities.org
Johann Graf Mailath von Székhely

Johann Graf Mailath von Székhely, bekannt als Geschichtsprofessor von Herzogin Elisabeth in Bayern, wurde am 3.10.1786 in Pest geboren. 

Johann war eines von 18 Kindern, welche sein Vater Janos mit 2 Ehefrauen zeugte. 

Schon schnell war klar, dass der kleine Johann eine Beamtenlaufbahn einzuschlagen hatte. Er wurde deshalb am Erzbischöflichen Lyzeum von Erlau unterrichtet. Er studierte danach Philosophie und Jura an der Rechtsakademie in Raab. 

1808 übersiedelte er nach Wien und trat als Konzipist in die Hofkanzlei in Wien ein, wo er 1812 zum Sekretär wurde. 

In dieser Zeit lernte er Gräfin Anna Revay kennen und heiratete sie. 1811 wurde Tochter Henriette, 1815 Sohn Kálmán geboren. 

Ein schweres Augenleiden verhinderte eine große Beamtenlaufbahn. Graf Mailath versuchte sich als freier Schriftsteller, was aber misslang. 

Als Graf von Székhely war er zwar adelig, hatte aber bei 17 Geschwistern keine Güter mehr zu erwarten. Er verarmte daher fast, da ihm auch seine Arbeit als Schriftsteller nicht genügend einbrachte. 

Seine Gedichte, Sagen und Märchen waren nicht mit großem Erfolg gesegnet. Ab 1842 beschäftigte er sich mit Randthemen der Wissenschaft und der Kunst, was allerdings als Dilettantismus angesehen werden muss. Ab 1851 etablierte er sich allerdings als Autor und Vermittler historischer ungarischer Literatur, welche er übersetzte. 

Graf Mailath galt als überaus intelligent und dürfte ein fotografisches Gedächtnis gehabt haben: er rezitierte Gedichte, die er nur ein einziges Mal gehört hatte verkehrt herum. Er begann demnach mit der letzten Zeile und endete mit der Ersten. Auch Würfelspiele, mit locker 200 Würfelfolgen, konnte er der Reihe nach aufsagen, ohne einen Fehler zu machen. 

Er galt als eloquenter Erzähler und war in der Gesellschaft gerne gesehen, obwohl er kein Geld vorweisen konnte. Graf Mailath verfolgte die „österreichische Gesamtstaatsidee“. Er hielt den Adel und die Kaiserzeit für veraltet. Er schrieb Artikel für die Zeitschrift „Iris“, in welcher auch (erstmals) Adalbert Stifter und Franz Grillparzer veröffentlichten. 

1848 übersiedelte er nach München, wo er auf eine bessere Verdienstmöglichkeit hoffte. Er wurde in die Gelehrtenkreise aufgenommen und war viel- und gerngesehener Gast. 

Sein ganzes Bestreben und sein ganzes Handeln wurde von der Liebe zur Tochter Henriette bestimmt. Sie formte er. Sie schrieb seine Schriften nieder und er widmete ihr jedes Werk. Henriette war von blinder Ergebenheit an ihren Vater gebunden. 

1853/54 wurde Professor Mailath an den herzöglichen Hof gerufen. Er sollte die Verlobte von Kaiser Franz Joseph, Herzogin Elisabeth in Bayern, in ungarischer und österreichischer Geschichte unterrichten. 

Dabei prägte Graf Mailath Elisabeth so sehr, dass sie später immer wieder ihren Professor aus der Verlobungszeit zitierte und die Gesellschaft mit Aussagen, dass der Adel veraltet sei in höchsten Schrecken versetzte. 

Nach der Anstellung am herzöglichen Hofe, verarmte Professor Mailath komplett. Fast 70jährig und mittlerweile fast erblindet, sah er keinen anderen Ausweg mehr. Seine Tochter, aus Liebe und Hingabe zum Vater, wollte nicht alleine zurückbleiben. 

Am 3.1.1855 fuhren die beiden von München an den Starnberger See, nicht unweit vom Schloss Possenhofen, füllten ihre dürftigen Kleider mit Steine, banden sich ein großes Tuch um die Hände und ertränkten sich gemeinsam – 69jährig und 44jährig – im See. 

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck 
Bildrechte: oocities.org


Literatur Hinweise:

Constantin von Wurzbach 
Majláth, Johann Graf
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
16. Theil.
kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1867, S. 300–305

König Friedrich Wilhelm IV von Preußen

Foto: Wikimedia/Commons
König Friedrich Wilhelm IV von Preußen

König Friedrich Wilhelm IV von Preußen wurde am 15.10.1795 in Berlin geboren. 

Sein Vater war Kronprinz Friedrich Wilhelm. Seine Mutter Luise Herzogin zu Mecklenburg. 

Sein Vater bestieg am 16.11.1797 als König Friedrich Wilhelm III von Preußen den Thron, weshalb der 2jährige Kronprinz wurde. 

Er wurde, wie üblich in diesen Kreisen, zu Hause unterrichtet, erlangte aber nicht für ein Studium an einer Universität das benötigte Wissen. Ab seinem 10. Lebensjahr wurde Friedrich militärisch erzogen. 

1810 begann der Kronprinz sich Schloss Charlottenhof bauen zu lassen, was er nach Fertigstellung (20 Jahre später) gerne für Abendgesellschaften nutzte. 

1815 ging er auf Rheinland-Reise und begann den Weiterbau des Kölner Doms, der seit 1560 eingestellt war. 

Ab 1819 musste Prinz Friedrich auf Brautschau gehen, weshalb ihn der bayrische Königshof, König Maximilian I., einlud. Dieser versprach ihm, im Falle einer Wahl, den Übertritt in den protestantischen Glauben. Erst durch diese schriftliche Zusicherung durfte Friedrich die Einladung ans bayrische Königshaus annehmen. 

Er verliebte sich in die schöne, sowie störrische Elisabeth Ludovika Prinzessin von Bayern, welche sich beharrlich weigerte, den Glauben der Preußen anzunehmen. 

Foto: Wikimedia/Commons
Elisabeth Prinzessin von Bayern, Ehefrau

Prinzessin Elisabeth war eine Schwester von Erzherzogin Sophie und Herzogin Ludovika. Sie war somit eine Tante von Kaiser Franz Joseph und Patentante von Kaiserin Elisabeth. 

Ganze 4 Jahre kämpfte Friedrich um Elisabeth. Sie behielt ihren Glauben, verpflichtete sich aber zum protestantischen Unterricht. 

Am 16.11.1823 vermählten sich Prinz Friedrich und Prinzessin Elisabeth katholisch in der Kapelle der Münchner Residenz und am 29.11.1823 protestantisch in der Berliner Schlosskapelle. 

1828 erlitt Elisabeth eine so schwere Fehlgeburt, dass sie unfruchtbar wurde. Friedrich hielt an seiner Ehefrau fest und machte seinen jüngeren Bruder, Prinz Wilhelm, zum Thronerben. 

Die Ehe der beiden wird in der Literatur als unwahrscheinlich glücklich beschrieben. Die ruhige, besonnene Elisabeth, wirkte sich auf den hibbeligen Friedrich als „Anker“ aus. 

Sein Vater hielt ihn aus allen politischen Tagethemen heraus, weshalb er sich ins Privatleben zurückzog. Und so gingen Friedrich und Elisabeth auf ausgedehnte Italienreisen. 

Am 7.6.1840 bestieg Kronprinz Friedrich Wilhelm, als König Friedrich IV von Preußen, den Thron. Elisabeth wurde Königin. Große Feierlichkeiten folgten, die sich teilweise bis in den September hinzogen. Doch auch Schattenseiten begleiteten die Thronfolge. Es drohte Krieg mit Frankreich. 

1848 erlebte er die Revolution, die von Frankreich aus halb Europa erfasste, weshalb er Briefe an Victoria von Englang, Zar Nikolaus I und Metternich schrieb. Im März 1848 nahm er Otto von Bismarck als Berater auf. Am 3.4.1849 lehnte er die Krönung zum Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“ ab. Dies hätte den Untergang des Habsburg-Reiches ausgelöst, was er kategorisch ablehnte. Danach folgten einige Kriege und politische Schachzüge, sowie Fehleinscheidungen. Außerdem überlebte er 2 Attentatsversuche. 

Ab Juli 1857 erfasste ihn ein persönliches Krankheitsdrama. Er erlitt mehrere Schlaganfälle, die sein Sprachzentrum lahmlegten. Schwergezeichnet von seiner Krankheit, unterschrieb er am 7.10.1858 die Regentschaftsurkunde für Prinz Wilhelm. 

Am 12.10.1858 verließ das Königspaar Deutschland und reiste nach Italien, wo sie noch 2x Papst Pius IX trafen. Danach begab sich das Paar zurück nach Potsdam, ins Schloss Sanssouci. 

Am 24.11.1859 erlitt er erneut einen schweren Schlaganfall, der ihn linksseitig lähmte. Fortan konnte er nur noch halb liegend und halb sitzend im Rollstuhl bewegt werden, eine Rückkehr nach Berlin wurde unmöglich. 

Der König musste in Sanssouci bleiben. Am 4.1.1860 erlitt er den nächsten Schlaganfall, der ihn das Bewusstsein verlieren ließ. Man verständigte die Familie, welche alle nach Potsdam kamen, um Abschied zu nehmen. 

König Friedrich Wilhelm IV starb 66jährig am 2.1.1861 im Schloss Sanssouci. Er ruht, neben seiner Frau, in der Friedenskirche vom Schloss Sanssouci.

Petra Schimbäck


Text + Recherchen: Petra Schimbäck 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, mythoskaiserinelisabeth.com – Tamara


Literatur Hinweise:

David E. Barclay
Anarchie und guter Wille. Friedrich Wilhelm IV. und die deutsche Monarchie
Siedler-Verlag, Berlin 1995

Dorothea Minkels: Briefwechsel des Königspaares Friedrich Wilhelm IV. & Elisabeth von Preussen (Baiern) 
Herausgegeben von der Königin Elisabeth von Preussen Gesellschaft Band 1-3
Norderstedt BoD, 2020